RE — IE 2 € RB. — — 5 er Er N ie * * A . 0 8 g * 1 * ö f N — - ; 7 * > 2 ' 2 . N 4 ; , “ . 2 4 . 3 # * 1 7 * * PET 7 | gar I 8 1275 2 Er £ durg > 75 * Nr rnit 7 2 Friedrich Gottlieb Welcker, ord. Prof, der Philof, zu Göttingen, * 16 5 £ in ie Göttingen bey Vandenhoek und Ruprecht. J * ö 32 1816. * 1 * — 2 — en 2 } 1 „olg 815 von einem herrſchenden Vorurtheil befreyt a { 7 — 8 Näge nor u dmöreiv: dd rabrœ N 10 ppwvarv. . 8 Epicharmus: 4 BIBLIOTHECAL REGILA N “ KMONACENSIS. * — . Bayerische. : Staatsbibjiothen | — . Münch 5 „ Was von dem Leben beruͤhmter Dich⸗ ter aus faſt nur dichtenden und noch nicht vielſchreibenden Zeitaltern erzaͤhlt wird, er⸗ regt im Ganzen, weil es gewoͤhnlich allzu lückenhaft und widerſprechend iſt, wenig Theilnahme. Das Meiſte iſt nur aus Aaeuſſerungen ihrer Werke, oft einſeitig und falſch, gefolgert, und doch von alten Schriftſtellern unter der taͤuſchenden Maske des Geſchichtlichen hingeſtellt; verſchiedene Zeitalter haben oft in abweichenden Urthei⸗ len ihren eignen Geſchmack ausgedrückt, und die meiſte Verwirrung erzeugt ſich da- durch, daß, fo lange noch die geschäftige und erfinderiſche Sage und ihre Schweſter, die Allegorie, wirkt und waltet, die Na⸗ men der Dichter leicht ſelbſt in einem ge⸗ n n 24 — = wiſſen Grad Gegenſtand derſelben werden Davon finden wir Beyſpiele genug in un⸗ ſerer eignen ſangreichen Vorzeit; noch weit mehre in dem Zeitalter, worin in Griechen⸗ land Muſik und Lied eine ſo große Ver: breitung gewonnen, und eine unermeßliche Gewalt ausgeübt haben. Aber nicht blos find dort unter dem ſchwatzhaften, leicht⸗ glaͤubigen, ſinnvoll taͤndelnden Volk die berühmteften Dichter mehr oder weniger gleichſam von ſelbſt mythiſch, ſondern zum Theil find auch, durch mehr abſichtliche luſtige Erfindungen der Schauſpieldichter, Vorſtellungen, oft Zerr bilder von ihnen verbreitet worden, von denen einzelne Züge - für immer im Gedaͤchtniß geblieben find und mit anderweitigen Vorſtellungen ſich verſchmolzen haben. Naturlich alſo, daß unter dieſen Umſtaͤnden die meiſten Zuſam⸗ menſtellungen verwirrt und ungeſchickt aus⸗ gefallen find; und um die Mühe einer ges naueren unterſihung und Sonderung an⸗ zuſtellen, iſt das, was dadurch ausgemit⸗ telt werden kann — wiewohl von jedem noch ſo beſchränkten Punkt aus immer neue oder belehrende Anſichten von irgend einem Theile des Alterthums ſich gewinnen laſ⸗ ſen — nicht belohnend genug. Aber zu dem, was an ſich müßiger ſcheinen koͤnnte, ge⸗ ben zuweilen einen beſondern Antrieb grobe Mißverſtändniſſe, eine Unbedachtſamkeit, welche in verſtandloſen Aeuſſerungen alle Ahndung von der Kraft und Groͤße der Menſchen, von welchen die Rede iſt, ver— läugnet, Miß handlungen ſolcher Namen durch das unberufene Urtheil, welches nicht R weniger in den Büchern und in Hinficht der zerſtreut vorhandnen alten Nachrichten als im gemeinen gegenwärtigen Leben gewoͤhn— 5 lich zum Nachtheiligen und Niedrigen neigt. Der dadurch gereizte Unwillen verwandelt ſich denn nachher billigerweiſe in einen Ei⸗ 6 fer fie die angetaſteten Perſonen, deren forgfältige und getreue Beurtheilung nicht blos die einzig moͤgliche Widerlegung iſt, ſondern auch die einzige Erwiederung, wel⸗ che leichtſinniges Aburtheilen aus dem Steg⸗ reif (mie Platon fagt) über hoch ſtehende Menſchen in einer entlegenen Zeit und in vielfach uns entfremdeten Berhäktniffen ver⸗ dient. Und ſo will ich geſtehen, daß das Erſtaunen über die unfägliche Gemeinheit, welche fich oft, vordem und neuerlich, uber die Sappho ausgeſprochen hat, die Ver⸗ anlaſſung zu der gegenwartigen Abhand⸗ lung geweſen iſt. e Was wir geſchichtlich von der Sappho wiſſen beſchraͤnkt ſich auf einige Fami⸗ lienumſtaͤnde r), und auf die Nachricht, 2) Herod. II, 135. Aus den Gedichten der 3 Sappho gezogen ſcheint Ovid. Heroid. „XV. PEN, Ihren Bruder Larichos. preiſt ſie als Mundſchenk im Prytaneum. Athen. X. p. 424 s. Eustath. p. 1280, 27. 1 2 N daß ſie, als zu Athen Ariſtokles Archon war, gegen Ende des ſechsten Jahrhunderts (592 v. Chr.) von Mitylene nach Sicilien zag 2). Die Mitylener haben ihr die hoͤch⸗ 2) Marm; Par. Ep. 37: HAHA, ap orros Ü apı6ronheovs qq ou gam Ey hirrud uns eis πον, Zen u- ee Sνοοννν,. Corſini will die Begeben⸗ 3 heit um zehn Jahre zuruͤckſetzen. Nach dem (hron. Euseb, blühte Sappho im e woͤlften Jahr des Alyattes, deſſen Re⸗ „ gierungsantritt die Paxiſche Inſchrift 13 I, ahre früher ſetzt als dieſe Auswande⸗ derung. Barthelemy hat in dem Zuſatz zum 3. Kap. des Anacharſis vermuthet, Sappho ſey in die Unternehmung des Alkaͤos gegen den Pittakos verwickelt geweſen und darum verbannt worden; und Visconti in der Iconologie Grecque pflichtet ihm bey, und behauptet, der . Ausdruck pvyodsa beweiſe unwiderleg⸗ lich, daß ſie nicht dem Phaon gefolgt, ſondern zur Flucht gezwungen geweſen ſey. Indeſſen wenn auch gewoͤhnlich beben, verbannt ſeyn heißt, weil * der freye Bürger ſich nicht leicht wills kluͤhrlich von ferner Stadt trennt; fo iſt es doch eben darum auch natürlich, daß man den Ausdruck beybehielt, wenn je⸗ nan ſteywilig aus irgend einem Grunde 4 x 8 (ie Auszeichtung erwieſen, welche der Stolz auf einen berühmten Mitbürger in jenen Zeiten eingeben konnte, indem ſie ſie auf ihre Münze prägen ließen 2), Platon — — { vie >e or irn 1 ſeine Heymath berließ: und ſo geſchieht =. 08 eee Mi more . @ebyovr” dvöpa . & rlö:, Rö, zuͤſprechen. Dieß zwar mit unzureichen⸗ den Gründen. Denn daraus, daß die Inſchrift gn kpecara neu iſt, folgt noch nicht, das fie falsch fe: und daß er darunter eine Buhlerin von Ereſos ſtatt der Dichterin Sappho ſieht, iſt ganz irrig. S. Note 9 ee Werglei is chung der Züge: mit den Münzen, die, ann it, er a — B * 0 wenn nicht wahre Abbildung doch ein 45 einmal angenommen es Bild enthalten, wuͤrde mehr entſcheiden. So führt Plu⸗ „ tarch an, (Vit. Arat. 0 ein gewiſſer Ni⸗ 11 sg kokles zur Zeit des Aratos ſey dem Pe⸗ riander, Sohn des Kypſelos, auffallend 2 N ähnlich geweſen, wie der Perfer Dron⸗ tes dem Alkmgon, Sohn des Amphia⸗ raos, und ein Lakedämonier dem Hektor. aun Aber auch die verſchiedenen willkuhrli⸗ chen Bildungen alter Dichter, die mehr wie Denkmäler und freye „Kunſtwerke wie als Abbilder on ‚betrachten find; ver⸗ dienen Rückſicht. So war vermuthlich die Statue * Sappho, welche von Des us “rim Schliler des Agathias, der gegen Ausgang des ſechsten Jahrhun⸗ derts lebte), geſchildert iſt, (ein heitres und feuchtes Antlitz, Muſe mit Kypris an mifcht),; nach dem Charakter der Ge⸗ nge eifunden. Von einer Statue im kit macht Zoega lin feinen: Papie⸗ { ci gen) folgende kurze Beſchreibung: Im Zimmer der Muſen iſt eine Statue ei⸗ 1155 nes Weibes, ſitzend, vom Peplos um⸗ 25 Sah Kopf ſcheint Porträt. Aus dem Buch, das man ihr in die linke Hand 5 85 7 gegeben, welche allein fehlte, vermuthe ich, daß man es fuͤr eine Sappho oder andere . von gleich . ro 4 mals nachgeahmt worden iſt, die zehnte — Geeſichtszügen wird erklaren wollen. Was die Anordnung der Haare betrifft, gleicht ſie der daneben ſtehenden Herme der Aſpa⸗ ſia; aber die Geſichtszuͤge find zu verſchie⸗ den, wiewohl die Statue mehr von dem phat, was man fur Charakter der Aſpaſia halten wuͤrde, als die Herme.“ Im Pas laſt Giuſtiniani ſah ich einen ziemlich ſchöͤ⸗ nen Kopf, den man Sappho nannte, ein andrer, der geruͤhmt worden iſt, befand ſich (wenigſtens noch 1729) im Muſeum zu Braunſchweigz ein dritter kommt uns ter dieſem Namen in den Antiqu. of Wil- tonhouse p. 66. Ed. g. vor, alle drey von Marmor. Drey andre Marmorbuſten ſind, ich weiß nicht mit welchem Grunde, nach der Dichterin benannt worden, Mus. Capitol. T. I. t. 38. 60. wo Bottari an⸗ fuͤhrt, daß ſo eben eine dritte noch ſchoͤ⸗ nere aus Villa Hadriana auch in das Ca⸗ pitol gebracht werde. Die ſchoͤne Anord⸗ nung des Haars iſt bey allen dieſelbe; und dieſe Uebereinſtimmung der Grnnd fur den wenig gültigen Herausgeber, fie fuüuͤr dasſelbe Bildniß zu nehmen. In den Hercuk. Alterth. Th. g. Taf. 37% f. hal man einen Kopf aus Erz mit ei⸗ nem doppelten ſchmalen Band um das Haar nach der Dichterin genannt. Eine Spielerey. Eben ſo, wenn Caylus Re- * 11 5 der Muſen ), andre den weiblichen Hos mier, oder die Dichterin, wie Homer den Dichter, und Strabon ſcheint das Urtheil des ganzen Alterthums auszuſprechen, wenn e sagt: (XII., b. 01.) fie ſey eas „nr . cuell T. I. p. 127. zwey nackte Figuren Sappho und Phaon nennt, weil das Madchen eine Binde um den Kopf hat, der Mitra, welche Göttinnen und Muſen oft haben, nur entfernt ähnlich. Von Muͤnzen will ich nur eine in Mus. Sanclex ment. numism. sel. 1809. T. I. p. 239. und eine bey dem Profeſſor Broͤnſtedt in 5 Kopenhagen geſehene, die von dieſem aus Griechenland mitgebracht worden, FR ei, beyde von Mitylene, mit dem, Kopf der Sappho. Letztere hat auf der 7 Ruͤckſeite eine Laute. Die, übrigen ſind N in den Ausgaben der Fragmente ange⸗ | fuͤhrt. Visconti hat nicht einmal ihrer Abmeichung von einander gedacht. Meh⸗ 3 rere Gemmen ſind von Bottari a. a. O. bemerkt. a *) Im Phaedr. p. 23g. B. iſt es deutlich, daß got, wiewohl auf dieſen Ausdruck nicht ſo viel ankommt, als manche geglaubt haben, auf Sappho l bezieht. So nahm es auch Ael. V. H. XII, 19 ' | E — 1 12 wunderbares; denn in der langen Zeit menſchlicher Kunde ſey kein Weib erſchienen, f das mit ihr wetteifern koͤnne in der Dicht⸗ kunſt, auch nicht entfernt. j Indeſſen kann auch das wenige, was von, Bruchſtuͤcken übrig iſt, faſt wie eine ges ſchichtliche Urkunde benutzt werden; ſo ſehr weicht die Beife der Sappho, wie uͤber⸗ haupt die ganze Doriſch⸗ „Aeoliſche Lied⸗ kunſt von allen bedeutenden Erſcheinungen in dieſem Gebiet ab durch den Ausdruck von Wirklichkeit und Perſoͤnlichkeit, der im Ton und der Behandlung des Ganzen, fo wie in vielen kleinen Einzelheiten und Berlüchkeiten unverkennbar iſt. Die Zeit iſt noch ſehr alterthümlich, wenn man will ſteif und ungewandt, und, wie der Cha⸗ rakter des Volksſtammes felber, bey aller Gluth der Empfindung, treuherzig. Die Gedanken und Sachen ſind nicht vieldeutig, zweifelhaft, nicht in gedichtete Einkleidun⸗ 13 gen abſichtlich fein verſteckt, ſondern einfach und beſtimmt; die ausgeſprochene Erfah⸗ rung iſt eine unmittelbare, und die Einheit einer wirklichen ſteten, nicht augenblicklich in Gedanken ergriffenen Bildung und Stim⸗ mung, die eben ſo eigen und eins als die Natur ſelbſt ſind, aus der ſie ſich entwickelt haben, iſt ſo fuͤhlbar, daß man ſie bis in die letzte Sylbe durchgedrungen zu verſpuͤ⸗ ren glaubt. Was Buttmann s) im Gegen⸗ ſatz hiervon uͤber das Gedichtete in den Werken des Horatius bemerkt hat, muß allgemein überzeugen. Die hohe Natur⸗ wahrheit aber in den Doriſchen Dichtern in Verbindung mit dem feinſten Kunſtſinne laͤßt vielleicht nur einer einzigen Sache ſich 6) In der Abhandlung über das Be: ſchichtliche und die Anſpielun⸗ gen im Horaz, in den Abhand l.“ der Berliner Akad. der Wiſſen⸗ ſchaften. 1818. 8 ARE: 14 vergleichen, den Bildhauereyen aus den Zeiten des Phidias, worauf die Kuͤnſtler ſeit mehreren Jahren durch die wenigen Stuͤcke, die in Paris ſich befanden und durch Abgüſſe allgemein verbreitet waren, und neuerlich beſonders durch die Elgin⸗ ſche Sammlung und Canovas Urtheil dar⸗ uber mehr aufmerkſam geworden find. Hiernach ergiebt ſich, daß die ſpärlichen Ueberreſte der Griechiſchen Lyriker bey ges ſchichtlichen Unterſuchungen auf ganz an⸗ dre Weiſe angewandt werden koͤnnen, als irgend andre Werke der Dichter. Ehe wir jedoch einen Schritt näher treten, iſt es noͤthig, einiges allgemei⸗ * nere feſtzuſtellen, wovon mit Sicherheit ausgegangen werden koͤnne; namentlich, daß die Griechen, ſo ſehr ihre Begriſſe von der Liebe ſich verirrt hatten, niemals die Unnatur ſo weit getrieben haben, die funere Verſchiedenheit beyder Geſchlechter * 15 zu verkennen und ihnen gleiche Freyheit zuzugeſtehen; und dann, daß die Unter⸗ 5 ſcheidung zwiſchen dem Eros Uranios und dem Eros Pandemos 5), oder zwiſchen der ganz ſinnlichen, und der, wenn auch nicht ganz unſinnlichen doch ſchuldloſen Liebe, welche bey uns nur einzelne Men⸗ ſchen als eine nicht bloß gradmaͤßige Ver⸗ ſchiedenheit, ſondern völlige Trennung faſ⸗ ſen, (ſo daß nicht einmal Petrarca leicht begriffen wird), bey ihnen gewiſſermaß en volksmaͤßig war. Die Maͤnnerliebe war allgemein, faſt ſo allgemein als etwas in dem beſondern Hange eines Volks und in den Sitten der Menſchen, und nach großen Entfer⸗ nungen der Zeiten und der Orte, allge⸗ nn. 7 5 Plutarch. Amator. 19. Brgl. Plat. Symp. 5 p. 180 sd. Xenoph. Symp. VIII, 9. 10. 8 Lucian. in Amor. und in Encom. De: moch. an mehreren Stellen, 5 7 * e 16 mein ſeyn kann. Nicht blos das Leben und die Gedichte und Schriften, die ſich darauf beziehen, waren voll von ihr; fondern die Vorſtellungen davon ſind viel⸗ faͤltig in die alteſte Dichtung, die Reli⸗ gion, und durch ſie wieder in die Geſchichte verflochten. Von dieſem allem tritt bey⸗ nah das gerade Gegentheil ein in Hinſicht der Frauen. Es iſt ein großes Mißver⸗ ſtaͤndniß, wenn neuerlich, falls ich nicht ſehr irre, in Goͤthes Farbenlehre, in an⸗ drer Anſicht auf die Chloris und Thyia, als noch im Hades unzertrennlich, ange⸗ ſpielt worden iſt. Pauſanias, der einzige, der ihrer in Verbindung gedenkt, erwaͤhnt ganz unverfaͤnglich (X. 29.), wie unter den Gemaͤlden der Delphiſchen Leſcher “uns ter der Phaͤdra ſey Chloris, liegend un⸗ ter den Knieen der Thyia. Man werde nicht irren, wenn man ſage, ſie hätten f Freundſchaft gegen ie im Leben 17 a gehabt; denn ſie waren, die Chloris aus Orchomenos in Boͤotien, (die Thyia, ſollte hier folgen, ſey es nun von dem Schriftſteller oder dem Abſchreiber ausge⸗ laſſen, auch aus Boͤotien, X, 6.) und es haben auch andre die (von der Geheim⸗ lehre ausgehende und darum mit Vorſicht zu erwaͤhnende) Sage von ihnen erzaͤhlt, daß der einen Poſeidon beygewohnt habe, der Thyia; die Chloris aber mit dem Sohn des Poſeidon, Neleus, vermaͤlt geweſen ſey.“ Neben der Thyia ſtand Prokris und mit abgewandtem Rücken Klymene, des Kephalos frühere, von ihm getoͤdtete Gemalin. Dieß war eine tiefere Reihe von Figuren. Thyia ſaß und Chloris durch die Annaͤherung von jenen beyden trat die Bedeutung von dem in feindli⸗ B pg unterhalb; fo hielt ſich dieſe Gruppe neben der ſtehenden im Gleichgewicht; und chem Verhaͤltniß zu denkenden Paare her⸗ e vor?). Daß aber Poſeidon das einzig Beindende in der tiefgehenden Freundſchaft 7 der Thyia und Chloris ſey, geht aus der Ss Götterlehre hervor. Thyia iſt die Stif⸗ terin der Bacchiſchen Orgien, Chloris (Flo⸗ ra) geht auf Gruͤnen und Wachsthum; und ö poſeidon iſt eben fo ſehr dem Dionyſos "a als der dieſem verſchwiſterten Demeter ver⸗ i wandt, Chloris und Thyia find ein Zei⸗ chen dieſer Einheit, ein Erzeugniß der Griechiſchen Alleinslehre s), das Pauſa⸗ L \ „) Philolaos und Diokles, die von Korinth nach Theben ausgewandert waren, dieſer aus Verdruß, jener aus Liebe zu ihm, ließen ihre Grabhuͤgel ſo einrichten, Dio⸗ kles, daß man von dem ſeinigen nicht, Philolaos, daß man von dem ſeinigen wohl nach Korinth hinſchauen konnte, doch fo daß von beyden freyer Ausblick auf einander war. Arxistot. Pol. II. fin. Diokles wandte alſo noch im Grabe ſich von Korinth ab, das Mißverhaͤltniß anzu⸗ deuten. N 1 ' 8) Ueber die Verbindung zwiſchen Dionyſos und dem Waſſer habe ich zu den Zoe g a⸗ — 19 mas ſchwerlch verkannte. Nur feine Scheu, etwas myſtiſches d. h. beh den Griechen meiſtentheils eine natürliche erklärung, zu verrathen, macht hier wie überhaupt bey ihm, daß er von Abe 2 ſtammüfg und Perfönlichteit ſpricht, wo ö fe urfprängtig gat nicht Statt finden. Ein andrer Mythus findet, ſic freplich wenn man 1 den in Platons Safmast ſchen Bastelie fen Taf. 74 eine be⸗ traͤchtliche Anzahl von Belegen zuſam⸗ mengeſtellt; und die Beziehung. zwiſchen Demeter und Poſeidon 15 einem ander⸗ waͤrts erfcheinenden Aufſatz; Ueber Ce⸗ res die Stifterin des Ackerbaus, hinlänglich berührt, um mich hier der Be⸗ weisführung hinſichtlich SE; obigen Anſicht kbüerheben zu dürfen. Daß Apollon mit j der Thyia den Delphos # ugt, geht ferner 5 auf die Verbindung des Dionyſos und des 9 Apollon in der Wahrſagung. S. die Ue⸗ berſetzung der Froͤſche, S. 231. Plutarch. De es. ap. Delph. Cap. 9. ſagt: Dion 840 babe nicht weniger als Apollon mit Delphen zu thun. B2 — — — » 20 u vorkommenden Einfall von urſprünglichen Doppelmenſchen nennen will, wonach es ſcheinen könnte, als ob das höhere Al⸗ terthum der Anſicht dennoch faͤhig gewe⸗ ſen ware, die wir ihm abſtreiten. Allein dieſer Anſchein iſt offenbar nur täuſchend. Nicht zu gedenken, daß dieſe Erfindung dem Ariſtophanes geliehen iſt, und daß das bloſe Daſeyn von Hetaͤriſtrien 9) ge⸗ nug war, um in einer ſcherzhaften Ver⸗ theidigung der Männerliebe des Umſtan⸗ des ſich zu bedienen: wer wollte überhaupt von freyer Naturſinnbildnerey, und nament⸗ lich von der Platoniſchen und Ariſtopha⸗ niſchen Uebereinſtimmung mit der beſchraͤn⸗ kenden Erfahrung, es ſey der Natur oder der geſchichtlichen Verhaͤltniſſe, oder Ruͤck⸗ ſicht auf das menſchlich DAR und Sitt⸗ 9) Plat. Loge. l. p. 636. 0. Ae 83 poòs dppevas‘ 7 hear apòs 12995 rap pLow. 1 ’ 9 21 liche erwarten? Symbole dieſer Art er⸗ tragen keine Pruͤfung, keine Folgerung im Einzelnen, und ſollen nur einſeitig genommen werden. Wie man oft geglaubt hat, daß die Mittel durch den Zweck ge⸗ heiligt wuͤrden, ſo werden hier durchgaͤn⸗ gig die Zeichen angeſehen als gerechtfertigt durch den Sinn, welcher allein aus dem Ganzen des Bildes geſchoͤpft werden ſoll. Daß dieß nicht immer allein geſchieht, das iſt die Seite, von der auch das Sinn⸗ bildliche, wie jede menfchliche Vorſtellungs⸗ weiſe, ihr eignes Verderben in ſich traͤgt. Eine Nachahmung des Platoniſchen My⸗ . thus findet ſich in einer Fabel des Phaͤ— drus (IV, 14.) 5 Die Griechiſche Dichtung und Sage alſo enthalten keine Andeutung von He⸗ täriſtrien. Auch die Dichter in fo fern ſie vom wirklichen Leben ausgehen ſind rein von Beziehungen auf ſie. Nichts, ſo 22 5 viel mir bekannt iſt, in allen ältern Schrift⸗ ſtellern, nichts im Ariſtophanes, (der doch, in der Lyſiſtrata Anlaß genug gehabt hätte); nichts namhaftes bey den Kirchen⸗ vaͤtern, die doch, indem ſie des Laſters er⸗ wähnen 1°), — (und zwar wahrſcheinlich. mit Uebertreibung, um der Knabenliebe als Seitenſtuͤck zur Verabſcheulichung, wie beym Platoniſchen Ariſtophanes zur Ent⸗ ſchuldigung, zu dienen) — ſchwerlich ver⸗ ſaͤumt haben wuͤrden, Griechiſche Schrift⸗ ſteller zu beſchimpfen, wenn Gelegenheit. 5 | ER * 20) Clem, Alex, p. 264. Pott. Tertull. De, geweſen waͤre; nichts unter ſo vielem, Schmutzigen in der Anthologie deutet dar⸗ * pall. IV. extr. De resurr. carn. 16.— Synesius De proyid, p. 105, C. 112. C. den Ruhnken. ad Tim. V. Hratpiorpi anfuͤhrt, ſpricht nur von einer Aegypti⸗ ſchen Gottheit. Dagegen Pseudophlo- cyl. 126 sgg. von allem, was in der Art ſchaͤndliches unter Menſchen geſchieht. auf hin! 1); die Lexicographen (Moͤris, Ti⸗ maͤos, Photius und Suidas) unter dem Wort N 21) Falſch ift Asklepiades, Anal. T. I. 217. ep. a 30. verſtanden worden; dieß beweiſt ge⸗ !kade die dabey angeführte Stelle, Ari- stoph. Vesp. 498, womit Lysistr. 677. anſpielend uͤbereinkommt, (was die Scho⸗ liaſten nicht zu laͤugnen gebraucht haͤt⸗ ten). Daß das neinrisev nicht mit einem Weib Statt fand, beweiſt auch Hor. Sat. II, 7, 50, wo Heindorf durch Anziehung des Epigramms, in fo fern es aallgemein unrecht verſtanden war, den Sinn gleichfalls verwirrt. Was Ariſto⸗ phanes meynt, nicht was die Ausleger des Epigramms verſtehen, kommt auch bey Archllochos vor, (Fragm. p. 210 Lie- bel.) und iſt, wie es ſcheint, von Jatobs, Anthol. T. VI, p. 169, auch hier falſch verſtanden worden. Auch ſind die Worte des Anakreon mit Unrecht angefuͤhrt: und eben fo wenig, als bey dieſem, iſt 5 auch bey Soſipater, Anal. T. I, p. g04. ep. 2, von aeAnriesv:die.Mede, Ruhn⸗ 1 kenius und Jacobs ſind durch den Aus⸗ druck ora ga V. g. getaͤuſcht worden, der \ hier ein Umſchlingen von unten her be⸗ deeutet, orgl. V. 1. Auch die Stelle „Athen. XIII. p.58 1. E. fällt: nach Schweig⸗ Hhauſers ſicherer Verbeſſerung weg. Bey Eraꝛpidrpia führen keine Stellen an; einen andern gleichbedeutenden Ausdruck haben ſie gar nicht aufgenommen und er 24 kommt uͤberhaupt, wie Domitius Calde⸗ rinus zu Martial. VII, 67. bemerkt, nur da vor und bey Porphyrion, (ſ. uns 1 5 — — f 4 40455 Metam. II, p. 36. Bib. 5 (122, 19 Elmenh.) iſt nicht von einem cinaedus, wie Jacobs anfuͤhrt, ſondern von einer Dirne und einem Mann die Rede. Auch Scaliger hat ſich offenbar geirrt hinſichtlich eines Ausdrucks in den Priapei. XXV. g. wobey er übrigens (aus Ovidius) anführt: Hectoreo quoties se- derat uxoi equo. Das nAnriäer kommt auch vor bey Petron. 126. 140. Wenn man Anal. T. II. p. 30. Antip. ep. 87. f als eine ſroniſche Auslegung der Sinn⸗ bilder einer HeAnridovsa (verſteht ſich in der Bedeutung, die es auch in den andern Stellen allen hat) ſaſſen will, ſo muß der Hahn hier, ſtatt des Fruͤh⸗ auſſtehns, vielleicht wegen feiner Spo⸗ ren, die Bremſe in dem andern Epi⸗ gramm erſetzen, welches dieſes vielleicht veranlaßt hat. Auch der 8 1 J iſt derſelbe. u. 25 ten) 12) 3 und noch Lucian, in der ver⸗ derbteſten Zeit, wo er den einen fuͤr und den andern gegen die Maͤnnerliebe reden laͤßt, ſpricht von der unnatuͤrlichen Wol⸗ luſt der Weiber, nicht ohne Scham, als von einer in allgemeinerer Verbreitung un⸗ denkbaren und an ſich ungeheuren Sache r) 4 ——— 42 Auch in des Musonii philos. de luxu Graecor. und im ganzen Thes. Antqu. = 'Graec. finde ich keine Spur. 13) Amor. 28. EI & zois Appeow sbrpe- reis at nerd dg] tat, xps 10 NO Epdrodav ανπiẽðÆe nal Vyyvr cines. dye vdy, & Vecbrehe A- ve naı h Eivov N60oV@vV vopo- Sera, mad 6dods Äppevos TAVpNs e tonjdas, xdpıcaı v dom EEovolav nat yvvaıbiv" 10 68 eis dnoNv Ora- vis ju Wwoua (aldybvonar nat Aèyen) rijs Tpıßanns doemyelas dval- aͤm nounevitw" zd 6’ ñjuch/ ij yu- vaον,p;iris 8078 ο“%«ö, dvöpoyv- vous Eporas deynnovodsa. Hiermit verbinden wir auch Iuvenal. II, 42. wo ein Weib dem Philoſophen ſagt: > 26 die freylich einzeln, doch nur felten gegen andre vielleicht größere Abſcheulichkeiten, in Griechenland vorgekommen zu ſeyn ſcheint, und die zuerſt Lucian, (vielleicht ohne andern Grund als ihre ſonſtige Ver⸗ enfenheit) den Lesbiſchen Dirnen Schuld j giebt !), da hingegen die Lesbier durch 1 eine andre Art unnaturlicher Wolluſt ver⸗ —— N N — Quod si vexantur leges ac jura, citari;, Nas omnes debet Scantinia. Respice } primum Et ‚sorutarg viros: faciunt hi plura; sed: illos ö Defendit numerus, junctaeque um- 1 bone phalanges. Magna inter molles concordia. Non. 5 erit ullum Exemplum in nostro tam detestabile, * Taedia non lambit Cluviam, nec Florz . atullam: Hlippo subit iuvenes, et morbo pallet 5 utroque. 22) Dial. meretr, g. * * . de 2 45 27 1 ſchrieen waren 15). Daß die erotiſche Poeſie dieſe Seite gar nicht berührt, muß um ſo mehr beruͤckſichtigt werden, als die Mythik der Liebe ſonſt fo ſehr unſau⸗ N ber iſt. Man darf nur den Parthenius, oer das Verzeichniß bey Ovid. Trist. II, 585 8d. durchlaufen, mehreres auch im Konon. Welche Geſchichten von Blut⸗ ſchande, unverſchaͤmt geubter und begun⸗ ſtigter Buhlſchaft, (ſogar ein Leichnam, 2358) Asoßlösw, ſ. Sekol. Aristoph. Ran. 1308. Phot. V. Asoßioar. Ios: Scalig. in Vir- 81 Jul. Append. p. 47 1 sd. add. Aristaenet. BA: A, 16. ane, Aare So die. Atalanta des Parrhaſius. Suet. Tiber 44. Toup: in Suid. V. Sıpriddew. Hieraus mag das Scholion zum Clem. Alex. p. 264. . Pott. geſchoͤpft ſeyn. Es iſt alſo auch dem AR Ausdruck nach zweifelhaft, wenn von eis Aer beruͤchtigten Lesbiſchen Liebe der. y appho geredet wird. Britannicus ad, lIuven. VI, 311. ſagt: Quod genus sce- leris primo instituisse dicuntur Lesbiae. mulieres, unde apud Aristetelem Aeg. Heer id agere est. a 28 parthen. 31.) welche Gräuel in Gefolge von Liebſchaften! Auch die Geſchichte der Hetaͤren und ihres großen Anſehns, und andre Ausgelaſſenheiten des weiblichen Ge⸗ ſchlechts von früher Zeit an, unter der Führung des Thyrſos oder in verſchloſ⸗ ſenen Tempelbezirken, zeigt, daß was wirk⸗ lich geuͤbt, auch genannt wurde. Aber hier ſchweigen die Schriftſteller: und im ganzen Gebiete der bildenden Kuͤnſte wird man vergeblich nur eine Anſpielung ſu⸗ chen. Und doch iſt es bekannt, welche Spiele, welche Opfer dargeſtellt wurden. Vorzüglich haben die Steinſchneider ſich unzüchtiger Vorſtellungen befliſſen, und man kann hier und da, (vorzuͤglich bey | einem Privatmann in Wien) ganze Samm⸗ lungen von Spintrien in Abdruͤcken ſehen. Unter dieſen umſtänden konnte denn eine Philänis, ſey es mit Recht oder durch 29 £ Bosheit, ee ee en wie ſie geworden iſt 6). Der Gegenſtand it Fe die: Art, daß 5 man leicht manches uͤberſehn oder vergeſſen haben mag; allein im Ganzen wird es ge⸗ wiß ſich nicht anders ergeben, als daß bey den Griechen eine fo unngtuͤrliche geheime Wolluſt nicht mehr als ſonſt irgendwo zum Gegenſtand auch der freyeſten Dichtkunſt werden konnte, und daß nicht einmal Grund vorhanden ſey, in Griechenland häufiger * voraus zusetzen, als in der übrigen Welt, was nur durch innere Mißgeburt, oder durch . umſtände, oder durch die 10 S. Note 13. Jacobs. Anthol. T. VI, p. 385. Im Etgm. M. V.’AosAyalver t eine Attiſche lers als die erfte ges nannt. Der Philaͤnis wurde ein Buch Heyl oxnud ram quroudiad rum bey⸗ gelegt oder vielmehr vermuthlich unterge⸗ N ſchoben. St. Suid. V. Aorudvaosa, Athen. p.333 B. Lucian. 5 24. Lustin. Mart. Apol. II. fin. eee ENDETE > SP Ne 30 5 pöchſte küsgelſſenheit einzelfer Orte und Zeiten hervorgebracht werden kann 17. gat 27 Aude N K N e 2 —— 5. U 1 * rode - 242 37) Man ſehe, was Melling, : Voy. pittor. de Constant. er du Bospore Livr.7. von den Harems bemerkt. Chateaubriand in dem Essai sur les revol. anc. et mo- dernes, (worin feichter und oft laͤppiſcher Weiſe das einzelne der Franzöͤſiſchen nnd der Griechlſchen Geſchichte und Litteratur verglichen iſt) T. I p. 90: II Stoit encore 4 donné à notre siècle de nous rappor- weder Nan e Br rième Muse. le veux crdire que ceux moeurs ne se rencontroient pas armi nous dans les fangs eleves’ ou ſd cat lomnie, qui ‚sattache au malheur, s'est plü à les peindre. — Leo Afri- Canus (von Tan. Faber angeführt), bes hauptete von ſeinem Vaterland zu ſei⸗ Se er etwas Sen Was 23 Yantheum S. 64, Urgeſch. S. 278, binſichtlich des Dienſtes oel Bob on ſchen Mylitta angiebt, 55 aus Quel⸗ len ſo nicht bekannt. Doch ſind gerade ausgeartete Feſte, und uberhaupt Verei⸗ nigungen von Menſchen gleichen Ge: . er und Alters, die einmal eine boöſe Sitte in ſich a 15 855 aben, dazu geeignet, die groͤßten Scheußlich⸗ keiten Nicotin und zu verbrei⸗ —— — — 2 5 BSH, x 3 31 In welchem Grade hiermit das Verhälts niß der Männerliebe im Gegenſatze ſteht, . dieß iſt noch niemals recht gezeigt worden) und könnte nur durch eine umſtändliche Aus⸗ einanderſetzung ganz deutlich gemacht wer⸗ den. In den Mythen war ſie ſo häufig, * daß Phanotles in einem eignen Werk Eo. 1 Ü ee ea Dur — 2 ein e 7 nud 91 Ii. 2 bir“ ia} ten, wie ſich in großen Lazaxethen die ſchlimmſten Krankheiten erzeugen. Hier⸗ hin gehoͤrt das Weiberſeſt der Bona Dea im erſten Jahrhundert unſrer Zeitrech⸗ nung in Rom, wovon Iuven. VI, 300 s , eine fo greuliche Beſchreibung macht, indem er zugleich 345 andeutet, wie ſehr ſeit Caͤſars Zeit der Unſug zugenommen habe. Dahin ſcheint der Apoſtel Paus lus Br. an die Roͤm. I. 28. (wozu in I. C. Wolf. Cur. Philol. viele ältere Schrif⸗ ten angefuͤhrt ſind, die ich nicht habe nachſehen koͤnnen) zu zielen; und nicht minder Seneca in der merkwuͤrdigen Stelle Epist. 93, p.416 Bipont. Wie ſehr uͤbrigens Juvenal, der das Grelle und Uebercharakteriſtiſche liebt, nament⸗ lich in Betreff des einen Punktes über: trieben habe, zeigen ſchon ſeine eignen * Note 1g angeführten Worte, rn 15 — ze 32 7 tee j nadol die Sagen dieſer Art vereinigen konnte, wovon nur wie Orpheus den Ka⸗ lais geliebt und den Zorn der Thrakiſchen Weiber gereizt ns), und wie Dionyſos, (ſonſt auch des Weiblichen beſchuldigt 19), j den Adonis, Agamemnon den Argynnos geliebt, Tantalos den Ganymedes geraubt habe, uͤbrig iſt. Daß nicht etwa erſt ſpaͤ⸗ tere Dichter ſi ch dergleichen angemaßt ha⸗ ben, verbürgt bey Homer der Name we⸗ nigſtens des Ganymedes von unzweifelhaf⸗ ter, utalt derber Bedeutung 20). Dieſer * —— 1 % 16 158 Eh 282 399. Ruhnk. Ep. crit. Hier iſt geigignige Dichtung mit ; 1 5 Symbolik ſeltſam gemiſcht. : 39) Clem. Alex, p. 22 20) Die Erklaͤrung des guten Tenophon, Sympos. VIII, 30. durch die vielleicht nicht zufaͤllige Doppelbedeutung von j. dos veranlaßt, iſt erzwungen, wiewohl Kanne, Panth. ©.302 auch darauf ge: fallen. Zur Beſtaͤtigung der andern dient . „piAounöjs Hesiod. Theog. 200, Clem. Alex. p. 10 (13), wenn es gleich mit Un⸗ * 4% 21) 33 n Zug gehoͤrt urſprünglich dem Kretiſchen Zeus an 21); denn in Kreta war die Kna⸗ benliebe ſo ſehr geduldet und alt, daß man ſie oft unter den Griechen von daher ablei⸗ ten wollte 22). Bekannt ſind Talos und * 17 recht an die Stelle von Prloupierörs ger ſetzt wird. Bey den Phliaſiern hieß in aͤl⸗ teren Zeiten Hebe Ganymeda, vermuthlich in der gewöhnlichen Bedeutung der Venus. FPausan. II, 13. Auch Eöpvydvea, (wie Eüpiq iu, Evpvutön, Zůpußios) ſcheint eine Ganymeda oder Hebe auszudruͤcken. Zoega, wie ich aus Marini Frati Arvali P. 10 ſehe, las bey Strabon für ro as Alas ispdv, ⁊ò rijs Tavvundas, (daß alſo Fabretti die Dia bey Cic. de N. D. III. 22 irrig für Hebe genommen) indem er ſich uͤbrigens auf die Erklaͤrung im Etym. 4 M. bezog, die noch falſcher iſt als die e⸗ nophontiſche. Die rechte Ableitung von Catamitus fehlt. Burg Plat. Legg. I. p. 636 C. \ 25) Aristot. Polit. II, 7. p. 727 Schneid. Ob * mit Recht oder nicht, will er anderswo unterſuchen. Es iſt geſchehn Ethic VII, 6. Auſſerdem ſ. die von Heyne ad Apollod. p. 214 angeführten Schriftſteller, und He- raclid. Pont. p. 7. Rel. Anim. IV, I. C * [742 84 Rhadamankhys, Minos und Theſeus, Tantalos und Minos, Minos und Gany⸗ medes; (den Minos ſetzte an die Stelle des Zeus Echemenes e / Korrviois bey Ather naͤus). Bedeutend iſt auch der Ausdruck des (nach Wyttenbach) unaͤchten Plutar- chus De lib. educ. (T. II, p. 11. ), daß (nebſt der Thebiſchen und Elerſchen Liebe?) die aus Kreta ſtammende Entführung?“ zu fliehen ſey; (die zu Athen und Sparta aber ſey nachzuahmen, wo unter der Athe⸗ niſchen die von Platon, Xenophon, Ae⸗ ſchines u. a. geprieſene zu verſtehen iſt). Die veredelnde Homeriſche Dichtkunſt trit dieſen Vorſtellungen durch die, wenn ſie in — ͤ — 25) Maxim. Tyr. X. p. 112 Gxvrg y; nindit nur die Eleer aus. Die Kreter und die Lakedaͤmonier hatten hierin 275 Geſetze. Plat. de Legg. III. p. 683 K f 240 — 6 du Khoins nakobuevos dpräyuds. Plutarch. Lycurg. p. en fagt von den Spartern: RN oͤd 67’ ae 9,3, ' 35 die Ferne durchdringt, am meiften vermz⸗ 0 gende leiſe, in den alten Dichtern nicht ſeltne Polemik des Schweigens, und durch geſchickte Umbildung entgegen; denn ganz zu übergehen und auszumerzen war nicht mehr moglich. Und ſo ſind außer dem Namen auch noch die bedeutenden Umſtaͤnde geblieben, daß Ganymedes der ſchoͤnſte der Juͤnglinge war, daß er geraubt wurde, und daß er dem Zeus Wein ſchenkte, mit Be⸗ ziehung vermuthlich auf alte Koͤnigsſitte 26 2 Pindar, ohne lang, wie er wohl fonft pflegt, zu widerlegen, ſtellt die alte Dos 12 26) Iiad. XX, 832. örgl. Hymn. Hom. in Ven. 202, Nicht richtig ausgedruͤckt wäre Ca er ſey vom Zeus zu gleichem Dienſt wie h An tod? e gplon, Ol. , 71. 36 riſche Anſicht her? indem er vom Pelops ſpricht, (ſonſt der Geliebte des Poſeidon) Ganymedes geraubt 6). In dieſem Dich⸗ ter herrſcht überhaupt ein treuherziger, freylich oft beſchraͤnkter, Wahrheits ſinn und Forſchungsgeiſt hinſi chtlich der Mythen, vermöge deſſen er bald das Scheußliche aus der Sage wegerklart, bald aber auch die roheren Beſtandtheile und Zuͤge behauptet und feſthaͤlt, wie wenn er z. B. (Pyth. XI, 54) entſcheidet, daß nicht die Rache, wie bey Aeſchylos, ſondern die Buhlſchaft der Beweggrund zum Morde des Agamemnon geweſen ſey. In Hinſicht des Achilles und Pa⸗ troklos, daß ſie nur Kampfgenoſſen geweſen, ſcheint er ſich nicht von Homer zu entfernen. (ohmp. IX, 118.) Aeſchylos umgekehrt 384 7 Wu I \ f % * 37 that es hier. Pindars Anſicht von Ganyme⸗ des iſt ſichtbar die herrſchende ??). Zeus hatte, nach der Praxilla 2 8), aufferdem den Chry⸗ ſippos, Sohn des Pelops, entfuͤhrt. Wie Ganymedes auf Kreta hindeutet, ſo ſind auch andre beſtimmt örtliche Mythen geſchichtlich merkwuͤrdig. Kinyras in Cy⸗ pern von Apollon, (Pind. Pyth. II, 30.) Hyakinthos von dem Amypklaͤiſchen, d. i. — — *) S. die Stellen bey Boeckh. in Plat. Min. 250 des Das angeführte Scholion ſpricht P. 105, wo für Aesch. ap. Athen. zu leſen iſtsophocl. Beſonders ſ. Cic. Tusc. IV, 33. Daher auch die Berufung der Dichter auf dieſe Geſchichte, wie ſchon des Th eognis, (1345 Becker.) ſehr nahe lag. 8 Athen All p. 603. Die Vermu⸗ hung von Valckenaͤr (Diatr. p. 23.) Caoͤlnooͤos für önd Aids iſt falſch. Denn dB auch der Vater des Oedipus den Chry⸗ ſippos raubt, iſt kein Grund; fo Tantalos ode Minos ſtatt des Zeus den Ganyme⸗ auch gar nicht von Entführung. Ueber⸗ dem fuͤhren die Kirchenvaͤter den Chryſip⸗ pos virklich unter den Lieblingen der Goͤt⸗ ter ar. S. Bayle unter Chrysippe Not. B. ER EN Lakoniſchen Apollon geliebt 2%), Kaſtor und Polydeukes an demſelben Orte, Chry⸗ ſippos von Laios geraubt, dem ſich darin die Theber anſchloſſen, wie Aelian (V. H. XIII, 5.) ausdrücklich bemerkt, die Ge⸗ ſchichte des Thespiſchen Narkiſſos“ ), dis Lieblinge des Böotifhen Herakles, (den a Diotimos ſogar in feiner Heraklee, wie die Ritter des Mittelalters, aus Liebe die auferlegten Arbeiten unternehmen ließ) be⸗ — N 29) Hpacinth von Boreas geraubt, hat daze⸗ gen eine Urſache des Todes bedeutet. Ken⸗ ne Mythol. S. XLII. f 30) Die Erklaͤrung Kannes, (Mytho. S. VXIIX. Urgeſch. S. 278.) nach non 24, ziehe ich der von Creu er Cymb. Th. 4. S. 192 vor. Die Thes pie feyer⸗ ten dem Eros ein Feſt. Plutarch. Amat. I. Paus. IX. 27. 31. Athen, XIII. 561 E. Mit dem in muſikaliſchen und gynniſchen Spielen gefeyerten natuͤrlichen en ſcheint auch ein geiſtiger, geheimer Denſt ver⸗ knuͤpft worden zu ſeyn. S. Dirt, in er vor Kurzem erſchienenen Sehn über Amor und Pſyche S s = 39 flätigen was wir ſonſther von den Doriſch⸗ f Aeoliſchen Grundſatzen wiſſen. Auch iſt zu bemerken, daß die Megarer, die Doriſch von Sitten und Sprachen geworden wa⸗ ren, (Pausan. I, 39.) ein Feſt zur Begun⸗ ſtigung der Knabenliebe feyerten, (Theocr. XII.) ahnlich dem Schoͤnheitswettkampf der Eleer, wovon wir durch Theophraſt wiſſen (ap. Athen., p. bog F.) Dabey iſt der Umftand auffallend, daß der Dichter (V. 28.) den Diokles, roy ea, deſs fen Andenken man feyerte, einen Attiker nennt. Wenn man die Geſchichte des eis nen Scholiaſten, daß dieſer in einer Schlacht den Geliebten rettend umgekommen ſey, als eine bloſe Vermuthung, nach Art der alten Erklärer betrachten durfte, da dieß nach der Doriſchen Waffenbruͤderſchaft, (ver⸗ moͤge deren dem Eros vor den Schlachten geopfert wurde, Athen. a. eben a. O.) gar nichts beſondres geweſen waͤre, ſo wurde 40 man nachher um ſo mehr Gewicht darauf 7 1 legen, daß er ſeine Heimath verlaſſen hatte. Aus der Ehre, welche die Megarer dem Aus⸗ gewanderten, Verfolgten erwieſen, ſchließt man, daß ſie gerade uͤber den Grund der⸗ ſelben ihre den Athenern entgegengeſetzte Anſicht feyerlich behaupten wollten. Und dieß ſtimmt überein mit der Spaltung, die man auch in dieſer Hinſicht zwiſchen den beyden widerſtreitenden Staͤmmen wahr⸗ nimmt 3 1). Dieſe Verſchiedenheit ſcheint nicht ſo ſehr, weder im Sinnlichen, noch, ſchon von aͤl⸗ — — 59 Nur darf diefer Gegenſatz nicht als zu als gemein und durchgängig angeſehen wer⸗ den, wie in der Abhandlung über die Ele⸗ gie, in den Studien B. 4. S. 49. 63, wo die Doriſche ideale, politiſch einfeitige Maͤnnerliebe der weichlich joniſirten ent⸗ gegengeſtellt wird. Auch iſt nie die Be⸗ ſonderheit der verſchiednen Voͤlkerſchaften, die mehr zu der einen oder mehr zu der andern Seite neigen, außer Acht zu laſſen. — . tern Zeiten her, in dem Grade der Verbrei⸗ tung, und in der Sache an fi, als in der Art zu liegen, wie ſie betrachtet wurde. und hier iſt es gar nicht zu verwundern, wenn wir bey den Joniern die groͤßere Strenge der Grundſätze finden. So iſt es N dem weichlicheren und ausartungsfaͤhigeren Volke angemeſſen. Bey altväterlichen, einfachen Alpenvölkern “find der Jugend durch die Sitte Freyheiten eingeraͤumt, die überall ſonſt Schlechtigkeit befördern wuͤr⸗ den, bey ihnen aber, (vielleicht eben fo bey den Ditmarſen und benachbarten Voͤlkchen, wo derſelbe Brauch Statt finden ſoll) mit 5 Eigenſchaften des Gemuͤthes verbunden find, und von der Grundlage der Treue und Liebe nicht ausweichen. Selbſt eine Art Be⸗ ſchraͤnktheit des Geiſtes iſt günſtig für die großere Freyheit der Sitte, indem je un⸗ abhängiger und beweglicher die Gedanken und e um ſo leichter he ſich 5 von dem Sinnlichen ganz losreiſſen und es dadurch zum blos Thieriſchen herabſinken Jlllaſſen. Den Zwecken der Bildung, der "ad ſchoͤnen Menſchlichkeit Homers und der Ge⸗ ſetzgeber, die in gleichem Sinne gewirkt haben, wird nichts von ihrem Werth ent⸗ zogen durch die Bemerkung, daß die Do⸗ vier nur darum, weil fie feſter an dem Ur⸗ väterlichen hiengen, das Geſetz 32) nicht — 4 5 82) Lil. Gyraldus F. II. p. 66, nennt das Geeſetz gegen die Paͤderaſtie Lex Lala, (bey den Römern Scatinia, Rosin. An- tiqu. VIII, 24. Torrent. ad Suet, Do- mit. g.) Es iſt mir nicht gelungen, dieſen Namen irgendwo aufzufinden. „Er müßte aus dem Haß der Athener gegen Theben erklaͤrt werden. Auch die Verknupfung des Unglücks im Hauſe des Oedipus mit der Entführung des Chryfippus, anſtatt einen Beweis von der älteften Griechiſchen Anſicht überhaupt zu geben, verraͤth viel⸗ mehr nur den Widerſtreit des Joniſchen Stammes gegen den andern und den zum Theil Attiſchen Urſprung dieſer Mythen, worauf ich bey einer andern Gelegenheit * ee A annahmen, welches einen Fortſchritt der Bildung anzeigt. Mit Unrecht, wie es — , zuruͤckkommen werde; Bgl. Heyn. ad Apollod. p. 237. Der Gott zu Delpheu war auf der Seite der Attiker; nach einem Orakelſpruch erfolgte der Brudermord we⸗ gen der Liebe des Laſos durch den Fluch 5 des Pelops. Bey Piſander ſchickte Here N die Sphinx, weil Laios nicht beſtraft worden, und brachte ſich Chryſippus aus Scham um. Valckenaͤr vermuthet, dar⸗ in möge auch Euripides ihm gefolgt ſeyn. a Aber dann haͤtte Aelian Unrecht zu ſagen, 1 Euripides habe den Chryfippos dem Aga⸗ thon zu Gefallen geſchrieben: Quis non intelligit, quid apud Euripidem et lo- quatur et cupiat Lapus? fagt Cic. Tus. IV, 34. Daß Hippodamia den Chryſip⸗ pos haßt und durch Atreus und Thyeſt ihn töden laͤßt, obgleich die Vorliebe des Pelo ps für ihn als Grund angegeben wird, iſt vielleicht in dem Sinn, daß er die ge⸗ duldete oder begünſtigte Knabenliebe vor⸗ ſtellte. So moͤgen die Athener mit in ab ben auf die ausdruͤckliche Erlaubt⸗ heit der Paͤderaſtie die Kreter verachtet haben, worauf man z. B. Soph. Aj 1282 mit Recht deutet, wiewohl ſonſt ſeine Niobiden ihre Liebhaber anrufen, und er. überhaupt nur gegen Mißbrauch und voͤls > 44 ſcheint, haben Cicero (Tusc. IV, Plutarch und viele Neueren die Gymna⸗ — Philoſophenſchulen) zur Ausbreitung uud Entartung der Maͤnnerliebe gewirkt ha- ben müffen 33), geradezu als Grund der⸗ ſelben angeführt, und geglaubt, daß dar⸗ um die Kreter und Lakedaͤmonier ſie un⸗ ter den Griechen angegeben haͤtten. Die Heldenbrüderſchaft auf abentheuerlichen Zuͤgen und bey langen Feldlagerungen mochte, wenn man die Nachrichten von andern Voͤlkern vergleichen und aus ein⸗ zelnen verlornen Spuren im Griechiſchen Alterthum weiter ſchließen darf, die fruͤ⸗ lige Rohheit, nicht gegen die Maͤnnerliebe an ſich war. ss) Eros ſtand mit Hermes und Herakles in den Gymnaſien; Athen. XIII. p. 561 D. Die Samier hatten ihm das Gymna⸗ ſium gewidmet, p. 561 F. . < 34.) und ſien, fo ſehr fie auch, (wie ſpaͤter auch die 45 here Veranlaſſung geweſen ſeyn, und, weil ſich hier eher reine Freundſchaft und eine hochedle Anhaͤnglichkeit und Treue entwickeln und bewaͤhren konnte, auch dem paarweiſen Zuſammengeſellen der Maͤnner ein feſtes Vorurtheil, eine Vorliebe im . Bewußtſeyn ganzer Voͤlkerſchaften begruͤn⸗ det haben. Es ſetzt in Verwunderung, was von der Heldenverbruͤderung (Zoft- broͤdrelag) unter einem den Griechen ver⸗ wandten Volksſtamm aufgezeichnet iſt? ). — 8 P. E. Muͤller, Von der Kein ſchaft bey den alten Skandin a⸗ viern, im Skandin. Muſ. fuͤr 180g, Bd. 1. S. 256. Ariſtoteles und Suid. V. Odyuvpıs gedenken der altitaliſchen Voͤl⸗ ker, die var drdyunvi Orpareias auf Maͤnnerliebe fielen. Dieſelbe Noth hat zu andern vr ähnliche Uebel hervor⸗ gebracht. z. B. Bayle unter Ba- thyllus ind — Hintennach ſehe ich, daß ſchon F. W. B. von Ram dohr den Urſprung der Maͤnnerliebe bey den SGriechen in den Heldenverbruͤderungen 46 Zu einer ähnlichen Kraft des Sinnes und Gemüthes denke mau die Einwir⸗ kungen und Beſtimmungen hinzu, welche von der verſchiednen Natur des Landes und Himmels nothwendig ausgehn muß⸗ ten; und man wird völlig begreiflich ſin⸗ den, wie eine laut ſo vieler Gedichte, die doch nicht von den ſchlechteſten Na⸗ turen ausgehend als die allgemeine Volks⸗ ſtimme betrachtet werden duͤrfen, faſt ganz argloſe ſinnliche Maͤnnerliebe neben ei- — — — geſucht hat, Thl. 3, 1. Se 18. 144 f.. der Venus Urania, wo in dem 18. Buch (Denkungsart der Athener und beſonders der Sokratiſchen Schule über Liebe zu den Lieblingen) manche richtige Bemerkungen ſich finden, die kürzlich haͤtten benutzt werden koͤnnen, wenn ich fie fruher gekannt hätte, und vieles trefa ſend auseinandergeſetzt iſt. Die Lesbi⸗ ſchen Weiber muͤſſen ſich gelegentlich lei⸗ den, ohne daß das was ſie betrifft un⸗ terſucht oder die Sappho berührt wird. MM: nem herdiſchen Adel der Frenndſchaft, ei⸗ ner heiligen Schaar, einer ſchoͤngeiſtigen Liebe beftehen, wie die Maͤnnerliebe bey Kretern, Eleern, Thebern, Lakedaͤmoniern, (wiewohl bey letzteren nur die edlere) ge⸗ radezu erlaubt ſeyn 35), wie ſich Solon, Platon, wie in andern Dingen, ſo auch darin dem Doriſchen zuwenden konnten. Ja wahrſcheinlich nennt die Sprache mit demſelben Wort einen Juͤngling (Mi3e0s), womit nach einer andern Mundart ein Liebhaber bezeichnet wird (alrys Theſſa⸗ llſcch) 36), ungefähr wie die Landleute in — u 85) Plat. Symp. p. 182. Xen. Symp. VIII, 34. ö f 56) Theocr. XII, 13; Der Dichter ſelbſt behielt naturlich blos die mit beyden Formen gangbar verbundenen Begriſſe bey. V. 20 f. Die Ableitungen in Len- nep. Etym. enthalten viel ganz verfehl⸗ tes. Die Einerleyheit bezeugt das Etym. M. Von beyden Worten als vom Stamm — u: Italien einen Jüngling, zwar von einer andern Seite betrachtet, aber auch nach 7ͤ ³ĩ TAT BEIDES d muͤßte dann unterſchieden werden rns, IS ds, Ideios, von I Sos. Aus dem angefuͤhrten Theokritiſchen Gedicht er⸗ en 5 ſich allerdings, wie auch die Scho⸗ luüiaſten erklaren, daß ars der Geliebte und elorviAos auf Amyklaͤiſch oder Do⸗ riſch der Liebende heiſſe. Daß dieß von b een von dem Dichter ſelbſt V. 10 angedeutet; elonviw, da- wu, s, Liebe einfloͤßen. Plutarch, in Agid. et Cleom.—£paorod yeyovöros* fi r- yap Eunv:ioyarı Aamedaıudvıcı „m mahoücıw: Der Ausdruck iſt ſehr be⸗ deutend, indem er entweder das Ein⸗ hauchen von Kraft, Tapferkeit und Tu⸗ gend bezeichnet, was die Sache des aͤch⸗ ten Doriſchen Liebhabers war, oder dar- auf deutet, daß der Liebende wiederum a Sie den d ne dich die reinere Natur des Verhaͤltniſſes von ſelber er⸗ 1 giebt. XO. oi a dvöpes d dv en) TeplAnd , Sie eis, ſagt Theokrit. Und Aeschin. c. Timarch., p. 149. Reisk. — Seœpidœre dnopleares, & Adnyalot, eis ros ÖuoAoyovpivos dyadobs nat xpmorobs nds, 600v Herwpiodu zvöundav ro d ꝙ p o- vs Ma- r Suolwv Epwvras, nal 49 einer einnehmenden Eigenſchaft, zitello nennen und anreden. „ Was die Alten von reiner Maͤnnerliebe und ihren Wirkungen, nicht nach einzelnen Ausnahmen allein, ſondern auch nach all⸗ gemeinen und herrſchenden Erſcheinungen berichten, wie ſie ſie erheben und em⸗ pfehlen, iſt durch die Menge. und die Stärke der Zeugniſſe und Aeuſſerungen dem Zweifel und Argwohn gänzlich ent⸗ eh und bleibt ſelbſt dann noch ſehr Fe duplereis; G oö xp na robe Hoiordis. 70 S. die von Valckenaͤr zu Callim. Eleg. fr. p. 518 sqg: angeführten Schriftteller, nebſt Ael. V. H. III. 10. 12 C. notis in- terprr. Plutarch. Arat. 50. Phaedim. Epigr. I. mit Iacobs. Anıhol, T. VII. p. 286, T. XII. p. 433. Bentlej. Opusc. p.388. Zu den Platoniſchen Stellen ge⸗ gen die 1 11 gehoͤrt auch Garg. Daß im Einzelnen die Pla⸗ 294 E. 1 Knabenliebe nur der finnlichen zur Aush gedient habe, braucht uns E D * $ - 1 7 5 N IE RD Le bedeutend, wenn man zugeben will, daß ein Theil der Menſchen menſchliche Schwach⸗ — — » 7 Lucian (Amor, 2g.) kaum erſt zu ſagen. Gegen die Liebe des Ariſtoteles zum Theodektes (Athen. p. 566 E.) und Herz mias iſt wohl noch nichts eingewandt worden. Von unumſtoͤßlichem Gewicht 7 iſt es wenn Aeſchines in der merkwuͤr⸗ digen Rede im Gegenſatz gegen den Ti⸗ marchos, p. 22, (157 Reise) ſich auf viele namhafte Beyſpiele von Maͤnnern und Jünglingen beruft, die über allen Verdacht erhaben liebten und geliebt wurden, wenn auch was er von ſeinem eignen Lieben und ſeinen ihm von an⸗ dern verfaͤlſchten Liebesliedern p.19. (146) ſagt, nicht für ganz ſicher gehalten wer⸗ den wollte. Denn auch der, welcher ſich in der Rede des Lyſias gegen den Simon vertheidigt, und bemerkt, p. 100 (161,) 76 u, Epdv rov EbnIeoteptov std, wollte doch nicht behaupten, daß die Liebe durch die er in Händel 1 then war, unſchuldig geweſen ſey. Auch das unvergleichliche Beyſpiel des Kallias und Autolykos in Xenophons Gaſtmahl will ich nicht anführen, weil Tenophon Idealiſches unter das Wirkliche zu mi⸗ 1 pflegt, in der Abſicht zu lehren. Aueſchines p. 21 (154) führt einen Aus» ſpruch des Euripides ann — Ir heit, wenn fie ſich hinter eine größere Tugend verſteckt, nicht begierig iſt, auf⸗ num 0 Seis vd döppov. dr deri 7 dy a a | enords dus chibi, dv cdi ech. Daſſelbe meynt der Tragiker in den Wor⸗ ten bey Plutarch de Üb. educ. p. 175 AA korı &i rıs Mos Ev Ppotois :poos. i vv js Ömalas 6dppovös Te ada Ni. Solon ſcheint im Ganzen nur haben ein⸗ 15 ſchraͤnken, Ausgelaſſenheit und Scham⸗ loſigkeit verhindern zu wollen. Daß er den Sklaben verbot zu lieben, wie auch 4 Gymnaſtik zu treiben, enthielt, nicht nach einer ſophiſtiſchen, ſondern nach der ganz natürlichen Auslegung, die ſo⸗ wohl Aeſchines macht p. 19 (47), als ‚SL Plutarch, (Solon 1. wo er ſich mit Recht - auch hinſichtlich Solons auf deſſen eigne Verſe bezieht, wiewohl er im ’Epwrı- nös aus druͤcklich bemerkt, das Geſetz bes ziehe ſich nur auf die reine Liebe) die orauſetzung einer Exlaubtheit für die Freyen. Seine übrigen Geſetze, Aeschin. Ran P. 2. 3. 10. (36. 40. 48. 95.) vgl. De- mosth. in Androt. ſuchen die ünerfahrne Jugend durch Auffere Anſtalt zu ſchuͤtzen, Do 52 zuſpaͤhen und zu verfolgen. In der Ge⸗ ſchichte der menſchlichen Bildungen wird es immer als eine ausgezeichnete Thatſa— che feſtſtehn, daß ein nicht kleiner Theil der Griechen fähig geweſen; auf dem jaͤ⸗ hen Rande, wohin Gefuͤhl und Vernunft durch Leidenſchaft und Beyſpiel in dieſem Verhältniß geführt werden konnten, ohne „ . * * die reifere durch Androhung des Verluſts aller bürgerlichen Ehren, ja des Lebens, abzuhalten ſich hinzugeben. Den, der einen Athener mit Geld erkaufte, ſollte zwar eine gleiche Strafe treffen, aber ſichtbar iſt die Abſicht, mehr die Ver⸗ fübrung und Gewalt (ſ. Plat. Legge p. 336) zu erſchweren, als unmittelbar ge⸗ gen die Männerliebe zu wirken. Die orte des Geſetzes, vollſtaͤndig bey De- mosth, in Mid. geben noch verſchiede⸗ nes zu bedenken, beſonders wenn man die Nachrichten und Bemerkungen in Plat. Sympos. p. 182 D. ff. damit ver⸗ f bindet. Uebrigens ſtand in Aeſchines Zeit nicht bloß die Sittte, ſondern ſelbſt die Polizey ſichtbar in einem ſehr ſchlim⸗ men Verhältniß zu der Geſetzgebung. 890 88 zu gleiten mit Sicherheit und Freyheit ſich zu bewegen. Was dabey am meiſten auffallen muß, iſt, daß dieſe wunderbare Freundſchaft zum Theil den Charakter der vaͤterlichen Liebe und den Trieb zu bil⸗ den und zu lehren in ſich aufgenommen hat. Dieß iſt uns nicht blos als eine Abſicht bey Philoſophen und Rednern, oder bey Spartiſchen und andern Dori⸗ ſchen Staatseinrichtungen bekannt, ſondern Geſchichten und ſelbſt mythiſche Zuͤge, die zum Theil gewiß nicht als ſpaͤtere Aus⸗ bildung betrachtet werden duͤrfen, ſpre⸗ chen dafür, daß es in der volksthümli⸗ chen Entwicklung des Gefuͤhls gelegen habe. So liebt Thamyris, (bey Suid.) der auch für den Urheber der Knabenliebe ausge⸗ geben wird, (ſ. Apollod. I, 3, 3.) den Hy: menäos, Sohn der Kalliope, d. i. einen Geſangſchüler. Laros lehrte (nach Apollo⸗ dor) den Chryſippos das Wagenfahren und, — — — — 0-0. y . raubte ihn (nach Hygin) an den Remel⸗ ſchen Spielen. (So alt der Einfluß der Gymnaſtik.) So lehrt Herakles den Hy⸗ las, wie ein Vater den Sohn, alles, wo⸗ durch er ſelbſt edel und ſangeswerth gewor⸗ den, und geht ihm immer unermuͤdlich nach, damit der Knabe ihm nach dem Herzen und, zum wahrhaften Manne gedeihe. (Theocr. XII, 8 dd.) Auch in dem Marſyas und, Olympos der Bildhauer kunſt erſcheint der Lehrer aus Liebe, aber in muthwilligem 5 Wiederbild, welches bald mehr innerlich, oder geiſtig, bald aber auch nach aͤuſſerli⸗ chen Verhältniſſen als Parodie durchge⸗ fuhrt iſt. So geht die Sokratiſche Liebe zu den Juͤnglingen, welche eigenthuͤmliche Beſtimmungen ſie auch gehabt haben moͤge, urſprünglich doch als ein friſcher Zweig vom uralten Flamme des Nallobalhaak⸗ | ters aus. 55 Wenn wir nun erwägen, wie ſehr unter den Doriern und Aeoliern die Frauen in Kunſt und Wiſſenſchaft, ſo wie im Leben in mancherley Sitten und Gebraͤuchen ſich | den Männern naͤherten und anfchloffen, wie die Erziehung aud der Mädchen weniger haͤuslich als oͤffentlich war, wie ſie ſich zu Feſten und Spielen vereinten, fo wuͤrde es nicht befremdlich ſeyn zu leſen, daß die Art von unauflöslicher Freundſchaft, die unter ö den Zünglingen häufig geheiligt war, das Wahlen und Anſchließen, ſich ihnen, die hier und da ſogar auch leiblichen Uebungen nach wie Juͤnglinge gehalten wurden 3 8), —— 55 „Jungf raunkaͤmpfe haben, wenn nicht ſelbſt dieß auf tragiſchen Uebertreibungen beruht, nur einmal am Spartiſchen Eu⸗ rotas Statt gefunden. De Pauw Rech. sur les Grecs berichtigt durch Heyne, Nov. Comm. Gott. T. IX p. 21 f. Man⸗ os Sparta I, 2, 161.” Böttiger am Norgenblatt 1816, S. 842. In mitgetheilt habe. Doch hören wir da⸗ von nichts. Indeſſen giebt Plutarch (Lycurg. p. 51 D.) in wenigen Worten eine ſehr wichtige Nachricht, die in ihrem Zuſammenhang mit dem Naͤchſtvorherge⸗ henden ausgehoben werden muß. Die Liebhaber, ſagt er, theilten (in Sparta) in gut und boͤs die Meynung, worin die Kna⸗ ben ſtanden; ja es ſoll einſt, als ein Knabe im Kampfe ein unziemliches Wort ausge⸗ ſtoßen, der Liebhaber von den Archonten ges ſtraft worden ſeyn. Während aber das Lieben bey ihnen alſo eingefuͤhrt war, daß auch die rechtſchaffenen Weiber (a (Ac u dayadal yvrainss) die Jung⸗ frauen liebten fand nebenbuhlen (dvre- o) nicht Statt; ſondern vielmehr LINE fen bie, welche dieſelben liebten, Freund⸗ "ht rangen, nach Athen. XIII, p. 566 E. im a die Madchen mit den Jünglingen. 1 3 ſchaft mit einander und beharrten gemein; ſchaftlich ſich bemühend, den Geliebten möge lichſt gut zu machen.“ Das iſt es, was wir auf des bos wiederfinden 39) in der Liebe 5 ä h x 5 EN 0 vr 5 1 9) Es ſcheint nicht, daß dahin die Schoͤn⸗ beits⸗Wettkaͤmpfe der Fralen in Lesbos, pſelos geſtiftet, (ſehr reizend geſchildert im Pastor fido) unmittelbar zu beziehen ſeyen, wenn gleich oben ein Schoͤnheits⸗ ſtreit der Jünglinge auf die Maͤnnerliebe N gedeutet worden if, Wenn die Jungs linge in ſo manchem andern wetteiferten, worin ſollten die Jungfrauen, um doch, gleich jenen, einen Adel durch Wettkämpfe. unter ſich zu haben, anders oder eher ſich meſſen? Auch find die Worte des Athe⸗ naͤus (p. 610 A.) nicht dafür: Eye go non, & aùròös Oeoppaoros d ade yvvanıav rep o οοο ροõ]).hI‚-/ s yiveodaı nat olnovonlas, Gone Er. 105 Papßapoıs* Erepwdı d no, @s SO nal Todro rıudodaı, ‚ noddnsp naı napd Tevedloıs var Ae goss rabrim òè runs ij pboewo El: in Tenedos und am Alpheios, wo fie Ky⸗ — vor, run, oͤd 6£ov. mpousiogaı 6@- - ppodbvns. rd ndAAos yap o, na- Ac, ei ö un, uivövvov Eoxev dr’ — - ‚58 der Sappho, wiewohl als eine große Sel⸗ liebe unzaͤhligemal geprieſen wird. Die Sappho aber hat zugleich, als Dichterin, jene Neigung zu bilden auf den ganzen Um⸗ ‚fang ihrer Kunſt und Kenntniſſe ausge⸗ tenheit; nirgend iſt die keuſche Frauenliebe g empfohlen, während die ktuſche Maͤnner⸗ dehnt. Ihr Haus konnte ſie eine Muſen⸗ ſchule, einen Sammelplatz von Dichterin⸗ nen (uoοο ννν .oiniav) nennen; das Weib das mit den Roſen von Pikria ſich nicht — — a 2 f duo i Die Schol. brev. Marc. ad II. XI, 129 ſagen, bey den Lesbiern ſey ein Kampf der Schoͤnheit aufgeführt worden im Tempel der Here, die v * "Aroreio, und finden demnach dieß in dem Epigramm des Hedplos, Anal. T. I. p. 483, II. iſt erdichteterweiſe von einem ſolchen Kampfe die Rede, worin Pria⸗ pos Richter geweſen (— 1c npivevre 1c NN Ilpınaao.) Der treffli⸗ che Erklaͤrer der Anthologie hat vr viel⸗ leicht uͤberſehen gehabt. der Conner Stelle bezeichnet. In Hi 1 SE ſchmuͤckt und ruhmlos ſtirbt, bemitleidet ſie. Ihre Schülerinnen (wenn auch nicht ausdrücklich fo, ſondern ihre Freundinnen . genannt,) waren Erinna aus Tenos oder aus Telos, und die Dichterin Baukis. Suidas nennt drey andre, Anaragora aus Milet, Gongyla aus Kolophon, Euneifa, aus Salamin. Auch fol Damophyla aus Pamphylien ene ihrer Schülerinnen gewe⸗ fen ſeyn, und „nach der Sappho Weiſe 15 Schuͤlerinnen gehabt und gedichtet ha⸗ ben 40 ).“ Doch dieſe Angaben moͤchten zum Theil unzuverlaͤſſig ſeyn, und es koͤnn⸗ ten bekannt gewordne Dichterinnen, die aus ihren Liedern gelernt hatten, ſelbſt mit Vernachlaͤſſigung der Zeit, als ihre Schu⸗ lerinnen gegolten haben, während die an⸗ dern, die man nicht aus eignen, ſondern f am N #9) Philostr. Vit. Apoll. . 20 Vgl. Boeckh, de metr. Pind. p. 2. ö , * nur aus den Liedern der Sappho kannte, gar nicht als Dichterinnen oder Schuͤlerin⸗ nen, ſondern nur als Freundnnen, wie von Suidas geſchieht, angeführt wurden. Richtiger in dieſer Hinſicht, und auch im Uebrigen nach unſrer Einſicht vollkommen wahr und überzeugend, drickt ſich Maxi⸗ mus Tyrius aue 1): „Die Liebe der Les⸗ bierin „wenn man Aelteres nit dem Neuen vergleichen darf, was kann fi. anders ſeyn, als des Socrates Liebeskunſt? Denn ſie ſcheinen mir die gleiche Freundſhaft beyde, dieſe der Frauen, er der Männer, zu trei⸗ ben. Sie ſagten, ſie liebten viele und wuͤr⸗ den von allen Schönen gefangen. Denn was jenem Alkibiades und Charmides und, 1 — £ #1) Diss. VIII. p.94. Ed. Dav. 1. In den Ueberreſten kommt zweymal vor Atthis, dreymal Andromeda, einmal Gyrinna. Ovid nennt einige andre. (S. unten, Note 67.) f N 61 Phͤͤdros, das iſt der Lesbierin Gyrinna und Atthis und Anaktoria; und was dem Sokrates die Kunſtnebenbuhler / Prodikos, Gorgias, Thrſyamachos und Protagoras, das ſind der Sappho Gorgo und Andro⸗ meda. Jezo ſchilt fie dieſe, jetzt widerlegt ſie ſie und bedient ſich gerade jener Sokra⸗ tiſchen Ironie.“ Die Vergleichung einzel⸗ ner Worte, die darauf folgt, mag man⸗ ches ſchielende enthalten; doch iſt fie bes achtenswerth. Zaͤrtlich redet die Sappho auch ihre Tochter Kleis an. Jetzt will ſie ihren Freundinnen etwas wonniges ſingen, jetzt giebt fie ihnen Lehren, namentlich Aber den Anzug. Auch ſpricht fie von Tugend und Würde mit einem nicht zu verkennen den Selbſtgefuhl. (Fr. XXXIV. XL. LVI. vgl. L. LXXV. Volger.)' Eine Nachricht des Etym. M. 42) bey Gelegenheit einer ſchlechten ö er, 42) V. Melos p. 587; Muc. 65 62 Icheint zu verrathen, daß die Lesbiſchen Jungfrauen auf Veranlaſſung eines Fe⸗ ſtes Geſang und Dichtkunſt übten, fo daß Sappho ſelbſt als Zoͤglingin gewiſſermaßen einer einheimiſchen unter dem Volk beſtehen⸗ den Schule betrachtet werden koͤnnte. War nicht die Laute des Orpheus an 7 00 an⸗ getrieben? Seitden iſt von Geſang und 1 ſpiele das Eiland Angefült und das klangreichſte von 3 Alles iſt es 13). Die Trauer in der Stelle des Grammar tikers iſt wohl keine andre, als die der Abo: — gi d Ei 1 7 (Sylburg moͤchte leſen odor der an Lesbos war, ſ. auch Antig. Caryst, . 129.) rds dv At yevoutvas rap- r 1a ev Gorräd nal Someir: öder Emenpdende ru ’ge ober a ue j #5) Phanocl. Vs. 21. Vgl. Voy. du bean Anachars. T. II, p. 55 . 8355 er nisfeſte. Auch Sappho hatte den Adonis und den damit verbundnen e gefuns gen 4). Nach e ein paar Worten von Horatius und Ovidius darf man annehmen, daß die große Innigkeit und Aeoliſche Gluth der Liebe, wodurch Sappho eben ſo berühmt geworden iſt, als durch die unübertroffene Kunſt, vorzüglich in Liedern an geliebte Mädchen ergoſſen geweſen ſey. Unter den Ueberreſten gehören dahin nur Nr. V. XV. etwa IX. und dann die andre Ode. In dieſer ſelbſt iſt zwar Feine Spur, daß der geliebte Gegenſtand nicht ein Mann ſey;z allein Plutarch ſpricht, indem er ſi ch auf ſie bezieht, von der erſcheinenden Gelieb⸗ ten 5). Man koͤnnte immerhin bemerken, age N a 1 In 4 =” p sun IX, 2 Vgl. Kann Mot l. 5 Fe “) Amator. p. 763 K. N une 80 Bye S- e Ob die Stelle beruͤckſich⸗ 2 bene Römischen Dichter hätten vielleicht die Sappho nach dem, was ihnen am meiſten ' tigt worden, oder ob die Ueberfchrift ads yuν,²u ‚&pepevnv, welche die „Ode bey II. Steph. noch nicht, aber ſeit der Ausgabe des Urſinus faſt überall führt (in der Fiſcherſchen vos vi auf 277 Vermuthung ruhe, iſt mir nicht bekannt. Daß die Ueberſchriften lvyriſcher Gedichte überhaupt, nicht im Sinn der Alten, und auch im Horatius flalſch ſeyen, hat Buttmann al a. O. bemerkt. Auch eine Stelle des Texts itt, gleichſam der Ueberſchrift zur Beſta⸗ tigung, geaͤndert worden. Denn daß gamebo as — nal yeloo as nicht das Aechte ſeyen, leidet kaum einen Zweifel, Was yeAmsas betrifft, fo muß es, wenn HBandſchriften irgend etwas gelten ſollen, unbedingt verworfen werden. Vier ha⸗ ben Yehais: bie, zwey andern yeAdsz fo auch die erſte Ausgabe. Dieß fand If. Voſſius in der Pariſer Handſchrift und machte daraus, alſo nicht wie Baxter ſagt, aus yeAwoas de suo, ſondern mit gutem Grunde Meckis. Dieß ha: ben auch Tollius, Morus, Toup, Brunck U. a. beybehalten. Die Abſchreiber ver: ; 1 * zwar den Aeoliſchen Infinitiv icht; aber fie, gaben lieber ſcheinbat 63 an ihr auffiel, mit f einem flüchtigen Zug ſchildern wollen, und es koͤnne demohnge⸗ — in eine Sylbe zu wenig, als daß fie ver: andert haͤtten. Dem Manutius (1555, wenn nicht ſchon dem H. Stephanus, deſſen erſte Ausg. von 1554 mir nicht bur Hand iſt, der aber in den ſpaͤteren, wenigſtens yes lieſt) wird die fal⸗ ſche Lesart verdankt; und er wurde zu der Aendexung vielleicht dadurch mit be⸗ ſtimmt, daß das andre Wort im Parti⸗ cipium geleſen wurde. Wahr iſt es, daß beyde Worte nicht wohl anders als in uͤbereinſtimmender Form vorausge⸗ ſetzt werden koͤnnen, obgleich I. Voſ⸗ ſius und Morus nicht fo gedacht haben. danach, wenn zumal noch einiger Grund Da aber yerdis feſt ſteht, fo, wird man bey dem andern Wort hinzukommt, die⸗ ſes beſtimmen -müffen, nicht umgekehrt. Nun leſen die Handſchriften fehlerhaft, eine 4oͤd cho cats, und vier Kon piov. Cie. Dieß verbeſſerte der Her⸗ ausgeber des Longin, Robortello, in cov ⁰².νο, richtiger cod S ον das, was Stephanus, Voſſius, Faber, Toll, Hudſon beybehielten. Manutius, Arſinus, Portus u. a. wollten lieber Nn ſetzen dövpdvov geb, was mit ihrem velchoas uneben zuſammentrifft. Allein E 5 U : 66 ne achtet die Leidenſchaft zum Phaon oder andre Liebe den größeren, Theil ihrer Lie⸗ z - ee richtig fühlten fie, daß das Pronomen nicht wohl fehlen koͤnne: und es fehlt auch nicht, wenn man nur die von den Ab⸗ 5 a 21178 ſchreibern nicht verſtandenen Worte rich⸗ tig abtheilt od t, Ormemobeı, wobey zugleich das Jota bleiben darf, das der Abſchreiber irrig eingeſchoben haben u ſollte. Diefer aber erweiſt ſich in der ganzen Ode eben ſo treu in der Zahl der Buchſtaben, als unfaͤhig fuͤr den Sinn. Daß nach dövpev. in mehre⸗ ren Handſchriften ein Punkt ſteht, zeigt, daß in der, woraus die unſrigen alle gefloſſen find, eine Lucke war, welche in der einen falſch ausgefuͤllt worden iſt. (ddvpavov). Auch der letzte Heraus⸗ geber des Longin hat ſich nicht zurecht 8 Bothe hat das Falſche. r Brunck ſah dießmal richtig, dem ein paar Schulausgaben gefolgt ſind, und mit dem auch Hermann überein⸗ ſtimmt. Noch groͤßeres Unrecht aber er ben die, welche dieſe Ode einzeln oder in Sammlungen abdrucken liegen ihr dadurch bis auf die neueſte Zeit zuge⸗ 8 uͤgt, daß ſie den Anfang der lebten krophe bey Longins 0 — — Er 7 er der eingenommen, und beſonders der Aus: druck jener unglücklichen Neigung das tief Ad xd zoAuärov, fn aevnra — wegließen. Von dieſem Schluß hängt der Sinn des Ganzen ab, das ſich in ihm erſt vollendete, und wovon die Schil⸗ derung der Liebe, welche Longin auszu⸗ heben ſich bewogen fand, im eigentlichen N Sinn nur Bruchſtuͤck iſt. Vergleicht man, was Catullus an die Stelle geſetzt hat: Otium, Catulle tibi molestum est, Olio exultas nimiumque gestis, Otium reges prius et beatas ien Ferdidit ürbes e e en: ſo darf man, da er int Uebrigen das Lied ſo treu nachbildete, vermuthen, die Dichterin, von welcher F. Schle⸗ gel (Ueber die n Schoͤ⸗ nen in Wielands Mercur 1795, St. g. S. 90.) mit Recht geſagt hat, ihre hohe Zaͤrtlichkeit ſey von wermuth * 2 1 wie umfloſſen, werde ihrem Gefühl zu gebieten, uud ſich unter irgend einem Grunde, klagend, wie Horatius ſagt, FZꝛur Ruhe zu ſtimmen, in dieſem Schluſſe geſtrebt haben, z. B. dulden muß ich dieſe Macht, mich durch die Gewalt der Schoͤnheit nicht hinreiſſen laſſen, ihr zu buldigen, dir zu nahen, deine Gunſt begehren zu wollen; dieweil den Armen Ea x = . 2 — v — 8 » 1 68 ſte Weſen der Liebe, wie Platon der Sappho nachruͤhmte, offenbart haben. ſein Loos beſtimmt, zuruͤckzuſtehn oder verſchmaͤht zu werden. (avrm yd TobAa60oy ο — i rein. Theogn. 2700 Toruav hat dieſe Bedeutung Odyss. % XXIV. 161 Ard 6 wos i, erdνẽ & ue- yapoıstv,£oioz 615 BaArduevos nal £vı00duevos;, ‚TerAn- aa Gr uud. Vgl. Theogn. 356. 442 555: Becker. 5 1197 So wuͤrden die Blitze der Leiden⸗ ſchaft, die durch die vorherge⸗ henden Strophen zucken, und zwar aus klarem Grunde der bloſen Liebe, nicht, wie man er irrig gewaͤhnt hat, aus dunkler Eiferſucht hervorbre⸗ chend, in eine duſtere Wolke der Entſagung oder Selbſtuͤberwin⸗ dung verſchwinden, und dieß den u eigentlichen Charakter des Lies n4 ig erklärt: tali gaudio afficiunt, ut des ausmachen. Die Eiferſucht faͤllt 2 * 5 N . 45 Allein es haͤngt für unſern Zweck von dies fer ſchwankenden Bemerkung gar nichts inter deos versari me putem, vgl. auch die Stellen zu V. 6. bey Mit⸗ 7714 (ati; fondern) ſtark und unem⸗ pfindlich; mir würde es gewiß (denn der Aoriſt hat dieſen Nachdruck), das Herz erſchütternz denn ſchon beym bloſen Anblick ſtockt mir der Laut u, ſ. w. Es iſt nicht blos das Ueberra⸗ ſchende des wonnigen Anblicks, wie bey Minne ER 2% marò lv xpoinv Ges Ader ichs, becher 6° So A dos öunkudns. . Sondern die Schüchternheit der zurhd« e de Liebe. So nahm es auch Catullus: 10 Ille mi par esse deo videtur, Ille, si fas est, superare divos, * Qui sedens adversus. idemtidem- te Spectat, ed audit ? Dulce ridentem, misero, q ud omnis 77 5 . sensus mihi: nam simul te — Im AL n hatte er demnach die Wen: des Gedankens zwar beybehalten, men das Lied gerade dieſes Lied war, ff; aber feinem Verhaͤltniſſe zu der Les⸗ 1 das ein ban andren war, ange⸗ * 5 = ab, indem keineswegs gelaͤugnet wird, _ daß, was die Dichterin gegen ihre Freun⸗ — — X paßt. (Die Anſicht des If. Voſſius be⸗ darf jetzo keiner a e mehr). Wollte man aber auch das Goͤtteraͤhn⸗ liche hier in die Wonne ſetzen, ſo findet dennoch die Vorſtellung von Neid nicht Platz: ſondern die Einheit, die Kraft. und ſelbſt die Reinheit des Gedichts ge⸗ winnen, wenn man ſo verſteht: Dein bloſer Anblick reißt mich hin und beraubt mich; wem du nah biſt, (wer nur nicht vor Wonne ergienge). der würde beſe⸗ ligt ſeyn wie ein Gott; aber dennoch, muß ich alles dulden ohne dem Verlan⸗ gen Raum zu geben. Da aber freylich tullus auch einen ganz neuen eignen Schluß gewaͤhlt haben kann, fo darf: man auch, wenn man will, bey der Sap⸗ pho einen andern Schlußgedanken ver⸗ muthen. Nur muß man dann verzichten ihn errathen zu wollen. Denn was Pearce ſagt: Videtur Sappho in se- quentibus velle se consolari aut potius fortem animum contra foeminae illius amätae iniurias gerere, gründet ſich, wieie alles, was er zu V. I. annimmt, auf Leine ganz nichtige Vorausſe ng, und \ kann ohnehin wegen möyrra'niche beſte⸗ N Fans 71 * 4 * binnen empfunden „wahre Liebe, ſondern nur, daß dieſe Liebe anſtoͤßig oder ’ ” N — hen, wenn man es auch dahin abändern wollte: Man muß ſich ermannen und er⸗ heben, ein Herz faflen, ſich ihr zu naͤ⸗ heern; (zu welcher Bedeutung auch rar e en weniger paßt.) Denn der Uebergang un⸗ 0 mittelbar: da auch dem Armen oft ein IR Gott bepſteht, oder: arm machen die Götz 0 ter den Unentſchloſſenen, waͤre unausſteh⸗ lich. Darum hat Hermann einen andern Schluß erſunden, (Elem.-doctr metr. p. 629.) der den ganzen Sinn des Gedichts gewiß nicht vortheilhaft verandert: Ad nd ro uνj)iu, Se yAırivn 1d, & Javudänıs Av ls, Si hic, quem puto, sensus est horum I verborum, invidens Sappho viro illi, omnia sibi audenda dicit, quoniam puellam nimis securam amore illius calefleri sentiat. Von Neid, als ob die Schone ſich ihr entzoͤge und gern mlt ei⸗ nem andern koſete, von Eiferſucht, die bey den alten Dichtern uͤberhaupt auffal⸗ lend ſelten vorkommt, (in dem ſchoͤnen Theokritiſchen Mimos iſt fie eher drollig behandelt) findet ſich in den Worten keine Spur. Und wie ſinkt durch dieſe Vorftels — ———— 2 Sc ” I er N ER. ai Dur; 7 0 77 R 1 72 gar gemein ſiunlich und ſtrafbar gewesen ſey, und die Behauptung aufgeſtellt, daß — — lung die Saͤngerin, wenn jene Erſchei⸗ nungen alle nicht als die ſtaͤrkſten An⸗ wandlungen, deren das zärtefie Gefuͤhl, beym blofen Anblick, fähig iſt, ſondern als ganz gewoͤhnliche, die eine der Wuth und dem Haß verſchwiſterte rauhe em pfindung hervorbringt, gelten ſollen? Waͤre es aber auch ſo, iſt der Gedanke beyfallswerth: Selig, wenn du ſprichſt und lacheſt, mich macht dein Anblick ſtumm, heiß, zitternd, bleich, ich ſehe und höre nicht mehr, bin wie todt, alſo muß ich (als ob fie nun in dem Zu⸗ ſtand waͤre, ſeys Liſt oder Kühnheit an⸗ zuwenden, und als ob dieß an ſich edel genug wäre) dich jenem zu entreiſſen ſuchen, von dem du ganz erglüht biſt? Zu dem xn rad (bn abt, was bbenein unſchoͤn iſt) findet ſich übrigens eben ſo wenig Anlaß in der Lesart aller Handſchriften zwel nal mevnra, als dem Sinn nach in dem Vorhergehenden. Das nc kann eingelaufen ſeyn, entweder weil Longin ſelbſt die letzten Worte, auf die für ſeinen Zweck nichts mehr ankam, oder weil dadurch die Kraft, die er nach⸗ wweiſen wollte, wirklich eingeſchraͤnkt wur⸗ de, nur andeutete, um damit das En⸗ 73 es gebildeten Griechen, ſo fern nichts ans ders ſprach, als Liebeslieder im Geiſte . i — phe gemaͤß, das rar zuſetzte, oder es de der Liebesſchilderung zu bezeichnen, und daher, dem Sinn der letzten Stro⸗ ruͤhrt von einem Abſchreiber her, der ei⸗ nen ſolchen Sinn vermuthete, als auch oben angegeben worden iſt. Und wie konnte Hermann das nicht blos proſai⸗ ſche, ſondern ganz klaͤglich matte J Sau- ud Av los der Sappho geben, da ‚hberdem die Worte od Javudssıs, cs Un , . r. A. für, den Longin, nach den einleitenden, die dem Gedicht vorangehn, ſo wohl paſſen, es moͤge nun das Or adıo. (dem wir dieß alles verdanken,) verſchrieben ſeyn für Bro ro görs, oder es ſich damit ſonſt verhalten wie es wolle. Hinſicht⸗ lich des 41d für n V. 16 iſt Wahr: ſcheinlichkeit da. Schon Jones de poes. Asiat. p. 213 führt dieſe Ode ohne wei⸗ neben feiner Geliebten ſitzenden Liebha⸗ teres an als carmen in Atthida Daß ſie nicht gedichtet ſey im Namen eines bers, wie im Zuſchauer Bd. 4. S. x der deutſchen Ueberſ. vermuthet iſt, be⸗ darf keiner Eroͤrterung. Vor ein paar Jahren wollte jemand daraus, daß Plu⸗ tarch, (Vit. Demetr. 38. p. 907 B.) wo — 1 1 2 . deſſen, was uns erhalten iſt, wie etwas frem⸗ des, ja wie etwas ungeheures und abſcheuli⸗ — er von der Krankheit des Antiochus ſpricht, in welcher der Arzt die Liebe zu der 7 Stratonika erkannte, weil er ſich dabey der Syptome der Liebe aus unſrer Ode bedient, aus dem Ausgange jener Ge⸗ ſchichte etwas uͤber die Bedeutung von dieſer folgern. Was würden alle beruͤhm⸗ teften Dichter ſeyn, wenn ſolche weither⸗ geholte Folgerungen aus den Umſtaͤnden, unter denen zufaͤllig eine abgeriſſene Schil⸗ derung angefuͤhrt iſt, erlauubt waͤren! Noch an einer andern Stelle (T. II. p. 8 D. de adul. et amici discr.) entlehnt Plutarch die erſten Merkmale, wie die Zunge verſagt und ein fluͤchtiges Feuer f gem durchdringt, auch um die Gemuͤths⸗ ewegung eines von der Philoſophie tie⸗ ſer angeſprochenen und ſtill und inner⸗ lich gewordnen Juͤnglings zu bezeichnen; wobey manchem einfallen dürfte, daß wir die Sprache der Empfindung wie ſie den ſuͤdlichen Voͤlkern eigen iſt, leicht misverſtehen können. Bey der Anſchau⸗ ung einer goͤtteraͤhnlichen Schönheit, oder auch einer unkoͤrperlichen Geftalt, ergreift den Gefuͤhlvollen wie durch ei⸗ nen Schauder, Veraͤnderung, Glutz Be | ches würde vorgekommen ſeyn, wenn jemand daraus ernſthaft etwas arges gemuthmaßt haͤtte. Denn je leichter es iſt, Handlungen oder Empfindungen, die dargelegt werden, Beweggründe, Beymiſchungen, Folgen zu leihen, auf jeden Anlaſt eine Möglichkeit: bereit zu haben, um ſo mehr hüten ſich kundige, verſtaͤndige und um ihren eignen Werth beſorgte Menſchen, ohne andern Grund, als reines Mistrauen in das Große und Schöne, edlere Weſen in das 1 mm — Schweiß. Plat. Phaedr. p. 251 A. Eu- eret, III. 152 ss. bildet, um die Wirkung der Furcht zu ſchildern, die Ode nach, in welcher viele Neueren den Ausdruck der Begierde zu finden uͤbereilt genug gewähnt haben. Von ihr ſagt, um we⸗ nigſtens ein Beyſpiel der oft beliebten Scherze Über die Dichterin anzuführen, deer auch ſonſt oft fo abgeſchmackte alte Franzoſe, der ſie erklaͤrt hat, er wuͤrde für die Schönheit derſelben der Sap⸗ ‚bp jedes Laſter zu gut halten. N . mt R 76 Gemeine herabzuziehen. Daß weder in den Gedichten der Sappho, noch in der oͤffentlichen Kunde etwas geweſen, das ei⸗ nen verdaͤchtigen Ruf haͤtte begruͤnden, oder nur der Verlaͤumdung einigen Schein vor uͤberlegt Urtheilenden geben koͤnnen, laͤßt ſich bey ihrer großen Beruͤhmtheit, bey der Liebhaberey der Griechen verſchiedener Zeit⸗ | alter an Geſchichtchen aus dem Leben ihrer Dichter, und nach mehr andern Umſtaͤn⸗ den, daraus mit großer Wahrſcheinlichkeit folgern, daß in allen uns erhaltnen Grie⸗ chiſchen Werken bis auf den Suidas nicht im Entfernteſten die Rede davon iſt. Viel⸗ mehr ſind einige Stellen, die man geradeaus h zur Betätigung des Gegentheils dürfte an⸗ wenden koͤnnen. Wenn Ariſtophanes bey Platon ſagt: (Conviv. p. 191 C.) „So viele der Weiber von dem (urſpruͤnglichen) Weibe eine Hälfte find, die richten den Sinn gar nicht auf die Maͤnner, ſondern 77 ſind mehr nach den Weibern gewandt; und die Hetaͤriſtrien find von dieſem Geſchlecht:“ ſollte man da nicht eine Hindeutung auf die Liebe der Lesbierin erwarten, wenn es nicht eben ſo unthunlich geweſen waͤre, im Zu⸗ ſammenhang dieſer Rede davon zu ſprechen, als es den Komikern, nach der Bemerkung des Maximus Tyrius, unmoͤglich war, ſo viel ſie ſonſt auch von Sokrates erdichteten, gerade ſeine Liebe zu den Juͤnglingen zu verdaͤchtigen? Streng dem Wort nach werden ſogar die Hetatiſtrien von den Frauen, welche ſich mehr nach den Frauen als den Maͤnnern wenden, noch als eine Klaſſe von der Gattung unterſchieden; doch iſt darauf nicht zu beſtehen. Noch mehr aber dürfte man, was man nicht wuͤnſcht, berührt zu finden erwarten, wenn je davon die Rede haͤtte ſeyn koͤnnen, in der Stelle * des Ariſtoteles, deſſen Sittenlehre man ſich erinnern wolle: (Rhet. II, 23.) Die Par IRB vier haben den Archilochos, obwohl einen Läſterer, geehrt, und die Chier den Ho⸗ mer, obgleich er nicht Buͤrger unter ihnen, und die Mitylener die Sappho, obgleich ſie ein Weib war.“ Auch in der Schrift unter den Lukianiſchen, Eocorss, iſt (Kap. 300) eine Zuſammenſtellung, woraus man vermuthen muß; daß die Griechen die un⸗ ter uns ſo bekannt gewordne Vorſtellung von der Sappho vollig fremd war. Als Stellvertreterinnen des weiblichen Ge⸗ ſchlechts, heißt es, wenn feine Sache ge⸗ gen die Maͤnnerliebe vertreten werden ſollte, würden kaum Teleſilla, Sappho und The⸗ ano beſſer ſprechen koͤnnen, als jener, der geredet hatte. Teleſilla iſt ausdrücklich als die ſtreitbare und tapfre genannt, Theano ohne Zweifel als die tiefe Denkerin, und Sappho als die beredteſte und ſuͤß einneh⸗ mendſte. Konnte fü e als fiegreiche Anklaͤ⸗ gerin der Maͤnner gedacht werden, wenn Sf 79 Fie ſelbſt unnatürlich liebte? Vollends geht kurz vorher das oben ſchon Angeführte von der Philänis. Und man pflegte in dieſer gelehrten Zeit nichts zu vergeſſen, nannte nach den Komikern und Rednern die Paͤde⸗ raſten Kliſtheneſſe und die Misbrauchten Timarche, u. dgl. weil ſie es geweſen wa⸗ ren. An einem andern Ort, wo Lukianos von einer kaiſerlichen Geliebten oder Gema⸗ lin das vollkommenſte Bild innerer und aͤuſ⸗ ſerer Schoͤnheit ſchmeichleriſch und überla⸗ den entwirft „benutzt er als zu einzelnen Zügen die ſtaatskluge Aspaſia, und als = fernere Beyſpiele der Einſicht und des Ver⸗ ſtandes (oo nal Gvv&dews) bie Theano, ; Bst: und Diotima #6), 2 ad 7) Imag. 8 Abe N 52 Sn GN ma: N Oed Te een, nal 7 Aeg ueAonouds, 505 Aiorl ent "N zabras mn uw r eyaldvow, d . "Os, 6 e els rin, ypa= . N Sanpi 9 10 yAapüpor 80 | (Sympos. VII, 8. p. 711 D.) tadelt je: mand, daß Platons Dialoge in Rom bey Tiſch hergeſagt wurden, als wie zur bloſen Beluſtigung unter Wein und Salben. Er wuͤrde ſelbſt wenn die Sappho oder Ana⸗ kreon vorkaͤme aus Ehrfurcht. (ai: yievos) den Becher niederſetzen (weil ſie naͤm⸗ lich zu edel oder ſchwungvoll für die Luſtig⸗ keit des Tiſches ſeyhen. Was Anakreon de trifft, ſo gereicht dieß der Anſicht des Mal rimus Tyrius von ihm zur Beſtaͤtigung. Daß Plutarch in dieſer Stelle ſchmaͤhlich misverſtanden worden, wird man ſich den⸗ ken). Derſelbe Schriftſteller ſagt anders⸗ —ůů—ů— riss mpoaıpkdews. 17 Aiorlum & ob A Tamodrns zn, nece, gur, Zommvia sr. udvov, Md N, rin; AM Greco, re u ovußovAlan, Der Zuſammenhang ergiebt, daß die Ueberſetzung: institutae vitae incundi- tatem, oder: vitae elegantiam falſch iſt, und daß v hoalpecis auf die Gedan⸗ ken und Anſichten geht. 5 Ne * 4:5 8: wo: wie Kakos Feuer und Flammen aus dem Munde gehaucht, ſo ſpreche Sappho in Wahrheit mit Feuer gemiſchte Worte aus, und leite durch die Lieder die Waͤrme aus dem Herzen ab, durch wohltoͤnen⸗ den Geſang heilend die Liebe. (Worte des Philoxenos vom Polyphem, ſ. Plutarch. Sympos. I, 5. T. II, p. 62 ) Dabey beurtheilt er die Worte des diedes, worin Bayle und andre ein ſinnliches Verlan⸗ gen unverkennbar waͤhnten, ganz entgegen⸗ geſetzt ! 7). Hiernaͤchſt iſt wohl zu beden⸗ 1 7 Amator. 18 71 II. P. 762 F. — Tadra, 0 mpös rod Aids, o JzoAndia nara- pavıns, ob ros o daunövıos odo is vst rl To0oÖrov 5 ub ta zenov- de d πV¶]¹ν, mM rob tptmodos; ira ch evYsasouivov 17 55 6 as nal 1d e nab 70 rbLus cord. 0 0wW; Hal ya 10 ch G moAot dar To abr u Spwow, el rat & eis 6 &pwrmds‘ — did tive “ altiav; o yd havYdvojsv yl now 5 1 ꝗ—œZ»ZQœQʒ—I—M— — — nn men. 0 ³oͤ d 2 1 7 \ 82 ken, daß in Platons Phädros (p.285 C) Sokrates bekennt, er habe ſeine hohen An⸗ ſichten von jener ſchwarmeriſchen Liebe, 8 (wenn man ſo im guten Sinne ſagen darf) aus der Sappho, dem Anakreon oder an- dern alten Dichtern geſchoͤpft. Wir gehn auf einen Zeitgenoſſen zuruck. So viel Ge⸗ wicht als ein einzelner Ausdruck irgend has ben kann, und deſſen iſt nicht wenig, weil in dieſer hochalten Zeit die Worte ſehr ſcharf erwogen wurden, hat das Wort des Alka os: 429 ?Iömkow dd neilzxdueóα Zarpoi, Auch Hermeſianax, wenn er die Liebe des Alkaͤos und des Anakreon zu ihr beſingt! s), * — ä (— ro Mevdvöpov Atyovros, o ge . ev — MU 6 Sebs alrios, tod uh nadanbdyevos, ro, &' ddoas u. L. A. 45 V. 47 ff. Die Bemerkung des Athe⸗ naeus, p. 399 C. daß die Liebe des Ana⸗ kreon zur Sappho mythiſch feyn muͤſſe, iſt etwas naiv gefaßt, da Hermeſianax 83 giebt Zeugniß von den Vorſtellungen des hoͤheren ee hinſichtlich der reinen Liebe. Und hier kann ich die e nicht unterdruͤcken, daß es am wenigſten uns Deutſchen anſtehn wuͤrde, aus Liedern der Liebe, ohne daß ſie ſelbſt noch einen beſon⸗ dern Grund hergeben, Verdacht zu ſchoͤs pfen, da über die gröbere Sinnlichkeit er⸗ habene Liebe einer der eigenthumlichſten Gegenftände unſrer eignen beſten Dichter iſt. Schon auf einen großen Theil der Minneſinger hat Villers in der geiſtvol⸗ len Schrift über die weſentlich verſchiedene Weiſe wie die Franzoͤſiſchen und die Deut⸗ ſchen Schriftſteller die Liebe behandeln 49), — — | fo viele, die eine Frau der Vorzeit ge⸗ prieſen hatten, Liebhaber nennt. 49} 5 ee und vermehrt in dem ruͤhmli⸗ eutſchen e Hamburg 8 | Tai 84 mit Recht angewandt, was einer von ihnen von den Frauen ſagt, die er befingt: j Nie ftunt ir Wille wider ir Kuͤſche ſich entwarf. So groß die Verſchiedenheit zwiſchen der ws Sehnſucht und Seelenvereinigung in der Liebe der Neueren und dem hohen Entzuͤcken an Jugend und Schönheit bey den Alten ift, fo bleibt immer etwas gemeinſchaftli⸗ ches darin, daß auch ſie, in einer gewiſſen Zeit wenigſtens, einer Empfindung faͤhig waren, die vermöge ihrer eignen Zartheit und Staͤrke gleichſam ſich abſchloß von dem uͤbrigen Menſchen, und in ihrem eignen Kreiſe ſich bewegend ihn eher mit ſich emporhob, als daß ſie ihn wie in einem Strom fortgeriſſen hätte. So viel naͤher Schoͤnheitsgefuͤhl und Einbildungskraft mit dem Sinnlichen verwandt ſind, als das Herz und die Ideen des Geiſtigen, ſo viel leichter wird die Liebe der e durch Sinnlichkeit ge⸗ — 85 + U — 5 1 teübt werden, ſo viel kurzer wird fie, gleich einer Frühlingsblume, im Leben eines Volks | beſtehen: ſo viel anziehender, in ihrer Art und ohne ſie mit dem mehr Reingemuͤthli⸗ chen vergleichen zu wollen, iſt ſie aber auch wenn ſie unter Beguͤnſtigung beſondrer Vorſtellungen, Sitten und Verhaͤltniſſe er⸗ ‚blüht. Es ſcheint, daß feurigere ſuͤdliche Naturen durch die reinſten Regungen ſo | heftig ergriffen werden koͤnnen, wie nördliz che Menſchen ſelten, wenn ſich noch keine Begierde in ihre Anwandlungen eingemiſcht hat. Und doch nehmen bey reizbaren Per⸗ ſonen auch unter uns leicht alle Neigungen, oft ſelbſt die geringeren zu irgend einem Weſen, ja zu etwas todtem oder eingebil⸗ detem zuweilen, den Charakter der Liebe an, und ſollten ſolche Neigungen mit aller moglichen Freyheit dichteriſch dargeſtellt werden, ſo wuͤrden ſie der Liebe nur noch ahnlicher werden. Die Briefe der Koͤni⸗ * \ a gin Chriſtine von Schaeben a an die Graͤfin a Ebba Sparre, die ſie gewöhnlich meine Schöne nennt, glühn von Liebe und Zaͤrt⸗ lichkeit. Sehr anmuthig ſagt Lionardo Bruni im Leben des Dante, es ſey dieſen in der Jugend von verliebter Leidenſchaft eingenommen geweſen, nicht aus Ueppig⸗ keit, ſondern aus Feinheit des Herzens, (non per lübidine, ma per gentilezza di cuore) und habe in ſeinen zarten Jah⸗ ren Verſe der Liebe zu ſchreiben begonnen. Wenn es gelungen iſt, für den Geſichts⸗ N punkt, welcher hier angedeutet worden, (denn ihn voͤllig zu entwickeln würde ſehr viel erfodern) einzunehmen, fo wird die von ſelbſt fich: aufdringende Frage, wie der entgegengeſetzte habe genommen werden, und das boͤsliche Geruͤcht dennoch Wurzel faſſen können, ungleich lugt zu beant⸗ worten feyn, > 87 So natuuͤrlich und nothwendig richten man hier ſogleich den Blick nach der Ko⸗ noͤdie, daß man nicht begreift „warum ſie ilemals in dieſer Hinſicht in Betracht ge⸗ bommen ſey. Indeſſen iſt die Dichterin fo läufig auf die Bühne gebracht worden, diß man ſich denken kann, es werde aich in ſehr verſchiedenem Sinn geſchehen fen; blieb es doch immer behaglich genug für den ſtolzen Athener, ſich an den Ges ſchichten und parodirten Empfindungen eis ner Jerſon zu beluſtigen, die fuͤr das Ins ſelvoͤlkhen von Lesbos der Gegenſtand eis nes fehr ernſthaften Ehrgeizes war. Schon in der älteven Zeit mußte fie auftreten, ins dem Platon von der alten Komödie ei⸗ nen Phan geſchrieben hatte 50). Auch Kratinos Gee p-. 69. u hatte a - 5 * Fan Bibl. G. T. II. bg Välcken. in Aon. 5. 22. R. = 88 „geſagt, wie Aphrodite in den Phaon ver, 5 liebt ihn (wie bey Kallimachos den Ado⸗ nis) in Lattich verſtetkt habe. — Die Schoͤnheit von Aphroditen verliehen iſ Spott auf die der Sappho ſo unwidesn ſtehlichen Reize des Phaon / der von nut an ein Muſter der Schoͤnheit iſt, (z. neben den Nireus ſteht er bey Lucian Imagin. 2.); der Lattich auf fein Vir ſchmaͤhen der Liebenden. Den Kratiros hatte dann Marſyas der jüngere nahge⸗ ahmt und grüne Gerſte an die Stell des Lattichs geſetzt. Die ganze Gefhiche aber / 2 die in Verbindung mit dem Lattich, ohne daß Kratinos genannt wird, von Ael. V. H. XI, 18 erzählt wird, und aus Pa’ _ laeph. 49. oder gleichlautend beyApostol: XX, 15, ferner aus Lucian. Dal. Morf. IX, 2, Serv. ad Aen. III, 279 ergaͤnzt werden kann, darf unbedenklich els ein paar hoͤchſt ergöglich angelegte, vernuthlich auf 89 Worte der Dichterin bezogene Seelen eines Phaon dieſes großen Komikers angeſehen werden, die einen neuen komiſchen Anſtrich erhalten, wenn ſie ſo wie von vielen ge- ſchehn iſt ohne dieſe Erklärung nacherzaͤhlt werden. Endlich hatte, auch von der alten Komödie, Amphis eine Sappho ge⸗ ſchrieben 1 (die fan eko zum erſtenmale angeführt findet in Becker, Anecd\Graec, Tel. p. 89, wo auch p. 104 ein Auge dube ® deſſelben Dichter zuerſt genannt iſt.) So⸗ dann ſind vier Stäcke bekannt, die ſämmt⸗ lich den Namen der Sappho ſelbſt fuͤhrten, von zwey Oſchtern der mittletn und von amey ARE Ben n Komödie. 3 2 1 f ‚Einer von Rx? Kr > “) hin ein 1 8 e des Ariſto⸗ teles und Dichter der mittlern Komoͤdie, iſt der eine, Athen. XIII. p. 572 C. (Zur mittlern Komoͤdie rechnet ihn Suidas) > und aus derſelben 1225 Antiphanes, Athen, X. p. 450 E. wo Sappho ein Rethſel aufgiebt ad lot Iul. Poll. VII. 90 z 8 — deieſen, Dippilos, hatte den Acchilochos und Hipponax als ihre Liebhaber eingeführt: HSeier ſtanden alſo der oſſenherzigen und un⸗ ne Aeolierin die e tigen nit ee rer 10 Bü . N und hum he Wii et. „Bernuiti dann von Poll. VII, 192. X. 40 genannt p; f und, wie Beech Heerde * ſonſt nicht vorkommt, kein andres Stück, als die Sappho. Ferner ſchrieben eine Sappho Timokle 9% den Poll. X, 184 r0ig von g ‚ausähle mit Recht, wie man aus der rung bey Athen. VIII. p. he ſebt; d endlich DEINER gleichfalls von der neueren Komoͤ die, then: XIII. p. 399 D. XI. p. 487 A. wo Archilochos von der Sappho angere⸗ det wird. Hier von einem Anachronis⸗ mus zu reden, oder von einer jüngeren Sappho, wie in der Note von Harles, Bibl. Gr. T. II. p. 123 geſchieht, iſt wunderlich. Moͤglich, daß das dem Hip⸗ Auer ad Bump Pia. Xi” 8 5 Er Eberle des e = | EN Jonier, und in ihnen gleichfam der Athe⸗ ner dem Dorier, die jambiſche und komiſche Poeſie der lyriſchen, der Witz dem Gefühl gegenüber; und die Glut der Liebe follte wie ein glühend Metall in dem Waſſer dev Komo die auslöſchen und verdampfen. Hier war ein Liebhaber, der, um ſich für ihren Wortbruch zu raͤchen, der Tochter des y⸗ Fambes Dinge nachgeſagt hatte, die, wie ſie im Epigramm des Meleager ſo ruͤhrend in der Unterwelt klagt, unmoglich wahr ſeyn konnten, weil er ſie ſonſt nicht zum Cheweib begehrt haben würde; und ein an⸗ derer, der gleichfalls in der Komödie kaum etwas anders ſagen konnte, als das Mukh⸗ 5 willigſte und Giftigſte. Und überhaupt onnte die Attiſche Komödie, wenn fie die Freundinnen der Sappho berührte, nicht anders, als von der wirklichen Geſtalt, dis dieſe Empfindungen trugen, das gerade Ge⸗ gendild aufftellen, um fie nach der Weiſs „ eat ö 5 3 ' * 92 der Komoͤdie in ein Nichts aufzulöfen und ſittlich zu vernichten. Dieſe Dichterin war leicht und gluͤcklich zu verſpoͤtteln und zu verhoͤhnen. Ariſtophanes ſpielt zweymal ſehr drollig auf Stellen von ihr an, die noch erhalten find 52). Ja ihre Worte mußten bey uͤppig luſtigen Menſchen faſt ſchon an ſich ſelbſt unmittelbar einen ko miſchen Schein annehmen, mochten ſie nun wie ein anlaufendes Glas von der Kälte flacher Gemüther bey ihrer eigenen innern Waͤrme truͤb uͤberzogen werden, oder einen falſchen Wiederſchein erhalten von dem Feuer blos ſinnlicher Triebe in eben dieſen Men⸗ ſchen. Naͤchſtdem kam der allgemeine Ruf, wie ſehr die Les bier der Wolluſt ergeben ſeyen, der komiſchen Wahrſcheinlichkeit treffe lich zu Huͤlfe. Je bedeutender und wenn re mu 32) Thesm. 1168 16. Eccles, 906 ss. (945 Invxern.) f N Wee 93 man will je kuͤhner ſich die Siebe der Sap⸗ pho ausgeſprochen hatte, nur um ſo tiefer mußte ſie, ſollte man denken, in dem Zerr⸗ bilde fallen, um ſo ſtaͤrker mußten die un⸗ natürlichen Charakterzuͤge darin hervortre⸗ ten. Unlaͤugbar waren die alten Komiker wenigſtens zum Theil wirklich verlaͤumde⸗ riſch und boshaft. Plutarch ſagt im Leben des Perikles, (wo man auch ſieht, wie ſie mit der As paſia umgegangen find, 24. 30.) ſehr treffend in dieſer Hinſicht (13): „Wie ſoll man ſich noch wundern uͤber Menſchen, die wie Satyrn leben und die Läſterungen gegen die Beſſeren dem Neide der Menge, wie einem boͤſen Daͤmon, immerhin opfern, da Steſimbrotos der Thaſier wider den Perikles einen graͤulichen und fabelhaften Frevel gegen das Weib ſeines eignen Soh⸗ nes vorzubringen gewagt hat? So ſcheint der Geſchichte die Wahrheit durchaus ſchwer zu erjagen, da für die ſpaͤter Lebenden die 94 EN Zeit die Erkenntniß der Dinge verdeckt, die gleichzeitige Geſchichte aber der Thaten und Leben, theils aus Neid und Uebelwollen, theils aus Gunſt und Schmeicheley, die Wahrheit vernichtet und verkehrt.“ Doch darf man c wohl hinſichtlich der Sappho als Luſtſpiel weniger Bosheit vorausſetzen, ſey es gegen ſie oder gegen die Weiber überhaupt aus⸗ gelaſſen. Sondern bey der gaͤnzlichen Ab⸗ weſenheit der perſoͤnlichen und der großen Entlegenheit wenigſtens der politiſchen Be⸗ weggruͤnde moͤgen die Widerſprüche, Ue⸗ bertreibungen, Erfindungen groͤßtentheils aus dem freyen Spiel der Caricaturdich⸗ tung hervorgegangen ſeyn, und darum eben die wirkliche Sappho fo wenig beruͤhrt \ haben, daß die Griechen ſelbſt, als wel⸗ che ein Zerrbild als Zerrbild zu nehmen wußten, wenn fie von ihr reden, jede Be⸗ ziehung auf die Sappho der Komoͤdie, als eine ganz andre wie die wirkliche, aus⸗ 93 Komoͤdien bekannt waren ſo gut wie einem, denkt nicht an die parodirte Sappho, wenn er von der wirklichen ſagt: (p. 372 D.) Es nennen auch die freyen Frauen auch noch jetzt, und die Jungfrauen ihre (zuch⸗ tigen) Geſellſchafterinnen und Freundinnen traipas, wie die Sappho (die ihrigen): 8 cchließen. Sogar Athenaͤus, dem doch die * Tade vun Erdpaıs rais tuaĩs rem ö nass deicco. Wiewohl führt er fort, kralon auch der ſchonende Ausdruck fuͤr die Lohndirnen iſt.“ Noch Suidas drückt ſich mit ver⸗ ſtaͤndiger Vorſicht aus, nachdem er die Freundinnen genannt: 00s As dal Sta- Hoh t ε aloypäs , os. Eudokia . 582.) läßt dieß alles weg. Waͤren die Sokratiſchen Philoſophen untergegan⸗ gen, wie die Sapphiſchen Lieder, und wir beurtheilten den Sokrates nur aus dem Ariſtophanes und etwa nach dem scuxrra TR BT Atticus eines Roͤmers, ſo würde von ihm die Vorſtellung aus dem Schimpf: ſpiel, (wie unſre Vorfahren ſagten) in der Welt jetzt herrſchen wie nunmehr die wahre. Inzwiſchen iſt es nicht einmal wahrſcheinlich, daß die Sappho nach dem ganzen Umfang ihrer Perſoͤnlichkeit oder ſo ſehr als dieſe dazu Anlaß bot, von der Komoͤdie phantaſtiſch umgebildet wor⸗ den iſt: es wuͤrde vermuthlich von ei⸗ nem ſo bedeutend bittern Werk auf ir⸗ gend eine Weiſe etwas durchgedrungen ſeyn. Die von der alten Komoͤdie, ſo viel wenigſtens bekannt iſt, über. fie ge⸗ dichtet, hatten die verſchmaͤhte Liebe zum Phaon zur Hauptſache gemacht, und ſo vielleicht auch andre der ſpaͤteren. Ja es erſchien vielleicht die Sappho in der neueren Komoͤdie zum Theil in der un⸗ gluͤcklichen Liebe nur een und EN. g | 1 fu Tea 0 K | 5 4 9 Diagß auch die Sage vom Leukadifcheil Sprung der Sappho der Komoͤdie ihren urſprung verdanken möge, iſt von A. W. Schlegels 3) und vielleicht auch von an⸗ dern vermuthet worden. Sehr denkbar iſt dieß allerdings. Die Liebe der Say: pho zum Phaon, die ihr viele Lieder eingegeben '), (vielleicht hier und da Le⸗ 3) Ueber dramat. Kunſt und Littet. Th. 1. S. 376. Vermuthlich iſt es ein Gedaͤchtnißfehler wenn dabey bemerkt iſt, die Liebe des Alcaͤus und Anacreon zu ihr ſey auch von Komikern behandelt worden. S. Athen. p. 599 C. % Palaeph. 49. Dahin kann auch, wenn man ſich herausnehmen will, auf nähere Beziehungen unſicher zu rathen, die erſte Ode gehoͤren, und die andre, wovon oben die Rede geweſen, wuͤrde nach der aufge⸗ ſtellten Erklaͤrung dieſem Verhaͤltniß vor⸗ Auuͤglich angemeſſen ſeyn; wenn man ſich erlauben wollte, den Plutarch eines klei⸗ nen Verſehens zu bezichtigen, das, wenn kein Name genannt war, ſo leicht began⸗ e gr werden konnte. Die Liebe zu den (85 reundinnen war fo berühmt, daß⸗man a 6 98 3 1 bensunluft ausſprechende oder den Leuka⸗ diſchen Fels dichteriſch beruͤhrende) die Kälte und der Stolz des Geliebten, der ſprichwoͤrtlich geworden iſt 55), auf der leicht zuerſt an ſie dachte. Daß Sapp bo nicht reich geweſen, (ehe fie ma kann man aus dem Liede eee Ariſtides T. III. p. 642 ſich bezieht: naı qe qe near Sanqch aummotvar u ruas rh ebdanjidvev d ouõjaMõõ 5 yvvanıov peyalaugoundvns zen * ons, @s adryv ai Modoaı r@ dv d- glam re na EnAoriw Enolnoav, nal Ss oo dnoIavovons rat 1 %5) Plaut. Mil. Glor. IV, 6, 33. Nam tu te vilem feceris, si te ultro Ink: giere. - Sine ultro veniat, quaeritet, Heniderdt, exspeciet, Summovere istam vis gloriam, quam habes? Cave sis faxis., Nam nulli mortali scio obtigisse hoc, nisi duobus, Tibi et Phaoni Lesbio, tam misere ut amarentur. Phot. und Suid. V. ddwr- Apostol. xX. 15, der denſelben Artikel hat, fi t die Aloſſe a 70 n roy Fpı Ro) 7 35 einen, und die Leukadiſche, die ungkieklis che Liebe heilende Klippe auf der andern Seite, waren gleich beruͤhmt, hatten et⸗ was anziehendes fuͤr die Vorſtellung, und mußten in ihr leicht zuſammenſchmelzen. Und es lag ſchon den Dichtern der alten Komoͤdie die Sappho im Dunkel des Al terthums. Indeſſen ſehe ich auch nur Moͤglichkeit und Wahrſcheinlichkeit der Er dichtung, (die etwa auch den Leukadiern N 0 En ry Epaöulev nor /WhνjMwꝗqdr rod yd Sd οπũ—ũ9d £paoIivai pası moi: Ao! Tanqcb, (Suid. o möMois uai e. 1 7 Odem iſt aus dem Eiym. . angeführt, was aber darin nicht, ſon⸗ dern vielleicht in einem EKtym. Ms. ſteht, Od An rh f. ., ö. rob yd &. nol - Add (1. roAAäs) EpabdInvaı. An bnson- Sr durfte Schleusner Gur. noviss, in ot, Lex. keinen Anſtoß nehmen und es mit educppwr vertauſchen; denn beydes iſt gleich ri fig.) o ri ro ν,w, Ad ı Akößlev, nal dnörvyydvoucav plıpaz Sauri dnò rijs Agvxddos merpas. Vgl. Phot. Aeund i c. not, Schleusn. und una ten Not. 72. a N: 2 G2 . 200 ihren erſten Urſprung verdanken konnte, als Nachbildung anderer, die ſie von ih⸗ rem Felſen auch ſchon verbreitet hatten) keinen innern Grund, die Wahrheit der Sache nothwendig zu bezweifeln. Wenn man ſich erinnert, wie frey, unruhig und kuͤhn, wie romantiſch die Zeit war, wie haͤufig in den alten Schriftſtellern die oft tragiſchen Geſchichten der unbezwinglich⸗ ſten Liebe ſind, wie heftig und maͤnnlich die Sappho war, fo erſcheint auch ala moͤglich, daß umgekehrt durch ſie der Leu⸗ kadiſche Fels die größere Beruͤhmtheit erſt erhalten hätte. Wiewohl ſchon Anakreon feiner gedenkt (Fragm. 58.), und auch Steſichoros eine ungluͤcklich liebende Ka⸗ lyke beſungen, die ſich bey Leukas, und zwar um zu ſterben, in die Wogen ge⸗ ſtürzt hatte ). Immer jedoch voraus⸗ — — 6) Athen. p. 619 D. wo Schweigh. Kare- * tor 4 geſetzt, wenn man die Komödie ſich auf wahre Geſchichte will gruͤnden laſſen, daß man in jener die Sappho den Sprung überleben eg — denn - fie Der N ri RT ganz Tatra überfegt 3 at 5 sr) Dieß deutet Ovid in der Herde B. 9 entfernt an. Auſonius Epigr.92 10985 den Sprung vom Tode zu ver⸗ 6 ſtehn. Vielleicht auch Laͤlius, den J. Chr. Wolf uͤberſehen: Seseque in alta maria praecipitem misit Inops et aegra sanitatis Herois. Iſt die Sache Dichtung, ſo wurde dieſe leicht beguͤnſtigt oder veranlaßt durch die wirkliche Reiſe nach Sicilien. Erdich⸗ tung iſt es, und zwar ſchlechte, wenn Hardion die Sappho mit dem Phaon wirklich zuſammen treffen laͤßt, wenn Domitius Calderinus angiebt, fie habe den Phaon nach dem Tode ihres Mans nes geliebt; (weil er ſie in Leukas ſter⸗ ben ließ, eben fo Bayle); Cruquius, als Witwe ſey ſie liederlich geworden; Barthelemy, als 1 babe ſie die Schule angelegt; J i Wolf, ſie 102 — Lod aus Liebe zum Phaon gefunden, ver⸗ trägt ſich mit ſicheren Umſtaͤnden nicht — und ferner vorausgſetzt, daß die Geſchich⸗ ten von Perſonen, die in ſpaͤterer Zeit ’ den Sprung gluͤcklich gewagt haben oder auch dabey zum Theil umgekommen feyn, . ſollen (Ptolem. Heph. VII), wahr ſeyen. Denn ſonſt konnten auch die Volksmaͤhr⸗ chen, daß Zeus auf dem Felſen figend, der Liebe zur Here los zu werden ſuchte, 5 daß Aphrodite durch den Sprung von der ö Sehnſucht zum Adonis geneſen ſey . daß Deukalion durch ihn feine Liebe in, 2 die Bruſt der Pyrrha gezaubert e 90 | — habe. ihr Leben in. bläberder digen eingebuͤßt u. ſ. w ss”) Daß es ihr Apollon gerathen u. f. w. . dieſe Sage iſt entſtanden durch das Zu⸗ ſammentreffen des Apollotempels mit der. andern Merkwuͤrdigkeit. an demfi elben Ort. 50 Ovid; Her. XV, 166. Noch eine andre Wirkung giebt Serv. ad Virg. Ecl. VIII, 89 an, und der Sprung des Kephalos (Strab. X, p.32.) auf Veranlaſſung eines matten Nachklangs aus uralter Zeit gedichtet ſeyn. Die Höhe des Sprungs, die verſchiedent⸗ lich erwähnt wird 60), und die Anſtalten, welche die Leukadier machten, um einen 5 Verbrecher zu retten, den fie jaͤhrlich da her⸗ abftürzten 6 1), laſſen vermuthen, daß der Glaube an die wunderbare Rettung vom Tode zugleich mit der von der Liebe nicht N 5 ſehr groß geweſen ſeyn koͤnne. Auch aus den merkwuͤrdigen Worten des Menandros, bey Strab, I. c. nach Bentleys unzweifels hafte Anordnung: N f so) Ter Leukadiſche Fels iſt wohlgeſtochen Te er in W. Gell the Geogr. and Antiqu, ol Ithaca p. 74. We tr) Stab, I. c. drozporns xd Ganz falſch verknuͤpft dieß Serv. ad. Aen. III. 279 mit dem Herabſturzen der Liebenden. Jene, die jährlich herabgeworfen wuͤra 8 f den, ſagt er, verkauften ſich. 1 104 ”- Od. Aeyerai ade Tan p roy vn noſiror dnocda Bdew. en), 1 10 ban . db near oũs — laßt fi nichts folgern, da Aera. eben ſo wohl, (wie von Strabon und von Pho⸗ tius V. Ateundrn geſchieht) auf noch al⸗ lein, als auf Zarpe mit bezogen weden kann. Wenn die Leukadia des Menandros, auch Sappho war, fo müffen dieſe Worte f wohl im Prolog vorgekommen ſeyn, vo⸗ hin ſie auch Clericus geſetzt hat. Eine esc wird auch angefihet“) als ein 1 * m 2 . . \ > 92) Dieß 800 kommt mit der Bo etz lung bey Ovidius vom Deukalion uberein. 63) Von Nonius und Serv. ad Aen, III, 279. Ganz unwahrſcheinlich iſt, daß des Ale⸗ xis Asvnadlae )) Apa rat, Athen. III, p. 94 F. (nicht Aparerns, wie in der Bibl. Gr. T. II. p. 408 ſteht, wos we⸗ nigſtens Aparetıs heißen müßt) auf die Sappho gegangen ſey. Dief Stuͤck kam vielleicht wieder mit des Kratinos Apantraı oder en e V | E\ 105 Werk des Turpilius. Am merkwürdigsten aber wuͤrde, wenn die Vermuthung hin⸗ ſichtlich dieſes Titels nicht taͤuſcht, ein Stuck Philaͤnis die Leukadierin ſeyn, als allem Anſchein nach die ſchmaͤh⸗ lichſte Parodie der Sappho s). r —— Auch Antiphanes wird angefuͤhtt / Aev- #adı, Poll. VI, 66; bey Suid. V. Aud. ptoros, E Agunadio.. Vielleicht iſt ſtatt beydes zu leſen Asunaöiz, und darun⸗ ter feine oben erwähnte Sappho zu verſtehen. * 3 0) Ich entnehme dieſen Titel aus Athen. pP. 221 E. Toꝛiabra yap moisi gbr. wap, 1,7 Geoò rn Akyorra, & oöre Nic 1 Taulaæ, m Pıkawls I Aeumaò ia. Mood & Amos ©, IIvS0vinos αονεj,“Ahαtιi ιν, ird S. YEA- ynrtpa ob rot yd rel ade h. XöAnvıo reprrrœs. Offenbar bezieht er ſich auf bekannte Schriften, worin man dieſe Perſonen ſich hatte ausſprechen laſ⸗ ſen, oder die von ihnen wirklich herruͤhr⸗ ten. Da nun ein ſonſt nicht bekannter Dichter Leokrates eine Komoͤdie Philaͤ⸗ nis geſchrieben hatte, Schol. Lucian. N Mag es alſo unentſchieden ſeyn, ob die Haupthandlung der theatraliſchen Sappho nicht auch der wirklichen angehoͤrt haben koͤnne: immer bleibt es eben ſo komiſch, als zu feiner Zeit in der Komödie etwas hat komiſch ſeyn konnen, wenn man jetzo das Jahr des Leukadiſchen Sprungs zu er⸗ forſchen unternimmt. Ein paar unbedeus % — — 1 Amor. 28, und dieſe Philaͤnis eine ges wiſſe Beziehung zur Sappho hat, ſo iſt nur zu wahrſcheinlich, daß man ſie auch nach Leukas geführt haben werde. Hier⸗ zu Schneibers gar nicht unwahrſcheinli⸗ che Meynung, (f. Jacobs. Anthol. T. VI, p. 385 daß die Stelle Quintilians III. 7 (p. 657 Spalding.) — et si quod est, eremylum deforme posteris traditum, quale libidinis vir Perses in muliere ‚„ Samia.instituere ausus dicitur primus, von der Verlaͤumdung der Phildnis zu verſtehen, und ſtatt des Perſes der So⸗ phiſt Polykrates zu ſetzen ſey. Dieß uſammengenommen vermuthe ich, daß, thenaͤus den Beynamen der Philaͤnis. als Luſtſpiel mit dem von ihrer Hei⸗ math entlehnten zufällig verwechſelt habe, 9 ig: Bu. | tende Züge, aus der Komoͤdie gefloſſen, erkennt man mit Wahrſcheinlichkeit darin, wenn Plinius (XXII, 8.) von einer Pflanze erzaͤhlt: Portentosum est quod de ea traditur, radicem eius alterutrius se- kus similitudinem referre, raram in- ventu; sed 81 Viris eontigerit mas, amabiles fieri. Ob hoc et Phaonem : Lesbium dilectum a Sappho, (ein Gries ciſcher Volksaberglauben von einem Luſt⸗ ſpieldichter aufgegriffen) — und vielleicht auch, wenn es in der Ovidiſchen Heroide. (V. 31.), etwa zur Motivirung des hart⸗ naͤckigen Verſchmaͤhens „heißt: Si mihi difficilis mam natura ne- gavit, . Ingenio formae damna rependo, meae. } gen brevis, at nomen, quod terras 8 impleat omnes, „at mihi: mensuram nominis n fero. a / 108 1 = Candida si non sum, placuit Ce- 5 phaleia Perseo Andromede, patriae fusca co- lore suae. Wenn anders dieß ſich nicht auf allzu eigentlich und ſtreng verſtandene Aeuſſe⸗ rungen der Dichterin an Phaon gruͤndete. Man koͤnnte etwa aus des Alkaͤos oben angefuͤhrtem Vers herleiten, daß Sappho wirklich ſchoͤn geweſen ſey. Doch darf man auch darauf verzichten, und es ſteht wenigſtens das feſt, daß ſie nach ihrer Zeit dem hoͤheren Alterthum als ausge⸗ zeichnet ſchoͤn gegolten habe, ſollte dieſe Schoͤnheit auch nur als ein Sinnbild ; oder ein Wiederſchein der Anmuth und Fülle ihrer Lieder entſtanden und ange⸗ \ nommen geweſen ſeyn. Platon nennt fie (Phaedr. p. 255 B.) die ſchöne Sap⸗ pho, und Plutarch, Athenaͤus bedienen ſich wiederholt, auch Julianus, Themi⸗ u 85 109 ſtius, Euſtathius, Anna Commena deſſel⸗ ben Beynamens. Daß der Roͤmer, der mit der verwirrten Fülle Griechiſcher Sa⸗ gen und Vorſtellungen machte was ihm be⸗ liebte, ſich an die Komödien gehalten, wuͤrde gar nicht auffallen; nur über den einſichtsvollen Maximus Tyrius wundert man ſich billig, daß er ſich verwirren und die gezwungne Erklarung aufſtellen konnte, Platon habe ſie (nehmlich im Widerſpruch gegen eine ſonſt bekannte Vorſtellung) we⸗ gen der Schönheit der Lieder fo genannt. Aus dem ueberblick der Spuren und Winke der Behandlung der Sappho auf der Bühne ergiebt fi, daß die Liebe zum Phaon ungleich mehr in den Liedern der Sappho hervorgetreten, ihre Perſoͤn⸗ lächkeit durch fie für die alteren Griechen un. gleich auffallender geworden ſeyn müffe, als durch irgend etwas anders. Hätte, wie ſchon gedacht, die Ältere Komödie eine * 9% 110 N Philanis aus ihr gemacht, oder bien ſpaͤtere Luſtſpieldichter mit Erfolg darauf angeſpielt, ſo duͤrfte man wohl eine be⸗ ſtimmte bis zu uns reichende Wirkung da⸗ von erwarten. Aber es ſcheint, daß man erſt in entfernteren und ſchlafferen Zeiten, BEN und als die hohe Empfindung der Schoͤn⸗ 5 heit und Natur, die eine ſolche Liebe aus⸗ zeichnet, nicht mehr gewürdigt wurde, als der lebendige und wahre Eindruck der Sap⸗ phiſchen Lieder nicht mehr fortwirkte, in ei⸗ nem andern Volk, dem eine Dichterin frem⸗ der, f onderbarer, gleichguͤltiger ſeyn konnte, welche die Eigenthuͤmlichkeit ihres eignen Volkes auf die hoͤchſte Spitze getrieben, und zugleich durch die freyeſte und merk⸗ würdigſte Kunſtliebe die Vaterſtadt gefor⸗ dert und verherrlicht hatte, daß man da erſt mehr Vergnuͤgen daran gefunden haben koͤnnte, fie gleichſam zu necken und zu bei fpötteln. In dem Ne alen Ae wirk⸗ 0 7 : Ai lichen, und gewiß nicht vorübergehenden Verhaͤltniß zum Phaon liegt etwas, das ſich zur Unterſtützung der ſchon gerechtfer⸗ tigten Zweifel gegen die gewöhnliche Mey⸗ 2 Er nung von der Sappho entwickeln ließe. Auch daß ſie (nach Suidas) an einen reichen Mitylener verheyrathet war, durfte man dagegen anführen. Ware es moͤglich ge⸗ weſen, daß ihre Liebe zu den Freundinnen qhaͤtte misdeutet werden koͤnnen, dann ware nach der Menge verliebter Lieder und ihrer Staͤrke keine Graͤnze des Doppelſinns mehr geweſen, und ſo würde aus dieſer Annahme allmälig ein Ungeheuer erwachſen, der⸗ gleichen nie und nirgend in achtbare menſch⸗ liche und bürgerliche Verhaͤltniſſe eindrin⸗ gen kann. Wie konnte ſie dann eine Erin⸗ na, die, neunzehnjaͤhrig geſtorben, die 5 Bewunderung des ganzen Alterthums be⸗ hauptet hat, und die Bluͤthe der weiblis chen Jugend von nah und von fern um ſich verſammeln? Wie konnte ſie durch ihre Epithalamien gleichſam die Choͤre der Buͤr⸗ 112 getinnen führen 5) ? Haͤtte fie nicht, Bi 2 Ber Ich weiß nicht, ob ſchon bemerkt wor den iſt, daß wir durch Verknupfung der Stellen bey Himer. Orat. I. den In⸗ halt gewiß eines der hervorſtechendſten dieſer Lieder kennen, nur daß Werns⸗ dorf durch eine abſcheuliche Conjectur * den ganzen Sinn verkehrt hat. Erſt hatte ſie den Juͤngling ſeiner Kampf⸗ ſiege wegen dem Achilles verglichen; (€. 16 pneyakovs dIAovs A ðο dann (ner& robs dy@vas, C. 4, wors gi aus nun hera ro Vdc werden follte) das Brautgemach geſchildert, die Aphro⸗ dite auf dem Wagen der Chariten mit einem Chor von Eroten eingeführt. Die Zurufe an die Braut C. 20. wären ohne Zweifel am Schluß. Selbſt wenn dieß minder deutlich und gewiß ſich ſo ver⸗ hielte, waren aychyes als Wettſpiele zu nehmen, die, ohne je bey den Hoch⸗ zeitfeyerlichkeiten, als da ſind Opfer, Mahlzeiten und Taͤnze, erwaͤhnt zu wer⸗ en, wenigſtens auf die alten Sagen haͤtten bezogen werden koͤnnen, wo die « Braut der Preis der Wettkämpfe war. A‘ Feith. Antiqu. Hom. p. 2088. 113 15 wenn fie einer niedrigen Gewohnheit nach⸗ f hieng, um ſo mehr das Verdaͤchtige in ih⸗ ren Liedern meiden muͤſſen? Oder laßt ſich eine ſolche Gewohnheit je ſo allgemein den. ken, daß Sappho nichts auffallendes da⸗ durch gehabt haͤtte, daß ſie vielleicht gar ein Verlangen in ihren Liedern andeuten konnte, wie in andern Liebesliedern ſich ſo haͤufig verraͤth? Je mehr man ſolche Fragen, und die unbefleckten Lorberkränze ins Auge faßt, womit die Griechen ſo vieler Jahrhunderte unter ſo vielen zar⸗ ten Huldigungen die Dichterin immer friſch geſchmuͤckt haben, fo könnte man beynah ein Vorurtheil faſſen gegen denjenigen al⸗ ten Schriftſteller, auf welchen ſich das Misverſtaͤndniß würde zurückfuͤhren laſſen. Daß die Roͤmer, unter denen wir zunaͤchſt ihn zu ſuchen genoͤthigt ſind, was bey den Griechen Scherz und was Ernſt ges weſen, weniger ſicher zu unterſcheiden ver⸗ 9 114 ſtanden, als jene ſelbſt, kann ihnen im Allgemeinen nicht zum Vorwurf gereichen; auch iſt man gewohnt, ſie die eigenthuͤm⸗ lichſten Erſcheinungen Griechiſcher Art und Bildung, Griechiſche Mythen, dichteriſche, geſchichtliche und Vorſtellungen aller Art auf manigfaltige Weiſe verwirren, zer⸗ ſetzen und umgeſtalten, und vorzüglich den Antheil, den das Gefühl daran hat, ſeiner Natur oder ſeinen Graden nach verändern zu ſehen. Indeſſen ſcheint doch, wenn man ſich an der Stelle der Romer den Griechen und dem unzerriſſenen Zus ſammenhang ihres Schriftweſens ſo viel näher, die Anſchauung ihres Lebens und ihrer Bildung fo viel leichter denkt; eine ganz beſondere Rohheit, mehr noch als gerade etwas Grecourtiſches, dazu erfo⸗ dert zu werden, wenn ein Römiſcher Schriftſteller, anders als etwa in ihrer nach⸗ 5 geahmten Komödie, wo es aber nicht | 18 vorkommt, zweydeutig von der Liebe der Sappho redete. Daher iſt es angenehm, den Horatius davon beſtimmt ausnehmen zu koͤnnen. Wenn er ba e 2 > 19 280 ſagt: f Terzett Archilochi VISam pede maaascula Sappho; a ſo liegt darin allerdings eine Dilogie, Butt⸗ mann bemerkt richtig, (a. oben a. O. S. 42.) es würde gegen allen guten Geſchmack ſeyn, das Beywort blos auf die berühmte “Lesbifche” Liebe zu beziehen, weil in die⸗ ſem bloß die Kunſt betreffenden Zuſammen⸗ hang ein Lob des dichteriſchen Geiſtes der Sappho erfodert werde, wodurch ſie mit den beruͤhmteſten Männern wetteifertez aber zugleich habe das Beywort nicht fo gefaßt werden koͤnnen, ohne einen Neben⸗ eee zu erwecken. Nur in der Natur der Anſpielung iſt er bey dem Irrthum vies ler Hape: geblieben, und hat den Doppel⸗ 52 rn u rr £ 116 finn auf mascula beſchraͤnkt, da er viel- mehr in pede mascula liegt, und den durch die Komödie fo berüchtigten kühnen Sprung in ſich faßt. So würde man es verſtehen müffen, wenn auch Statius (Sy lv. V, 3, 155.) nicht ausdruͤcklich ſagte: Saltusque ingressa virıles Non formidata Zemeraria Leucade Sappho; . oder bey Ovid. Her. XV, 171 die Nalade zur Sappho: Pete protinus altam Leucada; nec saxo desiluisse time. : Und fie darauf: N Sit procul insano victus amore timor. 5 und dabey wäre es lächerlich, (wie Har- dion gethan hat, Mem. de Acad. des Inscr. T. VII, p. 258.) anzugeben, Maͤn⸗ ner hätten den Sprung uͤberlebt, Frauen nicht, was nach den zufaͤllig erhaltenen 122 ——ů— — — — K Geſchichten wahr if; ſondern es iſt an fi klar, daß jener Sprung ein großes Wage⸗ fü war, und daß Kühnheit an Frauen männlich erſcheint. Eine Doppelanſpie⸗ lung zu denken ſteht jedem frey; die nächite aber muß nothwendig auf den Sprung gehn, und ſchließt daher die Nothwendig⸗ keit und Wahrſcheinlichkeit einer andern aus. Von dem Sprung allein haben mascula C. Barth, Joſ. Scaliger, Turnebus und Bayle verſtanden, jedoch auch ſie ohne auf pede zu merken, das den Doppelſinn ſo ſehr verſchoͤnt. Die Nachahmung des Au⸗ ſonius (Id. VI, 21.) iſt gleichgültig: noch mehr in diefer Hinſicht Hor. Od. II, 13, 24 und IV, 9, 11 von der Liebe der Sappho. So ſind wir denn auf den Ovidius hin⸗ gewieſen, deſſen berühmte Heroide 66) — ͤ — * 6) Domitius Calderinus und Egnatius nen⸗ nen ſie mit Recht die beſte, und es iſt * 118 zwar, wenn man fie von der Einmifhung nicht unwahrſcheinlich, daß auffer eini⸗ gen Lebensumſtaͤnden auch ein paar an⸗ dre Erinnerungen aus den Sapphiſchen Liedern darin vorkommen. Es iſt uͤbri⸗ gene zu verwundern, daß lauſſer neu⸗ ich Hr. J. V. Franck in den Add. ſei⸗ nes Callinus s. de carm. eleg. origine, veranlaßt durch die in F. Nav. Werferi Tectt. in Ovid. Her. in den Actis phi- lol. Monac. T. I,. enthaltnen Angaben), niemand daran gezweifelt hat, ob fie wirklich von Ovid herrühre, wenn gleich dieſer Amor. II, 18, 21. ſich auf eine Heroide der Sappho bezieht, fo wie auf eine Antwort von Sabinus. Dieſer. Zweifel iſt zwar von mir, des aͤcht Ovi⸗ diſchen Inhalts wegen, entfernt. Doch muß bemerkt werden, daß dieſer Brief. nur in den neueſten und groͤßtentheils papiernen Handſchriften der Heroiden, und zwar meiſt nicht als der 13. ſon⸗ dern am Ende der Sammlung vorkommt, wie auch wenigſtens in mehreren alten Ausgaben; und daß Domitius Calderi⸗ nus und Egnatius ihn abgeſondert und, . ohne Namen kannten. Auch die Wer⸗ ferſchen Handſchriften haben ihn abge⸗ ſondert (S. 497. 501.) Daß er fo ver⸗ einzelt war, erklaͤrt die Auslaſſung und die verſchiedene Stelle, da man ſonſt in | . V einer unverjchämten Kritik befreyt, gerade Be Gegentheil von dem ſagt, was man fir den vorhandnen Briefen keine Auslaſ⸗ 8 fung noch veränderte Anordnung angege- 15 ben findet. Werfers Vermuthungen in und gekuͤnſtelt. Fabricius, Bibl. Lat. I I. p. 441. Ed. Ernest. hatte, ich weiß nicht warum, die Vermuthung, es moͤch⸗ ten einige der Heroiden dem Aulus Sa⸗ binus (Ovid. Am. II, 18,21.) angehören, dem auch die drey umgekehrt von Maͤn⸗ nern an Frauen gerichteten neben den Ovidiſchen zugeſchrieben werden, (vgl. Werfer S. 502 ff.) Der eine von Ulyſ⸗ ſes an Penelope war in einer Hand⸗ ſchrift ohne Namen des Verfaſſers den Dpidifchen beygeſchrieben, (und vielleicht in mehreren) da fie in den Ovidiſchen, b Ausgaben, nach denen von 1485 und 1489, oͤfters vorkommen. In der kri⸗ RR tiſchen großen Ausgabe, die Hr. Prof. 5 van Lennep bereitet, wird dieß näher eroͤrtert werden. Die der Gieſſer Uni⸗ derſitaͤt vermachte Senckenbergiſche Bi⸗ bliothek beſitzt eine gloſſirte Pergament⸗ landſchrift der Heroiden, worin die an, Phaon in der funfzehnten Stelle ſo wie an Schluß, nebſt dem groͤßten Theil der letzten, (ſ. Werfer S. 508.) fehlt. Daß dieſer Hinſicht find etwas ſchwankend 2a ſohem läßt. Denn urſpruͤnglich ſtand in der Hauptſtelle (V. 15 ff.) ſo: Nec mihi Pyrrhiades subeunt Nai- desve puellae ©7), U — dieſe Handfchrift Beachtung verdiene werden folgende wenigen Lesarten des Lee Briefs zeigen, die unter einer enge grober Fehler und unbedeuten— derer Abweichungen ausgewählt, find. V. 3 semel, was van L. mit Recht wieder vorzog. 10. invicta — nocess 16. liquida. 17, dies duplex et tu scelerate venires. 18. con prece sum venerata sacris, 19 secundus. 37. falsus. 50. numinibus, das gegen all? Handſchriften verworfen worden, und ſtehn kann, wenn 53 gelefen wird, we hier ſich findet, his (hiis durch Schreib: fehler.) Quid jam — prosunt. 34. arde d. i. arte. 77. excusas. 84. ar- migeram. 102. longo. 148. necis 7) Naides. was neben Pierides, wie Eyna= tius (Racemationes 1811.) fagt, alle Handſchriften geben, verwandelte Me⸗ rula in Dryades, und Calderinus olgte ihm, nehmlich in Beziehung auf Pieri- — des, die aber hier fo wenig paſſen wie die Dryaden. Es muͤſſen Orts amen darin ſtecken. Egnatius ſelbſt gab: Py- — \ 121 We me ‚Debiadhiii, cetera tur. ba invat. Rt | Vilis Amythone she 85 sandida . a Non oculis Be est Atthis ut 5 ante meis, Atque aliae centum, quas hie sine . erimine amavi: | Improbe, multarum quod fuit f N unus habes. Hic bezieht ſich auf die Entfernung des Phaon in Sicilien (V. 11.) Burmann men in Bruchſtuͤcken vorkommen, (Mi⸗ cyllus giebt dieß vielmehr fuͤr eine alte Lesart), und berichtigte im folgenden Vers das verſchriebene Thespiadum. _ Die, wie man aus Eanatius fieht, blos aus Vermuthung herruͤhrende Lesart der Aldiniſchen Ausgaben und des Micyllus: Nec me Pyrrhiades Methymniadesque puellae, iſt nicht wegen der Form die⸗ ſer Namen, ſondern als willkuͤhrlich, und weil subennt acht iſt, zu verwer⸗ fen. V. 17. iſt für Amythone in den gewoͤhnlichen Ausgaben Anactorie, die bey Maximus Tyrius vorkommt. e ö rino Mnaisve puellae, weil diefe Na- r 122 fagt: Quas hic sine crimine amaui, ſere omnes scripti, sed recte nec re- positum. Egnatius, (deſſen Obss. im Ovid. Her. Sapphus Epistolam et Ibin, 1515 erſchienen): Non displiceret ea le- ctio, quam adstruxere, non sine cri mine amavi: sed iterum ampliari iu- dicium postulo. In der Basler Ausg. i ap. Hervag. 1549 ſteht das hic noch am Rand. Auf hic im Text bezieht ſch auch noch die Note des Domitius Calderi⸗ nus, worin man zugleich, ſo wie auch zu V. 199, den Beweggrund der Aenderung ſieht. Weil Suidas von drey Geliebten ſprach, ſo nahm er die Amythone, Cydno; und Atthis (obgleich ſogar zwey Namen anders als bey Suidas) für. dieſe; denen nun die andern (wozu gar kein Schein iſt) entgegengeſetzt ſeyen. Dieß zu verdeutlichen, weil die gelehrte Anfuͤhrung des Suidas, . fü auch die Funda wn ah | * ® |: 123 iſt von. den Nachfolgern das hic in non vera aͤndert worden, und man hat ſich nicht ge⸗ ſcheut, die Sappho ſo zum Phaon reden zu laſſen, den ſie für fih gewinnen will und dem ſie auch im ganzen übrigen Gedicht, wie naturlich, nur von. ausſchließender Liebe von ihrer Seite ſpricht. Was noch aͤr⸗ ger iſt, man hat die andere W (V. 199) Lesbides aequoreae, nupturaque. nuptaque proles, Lesbides, Aeolia, nomina dicta, lyra, 0 Lesbides, infamem quae me feci- 8 tis amatae, RZ Desinite ad citharas turba, ve: nire meas. Abstulit omne pPhaon, quod vobis, ante placebat. (Me miseram! dixi quum mo- do pene meus.) 8 ut redeat: vates quoque 0 vestra redibit, 124 7 Ingenio vires ille dat, ille rapit: 0 5 als Beweis fuͤr dieſe Aenderung angeführt, da doch hier offenbar angedeutet iſt, wie die Geſangſchule, in welche fie die Maͤd⸗ chen liebend verſammelt, ihr (nehmlich in der Komödie) unverdiente Verlaumdung f zugezogen habe. Wenigſtens dem neue⸗ ſten Herausgeber und dem jungen Kri⸗ tiker, der uͤber dieſen Brief aus fuͤhrlich ift, hätte dieß nicht entgehen ſollen. So kann man alſo hoͤchſtens ſagen, Ovidius habe zweydeutig von der Sappho gere⸗ det, in der einzigen Stelle ER Trist, U, 563; Composito poenas solus amore . dedi. Lesbia quid docuit Sappho nisi amare puellas? Tuta tamen Sappho, tutus et ille fuit. U 5 * (Anakreon). Denn wenn er das Feurige — | 5 N * * ar 125 (calores Aeoliae puellae) für deſſen edel Griechiſchen und dichteriſch reinen Ausdruck die Bewunderung der groͤßten Alten Gewaͤhr leiſtet, als uerpigteit auf⸗ faßt aht e e a Nota sit et Sappho: quid enim 50 scivius illa? Oder (Remed. am. 761.) Me certe Sappho meliorem fecit amicae, Nec rigidos mores Tefa Musa dedibswiun® mänhr ſo iſt dieß reer ate von den | a E 55 Ars am. IN, 331. Eben ſo ‚hprulek Apolog. p. 413. Elmenh. (T. II. p. 11 Bip.) Etiam mulier Lesbia, (amato- rios et ludicros fecit versus) lascive illa quidem tantaque gratia, ut nobis insolentiam linguae suae dulcedine carminum commendet. Hierher ge⸗ hoͤren auch die Epigramme des Martia⸗ lis VII, 69. X. 35,15. wo Sappho un⸗ SM genannt iſt. 126 Liedern an Phaon zu verſtehen, zu denn er ſie in dem Brieſe (V. 46 fl. 133 f) ſo aͤcht Ovidiſch von der Wolluſt reden laßt. Hieraus folgt jedoch nicht einmal, daß Ovid die Sappho nicht recht ver⸗ ſtand, wenn er nur wollte, ſo wenig ſich auch die Roͤmer in der Poeſie von der gemeinen Wirklichkeit loszureiſſen und zu der Griechiſchen Idealitat der Empfin⸗ dungen, zu der reinen Harmonie des Sinnlichen und Geiſtigen zu erheben ver⸗ moͤgen. Sondern was iſt natürlicher, als daß er, ſeinem Hang nachgebend, die Deutung aufſuchte, die ihm augenblick. lich ſchmeichelte und feiner Art zu paro⸗ diren entſpräch? Er ſcheint ſogar durch einen Ausdruck zu verrathen, daß er die Lieder idealiſch allerdings aufzufaſſen vers F mochte, aber die feurige Empfindung und die Zuͤgelloſigkeit des Lebens nur unter⸗ weg um ſie ſogleich wieder e | 127 und in ſeinem eignen Geſchmack zu veir . miſchen (V. 83.): Ded n Sive abeunt studia in mores, ar- ö v tisque magistra Ingenium nobis molle e . fecit. aa = we Weiber Rom, wo Sünde ei Anteritaliſche Ausgelaſſenheit und Sitten⸗ loſigkeit unter dem Einfluß des Haupt⸗ ſtaͤdtiſchen zum ungeheuren emporgetrie⸗ ben waren, im etſten Jahrhundert geſe⸗ hen habe, iſt oben beruͤhrt worden. Den⸗ noch, man leſe Martials Epigramme an die Baſſa und die Philänis (J, 91. VII, 67. 70. wiewohl die auf letztere nur en Severin zu ſeyn ſcheinen) und frage ſich ernſthaft, ob, danach zu urtheilen, man auch damals anders denken konnte, als in den Worten des Plautus Pers. II, 2, . 45.) ſich ausdruͤckt: subigatrix, ne me range; ob auch noch damals ein verſtäͤn⸗ 128 diger Schriftſteller das gerade hätte her⸗ ausſagen oder als gewiß behaupten köͤn⸗ nen, was ſoviel ich abſehn kann, zu⸗ erſt Domitius Calderinus, (der 1477 geſtorben iſt) und zwar, wie ſchon gedacht, ansdruͤcklich und allein auf die Worte des Suidas geſtuͤtzt, durch ſeine Erklaͤrung, woraus die Verfaͤlſchung des Ovidiſchen Textes entſtand, unter die Leute gebracht hat. Der Gedanke muß ihm ſehr a ausgemacht geſchienen haben. Darum führt er die Worte des Horatius falſch an: Et popularibus gaudentem Sap- pho puellis, und überſetzt grata von der Erinna bey Euſtathius concubina. Er fuͤhrt auch in der Einleitung zur He⸗ roide und in den Noten zu Martial ad Philaenin eine Erklarung des mascula bey Horaz: vel quia Sappho in poe- tico studio versata est, in quo sae- pius enituit, vel quia tribas difi- * reg mata fuit, angeblich des Porphyrion an. Am letzteren Orte titirt er ausdruͤcklich den Ausdruck tribas aus Porphyrion, in: dem er hinzufügt: Tribadem autem fu- isse carmen indicat quod extat. (Eben ſo Britannicus ad Iuven. V5 117 qua- is fuit Sappho, ut ipsa fatetur et -Porphyrio docet. Zu II, 47: Tale monstrum libidinis dicitur Sappho excogitasse, unde mascula est appel- lata. Das iſt der Beweis.) Allein jene Stelle kommt in den gedruckten Scholien nicht vor, und ohnehin iſt ſich auf Domitius nicht zu verlaſſen, weder, daß er die Worte nicht nach ſeinem Sinn umgebo⸗ gen, noch daß er nicht ein grobes Verſe⸗ hen begangen haben ſollte. Zweifelt er doch einen Augenblick, ob der Brief von der Sap⸗ Br ſelbſt oder doc Ovidius n 5 Ihn 89 * 7 — 1300 es) Eben ſo ein freier in Ne Ne J Se hat laͤngſt Joſ. Scaliger (in Virgil Cirin.) mit feiner gewohnten Schärfe gewuͤrdigt · Egnatius, wie wir oben ſahen, zwei⸗ felte noch. Aber Britannicus, (ſ. Bayle Note E.) deſſen Ausgabe des Juvenal 1486 erſchien, ſprach die Neuigkeit nach (an den eben angef. Orten), und durch die Aus⸗ leger des allgeleſenen Horatius, vorzüglich durch Lambinus, doch auch durch Torren⸗ tius und Cruguius wurde im ſechzehnten Jahrhundert, (in welchem auch dieſer un⸗ ſicht zu Gefallen, wie wir oben ſahen, die Ode verfaͤlſcht wurde), in ſo fern es durch bloſe Wiederholung geſchehen kann, die Sache bekraͤftigt, wenigſtens allgemein ver⸗ breitet, und im ſiebzehnten vorzuͤglich durch Le Fevre, Baple und andre Franzoſen ver: — 0 angeführten Abhandlung, den Werfer S. 502 ff. ſonderbar mißverſtanden, und ganz unnoͤthig widerlegt hat. Fi | + 481 | theidigt. Dieſer Fall zeigt, wenn wir nicht überhaupt im Irrthum find," wie klein oft die Quelle einer Unwahrheit iſt, die durch ergiebigen Zufluß flacher Beyſtim⸗ mungen verſtaͤrkt, ſich in einem maͤchtigen Strom der Meynung fortwaͤlzt, und bietet ein beſonders abſchreckendes Bepſpiel dar von der eiteln und voreiligen Verknüpfung von ein paar oft nicht einmal verſtandnen, und eigentlich einander niemals anzupaſſen⸗ den Stellen ohne weitere Umſicht in dem gro⸗ ßen Gebiete des Alterthums, von der üblen Sucht eines leeren Scharffinns und ſcheinbar gelehrter Erfindungen. Suidas hatte ge⸗ fagt, Sappho fey hinſichtlcc dreyer (vers muthlich aus ihren Gedichten in die Komo⸗ die verpflanzten) Freundinnen verläum⸗ det worden; der Ausdruck läßt zunächſt auf Verneinung und Widerſpruch ſchließen, Domitius aber beliebt es anders zu verſte⸗ Fi (er überfegt: quibus ad libidinem 32 132 usa dicitur), erlaubt ſich danach dem Ovi⸗ diſchen Text Gewalt anzuthun, und nun faͤllt alle Welt bey, und das an ſich ſo ſchlechte Kunſtſtück feiner Erklaͤrung gilt g wie die beſte geſchichtliche Wirklichkeit. Burmann meynt ſogar, die Aenderung ſey 5 unwiderleglich bewieſen dadurch, daß noch einmal nec sine crimine bey Ovid vor⸗ f komme. Wohin fuͤhrt eine Wortkritik, die 5 des dichteriſchen Gefühls, des geſchichtli⸗ chen Sinnes ſtolz waͤhnt entbehren und mit zuſammengeſtoppelten Sylben aus kommen zu koͤnnen! Den Anfängern der Aus⸗ legung im funfzehnten Jahrhundert ſi find die | größten Misgriffe zu verzeihen. Ihnen iſt es nicht zu verargen, wenn ſie zwi⸗ ſchen dem entgegengeſetzten Charakter der Liebe unter den alteren Griechen nicht zu unterſcheiden vermochten. Zu verwundern iſt nur, daß die Neueren ſich immer fort haben taͤuſchen hen, ohne den an | 133 2 jener Lateiniſchen. Scholien nachzufragen, die den ſo vieltauſendfaͤltig wiederholten Irrthum veranlaßt haben. Denn ſo mo⸗ dern oder abweichend iſt dieſe Anſicht von der im Alterthum herrſchenden, (Stiche⸗ leyen auf bloſe Möglichkeiten pflegen nicht durchzudringen), daß nicht einmal die Kir⸗ chenvaͤter, die es ſchwerlich ſonſt unterlaſ⸗ ſen haben würden, etwas berühren, wel⸗ ches damit übereinſtimmte. Nur nennt Tatian, (ad Graecos 55: P. 114.) der auch die Ehe für unerlaubt hielt, die Sap⸗ pho “ein hureriſches, liebetolles Weib, die ihre eigne Liederlichkeit gefüngen habe, waͤh⸗ rend die chriſtlichen Jungfrauen bey den Spindeln von wuͤrdigeren Gegenſtaͤnden 7 als jenes Mädchen der Griechen ſpraͤchen. Wenn man ſich nach ganz veränderten Bes griffen einen ungefähr auf Tatians Stand⸗ punkt im Verhältniß zur chriſtlichen Welt 5 wie jener zur heidniſchen denkt, fo wuͤrde 134 der, wie ich mir denke, die 1 eine Hure nennen. Schrieb ſie doch ſelbſt mit großer, nur überkräftiger Erhabenheit an Abaͤlard, fie nehme Gott zum Zeugen, daß wenn ein Kaiſer der ganzen Welt ſie zu ehlichen wuͤrdigte und ihr den ganzen Erdkreis zu beſtaͤndigem Beſiz zuſicherte, es ihr lieber und wuͤrdiger ſcheinen würde. Abaͤlards Hure als jenes Kalſerin zu heißen “). Legt man den Zatian ſo aus, daß die Sappho nach ihren Liedern zu ſchließen auch im Leben leidenſchaftlich und der Liebe hingegeben geweſen ſey, ſo wird man ihr nicht un⸗ recht thun, wenn anders dadurch ein Tadel gegen fie, ausgeſprochen wird. Ob ſich darum die Sage bekuͤmmert, oder ob die Wantz zu ihren Aer a —— 70), Kuss. von Richard Rawlin on ond. * 1718 Br. 1. A pn 9 135 9 erdichtet habe, wird ſich niemals entſchei⸗ [7 den laſſen. Vielleicht war es ausgemacht in einer Schrift des Didymos, die Se⸗ neca mit Unrecht als uͤberfluͤſſig verlacht? ). Denn wenn fie nur von den richtigen Ge⸗ ſichtspunkten ausgieng, ſo konnte ſie ſehr vieles berühren, was ihm ſicher ſelbſt nicht gleichgültig war. Es zeigt fi ch indeß eine große Rückwirkung entweder gegen das rohe Urtheil, das nicht unterſcheidet, oder gezen die durch die Komoͤdie gepflanzte Vorſtellung, daß die Sappho geradezu wie eine ‚lie geweſen ſey, Ag, * — * 2 2 Epst: . K. IL p. 84% b Quatuor milia librorum Did; mus Grammaticus. « scripsit: miser, si tam multa super- vacuı legisset. In his libris de pa- tria Homeri quaeritur, in his de Ae- neae natre vera, in his libidinosior Anacreın an ebriosior vixerit, in his an Sappıo Publica fuerit, et alia quae- dediscenla si scires. Die Vermuthun⸗ gen fuͤr jublica a entbehrlich. 136 in den Annahmen von mehr als einer Sappho. Denn ohne Umſchweife will ich dieſe Angaben und Erfindungen als das: bezeichnen, wofür ich ſie halte, und wofür ſie ſchon Fabricius gehalten hat. Wenn man zuerſt mit den Auslegungen der alten Grammatiker bekannt wird, ſo fühlt und ahndet man gleich „daß oͤfters Erklarungsverſuche und Vorausſetzungen die Geſtalt thatſächlicher Erläuterungen, angenommen haben. Je mehr man abe ſolche unter ſich vergleicht, um ſo mehr 5 überzeugt man ſich von der Wahrheit des Ausſpruches Strabons, daß die Gran⸗ matiker ſich mehr in Erdichtungen und Geſchichtchen gefallen, als die Schwerig⸗ keiten der Unterſuchungen wirklich loen ? 2). 72) XIII. 8616 Mcd nal 5 v nvIdpıa zapapßdAAovres eb)E010AöyoD- ci M 9) Avoudı xd Soc kun a. u 195 e 5 Tauſende solcher Geſchichtchen und Anneh⸗ men gehn noch unerkannt in den alten Schriften um und verrathen ſich großen⸗ fſtheils leicht durch eine gewiſſe Gleichar⸗ & tigkeit, beſonders durch die Oberſlächlich⸗ keit, womit ſie zwichen zwey Seiten der ö 5 Dinge, zwiſchen verfchiebene Anſichten oder N Umftände zur Vermittlung hingestellt ſind, oft durch die größte Albernheit und eine beſchrankte und unwiſſende Schulmeiſter⸗ Alcchkeit. Baple hat ſich bemüht, die Mey⸗ nung zu widerlegen, daß die Sappho, die den Phaon geliebt, die Ereſi ierin, eine andre geweſen ſeyn, koͤnne, als die Dich⸗ terin: und obgleich die Abſicht, die er dabey hat, verkehrt iſt, fo muß man fh doch über Visconti wundern, daß er, bey übrigens gleicher Anſicht, dieſe Trennung fur einleuchtend halten konnte, da fie nach allen nun ſchon beruͤhrten Umſtaͤn⸗ den nicht einmal moͤglich iſt; und daß er — —t— ö 138 ſogar das, wie er ſagt, allgemein behäup⸗ tete Gegentheil als einen alten großen Irr⸗ thum anftaunt, den er endlich loͤſen muͤſſe? 3). 73) Daß die vermeyntliche Bußlerin Sappbo: viel junger geweſen, daß Menander nicht von der Dichterin zu verſtehn ſey, wird willkührlich vorausgeſetzt; daß Doid die Liebe der Dichterin zum Phaon ver⸗ wechſelt habe, er, der ihre Lieder ver⸗ muthlich auswendig wußte, ohne An⸗ ſtand angenommen; von Schriftſtellern iſt unbeſtimmt die Rede, die der erſten Sappho naher lebten und von ihren Lie⸗ besgeſchichten und Verirrungen ſchrieben ohne ihres tragiſchen Endes zu geden⸗ ken; wodurch denn die aufgeſtellte Mey⸗ nung bis zur Gewißheit erhoben werde. Wo iſt ein Schriftſteller, der von der Liebe der Sappho anders als ganz all⸗ emein redete? wo eine einzige Stelle uber fie bey den Alten von einiger Aus⸗ fuͤhrlichkeit, ſo daß das Allermindeſte aus Verſchweigen gefolgert werden koͤnnte? Herod. II, 135 geht die Sappho nur beylaͤufig an. Und doch ſoll darum der Leukadiſche Sprung nicht blos der der Sappho, ſondern überhaupt, zu Heros dots Zeiten noch nicht bekannt geweſen ſeyn, als wenn eine ſolche Sage an⸗ 139 Was Suidas ſagt (in dem Artikel der als Auszug aus alteren Unterſuchungen ale 1 — ͤ —‚ ders als uralt, oder, waͤre ſie gang ver⸗ eſſen geweſen, je wieder in Wirkſam⸗ keit eintreten koͤnnte; nicht zu gedenken „des Phaons der alten Komoͤdie vor He⸗ rodot. Sappho ſey wenigſtens 30 Jahr alt geweſen, als fie ihrem Bruder Cha⸗ raxos zuͤrnte, daß er die Buhlerin Rho⸗ dope aus Aegyptiſcher Sklaverey losge⸗ kauft. Die Rechnung iſt unrichtig, da Sappho nicht geboren war 612, ſondern um dieſe Zeit lebte, d. i. in der Bluͤthe der Jahre ſtand, wie ſchon Bayle be⸗ merkt hatte. Da nun Amaſis, unter welchem jenes geſchehen, 570 antrat, ſo koͤnnte ſie moͤglicherweiſe nachdem ſie davon geſchrieben jung genug zur Liebe des Phaon geweſen ſeyn; nicht zu ge⸗ denken der theils unſichern theils fal⸗ ſchen Annahmen, I Sappho ſich wirklich herabgeſtuͤrzt habe, und da⸗ von geſtorben ſey. Hermeſianax wuͤrde des Phaon gedacht haben, wenn er die Dichterin angienge. Nein, er konnte nicht, weil er nur die liebenden Maͤn⸗ ner zuſammenſtellte. Antipater von Si⸗ don und Pinytos laſſen fie in der Hei⸗ math begraben ſeyn. Um fo weniger ätte Visconti ſich (mit Barthelemy) ein — — —— — L * . 3 Aufmerkſamkeit verdient), Sappho ſey eine Lesb ierin, aus Ereſos, (dieß nehmlich der — kttagiſches Ende eindilden ıfollen ; wovon ‚fin zahlt die Sappho nicht unter die Alten nirgend reden, und das ſie in der Regel beym Leukadiſchen Sprunge N nicht dachten. Ptolemaͤus N 3 en Leukadiſchen auf. Vielleicht weil er dachte, von ihr hätten es die Luſtſpiel⸗ dichter erfunden. Am beſten schließt man daraus gar nichts. (Uebrigens iſt zu bemerken, daß auch in dem Haupt⸗ artikel bey Suid. Leukate nicht erwähnt iſt'. Aber Visconti glaubt ja doch, die Buhlerin Sappho habe wirklich we⸗ gen eines Phaon da den Tod gefunden. Ja, ſagt er, die war nicht ſo berühmt als die Dichterin. Und doch ſollte fie. ſo oft als wenige andre Gegenſtaͤnde auf der Bühne vorgekommen ſeyn? So bleibt denn feine einzige Stuͤtze das ans geführte Scholion bey Suidas und das andre V. Dev, das ſich auch bey Phot. findet, (ſ. Note 35.) und Nymphis, aus⸗ geſchrieben von Athenaͤus und Aelianus, die er für ſehr gelehrte Männer‘ hält ſehr mit Unrecht, wenn er darunter au große Einſicht, uͤberlegtes Urtheil und Zuverläſſigkeit mit verſtebt. Viscontis Meynung war übrigens ſchon die des — 24 Geburt nach), ohne alle abweichende Ans gaben, wie ſonſt gewoͤhnlich ſind, kann nicht bezweifelt werden. Dann iſt ein kurzes (von Hesych. Miles. p. 36. Meurs. meiſt wiederholtes) Scholion aufgenommen: Seren Ass Bla S Mira yns, (als Bürs gerin die ſer Stadt, vgl. die Muͤnzen, Mosch. Id. III, 91. u. f. w.) Barrpıe adın oͤꝛ Epwra Ddewvos tod Mirulialov du Tod Aewndrov . narerdvrıoev Eavriiy. Aus Mitylene, roi, und den Phaon liebend, alſo ohne allen Zweifel die Dich⸗ terin. Daher iſt was noch folgt: rue o nat rabıns eivan Aupucv dvkypenpay oh, als ob daran gezweifelt werden — Voſſius, den Bayle, und andrer, die J. Chr. Wolf und Harles anführen. Auch Seldenus unterſchied. Olearius ſagt, man habe eine doppelte Sappho angenommen, um das Lob des Platon und den argen Ruf von einander zu trennen. 5 ‘ — . 7 * 3 5 * un‘ y 8 U £ r 7 1 42 13 FR os koͤnnte, aus Unwiſſenheit hinzugefetzt, wie: leicht von einem andern auf Veranlaſſung des Ausdrucks chrp für AH, der zwar nicht auffallen ſollte? !). Anders verhält es ſich mit der Angabe des Nym⸗ 5 phis und alſo auch mit Athenäos, der ſie aufnahm, und mit Aelianos, der ſie nachſchrieb⸗ 5). Denn hiernach hatte man 74) Im Bilde z. B. wie auf den Muͤnzen, erſcheint die Dichterin als Pfaltria: Sie ſoll ſelbſt ein Saiteninſtrument erfunden haben. Wenn Tatian. ad Graec. 54, p. 117 ſagt: Kal ’Apyelav rin, AN. zpıav 6. ’OAtvSuos Hpdòͤoros mare: Onsbadev, jo iſt vermuthlich, ob er es 15 85 nicht merkte, die Teleſilla zu ver⸗ ehen. N s) Athen. XIII, p. 596 E. Kal ij 25 Eos. cov ds ris Sraloæ (fo lieſt Schweigh. mit Recht; auch Kuͤhn hatte es ſchon gefunden) Zarp& Tod nalod Bawvos psödeioa, mepıßontos i, cs ꝙnmoi Nöugıs &v Lepimdh Adias. Ael. V. H. X, 19. IHvvSavouaı ò Örı nar Eiipa & x A20ßo dyivero Zanpo, Kalpa o moınrpıa. (Auch bey Hei — ů z——,— > —— 143 wirklich die Hetaͤre der Komiker als wahre Perſon angeſehen, als verſchieden von der Sappho, die man fo nicht denken konnte, und nicht einmal Anſtoß geuommen an dem Zuſammentreffen von dem Geburtsort Ere⸗ ſos und dem Liebhaber Phabn. So grobe Uebereilungen reichen fo hoch in der Ausles gung des Alterthums hinauf. Vielleicht dachten andre, man müſſe eine andte Sap⸗ pho aufſuchen oder annehmen, verſchiedene Abkunft der verſchiedenen Sapphonen an⸗ geben, ſo daß daraus die vielen Abwei⸗ chungen in der Angabe des Vaters der Dich⸗ terin (bey Suid.) entſtanden ſeyn koͤnnten. Da man ſich nehmlich nach einer andern Sappho umſah, welcher die Unglaublich⸗ keiten der Komiker aufgebuͤrdet werden sych: Miles. p. g iſt Eröpais verſchrie⸗ ben für Eraipaıs; und fehr oft, ſ. D’Or- vill. Van. crit. p,606, Wakefield. Sylr: erit: IV. p. 144. ER 1 144 f könnten, ſo fand der eine die, der andre a jene auf, und dieß verwirrte ſi ir 17 x her 76). Wenn wir uns nun, zum 1 dieser g Unterſuchung gelangt, den aufmerkſamen Leſer vergegenwaͤrtigen, ſo fuͤrchten wir zwar nicht, daß fie ihm an ſich überflüffig, und die Ehrenrettung einer der beruͤhmte⸗ Er ſten aller Frauen gleichgültig erſcheinen möge: nur hat ſich uns im Verlauf derſel⸗ ben mehrmals die Beſorgniß aufgedraͤngt, der ritterliche Schriftſtellerverſuch koͤnne f durch den Grad der Gründlichkeit in der 28 Vielleicht fand 8 Der Sammler. in verſchiedenen Schriften. Namen, die ur⸗ ſpruͤnglich einer geweſen waren, falſch andere Wenigſtens liegen Tino, iu οο , Kausvos, Eduwov nahe zuſammen. Ueber den Vater der Dich⸗ terin kann kein Zweifel ſeyn, da ihn He⸗ rodot angiebt, dem auch Rel. V. H. XII, 19 und Schol. Plat. p. 56. e ohne weiteres folgen. 0 — — on — = * 7 —.— * man 1 . TEN / — — 145 m spring’, and, ah das She ‚ Tome, das, wenn es ſich nicht verbergen f laßt, nothwendig als langweilig erſcheint, an uͤberzeugender Kraft verlieren. Darum moͤge erwogen werden, daß die Streitfrage gerade bon der Natur derjenigen ift, die, ohne in viele Kleinigkeiten einzugehen und die Sthlingen, in welche die Wahrheit von allen Seiten verwickelt iſt, einzeln durch⸗ zuſchteiden, ncht zu beantworten möglich ft, und die durch eine halbe Loͤfung der Aufgabe ganz wießer in die Unbeſtimmt⸗ heit zurläckſnken. So ſcheinen die Ber merkungen, die früher in gleichem Sinne gkmacht worden find, als in dieſem Auf⸗ ſatz, ganz ohne Wirkung geblieben zu ſeyn. Wenigſtens ift dem Verfaſſer un⸗ ter ſo vielen Schriften, die den Gegen⸗ ſtand betühren, und ſeit vielen Jahren, daß feine Anſicht feſt bey ihm ſtand, keine Spur davon vorgekommen, bis er zuleht K 146 auch die litterärhiſtoriſchen Werke nach⸗ ſchlagen mußte. Mademoiselle le Föyre (deren Gründe in einer Deutſchen ueber⸗ ſetzung der Sappho von Wahl wieder holt ſeyn ſollen) und Mr. Theyet ‚find, von Bayle angeführt. Sie ſtützen ſich hauptſaͤchlich auf die irrige Unterſchei⸗ dung zweyer Sapphonen, welche andre indeſſen machen, wie Visconti, ohne dar⸗ um die Dichterin anders zu betrachten als gewohnlich geſchieht? ?). Barthelemy Gnachars, Kap. 3.) ſtellt einige erheb⸗ liche Ueberlegungen an, iſt aber ganz unglücklich in Erklärung des giftigen Rufs. Mit größerem, Eifer als Gelebr-. 77) Der ſchwache Olearius meynt, wenn es nach der Menge der Stimmen gehe (ſo war die Sache verwirrt worden), fo werde die Meynung des Longepierre und Bayle fiegen, aber die 1 72 beweiſe nicht immer die ahr⸗ eit. 910 Mien LU Je 147 ſamkeit verſuchte dieſe ein Napoletaner von Stande in einem Schriftchen uͤber ein Campaniſches Gefäß, welches er ohne zureichende Gründe auf die Perſon der Sappho bezog s). Ihm, ſo wie vor⸗ her unter andern einem Herrn Deroga⸗ tis, der ein Leben der Sappho ihren Ae eee en eee, eee ie n 76) Lettera del Marchese Berio in diluci- „dazione di un vaso Etrusco a 8. E. \ Giuseppe Capecelatro, Arcivescovo di Taranto in Napoli 1808. 4. Aehnliche Hindeutungen in den einem Gedicht La Faoniade des Principe di Francavilla „angehängten. Nachweiſungen. In dem ſchlechten Roman Le Avventure di Saffo, traduzione dal Greco originale nuo- „vamente scoperto; Vercelli 1783 ſind die meiſten Verſe der Sappho überfegt oder traveſtirt. Er iſt uͤberſetzt in den i 8 ſchlechteren Fetes et Courtisanes de la Grece I. 4. p. 215 fl. Von aͤhn⸗ licher Art iſt die Lebens beſchreibung vor dem dramatiſchen Gedicht Sappho von Franz von Kleiſt 1793. Der Leukadi⸗ ah 12 Fels iſt der Gegenſtand eines Schau⸗ piels in der Thalia 1792. St. 5. 6. "82 148 ‚Fr, überfeßten. Oden vorangestellt hat, muß⸗ ten die paar Worte bey Axistot. Rhe- enthalten, eine heftige Liebe des Alkäos zur Sappho, ein unerwartetes und feſtes Ablehnen von ihrer Seite, und dann Er⸗ bitterung und tausend grimmige, in der Folgezeit durch Feinde und Nebenbuhler überall verbreitete Verlaͤumdungen des, gen, daß dadurch die einſichtigſten Ge⸗ lehrten noch immer im Zweifel erhalten wuͤrden. Ovid habe ſich der Anſchuldi⸗ gungen. mit Leichtſinn als eines dichteri⸗ ſchen Stoffes bedient. Da auf jeden Fall der Beweis nicht vollſtändig ſey, ſo ae die Billigkeit, das Beſte zu denken. wurde dem ſehr unterrichteteten und mir a „N. mehrfacher Hinſicht achtbaren Herrn Mar- chese die Sache in einer ſchlafloen Nacht durch eine Erſcheinung der Dich⸗ * tor. L 9. ungleich mehr ſagen, als ſie je er Alkaͤos obendrein, die ſo weit gedrun⸗ 8 x: * N * 240 5 terin, wie er in voller Freude uber die gefaßte Anſicht erzaͤhlt, zu vollkommener 5 N es allerdings uns nicht geworden, und, - wir haben, um einen Zuſammenhang herauszubringen, verſchiednerley Punkte, wie wir nehmlich glauben,, berichtigen, und was hinderlich war entfernen muͤſſen. Inzwiſchen darf das- Widerlegen und Ber, ſtreiten nach allen Seiten niemals an ſich ein misliches Vorurtheil gegen die Haupt⸗ ſache erregen, nach der ſich vielmehr, wenn fie anders wirklich gegründet ift, (fa wie dem Gerechten alle Dinge zum Bes ſten dienen), die Nebenumftände, die aufs ſer ihrer wahren Beziehung misdeutet werden konnten, gewöhnlich, richten muͤſe ſen. Denn auf jede groͤßere und tiefer begründete Wahrheit beziehen ſich immer viele untergeordnete Dinge, beſonders auch in der ſo reichen und zum Theil noch fü a, verwirrten Alterthums kunde. Es iſt der Nebenvortheil der einfach richtigen Wahr⸗ nehmung, daß ſie zur ſichern Berichtigung vieler andern Umſtaͤnde und Beziehungen Veranlaſſung giebt; denn die meiſten Wi⸗ derſpruͤche in dem geſammten Gebiet der Geſchichte ſind, wie die in der Natur und im Leben ſelbſt, nur ſcheinbar und. ver: mitteln ſich und loͤſen ſich auf in hoͤheren und immer hoͤheren Vereinigungs punkten. 1 * * > Hy # Si G 0 \ N . dit 448 Den, 1 „ 1 1 4 . 5 € I. sten L win 138A 1 - im. 1 * — . ’ x 1 3 r 30 E. 19 19 } E f 7 * 7 — 2 0 1 ( N * * | Druckfehler. Seite 34, Zeile o, nach Olympos iſt zu⸗ zuſetzen: und in der bekannten Gruppe von Pan mit dem Lehr⸗ ling. (Das andre Paar iſt Pitt. d’Er- col. I, 9. wo man auch Taf. 8. den Ken: tauren und Achilles vergleichen kann). | 1 1 : : \ — — — u; = 4 — 4 = “ > N U - * ee MDZ Seilen enn taatsBibliothel Digitale Bibliothek Welcker, Friedrich Gottlieb, Sappho Göttingen 1816 Biogr. 1039. um.nbn.de:bvb:12-bsb10066488-4