en - 9 * ne 3 “2: — — X NR — ag» e . a 2 “ * * «x Sr ’ Y f — x SE x R = ⸗ > # e [73 4 8 wu & <36603541030017 <36603541030017 Bayer. Staatsbibliothek Digitized by Google ⸗ Digitized by Google . f — * * F on f % 3 f F F J * EL F * . *— X € Je wo. Pos Gefhidhte pbiloſophie D. Wilhelm Gottlieb Tennemann Außerordentlichem Profeſſor der Philoſophie auf der Univerfitäe zu Jena, der Churfuͤrſtlich Mainzifchen Akademie nuͤtzlicher Wiffenfhsfeen zu Erfurt Mitgliede und der Iateinifchen Geſellſchaft zu Jena Ehrenmitgliede, — — —— —— — — — — Zweiter Band. Leipzig, bei Johann Ambrofins Baerth 1 799. — * * ⸗ * 27 * — * — — 4 . u; +‘ * ur# “ * % u P L — Ch \ \ —* 54 — J R4 ⁊* 4 ‘ Pau | E 4 BIBLIO Pd v ." N .r 5 .. - 1 x \ — wie v F u f -, & .» 4 . ® u ’ . . . > Br uf * * 1; ı 8 ve = ’ . THE un”. ‘ - % ’ J * — 3* 4— * L * 4 — t ‘ * P - — — » er J 244 Der zweite Band dieſer Geſchichte ſolte die zweite Pexiode enthalten, melde von Sokrates bis auf Zenos Nachfolger. ſich erſtreckt. Allein Die Reich⸗ haltigkeit der Materialien machte eine Zertheilung derfelben nothwendig, wenn nichs Diefer Band eine unverhaͤltnißmaßige Ausdehnung bekommen ſollte. ade freilich unangenehm, daß Die Ueberſicht eines a 2 gan⸗ - 1V ganzen Zeitraums | dadurch etwas erſchwert wird; indeſſen hat doch die Periodenabrheilung felbft zu | große Vortheile, als daß man fie, dieſer Fleinen Unbequemlichkeit willen, ganz zu verwerfen, Urſa⸗ che haͤtte. — iſt die Eiurichtung in dieſem Bande dieſelbe geblieben, welche ich dem eeſten gegeben harte. Sie fchien mir die zweckmaͤßigſte zu ſeyn, und ich bin bis jetzt durch keine Gruͤnde von dem Gegentheil uͤberzeugt worden. Vielleicht wäre es geſchehen, wenn ich das Gluͤck gehabt hätte, Den eva ſten Band meiner Schrift bald und auf eine für mich inſtructive Are beurtheiler zu fehen, Aber von fo vielen kritiſchen Journalen, welche in Deutſch⸗ land gefchrieben werden, haben bis jetzt nur zwei ihr Merheil vernehmen laffen, die Erfurtifche und die Göttingifche gelehrre Zeitung. Beide | Anzeigen find im Grunde zu unbedeurend, als dag fie auf den Namen einer Recenſion Anſpruch mädchen koͤnnten. Indeſſen iſt Doch die legte; in An⸗ fehung ihres Verfahrens und ihrer Tendenz ein zw merkwuͤrdiges Actenſtuͤck, daß ich mir nicht Das Ver⸗ gnuͤgen verfagen kann, es hier in :extenfo. herzufen Ken und mit einigen Bemerkungen zu begleiten. | „ Der u. v SGstäeing. Anz. —* 13: S. 121; 128} 2, Der Herr Verfaſſer hatte in feinem Werfe über das Syſtem des Plato zu einer volftändigen Seſchichte der grischifchen Philofophie Hoffnung ger macht. - Er ſchraͤnkt ſich aber nicht auf Die Erfüld Iung verfelben ein, fondern liefert hier den Anfang. einer Geſchichte dee Philoſophie überhanpe, die nach dem Maaßſtabe, welchen er felbft fir die Beurthei⸗ fung angiebr, auf Vollendung: dem Stoffe und der Form nach berichnet ſeyn fol: Sein Verdienſt laͤße ſich aus dieſem erſten Bande nicht genau ſchaͤtzen. Bekanntlich iſt keine Partie der Geſchichte der Phi⸗ loſophie in den neuern Zeiten: fo fleißig und vielſeitig eultivirt, als die won Thales bis auf Sokrates bei den Griechen. Schon deswegen konnte es Dem Verf. leichter werden, in Anſehung jener Partie et- was Vorzuͤgliches an und fuͤr ſich zu leiſten, ohne daß dabeit ſein eigenes Verdieuſt dabei ſehr in. Ans flag zu bringen wäre. Hier und da Berichtigun« gen und neue Änfichten "des Einzelnen j.nähtre De ſtimmungen, Heine Zufäge, die ohnehin noch wohl noch zweideutig find, *) durch welche allein ‚aber der Berf. ſich vor feinen. Vorgängern In der Bear⸗ beitung‘ jener Preiode Der- griechiſchen Philoſophie re fönnen ihn . er auf: tine a 3 be⸗ »In doch 8* gare eine tritiſche peepherlung J \ % u 3 bedeutend: hoͤhere Stufe Über diefelden im Urtheile des unterrichteten und -unparcheiifhen Publicums erheben. : Die Rechtmäßigkeit der Erwartung alfo, die Der: Werfe erweckt, daß er ein Werk über die: Ger ſchichte der griechiſchen Philoſophie aufſtellen werden dergleichen die hiſtoriſche Mufe bisher noch nicht auf⸗ zujeigen harte, und Das Die ftühern Berfuche eben fo entbehrlich machte, als es fie durch Originalisäe Wahrheit und Zweckmaͤßigkeit übereräfe, wird ſich erſt in den folgenden Bänden; welche die verhaͤlt⸗ ‚ nißmäßig weniger angebanfen Felder der Geſchichte der Philoſophie angehen, mit gröffeter Sicherheit beurfünden laffen, Was in diefem erften Bande gerhan werden konnte, um den Lauf des Verf, uns | mittelbar nach Eroͤfnung der Schranken ruͤhmlich auszuzeichnen, iſt nur zum Theil von ihm gerhan worden, fo daß ſchon hier zur Vollendung noch man⸗ che Deſiderata übrig bleiben, Vielleicht wuͤrde Mer mehr Auszeichnendes gefunden haben, und weniget vermiffen „wenn niche der Verf, ſelbſt dazu veram laßte, einen ſtrenge vergleichenden Blick auf feine Vorlqͤufer zu richten, gerade dadurch, daß er die Aufmerkſamkeit von ihnen ahzulenken, und fie, ſo viel es ſich nur mit guter Manier hun loſſen wollte; in den Hintergrund zu entfernen fucht. Herr. J mißbilligt die ethnographiſche Merhode der Geſchichte der Philoſophie und zwar inſofern mit Recht, als te _ " zu⸗ | Ä J in zunzͤchſt bei den Griechen die Geſchichte Der Phils ſophie ein Hiftorifches Tontinmm wird, Gleichwohl kommt es nur Darauf on, was man ſich under der ethnograp hiſchenMerhode der Daeſtellung der Pole fophie des Alterthums denkt und wie weit man fie anwendet, ‘Für eine befhränfee "Anidenduhg nach einen serigern: und zweckmaͤßig beſtimmten Begriff derſelben laͤßt ſich Manches zur Rechtfertigung ſa⸗ gen: Die wiſſenſchaftliche Sulgae: und Philoſophle der Griechen haͤngt von mehr Seiten mit der Aeghp⸗ tiſchen Eultur zuſammen. Geſetzt/ daß die geiechte ſche Philoſophie wirklich ſelbſtſtaͤndig genug wäre um den Forſcher der Geſchichte der Phlloſophie uͤber⸗ haupt einer ſorgfaͤltigern Ruͤckſicht auf die Aegyptier zu uͤberheben (eine Worausſetzuug, die immer proble⸗ matiſch iſt); ſo giebt es ‚doch: neuere Gelehrten und ſcharfſinnige Hiſtoriker (z. B. Pleſſing), die jene Selbſtſtaͤndigkeit der Griechiſchen Philoſophie aus hiſtoriſchen Gruͤnden ſchlechthin ‚abläugnen. Daß die Hypotheſe dieſes Gelehrten feiner Aufmerkſam⸗ — werth fey, wird Herr T. nicht. behaupten wol⸗ len. ) Warum ſollte nun nicht rin Kap. über: die wirkliche oder — en) * En na. ., Ts a 4 * * ge 9 FW —R Buble Bruns ri eine ganz unbetttare Hyr ottele. * Ta folgende zufammenhängende Geſchichte der Philoſo⸗ pyhie Der, Griechen deſto pragmatiſcher werden zu laf⸗ ſen, indem man fie worlaͤufig wor uunhiſtoriſchen Ab⸗ | leitungen "und. falſchen Deutungen verwahrt ? — Mor der Phtlofenfie: ats Wiſſenſchaft (einem Syſteme nach Vetnunftpeincipien). ‚gingen, der Macur derphiloſophirenden Bernunfe im. ihren | erſten Aeuſſerungen gemäß)? -eingeltie» Philoſo⸗ phemenher. ¶ Die hiſtoriſche ¶ Darſtellung der letz | Lern wird durch das Geſetz aller Geſchichte, Die Chro⸗ nologie bedingt. Härten Die Aegyptier fruͤher Pie loſopheme als die Griechen (und wie kann man dies abſolut verneinen fo Dürfen ſie in einer Geſchichte der Philoſophie uͤberhaupt nicht ſo uͤbergangen wers ben, wie ſie vom Herru T. uͤbergangen ſind. Die Erzeugniſſe der Speculation der aAltern Griechen wa⸗ gen, Dach auch nichts weiter als Phildſopheme,ſo weit wir „fie: kennen. HBänge Geſchichte der Philoſo⸗ phie erſt dann an wenn dieſe ſich der Idee der Wiſ⸗ ſenſchaft näßjert ,>..fo iſt ſie auch nicht befugt/ von Thales anzufangen.o In ſpaͤterer Zeit iſt die Alexan⸗ driniſche Philoſophie ein Amalgama aus Zoroaſtri⸗ ſchen, Hebräifchen Aegyptiſchen und Griechiſchen Vorſtellungsarten, die in Alexandrien zuſammen⸗ floſſen. Sie laͤßt ſich ‚nicht pragmatiſch erzählen, ohne] die Philoſopheme des Zoroaſters, der —— an IX. an und fife ſich eütttete hie Die Zoroaſtri⸗ ſche tehte hängt wiederum mie: aͤltern Perſiſchen Be Pe. wie Die Mofaifche mir. Aegyptiſchen zuſam⸗ | MWie kann aman den Geſchichtſchreiber mit a deer zur Vorbereituug der Gefchichee der: Phifofophie uͤberhaupt den Philoſophemen? der Hebraͤer, "Des Zotvafter (und wegen der unmittelba⸗ ten; biftorifchen: Verbindung auch ver Standinavier) Hindus u. a. ein pdar beſondere Abſchnitte wide mete, ohne uͤbrigens Dem währen: Continuum det Geſchichte der Philoſophie als Wiſſenſchaft etwas zu entziehhen? Es laͤßt ſich demnach noch ſtreiten ob die Hans, Surlitt, Meiners,.Buhle:m al die die etheographiſche Merhode-inden- erwaͤhnten Abſichten brauchten, hierin zweckwidrig verfuhren? ober ob nicht: umgekehrt die unbedingte Einſchraͤn⸗ kung der: Seſchichte der: Altern Philoſophie auf die Griechen, die Hr. T. fuͤr ein negatives Berdicnft-fei, nes und des Tiedemanniſchen Werkes Hält, ein po⸗ ſitiver Mangel ſey. Die Peridde der Geſchichte der Philoſophie, «die in Dem. vorliegenden Bande, von Hn. Davorgetragen wird, gehtibis zum Sokrates, Sie iſt in; folgende Abſchnitte geheilt: — Vor⸗ — ſind zwei — Die erſte be⸗ er re 59 trifft * * 1444127* 2) Nicht auch etwa der mierimmer um dena Fu %: E trifft den Segriff, Dnhalt, die Form den Zweck, - bie Merhöde und allgemeine Literatur der Gefchichte Der Philoſophie. Die zweite enchält einige Bemer⸗ kungen über die griechifche Philofophie insbefondere und die Hauptquellen derfelben,. die aber erwag dürftig.ausgefallen find, und bloß.an das Brfannet erinnern. Die Geſchichte der Philoſophie erkläre der Verf. als Darſtellung der ſueceſſiven Ausbits dung der Philofophie oder Dorfkellurig.der Beſtre⸗ bungen der Vernunft, die Ypee der Wiſſenſchaft von den letzten Gründen und Geferew der Natur and Freiheit zu vealiſiren, eine.-Erflärung, Der fchwerlic Jemand: feinen Beifall verweigern wird Was hier zur Begründung und Erläuterung derſel⸗ ben .vorfömme;iäft.fehr durchdacht / und wird. end lich den Streit entſcheiden, der über: ven Formulars begriff der Geſchichte der Phitofophie geführe wurde; und fo oft eine bloße Logomachle war, Auch Die Wi derlegung der Meinung des Heren Geohmann kann dieſen Schriftſteller überzeugen, daß die ungünftige Aufnahme, die feine Theorie in unfern and. andern eritiſchen Blättern fand, nicht, wie er glaube, von ‚riner Recenſentencoalition gegen ihn herruͤhre, die ‚wie ſein Hirngeſpinſt iſt. Weniger zufrieden moͤch⸗ ten duneingenommene Kenner mit manchen Aeuſſe⸗ rungen des Verf. uͤber die neuere Literatur der Ge⸗ ſchichte der Philoſophie ſeyn. Sein Urtheil über das. =r das hie her gehörige neuere Werk des Hecen Tiede⸗ mann S. 26) iſt ein ſeitig ungerecht gegen andere, und‘ ftehe: eben darum mit ſeiner eignen hiſtoriſchen Darſtellung der griechiſchen Philoſophemene · im di⸗ recteſten Widerſtreite Eben daſelbſt wird. der Man⸗ | gel an. Schriften über die geſammte Griechifche Dhie loſophie bemerkt. Die Bücher von Meiners und Pleſſing findet der Verf. nur particulaͤr, was ſie nath ihren Zwecken auch nur: ſryn ſollten. Dee 4*4 2) Es iſt ſehr auffallend, wie der Net. an jenem Urtheile einen fo gewaltigen Anſtoß finden konnte, und kaum anders als aus parteiiſcher Eigenliebe zu erklaͤren. Schwerlich haͤtte er bei leidenfchaftlofer Prüfung einen ganz falfchen Sinn in jene Stelle hineintragen und fich über angeführte. Thatfachen fo formaliſicen koͤnnen. Es iſt falſch, daß ich den, Mangel an Schriften über die geſammte griechiſche Philoſophie behauptet habe; wir haben, dies find meine Worte, noch ‚feine volſtaͤn⸗ dige allen Foderungen entſprechende Geſchichte der: gric- chiſchen Philoſophie, ich kenne Fein Werk, das ſich aus« ſchlieſſend mit dieſem Theile der Geſchichce beſchaͤftiget. Ich fuͤhre darauf mehrere Werke an, von welchen aber eeins eine vollſtaͤndige, befriedigende Geſchichte der grie⸗ chiſchen Philoſophie enthaͤlt. Dieſe Thatſache wird der Rec. nicht widerlegen koͤnnen. Daß die Werke der —H,errn Meiſers und Pleffimg)partieufie nd nicht uviverſell ſind, iſt nicht meine Schuld, noch habe — äch behaupten, daß ſie es ſeyn ſollten; ich habe nur an⸗ 2. gegeben, mas fie find: Was endlich jenes ungerechte Urtheil über Thedemanns Geiſt der ſpeculativen Philoſo⸗ 2 | phie au weuern Werks des Hetrn B uf fer;" das die Grie⸗ chiſche, theoretiſche und praktiſche Philoſophie von Thales bis Sertus umfaßt, wird gar nicht gedacht; dieſes wird ( S LXXXXIIMunter die Compendien und kleineren Schriften Uerariſch aufgeſuͤhrt, una geachtet es, was dem Verfu⸗ der es benutzte nicht unbekannt War / dermalen d rei Bände” betraͤgt / und nach ſeiner Beendigung ungefaͤhr denſelben Umfang haben düurfte, den die gegenwaͤrtige Geſchichte des Herrn T. erhalten moͤchte. Die Abtheilung nach Ss $ macht noch fein Compendium; fonft gehörte Bruckners Flik. ctit. in 6 Quartanten eben dahin.*) Sa en nt, >. r Ueber „girl ⸗ * . 7 * Hr ri“ En ET 5 Pe phie betrift/ſo zeichnete ich dieſes Werk unter andern, die geſammte Geſchichte der Philoſophie betroffenden nur imn Ruoͤckſicht aufidie Darſtellung Der Philoſopheme tv. h. An RMuͤckſicht auf. den Fleiß, auf die Genauigkeit und den Scharfſinn, mit welchem‘ dieſer Gelehrte. don Sinn der Philoͤſopheme in den Quellen erſorſcht hat ‚sim wel⸗ chem Puncte auch Her Fuͤllebo rn Beitraͤge St. 6. ©, 6. einſtimmt) aus, ohne den übrigen Werfen dies ſer Art ihr Verdienſt abzuſprechen wie ſich jeder Uns parteliſche aus dem/ was S. 26. folgt, hinlaͤnglich über "gegen All en 3 a — —— — —— *) Herr Buhle hat einen, Gruudriß der Geſchichte der Phi⸗ kofophie;' nicht der geiechifthen Philoſophie verfprochen, Er konnte daher nicht als ein beſonderes Werk über die Geſchichte der griech. Philoſophie S. 25, 26. angeführt verden. Es iſt übrigens nicht vergeſſen worden, mie der .. xım Ueberhaupt iſt der literariſche Theil des. Werks une fers Verf. die ſchlechteſte Seite deſſelben, die zum Eonsrafte wir: den gusen dienen kann. Die bloße Häufung der — zuweilen fehr niangelhaften — Bü- chertitel fieht einem Auctionscataloge aͤhnlich. Denn Tiedemanns Geiſt ‚der ſpreulaciven Philofopgie und Reimmanns kritiſirender Gefchichtsfälender von der | togica , Meiners hiftoriadoctrinae de, vers Deo-und lIenkin Thomäfius Hiftoria Atheismi (London 2716. $:) ſichen — un neben er Es iſt auch a TE EN > ‚fein der Rec. felbfi anfuͤhrt; aber es ſcheint, als hätte er erwartet, ©. 26. ‚vorzüglich genannt zu ‚werden, ‚und daß es nicht geſchehen iſt, erregt die Galle des Rec. = Die’ Anführung “des Buͤhliſchen Werth unter den Compendien äft freilich etwas unſchicklich wegen der ‚großen Ausjührlichfeit., Ein Theil: der Schuld fährt aber auf Herrn Buhle ſelbſt zuruͤck ‚ der erfilich die ge⸗ ſammte Geſchichte der Philoſophie in drei’ kleinen Dectar- Bändchen, und zwar in ompendiariſcher Form (S. Vorrede zum 1. Theile S. 2.) vorzutta⸗ gen verſprach, und ſelbſt bei erweitertem Plane ſeinem Werke noch immer die compendiariſche Form lich, (SG. Vorrede zum 2. Theile S. 3). Ich Äberlafle es deu Herrn Rec. ſich deshalb. mie Herrn Buhle, abzufinden, und danfe ihm. für die Belchrung über tie Kriterien eines Compenhäus. *) Vertraulich⸗ neben einander? Ich ſtelle in dem g. 24 die Geſchichtswerke uͤber einzelne Theile. der Philoſophie zuſammen. Matuͤrlich ſteht Ziedewanns Geiſt als das ns: % — me ' ? \ y fein Sernünfeiget Grund da, warum der Verf. was er ſchon in feinem Werke über Plats that, den‘ Aus⸗ kehricht der Literatur (der lieben Wollſtaͤndigkeit mes gen, die doch nie Vollſtaͤndigkeit wird) wieder her⸗ beitraͤgt. Entweder haͤtte er die Literatur, fuͤr welche ohnehin: duch. Herrn Buhle, auch in .ceiria fen Betrachte, geſorgt war, ganz weglaffen, oder ihr eine lehrreichere und dem Beduͤcfniſſe ange⸗ meffenere Einrichtung geben ſollen. Die hiſtoriſche Erörterung der: Philoſopheme felbft; der: Hauptge⸗ genNand des Werks, ift in vieler Hinficht vortreff- lich, obwohl immer noch nichts weniger als vollendet, fo wie fie auch im Wefentlichen.auf eine unterſchei⸗ dende Originalität feine Anfprüche har Am meis ften hat der Verf. Eigenes in der Darftellung der Philoſopheme des Heraclit, Empedofles, der Aromi- ften und Sophiſten. Er hat hier die Nachtichten dee Alten vollftändiger gefammelt und mehr ausgepreft, Ob nicht in der Anordnung der. Ideen jener Weltweifen, in dem Sinne, der ihren‘ Behauptungen untergelegt wird, zuweilen auch der. neuere Philoſoph aus den alten ner iſt eine andere Srage. ‚Mit den Sophiſten + 113 Pr? wurde umfeflendfte voran, — folgen die zur Geſchichte der Logit gehörigen. Worauf fol uun der Tadel gehen? Auf den Mangel der Ordnung? oder daß Scheiften von _ ungleichein Werthe nebentinander geſtellt werden müßten. . ng r—— XV wurde Hr. T. durch ſein Studium des Plato ver⸗ trauter. Inder Anſicht des Eleaticismus unud Py⸗ thagorismus ſtimmt er mit denen von Fuͤ lleborn und Buhle zuſammen. Die treffliche eritiſche Unterſuchung der Quellen zur Geſchichte des Pytha⸗ goras und der) Pythagoreer vor Meiners nimmt ex als guͤltig an, und in Den kebensumftänden des Py⸗ thagoras folgt er diefem ganz #j!) Eigenes voliftäri‘ diges Quellenſtudium würde: inzwiſchen, wie Rec. wohl einmal darzuthun Gelegenheit haben wird/ uͤber den innern Zuſammenhang des‘ Pythagorei⸗ ſchen Syſtems vornehmlich über die ſucceſſive Aus bildung und Abänderung deſſelben noch manche Auf⸗ ſchluͤſſe gewaͤhrt De: Die beim Verf. nicht ange⸗ teoffen werden.) | Der (S. 163.) **) ermähnee: Antagonisin zwiſchen der Meinung Diedemanns über Die Zenophaniſche Hypotheſe von der Matur der Sonne und des Mondes, und die non Meiners und Buhle angenommene, iſt freilich ſeltſam genug aber wohl nicht durch die Schuld der letzteren. Die km, 2 vum ade ‚2: file ! 9 Beide Angaben find nur halb wahr. Die Ueberein— ſtimmung hätte müßen genauer sharacterifirt werden. oz Möge der Nee. dieſe Aufſchluͤſſe dem Yabkkein ja recht boald mitthellen. Ich werde weder neidiſch noch unge» “recht gegen . — fen. . Zetsifft blos eine beiläufige Aust. xvi fruͤhere Geſchichte dee Phyſik und Aſtronomie macht es doch hoͤchſt unwaͤhrſcheinlich, daß Renophanes Sonne und Mond für entzuͤndete Dün- Ke hielt, Die täglich. entfiänden und erlöfchren, zumal Cicero: ihm die Hypotheſe beilegt, daß Der Mond, wie die "Erde, bewohnt” fey: - Folgerte doch Kenophants aus den Verfteinerungen auf Den A Bergen; Daß die Erde ehedem mie. Waſſer bedeckt geweſen; man kann einem ſolchen Kopfe alſo eher die letzte Hypotheſe als jene rohe Vorſtellung zu= trauen. Daß die beiden erſten ‚Kaps des Ariſtote⸗ liſchen Werkchens de Xenophan. Zene er. Gorg. vom‘ Meliffustkandeln, iſt zuerſt von den Buhle gezeigt worden, in der Abhandlung Hiſtor. Pan- theismi a Xenophane usque ad Spinorꝛam in. den‘ —— Soc.. — — T. X. Ne: | E⸗ wird J leicht Jemand feyn, der: dieſer — die Verlegenheit anmerken ſollte, in welche den Verf. der Borfak .sadelunzu wol⸗ len, jverfegte. Ich beſitze nicht den Eigendünfel, um 3 * La » ° “ . + *) Wenn es mit diefer Angabe feine Richtigfeit. Hat, wie wir nicht zweifeln, — denn Niemand fann das beffer wiſſen, als der Herr Rec. fo if mir, wie Herrn Epalding etwas Menfchliches begegnet, der wahrſchein⸗ lich eben fo wenig als ich dieſe Abhandlung geleſen Hat, E Ä | xvii um in Die Unart ſo — Schriftſteller zu fal⸗ len, welche keinen Tadel vertragen koͤnnen; aber ich halte es auch unter der Wuͤrde eines Recen⸗ ſenten, wenn er, einer Leidenſchaft zu gefallen, | vergißt, was er Dem Publicum- und dem Schrift fiellee ſchuldig if; wenn er anflatt das Eigen» shümliche ‚einer Schrift in dem Inhalte und der Form treulich darzuftellen, die Vorzüge ſowohl als. die Unvolfommenheiten derfelben zu entwiceln, nur darauf:ausgeht, jene in den Schatten zu ſtel⸗ len, und diefe herauszuheben; wenn er den Hanpf- gegenſtand trocdnen Fußes. übergeht, und bei Mes bendingen vermweilt, : um nur tadeln su koͤnnen; wenn er anſtatt feinen Tadel mie Gruͤnden zu uns terftügen, vielmehr Durch willkuͤrliche Deutung erſt den Stoff zu Vorwürfen felbft ſchafft. Die | obige Anzeige beſteht dem-gröften Theile nach aus ſolchen Decenfentenfünften, und iſt deswegen ein Muſter, wie man nicht recenſiren ee Der Hauptgedanke, auf welchen ſich das ganze Raiſonnement des Rec. ſtuͤtzt, iſt der: der Verf. hat eine, dem, Stoffe und der Form na vollendete Gefchichte der Philofophie verſprochen; Der erſte Band bleibt weit hinter dieſer Erwar⸗ tung zuruͤcke. Das erſte ein Falſum. Mie iſt mie E ı7 es mir dieſe Anmaſſung "in den Sinn gekommen. Ih habe gezeigt, was eine Geſchichte der Are . fen und was. fie, leiſten müffe; ich habe mich ber - ſtrebt, diefe Foderungen zu erfüllen; Dieſes ſagt die Vorrede, nicht jene Großſprecherei, die mir aufgebunden :werden ſol. Es waͤre rathſamer and eines Rec. wuͤrdiger geweſen, den in der Vorrede angegebenen Gefichrepunct anzugebeit, und zu zeigen, was ich wirklich. geleiften, und nicht. geleiftee habe, ‚als fo ind blaue Feld won Dem. Plane und. der Ausführung zu fprechen; baß kein Leſer nur einen Begriff: von beiden ſich machen kann. Was ſoll man z. B. dazu denken; wenn er zu Dein, wodurch ſich dieſes Werk aus⸗ zeichne, ‚hier und da Berithtigungen, neue: Am’ firhten des, Einzelnen, nähere Beftimmungen, klei⸗— ne .Zufäge, die ohnehin noch wohl noch jweidentig find, rechnet? So jweideutig, fo unbeſtimmt, druͤckt ſich nur ein Mann aus, der die Unbeſtimmtheit zu gewiſſen Abſichten brauch. Er mag jene Berichtigungen, Zuſaͤtze u. ſ. w. un⸗ terſucht und gepruͤft haben oder nicht, fo: bringe ihm in, beiden, Faͤllen dieſe vornehme ‚Sprache Feine Ehre, Und tie ſtimmt mie dem Anfange der Ans zeige, wo Dem Buche alles Aus zeichnen de ab» gefprochen wird, und nichts Ruͤhml ich es davon ee om xıxX£ zu ſagen iſt, das Ende derſelben Aberein, nad) wel⸗ dem die hiſt oeiſche Erörterung · der Philoſo⸗ pheme invieler Raͤdſicht vortrefflich Ihr Doch Lauch hier weiß der Reca durch feine hingu⸗ gefuͤgten Beſtimmungene und Zufäge alles wieder ins rechteGleis zu bringen. ° Er Farin es nicht laͤngnen/ daß manches Eigenthümliche angetroffen wird; anſtatt zu jeigen, worin dag beſtehe, und sole ich zu demſelben gekommen fen, ſetzt er viel⸗ mehe eine geue Bedenklichkeit hinzu, ohne ſie ih geringſtenzu begruͤnden. Doch kein Wort weiten davon. Die ganze Anzeige beweiſt durch ſich felbſt daß fe nicht die Abſicht haben ſollte, Ge, rechtigkeit widerfahren? zu laſſen/ ſonſt muͤßte fie ſteingentere Beweiſe "enthalten, und fich ſowohl über das Formelle als das Materielle der Se ſchichte · unde das Quellenſtudium, weiches dem letzten zum? Grunde liegt, als die Hauptſachen worauf es bei Beurthellung eines ſolchen Buches an⸗ Bu bee nd un erflärt Oben 2 — ift Die‘ Zenden; und: Die Veranfhfe fung dieſer Anzeige und ihrer Beſchaffenhelt ſo deutlich in ihr ſelbſt Ausgedruͤckt, daß es für den nachdenfenden Leſer kaum einer Zurechtwelſung be! Der u. hätte, wie er fügt, viel- b 2 leicht 38 “ . leicht G mehr Auszeichnendes gefundben,: wenn ich nicht meine Vorgaͤnger ſo viel als möglih, in den Hintergrund zu entfer« nen gefuchtichätte. Zum Beweiſe wird die WVerwerfung der echn ographiſchen Methode ange⸗ fuͤhrt. Ich habe Die. letzte als zweckwidrig aus Gruͤnden getadelt, und ſelbſt die Apologie derſel⸗ ben, von dem Verf. zeigt, wie ſchwer es Halten etwas zu ihrer Rechtfertigung zu ſagen. Es waͤre überflüffige Arbeit, das Maiformement des; Mecs Darüber: zu beleuchten.” Ich ‚frage, nur: den Herrn Rec. auf. fein Gemwiffen, ob er in Herrn Bu h⸗ les Grundriß der. Gefhichte der Phil fophie etwas vermiſſen, ob er irgend eine. Luͤcke oder Dunkelheit finden würde, wenn er die acht Ahſchnitte bis: S. 154 als ‚nicht vorhanden ber trachtete? —. Daß ich dadurch meine Borgänger abſichtlich in Schatten habe ſtellen wollen, iſt nur, Dem Rec. ſo vorgekommen, aber mir nicht eingefallen, der ſehrr wohl weiß, Daß die hiſtori⸗ ſche Methode nicht allein darauf beruht, und daß es bei einer wiſſenſchaftlich ⸗ hiſtoriſchen Ar⸗ beit, dergleichen die Geſchichte einer Wiſſen⸗ ſchaft iſt, mehr als ein Weg giebt, ſich Ber dienſte zu erwerben. Daß * 1.7, Daß der Titerarifche Anhang nicht ohne Maͤn⸗ gel ſey, habe ich ſchon ſelbſte in der Voͤrbede ges ſtanden; daß er nicht ſo ſchlecht iſt, um die Ven gleichung mit einem Auctlonscatalog zu ders dlenen/ kann ich ohne unbeſcheidenheit um fo “mehr behaupten ‚da die zuin Beweiſe gewaͤhlten | Beifpiele, wenn man fie in dem Buche felbft nach⸗ ſehen will, gerade die nach einem Plan beſtimmte und geordnete Stellung beurkunden, welche keine Eigenſchaft gewoͤhnlicher Auctionscatalogen iſt. Es war meine Abſicht, eine ſoviel als mir moͤg⸗ lich vollſtaͤndige Ueberſicht von der Literatur uͤber die Geſchichte der Philoſophie, ſowohl uͤberhaupt als uͤber einzelne Theile derſelben, zu geben; ohne zu weitlaͤufig zu werden, konnten aber nur die Tis ‚tel der Bücher angeführt werden. Aus dieſem Grunde fann ich weder den einen noch den ans dern Rath des Mec. befolgen. Here Buhle har bloß die beften und brauchbarſten Schriften (mit einigen wenigen Ausnahmen) meiftens ohne kriti⸗ ſches Urtheil (zumal bei älteren) angeführt; dieje⸗ nigen $efer, welche bloß diefe Eennen lernen wol - len, Eönnen immer bei ihm Befriedigung finden. Meine Abfiche geher aber auf eine vollftändige eberfiht, der man die wenigen Blätter, die fie einnimmt, immer gönnen kann. se, Moͤch⸗ U Moͤchten doch ‚ale Malehri, wolche — Kae, arbeiten, mit; Entfernung, allen. kleinlichen ücfichten.,, nur dig, Caitur ihrer iſloiſchaft. u ihrem Houptintereſſe, mochen. Nurabei dieſer Dentungsart kann eignes Verdienſt neben ſrem⸗ den Ahen: und — Rerden. rrutars or 1 FA ma ‚> ur Bern. 7 > „dena den 194 — ‚1799 san ‚Rich inaur ty ah 5 Met Ip 3:9 EEE LEE LER * > . . " * A‘ 117%. 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Antiſthene '_ 9 ! - ’ | Drit- Inhalt, — Mritter Abſchnitt. ‚Kprenailen.. +. # | Seite 99 Vierter Abichmitt. Megariker —⸗ — 13 Fünfter Abſchnitt. Porrho und Timon — 166 Schfer Abſqh nitt. Plato ⸗ — "188 / & es Geſchichte der Philoſophie. | Zweiter Zpeit, 5 Syſtematiſcher Geiſt der Philoſophie. \ Tennemanne Geſchichte des Wbilofopbis II: Ch. 5 ’ x vo + x — \ + “ Ir 24 * > ..4 re u* + J ‘ . — ⸗ Fr u ser a um + ds | ® * ‘ P\ « - ‚fr Ü i J * * J — — Yu u % . BEE er 4 id Ey 3 F va ur € .r / \ ; . "> —— — — .. , , % Li — * » a u «* \ 2 3393 G L, *. ———— 24 332 * 2. * T — J 24 ‚ie rn 3 J P # [3 k . & u ô * u 71 ’ . ' . F i - # z a . s % i „’ / + x + j . « . * —* 2 J 2. 4 J — ware KH 398 irn. Seth Digitized by Google —— — PHitsfophie ELITE Hauptfüd. J——— * * Zweite ‚Ersde ‚Spfemacifger Geiſt der pꝓhilo ſophie/ Von Sokrates ss auf Bene, d den "ii ir Stoa. ah — — un} a. 177 09 J *23 7 NO i FE IE, 1:17 23— 5 FIRST, * 79 833 32:27, ran as € Rn e i re g. J | > J eo 32 NM > FIRER ©: sfrates ung in der z Gerichte, der Philoſophie Epoche. Er war es, der, wie Cicero ſagte, die Philos ſophie vom Himniel herabrufte/ und in die Wohnungen der Menſchen, in das gemeine Leben einführte ). Als populärer Philsfoph »:dem es mehr um die Veredelung der Wenſqheit, um die Kar der Poilofopbie im Bea Pe x) Cicero Tufcul, Ouselion, v. Socrates — phuiloſophiam devocavit e coelo et in urbibus ''collocavit, et in. domos etiam introduxit, et coe - Eit·ds vita ax moxihus· rebusque honio et alis Auaorere. in 4 B | Einleitung. —* lan die Wilenſcattuu thun war, wei de er, ungeachtet aller feiner fonftigen Berdienfte, feine Stelle in der Geſchichte der Philofopbie verdienen, we an er nicht zugleich den Philofophen einen neuen ihrer. 1.173 Digen Gegenftand angewieſen, und dadurch dem For⸗ fhungsgeifte eine andere Richtung gegeben hätte. Nach ihm war in Griechenland felten ein Philofoph, Der ſich blos allein mit Speculationen uͤber die Natur beichäfti 46; die Erfotfhung der Gründe und & ber des moraliſchen Berhaltens wurde im Gegen; theil für die wichtigſte Ungeleg senpeit der Philos fophie betrrahtef u u © Obgleich S ofrates Sich" * Veraͤnderung haubiſachlich bewirlte / ſo AR er doch nicht die einzige Urſache derſelben ſondern der Gang der Cultur des menſchlichen Sale und mehtere Zeitumſtande boforder⸗ ten ſie auf mehr als eine Art. Die veraͤnderte Richtung des menſchlichen Geiſtes war die Wirkung einer langen, ſehr zuſammengeſetzten Reihe von Urſachen; mit Sokra—⸗ jes fing dieſe Veränderung an ſichtbarer zu werden, und er war gleichſam dasAedte Glied in jüner Kette. In— dem wir jene mitwirkenden Umftände unterfuhen, tres gen wir dem Verdienfte diefes großen Mannes nicht z nahe /ſondern ſeben uns nur in den Stande ihm & weepeigfeht widerfahren gu laflens 1 uud . | der Gang der Caltut ——ä— | —4 wir ſchon in dem Lerſten Bande gezeigt hahen, Die Au mertſamtert / derr Deuler pa, den aͤußern Obe Jeeten zalotzt nothwendig aufıd ie Va tur des Men Yen zurücführen. ESchon mar in der eriten Periode alles — — — in — des — Mylus 2:08 N riflzuri dan ) Helhe 444 sudiiss ıc 39 oleca 3 — soll, u 2 —* ORdom1.:en: Al Pr — | nullis ei: “offich Hide döpkis ae pli loſophum ſe audeat dicers? 41540u | Einleitung 35 AR zu tun, "Be detſchled nen tiberfteifehden „® ung: | Berhlinftbegriffe, die Füßnpeit' der Sophiſten, mit" pelder fie ale Objeckivi⸗ “0 %g >». #0 ihre Grundverfaſſung gründete, ſich ſo vieles geänderg hätte, ” Jeder Staat was unübermindlich, ſo Tätige Pa, iriotigmus ale Bürger deſſelben beſeelte / und das grics chiſche Stgatenſyſtem kounte feine Freiheit gegen den der Buͤrger mar anders worden; das Gebaͤude, was auf | 3 ihnen * 6 | Einleitung ihnen beruhete, mußte daher nothwendig zuſammen ſtuͤr⸗ zen. Ein unedeles Streben nad) Reichthum, Schwel⸗ gerei, Ueppigkeit, Eitelkeit, Stolz, Ehrgeiz hatte ſich des groͤßten Theils der Nation bemaͤchtiget, und ihren Character verderbt. Die meiſten Menſchen handelten ohne moraliſche Maximen; ſie erlaubten ſich alles, was ‚ihnen die ungezügelte Willtühr eingab; unbekuͤmmert ‚um, das, was ihr Gemiffen dazu fagte, waren fie nur | ‚auf Mittel bedacht, ihre felbftfüchtigen Abfichten zu er⸗ zeichen. Man kann ſich leicht denfen, was die Folge von dieſer Denkungsart ſeyn mußte, wie wenig die Menſchheit geachtet welche Ungerechtigkeiten und Grau⸗ ſamkeiten begangen wurden, da dag. moraliſche Gefuͤhl bei den Vornehmen erſtickt, bei den Geringern roh und unentwicelt war, und da beide Parthisen entweder ge⸗ theilt oder gemeinſchaftlich die hoͤchſte Gewalt in Haͤn⸗ den hatten, und ſich als den Souverain betrachten konn⸗ ten, der keiner hoͤhern Rechenſchaft unterworfen it’), Die Erziehung der Griechen hatte nicht ſowohl mo⸗ raliſche Bildung als Tauglichkeit zum buͤrgerlichen keben zum Zweck. Die Gymnaſtik und Muſik begriffen alles in ſich, was beim Griechen zur Erziehung gerechnet wur⸗ de. Die letzte ſchloß zwar die Bildung der moraliſchen ‚Anlagen nicht aus, aber fie hatte doch eigentlich, dieſe nicht zum Zweck. Durch Huͤlfe der Muſik wurden dem Gei⸗ — Die Belege zu “hiefen und den. folgenden Reſultaten findet man in allen Schriften dieſer Zeit zerſtreuet, vor⸗ | ey verdieng. Thucydides III, c. 88, feq. .Ilocrates i in ‚dem Areopagiticus, Xend- 9 und Piato ‚gelefen zu werden. Einige Be lege diefer Art find in den Lehren und Meinungen der. Sokratiker über Unſterblichkeit ı Th. 1 Abfchn. und Soyſtem der Platoniſchen Philoſophie 1 Band ©, 167. , gefammiet.. Einleitiuig 7 Seiſte Nahrungsmittel von verſchiedener Art zugeführt, und es hing von äußern Umſtaͤnden und von fubjectis ‚Den Stimmungen des Gemuͤths ab, mie fie auf daſſelbe wirkten, und melde Folgen fie hersorbradten. So lange daß Herz noch unyerborben, Arbeitfamfeit und Seugafität herrſchende Sitte war, ‚Fonnte eind Erzie⸗ zungsart, welche fo wenig Zwang für den menfchlichen Geift Hatte, und ihn mehr non innen heraus ſich felbft bilden ließ, unfhädlich, Ja in gewiſſer Nückfiht vor theithaft feyn. Nachdem fih aber die Neinheit der Eitten verloren, die Denfungsart olmälig verfhlims ‚mert hatte, die Liebe zur Arbeitfamfeit verfchmunden nachdeni Alles, was die Sinnlichkeit fonft in Baum gehalten hatte, feines Anſehens und Einfluffes beraubt mar; nachdem. fi Durch das alles. die Belegen; heiten, Reizungen und‘ Verfuͤhrungen zum Böfen ver mehret hatten: dann waren alle Erziehungsanſtalten nicht ſtark genug, dem einrelßenden Sittenverderben zu widerſtehen. Alle moraliſche und religidſe Wahrheiten beruheten auf dunkeln unentwickelten Gefuͤhlen und Traditionen, und ihre ganze Stärke hing von ihrer Vereinigung und Nerfettung mit dem Gtaatsfyfteme ab. Da aber jet "das Syſtem aufgelöft wurde, fo mußten auch jene Ges fühle einzeln weit ſchwaͤcher wirken. Was aber vorgügs lich. zu ihrer Schwächung beitrug, war die Disharmo⸗ nie in der Bildung des. Verſtandes und Herzens. Denu feitdem die Beredfamfeit ein entfchiedenes Webergemicht in der Wermwaltung des Staats erhielt, und Die Sophis ften anfingen , wifenfchaftliche Kenntniffe zu lehren, fo wurden. die Verſtandeskraͤfte weit mehr geübt, als daß die Harmonie zwiſchen Kopf und Herz noch fordanern fonnte. Man lernte Über alles diſputieren und flreiten, alle Ueberzeugungen wankend machen, ſich von aller An⸗ häuglichfeit am Alten losreißen. Die moralifchen und seligiofen Meberzeugungen wurden Daher natirlih auch ie a — er 7. 8 . | Ei jest in Anfpruß a ‚genommen, bezweifelt eig” mare fragte. nad) ihren, Gründen und, fand feine als. äufexe hiſtoriſche; die, Religionslehre erſchien den Freierden⸗ fenden als ein loſes Gewebe von bein, Ungereimtheis ten und Widerfprücen, melde zu, glauben nur unmifs fenden und. aberglänbifchen Menſchen verziehen. werden konnte. | So fing alſo der Glaube an das Dafeyn dev Got⸗ ter an iu mwanfen, die Verbindlichkeit der motalifcheig Gebote wurde geleugnet, ‚das Gewiſſen für eine aber⸗ glaͤubiſche Furcht unwiſſender und roher Menſchen erflärt, alle moraliſche Urtheile vperkehrt. Ungeſittetheit hieß Erziehung; Zügellofi igkeit Freiheit; Schwelgerei, guter Ton; Unverfchäntheit, Herzhäftigkeit. Der größte Theil der Nationen bekannte fich noch zu der Religion ihrer Väter, über dieſe beftand nur aus Cerimonien und aus Meinungen, die der Moralität eben fo nachtheilig | waren; ale der theoretifche Atheismus. Wenn ſie auf der einen Seite die Menſchen antrieb, den Göttern - durch Erfüllung ihres Willens wohigefaͤllig zu werden, fo Bot fie auf det andern Seite genug Mittel dar, um die erzuͤrnten Goͤtter wieder zu berſohnen, und die Sträfges rechtigkeit durch Opfer, nicht durch Vefferung zu befrie⸗ digen. Das. Emwporſtreben des menſchlichen Veyſtandes, o .. ne daß die moralifhe Bildung gleichen Schtitt hie das vermehrte Gefuͤhl von Kraͤften, das unruhige Draͤn⸗ gen nah. Thätigfeit, ohne „gefegmäßige Magimen, und Waaßregeln kündigte den Anfang einer neuen Periode der Menſchheit an, - Aber die nächflen Folgen lonnte wegen des Mißverhaͤltnißes in der Cultur nicht anders als. ſehr empoͤrend ſeyn. Welchen Eindruck. müßten fie - nicht auf die, damals lebenden. ebein Menſchen machen/ ‚ in deren Seele das Gefuͤhl fuͤr Sittlichteit und Recht unverdorben mar? Wie mußte nicht ihr Innerſtes darch den Contraſt mwiſchen dem; was gewöhnlich a ihrem EEE FA 2 Einleitung —/ 9 ihrer Gefühl für die Würde des Menſchen erſchuͤt⸗ tert werden, zumal da fie fahen, Daß diejenigen, wel che ſich als Lehrer der Jugend. aufgeworfen hatten, dem Kopf verwirrten und Die Achtung gegen Recht und Tu, gend für Thorheit und Einfalt, die Befriedigung aller Lüfte für die einzige Beſtimmung des Menſchen erklaͤr⸗ ten; daß ſie dem Geiſte der Zeit huldigten anſtatt ihm ‚eine wohlthaͤtige Richtung zu geben, wicht als Lehrer, ſondern als Schmeichler Des Volks auftraten? Alle uns perdorbene Menſchen mußten vor ‚den Folgen erzittern, „die folge Grundſate unter dieſen Umſtänden in Repo— bliken, wo ſie ſchneller und fuͤrchterlicher wirken, be; fürten ließen; ße müßten, je mehr fie in dag Ganze ber bürgerlichen Geſellſchaft verfchlungen waren, mie deſto größerem Eifer ihnen entgegen arbeiten. Diefes Entgegenwirfen fonnte nun auf eine Dops pelte Weife geſchehen. Dan mußte nehmlich entweder ber Erziehung eine moralifche Tendenz geben, die ſittli⸗ chen Gefühle mehr, als bisher geſchehen war, entwi⸗ ckeln und beleben, und afle diefe geläuferten Vorſtel, lungen an Die bisher gewöhnlichen Religionsbegriffe ans fnüpfen, mit andern Worten, Das alte Spftem peredeln; oder die fittlihen und religiöfen Wahrhei⸗ ten auf Grundfäge äurücführen, und ein neues Mu; zalfyfem begründen. | | ‚Den erſten Weg betrat Sofrates, und er brach dadurch dem Plato, Ariitoteleg und andern Philo— fopben Die Bahn zu ihren Unterfuchungen über Gegens Mönde der Moral. Ungeachtet der Zweck, den fich Diefe Dorgefeßt hatten, von dem, weicher Sokrates ganze ‚Seele erfülte, verfhieden war, ſo hatte Doch die Ans ſicht des letztern von den moraliſchen Angelegenheiten der damals lebenden Menſchheit einen entſcheidenden — Die ganze praktiſche Philoſophie der Grie⸗ em | A5 Jener 10 Einleltuns · ws Jener ehrwuͤrdige Weife Athens wollte Die fittlichen Ueberzeugungen, die ihm. fein reines und unbeftechbares Gefühl als. Wahrheit eingab, in feinem Vaterlande, fo viel als möglich, allgemeingeltend machen, ihnen mehr Kraft und. Einfluß auf das thätige Leben verfchaffen. Diefes fonnte er nicht, wenn nicht die Meinung, ale fey Sittlichkeit und Glückfeligkeit im durchgaͤngigen Wis derſpruch, entfräftet umd gezeigt worden, Daß beide ſehr harmoniſch mit einander ſich vereinigen laſſen. Er ſtellte daher die Tugend in ihrer liebenswuͤrdigſten Ge⸗ ſtalt, als die hoͤchſte Vollkommenheit des menſchlichen Geiſtes dar, welche Zufriedenheit mit ſich und mit der Welt, Ruhe vor allen Leidenſchaften und Gluͤckſeligkeit aller Art im unzertrennlichen Gefolge habe; er ſchilderte die nachtheiligen Folgen des Laſters mit den lebendigſten Farben. Hierdurch legte Sokrates den Grund zu allen folgenden Moralſyſtemen dei den Griechen, und die Phi⸗ Iofophen giengen nad) feinem Beifpiel alle von der Uns terfuhung aus: was ift und worin beſtehet das hoͤchſte Gut des Menfhen? Das ntereffe, welches die Denker an diefen Lin; terfuchungen nahmen, der Eifer, mit welchem fie die legs ten Gründe und Gefese der freien Handlungen zu erfor fhen, und diefen Kenntniſſen eine wiſſenſchaftliche Form zu geben ſuchten, iſt ein ausgezeichneter Character die⸗ ſer Periode. Das Gebiet der Phlloſophie wurde noch durch Un⸗ terſachungen einer andern Art erweitert, nehmlich uͤber die Geſetze des Denkens und Erkennens. Das Beduͤrfniß derſelben war in der erſten Periode dem menſchlichen Geiſte ſchon ſehr nahe gelegt worden, und die Richtung, welche der Forſchungsgeiſt erhalten hatte, beguͤnſtigte die Bearbeitung der Denkwiſſenſchaft ſehr. Denn nach⸗ dem die Speeulation eine lange Zeit in der Auſſenwelt herum geſchwaͤrmt hatte, ohne einen feſten Punct zu aa ‚ mußte ROTE die Vernunft, um fi oris > entiren entiren zu koͤnnen, von dem vorſtellendem Weſen aus⸗ gehen. Der Verſtand war ſchon zu ſehr geübt und gebildet, als daß er nicht Regeln, nach welchen er denkt, zu unterſuchen haͤtte anfangen ſollen. "Die Denker, welche Syſteme aufſtellten, waren durch den Geiſt der Gruͤndlichkeit, der ſich immer weiter ausbreite⸗ te; noch mehr aber durch die Streitigkeiten, welche fie mit: den Anhängern anderer Syſteme zu führen hat, ten, genöthiget, Die Regeln des wiſſenſchaftlichen Den tens genauer zu unterfuchen, und anzuwenden. | Das Intereſſe an den Epeculationen über die Nas ‘für war zu Unfange diefer Periode fehr esfaltet, vor . zuͤglich durch den praktiſchen Geift, melden Sofas tes angefacht hatte. Es ſchien der Vernunft nicht an⸗ gemeſſen zu ſeyn, ſich um Dinge zu bekuͤmmern, welche feinen. Einfluß auf den Menſchen haben, und fo meit ‚außer der Sphäre des gemeinen Lebens lagen, während fo wichtige Begebenheiten vor den Augen der Denker vorgingen, die ihre ganze Aüfmerkfamfeidauf den Mens ſchen und feine Verhältniffe jiehen mußten. Die Kennt, niß des Menfchen und eine forgfältigere Bildung des ‚Bürgers waren dringendere Bedürfniffe der Zeit, die feine Muße für Speculationen übrig ließen, welche ſchon an fich fo beſchaffen waren, daß ſie den menſchlichen Geiſt nicht foͤrtdauernd intereſſiren konnten. Allein der "Hang zu Speculätionen iſt dem menſchlichen Geifte zu natuͤrlich, als daß er durch bloße Darſtellung ihrer Uns brauchbarkeit fuͤr das practiſche Leben gang unterdrückt werden fönnte, und’ es war Daher zu erwarten,” daß Der Verſuch/ das Weſen aller Dinge zu erforfchen, mehrs ‚mals. wiederholt und erneuert werben würde, zumal, da “die logiſche -Kunf allen diefen Forſchungen ein neues idenderes Anſehen gab, „das Intereſſe daran von euem beliebte, und — stügligern Erfolg vorſpie⸗ gelte. Auf 17 Kinleitung. Auf diefe Art gewann die Phil ofopie nicht nür „am, Inhalt, fondern auch an ſoſtematiſcher Form. Ihr Gebiet wurde nach Verſchiedenheit des Objects in drei große Haupttheile, Logik, Phyſiologie und. Ethik abgefondert. Zwar fehlte es zur völligen Bes grenzung noch an Principien; imdeffen war doc) diefg noch nicht ganz wiffenfhaftliche Theilung von großem Vortheil fuͤr die weitere Cultur der Philoſophie. Denn der ganze Umfang ihres Gebiets ließ ſich nun eher über» (hauen, und jeder Theil beffer anbauen, da die Bet _ nunft eine beſtzmmte Wirkungsſpaͤhre, einen beftimmten Zweck und Gegenſtand hatte, auf den fie ihre Thaͤtigkeit beichränten konnte. Die Vernunft mußte erſt an dieſen einzelnen Theilen ihre Kräfte verſuchen, um die man nichfaltigen Erkenniniſſe derſelben auf Prinzipien zurück zuführen, und jeden Theil zu einen Spftem verarbeiten, ehe es ihr möglich war, Die ſyſtematiſche Begren zuug und Verbindung unter ein Princip in einer Idee zu den⸗ ken. Jetzt mußte ſie ſich noch mit einem Begriff von Philoſophie behelfen, der die einzelnen. Theile als zu eis nem Ganzen gehörig darftellte , und‘ ihre Berbindung andeutete, aber wegen Mangel einer. vollſtaͤndigen Un—⸗ gerfuchung des geſammten Erkenntnißvermoͤgens noch ſehr unbeſtimmt und. ſchwankend mar. Doch war auch dieſer Begriff, fo unvollkommen er auch ſeyn moch⸗ te, ein großer Fortſchritt in der Cultur der philofophies senden Vernunft. Er war die erſte deutlichere ahndugg einer Wiſſenſchaft, melde die Vernunft, vermoͤge ihres Weſens ı 44 realifiven ſtrebt, und der erſte Verſuch, dieſe Vernunftidee zu entwickeln. Die Vernunft bes durfte dieſes Begriffs, um ihre Thätigfeit auf einen beftinimten Punkt richten, und Die Bedingungen unters ſuchen zu koͤnnen, unter welchen das Object ihres Stre⸗ bens wirklich gemacht werden konnte. Dieſer Begriff, durch den die drei Theile in Vers bindung geſetzt wurden, war natuͤrlich nicht ohne Ein⸗ fluß Einfeitungr, 18 fluß auf Die Bearbeitung der einzelnen Theile, Durch ihn wurde der Kreis des menfhliheh Wiffens bald en⸗ ger bald weiter gezogen; die practifche Philofophie bald dem Theoretifchen vorgezogen bald nachgeſetzt. In der Phyſiologie war die Beziehung auf die Moral nur zu ſicht⸗ bar, indem diejenigen Unterſuchungen, welche mit prafti. fen Sägen in Verbindung ftehen, als Gottes Das ſeyn iind Weltregierung, vor allen andern mit än« tereſſe augeſtellt und foregefegt wurden, und die Moral gründete ſich größtentheils auf gewiſſe theorerifche Saͤtze. Die Vernunft firebte nad) einer Einheit des Spftenis, die fie aber noch nicht erreichen konnte, meil fie noch | nicht Die legten Principien alles. Wiſſens ehtdeckt, noch das Eigenthümliche, wodurch ſich praftifche Saͤtze von theoretifchen unterfcheiden, vollitändig gefunden hatte: Natürlich Fonnten Daher alle diefe Spfteme die mehr ultipiete Vernunft bald nicht mehr. befriedigen, und. ihre Uneinigfeit mußte von ſelbſt auf den Gedanfen fügs ten, daß fie noch auf feine fichere Principien gegruͤndet feyen. Daher entftanden die Streitigfeiten über die Duelle, Möglichkeit und Umfang der Erkenntniß, über die Wahrheit der Principien der vorhandenen Spfteme, weldye, zumal in der folgenden Periode, faft alle Denker ausſchlieblich beſchaͤftigten, und jetzt ſchon den Grund zum ffeptifchen Geiſte in der Philofophie legten. Wir befließen daher, wie wirglauben, nicht, ohne Grund, die zweite Periode der Geſchichte der Phi. lofophie mit Jen o, dem Stifter des Stoiſchen Syſtems. Denn nach ihm nahm der philoſophiſche Geiſt einen an. dern Charakter an. In der siweiten iſt er hervor bringend, er ringe. nach einem Syſtem des menſchli⸗ hen Wiſſens; in der folgenden iſt nicht dieſe produfs tide Kraft, fondern Prüfung der vorhandenen Spiteme, ichtung des Wahren und Falſchen, und, weil es u⸗ Al einem fichern Princip der Crfennenig fehlte, Bezweife⸗ lung und Beſtreitung aller philoſophiſchen Entdeckungen das U Einleitung. # Das Eigenthumliche , wodurch er fih’ouszeichnet. Hier tritt die Vernunft in ihrer geſetzgebenden Maje—⸗ ſtaͤt auf, in der Folge unterwirft fie ſich ihrer eignen firengen Cen ſur. Der eigenthümlidhe Charal⸗ ‚ter der zweiten Periode ift daher der ſy ſtem ati⸗ 17 72.0 P Seitdem Andragoras und Archelaus fih aus Kleinafien nach Athen begeben hatten, war num Athen fange Zeit der Vereinigungsplag aller philoſophiſchen Köpfe: Einige philoſophiſche Schulen, welche in ang dern’ Städten gefliftet wurden, als in Megara, Elig Eretria, dauerten nicht lange, gleich als wenn nur. in Athen Philofophie gedeihen fonnte. Die Staatsveräns derungen, welche dieſe Republik betrafen; ‚hatten, wie wir ſchon oben gezeigt Haben, feinen unbetraͤchtlichen Einfluß. So lange Athen feine Unabhängigkeit behaup⸗ tete; Mar Staarswiffenfchaft ein gieblingsgegenitand der denfenden Köpfe; als eg aber mit andern griechiſchen Staaten ein Theil einer fremden Monarchie geworden war, hielt es fein Philoſoph mehr der Mühe werth, über Gegenflände nachzudenken, melde nur noch ein theoretiiches Intereſſe hatten, oder Theorien. aufzuflel- fen,’ wo die Praxis ihren eignen Weg ging, ohne auf. Die Theorie zu achten. F Sokrates philoſophierte, ohne ein Syſtem aufjzuſtel⸗ fen, weil er als Bürger bloß für das Beſte der Republit in welcher er lebte, wirkte und wirken wollte, Die fol⸗ genden Denker wurden immer mehr von dem bürgerlie hen Wirkungstreife abgezogen, theils wegen Veraͤnde⸗ zung der politifhen Verhältniffe, theils weil fie meht Sinn für das abſtracte Denken hatten, theils endlich seit fie eigentliche Lehrer ‘der Philofophie wurden, und dadurch in ein eignes Verhältniß zu dem Staate traten, Die Philoſophie begriff Damals alle Wiſſenſchaften, die Mathematik etwa ausgenommen, und auch dieſe mar mit Philoſophie oft verbunden, In dieſer Ruͤckſicht nah⸗ ‚men \ Einleitung. 15 men die Philoſophen die Stelle der Sophiſten ein, und fie lehrten gleich dieſen alles, was des Wiſſens werth gehalten wurde. Sokrates Idee, alle Menſchen ſo viel als moͤglich von der Nothwendigkeit und dem Beduͤrfniß einer eignen Bildung zur Humanitaͤt zu uͤberzeugen, ſie uͤber ihre Pflichten zu belehren, ihre moraliſchen und religiöfen Gefuͤhle zu bilden, aufzuflären und zu befeftis gen, adoptirten auch die folgenden Philoſophen, und ſo verſchieden auch ihre Anſicht vom der hiloſophie war, fo hielten ſie doch, einer mehr als der andere, dieſe Wiſ⸗ fenfhaft für ein Gemeingut und Palladium der Menſch⸗ heit, welches allgemein zu machen, Pflicht jedes Philos ſophen ſey. Obgleich nun diefe Idee in ihrer Alges meinpeit. wicht auszuführen mar, ſo wurden dennoch Hörfäle Für die Ppilofophie. eröffnet, in melde eine große Anzapl von Zuhörern freien Zutritt Hatte. ,, Auf diefe Art wurde die Philofophie almälig wies. der dent gemeinen Leben genähert, und ihr Einfluß auf daſſelbe geſichert. Die Willeifchaft gewann. dadurch nichts. Denn obgleich einige Philoſophen einen Unters ſchied zwiſchen der wiffenfhaftlichen und populären Phi⸗ loſophie machten, fo achteten doch andere nicht genug + auf diefe Verſchiedenheit, und gaben auch dem, was alg eigentliche Wiflenfhaft nur eine Angelegenheit ‘weniger denkenden Köpfe feyn kann, einen populären Zuſchnitt, fie man zum Theil in dem floifchen, noch mehr aber in dem Epicuriſchen Syſtem bemerfen kann. Natuͤrlich nmußte ſich jeder Lehrer nach den Faͤhigkeiten der größern Anzahl richten, und mar mehrmals in Verfuchung, die Grundlichteit der Verſtandlichkeit aufzuopfern. Dee phlloſophiſche Gelſt kann bey einer ſolchen Lehrart nicht ſehr geweckt und gebildet werden, und dieſes mag wohl mit eirte Urfache feyn, daß aus den Schulen bey einer ſeht großen Anzahl von Zuhörern nur wenige Denfende and originelle Köpfe Hervorgingen. Die Streitigfeiten vs FE | 16 = Enleltung der Philoſophen und die Aemulation unter den Secten erhielt noch einigerinaßen dag wiſſenſchaftliche Intereſſe. Uebrigens that weder Athen noch ein anderer Staat etwas zur Befoͤrderung „oder Einſchraͤnkung der Philoſo⸗ phie. Sokrates Hinrichtung war eine Folge von Caba⸗ len, die nicht hieher gekechnet werden kann, und Ari⸗ ſtoteles Flucht iſt, fo diel wir von dieſer — wiſſen, aus eben den Urſachen zu erklaͤren. Nur ein⸗ zelne Perſonen wurden zuweilen verfolgt, nie die Sache felbſt gehaßt oder eingeſchraͤnkt. Die Reitzbarkeit des Volks und die Leichtigkeit, es gegen ein Individuum aufzuhetzen, machte den frei denkenden Männern Des, butfamfeit hothwendig, legte ihnen aber ſonſt weiter feinen Zwang auf. Daher durften auch Männer von Den entgegengeſetzteſten Grundfäßen frei im Uchen her⸗ umgeheit, oͤffentlich ihre Behauptungen vortragen und Epicur lehtte in feinem Garten öffentlich feine Philbſo⸗ pdie, welche die Götter ſo weit als möglich von dem Schauplatz des Menſchenlebens verbanntey mit eben fo, - viel Freiheit, als der Stifter der Stoa, der, dem gemeis nen Religionsſyſtem gemäß, den unmittelbaren Einfluß Der Götter auf Menſchen und ihre Schickſale behaups tete. Ungeachtet ſich aus dieſer Periode weit mehr Schrif⸗ ten von Philoſophen erhalten haben, als aus der erſten, und der Geſchichtsforſcher alfö mehrere und beſſere Quel⸗ len hat, fo find doc) noch viele Lücken vorhanden, Denn. nicht alle Philofophen haben etwas über ihr Syſtem ge - ſchrieben, und viele Bücher wurden entweder nicht fehr befantt, oder geriethen aus befonderen Urfachen bald in Vetgeſſenheit. Der Ruhm und das Anfehen des Plas to und Ariſtoteles, die Originalität und ausgezeichnete Vortrefflichkeit ihrer Schriften, und der Umſtand, daß ſie viele Jahrhunderte hindurch eine lange Reihe von Anhaͤngern erhielten, trug unſtreitig dazu bei daß von MR die meiften Schriften ſich erhalten Haben. Die Stifter Einleiumß® . 0m Etifter der andern Schulen erreichten nicht jenen Kuba, ihre Schriften hatten nicht das hohe Intereffe des Zus ı helts und der Darftellung, und ihre Secten erhielten ſich nicht fo lange, oder wurden von andern verdrängt, Epicurus Schriften hatten nichts Empfehlendes als ihre plane Werftändlichkeit; fein Geift, Wig, Laune ath⸗ mete in ihnen, und man fand in ihnen nur den engen Kreis ſeines Gedankenſyſtems mit Vermeidung faſt alles Scheins von Gelehrſamkeit und der Kenntniß anderer Syſteme, auſſer dem Democritiſchen. Er ſchrieb zu viel, als daß er es hätte gehoͤrig ausfeilen köͤnnen. Daher wurden ſeine Schriften faſt nur von ſeinen Schuͤlern und Anhängern gelefen ). Eben das iſt der Fall mie den Schriften der ältern Stoifer.. Gie vernacdläß ' figten die Kunft der guten Schreibart, und hatten ſich — dagegen in die Spitzfindigkeiten einer magern flreitfüchtig gen Dialectik zu fehr verlicht, als Daß fie Männer vom ge⸗ 4} CicerodeFinib. Bonor et Malor. I, c,g, fed exifimote, ſicut noftrumTriarium minus ab eg de lectasi, quod ifta Platonis, Ariftotelis, Theophraftii orationis- ornamenta neglexerit, Diogenes Laert, X, 15 nexeyro⸗ ds see RUPId KUTa TV MERYURTOV. Ms OTI WIRTaTN Ei, Arısodanns 6 YERUMaTmMoS arriarmı. vwd Ip ETwG, Ws no Ey TW ME Ts enrogmm: aka undey us n cadyvesav amaırey, Cicero de Finib, I, c. 7. de cetero vellem equidem aut ipfe do- ctrinis fuiſſet inftrustior (eſt enim, — non fatig - politue iis artibus, quas qui terent, eruditi ap- pellantur) aut ne deterrniflet alios a Audiis, De Natura Dearum II,c ı7. Hic quam volet Epi- eurusiocetur, homo non aptiffimus ad iocandym, a peatriam, Tennemanns Geſchichte der Philoſophie N. Thl. B | 1ig Einleitung⸗ gebildetem Weit mit Vergnügen Härten leſen koͤnnen. Selbſt ſpaͤtere Stoiker konnten kaum den Efel und die Langeweile uͤberwinden, melde dieſe Lectuͤre erzeugte. Dazu kam noch, daß fie zu viel Polemik mit Zeitgenoſſen enthielten, welche die Nachwelt weit weniger intereffirte‘)- Viele Schriften der Schulen von Philofophen; fönnten nar raͤrlich die Vergleichung mit den Geifteswerken det Stois fer nicht aushalten, weil fie blog ein Nachhall des Seis fles waren, Der die legten’ befeelt Hatte. Endlich muß man auch nicht Hergeffen, daß die Bücher in den dama⸗ Ugen Zeiten weit mehreren Zufällen ausgeſetzt waren, und daß dieſe unguͤnſtigen Schickſale nicht bloß ſchlechte ſondern auch gute treffen konnten. a Nach diefen Bemerfungen wollen wir die einzelnen Schulen: durchgehen und die Häuptquellen ihrer Ge ſchichte aufzählen Ungeachtet. Sokrates nichts ge ſchrieben hat, ſo fihden mir doch in den Schriften des Zenophon und des Plato einen großen Reichthum von Materialien zur Gefhichte dieſes anfferordentlichenz Mannes und feines Philofophirens, welcher noch Durch die Schriften fpäterer Schriftfteller vermehrt wird. Die Dialogen des Plato müffen aber in dieſer Hinficht mit Behutſamleit gebraucht werden, damit nicht unvermerkt | — ein 5) Citero definibusBonon,etMalor.IV,c.3, Eaque discipliuna eficit tantam illorum (Academi- corum) utroque ingenere dicendi copiam, Totum genus hoc et. Zeuo et. ab eo qui funt, aut non potuerunt, aut noluerunt, ‚certe liquerunt. — Pungunt- quafi aculeis interrogatiunculis auguftis, quibus etiam qui aflentiuntur nihil commntan- tur: animo et iidem abeynt, qui Venerant! res enim fortalle verae, certe graves.non ita tractan- tur üt debent. ‚fed aliquanto minutius. Brutur e. 51, Seneca de beuehciis I, c. 3. \ : I) Einleitung: 19 Pr piatoniſcher Sokrates dem aͤchten untergeſchoben werde, weil dieſer geiſtreiche Schriftſteller oft in Sokra⸗ tes Manier weiter philoſophirt, oft ſogar dieſem ſeine eignen Ideen in den Mund legt. Aus der Vernachlaͤſe ſigung dieſer ſo nothwendigen Unterſcheidung und aus dem Umſtande, daß aͤltere Schriftſteller zuweilen, was Plato den Sokrates ſagen laͤßt, als ſokratiſche Gedan⸗ ken anführen, find nicht wenige Verirrungen gegen die Wahrheit der Geſchichte entftanden, und der Charafter beider Männer, fo verfchieden er auch iſt, verwechfelt worden °). Es ift nochwendig, vor allem Gebrauch erſt den Charakter des Sokrates und des Plato und ihreg Philoſophierens nach ihren Eigenthämlichkeiten und Ver⸗ fhiedenheiten in dag gehörige Licht zu fegen, ehe man aug Platos Dialogen Sofrates und fein Philofophieren ken⸗ ‚nen lernen fann. Ich kann hier auf eine andere Schrift verweiſen, mo ich ai Gegenſtand ausfuͤhrlich behan⸗ delt babe 7). Bon allen den Kleinen Schulen, welche, auffer der Akademiſchen, aus der Sofratifchen entfprangen, ift ung fein eigentlihes Denkmal ihrer Philofophie erhalten - - worden. Ungeachtet fie nicht fo merkwuͤrdig find, alg Diefe, fo.ift es Doc zu bedauern, daß die Nachrichten B 2 von 6) Nur einige Beifpiele aus vielen. Plutarchus. de phyficis Philofoph, decretis I, c. 3. fagt: Sofrates nahm Gott, die Materie und die Idee als Principe an, denn er denkt in allem mit dem Plato übereinftiim: mend. Ein kleineres aber ſehr Lächerliches DVerfehen it, wenn Olympiodorus indem Leben des Plato fagt: nareı de aurov MavroFEV nay Teig Runvos duo- darov ws EE AmoAwvos meosAdwv, was Plato den Sofrates fagen läßt Phaedo c. 55, „> Lehren und Meinungen der Sokratiker über Unfterblichkeit. Jena 1791. ©. 170 ff. 26 Einleitung: von diefen Denkern fo mangelhaft find ; fie würden ung von vollſtaͤndiger unterrichten, und dadurch über die Gr ſchichte diefer Periode manches Licht verbreiten. Dieſen Verluſt erſetzen aber die Schriften des Pl ats und Ar i⸗ Hoteles in veichem Maaße, durch die duͤlle des rhilos ſophiſchen Geiftes und die Menge von Bemerkungen über den damaligen wiſſenſchaftlichen Zuftand der Phi⸗ loſophie, ungeachtet fie ung noch über viele wichtige Bunte im Dunklen laffen. Die geiftreihen Dial o⸗ gen des Plato, in Verbindung mit feinen Briefen, befriedigen unfre Wißbegierde in Anfehung der Entftes Hung feines phifofophifhen Syſtems volfommen;, aber don diefem felbft laſſen fie ung nur einzelne Partien, eis nige Umriffe des Ganzen, überhaupt mehr die Auffenfeite als den innern Gliederbau fehen. Die zahlreichen Schriften feiner Nachfolger, welche unftreitig zur volls fländigern Kenntniß der innern Platonifchen Philoſo⸗ phie wichtige Beiträge liefern würden, find alle verloren gegangen, Die Schriften des Arifinteles, das ſchoͤnſte Denlz⸗ “mal der griechiſchen Philoſophie, geben uns genug Data von dem philoſophiſchen Gebaͤude dieſes ſyſtematiſchen Kopfes, zum mwenigften von den Haupttheilen deffelben; Hingegen die Entwicelung feines philoſophiſchen Geiſtes und die Bildung ſeines Syſtems bleibt faſt ganz im Duntien. Zwar fann man in dem Spfteme felbft feinen Urſprung auffschen und einige hie und Da zerſtreuete Winke leiten ung auf den Weg, welchen feine Forſchung "ging; wer wird aber nicht gerne gefiehen, daß beſtimm⸗ tere Erklärungen darüber von Ariftoteles felbft und von _ Bemühungen feiner Zeitgenoffen befannt wäre; denn andern denfenden und gelehrten Männern aͤuſſerſt Inter effant und beichrend feyn müßten? Welche Bereiches zung für die Geſchichte der Philofophie, wenn Das voll ftändige Urtheil des Stagiriten über die philoſophiſchen einige dem Zuftande und den Fortfchritten der Verflandesculeue — — N namen — u — Einleitung. 21 as hieher gehörige Aeußerungen ſind theils verdaͤch⸗ tig, theils weder eindringend noch erſchoͤpfend; wenn wir auf der andern Seite eben ſo genau wuͤßten, was die Philoſophen feiner Zeit, die nicht von feinem Sys fieme waren, über feine Philofoppie urtheilten? Doch diefe Wuͤnſche wollten wir gerne -unterdrücden, wenn nur dasjenige, in deſſen Befig wir find, ung nicht wies der von neuem Wuͤnfche abnoͤthigte. Waͤren die Schrifs ten des Ariſtoteles nur vollſtaͤndig, ohne Lucken und fremdes Einſchiebſel zu uns gekommen, ſo wuͤrde ihr Werth noch um ein betraͤchtliches hoͤher ſteigen. Allein die Schickſale derſelben ſind bekannt; wie ſie nach Theo⸗ phraſtus Tode unwiſſende Erben gegen die Aufſtellungen der Koͤnige in Aegypten und Pergamus ſo verwahreten⸗ daß ſie daruͤber zum Theil ein Raub der Wuͤrmer und der Motten wurden; tie fie darauf nach Athen und dann nah Rom-famen, und durch Veranftaltung der Grammatifer Apellifon und Tyrannion abgeſchrie⸗ ben wurden. Man kann leicht denken, daß wir ſehr übel daran find, die kuͤcken mögen. geblieben oder aus, gefüllt. worden ſeyn. Doch diefeg iſt noch nicht das eins sige ungünftige Schickfal, welches den ſchriftſtelleriſchen Nachlaß des Ariftoteles betraf. Die Begierde, mit wel⸗ er die Könige in Aegypten und Pergamus Bibliotheken fammelten und die Sreigebigfeit, mit welcher ſie Bücher bezahlten, war die Urſache, daß mehrere Bücher unter geihoben warden. Wahrfcheinlich find daher unter den Merken des Ariftoteleg mehrere, die nicht-von ihm her⸗ rühren, und einige unaͤchte haben bie Kritifer ſchon wirklich entdeckt, obgleich Darin noch nicht alles geleiſtet if, wos geſchehen kann und muß U 73 9» — Handelt davon Bahle Lehrbuch ber Geſchichte der Philoſophie 2Th. S. 318 ſeq. und vayte in e⸗ ——— Artikel —— x j N % 2: | Einleitung: Von allem, was Epicur geſchrieben hat und er war einer der groͤßten Vielſchreiber, iſt nur das Wenige gerettet worden, was Diogenes Laertius ſeinem Werke einverleibt hat, nehmlich drei Briefe und feine »ugsoy Sofa oder Nefultate feiner Philoſophie. Diefe kleinen Actenftäcke find aber fehr wichtig, weil fie den Grunds ziß feiner ganzen Philofophie fo vollſtaͤndig enthalten, daß man den Verluft der übrigen Schriften diefes Phi- loſophen nicht fehr zu bedauern hat. Die’theorerifche Philoſophie des Epicurs ift noch aufferdem in dem Lehr gedicht des Lucretius über die Natur fehr ansfahe⸗ lich und ſcharfſinnig vorgetragen. Von den aͤltern Stoikern iſt gar nichts übrig, mas für die Gefhichte der Philofophie als Quellen brauchbar waͤre, die fpätern befchäftigten fich faft ausſchließlich mit Dem praftifchen Theile derfelben, ob dieſer gleich auf theorerifchen Principien beruhet, melche in der ganzen Schule allgemein angenommen waren; fie enthalten das her nur einzelne Materialien, welche, in Verbindung - mit den Nachrichten von Cicero, Plutatd, Sep tus und Diogenes, die Hauptquellen find, aus mels. hen wir die Kenntniß der Altern Stoa ſchoͤpfen muͤſſen. Ungeachtet die Lücken, welche der Mangel an Haupt⸗ quellen verurfacht, durch die Hülfgquellen- einigermaßen ‚aber Doch bei weitem nicht vollfommen genug ausgefüllet Werden, fo bietet Doch der Stoff, den beide enthalten, ang feschtbare Bemerfungen und Betrachtungen zue "Entwicelung des Ganges dar, welchen der philofophis Aſche Geiſt in Bildung jener Syſteme nahm, wenn man nur verſteht, ſich Über den Buchſtaben zu erheben, und in den Philo ſophemenauch ihre Beziehnng zu dem WVermogen, aus welchem alle Philoſophie entſpringt, zu — R ent» B3 Zwei N N 3m eites Hauptſtuͤck. Geſchichte der Philofophie - Von Sefrates bis auf Zeno; % R ’ ’ — J J J — + . - »q D . D * ...- nd ’ % re m N Pr * a 4* [4 » — J ⸗ “ . - . “ n ’ r — Pr) f ‘ * L Tan - x - * uf Px * = ” i 1 . ’ * — — [3 — ’ „ P) ’ R\ “ * ‘ r 5 i ’ - [4 ® > —X J * — 23 —— . 2, * *24 * — 2 = » 1 «rt EX 3.05 z * J * + .. a. . I. u. ‚ . . 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Seine Armuth iſt von Demetrius Phalereus ohne Grund befiritten wor: den. 'Plutarchus Arifides edit.‘ Hutten 2 Vol. ©. 340, Platonis Apologia Sosta- tis c, 23- - | 26. Zweites Hauptſtuͤck. Erfter Abſchnitt. lichen Unterrichts und feiner Bildung, mie es in den Erziehungsgeſetzen für jeden Athenienſi iſchen Juͤngling beſtimmt war ). Ungeachtet dieſer befchränkten Lage und Erziehung | bildete fi dennoch fein Geift zu einee ſolchen Vortref⸗ Jichfeit, daß er unter feinen Zeitgenoffen den Ruhm Des Weiſeſten erhielt, und daß ihm auch die Nach⸗ welt ihre Bewunderung und Hochachtung nie verfagen wird, fo lange. der Sinn für die Würde dey Menfchheit fich erhält. Es iſt nur zu bedauren, daß wir wohl willen, wasergemwefenif, aber nit, wie er das ge wordenift, weil ung aus feinem Sugendleben faſt ale Nachrichten fehlen. - Wir können über den Bang der Entwickelung des Geiſtes daher nur einige Vermu⸗ chungen wagen. Das erſte, mag. wir zu thun haben, iſt, daß wir uns einen vollſtaͤndigen Begriff von ſeinen Anlagen und. dem eigenipümlichen. Character-feines Geis ſtes aus den vorhandenen, gerhihtlichen Daten entwers ‘fen; 2 Sofrates beſaß eine ſehr lebhafte und rege Ein⸗ bildungskraft ; zwar keinen tiefſinnigen, aber doch feis nen Verſtand, und eine treffende Beurtheilungskraft. Das ſchoͤne Ebenmaaß dieſer Vermoͤgen, die harmoniſche Zuſammenſtimmung ihrer Wirkungen ſcheint nicht das ‚Werk der Cultur ſondern der Natur bei ibm zu ſeyn/ und daraus laͤht ſich vielleicht die Innigkeit und & bens digkeit feines gangen geifigen Wirkens, die n He ffigfeit und Selbſtſtaͤndigkeit feines Geiftes erllären, Wenn er einen Gegenftand aufgefaßt hatte, der feinen Geiſt ſtark intereffirte, fo überließ erfih ganz der Bes trachtungꝰ deſſelben; feine Autmerkſamkeit war. fo auf denſelben firirt, Daß. ihn! fein anderer Segenftand zer⸗ ſtreuen oder ſtoͤhren konnte; er ſchien pon alleıy / was 4 * ae De RE Du. .ı., pe 5 um '.- 5) Plate Orito c, ı% BEER? Sofas; 00° .97 um und neben ihm mar, voͤllig abgeſondert, und felbfl Die- dringendften Bedürfniffe - des menfchlichen Lebens fonnten ihn niche-von feinem Nachdenken abziehen, bis er gefunden hatte, mas er zu erforfchen fuchte *).. Bei Der Mannichfaltigfeit von durchlreuzenden Meinungen, bei den großen Veraͤnderungen in der Denkungsart und Handlungsweiſe, blieb er unwandelbar ſeinem Syſtem von Grundſaͤtzen treu, und ſelbſt in allen feinen Unter redungen und Handlungen, in feinem Unigange mit Menfhen von fo verſchiedenem Eharafter zeichnet fich eine und diefelbe Art zu denfen und zu.handein, eine, ' gewiſſe Einförmigfeit aus, welche nicht ermuͤdet, weil fie nicht Andern abgelernte Manier ſondern freie Aeuße⸗ "rung eines originalen, im ſich fruchtbaren, feſten und unwandelbaren Geiſtes ift ). In allen feinen Reden herrſcht eine große Deutlichkeit, eine gewiſſe ausdrucks⸗ volle Bedeutſamkeit der Worte und Beſtimmtheit des Gedankens; alles iſt in ihnen zu einem Zweck abgemefs fen, nichts überflüßiges , nichtd mangelndes; die: Eins bildungsfraft arbeiter im Dienſte des Berfiandes zur Herbeifchaffung einer Menge von Sioff zu aͤhnlichen Begriffen und Urtheilen. Die⸗ 4) Plato.$ ympafin um — wo Ylcibiades eine „Anecdote der Art erzählt, wie er. einen ganzen Tag auf einer Stelle über etwas nachdentend geftanden habe, ‚Aul, Gellius Noct. Atticor, II, ı, Diefes war etwas Gewoͤhnliches. 8 dar fium.c. 5. 5) Xenophon Memorabilia Söcratis IV, © 4 $. 6: al 6 Zungarng, 6 de yS Terz Jewers- eov, södn, wIrwin.x movoy wer FR uuTa Aero, ar- Au rg. weg. Far auroy, Blato u C 57 z 28 Zweites Hauptſtuͤck. Erſter Abſchnitt. Dieſe Selbſtſtaͤndigkelt und Standhaftigleit iſt der ſchoͤnſte Zug in dem Charakter des Sokrates. Er folgte feinem moraliſchen Gefühl und feinen Ueberzeugungen . von dem, was recht -und unrecht. if, mit mufterhafter ‚Strenge und weder der lockende Reize des Sinnenges nuſſes, noch Drohungen und Gefahren fonnten ihn der Pflicht ungetreu machen. Keine Leidenfhaft übte über ihn eine Art von Herrfchaft aus; fie ſchwiegen oder uns terwarfen fih ohne Widerfpenftigfeit dem Geſetz Der Ver⸗ nunft. Sein ganzes Leben giebt uns das [höne Bild einer durchgaͤngigen Gleihmüthigfeit, welche in Gefah⸗ ven nicht zittert, vor unverfchuldetem Unglück nicht ers bebt. Er befolgt die Vorfchriften feiner Vernunft obs ne Widerfeplichfeit, und bringt die Opfer der. Entfagung und Einfhränfung, : die. fie fodert, mit Freudigkeit. Sich immer gleich, in ſich heiter und mit der Welt zu: frieden , wandelt er, im Bewußtſeyn feiner Rechtſchaf⸗ fenheit den Weg feiner Beſtimmung, in Veredelung feis ner ſelbſt und feiner Mitmenfchen unermüdet fort, ohne ſich durch Hinderniffe abſchrecken zu Fäffen. Es laͤßt ſich leicht begreifen, daß ein Mann, in deffen Charakter Selbfiftändigfeit und Feſtigkeit des Geis fies der Grundzug if, wenn einmal fein moralifches Gefühl geweckt ift, zu dieſer Erhabenheit der Gefinnung und des Handelns fich erheben mußte, melde die Nachs welt an ihm bewundern wird, ſo lange der lebendige Sinn für Sittlichfeit und Würde des Menſchen nicht verſchwunden iſt. Die befchränfte Lage, die Arbeitfams “ feit, welche eine Folge derfelben war, und wahrſchein⸗ lich auch die haͤusliche Erziehung, von welcher wir kei⸗ ne nähere Kenntniß haben, und das Beiſpiel ſeines Bas ters, dieſe und mehrere Umftände konnten wohl nicht ohne Wirkung anf. Teinen Charakter bleiben, infoferne - fie dazu beitragen mußten, die Neinheit feines Herzens gu bewahren, und den verderblihen Einfluß des Sit tenverderbeng unwirtſamer zu machen, Im Gegentheil E | mußten — Sokrates. 29 mußten die häufigen Beifpiele- von Sittenlofigfelt und Verkehrtheit der Menfhen einen Juͤngling von lebhafs tem Seiſte und unverdorberien Herfen deſio mehr zur Ach tſamkeit auf ſich, zum Nachdenken über die Beſtim⸗ mung und Würde des Menfhen erwecden. Die ſittliche Gefinnung, welche Die einzige Nichts ſchnur feines Lebens wurde, alle feine Handlungen und Meden beliebte, der Entfhluß, an der moralifhen Bers edelung und Begluͤckung der Menſchen, vorzuͤglich feiner: Mitbürger, zu arbeiten, machte, daß fein Geiſt mehr für Das Praftifche ald für das Epecnlative geftimme wurde, Alles bezog er auf die Veredelung und Beglücung der Menfchheit, anf das Beſte feines DVaterlandes; mas nicht von der Art war, daß es Einfluß auf das Leben und Wirken dee Menfchen haben konnte, das fchien ihm keiner ernfilihen Beſchaͤftigung mürdig, Das fand in feinem Geifte feinen Berührungspunct, Daher vers weilte er lieber unter Menfchen, als in der fchönen Nas tur, weil er hier nur anfchanen und genießen, dort em⸗ pfangen und mittheilen konnte °), Es iſt ſehr natürlich, daß Eofrates fehr religide war, Die Erziehuug , welche er genoß, und fein reiner Sinn für Sitrlichfeit erhoben feinen Geift zur Ehrfurcht gegen die Gottheit und zur religidfen Betrachtung der Welt, Aber darum verließ er doch nicht den Außeren Eultug feines Vaterlandes, weil er feine veinern Degrifs fe 6)Xenophon Memorabil. Socrates IV, c, 7.5.8. usxer de Tz wDersux mayra nay auros auve MECHOMEI Kay auvdısänes roıs ouvacı,. PlatoPhae drus 10 B. S. 287. Dirouadng yap ssus, fagt Sofrar ges dem Phädens, der ihn befchuldigte, er fey in der Ger gend um Athen beinahe ein Sremdling, ra EV x Xwpim may Ta davdga der mE Yarcı — ade“ 70 a5e avdeuvron 30. Zweites Hauptflü. Erſter Abſchnict. fe. und Geſinnungen mit dem Religionsſoſtem feiner Vaͤ⸗ ter izu vereinigen, und dieſes Dusch: jene zu veredelm wußte. Denn das Weſen der Religion fegte er in der Ausübung. aller Pflichten, und den einzige eg fih die Gottheit, mohlgefällig zu. mahen, im ‘einem guten kLebenswandel. Alles andere war ihm bloß Nebenfahe. Die innige Verfchmelsung des mo⸗ ralifhen und religidfen Gefühle war aber auf der ans. Dern Seite auch Urfache, Daß er manchem Aberglauben feiner Zeit Huldigte, und einen mittelbaren und unmits telbaren Einfluß: der Gottheit auf die Menfchen und ihre Schickſale glaubte. Doch konnte diefer Glaube bei feinem gefunden Verſtande und reinem Herzen feinen nachtheiligen Einfluß auf fein Handeln haben; er war durch feine fittlihen Begriffe veredelt ’). « Wir heben bier nur einige der. vorgüglicften Eis genthümlichkeiten feines Geiftes heraus, welche auf fein Leben, auf fein Wirken, auf fein Denfen, den unvers. kennbarſten Einfluß gehabt haben; denn eine vollftäns dige Charafteriftif Deßelben liegt außer unferm Plane, Es iſt ſehr wahrſcheinlich, daß ſich fein Geift ſehr fruͤh⸗ zeitig auf eine originelle Art äußerte. Plutarch erjzaͤh⸗ jet: daß fein Vater das Drafel erhielt, feinem Sohne feinen Zwang anzuthun, fondern feiner Neigung reis heit zu laffen ). Zwar iſt Diefes Factum von einigen | I neu⸗ D Xenophon Memorabila Socrat.lll, c.7, ı4. IV, c, 3. c. 7. $. 10, I, © 1, 8) Plutarchus de genio Socratis, Franco- furti 1620: t. II, p. 589. wsmee 6 dogs erı wandeg ovrToc AUTE TW Tarlı Xensuos amstEsmicer, 84V yap-MUTOV ERBAEUCEY O TI av EMI VEY IN WERTTEW, na unds Binlestar, pnds magaysır,. am EDıevas av oeunw Ta maldog, EUXOuSvov Umso aurs All &yo- | | FE „gas Sotrates. Re — I neuern Sohriftſtellern Begtbeifelt worden, welche — daß einige Freunde des Sokrates, um ſein Vorgeben | von dem Genius glaubhafter zu machen, dieſen Drafels ſpruch erdichtet hätten °). Allein gerade. das Dämonis um Des Sokrates iſt ein Grund mehr, auch jenes Fa⸗ etum für wahr zu halten; zum wenigſten laͤßt es ſich ſehr gut daraus erklären. Denn wir haben das Zeug⸗ niß eines ſehr glaubmwürdigen: Schriftſtellers, daß das, was Sofräted das Dämdnium nannte, ihn von feiner Jugend auf begleitete »*.). Wir muͤſſen hier etwas fie hen bleiben und unterſuchen, ‚worin eigentlich dieſe Erz fheinung beſtand, moräber heidnifche und chriftliche Schriftſteller, Philofophen und Theologen fo viel ges : fhrieben, gemuthmaßt, räfsnnirt und deräfonnirt has ben, eine Mühe, ‚die ganz überflüßig ift, wenm man Die "Nachrichten «des Kenophbon und Plato, der beiden glaubwuͤrdigſten und unterrichtetften Schriftftels - ber über den Sokrates, zufammenftelle und vergleicht. Sofrates hörte von feiner Kindheit an eine ipnere Stimme, weiche ihm jederzeit die Unterlaffung desjeni- ‚gen anrieth, mas er oder andere ebenim Begriff wa⸗ Fe zu en wenn fie ſich hoͤren ließ. Sie aͤußerte ſich * bio nad —J— Ku ara An moAuirpaRyuorsv mer Zwipxras, ws nesırrova In MEDEV ExXevros Ev du- To verwv Idaskuney —— — — mess Bıov. . 9) Brucker Hifdria Philofophiae T.I.p, 524. Er finder dieſes Drafeldeswegen, wie es ſcheint, ver; dachtig, weil er. die lebten Worte der aus Plutarch angeführıen Stelle fiir. Worte des Orakels und nicht für erflärenden Zufag des Plutarchs hielt. 10) Plato Apologia Socratis 19. Thea gesu®B. S. 19. I 32 Zweites Hauptſtuͤck. | Erfter Abſchnitt. fehr oft, aber aus den vielen Beyſpielen, welche Pla⸗ g0 erzaͤhlet, erhellet, daß fie nur ſolche oft unbedeuten⸗ de Dinge, deren Folgen ungewiß oder ganz unbekannt waren, betraf, nie aber eiye Entſcheidung daruͤber gab/ - 9b eine Handlung recht oder unrecht fen, ob fie aug _ moralifchen Gründen folle unterlaffen oder ausgeführt werden. Denn nach dem gefunden Urtheil fah Sokrates mit völliger Ueberzeugung ein, daß zur Erfenntniß def fen, was Recht oder Unrecht iſt, der Menſch Vernunft erhalten habe, und daß er darüber feine fremde Stim; me oder Offenbarung bedärfe. Uber was für Folgen eine Handlung, welchen Ausgang eine Unternehmung Haben merde , dies kann der Menfch zwar oft nach wahr⸗ (Heinlichen Gründen vermuthen, aber nie mit Gewißs heit beſtimmen und vorherfagen, Diefe wahrſcheinli⸗ chen Gründe äußern fich vft durch ein dunfles Gefühl; das man zumeilen, aber nicht allezeit in Deutliche Urtheile aufföfen fann. Dem meifen Sofrates war diefe am ſich vernuͤnftige Unterſcheidung zwifchen dem, wqs man vers nünftiger Weiſe wiffen und nicht wiſſen kann, nicht uns - befannt ). R | Mau 11) Xenophon Memorabilia Socratis-I, c. i. Zwnparng d’ wWSTEE ETYIYVWEHEV, *ro⸗ EASYE. TO da poviov yaug, ED, anmaıvsı, naı moRos rwv Euvov- Tv meONyogeus Ta MEV MOIEIV, Ta de un woısıv, ws a Öamoyiz MEOSNWaIVOVTOE. Mal Tor: MEy MEIFous- yo aurw auvaess, Tas ds un MErtousvorg METE- . pers, Plato Apolögia c. 19. Theages 29 DB. 8, 19. 05 yag mi Dam Mary magsmousvev gucı en maıdo; wpkauevov dasuviov. 851 de TETO Dan, N, hray verntæs, as ol EnMayrEı 6 av MER- Au MeuTTEN, TTS rore. 104 50V TIS 0 TV DiAwv avaroıymTal, Ma yarıras 5 Dawn, TAUTOV TETO MTOTREE, ma 8% | . * kn} ‚ Man denfe 6. nur einen Menſchen, der eines cha⸗ eine ſehr lebhafte Phantaſie beſitzt, auf der andern _ Seite überzeugt. iſt, daß das Menſchengeſchlecht in eis her unmittelbaren Verbindung mit der Gottheit fiche, daß dieſe nicht allein mi ttelbar, wie man dazumal faſt allgemein glaubte, durch natuͤrliche Erſcheinungen, ſon⸗ dern auch durch unmittelbare Einwirlungen den Menſchen ihren Willen kund mache; man rechne noch dazu die Unbekanntſchaft mit den Veränderungen deg Gemuͤths und ihren Gefegen: und man wird fich leiche dieſe ſonderbare Erſcheinung, die man mit Unrecht, zum wenigſten nach unſerer a) das Da m o⸗ a Rn ‚ u im 7 eg wentreiv. „. Piutarchüs ‚de genio So. | or. .eratis P . 588. Es iſt auffallend, daß Kenophon und P lato in einem Puncte gerade das Gegentheil berichten. Plato ſagt nehmlich: die Stim me habe im⸗ mer nur dasjenige zum Gegenſtande gehabt, was nicht TE geſchehen, Xenophon hingegen, auch dasjenige, — was geſchehen follte. Der Widerſpruch lat ſich - heben. Es iſt einleuchtend, daß Plato ſich am beſtimm⸗ teſten ausgedruͤckt hat; die Kenophoutilche . Auſſage laͤßt ſich damit vereinigen, wenn man annimmt, daß er nicht genug dasjenige unterſchieden, was die Stim⸗ me unmittelbar beabſichtete, und mas Sokrates aus dem Stillſchweigen derſelben ſchloß. Wenn die Stim— me, ſo bald fie ſich Hören ließ, ein Zeichen der Abmah— nung war, fo folgte nothwendig daraus, ‚day dasjeni, > ge gut geheißen werde, wobei fie fich nicht hören ließ. In der letzten Periode feines Lebens während ſeines | Proceſſes und ſeiner Verhaftung war dieſe Stimme ganz verſtummt; Sokrates ſchloß daraus, daß alles, was ihm jetzt begegne und begegnen werde, zu ſeinem Ber 25 ſten diene. Piato u docrat. c. Zu IT —— Geſch ichte dr Philolophie il, Th; c Solrates. te 799 — 4 34 3Zweites Hauptftück. Erfter Abſchnitt. —nium des Sokrates genannt hat, erklaͤren ton⸗ nen. Wir haben ſchon oben bemerft, daß Sokrates einen Hang hatte, ſich Im ſich ſelbſt zu verfchlieben, die Aufs. merffamfeit von den äußern Gegenfländen auf fein In⸗ neres zu richten. Diefes Factum beweiſt die Regſam keit und Lebendigkeit ſeiner Phantaſie, die ihn zum Schwoͤrmer wuͤrde gemacht haben, wenn nicht ſein ge⸗ funder Verſtand, fein Sinn für das Praktiſche, Tein raſt⸗ tofer Trieb, für die Menſchheit thätig zu ſeyn, theils ein — Vehengewicht gegen die Verirrungen det Einbildungsfraft geweſen waͤce, theils dieſem Vermd⸗ ‘geh einen beffimmten Wirkungskreis vorgegeichnet hätte, in welchem es nicht fchädlich werden Fonnte. Dei Mens _ ſchen von fotcher lebhaften Phantafie if es nichts unge⸗ woͤhnliches/ daß die Ahnung von dem Ausgang einer Sache ih durch ein fo lebhaftes, aber unerflärbares Sefahl außert, daß es ihnen nicht anders vorkommt, ale wenn Jemand ihnen in ihrem Innern zuriefe, die⸗ ſes oder jenes zu unterlaſſen. Da nun dieſes dem So» frateg in feiner frühen Jugend begegnete, we der Vers and noch nicht geübt ift, Die Utſachen der Erſcheinun⸗ gen aufzuſuchen, ſondern ſich lieber eine Hypotheſe Schaft, da auſſerdem diefe Erſcheinung fo dunfel und ränrfelbaft it, fo darf es uns gar nicht auffallen, Daß Sokrates diefe innere Stimme für eine Wirfüng der Gottheit hielt. Daber läßt es ſich erklaͤren, warum Sos rates jeder Erklärung, melde feine Freunde über dieſe Erſcheinung wünfchten forgfältig auswich **). 2) Plutarchus de genio Socratis S. 588. auroc ds > (Eruiag) , ZergaTnV MEV EDn me TETWV ELOMEVOS MoTs, an TUXEy amengiaaug, dio Madı aus“ Eg8r- Sur moraxs Saure magaysvesda; Tas Mev di . De orläus Sokrates. | 35 Die Sache ſcheint alfo nicht des Aufſehens werth gu ſeyn, welches fie von jeher gemacht bat, und die intereffantefte Seite, von welcher fie. befrachtet werden lann, iſt gemeiniglicy überfehen worden. -Sie hat nehm⸗ lich, wenn wir ung nicht irren, einen entfchiedenen Eins fluß auf Die Bildung der Denkungsart und des Charas cters des Sofrates gehabt. Da feine Zeitgenoſſen glaub⸗ ten, daß die Götter nur durch Vögel, durch anßerordents liche Begebenheiten der Natur, überhaupt nur durch äußere Dbjecte den Menfchen ihren Willen befannt machs ten, fd hielt Sokrates ſich im Gegentheil Überzeugt, dag die Gottheit unmittelbar auf das menſchliche Gemürh wirfe, und er fuchte ihren Einfluß nicht bloß außer ſich fondern auch in feinem Innern, Se näher er fich die Gottheit Dachte, deſto inniger und ausgebreiteter mußte der Einfluß derfelben auf feine Gefinnung und ale Handlungen werden, deſto mehr das moraliſche Gefuͤhl mit dem religiöfen verſchmelzen. Da er unter einen befondern und unmittelbaren Einfluß der Gottheit zu ſte⸗ hen glaubte, und das in dem Alter, wo Einfalt und Reinheit des Herzens noch nicht verloren gegangen iſt, ſo konnte dies die Achtſamkeit auf ſich ſelbſt ſchaͤrfen, und den Entſchluß beleben, ſich der Gottheit durch guten Lebenswandel wohlgefaͤllig zu machen. Es wird nun be⸗ greiflih, wie die delphifhe Infhrift yro$ı waurov ihn in einem fo vorzüglichen Sinne intereffirz ter mie er eine fo wichtige moralifche Bedeutung in dies felbe Hinein legen Fonnte, Cs läßt ſich nun erklären, wie er glauben fonnte, von der Gottheit dazu beſtimmt und berufen zu ſeyn, ſeine Mitbuͤrger auf den Weg der —— Bildung zu —— und wie er bis an fein | ee 2 | Ende — vruysm ‚Io TI Reyovras, awralorzz yyauevo' Tal d ey Tiwos Divyns Dasuzer Treo. GEXOVTI TOV vur, Kay — usTA amade 36 Zweites Hauptſtuͤck. Erſter Abſchnitt⸗ Ende dieſem Rufe mit der bereitwilligſten Aufopferung aller Vortheile und Annehmlichkeiten des Lebens ge⸗ ‚seem blieb *2). Kurz es iſt ſehr wahrſcheinlich, daß die Bildung ſeines Characters und die Richtung ſeines Gei⸗ ſtes zum wenigſten zum Theil von jener geglaubten Eins wirlung der Gottheit abhing, durch ſie geleitet und be⸗ foͤrdert wurde. Aus dieſem Grunde iſt es nicht unwahr⸗ ſcheinlich, was Plutarch berichtet, daß er ein beſon⸗ deres Intereſſe an denen Menſchen fand, welche,wie er, eine Stimme in ihrem Innern zu hoͤren glaubten; und inan begreift, warum er auf Träume einen fo bedensens den Werth legte *). So mie von diefer Seite fein. Charakter. geblle det wurde, fofehlte es ihm auch nicht. an Mitteln zue Kultivirung des Verſtandes. Die beträchtliche Anzahl von Sophiften und ihren Schülern, welche ſich in Athen ſammelten, boten nicht. allein, den begüterten Juͤng⸗ lingen zum wenigſten mittelbar Gelegenheit genug dDary eine Menge von Kenntniſſen ſich zu ſammeln, welche in dem gewoͤhnlichen Unterricht nicht gelehrt wurden, mit neuen Meinungen und Anſichten bekannt zu werden, welche zum Nachdenken reisten. Auch Sofrates hatte ‚mehrmal Sophiften gehört, wenn ung gleich nicht be, fannt ift, moher er das Geld dazu empfing. Er hatte aufferdem auch: nicht. nur Dichter, fondern auch ſelbſt philoſophiſche Schriften geleſen, z. B. von Heraclit RP 15) Plato Apologia Sockatis 8 7, ig. 28, ı4) Plato Apologia- Socratis c. 29. cuo⸗ de Tarö MEOSTETANTOy UmO Ta Yöz MERTTE na Eu KRYTEIWY x EE EvUTVIw® Hal mayTı TEOTW WER TIGE WOTE NY arın Fein melge ayIewma Kay ATIEY TFEATTEN: Zu Sekrates⸗ ee und Unarasgsräg’’) Zudem waren jetzt auch die eigenthuͤmlichen Behauptungen mehrerer Philoſophen in Athen fo verbreitet, daß man fie, auch ohne ihre Schrifs ten in Händen zu haben, fennen lernen fonntee Unftreitig mußte Diefes fehr vortheilhaft für feine Verſtandescultur feyn, und feinem Geiſte eine gemiffe Gemwandheit und Leichtigkeit geben, fih in andere Vom ftelungsarten hinein zu denfen, wobei er um fo mehr gewann, da er ſoviel Selbſtſtaͤndigkeit befaß, daß er nichts ohne Prüfling annahm, noch fich von herrfchens‘ den Vorftellungsarten und dem Modetöne hinreißen ließ. Er ließ fih nicht von andern bilden, fondern bildete ſich durch andere, ohne feine Driginalität zu verlieren. Sein Character gab feinem Geiſte die Richtung; fein Sinn für das Praftifhe beſtimmte die Eigenthümlichkeit feines Geiftes, wodurch fein Handeln, Denfen, und Fühlen in Harmonie fam. Die veligidfe moralifche Stimmung, die- fein Gemüth erhielt, contraftirte mit dem berrfchenden Charaster der Unmoralität und des unfruchtbaren Epeculationggeiftes feines Zeitalter; je mehr fein Geift diefen Widerftreit erblickte, defto mehr wurde feine moralifch veligiöfe Denfart geftärkt, und fein Entfhluß fittlihe Cultur zu verbreiten belebt. | Sokrates hielt fih für berufen, ale Menſchen, sorzüglich diejenigen, mit denen er in-den näheften Berhältniffen Hand, feine Mitbürger über ihre Beftims- mung, und uͤber ihre Pflichten zu belehren, und in ih» nen dag Streben nach Tugend und mahrer Glückfeelig® feit zu erwecken, zu beleben und zu verſtaͤrken. Gein tägliches Gefhäfte war, Jedermann zu ermahnen und, | 3 zu 15) Diogenes Laertius U, 6, au. Platp Phaedo c, 46, 47. Xenephon Memora- bilia Socrat. I, c. 6. $. 14. Plato Brett lus, 3B. S. 231, Bu 38 Zweites Hauptſtuͤck. Erſter Abfchnitt. zu uͤberzeugen, daß der Menſch keine wichtigere Angele⸗ genheit habe, als fuͤr die Ausbildung ſeiner Seele zu ſorgen, und daß man der Tugend alles Andere nachſe⸗ gen muͤße; daB die Volllommenheit des Menſchen nicht aus dem beſtehe, was er beſitzt, ſondern im Gegentheil die Tugend die Quelle alles Guten ſey, deſſen ſich der Menſch erfreue. Er ging den ganzen Tag herum, be⸗ obachtete Das gewoͤhnliche Thun feiner. Mitbürger, uns terredete fih mitihnen, um ihre Denfungsart in Anfes bung ihrer Beftimmung zu erfahren, um fie zur Selbſt⸗ erfenntniß zu bringen, ihren. Dünfel niederzuſchlagen, ihren Eifer für das Gute zu beleben "°). Da Sofrates das Streben nad) Tugend nädft jeder — nuͤtzlichen Thaͤtigkeit fuͤr ſich und andere, als die Be-⸗ ſtimmung des Menſchen betrachtete, und alles Wiſſen nur inſofern ſchaͤtzte, als es mit derſelben in Verbin⸗ DdDung ſtehet, fo fonnte er nicht umhin, alle uͤbrigen Kennt⸗ niſſe fuͤr Tand, Eitelkeit und fuͤr verderbliche Anwen⸗ dung der Kräfte zu halten. Alle diejenigen, welche mit Dünfel über ihr Wiffen angefüllt waren, fanden daher an Sofrates einen natürlichen Gegner; er Demüthigte dem gelehrten Egoismus, der mit Kenntniffen nur darum, pralt, um beiwundert, geehrt oder bezahlt zu mer, den *7). Sein ganzes Leben war einerhabenes Beifpiel der Zus gend. Seine Pflichten zu erfüllen, war fein einziges Beſtre⸗ ben und feine Marime, nie etwag zu thun, wovon er übers zeugt war, Daß es Unrecht ſey. Wenn er feiner moralis ſchen Ueberzeugung folgte, fo berechnete er nie die Fol⸗ gen, Die daraus für — — für * aͤußern Wohl⸗ ſtand — 16) Plato Apologia Socratis c. 17, 18. Sym- pohum C, 37. 17) Plato Apologia Socratisc. 6-9, Sdobrates. 39 ftand entfichen mochten, Diefe Gefinnung war bei ihm, fo zur Sertigfeit geworden, Daß ihm Entbehrungen und Aufopferungen nicht.die geringfie Ueberwindung fofteten, - und die moralifhe. Beherrſchung feiner felbt war ihm fo Seicht, daß feine Neigungen im Bunde mit der Pflicht zu ſtehen fchienen. Heiterkeit und Gleihmuth verließen ihn nie, und er derſchmaͤhete die Annehmlichkeiten deg Lebens nicht, fo leicht er ſie ſich verfügte, wenn es die Pflicht foderte’°), —— | Es iſt empörend für die Menſchheit, daß dieſer dortrefliche Mann als ein Opfer von Cabalen, die in, Demofratien fo gewöhnlich find , dem Gifthecher trinken, mußte (Diympiade 95, 1). Ein Mann, fie Sokrates, der das Recht zur einzigen Richtſchnur feines Handelng, gemacht hatte, und non dem geraden Wege feinen. #... Schritt | 18) Plato, Apologia Socratis u. 14. 6, adınEıy noy To ameıdEıy To Berriayı yay Iew Ay av FE@TO, ÖTI KEROv na IEXEOY E51, oda, mes vr NaAmV, @V Old HT Hana Esıy, “u oda © aysda ‚OT TUYXaVEI, adsmorE Doßzgouaı zös WVeufonage. . Critoc.9. Epifiola VII, 13.8. S. 94, 95. \ Xenophon Me morabilia IV, c, 4. §. 11 suosßßng MEV ETwS, WSE MNDEV avEU Tas Tv Iso . way weeıy, dinzios de, wse Brumrei ‚Kev unds, puingov undeva, wDerev ds Ta uſvisæ Tas Xu - va; Eaurw, eyngarns- ds, ss underors meORIEEIG- Say ro ydıoy avri Ta Bexriovos, Deoviues ds, wos un dıauagravsiv zen@av Ta Lerrtio xy Ta XEIRa, unds anAz meosdeishar. RE aUTaenyg eıyaı Mes TyV TETWV YyWoW' inavoc ds Kaı Aoya EITEIV TE Ray die- eıTasIy Ta Toinura, inævoc de noy ums donıuacay TE xc/ AURETRVOUT«, EEENEYEy s» KU mweoresbasIas EM aesrm Kay KardunyaFiav, 17. Te ds. 40 Zweites Hauptſtuͤck. Erſter Abſchnitt. Schriet abwich mußte ſich nothwendig viele zu Feinden machen, die als ganz andern Triebfedern zu handeln gewohnt waren, Und wenn man die Unruhen und’ Res Holistionen, die defpotifche Regierung der Dreyßiger und das Eittenverderben bedentt / welche Soktates etlebte⸗ ſo muß man ſich noch wundern,’ daß er dis in fein fieb⸗ zigſtes Jahr beinahe ungeſtoͤrt fort wirken fonnte. Da aber felbft die Dreyßiger, die doch alle Nechte det Bürger mit Füßen traten, und alle Menſchlichkeit ver, feugneten, nicht wagten, die Hand an Sokrates zu legen, Der ihnen fo wenig’ ſchmeichelte, daß er vielmeht frei über ihre Ungerechtigfeiten ſprach, und ſich ihren grau⸗ ſamen Befehlen widerſetzte, ſo iſt es um ſo mehr su ver wundern, daß unter der wieder: ertichteten rechtlichen Regierung und’ Freiheit, nad) Stuͤrzung des Deſpotis mus ein Mann, wie Sokrates, ein Opfer von Cabalen ‚werden mußte. Dieſes Phaͤnomen laͤßt ſich wahrſchein— lich daraus erklaͤren daß die. Feinde des Solrates erſt Zeit gewinnen mußten, um fich einen Anhang zu ders ſchaffen, weil dieſer Weiſe von den meiſten Buͤrgern ge⸗ achtet und geliebt wurde; daß fie unter der Regierung Der Dreißiger wohl eine zu unbedeutende Rolle ſpielten, und zu wenig Einfluß Hatten, um fo etwas zu unters nehmen; daß ſie endlich keine guͤnſtigere Zeit zur Ausfuͤh⸗ rung ihres lange entworfenen Plans waͤhlen konnten, als da nach vorhergegangenen großen Zerruͤttungen in den politiſchen Verhaͤltniſſen der Parteigeiſt und die Er⸗ bitterung der Gemuͤther auch nach feſtgeſetzter Amneſtie noch fortdauerte, und das wieder in Beſitz der demokra⸗ tiſchen Verfaſſung geſetzte Volk eiferſuͤchtig auf die Hand⸗ habung ſeiner Rechte und mißtrauiſch gegen jede beſorg⸗ liche — der Verfaſſung war. In dieſem Zeit⸗ punete konnte es nicht ſchwer fallen, dem Privathaß ge⸗ en einen Buͤrger den Schein einer Vorſorge fuͤr das heſte des Staates zu geben. Me . Sokrates. — ar Melitus, Anytus, und Lyco, die beiden letz⸗ ten feile Demagogen, der erſte ein elender Dichter, wa⸗ ren gegen Sokrates aufgebracht, weil er den Duͤnkel und die Anmaßung der Dichter, Redner und Handwer⸗ fer oft gedemuͤthiget und ihr Anſehen gefhmächt hatte. Nachdem diefer ehrwuͤrdige Weife lange genug von ihs hen verläumder, auh von dem Ariftophanes, wie: man glaubt auf ihr Anftiften, auf dem Theater gemißs handelt worden, trat endlich Der erſte mit der förmlis hen Klage hervor: Daß Sokrates ein Staat verbrecher ſey, weil er die Goͤtter, deren Cultus dffentlid ſanctionirt ſey verwerfg, und neue Gottheiten einführen wolle, und der Jugend verderblihe Grundfäge lehre. Ungeachtet dieſe Klagpuncte die bandgreiflichfien Uns mahrheiter enthielten, fo wurde dennoch Sofrateg von den Heliaſten zum Tode verurtheilt, meil er zu groß dachte, als daß er ſich zu den gemeinen niedrigen Mitteln, wo— durch man das Urtheil der Richter zu beftechen pflegte, herablaffen woͤllte. Die Erhabenheit und Würde, mit welcher er im Lewußtfeyn feiner Unfchuld ſprach und anſtatt das Mitleiden der Richter zu erflehen, ihnen ihr re Pflicht einfchärfte, die Geringſchaͤtzung, die er gegen eine kurze von der Gnade anderer Menſchen abhängige Verlängerung des Lebens äußerte ‚ dies war por einem athenienfifchen Gerichtshof; wie der helia fitiche mar, fo etwas Unerhörtes, daß die größere Anzahl von Rich⸗ tern) dag Todesurtheil in Der erfien Aufmwallung des Stolzes und Unmilleng ausſprach *°). Sokrates ftarb mit folcher Heiterfeit und Nuhe, Standhaftigfeit und Serlengröße im vollen Vertrauen anf ein beſſeres fünfs tiges Leben, daß fein Tod, ſo wie fein Leben, ein Beyſpiel menſchlicher Erhabenheit und Würde iſt ?°). | 5 So⸗ 19) Platp Apologia Socratis,c, 2, 3,11,25, 20) Plato Phaedo,c.2. 65 leq. ’ 42 Zweites Hauptſtuͤck. Erſter Abſchnitt. Sokrates war fein eigentlicher Lehrer der Philoſophie, denn dieſes ſtimmte nicht mit dem uͤber⸗ ein, was er fuͤr ſeinen eigentlichen Beruf hielt. Denn der Philofoph, als folder, beſchaͤftiget ſich mit den Vers nunfterfenntniffen, und firebt dieſe auf ihre legten Gründe zurüc zu führen, und in ein Syſtem zu brins gen; und er hat es, als folder, nicht mit. den Menfchen zu thun, fondern mit dem, mas der geſammten Menſch⸗ heit angehoͤret. Sokrates hingegen beſchaͤftigte ſein gan⸗ zes Leben hindurch die Bildung einzelner Men ſchen zur Tugend und Gluͤckſeligkeit; und ob er gleich Dabei nach einem Enftem von Grundfägen vers fuhr, welqhes allen feinen Handlungen und Ueberjzeu⸗ gungen zum Grunde lag, ſo ging doch ſein Streben nicht dahin, dieſes Syſtem wiſſenſchaftlich zu bearbeiten, ſondern die praktiſchen Ueberzeugungen, die er als das Eigenthum jedes Menſchen betrachtete, in jedem, der ihm vorkam, zu entwickeln und lebendig zu maden.*'). Gleich⸗ wohl leiftete er der Philofophie den wichtigffen Dienft und brachte fie in ihrer wiſſenſchaftlichen Cultur, wo nicht unmittelbar doch mittelbar weiter, als irgend eis nem Denker vor ihm durch die ſcharfſinnigſten Specula⸗ tionen möglich gewefen war. Diefes Berdienft in das gehörige Licht zu fegen, iſt dag michtigffe Geſchaͤft des Geſchichtſchreibers der Philoſophie. Wir muͤſſen Das ber das Syftem ſei⸗ ner Ueberäehgungen day fen er) Cicero de Oratore I. c, 47. ut Socrateni -illum folitum dicunt dicere, perfectum Jibi opus e[[e, fi quis fatis eflet concitatus cohor- tatione fua ad ftudium cognofcendae percipiendae- “ que virtutis; quibus enim id perſuaſum eflet, vt nihil mallent fe efle, quam bonos viros, -iis re- liquam facilem elle docuinam. e —8 er — 43 kellen, und dann unterſuchen, welche Nihtung er dem. pbilofop hiſchen Geiſte gab. | Der Menſch/ ſeine moraliſche Natur, ſeine Ver⸗ haͤltniſſe und Beziehungen zur Welt und Gott, dies waren die Gegenfiände, deren Unterfuhung Sokrates für eine des Menſchen mwürdige Beſchaͤftigung hielt. Sein fittliher Charakter und. feine religidfe Denfart be⸗ zeichnete Dem Derftande Die Grenzen, innerhalb welchen er fein Denken befchränfen follte, Der Menſch, als ein Weſen göttlichen Urfprungs, zeigt nur. Dadurch feine Würde, daß er nad Sittlichfeit und Gluͤckſeligkeit firebe und ſelbſt fein Denken fol diefen Zweck haben, damit, er aus eigner. Ueberzeugung feine Pflichten erfülle und feine Gluͤckſeligkeit ſuche ). Diefe Erfenntniß allein, verdient den Namen der Weisheit, und fie iſt allein das hoͤch ſte Sur, meil fie die Glückfeligfeit dei Mens fen gründet, und nie einen nachtheiligen Einfluß, hat. “Sie iſt aber nie.ohne Einfluß auf dad Handeln, wenn fie rechter Art if. Erfennen und Thun ge börtungertrennlih zufammen. . Mer dieſe F kenntniß nicht hat, iſt ein Thor und Sclav, d. h. e hat keine Anſpruͤche auf den Namen eines freie Di, a ZIR: Sofras | — 22) XenophonMemorabiliaßocratisl,;c.r _ $. 16. autos. da mayı Twy avdewremy ac dusktykre — 10 mE TOyaRmy & TAG MEN ELdOTag yYyEı- Tonarss nal ayayas sıyar, TaSÖE ayvo- z2yTaS avdpamodwdsıs av Ihnaiws nu nansYyan 23) Xenophon Memorabilia Socrat. II, 89 94 vodıav ds no owPescumy & dwertev, „aa TOV MEV HAN TE Hy made YuyvWgnovra Xong- Pay auTois, a Toy TA mISXen Eidorm Euraßeıs9oy, — codoy m * ir “ in er “r ‘ 44 Zweites Hauptſtuͤck. Erſter Abſchnit. Sokrates nahm ale Grundſatz an; daß jedes. Wefen,. jede Erkenntniß, wennfiefihnidt auf were des Menfhen beziehen, eine ver. Lehrgeänmwendung des Verſtandes find, und Daß der praftifche Gebraug die Grenze be} ffimme, wieweitman ın Erlernung der Bil fenfhafteng eb en müffe +, Diefes Urtheil, wel; dies die Beſchaͤftigung des Verſtandes einſchraͤnkt, iſt gang dem Sharafter des Sokrates angemeſſen, aber auch zugleich" eine Folge von dem damaligen Zuftande der wiſſenſchaft⸗ lichen Eultur, Nach dem erften fonnfe er fich feine Erkenntniß ohne Beziehung aufeinen Zweck denken, wenn fie fi von einem freien Spiele der Einbildungsfraft a unterſcheiden ſollte. Seine Denkungsart aher beſtimmte ihn dem Zweck der Erkenntniß nur allein auf dag Prak— tiſche zu beziehen. Das zweite gab ihm mehrere Gründe an die Hand, dieſes Urtheil zu unterſtuͤtzen. Denn offenbar war bisher der Hang zu Speculationen zu weit gegangen, und die Erkenntniß desjenigen, was dem Menſchen näher Hidgt, mas feine wichtigſte Angeles genheit ſeyn fol, vernachlaͤßiget worden. Natuͤrlich mußte es einem Mann, wie Sokrates, ungereimt vor⸗ kommen, daß man die Entſtehung der Welt, den Urſtoff Der Dinge zu ergründen ſuche, daß man über die Urs fachen der Naturerfheinungen nachforſche, fo lange die Unterfuhung über den Menfchen und feine Verhältniffe are: — war, Da fie allen Denfern gerug Des ebov rs 1a swheeva ExeIVEV. W, 6 6. Dioge- nesLaert. II, $, 31. 2 | 24) Xenophon Memorabilia Socratis fl, c. 2, IV, c. 7. 9.8. wexei ds TE wDerıux mar. Tas may MUTOS GUVEREGHOME Hy GUVöleEne Tas CU XGI. * c, 5 $ tl, Solrates. — 45 — —* I Dam war ihm: die Ums einigfeit der, ‚fpeculativen Philoſophen, das Wider⸗ ſprechen de und Unverein barliche in ihren Res fultaten ein Beweis, dab fich dieſe Gegenflände gar nicht erkennen laffen. Ohne das BVerflandesoermögen ausgemefjen zu haben, mußfe.er aus Dem Mißlingen der bisherigen Verſuche ſchließen, daß ſie die Grenze des menſchlichen Verſtandes uͤberſchreiten, welche die Gottheit beſtimmt habe, und daher ein frevelhaftes Be⸗ ginnen feyen;. das zu ergründen, mag fi) die Gottheit allein vorbehalten habe **). Gefegt aber auch, dieſe Dinge wären exfennbar, fo iſt doch nicht der, geringſte Nutzen denkbar, den die Menſchen für ihr Leben daraus ziehen können. Ihre Erkenntniß iſt alſo auf jeden 0 er —— und aweqwiguioe 2* | 85) Kehbpkei Memorabilia Socrates L ‚1.61%, 29 mewrov uev aurwy Einbme, Hrorea gu möre vonisabres Inaveög EL, 7’ av E77 wir — erdsvög , "texgorroy errı ra med Tav Talstw) Deovri- dem, n Ta MeV avdewmiva magvres, Ta Ömımovsc DE GHoMayTEs HyayToYy Ta WEOCNHOYVTE meaTTeN, . 86) Xenophonibid: $sa5i. sdxuuafe de; es um Davsgov æuroię ESIV, OTI TAUTa 2.duvarev sy avdew- oIg Eupeiw. . EmWeı #04 TRGS MEYISOV Doovavras erı Ta mei .TaTav Asyaıy, 2 Taura dofalsıv arAn- K015, wa maus MO4VonEvOrg, Ömostes| dtanessFoy meog R Van. 6.6. Aw; ds Twv SPAVIwV ; y Enasa o Scoc X var a beovrusny yuyvasta4 ars. reerer. :&TE 'yapi Eupsra avFewmrog wur" EVohılEv ⸗ ewau, àr ν Faoıs ay Aysıroi mon Onravra, a ersı vor aDytıaas an sharndMear. 27) Xenoplion Memorabilia 1, — 8. 15 46 Zweites Hauptſtuͤck. Erſter Abſchnitt. Daher verwarf er alle phyſikaiſchen und me Kapbofifhen Unterfuhungen ſchlechthin; das Studium der Geometrie und Aſtronomie ſchraͤnkte er auf die unmittelbare Anwendung zu nüglichen Zwecken des Lebens ein. Die Geometrie, meinte er, muͤſſe than nur dazu lernen, um ein Stuͤck Land ansmefjer zu - ‚ können, und das laffe fi praktiſch mit leichter Mühe - fernen.” Aber woju es nügen folle, ſchwere geometriſche Conſtruttionen zu unterſuchen, mit denen man ſich oft fein ganzes Leben hindurch beſchaͤftigen koͤnne, das fey ihm ganz unbegreiflich. Die Sternkunde ſey uns inſofern nuͤtzlich, als man durch ſie die verſchiedenen Theile des Tages, der Naht, des Monats und die Jahrszeiten unterfcheiden könne, eine Kenntniß, welche für die Schiffarth, den Ackerbau und noch für mehrere “ Gewerbe und Gefchäfte des Lebens unentbehrlich fey. Als fein es fey unnäg und zwecklos, den Abftand der Planes ten und Firfterne von einander, ihre Umlaufszeit, ihre " Bahnen und Bevegungsgefege erforfchen zu wollen. Die Befchäftigung mit ſolchen Dingen habe noch uͤberdies den Schaden, daß fie von nüglicher Thaͤtigkeit abhalte °*). Te ' Be a5 — So ag) Xenophon Memorablia Socratis IV, 6,7. Hindenburg in feinen vortrefflichen Anmer: ungen zu diefem Werke glaubt: Kenophon habe hier feinen Lehrer nicht recht. verftanden, wenn er ihn mit ſolcher Geringſchaͤtzung von den mathematijchen und Naturwiſſenſchaften fprechen lafle; Sokrates habe nur das getadelt, daß man mit Hintanfekung der wid); tigſten moralifchen Erkenntniß bloß allein der Specula: tion ſich ergebe. Denn daß Sofrares, . der felbft nach Keno phons und Platos Geftändniß (Xeno- phonl.c, Plato Phaedo c. 45, 46.) ein Kenner diefer Wiſſenſchaften war, fo follte geurtheiit haben, + Sokrates. | 47 So beſtimmite alfo Sokrates den Umfang des Ver⸗ ſtandesgebrauchs, indem er auf der einen Seite Diejes nigen Gegenftände, welche über den Menſchen oder mit andern Worten nicht erkennbar find, auf der andern Seite diejenigen ausfchloß, deren Erkenntniß, wenn fle moͤglich iſt, doch in feiner Beziehung auf einen vernünftie , gen Zweck flehet, oder unter der Würde des Menfhen find. Ale Erkenntniß, melche des Mens ſchen mürdig ift, ſchraͤnkt ſich alfo auf das Praktiſche ein, Durch welche erfittlich gut und gluͤckſe— Tigwerden, und feine Beſtimmung erreichen fann. DIR ift eine Wiſſenſchaft, welche von jedem Men⸗ haben, laſſe ſich nicht denken, aber wohl, daß Zen o⸗ phon, der darin unwiſſend war, Sokrates Aus: ſpruͤche nach ſeiner Denkungsart gedeutet und dargeſtellt habe. Allein ſelbſt Plato ſcheint in dem Phaͤdo Kenophons Zeugnif zu unterftüßen, wenn er So—⸗ frates fagen läßt: er habe außerordentliche Neigung zur Naturwifienfchaft gehabt, aber je weiter er darin fortgefchritten fey, deſto mehr fey er überzeugt worden, daß er dazu gar keine Fähigkeiten befige, denn auch das, was er vorher deutlich einzufehen geglaubt: habe, fey ihm durch weiteres Wordringen in der Speculation dunfel und ungewiß geworden. Es ift auch unläugbar, daß er nicht im geringften das Jñtereſſe für die Mather matif-bei feinen Schälern_ zw erwecken und zu beleben " gefucht Hat, vielmehr führen die meiften, Plato ausge: nommen ,. diefelbe Sprache,,. daf die praftifche Philofo: phie die Sphäre des für den Meenfchen Erfennbaren begrenze, und daß alles übrige Aber den-Menfchen er: Haben oder in feinem: Verhaͤltniß zu feiner Beftimmung ſtehe. Es läßt ſich taum denken, wie eine folhe&leich: guͤltigkeit Denkart der Sokratiker haͤtte werden koͤnnen, wenn ſie nicht Sokrates anne haͤtte. 48 Amtes Hauptſtͤc. Erfiee Aofnict: Denn Rechtthun allein macht den Menfher Li Menſchen gefodert werden kann, wenn er auf Bildung Anſpruch machen fann. Es giebt nad andere nuͤtzliche Kenntniſſe und Gefchicklichfeiten; aber dieſe Wiffenfchaft muß vorausgehen, weil fonft die Menſchen mehr Made und Mittel zur Ungerechtigfeit erlangen °*). Dagjenige, was. das hoͤchſte Intereſſe für ben Mens {hen haben, und tworauf fein höchites Streben gehen muß, iſt Slüctfeligfeit (sumgzkıa). Darunter iſt aber nicht die Befriedigung folder Wuͤnſche und Bes duͤrfniſſe gu verfichen, zu welcher dee Menſch nichts bey⸗ trägt, ſondern die Ihm vom.glüclichen Zufalle dargebo—⸗ ten wird; (ivruxso), Auch ift fie nicht ein Inbegriff von Gütern, welche der, Menich ohne fein Zuchun bes figt , von feiner Sreiheit unabhängig find, und eben fo gut zu feinem Nachtheile beitragen fönnen, ale Schöns heit, Stärke, Reichthum, Macht und Ehre Die Gluͤckſeligkeit iftim Gegentheil nichts anders, ald das Streben des Menſchen nach eigner Ueberzeugung recht und gut zu handeln; fie ift die Erfüllung aller Pflichten. zu 59) Sextes Empiricus adverfüs Mäthe- maticos VII, $. 8. ersny 6 Zsvodwr — eurws Onon amagversdoy aurov ro Dudindv, WI VmeR nung nutasnnos, zal.monov Exohalem Ta nFına; wg Treog Auæc oyrı. razTev Öaurov ode ay Tıuwv, dv og, Dyaw in O'apa Tod anfennıvs Aaohöss Evomortuns. Xenophon Memorab,Socrat: F, c. 1. IV, c. 2. $. 22, $.16,; IV, c, 5. To Mey zu Asktınag, no TERKTIHRG na wanna yuyvastu Te Wuvovrag un sameudev, az: meorseovı ar WETE Nonvas cwdessvynv aurös syysvesty. Tas yap avsu TE co- Obovei TAuTA duvausvagı adınwrsgaz TE Kay duva- TWTEREE ARKEgyeıv cvouiey eivc. nr . [} os Sorte. 49 fu dem beſten, glüdfeligfien, Gott und Men⸗ ſchen wohlgefaͤlligen Menfden ’). So krates hielt alſo Sittlichkeit und Gluüͤck— ſeli gkeit, zum wenigſten eine Art derſelben, für iden⸗ tiſch, eine Verwechſelung, welche um ſo leichter war, da der Begriff und die Bedingung von beiden noch ſo wenig erörtert und unterſucht war, und Sokrates hier aur fein Gefühl entwickelte, in welchem beide wirklich vereiniger und verihmolzen waren. Denn er ging von ber Srage aus: wo rauf muß zuletzt alles Stra ben des Menſchen Hinzielen; mas iſt das, mag der Menfch als vernünftiges Wefen Durch eigne Thätigs keit wirklich zu machen ſucht. Sittlichkeit und Sluͤckſeligkeit, war die Antwort, welche ihm ſein inneres Gefuͤhl darbot. Beides wurde in dem Begriff des hoͤchſten Gutes nicht als miteinander verbunden, fondern als Gegenſtand des hoͤchſten Strebens als Eing dargeftellt. Erſt ſpaͤter wurde die Unterſuchung des Vers haͤltniſſes zwiſchen beiden Gegenftand der Nachfors (dung. Auch mußte diefe Jdentificirung beider Gorderungen, ehe noch Die verfchiedenen Quellen, aug weichen beide entfpringen, entdeckt waren, für einen Mann, wie Sokrates, der nichts ſo eifrig münfchte, als _ Sittlichkeit unter feinen Zeitgenoffen zu verbreiten; \ als 30) Xenophon MemorabiliaSocrat. IV,c.2, 6. 34. sunduveve, &DN» w Zwngarss avauDiroyu- TærTov ayadov eıvay To Eudasmovesv. erys m TIs au ro, 8PDn, w Eududyus, sE auPiroywd ayaywy auy- vı$ein, III, c. 9. 9. 14. nearısev andgı emırndeu- "ua sumen: av. — May MEV EV TEVAYTIOV TUXN® wu menfıv nyauy. To uEV yup un (yravra EwiTu- XV TEN TWV ÖHOyTWwV, BUTUXLaV olay esyoy’ TO dR Matoyra TI no WENSTHEAVTa BU molsy, sumgafıan. von, | | | Sennemanns @efchichte des Philoſophie IT. Cpl. D * *0 Zweites Hauptſtuck. Erſter Abſchnitt. als ein zweckmaͤßiges Mittel zur Befoͤrderung dieſes Zwecks erſcheinen. Denn nun durfte er um ſo eher Aufmerkſamkeit und Gehör erwarten, wenn er zeigte, dag Gluͤckſeligkeit, worauf jedes Menſchen Neigung ohnehin gehet, wenn man "fie richtig ſich Denke, nichts anders als Sittlichkeit ſey. Daher pflegte er auch diejenigen zu verwuͤnſchen , welche zuerſt anges fangen hätten, das, mad von Natur zufammengehöter zu trennen, und zwiſchen dem, was Recht ſeh / Ad mas zum Wohſeyn des Menſchen gehöre, zu unterſche i⸗ ven’). 00.0 ee Das Verhaͤltniß, im welchem Sittlichkeit und Religion damals gedacht wurde, mußte ebenfalls beitragen, Glückfeligfeit und Sittlichfeit ald Eines und daffelbe gu betrachten. Die Vernunft als gefeßgebens de Kraft des Menſchem aͤußerte fich zwar immer durch dag moralifche Gefühl; aber fie wurde doch nicht als das Geſetzgebende, fondern nur als dag Gefes gerfündende angefehen. ' Man fonnte fih fein Ge⸗ feg denfen, ohne einen Gefezgeber, und nicht be⸗ greifen, wie die Vernunft ſich ſelbſt ein Geſetz geben fönne. Man leitete alſo die ſittlichen Gebote von Gott ab, und ſetzte ihre Guͤltigkeit in der Abhängig‘ teit und Vertvandfchajt der vernünftigen Wefen mit dem Urheber des Geſetzes. Die Seele iſt nehmlich ein Ausflug ang der Gottheit, beftimmt, eben den Grad von Wärde und Seligfeit zu erreichen. Die Selig— keit ift unzertrennlich von der Bollfommenheit, oder es iff vielmehr die Vollkommenheit ſelbſt in Beziehung auf dag Subject; der Zuftand ungehin— derter Thaͤtigkeit eines Weſens, welches nur | Ä + aß 31) Cicero Officiorum IH; e.3. itaqur accepimus So- cratem exfecrari fölitum eos, qui primum haec (bonefum, vtile) natura cohaerentia, opinione diftraxifeut, ER | = ’ 9 Sobrates. — 51 alien don ha — abhängig; und defken | Kirtungeninvollfommenflen Harmonie fies - bem Die Aehnlichwerdung mit Gott, welche von Pythagoras. als die Beſtimmung des Menſchen ans geſehen wurde, ſchloß alſo das Streben nach hoͤchſter Volikommenheit und davon unzertrennlicher Seligfeit in fh. Auch Sofrates gründete, wie wir in der folge febeh werden, die Moral auf die Religion, und ftellte als das höchfte Ziel alles. menſchlichen Beſtrebens die hoͤchſte Vollkommenheit der Gottheit auf ‚ welche Heiligfeitund Seligfeitin ſich faßt, und : beide konnten daher nur als Eins gedacht werden, Hieraus ergeben fih die D. unkte, auf weiche wir bei Darftellung des Moralipieus des Sofrätes vorzüg— lich Ruͤckſicht nehmen muͤſſen. Eigentlich beſchaͤftigte ſich Sokrates mit der Auwendung der Sitten⸗ lehre auf individuelle Verhaͤltniſſe und einzelne Perſo⸗ nen, und inſofern kann man nicht ſagen, daß er ein wirkliches Syſtem der Moral aufgeſtellt habe oder auch nur aufſtellen wollen. Dies war nicht ſein Zweck. Die beſondern Betrachtungen über einzelue Pflichten, und ihre Bewegungsgruͤnde geheren. auch nicht in die Ges ſchichte der Philoſophie, ſondern nur die Idee des Sy⸗ ſtems, welches dieſen Vetrachtungen zum Grunde liegt, die Principien, die in ihnen, wenn auch nicht vollfäns dig entwickelt, enthalten find, Diefe betreffen das Dbject des Willens; das Geſetz, welches days aus entſpringt, den Begriff der Tugend, und end⸗ lich den Grund der Guͤltigkeit und Verbind— lichkeit des Sittengeſetzes, welches in dem Ber haͤltniß der vernünftigen Wefen gu Gott befteher, Sıädfeligkeit it das hoͤchſte Fieı des Mein (dei, Diefe beſteht aber nicht in der Befriedigung der Begierden;/ denn dieſe hängt, von Außerh Dingen db; ſondern vielmehr in der Unabhängigfeit von diejen, alſo in, dem Zuſtande, worin. man fo wenig als Di Tan. : Di. PER / + * * 52 Zweites Hauptſtuͤk. Erſter Abſchnitt. moͤglich Bedurfnifſe | dat So denken wir une 3 die Gottheit, und derjenige Zuftand, welcher dieſem am näheften kommt, if die hoͤch ſte Vollkommen⸗ heit für den Meuſchen »2), Dieſes iſt nur die negas tive Beflimmung der Gtückfeligfeit. Die pofitive raͤndet fich in der Natur des Weſens, welches diefe Wluͤckſeligkeit erreichen folle. Da dieſes die vernuͤnfti⸗ gen Weſen find, und die Vernunft fi durch Denken und Wollen aͤuhert, das Denken aber nicht an ſich Zweck iſt/ ſo muß die Gluͤckſeligkeit in Dem Handeln gefucht werden, infofern es dur Vernunft bes fimmtih. Die Form, wodurch ſich daſſelbe charakte⸗ rifirt, läßt ſich aber, ſo lange nicht das Geſetz und die Rom freier Handlungen deutlich entwickelt iſt, nicht näher beſtimmen, als durch das Merkmal der Vernunft⸗ maͤßigkeit, d. h. der hoͤchſten gedenfbaren Zweckm aͤ⸗ ßigkeit, Uebereinſtimmung "und Harmonie untereinander, Was diefen Charakter an ſich hat, erfennt die Vernunft aus theorerifchem Intereſſe für gut und vollkommen. Das Object des Willens if alfo das Gute, dag Befte, was zu allen Zeiten un: ter allen Umfänden gut und nuͤtzlich if »*25. Ungeachtet Sokrates nie beftimmt ſich erklärt; worin er das hochſte Gut ſetzt, ſo ergiebt ſich doch als Reſultat aus mehreren zerſtreueten Gedanken, daß er die Gluͤck⸗ feligfeit verſtand, welche die größte Summe von dauerhaften Vergnügen eines vernuͤnftigen Weſens in ſich begreift, Fein Zuftand if, worin ſich der Menſch —— — | blog 50) Xenophon Mämoribilia Socratie], c, 10, 8; 6. dyw ds voriew ro ar" undevas Seısyas "Seiv mar ro bE 6 An ıswv, eYYuTarıv v2 Has. u ro wer Priövı ngatisov, mode eyyls rATu Tæ Ira, «yYv rarı ra nearıca 35) Xenophon Memora bih’$hcratis IV, c, 3, 6. 30, 34, Oeconomitus c. 1,6. Sokrates. rer 53 Bios leidend verhält, fondern top feine Vernunft durch Selbſtthaͤtigkeit wirkſam iſt, und ſich ſelbſt dadurch den hoͤchſten Genuß verſchaft, oder mit einem Wort, m or q⸗ liſche Gluͤckſeligkeit. Er denket ſich ein vernünftiges Weſen, welches den hoͤchſten Grad der Vollkommenheit erreicht Hat, und deſſen Handlungen mit ſich und mit dem Zuftande Des Handelnden übereinftimmen, ein Wefen, wels ches feinen andern Wunſch hat, als ſo zu handeln, wie es ſon, und welches darin vollkommen Seligkeit findet. So conſequent uͤbrigens Sokrates nach ſittlichen Maximen handelte, ſo wenig conſequent iſt dieſer Grund⸗ ſatz mit ſeinen Folgerungen und Anwendungen. ‚Man vermißt hier. noch den feſten Gang, einer nach Principien verfahrenden Vernunft. Das hoͤchſie Gut iſt nehmlich nach demſelben aus zwey heterogenen Beſtandtheilen zuſammengeſetzt, deren Vereinigung nicht ſogleich ein⸗ leuchtet. Wenn angenommen wird, daß das fittliqe Handeln unmittelbar Gluͤckſeligkeit zur Fol— ge bat, ſo paßt dieſes nicht auf die menſchliche Natur, welche ſich ſelbſt nicht genug iſt, und noch andere Be⸗ duͤrfniſſe hat, die befriediget werden muͤſſen. Soll das Vergnuͤgen, welches aus ſittlichen Handlungen ents ſpringt, vollfommen und wirklich beſeligend ſeyn fo muͤßte der Menſch erſtlich Fein ſinnliches Weſen ſeyny, und zweitend- dem Sittengeſetz vollkommen angemeffen ſeyn können, Beides ift aber eine unmögliche Voraus⸗ fegung. In eben dem Verhaͤltniß, als die firtiiche Ge finnung an Reinheit, Stärke und Umfang zunimmt, in eben dem DBerhältniffe. erblickt auch der Menſch einen, gebßern Abſtand zwiſchen dem, was er ſeyn ſoll. Und was die Hauptſache ift, dag Verhaͤltniß zwiſchen beiden iſt nicht beſtimmt, und man mag das eine oder das an, dere fubordiniren, fo entfpringen jederzeit Widerſpruͤche. Wenn man Gluͤckſeligkeit als den letzten 3weck betrachtet, fo iſt Sittlichkeit als Mittel demſelben untergeordnet. Dieſes fireitet aber nicht allein — D 3 mit 54 Zweites Haupefiid, Erſter Abſchnitt. mit der Würde der Sittlichkeit, ſondern auch ſelbſt mit den Maximen, welche Sokrates befolgt Hat. Iſt aber Glüdfeligkeit dee Sittlichkeituntergeord⸗ net, ſo fieher man nicht ein, mie die Glückfeligteit dennoch als das letzte Ziel alles menſchlichen Beſtrebens aufges ſtellt werden koͤnne. Es iſt klar, daß Sokrates die" beiden mu gen der finnlichen Natur und der Freiheit vor Angen ‚hatte, daß er zuerſt anfing, uͤber ſie zu reflectiren, aber "Daß er, was fehr natürlich iſt, ohne beide von einan— der gehoͤrig unterſchieden, und bis auf ihre legten Grüms de unterfuht zu haben, beide zu einem Ganzen verel⸗ nigte, welches zu einem nudaͤmomſtiſchen und einem rein practiſchen Spftem eben ‚PD aut paßt, Und daraus “erklärt eg fi, wie Saͤtze un Sokrattſchen vorkommen koͤnnen, welche bald dieſen bald jenen “Inn sulaffen, Denn das ſittliche Gefühl’ wel⸗ ches Sokrates zuerſt zu entwickeln anfing, ſcheint ſelbſt dem allgemeinen Wunſche der menſchlichen Natur nach Gluͤckſeligkeit anzugchören, indem es als Erfolg von Beobachtung äußerer Pflichten ein angenehmes Gefuͤhl und das Wohlgeſallen Gottes, anderer Menſchen und unſer ſelbſt darſtellt, und fo lange es von dieſer Seite bloß angeſehen wird, zeiget es Nichte Eigehthümliches, von andern Gefühlen verſchiedenes. Dieſe Anſicht hatte nun auch Sokrates. Er zeigte, daß ſchon die Hof—⸗ nung einen Zweck, wenn’er auch noch ſo gering fen, ji erreichen, alle Arbeit und Mühe, die man darauf weis det, verſuͤße; noch weit mehr müffe dag Streben nach großen Zwecken die menſchliche Gluͤckſeligkeit ' vermehs ‚gen. Diejenigen, welde mit allem Eifer dahin arbeites ten, daß fie Seele und Körper vollkommen ausbildeten / um ihren Haushalt wohl zu verwalten , ihren Freunden wohl zu thun, und fi un das Vaterland verdient zu machen, müßten daher nicht allein mit Luft dahin arbei⸗ ten, ſondern auch, als Gegenſtand eigner Zufriedenheit, der Folgerungen unter’ den der. Bilfigung und Nacheiferung Anderer, ein hoͤchſt glücffeliges ‚Leben führen; .’%). Hierzu gefellet fih noch das Gefühl der Freiheit, daß man unabhängig von Außern Antrieben und. Neisungen ſelbſt mit Widers fegung. gegen fremde Hinderniffe als ſelbſtſtaͤndi⸗ ges Weſen gehandelt hat’. Auch das Bewußts feya, daß man Gott. wohlgefälig, fen, von ihm. mit Zuvexficht: ‚alles Gute erwarten fönne, vermehre die, Glädfeligfeit des Menſchen »6),. Mit dieſem Vergnuͤgen, welches aus der Erfuͤllung der Pflichten entſpringt, ver⸗ band Sokrates auch noch andere angenehme Gefuͤhle gan; anderer Art, welche nicht aus der Handelsweiſe ſondern aus ‘dem Object des Begehrens entſtehen, 3; B. daß Das Vergnuͤgen des Genuſſes ſteigt, wenn man ſich die augenblickliche Befriedigung jeder Begierde ver⸗ ſagt, und dadurch das Beduͤrfniß erhöht 7) | ae D4 a Die 54) Xenophon, Me morabilia Socrat, I, M u 8. 19. Tasds movavras, nα ayatas ara | Wr, n ws Ex dgzs KEIRWEWVTay, N ivadusaror YEVOLLEVOL Hay TI GWpacı ni Tas Wuxaıs, ng Tov. ERUTWU OIKOV Az MuG Bunwol, Amı TS Dinzs Eu molwat, Au Tnu MaTeıdn EUEEYETWEI, WG & ws Xen Tara Hg maveıy Nds Ei; Ta TOMUTu na Cuy eu-, Dexıvousvas; wyapsveg uer Enuraz, Emameusvas. . 85 a Onhamevas vmo Ton adwr;, 1. € 6. $. 9. 55) Xewophon Memorabilia Socrat. H, c. 2... 18: 5, IV. c. 5. $. 23 . bei. 56).. Xenophon, Memorabilia Socrat. un, E. 9. 9. 15. IV, c. 3. 8. 37 3m Xenophon Memprahilia Socrat, IV,'c, 5 8.9.78 EyHgaTEIE MAUTWV uadısa ndesty was. Sun angacix EX Ewa nn ETE Auoy,.ET8 —2 — 56 Zweites Hauptſtuͤck. Etſter Abſchnitt. Die Bewegungsgründe, 'wodurch Sokr a⸗ tes zur Tugend ermahnte, waren dieſem Grundſatz vor dem höchften Gute angemeffen, und zielten alle darauf ab, das Verhältniß der Tugend zur hoͤhern Gluͤckſelig⸗ keit einleuchtend zu machen. Der Adel und Vorzug. Des Menfhen vor den Thieren, melden der Menſch Durch Tugend erlange,. das edele Bergnügen, wels ches fie gewähre, die Vortheile, die ein moralifcher: Lebenswandel über alle Berhältniffe und Gefchäfte des Lebens verbreite; der Beifall, die Billigung,und Liebe guter Menfchen, die Allgegenwart und. Alls wiffenheit Gottes, und das Wohlgefallen dep‘ felben an dem Guten, fo mie das Mißfallen an dem Boͤſen, die Häßlichkeit und Schädlichkeit des Laſters; dies waren die Gründe, durch welche Sokra⸗ tes auf den Willen der Menfchen zu wirken fuchte ?°), : Das Geſetz, welches fih aus diefer Beſtimmung des höchften Zwecks für dem Willen ergiebt, kann fein anderes ſeyn, als denſelben wirklich zu mahhen. Hanud⸗ le vollfommen, oder ſuche das Beſte wirklich: zu mahen. Diefe Formel it unbeſtimmt; fie ift auch nirgends ausführlih vom Sofrates entwickelt wor⸗ den; fie fann aber nad) ihm feinen andern Sinn haben, algden : handle ſittlich, um glädfelig gu wer; den. Nur durch diefe Beſtimmung konnte jener Grund⸗ * dnba⸗ —X— — are — —XR— Avaynalora —— Morg ToIsEa Na Tepe Ta SIENWEYA, uovn way ndssYas oies uelws vn HS EI Toic SIENMEVOIS, 58) Xenophon Memorabilia Socrat.V, c. 5 $. 11, 11, c. 1, $. 5: 18 —20. 111, c, 9 $, 15 I,c, 20,51% 2 faß Bedeutung und Anwendung auf das wirkliche Hans Deln erhalten, weil außerdem jedem Menſchen überlafs fen werden mußte, was er zn feiner Vollkommenheit rechne, und. nad) feiner individuellen Natut für fein Beites erkenne. Aber Sokrates mi nicht, daB man Slückfeligfeit, durch jedes Mittel zu erreichen fuchen folle, fondern nur allein durch Rechthandeln. Daher iff die. moralifhe Gluͤckſeligkeit, das heißt, Dies jenige, welche ſich auf fittlihes Handeln gründet ‚ bei welcher die Sittlihfeit die conditie fine qua non iſt, Das Fundament feines Moralſyſtems. Damit.diefes Gefeg ausgeuͤbt werde‘, bedarf es weiter nichts, als daß es erfannt werde. “Jeder Mensch, derfein wahres Beftes tennt, ſucht auch diefes wirflih zu machen, und er iſt nur in fofern weife, als die Erkenntniß und Die Wirls - lichmachung des Guten bei ibm ungertrenm lich verbunden if. Er verleugnete den Charafter der Vernunft, wenn er gegen dieſe Ueberzeugung handelte, oder die Erkenntniß müßte nicht wirkfam feyn. In beie den Zällen würde der Menfh als ein Wahnfinnis ger und Thor handeln »e). Sokrates fegt vom . . ; Zr % D 5 aus 39) Xenophon Memorabilia Socrat. III, c. 9.6. 4. codıav de nu swPgorumm & dumgigev, ade Tov Ta MEV Ha TE Hy ayada YıyyWsnovra Ken do aures, nu Toy Ta weygumdora sürußsıs- Ya voDev rs nuy —RR engıvav. MLOESEWTWULEVOg de, e Tag SmISausvas sv d ds MEaTTEIV, mosvTag ds Tavayrın, 0oDas TE nay Syngmrsig Bivay vonlor rꝛdey ve ndov, Pr, n acodas TE any auaden. mayras ya 0104 Fe he Ted sag eu TaV rüsxousvwv, & ösev Ta eupdogwWrara MUTdig SIval, TauTra MearTEei. — Maar unv vayrioy MEY, Dr Eihoy voPdıa. 55: Zweites Hauptſtuͤck. ’ Erfter Abſchnitt. aus, daß der Wille das Vermoͤgen fen, fi zu dem iu entfhließen, mas das Beftefey, und daß die Vernunft, wenn fie das erfannt hat, einen unmit telbaren praftifhen. Einfluß” hat." Er fegt voraus, daß das Sittengeſetz ein Natutgeſetz des menſchlichen Geiſtes iſt, daß es, unzeachtet es einzelnen Neigungen und Begierden Abbruch thut, dennoch nichts anders iſt, als das durch die Vernunft modificitte Bes gehrungsvermogen. a, ME Ä Die Tugend ift demnach überhaupt nichts anders ale _Meishert (ooria) „das heiße, die lebendige. und in Handlung übergehende Erfenntniß des Beften oder Die Erfenntniß deffen, was man hun und nicht thunmuß, um glüdfes * fig zufenn‘%). Diefe Erfenntniß ift der Grund jes der guter Handlung ‚ welche zuletzt auf Erfeiintneß bes rubet. . "Die Tugend äußent ſich aber vorzüglich durch Mäbigkeit, Gerechtigkeit und Tapferkeit, welche ebenfalls Tugenden heißen, weil fie Theile des. poffommenen Menſchencharakters find. | " Die Mäkigfeit (eyrearem) iſt der Grund je der Tugend. Denn mer fein wahres Befte erfennem. und darnach handeln will, darf fein Sklav feiner Bes gierden und Leidenſchaften ſeyn, welche die Vernunft vyrblenden / und die Freihtit rauben / nach feiher befien m ie #3 Ueber⸗ 40) Xenophon Memorabilia Socrat, III, © 9. $& 5 sDn da au Tav. dizmoaurgy n04 TrV av masuv agsrav vodıav Eivas. Ta ds yag Omas naymav- Ta, 0Ga.mp5TN MEATTETAN NaNa TE AU ya Eva uzı.at' 0y Tag TaUTaEIboTas ae avrı Taran adev . MEOENESI a, gTä Tas. eris æusvraæc, duvassaı FEAT. 8... TEN ANNE na ERV, EYXEILWEH » AMAETAUEIN.. ‚Ari- ftoreles Ethicor, ad Nicomach, IV.c. 15. DEE En? N 97 Po Beer 59 ————— Das Angenehme was den Sinnen ſchmeichelt, iſt darum nicht ein wirtliches Gut, der Hang nach demſelben iſt vielmehr. das groͤßte Hin⸗ Derniß der Gluͤckſeligkeit, weil er die Freiheit des Ger ſtes aufhebet. Man muß alſo feine Begierden beherr⸗ {den und mahigen / damit die Vernunft immer unge⸗ 2* ihren Beftimmienden Einfluß auf das Leben äuße» ge, und vorſchreiben kann, was geſchehen und unter Aßen werden Toll; "damit: der Menſch vernuͤuftige Zwe⸗ de: faßen und ausfuͤhren könne)’ feine Wuͤrde behaupte, und nie zum Thier ſich erniedrige uUnter dieſer Bo Pingung‘ attein Yanıt er aut Und gthetfelig fen m, u Die —* —— —*8 iſt dad —* Ber tragen in Auſehumg deſſen / was dem Menſchen furcht, “bar iſt, daß er den Muth nicht verliere und ſtandhaft Key dem erkannten Gute beharre. Dieſe Tugend erfor⸗ dert aber ‚igtige Einfi ve über: ‚dab; font furchtbar und 3a —— weiße dag — —5— ſind De r tapfer A Er = ya Ban 13 4232 4) Xenophon Memorabilia Socrat, I. c. 5. $. 4. apa Je 8 xpn mavT2 avdex Nyncangvov mv yet up va erde Tanr ewroy ev 7 Yuxa yaradrsvagasdzı; : ris Yap aysu Taurns 2) uado vı as dyadov.n verntrsereV aFloröyr TV. €, 4,8: 6. ‚u dones coı (H anganın) TEOCExEy TE Tor wdrr xca netauavFavev KUTE KWAUEIN, —XRX mi Ta EIYEH OT; —XRXRX asFavonerss TWwV ya Fmy ‚TE Ak Toy MOLIy TE TO Kara. ar T& — —R Verglichen, U,.c, A 60. Zweites Hauptſtuͤck, Erſter Abſchnitt. — tapfer zu nennen. Jene Erkenntniß iſt alſo das Weſen und der Grund Der Tapferkeit *°). Gerechtigkeit (dimauosumm) ift die Beoba ch⸗ dung. ber Gefege, fo wohl der bürgerliben als der. göttlihen*Y. Der Gehorfam gegen die bürgerlichen. Gefege befördert Das gemeine Beſte des⸗ Staats, und die Yrivatgluͤckſeligkeit; ‚denn Einigkeit und Eintracht der Bürger unter. einander ift die Baſis des Öffentlichen. Wohle; und fie ift nur dadurch möglich, daß fi alle den Geſetzen des Staats unterwerfen. . Der Bürger ‚; welcher feine. Bürgerpflicht erfuͤllt, ſetzt ſich feiner Strafe aus, kann ſicher feyn, Leinen: Proceß zu verlieren, erwirbt ſich allgemeine Hochachtung, Ehre, Liebe und Zutrauen. Keinen vertraut. der Staat lies ber Staatsämter an; felbft der Feind ehret feine. Treue und Redlichkeit durch fein Zutrauen bei öffentlichen Ders bandlungen und Verträgen. Keinem erweiſt man lieber ' Wohlthaten, als dem Gerechtigkeitsliebenden, auf deſſen Dankbartkeit man ficher rechnen darf, Jedermann ſucht ſeine Freundſchaft und fuͤrchtet ſich vor ſeiner Feind⸗ ſchaft **). Da dieſe Sefege das Defte des Staats und der ein⸗ | gelnen Bürger zum Zmede haben, fo ift die Befolgung derfelben in eben dieſer Abficht Gerechtigkeit. Dar aus folgt, daß eine und DICHeene Hands lung. 42) Xenophon Memorabi lia — IV. c. 6. $. 10. 11.4 uEV apa emisausvo To Ösiwoig TR 3 Ma ETIMUVÖDVOG narwg Eiche 43) Xenophon Memorabilia Socrat.IV,c. 4 $. 11. ſeq. To vouınov dinascy, $. 19. 44) Xenophon Memorabilia Hocrat. IV. c. 4. 5. 16 — 19. Soktates. Me fung nah Verfhiedenheit der Umflände, der Perfonen, von und gegen welde fie ausgeübt wird, gerecht oder ungerecht ſeyn kann. So ift es nicht abfolut ungereht, wenn man Je⸗ Mahden belügt, beträgt, befchädiger, fondern es kommt anf Die Abſicht und die Perfonen an. Wenn ed unge recht ift, fo gegen feine Freunde zu handeln, fo if es nicht unrecht fondern erlaubt gegen Feinde. Es ift eben fo wenig Unrecht, wenn man einem Freunde, der ſich entleiben will, das Mordgewehr heimlich wegnimmt, als wenn man einem Kinde, das nicht gerne Arznei nimmt, weiß macht, es fen fein'gemöhnliches Getränke, ‚ Seinen Freunden Gutes thun, feinen Seinden fchaden ſind erlaubte Zwecke, und was dazu führet, muß daher auch erlaubt ſeyn **). Es giebt aber auch noch andere Geſetze, welcha al gemein dafür anerkannt werden, ob fie gleich im Beinem : Stäate peomulgiret find, (aygaPos vono) 4.3. die Gdtter zu verehren, die Eltern zuehren, daß fih Eltern und Kinder nie fleiſchlich vermifchen, daß man danfbar gegen Wohl thater ſeyn muͤſſe. Diefe Gefege können nicht bon Menſchen herruͤhren, da ſie weder alle an einem Orte zuſanimen kommen, noch ſich einſtimmig zu etwas dereinigen konnen. Vielmehr zeiget die Strafe, welche auf die Uebertretung jedes dieſer Geſetze unausbleiblich folget, daß. fie. einen hoͤhern, nehmlich einen görtlis hen Urfprung haben. So ift die natürliche Strafe des Undanks, daß man feine en verliert, „und ſelbſt 45) Xenophon Memorabilia Socrat. IV, cr, a. 6. 13 19. conferat, II, c. 6. $. 35. avdeos ape- Tav Emo, vIRay Tas DI Dis su Kur, Tas de EX Ipas nnwr. 69 Zweites Hauptſtuͤck. Erſter Abſchnitt. ſelbſt dieienigen nicht entbehren kann, von denen man gehaßt wird *). nn Die Seregtigfeit tann ſich Übrigens, fomepi dureh 2 die Befolg ung der Geſetze (pofitibe) als durch Unten bhafſung der von ihnen werbetenen Handlungen. ı dag iſt, durch den Willen nidt unrent zu tun (negative) äußern“). Da die Tugend nichts anders if als der Wille⸗ aus eigner Meberzengung Gutes zu thun, und folglich die . richtige. Erkenntniß des Guten Die erite Bedingung det» felben ift, wodurch der Wille, es zu thun, unmittelbar heſtimmt wird, fo. kann die Tugend gelehrt wen "Den... Ind wenn. au die Tugend auf gewiffen Anla« gen. der. menſchlichen Natur beruhet, fo fünnen doch felbſt dieſe durch den Unterricht entwickelt und geſtaͤrkt werden. Aber die Hauptſache iſt, daß der Menſch ſein wahres Beſte einſehen lerne, und das kann durch den Unterricht geſchehen. ag Ntrise folgt dann. von ſelbſt . —V a —— Din a, yncoine: s *9 46) Xen ophon ste Soeräti Er. ö- 4 $. 19. leg: aM. av'dtiunw- ye reiidrdonnv dr wage N —— wat: ud Hey Yewv'ndıusvas vousc — — — * diaptvvet⸗ ”o diuy drdovu, 61 mEV Aavyduvorrse; er de Gaqousvon ro yap Tas Youies auraz ToIg 0: tgpadahaveni rag TIunmpiäs ex Bsdmuvosn mar" "aydgwmwoy vouoterz done mo Eivayı 47) Xenophon —————— Socrat,IV,&- 4. $, 12; . 48) Konophön, Memorabilia Soctat,. II, c 9 % 2. 3: yıvayı Soktetes. 83 Dieſes ſinddie Hauptfäge des Worallbſtemt des Sokrates. Wir find bei Aufſtellung derſelben vorzüglich Dem -Kenophon gefolgt, und zwar aus dem Grunde, weil ung Daran Liegt, die Philofopheme des Sokra— tes zein von ale dem, ;mag feine Schüler hinzuge⸗ than, oder ‚an denſelben verändert haben, vorzutragen. Dieſe Sicherheit fann ung nicht Platos fruchtba— rer, Gerſt, aber wohl. Renophons Simplici— tät gewaͤhren, die, wie ein treuer Spiegel, gerade nur. Das und ſoviel widergiebt, als fie empfangen hat... Es koͤnnte aber dennoch ſelbſt aus dieſer Darſtellung der Verdacht entſtehen, daß Renophon uns fein gang treues Gemaͤlde von dem Sokratiſchen Geiſte entworfen habe, und daß er entweder unfaͤhig geweſen ſey, alle Zuͤge deſſelben in ihrer Reinheit und Originalitaͤt anf, zufaſſen, oder fie darzuſtellen. Denn wer folite nicht von einem Sofrates erwarten, daß er die ſittlichen Mar ximen, nach denen er handelte, ebemfo vein in dev Leh⸗ ze zur DBefolgung werde aufgeſtellt haben; daß feine Grundſaͤtze eben den lautern moralischen Sinn athmen müßten, welcher aus feinem ganzen Leben hervorleuch— tet? Dieſe Grundfäge aber, melche wir jetzt aus dem Zenophonalö die Grundlage feiner moralifchen Ueber⸗ zeugungen dargelegt haben, fcheinen ein gemifchtes Pros Duck des Strebens nah Sittlihfeit und nah Wohlbe—⸗ finden ;. fie fhrwanfen von dem einen zum andern ohne feften Tritt der Vernunft, - Allein Dem ungeachter glaus ben wir mit vollem Necht den Kenophon zum Führer gewählt zu. haben; dennoch find wir überzeugt, daß auch Diefe noch menig ausgebildeten Elemente der Moralphi⸗ loſophie des Sokrates nicht unwuͤrdig und das wirkliche Eigenthum feines Beiftes find... Wir fangen von, Dem legten an , weil das erſte dann von felbfi folgt. Man darf erflli nie vergeffen, daß Sokrates nie die Abfiht Hatte, ein Spfiem der Noralphi— loſophie aufjufteilen, ui nar die moralifhen und 64 Zweites Haupiſtuͤck. Erſter Abſchnitt. und religidſen Ueberzeugungen in einzelnen Menſchen zu deleben und zu entwickeln, auch ihren Einfluß auf das wirkliche Leben zu verſtaͤrken. Es iſt daher ungerecht, von ihm zu fodern, mas er wicht leiſten wollte, Er war ein Philofoph für die Welt, nie'f ürdie Schule. Dann war ed auch ſelbſt nah feiner Anfihe und Webergeugung eine überflüßige Arbeit, jene Webers zeugungen auf ein Syſtem zurückzuführen, Denn jeder Menſch findet fie in fich ſelbſt, wenn er nur auf ſich ach⸗ tet, und feiner Vernunft Gehör giebt, und wenn der Hille vorhanden iſt, gut zu handeln, fo braucht es weiten feines Unterrichts‘). Zweitens er fam zu feinen eig⸗ nen Uebergengungen durch Reflexion über ih. Er fand - in feinem Innern “eine lebhafte Empfindung, welde Durch Wohlgefalleu und Mißfallen, durch Annehmlich⸗ keit oder Unannehmlichkeit des Gefuͤhls Recht oder Un⸗ recht unterſchied. Es iſt ſchon an ſich leicht moͤglich, daß ſich das moraliſche Gefuͤhl, wenn es nicht als et⸗ was Abgeleitetes ſondern als etwas Urſpruͤngliches be⸗ trachtet wird, mit andern Gefuͤhlen vereiniget und ver⸗ miſcht, welche als Zuſtaͤnde de Gemuͤths mit jenem u aͤhnlich, obgleich ihrem Urſprunge und Beſtimmungs⸗ grunde nach ganz heterogen ſind, und dieſe Vermiſchung iſt deſto natürlicher, je herrſchender und uͤberwiegender die moraliſche Stimmung des Gemuͤths iſt, wie das der Zall bei dem Sokrates war, Alles mar bei ihm durch die firtliche, Sefinnung veredelt, und in Harmonie ges | bracht; 49) Cicero de Oratore I. c. 47. ut Socratem illum folitum dicunt dicere, perfectum fibi opus elle, fi quis fatis eflet concitatus cohortatione fua, ad Audium cognofcendae perficiendaeque virtutis, quibus enim id perluafum elfet, ut ni-- hil mallent fe eſſe, quam bonos viros, ie reli- quam facilem elle doctrinam. 7 bracht; alle Seelenfräfte fimmten zu einem Zweck zu⸗ fammen, fein Denfen, Empfmden und Handeln floß daher nur in ein einiges Gefühl: zuſammen. Die morali- (he Sefinnung und der Zuftand der Gluͤckſeligkeit war in diefer Haritiönte unzgertrennli verbunden, und ex fonnite ſich vermöge feines Gefühls weder Gluͤckſelig, feit ohne Sitelühfeit, noch Sattlichkeit ohne Stüdtfeligfeit denken. * Das Gefhäft der "Der, nunft iſt beides zu unterſcheiden, was itt den Gefühle vereiniget iſt. Ehe ,diefe Unterfcheidüng Aber völlig He, lingen kann, muß das Gefühl entwickelt, und in feine Beſtandtheile aufgelöfet, und jeder nach feiner eignen Natur vollftändig beſtimmt werden." Diefes ift aber un⸗ fireitig mehr, als man von dem’ erften - Verſuche erwar⸗ ten kann. Drittens. Dieſe Anſicht iſt auch gerade dem Gange der Cultur und Entwickelung der Vernunft angemeſſen. Dieſe kann, um das Geſetz des vernuͤnftl⸗ gen Handelns des Menſchen zu beſtimmen, nicht von der Form ſondern von der Materie des Willens ausgehen, nur an dieſer jene ins Auge faßen. Nur nach mehreren Verſuchen, das oberſte Geſetz freier Hand⸗ lungen zu entwickeln, und nachdem Die Vernunft dieſe mehrmals gepruͤft/ und ihrer Idee unangemeſſen gefans den, konnte es gelingen, das Geſetz, welches nicht Handlungen, ſondern die Geſinnung, und durch dieſe erſt Handlungen beſtimmt / zu finden, und if feiner Reinheit aufzuſtellen. Es iſt alſo kein Widerſpruch, mern Sotrates, ob | ee gleich immer , fo viel. wir wiffen, nach lautern mora⸗ liſchen Maximen handelte, dennoch nur ein mate riel⸗ les Geſetz für die menſchlichen Handlungen aufſtellte und das Naturgeſetz des Willens durch die Bernunft modificirt für das Sittengeſetz Bielt, Seine Gefinnung legte aber in’ diefen Grundfag einen moralifhen Sinn hinein, und gab ihm in der Anwendung auf feine eigne Handlungen eine lebendige Tennemanns Geſchichte der Philoſophie II. Th. E Kraft * x 66 Zweites Hauptſtuͤck. Erſter Abſchnitt! Kraft/ die dag Mangelnde und Unbeſtimmte in der For⸗ miel Aehte. Er. fonnte, in feinem Nachforſchen Die Hoͤ⸗ he und Würde der Vernunft, durch welche fie. abfolus geſetzgebend iſt, noch nicht ganz umfaſſen; noch die Re⸗ geln, die er ſelbſt befolgte, nach ihrer Reinheit und Aulgemeinheit in Begriffe ausdruͤcken. ;. Seine thesretis che Vernunft konnte micht ‚Die Thaͤtigkeit feiner prakti⸗ ſchen ergründen und bis auf die legten Gruͤnde verfolgen, Wir haben alſo feinen Grund Zenppheons Treue in Darfteliung der Solratiſchen Weisheit im Zweifel zu ziehen, da er fich firenge- an Die. Gefepe des Geſchicht⸗ ſchreibers haͤlt, und koͤnnen ihm um fo eher folgen, da ‚er ſich weniger erlaubt,.den © ofrates-zwar in feinem Geiſte aber doch uͤber die Grenzen feines wirklichen Nach⸗ denfens philofophiren.zu. laſſen. Dieſer Schuͤler des Sokrates, der zwar. Fein ‚phitofophifcher Kopf war, aber Doch einen gebildeten, Geift ‚befaß, ‘hatte unſtreitig am meiſten Beruf und Geſchicklichkeit, um die Philoſophe⸗ — "me feines Lehrers nach. ihrer indibiduellen Beſchaffen⸗ heit ohne Einmiſchung frember Ideen darzuſtellen. So wie in dem Sokrates das moraliſche und religioͤſe Gefuͤhl innigſt mit einander vereiniget war, fo ſtehen auch feine Philoſo pheme über die: moraliſche Ra⸗ tur des Menſchen und Gott in unzertrennlichem Zuſammenhange. Denn, daß der Menſch durch ſeine Vernunft das Gute erklennen, und durch feinen Willen wünfchen und erreichen kann, iſt die Folge von der ‚Einrichtung der menfhlichen Natur und der. Welt übers haupt. Der Menſch fönnte ſich nicht durch fein ver⸗ nünftiges Handeln glückfelig machen, wern er nicht edelere Kräfte, als die Thiere, erhalten hätte, Die See⸗ ‚Le. äußerst in ihrem Wirken eine gewiſſe Aehnlich beit mit Gott. So wie dieſer in der ſichtbaren Welt un⸗ ſichtbar wirkt, ſo wirkt auch die Seele unſichtbar in dem Koͤrper, und nur ihre Wirkungen uͤberzeugen uns von ihrem Daſeyn. Dann find auch ihre Wirkungen fo bes | Ze J Hafer; & RER 60 4 EOokrates. J 67 1 ſchaffen daB wir. fie. von feiner und bekannten Materie ableitenn noch ihren. Urfprung uns anders, als göttlich, .: . denken fönuen. *°)5.‚Daper nimmt Sofrates die Bewe⸗ gungsgründe zur Tugend aus dem Adel und Würde des Menſchen und ſeinen Vorzuͤgen vor den Thieren. Da⸗ her iſt ihm Die Tugend nichts anders ‚als ein Streben. Bott aͤhm li ch zu werden, und daher iſt die Tugeud das einzige Mittel Gott wohlgefaͤllig zu werden ⸗ > Die Pflichten, welche jeder Menſch gegen ſich ſelbſt zu beobachten. hat, befaßt Sokrates unter den Tugen⸗ ben der Weisheit, Mäßigkeit und Tapferkeit. - Die Gere tigkeit begreift die Pflichten gegen Ande⸗ te und ſie verfallt in Die Beobachtung der bürgerı lichen und göttlichen Geſetze. Sokrates hatte alyı ſo noch nicht den Verſuch gemacht, die materiellen Ges‘; fee ‚aus der Vernunft abzuleiten, ſondern leitete ihre Gültigkeit, weil ihr Grund noch nicht entdeckt war, von‘ einem fremden Geſetzgeber her. Der Grund der Werss bindlichleit der bürgerlichen: Gefege war jedem einleuch⸗ tend; denn jeder Bürger mußte ſchwoͤren Iden Geſetzen ſeines Staats, Gehorſam zu leiſten, und es ließ ſich leicht zeigen, Daß dieſer Gehorfam Die Bedingung des Wohlſtandes Des Staates ſey, und dieſer wiederum auf das Wohl jedes einzelnen Bürgers Einfluß: Habe *+y,-: TR TRAGEN ne) BAa:.: a: Der 49) Xenophon Memorabilia $ocrat. Iy. c. 3, $. 14. ae nv Ro avFewır& 8 Yuxa; Gira Ta nal ad Ta avIgwmmw, Ta Yeis. nerägtei. & Ta KV. yag Macıneues Ev num Davagov, ögarıy 8. 20 «urn. 1,.c, IV, $..8; % Re "56 Xenöphön Memörabilia Socratis Bi 2 7 r. 6. 455, iv, & 5 5. ii, L. c. G. §. 10. | 51) Kenophon Memorahilia Soczätis IV, IE. - Er ne J 68. - Zweites Hauptſtuͤck. Erſter Abſchnitt. Der Grund der nicht buͤrgerlichen Geſetze hingegen, für welche in der menſchlichen Natur ein allgemeines obs gleich dunkles Gefuͤhl ſich erklaͤrt, ließ ſich zum wenig⸗ ſten nicht allgemein auf dieſe Art erklären. Vielmehr ſchien ihre Allgemeinheit und ihre Sanction durch Strafen, die Durch feine menſchliche Gewalt entfernt wer⸗ den fönneny ihren göttlichen Urfprung zu beurfunden. Sokrates zaͤhlt nur einige ſolcher Gefege auf; allein eg iſt wahrſcheinlich/ daß er alle Gebote, die nicht durch den Staat promulgirt find, und die er daher ungefchries ' bene Geſetze (uyeadss) nennt; auf Diefe Art ſich erklärte. Und ſo ift alſo Gott. der Urheber der moralis ſchen Gefege, die er dem Menſchen vorgeſchrieben, und in die Ordnung des Weltganzen verwebt hat: Daher ſind auch Die unangenehmen Folgen, wel⸗ che auf die. Webertretung derfelben folgen, unvermeids ! li, und die BERNIE Gefege find zugleich Natur | geſetze. Be if: aber nicht allein der Geſetzgeber, ſondern auch der Vollſtrecker der Geſetze; er belohnt die Befol— gung und beſtraft Die Uebertretung dee Gefege: Er hat die Macht, das größte Gute zu erweiſen; er erweiſt es aber nur denen , die ſich ihm mohlgefädig. machen, und wohlgefällig. kann man ihm nur werden durch Erfüls lung. feines Willens, durch Gehorſam und durd treue Erfüllung feines Berufs’). So grün dete | 52) Xenophon Memorabilia Socrat, IV, c. 4. S. 17. Xen 8v undev Memovra nara duyanıy vınav Tas Scexc, Yagesıv TE nal Amıleıv Ta MEI“ ayadı, 2 yag mag adv yay rız werlo eAmıfwy wdeovem, y wapa Tov Ta MEyYISE WDEAEI duva- usviwv, #0’ av Ms MAÄNON,N 68 TRTOI aEECHOL. ECHO, ds mug av uakov, ne ws. MWaduge mEitorte aurosz - UI, c, 9. 9,15. noyagısas den Ieodinssaras, Ä | sh, \ dee Sokrates aufept die Moral auf Religion, ver⸗ edelte aber zugleich. die Neligion durch Moral, indem er beide ungertrennlich vereinigte. Da die religidfe Gefinnung - damals entweber bei den eultivirteren Ständen verſchwun⸗ den, oder bei der rohern Volksklaſſe durch Aberglauben und unlautere Triebfedern entkraͤftet und entſtellt war, ſo war es eine große Wohlthat fuͤr die Menſchheit, daß Sokrate 8 durch edele und moraliſche Gründe die Res ligion.wieder verflärfte und veredelte, welche das einzi⸗ ‚ge Organ if, Durch welches das Sittengefeg zu den meis fin Menfhen auf eine vernehmliche Weiſe fprechen kann. Daher mußte Sofrates mit porzuͤglichem Inter⸗ effe den mwanfenden Glauben an das Daſeyn der Gott. heit wieder zu beleben und zu befeftigen ſuchen. Dazu bediente er ſich keiner tiefſinnigen Gruͤnde, welche fuͤr ſeinen Zweck ohnedem nicht angemeſſen wa⸗ ren, da ſie ſo beſchaffen ſeyn mußten, daß ſie von allen Menſchen verſtanden werden fonnten, und er überhaupt, gegen Die Speculation eine gewiſſe Abneigung hatte. Die Detrachtung ber Welt und ihrer zwedmaͤßigen Einrich⸗ tung ſchien ihm dazu faugliher und auf den Verſtand ‚und dag Herz der Menfchen mirkfamer zu ſeyn, und diefe Beweigart flimmpe mit feiner ganzen Denfungss are und feinem Charakter am beften überein. Dain dem inneren feines Gemüths vollfommene Harmonie, -- Ruhe und Heiterkeit herrſchte, fo ſtellte ſich auch die ganze Welt nur von ihrer reizenden Seite dar, fein zu nögliher Thaͤtigkeit geftimmter Geift, "feine gebildete praktiſche Vernunft fand nur an den Gegenfländen ns tereſſe, an Denen eine Betlehuns auf Zwecke ſichtbar war. E3 Aue ” Sohrares, 2 wur e: 69 sDn, EIVy EV usv YEwpyin, TEE TE YEnpyina' EU MERTTOVTas 59 ÖS IMTEEIR, TE; Ta tarpind, Ev Ö6 RÖNTEIL, Tas Ta moRITIRa" wov ds under EU TeERT- ToVTa, BT6 Xencınav aö6y EDy sing, Ars x \ yo Ztveifes Hauptſtuͤck. Erſter Abſchnite. Aus dieſem Geſichtspuncte betrachtete er auch die Welt/ "and fand durchgaͤngig die weiſeſte Einrichtung, Die zweckmaßigſten Anſtalten zur Erhal— tung des Ganzen zum Wohlfeyn der leben—⸗ digen Wefen vorzuͤglich des Menfherges fchlechts. *So wie Sokrates fi ausfchließlich mit - den Menſchen befchäftigte und von diefen mut nüglidje "Wahrheiten zu lernen bofte, fo war auch der Menfſch der Mittelpunct aller feiner Naturbetrachtungen, und das Ziel, auf welches alle Anſtalten und Einrichtungen der Natur abzweckten. Von Bewunderung hingeriſſen uͤber den kuͤnſtlichen Bau des menſchlichen Koͤrpers, und ‚Über die herrlichen Geiſtesgaben und Vorzuͤge, mit wel⸗ chen der Menſch vor allen Thieren ausgeſtattet iſt, ſchien ihm bie ganze lebloſe und lebendige Welt keinen andern g8 weck zu haͤben, als dem Menſchen zu dienen, und feine Zwecke zw befördern, Um des Mens ſchen Willen iſt das Licht; denn ohne daffelbe wäre er, ungeachtet feiner Angen, doch nur einem Blinden aͤhn⸗ ih. Die Nacht gewaͤhret ihm Ruhe und Erholung. Die Sonne, der Mond und die Sterne find dazu da, daß er die verſchiedenen Theile des Tages und der Nacht unterſcheiden, und darnach feine Geſchaͤfte verrichten kann. Die Erde giebt ihm eine Mannichfaltigkelt von Erzengniffen zur Nahrung und zum Vergnügen. 7. nüglich ift ihm nicht das Waſſer und das Teuer, ſehr vielen Geiſchaͤften und Kunftarbeiten! - Eelb de Thiere find offenbar um des Menfchen willen da °°), alles, was nun fo eingerichtet iſt, daß es offenbar ‚einen Zweck hat, und zu einem gewiſſen Ge⸗ stand un Nutzzen beſtimmt if, Fang nicht. die _ Biy aaa! x ’. — 55) Hdnorhön Memorabilia ——— J, eh Wh‘ ht € 2 e X SFR De vg m > 2 ; 1. F * u; u N 1) 27,3 17 Paar B;; pie‘ gr J Wirrkung des Zufalls, ſondern aut der Vernunft ſeyn. Der Menſch mit feinen’ fo kunſtvoll und zweckmaͤ⸗ Big eingerichteten Gliedmaßen, Sinnorganen und See⸗ Ienfräften, die'ganze Welt mit allem, was-fie in ſich ent⸗ Halt, iſt alſo das einer Werk Vernunft; welche weit über alle menſchliche Vernunft erhaben iſt, das Werk der Gott He it tt), Selbſt die Vorſtellung vonder Gottheit, Der Glaube an inte Macht , der ſich bei allen Menfchen findet / Daß ſie im Stanbde iſt, die Menſchen zu begluͤcken und zü be) ſtrafen, iſt ein Beweis, daß ein ſolches Weſen exiſtiert. Denn dieſe Vorſtellungen find ſelbſt von der Gott⸗ Here dem Menſchengeſchlechte eingeprägt ). Daß Boͤtt nicht ſichtbar iſt, darf: diefen Glauben nicht wan⸗ kend machen. Denn auch unſere Seele koͤnnen wir nicht anſchauen, aber wir erkennen ſie durch ihre Wirkungen. Und ſo iſt auch die Gottheit erkennbar durch ihre Wir⸗ bungen, durch: die zweckmaͤßige Einrichtung der Natur, durch die Erhaltung derſelben und die beſondere Vor⸗ vi Ir die me ſelbſt a die he Ueber — “6 —— Memorabilte Socratis I, 4 9 A Twv ds wrenunerwg cxonruov, oͤrx Even — Karrav Darebiog Em’ DEREN 09TWV, WOTEL si. “FUNNE Roy KOTEEH young BAY REIVSIE 5 meemEı MEI TE ER WDEREIK Yryvousy Young EIv04 EEYar =55) {enophöon Memorabilia Socratis], 64 915716. dis Way, ' rag Hess ro udgwmrois "okay eu ducag, “; aævo⸗ ai eu’ Bag wann may "N gyun duvarcı yaavz ' "56 Xenophon ‚Memorabi us Socratis I, 44. 99. IV. c. 3. E 13. u 6 Tov ÖROV HOSWOV . CWTATTWYy TE 04 cuvexcos v. o man Hana 40 ayada est, nu acı My Xewusyag argıln TE no Ua 104 aynparov magexw, Yarray de vorparoe WAUAETITWE Unygeray Ta, BT TR MErISe | \ VEY \ £ ” Zweites SHaupefiet,: eſier Abſchnitt. eber das Weſen der Gottheit erlaubte ſich Sotea | tes: gar feine Speculation. Ihm: mar feine Ueberzeu⸗ gung von dem Dafeyn derfelben, und. die Betrachtung ‚feiner Eigenfhaften -in Beziehung auf das Verhaͤltniß zur Welt und vorzüglich zu- dem. Menfchen hinreichend, Alle weitere Spesulationen waren in feinem Augen Mißs brauch der Vernunft. So lviel iſt klar, daß er fich die Gott⸗ heit als ein nicht mate rielles von der ganzen Welt, ſelbſt von den Sternen verſchiedenes Weſen dachte, ohne es weiter beſtimmen zu wollen, ſo wie er auch die Seele als ein vom Koͤrper unterſchiedenes aber nicht weiter als nach Verhaͤltniß ihrer Wirkungen zu be⸗ ſtimmendes Weſen EN RE Gaoott iſt die hoͤchſte ER em — und - usV — —XRCX use ds (oder — ad — tzens ſcharfſinnigen — wuTos ds} ads) cunevs· —VV ——,— kg E51. Ge 14. Ä ur iR) Xenophon Memorabilia 'So’crat, I, c. 4. $. 8. vay ds povov agu zdaus ovra 06 SUTUXWG a Ws doneıs sivagmansyr na Tade Ursgusyedn no u: mANd og mega OR: abeonunmy TIvads Wiek SUTAXTwE smsgews LV. O4 do 14. a va anSewmz V u aux eimsg Ti na ao T av Pe we. Ta Isı8 METEXet: 074 MV yagı Basınsugi Evinuuv Davagoy, v . 6gary ÖS Bde aury.. & Kon HaTavoavEa pn Hama Deovsıy Teov wogaTwv ar. ER TV. YIVOREYwY nv Suvanıv avTwy Aatanavdayoyra, Tınavro Öusmovsov, .Daf Sokrates, wie ſchon Anaragoras gethan hatte, die Gottheit ‚yon der Welt, ſelbſt von den, Sternen. ‚nterfgie, erhellet ſchon daraus, daß die Gottheit die ganze Welt —— net, oͤ Tov oov nocuov GuvTrarTwv IV, c. 4%. 13. die Sterne gebildet IV, c. 4. 6. 4. und der gene Ihren Lauf vorgefchrteben hat IV, c. AS 8 8; gr ® ; | * 9 en 78 und so — die alles weiß, A die verborgenen Gedanfen, die alenthalben gegenmärtig ift, Die Die Welt nach meifen Zwecken eingerichtet bat, und fie in ihrer Vollkommenheit erhält. Seine Erfennts ni und Macht iſt an Feine Zeit gebunden und kennt feine Schranken; im diefer Ruͤckſicht kann ‚die Gott⸗ beit nicht mit der menſchlichen Seele verglichen wer⸗ 5... ben “. — ee Fr - n FEW ⸗ ners Geſchichte der — 2 B. S. 395. Sobkrates habe die Gottheit für eine feine gleichar . ‚tige ätherifhe Natur gehalten, bie nihte ne \ ihren Wirkungen, fondern aud ihrer Subftanz. nad), ı allenthalben gegenwärtig fey, und die alles durchdringe, ohne mit irgend einem Weſen vermiſcht zu feyn. Er ſchloß das theils aus der Benennung eines im Univerfo ſich findenden und durchs Ganze fich verbreitenden vet; .. . ftändigen Wefens, theils aus der Art, wie er ſich die Entſtehung der Götter und Dämonen den — ten mußte, und die Entfiehung und Natur der menſchlichen Seelen fid wirklich erklärte. Aullein der erfte Ausdruck (Ev mayrı Dpovnes, r . Xenophon Memorabilia Socrat. I. c. & 8. 17.) fann gar nichts beweifen, außer, daß Sofra; — tes die Gottheit für ein Weſen gehalten hat, deſſen — Wirkungen in der ganzen Natur erkennbar ſind. Der . gmeite Grund beweiſt noch weniger. Denn wir wiſſen nicht eine einzige Stelle, in der ſich Sokrates uͤber die Entſtehung der Goͤtter, Daͤmonen unb Menfchenfeelen erklärt habe, Er nennt zwar die Seele ein göttliches oder Gott ähnliches Weſen, und leitet ihren rſprung von der oberften Denktraft ab, Xenoph, Memor. Socrat, I, c. 4. $, 8, aber fo, daß er weder über die At der Entftehung, noch über das — der Gottheit nur das Geringſte beſtimmt. a — % — 724 — Hauptſtůck Erſter Abſchnitt. Den °®). Gott if der Um faränfte Behern (der der Melt; alles, waß ih der Narit‘üft , iſt Werks zeug zu feinen Zwecken **). Ungeachtet Sofrates zus weilen von mehreren. Goͤttern ſpricht fo glanbte er im Grunde feines Herzens doch nur An einen, mar zu behuttam, oder beſſer zu gewiſfenhaft / dur: freie Gedanken über die religidſen Mythen irgend e ner Menſchen in feinen Yeligidfen Webergeugungen irre zu machen, und die Bürgerpflicht fpderte von ihm, durch Beobachtung der beftehenden gottesdienftlihen Gebraͤu⸗ che ſich nach, der herrſchenden Vorſtellungs art zu beque⸗ men. Allein ſeine eigne Ueberzeugung und dig Anfiht der Melt als ‚eines nah Zwecken eingerichteten Ganzen war gewiß ı nur der Einpeit, & ottes angemeſſen. Denn Fine Vernunft erblickte allenthalben nicht nur Zwecke, ſondern auch die Einheit derſelben, zu deren Erklaͤrung eine Antehigeng nothwendig war, Auch die deutlichere. Entwicke lung der Idee der Gottheit, als des. vollfommens - ‚Sen Weſens, ließ ſich nicht mit Re — von Goͤt⸗ tern pereinigen, ee Di | ie pen. 2 t, * Jr’ „ı OL h . J A « " 58) Klnspkoh: Memorabilia 'Socratis A he 4.9 17. eiesI a4 av .xeon any Tyv EN mayrı &Deor av Ta Tavra Or 8 aury navy Erw Tigschuy* Koy un TO Dov uev ouua Iwasdej sr WORT Sadın FR semvas 9, roy. de Ta Is op IaAuov aduvarev aıvay Auæa MayT® Opav: Made TaV any sv Nuxmw, x me Toy erhal no weg Twv Ev alyumra ng EV, GIRENIG, ‚guvas$ay Peovrıgan, rw ds Ta u; 7 beovnaw un Inayv Euvo4 ‚ua mayruy emips- Nude rw 59). Kenophe ein Socrarts IV, c. 3. 6. 34 Blitze und Winde ſind Diener‘ Gottes. DE: 777,177 7 “ Die Verehrung der Gottheit)" oder die Religion Beftand dem Sokrates nur aus wenigen Saͤtzen. Liebe, Dankbarkeit, Vertrauen und Gehörſam, von züglich aber das Beftreben Gutes zu thun, und Die Pflichten feines Amts oder Standes mit Eifer zu erfüllen; dies mar Ihr ganzer Inhalt, Ohne die äußern veligiöfen Gebräuche zu verwerfen, feste eu die Hauptfache. in die Gefinnung, mit welcher fie verrichtet werden. : Daher wollte ' ‘er, daß man in dem ‚Geber nur überhaupt das Gute von der Gottheit fi erbitten folle, ohne ihr vorzuſchreiben, was für ung gut ſey; und bey den Opfern meinte er, komme es nicht auf die Koſtbarkeit und Vielheit der Opfergaben, ſon⸗ dern darauf an, ob die Opfernden gute oder böfe Mens ſchen find. Denn nur die Verehrung der Guten fey der Gottheit wohlgefälig. Das Gegentheil ftreite ntit der Vollkommenheit des höchſten Weſens, und "dag Leben habe für den Menfchen feinen Werth, went die — heit ſo niedrig und eigennuͤtzig geſinnt waͤre —2 Die Unſterblichkeit der Seele: glaubte So⸗ krates mit voͤlliger Ueberzeugung, als einen Zuſtand der Vergeltung, im welchem die Guten belohnt und die Boͤſen beftvaft werden Diefer Slaube gründete fih ufs fenbar auf ein praktiſches Beduͤrfniß, mie ſchon darang erhellet, DaB das Intereſſe für die Begründung deſſel⸗ ben mit dem Intereſſe für die Moralitäc ſteigt und fällt. Segt aber, da dieſer Slaube gefunfen war, da fo viele meinten, die Seele fey etwas Materielles, das mit dem Tode des Körpers ehenfalls vermefe, fo war eg ein drin⸗ gendes deitbedürfniß, diefen Glauben durch Gruͤnde zu fügen. " Die erfien Verſuche der Art konnten aber mas Heli nur 24 erſt voh und unpollfommen ſeyn, und die I wu 60) Xenophon Menjorabilia Socrais I, 0. 2. $. 2,5. » 76 Zweites Hauptſtũck. Echer Abſchnitt. die Ueberzeugung auf Gründe ſtuͤtzen, welche zwar dem Nachdenten ſich zuerſt darſtellen, aber feine ſtrenge Kri⸗ tik aushalten. Sie kommen zuletzt alle darauf zuruͤck, daß die menſchliche Seele goͤttlicher Natur und mit keinem andern Weſen in der Welt zu vergleichen iſt, und auf gewiſſe aberglaͤubiſche Vorſtellungen von dem fortdauernden Einfluß der Verſtorbenen auf die Le⸗ benden. Die Gewiſſensbiſſe, die Unruhe und die Furcht, welche Moͤrder empfinden, indem ſie glauben, daß die Ermordeten ſie ſtets verfolgen, ferner die Ehre und Achtung, die man noch den Verſtorbenen erzeiget, ſchie⸗ nen zu beweiſen, daß die Seele nach dem Tode nicht nur fortdanere, fondern auch in einem realen Berhälts niß mit den Lebenden ftehe °”). " Leben und Denken find die beiden Haupteigenſchaften der Seele Es iſt unge—⸗ reimt anzunehmen, ‚daß die Seele, fo lange fie in dem ſterblichen Körper verweilet,*lebe, mach der Trennung aber dahin flerbe, da eg doch eben die Seele iſt, melde den fterblichen Körpern Leben giebt: Oder follte Die . Seele nur in. dem Körper, dem fein Denfen zufommt, Denken können? Vielmehr muß man glauben, daß die Denkkraft weit volllommener wirken muß, wenn fie vein von allem Körperlichen abgefchieden iſt. Zeigt doch die Seele in dem Schlafe, der fo viel Aehnliches mit dem Tode bat, ihre göttliche Natur weit einleuchtender, denn fie wirkt mit mehr Sreipeit, und fichet Dann auch fogar _ 61) Xenophon Cyropaedia v VII, 67:93. Cice- ro delenectute c.22, ras ds Twv adına ma$ov- Twv DuXas mw KaTEVONGuTE, sing usv Doßas Tois kiyPDovos eußadzcıy; oa: ds marmuvyas Tas awosoıs smimsumacıy Tois ds DYınevors Tas riuæg diausvew ETIı av boRMTS, © undsvos KUTWy du Yu MY NERV. “ &ofrates, Er eg: Manches von dem Zufünftigen voraus 2). Wenn der menſchliche Körper nach dem Tode aufgelöfet wird, fo fiehet man, wie jeder Theil zu ähnlichen ſich ſammlet; nur allein die Seele’ betritt und verläßt den Körper auf eine für uns unſichtbare Weife *). Sie ift alfo ein unfichtbares Wefen und daher göftliher Natur, - das iſt mit andern Worten, immateriell und unzerſtoͤr⸗ bar. Denn es liegt ſchon im den Begriffen des gemeis ‚nen Beritandes, ſich Gott als ein über die Natur erhas benes, von ihten Geſetzen unabhängiges Wefen zu denten, J J | u wenn 6) Xenöphon, Ebendaſelbſt. ade rero MWMOTE, emessYnp, wen WuxXn» &ws MEV av Ev Ioyrw Gwuarı. 2, Sn’ orav ds Tetra amaaryn TEIYNnEV. Ögw ag, TI u Ta IyyTa GWMATE, Ö00V a) EV wurog xXeovov n Yıxnı (wura Magexeray, ads ve ömwg aDewv ‚sn ug, smeduv Ta aDeovog Ewnarss IX. yeygroy, 2ds TaTro meresum' aa orav auearog Roy nagngos Ö vag Enapidn, TOTs noy Peoviuwrarov Bing abrov wog. — Evvoncars ds, ori Eyyursgov uev To avdewrıyy Yavarı zdev esıv umva. 7 de Te ardewmz Wuxnrors Inms erorarn naradayvera, xcu TOTE TI TV MEROYTWV MEER. TOTE yap, eg come, MahISa EREUFEEZTAY ! 63) Xenophon Ebendaſelbſt. dsarvousvz de avdew- we, dnAa ES Enasa amıöyra meos To Ömoburoy, AV Tg Nonxas' aurn ds Mon arE magaca were. wmi- 200 öewras. Was Cyrus hier fagt, kann ohne Beden: fen für Sokratifch gehalten werden. Denn was gleich darauf von den Göttern folgt, iſi völlig mit Memora- bilia IV, c. 3. $. 13. patarell, und fo finden fich noch unzählige Stellen inider Cyropädie, die den Wor: ten oder dem Inhalte nach mit andern in den Denf: würdigkeiten übereinftimmen | (7 Zweites Hauptſtuͤck. Erſter Abſchnitt⸗ > 44 wenn er auch durch noch ſo viele anthropomorphiſche Zuſaͤtze verunſtaltet if. Ein ſolches Weſen kann alſo nicht gleich, andern Naturweſen vergaͤnglich ſeyn. Die, fes find die Gründe, Durch, melde Sokrates die Hebers jeugung von der Unfterblighfeit der Seele zu befeſtigen ſuchte — Gruͤnde, die zum Theil fo ſchwach find, daß. man fi wundern müßte, mie ein Mann von fo geſun⸗ dem Verſtande ihnen nur einige Kraft habe beilegen tönnen, wenn nicht dag Beduͤrfniß und das Jutereſſe⸗ “welches jenin. Glauben erzeugt, ehe es deutlich ent wickelt worden, jedem theoretifchen Grande einen Werth beilegte, den er an ſich nicht hat, Diefeg find die Hauptfäge, welche das Syſtem fels ner Heberzeingungeh ausmachten; Ueberzeugungen, wel⸗ che einem Menſchen von geſundem Verſtande und un⸗ verdorbenem Herzen ſich von ſelbſt darbieten, wenn er über ſich und feine Verhaͤltniſſe nachdenkt. Es fin ind feine | tieffinnigen Forſchungen, fondern- ungefuch⸗ te Anſichten der Reflexion; ſie ſind nicht aus einem Princip abgeleitet, nicht durch Schluͤße in ein Sp ſtem verbunden. Ihr Zuſammenhang beruhet auf einer natuͤrlichen Verbindung, die die Reflexion wahrnimmt; ihre Wahrheit auf dem lebendigen Gefühle, mit welchem fie fi dem Verftande aufdringen, auf dem Gefühle, das fie begleitet, daß alle Menfhen, wenn fie unver, dorben find, in dieſe Ueberzeugungen einftinimen muͤſſen. Sokrates bat alfo kein ph ilo fophifch es ge | ffem im ſtrengen Sinne gehabt, noch gelehrt. war mehr ein praftiicher als theoretiſcher Phitofopp, f = . fofern ex feine moralifchen Ueberzeugungen nicht fo wohl in eine wiffenfhaftlihe Form zu bringen, ale fie in feinem ganzen Leben unabläffig anzuwenden firchte, Ungeachtet ihn nun mehr die Anwendung als die wiſſen⸗ ſchaftliche u dei date intereſſirte, HE. dem⸗ — RAD GNS —* Sofia... Sg 19, | dennoch dag , was er für Die Mienihhsit that, auch füg 2) Sv Rinſeitlg feine Beſchraͤnkung des menſchlichen Geiſtes aufidas bloß Praktiſche war, weil fie nicht das Reſultat einergruͤndlichen Unterſuchung des Erkenninif⸗ vermogens war; ſo marhte:ex doch ein gewiſſes Miß⸗ trauen gegen allerSpesufariorteh rege, und da der Haug . day zu tief in der menſchlichen Natur liegt, als daßer durch ſolche Gruͤnde ſollte ausgerottet werden/ ſo veran⸗ laßte er licher nur die Verſuche Tier wiſſenfchuft/ lichern Behandlung aller fpeeulatinensGegenftände ‚fans dern machte auch Dad Beduͤrfniß nach einen ſchaͤrferen Unterſuchung über den Grund und die Queh le aller Erke umtniß lebendiger 6 2 Eokrateg Vefgäftigee ih, gusfipfieftic mitTien, | (den, Und mit allein / tag. nit dem Menſchen in engs fier Beziehung fiehet, „Ungeachtet diefer Weife es nicht ausdrücklich lehrte / ſo kann man doc ſicher aus ſeiner ganzen Lehrmethode ſchließen, daß er jede Wahrheit, die für den Menſchen Intereſſe Hat, in dem Menſchen fuchs, fe, und dab er. annahni, ale Menſchen müßten in dem, was Wahrheit ik, mit einander üben einfimmen,, Denn hie, fügte er Jemanden eine Aeberzeugung Aufjudriigen, oder eine Wahrheit in dag. Gemuͤth einzupfropfen, fondern er entwickelte vielmehr duch geſchickte Sragen dag, was er für Wahrheit hiele, aus dem Verſtande eines jeden heraus, indem er vor; ausfeite, daß Henn man eine Wahrheit einem Mens ſchen von gefundeihBerftande vorleget,ibn darauf aufmerk,, fanı machet,die verfchiedenenSeiten derfelben ind die Aehn⸗ lihfelt mit andern befannten Gegenfländen entwickelt, die Ueberzeugung ſelbſt — mit einem Worte, daß man dem Verftande nur zu Hülfe kommen dürfte, bamt ei die Materialien einer Erfenntniß dus fich ſelbſt entz wickele und sin Prtheil faͤle. Dieſe Methode, melde J | man l 80 Zweites Haupfftüd. Erſter Abſchnitt. Mari die Sokratiſche nennt, mat zwar vorzüglich für die fubjective Belehrung zwedmaͤßig; allein fie wurde auch fruchtbar für Die Wiffenfpaft:: Dem ſie reizte zur gründs _ lidyen Erforſchung des Verſtandes und ſeiner Geſetze, als der Duelle aller Wahrheit, zur Unterſuchung Dem Grundſaͤtze aller Erkenntniß; fie verwandelte die dunkle Apndung; daß dieſe nicht in den Objecten ſondern in Dem Erkenntnißvermoͤgen Des Menſchen aufgeſucht wer⸗ den muͤſſen/ zur lebendigern Ueberzeugung. Das yvo ds sauror, welches Sokrates in praktiſcher Hinſicht zux moraliſchen Cultur empfohlen hatte, wurde nach ihm auch die Duelle . PARISDIILMEN Garfaun gen. : : | 9) Wenn glei; Sotrates nicht für. ein philoſophi⸗ ſches Syftem arbeitete, fo gab er doch dem philefos phiſchen Geifte friſche geſunde Nahrung. Durch ſein Philoſophieren für dag praktiſche Leben was zen eine Menge neue Anfichten ‘und Gegenftände zur Sprache gebracht, welche man bis dahin noch nicht, oder noch nicht aus dem Geſichtspunkt betrachtet hatte. Alle Ueberzeugungen, welche er als Wahrheitend es geſunden Verſtandes aus dem Bewußtſeyn her⸗ auswickelte, wurden nun eben ſo viele Aufgaben für die philofophierende Vernunft, jeng, wiſſenſchaftlich zu begründen. 4) Der philoſopiſche Geiſt befam durch Sokrates alſo eine ganz neue Richtung. Vor ihm war die Welt der Gegeuſtand aller Speculationen; nach ihm war der Menfch der Mittelpunkt aller Unterfuhungen. Däs philoſophiſche Nachforfchen ging von dem Menfchen aus, und führte auf ihn wieder zuruͤck. Die Beflimmung des Menfchen,, fein höchftes Gut, überhaupt feine moralis (he Natur und alles, mas mit derfelben in Verbindung. ftehet, wurde der Hauptgegenftand der Ppilofophie, und felbft alle andern Speculationen wurden mehr oder we⸗ niger mit DIE Gegenftande in Berbindung gefegt. 5) So Sofratd ALU. BE 5) So bat Solrates alles gu einer. wichtigen Ver, Änderung auf dem: Gebiete der Philofopbie., vorbereitet, Die Befampfung Des ſophiſtiſchen Duͤnkels, die Demuͤ⸗ thigung ihres Stolzes im Behaupten und Beſtreiten⸗ da fie Sokrates nöthigte, Stand: zu halten, ihre Säge zu entwiceln, und mit ihren andern Behauptungen zu ver⸗ gleichen, und ſie durch ihre Juconfequenzen und Widerd ſpruͤche zum Stillſchweigen brachte, gründete das Bes duͤrfniß nach gruͤndlicher Unterſuchung aus Principienz und belebte die Empfaͤnglichkeit dafuͤr. Sein moraliſcher Geſichtspunct ſchraͤnkte den Hang nach leeren Specula⸗ tionen ein, feine Lehrart reizte den Forſchungsgeiſt zum Nachdenken Über den Menſchen, zut Unterſuchung der Ge⸗ ſetze des Denkens und des Willens; durch die Cultut des Geiſtes, welche eine Folge davon war, entwickelte ſich die Fdeeeiner Wiſſenſchaft der letzten Gruͤn— De und Geſetze dei menſchlichen Erken RR und Handelns, Dieſes mittelbare Berdienft im die Phildſophie er⸗ | wars ſich Sokrates durch die Verbreitung einer vernänftl gen Denfärt und durch den Einfluß, den er durch die Ente wickelung des Geiſtes „feiner Schüler Hatte Das erſte wurde um fo leichter, da die Zeit, worin die Sophiſten Ihe Gluͤck machten, vorbel war, und mehrere denkende Köpfe die keerrheit und Nichtigkeit der ſophiſtiſchen Kuͤnſte⸗ leien und die ſchaͤdlichen Folgen eingeſehen hatten, welche fuͤr die Bildung des menſchlichen Geiſtes und Charakters aus denſelben entſprangen. Die Sophiſten Härten bey meh⸗ reren die Achtung als Lehrer der griechiſchen Jugend verlo⸗ ten, und fie. wurden ſogar als Urheber ihrer Verdorben⸗ keit betrachtet. Von ihrem Ruhme blieb nichts mehr übrigz. aid bie Vewurderung ihrer Redekuͤnſte 9): "Männer vor ge⸗ PR Ariochus ii. 8, ©. .igi. ige. Xenophon . Memorabilia Socrat, 1.66 15 Ile» .„ trates contra Sophiftas. Tennemannb Geſchichte der Philoſophie I, She. g 32 Zweites Hauptſtuͤck. Exfter Abſchnitt. gefegtem Charakter und Jünglinge von edelen Anlagen ver⸗ af ſchmaͤhten daher den Prunf und die gelehrte Eitelfelt der Sophiften, und gewannen die anfpruchlofe Beſcheidenheit, die Selbftfländigfeit des Charakters, die edle Einfalt und die nüchterne Entfaltung von allen Grübeleien, und: die Beſchaͤftigung des Verſtandes mit nuͤtzlichen Gegenſtaͤnden lieb. Dieſe Stimmung dee Denkart war eine natürliche Folge von: der Sophiſterei, die nur wie ein voruͤbergehen ⸗ der Rauſch wirken, und einen nätürlichen Eckel hervor⸗ bringen mußte. Sokrates war nicht der. einzige, der ſich gegen fie erklaͤrte, unter andern Hatten auch ſchon einige - Komiker die Sophiften dem Spotte preiß gegeben; aber er betrachtete das Ding. nicht von der lächerlichen, ſondern von einer ernfihaften Selte, ‚und gab ſowohl durch ſein Beiſpiel als durch die lichtvolle Darflellung mürdigerer Zwe⸗ de und Gegenſtaͤnde des menſchlichen Strebens und Nach⸗ Denkens der beffern Denkart mehr Gruͤndlichkelt, Feſtig⸗ keit und Ausbreitung. Unter ſeinen Zoͤglingen befanden ſich Maͤnner und Juͤnglinge von verſchiedenen Anlagen und Denkungsarten. Sokrates Lehrart war ſo beſchaffen, daß ihre Geiſtesfaͤhig⸗ feiten entwickelt werden mußten, ohne ihre Eigenthuͤmlich⸗ keit zu verlieren. Er war fein Lehrer in dem damals ge⸗ woͤhnlichen Sinne, fein Sektenflifter, er wollte nicht, daß man feine Ueberzeugungen, weil es feine waren, als Drafelfprüche annefmen folltee Nur darum mar es ihm gu thun, daß. man Die Wahrheit, weil .e# Wahrheit war, erkennen und ſich ſelbſt davon uͤber⸗ geuge **). Dabeyh vertrater nur die Stelle eines geiftigen Geburtshelſers, der dem Geifte zu Hülfe fam, um die Er⸗ kenntniſſe, die in dem Innern befjelben ſchlummerten, zu entwickeln und zum klaren Bewußtſeyn zu bringen, Seine : man⸗ 62) Plato Phaedo e. 40. vusıs utrν, ay Euol wardnsIE, omıngov Doovrisayrss Zungaröus, 778 de arntEıns moru Maor, > Sofrates Schuler. 8 mannichfaltigen unterredungen, Pruͤfungen, Zurechtwels ſungen, Widerlegungen, u. ſ ws dieſer oder jener Behaup⸗ tung, feine geſchickten Fragen waren eine vortreffliche Uebung aller Geiſteskraͤfte, welche in beſtaͤndiger Regſamkeit erhal⸗ ten wurden. Auf dieſe Art mußten nothwendig denukende Maͤrmer gebildet werden; aber es war eben Deswegen nicht: ju erwarten, daB fie alle ein und daſſelbe Gedankenſyſtem annehmien, einerlei Gefichtepunft haben, und einerlei Zwe⸗ de : verfolgen mürden. Cicero bemerkt fehr richtig, daß aus Socrates Schule mehrere entgegengefegte und abe weichende Schulen - entfprungen- find, . weil aus feinen mannigfaltigen Unterredungen und Betrachtungen, der eine Dies: dee andere jenes, ſich zueignete 3), Mber die Haupturſache it Doch immer die, "daß der Charakter und die: Denfungsart der. Schüler des Socrates verſchieden mar, und daß diefer feine leberzeugungen vortitig, ohne die Frei beit ihres Geiſtes im geringften zu beſchraͤnken. Selbft in bem Praftifchen bennügte er fi) das mioralifche Gefühl zu wecken, und eine für Sittlichkeit günftige Stimmung dei Gemuͤths hervorzubringen ; aber er drang feinem fein mo⸗ raliſches Syſtem auf. Endli kommt auch nod) der Um⸗ ſtand hinzu, daß nicht alle aus einerley Zweck den Umgang des Sokrates ſuchten. Einige wollten nur in der großen Melt glänzen und große Staatsmänner und Redner wer⸗ den; ihnen war es gleich viel, ob fie durch die Geipräche des weiſen Sokrates oder durch die prunfvollen Reden: und Spisfindigkeiten der Sophiften ihre Abſicht ‚erreichten, Einige kamen ſchon mit einem vorgefaßten Enftem zum So⸗ lrates, im der Abjiche auch mit feinen Ideen ſich befannt ⸗ 2 * u F ’ 6 — de — III. c. 16. Nam cum elſſent plures orti fere a Socrate, quod ex illius variis et. diverfis et in omnem partem disperhis | . difputationibus alius. aliud ‚apprehenderat, pro- feminatae- [unt quaſi familiae diflentientes inter fe et multum disjunctae et .dispares, # 84 Zweites Hauptſtuͤck. Erſter Abſchnitt. zu: machen. Einige wuͤnſchten mehr die Bildung ihres Verſtandes, andere — die Veredelung ers He jene #4), ‚Wenn man unter den Schülern: des Serates (oder beſſer unter. den Sokratikern, da Sokrates eigent⸗ lich gar feine Schüler gehabt hat) alle diejenigen verſteht, welche an feinem Umgange und Gefpsächen Theil nahmeny fo muͤſſen fie nothwendig in mehrere Klaffen eingerheilt wer⸗ "den: . Nach unferer Abſicht koͤnnen wir am füglichften zwei Klaffen feſtſetzen, von welchen die erſte diejenigen begreift; die/ wie Sofrateg, ſich nur für dag praftifche Leben: bildeten; ohne Neigung oder Talent zum eigentlichen. Philoſophiren zu beſitzen; zur andern aber gehoͤren diejenigen, welche oh⸗ ne die erſte Bildung zu vernachlaͤſſigen, doch auch Inter⸗ eſſe fuͤr die Philoſophie als Wiſſenſchaft hatten. Die er⸗ ſten, zu welchen XRenophon, Aeſchines und mehrere andere gehoͤren, intereſſiren uns hier nicht weiter, weil ſie fuͤr die Anwendung und Verbreitung moraliſcher Grundſaͤtze ge⸗ ſchrieben, aber nichts fuͤr die Wiſſenſchaft geleiſtet haben· Sokrates war ihnen Muſter, und ſie giengen feinen Schritt weiter über die Grenzen hinaus, welche Sofrates dem menfchlicden Verftande vorgefchricben hatte, und wenn ſie auch einzelne Gegenftände der praftifhen Philofophle mehr bearbeiteten, fo erhoben fie ſich doch zu-feiner hoͤhern umfaſ⸗ ſenden Anficht der Wiffenfchaft. Ja es iſt wohl möglich, daß einige noch weiter. giengen, als ihr Lehrer, und Alle wiſſenſchaftliche Unterſuchungen als einen Ruͤckfall des ſophiſchen — — Das Beifpiel ⸗y Xenoph. Meiosahlite SocratisL,c.2.$.48, aM Koırivv TE Kisneurong np Ournengi has Kzıesdtov Imoy Kuipsuearng, naı Eiuuiacw s aaı Keßys, Bardwn ds’ ao, 61 EusIVW cuynaar, ouw Iva Inuybprkor y dımavınor yEvowvros aM ivanurdı TS Kyarhor "yevo* usvor; Hal OR) Kal OIMETAUS AXI OIREIOIG na Biäois Hab WONEI HA BOMTAIS Iwauyro Rahas'xensIar, Sokrates Schuͤler. m." 5. einiger Schüler des Sofrates), welche, wie wir hernach ſe⸗ ben werden, mit Sophismen Unfüg-frieben, konnten gewiſ⸗ . fermaffen ihre Abneigung rechtfertigen, wenn fie nicht den Gebrauch der Dialektik ‚mit En Misbrauche VerBanfM hatten 5°). Die zweite Safe begreift een Männer von ver⸗ ſchledenen Charafteren und Talenten. Einige beſchaͤftigten ſich bloß mit der praktiſchen Philoſophie, und ſuchten das, was Sofrates gelehrt hatte, auf Gruͤnde zuruͤck zu fuͤhren, und zu vereinfachen. Da Sokrates noch nicht Sittlichkeit und Gluͤckſeligkelt nach ſcharfen Grenzlinien unterſchieden, aber dem gefunden Menſchenverſtande gemäß die Beſtim⸗ mung des Meuſchen in der Vereinigung Beider geſetzt hatte, ſo kann es nicht -befremden, wenn Antiſthenes und Ariſtipp, die ſich in ihrem Charakter ſo weit von ein⸗ ander entfernten ‚auch zwei verſchledene Moralſyſteme auf GSofrated Belehrungen » gründeten -: der. eine Tugend, Unabhängigkeit von der»Natur Beduͤrfniße Tofigfeit, der andere Befriedigung aller Bes dar f Kirk ale das Ziel aller ur" Wuͤnſche, 53 oder 65) Es kann nicht geläugnet werden, daß unter den So— fratifern eine Art von Antipathie berrfchte, welche eben ihren Grund ia der Verfchiedenheit ihrer Denfare hatte. . Davon finden ſich in den Schriften der Sofratifer mans de Spuren, So denft 5. B. Plato des Zeno⸗ phon nice ‚ein einzigesmal; Renophon nur in eie ‚ner einzigen Stelle zwar auf eine rühmliche Art (Me- ‚morabilia II, c. 6. $. ı.).aber er hatte noch an mehreren Orten Veranlaſſung ſeiner zu erwaͤhnen. Die deutlichſten Beweiſe von der Eiferſucht und Disharmonie der Sotratiker finder man auſſer dem Athenaͤus und Die, — genes, in den Briefen des Sokrates, Anti— ſthenes und anderer Sofratlfer, welche Leo Alla. tiuß herausgegeben. hat. Sie find zwar unaͤcht, aber doch hatte der Verfertiger derfelben wahrſcheinlich mehrere hiftorifche Facta vor Augen. - Zweites Hauprftüd, Erſter Abſchnitt. oder das hoͤch ſte Gut darſtellten. Eine Folge dleſes Begriffes war, daß fie keijn anderes Wiſſen als dag, mag ſich auf die; Gluͤck ſeligkeit beziehet, und alſo ppn praktiſchem Nutzen iſt, des menſchlichen Geiſtes wuͤrdig erachteten, wenn fie glelch, um ihr Syſtem zu behaupten und zu begruͤnden, ſich in einige theoretiſche Unterſuchungen einlaſſen mubßten. — Andere fanden ein größeres Intereſſe an dem Theoretiſchen, theils meil fie, mie Euclides ven Megara, ſchon vote ber ſich mit Speculationen beſchaͤftiget hatten ,: theils weil ihr Geiſt ein lebhafteres Gefühl fuͤr wiſſenſchaftliche Ber duͤrfniſſe hatte, und theild endlich, weil bie. jegt nur eine Menge widerſprechender Meinungen einander durdfreugs ‚ten, welche den Sfepticidmus und Streitgeiſt Nahrung ger ‚ben, und in einer Periode, wo der Mangel einer: gründs lichen . Unterfuchung der Gefege des, Denkens fo fuͤhlbar ‚wurde, den dialeftifhen Geift befördern mußten. - Die: Geſchichte hat uns zu wenig Charakteriftifches von dieſen Männern aufbewahrt, ald daB mir fie richtig genug beur⸗ theilen koͤnnten. Jedoch fheinet es kaum moͤglich, daß fie Sokrates fo hoch grichägt haben follte, als mir von einis gen 5. By dem Phädon wiffen, wenn fie fo wenig yon ſeit ‚ner Denfart und fo viel Mehnlichkeit mit den Sophiſten gehabt hätten. | Wahrſcheinlich waren es daher erſt ihre Schuͤler, melde von dem Geiſt der Sokratiſchen Nuͤchtern⸗ heit abwichen, und ein leeres Spiel mie Sophismen srieg ben, die indeffen doch zufällig den Nugen hatten ‚ daß fie die Unterfahung der Geſetze des Denkens befürderten. Endlich gehört noch Platg hieher, der als ein Stern erſter Groͤße inter allen Sokratikern hervorleuchtet. Er umfaßte mit philoſophiſchem Geiſt alles Wiſſen, ſowohl das theoretiſche als praktiſche, und intereſſirte fi) gleich Mark für die Wiffenfhaft ale für ihre Antvendang Er ftellte die Idee einer Wiſſenſchaft "der legten Gründe und Geſetze alles Wiſſens auf, und fuchte fie zu begruͤnden. Sein Verdienſt in der Philoſophie iſt daher unter allen Solratikern das größte, Es Affen. 87 Ss entftcht Bier die Frage, welche Ordnung in der Ge⸗ ſchichte dieſer Maͤnner und ihrer Philoſopheme ſtatt finden ſoll, da fie alle gleichzeitig waren. Wenn gleich nicht alles Willkuͤhrliche dabei vermieden werden kann, fo iſt es doch dem Gang der Ausbildung der Philoſophie voͤllig ange⸗ meſſen, wenn wir die vollendeten und umfaſſenden Verſu⸗ Ge auf die unvollkommenern folgen laſſen. Wie werden alfo der an Philoſophie Die legte Stelle unter den vonr Sokrates veranlaßten anmeifen: Diefe Ordnung läßt fid) noch aus dem Grunde rechtfertigen, teil Plato, unge⸗ achtet- fein Syſtem voͤllig das Werk feines originalen Geh ſtes ift , dennoch fehr Häufig auf die Dogmen der Übrigen Ruͤckſicht nahm, Ihre Hauprfäge widerlegte, Ihre Unver⸗ einbarfeig mit der menfchlihen Natur zeigte, und alfo dee GSeſchichtſchreiber dieſe Syſteme bey Darftellung des feinigen vorausſetzen muß. Zweiter Abſchnitt. Pphiloſopheme des Antiſthenes. Antiſthenes war ein Athenlenſer und ein Schär er des Gorgias. Als er aber Bekanntfchaft mit Sokrates gemacht hatte, verlieh ee nicht nur die Mednerfchule deſſelben, ſondern bewog auch mehrere feiner Mitſchuͤler, Sofrated Umgang zu fuchen, und er fchäßte biefen fo, daß er täglich aus dem Piräus 40 Stadien in die Stadt gieng, um ihn zu hörem Ey wurde einer felr ner eifrigſten SchÄler, und er befolgte mit weit mehr Stren ⸗ die Lebensregeln, welche Sokrates ‚gelehrt hatte "). 84 Aber 1) Diogenes Laertius VI, 6, 1.2. 3. Xeno- phbon Memorabilia Socrat, III c..ır $.17. Cicero de Oratorellll. c, 17. qui pa- tientiam et duritiam in [ocratico fermone maxi- me adamarät, » Zweites Haupfſtuͤck. Zweiter Abſch nitt. Aber indem. ex ſich beſtrebte, Sokrates zum Muſter ſelnes Lebens zu machen, ohne feinen Geiſt zu haben, vertilgte er das Bild der, ſchoͤnen Humanitaͤt, welches jenen Weiſen bei oller Strenge, feiner Sitten, ſo hebens wuͤrdig N und murde der Lehrer deg Cynismug. -.. In feinem Charakter ift-fomehl der Grund von feinen Lehren. ald von ‚feiner fonderbaren-fich auszeichnenden Les bensart zu. ſuchen. Durch feine geringen Vermoͤgensum⸗ fände an eine harte umd d xauhe Lebensart gewöhnt. war er wie Sokrates por dem Sittenverderben feiner Zeit bewahrt geblieben; daher wurde er aus: Neigung Sofrates Anhaͤn⸗ ger und machte die Grundfäße deffelben ; welche feinem Herzen fo Fehr. zuſagten zu ‚feinen eiguen Marimen, Aber ein eigenthümlicher -Zug feines Charakters, wodurch er ſich som, Sokrates ſehr unterihied, war Stolz, und die Begierde fih auszuzeichnen. Wahrſcheinlich mar er ein Bewwegungsgrund, daß er ein Schüler von Gorglas geworden war, und nun ald Schüler des Gofrates eine äuffere Lebensart wählte, a a ein Namen machen mußte. Sokrates lebte in einer freiteitligen Armuth mie Anfändigkeit.” Er- fonnte ale Dinge entbehren, die sum. Luxus gehören, ohne feine Armuth zu Schau zu ragen, oder den Wohlitand zu verletzen. Er machte: feine Jagd auf die Berguügungen ‚Des menfhlichen Lebens, aber ex floh fie nicht, wenn er ſie ohne Vernachlaͤſſigung einer Pfiſcht genieſſen konnte. Das Vergnuͤgen zum einigen Zweck des Lebens zu machen, dies allein hielt er fuͤr eine des Menſchen unwuͤrdige Mapime, Antiſthenes hin⸗ gegen machte: dieſes Entbehren zum Zweck, und kuͤndigte den Freuden des Lebens Krieg an, wo ſie auch unſchuldig find; es mar fuͤr Ahn ein Stolz, weniger als an« dere zu, haben und Armuth machte ſeinen Adel aus. Es war ihm nicht genug), daß ‚er einen zerriſſenen Mantel rüg. wenn es nicht in die Augen fiel; er kehrte Daher den erriſſenen Theil heraus. Solrates war cin i gut. Mens ſchen⸗ . ae Antiſthenes Dr — als daß er nicht aus: diefem kleinen Aug die Eitelfeit und den Stolz des Mannes hätte erkennen follen. ?). Um ſich noch’ mehr auszuzeichnen, mählte ee einen, derben Stock vom milden Delbaum ‚gegen ‚die Sitte ber Uthenienfer, einen Sack um die nöthigen Nahrungs⸗ mittel aufzubewahren, und’ einen Becher zum Waſſerſchoͤ⸗ "pfen, und ging fo in.eihem Aufzuge, der gemiffermaßen einen Herkules repräfentirte, herum ?). Denn nichts ſchmeichelte feiner Eitelkeit mehr, als den zweiten Herkules zu machen, der, wie der erfte die Ungeheuer, welche die äuffere Sicherheit der menſchlichen Gefellfchaft ſtoͤrten, die Laſter und Thorheiten der Menſchen befriegte. Uber. feine Methode: war zu unflug gewählt, als daß er nach Sofas tes Beifpiel wirklich Nutzen hätte fliften können, - und ans ſtatt ſich Eingang und Anſehen zu verſchaffen, und die Her⸗ zen zu gewinnen, machte er bloß Aufſehen, und ſcheuchte die Menſchen durch ſeine Sitten und Lebensart nur von fi) weg. Sein ganzes Benehmen macht es wahrſcheinlich, daß ed ihm nicht fomohl um die Befferung der Menſchen als daram zu thun war ſich einen Nahmen zu. machen. Daher trieb er diejenigen, die feine Schuͤler werden wol - ten, als fie ſich nicht glei feiner. firengen Lebensart untew - werfen wollten, mit Gewalt von fi, anſtatt fie durch N Gelaſſenheit und Gedult zu gewinnen *). 10. Er 2) Diognes Laertius VI. u 8. erenbavres aurou TO dieoouvoc rTou Teißwvos gıs TO meobaves, Zwnpurys ıdwv Dow Öew. vou dia Trou'rgi- Bwvos nv Bınodofıav. Aelianus Nar. niſtor. IX. e. 58. V Diogenes Laertius VI. . 13. 71. Luciä- nus Dialbogis Mortuorum ed. Bipont. T. DIE S. 168. Apuleius, 4) Aclianus Var, Hikon X, 6 16 p 90 Zweites Hauptfkücd, Zuweiter Abſchnitt. ‚Er-Iehete in dem Cyhnoſarges, einem Gymna⸗ fium für ſolche, die nicht voffbürtige athenienfifche Dürger Waren. Der Aufenthalt an diefem öffentlichen Orte, feine Lebensart, die Freimuͤthigkeſt und Bitterkeit, womit er Fehr ler rügte, verurfachte, daß man. den Antiftheneg und feine Nachfolger mit dem Namen Hunde belegte. Allein Ans gifthenes, Diogenes und Die uͤbrigen vechneten ſich dieſen Namen. zur Ehre an, und ſchilderten mit viel Wig die Yehnlichkeiten , welche zwiſchen ihnen und dieſen Thleren Fate fanden ?) Antiſthenes beſaß einen feinen durchdringenden Verſtand und. Scharfſiun, mit dem er weit mehr hätte lel⸗ fien fünnen, wenn er nicht von Sokrates Lehren eine Sei⸗ ge aufgefaßt Hätte, melde feinem Charafter fo völlig anges meſſen, und feinen Abſichten 'entfprechend mar. Dabei blieb er fichen, und beſchraͤnkte fein ganzes Nachdenlen dar⸗ | aufs jene Säge vorzutragen. So wie Sokrates alte Epeeulationen — und das Praktiſche fuͤr den einzigen Zweck hielt, auf melden alles Denken abzwecken muͤſſe, ſo behauptete auch An⸗ tiſthenes eben das; nur gieng er, viel weiter. Beide verſuhren —— Jener hielt zwar die Tugend fuͤr = h 5) Diogenes Laeriine vr, $. 13: verglichen II. $. 140, > wo erzähle] wird, daß die Eretrier den Menedemus aus Verachtung einen Hund nennten. Suidas voce An- tifthenes, Der Tempel, des Herkules, welcher dofelbft Befindfich war, fonnte wohl Veranlaſſung geben, daß die Cynitker fih den Herkules zum Mufter nahmen. Antie fiheneg felbft twurde amrdonywv genennt, Wie fehr den Cynikern diefe Benennung gefiel, zeigt die Anefoote vom Diogenes. VI. $, 60. Alerander überrafchte ihn und fagte: -ich bin Alexander, der. große König. Diogenes gab zur Antwort: na ya Asorysyng 6 xutoy. — SEWTY- ei; TI mOwV, numv yarsımal, 8Dy, Toug MeV di- dovras azıywy, Tous ds My — UNAHTWI, TOUE ds morngaus danvcoy. Aneifigenee, 91 hoͤchſte Volllommenheit, und das legte Ziel des menſchlichen Beſtrebens, aber er ſchloß desmegen jede nügliche Thätig- feit, welche vernünftige, wenn gleich. untergenrdnete Zwecke zum Gegenitande hat, nicht aus. Diefer hingegen mollte, daß der Menſch nichts anders und nicht s wel ter als tugendhaft ſeyn ſolle, ohne auf andere Zwe⸗ de nur die geringſte Thätigkeit zu verwenden. Dieſe Fode⸗ sung, welche ſich mit der Natur des Menfcpen nicht vergl nigen läßt, entfprang aus einem falſchen Begeiffe von deg Beſtimmung des Dienfhen und der Tugend, Tugend und Glügfieligkeit hatte Sokrates noch nicht ſcharf genug unterfchleden ‚- beide fhmolzen, wie wir eben geſehen haben, in Eing zufammen. Antiſthenes ſetzte den höchften Zweck des Menfchen mit Recht in’ die Tugend, über er fehlte darin, daß er ihm zum einzigen machte: Nun iſt aher doch das Streben nad) Glückfeligfeit ungertrennlich von der menſchlichen Natur, und es drängt ſich unaufhaltfam auch dann auf, wenn man den Menfchen zu —— Intelligenz machen will. Pothwendig mußte daher die Gluͤckſeligkeit nur inſoweit zuruͤcktreten, daß fie der Tugend den Vorgang ließ, und als unzertrennliche Gefaͤhrtin Ihe Schritt vor Schritt ſolgte. Oder mit andern Worten, die Glüdfeligfeit wurde als eine unmittelbare _ Folge der Tugend betrachtet. Auch diefes lag in Sokrates Syſtem; aber dieſes war nicht fo beſtimmt, „and in fo enge Grenzen gezogen, als daß es ſich mit allen. Zwecken und Koderungen des Menſchen, die mit der Vers nunft in feinem offenbaren Widerfpruch leben, nicht Härte vertragen folen. Duch Antifihenes wurde es von dieſer Seite beſtimmter, ‚aber auch einfeltiger. Die Grunds füge deffelben find folgende. , | Nies if gut, alg w as recht If, und alles was redet if, iſt gut. Daß, was den Menfhen ſchaͤndet, if nur allein für Boͤſes zu halten. Alleg übri. ge gehdrt weder zu dem Guten noch Boͤſen; vo | 92 Zweites Hauptſtuͤck. Zweiter Abfchniek. es If indifferent: ). Diefe Sätze ſcheinen zwar einen vortreffllchen moralifhen Sinn in fich zu enthalten, allein, wenn man-fie näher beleuchtet, fo beruhen fie ‚doch ‚ auf. fehe: unbeftimmten Begriffen der Bollfommens ‚heit ,: welche erſt durch Die reine Entmwickelung des Sits tengeſetzes von falfchen Nebenbeftimmungen gereiniget wer⸗ den, müßten. Antiſthenes ging, tie: faft alle griechi⸗ he Moraliften nicht vom Geſetz, fondern. vom Objekt des Willens aus, welches die Ideale Bollfommenheit iſt. Die Vernunft Eonnte,- fo lange fie das Sittengeſetz noch nicht zum deutlichen Bewußtſeyn entwickelt hatte, nur Durch: einen Umſchweif in der Gottheit. diefes deal erblis “dien; aber es entging ihr, daß die!Data wodurch diefes Ideal fuͤr moraliſche Wefen beftimmt werden ‚kann, nur in ihrer eigenen Gefeßgebung zu finden find, Gott wurde Daher: nicht gerade als das deal der Sittlichfeit ald das Heilige Wefen, ſondern nur.als das höchftvollfommene Wes fen aufgeſtellt, welches alle Realitäten in ſich vereiniget, ‚unabhängig von der Natur, und fich felöft genug zur Se⸗ ligkeit iſt. Ohne alle Bedürfniffe- feyn, If goͤttlich; ſo wenig als moͤglich Beduͤrfniſſe haben, kommt dem Goͤttlichen am nädhften”). Darin beſtand alſo das Ziel, nach welchem der Menſch ſtreben fol. Er. foll unabhängig felbf- ftandig feyn, und daher ſich von ‚allem losreiffen, was [feine finnliche Natur ſodert. So weit ald es mög« h | ER 3 * 6) Diogenes Laert. VI. ı2. r ware Kunz, TE Hann nIoypa Ta movnem mavyız, vomls.Esvina $. 108. Ta de METUZU apETNS noy Manag, adıadoez. 7) Diogenes Laert. VI. $. 105... $ewv uev ıdıov. eva, 'undevos deıs$og" Tv ds Hsoss ömoser, To 0Ayay Xen Cew. Ein Gedanke, welchen Diogenes von So frates entlehnte; er Tiege aber "auch fihon Antife benes Gruhdfägen zum Grunde, N Antiſthenes. en 93 —lich iſt, ohne das thleriſche Leben, die Bedingung des geiſti⸗ gen; zu zerſtoͤhren. Es kann alſo dadurch nichts als Ein⸗ ſchraͤnkung der Befriedigung thieriſcher Beduͤrfniſſe gefodert werden; aber es iſt dadurch noch: keine Grenze⸗ beftimmt;) wie weit fie ‚gehen: fol. oder darf. Wie viel oder wenig ein Menſch an Nahrungsmitteln und Kleidung brauche/⸗ kann nicht vorgeſchrieben werden, weil es auf ſubjectlven Bedingungen beruhet. Kurz Antiſthenes und ſeine Nach⸗ folger machten die hoͤchſte Einfalt und Einfchräns kang in Diefen»Dingen zur: Pflicht und. dieſes ver⸗ ſtanden fie wahrſcheinlich unter dem. Grundfage+ m an muß nah der Tugend leben?) - Die Entbehr zung und Verfagung det Bedürfniffe iſt an ſich nach nichts moralifches, wenn «3. nicht durch Das. Sittengefeß. geboten; und um deffelben: willen ausgeübt. wird. Unterdeſſen laͤßt es ſich leicht erklären, mie die. Cyniker das Materlale des, Sittengeſetzes gerade. darin ſetzten. ‘Denn da diefeg gebies tet, die Sinnlichkeit, dee Vernunft zu unterwerfen und Herr über. feine Neigungen: zu ſeyn, wenn es die Pflicht fodert, ſo machten fie ein bedingtes und untergeordnetes Gebot zum abfoluten — ein Mis verſtand, der eines Theils verzeihlich war, weil weder der Inhalt noch die Form des Sittengeſetzes wiſ⸗ ſenſchaftlich nord beſtimmt war, theils durch ven oben bes. merkten Characterzug des Antiſthenes veranlaßt wurde. | Die Tugend iſt nun: der Zufland der Bolln kommenheit des Menfhen, daß er fo wenig als moͤglich von feiner finnlichen Natur und andern Dingen abhängig ift, oder. die jener VBollfommenpeit ans gemeffene Handlungsweiſe. Sie kann gelehrt F —* Te wer» RT TI ER TLTD FEN N ee „8)-Diogenes.Laart. Vi. $.204. ageine. d zu. roię ng TERoS eıviy To nur’ aperyv Say (15 Auriche- uns Dow sv Tu "Hozarer). — aessrer autos au > Ars @rev,Taureonesı Kednievoıg airiois nu reißte- ‚or user ... .. en — Kara Dpwacı. N * 3E Zweites Hauptſtuͤck Zweiter Abſchniet. werden; dei. es kann gelehrt werden, worin fie ed ſteht, abet zut Ausuͤbung derſelben bedarf es weiter nichts as Stärke und Feſtigkeit des Charakters⸗ | ſo wie fie ein Sokrates befaß - ): Dies: Tugend If zur Gluͤckſeligkeit volu kbommen hinreichend / oder mit andern Worten, die letztere iſt die unmittelbare Wirkung Derfelben 1%). Dieſer Sag ſcheint bei dem erſten Anblick parodor. Denn es iſt nad) der.ganzen Befchaffens heit des Gemuͤths nicht viel’ beffer als ein» Wideriprud),) daß man in dem Verhaͤltniſſe gluͤckſelig werde, als man ſeine Neigungen ſo weit unterdruͤckt, daß zuletzt wenig oder feine Empfaͤnglichkeit mehr übrig bleibt. Indeſſen IR doch e Staͤrke der Seele, wodurch man feine Neigungen bes herrſcht, ſchon an ſich etwas Großes, welche mehr an die erhabene Würde der. Tugend grenzet, und oft weit befechs gender als der Genuß ſelbſt, indem man gerade dadurch der Freiheit, des größten Vorzuges vernuͤnftiger Weſen inne wird. Es iſt alſo ein verzeihlicher und edler Itrthum/ wenn er das Gefühl der Achtung, welches mit der Selbſibeherr⸗ fung verknuͤpft iſt, für die hoͤchſte Gluͤckſeligkeit erklaͤret, gegen welche jede andere Luſt der Siunen für nichts zu rech⸗ nen if. So richtig dieſes aber auch im Ganzen iſt, fo thut doch diefer praktiſche Grundfag weder den Foderungen der reinen Vernunft, noch des Begehrungsvermoͤgens = ) on a —— = 17 9. Diogenes Laert. VI. $. 105. apsiner ds au- roic ng Tyv dperuv' didanrny dvou, nad Das Av. — Ti gang ev rw Heanrer noy avamoBAnrov Ü vragxerv,. abieoasoꝛ Te rov 0oPov nıy avanaprnTov way DiAoy vo CL. 72 runn LIE un ds ’ —— =” ri. 40% Dieskuss kant, v. 9 Al auraonn væꝙ {TAPETE era TEA. Eudasuoviau undsvos muden- usvnv, oͤr⸗ un SUIRLRTIRNE ICK YO | Antiſthene. 9 nuͤge; die Tugend, welche auf Gluͤckfeligkelt Ruckſicht nimmt, widerſpricht dein Sittengeſetz, und eine Gluͤckſelig⸗ keit, welche blos in dem Entbehren beſteht, der ſinnlichen Natur des Menſchen. Antiſthenes ging alſo in deu Entwickelung des Sittengeſetzes keinen Schritt weiter, als Soktates, er entfernte ſich vielmehr nie weiter von den wahren Wege, da er durch feinen: Brundfaß: nach ſeiner ganzen Conſequenz genommen, die Cultur zus Hamauitoͤt f6 gut als unmöglich Mahl 0 Diefe Folgerung liegt in einigen Ausſpruͤchen des Ans uſthenes. Der Weile fagt er, achtet nicht die Geſetze des Staats, In dem er lebt, fondern befolgt nur dag BefeH der Tugend !!). Dies folgte nämlich) aus dee Unabhängigkeit und Selbfiftändigfeit, worin das höchfte Gut gefegt wurde, Er verachtet Reichthum, Ehre, Ruhm. Alle wiſſeuſchaftliche Kenntniffe find unnuͤtz und zwecklos, und fie dienen zu nichts als zum Luxus und zum Verder⸗ ben '2). Was bleibe dem Menfchen alfo noch uͤbrig, als daß er, wie Ryuſſeau wollte, in die Wälder zurückkehrte, und von Kräutern, Wurzeln und Eichen fi) nähre? Welcher Wirkungskreis bleibe ihm noch offen, im dem ex feine Kräfte anwenden und üben Finn? Worin foll fich die Tugend wirkſam beiweifen, ‚wenn man den Menſchen Hollet, und jede Triebfeder zum Handeln entzieht ? Uebrl⸗ 12) Diogenes Laert. VI. G. 11. uay rov ocbon | 8 NAT TEGHAIUEVEE Yonas MOMTEUECHY, aM Kar Ta TOV INS agerny⸗. = 10) Diogenes Laert VI. $- 12. Tre des TWY SEYWy evoy UNTE Aöyy rAcısay Ssousynv pre Hadnkariv. 105. Mapoyrsrra; ds no Ta ByKundsa Wayruara Yonuımara yav un wardavem sDacnev Avyrıs$svns Tas awPeovas Yevousvas, iv am diasgs- ‚ Dowro rois aorgas. © - | 96 Zweites Hauptſtuͤck. Zweiter Abſchnittk. WUebrigens läßt ſich nicht laͤugnen, daß Antiſthe⸗ nes wie Sokrates manche vortreffliche moraliſche Re⸗ geln gegeben hat; aber ſie gehoͤren nicht hieher. Seine Begriffe von Gott ſind edel und gelaͤutert, und ſie dienen dazu, Sokrates theologiſche Vorſtellungsart in ein naͤheres Licht zu ſetzen. Er ſagte nehmlich, es gebe dies le, Volklsgottheiten, aber nur eine. Gottheit der. Nasur,, welche mit. feinem endlichen Wefen it. gend eitıe Aebnlichteit babe, und daher auch nicht abgebil⸗ det werden koͤnne 13). n eAntiſthenes verwarf die Beſchäftigung mit den Wiſſenſchuften? als unnuͤtz/ weil’ fie nach feiner Meinung nichts Dazu beittagen, den Menſchen tugendhaft zu ma⸗ &eny' und ging: darin welter ald Sokrates, der eines Theils nur die Sperülationen uͤber Gegenſtaͤnde der Natur mih⸗ billigte, und das Studium der übrigen vorzüglich der mas thematiſchen Kenntniſſe nur einfhränfte, Uflein Ant:fihes nes! verwatf auch diefe, nicht allein als unnuütz⸗ ſondern auch als verderblich 14). | 5: "yeberhanpt ſuchte ee durch Gruͤnde zu — daß fein. theoreliſches Wiſſen moͤglich iſt, die, fo dunkel and unvollſtaͤndig ſie vom Ariſtoteles auch angegeben find, dennoch viel Scharffinn verrarhetli "Er behauptete nehme lich: Hein Gegenflahd" dier Natur, täfe ſich erklären; durch eine Nenldefinit#on; man fann nur allenfalls feine auffern Beſchaffenheiten und Ber a 19) Cicero de natura Doost ..c. 13. Atque etiam Antifihenes in eo kbro, qui phyhcus inferi- bitur, populares deos multös, naturalem unum Prr. “it: dicens,; tellif? vim- et naturam, — pr—2u⸗ex —3— —* — Ye & 108, * Ear au» Mol Toy NovV⸗enov a4 ToV —— roror srögloggen — — Ös.\meossgd Top: mega ds Hof yewpergiav, niy BEOINyNVRTNTRTE TOIRUTR: d Antiſthenes. "92: Bärpältniffe angeben. Was das Weſen des Gil bers iſt, wiſſen wir nicht, mir fönnen nur fagen: eg fep 1 nur fo etwas wie Zinn: Feder Verfuh einer Sacerfläs - zung iſt nichts als Weibergewaͤſch, wo durch noch ſo viele Worte doch nichts erklaͤrt wird 7). Daher behauptete er auch viellelcht, daß nur identiſche Säge möge lich ſeyen. Jedem Dinge koͤnne nur ein Praͤe dicat beigelegt werden, und zwar welches un: dem Badjrct hl Bald, fer ). Wars - es) Aekotelen Metaphylicer. VIII. c. 5. or - 4 Id 30 27270 wvdexerag, nau:.dıdakay; BSTrEg ag-: 1 wee 7 amopin, yv 0 Avrısdeyeany Ö Erg arasn Ösurer nWogsn ExXer Tıva ucugov —— — —— ro Bu 722 7770 Via day. rev Yae-opov v4 Ao=', 2:09 mangov' (confer. XIV, 3.) ad woscy syubiov, TI Ev EGW a,.0T4 de olovnatreregog. 26)‘ Aritoteles Metaphyficorum V,.c. 29. "6 de Weudns Aoyos wdevos esiv aA Aoyası dio Ay %) + — — deu were evndu⸗ ‚undev — Reyssdoy, r "ro onen Aoya “ev &D' 5Vog Ef wr wuvoßaye, unevas i "ats, cxedop de unde Veudschu. Wahrſchein⸗ lich har Plato dieſe Behauptung im’ Sinne, wenn er Sophiſta 2. B. ©. 270. ſagt: oͤſey uoy Tag TE vsoiz mal Tv YEgovreov Tor obıuadsci So⸗. vv MugSOHEUANE KEN" Eugug yag avrı\a ße; day warme‘ greöxsigöv „tg aduvarov va Ta Wor« Ev nu Ton woR« sıyay. nay dn mai xiggacıy un Bvräg aygoy rar" nyeiy aygewmov, adıa’ro usv ayahen,. ayasor, Tor ds ay$gusmrov auggumoy. evruy;chuhis yap, 0 Osiy- > “une, bs Byauy, Mora Ta Tolaute someda, | aoem, 89, oirs medcßursgong avdewWitois, may uro mer. niacqg rns megs Deovnoıy ATNoswWg Ta TOlauTa TEIaU- uanosu, nay on Ti ey — oieusros TETO au TO aNEuenKEvaguı ‘. “ 3 len..on x u ı BR 2 u Kenmenannd Goſchichte der prlleſeydi in Th. E Kr . 98 Zweites Hauptftüc: : Zweiter Abſchnitt. um dieſes Antiſthenes behauptete, bat ung Fein: Schrift⸗ ſteller geſagt. Nur fuͤgt Ariftoteles hinzu, er habe dar⸗ ans gefolgert, daß man niemanden, widerſprech am: oder beſtreiten koͤnne, woruͤber er eine eigne Schrift verfertiget hatte 17). Wenn: wir uns nicht irren, (6 haͤn⸗ gen ‚alle diefe-Behanptungen zufammen. Denn wenn es fein theoretiſches Wiſſen giebt, fo. kann auch fein Gegens fand nach feinem Weſen erklärt werden, dann kann aber auch nichts von; demſelben praͤdielrt werden, als dags was inn dem: Subjecte ſchon enthalten iſt, z. B. Menſch iſt Menſch, gut iſt gut, Giebt es keine andern Saͤ⸗ fer fo iſt auch jeder Stoff zum Steeiten und Difpufiven - aufgehoben. - Was auch für, Gruͤnde Antiſthenes fuͤr dieſe Behauptung hatte, (vielleicht harter ſte aus Gorg as Schule), fo iR doch gewiß, daß fie ein Problem zur Spra⸗ che brachte, welches jetzt mehreren Denkern zu ſchaffen machte, wie wir unten bei Stil po ſehen werden, Aber freilich war es noch nicht fo geſtellt, daß es die Auf⸗ merkſamkeit erregen konnte, welche TE verdiente, und / wahr⸗ ſcheinlich waren auch die Gruͤnde, aus welchen von Antiſthe⸗ nes die Moͤglichkeit blos identiſcher Urtheile behauptet wurde, ſo ſchwach, daß eben weil ihre Widerlegung gar keine Schwie⸗ eigfeit machte, auch der Forſchungsgeiſt nicht, weitet „zur unterſuchung der, Schtoierigfeit, weiche, in demfelben ver⸗ borgen war, aufgefodert wurde. Daher erwaͤhnt Pla⸗ £o. diefe Behauptung nur im Vorbeigehen und wirft einen veroͤchtlichen Seitenblick auf die Vertheidiger derſel⸗ ben, und. ‚Aristoteles fertiget fie mit der Benen⸗ nung einer-Paradorologie (Seaw) ab") . So wenig Anziehendes Übrigens die cyniſche Lebens⸗ art haste, fo fehlte es doch nicht. an Männern, welche ſich zu ihr befennten,.ja ſelbſt ein „edles, Maͤdchen zu Thehen , Dipparchia, entſchloß ſich aus Liebe zu ihrem, Cra⸗ 17) Diogenes Laert. Hi, 9.354 j ‚ 1 19) Afllierake!Fopicorumck cut.scmenn Z Antifthenes, ER .99 tes, mit Wuföpferung alles Glänjenden, was ihe Stand und Geburk darbieten fonute, eine Anhängerin dies fee Secte zu werden. Unter den Nachfolgern des Antiſthe⸗ nes gab: es mehrere Maͤnner, welche fich durch ihre See⸗ lengroͤße, durch ihren Haß gegen alle Sklaberel und An⸗ haͤngigkeit, durch ihre Reſignatlon auf alle Annehmlichkeiten des Lebens, durch ihren Eifer für Die Sittenverbeſſerung eben ſo wohl als durch manche Sonderbarkeiten eine Stelle unter den - aufferordentlicheo Menſchen erwarben. Aber keiner zeichnete ſich durch eigentliche philofophrfche Talente aus, Ueberhaupt dauerte diefe Schule nicht fange, meil an ihre Stelle die Stoiſche trat, welche die Hauptſaͤtze der cyniſchen mit weit mehr Scharfſinn wiſſenſchaftlich bearbeitete. Das her wurde der Cynismus der kurze Weg zur Tugend genenũt, gleichſam dad Compendium, zu welchem die Stoifer ‚den Gommensar lieferten Re Dritter Abſchnitt. | Ariſtipp. Antiſthenes war arm, Arifiippug hingegen reich, Jener war von Jugend auf an an eine harte, rauhe Le⸗ bensart, dieſer an Alle Bequemlichkelten und Annehmilich⸗ feiten des Lebens gewoͤhnt, melde in den Haͤuſern der Reichen angetroffen werden. Diefe Berfchiedenheit des äuffern Lage hatte auf den Charakter und vie Denfungsart beider Männer den entfcheidendften Einfluß... Daher war dad Moralſyſtem des Ariſtipps das entgegengeſetzte von dem cyniſchen. Dieſes ſetzte das letzte Ziel des Mem: ſchen in dem ——— in der — G 2 der 19) Diogenes Laert, VI. $,104, 160 Zweites Hauptſtuͤck. Dritter Abſchnitt. der Neigungen. und in Unabhängigkeit;. jenes aber erklärte die leichte und harmoniſche Befrie⸗ digung aller. Neigungen den Genuß eines dauerhaften Vergnügens für das hoͤchſte Guts Aber ungeachtet diefer Abweichung. in den erfien Grundfä« gen ftimmten dennoch. beide zulegt: in dem Nefultate zufams men, daß die Glückfeligfeit .der letzte Zweck des Menfchen ſey, und das was beide Männer. von ‚einander entfernte, war alfo nicht. fomohl die Beftimmung des Ziels alles menfchlichen »Strebend als des Weges und der Mittel; durch melche jenes erreicht werden ‚könne, eine Werfchies denheit, welche ſich aus ihrer verſchiedenen aͤuſſeren Lage und Denkungsart erklaͤren laͤßt. Aiſtipp ſtellte alſo zuerſt das eudaͤmoniſtiſche Syſtem relner und mehr entwickelt auf, wenn er gleich nicht alle Ruͤckſicht auf die. woraliſche Geſetzgebung der Vernunft ausſchloß. Mit je mehr Conſequenz aber jene Grundſaͤtze aus einander geſetzt, und die Folgen abge⸗ leltet wurden, deſto weniger konnte man es ſich verhehlen, daß Die leßten mit gewiſſen Gefühlen und Urtheilen, die fein Menſch ganz verleugnen kann, in dem fiärfften Gontrafle Reben. Daher. ſchwankten die unmittelbaren Nachfolgen des Ariſtipps zwiſchen dem bloßen mit der Moralität offens bar ftreitenden, ja fie gang aufhebenden, und dem modie ficirten, der Moralität näher gebrachten Eudämonismus hin und her, ohne recht zu wiſſen, wohin fie einen feſten Tritt thun ſollten. Diefer Widerfreit der Vernunft und Sinns lichkeit , . diefes Schwanken zwiſchen den Ausſpruͤchen dee empielfchen und reinen Vernunft ift im der That eine inters effante Seite der eynifchen Schule. Schade nur, daß ung geſchichtloſe Denkmäler gerade in dieſem Punfte am. meiften. verlaffen, uUeberhaupt iſt die Gefchichte diefee Schule mit vielen Schwierigkeiten verfnüpft, weil die hiſtoriſchen Nachrichten, zu unvollſtaͤndig, hückenhaft und unbeftimmt find. Denn erſtlich miffen wir aus * Leben des Arifipps nur | ein i⸗ N or >. 2 ger ehifge: umſtaͤnde mit Zuverlaͤſſigkelt und von feinen Nach⸗ ſolgern wenig'mehr als die Namen, Es iſt nicht einmal möglich, die Zeit genau zu beſtimmen, wenn jeder derfels ben lebte ; welches für die Gefchichte ihrer Phlloſopheme kei⸗ nesweges gleichgültig if: Zmeitens fünnen mie and). nicht genau beftinmen, wie meit Ariftipp dieſes Syſtem ents wickelt, und nie weit feine Nachfolger in einzelnen Punkten deſſelben gegangen find. Die Lehrfäße von Wahrheit und Erkenntniß und Ihren. Grenzen, welche den theoretifchen Theil des cyrenaiſchen Syſtems ausmachen, und worauf ihr praktiſches Lehrgebäude gegründet ift, flellt Sextus Empitifugs, im Allgemeinen bin, ohne den beſtimm⸗ ten Antheil, den vielleicht mehrere Eyrenalfer daran has ben, von einander zu ſondern. Und doc) ift ed nicht fehe wahrſcheinlich, daß Xriftipp diefes Syſtem in feinem gan⸗ zen Umfang ausgebildet hat, nicht ald wenn wir ihm dag Talent dazu nicht zutrauten, fondern weil ed mit feinem Charafter-, feiner: Neigung zum ungeflörten Genuß des Les bens nicht. mohlübereinftimmt,; daß er viele Mühe und Fleiß auf. die’ Ausarbeitung feines Syſtems gemender habe, wenn gleich nicht geleugnet werden kann, daß er feine Grund⸗ fätse Öffentlich, und zwar um Geld lehrte, : Nach dem’ mas Arifiofles beim Eufebius ſagt, fcheint erſt der zweite Ariftipp die Hanptfäge des Cyrenaiſchen Syſtems beſ⸗ fer entwickelt zu haben ). Dieſe —— aa — G 3 fü h⸗ I) Diogenes berichtet zwar II. 5.65. von Arifkipp &ros 0odıssuoaus (ws Das Bavıns 6 Tleemarnrınag Eegsciog) mewros TwV Zwnpatinwv MEISYEs'anemor- Euro, ny amesehe Xnuara Tu dacxad⸗ und 11. 5. 62. heißt es vom Aeſchines rer’ aPınousvov A9y- vacs un Torunv vo Dizsumv, EUCOLIMLEYTWy TOTE TV megi IInarwva noy Agısımmov, suuista;de anpanasız groressIy. Allein anf diefe Zeugniſſe iſt wicht viel zu bauen. Das erſte macht ſich durch die Verbindung zweier * 102. Zweites Hauptſtck Dritter Abſchnitt. fuͤhren ung vielmehr wegen Ihren Aehnlichkeit mit den Be⸗ hauptungen des Pyrrho⸗/ des Urhebers der: ſteptiſchen Phuoſophie auf einen ſpaͤtern Ur prung hin/ der: auch um deſto wahrſcheinlicher wird, da einer von den Nachfolgern des Ariſtipp, Lheodorus, als ein Schuͤler des Pyrrho angeführt mird 2%. Die Veraͤnderungen in | dem: Praftifchen fommen wahrſcheinlich zum Theil auf Rech⸗ nung des Einfluſſes anderer Moralſyſteme, nur daß dieſer nicht mit ste eſugmtheſt —— werden kann — — MWir ghotſachen die nicht in Verbindung ſtehen mi, felbſt verdaͤchtig. Denn iſt es wohl nur wahrſcheinlich, daͤß Ariſtipp, der als reicher Juͤngling, um eine Reiſe zu be⸗ ſchleunigen, ſeinem Sklaven befahl, einen Theil feines Geldes wegzuwerfen, wie er nach Athen kam, eine Lehr, — ſchule errichtet habe, und zu gleicher Zeit Sokrates Schuͤler geweſen fen? ‚Und wenn ihn ;Ariftpteles einen Ss phiften. nenn, Metaphylicorum I. III. c. e, fo wird man ſich nicht in die Gedanken kommen laſſen, daß Ariſtipp einen wiſſenſchaftlichen zuſammenhaͤngenden Lehrvortrag, aber wohl vermuthen, daß er nach Art der Sophiſten einzelne Reden, Vortraͤge uͤber einzelne Ge⸗ genſtaͤnde gehalten, oder einzelne Juͤnglinge unterrichtet — habe. _ Auffer.diefen wahrſcheinlichen Gründen haben wir noch ein hiftorifches Zeugnig vom Ariftofles beim Eufebius Praeparat. Evangel. 1. XIV, c. 18. wero Agısımmog Uyeos mayu mov Brov ny Diähdevog‘ PS adv MeV ETo5 89 To Davapın reg Tr disAE- daro duvaum de, TA eudayucı ag Tyv Umosaciv ErE- yevev doraic neısYar. att yap, Anyazmegı ndavns rois uevoc, 815 umoyızv NYETBG Teocioucag Auto TE Asyey' TEno⸗ evayro ndstag Cav — und glei barauf vom Aris tipp Metrovidactug 6 407 aDwg WEIGATE TE- Aog Avy TO nd Cavı ndorav. EVTATTUP TOV KETa wiyganv, , 2) Suidas sv. Oroduges. Wie — erſt die ine Si des Eudämonlemaug, worinnen wahrſcheinlich alle Cprenaifer übereinftimmten, datſtellen, und dann die Lehrfaͤtze aus einander ſetzen, wel⸗ che einzelnen Cyrenalkern eigenthuͤmlich find. Zuerſt aber muͤſſen wir noch etwas von dem ae der Cyrenaiker und * Nach folgeru * — pftipp war aus — einer Berüßten griechi⸗ ſchen Pflanzſtadt in Afrika geboren. Der Reichthum ſeines Vaters ſetzte ihn in Den Stand eine glängende Rolle In: der Welt zu ſpielen. Eine Reiſe nach Olympia-um die bes sühmten "Spiele anzufehen, gab die. Veranlaſſung, daß eine unwſderſtehliche Degierde,. fich in dem geiftvollen Um⸗ gange des Sokrates zu bilden, von! deſſen Ruf, wie es ſcheint, er ſchon in Cyrene gehöre‘ hatte; feine ganze Seele erfuͤllte.Es iſt wahrſcheinlich, daß er als ein gebildeter Juͤngling nach Athen fan; der aber im Beſttze eines groſ⸗ ſen Reichthums, und nach den Sitten ſeiner Vaterſtadt vlel zu ſehr an ein uͤpplges Wohlleben gewöhnt war, als daß er einen andern Zweck follte gehabt Haben, als durch die Cultur feines Geiles die Empfaͤnglichkelt für den Ge⸗ nuß after Art zu erhoͤhen und: durch die Philoſophie den klugen Gebraͤuch aller Guͤter des Lebens zu leruen 3), So⸗ krates bemerkte zum wenigſten einen zu großen Hang zur Weichlichkeit zum Vergnuͤgen und Wohlleben, den er ſel⸗ nen Grundſaͤtzen nicht augemeſſen fand, und wahrſchein⸗ * ae EUER und Borftellungen nicht ganz aus⸗ 4 rot⸗ 9— Diogenes Laert I. 6. 65.77.68. Daß Ey gene eine wohlhabende und ſchwelgeriſche Stadt war, et, hellet iaus der Weigerung des Plato, den Cyrenaͤeru Geſetze zu geben orı xurgmev Kugnwaydıs vouo Screm rw evruxacı Plutarchus adverſus principem indoctum, T. II. ©. m — de suriofitate T. 1, ©. 510. > — 04 Zweites Gauprfihl, Dricter Asfchniit, rotten kounte *). Er ward ein feiner Weltmann, der ſich in. alle Lagen und Bgrhältniffe ſchicken konntes und bei al⸗ lem Sinnengenuß ſtets Herr über ſich ſelbſt blieb, kein Ver⸗ ‚guügen aͤngſtlich ſuchte, aber auch nicht von ſich wieß; ein Mann von immer heiterer Gemürheftimmung - ein muny terer Geſellſchafter und wigtger Kopf. -.: Seine ganze Philo⸗ fopbie beftand in dem Grundfages mihi res, non me rebus, (ubmittere.conor, wie fie Horay Sceffend ſchildert. In der Kunft dag Leben zu genieſſen, wozu allerdings auch eine Art von Selbſtbeherrſchung ger hört, war er Meifler. Er lehrte diefe, wie es ſcheint, aber nur einzelnen, für eine beftimmte Summe Geld, nad Art der Soppiften. Uebrigens war feine Gemuͤthsart gut⸗ muͤthig, ſanft und edel F).... Wir ſind nicht mehr im Stande, ſeine — föen Grundfäge. genau zu, beſtimmen, weil ‚fie mit denen feiner Nachfolger fi vermifcht haben. Die von ihm aufs bervahrten Bonmots und einige Seutenzen verrathen aber ſchon Hinlänglich den Geiſt derfelben, z. B. die Nichebes friedigung der DBegierden, die Enthaltung von aller Luft giebt dem Menſchen noch feinen Vorzug; das Beſte if das Vergnuͤgen zu.genieffen und dabei ime mer Herr über ſich zu bleiben. Die Hauptmas zime, welche er einfchärfte, war Mäffigung. in al⸗ em 9, Diefe Grundfäge per zwar nicht — 4 Kenaphon. Memorabilie Sacratis 1. ı$. ‚9 Plutarchus de puerorum educatione ‘ed. Hutten V, 7. &, 77. 'Diogen Laert, U, & 72. 66. De 6) Diogenes Laertius Il: 6. 75. KT LE a0 un NTTasgyNdonwy apızoy, 2 To un XensIay I2. 7 ace⸗so üreritsro. Yuyargı Agyra,. Curaonun auTny UMEROTTIRNV TE TACUVOS eva. Ariſtipp· 2.205 aber fie ftreite auch nicht mit der Moralität. And es if daber fehe wahrſcheinlich, daß Ariſtipp die eudämonifchen Sehren, melde in Sokrates Spftem neben den moraliſchen enthalten waren, zwar hauptſaͤchlich hervorzog, ohne ger xade die unfittlihen Folgerungen aus den Grundfägen zu entwickeln , in. welchen fie verfteckt lagen, la ohne ſich der» felben vielleicht ſelbſt bewußt zu ſeyn, Zum menlgften bes obachtete Ariſtipp im Aeuſſern eine gewiffe Anſtaͤndigkeit und Ehrbarkeit, die gegen, die cynifhen Sitten gar ſehr abſticht, und gewiß mar Sokrates Geift und Beifpiel nicht: ohne Einfluß auf ihn, geweſen. Uebrigens ſcheinet auch diefe Schule die-Denfungsart des Sokrates in Anſehung des Werths der wiſſenſchaftlichen Kenneniffe angenommen. zu haben, Er ſchaͤtzte fie nur nach dem Verhaͤltniß, als fie praktiſchen Nutzen gewaͤhren oder zum Wohlſeyn des Men⸗ ſchen beitragen. Daher verachtete er die mathematiſchen Wiſſenſchaſten J).. Bra: Unter den Machfolgern des Ariftipps -find Ari⸗ fipp. der zweite, Theodorus mit dem Zunahmen Atheus, Hegeſias und Unniceris die berühmter fen, Ariftipp ein- Enfel des erſten, ber den. Zunah⸗ men Metrodivaftus erhlelt, weil er... von. ‚feiner Mutter Arete war erzogen worden, kann als der zwelte Stifter des Syſtems angefehen werden. Theodor war ein Schüler des zweiten Ariſtipp. Allein: nach dem Sul- das hörte er au den Bryfon; Zeno den Stifter dee Stoa und Pyrrho den Skeptiker. und nach dem Diogenes auch den Anniceris. MWahrfcheinlich u 65 ruͤh⸗ 5 Ari ſtoteles Metaphyficor um III. «=. wss dia Taura Twv codıswv riss drov. Adıaumaroz MEIETAAaNIeEy auTas, „EV KEV vaę Toys aus TEX- va nıy raus Bavausoıs wuroys, Öiov Ey TERTOViKN Kay exuring dıorı Behrıgv n Keigov Acysoday marra, Tag de uasnuarınaz adv Muisisyay Aoyay megi ayaTwy AM ancv. u ’ 106 Zweites Hauptfhch Dritter Abſchnitt. ruhren auch -die logiſchen Säge, welche Serius den: Cs Tenaifen“ Überhaupt beilegt, vpon dieſen Theo vor Ger Bir Hegeflias Aehrte feine Grundſaͤtze zu Ale⸗ yandıich , bis ihm vom» Piökmaus das Lehren unterfagt wurde, Weiler im einem Bude, welches den Titel führte Amon, ud in Feinen Öffentlichen Vortraͤgen dag Elend des menſchlichen Lebens ſo eindringlich ſchilderte / daB vlele mit Verdruß und Coftl gegen das Leben erfuͤllt now den. Er bekam Baherden Namen Tlioı Iavars ). Wahrſchelnlich lehrte Anniceris ebenfalls in Alerane drien.! Wir ſchlieſſen dieſes daraus, daß einer unter Feb nen Schuͤlern ein Alexandriner Namens Poſidonius genennt wird, der auch vorher oder nachher den Zeno aus Eitttuni Pte )Dleſer Anniceris er br oft - 2 * J 8 os voce NEO e. ö —— — 6 | ynbouo air Zuviovos ra Kirikws'dnnseeids'äay Bevaw- “ 9OE ag"Flüpemves Tas Denrma, 9 adızkdögınm dar Ealoynon⸗ ——— —D—2— oevee / oc — gro eyezıbe ORG“, aüyrevovra ei6 TA oneiey cjesg w. Diogenes Laert. II. 6. 98. Noch mehr wird unſere Vermuthung durch das beſtaͤtiget, was Eufebius'Praepar. Evangelica xIV, 6.6: Sans dem Numenius anfuͤhrt; ® yap ma O - ; Mir +3 Kvidız Aronrnses Dackopirod En rag er ıyba- | Oouqvoug Braga" "Aonsarmaoy Bois Tuy Doodw- eer oy rs x Biwvos Fe Zodise; breicroyreov TEIg Dirosedenı, nay Bdsv onyayrwy amo MavTOs EASY. xav, aurov egeuraßrterre, iva uqn TORYURTE EX undevye doyum Umerme Pouvous vo. 9 Cicero Tus culan, Quaeſt. I. 6.54. Dio- -igenes Laert. T $. 86. Valerius' Maxim. HYll. 69. un S 30) Suidas Avyızeds Kugnvayoz Drirsvodos, cs Emri- Megas EYWETO, HA TU av Hagaßrs . TE ei- Eu Adflipp er 107 einem andern verwechſelt worden iſt, welcher ben Plato aus der Gefangenſchaft loskaufte, iſt merkwuͤrdig durch die Moviflcationen, welche ee dem ——— beifuͤgte, um ihm eine moraliſche Tendenz, zu ‚geben u 15 \ Wahrſche imuch wurde alfo das Eyrenalſhe — nuaͤchſt dem zweiten Ariſtipp von dieſen drelen Männern: vor zuͤglich ausgebildet, weil fie oͤffentliche behrer deſſelben waren, Sie mochten wohl alle einige: gemeinſchaftliche Grundſaͤtze haben, wenn fie auch im einigen: Nebenbeſtimmungen abs wichen. Diogenes von Laerte ſcheint die Ider gehabt zu haben, das ihnen gemeinfchaftliche Syſtem qufzuſtellen, und die Abweichungen iedes Enzelnen beizufügen; «8 ift nur Stade, daß er wie tonft fo auch hier wenig hiſtoriſche Kitif and philoſophiſchen Geiſt beweiſet; was er liefert, iſt ein wahres Chaos von unzuſammenhaͤngenden/ -ja wider⸗ ſtreitenden Behauptungen, welche oft „mit Denen. Saͤtzen freien 1 weae Cinelnen bene, Rdn, Wir. wollen — ver⸗ rw, * Asısımfk unnuocrog — uasntng de aurz enidarng Tlovesöwviog' — my ds ame Anskavdon. Suidas ſcheint den berühmten Stoiker Pofidoniug ‚ der viel fpäter lebte, mit einem jüngern aus Alexandrien zu verwechfeln, Ges vergleiche Dingenes Laert, VII. Ss 58- EN Der hronofogifchen Ueberſicht wegen ſetzen wir die gauze Folge der seenelfägn Schule hieher, wie fie Dior geues eat | | 5 . Ariftipp — 2 7 u A ee ep Arcte, Vethlops, anipner aus Eyrene und S X nallus nad u: Eufeb „Praep. Evang. XIV. rg. Aeiftippng Metrodidactus inte aus Cyrene \ odorus Athens aus Paräsates, ae Snidas hörte er auh — äh | u „eabefgeintich den — Hegeſis a en 108 Zweites Hauptſtuͤck.· Dritter Abfchniet, verfuchen, das allen Gemeinſchaftliche im Zaſammenhange darzuſtellen UP), I; Es io nur wei Gemuͤthebewegungen , (#290) Vergnügen und Schmerz. Das erſte entficht, wenn das Gemuͤth auf eine fanfte, der Natur gemäffe Art; —Schmerz aber, wenn ed: anf eine-der Natur wider⸗ ftceitende- Urt affieirt wird. Zwiſchen beiden ſtehen zwet Zuſtaͤnde der Seele in der Mitte, wo ſie weder ang e⸗ nebm (endoria) noch unangenehm. (amavıa) affieirt wird ; aber weder das eine noch das andere ift eine roicklie he Bewegung der Seele: Durch das - m und Sehen entſteht noch feine Luſt 19, =... | IE. 11 bi, Nah dem Sextus Eee 'ädver e ‚Mathematic. VII. 6. 11. theiften die Cyrenaifer - die Erhif in fünf Theile To 7$mov diyezciv es TE ToV grseı Tıov ıpsrion Hy Deunriov , no ers TON megı mal“ Sov, nu .871 E15. TOV MER Tiov WERFEN Hy ndn ToV ME TWV YTIWV, #04 TEREUTEYOV EIS TOV WEL TOV “issoy. Mir haben zu wenig Data, um. über dieſe Eiatheilung ein Urtheil fällen zu koͤnnen. 12) Diogenes Laert. II. 4. 86. duo mas sr Sayro, movov noy Hdoyny' nv MEY Aray nıyaaiv,, TyV zdoynv' rov da movov, Tax uv niynsiy. GO MEcas TE Karasuseıs wvoudLoy andonraugay amevıay. Die Erfläs rung von ydoyn und mrevos gab zuerſt, tmie es fcheint, dee zweite Ariffipp, undfie beruhete auf einer Vergleihung, welche er zwifchen dem Zuftand des Gemuͤths und der Meeresfläche anftellte, . -Eulebius Praepara- tio Evangel. XIV,‘c. 18. res yag-eDn xara- gageız ey megı TaV NWETERAV CUYAEACIV" [AV EVe 77 av axyxuev, comuiav Tu Kara Yarascay xer- . Hiwvı Erspav ds, #uF Hyv ndousda, To Asım Kumere apauosueven eivag yag Neray Mama TV odovnv. | | 3. pie 4 Ariſtipp. Zu | 109 IL Das Ver g wuͤgg en und de Schmerz. entſpringt zwar vorzuͤglich aus dem Körper; ale lein es giebt doch auch einige angenehme und unangeneh⸗ me Empfindungen, welche ihren Grund in der Seele Haben: So gewaͤhret der Wohlftand des Va⸗ terlandes, fo wie unfer eigner Freude, Die Nückerinnes zung an. dag genoſſene Vergnügen Ift angenehm, Allein biefe angenehme Empfindungen find: nicht zureichend zum Vergnügen; denn die Seele wird; nur ſchwach von ihnen afficht, und. die Erinnerung berpiben. verſchwindet nur zu bald 15). III. Daher behauptet das finnlide Bergnüs ‚gen einen Vorzug, vor dem geifligen, und deu, finnlihe Schmerz greift die Seele mehr an, als | der geifkige, . Daher fommt «8 ‚, daB, man die Vers brechen mit — ahndet * = IV, 4 ’ . ze maeuaousunv ayspan Ay de: reirıv uschb. BIVOY RATRSACI, HF iv ETE MAyaMEV, KTE — Vva, — wg zcav 133) Diogen. II $. 89. * mass ueyrar Tas —* ndovas Hay anyndovas EITI GtuuaTınayg NdOvays Hay a- Mooou Yıvasdoy — aa my ads Kurz Munun Toy ayaswy n meosdonsay ndoynv Dacıy amoranesdoy - SKNVETY Jap Tas Xgava To ns Ypuxns naynmm | 14) Diogenes 11. $. 90- morU usv Ta TV —** MV Tac OWMATIRUS NÄOvaS amevas EIyoy May ı Tas OXAnaeIg Xergas Tas SWuaTınas. 0FEV a TavVTeus Bo nralecdy uuov Tas auagravorras. Dieler Bes hauptung twiderfpricht das was Diogenes $. 87: anführt, un Öimdegew TE ydoyyv Adovns, Mndsnderov TI.1voy toelches aber gewiß nicht von Cyrenaikern behaupten wer⸗ den fonnte. Cicero Acad, —— IV. c. 45 | ) Ari” 10, Zweites Hauptſtuͤck. Dritter Abſchnitt. f IV: Vergnügen: iſt der. Zwecke des Mem ſchen, fo mie jedes lebenden Weiend. Denn jeded lebendige Weſen ſtrebet nach dem Angenehmen, und verab⸗ ſcheuet das Unangenehme .· Die Natur. hat den Trieb nady Vergnuͤgen eingepflanzt, und er: folgt demſelben von Ju⸗ gend auf, auch ehe die Vernunft dem: Eutſchluß dazu bed flimmt. Und wenn dee Menſch Vergnügen — jur find. alle ferne Wuͤnſche befriediget 1°), Der Menſch begehret das Vergnügen um ‘fein * willen. Es iſt alſo Zweck an ſich. Der Inbegriff aller angenehmen auch der vergangenen und kuͤnftigen Ver⸗ guügungen, iſt Die Gluͤckſeligkeit. Auch dieſe iſt ein Gegenſtand des Wunſches, aber nicht um ihrer ſelbſt, ſondern um der einzelnen angeneds men a Ru en fie ents - hält 16), | V. Die —— und — zung der angenehmen Empfindungen zu einem Gan⸗ sem ac neuen. — iſt aͤuf⸗ ei ferft Ariftipp us — animum nullum habesmus, — ſolum tuetur. — —— u. 87. niy Tuv: sv. (born) Eudo- u ma Cwois“ mov. dE (movov) amonpesinov: 88. ısıg Fevay TE TEROS voy TnW Ydoyıw, mo arrBöcyes- Teoc Amos en —— MEOS AUT, nal TU- xevra⸗ aurns under smienrem‘ undev de Erw Pevyeur 05 be Eyayriav au anyndove. . © Diogenes Laert. $. 87.88. reros wan av BER? 7.20 777 2178 ydovav* eudzıuomav ös ro 5n riwv usgi- ' ee 717797 sugnuay "6 owvagrduavran na al Trap“. | —— —A— uw IN auenw dueernn Tr deudanonsan, ad! au- ara ae dia * Kara spe ndavaz- ſerſt ſchwer, weil die: unfachen der —E oft ent⸗ gegengeſetzte Folgen haben 17.) Va. Daher: iſt die Klugheit, ſo wie die Tu⸗ gend überhaupt nothwendig; ‚und fie iſt zwar ein. Gult, das. aber feinen Werth an ſich hat, ſondern um der. Solgen willen begehrungswerth iſt 13), 1. VII. Der Weile ift kein Selav feiner Leidenſchaften, nicht dem Neide noch Aberglauben unterworfen. - Denn . das alles beruhet auf bloßem Wahne, Aber Furcht und :. Schmerz önnen ihn treffen; denn dag. find Wirtunsen der Natur 19). VIIL ‚Dre Wolfe iſt nicht mnter im Befig. des Ver⸗ guoͤgens, noch der Untveife immer von unangenehmen Ges . fühlen: verfolgt, Aber im Durchſchnitte iſt Bag: Loch wahr, daß der Weiſe mehr Vergnügen, der Thor mehr Misver⸗ gnuͤgen hat, und jenen kann eine einzige angenehme Em⸗ pfindung wieder in den Beſitz der SGluͤck ſeiigkeit ſetzen. Denn ee. ſetzt dieſe nicht ſowohl in die Summe aller angenehmen Enipfiidungen ; ſondern in jedem einzelnen Moment des Le⸗ dens, Den er angenehm zubringt. Ueberhaupt kann fein ; . Uebel ungluͤcküch machen, wenn es nicht ganz unerwartet ,- und unvermuthet den Menſchen übesfänt 20), R € X. — 1 — Laert, it, $ 90. 18) Diogenes Laert. II, 6. 91, vv Hrovhaıy aya$ov usy eivar Atyacıvı & Wi Saurnv de — una dia Ta BE autng ragıysvonsva. 19) Diogenes Laert. Il,-g. .9.- ar.codar unre DIoygssinunrs Eengdnscdhas H Ösıosdasuogesiv. V- vs6Far Yag‘ Tavta mag Mevnv Öofav Aumnassdar UEYTEL nad. hoßnasstar Ouo ag ——XVX 20. Diog. Laert. It. $. It. Bnre rov 50bov may. Ta ndews [7 pirs mayra ‚Pavrov ex moyus EN — Kara“ 112 Zweites Hauptſtuͤck. Diitter Abſchnitt. I1IX. Der Menſch erfennet aidis als ſei⸗ ne Empfindungen; und der einzige Maabſtab, nach welchem er uͤber Gegenſtaͤnde urtheilen kann. iſt fein inneres Gefühl Denn die Cyrenaiker intereſſirte bloß die Beziehung der Dinge auf den Zuſtand des Mens‘ ſchen / ob fie ihn angenehm oder unangenehm afficiren, Und dann haben fie ganz vet, wenn fie das Gefühl ‚zum Kriterium der Wahrheit machten, da fie blos erde Mapreit anerfennen ="), X. Es if diefen Geundfägen angemeffen wenn fie: an feiner Wiffenfchaft Intereſſe nahmen, und von den drei Haupttheilen der Philoſophle die Phyfif und Dias lektik verwarfen,, weil fie in denfelben: keine Beziehung '- ‚ auf dag hoͤchſte Gut entdeckten, jedoch iſt ed wahrſchein⸗ fi), daß nicht alle Hierin übereindachten, und den Nugen : der Phnfiologie und Dialektik, felbft blos in Ruͤckſicht auf ihren Begriff vom höchften Gute, bald mehr bald weniger gelten lieffen, da fie von einem fo unſichern und willkuͤhrli⸗ — chen Maaßſtabe als die Entbehrlichleit oder Unentbehrliche⸗ keit einer Wiſſenſchaft zum angenehmen Leben iſt, ausgien⸗ gen, wobei noch daju fo viel auf Neigung * Abneigung ——— eo jum 49* ‚ Quaeßion,lIll. c. 15. Cyrenaici nan omni mo- do aegritudinem effici senlent, [ed infperato nee Opinato malo. ar) Diogenes Laert.' IL $, 98. ra mady Huras Anfra. Cicero Acad, Quaelt, IV. c. 46. aliud - nes intimas nihil putantiudicii, e. 7. Quid de tastu et eo quidem, quem philo ophi interiorem vocant, aut dolotis et voluptatis, in quo. Cyre- naici [olo pütant veri elle iudicium, quia fentia- tur, 6, 904 nura To mArgov. wgne de Kay NT Way mis moog$ mımtacav Hösos- Siravayy. 'Cicers.Tuscul. . (iudiejum) Cyrenaicorum, qui praeter permotio - Cyrenaiker. Bi Ya hi 113 zum miffehfchaftlichen Sendlum ankommt. So konnten alfo einige ſagen, Phyfislogie und „Dialeftif fen unnüg, weil jeder, der ſich richtige Begriffe von dem Guten und Boͤſen gebildet habe, ohne Beihülfe jener Wiſſenſchaften fi vom Aberglauben und der Furcht vor Dem. Tode be= fecren : und fih richtig ausdrücken koͤnne. Andere Bielten war die Logik für nuͤtzlich, verwarfen aber die Phyſiolo⸗ gie, weil anffer den Empfindungen nichts erfennbar fen 27), Hierzu kommt noch, daß in dem Zeitraume von Ariftipp bis auf die legten Eprenaifer manche Brränderung aus jes nen Wiſſenſchaften vorgieng, welche auf das Urteil von dem Werthe und Nugen derfelben Einfluß haben konnte, Darin flimmten die Cyrenalker mit dem Epl⸗ fur überein, daß fie das hoͤchſte Gut in dem Ver« gnuͤgen und das hoͤchſte Uebel in dem Schmerz festen, und den Genuß für den einzigen Zweck des Mens fen erkannten. Allein in dem Begriff des Vergnuͤgens entfernten fie fih von dem Epikur. Die Eyrenaifer verſtanden unter dem Vergnuͤ⸗ gen. denjenigen angenehmen Zuſtand des Ge⸗— muͤths, welcher durch Afficirung entſteht; Epis kur den Zuſtand des Gemuͤths, wo es weder angenehm noch unangenehm bewegt wird, ſondern ſich 89) Diogenes Laert. I. F. 91: adieanro de na rw Dovainwv, da nd Eu Dasvesrnv an trarne ins’ Tioy de Aödylntv ; die nv suxens tavy, rorro. MeAtayeos de ev rw Ösurken weg öονν, aa KAcı- Fouaxds Ev Ti) Rewru wegı dıessewv Dasır aura; axensa —XRX vo re uomor mEpos ku Oo — wrimov duruqç α— yag nal EU Asyeıv au Ösidudar- Bovias EnTog Eıvar; nu Tov mE Ta Iavarz Dößev saheuysiv, Tov meer ayadwd nz HaniovAöyev Erus- prdmmore. Sextus Empiricus adver[us .‚.Mathematicos vo Gais. — Geſchichte der Adetie IL, Sr : 2 / 114 Zweites Haupfflüc, Dritter Abſchnitt. In einer gemwiffen behaglihen Ruhe befinden. Die Cyrenaiker achteten mehr auf die eingelhen angenehmen Empfindungen, Epifur auf den Zuftand des Empfindeng, auf die Stimmung des Gemuͤths, melde das Refultat aller eins zelnen Gemüthsbewegungen If. Die Gricchen nennten jenes da8 Vergnügen der Empfindung (Adovn sv wıynasi), dieſes das Bergnügen der Hupe Eidovn narzsnuaerinn) 3). Die Eprenalfer behaupteten nehmlich , die Abtwefenheit des Schmerzes fen fo wenig Ver⸗ gnügen, als die Abmefenhelt ded Vergnuͤgens deswegen ein Zuftand der Luft fey; der Zuſtand, wo man weder Luft noch Unluft empfindet, fey nicht von dem Zuftande des Schlafs verſchieden 4). Es iſt begreiflich, wie a riſtipp und ſeine Nach⸗ folger auf dieſes Syſtem kam. Er legte ſich die Frage vor: welches iſt das Erwuͤnſchte für den Menſchen? web - ches iſt das Letzte (Terc;) worauf alle feine Wuͤnſche | gehen? Die natürliche Antwort darauf iſt Wohlſeyn, — 23) Cicero Acad. Quaelt. IV. c. 42. poft — rus, cuius eſt difciplina nunc notior, neque ta- men cum Cyrenaicis de ipfa voluptate conlen- tiens, Diogenes Laert, II. 5.87. vdovnu uev Tor TyV TE OWMATOS s yv #94 TEROG evoy, nat Dat xgy Tlaveyriog 8v To megs oipsoswv, 2 TyV naracıry- Marınyy Hdoyyv, TV Em’ avoypscsı aryndoyıwv 194 d1ov avoxhnsiay, nv 6 Emmzgos umodexstay, TERog eway ®acı. Eufebius Praeparat, Evang. XIV, c, 18. 24) Diogenes Laert. Il. 8.89. yde Ts aAyavros Umaykougserz donsı autos unevoy ndovn, sd: y andovıa aryndwy’ Ev Kivgoes Yap Fivoy auDoregx, un zons Ts amovıns 9 Tg andorıag HIVNCEWS" EITer Y) MTTOyuas Loves HAFELIOVTOS E54 KATASACIG. — Cyrenaiker. 115 wenn man alles, was ſich Menſchen wuͤnſchen, in einem Ausdruck zuſammenfaſſen will. Aber Jeder legt mehr oder wenzger in dieſen Ausdruck hinein, und beſtimmt die Art des Wohlfenng, melche feiner Empfindungsart entſpricht. Menſchen von lebhaften Temperamente teben und fühlen hur für den Augenblick; jedes Moment ihres Lebens. fi) -In. einem angenehmen Zuffande zu befinden, iſt ihr ganzer Wunſch. Die Vergangenheit und Zukunft if ihnen fremde. Von diefer Gemüthsart waren die Eprenaifer, und daher ſetzten fie ihre ganze Glückfeligkeie nicht in dem angenehmen Zuſtande der Seele, fondern in dem finnlihen Genuß je des Ungenblichs, in der ſueceſſiven Reihe angenehmer Ems pfindungen. Die Gluͤckſeligkeit, worin man ſie auch ſetzen mag, für die Beſtimmung des Menſchen zu nehmen, dieſe Vers wechſelung iſt um ſo eher moͤglich, wenn das Sittengeſetz noch nicht deutlich entwickelt iſt. Dieſes hat feine Nei- gung auf feiner Seite, ſondern fodert vielmehr firengen Gehorſam oft gegen die Neigung. Dieſe ziehet die Vers nuuft nur zu bald in ihr Intereſſe, daß fie einfeitig ein Ge- fe aufſtellt, mwelched der finnlichen. Natur des Menſchen ſchmeichelt, aber mit der vernünftigen fireitet, Der Wir derfpsuch wird nicht fogleich geuhmdet, oft erft nad) mehrer - ren Drufungen, oder nachdem Die Kolgerungen, melche in den Grundfägen liegen‘, mit ſtrenger Conſequenz entwi⸗ delt. worden, in das gehörige Licht geſetzt. Dieſes war — hier der Fall. Da, in der menſchlichen Natur der Trieb jur Glan eligkeit gegründet iſt, fo ſcheint es ganz vers nunſtmaͤſſig, ſich dieſelbe zum Zweck zu machen, und die Mittel dazu in ein Syſtem zu bringen. Auch wuͤrde ſich nichts dagegen fagen laſſen, wenn fie nicht durch eine Täͤu⸗ (hung zum einzigen und letzten Zweck erhaben würde. Dieſes that aber. Ariftipp und feine Nachrols ger Natürlich) mußte nun die Tugend in dem zweiten Rang zuruͤcktreten/ und das)enige, was einen abſoluten 23 Ä Werth ET Zweites Hauptſtuͤck. Dritter Abſchnitt. Werth hat, wurde zu einem Mittel zur Befriedigurg dw Sinnlichkeit herabgemürdiget. Die Tugend hat nur einen Werth, weil fie Vergnügen bes . wirft *). » Ungeachtet diefe Unterordnung dre Tugend, fo- viel ale Zernichtung derfelben iſt, fo diente fie do dazu, dies fem Syſtem den Schein’ der Vernuuftmaͤſſigkeit zu geben und zu. erhalten. Aber diefes Verhältniß ift unnatürlich, und diefe Verbindung zwiſchen Tugend und Gluͤckſeligkelt ohne allen Grund. Es iſt nicht erwiefen, daß die Tu⸗ gend ‚Giückfeligfeit zur unmittelbaren Folge bat, oder daß es keine andere tauglichen Mittel zum Vergnügen giebt, Einige Nachfolger des Ariſtipp glaubten daher der Tugend ganz und gar entbehren zu können, fie lehrten eine völlige Angebundenbeit von allen Gefegen der Vernunft, und ſtell⸗ "gen daher den. Eudämsnigmus in feiner wahren Geftalt confequent auf. Daher entfprang die Nebenfecte der He⸗ gefiafer und Theodorifer, Aber nun Färte fich auch der Widerfprucd gegen die Vernunft, mels ber in dem eudaͤmoniſtiſchen Spftem liegt, Heller auf, und nötbigte den Anniceris, wieder einzulenfen, und dem Cyrenaiſchen Epftem die Geftalt zu geben, in welcher es der Stifter aufgeftellt hatte, im melcher der Zus gend doc, werinftend noch eine Stelle Hinter der Glückfes Ugkeit übrig gelaffen war 2%), ' ‚Da 85) Cicero Officior. III. c. 33. Atque ab Ari- ftippo Cyrenaici , atque Annicerii öomme bonum in voluptate poluerunt, virtutemque cen[uerunt ob eam rem efle laudandam, quod efficiens eflet ————— 265 Strabo 1, XVII. ©. 857. ed. Cafaub, Paris 1620, muy Avvinagis, € donwv sravepdwauy rnv Kugy- "yalnıy asaiy ney Maraycıy ayT' KuTng Fan Ayyıns- ſar. . Cyrenaiker. 117 | Da nach bdiefem bloß eudämoniftifchen Spfteme nur der Genuß ver Gegenwart einigen Werth für den Mens fihen hat, und alles Intereſſe für ein fünftiges Weſen aufs gehoben, jede Ausfiyt auf das Ueberſinnliche abgeſchnitten ift, fo iſt es gamz eine natürliche Folge, daB der Glaus be an Gott und Unfterblichkeit verſchwinden mußte. Daher trat Theodor ale oͤffentlicher Beſtrei⸗ ter des Glaubens an Gott auf. Ein Syſtem, welches fo ſehr die Vernunft befränft, kann nie allgemeinen Eingang finden. ber das Schlimm- ſte war, dab es nicht.einmal in fich felbft Beftand und Fe⸗ ftigfeit hatte... Es kann keinem ſcharfſinnigen Forſcher ent⸗ geben, daß die Natur den Menfchen fehr ſchlecht bedacht habe, wenn fein einziger Zweck blos Vergnügen, ſinnlicher Genuß der Gegenwart if, weil e8 unmöglich iſt, ununters‘ brochen Vergnügen zu genleffen, und alle Unluft zu vers meiden. Diefe Bemgrfungen waren e8, welche den He⸗ geſias verleiteten; das menſchliche Leben zu ver⸗ wuͤnſchen. 2Dieſes find die Hanptveränderungen, welche mit dem Cyrenaiſchen eudämoniftifchen Syſtem vorgingen. Da aber jeder von dieſen drei Männern eine befondere "Sekte ſtifte⸗ ten, fo wollen wir noch die Behauptungen jedes zufammens ſtellen, fo viel diefes bei der Befchaffenheit der Materialien oder vielmehr Tompilationen bed Diogenes gefchehen fann. Wie fangen mit dem Theodor an, weil er der Zeit nach vor dem ——— und Anniceris vorauggeet, | \ Tderdeigi Das erfte, wodurch fih Theodorus a: nete, iſt die Sharffinnige Entwidelung der Gründe gegen die Erkenntniß, welche wir Ihm 23 nad) t \ 113 Zweites Hauptſtuͤck. Dritter Abſchnitt. nach wahrſcheinlichen Gruͤnden beigelegt haben. Theodor gehet von dem Satze and, daß wir von unſern Empfins dungen ein Bewußtſeyn haben, daß mir aber daraus nicht anf, die Beſchaffenheit der Objekte ſchlieſſen fünnen , welche die Empfindungen bewirkt haben. Daß wir etwas Weiſſes oder Süffes empfinden, fönnen mir ‚wohl behaupten, : und. e8 ift für uns unmiderlegliche Wahrheit und Gewißheit. Aber es wäre Anmaffung zw behaupten, daß auch dasjenige, was diefe Em pfindungen bewirft bat, weiß oder füß'fey, weil es möglich iſt, daß ein Objekt, welches nichts von dies fen Eigenſchaften an fi) hat, diefe Empfindungen hervors bringen kann 27). : Denn in manchen Angenfranfheiten er⸗ ſcheint alles bleih, gelb oder roth; und doer dag Auge drückt, ſiehet, wie mancher Wahnfinnige, alles doppelt. Eo mie e8 nun Wahrheit iſt, daß diefe Menfchen wirklich. fo af: eirt werden, daß ihnen die Gegenftände aufdie Art ers ſcheinen, aber dennoch fuͤr falfch allgemein anesfannt wird, daß die Dbjefte, melche auf fie mirfen, wirklich von der Beſchaffenheit find; fo haben wir auch guten Grund anzunehmen, dab wir auffer unfern Empfindum er nichts erfennen koͤnnen *°) sur er — Em piricus VII, adverf, Mathem, 8. 191. Das av on 'Kupyvalnoı nerrneæ eıvoy Ta Mi In aus mova nurarmußanssIy aa adın)eusa Tuy- xavay Twv ds mErONAoTwVv Ta magn undsy eiwvoy HATAANTTOV, mnds adınnbeuson, GTı usv yap Atunay- vyousda, Dacı,nay yAunaloucte, duvarouAsyev adın. Weuswg ny arndws noy Beßyms avekernsynrws. or [ de To gmmromrinov Ta mayas Asunov ES 4 yAunv E5W , 8X, copy T’ amroDawesda. eINOS Yap Esı nal Vvro un Asuns TVo Asunavrinws HuaTsgnvar, Ka Ve un a ; Amar Diren 8) Sext a8 Empitie vn. 199. 195: Iheodorus. 119 Wir ſtellen alfo entweder unfere eigenen Veränderuns gen vor, oder auch dasjenige, was fie hervorbringt. Im erfien Galle ift alles, mas wir ung vorftellen, wahr umd erfennbar: im zmeiten alles falſch und unerfennbar. Denn, wenn mir afficiet wer⸗ den, ‘fo wird mohl die Veränderung, die dann vorgehet, aber mweiternichts zum Betwußtfeyn gebracht... Das Ueuffere, was die Veränderung hervorbringt, kann zwar Etwas ſeyn, aber es wird nicht von ung vorgeſtellt. Wir ſtel⸗ len alſo bloß unfere eigenen Beränderun- gen vor *?). Lnfere eignen Empfindungen erkennen wir; von Auffern Objekten wiſſen wir nichts; in Anfehung jener irren wir nie; in Anfehung -diefer ſchwanken wir in beftändiger Ungerißheit hin und her. Denn die Seele ift zu unmädtig, die Auffern Objekte zu erkennen, und bei Verſchiedenheit der Lagen und Verhältniffe, der Entfer- nungen, der Bewegungen und Beränderungen und noch weit mehrerer andern Modificationen das objectin Wahre aussumitteln 3°). | 94 Es 29. Sextus Empiric. VII. $. 193. 194. 69sv yras ra magn Damwousva Yercov, n Ta MOInTIna Tov Wü I. na es usv Ta maIn Dausv eva Daıvoueve, ware Ta Daswousva AEHTEoV aANIN Kal KATAANTTO- es ds Ta memrına Twv MaIwy MeOamyopsvouev Das- vousva, ravra ES Ti Pavapsva Lsvdn nas Mayr anaraımra. To yag weg yuas auußaıvov masos cauræ mAsov adEv juv BvVdemvuras, EYIEV naı es Xen 7’ arndı Asyesw, Movov To ma dog nMIv.654 Dasvous- yov’ TO d EXTOS na TE MAILS MROINTIROV TaXa MEY esvov,# Parma ds uv. 30) Sextus Empiricus VII. 6. 198. 14 TauTy MS MEV Ta maIN TayS OMesz MAVTES ESMEV aTTAR- yes‘ WERL ÖS TO EHTOS ÜMOHEIAEVOV MAYTES TAAYWUE * 120 Zweites Hauptſtuͤck. Dritter Abſchnitt. | Es giebt daher fein allgemeines Kriterium Dee Wahrheit, obgleich allgemeine Ausdrücke für die Urtheile. Alle Menfgen nennen etwas weiß und ſuͤß. Man würde fih aber irren, wenn 2 man Hav. nunema uEV Sgı KaTaiımra, varo JE anaraın roy,; Ta Wuyns ward ugYEvas nadssweng eos dia Yucı æurTæ, mapx Tas TOmEs, Tagan Tu ÖHaSNAUTE Maca 4 niıvmasıs, Magr Tas WETuorus, map dus mawmrndes oyrızs, Man fiehet hier die erften Opus ren von den Pyrchoniſchen Iweifelsgründen, die einen leicht auf den Gedanken bringen könnten, als wenn Sex⸗ tus Das Raifonnement mit den Pyrrhoniſchen Sägen aus. geſchmuͤckt habe. Allein, da Plutarch im Grunde eben Das von den Cyrenaikern fagt, ſo erhält die Bew muchung, daß diefe Gründe gegen die Erkenntniß, "mit den Dperhonifchen aus einer gemeinfchaftlichen Quelle abfiammen,- ein neues Gewicht. Mit. fegen Die Stelle des Plutarchug her, adverf. Coloten, ©. 1120. YAunayesIy yapAeyzoı a4 mmeoyvsaIay nou Dearilestoy ng anorileshy, Twv matır TE+ I PWVERATE TAV EVEEYEIAV GIHEIAV EV AUTW Hal ATMEg " GWugov EXavrog’ &1 Ö8 YAynv mo MEAI, Ku Mirgos 6 Harogı nu Duxen y Kurala, nor Yeguos-ö anga- roq, KON CROTeIVOg 6 TAG VURTOS aye, Umo mORMy ävriuagrupkiche xy Huemwv any TERYMaTay 104 avdewrov, For us Suoxsguvovrws, Twy ds. meoGIE- pevov ray Dad ıav' nuy æn axaousvco⸗ Umorus Kara ng, ng narenbuxousvev Umo sa, Hy .Tov Amy au wörrommws , #04 yunTwg Bxsmovrov- oFEv su- pevsca rois madecı 7 dokm Ösurzges TE avauaery- or, enßayvasa ds n0y MoRUmgayWoVzEa Tip given 04 ano Dayvarduy mE Tv EnToS, Aurnv TS mo xis Tagacceı 1 HU MENSToy eos ETSpRg amo TwV au- TV WAYTIE MAIN 104 dia Ooga⸗ Parraciac Busse YayTası Theodorus. 121 man glaubte, daß ed etwas Weiſſes und Suͤſſes für alle Menfchen gebe, Denn jeder iſt fih nur feiner eignen Eme pfindung bewußt. Da num einer des andern Empfindung bat, fo weiß auch feiner von Dem andern, ob er von ein nem Dbjekte auf dieſelbe Meife afficirt werde. Da alfo feine Empfindung objektiv allgemein if, | um fo mehr Ueberellung, zu fagen: was mir ſo ers ſcheint, das erſcheint auch einem andern ſo, da ſchon aus den Abweichungen der Empfindungen, welche durch Frankhafte Belhaffenpeiten in den Organen entſte ben, hoͤchſt wahrſcheinlich wird, daß auch natürliche Vers ſchiedenheiten in dem Bau‘ derfelben Einfluß auf die Yes ſchaffenheit der Empfindungen haben 31), —— Die Empfindungen ſind daher nicht nur der legte Beſtimmungsgrund der Wahrhelt unfe ser Vorftelungen, fondern andy unferer "Handlungen. Denn was angenehm ift, IR auch gut, und das Unangenehme, böfe. Die Zolge von jenem ift Luſt, von. dieſem Unluſt. Die Klarheit der Empfins dungen und ihre Angemeſſenheit zu unferm Zuftande ift das — 25. prin 5ı) Sextus Empiric. VII, 6. 195-198. ‚Ey IEV j 205 ngıryeiov Dawıv.evoy novay ayIptemrwy" OVonaTas ds nova Tıdschay mars naumaos. ASUnov MEV -yag Ti Ay YAunU HaAeOı HOWWE Wayras, Moswvov IE. TI ASUNOV y yAunv an SXecw' inasogyap wa. ıdıa madas avri- raußavsrıy. To ds 51 TaTo To mass amo Asunz Ey- YWVETY AUTO RU TO Wende s ET" aurog duvarıy Kun yerv, UN avadsxousvos vo wa meras mados, zTE 6 era, n ævadexousvocę To EnevE. Underos Ös: nova WEILS WEL Nuns Yıvousva, MrEOTSTES EG TO AEyerl, 6TI To guoı Tagoy Pœmousvoy Tasoy no Ta maRISW- 7 Daweran - Ä ſo iſt ⸗ l 122 Zweites Hauptſtuͤck. Dritter Abfchnite, Princip, nad welchem man fi) in dem ganzen Leben richtet *). li, Theodor behauptete eine Art von Indiffe⸗ renz, welche eine Folge der Pyrrhoniſchen Zweifel war 33), Wenn man: mit diefem. Factum, welches duch Gründe der Mahrfcheinlichfeit und biftorifche Zeugniffe begründet it, die Saͤtze vergleicht, ‘melde Diogenes von Laerte als - Behauptungen der Theodorifchen Sekte anführt, fo findet man fidy.inseiniger Verlegenheit, wie man ſich aus dem Las byrinthe herausfinden ſoll. Denn es find lauter Säge, die fich widerſprechen. Denn fo behaupten fie z. B. Klugheit und Gerechtigkeit fey gut, Unklugs heit und Ungerechtigkeit böfe; Luft und Um ar weder boͤſe a. * Bus gleipgüls. tis 532) Sextus Empfrric, ‘VII, $ 199. 200, rwv ya matay ra uev esıv ndex ra ds aryava, ra de nerafu: no ra ueyiaiyerva, Hana Dacıv eıvay, wv mer aryndwr Ta DE Ydex, ayada, Wv TEROS E5ıV wdınnbsysov, Hdoyy‘ Ta dE METufU, aT8 ayada zTE Hanz, WV TEROG, TO BTE AYaFOV, ETE namov, Omse ræ Soc ası METaEU ndovnę ng ayndoyag. mayrıwv 2U Tv OyTWwy Ta WIN Kerrygn Esi.agg TERN, Ctuusv ds, Oꝛom, ETFOUSVOL TETOIG NEVREYEI TE no sUÖonnee WEISEN OVTES, EVALYeIL EV AaTa Ta aa mad" Eu donneen 3, er non. | a * Syi — voce Oeedogo⸗ und — Gew. Öwpos + 6 emınanv. AYsos, 05 nmeoagauro Zuvwvog ra ı Kırıews‘ dunasos de. na Bevowvos may Ilupguvos Ta Edsutma no adındogiav dofaluv no magudıdas, ıgssıy ıdıav Eyes, nrıs Osodwessog enAyIn. Nach dem Diogenes II. $. 97. war feine Abweichung zwilchen den Behauptungen der Theodorier und des Theodorus. Theodorus. u —— 123 tig 39), Mit der: erſten Behauptung ſtreitet aber die folgende: der Weife mürde zur ſchicklichen Zeit d. 5; wenn: es ihm Vortheil bringe, fichlen, Tempel berauben , eher brechen, Öffentlich der Liebe pflögen. Denn alles das ſey, wenn man-die Meinung megnehme, nicht ſchaͤnd⸗ lich >); mit der swelten aber der Sag: der Erfölg der Kiugheit it Vergnügen, der Unklugheit Miß ver⸗ gnügen 320). Denn wenn die Gerechtigkeit ein Gut iſt/ wie fünnte dag, was fie bewirkt, gleichgültig fepn? Und wie ſoll man endlich mit dem allen Dagjenige reimen, was Phavorinus beim Stobaͤus vom, Theodor anführr: Ein Weiſer hat Feine hinreichende Urfache, fein Leben zu verfürs jen, denn dieſes thut man nur wegen der Unfälle des Les bend. Mer aber überzeugt ifl, daß nichts gut ift, als Rechtſchaffenheit, und nichts bis fe, als das Schaͤndliche, fann wi se diefe Weiſe bandeln FR Hat J 34) Diogenes Laert. II, $. 98. Texas Ö’ ums- Aaulavs xagav noy.Aummv, av MeV. 5m Deovnaer, av da 571 adeoaun. ayada de, Deovnosv ou dunoyo- UVP nan ds Tas EVAyTIaS. er sc“ ds, Atem Roy rovov. 55) Diogenes. Eaertins II. 6. 99. yrsıbeiy Te au MoiXgucesv mau jEgOCOANGeıY &V nouec · nevy Yag eıvo4 Terry SATKgOV Duos, vn: sm _auros docns Abcousvns N ouyxerro⸗ cvoena Tys TV en curoxms · 36) Man vergleiche die Note 34. 3B37) Stobaeus Sermon. CXVIII. Osodweos usv yag o Kusneayos zdswıav i in xvnu meodacıy sdacrev my To .00Pw me; TwTa Bis naranuamı way TO TE (v8) x A 124 Zweites Hauptſtuͤck. Drieter Abſchnitt. Hat hier Diogenes die Behauptungen mehrerer Ans» haͤnger unter einander gemengt? Oder hat er mehrere Theo⸗ dore mit einander:verrmechfelt, fo fie es dem Suidas ging, da er berichte, Theodor der Atheifte, Habe. den Sofra«: tes gehört, mo er ihn mahrfcheinlich mit dem Mathematis - ker gleiches Namens verwechſelt Hat 3°). Oder iſt fein Tert verdorben? Oder iſt endlich dem Theodorus dag Unglück begegnet, daß feine) Behauptungen mißverfianden und Ders drebet werden, und wollte er das vielleicht andeuten, wenn er. fagte: er gebe feine Lehren mit der rechten Hand, und ſeine Zuhörer empfingen fie mit der linfen? 3%) Diefe Fragen feinen nicht fehr leicht zu beantworten, da unfere Notizen von dieſem Manne fo fehr fragmentarifd find. Da indeffen das Anfehen des Phavorinus nicht vonifo großem. Anfehen iſt, und die Säge, welche Diogenes :anführt, für wohl unter ſich, als mit dem, was wir fonft vom Theo⸗ dor wiffen, übereinftimmen, wenn man fie recht erklärt, fo boffen wir alle Schmierigfeiten durch Huͤlfe der Exegeſe zu heben. Ta! Theo As) anoradov ETwg Ewex. To Yap naracbesvavts Toy avtewreiwv UUTTÜMATEN » UM’ duty En TE Bis yryves$og, Tas Smümevarrıoy Two uovov Ey TO na” Aov uyatov, Wovov ÖE aIoXpov To nanoV ErpnnoTi, Das Kuöngaros koͤnnte faft auf die Vermuthung führen, daf hier von einem andern Theodor die Rede iſt ‚ wenn 8 nicht einem Schreibfehlee zu ähnlich fähe. Aber es ift einleuchtend, dag hier Keine eigene Behauptung des Theodorus, fondern nur ein Urthell über einen ans dern, der das legte behauptet hatte, vorkommt. C 58. Suidas voce Zangurns. N 59) Plutarchus de animi trangüililtato ©. 467. Osodwpos usv yag Gnnndens adeos ereys, ry dskın TAG Xovc OREYOVTOS auTæ, TA REISEERdEKEE IE TEE uncowueyag. Theodorus · E 125 Theodor behauptete alfo mit den Übrigen Cyrenaikern: das Vergnügen (xapa) fey das leute Ziel des Mens fhen, fo wie Misvergnügen (Aumy) dag größte Uebel, Er unterfchied aber, wie es ſcheint, davon die angenebme und-unangenehme Empfindung (Höoyy, movos) vieleicht fo, daß er unter Vergnügen umd Misvergnügen deh fortdauernden Zuftand der Luft und Unluft, unter dem letzten aber nur einzelne Empfindungen verſtand. Da es ungewiß iſt, ob nicht eine einzelne angenehme Empfindung unangenehme Zolgen haben, und Unluft zulegt in Luft augs gehen merde, fo fonnte er fagen, daß Luft umd Unluſt Mitteldinge, d. i. weder gut noch böfe wären. — Mit der Behauptung, daß das Vergnuͤgen das ein⸗ jige Gut, und Misvergnuͤgen das einzige Uebel ſey, hänge der Satz, daß moraliſche Vorſchriften und Unterſchiede der Handlungen keinen Grund in der menſchlichen Natur ha⸗ ben, fo genau zuſammen, daß man-fie dem Theodor auch ohne weitere hiſtoriſche Zeugniſſe beilegen koͤnnte. Nun aber führt Suidas ausdruͤcklich an, dab er Indif—⸗ ferentismus behauptet habe, ohne zu beſtimmen, worin oder in wie ferne. Wenn man dieſe Auſſage mit den oben angeführten Sägen aus Diogenes vergleicht, ſo wird man faum anftehen können, e8 von dem morall ſchen Indifferentismus zu verftchen, welches To viel if, als gänzliche Leugnung der meralifchen Geſetzge⸗ bung. Nun laffen ſich auch noch die Übrigen Widerfprüche vereinigen. | | Der Unterſchled zwiſchen gerechten und ungerechten, erlaubten und unerlaubten Handlungen berufet nur anf Meinungen oder pofitiven Anordnungen, welche den Zweck Haben, unfluge Menfchen im Zaume zu balten. Der Staat hat nehmlich zur allgemeinen Sicherheit gemiffe Handlungen “verboten, und Strafe auf Ihre Begehung geſetzt. Die Klugheit erfodert, diefe pofitiven Geſetze, der unangeneh⸗ men Folgen wegen zu beobachten und fi ald einen Auffers ich rechtllchen Dann zu befragen, Diefe a. sit 126 Zweites Hauptſtuͤck. Dritter Abſchnitt. feit oder die Beobachtung: der pofitiden Geſetze iſt eis ne Art der Klugheit, weil man durch ‚fie. unangenehme Folgen vermeider, und in fo weit cin Gut ") Der. kluge Mann hält ſich doc nur fo lange an’ diefe Geſetze ges bunden, als er nicht ficher vor den Strafen ift: er fann ſich aber.in folchen Lagen befinden; wo er ſie ohne Gefahr uͤbertteten kann. Mit dieſen unmoraliſchen Saͤtzen denn auch das folgende zuſammen. Freundſchaft iſt ein Un— ding. Denn ſie kann weder unter klugen noch unklugen Menſchen beſtehen. Die letzten wiſſen keinen Gebrauch von derſelben zu machen, der Nichtgebrauch hebt aber die Sas che ſelbſt aufe Die Klugen können aber der Freundſchaft S entbehren, — : Der angefehene Mann Handelt vernünftig, wenn: er für das Vaterland fein Leben nicht hinglebt; denn “Warum follte er zum Beften der Thoren feinen Berftand verleugnen ? Sein Vaterland ift die Welt ). . Schöne Knaben und Weiber haben feine andere Beſtimmung ale > die Befriedigung der finnlichen Luft eines Andern, und es iſt erlaubt, fie zu.diefer Abſicht zu gebrauchen *2). II, Theodorus und feine Schüler. Eohemes zus und Dion Borifipenites * befannt ale Got⸗ 40) Einen ähnlichen Gedanfen führt Diog. Laert. 11. $. 93. alg allgemeine Behauptung der Cyrenaiker an, was er aber wohl nicht. iſt, ob er glei in den Grundfägen liegt. undev. de zuou Duos dunoutov 1 = "AOV A RIONEOV, WA vor no 8I81. 6 ev TO OmE- zios adev TETwV TenfE dia rag ETIMEIMENAG — — — xou dogas. Tal | 41) Diog. Laert. II. $. 98. 42) Diogenes Laert, II. $. 99. 100, Xrhnfiche laxe Grundfäge hatte Dion. DiogenesIV, ‘6.49. \ Cyrenaiker. u 17° "@otteslangner :#), Ungeachtet fie hauptſͤchhich wohl nur die Volksgoͤtter beftritten und'zeigten, daß: fie nichts alg Menſchen geweſen, welche die abergläubifche Verehrung ges .gen das Altertfum vergdtterte, fo iſt doch nach andern Grundfägen faum zu erwarten, daß fie, bei: denen der Sinn für Möralität durch Bernünfteleien fo ganz unter druͤckt worden mar, noch einiges ntereffe für reinere Re⸗ ligionsideen behalten hätten. . Denn was, für ein, Intereſſe das Daſeyn einer Gottheit zu glauben, läßt ſich bei Mens ſchen nur vermuthen, die. feinen andern Zweck des Le⸗ beng kennen, als bloß den angenehmen Genuß der Gegens wart, und die, erfüllt von Egoismus, jeden edlem Zug des Menfchen zu vertilgen fuchten. Ungeachtet: daher in Er _ mangelung der Schriften diefer Männer (denn nur einige Fragmente vom Eohemerus haben ſich erhalten) und bei der Unguverläffigfeit der Urthelle der Alten die Sache nicht mit hiſtoriſcher Gewißheit entſchieden werden kann, fo find doch die wahrſcheinlichen Gruͤnde fuͤr den Atheismus dieſer Maͤnner Überwiegend, Denn erſtlich ſtimmen die mei⸗ ſten hiſtoriſchen Zeugniſſe der aͤlteſten Schriftſteller dahin, daß ſie den Glauben an eine Gottheit uͤberhaupt beſtritten haben **), zn. die — ſind es haupt⸗ fd ‚45) Dioyauss Laert. If. 9, 97, Plutarch, de phyl, decret, Philoloph, I. c.7. Ci- cero de,Nat, Deör, 1. c. 1.4, Sextusad- verl, Phyfic, IX. 6. 51. . 44) Diogenes Laert, II, $. 97, w deö ron LOS MOAYTETACIy avalewy. Tas eg HEwmy Öokas, va — msgıstux ons Bias miygadonsvw eg Farav zn sunaradeovnro ,. sE. Da Eminzeov Ta mAsı- 5% Außovra sımsıv. Die Hauptfielle ift aber Plu- tarchus adverfus $Stoicos. Tom. II. ©, 1075 ,, woraus man fiehet, daß Theodor zum we⸗ nigſten darum das Daſeyn einer Gottheit leugnete, weil er — 128 Zweites Hauptſtuͤck Dritter Abſchnitt. ſaͤchlich, welche von ihnen guͤnſtiger urtheilen, und behaup⸗ ten, daß ihre Angriffe nur gegen die Volksgoͤtter gerichtet waren. Allein die Duelle und die Tendenz dieſer gelius dern Benrtheilung ift zu fichtbar , als daß man darauf ſehr fuſſen könnte, Es ir nicht ſowohl Gutmütbigfeit, die ih⸗ gem Herzen Ehre macht, wie ein neuerer Schrififteller ur⸗ teilte, ald Partheplichkeit und Cinfeitigfeit, was fie zu diefem Urtheil verleitete *2). Wir halten ung uͤbrigens nicht dabei auf, da ‚die Gründe, womit fie den religioͤſen Glauben beftritten, die des Theodorus und. die hlſtoriſchen des Evhemerus ausgenommen ‚- nicht-befannt find. , Hegefias. Man ſiehet in den wenlgen Bruchſtuͤcken von Hege⸗ ſtas Behauptungen, bald Uebereinſtimmung mit Theodorus Srundſaͤtzen, bald die Spuren des eignen Denkens. Daß. der einzige Zweck des Menſchen das Vergnuͤgen ſey, nahm ee mit den übrigen Cyrenalkern an, und folgerte ‚daraus eichtig, daß die einzige Teiebfeder aller Handlungen Eigen⸗ er ſich unter Gott, ein ewiges, unvergängli⸗ ches Weſen dachte, dieſes aber für um moͤglich hieltz 0 y’ av ads ‚meosüyopzutevreg ro Bsodwpdı ai Brayopnı na Immwves an SToA- uncöw sımsıw To Ssiov, Or DIwgrovesiv aA au Emile Geuaav s 05 851-TraDIaugrov, ra uev aDIupra TrV Umugkw mn wmersimevres, Ta Deu ds Tav umen Wr Durarrovrss 45) Clemens Alexandrin, Protreptico, . ‚eonferat,. Pett. Petit Miscellan Oblerw, Le0 2. Nice ſo guͤnſtig urtheilen Minucins Fe, „ Aix Octar. c, 8, Lactantius I, ©, 12, und mehrern-- Eprenaifer, F * 29 Elgennutz iſt; daß Wohlwollen, Freundſchaft und Wohlthaͤtigkeit keinen Werth an ſich haben, und mus erſt fuͤr den etwas werden, der Vortheile davon hat *5). Auch gehört ohne Zweifel die Bes hauptung hieher, daB nichts von Natur angenehm oder unangenehm ſey. Denn die iſt nur eine Beſchaffenheit der Empfindungen, welche nicht auf natürliche Eigenfchafs ten. der Dinge, fondern meiftentheild auf Seltenheit, Be⸗ kanntſchaft oder Unbefanntfhaft, auf Eckel und Ueberdruß beruhen. Denn die Sinne geben nichts Zuverläffiges von den Dingen zu erfennen, und Wuhrfcheintichkeit iſt die eins zige Richtſchnur, nach der man handeln kann *7). Auch trägt Armuth oder Reichthum, Sclanerei oder Freiheit, Unadel oder Adel, Schande oder Ruhm nichts zur Luft oder Unluft bei. Der Reiche hat ale Neicher Fein feinereg Gefühl von Wolluft ald der Arme )J. - Abber darin wih Hegeſias von den.übrigen Cy⸗ renalkern ab, daß er die Erreichung des hoͤchſten Gurs, wenn man es bloß in einen durchgängig anges nehmen Zuftand fest, für unmöglich hlelt; denn — | - Roͤr⸗ 46) Diogenes Laert, II, $, 93. ös ds Hyyaın- KO ABYOUEVOL OHOWaG MEV IYov Tag KuTas, Ndovap. ao movov. unre dexagıy Tu eıvey unrs Dirav, wre guspyeciav dia To un di’ aura TaUTa AıperssHoy juns aura, a da Tag Xeeias MUTUS, Wy amoyTwy und" caciyc UMapX IV, 47) Diogenes Laert. II. $,94.’duces ra adsv you n undss umeruußaver, dı= de amayıy n Esvisuov 9 xogov, TEE HSV Nossday, Tas’ andas äxem. $. 95. avıgav da nıy Tas yednces; au angıldacas Try sm. yvwow, Toy 7’ EuRoylos Doyvomartov (oder nad) Cas faubons Verbeſſerung To 7’ suroyws Payvousvoy) ray-. Ta WEATTEAV. \ Tennemanns Geſchichte der Philofopbie.It. Th. J 130 Zweites Hauptſtuͤck. Dritter Abſchnitt. Körper fen vielen Krankhelten und andern Zufaͤllen unter⸗ worfen, wobeil dag Gemuͤth zugleich mit leide, und im. Beſitz der Gluͤckſeligkeit geftört werde, Die meiften Wüns ſche und Hofnungen der Menſchen werden von dem Zufalle vereitelt. So viel auch der fluge Mann zu feiner eignen Gluͤckſeligkeit beiträgt, fo ift doch das alles nichts in Vers gleichung mit dem, mas er ſich vorſtellt und erwartet 9). Diefe Bemerkungen find fo richtige Folgerungen aus dem Eudämonigmug, wenn er ganz rein und ohne alle Neben⸗ rückfichten entwickelt wird, daß man fi wundern müßte, daß fie nicht allen Vertheidigern deffelben eingeleuchtet Haben, wenn diefes Phänomennicht durch diefo gewöhnliche Inconfes quenz der Menfchen erflärbar würde, Sie fonnten um fo weniger dem Hegeſias entgehen, wenn er über die Mögliche feit und Erreichbarkeit des letzten Naturzwecks der Mens ſchen, der Glückfeligkeit nachdachte, je weniger fein Geift dureh die Ausſicht auf ein Fünftiges Leben zur Inconſequenz verleitet war, und je mehr er durch den Egoismus den Menſchen zu einem befchränften und abhängigen Weſen gemacht hatte, Aber anftatt daß diefe Bemerkung den Hes gefiag auf den Gedanken hätte führen müffen, daß man fi) in der Beflimmung des leisten Zwecks geirrt haben füns ne, gerierh er vielmehr darauf, die Natur anzuflagen, daß fie dem Menfchen mit der einen Hand entziehe, was fie ihm mit der andern angeboten habe. Das menſch⸗ lie Leben, fagte er, iſt ein bloffer Traum. Die Glüdfeligkeit if ein. Unding, das in der Wirklichkeit nie anzutreffen If. ‚Der Tod » 48) Diogenes Laer. 11, $, 94 409) Diogenes Laert, II. 8.94, rw sudayuoviay ÖAwg aduvarov evay’ TO WEV ag awua moRWv av | wenAnoto maS$nuarwy, nv de yuxıv cuumadev To TWuaTı na TAGATTE: I. Tnv TE TUxm TOM Ts nat’ EimIda KwÄusy, „Eprenaifpg. 5 en. 238 Zodift. dem Leben vorzuziehen 59). Nur für den Thoren hat das Leben noch einigen Werth; für den Weiſen ift es etwas ſehr Gleichgültiges. 55). Denn der Weiſe iſt glücklicher in, der Vermeidung des Boͤſen als in der Wahl und Erreichung des Guten. Er muß ſich daher mehr darauf. befihränfen, ohne Mißvergnügen und- Des ſchwerde als mit Vergnügen. zw leben; dieſes fann er nur dadurch erreichen, daß er in Anfehung der Urfachen des Vergnuͤgens gleihgültigdenft 5°). Durch das fette nähert ſich Hegeſias dem Epicurismus, er verbindet aber damit die, Indifferenz in Ruͤckſicht auf die — des ee oo: | Annicerig, Dile MWerbefferung, welche Unniceris mit dem Cyrenaiſchen Syſtem vornahm, bat nicht viel zu bedeuten. icht den Grundirrthum ‚deffelben entdeckte er, fondern feste nur dem Egoismus, welcher ungerfrennlicgemit dem Euvämonismus verbunden iſt, mehr ald gutmuͤthlger ale 3° 2 con⸗ 0) Diog. Laert. II. 6. 94. ss d1o, ræuræ avl- magnTov Ta eudoquovsay evou, TV TE lanv. aa ToV .YavaTov srov. 51) Diog. Laert. II. 6. 95. 1.04 Tw usv adeovi To car AuoıTeng; — Ta ds — adınpogon. y 80). Diogenes — II, $. 95. Tov TE .codov \ EX FTw MÄSOraGEN TA Twy ayatıoy nıesaen, ws Ev T7 rov xcencoy Puyn, TEAoS TISeusvov To un Emımo“ - varg Inv unds - Aumugwg, 6 dr megyuveshoy Tas adın Piencass WER TA TROMTIna 75 7I0vrS. 132 Zweites Hauptftuck. Dritter Abſchnitt. conſequenter Philoſoph mehrere Grenzen, als Hegeſias und Theodor. Er mollte nicht, daß Freundſchaft, Wohl⸗ tollen und Patriotismus zeruichtet würden , fondern ſuchte diefe mit der Gluͤckſeligkeitslehre wieder zu vereinigen. Ver⸗ gnuͤgen blieb auch hier noch immer der Haͤuptzweck und die letzte Triebfgder alles Handelns. Der Weife, fagte er, wuͤr⸗ de, auch wenn er beſchwerllche Arbeiten, z. B. fuͤr ſein Va⸗ terland uͤbernaͤhme, durch den Genuß eines Kleinen Ver⸗ gnügeng feine @lückfeligkeit behaupten!; er werde bie Sreunds ſchaft auch dann noch ſchaͤtzen, wenn fie ihm auch feinen VWortheil mehr bringe, "bloß wegen der -Einpfindung des Wohlwollens, die zu feinem Vergnügen gereiche; er werde um destoillen auch für feinen Freund willig manches Unans genehme dulden °?), | Durch alle diefe Veränderungen, welche wir bisher in der Ordnung, wie fie nad) wahrfcheinlichen Gründen auf eine ander gefolgt feyn mögen, angegebenhaben, näherte ſich das Sorenaifhe Syſtem emdlih dem Epicuräifden dem es zuletzt völlig Platz machte. Dieſes tegte war in der That von der Befchaffenheit, daB es mehr Anhänger anlo⸗ cken mußte. Es femeichelte nicht weniger den Sinnen, als das Cyrenaiſche; und fehlen mehr in Einverftändniß deu Vernuuft zw ſeyn, es verſprach mehr Einficht in die Nas fur. der Dinge, Alles diefes gerzichete ihm zur Empfehs fung bei der großen Menge, Daher hörte die Cyrenaifche Sefte bald auf >*).. Auch noch eine andere Urſache trug ebenfalls bei, um fie In Vergeffenheit zu bringen. Wir haben gefehen, tvie die legten Cyrenaiker gleich dem Pyrrho gegen die Erfennbarfeit der Dinge zu disputireh aufingen. en F Die ni m ıi% — + Jia Ra," A 55) Diogenes Laert.Il. $. 96. cd’ Avvinsgesu u Ev Rd har TaUTo warbıs, Örrermmeov: ds Ras Dirıav ev Brio al Kagıv aaa Eos Yoveas TIRmd Aug UNEE mörerdes 1 meufev: cIEY dia TaUTa nv OX AN" oe: V nav oAıya Hdsa megyernry aut. 975 | Cyrenaiker. Megariker. — 133 Hle academifche Schule hatte feit dem Arceſilas eben Diefes zu ihrem Hauptzwecke gemacht, und der Scharffinn, mit welchem fie dies ins Werk feste, der Ruhm, den fie das durch erlangte, verdunkelte alle andere Selten 4 - . , Yon Fr — N — Wierter Abſchnitt. Philoſopheme der Megariker. ‚Del dem erſten Anblick faͤllt uns ein großer Contraſt zwiſchen den Cynikern und Cyrenaikern und zwiſchen dem ſogenaunten Megariſchen Philoſopheu, zu web den wir jegt fortgehen, in die Augen. jene beſchaͤftig⸗ ten ſich bloß mit der menſchlichen ‚Glückfeligfeit und den. Mitteln derfelben, was dazumal den inhalt’ der Erpif gusmachte; innerhalb diefer war der Kreis ihres Wiffens befepränft, und. auffer dieſem durchfireiften fie felten die angrenzenden Provinzen, Die Megartker Him gegen interefjieten fi mehr für die Dialeftif, die Wiffen- {haft des Denfeng , und fanden ein Wohlgefallen an So⸗ phiſterelen und Trugſchluͤſſen. Auſſer einigen ſpeculativen nlerſuchungen, Finden wir nicht, daß fie fi mie der hyſiologie und Ethik beſchaͤftiget haͤtten, zum wenigſten gruͤndete ſich darauf ihr Ruhm nicht, wenn gleich unter ih⸗ fen einige waren, welche durch ihren Charakter und ihre RX Au get hy U Pe are Var I 35. A ! * Le⸗ 64) Cicero Academ. Quäek. IV. c. 42. quo: —rum princeps Ariftippus, qui,Socratem andieyat, unde Cyrenaici; poſt Epicurus, cuius et difcipli- . na nung 'notiar. Officior. I, c. 55. quibus _ (Cyrenaicis) obloletis, floret Epicurus, eiusdem fere adiutor auctorque fententiae,. — * 134 Zweites Hauptſtuͤck. Viertet Abſchnitt. Lebensweisheit eine ‚Stede neben‘ dem Bitrate verdier nen ). — Jedoch * auch wieder eine Nehalichtele —— dieſen Philoſophen ſtatt, daß, ſo wie die Cyniker zum Theil noch mehr aber einige Cyrenaiker, fo auch die Megar rifer darauf ausgingen, andere. in: die Enge zu treiben. Ihre ganze Dialektik fchien Feinen andern Zweck zu haben, als mit andern zu flreiten, und, fie durch verfängs liche Fragen und Sophiftereien in Verlegenheit zu fegen. Die Lebhaftigfeit des Griechen machte ihn fon geneigt zu gefelfchaftlichen Unterhaltungen, und daher wurden auch die meiften wiſſenſchaftlichen Unterſuchungen geſpraͤchweiſe abs gehandelt. Dieſer Geiſt beguͤnſtigte auch Disputationen und Streitigkeiten. Aber das Disputiren, ohne einen be⸗ ſtimmten Zweck zu haben, das Streiten ohne die Abſicht einen Gegenſtand dadurch mehr ins Licht zu ſetzen, war doch den Griechen etwas auffallend; daher wurden dieſe Megariſche Philoſophen nicht allein vorzugsweiſe Dialek—⸗ tifer, ſondern auch Eriſtiker genannt, welches Bei⸗ wort eben lobeuswuͤrdige Eigenſchaft ausdruͤckte e2). Ja (Abt, Timon, der mit fo menig Schonung den dogmat: ſchen Dünfel an Allen Philoſophen, einige Eleatifer auegenommen, zuͤchtigte, fonnte fo menig 'diefe Streit, ſucht N dab er vielmehr dem Stifter der megarifchen “ 25 1) Diogenes Laertius führt II... $. 108. vom “+ Eurlides, und $. 120. vom Stilpo Titel von Schriften, mahrfcheinlich Dialogen an, welche zum Theil moralifche Gegenftände ‚(einen gebabt zu haben, ann Be "e) Diogenes“Laert. II. $. 106, uud am zure . Msyzeızoı meosmyageuorro, errꝰ eeızindi, Useeov ds dız- . Asarınol, &g &rwf wvouuos mewrög'äievucieg 6 Kae- xndovmog. Bio eos — — Tas Aoyas diarıdsc Ha ° * — a25 Eprenaiker. Megarlfer. r 135. Schule zur Laft legte... feinen . Schülern eine Art von Streitwus, eingepflanzt zu haben 3). Indeſſen waren doch nicht alle Megariker von gleicher Streitfucht erfuͤllt, noch deswegen veraͤchtliche Maͤnner. Wenn auch einige darin zu weit gingen, ſo bewieſen doch andere durch ihre Unterſuchungen, daß ſie Sinn fuͤr Wahr⸗ heit hatten, und ihr Scharffinn lieferte einige nicht zu ver⸗ achtende Beitraͤge zur Theorle des Denkens und Erkennens. Wahrſcheinlich wuͤrden ſie uns noch achtbarer erſcheinen, wenn wir entweder einige Schriften von ihnen haͤtten, oder wenn nur ſonſt die Nachrichten ** ihnen vollſtaͤndiger und zuſammenhaͤngender waͤren. Auſſer den Trugſchluͤſſen, welche dazumal weit mehr Auſſehen machten, findet man bei den alten Schriftſtellern nur, hie und da ein Factum aus ihrem Leben, oder eine Behauptung, erwähnt, aus welchen man ſchwerlich Diefe Männer von allen Seiten fens. nen lernt. Es läßt ſich ſelbſt nicht einmai behaupten daß fie ohne allen Zweck die berüchtigten Trugſchluͤſſe ſollten ers funden und mit ihnen ſo geoßen Unfug getrieben haben. Erftlih muß ung fihon das Factum, daß. Eubulides der Schüler des Euclides, der die meiften Sophigmen ers fand, gegen den Ariftoteles ſchrieb, einige Bedenks lichkeiten gegen die — Meinung — 9. 34 Es 3) Diog. Laert, II, $. 107. — | vv MER, ade ya ads . Oudsvog’ 2 Dydavas, drig vev, 80 egidavtsw . Eunreda, Meyagsvam es eußans Augcav ELISUE« 4) Diogenes. Laer 11; $. 109. d-de Eußzrıdng na mwoos Agısonennv dısdsesro, nur MOM auroy dia- F “ Bsßanne. » Athenaeus I. VIH.p. ed. Ca ſaub. oda ds örs Taura movas Eminzgos eipymev RAT 136° Zweites Hauptſtuͤck. Vierter Abſchnitt. Es iſt kaum zu denen, daß ein Mann, der gegen Ariſtoteles ſchrieb, nichts weiter ſollte verſtanden haben als die Kunft, ei⸗ nige Trugfchluͤſſe zuſammen zu ſetzen, und ver weiß, ob nicht ſelbſt dieſe die Waffen waren, mit denen er gegen den Schöpfer der Logik zu Felde zog. Zweitens. Plus - tarch meldet ausdrädlih von Stilpon, daß er die Trugſchluͤſſe nur als dialektiſche Kunftftücke zur Kurzweil und Unterhaltung gebraucht habe — eine Stelle, die übers Haupt ung den Verluft der Schriften dieſes Mannes nur fuͤhlbarerſmacht ). Drittens. Har Spalding hat durch eine ſcharfſinnige Entwickelung der meiften Behaup⸗ tungen der Megarifhen Schule bie zu einem Hos ben Grad von Wahrſcheinlichkeit bewiefen, daß fie einen gemeinfchaftlichen Urfprung und Zufammenhang in bem Eleas gifchen Syſtem haben. Es wäre alfo ungerecht, diefe Männer bloß nach einigen dialektiſchen Spielereien zu beurs theilen, da fie einen feften Punct hatten, von dem fie aus⸗ gingen, und Ihe Gefichtepunet vielleicht auf die Vertheibis gung eines. Syſtems gerichtet" war, welches noch jetzt die Bewunderung der Denker au fich gteftt. Dev / nar'aurs, ars de Eußaudm, a are Kubicödweos roisrov TI ETOAUNGEV me Kara Ta Zrayaıpıra, Ag4 TOs n0y GUY YPAMET a exdovre⸗ HaTu TE avdgog. 5) Plutarchus adverlüs Coloten p. 1119. yera ds Zwngaryv xy Idarwva meosuaxery Erik 'TwOvı #04 Ta MEY arnYıva doyuara ng Tag Aoyas Ta mvögos , 615 Euurov TE narsnosum xy Mmargıda ng Onxes, u Twv BxayNewy Tas mag aurov amadacav- mas, 315 yeygads, are ösov nv Poovnua ra buxa HET“ menoTnTos no nergiomadesas. av dE muLwy nö Xgwievös Mgos Tas voDigzas Aoyapıwy, mes@aAs UyEAWwTI dur, Evog myna gez, 14 undsv ermwy meog guro, unos Alvag TnV midavornra, Teaywdıay sraycı Tu Zrirmavı u vov Biov avupec Hay Daaıy Um’ AUT, MVovroç STEROy STEER un Karnyogeis I, * vu Megariter, N, 297 Der Stifter diefer Schule Euklides, aus Mes gara, hatte ſich früßgeitig in die Schriften des Parmenis des einſtudiret, und ſich den Geift feiner Philoſophie zu eigen gemacht, ſo daß: die Megariſche Schule als eine | Sortfegung der Eleatifchen betrachtet werden fonnte. Wachs her befuchte er auch Sokrates fleißig, und bildete fich im feinem Umgange. Rad) dem Tode des Sokrates gingen einige Freunde des Sokrates, unter andern auch Plate, nad) Megara, weil fie fich in Athen nicht ſicher glaubten, Sie wurden von dem Euflides freundſchaftlich aufgenoms men, und unterhielten fich mit einander über phllofophifhe: Gegenſtaͤnde 9. Nach einer Stelle des Cicero, die aber etwas dunfel iſt, ſcheint Euflideg feine philoſophiſchen Kennt⸗ niſſe durch Plato vermehrt, und mit ſeinen Nachſolgern in vielen Puncten überein gedacht zu haben 7). Von feinem übrigen Leben, fo tie feiner Nachfolger, wiſſen wir faft gar nichts; die berühmfeften darunter find,“ —Eubulides, Alerinus, Euphantus, Apolios nius Cronus, Diodorus Cronus, Stilpo, Dryfſon oder Bryſon, Stilpons Sohn, und Clinomachus, melde beide. letzten bie Lehrer des Pyrrhou follen geweſen ſeyn, wogegen ‚aber chronvlogifche Gründe fireiten. Alle diefe Männer lebten oifgen der 95 — ı20 Olympiade. °), | = 35 me 6) u Laert. II. $. 106. IIE 6. 6. 7) Cicero Academ. Quaeft, IV, c. 48. qui’ (Herillus) cum Zenonis auditor eflet, vides quans tum ab eo dilfenferit, et gquam non multum 4 Platone Megarici, quorum fuit nobilis difcipli« “na. = Poſt Euclides Socratis difcipulus Mega- _ reus, a quo. idem illi Megarici dicti, quiid ba; 'num «olum elle dicebant, quod eflet unum et fimile et idem et ſemper. Hi quoque multa a Pla- tone, 8) Diog. Laert, I, $. 108. 109. III, 112. z * — 138 Zweites Hauptflüd.. Vierter Abſchnitt. Ungeachtet dieſe Denker ein, Syſtem von Vernunft⸗ wahrheiten aufgeſtellt haben, ſo findet man doch bei allen, einen gemeinſchaſtlichen Geſichtspunet, nehmlich Beſtrei⸗ tung des Empirismus, (nur ‚mit Ausnahme des Stilpo, der, auch ‚den Kationalismug bekaͤmpft) und nur dieſer Geſichtspuuet erlaubt es uns, von einer me⸗ gariſchen Schule zu ſprechen. Dieſer herrſchende Geiſt der, Schule läßt fi aus folgenden Gründen erklaͤren. Erſtlich die Befanntfhaft und Schaͤtzung des Eleatifhen Syſtems, welche fi von ‚dem Stifter ‚ auf alle felne Nachfolger ſcheint fortgepflanzt zu haben, Zweiltens kam dazu noch ein Umfland, der, wenn wir uns nicht irren, nicht win End auf die befondere, Geiſtesrichtung der Megarifer war. . Dieſer ſcheint ung eine befondere A ntipathie - gegen Ariſtoteles Philoſophle zu ſeyn. Es iſt dieſes feine, aus der Luft gegriffene Vermuthung, ſondern Reſultat aus einigen Thatſachen. Wir haben ſchon oben angefuͤhrt, daß Eubu⸗ lides gegen Ariſtoteles geſchrieben hat. Vom Stilpo fuͤhrt Diogenes eine Schrift an, welche ebenfalls polemi⸗ ſchen Inhalis geweſen zu ſeyn ſcheint 2). Mehrere Philos. ſepheme des Diodorus, mit dem Beinahmen, Cro⸗ nus, waten, wie es ſcheint, gegen Ariſtoteles gerichtet, ſo wie Ariſtoteles, ohne eben die Megariker zu nennen, zu⸗ weilen gegen einige Säge der Megarifer ſtreitet. Selbſt die Nachricht, die uns Cicero giebt, daß die Megariker in vielen Stücken’ mit Plato einverſtanden waren; Dienet dazu, jene Antipgthie wahrſcheinlicher und begreiflicher zu finden. Dieſe Facta zum Grunde gelegt, (get fr und wahr⸗ ſcheinlich, daß Euklides mie feinen 9 dachſolgern, ſo mie Plato, reines Wiſſen und Erfeunen nur in der reinen Vernunft zu finden glaubte, und die Erfahrungserken utniß Mat ‚für er und truͤolich hielt. Daher fonnten | fie 9) Diog. Laert. Il, $; ı20. _ * Megariter J F 139 fie nicht mit dem Ariſtoteles zufrieden ſeyn, der urſpruͤnglich allen Stoff der Erkenntuiß aus der Erfahrung ableitete.' Ariſtoteles war der erſte, der eine Theorie der Schluͤſſe aufſtellte, und alles mit Syllogismen bewies. Natuͤrlich mußte dies feine Gegner anfeuren, durch gewiſſe Formeln von Schluͤſſen oder Fragen feine. Theorie anzugreifen. Dies ſes ſcheint mir zur Erfindung der beruͤchtigtan Sophismen Anlaß gegeben zu· haben, wenn fie gleich auch nebenher zu einem Spiele dienen mußten, welches zur Uebung und S@ärfuns des Verſtandes abzweckte. Es iſt uͤbrigens eine Bemerkung, die durch die ganye —*8 der Philoſophie beſtaͤtiget wird, daß nichts ſo ſehr Streitigkeiten veranlaßt und jum⸗Kampfe reist, als die Aufſtellung eines ganzen. Syſtenns der menſchlichen Er⸗ kenntniß. Ein Syſtem, welches auf Demonſtration ges ſtuͤtzt, Anſpruch auf allgemeine Anerkennung macht, müßte entweder das feltene ‚Glück Haben ‚alles, was für dem menfchlichen. Geift Wahrheit iſt, in ſich zu vereinigen, und auf die einleuchtendſte Weiſe vorgutragen, oder in einem Zeltpuncte 'auftreten, wo die Ihätigfeit der Vernunft. im einen tiefen Schlummer eingewiegt wäre, und alle Leidens fhaften, von⸗ denen auch Philnfophen wicht. frei ſind, pers ſtummten, wenn ed. feinen Widerfpruch finden follte. Im Begentheil findet ein Syſtem defto mehr Widerftand, je mehr es Unfprühe erregt, und je mehr es Selten darbies tet, von melden ed angegriffen .werden Fann. Hierin ſcheint Die Urfache zu liegen, daß die Megariker nicht dag Platoniſche, ſondern das Ariſtotellſche (auch vielleicht dag Stoiſche, wenn .efi wahr iſt, was Dipgenes berichtet; daß Alexinus gegen den Zeno, den Stifter der Stoa, gefchrieben habe) 1°) Syſtem zum Gegenitande ihrer Angriffe machten. Denn ungeachtet Plato auch ſein Sy⸗ ſtem hatte, ſo trug er dieſes nicht r ze in Schrif ten rar JV — X 4 4* 4 x * A40) Diogenes Laertiua.ll,,g: 109. ————— de Marıza eos Zuvor. 1409 Zweites Hauptſtuͤck. Vlerter Abſchnitt. ten, als muͤndlich vor, und in ſeinen Schriften iſt ſein Dogmatismus immer durch eine Art von Slepticiemus ger mildert. Ungeachtet es uns aber wahrſcheinlich duͤnlt, daß; die dialektiſche Spitzfindigleiten der Megariker gegen den Ariſto⸗ teles hauptſaͤchlich gerichtet waren, ſo koͤnnen wir ſie doch ‚ bier ſchon unabhängig von den Philoſophemen des Stagiri⸗ ten vortragen. Denn die Waffen, mit welchen die Megas riker den. Stagiriten beftritten, waren meiftentheild aus deme Eleatifhen Syſteme entlehnt, und koͤnnen in ſo fern als Folgeſaͤtze aus demſelben betrachtet werden. Aber man ber merkt bald, daß ſich nicht alle genau an das Eleatiſche Sys fiem banden, fondern vielmehr nur einige Säße entlehnten, und auch diefe oft veränderten. Zu dem find die ‚Säge der Megarifer groͤßtenthells nur kurz und unvolftändig vom den Alten angeführt, daß: ihre eigentliche Tendenz im Duus, keln bleibe, Hierzu kommtnoch dieſes, daß fie wahrfcheinlich durch ihre Streitigkeiten einige Unterfuchungen zur Sprade brachten, welche von andern; ſelbſt vom Ariſtoteles gar nicht - berührt worden waren. Um diefer Gründe millen fann ihnen fuͤglich dieſe Stelle angewieſen werden. Wir gehen nun zu den einzelnen Megarlkern uͤber ⸗· Eutliden, Alles, was wir von den pöllfophemen des Eutin wiſſen, betrife nur zwei Puncte, ſeine Behauptung von dem abfoluten Guten, und feine Gründe gegen die Schlüffe aus Vergleihungen, wozu no deittend feine Methode J deren er ſich bel Widerlegungen bediente ‚ kommt.‘ I. €8 ift nur ein Gutes ar Vollkom— menes) wenn es auch durch mehrere Worte ausge⸗ ch und bald Vernunft, bald Gott ges j nannt Mrguiter, — 141 nannt wird, außer ihm iſt nichts; 8 Ent⸗ gegengefegren fomme fein Seyn zu ")- Cicas ro fagt: dies fey ein Sag der Megarifer — gewe⸗ ſen. Sie haͤtten behauptet: nur das’ allein iſt gut, was Eins, ſich ſelbſt immer gleich, un⸗ veränderlich, und ewig iſt 12). Der Sing dieſes Satzes iſt dunkel, und ſelbſt der Scharfſinn eines Bayhle konnte ſich darin nicht zu rechte finden. Da es hier aus dem Gedankenſyſtem des Euklides ganz iſolirt daſteht, fo läßt ſich fein Inhalt nicht anders als nach Ver⸗ muthungen beſtimmen, zu welchen das Factum, daß En⸗ klides die Schriften des Parmenides mit vorzäglichem “Zus tereſſe ſtudirte, von ſelbſt die Hand bietet. Die Behaup⸗ tung dieſes Philoſophen von einer einzigen Subſtanz, die alle Realitaͤt in ſich begreift, die Gott und Welt zugleich iſt, (Man fehefr1.B. ©. 169.) iſt hier fo deutlich aus⸗ gedrückt,. daß fie fi gar nicht verfennen laͤßt. Es ift nur eine kleine Verfhiedenheit in dem Ausdrucke. Par⸗ menides ſagt: Alles Reale iſt Eins; Euflis des: Alles Byte ift Eins. Aber beides kommt auf Eins hlnaus, denn dag Gute iſt nichts anders als das Bolllommene, und diefes if für die fpefularive Vernunft, ‚die feinen Zweck zum Grunde legt, nichts anders als das Reale. Da hier das Vollkommne ſchlechthin gedacht wird, * iſt der — — dieſerr das ſchlechthin % a a1) Diogenes Läert. IT. G. 106. res &v wo ayayov amsDaywsro moRos wvouası nanzusvovt ÖTE pev yag Doovncıv, re ds Bsov, nam ots var, 104 ro Köln 7a — Ta Dr avnpes; un emo 12) Cicero Aondenie Quaeh, iv. c. 48. a quo ‚idem illi Megarici dicti, qui id bonum ſo- lum elle dicebant, quod ellet unum et Gmile et idem et [emper. | 3» - 142 Zweites Hauptſtück. Vierter Abſchnitt. Vonñkommene oder Vollkommenſte If nur Ei ned, Wenn dleſe Verſiunftidee hypoſtaſirt wird, ſo ge⸗ het natürlich! der Pantheidmug hervor. Denn das reelſte Weſen begreift alle Realltaͤten in ſich, "und auſſer demſelben giebt es Feine Realitaͤt mehr. Das Gegentheil davon woaͤre die Abweſenheit aller Realltaͤt, ein leerer Begriff / dem kein objectives Seyn zukommen kann. UU. Die Schluͤfſe aus Bergleichun gen find unſtatthaft. Denn man ſchließt entweder von ähnlichen Dingen auf ähnliche, oder von unähns lichen auf unähnlihe. In dem erften Salle muß man die Objekte lieber ſelbſt, als diejenigen betrachten, mit denen ſie in Vergleichung geſetzt werden. In dem festen Falle iſt jede Vergleichung uͤberfluͤſſig 13). Spal⸗ ding glaubt auch hier Spuren des Eleatiſchen Syſtems zu finden, welches nicht nur alle Wahrheit der Dinge aufhebe, ſondern auch die gewoͤhnlichen Schläffe der Aehn⸗ lichkeit verwerfen mußte *). So ſcharfſinnig dieſe⸗ Bes merkung iſt, fo kann man ſie doch nur erſt dann ganz ge⸗ gruͤndet nennen, wenn erwieſen iſt, daß dieſe Folgerung wirklich aus den Grund ſaͤtzen des Parmenides nothwendig hervorgehe. Allein dieſen Bewelß vermiſſen wir. Denn Parmenides hob fo wenig die Erſcheinungswelt: auf⸗ dah er vielmehr au ein Philofophiren über fie für möglich hielt, Und da An diefer die Dinge genommen leiden, wie fie er⸗ ſchelnen, fo koͤnnen aud) nicht die analogiſchen Schlüffe, fo lange fie in ihren Grenzen bleiben, verworfen werden. Denn aber auch nicht gerade die Tendenz und Aoſicht dies | | — ie »13) Diogenes.Laert, II. $. 107. xy rov dın ma- eäßdorng Aoyov auvıges, Asyıov 2 6£ avomoımv suisaodag. nu © EV EL OMOlmy, TME- gı aura dew wumov, n ds Cuoln E51W, avasesd6c- Ir ad’ 8 Aropohe, la DE any — 14) Spalding Conımentar. SG: 9. . . de 0 Megariker. * — | 243 fer Saͤtze bekannt iſt, fo beiveifen fie body, "daß Man ſchon vor dem Ariſtoteles anfing ; logiſche Gegenftände in Unter» ſuchung za nehmen.“ Dieſts erhellet auch Aus der Methor - de, deten ſich Euklides bei Widerlegungen bediente, | “IH. Euflides giiff nehmlich in den Beweiſen nicht die Vorderfüße (Anuaura) ‘fondern die Sälußfäge (emıdogar) and zwar apogogiſch an, ſo daß er den Gegner mit Folgerungen, die er aus feiner e1aßfege ableitet. ‚in die Enge trieb "). \ Eubulides und Alexinus. | Eubulides iſt in der Geſchichte der. Philoſophen nur allein durch feine erfundenen Sophismen beruͤhmt. Ungeachtet dieſe Erfindung zur Charakteriſi rung des Zeit⸗ alters nicht ganz unerheblich iſt, ſo waͤre doch vielleicht mehr zu wuͤnſchen, daß wir etwas Beſtimmtes von dem Inhalte ſeiner Schrift gegen den Ariſtoteles wuͤßten. Wir wuͤrden ihn alsdenn noch von mehreren Seiten genauer kennen, und die Fortſchritte zur Wiſſenſchaft mit groͤßerer Klarheit verfolgen koͤnnen, als es ung jetzt moͤglich iſt. Die dialektiſche Richtung des Verſtandes, welche durch die Sophiſten entſtanden war, dauerte natürlich noch eine Zeitlang fort, auch nachdem die Achtung, in der fie geftanden ‚hatten, aufgehört. hatte. - Denn die Urfas “chen, welche fie veranlaßt und begünftiget hatten, wirkten obgleich noch unter andern Seftalten fort. Die Anmens dung der Dialeftif, als Kunft den Schein von Wahrheit hervorzubriugen, hörte zwar had) veränderter Staatsver⸗ faſſung in. den meiſten griedifchen Staaten. auf; (Der . ‚mofbe Be 19 Diogenes Laert. Il, $, 107. "ray 73 amodcı- Eis SVISaTo 2 HaTa AnuudTa, RE Hat" srmidogav. Pr N 144 Zweites Hauptſtuͤck. Vierter Abſchnitt. moſthenes war vielleicht der letzte, der. dieſe Kunſt vom Eubulides lernte 15); aber der Mangel an fer fen Grundfägen der Wahrheit begänftigte eben fo wohl die dialektiſche Kunſt, als die Zmeifelfucht,, und beide waren das Zeichen, daß das Bedürfniß einer gründlichen Erdrten zung. des Verſtandesvermoͤgens fählbar worden ſey ‚Dar her bediente man fich der Trugſchluͤſſe auch, nicht mehr, um vor einem Haufen verſammleter Zuhörer zu. glängen, wie vordem einige Soppiften gethan hatten, ſondern die Denker legten ſie einander vor, um ſich im Scharffinn und Nach⸗ denken zu ‚üben, wobel der Ehrgeiz auch) feine Rechnung mit fand '”). Einige unter den Sophismen des Eubulides ſind keine Schluͤſſe, ſondern nur Fragen, deren Beantwortung nur deswegen ſchwer war, weil jene auf Schrauben geſtellt waren, Don der Art war z. B. der Sorites. Es gieht Wörter, durch welche eine unbeſtimmte Vielheit gewiſſer Dinge einer Art ausgedruͤckt wird, z. B. ein Haufe Korn, eine Heerde Schaafe. Die Frage, welche mit dem Wort Sorites bezeichnet wurde; ging nun darauf, eine beflimms te Zahl anzugeben, welche jener Benennung zufomme, und fing von eind, zwei, drei u. f. w. an, melde Zahl zu klein war, bis auf einmal der Sragende zugeben mußte, jene fen es ein Haufen Korn, oder eine Heerde Schaafe, Und darang wurde dann gefolgert: Eins mache einen Haus fen oder Heerde aud. Es iſt fonderbar, daß diefe Trage auch die größten Dialeftifer, als einen Chryfipp, fo. in Verlegenheit fegen konnte, daß fie fich nicht zu helfen wuß⸗ ten 3), Don diefen und ähnlichen Fragen war eigent⸗ 2 ! lich 16) Diogenes Laert. II. $. 108. 39) nn II, g 121, 118. Suidas voce Phi- letas, 18) Di og.' Eaert, II. 2 192. Cicero, Acad. Quael, IV, c, 29. | % Megarikerx. 145 lich nichts fuͤr die Wiſſenſchaft zu erwarten. Einige Trug⸗ ſchluͤſſe Hatten aber etwas mehr zu bedeuten, weil fie auf‘ Unterſuchungen führten, welche in der Folge fruchtbarer für die Logik waren. - Hieher gehört zum Beifpiel der foges nannte Lügner (Weödouerce), ‘der die Frage "enthielt: ob derjenige, der fagt, er lüge, lüge oder nit. Man mochte darauf Fa oder Mein antworten, fo wurde man durch folgenden hypothetiſchen Schluß miderlegt: Wenn du fagt, du luͤgſt und fagft die Wahrheit, * fo lügft du; Nun aber fagft du, du lügft,. und fagft die Wahrheit, alfo. lügf du. Man ſchloß daraus, daß auch derjenige, der.die Wahrheit fagt, lügt, und daß derjenige,. der.da luͤgt, nicht lügt, alfo die Wahrheit ſage, und. brauchte diefen Schluß, um jeden. hypo⸗ thetiſchen Schluß verdächtig gu machen; 9): Ariftoteleg hielt diefe Amphibolie für. unauflöslih, und mehrere fpäs tere Philoſophen fihrieben eigne Abhandlungen darüber, Uns kommt diefes freillch paradox vor; aber in jenen Zel⸗ ten fonnte man ſich weniger helfen, weil man die Form und die Materie der Schlüffe nicht ſcharf genug unter» ſchled. Das Bedürfniß, eine Regel zu finden, ans mels cher die Wahrheit oder Falſchheit der hypothetiſchen Schlüffe beurtheilet werden fonnte, leuchtete daraus fo dringend ein, . daß bald nad) Eubulided zwei Megariker, Diodorus Kronus und Philon fi mit diefer Unterfuchung E= bes 19) Cicero Academicar. Quaelt, IV, c, 29. 30. Si dicis te mentiri, verumque dicis, men- tiris: dicis autem te mentiri, verumque dicis; mentiris igitur. — Haec [cilicet inexplicabilia elle dicitis; quod eft odiofus, quam illa, quae nos incomprehenfa et non percepta dicimus. Ariftoteles Ethicor. ad, Nicomach. Vil. c.2. Diogenes Laert. VII, $. 196. Seneca Epiftola 45. | Tennemanns Gefthichte der Philoſophie IE. Thl. K 146 Zweites Hauptſtuͤck. Vierter Abſchnitt. befchäftigten , welche ven die Stoiler weiter forte ſetzten. Diodorus und Philon. Unter den Megarlkern zeichneten ſich als Dialeftifen vorzüglich Divdorug, Philon und Stilpo an, Die erften hießen wegen ihres dialektiſchen Scharffinmes vorzugsweiſe Dialeftifer. *2). Zum mwenisften koͤn⸗ nen mir von den Forfchungen diefer Männer ein!ge Re⸗ chenſchaft geben, da wir von dem Klinomachus nichts meiter wiffen, als, daß er zuerft von den Saͤtzen umd Prädicaten gefdrieben hat 27), Diodorus, der den Spottnamen Kronos erhielt, weil er ein Sophis⸗ ma nicht fogleich hatte auflöfen koͤnnen, ſcheint auf beideg, anf Beftreitung ded Dogmatismus und Unterfurhung der Megeln des Denkens, feine Aufmerffamfeit gerichtet zu has den. Man fieher daraus, daß dieſe Männer nicht bloße, Sophiften waren, welche durch die Trugſchluͤſſe ſich eilen Namen zu machen fuchten, fonvern daß fie wirklich Sinn für wiſſenſchaftliche Unterſuchungen hätten Und es iſt ihnen nicht zu verdenfen, daß fie eben deswegen, weil fie mit R vielen Epefuiatiönen a zufrieden feyn Fonnten, Es 28% durch 20) Diogenes Laert. N. $. ırı. 118. Sextus Eınpiricus adverfus Grammatic. $.309. nennt - den Diodor diaAsartinwraros. Plutarchus adverlus Coloten Tom. U. pag. 1119. Cicero. de Fato. C. 5.. 8) Diogene s Laert, I. $. 112. Krsvouuxos TE 0 zeig, 5 mewros me welwaTay cl RaTye vonuarev RU Twv TOsTiay guveygzıbs. f Megariker. 147 durch ihre Einwuͤrfe den Mangel an Evbidenz aufzudecken ſuchten der alle geruͤhmte Einſicht in das Weſen der Din⸗ ge ungewiß machte. Uebrigens find es nur einzelne Bes merfungen , die wir von ihnen angemerkt finden, und ob fie wohl dadurch Ihren Forſchungsgeiſt und Scharffinn beweifen, fo verrarhen fie doch wenig von umfaffenden und ſyſtematiſchen Geift, Dieſes if wahrſcheinlich daraus zu erklaͤren, daß ihre Neigung zur Skepſis, ihre Deflreitung einzelnee Dogmen, ihren Verfland mehr als ihre Vernunft cultivirte, und Ihrem Geift mehr. eine Richtung auf das Einzelne als auf ein Games gab. _ a, > e I. Unter den logiſchen Bemerfungen des Dio d o⸗ rus gehört zuerſt hleher die Behauptung: daß es keine jweideutigen Worte gebe. Denn, ſagte er, ein sweibeutiged Wort kann feinee Natur nach nur ein ſolches fepn, welches fo befchaffen iſt, daß, mer es fpricht, zus gleich) zrvei oder mehrere Gegenftände Dadurch ausdrückt, dieſes it aber unmöglih. Denn wer ein Wort fagt , ver» bindet damit nur eine Bedeutung, und wer ſich derfelben bewußt iſt, kann nicht zugleich mehrere ausdrücken wollen. Aber moͤglich iſt es, daß der Zuhörende ein Wort ih einer andern Bedeutung nimmt, als der Spredyende, Das ift aber mehr Mangel der Deutlihfeit als Zweis beutigfeit 22), g II. Mehr Verdienft hat feine Unterfuchung über die Waprpeit und Falſchheit der hypothetiſchen Saͤtze, meil er u — 42 dee. 2:) Gellins Noct. Attic. XL e 12. Nullum inguit verbum eft ambiguum : 'nec quisquam am, biguum dicit-aut fenfit; nec aliud dici videri de. bet, quam quod ſe dicere [entit is, qui dicit, at guum ego, inquit, aliud ſenſi, tu aliud accepi- ſti; obſcure magis dictum, quam ambjgue vide- ‚ri debet. Ambigui enim verbi natura illaefle de. buit, ut qui id diceret, duo vel plura diceret; nemo autem duo vel plura dicit, qui Se [entit % unum dlicere, ! — 148 Zweites Hauptſtuͤck. Vierter Abſchnitt. der erſte geweſen zu ſeyn ſcheint, der dieſen Punkt in Er⸗ waͤgung zog, wenn nicht Philo, der ein Zeitgenoſſe war, ihm die Veranlaſſung dazu gegeben hat 3). Phis Io beftimmite drei Fälle, In denen diefe Säge wahr find, wenn nehmlich beide Säge wahr oder falfd, und deittend, wenn der Vorderſatz falſch, der Nahfag wahr iſt. Ein Belfpiel von dem erſten ift: Wenn es Tag if, fo If es helle; von dem zwelten: wenn die Erde fliegt, fo hat fie Fluͤ⸗ gel; von dem dritten: wenn bie Erde fliegt, fo eriftitet die Erde, Falſch iſt aber der Satz, wenn der Vorderfa wahr, und aus demfelben ein falſcher Rach⸗ ſatz abgeleltet wird, z. B. wenn es Tag iſt, ſo iſt es Nacht. Man ſiehet, daß Philo auf dem rechten Wege war; er ſuchte bloß eine Regel für die lo⸗ giſche Wahrheit bedingter Saͤtze, welche er mit Recht in, die Abhängigfeit des zweiten von dem er⸗ ſten Satze ſetzte. Weil er aber dieſe Regel durch Inductlon zu erhalten ſuchte, ſo druͤckte er ſie nicht in ihrer Allge⸗ meinheit aus, und, was alsdann uͤberfluͤſſig iſt, nahm noch auf die Wahrheit oder Falſchheit des Vorder⸗- und Nachſatzes Ruͤckſicht ). Diodor hingegen mar mit diefer Beftimmung nicht zufrieden; er behauptete, ein hy⸗ pothetifcher Sag fen nur alsdann twahr, wenn der von dem MVorderfage abhängige nie falſch fey oder werde Der Sag: wenn es Tag iſt, fo rede ich, müßte nad) Philos Negel wahr ſeyn; allein es kann fich jutragen, daß ich nicht rede, fondern ſchweige; \ j und 23) Es iſt fein Wunder, daß, diefer Phllo mir dem Stois fer (wie von Fabricius zum Sextus ©. 91.) und alle dern ift verwechfele worden, da man fo wenige Nachrich⸗ ten vonihm hat. | Ä 24) Sextus Empiricus adverfus Logic. II. $. 115. 114: | Megariter. 149°. und dann iſt der Sag nach Diodor falſch. Diodor nahm alſo nicht auf die logifche, fondern auf die objeetive Wahr⸗ heit Ruͤckſicht, welche durch Feine allgemeine Regel beſtimmt werden fann 2°), III, Gegen die Bewegung ftellte Diodorug einige fharffinnige Gründe auf, welche zwar zum -Theil aus dem Eleatifhen Syſtem entiehnt find, aber doch von eigenem Nachdenken zeugen. . Er wählte mwahrfcheimlich diefe Lehre zum Gegenftand feiner ffeptifhen Waffen, meil ihre Er» Härung ſo viel Schtwierigkeiten enthielt, und die Mögliche keit derfelben gerade der Hauptbegriff mar, mit welchem eis nige dogmatifche Syſteme ftehen oder fallen mußten.‘ Ex ging, twie es fcheint, von der Bemerfung aus; daß man, wohl zeigen Fönne, ein Gegenftand Habe fih bo wegt, aber nicht, daß er ſich bewege. , Denn das erſte lehrt die Wahrnehmung als Faktum, Indem man ein Objekt bald an dieſem, bald an einem andern Orte finder. Das zweite erfodert aber die Einfiht in die Möglichfeit der Bewegung, . welche, wenn man mie Diodor mit der nen , welche er beſtreitet, den Raum als fuͤr ſich beſtehend vorausſetzt, nicht moͤglich iſt . 83 | Ehe. ‘ 85) Sextus Eitpirione adverf. Phyfic, II, $. 115. Asrodweos de wändEs eıwoy Dysı auvnmusvor, oͤre⸗ unre EvEdSXETO, UnTe EVÖENEToy EXOMEVOV _ am’ anydas, Ayyew.smi nbsudos. — EVÜeysry ya am’ aAnIa; MoTs upFausvov Ta, nuepx Esiv, mi \VEU- dos Anyew, To Eyw —28— — — — — Elke 26) Sextus Empiricus adverlus Phylic. II. 8.85. vouuleroy ds 127 an ris erßgıdng üme- uvnois eis TO um eavay wma; uoͤro Arodwex ra Keo- va, di 15 MagısyomW , OTI Mivermay MEV 305 EV, KEWI- nr ds — nenivnroy ds mar Koyov, TO yap' eo ragov &v To ds Tw Tomw > Sewpapevov, Taro 8y Ers- eu ‘ 130: Zweites Hauprftäd. Bierter Abſchnitt. Ehe wir aber ſeine Gruͤnde gegen die Bewegung vor⸗ tragen, muͤſſen wir eine Behauptung anführen, welche bett jenen vorausgeſetzt wird, Er behauptete nehmlich, daß alles aus Theilen beſtehe, melde keiner mweitern Theilung unterworfen, endlid der Größe nach, aber die kleinſt möglichen find ). Menn 88. wahr if, daß Diodor wirfih Aromen annahm, (morin er wahrfcheinlich dem Lencipp folgte, und nur einen andern Ausdruck, nehmlich für arouon, amegss wählte) fo führte ihn vielleicht das eleatiſche Syſtem darauf, Diefes ſchloß aus der unendlichen Theile barfeit des Raums auf die Unmöglichkeit der Bewegung und die Falſchheit aller Erfahrungserfenntniß, ohne doch * eW yuy Yewarıry roxꝙ öweo Er av'eysyoven, un Kıyy- eyrog aurs, Stobaeus Eclog. tige 3,9, ©. 396. | BA Stobaeus Eelog. Phylic. 1.2. ©. 3:0: Ar- dweog , sminnnv Kegvos, Ta uusen CwuuTa warez, Tu d’ aura Aeyoueya no SAAXISO" amerga MEV Kur Toy aß. Suov, weisusva de nur Tomeysdo. Euſe- | blius Pragparat. Evangel. (aus dem Diony- fius Alexandrinus) XIV. c. 25. cds ras KTOWES EV OVOMaGayTEs, auEgn Pacıy vy swuaTra TE MayTOS MEon,.6E Wv adıypstwy OYTAy CWTIFETY Ta WAYTE, u Es a ÖaAverag Ray TErwv Dacı TWV ME .gwy ovonaromoıovy Aradwmeov, ysyovsvan ovoux ds, Dacıy, avmoıs ao "Hoanredns Iausvor sAascev oyaası Es iſt hier zu bemerken, daß nad diefer Stelle Diodor bloß den Namen ausen erfand, aber e8 wird nicht gefagt, Daß die Atomenlchre fein Dog« ma war. And fo fagt auch Sextus adverl[us Phyfiecos IH. 6. 85. noy un nwvegIy uev, rar? ancxx oy EI wars KRT' RUTEP TRY KWERWV Umo$E- din, | bes Raums ſelbſt ſich entſchlagen zu können. Ein unend» lich rheilbarer Raum iſt für den Verftand zu groß, er fins det nirgends einen Stillſtand, eine Grenze, um ein Ganze zu umfaffen: Vielleicht machte alfo Diodor den Ver’ ſuch, den Begriff von Raum dem Verſtande zu nähern, wenn er. der Thellung Grenzen. feste. Zwar. blich hier au) noch immer etwas unendliches und Unerreichba⸗ res, nehmlich die unendliche Zahl der einfachen Theile; aber es iſt doch hier immer cin Endliches, bei dem der Verſtand ausxuhen kann. er Wir muͤſſen aber geſtehen, daß ung diefe Vorangfer gung noch manche Bedenklichkeiten gegen fich zu. haben fheint, Denn. wir. lefen. fonft auch gar nichts: von irgend einer Spekulation , oder irgend einem Dogma des Diodo⸗ zus, welches mit diefem Im Zufammenhange fände, auſſer feine Gründe gegen die Bewegung. Es ſcheint ung daher wahrfcheinlicher, daß et die Atomen.deg Leucipg nur als Hypotheſe zum Behuf ber festen annahm. Dias darus feßte die Gründe des Zeno gegen die Bewegung wei⸗ ter fort, und ergänzte fie gewiſſermaſſen. Ein Grund deffelben mar von dee Unmoͤglichkeit der, Theilbarfrie der Materie hergenommen, welche er dadurch bewies, daß man fi) jeden Körper nur auf zweierlei Art denken könne, entweder ausgedehnt, oder. nicht ausgedehnt, und im ee € fien Falle ind Unendliche. tHeilbar, (Man fehe 1 -&. 193,294). Hier war aber noch ein Deitter * denkbar, daß die Körper aus Thellen , aber endlichen beſte⸗ ben. Diefes Hatte Leucipp angenommen, und darauf ein Syſtem der Natur errichtet, welches dem Eleatifchen ent⸗ gegen geſetzt war. Diodor hatte alſo genug Veranlaſſung / dieſen dritten Fall zw beleuchten, um zu fehen, ob nad dleſem die Bewegung begreiflich werde und vlelleicht wur⸗ de er um ſo mehr dazu veranlaßt, da eben jetzt Epl⸗ kur anfing, jenes N wieder * neue in varımı zu bringen, u . ET, Dr 159 Zweites Hauptſtuͤck. Vierter Abſchnitt. | Die Gründe des Divdorus gegen die Bewegung nun find folgende: 3) Ein einfacher Theil eines - Körpers muß auch in einem einfachen Theil des Raums feyn Nun kann er fi in dieſem nicht. bewegen, denn er erfüllte ihn ganz. - Was fi aber bewegen fol, muß in einem größern Raume ſeyn. Aber eben fo wenig kann er fich in einem.andern Raume bes wegen, worin er noch il. Die Bewegung ift alfo unmdge - Hd. Denn ein Körper kann ſich nur entiwerer in dem Raume, den er erfüllt, oder. in-einem andern, wo er nicht ift, bervegen. Das erfte ift unmöglich; denn wenn er eis nen Raum erfüllt, fo ruhet er; und dag zweite ift nicht gedenfbar 2). 2) Die Bewegung eines Kor . pers enthält überhaupt einen Widerfprud Denn der bewegende Körper muß In einem Naume feyn; in einem Kaume feyn, heißt aber fo viel, als ruhen, fi nicht bewegen. Was fi alfo bes weget, beweget fi nigt 20). 3). Es laſſen fi zwei Arten von Bewegung denken; eine, wo alle einfachen Theile eines Körpers in Be— - wegungfind, totale Bewegung (kirnaıs zur’ eidl- neivesav); die zweite, wo mehrere Theile des Koͤr⸗ pers fi bewegen, wenige ruhen, partielle Be Wwegung (iv, nar’ smingarenav).. Die partielte "Bewegung muß vor der totalen vorausgehen; denn damit alle Theile: In Bewegung fomnien, müffen : af einl⸗ ge/ 28) Sextus Empiricu's, adverſus Phyficos II. 5. 86. 87. A uweray Ti, 'yro &v © e5ı Tomw A- vei rT, n ſ An es are deler @ ec:, usves yap ev au⸗- FW! ære EV @ UNESIW' 8 yap ESIVEVAUTW. Eu apa. nie vyaray TI. Pyrehonior. Kypotyp. I. $. 242. s9) Sextus Empiricu!s adverfus Phytikos. 1]. ,.112° To xıvawevov Ev Tomw E51' TO TE EV TO- TO 09, 8 KATY" TO HER KIVEMEVOT 2 HINATY. * Megariker. | 153. 98, dann mehrere u. f. f. bewegt werben, und die totale ik eine Steigerung der partiellen. Wenn num gezeigt werden. kann, daß die partielle Bewegung nicht möglich ift, ſo iſt die. Unmöglichkeit der Bewegung über haupt gezeigt; denn ohne jene kann diefe nicht ſeyn. Je⸗ nes läßt ſich Aber zeigen. Man ſetze nehmlich einen Körper, der aus drei einfachen Theilen beſtehet, von welchen zwei in Bewegung, einer in Ruhe iſt. Wird nun noch ein vierter ruhender Theil hinzugeſetzt, ſo wird ſich dennoch der Koͤrper bewegen, wenn er gleich nun zwei ru⸗ hende und zwei beivegende Theile enthält. Denn der eine Theil, der hinzugeſetzt ift, wird von den dreien, mit der nen er fich bewegt, übertuogen. Eben tag ift der Fall, wenn noh ein fünfter, fehler u. f. mw. ruhender Theil Binzugefegt twird. Diodor ging bis zu dem 10000ſten Theil fort, und fchloß daraus die Unmöglichfeit der par⸗ tiellen Bewegung. Denn es fen ungereimt zu fagen, ein Körper fey der größeren Zahl feiner Theile nach in Bewegung, in welchem doch nur zwei Thelle in Bewegung und 9998 |, in Ruhe mären — 3°); GSeprtus- erinnert dagegen, daß diefed ganze Kalfonnement ein Sophisma ift, welches mehr blendet, als beweiſet; denn fobald als zu den drei Theilen ein vierter ruhender hinzugethan wird, findet: feine partielle Bewegung mehr ſtatt, und das ganze Nalfonnes ‚ment beweiſet — — was «8 — ee 3, . } 1 — So 30) Sextus Empiricus adverſ. Phyficos II. $. 123. ſeq. er Spalding —— S. 11. 12, legt Diodor auch das Raiſonnement gegen die Bewegung bei, mel» ches Sextus I. c. $. 119. ſeq. anführt. Da aber | Sertus $. 212. ſagt: es gebe noch andere Gründe des Digdorus, die aber nicht fo viel Gewicht, wiewohl mehr Sophiſterei enthielten, und er wolle fie anführen, F | am * 154 Zweites Hauptſtuck. Vierter Abſchnitt. Sa wenig alſo dieſer letzte Grund bemeifet, ſo nuwl⸗ derleglich iſt der erſte, weun man ſich in den Geſichtspunkt ſtellt, daß von der Bewegung nicht als Erſcheinung die Rede und der Raum etwas auſſer uns beſtehendes iſt. Diodor hatte inſofern allerdings Recht, die Bewegung fuͤr etwas Unmoͤgliches zu halten, indem ſich der Verſtand um⸗ ſonſt bemuͤhet, ſich denſelben begreiflich zu machen. Gleich⸗ wohl konnte er nicht das Factum leugnen, daß in der Erfahrung Bewegung angetroffen werde, inſofern ein Körper baid in dieſem bald in einem andern Raume wahr⸗ genommen. wird. Wenn man unter der Bewegung Den Uebergang von einem Drte zum-andern verſtehet, welches der gewöhnliche Begriff der griechi- ſchen Dhilofophen if, und den Kaum als aus einfachen Sheilen beſtehend denfet, fo konnte Diodor mit Recht far gen: ich erkenne wohl, daß fih etwas bewegt bet, aber nicht daß es ſich bemegt. Denn die Waͤhrnehmung lehrt mich nicht, daß und mie ein Koͤr⸗ per von einem Orte zum andern uͤbergehe, ſondern nur, Daß der Uebergang geſchehen if, Und fo läßt ſich diefe Behauptung aflerdinge rechtfertigen. Allein parös dor Hang fie DSH immer. Daher fagte Sertug: es ſey ungereimt zu fagen, es babe fih etwas bewegt, wenn ſich nichts bewege 3). Auch erfuhr ſchon Diodpr bei feinem Leben Widerfpruch, von wem ? wiſſen wir nicht. Dan fagte es ſey ungereime, eine Degen ben« damit man Mich bei Linterfuchungen vor ihnen in Acht nehmen koͤnne, ‚und nachdem er fie dargeſtellt, $. 118. hinzu ſetzt: 09V 725 un TOIauTag Emiyapnses magyrn" wsov. Enewors ba MzAisı Xenssov Acyası fo glauben wir feinen Grund zu haben, es hicher zu rechnen. 52) Sextus Emgirj cus adverf, Phyf[icos IT. $- 85. mws yap zu Gramm, TO, rdEvas Kıvalsva Asyevy TI nSuNNEYt, | en, Medariler. 15 benheit in der gegenwärtigen Zelt ehe falſch und in dee vergangenen für wahr zu haiten. Denn wenn das Dergangene wahr getvefen. fey, fo muß auch das Gegenmärtige wahr feyn; und da das Vergan⸗ gene die. Grenze des Gegenwaͤrtigen ſey, fo koͤnne jenes + nicht ſeyn, wenn dieſes nicht geweſen fey 3°). : Diodoe vertheidigte fich dagegen durch einige Bemerkungen, welche . mehr Schein ald Gründlichfeit haben, Es giebt Fuͤlle, fagt er, mo etwas, das man in der gegenwärtigen Zeit ausſagt, falſch, in der vergangenen aber mahr ifl. Man werfe z. B. eine Kugel an die Decke eines Zimmers. Andem fid geworfen wird, iſt der Satz: die Kugel beruͤhrt die Detke, falſch; aber wenn fie die Decke erreicht hat, fo hat die Auffage: ‚die Kugel bat. die Decke berührt, Wahrs t 39), III. Noch verdient feine Reflexion aber den Begriff des Möglihen eine ‚Erwähnung, welche mit dem sben- angeführten Kriterium der hypothetiſchen Urtheile in Verbindung ſtehet. Er behauptete: nur das allein ſey moͤglich, was wirklich ſey, oder wirklich geſchehen werde. Nichts geſchehe, was nicht aus Nothmendigkeit geſchehe, und was ges ſchehen koͤnne, fey entweder ſchon wirklich oder werde wirk⸗ Uch werden. So wie bei dem, was geſchehen iſt, das Wah⸗ re nit zum Salfgen werden kahn, fo ift es auch unmögs lich / 33) Sextus Empir. advf. Phyfic, I. $,90.9% no4 84 gyIoı Ev aduvarov ewvog Darı, Ttov GUVTEAs- Sıawv arn$wv ovrwy, YEudn Ta TaLATaTına TETWY‘ aM’ army natszar. 34) Sextus Empiricns adverl. — $..97. ſeq. denn ds Arodweos mo; Try mOrWTV (sy Samy) augus Umwruisvu, didaztev Or — D — TWVCUVTEREZIRWV Itoy OYTWV; Tu TETwV ma TITIRE ıhsvön voggneN. 0 156 Zweites. Hauptſtuͤck. Vierter Abfchnitt. li, daß dieſes bei dem kuͤnftigen geſchehe. Was ge ſchehen ift, kann micht zum Ungefchehenen ger macht merden.- Hier. ift die Nothwendigkeit und Unveränderlichfeit fo einleuchtend, . daß fie Nice mand leugnen fann. Uber bei einigen künftigen Begebens : heiten‘ fällt fie nicht fo in die Augen, und daher ſcheint fie gar nicht vorhanden zu feyn. Wenn ein Menfh an eis ner tödlichen Krankheit darnieder liegt, ſo ift die Auffage wahr: diefer wird an diefer Krankheit flers benz diefe Nothwendigkeit aber findet auch bei dem ſtatt, der eine meniger heftige Kranfheit hat, wenn nur die Aufs fage,. ex wird fterben, wahr it 5), Auch in diefem Punks te _ mar Diodor und Philo uneinig. Der legte fagte: möglich iſt das, wozu ein Subject Fähigkeit bat, wenn ed auch, wegen aͤuſſerer Hinderniffe, nicht gefchlehet- Ariftoteles ſcheint auf Diefe Streitigfeit, melde in der Fol⸗ ge noch mit mehr Hige geführt wurde, ſchon Rückficht ger nommen zu haben. Er bleibt aber bei.dem logifhen Begriff des Möglichen ſtehen, fo mie Diodor und Philo den Begriff der realen Möglichfeit, doch nicht zu⸗ veihend, zu beftimmen ſuchten 20). Diodor — Moͤg⸗ 35) Cicero de Fato c. 7. 9. Placet igitur Dio- j : doro, id folum fieri polle, quod aut verum fit, ‚ dut verum futurum fit, Qui locus attingit hanc quaeltionem; nihil fieri, quod non necelle fue- rit; et quicquid ſieri poflit, id aut efle iam, aut futurum efle: nec magis immutari ex veris in falfa ea polle, quae futura [unt, quam ea, quae facta funt; fed in factis immutabilitatem appa- rere, in futuris qnibusdäm, quia non apparent, (appareat nad “ren ne inclle quidem vi- deri, 36) Alexander Aph rodifien . — quaeſt. I. c. 14. Ariſtoteles de interpretat. c.9. FR Megariker, 0027 Möglichkeit, Wirklichkeit und Nothwendigkelt mit einans ders Das Wirkliche iſt freilich auch moͤglich; aber dag Mögliche iſt darum doch richt das Wirkliche. — — ſcheinlich gehoͤrt dem Diodor auch die Behauptung zu, bie Ariſtoteles anfuͤhrt: nur dann koͤnne eine Kraft wirken, wenn fie wirke; inur dann koͤnne z. B. einer ein Haus bauen, wenn er wirklich eins baue; denn fie hängt mit jener zuſammmen 37).; - [3 ‘ ' * “ % — — —e ètt ree ——— — —— — —V J J Stilpo. unter allen Megarikern zeichnete ſich Stilpo auf eine hervorſtechende Weiſe aus, nicht allein durch ſeinen Scharf⸗ ſinn, ſondern auch durch ſeinen Charakter der mit ſelbſt⸗ ſtaͤndiger Kraft die fehlerhaften Neigungen ſeiner Vernunft unterwarf, und in jeder Lage als ein freles Weſen, das ſich ſelbſt das Geſetz feines Handelns vorſchreibt, handel⸗ te **). Bon feinem Scharffinn zeugen noch zwel Behaup⸗ a: | — tun⸗ 37) Ariſtoteles Metaphyficor. VIII. c. 3. „eos ds Tiwes, 61 Dacıy, dıov Meyagsinos , 6Ta) gv5E= yn, wovon Öuvas$o, Orav ds un sveoyn, mn duvas$oy, 610v , Tov un binodonsvrn, up Öuvaz$oy omodoueiv, aA“ Tov binodousvra Orav omnodown. 38) Cicero de Fato c. 5. Stilponem Megaricum philofophum, acutum fane höminem, et pro- batum, temporibus illis accepimus. Hunc [cri- bunt ipfius familiares et ebrioſum et mulierofum fuiffe: 'neque hoc feribunt vituperantes [ed po. tius ad laudem: vitiofam enim naturam ab eo fic edomitam et cömpreflam efle doctrina, ut ne- ‚ mo unguam vinolentum illum, nemo in eo libi- dinis veftigium viderit. 158 Zweites Hauptſtuͤck. Dierser Abſchnitt. tungen, meldhe uns alte Schriftftellee aus der Summe feiner Ppilofophemen aufbehalten haben, wenn gleich Plus tarch verſichert, daß fie nur Epiele feines Geiſtes waren, melde in den Unterhaltungen und Streitigkeiten mit Philos fophen Play fanden ??). Diefe Saͤtze find: eg giebt feine. Gatstungsbegriffe, und; es giebt nur identifheilirtheile, welche nicht allein Damals wegen ihres parodoren Anſehens, fondern auch in unfern Zeiten wegen der erften Spur, von ſynthetiſchen Eäten, die man in ihnen glaubte gefunden. zu haben, Aufſehen gemacht - haben. Vor allen Dingen müffen wir erſt den Sinn dies fer Säge zu beftimmen ſuchen. I. Stilpo behauptete, wie Diogenes berichtet, nie» mand fage, daß der Menfh (in abfiracto) eris ftire. Denn wenn er. vom Menſch überhaupt ſpricht, ſo verſtehet er weder dieſen, noc jenen einzelnen Menſchen. Und warum folte er mehr diefen oder jenen bezeichnen? Er bezeichnet: alfo gar feinen Und: Kofi if nicht dag, mas ih hier ſehe. Denn Kohl war f[hon vor taufend Fahren. Alfo iR die . fes nicht Kohl #). Dieſer Sedanfe des Stilpo ſcheint vom Diogenes ziemlich dunkel ausgedruͤckt, und. der Text ſelbſt iſt vielleicht nicht ohne Fehler; auch iſt der. Zus ſammenhang zwiſchen der erſten und zweiten Inſtanj nicht Hart, Indeſſen iſt doc der Hauptgedanke, daß es feine Gat⸗ 39) Te adverfus Colot, S. — S. Note5 40) Diogenes Laert., 1, 5. 34. Servos ds ya. Wv Ey TOIG ERISIKOIG, Aviges 204 Ta 8104, nouEÄgYE Toy Asyoyra ardgwrrov eivay, turdäva [ARcyew) ars ya mov de Acyven are Tor db. TI yap mac rov den Tov ds; ars apa Tovds. noy mar To Auxavoy an Ess 70 demvumsyov: Auyavov MEY ag NITRO Mueiay ETwy* ur 08 ES TETO AaXavova | Megarifer, Be | 139 Battungsbegriffe gebe, in der erftin Inſtan⸗ noch deutlich) genug zu erfennen, und die Gründe, welche dlefen Denker darauf leiteten, wielleicht nicht: fo (her zu entdecken. Eie nige. Bekanntſchaft mit den Echriften des Plato ift ſchon zureichend, um die Schwierigkeiten fernen zw lernen, mit welchen der menfchliche Geift zu Fämpfen hatte, um ſich eis nen richtigen Begriff von der Vorftellung überhaupt, und ihs zen Arten vorzüglich von dem Begriffe, und ihrem Verhaͤltuiß zu dem vorgeftelten Objecte zu verfhaffen. Der an fidy - richtige Sag: Feine Borflellung iſt ohne ein Vorgeſtelltes, melher aus der Neflerion über dag Vorſtellen unmittelbar hervorgehet, murt: and Mangel einer Miefen Ergründung des Crkenntnißvermoͤgens ſehr leicht in den umgewandelt: Keine Borftellung iſt ohne ein objectiv Reales; jeder, der ſich etwas dorſtellt, ſtelt ſich etwas Wirfliches (das auch auffer der Vorſtellung fo in der Natur vorhanden iſt,) ein ov vor **. Hierauf gründeten die Sophiften ihren Dogntas tismus, Indem eine falihe Vorſtellung nach der Vorauss fegung eine Unmöglichkeit if, Und Plato konnte faum die den Verftand empörenden, mit dem erften Geſetz des - Dentens ftreitenden Folgerungen daraus durch eine Unters ſcheidung , zwiſchen dem pofitiven und negativen 6Y, zuruͤckweiſen ). Und hierauf gründet ſich denn nun auch, ‚wenn mir nicht irren, Stilpos Gedanke, daß die Begriffe Feine objektive Bedeutung haben, meil fie fein Individuum bezeichnen, und daß “fie aljo, weil fie nicht? vorftelen, auch Nichts find, und daß im Gegentheil, wenn fie wirklich, ein Object. vorſtell⸗ ten, fein Individuum, welches in der Erfahrung aufge» wieſen werden kann, demfelben entfpreche, weil dieſes un⸗ wandelbar und ER ſeyn müßte, meldes dem | — wi⸗ 41) Plato Sophiſta 2. B. S. 240. ſeq. 42) Plato Sophiſta ©. ITTIR PUB ” 160 Zweites Haupeftüd. Vierter Abſchnitt. widerſpricht, was die, Wahrnehmung lehrt. (Dieſes ſchelnt und zum wenigſten der Sinn der legten Inſtanz zu ſeyn). Kurz Stilpo wurde des Unterſchledes zwiſchen Ans ſchauungen und Begriffen inne und verwarf die letzten, weil ſie nicht, wie die erſten, ein Objekt darſtellen, welches an⸗ geſchauet werden kann. Er wuͤrde, wenn er dieſen Ge⸗ danken weiter entwickelt haͤtte, den Satz, der in ihm was _ mittelbar enthalten ift, aufgeſtellt haben: Keine Bor ftellung ift wahr und von- realer Bedeutung, welche nicht einen einzelnen beſtimmten Ge— genftand vorftellt, und die Beziehung auf mehrere Özgenfände, ift ein Beweis von r ver geerpeit 43). II, Hiermit hängt nun auch der andere es zu⸗ ſammen, daß es feine andere, als identiſche Saͤtze gebe. Denn wenn es keine Begriffe, welche gemeinſame Merkmale enthalten, ſondern nur Anſchauungen giebt, deren jede einen individuellen verſchiedenen Gegenſtand hat, ſo giebt es kein logiſches Band, Vorſtellungen mit einander zu verbinden, als nur identiſche z. B Menſch iſt Menſch, gut iſt gut. Jede Vorſtellung iſt von der andern verſchie⸗ den, keine enthaͤlt etwas Gemeinſames, ihr Gegenſtand iſt von dem der andern verſchieden, und getrennt. Wie ſoll⸗ ten fie ſich alſo verbinden laſſen? Keinem Gegens. ſtande kann alſo ein —2 beigelegt wers | den 43) Wo wir nicht irren, fo hatte Ariffoteles diefe Bes haupfung des Stilpo oder eine ähnliche vor Augen, wenn er de animal, c, 3. fhrieb. InAov av, Orı Tov aurov TEOMOV Eis av ein Aoyosıbunns TE Hy OXN- MATOG, STE Yap Ex OXNMa Mapa TO TEIYWVOV Est no a eDeens, zr5 evraude, Wuxy, Tapx Tas eignusvas' YıyorTo d’ av nay EWI TWV OXAMATWV AO yas H01Vos, 6: EDup mocsı uEV wacıy, Id 05dE adsvoR 65a CKAMAT OS. Y Megariker. 5 u J 161 den, dag von demfelben verfchieden— ift 4), Die Urtheile: das Pferd läuft, der Menfch it gut, find alſo irrig. Wären fie richtig, fo muͤßte ſich zeigen laffen, dab das Laufen dem Pferde und das Prädis ent guſt nur allein dem Menfchen zulonme;, beides ‚müßte mit ihren Subjeften identiſch ſeyn. Daß diefeg aber nicht iſt, zeigt ſich ſchon Daraus, daß man nicht eins durchs andere erflären, oder eins an deg andern Stelle fegen Fann. Wäre es aber, fo fönnte man nicht aud) vom Hunde und Löten das Laufen ausſagen, oder auffer dem Menfchen auch noch andere Dinger ‚ale i D. Epeiſen vder — gut nennen TR . . Wenn 44) Plutarch, adverf. Colsten pi 1119, fri. eou éreęx un noarmogesda, Simplicius in Phyfica Arifotelis p. 26, da ds ry 1277 Taura ayvorav, nıy ci Meyaöntor HAıSevris Prro- 66000, Raßovre; ws evag'yn meoraciv, er wv di Aöyois ErEgoI TAUTHn α ESIV, nal or, Tu Eripa KEexgweisai aranam, edonay ſem- yoyoy aurov durs HEY OEISMENOV Ekasev. se 782 ar- z Ro5 EV Aoyos Zwrparag MEcımME, adoS PL ZwreiTtez ABUNE, em av Koy Ziukparng'aurog NUTE HEXWEISUEVOS. 45) Plutärchus adverl Coloten p- 1120. a mie imma To teexen rurnyogzpäv, & Pic Tau- gor emo⸗ To ee d narmyogstoh TO NaTnyogamevans an Erseov UV ær Seua T Tiny eiyaı —V ETE- eoy de TV ayado, na mariv To immev aræ, T#, ree xorræ EI diadspewv. EraTses yap may Trusro TOV Aoyov, 2 ToV aurov amadidousv umge audow. oͤSev auagraven TES Erögov ETses HaTyy0- esvras. © — Kir; TAUTOV EI TO 2 Iewras To aya- Foy, Ay TO INTRO TO TEENENW, Mus: ney CITIE Hab Daguans To ayadey a vn Bus many Aoyraos nu Kwvos TO TeEXsiW; Tennemanns Geſchichte der Philoſophie IT, Th. £ re ei Ä 162 Zweites Hauptſtuͤck. Vierter Abſchnitt. Wenn die legte Behauptung, wie es nicht mohl ges leugnet werden kann, mit der erfien in Verbindung ftchet, ſo fann man um fo weniger dem Urtheile der Gelehrten beis treten, welche, wie Schwabe, Stäupdlin, Buhle, Bier die erfte Spur und Ahnung ſynthetiſcher Uns theile zu finden glaubten. Der Gegenfaß zeigt, daß Stilpo noch Feinesiweges auf den Unterfchled zwiſchen a ma⸗ Ineifhen und ſynthetiſchen Saͤtzen gekommen: war, und daher auch nicht nad) dem Grunde der leuten fragen konnte. Er konnte au um fo meniger darauf fommen, da er dag Urtheilen zwar für eine Function ded Berftanded, aber nur eine ſolche hielt, die von der Natur Aufferer Objekte abhängig ift, und gerade das und ſo dars ftellet, was an einem Objekte angetroffen wird. Er wuͤr⸗ de gegen die Urtheile, das Pferd lauft, der Menfch ift gut, feine Bedenklichfeit gehabt Haben, menn nicht eben dieſe Praͤdicate auch in andern Urtheilen gebraucht würden, ihrer Individualitaͤt und Congruenz beraubt, und daher noths wendig verfälfcht. werden müßten. Stilpo mollte,. daß, fo mie die Vorftelungen, fo auch die Urtheile der Natug der Objekte genau entiprechen follten. Darnach kann ed. Feine allgemeinen und befondern, im Gegenthell nur einzel nie individuelle Urtheile geben. Diieſe Säge find übrigend weder eine neue Erfcheis nung, noch den Megazifern eigenthuͤmlich. Wir haben den legten ſchon beim Antifipenes gefunden. (Man fehe oben 2. Hauptft. 3. Abſchn.). Aber wahricheinli waren Stilpo und Antifthenes nicht die einzigen, welche fo etwas behaupteten, weil fi) dag aus dem Zuftande der philofophis ſchen Kenntniffe und der Entmickelung des Verſtandes leicht begreifen läßt. Die Urfache war theild das Streben nah Entdecfung beftimmter Gefepe des Denfend und Ers fenneng, theils die Nothwendigkeit fih gegen verfängliche Sophismen zu fügen, welche ebenfalld aus dem Mangel jener Grundfäße Herrüßrten. Denn einige Sophiften fugren alle and in denen einem Subjekt ein —— del⸗ — Megatifer, ER 16. beigelegt — aus dem Grunde zu widerlegen, daß aus einem Subjeete mehreres, aus Einem vieles gemacht werde *). Man mußte ſich gegen die dialektiſchen Kuͤnſte⸗ lelen ſolcher Art nicht anders zu ſchuͤtzen, als wenn man einen und denſelben Begriff zum. Subject und Praͤdicat machte, und diefes elenden Mittels bedienten fich unter an» - dern auch die Eretrifchen Philoſophen ). Es iſt daher gar nicht nothwendig, dieſe Sage mit Spalding aus dem eleatiſchen Syſteme zu erklaͤren, welches auch um fo weniger angehet, weil Stilpo gegen das eleatiſche S ſtem der Erfahrungserkenntniß — Realität: einräumt, als den IE | Br ! Bon praftifchen Unkerſuchungen der Megarifchen Phi⸗ loſophen ift faft gar nichts befannt, und mwahrfcheinlich be⸗ ſchaͤftigten fie fi, den Stilpo ausgenommen, wenig damit. Don dem Irkten miffen mir, daß er ein Lehrer bes Stifterd der Etva war, und im Grunde diefelben Grundfäge Ichrte. Die Apathie war auch ihm der Hauptcharakter des Weifen, daß er unabhängig von ollen buffern Dingen in ſeiner Eclbiiftändigfeit die Befriedigung aller Wünfche finde Nahvdem Seneta aber iſt ter Unterfchled zroifchen dem Weiſen deg Gtilpo und der Stoi⸗ fer, daß dieſer das Unangenehme empfindet, aber durch feine Geiſtesſtaͤrke befiegte, jener. hingegen «8 wicht einmal empfindet, daß jener bei aller‘ Selbſtgnuͤg⸗ fanieit, doch die defelligen Neigungen, Freundſchaft und Wohlwollen, nicht unterdrüct, dieſer aber alle ſolche Ver⸗ t2 | bins 46) Plato Sophia 2. 8, ©; 209, 270. 47) Simpl. in Phyfica. Ari. p· 20, oͤ⸗ de en Ees TMσ Atw. T_J amogıav ecbofr Incav, wg AEyesv, under nat mnösvos- varnyogea You , ar’ auro nay KUTo Enagov AeyscIy ,duov 6 arten 6 — | x84 To Asunoy ASUROV» a \ . ) 164 Zweites Hauptftüd. Vierter Abſchnitt. bindungen fol; von fich weiſet 18). - Ungeachtet Lipſius an der richtigen Angabe diefer Lehre des Stilpo ziveifelt, weil diefe Apathie oder vielmehr Gefühllofigkeit eher dem Pyrrho ald Stilpo angemeffen fey, und fein an derer Schriftfleller dem letzten, wohl aber dem erften diefe beilege *?, fo iſt doch dleſes noch Fein binlänglicher Grund, “ dem Stilpe diefe abzufprehen. Denn mwarunt follte es nicht auch möglich ſeyn, daß beide darin übereinftinms ten. Zweitens läßt fi alles aud aus dem Begriff des Weifen bündig ableiten, wenn man ſich unter demfel» ben ein Ideal der Menfchheit, oder vielmehr der übers menfchlichen Natur denft, in welchem alle menfhliden Dedürfniffe und Unvolfommenheiten, 5. B. die Leidensfaͤ⸗ bigkeit, das Beduͤrfniß der Gefelligkeit entfernt find. Y 3 Wir ſchlieſſen diefen Abſchnitt mit einigen Bemerfun- ‚gen über die Elifhe und Eretrifche Schule, die zu menig Eigenthümlicheß ung darbietet,, ald daß mir ihr.einen eig. nen Abfchnitt widmen fönnten, Beide machen im Grunde nur eine SR aus; Ipre Unterfheldung beruhet auf dena nicht 45) Seneca Epiftola IX. Hoc obiicitur Stil- poni ab Epicuro et his, quibus fummum bonum viſum eft animus impatiens, — Hoc inter ‚nos et illos intereft. Nofter fapiens vincit quidem "incommodum omne, [ed [entit, illorum, ne [en- tit quidem, : Illud nobis cum’ illis commune eft, fapientem fe ipſo elle contentum, fed. tamen et amicum habere vult, et vicinum et contuber- -nalem, quamvis fibi ipfe —— 49) Lipſius Manuductio ad N Steic. III, 6 7 . Megarifer. —163 nicht weſentlichen Grunde, daß Phaͤdo and Elis und Menedemus aus -Eretria mar, Die Schüler und Nachfolger beider find größtentheild Männer, die fich durch nichts einen Anfpruch auf eine bleibende Stelle in einer Ges ſchichte der Philofophie erworben haben. — Sie feinen mit den Megarifchen einerlel Grundfäge, einerlei Geſichts⸗ punct gehabt zu haben, mie ſchon aus dem, mag wir oben . anführten, erhellet. Aujferdem aber nahmen fi fie auch Lehr⸗ ſaͤtze von andern Philoſophen an; ſo berichtet Diogenes, daß Menedemus die moraliſchen Grundſaͤtze des Pla⸗ to billigte 50). Vielleicht — wir aber bedauern, daß wir nicht mehr Nachrichten von einigen derſelben haben, als der un⸗ philoſophiſche Sammler Diogenes für gut befand, aufzu⸗ nehmen, da ſie uns ſo manchen Aufſchluß uͤber den Zu⸗ ſtand des philoſophiſchen Studiums und uͤber die Ge⸗ ſchichte der wiſſenſchaftlichen Literatur geben wuͤr⸗ * den. So erzaͤhlt Dlogenes von dem Menedemus, er babe von den Urtheilen, die bedingten, und zus fammengefehten, auch die categorifhen nega tiven, verworfen, und nur die bejahenden für gültig erkannt 5’). Aus welchen Grunde, wird nicht hinzuge⸗ fügt, Vielleicht nur aus. der Urſache, welche Simplicduß . anfuͤhrte. Es beftätiget fih daraus, daß die megarifchen Phlloſophen, mie wir oben vermutheten, fi ſchon mit der Theorie der hypothetiſchen Saͤtze befchäftiget Haben, und- daß Ariftoteleg in Unfehung feines Verdienſtes um die Lo⸗ gie, vielleicht noch manche Abrechnung zu halten. hätte, 3 wenn 50) Diogenes Laert. IL $. 135. 51) Diog. Eaert, I. 135. 'aynees de, Dues, ya 3 amoDarına Twv afıwuntwv, naraDarına Ti Ne, 194 TETWV Ta MMAm MEOSaRXapSvVoG, Ta aX, ATAR arıger, AEywy CUyNWUSEYE 14 CUMMETAEYUEIA, ‚266 Zweites Haubeftüc, Fünfter Abſchnitt. Bin. unſere Kenutniß der damaligen Zeiten vollſtaͤndiger m Fünfter Abſchnitt. | Puerho, der Steptifer, Das Mißtrauen der Vernunft gegen Epeculationen, welches durch die Uneinigkeit der Philoſophireusen ſo ſehr genaͤhret wurde, pflanzte ſich aus der erſten Periode auch in vie zwelte fort, Aber natuͤrlich fand der ſteptiſche | Geiſt nicht fo viel Empfaͤnglichkeit als der dogmatiſche, da dieſer durch den natuͤrlichen Hang zur Erwelterung der Er⸗ kenntniß beguͤnſtiget wird. Daher finden wir in dieſer Pe⸗ riode nur wenig Männer, welche, frei vom Dogmatifigen Mahn, alle Speculationen in Uni ſpruch nahmen. Derjes nige Mann, weicher durch das Studium einiger Altern Philoſophen, durch die Uneinigkeit der lebenden, und vor⸗ züglich durch. die dialektiſche Spinfindigkeit, melde. im dee Megariſchen Schule herrſchend worden war, zu einem all⸗ | ee Zweifel veranlaßt wurde war Pyrrho aus 8. * * Auch in dieſem heile der Gerichte herrſcht - viel Dunfclheit und Verwirrung. Denn theild waren die mei⸗ ſien Nachfolger des Pyrrho wenig beruͤhmte Männer, theils war d ihr Name durch den Glanz der gleichzeitigen und nach ⸗ fölgenden Dogmatifer verdunfelt, Die wenigen Nachrich⸗ ten von ihrem Leben find durch Erdichtungen und \ebertreis bungen allerlei Art verunftaltet, ‚weiche aus dem Haß der Dogmatifer entfprangen. Da fie die Unmöglichkeit fuͤhl⸗ ten, die Öfcptifer zu widerlegen, und es unbegreiflich fans den, wie man gegen fo offenbare Wahrheiten die Augen verſchlieſſen kͤnne, fo fuchten fie fih durch Carricaturen | zu 73 ron Mgerhe,' pe 167: ju raͤchen, welche fie der Perfon der Zweifler andichteten, Doch ein Theil folder Anekdoten, wodurch Pyrrho mehr als ein Sonvderling erſcheint, muß vielleicht auch auf Eins falt: und Untoiffenheit gerechnet werden, da man ſich In den Grund und Grenzen des Zweifels des Gemöhnlichen und Geglaubten nicht zu finden mußte, und meinte, ein ſol⸗ cher Skeptiker, der die objektive Gültigkeit aller fpeeulativen' Behauptungen beftreite, müffe auch In feinem wirklichen Les ben gerade das Widerfpiel aller Menfchen feyn, und z. B. feinem twüthenden Hunde, feinem Abgrunde aus dem Wes . ge gehen. Was diefe Vermuthung mahrfheinlich mache, ift der Umſtand, daß nur allein von dem Vater der Skep⸗ tifer, dem Pyrrho, ſolche abgeſchmackte Maͤhrchen ſich verbreitet haben. Endlich find auch die Lebensumſtaͤnde einiger anderer Männer, die denfelben oder aͤhnliche Na⸗ nich führten, verwechſelt, und in der Perfon des beruͤhm⸗ teftien unter ihnen, des Sfeptiferd vereiniget worden T). Doch wuͤrden mir alles dieſes noch verſchmerzen fönnen, wæenn nur die Dafa von dem Phllofophiren des Pyrrho und feiner Nachfolger, von dem Grunde und Gefichtspuncte ihrer: Zmeifel, und vorzüglich von der allmäligeh Ausbils dung derfelben, voliftändiger. und beſtimmter waͤren. Diogenes ftellt nach feiner gewoͤhnlichen Art die vor⸗ zuͤglichen ſteptiſchen Raifonnements auf, mie er fie vers muehlid ‘in dem Sextus oder auch in dem Menoe dotus und Aeneſidemus fand, welche die Zweifel wahrſcheinlich mit weit mehr Deutlichfeit, Beſtimmtheit und Stärke, als die Altern Pyrrhonier entwickelt hatten, obs ne ung über die fortfchreitende Ausbildung des Skepticismus vollftändig zu belehren. Auch andere Schriftſteller ſchweigen u &.4 groͤß⸗ 1) So wird z. B.. offenbar Potho, ein Schäfer des Plato, mit dem Pyrrho verwechſelt, wenn Diogenes IX. 6. 65. und nach ihm, mehrere neue Schriftſteller erzaͤhlen, die Athenlenſer haͤtten dem letzten eine Statue errichtet, weil er den thraciſchen —— Cotys ermordet habe. 68; Zweites Hauptſtuͤck. Funfter Abſchnitt. groͤßtentheils über dieſen Punct, daß fih nur wenige zu⸗ verläffige Data ausmitteln laſſen. Das aber auch bei dem Sfepticismus eine Fortſchreitung ſtatt gefun— den hat, iſt ſchon durch die Analogie aller menſchlichen Err findungen, Spfteme und Theorien wahrſcheinlich; noch wahrſcheinlicher aber durch folgende zwei Gründe: Erft-- lich der Sfepticismus if cin, beſtaͤndiger Ge fährs te des Dogmatismus, und richte ſich faſt immer: nad der Beſchaffenheit des legten, So mie die Dogmas . tiſchen Spfteme umfafender und mit mehr logiſcher Kunſt bearbeitet merden,-in dem Berhältniffe erhebt ſich auh der Skepticismus zu flärfern und weit greis fendern Angriffen d:8 Donmatismus. Denn die "Anlage zu beiden iſt in der Vernunft vorhanden; die größere Kul tur derfelden hat uothwendig Einfluß auf-ale ihre Erzeug⸗ niffe, fie mögen nun in Spitemen oder in Beftreitung der⸗ ‘felben beſtehen. Es läßt ſich daher nicht erwarten, ‚daß: Pyrrho, der zu Alexanders Zeiten lebte, mo Die ausgearbeis tetften Syſteme der Alten noch nicht erfchlenen, oder noch zu wenig befannt waren, auf eine eben fo umfaffende. und fharffinnige Art die Dogmatifer"beftritten habe, als die neuern und vorzüglich Sertug gethan hat, und thun founs te. Zweitens. Es it ein Hiftorifched Factum, daß ber Sfepticidsmugs der Pyrrhonier und der neuen Akademie befändig mit einander ge wechſelt bat. Jener mar der frühere, «er murde - aber durch die neue Akademie verdrängt; und als diefe‘ wieder in einen völligen fonfretiftifcden Dogmatigmug ver fiel, lebte jener mwicder auf. Zu Eicerog Zeiten hatte weder Pyrrho noch die Pyrrhonier noch faft gar feinen Ruhm. Diefer gelehrte Roͤmer gedenft’ des erften faum einigemale im Vorbeigehen, ‚und nicht einmal da, mo man es erivarten follte, wenn er nehmlich Die Partie der Aka⸗ demifer ‚gegen die Dogmatifer nimmt 2). Diefes läßt ſich doch 2) Cic, de Fin. Il. ec, 12. 13. de Offic. I. c. 2, Prrrbe: De 169 doch gas nicht denfen, wenn Yorrho ein fo (barffinniger ® Bes freiter des Dogmatismus gewefen wäre, der mit dem Sex⸗ tus z. DB. in Parallele geſetzt werden Fönnte; lim Gegens ‚theil muß man fhlieffen, daß die Afademifer darum die Porrhonier verdunfelten,, weil fie mit. furdhtbarern Waffen dag eitie Wiffen der Dogmatifer anzugreifen twußten, und. daß daher die Sekte der Pyrrhonier bald verloſch ?). Ein Hauptgegenftand der Gefchichte des Pyrrhoniſchen Skepticismus iſt daher die Unterſuchung: wie weit Pyrrho undfeinenähften Nachfolger in ih⸗ zer Beſtreitung des Dogmatismus gegan— gen find, welchen Geſichtspunct fie das bei gefaßt, und welcher Gründe fie ſich das bei bedient haben. Wir werden, aus diefer Unter» ſuchung fehen, daß erſt fpäter ter Skepticismus die Ge⸗ ftalt erhielt, im welcher wir ihn bei dem Sextus ex blicken, und nur aus diefem Grunde kann die Stelle ges rechrfertiget werden, die wir dem Pyrrho angemiefen has ben. Da aber diefe Unterfuchung ſich zum Theil auf eini⸗ ge kebensumſtaͤnde des Pyrrho und feines beruͤhmte⸗ 25 ſten 3) Diogenes Laert. IX. $. 115. rerz (des Ti. mon) dsadoxos (ws usv Mivodoros Das) yaryovsv zöes. Ariftocles heim Eufebius Praeparat. Evangelic, XIV. c. 18. undsvos ds smisendevreg KUTWV. WS 4 MNdE EyEvovro TO TALAMav, EXIES-xgj weumv ev Arsfandesı rn war’ Aıyomrov Annonnuos vis avaltomugev negoro vov uFAov rarov. Cicero de oratorelll, c. 17. fuerunt etiam alia ge- nera philofephorum, qui [e omnes fere Socra- ticos elle dicebant; Eretriacorum, Herillio- zum, Megaricorum, Pyrrhoniorum: [ed ea ho- — rum Peripäteticorum, - Academicorum, Stoico- rum vi et disputationibus ſunt iam diu fracta et extincta. » Ä 4 ® 170 Zweites Hauptſtück. Fünfter Abſchnitt. ſten Nachfolgers, Timon, gründet‘, fo müffen wie eine kurze Lebensbeſchreibung von beiden vorausſchicken. Pyrrho, aus Elis, (nicht Elea) war lerſtlich ein Maler, und hörte dabei die philoſophiſchen Vortraͤge des Dryſon (oder Bryfon), der aber mahrfcheinlich nicht dee - Sohn‘ des Stilpo, fondern ein anderer iſt; hernach murde er ein Schlier des Anaxarchus und begleitete mit dieſem den Alerander auf feinen Feldzügen %. Aber ibei diefem Hofphiloſophen mag wohl Pyrrho keine Veranlaſſung zu ſeinem Slepticismus gefunden haben, vielmehr iſt dieſe theils in den Schriften des Democrits, theils in der Kenntniß dee Sokratiſchen Lebensphiloſophie aufzufus chen. Das erſte beruhet auf dem, Zeugniß eines Zeitge⸗ noſſen, des Philo, der noch dazu ein Freund dieſes Pyrrho war; dieſer verſichert, daß Pyrrho ſehr oft des Demokrits mit Hochachtung gedacht ha— be, und des Ariſtocles beim Eufeblus °). Fuͤr | | u. | "Diogenes; Laert. IX. p. 61. Eufeb. Prao_ par. nk XIV, c, 18. 8) Diogenes Laert. IX. $. 67. ad u Dirwr 0 Adnvayog, Yvweiuog auTE YEYOVvwS, EASY, WS gusumyro marısa MeV Anuonpirz, ra ds »4 "Ounee, Yauvualwv aurov, ' Eulebius Praeparatio Evangel.XIV.c. 18. € usvisn Ilvegwv Arzkzexe rivos eyevero uæaSnrtnc, 05 To usv rew ror Yu Lwyeudog, 30 ETws EUTUXNE, EMeTa Tois Ayuongire ıßrısız EVTUXWVS KENSOV DEV zdsv arts Eugev ars Eyparbs, nung ÜE mavTas CITE nu @ses5, 24 v$gwmag. Die letzte Stelle ſcheint der erz fon zu toiderfprechen, indem fie nach den Worten ſagt: Pyrcho habe nichts Befriedigendes in Demokrits Schriften gefunden. Dee Sinn iſt aber der: erfand die Veranlaſſung zu feiner Skepſis darin, und das war in Ariffocles Aus gen nichts Gutes, Per a UT 170 Er zweite laͤht ſich zwar kein ausdruͤckliches Zeugniß bei⸗ bringen; aber es wird uns theils daraus wahrſcheinlich, daß Cicero die Pyrrhonmier ſelbſt mit. unter die Sofratifer zählee ) und daß die Denfart des Pyr⸗ rho wirklich fehr, viel Nehnliches mit diefem meifen Athenien⸗ fer bat. Auch Darf ung die Frage, auf weichen Lege er Kenntniß vom Sokrates erlangen fonnte, gar nicht in Verlegenheit feßen, tern auch weder Dryſon no Kli⸗ nomachus, chronologiſcher Schwierigfeiten wegen, ſeine Leh⸗ ‚ser waren 7), da Phaͤdo aus derſelben Stadt war, und daſelbſt auch eine Schule errichtet hatte. Wir finden in dem wenigen, ‚mag mie von ‚dem Le⸗ ben dleſes Mannes wiſſen, die offenbaren Erdichtungen abs gerechnet, nicht dad geringſte, was uns abhalten koͤnnte, anzunehmen, Pyrrho fey durch das, was dag Gerüdt vom Sokrates befannt gemacht hatte, ‘ober: auch ſelbſt durch den Umgang mit Phaͤdo oder einen andern vers anlaßt morden, ein Nucheiferer des Sokrates zu wer⸗ den, zumal wenn man annimmt, daß fein Geiſt gemiffe Aehnlichkeiten mit dem Sofratifchen hatte. Wahrfchein« lich würden wir dieſe Geiſtesverwandſchaft noch weit deutlie cher verfolgen koͤnnen, wenn ein beſſeres Schickſal üben die Schriften dessoriginellen Timon gemaltet hätte. - Aber ſelbſt die wenigen Bruchſtuͤcke, die ſich erhalten haben, zeich⸗ wn — iR Sharaftengöge aus, in denen Sokra⸗ ) tes 6) Man ſehe die Note 3 7 Diog. — ix. $. 61. Suidas Zeorpurns, Da Pyreho wahrfcheinlich um die 101. Olympiade gebos ren mınde, Stilpo aber um die 112-120. Olympiade gelebt haben muß, fo kann weder Klinomachus noch Stilpons Sohn Dryſo ‚der Lehrer des Pyrrho gewefen fenn, es müßte denn erſt fpäterhin, nach feiner Zurück kunft von Aleranders Feldzug gefchehen ſeyn. Aber für Zeirgenoffen kann mon fie immer halten. 172 Zweites Hauptſtuͤck. Fünfter Abſchnitt. tes und Pyrrho zuſammenſtimmen. Nur diefeg, heißt es in einem, wuͤnſcht mein Geiſt zu wiffeny mie du, Pyrrhon, einzig in deiner Art, nod immer mit foldem Gleichmuth, mit folder Ruhe leben fannft, und glei einem Gott unter den Menfhen hervorragſt, °), Unds Wie und: wo fandeft du doch, ehrmürdiger Greis, Die Kunſt, dich von aller blinden Verehrung. der Meinungen, von allem leer ven Weisheitsbünfel der Sophiſten loszu—⸗ reiffen, und die Zauberbande der betrüges rifhen Ueberredung zu zgerföhren Did kümmert es wenig zu erforfihen, woher die Luft, weldhe Griehenland umgiebr, oder woraus jedes Ding enrfland, und -in was es aufgelöfer wird 9), Wer erfennet bier nicht gerade die Sofratifhe Nüchternheit, die Entſa⸗ gung auf ale leere Speculationen, die für Den Menfgen, al u feinen Nutzen haben ? | | Bil 8) Diog. Laert. IX. rn 65- Tæro wol, wIluppwv, imeigs- . Tag vreę aro Mg TOT" ae ET’ yes COS MEI” yeuxsac 3 Mevos Ev avdewromı IEx TE0- rov NySkovsume ;- 9) Diog. kaert, IX. 9. 65. wyseow, w Ilvegum; mıwsnmo- Say endumıv ugs; Aaresıns dofwvrs nsvodeo- uns TE oDdıswy au maons amarıs metas T' amsnuoao dscum. 208 were 001 TyUTa uETraRy- ev, TIVog aey + ERZS' axacı, MOIEV TE Kay eis 0 RUE Ta ENRSE. Paorrho. 1778 Will man Belſplele von der ehnlichkeit im dem. Praktiſchen, in dem Charakter, fo feblt es auch - Bier nicht an Berüßrungspuneten. Alles, weg mir von Pyrrho miffen, beweiſet, daß er ein rechtſchaffener Mann mar, von fanfter und friedfertiger Gemüthsart, der in den Verhältniffen, in denen er lebte, feine. Pflichten treu erfüllte. Sein einziges Beftreben war fittli gut zu werden 1°). Auch genoß er ausgezeichnete Achtung von feinen Mitbürgern , indem fie ihm nicht nur eine Prieſter⸗ fielle gaben, fondern auch aus Kückfiche gegen ihn allen _ Philoſophen anfehnliche Privilegien ertheilten *'). - In einem Punfte ſcheint ſich Pyrrho von dem So⸗ frates zu entfernen, darin nehmlich, daß er eine weniger gute Meinung von den Menfchen hegte, und oft den Berg dB Homers: Menfhen find mie das Laub der Bäume, und Ähnlihe im Munde führte .Aber Philon, der diefes berichtet, bemerkt auch, daß er fie in feinee andern Abſicht angeführt habe, als um die Chas rakterſchwaäche, das Streben nah nichts— würdigen Dingen, und den Mangel ern bafter Denfungsart. an den Menfchen zu ruͤgen 12) | | Und 10) Diogenes Laert, IX. $. 64. nad der Ste phan. Ueberſetzung, welche dem Sextus beigefügt iſt. Unde et illum complectitur mirifice Timon in Pythone et in Sillis, quod liber evalerit omni- ‚ bus perturbationibus, Tuperltitioneque et vani- tate et captione fophiltica ac Dei iuftar inter ho» ‚mines regnarit. - Diefes flieht nicht in der Meibom:- Ausgabe des Tertes) — nararndIeıs ds more ng Eau- TO Aarwv, noy EeornYes TNY oyTiav, . Bunt Tæaœpv Kensos encu. 11) Diogenes Laert. IX. $. 64. 12) Diog. Laert. IX. $. 67. 68.: weosdsgssIy ds xy Taura; noy 00w oUyraver eis TO aßsyov ray nsvoomador dux no muudagıwdss Tuv avdewrwv. 174 Zweites Hauptſtuͤck. Fuͤnfter Abſchnitt. Und eben darln naͤhert ſich feine Denfüngeart der Eofratis ſchen wieder, und eröffnet uns eine neue Augficht auf den _ Ueſprung feines Skepticismus. Ueberzeugt, daß Sitt⸗ lichkeit allein die Würde des Menſchen aus⸗ macht, erſchien ihm alles Wiſſen dagegen von geringerm Werth. Und nachdem einmal Gleichguͤl⸗ tigkeit gegen alle Speculationen feinen Geiſt erfült hatte, alle bisherigen Verfuche der Art dag Anfehen- der Wichtig- feit in, feinen Augen verloren hatten, konnte er um fo freien . und tunbefangener zu einer Prüfung derfeiben übergehen: Die Zufammenftelungen aller Begriffe und Behauptungen Überzengte ibn von der Ungemwißheit und Thor beit alles menſchlichen Wiffeng, welches dem Menſchen keine ſichere Belehrung über die Dinge, die ihn umgeben, Über die Natur deffen, mas er als fein hoͤchſtes But begehrt, und feine feften Kegeln für_ fein Handeln ges waͤhrt. Er folgerte daraus dag Nefultat, daß das .fpes eulative Denken, welches über die Erfcheinungen hinausgehet, gar feinen Nugen gemäßhret,: und Daß es beffer iſt, der Menſch richtet fih in feinen praftifhen Berhältniffen nad feinen Gefühlen, die ihn weniger dere führen, ale ‚bie Speculationen. | | Daß dieſes der Gefihtepuntt des Pyrrho mar, läßt fi) aus einigen Stillen des Cicero bemeifen, die bei. der gewoͤhnlichen Behandlung des Skeptlcismus faft ganz unbeachtet geblieben find: , In den Büchern von dem doͤchſten Gute zäplt er den Pyrrho an einigen Stellen uns ter denen auf, welche die Sittlichkeit das honefte vivere fuͤr das einzige Gut und aufferdem nichts für begehbrungsmwerth gehalten Haben; er verbins det hier mehrmals den Ariſto Chin mit dem Pyrrho und tadelt fie, daß fie auffer dev Tugend alles übrige für gleichs gültig erfiärt und gefagt haͤtten, ed ſey z. B. zwiſchen der volfommenften Gefundheit und der Heftigften Krantzeit fein Anterſaleh und ſie harten, ſetzt er binzu Indem fie die Pyrrho. 175 die Tugend von allem-Materiellen entfernt, und ihr nichts gelaffen hätten, woraus fie entfpringen, oder worauf fie ſich gründen Fönnte, die Tugend felbft. gu einem Undinge gemädt 3). Eben fo ſcheint auch eben der Ariſto, deſſen wir erwähnt haben, gedacht zu haben, der eben aus dem Grunde, weil er die Tugend für das einzige. Gut - Bielt, alle Wiffenichaften, ‘die Ethlk ausgenommen, alg ‚unnüß oder unmöglid — ix Diefe Glachgültigkeit gegen die Wiſſenſchaften konnte einen philoſophiſchen Kopf leicht weiter fuͤhren. Er konnte, um dieſe zu rechtfertigen, unterſuchen, was denn von den beruͤhmteſten Philoſophen ausgemacht worden ſey; und da das Reſultat fuͤr die Dogmatiker nicht guͤnſtig ausfallen konnte, zuletzt * einem — emsysıw ſtille on Uebel % 15) Cicero de Finib. IV, c, ı6. liaque ınihi videntur omnes quidem illi erraffe, qui finem bonorum efle dixerunt, honefte vivere:' [ed aliüsalio magis; Pyrtho feilicet maxime, qui, virtute conftituta, nihilomnino, quod appetendum fit, relinguat. 1; c. 13. Quae cum Ariftoni et Pyrrhoni ompind vila [unt pro nihilo, vt inter optime vale- re et gravifime aegrotare nihil prorfus dicerent interelle: recte iam pridem contra eos deſitum eft difputari. Dum enim in una virtute fic om- nia elle voluerunt, vt.eam rerum [electiöne ex- poliarent, nec ei quidguam, aut unde oriretur, darent, aut vb# niteretur: virtutem ipfam, quam amplexabantur, fuftulerunt, 14) Diog. Laert. VII, $. ı60. er 176. Zweites Hauptſtũck. Funfter Abſchnitt. Uebrigens hat Pyrrho nichts Über feinen Sfeptk- eiswus geſchriebeu **). Sein Freund und Schüler Ti mon mar der erſte, welcher den Skepticismus ſchriftlich behandelte, und daher auch zugleich als Referent des Pyrrho zu betrachten iſt. Aus mehreren Urſachen iſt zu dedauern, daß wir van dieſem merkwuͤrdigen Mahn, der für die Geſchichte der Philoſophie vielleicht noch wichtiger iſt, als Pytrho, fo wenig Zuverläffig:s wiſſen, noch mehl aber der Verluft feiner Schriften zu biflagen, von dench nur hie und da Fragmente vorkommen. Timon,aus Phlius in Achaja, mar erft ein Schuͤ⸗ fer des Stilpo. Einige Zeit darauf, nachdem er in ſei⸗ nem Vaterlande geheirathet Hatte, reiſte er nach Elis zum Porrho, mo er eine geraume Zeit ſich muß aufgehalten har ben, da ihm einige Kinder in Elis geboren wurden. Es ſchelnt, daß er ein Arzt war, denn Diogenes erzählt, daß er feinen aͤlteſten Sohn im dieſer Kunft unterrichtere 1°), Ueberhaupt waren die meiften Sfepufer Aerzte, und viele leicht trug die Ausübung einer Kunft, in welcher von jeher fo viel Ungewiſſes gemefen und melde fo gerne philoſophi⸗ ſche Grundfäge auf die Erfahrung anwendet, nicht wer nig bei, fie auf die Schwäche aller Theorien aufmerffam zu machen. Als fein Vermoͤgen geſchmolzen war, reiſte er nach dem Hellefpont und Propontis, und declamirte wahrs feheinlich feine Gedichte. Auf diefe Art erwarb er anſehn⸗ ide Summen Geld, von dem er feine ganze übrige Les bengzeit in Athen ſehr gemaͤchlich leben fonnte 17). Diogenes führt eine Menge von Luft- und Trauer — und Kasse profaifhe Schriften an, welche er ge⸗ er | 15) Diogenes Laert. IX, $, 103. I. 5. 16. Sr her nennt Sertug den Timon einen meodyrns rwv Ilve- eWwvog Aoywy adverſ. Maihem. I. $, 53. 16) Diog. Laert, IX. $. 109, m) Diog, Laert. IX, $. 110. e Pyrrho und Timon. we ſchrieben hat, Uns intereffiren bier nur feine phus⸗ ſpphiſchen Schriften Unter diefen Waren unftreitig ſei⸗ ne Sibli, ein beiſſendes Spottgedicht, die berühmten fien.. Simon legt: dieſes Gedicht dem LRenopha⸗ tes In den Mund, welcher In dem erſten Buche allein fpricht, in dem zweiten und dritten ein phllofophifches Ger ſpraͤch mit Timon über die Altern und neuern Philofophen hät, Der Inhalt aller drei Bücher war Satpre und Spott gegen die berührmteften Dogmatiker ?). Sextus Empiricus führe noch eine, Schrift gegen die Phys fiter an !9) went dieſes wirklich ein eignes Werk, und nicht etwa, wie wir vermuthen, ein Theil von den Sils im war, Noch wird eines Gedichts gedacht, welches dar ds betitelt war, uns aber nicht fo ſehr Intereffirt, weil deffen Inhalt weniger befannt iſt, und ein proſaiſches Werk von den Empfindungen *9). Weit wichtiger find | zum 18) Sextus Empiricus Pytrhon. Hypo, typ. 1. $. 224. u wor Yap aurov ERoyvanas rov Esvobayıv, ws noy Tas Ges Kt av hey: Diog. Laert. IX. 111. Twv da oihwu Para egıyı Ev Os wg av OnbTTinog wy Trayras Adıdages Ra CRY, ver rag Ödywarında, &v ragudie⸗ den WI TO ey KEWTOV autodinynrov ext cGeut vlav⸗ vo de due . recor noy rpiton 80 HlardyE Exnuarı. Diyvaray rin avangımımy Hsvodayıy 76V Korodwvior. reg inaswv* 6 de aurodınyausvos (aurw Iunyausros) 831 noy Ey piv To dsuregn, Meg Toy weXmorsgwn" avds Tu Teiris weg Toy UsEgwy. - TO O6 TEwTOV Tara ir6« eisxes MORyMaTaı 19) Sextus Empiric. adverl,; Mathem. HI. $,2. Fabrichus Vermurhung, es ſey Diefes eine won den profaifchen Schriften, welche Diogenes IX. G. 111. anfuͤhrt, betuhet auf feinem ſichern Grunde. a0) Diog. Laert. iX. g. 10o85. | Tennemanns Geſchichte der Pbilotopbieit. Ch, M - 178 Zweites Hauptſtuͤck. Fünfter Abſchnitt. ‚ jum wenigſten die Silli, da wir, obgleich nur einige Frag⸗ mente fi erhalten haben, den Ideengang, den GSeſichts⸗ punct und die Defchaffenheit der Ekepſis des Timon einis germaßen befiimmen founen. | Die Steptifer verwalteten das Eenfuramt der Bew nunft. Jedes Dogma, jede Behauptungs die über dem Kreis der Phänomene hinausgeht, und diefe zu erklaͤren fuht, wurde von ihnen als unflatthaft angefochten. Im Diefer Hinſicht mufterte Timon die ganze Keihe von Philos fophen, von Thales bis zum Arcefilms; aber als Spott⸗ gedicht mifchte-er viel Perſoͤnliches ein, und geiffelte oft die Philoſophen, anftatt ihre Dogmen zu beſtreiten. Auch erlaubte wohl die dichrerifche Behauptung feine fo ſtrenge Behandlung, fein fo bündiges Raiſonnement, als wir etwa beim Sertus finden, Demungeadhtet aber waren hier und da neben dee Perfiflage gewiß auch fehr belle Gedanfen- und gruͤndliche Kritifen des dogmatifhen Verfahreng eins gewebt 20.). Die Hanptfäge feiner Skepſis find, foviel wir aus den noch vorhandenen Bruchflücen ſchlieſſen füns nen, folgende: 1) die Dogmatifer haben feine MWiffenfhaft begründet, 2) Die Gegenſtaͤn— de, deren Erforfhung fie am angelegents lichſten befhäftiget bat, find für ung nit erkennbar. 3) Alles Biffen iſt zwecklos und entbehrlich. Der erſte Satz wurde, wie es ſcheint, vorzuͤglich durch die Bemerkung unterſtuͤtzt, daß die Dogmatiker die Grundſaͤtze, auf welchen ſich der Beweis ihres ganzen Sys ſtems ſtuͤzt, nicht erweiſen, ſondern vorausfegen wo⸗ - 90 b) Hieher gehört z. B. die feine Benterfung über die Zeit, Sextus Empiric. adverf, Mathemat. VI. $. 66, X, $ 197. ‚ars ds ausens ud dwaerzi. ev | ausge yug Xeovo adv meduns yırssdu wegisov ws Daoı Tıuwv, dıov To YurscIoy — vo ——— You any may o TETOIS BO Pyrrho und Timom“ 129 wodnrch ihre Arbelt zwar ſehr leichte gemacht wird, „ve "Gebäude aber ohne fefte Grundlage In der Luft ſchwebt a), | Der Bewels des imelten Satzes beruhet darauf. Die Dogmatifer haben es nicht mit den Erfeinuns gen, fondern mit den Dingen, wie fie unabhäns gig van unſerer Voͤrſtellung beſcaften find, gu ihun. . Daß und etwas erſcheint, if eine Shatfacher. die Nicht geleuhnet werden kann. Ob aber auch ein Ob⸗ ject an ſich die Egenſchaſt habe, die und an demſelben ers ſcheint, iſt eine Frage, die ſich ‚nicht beantworten läßt 22). Man findet beim Sextus zum Be wels diefed, Satzes zehn beſondere Gründe Crgomes oder Tome ne Eiroxns); Und es fragt ſich, ob diefe (hen vom Pyrrho, oder, weil dleſer vichis geſchrieben hat, vom Tinon herruͤhren, ober ob fie eine Erfindung der neuen Efeptifer find. .- Dad erite ſcheint aus einer Stelle des Sertug ja folgen, two er fagt: Er finde) daß die aͤltern Steptifet fich berfelben bes ſtaͤndig bedient haben *°)., Kür das zwelte hingegen kann man das ausdruͤckllche Zeuaniß bed Ariſtocles an führen, dab Aenefidem der Erfinder der neun ——— ein en. für —2 Zweife Ps gruͤn⸗ Bi) Séextus Em pirie adverl, Mathemat. iir. $. 2. no yapı ö Tizov | Ev Toic Mess T25 Busız Ask TE3To vreraßE Sa Ed mewreis Grant Daus d# ro, ei & dnetkostw; Ti Aperson - 85) Diögenei Lattt. '$ 162, To usr dis — 8 ee 7 dis ri oa: ETY; —R 83) Sextüs Empirie: Pytrhon. ht p. I. £.14... Fapndıdöurey Town young wapa Te J —D— — — Zrirrinölg.n mgom oh, du Klon n Emaxıi _ ays;Suy doner, Sina Tov agıdpons | 180 Zieites Hauptſiac. Funfter Abſchnite. gründe ſey 4). Beide Zeuguiſſe laſſen ſich durch an⸗ dere Gruͤnde noch verſtaͤrken. An ſich wiegt Sextus Zeug⸗ niß das von Ariſtocles auf, da jener unſtreitig eine ge hauere Kenntniß von den Schriften der Skeptiker befaß, als dieſer. Aber auf der andern Seite muß man fi wun⸗ dern, daß Sextus weder bei der weitläufigen Ausführung der zehn Gründe, noch an einem andern Orte fi nur ein einzigedmal auf den Timon berufen; daß auch Fein an⸗ derer Scheiftfteller etwas davon angeführt hat, Zwar wer⸗ den diefe Zweifelsgruͤnde von einigen als Pyrrhoniſch ans geführe 2°). Allein diefes find doch nur neuere Schriſt⸗ ſteller, die durch Ihe Gewicht einer Sache, die an ſich nicht glaublich iR, nicht mehr Glaubwürdigkeit geben Füns nen. Denn man darf nur diefen Theil des Skeptiſchen Wer⸗ kes gelefen haben, um fich zu uͤberzeugen, daß diefed Ral⸗ fonnement, welches eine fo große Menge von Erfahrungen und Beobachtungen enthält, mit fo viel Feinheit und logie fer Kunfl ausgeführt iſt, ſchwerlich in der Geftalt von Pyrrho oder aud) Timon herrühren möge. Und warum ſollte auch Ariſtocles, der dem Nenefidemus die Erfindung dieſer zehn ſteptiſchen Gründe beileget, vom Timon ger ſchwiegen Haben, da er an eben dem Drte ung die Haupt⸗ füge der Skepſis des Timon befannt macht. | Ä Nach alle dem, was ſich für und wider die Sache fagen läßt, fcheint es ung das wahrſcheinlichſte, daß diefe ſteptiſchen Gründe in dee Geſtalt, wie fie Sextus darſtellt/ eine fpätere Erfindung find; daß aber die erſten Skeptiker den erflen Stoff Dazu hergegeben Haben. Gegen ne 94) Eufebius Praeparatione Evang. XIV, c. 18. drorav yE nv Avnosdnuos 69 4 Umoruimue ce ras svvsa dıskın rebmas‘ mar Tocarzs yap rar Daivery adıka Ta MERyMra WEREIGAT cy. a5) So hatte Piutarch nach dem Schriftenverzeichniß des Lawprias mies Tuv Hlugguvos dena rerwy geſchtleben. Pyrrho und Timon. 18ı Reſultat lann man nun auch um fo weniger die Auetori⸗ tät des Sertus anführen, weil man nicht beſtimmt weiß, welche Skeptiker er unter die Altern, welche unter die neu⸗ ern rechnet. Mad) Fabricius befchließt Aeneſidemus jene Meihe; allein da feine Gründe für dieſe Beſſimmung ange⸗ geben find, fo märe es wohl moͤglich, daß Sextus erſt dom Agrippa an die neuen Sleptiler zaͤhlte. Jedoch iſt nach dem Bange der Eultur des menfchlle ‚chen Geiftes Höchft wahrſcheinlich, dab Pyrrho und Timon nicht ſowohl auf allgemeine Gründe, um den Dogmas tlsmus zu beſtreiten, gedacht, fondern ihren Ungeiff mehr gegen einzelne Spfteme und Theorien gerichtet. haben. Quf diefe Urt fonnten’fie den jüngern bie Materialien in die Hände arbeiten, aus denen fie ihre allgemeinen fleptie ſchen Gründe entwickelten, Nach dem Ariftocles tar ber Ideengang ded Simon folgender: Wer glüdfelis ſeyn will, muß drei Punkte erwägen 1) Bon welder Belhaffenheit die Dinge find. 2) Wie um fer Verbdaͤltniß gegen fie feyn muß. 3) Was für Solgen aus diefem Verhältniſſe für ums fern Zuſtand entſtehen. Was den erfien Punkt betrift, fo fagte er, die Dinge fepen von der Art, daß fi nichts Über fie ausmachen und entſcheiden laffe, völlig unbes ſtimmt und für undgleichgültig. Zweitens. Daher wären weder die Empfindungen noch die Urtheile weder wahr noch falſch, und man fünne ihnen weder Glauben beimefs ‚fen, noch verſagen; vielmehr muͤſſe man ohne alle Neis gung und Eingenommenpeit unerſchuͤtterlich fein Urtheil zuruͤckhalten, und von. jede Sache fagen, fie if ſo wenig dies als jenes, es läße fi von Ihe weder ein Seyn noh ein Nichtſeyn ausfas gen. Diefer —— hat zur Folge eine F J 3 "182 Zweltes Hauptſtuͤckk. Fuͤnfter Abſchnitt. lige Unentfcheidenheit und Gemuͤthsruhe *5). Ungeachtet wir nicht glauben, daß Ariſtocles bier alles richtig. getrof⸗ fen habe, ſo iſt doch auch. hier unverkennbar, daß dieſe Skepſis pon dem Praktiſchen ausging, mie wir auch ſchon bei dem Pyrrho wahrſcheinlich gemacht haben. Einem ſo fharffinnigen Denker und Beobachter des Menſchenlebens konnte es nicht entgehen, daß die Kunſt der Gluͤckſeligkeit eine nichtige Idee ſey, fo febr auch alle Philoſophen vor⸗ zuͤglich ſeit Sokrates ſich dieſelbe in Kopf geſetzt hatten. Die Gluͤckſeligkeit kann nicht gelehrt werden; denn fie be— ruhet auf. ſudjektiven Trieben und Beduͤrfniſſen, welche ſehr verſchiedenartig find, auf dem Verhältniß der Dinge zu denſelben, welches ſich fo wenig alg jene indipiduelle Anla⸗ ge nach einem allgemeinen Maaßſtabe beſtimmen läßt, j Gleichwohl it das Verſprechen, menſchliche Gluͤckſeligkelt zu lehren, ſo anlockend, ſo verfuͤhreriſch; aber um ſo mehr find auch diejenigen zu bedauern, die. ſich von folhen Lo⸗ — RB und in einen der ei miderfpres chen⸗ 26) Euſebius Praeparat. Evangelio, XIV 6.18. O ds ys masyrıg aure Tiuwv Do, dern Tov MEOVTa Eudyuornesm, eis Tin TauTa Basen" ręewrov MW, Omoız naDdurs 7% meayuura' dsure:‘ em gov ds, Tuvu Kon meomov Haas meog aura dansısyor‘ TENEUTYOV.dE, TI WERIBSU TOIS TGS EXKCl. TR MEW av mexyuara hasıv aurov amodavew. smiang adıa Bopx, nur noy MVayneITaN biz FaTa UNFE Tas 4sönoes nutou, UMTE Tas dokas ar sun eudssdy. dın Faro av MnTs. wıssuev auraus dei, ER adnkasaz nıy andıvers gi Evos Enaza Asyovraz, dere 8 Madov ezıv. y au Eur, 2 n0y S5tı #4 an SGW, 87’ 84 EJW. TOIS MeV r dia- ueuswaz‘ arm megıscsgSoy Tıuou Ds, MeoTaV a ARTE Pi Bus atapukıny, Anmadnuss ds Syke VPpyrrho nnd Timen; - - 183 enden Theorleen ihe einziges Heil zu finden vermeinen 27). Es iſt vielmehr Fein anderer Weg um wahre innere Ruhe zu finden, als fi von allen Spfiemen Iogzureiffen, allem Wahne einer Erfenntniß der Dinge zu entfagen, und bann der unverfälfhten, unverſtimmten Stimme feiner Natur zu. folgen; zu thun, was fie heiſcht, zu unterlaffen, was fie empödret, ohne fi die vergeblihe Mühe zu machen, die Natur der Dinge, das objeetis . ve Gute und Böfe ergründen, und daraus Gefege für das. praftifche Leben ableiten zu wollen 2°), Hieraus. folge alſe die N keit alles ie Wiſſens. a ee MA | Dev 27) Sextus Empiricus adverfus Mäthem. XL $. 171. n Tomwuroy Umooxgees Ingsvse, yev Ta; vers ermiaı WDuxguys' ansrı ds emiv an, ges. mag’ 6 noy. Tıuwv öTE MEY Tag EmMayyERLous- var TV WaRudOnIy KUTWV ERICHWATEN AEYWV | MORWwy Aunsdovmy Aumanropes ñàre de Tas MOOSEXDVTas NUT METAUEROMEVEG pP “dis Barny EMO Iycav, Nagscayer dia TarWy Dan ds wis yalwy , din Agorar yafacım sro sywrı maFw, TI vu 408 0oPDev EI YEryTay WTWXOg EV Dosvas esun vos dE Mol au Evı nonnog u. 0.9 us mern Deufesdey aramıy — ons YEov reoig uancgegę MEV TOL nOY TETEANIE O1 Mr exovrec unrs NATaTewbavrTeg Evi EXoRy O0s’ EMEMAYTO - yuy ds mE Muvæa)xæoxsc EgIcıy eiUEETO daunvar ‚na MeV mas o0c' aa Bgoras undavau sÄmsgen Wahrſcheinlich find: u Verſe aus dem erſen Buche der Sillen. 88) Sextus J— — Mathem. VII. 9. 30. nor: avarun u oder roy aroenru⸗ Pr 134 Zweites Hauprftüc, Fünfter Abſchnitt. Der Ideengang ded Timon ſcheint alſo nach dem; was mir eben angefüher ‚haben, folgender gu ſeyn. Cr gehet von dem Algemeinen Wunfd der: Menfcheh nach Gluͤckſeligkeit aus; er zeigt, daß Diefe auf feiner objeltiven Erkenntniß beruhet, und daß es keine Kunft der Gluͤckſe⸗ Ugkeit giebt, ungeachtet alle Philoſophen in dem Wahr fanden ,: Den einzigen Weg zu derfelben entdeckt und ges Jehrt zu baden, Von diefen allgenteinen Bemerkungen, gehet ex über zur Cenſur aller vorhandenen Philofophieen, und. darin verfährt er mit Confequenz ; denn alles Phllo» fophiren über praftifhe Gegenftände heruhete zuletzt auf theoretiſchen Saͤtzen oder Hypotheſen. Hieraus läßt ſich das Verhaͤltniß des aͤlteſten Skeptl⸗ eismug zu dem neuern beſtimmen. Jener iſt gleichſam der Text ‚ zu welchem die neuern Skeptiker den Commentar lies ferten, u Anfehung des Grundeg und Zwecks des Skep⸗ ticismus, In Anfehung der Beftreitung des Dogmatismus herrſcht die gröfte Finftimmung. Kein Dogma wird ange⸗ nommen/ jedes wird heſtritten. Die Erkenntniß ber Dinge wird weder behauptet noch geleugnet, ſondern nur ein Zuruͤckhalten des Urtheils, ein dahin ger ſtellt ſeyn laſſen, in Ruͤckſicht auf den damaligen Zuſtand der Wiſſenſchaften und der Philoſophle für nochwendig erklärt, Diefes drücken diefe Skeptiker An Ruͤcklicht auf ihren Gemuͤthszuſtand durch den Aus druck ’ BIS niqht (adır age) — —XE— un eie TO MWANTEANE MVBVvEgyaToV ev. Tan Ev ToIE Kara Toy Biov meafscw amganron ©. gem Tı npiryeiav dipkasws aus nas Buy, rer’ E51 To Darvougvov, naYws nal 6 ) Tepe Mewagrugn XV rw aa va Dauvapevov wayrı —— img av er94. Diog. Laert. IX, &. 165. Pauyrrho und Timon, 13 Rtuͤckſicht auf die Objekte: eben fo wenig dies noch jenes (adev Hay) aus 39), | Wenn dag wahr IR, was Ariſtocles beim Euſeblus vom Timon fagt, daß er behauptete; die Dinge find un⸗ beſtimmt, fie erklären ſich meder für das eine, noch das andere, fie-find fire nichts entſcheldend, fo iſt das ein Ber weiß für die Jugend diefer Skepfis, Gleich den Dogma⸗ sitern gingen die Sfeptifer von den Dbjeften aus, anftatt vor allen Dingen durch eine Unterſuchung ded Erkenntniß⸗ vermoͤgens feft zu ſetzen, mas fich erfennen oder nicht ers fennen laffe. Die Kolge davon war, daß die Dogmatiker die Grenzen der Erkennbarkeit Üüberfchritten, und auch da Im entfcheidenden Tone fprachen, wo nad) der Natur des menſchlichen Geiftes fih nichts wiſſen läßt. Daher ent⸗ fprangen nun die mwiderfprechendften Behauptungen, und die entgegengefeßteften Syſteme, die jedem unbefangenem Denker den Gedanken aufdringen mußten, daß nicht alle. wahr, aber leicht alle falfch feyn fünnen. Diefes verau⸗ laßte nothwendig den Skepticismus, welcher in dieſer feiner erften Periode fih auf eben der Anfiche des Dogmatismus gründete. Mac diefem erzeugten die Objekte Vorſtellun⸗ gen , und drücken in denfelben ihe Weſen und Eigenſchaf⸗ ten fo volllommen aus, daß die Vorſtellungen treue Spies gel von den ihnen entfprechenden Objekten waren, Nach dem Skepticlsmus hingegen fehlte den Obſekten dag Vermoͤ⸗ gen, fih In den Borftellungen vollfonmen abzufpiegein, daß eben daraus die widerfprechenden Meinungen entfprams gen, Denn, "(bloß man, mern die Objekte Ihe Wefen mit fo unverfennbaren Zügen In den Vorftellungen hin⸗ — 4 koͤnnte über fie ge eine Vorſtellung ſeyn und 5 aller 29) Suidas in voce adv uador, Diagenes Laert. IX. $.76: oyuaıe av. n Dorn [205 maRov) . (na$a Bros na Tiuwv en Tw Tlu9amı) To Mndav cerlew, ax ameosderew. Eufebius Praepar. Evang. XIV.:c. 18. 186 Zweites Haupeüc, Fünfter Abſchnitt. aller Widerſpruch müßte aus dee Welt verfegfoinden, Die’ Zufammenftehung der Widerfpräge in den Syſtemen dee Dogmatifer mußte zum Bemweife des Unvermoͤgens der Obs jekte dienen, ihre Natur zu erkennen zu geben, und hieraus folgerten fie die Unzunerläffigkeit der Sinne und des Vers ſtandes zur Eckenntuiß der Wahrheit. Die neueren Skeptie Frey. dur) die Gegengründe der Dogmatifer veranlaft, twelche den Skepticismus von der Seite, vorzüglich) angrifs fen ‚ daß er felbft eine objeftive Behauptung enthalte, dieſe nämlich, die Objekte find unvermoͤgend, eine Erfenntniß zw begründen, gaben mit großer Einſicht dieſe auf, und blie⸗ ben bei der Anficht fichen, daß bis jet in feinem Stuͤcke etwas emtfhieden. fey, und die. miderfprechenden Behaups tungen. den Verſtand im. eine Art von Gleichgewicht fer gen, daß er weder bejahend noch verneinend zu entſcheiden wagt. Dleſer Skeptleismus hatte uͤbrlgens keinen Einfluß anf dag praftifche Leben. . Er ließ nur dag Verhältniß der Dinge zum Erfennenißvermögen unentſchieden, und beftritt jedes objektives Ureheil über die Odjekte. Er leugnete aber. nicht ,. daß die Dbjekte den Menfchen auf gewiſſe Weite, - mit gewiſſen Eigenthuͤmlichkeiten erſcheinen, und daß. dies ſe Einfluß auf das Begehrungsvermoͤgen haben, ohne daraus die Folgerung auf das Weſen der Dinge an ſich zu erlauben. Daher folgten die Sfeptifer Ihren Empfindungen und Gefühlen, fie richtelen -fih nach den Gewohnheiten : und Obfervanzen in dem bürgerlichen Leben 3°). Sie: ges fanden „«.daß uns einige Dinge als gut, andere als böfe und andere, ale gleichgültig erfcheinen, dab mir aber niht exkeunen a was an ſich gut oder | | böfe ..50) Sextus. Empirious‘adrerf. Maäthem. VII. 9.50. Diogenes Laert. IX, $. 205. 6%: ‚ a. Tıuwv ev rw Tutor Dos, un enßsßnrenu nr . — Fuͤr IIuvtwv muß man wahrſcheinlich hier und au andern Stellen IIvggour lefen. . Pyrrho und Timon. 187 boͤße ſey. Und darin. haben fie nach. der herrſchenden Auſicht der Dogmatiker voͤllig Recht. Wenn ſich dieſes nicht 3 priorl beſtimmen läßt, wenn es von der Erkennt 'niß der Dinge an fih,. die nur emplriſch fen kann, ab» hängen foll; was wir für gut oder. böfe erkennen, fo ‚giebt es darin ‚nichts abfoluteg, weil jeder Menſch feinen eigne n fnbjektiven Maaßſtab hat. Uebrigens ſcheint Timon eben. fo wie Pyrrho die Tu⸗ gend fuͤr das einzige wahre Gut des Menſchen gehalten zu haben. Man kann dieſes zum wenigſten aus einer Stelle des Sextus folgern ?')..- Wie fie aber dieſes mit ihrer Skepſis vereinigten, oder vereinigen fonnten, läßt fih aus den einzelnen Bruchſtuͤcken, die wir noch haben, nicht ber ſtimmen. Dan fönnte zwar mit dem Sextus fagen: Zimon babe dieſes für fein objcktives, fpndern nur fubs jekijres Urtheil gehalten, welches fih auf Gefühl gründe °*). Allein dann hätte er doch diefes für ein unveränderliches und nothwendiges Gefühl halten müffen, weil es fonft nicht möglich waͤre, eine unmandelbare Maxime darauf zu fügen, Timon und Pyrrho fcheint nur gegen alle moralis ſche Theorien eingenommen gemwefen zu ſeyn, welche fie dar mals Fannten, (und gewiß gab es unter diefen au feine, welche die Foderungen der unbeflochenen Vernunft völlig be⸗ . Imepigte). und ihr, Migtrauen gegen allen theoreuſche hr nun 31) Sextus Empiric, adverf. Mathemat. ‚Al. 9. 20. ara ds To Doyvausvov rarwv Enasov, axousv 690g -ayayıv n.nunoy y adındoger meosaye- gsuem' adameq “04 6 Tiywy, eu reis wöanueis Boing Indsv, Orav Pa „7 Jap EYwv SEE WS MOL. —— esvog — unnFrng bEFov Exp nanova* ws, . TE Seix 78 Puis.uoy T' oyada' yes. ‚BE@V KCATRTOS ver ardee Buase; 88) Bexins Empir 5 R\ 158 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. nunftgebrauch, der durch keine ſichern Principlen in den gehörigen Schranken gehalten wurde, verſchloß Ihre Augen gegen dad Wahre, was In allen Spftemen enthalten war, and, von dem Falſchen und Einſeitigen gefondert, gewiß zum Vorteil der Wiſſenſchaft benutzt werden konnte, Hier⸗ In lag auch wahrſcheinlich die Haupturſache, ‚warum die Dogmatifer und die Steptifer beide ihren Weg fortgingen, dhne einander über den wahren Streitpunkt verſtaͤndigen und zum Beſten der Wiſſenſchaft auf einander wirlen zu koͤnnen. Doch wir muͤſſen nun wieder suche? auf den beruͤhm⸗ tkeſten Schuͤler des Sofrated , den Plato, und auf die übelr gen dogmatiſchen Spfteme diefer Periode, Sechſter Abſchnitt. Philoſophie des Plato. | So wohlthaͤtig auch Sokrates durch fein Belſplel und ‚feine Lehren für fein Zeitalter gewirkt Hatte, fo wenig hatte doch die Philofophle als Wiſſenſchaft unmittelbar etwas als neue Ausſichten durch ihn gewonnen. Indem er auf der einen Seite ſich laut gegen die Sophliſten, Ihre leeren Ver⸗ nünfteleien und ihren verderblichen Eigennuß erklärte, die Urthelle der gefunden Vernunft gegen fie geltend zu machen ſuchte, und ein vernünftiges Betragen gegen ih und anı dere durch feine nachdruͤcklichen und das Herz ergreifenden Vermahnungen empfohl, wirkte ee ummittelbar auf die Merbefferung der Denkart feiner Zeltgenoffen, Diefeg hatte zwar mittelbarer Weife auch Einfluß auf den Zuftand des Nhltefophle, Infofern ee dadurch das Nachdenken auf Ge genftände richtete, welche dem Menfchen zu nahe liegen, und zu wichtig find, eis dof fe nicht von jedem — en/ Sehen des Platet = > 299 Menſchen, wenn einmal feine Vernunfſt erweckt iſt, mit Intereſſe unterſucht werden ſollten. Indeſſen ging doch Sokrates nie aus der Sphäre des gemeluen Verſtandes In die des Philoſophen über; er entwickelte. die. Ueberzeugun⸗ gen, welche jeder Menſch von unverdorbenem Verſtande und Herzen für wahr anerkennt, er betrachtete diefe Ueber⸗ einftimmung felbft ald den Beweis ihrer Wahrheit, ohne ſich je} ernſtlich in die Unterfüchung einzulaffen ,, jene Ueber⸗ jeugungen aus Principien gu erflären, und dadurch die Unveränderlichfeit und Nothwendigkeit ans Gründen, die | in. Tu Natur dei. menſchuchen Geiſtes — ſind, zu erklaͤren. Zen Was Sokrates nit that, das leiſtete einen ſeiner Schuͤler, der hohen Enthuſiasmus mit dem Talent des tie⸗ fen Denkens und Dichtergeiſt mit philoſophiſchem Geiſte in einem ſeltnen Grade vereinigte: der von keinem beſſer als. von dieſem Weiſen zu dem eigentlichen Beruf eines Phi⸗ loſophen gebildet und vorbereitet werden konnte. Gewohnt, alle Ueberzeugungen, die er feinen Schülern ans Hetz ler gen mollte, aus ihnen ſelbſt zu entwickeln, richtete gr nothwendig den Forſchungsgeiſt eines jungen feurigen zum Selbſtdenken geneigten Jünglings auf die einzige Quelle als ler Wahrheit, auf die Erforfchung des menſchlichen Geiſtes, auf das Vermögen aller Principien de8 Denkens und Hans delns hin. Das Intereſſe für das Praftifche, welches er bei) feinen Schülern ertweckte, legte dem Fluge der Einbils dungsfraft Zügel an, hielt dem Hang der Vernunft nad uͤberſchwenglichen Speculationen in den nöthigen Schranken, und gab allen Seelenfräften einen Vereinigungspunct zu defte Innigern Auffaffung und Verfolgung eines Gegenſtandes. Dieſer Schüler war Plato. Gebildet in dieſer Schule der Lebenswelsheit, genaͤhrt in den Geiſteswerken der Griechen, vorzüglich der Dichter, bekannt mit allen ältern philoſophiſchen Verſuchen, war er, bei feinen grofs ſen Talenten, im Stande, die Philofophle auf eine höhere Stufe der Volllommenheit zu erheben, und durch * mund⸗ 190 Zweltes Hauptſtuck Sechſter Abſchnitt. muͤndlichen und ſchriftlichen Vortrag noch mehrere gute Koͤpfe zur Kultur derſelben zu wecken. Doch mir müffen von dleſem Phlloſophen ausführlicher handeln, und ſowohl fein Leben, inſoweit es fuͤr die Geſchichte ſeiner Philoſo⸗ phie wichtig iſt, beſchrelben, als auch fein philoſo⸗ phiſches Syſtem, und ſeine Derdienfte um das philoſop biſche Wiſſen in or Licht zu ſeben ). Erſtes Kapitel, 5 Reben des Plate, | Nato wurde zu Unfange des verheerenden Pe⸗ loponneſiſchen Krieges geboren; nach Doddwell in dem 4 oder nach Corfini am Ende des dritten Jahrs der : 87 Ölympiade) und trat alfo unter ſolchen Zeltverhältnifs fen in die Welt ein, welche die Entwickelung geifliger Tas Iente nicht eben ſehr zu begänftigen ſcheinen. Allein wenn man welter nachforſcht, ſo iſt gerade dieſer Umſtand in Verbindung mit andern eine der vortzuͤglichſten Urſachen, welcher Platd feinen phlloſophiſchen Ruhm zu verdanken hat. Er ſtammte aus einem alten edlen Geſchlechte ab. Sein Vater Ariſt o mir ein Nachkomme des durch feinen Patrlotismus beruͤhmten Könige Kodrus; feine, Mut⸗ —* Eine vollſtaͤndige hehenbbeſchreibung biefes philoſophen liegt aufſer meinem Plane. Wem die folgende Skizze nicht genuͤget, den verwelſe ich auf den 1. Band des. Syſtems der Platoniſchen Philofophie und auf den Entwurf von Platons Leben übers fent von Morgenſtern Leipzig 1798 Sehen des Plate, 191 Mutter, Berictione, ‚zählte, unter Ihren Vorfahren den Bruder des großen Geſetzgebers Solon. - Diefe Abs ftammung und die Verwandſchaft mit mehreren Staatsbe⸗ dienten feiner Zeit war für einen Jüngling , deffen lebhafs ter Geift für Ruhm fo veizbar war, eine zu ſtarke Verſu⸗ dung, als daß er nicht ſich dem politifchen Leben hätte widmen follen. Allein es fehlen, als mwenw ein: biffiter Genius über ihn walten, und dur die lgewaltſamen Revolutionen in der Staatsverfaffang Athens die wirk⸗ liche Aucfuͤhrung ſelnes Entſchluſſes ve. — hielt 9). | Unftreitig Indche Plato, wenn er ind — — Laufbahn betreten hätte, ein großer Mann geworden ſeyn. ; Denn die Natur hatte ihm nicht. gemeine Talente geſchenkt, und er ließ ed an feinem Fleiße fehlen, ſich gehörig auszu⸗ bilden *2). Pericles hatte ein zu glänzendes Belfpiel gege⸗ ben, was ein fluger Staatemann in einem Freiftante wir⸗ fen könne, der Genie mit, Beredſamkeit befigt, als] daß ed nicht auf einen Süngling von ſolchem Geifte mächtig Härte wirken follen 3). Wahrſcheinlich mar es dieſes Beifplel und die Ueberzeugung, daß zu einer glücklichen po⸗ litiſchen Laufbahn die forgfaltigfte Ausbildung ei > * 2) Plato. Epifola vn. 11,9, 8 93:94. veo⸗ Tore or woRdıs In Taurev erabav- wnsnr, ertarroy N EURUTEYEVOLUNY MVBroG, BMI Ta HOWE TrE WONgwg EUIUG 1EvaU4 2) Apuleius de doctrina Platonis. Nam * Speußppus domelfticis inftructus documentis et pueri eius. acre in percipiendo ingenium et Ad, mirandae verecundiae indolem laudat, et pubef. centis primitias labore atque amore fiudendi im- butas refert, . 5) Plato, Alcibiadesl. * S. 79 | J 193 Zweites Haupeftdc, . Gedhfter Abſchnitt. ihn anfpornte, alled Wiffenswerthe, was damals gelehrt: wurde, zu lernen, und feine Geifteßkräfte zu cultiviren. Borzögiih interefirte ihn aber die Dichtkunſt und die Phl- loſophie. Er laß nicht nur die vorzuͤglkchſten Dichtertwerfe, fondern ‚fing auch ſelbſt an, im verſchiedenen Arten dee | Poeſie, in der epifchen, Igeifhen und zulegt in der deas matiſchen ſich zu verſuchen. Ungeachtet dieſe Producte der jugendlichen Phantaſie gewih micht ſchlecht waren, denn feinen Beruf sum Dichter bezeugen noch die philoſophiſchen ' Werke feines männlichen Alters, fo fonnten fie doch nicht den Foderungen Genuͤge thun, welche fein durch fo vor⸗ zuͤgliche Originalwerke gebildeter Geſchmack an ihn ſelbſt machte Sein Ehrgeiz konnte es nicht leiden, dem us. ſter nachzuſtehen, ‚welches er zu erreichen oder zu uͤbertreffen gefirebt hatte *). | Don feinen Lehrern in ber Philoſophle wird nur ein Kratylus und Hermogenes genennt; durch dem erften lernte ee in früher Jugend des Heraelitus Phlloſo⸗ pheme kennen; der sweise machte ihn mit der Eleatifchen Phuloſophie bekannt ). Uber wahrſchelulich ſind das nicht die einzigen Lehrer geweſen, die ein ſo wißbegietiger Juͤngling in einer Stadt, wie Athen, welche die meiſten . Gelehrten auf längere oder kuͤrzere Zeit ſo gerne beſuchten, gekannt und benugt hat. Am allerwenigſten laͤht es ſich dezweifeln, daß er die Schulen der Sophiſten befucht babe, denn opne eine genanere Kenntniß ihrer Lehren und Dies | ttho⸗ QM Aeclianus Var, Hikor. IL, 30- 6) Ariftoteles Metaphyfic. I. c. 6. ex veu 78 vae auyysvopsvos mawrov Kontur nay raus How“ anerreiug Sofa. Diogenes Laerti III. G. 6. Vielleicht IE Hermogenes, den fein anderer. Schriftſteller kennt, und ver anonyme Biograph des Plas to in der Bibliothek der alten Literatur und Kunft 5 Er. Hermippus nennt, keine diſtotiſche Perfon. Leben des Plato. 193 thode, waͤre es ihm nicht möglich. gewefen, fie in feinen Schriften fo lebendig zu filtern und zu perfiflicen. Kein Mann feffelte ihn aber fo fehr als Sofras tes, der von ber erfien Bekanntſchaft an (im 20. Jahre des Plato) fein Talent zum Selbfidenfen fo fehr zu. beſchaͤf⸗ gen und. zu entwickeln wußte, daß er das-Philloisphiren zu feinem Liehlingsgefhäft machte, und der Mufe der Dichte kunſt auf immer den Abſchied gab. Pod) dauerte ver Wunſch, ſich dem Dienfle der Republik zu widmen, fort, und-er wartete nur. auf günfligere Zeiten, mo er ohne ſei— ‚nen Grundfägen ungetren werden zu dürfen, oder fich oh⸗ “ne Nutzen aufopfern zu müffen, an der Verwaltäng Theil * nehmen koͤnnte. Je weiter aber fich diefer Zeitpunct ent« fernte, je. mehr die Hofnung verſchwand, daß die Verfaſ⸗ fung und Verwaltung in den Gang kommen werde, deſto mehr intereffirte ihn das. Phil oſophiren 9). | Wenn ‚einmal ein ſolcher Kopf etwas mit Janigkelt ergreift, ſo verſchwindet es nie ganz aus der Gerle wieder, Er Hatte feine dichteriſchen Arbeiten aufgegeben; aber in feinen Schriften zeigt ſich noch immer der dichterifche Geiſt. Seine Dialogen, von denen er einige noch vor Sokrates Tode zu ſchreiben anfing, ſind ein Product des dichterifchen und philoſophiſchen Geiftes. Diefer mählte und bearbeitete den Steiff, und jenee ſchuf die ſchoͤne Form Ichendiger Darfiellung. Auch die Neigung zum Gefchäftsieben er— loſch nie gang bei ihm; fie befam in Sokraͤtes Schule theils neue. Nahrung, theils eine beſtimmtere Richtung, durch welche ſie mit. dem Philoſophiren in eins berſchmolzen ward, Nicht die Praxis ſondern die Theorie beſhaͤftigte ihn auss ſchlieſſend. So vereinigte ſich bei dem Plato zuletzt olles dahin, ſeine Bu — die Sp. zu con centriren. — Die > o Plato Epidel, VII. S. 93,.. ob. Tenn m anns Befdichte der Philoſophie IT, ch. N | 194 Zweites Hauptſtück. Sechſter fi, Die Unterzedungen des Sokrates ‚betrafen faft durch⸗ gaͤngig Gegenſtaͤnde aus dem gemeinen Leben, die Pflich⸗ ten einzelner Menſchen, Klaſſen, Staͤnde, die Mittel, ſei- nen Beruf pflichtmaͤſſig zu erfüllen, vernünftige Zwecke zu ‚erreichen, die allgemeine und befondere Glückfeligfeit zu befördern, Das Intereſſe, welches diefe Gegenftände für jeden" gutgefinnten Menfchen haben; die ganz eigenthuͤm⸗ liche Herzlichkeit, Leichtigkeit und Gefälligfeit, womit‘ So krates diefe Wahrheiten zu entwickeln und Jedem ang Herz zu legen, die Felnheit des Wiges und der Jronie, womj er fie zu würzen mußte, mußte nothwendig einen 'geiffechs hen Juͤngling nicht nur durch das Vergnügen feffeln, fons dern aud) den entfchledenften Einfluß auf die Bildung feis nes Charafterd und die Richtung feines Kopfes haben. Sokrates Lebengmeisheit befchäftigte Platons Geift, aber _ fie befriedigte ihn nicht, Sie erhielt und belebte das Stre⸗ ben nad Erfenntniß der Wahrheit, ohne das Forſchen nach dem Wiffen durch Principien zu befriedigen. Die Sophiften hatten durch ihre dialektiſchen Spigfindigfeiten den menfchlihen Berftand verwirrt, und die Anficht allges meingültiget Wahrheiten faft zur Chimäre gemacht; Sofras tes orientierte. ihn erft wieder durch die feine Entwickelung ‚gemelnfamer Ueberzeugungen; diefe auf Principien zurück zu führen, mar die Aufgabe, die Plato mit Imnigeni Ins tereffe faßte. Ein wichtiger Vorthel, den Plato in dieſer Schule gewann, war der, daß er durch Sokrates auf die Quelle aller Wahrheit aufmerkſam gemacht wurde. Denn indem dieſer feine Ueberzeugungen Niemanden auſdrang, ſondern fie durch Fragen und Antworten Jeden in feinem eignen Bewußtſeyn finden ließ, reizte er zu dem Verſuche, das⸗ jenige, was der Menſch nicht von andern, ſondern aus ſich weiß, naͤher zu unterſuchen, zu entwickeln, und die Moͤglichkeit dieſes Wiſſens zu erklaͤren. Dieſe Fragen von einem denkenden Hoyfe unlerſucht / REIN 3 die mwiffenfchafts Ä liche — geben des Dat 1955 Hide Cultur ber Philoſdphle um ſo mehr befoͤrdern/, da ſie eine der wichtigſten NAufyaben'derfelben'beträfen. ' Dleſe Eultur des DVerftandes hätte um ‘fo größekr Werth, je mehr fie mit Veredelung des Charafterd verbuns den war. Die gleiche Stimmung des Gemuͤths, gleiche Achtung alles Guten und‘ Ebelen, gleiche Liebe für Tugend und Religion knuͤpfte das enge Band’ zwifchen dem Lehrer und dem Schüler, welches ungeachtet mancher Abweichung in der Denfart ununterbrochen fortbauerte, und auch dem ° Tod des Sokrates noch überlebte, Das moralifhe Gefuͤhl - mußte nothioendig in dem Umgange und durch die geiftreis ‚chen Geſpraͤche eines folder Mannes enttbickelt, geftärft und verfeinert werden. Nicht weniger murde der Sin für dag Schoͤne gepflegt burch die geifteeichen Ge ſpraͤche des Sokrates, der eben ſo'“ ſehr die Frrvolttaͤt und laxet Grundſaͤtze der Sophiſten haßte, als den geſuchten falſchen R Schimmer Ihrer Prunfreder verachtete. br Alle dief: Vortheile konnten die Schuͤler des Sokra⸗ tes ohne Unterſchled benutzen. Aber nicht alle hatten: dene Belft eines PMator diefes macht einen großen Unterſchled in einer Schule auß, wo nicht ſowohl Lehren vorgetragen, als der Vecſtand und das Herz gebildet wurden, und wo "alles auf die Selbfithätigfeit anfonımt, wit der Bie 369? linge felbit an ihrer Bildung arbeiten. Es iſt aber Feia nem Zweifel ausgeſetzt, daß Plato unter allen Zöglingen bes, Sofrated Die ausgegeichneriten Talente und die groͤßte Heiginalität des Geiſtes beſafi. Daher wirkte auch diefe Bild ungsanflait gang anders auf ihn als auf andere und tingeächtet des Einfluffes des Söfraseg, der. auch bei ihm ſichtbar genug iſt, be hielt er doch Kuren die Frelheit und Selbſtſtaͤndigkeit ſeines Geiſtes dei, welche ihn gegen die Einſeitigkeit einiger Sokratider ſchuͤtzte, welche ‚alle Wiſ—⸗ ſetiſchaften verachteten, die nicht unmitteldar einen Sels trag zur menſchlichen Glückieligkeit verſprachen, und wel⸗ che jeden Schritt über ihren iebrer hlnaus für einen Fehltritt des Verſtandes erklaͤrten. Es koſtete u in der [That —W * N tlleine 196 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. feine kleine Ueberwindung von Seiten feiner Mitſchuͤler, alle Anwandlung von Neide gegen denjenigen zu unterdrüs cken, deffen Wißbegierde felbft dem Sokrates nicht wenig zu ſchaffen machte 7). | Wie ſehr Plato die Verdienſte des Sokrates ſchaͤtzte, erhellet daraus, daß er auf ſeinem Sterbebette ſeine Gluͤck⸗ ſeligkeit prieß, daß er in Sokrates Zeitalter geboren wor⸗ den. Er lebte mit ihm nur adyt Jahre 7®). Nachdem diefer Welfe Durch die elende Cabale einiger Seinde zum Tode verurtheilt morden mar, wobei Plato nebſt den meiften Sokratikern ſich ale fFandhafte Freunde bes tiefen hatten, ging diefer nad) Megara jum Euclivee,; mit dem er einige Zeit in philofophifcher Mufe verlebte: Hier hatte er Gelegenheit, ficb mit den Philofophemen der Eleas tifer noch genatier befannt zu machen. . Er trat hierauf eine Keife nah Itallen, Sicitien, Cyrene und Aegypten an. Er wünfchte fremde Nationen, ihre Sitten, Einrichtungen, Staatsverfaffungen kennen zu lernen, mit den Gelehrten des Auslandes in Verbins dung zu kommen, und dadurch feine Kenntniſſe zu bereis . dern. Der Hauptbemegungsgrund zu diefer Reife war hoͤchſt wahrfcheinlich , theils feine politifche Erfahrung zu ‚erweitern, theils feine Kenntniß von der Pythagoraͤiſthen Phi 7) Der anonyme Biograph in der Bibliothet der alten Pis feratur und Kunft ©. 3. vera ds ro ray nYuanv adE- Andnvoy Zwnpars, xy MeRAYMaTE moaea- . exe auto ro —— Ev Tag MEOS, au“ Tov evrsugsen: ‚ 7b) Plutarchus in Mario 3. B. ©, 129. TIaa» Tv u 20, Hdn MEeog TWm TEREUTAV YEVomSVvos, uuva Tov durz daimova uoy Ta Tuxav, eru MewTog usv avSewmos, era 'ERnv, & Bapßrecs, 80’ arc- yoy rn Duces Irgiov yevoıto‘ meog ds Tara, öri’ TS ZwnpaTtsg XGovoig ATIVTNTEV N YEVECIS AUTE. it, | gebe des 6 late, : 197 — von der im eigentlichen Grieche nland wie es ſcheint, nur einige unzuſammenhaͤngende Sagen herum⸗ gingen, zu erweitern und zu berichtigen. Dieſes beruhet auf einem ſichern Zeugniſſe 8); Jenes läßt fi daraus ſchliſſen, daß er in ſeinen Buͤchern von den Geſetzen hier und da die Verfaſſung der Aegyptier und Phoͤnicier berührt, und in dem fiebenten Briefe verfihert, er habe fi Yon der Wahr« heit überzeugt, daß u Berfaffung und Regierung aller Staaten fhleht ſey ? Diefe Reife, Re auch in politifcher Ruͤckſicht für Eicllien wichtige Folgen hatte, mußte nothwendig fehr vors thellhaft ſeyn, wenn er feinen Zweck auch nur zum Theif erreichte... Die Pythagoraͤiſche Schule dauerte jegt noch in Griechenland fort, und fie hatte noch nicht aufgehört, große ‚Minner ‚hervorzubringen, die fi durch Die Staatgflug- heit und.philofophifchen Einfichten augzeihneten. Der bes ruͤhmteſte unter diefen mar Archytas, mit welchem Plate eine vertraute Freundfchaft errichtete, : Der Gegenftand ihr ter Gefpräche und Briefe waren Gegenftände der Philofos ‚pdie, und vielleicht vorzüglich der Mathematif, und bei dieſem Wechſel ihrer Ideen mußten Beide gewinnen. Ob ‚er auch noch andere Pythagoraͤer, z. B den Timaͤus von Loert, kennen keente, iſt noch nicht entfjieden 2°). Einige | — . . V z — Py⸗ 8) — S. 367. Sed poſteaquam Socrates nhomines reliquit, quaelivit, unde proficeret, et * ‚Pythagorae disiplinaind fe contulit, 2% ) 'Epikoia VI. S. 96. rersurwvTa ds vorcoy ms: en raccov Teov vvv rohecov, OTI Kanınz —X — Mrvvovro/. 10) Die BERATEN die fur; vor Plato oder zu feinen Zeiten lebten, ſcheinen die marhematifchen Wiſſenſchaften undsfelbft die Phyſik vor allen andern mit dem größten E98 Zweltes Hauptſtuck. Sechſter Abſchnitt. Pythagoraͤiſche Schriften , ‚die Plato mit nah Hauſe brach⸗ 48, waren nicht allein für ihn von Nutzed, fondern auch für den Ariſtoteles, der mit ihnen ſeine Bibliothek harel⸗ Kate, und; daouech die Rennen der, Porbagurdifgen —4 Tafophie perdreitete TU, — ode r & nit weiter in daB Sp elle verfolgen: laffen , konnte ſich Plato verſchaffen ohne daß es Kine, la in ven: ——— Orden be⸗ durf⸗ Intereſſe bearbeltet zu haben. Die beruͤhmteſten find -Zimäus und Archytas, Die auch zugleich die wich— tigſten Staatsaͤmter in ihren. Vaterlande bekleideten. Von dem erſten ſagt PlatotFimiaeus 9. B.S. 286) Har ſed in Ruͤckſicht auf fein Vermoͤgen und Geſchlecht ei, ner der angeſehenſtenſten Blirger'in Locrien, er habe die ur Höchften-Staatsämter verwaltet, und den hoͤchſten Grad « philoſophiſcher Einſichten erkeicht. S. 300 aber fagt oncer von ihm: er habe ſich die Natur des Univerſums und pe Aſtroͤnomie zum Gegenſtande ſeines augelegentlichſt en * Forſchens gemacht. Der Ruhm des Archytas ale großen Mathematikers beftätiger. ſchon allein die Stelle * * des Horaz Od I. 28, und Proclus in feinem Commen⸗ 5 gar des Euclides. Er fing zuerft mit dem Eudorns ‚, die Mechanik zu bearbeiten an. Plutarch. vita 3,.Marcelli-c. 14. Gellius Noet. Attic, X. 146. ‚Arifioteles führt einige Definitionen von ihm an, "welche phufifalifche Gegenſtaͤnde betreffen. Me taphylicor, VIE c.2, und Simplicius in #hyfica Arifotel. ©, 165. die Definition der ww ‚BEE TOV eorou : drrgaman Eng TE mavros. Dyson. Auch ſiehet man aus Ariſtoteles Problemät, XVI. 9. 10. daß er uͤber den Bau der x osganifieren Welen Dre prahendgen nuſtelice. —— — — m-Digg. ‚Laart: IS. 9 VI 9,84, Gel lius Noct, Attic. Ill, c. ı7. geben des Plato. 199 durfte, welche einige Schriftſteller behauptet haben Denn dieſer Orden exiſtirte nicht mehr, mit dem polltiſchen Zweck hatte auch feine, ganze innere Organiſation aufgehoͤrt. Geſetzt au, daß die noch vorhandenen Pythagoraͤer in einer engen Verbindung fanden, welche den ehemali⸗ ‚gen Diden in Erinnerung brachte, fo laßt es fih doch kaum denfen, das fie noch befondere geheime Lehren hat⸗ ten, , da fie ſich groͤßtenthells mit, Mathematif, Aſtrono⸗ mie und Phyſik befcyäftigten. --Meberhaupt verſchwand das Geheimnißvolle des Pythagoraͤismus immer mehr von der; Zeit an, da. Pythagoraͤer Schriften befannt machten. Wenn ja nod) irgend ein Gegenftand war, in welchem Gehelmniſſe nöthig waren, fo war es die Nellgion; allein darin befanden fich die Pythagoraͤer mit jedem aufgeklärten Mann in einerlel Falle Die Privatüberzeugungen konn⸗ fen fie nicht oͤffe Rn h 'befannt machen ,' nur ihre gleichge« finnten Seeunde wußten darum. - Bon feinen übrigen Reifen laͤht ſich aus dem Allge⸗ meinen, mag wir ſchon beruͤhrt haben, nichts Ausführlis ches ſagen. au feiner Ruͤckreiſe aus Aegypten befuchte er Slcilien, befah den Vulcan des Xena, lernte den Dior kenuen ‚und kam, nad manden Lebensgefahren, die Ihm feine Freimuͤthigkeit bei dem Altern Diohfflus zuzeg, mie ber nah Athen zurück, mo er in der Afademie, einem in der, Vorſtadt gelegenen Gymnaſium oder in feinem in der Gegend liegenden Garten oͤffentliche Norträhe über philofos phiſche Gegenftände hielt, und um ſich her eine große An⸗ zahl von Schülern verſammelte. Es iſt zu’ bidauren, daß wir von dieſer Lehranſtalt, der erſten im eigentlichen Grie⸗ chenlande, nach ihrer innern Einrichtung faſt gar nichts wiſſen. Aber ha wahrſcheinllch iſt &8} daß Plato das. bei auf zweierlei Zwecke dachte, Philoſophen zu bilden, und Wahrpeiten, die ein allgemeines Intereſſe Haben, und nit allein für die Schule gehören, vorzutragen. Einige Kenntniß von der Errichtung der Pythagoraͤiſchen Schule, welche dem Plato gewiß nicht fehlen konnte, konnte ihn N4 weht ‘ J m "200 — Haupeſtůch Seſter Asfnitt ' wohl beſtimmen, dieſe Einrichtung mit den nothwendigen Abanderungen auch in feiner Akademle beizubehalten, und fie_ wurde, mie es ſcheint, von feinen naͤchſten Schuͤlern, ſelbſt von dem AUriſtoteles nachgeahmt. Ariſtoteles hielt akroamatiſche und eſoteriſche Vorleſungen; jene waren wiſſen ſchaftitche Wöttcäge für den ‚eigen Eckel feiner Schuͤ⸗ ler; dieſe Populäre Vorleſuugen für das ‚größere Pudlikum. Xenokrates hielt ebenfalls populäre Vorleſungen, wie aͤus der Geſchichte des Polemon erhellet. (Diog. Laert. 1V:$. 16): Soviel ift zum wynigſten gewiß. daß pᷣlato eine popufäre und eine wiffenichattliche Philoſophie hatte, und Toaf ee nicht die legte, ſondern die erſte in ſeinen Schriften vor trug. Sollte er dleſen Unterſchied nicht auch in ſemen muͤndlichen Vorträgen beobachtet Haben ? Es läßt ich dann auch eher erklären, daß nicht allein Philoſophen von Pro» feffion , fondern auch Staatsmaͤnner, Generäle und Red⸗ ner z. B. Timotheus, Phocion, Hyperides, Lycurgus, - Demoftheneg ur ſ. w. unter feinen Schülern genennt wer⸗ den 12), Wahrſcheinlich bediente er. ſich einer verſchledenen Form des Vortrags nach Beſchaffeuheit ſeiner Zuhoͤrer; vielleicht der dialogiſchen in feinen wiſſenſchaftlichen Vor⸗ | trägen. Von welcher Form aber au fein Vortrag war, fo it doch diefeg wahrſcheinlich, daß ſein vorzuͤgliches Be⸗ | fireben dahin. ging, Schüler zum Selbftdenfen zu gewoͤh⸗ nen, und dafi € er ihnen daher Probleme vorlegte, an de⸗ ven "Aufifeng fie —* Kräfte verſuchen mußten 13). Dar” ber 1 n - w dei . 5 #2); Diog —— III. $. 46,. ——— adverl ' Golotem; a -Ir26. u 13) Plato Epikata I. 11. B. S. 70. aM’ eu 159, undava TWIMOTE\us To metTov anzranT. Ey aA; mw N Erw KaT' uoXas. ng 0 -usV MARIO EXwv mewyurTa, 6 084 ERaTTW, Moyıs. amadur- ' rot. 042J0v de zdas odıya. geben des Platı, 201 Ber bildeten’ ſich in ſeiner Akademle auch mehrere Deaker, unter denen Ariſtoteles alle übertraf. Seine philoſophiſche Muſe wurde zweimal durch ſpaͤ⸗ tere Reiſen nach Sicilien unterbrochen, welche einen ans ‚dern Zweck haften, als die erſte. Der Wunſch, einem jungen Fuͤtſten Staatsweisheit zu lehren, und durch ihn dasjenige, mas er über die beſte Negierungsform gedacht batte, zum Thell-zu realifiren, zugleich auch die Freunds ſchaft für den Dion bewog ihn zw diefer Reife und zur fels nem Aufenthalte am Hofe zu Spracus. Das Gluͤck ber Hünftigte feine ſeiner Abfichten. Nach mancherlei Gefahr ten kam er wieder nach Athen zurück, und ließ fi “durch feine Bitten und Verfprechungen verleiten, ſich in politifche Unternehmungen’ zu mifchen, ſondern widmete feine ganze übrige Lebengzeit feiner Akademie und feinen Schriften. Er farb in dem’ gıfen Jahre feinee Lebens. (Diynipiabe VIII. 1) Wenn man die Talente des late, fo melt fie fich In feinen. geiſtreichen Schriften offenbaren , ‚betrachtet‘, fo iſt er für das Alterthum eine in feiner Art einzige Erfcheinung, und man findet auch in den neuern Zeiten ſchwetlich einen Mann, der nad feiner “ganzen Individualität ihm zur Selte gefeßt werden fünnte. Er vereinigte Eigenſchaften des Geiſtes, welche zwar einzeln genommen hier und da in einem hoͤhern Grade vorfommen, aber nie In ihrer Verei⸗ niguing und ſchoͤnen Harmonie übertroffen worden find. Das erſte Talent, welches ſich am fruͤheſten in ihm aͤuſſer⸗ te, iſt die von Seiten des Umfangs, der Lebhaftigkelt und Stärke ‚ausgezeichnete Einbidungsfraft, die ihu in den Stand feßte, alles mit der größten Lebendigkeit aufzuſaſſen, feſtzuhalten und zu bilden; -den gegebenen Stoff aufjur nehmen, und neue Bildungen hervorzudringen; den Dors ſtellungen feiner eignen Ideen fa viel Leben zu geben; und ſich in fremde mit ſolcher Leichtigkeit zu verfigen. Die Na— tue (dien ihn zum Dichter beſtimmt zu haben, und gewiß wuͤrde er in dieſer Laufbahn großes Glück gemacht haben, | | N 5 wenn 202, Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. wenn er ſelner erſten Neigung gefolgt waͤre. Allein ex hatte noch ein anderes Talent, welches an Vorzuͤglichkeit jenem nichts nachgab, nehmlich die Gabe des Seloſtden⸗ kens, einen ſtets regen Forſchungsgeiſt, Scharfſinn und Tiefſinn in einem hohen Grade. Ungeachtet ſich in ſeinen Schriften mehr der analytiſche als ſyſtematiſche Geiſt Aufs ſert, fo wuͤrde man doch von dem letzten wahrſcheinlich mehr erblicken, wenn wir ſeine eſoteriſche Philoſophie ge⸗ nau kennten. Die Vereinigung des erſten und zweiten Talents macht die Grundlage feines originalen -philofophis. ſchen Geiſtes aus, durch welche er eben fo ‚glücklicher Er⸗ finder ale geiftreicher Schriftſteller wurde; in ihr liegt die Urfache, daß er bei feinem Denfen einen hoͤhern Schwung nimmt, von dent, was ift, zu.dem mag ſeyn ſoll, ſich erhe⸗ bet, und allenthalben fich Ideale denft. . Bei aller Stärfe feiner Einbildungsfraft war doc) feine Denkkraft jener. übers. - legen. Diefe beherrfcht jene,. fie fchreibt die. Grenzen, die Zwecke und die Art und Weife vor, für welche und wie fie ſich aͤuſſern fol. Ohne dies war Plato in, Gefahr ein Schwärmer zu werden ‚„. wofür ihn auch, einige-gehalten Haben, ‚wenn fie blos auf einige Partien, feinee Schriften fahen, Daß ev ed aber nicht war, beweißt ſchon allein fein Intereſſe fuͤr mathematiſche Wiſſenſchaften. Auffer diefen Geiſtesfaͤhigkeiten deſaß Plato einen feinen Sinn für dag Schöne, einen gebildeten. Geſchmack, und ein lebhafteg Jutereſſe für. Sittlichkeit and Würde des Menſchen. Es war ein Slüc für ihn, daß er Gelegenheit fand, ‚alle feine Faͤblgkeiten zu uͤben und zu cultiviren , oder viel mehr, daß er einen aufferordentlichen thätigen Geift Hatte, der auch ohne Auffere Deranlaffung, in ſich ſelbſt Antrich zum Wirken und zur Anwendung feiner Geiſteskraͤfte fuͤhlte. * Ohne dieſes haͤtte er auch die guͤnſtigen Verhaͤltniſſe nicht fo benutzt, in welche fein Leben verſchlungen war. Geis ne dichteriſchen Verſuche waren gewiß eind der borzüge Echften Mittel zur Cultur feines Geiſtes. Er lernte durch | F ſie gehen des Date! =. 203 fie feine. Innern Kräfte kennen, und bildete feine Einbils dungsfraft zu dem aufferordentlichen Grade aug, melcher allen feinen Geiſteswerken ein fo ausgezeichnetes Gepräge gab.. Diefen Vorthell gewährte ihm von einer andern Sei⸗ te das Studium der Mathematif, welche feinem Geifte in . ‚dem Verhaͤltniſſe mehr Stoff zum Denken und Erfinden darbot, je weniger fie bisher noch wiffenfchaftlich bearbeis- ‚tet worden. war Und hierzu lommen noch ſeine Reiſen, ‚feine: auf denſelben und in Uthen geſammelte Erfahrungen über Menſchen, Sitten, bürgerliche Verfaſſungen; _ feine Kenntniſſe von den Altern. philsfophifihen Verfuchen, und - fein Umgang mit mehreren Denfeen feiner Zeit. Alles dies ſes trug zur Bildung uni Enwickelung ſeints Eeſſes ‚bei, — Dodleich feine Schrigen — Denkmaͤler feines philb⸗ ſophiſchen und ſchriftſtelleriſchen Geiſtes als ſeines eigent⸗ Michen Syſtemes find, fo bleiben fie ung doch auch in der letzten Ruͤckſicht ungemein wichtig. Denn fie find für ung die einzige, weine und ungetrübte Quelle, wel⸗ che ung daß Achte Bild feiner Philoſophle entgegenſtralt. Ohne ſie wuͤrden wir uns aus dem, was andere Schrift⸗ ſteller über son geſagt: haben, nur eine ſehr unvollſtaͤndige zund falſche VPorſtellung von; ‚feinen Philoſophemen machen. ‚Um deſto noͤthiger iſt es, das Verhaͤltniß zu unterſuchen, in welchem feine Gelſteswerle a feiner . Poilofonple ſte⸗ Den 44). "Bon fo oisten Seiten auch feine mit fo fo größer Kunſt geſchrlebene Dialogen dem Geiſte Genuß gewähren, ſo be⸗ friedigen fie doch den ſtrengen Denker nur ſehr unvollkom⸗ | — Denn ‚Fllen ii eine Materie erfchöpfgs und aus Fa j Ram 34) Ausfuͤhrlichere — uͤber die Sbrlleen des Plato findet man in meinem⸗/Sy ſtem dev Party, niſchen“Philofophie 1 B. 2 Th. und- Buhles Rehrbira der Gefchichte der Philefophi« 2 zheil, | 204 Ztveires Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. ſichern Principien hergeleitet; viele philoſophiſche Gegen⸗ ſtaͤnde werden meiſtentheils nur beruͤhrt, oft weitlaͤufige Debatten uͤber ſie gehalten, ohne eine gruͤndliche Entſchei⸗ dung einzuleiten und herbeizufuͤhren. Ein großer Theil ſel⸗ ner Schriften beſchaͤftiget ſich mit Beſtreitung damals hert⸗ ſcheuder Votſtellungsarten oder mit Perſiflage einiger be⸗ ruͤhmten Sophiſten. So oft man Urſache findet, den hel⸗ len. Grit, "den Scharffinn ; "die Bündigfeit des Schriftftels lers zu bewundern ‚ eben fo oft Mößt man mit Unmillen . auf Soppiftereien und dialekrifche Blendwerke. Ueberhaupt finder man in ihnen philoſophiſchen, aber feinen fpftematis hen wo. ffenfhaftlihen Geiſt, einzelne Lichtſtrahlen von Princlpien eines Spftemd,-aber Fein zuſammenhaͤngendes, nach Principien eingeleitetes und fortgefuͤhrtes Forſchen, und es bleibt unentſchieden, "06 Plato wirklich ein zuſam⸗ menhaͤngendes philoſophiſches Syſtem hate, oder ob er nur einzelũe Gegenſtaͤnde, ‘fo mie fie ihm eine befondere Veranlaſſung darbot, bearbeitete, wobei es ihm nicht alles zeit eben um die Erweiterung der Einficht feiner Leſer, als um Seine: angenehme Unterhaltung ihres Geiftes zu thun war | Dieſes iſt die Anſicht, welche fich beim Durchleſen feiner Sihelften zuerſt darbietet. Doch geſetzt, fie würde durch elf gruͤndlicheres Forſchen und Eindringen in den Geiſt derſelben nicht widerlegt, -fo wuͤrde Platons Verdienſt um die Philoſophie zwar nicht fo hoch zu berechnen, aber -innmer noch ſehr beträchtlich Feyn. Dem feine Unterfus udgen betreffen gerade dasſenige, mas der Philofophie "damals heit mar; nehmlich den Be griff von Grkeiinsaiß, Biffenfhiaft: und. Philoſophie, und: fie find infofern als ber erfie Verſuch, die Philofophie als Wiffenfhaft zu begründen, atızu ehtu. Indeſſen ließ es doch Plato hlerbei nicht be⸗ erden. a Angeachtet wir In ſeinen Schriften kein ausgear⸗ beuetes Syllem finden, fo kommen doch ſehr haufig Ideen vor, die mit zu viel Jutereſſe behandelt wid, als daß - | | | für Pilatons Schrifeen und Philoſophie 203 für bloß zufällige Eingebungen feines Geiſtes önnten- gehale | ten werden, und man bemerft nur zu bald den Zufammens hang zwiſchen ihnen und gewiſſen Solgerungen, als daß. ' man fih des Gedankens erwehren fünnte, diefe Verbindung fen etwas Zufälliged: Und wenn man biefe Ideen weiter verfolgt, fo laffen fie ung ein ausgearbeitetes Syſtem ahn⸗ den, was und (feine Schriften nur im Hintsrgeunde, aber nicht in fichtbarer. Geftalt zeigen, Die Urfache diefer Erſchelnung entdeckt ind Plato | ſelbſt. Er hatte nehnlich eine geheime Philofos pbie, welche nicht für dag große Publifum beſtimmt war, fo mie fein Schüler Ariſtoteles eine efoteri fhe und eroterifhe Philoföphie..- Diefes läßt ſich ſowohl durch einige. Winfe, die uns Plato felbft darüber giebt, als auch durch einige zeugniffe des Ariſtoteles beroeifen, Die Sache ift für die Darftellung feiner Philoſophie zu wichtig, als daß mir nice die Gründe für die Wirklich⸗ keit des Faktums mit aller moͤglichen Genauigkeit. fammeln. ſollten. Wir wollen daher den Plato felbft reden laffen. Bor allen gegenwärtigen und fünftigen. Schriftftel« lern; melche etwas über meine Philoſophie fchreisen, ale müßten fie meine innere Ueberzeugung, fle mögen ſich auf mich, oder auf anderer Zeugniß, oder auf ihre eigne Ent⸗ derfung berufen, kann ich verfihern, daß fie nach meinem Artheil gar nichts von der Sache verſtehen. Nie habe ich, ind nie werde ich darüber etwas fchreiben, Denn es läßt fi nicht, fo mie andere Kenntniſſe ſchriftlich vortragen. Man muß lange Zeit über diefen Gegenſtand nachgedacht haben, mit ihm gleichfam vertraut worden ſeyn, wenn in der Seele wie von einem Sunfen ein Licht ſich entzuͤnden foll, das nur Im fich felbt Nahrung findet, Hätte ich aber je darüber gefchrieben, oder gefprocdhen, fü weiß ich wenige‘ ſtens, daß ich auf die vollfommenfte Darftellung die größte Eorgfalt würde gewendet haben; es mürde mich betrüben, wenn ich es ſchlecht gemacht hatte. Es würde die ſcoͤnſte * meines Lebens ſeyn, die Menſchen über die michtig- ſten 206 Zweites Hauptſtuck. Sechſter Abſchnitt. ſten Gegenſtaͤnde zu belehren und die Natur für alle an das Licht hervorzuziehen, hätte ich mic) nur uͤberzeugen fünnen, Daß ſich für das große Publikum darüber fchreiben und ſprechen lieffe. ‚Allein ich glaube, daß ſelbſt dieſes Unter⸗ nehmen nicht allen ſondern nur wenigen Menſchen fromme, die nur weniger Flugerzelge bedürfen, um dieſe Wahrhei⸗ ten ſelbſt zu entdecken. Die uͤbrigen wuͤrden nur theils mit einer nicht verdienten Verachtung gegen ſie, thells . mit einem eitlen Dünfel erfuͤllt werden, als hätten fie, wer weiß was Großes arfunden"), Diefe und Ähnliche Aeuſſerungen, welche in dem zwel⸗ ten und fiebenten Briefe vorfommen, besichen fich auf eine fpecielle Begebenheit, die Plato fehr zu Herzen nahm. Dee König von Syrakus, Dionyfius der zweite, hatte nehms lich in einer Schrift einige philoſophiſche Lehrſaͤtze als feine eignen Entdeckungen befannt gemacht, die Plato nicht bes kannt gemacht haben wollte. Es Eonnte nicht fehlen, daß manche Männer, die Platons Freundſchaft genoſſen, Dies fen gelehrten Diebftahl entdecken mußten, und auch alle übrigen, die mußten, In welchen Verhaͤltniſſen Plato und Dionyſius geftanden hatten,” konnten leicht die Duelle ertas _ then, aus welcher der koͤnigliche Schriftſteller geſchoͤpft hatte. Wir wiſſen nicht beſtimmt, welche Lehrſoͤtze dag waren, welche wider des Philoſophen Willen bekannt ges macht Wurden; wie wiſſen nicht genau alle Verhaͤltniſſe; aber es läßt ſich lelcht denken, daß Plato mancherlel und wichtige Urſachen haben konnte, damit unzufrieden zu ſeyn. Man dene ih tur, daß fie Bezlehung auf gemiffe herr⸗ ſchende Vorſtellungsarten, die Vollsreligion u. m. be trafen, (welches wohl nicht * fon fonnte, wenn ſie / wie Plato fagt, die we Und ung& mn: Du- cswg alfo feine, Mei N seginftande hatt ten) Ä u . ©. 129. 130: em ar, In Pplatons Echften und Pfilofopfle. 207 . fen) und man wird Teiche begreifen Fötnen, daß es nach dem damaligen Grad der Culture, nach den dantaligen po— litiſchen und ſchriftſtelleriſchen Verhaͤltniſſen des Schrift⸗ ſtellers nicht rathſam ſeyn konnte, mit ſolcher Freihelt ſeine Gedanken zu aͤuſſern, als es jetzt in manchen Laͤndern Eu⸗ ropas möglich iſt. Ueber dieſen Gegenſtand erklaͤrt ſich Plato ausführlicher in einer Stelle des Phaͤdrus, die in Ruͤckſicht auf feine Denfart, und fein Urtheil über Edrifte ftellerei zu merlwuͤrdig ift, als daß mir fie, ihrer Länge‘ un⸗ geachtet, richt ganz herſetzen ſollten 10). Sokrates. Doc [genug, vom der Theorie der Bered⸗ famfeit. Nun aber haben mir noch etwas über die Schlicklichkelt und Unſchicklichkeit der Schriftftelferei zu fas gen, inwiefern fie zweckmaͤſſg oder unzweckmaͤſſig iſt. Nicht wahr? | | Phaͤdrus. Ya, — Sokrat. Weißt du, wie man auf eine are Geige Weiſe Über Gegenfiände ſchreiben muß ? Ph. Nein. Aber Du vielleicht? S ofrat. Eine Sage unſerer Vorfahren kann ich di darüber mittheilen; die Wahrheit ſelbſt aber mochte ih⸗ “nen vielleicht nicht unbekannt ſeyn. Nun fag mir, wuͤr⸗ den wir wohl etwas nad den Meinuhgen fragen, wenn wir die Weisheit ſelbſt entdecken koͤnnten? * Die Frage iſt keiner Antwort werth. Indeſſen er⸗ zaͤhl mir immer, was Du gehoͤrt haſt. e Die Sage iſt alſo dieſe. In alten Zelten ſoll in Aegypten um die Gegend von Naukratis ein Daͤmon, mit Namen Theut geweſen ſeyn, deſſen geheiligter Vogel Ibis genennt wurde, und der, mie man fügt, zuerſt die Zahlen, das Nechnen, die Geometrie, Aſtro⸗ nomie, das Brets und Wuͤrfelſpiel und vorzüglich auch die Buchſtaben erfunden hatte, Damals herrſchte über ganz Aegypten der König Thamus, der In der Stadt Theben reſidirte, und von den Griechen Gott Ammon 9 x 16) Plato Phaedrus 10,9. ©, 379.399, Y > 4 208 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. genennt wird. Zu dieſem kam Theut, zeigte ihm. die erfun⸗ denen Kuͤnſte, und behauptete, fie müßten allen Aegyptiern mitgetheilt werden. Dev König wollte wiſſen, melden Nu⸗ tzen jede derſelben habe, und, als Theut denſelben ausein⸗ ander ſetzte, lobte und tadelte er, was ihm richtig oder unrichtig geſagt ſchien. Als ſie an die Buchſtaben ka⸗ men, — denn es wuͤrde zu weitlaͤuſtig ſeyn, alle Ein⸗ wendungen zu wiederholen, welche der Koͤnig dem — ‚bei jeder einzelnen Kunſt machte — fo ſagte Theut: Aber dieſe Erfindung wird gewiß die Aeghptier weiſer machen, und dag Behalten. des Gelernten befoͤr⸗ dern. Denn nun iſt eine Univerſalmediein fuͤr das Ge⸗ daͤchtniß und die Denffraft erfunden. Mein lieber: ers finderiſcher Theut, antwortete der Koͤnig, es iſt nicht die Sache eines und deſſelben Mannes, Künfte zu ers finden, und den Schaden oder Augen zu beurtheilen, ‚ welchen ihre Anwendung herporbringen kann. - Davon giebft du ein Beifpiel, - Aus Vorliebe für. deine Erfins . dung der Buchſtaben, fhreibft du ihnen eine Wirkung zu, die fie nicht haben’ fünnen, . Denn. fie werden Vers anlaſſung zur Vernachlaͤſſiaung des Gedächtniffes giben, und die Vergeklichleit befördern, Indem nun jeder. in ‚Vertrauen auf die Schrift ſich von Auffern Zeichen wird erinnern laffen, ohne die Erinnerungsfraft feiner Seele ja üben. : Deine Erfintung kommt alfo nicht dem Ges daͤchtniſſe, fondern der Wiedererinnerung zu Hülfe. Ferner verfchafflt vu den Schülern dadurch nicht wahre Weishelt, ſondern nur den Schein derſelben. Denn nun werden fie vielerlel ohne gruͤndliche Belehtung leſen, und bei aller Unwiſſenhelt vor dem großen Haufen den Schein von Vielwiſſern erlangen, und im Umgange vor Duͤnkel unertraͤglich ſeyn. Kurz ſie werden nicht Weiſe ſondern Scheinweiſe werden. er Phaͤdrus. Wie es fcheint, fo macht es Die, Sokrates, wenig Mühe, aus Aegypten, und aus welchen Lande Du nur willft, Mythen zu erdichten, A —— So— * \ Platons Schriften und Philofophie. - 209 Sokrates. Die Prieſter des Juplterstempels zu Dos. dona behaupten, die erſten toahrfagenden Stimmen | _ wären aus einer Eiche hervorgefommen. Die Menſchen der damaligen Zeit, Die freilich nicht fo flug waren, als die aus unferm Zeitalter, maren in der Einfalt ihreg Herzens zufrieden , die Eichen und Felfen anzuhören, wenn fie ihnen nur Die Wahrheit fogten, Dir ift es aber vielleicht nicht gleichgültig, mer etwas fagt, und aus weichen Lande er ift, weil du nicht bloß darnach fragſt, ob es ‘gegründet oder ungegründer If. Phaͤdrus. Dein Verweis ift gerecht. Ich flimme dem Thbebaner in Anfehung der Schreibefunft bei. Sokrates. Der ik alfo doc) wohl fehr einfältig,, der ſich einbildet, eine Wiſſenſchaft fönne In den todten Buchſtaben miedergelegt, und mit Beſtimmtheit und. Deutlichkeit aus denfelben erlernet werden; er hat den Ausſpruch des Ammon nicht gefaßt, wenn er die gen fhriebenen Worte noch für etwas auders ‚Hält, als ein, - bloßes Mittel, wodurch. derjenige „, der Kenneniffe ſchon beſitzt, fich dieſelben wieder ins Gedaͤchtniß zuruͤckrufen kann. Phaͤdrus. Das iſt wohl wahr. Sokrates. Denn die Schrift hat gleich der Malerel, etwas Sonderbares an ſich. Die Kinder der legten fiehen zwar als lebendige Wefen da, fragt man fie aber etwas, ſo ſchweigen fie feierlich. So ift es auch mit den gefchriebenen Worten, Man follte denken, fie fprächen mit ung verftändig; thus man aber zu feiner Belehrung Fragen. on fie, um den eigentlichen Sinn des Gefagfen zu erfahren, fo geben fie eipig nur den—⸗ ſelben Laut von ih, Sind die Gedanken einmal nie dergeſchrieben, fo durchlaufen fie alle Klaſſen des, Pu⸗ blicums, fo wohl deg perfiändigen als des unverſtaͤndi⸗ gen, dem fie gar nicht mitgetheilt werden ſollen. Die Schriftſprache perſtehet nicht, für men fie ſprechen oder. nicht fprechen fol. Der Sinn, der in den Morten Kennemmannd Geſchichte der Philoſophie II. Thl. O llegt, 210 Zweites Hauptſtuͤck. Sechster Abfchnier. | liegt, wird ohne feine Echuld werdrehet und gemißhan⸗ delt, er kann ſich nicht felbfi Helfen, nicht vertheldigen, und bedarf immer den Beiftand feines Vaters, Phaͤdrus. Das iſt unftreitig wahr. Sokrates. Nun laß ung aber noch eine andere Schrift kennen lernen, die mit jener verfchmiftert, und allein von Achter Geburt if, und fehen, mie. fie entfleht, und tie viel vortreflicher und Eraftvoller fie alg jene iſt. Phaͤdrus. Welche Schrift ift das? und mie ent ſteht fie? Sokrates. Diejenige, welche durch Wiſſenſchaft in I die Seele des Denkenden gefchrieben wird, die fich felbft zu verteidigen, zu reden und zu ſchweigen weiß, wenn und wo ſie ſoll. Phaͤdrus. Du ſprachſt da wohl von dem lebendigen und beſeelten Wort des Wiſſenden, deſſen Schattenbild man das geſchriebene Wort mit Recht nennen koͤnnte. Sokrates. Ganz Recht. Nun ſage mir: wuͤrde wohl ein verſtaͤndiger Landbebauer den Saamen, wenn er Fruͤchte von ihm einzuaͤrndten wünfchte, des Sommers in den Gaͤrten des Adonis beſtellen, und ſich freuen, daß er in acht Tagen ſchon gruͤne; oder wuͤrde er das vielmehr nur zum Spaße und um des Adonisfeſtes Wil⸗ len thun? Wäre es ihm aber um feinen Feldbau ein Ernft, fo mürde er doch wohl nach den Megeln der Landwirthſchaft den Saamen in den gehörigen Boden beftatten, und ſehr froh feyn, went er nur in dem achten Monate die Früchte feines Zleiffes einärndtete?. P haͤdrus. Gemiß, das Letzte wird er zu feinem Nuten, jenes aber zu andern Abfichten thun. Sofrates. Und der Mann, der die Wiffenfchaft von dem Gerechten, Schönen und Guten bat, follte weni⸗ ger Sorgfalt auf feine Ausſaat menden als der Land» mann ? Phaͤdrus. Gemiß nicht. Sıfrar Platons Schriften und Philoſophie. 211 Sokrates. So wird er dieſe Wahrheiten nicht vermlt⸗ telſt der Dinte und Feder in Worte niederlegen, und fie gleichſam auf einen waͤſſrigen Boden ausſtreuen. Denn ex fann fie weder vollfommen ausdrücken, noch ihnen durch Worte nachhelfen. Phaͤdrus. Das kann er nach aller Wahrſcheinlichkeit nicht. Sokrates. Alſo wird ee die Gärten. der ‚Schrift nur zu feinem Vergnügen bepflangen, und dann, wann ep. fih und andern für das Alter der Vergeffenheit einen reihen Schag zur Erinnerung angelegt bat, fi an. dem Anblick feiner zarten Pflanzungen erfreuen. Ans dere mögen in Gaftmälern' und andern Wergnügungen ſchwaͤrmen , ex fegt dieſe Geiflesunterhaltung fort- Phaͤdrus. Ein fehr edles Vergnügen. in Vergleich mit ‚jenen nichtswürdigen, welches derjenige genießt, deu über die Gerechtigkeit und. die übrigen ertwähnten Gegens fände zu feiner eignen Unterhaltung fchreiben Fann. | Gofrates. Es iſt nicht anders, Phädrus. Es giebt aber, denfe ich, eine noch weit edlere Befchäftigung mit ihnen, wenn nehmlic Jemand durch Hülfe der Logik in eine empfängliche Seele Wahrheiten mit Wiffenfchaft pflanzet, die ſich ſelbſt und ihren Pflanzen beiftehen Finnen, nicht unfruchtbar find, fondern den Keim fünf tiger Fruͤchte im ſich feloft enthalten, woraus in Men« {hen von andern Charaftern neue Sprößlinge entfichen, welche dem Stamme ewige Dauer ſichern, und ihrem Beſitzer die hoͤchſte Glückfeligkelt gewähren, ‚deren ein Menſch nur fähig if. Pbaͤdrus. Du Haft Recht, wenn Du dieſe Thätigfelt für weit edler haͤlſt. Sofrated, Nachdem wir darüber einverflanden find, fönnen mir nun entfcheiden. Phaͤdrus. Was denn? Sokrates. Was diefe ganze Betrachtung veranlaßt har, Wir wollen nehmlich Tadel uͤber die er | gabe 212 Zweites Hauptſtuͤck. Sechster Abſchnitt. gabe der Reden des Lyſias prüfen, und uͤberhaupt ber ſtimmen, welche Reden mit oder ohne Kunft gefchrieben wären. Worin nun das Kunftmäßige und das Gegen theil beftehe, ift meines Beduͤnkens (dom Dinlänglich ent . wickelt worden. ; Phaͤdrus. Mir zum wenigſtens ſchien — unterdeſſen kannſt Du ed mir immer noch einmal wiederholen. Sokrates. So lange Jemand noch nicht im Etande iſt, einen Gegenfland, über den er fchreiben oder fpres chen will, nad einem allgemein richtigen Begriff zu faſſen, hernach den Begriff bis in feine niedrigften Ars ten einzutheilen; fo lange er die allgem:ine und indivis duelle Natur des & vürhes nicht fennet, daß er, mag ſich für den indloit 1 Charafter derfelben ſchickt, bes ſtimmen, und ihm Schreibart anpaffen fann, fo . lange wird er unvermögend feyn, feinen Vortrag, er mag übrigens Belehrung oder Ueberredung zum Zweck haben, nad den Regeln der Kunft abzufaſſen. Diefes iſt im Vorhergehenden meitlaufig gezeigt worden, Phaͤdrus. Nach meiner Ueberzengung wenigſtens. Sofrated. Nun aber die Frage: ob es lobensmwürdig oder tadelswerth ſey, Über einen Gegenſtand zu ſchreiben oder zu fprechen, und unter welcher Bedingung ? follte fie nicht auch im Vorhergehenden ſchon beleuchtet feyn ? Phaͤdrus. Wie fo? Sokrates. Unſer Reſultat war dieſes. Wenn Lyſias od ein Anderer über politiſche Gegenſtaͤnde, über: die Gefeßgebung, oder fonft einen Gegenſtand gefchrieben hat, oder ſchreiben mil, und dabei zu viel auf die Beſtimmtheit und Deutlichfeit des Buchſtabens rechnen, fo verdient er ohne Ruͤckſicht auf das öffentliche Urtpeil, Tadel, Denn Wahrheit und Schein, Wirklichkeit und Traum, In dein, was Gerechtigkeit, Ungerechtigfeit, | Gutes und Boͤſes betrifft, nicht unterfcheiden zu koͤn⸗ nen, ift in der That etwas Tadelngmürdigeg, wenn es auch von einem gangen Volle gelobt würde. | Mir | Platons Schriften und Philoſophie. 213 Phaͤdrus. Das kann nicht anders ſeyn. Sokrates. Wer aber von der Wahrheit — if, daß in jeder Schrift viel Unmefentlihes vorfommen muͤße, daß alle profaifchen und poetifhen Werfe, gleich “: denen Deflamationen, welche nicht auf Belehrung des Verſtandes, fondern nur auf Illuſton abzwecken, feinen fehr großen Werth Haben, mell die beften von ihnen nur zur Erinnerung der Unterrichteten dienen; daß hing gen - dem Wort, deffen Zweck Lehren und Lernen, deſſen Gegenftand das Gerechte, Sittliche und Gute iſt, und in dag Innere der Seele gefchrieben wird, allein nur Deutlichkeit, Vollkommenheit und das höchfte Antereffe eigenthuͤmlich iſt; mer für feine einzigen aͤchten Geiſtes⸗ producte diejenigen Ueberzeugungen haͤlt, die er in ſich ſelbſt gefunden, dann die Kinder und Geſchwiſter der⸗ ‚felben, die er im andern Seelen auf eine wuͤrdige Weiſe gepflanzt hat, ohne auf die Üßrigen viel zu achten, dag möchte, Phaͤdrus der Mann ſeyn ‚ der ih und Du zu werden wuͤnſchte. Ä Phaͤdrus. Mein Wunfd iſt es in der That. 2 Sofrates. Doch wir haben nun genug über diefen Ges genſtand geſcherzt. Du aber gehe hin und ſage dem Lyſias, wir waͤren an die Duelle der Mufen und Nym⸗ phen gegangen, und hätten dafelbft gewiſſe Worte ges —hoͤrt, melde ihm, dem Homer und Solon mit den att« dern Rednern, Dichtern, und polltiſchen Schrifftellern die Melfung geben, daß wenn fie mit völliger Kenmtniß ded Gegenftandes ihre Werke gefchrieben Haben, ment fie in die Kritik derfelben eingehen, und fie vertheidigen, dann aber auch fie durch ihre mündlichen Erörterungen in Schatten ftellen fünnen, fie feinen Beinamen von der Schriftſtellerklaſſe, zu welcher fie gehoͤren, ſondern einen andern von ihrem Beſtreben verdienen. Phaädtus. Was für einen Beinamen? Sotrat 8. Sie Weife zu nennen, ſcheint mic zu Hut denn diefes Prädicat kommt allein O 3 der 214 Zweites Hauptſtuͤck. Sechster Abſchnitt. der Gottheit zu. Aber der Titel eines Philoſophen, oder ein anderer diefer Art möchte wohl für fie der ſchicklichſte feyn. Phaͤdrus. Das iäßt fich hören. Sokrates. Diejenigen aber, die nichts Beſſeres und. Wuͤrdigeres haben ‚. als was fie in ihren Schriften hins terlaffen, was fie bald ſo bald anders flellen , an einane der reihen und trennen, die fannit Du mit Zug und Recht bloße Dichter, Redner und e” litiſche Schriftfieller nennen. | 1 Wenn man dieſes ganze Raiſonnement betrachtet, ſo kann man die Uebereinſtimmung deſſelben mit den oben aus feinen Briefen angeführten Urtheilen nicht verfennen, und 'g8 ergtebt fi daraus auch für. diejenigen, welche die Mechtheit der Briefe nicht annehmen, das Nefultat, daß Plato es theils für unmöglich, theils nicht einmal für Recht hielt, das ganze Spftem feiner Webergeugungen über vie wichtlgſten Gegenftände ſchriftlich mitzuteilen, und daß er gerade darin den Üharacter des philofophifhen Schriftſtellers siegt, wenn ſich das, was er fuͤrs Publicum ſchreibt, zu ſeinem innern Gedankenſyſtem, wie Schatten zu Licht verhaͤlt. So wenig dies Reſultat beim erſten Anblick voͤllig elnleuchten will und fo wenig es aus feinen angegebenen Vorderſaͤnen, folgerecht hergeleitet toerden kann, fo kann man doc nicht läugnen, daß Plato nad) feiner Anſicht und nach den damaligen Verhaͤltniſſen des Schriftitellerg, nicht ganz Unkecht hatte. Denn erftlich mußte es zu feinen ‚Zeiten, da’ die philoiophifche Sprache noch fo wenig gebils det war,. da ed ihr an Beſtimmtheit und Bentlichfeit fehlte, dem Philofophen ungleich ſchwerer werden, feine Ideen auszubrädem und vor Mißverftändniffen zu vers wahren. Zweitens. Mißverſtaͤndniſſe waren um fo | | eher Dat 215 eher zu befürchten, je neuer die Ideen — je mehr der Schriftſteller mit philoſophiſchem Geiſt die Gegenſtaͤnde von neuen Seiten faßte, oder die Urſachen der Dinge er⸗ gruͤndete, und in ſeinem Innern eine neue geiſtige Welt ſchuf, fuͤr welche die Sprache ſo wenig paſſende Ausdruͤcke darbot. In dieſem allen befand ſich aber offenbar unſer Philoſoph, ſo ſehr er auch die Sprache in ſeiner Gewalt hatte. Und wenn es ihm ſchwer wurde, ſeine Ideen ſo auszudruͤcken, daß er mit ihrer Darſtellung nicht gang unzufeieden war, wie ſchwer mußte es erft für Andere wer⸗ den, ſich in diefelben finden zu koͤnnen, und fie an dag Bekannte anzufchließen. Drittens. Der philofophifhe Schriftfieller mußte viel Öfterer als jest, auf Gegenflände treffen, morin er bey der größten Klugheit und Behutſam⸗ feit dennoch nicht vermeiden konnte, bey feinen. Zeitgenofs fen anzuftoßen. Don diefer Art maren religiöfe und polis tifhe Gegenftände, die mit jedem philofophifchen Spftem in zu nahem Zufammenhange landen, als daß fie hätten fönnen mit Stillſchweigen übergängen werden. Einen Mittelweg zu treffen, ohne der Wahrheit auf der einen Seite etwas zu vergeben, ober auf der Andern, die herr» ſchende Vorftellungsarten anzutaften,. war für jene Zeiten, wo das Recht der freien Unterfuchung in feiner Unverleis lichfeit Faum begann geahndet zu werden, ein ihivereg Problem, und der Schriftfteller, dem die Wahrheit wirk⸗ lid am Herzen lag, mußte immer befürchten, entweder der guten Sache durch feine freien Urtheile zu ſchaden, oder ſich in die größte Gefahr zu ſtuͤrzen. Viertens. Es fonnte daher für feinen philofophifchen Schriftftellee gleichgültig feyn, in welche Hände feine Schriften. fielenz «8 mußte ihm alles daran gelegen ſeyn, daß fie nur von tenen gelefen wurden, die Empfänglichfeit für die Mahr« Feit und gefunde Beurtheilungsfraft befaßen. Welcher Schriftiteller fonnte auch bei dem damaligen eingefchränftrn Publieum diefes fo — daß jeder Zufall ausgefhlofs fen blieb. \ | DA Bey. — 216 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. Bei dieſen Umſtaͤnden hlelt es Plato- für ‚dag. rath⸗ ſamſte, in feinen Schriften fein philoſophiſches Syſtem nicht im buͤndigen Zuſammenhange und von allem Fremdartigen geſondert, in das groͤßere Publleum einzuführen ‚, fondern es nur feinen geprüften Schülern befannt zu machen, Wir finden bey einigen alten Schriftftellern einige handfchriftliche Huffäge erwähnt, deren Benennung: ſchon darauf führt, "daß fie bloß für feine Schüler, nicht zur allgemeinen Mit theilung beſtimmt waren. Und ſo wenig man auch, aus leicht zu erklaͤrenden Urſachen, von ihrem Inhalte weiß, ſo wuͤßten wir doch nicht, was der Vermuthung entgegen⸗ geſetzt werden koͤnnte, daß fie fein. eigentlicheg — ſches Syſtem enthalten haben ! ) Viel⸗ 17) Ariſtoteles Phyſicor. IV. c. 2. d40 no Illarow Try UAyv ng Tav Xweav To aure Daaıv aıvoy vl ra Tıuoyw. To mp Merainmrinoy nu TÄv Kweuv läv Ko TauroV, aRoV dE TEomoV Eues TE AEyWy TO US Tarndtınovys #4 E69 TOIG KEYOMEVOIS zyPa- Dos: doymasırn. Es iſt ein Verluf für die Ges fchichte dee Phitofophie, daß eine Schrift des Arifto- teles meeı DırocoDıxs verloren gegangen iſt, in welcher er die Säge aus jener Handfchrift des Plato dargeftelle Hat: Simplicius Commentar, in Ariftotelis libr. de anima (zu J. c. 2) S. 76 regı Dirdoöcbias vuv Asyaı, Ta.TE TE ayaya aurw Ex 198 IIx&rwrog avaysypauueva SUyBaudt; , Ev wis Isoges Tas TE& Iu$uyogsiag „ai IIMC TE- yırzs weg TwV ovrwü dofns. Suidas, voe. ayadſu doymovos. ori mag TE ayade —R auyraßas Apısoreäins, Tas ayaaDas 78 IIıarwvos Öo£as Ev TaUTWELVTATTE, no Möuvnta Ta duvray- hard; Adızorenng &v To wowra mag WUXy, Ewomd- .] valwy aura ser DiaoooDras, Wielleicht gehört hies bee auch eine andere Handicheite/ welcht bloß — un⸗ . Plato. u - | 217 Viellelcht find wir ſo gluͤcklich, dle Gegenſtaͤnde im Allgemeinen zu beſtimmen, uͤber welche ſich Plato in die⸗ ſen Lehrbuͤchern fuͤr ſeine Schule, wenn wir es ſo nennen duͤr⸗ fen, verbreitete; und wenn wir auch nicht im Stande findy dieſe Philofopheme nach ihrem Inhalt und Zufammenhange, kurz den wiffenfchaftlichen Gliederbau feines Syſtems, aus dieſer Dunkelheit hervorzuziehen, fo ift e8 doch ſchon einis ger Geroinn, wenn wir wiſſen, was Plato ſeinen Schuͤ⸗ lern vorzutragen pflegte. Aus dem zweiten Briefe heilt‘ daß eine Unterſu⸗ chung über die Buaıs ve mewre einen Theil feiner ges ‚heimen Philolophie ausmachte. Diefed Erfte ift nichts anders, als das Wefen der Weſen, welches er in dem ſechs⸗ ten Buche der Republik das vollfommenfte Werfen ‚(roaya$cov) nennt. Da er ſogleich die Unterſuchung über den Brund bes Böfen in der Welt anſchließt, fo kann man daraus nicht ohne Grund fchließen, daß er über das Verhältniß der Gottheit zur Welt, und eine Art von Theodicee in ſeiner geheimen Philoſophie vortrug. An einem andern Orte nennt er als Gegenſtand derſelben die Unterſuchung über die letzten und hoͤchſten Principien dee Natur (ru ana ns Duosos). Alſo wohl ohne Zweifel ber erſte Verſuch einer Metaphyſik des Ueberfinnlichen 3), O 5 Nach⸗ lungen enthlelt, dugersers, welhe Ariſtoteles de generat, et corrupt. II, c. 3. und vielleicht de partib. animal. 1], c,2. auch felbft Plato Epiſtol. XIII. ©. 171. anfuͤhrt. | 18) Plato Epißols II. S. 69. One yap dn — 2x, Iavws amodsday day vor megl Tas Ta mew- r2.Dvcews. VII. © 130. & de u eduvero YERMTER 9 inovcog Eiyoy ręoc TG MWoRzE Rn ENT TITETE nV SMETeaRT av ymv 59 Tu Bw, N mol TE OWL MEY ODERde yerıbayı xy Tv Dusiy Eis Dws Tross Tacı Moda yayEıd ie “ ) ar 218 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. Nach dem mas Ariſtoteles und aus der geheimen Philoſo⸗ phie des Plato angefüprt hat, mußte fie aber auch eine Metaphyſik ver Natur enthalten, denn er. gedenft der Uns terſuchungen über den Raum und die Elemente M. Aber es iſt nicht wohl denkbar, daß Plato nur allein die theoretiſche Philofophie darin folte abgehandelt. Haben. Da in feinen Schriften Unterfuchungen über alle Theile der Philofophle, auch überhaupt über den Begriff der Phis Iofophie vorfommen, Betrachtungen , in welchen dag meifte fein Eigenthum tft, fo fann man ſich des Bedanfens um fo weniger erwehren, daß fie zu dem Lehrgegenftänden für feine eigentliden Schüler gehört haben, da fie in feinen Augen fo michtig find. Wahrſcheinlich ift es daher, daß diefe geheime Philoſophie ein volftändiges Syſtem der Phi⸗ Iofophie, fo meit als es Plato entwickelt hatte, nehmlich die ee praftifhe Philoſophie und bie Logik in ſich faßte ?° Dieſe ae enthält noch mehr Gemißhelt, wenn mir fomohl von Plato ald Ariſtoteles auf einige Unterſuchungen geführt werden, die mir in feinen Schriften nie vorfinden. Sch begnüge mich mit drei Beiſpielen diefer Art. In dem erften Alciblades fommt die Frage vor: was der Menfch ift, worin fein: Mes “ fen beficht? Nachdem er auf eine populäre Weiſe gezeigt hat, daß die Seele der eigentliche Menſch ift, fegt Plato hin⸗ 19) Ariſtoteles loc. cit. 20) Euſebius Pra Spark. — XI. 3. aus dem Ariſtocles. TDATGI uevro naravoyoass 5 em mix Tıc H Twy Yarwv any avdewrrivtov EIZNN, mewrog dlAs, 2y Edn, muy Ey TIva megı ng TE mavros Dussws EIvay meRYpaTaav' rev de megı TWV uyseumıyov wer de Tv mwegl was Aoyzs. neı8 ‘de un duvacIy ra uySpomivz Karidsıv nuag, es (aM va Seia meoregoV od Iem. fs Plato. | 219 hinzu: dieſer Gas könne nur dann erſt ganz vollfommen eingefehen werden, wenn die Uridee, oder das Wefen der Wefen (das deal der Vernunft) unterſucht wor⸗ den; diefe Betrachtung aber mühte Bier übergangen wer⸗ den, weil fie zu meitläuftig fey 2); — In dem vierten Buche der Kepublif wird die Unterfuchung angeftellt, ob die Gerechtigkeit eines Staats und des einzelnen Menſchen dem Weſen nach einerley iſt. Die Beantwortung diefer Frage hängt von einer andern ab, ob nehmlich in der ‚Seele drey verfchiedene Vermögen oder Kräfte, fo wie in’ dem Staate drey verfchiedene Stände find ? Dei dem Eine gange diefer Unterfuhung fagt Sokrates: diefe Unterfu- dung ſey fehr ſchwierig, und wenn er die Wahrheit fagen folle, fo könne nach der Methode, welche fie in diefen Ges fprächen gewaͤhlt Hätten, diefer Gegenftand gar nicht zur voͤlligen Evidenz gebracht werden; ein längerer und mühe famerer. Weg könne nur zu dem Ziele führen. , jene ‚Methode unterdeffen fey dem ganzen Gange der Unterges dung umd Unterfuhung angemeffen 22). Sollte, denn Pia⸗ ”2) Alcibiades 1.5.8 ©. 59. 60. 2. erı = sadszegov da amodaxIyvy wor, Orın buxn sm av$ewros; A, Ma din" am inwvws us donsı Ex,v. Z. eı de yE un angıltos, an may BETRUG eEupnes vuv. angı tus uer yap Tore msousI%s brav Evew- Mer, 0 suv dn muenAdous, dus To morAng ga ‚nsyews. A. Te rer; X. 6 vers arm mug ggenin,. Örı meWToV OnEmTEoy em auro Te auTo' vuy n ayrı TE AUTE AUTO EHUSOV ECHEK- BEIa TI sguW, 22) De republicalV. 6%, ©, 358. 359. 4 su,y 1591, w TAaunov, wi 3 eun dofn, aneıdws BEV TETO 64 TOlIETmV MEFodwry, ösaıe vuy Ev TOIs Aoyoıs xeekedas zu mors Aa 220 Zweites Hauptftück. Sechſter Abſchnitt. . Plato dieſe beſſere Methode, die er doch alſo kennen mußte, bei einem Gegenſtande, der ihn fo ſehr intereſſirte, nicht verſucht haben? ſollte er dieſen Gegenſtand nicht in ſeinem Unterrichte, wo es ihm um Bildung ſeiner Schüler zum Philofophiren zu thun feyn mußte, auf eine gründlichere Weiſe unterfucht Haben ? — Ariſtoteles fagt in feiner Erhif: ‚ Plaro habe das Problem aufgeftellt, ob man in der - Philofophle von Principien ausgehen oder auf Princtpien fort gehen müße, oder mit andern Worten, ob die analytifhe oder fontherifche . Methode zu mählen fen? 23) Da fih davon in Platons Schriften nichts findet, fo muß Ariftoteled dieſes entweder ‘aus Platons muͤndllchem Vortrage, oder aus feinem Leite faden dazu; (welches eben jene yeaæa doyuæaræ Maren) geſchopft haben. Die geheime Philoſophie/ welche fuͤr manche ſo vlel Anſtoͤſſiges hat, iſt alſo nichts anders, als eine efotes riſche, oder mit andern Worten wiſſenſchaftliche Phi⸗ loſophie, im Gegenſatz der populären. Plato bediente fich “deffelden Rechts, welches jeden Denker zufteht, von feinen Entdeckungen nur fo viel, al er für gut fand, und nur Denen mitzutheilen, welchen er Empfänglichfeit zutraute. Auch Arifivteles hatte eine efoterifche und exo— teriſche Philofophle, nur mit dem Unterſchiede, daß. ‚bei dieſen der Unterfchled bioß formal beim Plato hingegen auch zugleih material mar. Arifoteles — hielt — aa Ya, Manporsen na WASIWY 6006 Y ETLTETO nyada', I0wS uev- mol Ti) YE MEOAIEIUEIOV TE Hy MEOETREWLEVWV ugs. | 23) Arıoteles Ethicor, ad Nicomach. I. C 4 EU yapnaı HNarwv: ymoekı TaTo nu EenHTEl, FOTEROV RRO. Tor aeXwm ewı rag neXas esıv i dos. Plato. - | ‚ 221 hielt - fein Syſtem der wiſſenſchaftlichen Form wegen, Plato auch wegen gewiſſer Saͤtze nicht fuͤr allgemein > mittheilbar. Jener fegte fich mit geößerm Muthe über gewiſſe Zeitverhältniffe. hinweg, deren Einfluß diefer mit mehr Klugheit berechnet hatte, Jedoch varf man hierbei nicht vergeffen, daB Ariſtoteles gemiffermaßen unter dem Schutz eines mächtigen und gefürchteten Königs ſtand, der ihm Much einflöffen fonnte; ein großer Vortheil, deſſen Plato entbehren mußte, | Diefes Faetum iſt fir die Darftelung der Platoni- ſchen Philofophie keinesweges gleichgültig, Denn wenn er eine efoterifche Philoſophie hatte, mie nicht geleugnet wer⸗ den kann, fo dürfen mir diefe nicht in felnen noch vorhan⸗ denen Schriften ſuchen; und da diefe für ung Die einzige lautere Duelle. für_feine Philofophie find, fo müffen wir auf eine volftändige und gründliche Kenntniß feines Sys ſtems eigentlich gang Verzicht tfun. Go nachtheilig indefs fen dieſe Zolgerung für die Geſchichte der Philofophie iſt, fo eröfnet ung doch eben das Verhaͤltniß feiner efoterifchen Phlloſophie zu feinen Schriften wieder eine günftigere Ausſicht. Denn Erftens kann man mit Recht vermuthen, daß in Anſehung dee Gegenſtaͤnde feiner Philoſophie doch auch manches in feinen Schriften berührt wird, was in dem Lehrbuche meitläufiger ansgeführe worden. Zwel⸗ tens Man darf mit Grund erwarten, daß er in feinen Schriften feine andere Principien hat, ald von des nen er in feinem Lehrfyiteme ausging, daß ſelbſt auch noch Manches von der formellen Befchaffenheit feines Syſtems in die Schriften fuͤr das große Publikum mit hinüber ging, Denn «8 ift nicht möglich, daß ein Mann alles verleugnen - folte, was er duch Anwendung feiner Geiftesfräfte hex⸗ vorgebracht, und mas den Charakter feines Geifteg einmal ‚ angenommen bat. Drittend Seine Schriften ent. halten alfo wohl Theile feines Syſtoms, aber zerſtuͤckelt, auſ⸗ fer ihrem Zuſammenhange mit vielen Abſchweifungen und | . Epifoden verwebt oft mehr —— als dentlich entwi⸗ sun 222 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. delt; kurz fie entſprechen ganz der Schilderung, welche er oben in der Stelle des Phädrus von den Eigenheiten philofophifcher Schriften machte. Es ſcheint, als hätte Plato auch da, wo er Saͤtze aus feinem eigentlihen Sys ſteme eingewebt, dafür geforge, daß fie nur denen vers ſtaͤndlich wären, welche eines kleinen Fingerzeigs bedürfen, um fie felbft zu finden 2), Viertens. Es if alfo noth⸗ wendig, dieſe gerrütteten Theile in ihren Zuſammenhang wieder zu bringen, die Begriffe zu beflimmen, die Säge unter ihre Grundfäge zurückzuführen, und vor allem, fi des erften Princips feines Syſtems zu verfihern, um aus ‚ feinen Schriften fein Syſtem, fo viel ed in Ermangelung feines eignen Leitfaden geſchehen kann, darzuſtellen oder, warn diefes vielleicht noch zu viel gefodere ift. zum mes nigften doch fuchen, feine Anfihten und Gefichtspuncte, feine Grundfäge und Hauptbegriffe ven der Philofophie und ihren Theilen zu erdrtern, feine Bemühung für die Bes gründung der Philofophie und überhaupt feine Verdienſte um diefelbe ins Licht zu ſetzen. Was diefe Arbeit erleich tert, und ihr einen günftigen Fortgang verfpricht, iſt die Ueberzeugung, melde ung die bisherige Unterfuchung ge mwähret, daß Plato wirklich ein philofophifhes Syſtem Hatte, und von demfelben bier und da etwas in feinen Shriften einfließen ließ. Waͤre das nicht, fo müßte man entweder alle Hofnung fahren laffen, etwas von Platons Philoſophie zu wiſſen, oder ſich mit einer will⸗ kuͤhrlichen Anordnung und Vereinigung der zerſtreuten Saͤtze begnuͤgen. Zwei⸗ 24) Plato Epiſtola VI. ©. 130. aM’ ars am Seuroiz nyxeq TNV ATIXFIENTIV MER MUTWy, Ah Yopsıny wrMOBV. Fi en TIG : Hhınois, DWOCOS Övvar- ro⸗ axsugei auro dm mungas svdeifews- Philoſophie des Plato. 223 Zweites ee philoſopdi⸗ des Plate. Dle Eigenthuͤmlichteiten der Platoniſ hen Philo ſophle laſſen ſich theils aus den Eigenheiten ſeines Geiſtes, theils aus der Cultur feiner Geiſtesfaͤhigkelten, theils endlich aus der Anſicht der bisherigen philoſophiſchen Syſtemen, und der Betrachtung des Zuſtandes der Menſchheit in den damaligen Zeiten erklaͤren. Wenn man ſich einen Mann von dem Einbildungs s und Didytungsvermögen, als Plato wirklich befaß, in Verbindung mit einem noch hoͤhern Grade von Denkkraft denfet; wenn man ſich vors flelet, wie alle die Talente, womit ihn die Natur aus⸗ geftattet hatte, thells durch eigne Uebung, theils durch andere gluͤckliche Umftände und Verbindungen mit den mehreften Denfern feiner. Zeit entwickelt und cultivirt wer⸗ den mußten, fo hat man den Schluͤſſel zu der Philoſophie diefed Mannes, und kann fih von der Thätigfeit und Richtung feines philoſophiſchen Geiftes, im Beziehung auf die Lage der Menſchheit und den Zuftand der Erziehung, Religion, Staatsfunft und Philoſophie in jenen Zeiten, die befriedigenfie NMechenfchaft geben Wir Haben von den beiden erſten ſchon oben gehandelt, «8 bleibt ung hler alfo nichts übrig, als die beiden legten Gegenftände in Betrach⸗ tung zu ziehen, Das Zeitalter, in welchem Piato lebte, bot dem menfchenfreundlichen Beobachter ein trauriges Gemälde dar, In den meiften griechifchen Staaten berrfchte Verwirrung und Anarchie, Unruhen und buͤrgerliche Kriege. Der größte Reichthum neben der niedrigften Armuth , die höchfte Schmelgerei neben dem Aufßerfien Mangel, ein Hafchen nach zügellofer Freiheit neben. dem übertriebenften Deſpotis⸗ mus, Cultur und. Verfeinerung ohne Aufflärung . jr en * 224 Zweltes Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. Andeitige Ausbildung des Verſtandes one. moraliiche Def ferung, Geſetze ohne Wirffamfeit, oder Willkuͤhr ohne Ges ſetze; ‚dies waren die twiderftreitenden Züge, aus melden * dag Gemälde ded Ganzen zufammengefegt war. Die Er⸗ ziehung mar fehlerhaft ; in den höhern Ständen wurde die Erreihung politifher Abſichten zu ihren Zwecke gemacht, in den niedern fie ganz vernachläſſiget. Aberglaube und Unglaube war der herrfchende Geift in der Religion; die Sitten im Verfalle; die Staaten glichen alten Gebaͤuden, welche jeder Sturm zuſammen zu ſtuͤrzen drohte. Neber⸗ haupt aber zeichnete ſich der Geiſt der Zeit durch ein un⸗ ruhiges Streben, Schwanken von einem Extrem zum ans‘ dern, in allen Verhäteniffen aus. Hier blinde Anhänglichfeit an dem Alten, dort übertriebene Neuerungsſucht; hier dumpfe Gedankenloſigkeit, dort Freigelſterei; hier Sitten⸗ einfalt, dort Sittenloſigkeit. Denn der menſchliche Geiſt fing nach und nach an, die Feſſeln zu zerbrechen, welche Gewohnheit, blinde Verehrung des Alterthums und Die Politik geſchmledet haften. Die gewöhnlichen Gründe feir fer Uebergeugungen, anf bloße Antorität geflügt, befriedige ten nicht mehr; feine andere waren vorhanden, melde Beruhigung gewaͤhren fonnten. Die Borftellungsarten, die Kegeln und Vorſchriften, melde das Alerthum geheiliget Hatte, wurden nad) und nad) verworfen. Meliglöfe Mel⸗ fingen, Gebräuche und Inſtitute, Öffentliche Einrichtun⸗ ‚gen, Gelege, Vaterland, fur; alles, mas ehedem in dem ehrwuͤrdigſten Anfehen geflanden hatte, wurde jetzt ein Gegenftond der Gleichgültigkeit und der Verachtung. In dem erſten uͤberraſchenden Gefuͤhl der Freiheit, duͤnkte fi) der menſchliche Geiſt von aller Abhaͤngigkeit befreiet, und damit ihm nichts wieder ohne Grund aufgedrungen mürde, glaubte er gar nichts Alle Sittenvorſchriften erſchienen als millfürliche Anordnungen, welche in der bürgerlichen‘ Geſellſchaft entfianden und duech ſie fancrios nirt waͤren; als Maasregeln dee Sicherheit, welche bie Pontjt des Unmaͤchtigen erfunden habe. Netelich, daß ever, phyiloſophie des Plato © F 225 Jeder «x der. einmal ſo dachte, ſich von der Verbindliche aller Geſetze, die nicht. bar äußere größere Macht gergüge waren, log ſagte. — ; - Zn. dem. Mangel ‚einer gruͤudlichen Srtenatnih PR — Pflichten und Rechten, und den daraus entſtehenden falſchen Maximen findet Plato die Urſache aller Uebel, un⸗ ter welchen das menſchliche Geſchlecht leidet, und er war uͤberzeugt -Daß- die ſenicht eherraufhoͤren wuͤr⸗ den, bis durch die Philoſophie das ſittliche und rechtliche Verhalten der Einzelnen und der Staaten erortert worden, oder bis die hoͤch ſſte politiſche Gewalt in die Haͤnde ur 1er-Bhilofopben fommea:. 5: Eine Philofopbie,. welche das Ieiften sum, fehlen ihm noch nicht vorhanden zu ſeyn. Dies fuͤhrt uns auf die zweyte Betrachtung, die Anſicht Des. Plato von der Verſuchen, welche die philoſophirende Vernunft big auf ihn genacht hatte. Die Urtheile des Pato über die aͤltern Syſteme der Denker, geben uns am beſten zu er⸗ kennen, was er an ihnen vermißte, ton welcher Seite er . fr e en * — — und dieſes muß Ka ne 1J ſel⸗ 5 Epikola Yih, ©. 96. a ra ze How. — decruuara u 69m dusDIergero. ng ersöide Hau: orov oͤgoy = MENEUTIEUTE Ö8 vonaey weg Maotv Toy 2 Wun rroeEcoy Afı ans Fummrase MONITELONTE = AR TR TE WVEYRREIMY arayvoy Tv. oeInv Dirswodıun, WE ERTRUTHEHETT TE MORITERE, Handy may og TON HÖRTEN MANTERUTIÄN. Mantov.ay #. Arkeny Tre Iwan yayn, me av np rwv Dircbodevrwr nos Br 27 26,7 277,7 ah FG YEVOS.AIE aOXas EFT Tas org Tina 9 TO Tv duugs SEUWTWV Ey Ti Tegtuu⸗ eg rnoc Molpas Deszz cvrws Dirorodyayn De Republ; - V. u 58 53. VI. © 76. 77» ßeq. 7,3 | — Ben — der Bilafopbi it, — P \ 226 Zweites Hauptſidc. Sechſter Abſchnitt. feinen. eignen Geſichtspunkt und feinen‘ Begriff von der Phlloſophie, was fie iſt und leiten fol, ing Licht fegem Don dieſer Seite läßt ſich vielleicht am erften ein verſtohlner Blick In das Innere feiner Philoſophie thun, und. eg fann - zugleich zum Maasitabe der Fortſchritte der: Vernunft in der wiſſenſchaftlichen Bearbeitung der Philvſophie dienen. Da Plato eigentlich von dem, woran der Menſchheit am meiſten liegt, einer gruͤndlichen Erkenntniß des. hoͤchſten Zweckes des Menſchen/ Sittlichkeit und Gluͤckſeligkeit, oder deut praktiſchen Intereſſe zu dem theoretiſchen und wiſſen⸗ ſchaftlichen Überhaupt fortgieng, ſo wollen mir auch in dieſer Ordnung feine Urtheile uͤber die praktiſche und theo⸗ retiſche Philofophie bis auf feine Zeit betrachten. Diefe find aber meiftentheild mit einer Cenfur der damals gewoͤhnli⸗ chen Vörftelungsarten fo Innig verwebt, daß fie nicht wohl getrennt werden können; und es bleibt uns daher nichts übrig, als das Urtheil über die Sokratiſche Philoſophie, welches wir-In dem Fragment des von einlgen für ande ymatıenen Geſpraͤchs, Klitophon, lefen. Ar Sokrates, heißt es in diefem Dialog, berbient alles Lob, daß er die Menfchen ur Tugend und Bildung ihres Geiftes fo fräftig ermuntert; er weiß diefe Pflicht fo kraͤftig und eindringlich vorzuftellen, daß es ihm Niemand gleich thin fan” Hat er aber einen Menſchen ſo tweit gewonnen, daß er den Vorſatz faßt, den Weg zur Tu⸗ gend zu betreten, ſo entzieht ex ihm auf einmal alle fernere Unterſtuͤtzung. Denn die Hauptſache tft mun doch ,. zu wiſſen, mag Tugend und Sittlichkeit if; wor⸗ in ihr Wefen und Wirfen beſteht? Eine Frage, welche Sokrates nebſt ſeinen Vertrauten/ enimeder gar nicht, oder bald auf dieſe, bald auf jene Weiſe beantwor⸗ tet, ohne, Daß man daraus In: feiner Einficht - einen Schritt weiter fommt, und man muß daraus fehließen, dab Sofrategd entweder von der Tugend nichts weiter zu fagen weiß, als fie fey des Lobes und Beſtrebens würdig, ober le | — lich Philoſophie des Platfo — 287 Hrn Kenntniß nicht mittheflen wolle). "Soträtes war alfo dem’ Plato noch micht weit · genug in Entwi⸗ ckelung dieſer Begriffe gegangen; dieier Bermißte as Wiſſen⸗ “fehaftliche in der Bearbeitung derſelbenn, (dıdayuz) welches ſelbſt noch in der Anwendutng auf das Praktiſche erfodert wird, Dieſem Mangel ſucht er in feinem Werke von der Repu⸗ blik abzuhelfen, welches ſich vorzuͤglich mit der Frage be⸗ ſchaͤfttiget: was en? Sitt lichk ent (dmascovum) umd welden Einfluß Hat: fie auf den Menfhen? Welches if Ihe eigenthämliches Wirken? Denn ſo lange: dieſes noch nicht entdeckt iſt, muͤſſen alle moraliſche Begriffe unbeſtimmt "und ſchwankend ſeyn and bleiben, und ſelhſt der Weg, wie man ſittlich wer⸗ Sen koͤnne, kann micht entwickelt werden. Dieſe Auſicht eröfnete dem Plato sein weites Feld der Unterſuchung: 2b)denn er mußte nicht nur dic Ver⸗ 2) Clitophon. rı. B. ©. 282. 283. ne du di- ‚en ., HMYOTUVAE WORUTWS TO Ev \dınyas Es Molsv — To — d ETSeoV, 6. duveroy roteuu AMY SeyYov ö Imoros, Ti 7Tærto Dapsvı eımEs 8T0g MEY, Ws u, To auude- gay amsApıvarg" arg .ds To. dsor Srepos de, To wDs- EFT Aumov' 0. da-To’AusırErEV. ‚emaryem-dn SW Asywy, A STORE, RONeImE ıyE DVOUNTE TUT. Esıy &V Enxy Tun rexveor, obſuc TTTIe, AUSITEREDTa, WDeriue, —— am“ TA- TravTra. ad“ meos ö, ri Tavuræa aur rTerre⸗, Epen mo ν Enns menvns ion a Ten Ar Tovmn,, TO-SU,nt0.naA0R, To Ösorrwgnt se Fa Eur- vu Dyads ang vächysardn Eng Ten. As VEN On ng To Tas Binmmsurng drang... =" ee = RN — —F varRAll 35 sb) Eulebius Praeparatio Evangelica "XL. ©. 5. aus dem Arifiocles. .eDiMocodros ds Irarwv, eı noy Ts wos TWy RWTOTE , YUngitws noy ronecos. di ur Yap ame Dank, Dugiokayavris iere⸗ * I / ang. Zweites Samt. Sxöfin Abſchnitt. nunftbegriffe von dem, was But PR Recht und ſittlich iſt, entwickeln, ſondern auch das Weſen der Vernunft, in wel⸗ chem ſie gegruͤndet ſind, und die Natur des menſchlichen Gemuͤths, welches die Sphäre der Wirkſamkeit der Ver⸗ nunft if, unterſuchen 3). So wie nun in dem Prakti⸗ ſchen ſein Unterſuchungsgeiſt ſich noch weiter ausbreitete, fo konnte er andy nicht die Einſchraͤnkung billigen, welche Sokrates des Misbrauches wegen dem menſchlichen Geiſte in dem theoretiſchen Felde ſetzen wollte. Er erkannte das Recht der Vernunft alles zu unterſuchen, was ein Gegen⸗ ſtand des Wiſſens iſt, und weit entfernt von den Nachfor⸗ ſchungen über die Natur und ihre Geſetze, welche Sokea⸗ tes aus irrigen religidfen Begriffen (2. Hauptſt. 1. Abſchn. ©. 45.) für frevelhaft hielt, irgend einen Nachtheil für ‚die religidfe Denfart zu befürchten, glaubte er vielmehr, daß diefe Durch: jene, fo wie Überhaupt durch den — „der. Vernunft befoͤrdert werde *), Was “ Ascavt di de 2,77 Tlu9ayogav ——— ravra EsvoDdauns ds, u 61 am. Enew&, TE; Spisinas Kıyye cavrec Aoyas, moAuy usv svaßanrov uyyer tois Di- R000Dors, = uw Smopisay ya viva Border. ug, usa Ös,noy Eingarng, auto dn TörEyouEVOV, 6 8- nt VETO MVE Smı Muegı, naganse duros Mα- uov eudussaro; Yap wy any deivog afropnaoy ser ravroc ÜTBEV, EMICHWEYHE Tas TE ySinae x moRi« Tinas ansperz, 5rı ds Tv me Twy idewv Mewros smiXeneus ogılssdoy‘ mayrads Eyergwv Aoyov, nu weg mayrav Intav, SDIN TEASUTNTAG" — 3) Ariſtotéeles Ethica magna L“c. a. usra raura ds Inarov desto, ray Luxaw es, Ts Toro 09 exoi nu 815 To aAdyov —R a4 — inast upETog mRoREnaG, — 9 Plato de Legibus vi. 8. B. ©. 387. roy peyısov Hsov nay ον Toy nosuoy Dausy 878. (nrer philoſophie des Plate ° 229 Was die ſpekulative Philoſopheme Betrift, fo finden wir auſſer einigen Bemerkungen uͤber einzelne Syſteme noch Andere; welche zeigen, daß er ſich ſchon zu einem höhern Standpuncte erhoben hatte, aus welchem er fie nach allges meinen Gefihtspuncten elaffificiten und betrachten fonnte. Jedes philofophifche Syſtem ift ein Verfuch, das reale ‘ Werfen der Dinge (ro 0») zu erflären. Aus diefem Geſichtspuncte theilen fie fid in Materialismuß und Spiritualismus. 2 u Die Marerialiften befchränfen alle Kealis tät auf das Körperliche; fie behanpten, nur das fey etwas, was ſich betaften und befühlen käßt. Won etwas Nicheniaterielen wollen fie nichts bören, "und verlachen alle, die noch auffer Körpern etwas Reales annehmen °). Nun aber müffen fie doch zugeben, daß es lebendige Wefen giebt und daß die. Seele etwas iſt. Sie föhinen ferner nicht leugnen, daß es gerechte und ums gerechte Menfchen giebt; daß wir bei jenen DIE Gerechtlg⸗ keit als Tugend, und bei diefen den Mangel derfelben find den. Das, was aber da und nicht da feyn . Fann, muß doc allerdings etwas ſeyn. Es fragt ſich nun, ob fle, Gerechtigkeit, Weisheit, und bbes Haupt jede Tugend,- und deren Gegentheil, ob fie die Seele, in welcher dieſes allein ale Beſtimmungen vorhanden ſeyn kann, für etwas ſinnliches und betaſtbares, m ——— —P 3 oder Gew, ære MOAUmeRyWoVeV Tas oyride socuvovrag, =, ag »8° öcıov way. To Ss sone ray, TæTæ T’ ayaye Tor YEyYOREVoV, oda av yet 65) Plato Sophifa 3,9, S. 259: u mv arg yw - 6 z0ave uoy re FOGLTE ravræ ERHETL, TOYS XEREIm Arexves mergns Hay deus megihaußavorres. Tv yar TaaTar EDanrrouevo mavTon, dugxugigovrag 7r0 Bıvası ovov Ö magsxes weosdorn na EWa- Om Twa, TaUToy Gwiaa Hay 3C1RV seılomErOl. 239 Zweites Hauptftüd. Sechſter Abſchnitt. oder, alles dieſes fuͤr unfinnliqh halten? Oder ob fie annehmen, daß etwas von dieſen Aecidenz des Koͤrpers # ſey ? Dieſes behanpten ſie wirklich von der Seele. Aber ſie wagen es weder die Realitaͤt der Weispeit und der andern Zugenden su leugnen, noch fie. für eiwas Korperliches zu halten. Sie müffen alſo nothwendig einlenken / und ihren Marerialiomus einſchraͤnken, und «8 iſt (don. Gewinn, wenn ſie nur zu dem Geſtaͤndniß gebracht werden, daß es etwas Unkorperliches giebt 9): Aber nun., müffen - fie doch ein allgemeines Merkmal angeben, nad: welchem fe ſowohl dem. teren als dem Immateriellen Realitaͤt beilegen; und fie fönnen feines ‚angeben, als das Vers mögen zu wirfen und. zu leiden, Mag. ein Vers Materielles BR * mögen hat irgend .etiwag zu wirken, oder von irgend ei⸗ nem andern zu irgend, ‚einer Zeit zu. leiden, das muß wirk⸗ fh vorhanden kön und Realität. Haben, Und man: kann alſo ſagen, daß alles Wirkliche nichts anders ifi, als Kraft und Dazmndeen— weiße ‚ni 6) Blato Sophiße &. u Bug &V lee 1 „un 104 Deovnagog- noy Tns ang gern; x Toy PIE: ravy, m Inmaa Wuxassı en M Tour eyyıyuaraa, WOTER, oᷣexn roy “ou afrev: evog. Dacı TA ET ATTEe 2) WavTa a0paTa — aXsdoy adv TaTwv Ye Öguroy — vi Ss’, TV TOIRTWV UV SOME TI REYEOIW ICKI. — - TETO BHETI.HATR TAYT BTEOKEIVOvTey may: a Tv uw aurav done Pic TOUaTH ngurn gap: Deo« ” ya IE noy Twv uımv Eragoy cv HELATNAGE 1 a4 KU" yovrau TO TOAUD 7 undEy Twv ovrwv auTa ÖMoAOye, .Y.TayT' eioy GWMaT“ Sigxungessu. 411 * Pla {a Sopbifa "8, 60. 1090 —8* “on. oron ıavav Tiya HEnTnREYoV doreug FATE 15. 70 won. ers · eor oͤrier e Pinoc, TE EIG TO raν yal-dingo- x Ti, Ye TE“ wre & ar ‘ Philoſephi⸗ des Blasen ©: BE BEE _ "Die Gegner von diefen, bie Spiritualifien.(d, run ss Dixon) ſtreiten mit:Waffen aus der Höhern Region des Unfinnlichen gegen Die Materlaliften, und behaupten, daß das Reale nur etwas Denkbares, Unkörperliches ſey. Die Koͤrper, welche jeuen das einzige Objektive find; hal⸗ ten fie bios für ein wandelbares Spiel vom Veränderungen, für. ein bloßes Werden; (und für einen bloßen -Scheln)s Das Renle.ift- Ihnen das Unveränderlihe, das Werden dad: Veränderk Hide Mit dem Körper fihen wir durd die ‚Sinne mit. dem Werden (dem. Empirifhen)« mit der. Seele durch das Denfen. mit dem Senn (dem Int ellectuel len) in Gemeinſchaft. Daß Kauſalverhältniß, die Moͤglichkeit des. Wirkens und Leidens findet nur bei dem Empiriſchen, nicht bei dem reinen Seyn ſtatt 8). —Allein nothwendig muͤſſen ſie doch eingeſtehen, daß die Seele erkenne⸗ und die Realitaͤt erkannt werden Da dad Era ‚Sonnen: eine Thaͤtigkert if, welcher von Seifen des Gegenftandes' der: Erkenntniß notwendig . cr Leidien,. das Erkanntwerden, emtfprechen. muß; und das Reale, infofern e8 erkannt wird, geroiffermaßien eine Veränderung leidet , welches ihren Vorausſetzung wi⸗ rærov imo DavAorarz, nuv er uovon sam ,. mar >. FETO ovrog wa TIIEuL yap.ögoy Hgulew Ta OVT“ cab Bgm an ud Tr map Quvapus: — de‘ — —— Ve. ©; 6 er wuny — 6 Plato Sophättz: 6. 259, 263. 264. romee · and mrgoG ayräs uudinEarTes war“ euraßng aveo- wu Bere aoarEmohsV AmuvoyTra, vor Ta KTTa Hau v atwnera dr Binkousso mn arndenv xcusv euvo⸗ wu ds EnEwwv GWurTz no Tν AEyolEpry Um auTay rede ara wumen dındexuovres 69 Tor Aoyag Veytouv aut’ sang Degopsıny TE MEDSRYOgsVECH. 232 Zweites Heubeſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. derſpricht / ſo koͤnnen fie dieſes Verhaͤltniß zwiſchen belden nicht annehmen 9%). Aber auf der andern Seite laͤßt ſich Seele und Vernunft wohl ohne: Leben und Denken, und dleſes ohne: Vetaͤnderung denfen?.. Hieraus folgt alſo⸗ daß Veraänderung Guvgeis)amd "erwag Weränd Bertcd: als Kid Wirtrch es ugegeben werden Eur 49, —— Einige Denter — es giebt aus ein eingiges reales Wefen, andere nehmen eine Mehrheit der Dinge any und noch andere verbiuden die erſte und zweite Hypotheſe mit einander, und fügen, das Reale fey Eins. und Vieles, und ed werde duch Fre BR ‚und Sein BIN alten 3.3.1; ‚ö Plato legt ‘denen, die: das — — und #* ®. behaupten, es gebe zwei reale Dinge, folgende Fragen vorz'- Was iſt das reale Seyn (sıyar) wel⸗ ches ihr den. zweien ( z. B. dem Kalten und Warmen) beis ſegt? Iſt es noch etwas drittes anffer den zweien 2: dag würde aber:gegen eure Vorausſetzung ſtreiten. Oder nennt iſe das Eine bon den a das ‚Reale? Dann Fönnt —X * — "9 Sophia 6. — 265. ag To yıyvwaraıy, emse BF Toicv Ti, TO YIyVWEHoMEvoV avaynoyov au Fuuy- yo WACKEN, TYV EUIRV. ÖN RATE TOV Aayov waroy FT YRWVWErDuEUNN DTOTTNE YWTEIGE RAIOTOy YıyUwgus- rau, Kara Toserav.uwecdg, din To Marx". d dn Duysy zu av ysvastay mag To Yesuayı ©: fi * Sophifta $. 263. Aa dnra var weuri Anm \ may urn aıyarov. WEITE To ‚magumay, aunluxov ON ON ER MENT EMOLYE- UNO ya T&UT" ervay Pay vsrou · wine — * ka —R — FEou wg OUT: rs ae a 4 37 8 ⸗252. 288. — [2 21 > Pfilofopfie Dee Plate; > a ihr nicht von beiden auf gleiche Weiſe das Seyn ausſagen, und es wäre nur Eins nicht Zwei. Sollen ader die Zwei nach euren Meinung das Reale ſeyn, ſo werden beide wie⸗ der unter-ein gemeinſchaftliches Merkmal vereiniget, und 16 giedt nicht zwei fondern Ein Reales 12): 1 Diejenigen, welde-nur-Ein Reales annehmen, muͤſſen ſich erklaͤten, was fie unter dem Realen verſtehen. Iſt ihnen etwa Realitaͤt und Einheit ein und daſſelbe, daß ſie mit zwei Worten ein und daſſelbe aus⸗ drücken? Allein es iſt ungereimt, zwei Worte von einer und derſelben Sache zu gebrauchen, oder anzunehmen ,daß dag eine feine: Bedeutung habe: Giebt man aber zu,daß das Wort als Zeichen von dem Bezeichneten unterſchieden ſey, ſo muͤſſen ſie auch einraͤumen, daß es nicht Eins, ſondern Zwei Reale giebt. Oder iſt das Zeichen mit dem Bezeichneten identiſch, ſo folgt, daß eijcweder das eine ort ſich auf. kein Object, als Bezeichnetes bezieht, ode; daß viefed Bezelchnete wieder nichts anders iſt, als ein Wort, Wenn fie ferner.das Eine Reale das All: das Ganze nennen, fo fragt. es ſich, ob das Ganze mit jenem iden⸗ uiſch iſt oden wicht? Ws Ganzes mußß es Theile. haben, Dem Ganzen, als Inbegriff von allen Theilen, kann nun zwar das .. der — BEER: aber | 32 Sophiktal®, 254. Gegen. ‚umagar - — var u. . Apuxeav. FIVE ÖUQ .TOWUTW,. Ta Mayr Eeiyayı. Dar, “FL MOTE ag our. auhaw-DIeyyssIe, Asyowres ap- u Ow Kat. FRaTegay IVO; I TO.EIYVAas Touro Lola- u" ‚Buumev. bwu; MOTEDOU.TATOy mag Ta ÖUO .EHEWa Hau roia FO may; aAda uyi Övg gti naf'-ümag Tıgupev; = Ov,yap min, Toy YE-Öugıy Hakouvres Jarspav ov, ajk- A Gorson.d ‚Opowys eıvar Asysrs” OXsdon. yap av amÜore- 6: „QWstEn, ad vv Gun. yryy m. aÄA' ana ys.za au- Dw BovAsstar Kadsıy ou; — 40 er AAN. Oı- x. 0% PTopsr nau GUT Ta Em — av — Ta £&v, | 934 Ziveites Haupeftädi » Scheter Abſchnitt. unmöglich‘ kann es das abfolute Eins feon; welches im ſtreugſten Sinne untheilbar ſeyn muß. Soll num dieſes Regle das Eine und Ganze ſeyn, oder komme ihm das Praͤdicat ein Ganzes gar nicht ‘zu? Im erſten Falle iſt eßs nicht wirklich Eins, ſondern Mehreres das unter eine Einheit: begriffen wird. Im zweiten Falle waͤre das Reale unvollſtaͤudig; das Reale waͤre nicht mehr das Reale. Iſt das Eins und das Gauje etwas Verſchiedenes, ſo wird die Einheit, aufgehoben; es giebt mehrere Nedle, Iſt aber das Ganze durchaus ein Unding, fo ergeben ſich diefelben Folgen, und außerdem noch diefe, daß dag Reale weder iſtnoch eniſtehen kann. Denn was entſieht, iſt allezelt ein Ganzesn. Wenn man daher keine Dotalitaͤt des Realen onititämt»:fo Hält füch weder wirkliches Entftehen-nochSepn! \ in ver Erſcheinuugswelt denken. Auch laͤßt ſich dem Nichtsi ganzen keine Größe beilegen 3 denn ein Quantum, es ſey pp: groß oder lein, als es will, iſt allezeit ein Ganzes >) Hieraus folgert nun Plato, daß man ſich In unzaͤhlige Wider hua und Schwlerigkeiten verwickele, man moͤge Dies "Einheit! ser die!" Mehrheit des Realen annehmen:! — — nicht, wa man fi unter dem Rea⸗ Ed ee nme en a a Ste fe J J * 24 a0 , J KETTE AZ v * €. izg3) kin, &, 2564258. &v rou — ovor sa; — Tu de; 0v naasıre TI; = MOTEDOV ömen” . 2 ETW AUT mposypwmevor Öugm 6vopaıyz 4 erg To be duo ovojsara Önokörysv'sivar, MMÖER : Ispigvov mv Ev; Harayekazrov mov. —ai Ta Ma- Tora TE amade To Aeyovrag, wis eciu ovoua Nanny Aoyov oun au cx. -si col VW oAov Egw, — mas avayay pEoy ey —— adAa jiyjv To Ye MEpE- QISpEVOV, maFog Ev TOV Evog EXEIW EM TON MEDEON wa) 0UÖSV: amonwÄus,. Kat TaUTy öy may TE 0V 6 nat oAov, Ev sıvar — To -Ös memovdag Tayra ap . auk\ianövvarov auro Ye TO Ev AUTO Eivarz- mug; aper 22:2 089 Öy mov Öse wovreÄug TO Ye yar⸗ nara TV 20V Aoyoy eipygFan. — — 4 Philofophie. des Plato. 285 len deufen. — Aaber auf der andern Selte Mine man ſich doch auch des Begriffs ‚nicht entfalten 1*,, — Da alſo Plato weder dem einen noch * andern pon dieſen Softemen. beicreten-foumte;:da er erklaunte Daß jedes von Ddenfelben weder durchaus wahr noch durchaus falſch ſey, fo mußte. er auf ein Syſtem denken, welches theiis die ·Schwierigkeiten entfernte, theils das Wahte von allen entgegengeſetzten Vereinigtes: Man ſiehet auch Thor aus den augefuͤhrten Bemerkungen, daß Plato die reinen | > Begriffe und ihre Auwindung lauf wirkliche Dbjecte: unter ſcheidet, und daß er eben inder Hopoſtaſirung ded; erfferit den Grund aller: Schwierigkeiten, welche jetzt bey der Ver⸗ gleichung mehrerer ph wſaninden.rSyſteme aufſatendes wurden, glaubte entdeckt zuhaben. — Die Betrachtung eben deffelben Gegenftandes: — in dem Pyrrhon und feinen Nachfolgern den Skeptieismus Dieſer mit ſeinen Nachfolgern begnuͤgte ſich aber damit, die Philoſopheme, inſofern fie von einander abweichen und widerſprechen/ zuſammen zu ſtellen und ohne uͤber den Grund der, Mashelligkeit nachzuforſchen ſetzte er nur den Mangeleder Erkenntniß dieſerr Gegenſtuͤnde ins Lichts Pla⸗ tons Focſchungsgeiſt blieb nicht Dabel ſtehen. Er ſuchte in die Urſachen der Uneinigkeit einzudringen, und die Maͤn⸗ gel allernbisherigen Syſtemenzunerforſchen, die unerwieſes nen Hypotheſen und: die falſchen Geſechtspunete, tooraup ‚fie beruheteu, auf zudecken, und Baspehige, worin ſie mit der Natur des menſchlichen Geiſtes unvereinbar find, deut⸗ lich zu entwickeln. Durch dieſe logiſche — Dr . rar — er ang ae N £, t, Er söphinse ‘©. ‚art: a ro vyv — 70 ov sırE * rivs EITE oᷣv novav gıvar —E— — cuvar⁊s r vag reooũ ZFarAon ;' per zu ονα- mwrepon Degpoy „Meg TRv Kerr" ael SOYIEUTWV — 326. Zweltes Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. —R I. Die Joniſchen Phy ſi ker fegen- gewiſſe Din⸗ ge (dad Feuchte und Trockae, das Kalte und Warme) von ausArd ſie ſuchen durch Verbindung, Trennung und Vermiſchung der Urſtoffe alles zu erklaͤren. Alles das iſt aber für uns unbderſtaudlich, :und- man fanu / beinen deutlichen Begriff damit verbinden 15), :H: Die Hypotheſe von einer durchgaͤngigen Berins | Berlichri ‚der. Dinge: mwiderfpriche dem Faetum, daß es gewiſſe unveränderlihe. Begriffenwon dem; — was gut, recht und fhön.dift, giebt, ohne wel⸗ che ⁊s gar nicht moͤglich iſt, uͤber einzelne Gegenſtaͤnde der Art zu urtheilen. Dieſe Hypotheſe raubt ung alle Ausſicht auf die Moͤglichkeit einer Wiſſenſchaft. Denn, wenn ſich alles verändern ſoll, ſo müßte auch das: Erkennende (Subjekt ver Erkenntniß) und der Gegenftand der Er⸗ kenutniß in! einem befiändigen Wechfel von -Beränderunge ı ſeyn. Dann iſt aber-aud) Fein objectives Urtheil möglich. Denn indem man einen Gegenftand 5. B. eine Farbe wahr⸗ nimmt, iſt fie, noch ehe man von ihr ein Urtheit-ausfagen lann xu verfhmwunden-,: und in eine andere uͤbergegangen. Selbſt daB urtheilende Subject it nicht mehr identiſch mit dem wahrnehmenden. Wie laͤßt ſich aber Erkennen; Urtheilen / Wiffens:. ohne diefergdentirät denfen ? Welches Kriterium der Wahrheit. giebt es Außer der Empfindung, welche. bloß für jedes Individuung — iſt? ag — — zen — alle, welche nu ; ® dies a) S * 7 Rs — 253: Pr vi aaa — da, Neyav, WE ESIv y Yeyovev y yıyveraı moAla, 4 övo y iv, xar Ispuov av \yuxpw GUynEpavvumEVoN, ‚adosı my Qarpıpeis Kal duyaglosig VMOTIFES,. TOU- ‚ray, W Ocaryrs, Eragors au. Tı mgog Iswy —* . Ti Xgyoucı ; | 3 16) Critylus. 3. B. S. 345. — EIVAT AU“ : 29: nakovıras ayadoy naı dv inazov,riov ovrwv ÖuTiws, en 9 Philoſvyhie des Plato. ul. dieſes behaupten, wie von einen Ars von Wirbel erariffen ſind, An welchem 8 ihnen vorkommt, als wenn alle Dinge ſich mit Ahnen. herumdrehten; fie haben feinen feſten Standpunct, von welchem fie die Dinge rubig betrachten fönnten- und auß Mangel ver Reflexion machen fie die iunere Beſcha fs fenheit ihres eignen Gemürbs zur weſenthi⸗ chen Beſchaffenheit der Dinge 7). — Indeſe J ır % . * L a Y WB — corye donei styär- — av [737 oiovrs moog= Exixeiv AUTO 00Iux, 81 'ası UmsSepjsran, mowToN 137 Orı cutivo Egıy; Emsıra, Or Tolourov; y avayııy rei — — Aryovruv, " aAko auto! cvsuc ymecda 2.08 "VrsSısvar zaı Nüyeri oͤbrti —— "alla us oud“ ab 0 yveucdeng yE dm" ovögvog. dpa yap av amıovr&g mod en, 'aAdo xaı dAAdıav yıylaro. ige Our" an de —[— — yıyyßareı, 6 yıyyinskki ————— sxov. — aA ovös yvradım kim Davas zikog, & pe Tanınsı ravra yoypara, mai’ uydev evet. ei 6) Yap'auro Todrn ;) Um 5 mov yvurdız eu Mi En" Rera- _ MImTei, MEVO TE ab acı 4 MPerort. Aa &uy war; a | dr Has auto To Eıdog' pEramimtei os niedewe aͤpra av "keratmimra gig“ — Yvot ———— taroun au eiy yuwö. © de ası nEramifre, ası our Av st s rain ar TauTroU Tröu Adyov, our&to Ncvbojte⸗ "90V, ours ro —— av di: Theaetet, i © 135» " r. - — > ’ * er 17) —— 6. Hr 7 ward: ‚maAaıeı aꝛdee = Re Tidepevo⸗ FOR OVOBRTA KMRVTOR —RR Emo 0 rwv yuv öı moAloı Tıay Copy, Ümo Tou MURva rsQı- cos Pes a Cyrouster. önyexer wor ovra,: ası ıXeyguu- ", guerta auroi GCaieras weg egashos Tamara a, nou mavtws MepssIan. ı armıwvrar Ög:ab_ Ta Evcdov To raya apıcı mad auTiay Eva TAUTIK ri alla aura Fa ypaTa üurar. meQuxsvan. 'G. 345. 2 Ne⸗gtin ri omolov YET ecw, mus: Nov vg 1 233 3Zwoeites Hanptſtuct.¶Setchſter Abſchnitt. ‚sen raͤumte Plato ſo viel ein, daß dieſe Behauptung ia Ruͤckſicht anf die Empfindangen und die Sinnengehen⸗ ſtaͤnde Wahrheit enthaͤlt daß in dr Erfahrung nichts feſtes ;nBleibendes und Ruhendes, nichts Ablolutes anzu⸗ treffen iſt, wenn man dus ſinnliche Vorſtellungsvermoͤgen von Werſtand und· Vernunft iſolirt. Eben deswegen iſt aber jene Behauptung · in Ihrer Allgemeinheit falſch, will fie dem Erkenntnißvermoͤgen des Menſchen überhaupt wider⸗ fpriht. Wenn alfo überhaupt das Wiſſen möglich iſt, fo. muß. es andere-Gegeuflände außer den ſinnlichen geben, und das Wiffen jelöfl. fann. ‚nicht in.der —— Wahrnehmung und Empfindung beruhen 13), AII. Un dem Pythagoraͤiſchen und Eleatiſchen Sy⸗ ſteme fand. er das.zu .tadeln, daß fie den Unterſchled zwi⸗ ſchen Vorſtellungen und Objecten ganz und gar aufheben, indem fie das, was nur ein Vernunft beguff iſt zu einem zealen. Objecte machen. Anſtatt die Zahibrgriffe als re ahbe Befandtheile Der Dinge anzufehen, tie die Pythagoraͤer thaten, betrachtete ſie Mato, wegen ſeiner groͤßern Einſicht in die Wirkungsart des Verſtandes, als Begriffe des Verſtandes, durch welche er Die Dbjecte. der. Wahrnehmung ſich verſtaͤndlich macht 19), Die Hypoſtaſirung der Einhelt un» ‚der Rea— litaͤt ſchien ihm. dieſelben Schwierigkelten herbeizuführen, welche : durch dieſes Syſtem vermieden werden ſollten. Denn als ein wietiches * muß es im Raume und in on wre vo m ,n de * fe‘ —— 18) Sophiſta S 266, ar mv moos Ye rourov ravrti Noyr anfereov's. Ös- av 1277 % 4 Bbiyav | y vonı — RT mept zn — Wr i sr! m. { er kur Ä 19) Ariftgteles, Merepkyfituke L. ‚6. 70 EV ouv TO &V, nai TOUg' ap ANoVzO mapR Fa moanna- ra monjdar ;.nar un women or. IEvgayopsıor,' mau ı TIEF Kröwv-'Eigarywyy, da Tyd Sdı TOR AOPbIg EyssETO THE V dag woorsga Ösaksrrrg 00 merdıyav. Philoſophie des Plato. - 239 der Zeit und als Vielheit gebacht merden , oder wenn man dies alles vond ihm „trennta: ſo⸗bleibt nichts als ein Unonig uͤbrig. Ueberhaupt kann dag — nichts in der Auſſen⸗ welt vorkommen 2) rg am IV. Hieraus. folgerte Plate, daß « eine: v er⸗ Lehrte Art zu philoſophiren ſey, wenn man fi unmittelbaranſdie Dinge wende, und:fiergu erf orfchem ſuche. Denn man werde auf dieſem Wege nur geblendet und irre geführt; gerade ſo wie diejengen, welche, um eine Sonnenfinſterniß zu betrachten in tie Sonne ſelbſt blicken. Das Beſte ſchiene ihm: alfe fich an das: Dentvermögen zu halten, und ver⸗ möge der-Begriffe die, Dinge zu erfotſchen?). V. Jener Fehler waͤr daher entſprungen, meil: die vorhergehenden Denfer. weder den Begriff der Pchaboſo⸗ phie noch der Erkenntriß und Wiſſenſchaft«he⸗ ſtimmt, und daher weder uͤber die Form, noch den Ges — der Kuss 1 — * ſonſt etwas einig ſeyn — * “ - 23*4 — 98 — — 20) Men Me davon zu ———— Bar: Man mir den ganzen Parmenides ind Sophiſta⸗S. 255,258, nachleſen. Man fehe auch Sih ſte m ver Plat oni, fen Philofophie, * S. ʒꝛo aa. we an) Phaedo S. 225. 26 sdods ar vor Kor us Ta raura, ersiöy (ey) ameipgRa Ta ovra'oHomw), ‚dev euraßyFyvan, u mag Omen dırov yAıöy zrÄd- moiT Sevopauvres Kai‘ Orombünevor masydunn. Ö1ad- Isipavrar yap moU Evi Ta ONMaTa, gay u Ev Döarı V ey Tiu TOIOUTW OnDmWVTaL TV EIKOV« AUTOL, TO ourovri Kal Eryv ÖsvayIyv „Ra sögıda, My mavra- . maoı Tyv Nov rußluseu, Bigmwv mp0: Ta moary- Mara. TOIs somMagı, : war. Eracy TWV us Iymswv Eri-- Xciouv AmresIar aurwv. 20058 Öy MOL. Yoyvan, sig Toug Aoyous zaraßuyavra, sV\EXEL- vos Oxomsıy rwvovrwv ryv aklydsıau. 240 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. lonnten ESelbſt die Moglichteit einer · Erkenntniß war dadurch problematifch: geworden. Einige behaupteten, es laſſe ſich aichts unterſuchen, weder das, was man wiſſe, noch was man nicht wiſſe; dleſes ft unmoglich⸗ jenes vergeblich *. Aus dieſen ——— läßt ſich theils der Cha rak⸗ ter feiner Philoſophie, theuls die Geſichtspunete und Gegenftände feines Phüoſophirens im voraus erkennen. In ſofern Plato nehmlich feine philsfophifhen Verſu⸗ „hen auf eine kritiſche Beurtheilung der vorhergehenden Ver⸗ ſuche gruͤndete, kam er auf die Idee eines Syſtems, wel⸗ ches der Vernunft im logiſcher Hinficht genugthuend / und daher auf die Gefene des Denfeng gegründet wäre Borzüstih aber. befchäftigte feinen Forſchungsgeiſt die Unterfuchung des Begriffe, des Gegenſtandes und der Form der Philofophie, und die Möglichkeit des philoſo⸗ phiſchen Wiſſens überhaupt, als die Grundlage jeder Phis Aoſophie ohne welche man nur auf gerathe: wohl Hinars beitet. Er ſuchte ſich durch diefe Borsibeiten den Weg zu einem Syſtem zu bahnen, welches dag Wahre aller vorher⸗ gehenden vereinigte, und dag in ihnen enthaltene Itrige verbannte, welches alſo ſich von dem Empirismus entfernte, und ein reines urſpruͤngliches Wiſſen ‚( Bernuufterfenntniß ) gruͤndete, ohne die Erfahrung zu beſtreiten, vielmehr durch die Beſtimmung der Grenzen beider Erklenntnißarten, beide An ihre echte einfegte und. vereinigte; ein Syſtem, mels ches nicht diefen oder jenen Zweig des menſchlichen Wiſſens, ſondern daſſelbe in ſelnem ganzen Umfange umfaßte, und von einem —2 en, alle EUER ſowohl die theo⸗ 22) Meno 4. B. S. 350. üdas wowrey wg zpıgt- xbv- Aoyov Kararyely; Ft OUR adıx er ytciv aydowuro vure 6 0löed, Dure 6 jun oidev. oute yapıav ne 6 0:05 Cyröl' Dede yap. nal budev der Year Ye ⁊dioveo Srgmewg‘ ovts 5 Ian aaa” obde ap a, 5,70 2 Cyryon 28 * Pbiloſophie des Plate 248 theoretiſche als praktiſche gruͤndete; ein Syſtem endlich, welches die Pflichten des Menſchen, als Menſchen, auf eine gründliche Weiſe darftellte, durch) deren Befolgung dag, Defte des einzelnen Menſchen und ‘der bürgerlichen Geſell⸗ ſchaft vollfommen geſichert wuͤrde. = Durch diefe Bemerfungen haben mir uns zugleich den Plan vorgezeichnet, nach welchem mir die Philoſophle des Plato zu behandeln haben. - Für dag Erfte müffen wir ', feine Unterfuhungen über ven Begriff von Phi⸗ loſophie und Wiſſenſchaft darſtellen, welche als Einleitung zu feiner Philoſophie dienen, und wodurch er ſich ein bleibendes Verdienſt um die wiſſenſchaftliche Cultur ders ſelben erworben hat, welches ihm auch dann nicht abgeſpro⸗ chen werden wird, wenn gleich ſein eignes Syſtem unter die nicht gelungenen Verſuche zu rechnen waͤre. Zweitens aber muͤſſen wir auch ſein Syſtem nach ſeinen Hanptfägen kennen lernen. —ñ nn ⸗ Einleitung in die Philofophie. Ueber den Begriff der Philofophie und der mie ihm in Berbindung flehenden MWiffenfchaft war bis auf Plato ‘wenig, am- wenigſten über den erſten gedacht worden, Nur erft, nachdem mehrere Denker philofophirt, und über einzelne Gegenftände ihre Nachforſchungen bekannt gemacht . hatten ; konnte die Vernunft’ die Frage aufwerfen: mag if Philofophie, und was foll fie feyn? Ueber den Begriff der Wiſſenſchaft und -der Erkenntniß hatten fehon mehrere Denker nachgeforſcht, ohne ihn auf eine . Kennemanns Gefchichte der Philoſopbie I. Chl. Qvol⸗ J che *). Da es aber auch eine weitere Bedeutung von Wiſ⸗ x 242 Zweites Hauptflüd. Sechster Asfänie, odllig befrledigende Weiſe entwickeln zu koͤnnen 23). Diele Unterſuchung war jetzt zum großen Beduͤrfniß geworden, da eine Menge Philofopheme und widerfprechender Behaups tungen über verfchiedene Gegenftände eine Prüfung, der Streit zwifchen Erfahrung und Vernunft eine Ausgleibung, ' und.die immer höher fleigende Bermehrung von Keuntuiffen eine wiſſenſchaftliche Abfonderung nothiwendig made, Jetzt war auch eigentlidy erſt der Zeitpunct gefonmmen, wo man dieſe Unterſuchung erwarten, und mit mehr Erfolg unternehmen konnte, da alle Geiftegvermögen, vorzüglich die Vernunft, für melde diefis Geſchaͤft gehört, gebildet und geübt waren · | Die Beftimmung des Begriffs der Phllofophie greift aber in mehrere Unterfuchungen ein, und ift in mehreren Bemerkungen enthalten, melde mühfam in feinen Schriften zufammen geſucht werden müffen. Cie iſt das Reſultat von. der Unterfuhung und Klaffificirung der Erfenneniks . Vermögen und ihree Gegenflänve,, von einer Klaſſificirung der maycherlei Arten von Kenntniſſen und Wiſſenſchaften, die in einander vertwebt, und nicht wohl zu trennen find, Die mir aber ‘der Deutlichfeit wegen befonders darftellen muͤſſen. J. Die Philoſophle und Wiffenfhaft im firengften Sinne (erısyuy) if eine und diefelbe Sa⸗ ſen⸗ 23) Theater. & 178. af w Osaryre, vuv ovrw 79 de 7) yueoa: eılyDapev, 6 malaı nat moAAoı Twv 6oPwy Gyrouvres, Evpeiv KaTEyY- gacav; 24) De Republica VII. 7. B. ©. 165. 166, V, G. 58. 59. Taury ToIvuy ÖAW ‚KXwoig MEY; du; ‚ vuv Öy ekeyss QıiAo9sanovss TE Aaı PiAoregvous Has FODATIKOLS, Mas Kg au regt c ö Aoyos,: oug M0- na 2 vous \ % I) Philoſoohi⸗ des Plato. ie 243. fenfhafe nad) dem-gemeinen Sprachgebrauche giebt, (denn jene engere‘ Bedeutung iſt der philoſophiſche Sprachgebrauch des Plato), nach welchem dieſes Wort ‚mehrere Arten von MWiffenkihaften unter fich begreift, und ſich Plato auch nach dem legten richtet, aber doc) fo, daß er ſchon gemiffe Athenungen macht, fo werden wir. durch Verfolgung diefer am erften auf feinen Begriff von der Philoſophle kommen. In der meitern Bedeutung alſo ift Wiſſen⸗ ſchaft Cemisnun) und Kunſt (rexyn) nicht unter⸗ ſchieden; ſie iſt ein Inbegriff von theoretiſchen oder praftis ſchen Kenntniffen, welche fi) auf einen Gegenftand bezie⸗ ben, Sie erfodert 1) einen Gegenftand, mom ſie fich befchäftiget, und von dem fie felbft verſchieden it Dee Gegenftand der Baufunft if 5. B. die Erbauung eines Haus fe8 ) 2) Jede Kunſt beabfihtiget einen Zweck, der auf etwas Gutes gerichtet iſt, dieſes mag nun entwe⸗ der in der Vollkommenheit des Körpers oder der Seele bes fiehen 2%). 3) Jede Kunſt und Wiſſenſchaft muß Re geln enthalten, durch melde fie von den, was fie - über einen Gegenftand behauptet pder an ihm vornimmt, . einen vernünftigen Grund angiebt. Dieſes feet Eirfiht und Kennitniß der Natur ihres Gegenftandes vor⸗ aus. Empirle und Schlendrian (eures, reı@n) d. p. ein — nach N Vorſtellungen ohne deut⸗ 22 | lis vous av mis opdwg moosenmor DiAonoßous — rourou (rou GıA0s0oDov) yev Tv Ölavoray wg YıyvwsRovrog, vw av opus Daınev eva. 25) Charmides 5. B. S.133. alla 70, ds dor eXw dsfar, mivog' egıv emioyu Erasy. Toyrwv mu emisyway, 6 ToyXavaı 09 aAA0 aurys mug emı- SyMs: | 26) Gorgias ©. 11.30. | 244 Zweites Haupeftüc, Sechter Abſchnitt. liches Bewußtſeyn von Regeln und Zwecken, kann damlt “nicht beſtehen 7). Dilie Wiſſenſchaften unterfeiden fi) zu erſt in Anfehung ihres Gegenſtandes. Ahr Gegenftand iſt entweder etwas Veraͤnderliches und Vergängs ‚lies, mie z. B. alles ift,. was in der Erfahrung vorkommt; dahin gehören die mehanifhen Fünfte, die Mufif, Medicin, Aderbaufunf, Kriegs wiſſenſchaft, ſelbſt die empirifce Phyſik; oder etwas Bleibendes, Unveraͤnderliches, Beharz, Uches Richtempiriſches TO a naTa Ta AUT WWS- KUTWS EX,0V) 23), Fer Wiffenfchaften, welche einen emptriſchen Stoff enthalter, nennt er uneine (una $ag- 7a); die Übrigen aber, reine Wiſſenſchaſten (ra Ix- gar) 29). Der Gegenftand iſt enimeder was Sicht⸗ bares, das hervorgebracht mird, ein. Wert (eeyov) oder etwas Nichtanſchauliches, von allem Für perlichen Verſchiedenes 3°), Endiich iſt der Gegenſtand ent⸗ 27) Gorgias S. 41. syu de Texyıyy ou Halu 6 av’ yakayov moaypa. Berg. ©. 35: 37, 119, Phi- lebus &. 299. ro Y ouy uera raur’ sinalsıv Ası- mot’ av, aa Tag ai0Iyosk naraniilsrav EUMSI- ga war rıvı roıßy, Tas TS SoXasınys: maR- Kowpmevong Öuvapsoıy, As moAlu TEYvaS EMOVO- paloucı, peilery na mov Tv gwpyY Arsıpyag- M&voug. 28) Philebus ©. 305. 306, - Ä 29) Philebus S. 299. Ev de Taıg YSIMOTEXUIRaNg ÖLavayIwpsv mpWTa, & TO MEV smispg, auTwu Ma- Aov &yoJLEVoV, TO ÖE, yrrov. vi nal oel Ta usv WS zasapwrara vonilsv; Ta 0’ u; anadagroraTa. 30) Charmides ©. 13% - Philofophie des Plato. 245 entweder bloße Erfenntniß, oder Wirklichma⸗ chung eines Dbjects (yvusızan, mganrıra)!), . Zweitens, in Unfehung des Zwecks, welcher theild die Gesinnung und Bearbeitung derjenigen Dinge, welche zur Erhaltung und Bequemlichkeit des Lebens gehören, theils Unterricht und Erziehung der Jugend, theild endlich die Befriedigung ber it des Geiſtes, oder die Er⸗ fenntniß ſelbſt if ? Drittens, in Anfehung der Mittel, wodurch De Zweck erreicht wird, Diefe find enttweder Handlungen, Handgriffe, oder Vorftellungen 33), Dierteng, in Anfchung dee Subordination. Es giebt Haupt s und Huͤlfswiſſenſchaften. Die legten tragen zur Erreichung des Zwecks jener bei; jene - beſtimmen den Gebrauch umd die Anwendung der letzten. Von der Art iſt die Staatswiffenfchaft, melde ale. Künfte und Wiſſenſchaften sur Erreihung des Staats wecks anwendet. Und ſo laͤßt ſich auch eine Wiſſenſchaft denken, weiche den Rang und Zweck aller uͤbrigen beſtimmt Fünftens, in Anſchung der Behandlung ſind die Wiſſenſchaften gemeine oder. philofophifce ; in den legten berubet die Erkenutniß auf Gründen, in jenen deetat bloß, Beganikund er | 23 Ben. 31) Boliticus 8. ©. 7. 6 orgiac. 8. 11. 32) de Republica VII. S. 165. u p allg maoaı reyuarymoaz bofag auggwmwv naı emıFunuag EIOV, YTUOS YEVEDEN TE na GUVIEDES, Hau MOOS Fepamsıay Tiv) Dvpievwv TE ar Ouvrisepeviuwv Ama- oa reroaaraı', fe Ös Aoıman, As ToU.QVTos Tı & Dam usv eri\außäve. Philebus ©. 299 | * — Gorgias ©. ıı, -34) Politicus ©. 103. 106, 35) Philebus ©.'301, ſeq. agiꝰgã mguroV our aA BEV TIVa, Tv Tu moAAy, Daregy, 27 Ö' au ro Tu en — ⸗ 246 Zweites Hauptſtuͤck. Sechster Abſchnitt. In enkerer Bedeutung unterſcheiden ſich Künfte von Wiſſenf vaften dadurch, daß jene praftifh. d. h. den Zweck haben, ein: Werk hervorzubringen, und entweder gar nicht oder nur im geringen Grade einer wiſſenſchaftli⸗ chen Bearbeitung durch Anwendung, der Mathematik ems pfaͤ glich find. Die Wiſſenſchaften find theoretiſch, und ohne wiſſenſchafche Form gar nichts ©), | Die Wiſſenſchaften, deren Zweck auf die Erfenntniß der Gegenſtaͤnde gerichtet iſt, unterſcheidet Plato von den uͤbrigen, und raͤumt ihnen einen viel hoͤhern Rang in An⸗ ſehung der Gewißheit und Deutlichkeit ein. Ev zechnet dahin befonderg die mathematiſchen Wiffens haften und die Philofophie. Beide fommen darin Übersin, daß fie Producte des Denfvermögeng find, und - ihr. Glgenſtand nicht, dag Empiriſche fondern Intels lectnelle, nicht was wird und entſteht, fondern was ift (ov) ausmacht, - Aber fie unterfcheiden ſich das durch, daß die Philofophie eine Wiffenfchaft‘ der Vernunft Cvoyaıs) die Mathematik aber ded reinen Verſtandes Cöravora) if 3”). Unr diefen Unterſchied vollfommen deuts lich zu machen, muͤſſen wir Platos‘ Gruandfäge von dem Erfenntnißvermögen und deffen Arten vorher ent⸗ wickeln. II. Ungeachtet die Unterfeidung zwiſchen dem ſinnlichen und verſtändigen Erkenntnißver— mögen jedem Menſchen, dee über ſich ſelbſt reflectirt, nahe genug zu liegen ſcheint, DaB auch ſchon der gemeine Sprachgebrauch beides unterfcheidet, fo hat doch ‚die ber fiimmte Grenzbeſtimmung zwiſchen beiden, mie fie der wiſſenſchaftliche Gebrauch erfodert, mehr Schwierigfeit. Dis hieher war ‚darin fo viel als — geſchehen ‚uns an geache 1] De Repübl, VII. S. 165. 166, 37) de Republ, VII, ©. 166. N Philoſophie des Plato. 247 . \ 1 2 geachtet: fi) die Altern Denfer fon im zwei Parteien in die Senſualiſten und Natlonaliften getheilt hatten, Daher mar es. ein verdienftliches Unternehmen, daß Plato die. Unterſcheidungsmerkmale zwifhen der Sinnlichfeit und dem Verftande zu entwiceln anfing, und wenn der erfte Ver⸗ ſuch diefer Art nicht gleich gang gelingen fonnte,: fo bahnte ‘er Doch den Weg zu tiefern Unterfuchungen. Kon den Borftellungen fließt Plato mit Recht auf das Vermögen zu Vorftellungen, und wenn er Borftellungen und Wirfungen entdeckt, welche fi) aus einem gemeinfhaftligen Vermögen nigt ers flären laffen, fo hält er fi berehtiget, verſchie⸗ dene Vermögen anzunehmen. Um aber von dem Er« 'fenntnißvermögen der. Seele Erfenntniß zu erlangen, giebt es feinen andern Weg, ale ihre Wirkungen zu ſtudieren 39). | Nun unterſcheidet Plato die finnlidhen Vor⸗ ſtellungen von den Vorſtellungen des Ver— ſtandes durch folgende Merkmale. Die ſinnlichen Vorſtellungen kommen bei den Menſchen weit frü- Her zum Vorfhein, als Begriffe. -. Das Kind empfindet glei nach der Geburt; die Spuren vom Dens Een zeigen fi) viel fpäter, bei einigen Menſchen faft gar nicht. . Auch hat der Menfch diefe Urt der Vorſtellungen mit den Thieren gemein; ‚Begriffe, Urtheile und Schluͤſſe, ſind ein cveſcuetnides Elgenthum des Menfchen 2). :Dd 4 3w el⸗ 1 38).de Repub!, V. S. 61. ouvauscoç 0’ sıg.exet- vo novov Blemrw, ED’, wre es za 6 amepyalstaı, Ko Taury Eragyv avrwv Öuvanıy suaksca'' Ka TV. MEV EMI TO AUTO TETayuEvyv nar TO auro amsıyalo- pevyv, Tv autyv Raln" Tyu bs am Eregw gar ETS0OV ı amsoyalousvyv, aAAyv. ; | 99). Theaetet, ©, 143. ouxouv ra ev zußug yevopsvos magssı Qvosı austavsstar avsgwmaig TE Pt ® 248 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. Zweitens. Die ſinnlichen Vorſtellungen haben einen ganz andern Urſprung, als die Begriffe. Jene entſtehen vermittelſt der Organiſation, durch die Sinnenorg ane, und beziehen ſich daher alles zeit auf etwas außer der Seele befindliches, auf das Or⸗ gan, z. B. die Farben auf das Auge, die Toͤne auf dag Gebhoͤr. Ihr wirkliches Daſeyn ſetzt allezeit die Ein wir⸗ fung eines äußern Objects boraug, wobei ſich die Seele leidend verhaͤlt. Daher find dieſe Vor⸗ ſtellu gen bloße Affeetionen der Seele (magyar - Syora). 9). Man fann Hingegen für’die Begriffe, Urs theile, kein beſtimmtes Organ des Koͤrpers auftpeifen , welches zu. ihrer Hervorbringung mitwirkte wie bei jener; man fchreibt fie daher der Seele unmittels bar zu, Die Seele ift der einzige Grund derfelben *), - 1 Deittend, Durch die Sinne flellen wir ung dag Individuelle, Einzelne, DBefondere, durch ‚den Berftand aber das Gemeinſame und Allges meine vor, durch die Sinne fielen wir ung Etwas - vesworren und in FOREREES, — den Ver⸗ J ſtand na Snyoioig, 608 de mov awnaros masynarı cm mv yuyyv Teive Ta Ös weg ToUrwv auaÄoyızuara moos TE 0vOlav Kar wDersiav, woyız mau &V Xgoviv, dıa..moldwv MORYOTy' a raieiag — | Öls av xaı magayıyviran, | R 40) Thraetet. ©, 139 140. Yepua Hau — au voußR' as Ponea, Öl iv axdary, apa ou rou — Rasa Fig; 8 128. ©, 265. an). Theae tet, ©. 148 ya — 7yv van oV0 Eivaı TOIOUTOV OVÜEV FouTois — 1öov, dug- meo eneivag, aAA aury &f duryg ) vorn Ta ROE Damweras MEO Mary ETIOROT EN, Philoſophie des Plato. Yon 249 | Fand demtlih und in abftracto vor, Wenn wir einen Gegenftand anſchauen, fo ſtellen wie ung nicht. bes fonders ivor,, daß er groß oder klein ift; dieſes gefchichet -erft durch den Verftand, der. die. Vorftellungen von Groß und Klein unterſcheidet, und ſich Dadurch: m aofrafte ir pon beiden bildet *2), Viertens. Daß nun diefe Verkellungen- i nicht aus einen gemeinfhaftlihen Dpelle entiprin. gen, läßt fi daraus erkennen. - Durch jeden, Sinn exrhal⸗ gen mir nur eine: beftimmte.Art- von Vorftellungen, durch DaB) Auge, Geſichtsvorſtellungen, durch das Gehör, Gehörs ‚vorftellungen,. Es iſt nicht moͤglich, dasjenige, was wie durch den Gchörfinn empfinden, Durch den Gefichtsfinn zu em⸗ pfinden, und umgekehrt, Nun denkt man aber doch uͤber beiderlei Gegenſtaͤnde, legt ihnen gemeinſchaftliche Prädicafe bei, z. B. daß Farbe und Schall, beides etwas Wirkli⸗ ſches, jedes von dem andern verfchieden und mit ſich ſelbſt gieichartig; daß jedes ei ur, beide zwei O bjecte find. Man unterfucht ferner, ob, beide Ähnlich oder unähnlich find. . Durch welches Organ follen diefe Worſtellungen in die Seclg kommen? Weder. durch dag Or⸗ gan des Gehoͤrs und En u durch ein anderes, Sie 43) de — VIE S. 147. peyauım A arıs var Opınpov iwoa, Papev, aA’ ou HEXWIISHE vov, alla guykexupevov, Tı — da Ös Tyv Tourou Calyvslav, neya au xaı Airgov :) voyars yiayragIy "MÖsV, OU- GUYREXUMEV aAda ÖnugigpEvar; Tquvavriov 9 encuy. Phaedo ©. 147. 148. Theaetet. ©. 141. 4 ös dia Tivag Öyvanıg TO 7’ sm FA #0 voV nal 70 EMI FOVTOI.6yADI Col, W,TOHEFIV FROVOUR- Leis Kal TO oun EG. 7m TOVTAG, TOT FO aroöw- DEI oava, ni * asgavara } Icov TO — nags ; 250 Zweites Hauptſtuͤck. Sechfter Abſchnitt. Sie müffen Talfo eine andere Duelle, nehmilch die ‚Seele feloft Haben 4). Füuͤnftens. Was aber für den Plato ein Haupt⸗ grund zur Unterfheldung der’ Sinnlichkeit. und des Verftans desvermoͤgens war, War die Bemerfung, daß fih mas thematiſche Erfenntniffe aus dem Bewußtſeyn je des Menſchen entwickeln kaffen, ohne daß ihm je ein Um terricht ertheilt worden. Ein Verſuch der Art, welcher den Lehrſatz von der Verdoppelung eines Quadrats betrifft, finder fi in’ dem Meno ). Es waͤre aher wicht möglich, durch geſchickte Fragen ſolche Urtheile uͤber dieſe Gegen⸗ ſtaͤnde hervor zu locken, wenn die Begriffe davon in die Seele von Außen, durch Erfahrung und Unterricht kaͤmen, fie müffen vielmehr urſpruͤnglich ſchon In der Seele liegen *°). "Und dazu koͤmmt noch diefeg, daß die Erfahrung feine, dieſen Begriffen vollfommen 'entfprechende Gegenftände "giebt. Wir fönnen zwat einen Zirkel zeichnen; aber es ifl nicht möglich ihn fo zu feichnen, daß alle Puricte der Per ripherle gleich weit von dem Mittelpunct entfernt find, daß s ſich nicht hier und da ein Theil der Cirkellinie ſich der gera⸗ “den Linle nähern follte:' Der gezeichnete, gedrechſelte, überhaupt: der in der Erfahrung gegebene Cirkel wird ver⸗ Andere, — vernichtet; welches alles den Cirkel iu 43) These tet. €: 140, 141. | : 49) Meno 4. B. ©. 352. ff. 4)? haedo 1. B. ©: 165. 166, wor eoWrEÖpLEUg4 ‚Er avgpwmor, zav mis Raltug epura , adror Asyovav RT y ExXEı. mar role if erayxaviy ‚Auras may * u voboa Kal 60905 Royos, our av Dror ⁊ yoav TouTo mw” emera gay Tg em Ta dia auuaro ayy. 9 AM rı TAV roiwurwv, gvraudta 00lEgara Karyyapsı, örı TouTo surws eye. Meno S. 356. 359 Philoſophie des Plato. Ze 1 7 in der Vorftellung nicht teifft, zum Beweiſe, daß er von dem in der Erfahrung gegebenen ganz Bro: den iſt 9) Sechſten s. Es giebt endlich Begriffe, denen - gar Fein Gegenftand in-der Erfahrung ents fpricht, und die dennod) eine ſolche Nothwendigkeit ber fich führen, daß fich fein Menſch von einiger Bildung derfelben enthalten kann. Won der Art find die Erkfenntnifie von dem, was recht, gut und [Bon iſt, melde für den Menſchen das größte Intereffe haben. Zmar: legen wir diefes Prädifat auch Dojecten der Erfahrung bei; aber welche Handlung fann 3. B. gerecht genannt werden, mel he nicht nad andern NRückfichten unter andern- Verhaͤlt⸗ "niffen für das Gegentheil fünnte gehalten werden? Es wuͤrde gar fein ficheres und feſtes Urtheil Über Diefe Gegen⸗ fände geben, wenn wir feine andere Begriffe, davon hätten, _ als welche wir aus der Erfahrung, die ſelbſt fo ſchwankend und unbeftändis if, nähmen, und wir muͤßten auf den Auſpruch von Erkenntniß Verzicht thun 7). Allein wie ur 46) EpifLola VII. ©. 130, nundor inagos rum Ev TaIS moa&sai yoaDonevwv y nal Toßveussvriöv uezog | TOD EVAVTIOU EL TU MEHMTW TOU Yan EUFEOS EeDam- reran maury* autos Öe Mapıev 6 nunaog ouretı apı- „gorepov OVrE Merlov TiK Evavrıaz exeı €9 kur Du- oscug. S. 131; rarov ds TO gwygapovpevoy TE Kal eSaksıPojevov NAT TogvedopLEvOV za &rokXupevav, wv autos 6 unÄos, cv weg mayrT' £51 TÄLTR; OVÖgV racxs — wug ERaget ON: NETT lden 47) Politicus 6. B. ©, 64. or au Meyısas ovo. Kal TinITaTals vum gcıv suawAov ouärv MOR'ToUg avFotumoug — cvaoyrs. oͤu —R TV rau muvdavousvov Wuypw 6 BovAonsvoz anomAyow- 001, TOO Twv MOIYCEwv T_ mOoTagmoTredV, Ina- Ä vg 232 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. . urtheilen darüber mit felcher Zuverficht, die ung nur das Bewußtſeyn der Realität diefer Gegenftände gewähren kann; wir beziehen alle empirifche Urtheile auf einen Begriff, der gleichfam die unveränderliche Richtſchnur aller Urtheile ift, und ſetzen dabei die Einheit eines jeden dieſer Objecte vor⸗ aus, mie cd nirgends angetroffen wird, daß es nothwen⸗ dig Begriffe (Ideen) geben muß, die nicht ihren Ure ſprung in der Erfahrung, fondern in dem, Weſen der : Seele felbft haben 7° — Auf dieſe Thatfachen gründete PB ato feine Theorie von dem Erkenntnißvermoͤgen, indem er dad finm lihe DVorftellungsvermdgen, das! Denkver— . mögen, und in diefem wieder den Berfond und Ber ‘ nunft unterfchled. Das finnliche —— iſt das Verm öl gen der Seele vermöge der Sinnorgane durd Einwirkung der Gegenflände zu Rorfelluns gen-zu gelangen *°). Er unterfopeidet dieſes Vermoͤ⸗ ar; | am vog miyowoss. De RepublicaV, ©. 64. 65. -VII. ©. 167. 0 av uy 2X diobicagdai rw Aoyxꝙ aro Twv — mayrıyy sÄEYYmV drsZuwy , Mi) Hara doSav alla :xar' obcia —— eleyyeıy, 32V Mac FOuToKg amrıwrı Ti Aoyw Ö Ölamopeyyrau, aUTE „mura To ayadoy guüsv Oyasıs zIaevar May. ourws » EXoVTa, oure alla rasen Aue AM sıöw- Au. Tıvag areezai— use Qqu% era. — ME 2 2 te 2 47b) De en 3 ‚ei 713 aa mis S. 238. 48) Philebus, S. 255. rw sv Evi — mv Aug xaı 79 acopa #0lvy Yryvomevay, Aalvy Kal Hi- verstai, mauryy 0 aurıjvy Hıyyam avomagwv aisſon, ovx aro ES PIeyya av, — Philoſophie des plate, 2838 Ah von der Wirfung der Organe, ob eg gleich von diefen mit abhängig -iff, Denn wir empfinden nicht mit den eins 2 zelnen Organen, fordern durch fie; das heißt, die Or⸗ gane ftellen nichts vor, ſondern ſte geben nur der Seele Eindruͤcke als den Stoff zu Vorſtellungen. Natürlich mußte er ſich nun ein Vermoͤgen der Seele denken, welches alle dieſe Eindruͤcke aufnimmt, weil ſonſt keine Einheit des Bewußtſeyns möglich waͤre 9). Die aͤußern Objecte, wel⸗ che die Seele affieiren, ſchreiben gleichſam in die Seele gu wiſſe Züge, melde die Eeele aufnimmt, durdy dag Ges daͤchtniß aufbermahret , und dur die Einbildungsfraft (meldye Plato finnbildlih den Maler und Kopiften der . Seele nennt) wieder hervorruft und nachbildet 5°). . Die Vorftellungen, welche auf diefe Art entſtehen, beziehen ſich auf Gegenſtaͤnde, welche in beffäns digem Wechſel der Veränderung find. Die Be ſtimmungen, welche wir an ihnen wahrnehmen, find din einem beſtaͤndigen Fluffe; fie entftehen und verfchwinden wieder, Eben fo vergänglich find Die Objecte, an welchen ſie wahrgenommen werden. Da es alfo in der Sinnens | ae Ta welt 49) Theaetet. ©, 139. daıvov yap "mou, ee moAlaı zivss & Hay, wewEg £V douosidic inmong, as Iyaeıs eynadyrau, alla u gs miav Tıva ıösav, EITE wox; eirs 6 ösı zale, mavra raura Zuv- ‚ sewe ;) da TOuTWy dıov opyavıny. aus Iavoya de 60x aigꝰNa. u 50) Philebus 8. 265. y Pro mag als Iyoenr SupmmTouae £5 Tauror, Hansıya & regt raura at ra: masyuara Paivovraı my aysÖov oıav yonDey yptav Ev Touz Yuxas rors Aoyoug - amoösyov .öy x — QwypaDov, ds era Toy yoapparızıy, TWV Aeyopsviv EIAOVag Eu y y TOwrwv yoalsn ©, 255. 266, . 254 Zweites Haubtſtuͤck. Sechster Abſchnitt. welt nichts Feſtes, Beharrliches und Unverän» derliches giebt, fo läßt ſich fein Gegenftand definiren z noch die Sunme feiner Merkmale innerhalb deffen Grenzen beftimmen, und’ es ift keine Wiffenfchaft davon möge lich, infofern diefe Erfenntniß des Unveränderlis. gen. und Nothwendigen if m Das Eigenehümtiche des Denfvermögeng befteht in dem. Urthellen and Schlüßen (ovAdloyıddaı oder aurkoyısmog, avahnyısua), oder in dem Verbinden der Begriffe, welche den Stoff dieſes Wirfens aus⸗ machen 52). Das Denfen ift nehmlich eine Art von ins nern Sprechen der Geele mit fich felbft: «fie fragt fich, maß cin Ding fen, fie betrachtet ed, und beantwortet fich ihre Srage bald mit Ya, bald mit Nein. Inſofern diefes nun in dem Innern der Seele zugeht, ohne Worte zu KHouͤlfe zu nehmen, heißt diefe Ihätigkeit der Seele denfen (öravasıssar) und dag Product derfelben ift das Urtheil (doFa), welches entweder bejahenoj oder verneinend AR (Das, amoaaıs ) und aus Verbindung der Des 51) Arifoteles Metaphyficon xu. c. 4 Cratylus S. 346. alla mp ouö’ av — ns Um ovoöeroc. pa yap av emlovros FOL YVIOOHEVOL, alla zaı aAkuıov yıyvorro. Wge our av Nosꝰ ein eri Drrody YE TI ESIV, y Ming EXDV. yvwans Ös Öymov oVös- Mie yıyvwogrei 6 yıyvaszcı Mydaping &%xov, Timacus Gr B. S. 301, 302, 52) Thaeten S. 141. er — aba rols mal. agıy. our Evi emiyuy, €v Öy Tw — ersivuv GUuk- Ä Aoyıspm. vumas yap zaı aAySsıag zrrausa jLev, WG EOIME, ÖUvaroy- AWacyaı, EXEL de aöUvaroy, Berg, S. 145: 55 Philoſophie des Pla, 255. Begriffe beſteht (ouumiong, cuv9eog) fo mie, eine Rede eine Berbindung von Nenn: und Zeitwdrtern iſt °3). Zu dem Denken gehören Begriffe, welche die Denkt kraft thrils duch Abfonderung und Zufammenfsffung des Gemeinſamen und Aehnlichen bildet, ‚indem fie eine Vor⸗ ’ ftellung mit der andern vergleicht, fie iſolirt, und. von allem Zufälligen trennt. Sie gelangt auf diefe Weife zu abftracten Begriffen, ubne welche fein deutliches Denfen “möglich iſt °*,.. Theils find die Begriffe der. Denffraft ſchon durch: ihre- Natur mitgegeben. Hierdurdy unterſchei⸗ det Plato. gemwiffermaaßen zuerſt empirifhe und reine Begriffe, mwelche.leßten er wiederum in die Verſtandes⸗ begriffe ( marhematifhe) und Bernunftbes greiffe oder Ideen eintheilte. Das Denken it nun überhaupt das Verfahren mit Begriffen. Dieſes ift aber doppelt. ‚Man gehet nehmlich entweder nicht über Begriffe hinaus, fondern entwickelt Ju nur . Ä Ä a Ä 53) Theaeten ©, In ro ds — ad öred eyw, nalsı; — Aoyos, ov aury moog Auriw y \yu- Xy ER meoı wv av oRXomy. — Touro Yyad por ıwöalkeraı, Ötavooypeiy our aAlo Tı y lade yesdar, aury Eauryv zpwrwoR Kai AMOADIVOREUN, za Daorovoa, xaı ou Dadxovoa, Gray de Oplcaca, sırs Apaöursoov, zurs OGurspov sraigada, TO AUTO yon Oy rau my dısady, Öogav rauryv Tıgenev au- 7%. Vergl. sophiita ©, 295, 296. Aoyos iſt ouvſsois en TE DyMaTwy YiyvopEvn Kal DvopaTwv. — ouRoUV davdıa MeV Har Aoyos Tavroy’ mÄyV,o MeV EvTos Try: \yuXYs Moos auryv ÖaÄoyos avsu- :Mwvsg ıyvorsvög, TOVT' auto yulv urduagſn Öavbıc, 54) De Republ, IX, S. 260. VII. ©, 147. de Legih. XI. 9. 8. 6.223. Phaedrus 10,3. ©, 326. Sophilta ©, als: 256 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. nur dioſe, ziehet Folgerungen daraus, und berbindet dleſe nach gewiſſen Regeln; oder man gehet über die: Begriffe Hinaus, forſchet nach dem Grunde derfelben, bis man an dasjenige kommt, was nichts meiter vorausſetzt, dag letzte Unbedingte, Abfolute Jenes ift Berftans deserkenntniß Cham); dieſes Vernunftmwifr —ſenfchaft oder Wiffenfchaft in dem ſtrengſten Sinne (emsyay) Der Charakter der, Vernunft iſt alfo - “die abfolute Einheit und das ſyſtematiſche Vers fahren. Sie gehet entweder von Principien aus, und ordnet ihnen das Ganze der Erfenntniß unter, oder fie gehet von’ den gegebenen Erfenntnißen aus, und - fuche beren legte Principien zu finden ’7). So meit war alfo Plato in der Erörterung des’ Er» fenntnißdermögen® gekommen, daß er das Empirifhe und Nichtempiriſche unterfchied, daß er Kenntniße bemerkte), , welche einen höhern Uriprung haben ald die Erfahrung ; und zwei Arten der Erkenntniß, die empirifche und tranfcendentale annahm, melde legte er in zwei Unterarten, die mathematiſche und die intellek⸗ tuelle oder-reinpbilofophifche unterſchie. Da die mathematiſchen und die Begriffe der reinen Vernunft nicht empieifch erklaͤrt werden koͤnnen, fo fand Plato keinen au⸗ 55) De Repobl. VI. S. 122. oromı öy au nor Ayv rou vOoyrov Touyv y ruyreev — yo EV aus . ou Tolg Tors ruydeimıv ws EIROS Ypswpievg, "Üyreiy . avarynaleran e5 UmoSsoswv, oun em apXyv wor pevouevy, aA em TeAsuryv' ro Ö au Erepov TO em apyyv avumodsrov ed -ümo- SEoswg ‚10000, Kal avev_ TWY.MERI EREI- vo z2IKovwy auruıg E1öscı Öl aurwy ryv pe9oübv roroumesvn Vergl. 5. 124. 1935, und VI ©. 165- 166, Ariftot, Ethicor . ad Nicomach, u, 4, | Philoſephie des Plate E87 anbern Ausweg, als fie für dem Verſtande und der Vee⸗ nunjt angeborne, oder in dem Weſen derfelben enthaltene: Begriffe zu halten Hier ift der Grenzpunct, welcher das Plaroniihe und Arıfiorelifche Sorten ſcheidet, wie moin hernach fehen werden. Es iſt fon Hieraus Mar, dab Verſtand und Vers hunft bei. dem. Plato in doppeltee Bedeutung vorkommen: muͤſſe. Einmal ald Behälter oder Inbegriff je⸗ ‚ner Begriffe, In diefer Bedeutung iſt Verfiand und | Bernunft ein leidendes Vermoͤgen. Zweitens al hänge Kraft des Denkens, welche ſich im dem- Deröinden und Trennen, und der Bufammenfegung und Unterordnung der Vorſtellungen, ſowohl der empirifchen als nichtempiriſchen äußert: Das Geſetz derſelben iſt Uns veranderuchkeit, Einheit des Wirkens, und ſyſtematiſche Einheit des zu Verbindenden. Das Ziel, worauf die Denttraft hinarbeitet, IR die Einheit des Erkenntniſſes, das Aoſolute; dieſes findet aber die Vernunft in ſich ſelbſt (in denn leldenden Vermoͤgen/,, in den Ideen, welche das We⸗ fen dev Vernunft ausmachen *). Echon hieraus mußte dem Plato der Primat der Vernunft einleuchten / denn ſie allein gehet auf das Un⸗ ber 6) Parmenides 10. B. ©. 83, alla y rum ‚ EHÖWYy EHGOV_TOUTWy y voyua Mar OwVdanın au mpasyny eyyıvesdas oAA0dı 9 ev ıyoxye Verglichen Ariitoreles Phyficor. ill c. 4. und So- . phifa ©. 261. Sophifta S. 266, xar pyv, » Eav au Depousya Has KıvaumEyg Wwaur' sıyal GP YyyWütu- pEV, Ha Tour: FT Äoym Taufov FOVTg 1ER TWV O4- Tu sFaıpygousy — mu; — 70 nara Fayra Kat WOaUrWE Kal ‚wege ro auro ÖDREL 091 ups GadELg yevssdar Mor av; — van —- i 0 aven mourwv voyy nasopas oyta, 4 YEvoue voyavnal 6mgvonY; Philebus ©. 2i7. ennemanne Geſchichte der hiloſophie 1, 8 258 ' Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abfchniet, bedingte und Abſolute, fie allein erfennt die reine Wahr⸗ heit und das Weſen der Dinge; fie allein ſchreibt dem Menſchen das hoͤchſte Geſetz für fein Thun und Laffen vor, und übt über alle Kräfte der Seele eine Art von koͤnigli⸗ eher , abfolut gebletender Gemalt aus. Sie iſt das hoͤchſte theoretiſche und praftifche Vermögen des Menſchen. Denn infofeen fie die Totalität der Dinge nach ihrem. Weſen erken⸗ net, iſt fie auch allein im Stande, Vorſchriften zu geben ,' welche fich nicht auf diefe® oder jenes Individuum, auf ber . fondere Verhaͤltniſſe, Umftände und Zwecke des Menſchen begiehen , fondern allgemein und unbebingt für alle Den ſchen gelten >’)... Nach diefen Bemerfungen fünnen wir Platos Gedan⸗ ken von dem Begriff, Zweck, Eintheilung und erſtem Geundfas der Philoſophie mit größerer Vers ftändlichkeit darſtellen, weil fie die Frucht von feiner Er⸗ drterung des Denfvermögend find,‘ - | | Die Philoſophie ift die Wiffenſchaft des Abfoluten, deſſen, was ſchlechthin iſt, und des dadurch Bedingten *). Im dieſer Erklaͤrung kommt alles auf die Beſtimmung des Begriffs, Wiſ⸗ ſenſchaft, und des Abſoluten, als des Gegen⸗ ſtandes der Philoſophie, an 1. Wiſſenſchaft. Dieſer Begriff war ein Ge⸗ genſtand, welchen Plato mit aͤußerſtem Intereſſe behan⸗ delte. Davon zeugen alle feine Schriften Mit Recht wid⸗ 57) Alcibiades u ©. 93. 94. u J. | 8. B. S 44: 45: Ill. ©, 132, 58) Definitiodes. 11,3. S. 29%: 6000000 Aus Tu) oyrWwv rl erıbmags opeSıs (emisypy) Iewoy- mıry tou —R mws aAy9ası Vergl. de Re- publ, VI, ©, 69. V. ©. 62: emisypy ev Ye mou &mı Tw ovrı; TO ov Vvxbvat ivg ExXEl Philoſophie des Plath 259 widmete Ihm Plato- ſein ganges Nachdenken ; wei ed theiis noch fo wenig erörtert, theils, weil er wirllich das Fundament feines ganzen Syſtems augmachte. Unſtreitig mürde er aber mit mehr Erfolg und Gewiun dieſen Be⸗ geiff entwickelt haben, : wenn nicht das griechiſche Wort; welches jenen Begriff. bezeichnet, ermısasdaı und exicyui elne Zweideutigkeit enthielte, indem es ſowohl Erken⸗ nen als Wiſſen, inſofern dieſes bloß in dem Bewußt⸗ ſeyn der Abhaͤngigkeit der Urthelle von andern beſtehet, bedeutet. Die letzte Bedeutung intereſſirte Ihn vorzůg⸗ Up; aber unvermerlt ſchob ſich ſeinen Beſtimmungen Im mer ‚auch die erſte Bedeutung mit unter. | Ä Fuerft befimmt Plato, was Wiſſenſchaft nicht iſt wodurch zwar der; eigentliche Begriff noch nicht gefunden ‚ ME, aber doch der Weg, ihm zu finden, geöfner wird. Das Wien IR 1) fein Empfinden und Unfhanen (oısdavssIar). Zwar find diefe Vorfellungen und Ges fühle, infofern fie auf einen geſchehenen Eindruck beruhen, für das Subject, welches fie hat, ſubjectiv gültig, und - die daraus gebildeten Urtheile haben alfo ſubjective Wahre heit; allein eben destwegen gemähren fie fein Wiſſen. Die Gegenftände der Sinnlichkeit: find veraͤnderlich, das Wiſſen aber gehet auf etwas Unveraͤnderliches und Nothwendiges, welches von Jedermann dafuͤr erkannt wird. Die Verfchier denheit der Meinungen und Vorftellungen it daher ein Zei⸗ chen von dem Mangel des Wiſſens 9). 2) Das Wifs fen ift auch fein Urtheilen. Denn die Urthelie können wahr und faͤlſch ſeyn. Wiſſen aber erfodert alle⸗ zeit wahre Urtheile. Dann ſetzt man auch ſchon ein Kri⸗ terium von der Wahrheit voraus; welches einer der ſchwierigſten Puncte in der Philoſophle iſt, und erſt buch den Begriff der Wiſſenſchaft ausgemittelt werden muß. Das aber ein wahres Urtheil noch nicht binlänglich It zur R Rz Ep 59) Theaet, S. 68, 139, Cratyl, &, 3454346, N "260 Zweites Hauptſtück. Sechſter Abſchnitt. Erkennmiß und Wiſſtuſchaft, erhellet daraus, daß man uͤber Dhatſachteu ſ die man ‚nicht geſehen, richtig urtheilen kaun. Alles, dickes find dioß Meinungen, welche keinen Anſpruch auf das Wiſſen machen koͤnnen, zumal da dieſe even: fo ſchwau⸗ kend and veraͤnderlich find, als die ſinnlichen Vorſtellungen. Denn dem Gegenſtande des Meinens kann man eben fo wenig ein. beſtimmtes Praͤdicat beilegen als abfprechen 5: - man kann even fo wenig ſagen es iſt, als es iſt nicht; es tommt ihm beides.aber nicht abſolut zu ©). Dieſe Er⸗ klaͤrung it indeſſen nicht ganz falſch, ſondern nur mangels haft. Das Wiſſen erfordert allerdings Urtheile aber auch. noch etwas Mehreres, nehmlich Gruͤnde. "Das Wiſſen erfodert Urtheile aus Gruͤnden, durch welche beitimme wird, was einem Gegenſtande zukommt oder nicht zufommt, wodurch alfo ihre Wahrheit oder Zaifchheit beſtimmt wird. Durch den Grund wird dag, Urtheil fixirt. Ein Urtheil unter einen Grund fübfumiren iſt eine Handlung der Vernunft; und da diefe nach abfolus ter Einheit ſtrebt, und die Principien alles Wiffens in ſich ſeloſt enchält, fo iſt das reine Wiſſen und Erfennen eine Handlung der Vernunft, es iſt mit einem Worte das Zer⸗ gliedern der hoͤchſten Begriffe in ihre Merkmale und Arten, und die Herleitung ded dadurch beftimmten Befondern 7). —— 60) Theartet. e. 145: 146- 166. 174. 175, - de Republica V, &, 63. Meno ©, 385, 61) Meno S. 387, ar ap dı dvZaı dr alydeıs, 60V ay yporov rrapanzsıwdı, KaAov To Xöyua, Hal mavtara a'ya9a eoyalovraı' MoAuv de xpovav oux &9e- Aovaı mopapeveıv alla Öpamereuovon en ⁊yy - rou avdpwrou' use av moAAtU afıaı gumv, fwgs av mıs avtag Ööydy. wırıag Koyısıa rouro . du — avanıyms — zmeidav bs ÖEIwor ER TOV ME EMISYMaL yıyvörrau, era MO- Dr © Philoſophie des Plato. 005 Mil AI. Gegenſtand der Philofopkie iſt das Allge⸗ meine Sle unterſucht nicht, was dieſes oder jenes Itj⸗ dividuum von Menſch, ſondern was der Menſch uͤber⸗ haupt iſt, und was ihm vermoͤge feiner Natur zu thun und zu leiden zukommt. Sie unterſucht nicht was in einzel⸗ nen Faͤllen recht oder unrecht if, ſondern was uͤberhaupt Recht und Unrecht iſt, und durch welſche Merkmale ſich beides von einander und von andern Dingen unterſcheidet. Ob dieſer oder jener Menfch gluͤckſelig iſt Sgehet ihr nichts an, aber die Unterſuchung über die menſchliche Gluͤckſelig⸗ Belt. überhaupt, worin fie beſteht, und wie fie erlangt wird ©), Diefed: Allgemeine iſt nun Fein Gegeuftaud den | | :M 3 | Ans Yıraz.. za. üa Tavra Öy „TIPAWTEROV EFISANY 0Q- I doöy az mar daPepeı Üssuw erısy vyoasys dosys Sophilta ©. 274. 275. Ä de Republica'VI. &, 165. 166, Die Vernunft ö wird. ro RıAoaoPov genannt ‚d e.Republ, IX, .. 62) Tbeae tet..©. 117. 'TW aa ovri rTov ToLwToV | (ev Darocodıa dınyorra) 6 MEN mAHGIOV Koy 6. yer- Tor AeAnIEV,; 8 Wovov, ö Tı mente, aM oAıya wg es avKow og Eziv, 4 Tao Iespua Tu da nor es arme, ny Ti Tan Tolwury Ducar Moasnyet ‚da Dogov Twv uMwv mov 4. maoxXem, Inre Ten Teeyuxt exe dyspsuviomevog,. © II ran ds ys TE aurov, @ DuNe öhrvan av, may E$eAnen Tis “u: AUTO er dyvay ELTETIEYO CE audıno, au SME, BIS anEnıvaurng dinnsocuvng TE na adınıas, mi rs Erxzrsgov AUTO, ROY TI TAYTWW En au Öaeperov, n en Ta 81 BasıÄnaug SUvdwIınwy, KEurnusvog T au moAu «eusidr, 815 Busınsıas wog nu avdowmırng Orws EVÖHLROVInS Ka Ayo TyTag smiankııv mol 562 Zweites Hauptſtuck. ESechſter Abſchnitt. Anſchauung, ſondern bloß des Denkens; Daher nennt es Plato das Unk drperliche Cavtunarov;) Nicht fͤnn⸗ liche (aioy, adpara) 93). Inſofern dieſes "Allgemeine die Bedingung ff; unter welcher alles, was iſt, gedacht werden kann, iſt es das Weſen der Dinge (To ov, 4 ovoic), und weil es auf keine Zeit beſchraͤnkt iſt, un veraͤnder⸗ Ach und nothwendig *). Gegenſtand der Phiſoſo⸗ ꝓhie iſt endlich, die intelligible Welt, der Zuſam⸗ menhang aller Weſen, inſofern fie durch die Vernunft ges dacht wird F).' ... : N) + HI. Da der Begenftand ber Phllofophie. das Denk⸗ hare if, fo beſteht das Mittel, dieſe Etkenntniß zu erlan⸗ Bi re SR gen WwöIo TE rıvs E50V, ya rıyva rumö) av $Sewrz Duvsı meosnası To 459 ATNC ag Ya aurom rods amoDuysıvim“ ©. 141. 63) Phaedo'®. 179. 180. Tuv ds ara Taura ExXovruv a4 E5IV Oro wor" av ar w-eriraßeio n To vr: Stavoras Aoyısuwi aM Ev aeıdn Tu TOIMUTa Ro 2X, OeaTaln Politicus' ©. 64. 65. Ti. maeus ©: 348° Ben 64) De Republica VI. S. 73. Yswgu mare xeovs, muang de worag. Phaedo ©. 178:'The- aetet. © 143, 5» uEV agu Tois maInuacıv\sr Evi swisnuns'sv ds Tu. mwegı EnEıy@v @uAAo- yısuo. 801n5 yap nal arntelag evrauda uern, cs Bons, Ouvaroy aan, suer Os &dur yarov. — | or 65) De Republica VI. S. 73, tvarrıwrarov Yap ra aquineonoysa uxa mEeRBeEn TE. —Ns na Far. Frog us gmogsyEsyar YE4s TE HS wV Hewmivaıyıc ee | \ Philofopfie.des Pla. 2063 gen; einzig und allein in dem Denken So wie es einer weinen Wiffenfchaft zufomme, verfaͤhrt fie bloß allein: mit Begriffen, die von allen Anſchauungen ‚abgezogen | | IV, Der Srundfag alles Philoſophirens iſt der Sag Des Widerſpruchs und deg Grundes. Es if rin GSeſetz der Vernunft, von Bedingung zu Bedingung aufzuſteigen, bis fie das Abſo⸗ lute, was ſchlechthin if, und nichts weiter - — vorausſetzt, erfannt hat, und. auf dieſe Weiſe die | Ephäre des menſchlichen Wiffens zu volleunden 9), - Ein anderes Geſetz des Denkens it die Einheit und Ueber⸗ einfimmung mie fi ſelbſt. Die Vernunis arbeio , | N 4 Br .; 66) De Republica VI. ©, 122. avrors sı8e- ci di’ aurwv rnv us$adov möizusvyn Dies ſes iſt auch der Sinn des fo oft vorfommenden Aus—⸗ drucks, die Seele betrachtet durch fich ſelbſt. z B. The- . aetet. ©. 142. aM aurn di dur 9 Wuxn T& “nova 01 Daywsray megı Fayrıv emianomew, Phaedo ©. 148. 149, 67) De Republica VI. ©, 122, (Anmerf, 55), WVerglichen 125, VII. ©, 133. 135. 136. 162. zu0y ÄTos non auroç E5W. 0 vamag g To diaAsysg Ius mEgaIvmv’ GV Kay ovra wonrgy iur’ ay n Tg oveus duvauic, MU EREYOUSy areos auTa non Ta Gum ergo amroßrsmew, ng wen ayra asyz TE u TEREUTOOY. dm TrEOS auTep Tor ir, Fr α— STavTrıs To GI@ASYESFar STK HEN: aY EU TaCav Tuyv. KısInagwy, dyw TE NPYE em WuTra Gg54V Enaseov bpuav, Kar Gau MR “mosn, meivayaurg ö 85V ayayeyaury voncas Kaßy, ToTrs.ön em ayTW yıyva- Taı vo Tavonra rercı Phaedo ©, 230. 264 Zweites Hauptſtuͤck. Schetkt Abſchnitt. ger alſo vahln, alle Erkenntnifſe in ein Sy tem zu vereinigen, welches in fi einſtimmig fr und allen Widerſpruch ausfhlleße-yr" | So wenig diefer Begriff völlig beſtimmt und eiſcho ⸗ pfend iſt, fo aſt doch auch das Verdienſt des Plato um die Phlloſophle durch feine Entwickelung nicht zu verkennen. Denn er gruͤndet ſich auf eine, wenn gleich nicht vollendete; doch ſcharfſinnige Eroͤrteruug des Erkenntnißvermoͤgens und Unterfcheidung. des Denkvermoͤgens von der Siunlich⸗ keit. 1) Es unterfiheidet wie Philofophie von allen empi⸗ riſchen Kenntniſſen, 2) felbfi-von den mathematifchen Wißs ſenſchaften/ welche es bloß ‚mic Verftandesbegriffen zu thun Haten. Nach ſeiner Beſtimmung machen Ideen ‚oder Bew nunſtbegriffe dag eigentliche Gebiet der Philoſophie aug, Er erlennet in der wiſſenſchaftlichen Form den eigenthaͤmli⸗ chen Charakter der Philoſophie, Durch alles dieſes iſt fuͤr das erſte der Stoff und die Karin der Philofophie. beſtimmt, ‚und ein befonderes Gebiet des menſchlichen Wiſſens bezeichnet‘, welches durch das forts geießte Forſchen der nachfolgenden Denker immer mehr. en gebayer werden konnte. Unſtreitig hätte Plato noch weit ſchaͤrfer den Begrif und das Gebiet der Philoſophie beſtimmen koͤnnen, wenn er theils das Denkvermoͤgen hätte einer Kritik unterwerfen, u die ET und seinen Erlenntniſe nach einem be⸗ 68) Phaedo ©, 226. a! au du raury ye weunsæ. MM UWOHEMSEVOS EHRSOTE Anyov, or an ner veo Spfwueresaron Eivar, a wer a wor Bong rer vußovsin, Tıdamı wg aAr Yn eva ad weg ırenn an wagt Ta? wiAnDs ÄTrEerTan ad au er > de Legib, Ih ©, 132. wog: yar an uvid kuadmnına yeraım! an Deavnueng nat To aningeraren ALL LITE DE SIE Philoſophie des Plato. 265 flimmten Kriterium ſcheiden foͤnnen. Er wuͤrde dann die empiriſchen und reinen Bernunftbegriffe, die materielle und formelle Gültigfeit des Vernunftgebrauchs unterfehleden , und dann miche fo fchlechthin die Vernunft für dag Erkennt⸗ nißvermögeh gehalten haben, Allein die. Kritik des Denk⸗ vermögen fann ihrer Natur nad) nur die Folge der hoͤchſten Ausbildung der Bernunfe feyn, und muß die Erörterung des Erfenntnißvermögens nicht beginnen fondern beſchließen. Aus eben dem Grunde mar auch die Scheidung das reinem Fintelleituellen von alem Empirifhen noch nicht möglich. Die Merkfiale, wodurch er die nichtempiriſchen Begriffe zu beftimmen fucht, nehmlih das Bemeinfame (re kowov) oder: Allgemeine, - die Unveränderlicdhs keit des Begriffs, oder dab ihm Fein Gegen⸗ Rand in der Erfahrung entipriht, find zwar pon der Art, daß fie Begriffe von den Vorftellungen dee Sinnlichkeit unterſcheiden, aber’ fie reichen nicht zu, die entpirifchen: Begriffe von den nichtempirifchen beftimme zu trennen. Plato betrachtete bie Gattungsbegriffe fon als reine DVernunftbegriffe, weil ihnen fein Gegenfland der Anfhauung voͤllig angemeffen if. Ein Umftand, weldyer großen Einfluß auf feine Philofophle Hatte, und ihn hin⸗ derte, die Thätigkeit dee Vernunft und Ihre Geſetze in ihre rem ganzen Umfange und aus dem richtigen Geſichtspunkte anzuſehen. Gin anderer Irrthum, der in fein ganzeg * ſtem eingreift, und mit dem vorigen zuſammen hängt, be⸗ ſtand darin, daß er die Ideen nicht als Producte der Ver⸗ nunft, ſondern als urfprünglich der Dernunft gegebene — betrachtet. | . Das Problem, welches Plato der. Philoſophle aufs — sob, beffand darin; dag Abfolute und Un» bedingte zu allem Bedingten zu finden, und dadurch den Inbegriff aller menſchlichen Eros fenntniß. in ein Spftem zu bringen. Nach fels ner Anficht nun finden fi die Prineipien aller Erfenntniß ſowohl der theoretiſchen als — in der men 5 266 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. Hi enthält den oberſten Grundſatz des Denkens, des Er⸗ kennens und. des Handelns. Da ſich aber das ſonderbare Factum findet, daß ſich die Erfahrungsgegenſtaͤnde nach den Principien der Vernunſt richten, ohne daß dieſe aus der Erfahrung entlehnt find, fo entſteht die Frage: welches af der Grund der Uebereinſtimmung der Er⸗ fahrung mit der Vernunft. Die Beantmortung derſelben nöthiget die Vernunft aus ſich ſelbſt heraus zu ges hen, und den Grund davon in einem überfinnlis ben Wefen zu fuhen, welches die Urfade aller Welteinrihtung und das deal der Vers nunftift. Die Theologie ift alfo das legte Ziel der Vers nunft.s;Hat fie das erreicht, fo kann fie erſt von diefem letzten Grund; alles Geyns auf den Inbegriff aller Welen, die Welt herabſteigen, und das Verhaͤltuiß der letzten zum erften unterſuchen 9). 2 Kin Zheil der Platonifchen Philoſophle ift- alfo ims manent:,' infofeen er die Principlen des Denkens, Ev fennens und Handelns “in der Vernunſt auffucht; ein ‘anderer aber Tranfcendent, infofern ee den legten Grund der. Vernunft in dem vollfommenfien Weſen zu grforfchen ſtrebte. ne Eine 69) De Republiea VI. ©,.124, 70 reivuv ere- gay uavIave Tune T& vorTs Asyovra us TaT0, & auTos 0 Aoyog Emrerog, 74 TE dIangyssIoy duvaneı Tas vᷣro Sedei MOIBMEVOG, 84 WEXaS, UT OVTI . vmo$sceis, div smılaccıs TE noy oeumg* va MEX,pL .r8 aAvUmoIET# EMI TNV TE WUVTaS ag- xnv op, äduusvas ayrn%, wanıy au EX, MEVOS Twv EREIVNg EXoMEYOV, KTwg 5m TerEuTnv naraßarın, ysIarw marrarasın De 717 717,7. 7720 ar” möscıw auras di are eis KUTa, KU TEAEUTE © erdn- Verglichen VII. 1.6, 132, 133. 163. | Philofophie.des Plate‘: » _ 267 — Eine logifhe Eintheilung der Philoſophle In ‚Ihre, beſondern Thelle findet: man in Platos Schriften ale: aber hoͤchſt wahrſcheinlich war. er der Erſte, der Ben Verſuch machte, fie nach dem: drei: großen Gegenftäns den. in die Logtkt, Phnfioiogie (Metaphyſik) und praktiſche Philoſo phie einzutheilen. Denn ob⸗ gleich nach dem Sextus Uriſtoteles und Senotrates zuerſt dieſe Thellung vornahm 70) fo führt ung doch eben dieſes Kacfum auf die Vermuthung, daß beiden ſchon Plato darin vorgegangen war, zum wenigſten den. Weg Dazu gebahnt hatte, Zweitens finden wir in Platog Schriften die Hauptprobleme diefer drei befondern- Wiffens ſchaften angeführt, Er gedenkt nehmlich 1) einer befons deren Wiſſenſchaft, welche das Problem zu löfen habe: welche Begriffe laffen fi einftimmig mit eins ander verbinden, welche nicht? Ohne Berbindung der. Begriffe. ift Feine Sprade, kein Urtheilen und Dens ten, alfo auch Feine Philoſophie moͤglich. Da es aber eben fo möglich it, Worfkelungen zu verbinden, welche zufammen gebödren, - alg folche, ‘die nicht zufammen gehös ven, und da hiervon die Wahrheit und Falfchheit der Urtheile abhängt, fo leuchtet die Unentbehrlichkeit und der große Werth einer Wiſſenſchaft ein, welche die Verbin⸗— dung der Begriffe wiſſenſchaftlich unterſucht. Dieſe Wiſ⸗ ſen⸗ 70) Sextus Empiric, adverl, Mathem, VII, >. & 16. mwAnv ET usr eRumws avesead Fu doaxcuv. | EVTENSSEEDV. ds TAEX rTærTæc, oͤt FMOVTEg TH Diro- coPias To wsy Tı eıvay Duninov, ro ds yIımov, To ds Aoymor' wv duvausı wev. IIAarwrv Esıv aexXnyos, me morwy Mey Ducinwy, MER TMOA- Awv ds „I RY , ar oAlyav de Aoyınay dranex Iens" enrorara ds dı map Tov Esvoneurn no 6 ao TE : ‚Tlegmars, erı ds cı amo Tns Zroag, #68 Zweites Hauptſtuͤck. Sechster Abſchnitt. ſenſchaft nennt Plato Dialektik, weil fiesdadsrai g= estas das Denken zum Gegenſtande hat ). ri | 2) Die theoretifche. Philoſophie hat Das Geſchaͤft, bie legte unbedingte Urfache alles deffen mag if, aufzuſuchen, und dannhieraus die Natur gu erflären 7%). Er umterfheldecihler, wie «8 ſcheint, zwei befondere Theile derfelben , "welche man die Meta⸗ phoſik des Ueberfinntichen und: die Metaphyſik ber Natur nennen foͤnnte. Denn dieſer letzte Theil miſcht nach ſeinem Begriff gar nichts Sinnliches ein, ſon⸗ dern hat es bloß mit reinen Begriffen zu thun. Die Phoſit aber hat die Naturgegenſtaͤnde zum Objecte, "Welche veraͤnderlich find, alſo vermittelſt der Wahrneh⸗ miung erlannt werden 73). Der erſte Theil beſtimmt das. tzte 71) Sophiſta S. 273. 274. ri Ö'gmeidn nu ma yee, vn meos aA Kara Tavra wıfEws EXew WuaAoyy- yauev, ET æ uer emisyung Tas avaynöyov dıa Toy Adywv, Mogsussgy TV oedws WERTE dark, wor Foo cuuuvei Try yevwv, 14 wol® ara 8 ds- KErog; noy On any din mayrıoy er Guvexovrg Taur BsiIv, wSE oyuumyvusdu Öyvara eva; noy mar ey Tu Ötypsosaw, & di OAmy Erkea rn: duupeiswg TI — RWs Yyag 2x EmIiSnugs ds, Ka GXEd:V YES Idws Tas MEYISHS — TO Harz veyn Öroygeıs9y, may unre TauToy endog Eregev yyy- end, Mrs Eregov 0v TaUTor, uw 8 Tys dıa- Renriung Droouer smısnung even; Verglichen Theaetet &, 151. Saphiflla ©, 296, 72) S. Note 69. „„) De Republ, VI. S. 224. (ste 69). Rhileb, S. 305. 906. ers 34 Meg Dussws nyaray ric cn \ ey, 015$ or Ta ee Ton nogmau Tayds, Ory yEyo- = i | vg, Philoſophie des Plato. 269 letzte Praͤncip alles Sebns, die ——— Urfas- he, welche das vollkommenſte Weſen (aryasov) iſt. Plaro nenne. ihn daher die Wiſſenſchaft des volle fommenften. Wefend (j ericyuy Tou ayasou) 7), Sie iſt alfo nichts anders als Theologie, die Willens ſchaft, wodurch die Vernunft den Kreld ihres Wiffens bes x fehließt. ‘Der zweite Theil ift die Wiſſenſchaft der Natur, infofern ſievon der abfoluten Urs ſache abhängt, nad Wrincipien der Vernunft. Dieſer Theil ſeiner Philoſophie iſt für ung am mes fen ein Geheimniß. - Denn nach den oben angegebenen | Begriffen iſt dieſes eine Wiffenfchaft, wo alled and Bes griffen ſtreng erwleſen wird. Das Wenige aber, was en ' aus derfelben im Timäus ‚angeführt hat, mird nur alg Etwas Wahrſcheinliches gegeben, das Einzige, was die Vernunft leiften koͤnne. „Pon den Göttern und der Ents ſtehung des Weltalls Haben ſchon Viele Mancherlei gefagt, Es darf alfo.nicht befremden, wenn mir nicht im Stande find ‚. vollfommen einftimmige, und mit der größten Strens ge abgewogene Lehrſaͤtze daruͤber aufzuſtellen; und wer be⸗ benft, ve, noy oͤr⸗ mache m nu I mom, rauro Sa din Bis — auaH & mei Tun ovra an, me de To yıyvoulva HU YEynöogdevar nöy yEryvora yutv' (Huıy) roœæsroc arnente Tov mov: — TaT 20 7 0a. De: av Dauiev 77 —E arnterd yıyvesdag ; Bv Kate doxe under mumors Hark Tata, un® des, unre eic To yov ragor exer. 74). De Repnblica VII. ©. 163, ro ri Ti SansyesYoy ETIXSIEY avsv marwy TV Ir, din, T2 Aoya Ei’ auto 0 Egıv Erusov demay" noy Bow un amosn TeIV av aurH 6 E5ıy ayadov wurn Yonaes * Aufn, TOTE du en’ auto yıyyary TO Ta — Te. ner. Berglı ©. 133, VI. & A 276 Zweites Hauptſtuͤck. Sechster Abſchnitt. denkt datß die ſowohl, welche fie vortragen, als diejenl⸗ gen, welche fie beurtheilen, Menſchen find, der wird nichts mehr als Wahrfeheinlichkeit verlangen 7). Indeſſen ſcheint Plato nach andern Acußerungen in eben demſelben Timaͤus, die gewiſſe Erfenutmiß von dieſen Gegenſtaͤnden keinesweges für Mmmndalich, ſondern nur für. ſchwer gehalten zu haben 76),; Waͤhrſcheinlich waren aber gewiſſe Nückfichten auf die heres: ſchenden Vorftellungsarten und die Gefahren ‚melde eine frenmätbige Unterſuchung diefer Begenflände beſorgen ließen, die. größten Hinderniffe, welche er Mb ‚nicht zu überwinden getraute, und-fid) daher nur -begmügtey einige abgeriſſene Säge" und Winfe, unter dem Deckmantel bloßer Meinun⸗ gen, die nichts ale Wahrſcheinlichkeit fuͤr ſich Haben, in dem Timaͤus und an andern Orten vorzutragen. Die Naturwiſſenſchaft ſcheint Plato in die allges meine und befondere, die letzte aber. wiederum in die Körperichte nnd Seelenlehre eingetheilt - gu ha⸗ ben. Die beiden legten, ſagt er, fegen die erfie voraus, wenn fie gruͤndlich bearbeitet werden follen 77), Ju deu st vi >: ä —— er⸗ 44 95). Ti maeus ©, 304. F 26) Timaeus &,303. ror ev au money may ward ga Tuds 72 Mavrog Eugeiv TE EpYovi may Eugdnaray | es MAVTAS aduyarov Ac veav. ©, 340. Tv EV mil - may ATE ReXnV TE aeXass ATS on done warwy msi, To vun & enteov" Di ao men ade, din Ös TO XaXEmod ey nat Toy MagoyTa TEomoV ans dıekoda Öykwoiy ra Sonate, 77) Phaedrus ©, 379 371: Plate ſpricht von der Rhetorik und Arzneikunſt, ev’ audoreeins der Fiensg- “I Dücw, cwuurög wer; Ev ri Ergph' Wuxis 88; av Fi rer Allein es If wohl feinen Zweifel unter, worfen, daß er diefe Wiſſenſchaften auch in phifofopdis ° fcher Hinficht betrachtet Habe: — uns au Dvaw af | w \ Phyloſophi⸗ des plato. ——— 271 f erfien toerben die Endurſachen md Natururfachen, oder mit andern Worten die Zwecke und Gefege, ber Natur unterfuche 79. 3) Die praftifche Philoſophie bezeichnet Plato durch verſchiedene Benennungen und Erklaͤrungen als eine befon⸗ dere Wiſſenſchaft. Er nenne fie a) die Wiſſenſchaft | des Guten und Böfen (erımun mes To ya oy nano), Ungeachtet jede Kunft und I: ſſenſchaſt den‘ Zweck hat, etwas Gutes gu bewirken, fo kann ung doch feine derſelben gluͤckſelig machen. Dieſes kann nur eine eigne Wiſſenſchaft thun, welche uns lehret, wie wir recht handeln und dadurch glückfelig werden ſollen. Die Arzneikunſt, die Steuerkunſt, die Taktik und alle anderen Kuͤnſte des Lebens, koͤnnen ohne dieſe be⸗ ſtehen, und ihre Zwecke erreichen. Daß aber alles dieſes auf die rechte Welſe geſchehe, und: unſer wahres Beſte bes fördert werde, dlieſes iſt der Zweck jener Wiſſenſchaft, nicht dieſer 7%). b) Die Wiſſenſchaft des Beſten Cerisnun ra Berrise) ®°). Die Wiſſenſqhaft von — Rn ge bei ws Aoyz naravonday ol duvaron ea avcu ch Ta ONE Pucsas. 78) Timaeus ©, 339. 'tov de vou Hal amıkye Edacy —R was A —D Ouoecog airiaę mgw- as stadiconeh. oda ose um all EV. Wbunz- vwv, Eriga Ö’ 85 avayıyy kivduytiuv YıydbyFai;> Ögua Tepas mosyreov ry 79) Charmides 5. 8. S. 151. 152. anrduour⸗ roxevoę or ou +6 cæigyusvuoug Yv Sr, ro zu Abars rev Ts Hal sböauuoveiv mobuv; dboͤs Zupmadwi. 7a alluy srisyuwv, add Miag oboyy Pautiyg, Aovov Tys Kepı #0 ayadoy Fe dal Kakbh. , 80) Alcibiades Hl, & 90,91, - ia 272 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Asfniet, dem; mag man- thun und nicht thun ſoll, ober vou dem Rechthandeln %), _c) Die Wiffen- — von der Handlungsweiſe, melde Zweck an... iſt 5). d) Die Wiſſenſchaft von des menfſchlichen Glüdfeligfeit $). Dieſe Wiſſen⸗ ſchaft lehret, wie die Menſchen beſchaffen ſehn, und wor⸗ ‚nach fie ſtreben follen, und mie fie dieſes realifiren konnen; ſie lehret, wie der Meuſch durch feine Vernunft Eins mit ſich ſeibſt ſeyn (ol; ſie bringet dadurch Einheit, Ordnung und Uebereinſtimmung in alle Huwölnugen des. Menſchenz fie beſtimmt was Recht iſt für. alle — des Men⸗ fpen und der Staaten A, | —— F Wr Diele, 3 39 Definitionen r Il 3.6, 288, On wi emimm'ayafoy: na war — Öfen was. YV: NatemvonEv Tı rvanr eoy var TI 00 — — RR? Ei DD S⸗ 46. e 82) Euchy — ©. 4 rolaurye FOR aa Ypıv emisyum de, — j Ounrmertrwaev apa .70, TE massiv xar To amızasyar Koysdas rourw, 0 av Rad 83) — ————— ©. 150. tr. Definitio-⸗ "mes. ©. 288. Ooayyaıs, Övvarug monyiry ag duryv. mys abdpwrov zUVönmsnag. — EMISYMN moryrıny zvVönıpavidg. | 84 Gotgias ©, 123-126, Alcibiades I. ©. 34:° Alciviades II, ©, 93.94. 6 ey yo wadoupevjv moAupadetay TE nun moAurey av * NERTIMEVOG, ooPavös de wv Tautg Try Emm “. ayopevbs, de LMO pas rar; ; rwuaAley, au buXı TW ‚ our draiag oA‘ Yarpwvı Yoyderos;’ Are Dina auau xußEgvyTon nareAu sv mslaysı, 'XgBVoy :0d | Mar Philoſophie des Plate. = 273 - Diefe Stellen find Hinreihend zu beweiſen, daß Dlaro wirklich drei befondere philoſophiſche Wiſſenſchaften, nach den- Hauptgegenftänden unterſchied. Wenn er fie auch vielleicht nicht ſelbſt vollſtaͤndig bearbeitete, wovon wir nur dann urtheilen koͤnnten, wenn wir feine eſoteriſche Phi⸗ boſophie volllommen lennten , fo tar doc die vorlaͤufige Grenzbeſtimmung drei großer Felder in dem Gebiet der Phi⸗ Iofophie, ein Fortſchritt zur wiſſenſchaftlichen Cultur, den wir dem Plato verdanken. Es gehörte auch in der That fein] zu großer Grad von Scharfſinn dazu, um dieſe Theile gu unterſcheiden, dba ſchon mehrere Reflexionen und‘ For⸗ ſchungen uͤber alle drei Theile, obgleich zerſtreuet, vorhan⸗ ben waren 85). Ein größeres. Verdienſt war es, alle Theile der Philoſophie ang einem Princip abzuleiten, ihre Grenze und ihren Inhalt genau zu beſtimmen. Hieruͤber finden wir in Plato's Schriften nur einige. Bemerfungenz die erſt Dusch Ariſtoteles ſyſtematiſchen Geift fruchtbar Wecnn indeffen auch Plato. darin noch ſehr viel zu wuͤnſchen übrig ließ, fo mar er doch fo weit gefommen, deß er den Zufammenhang zwiſchen biefen drei Theilen estannte- Da fie alle aus dem Streben der Vernunft nach Erkenntniß entfpringen , ſo müffen. fie Durch ihren gemein« ſchaftlichen Urſprung und durch Die Einheit des Zwecks, welchen die Vernunft beabſichtiget, in Verbindung ſtehen. Die Unterſuchung dieſes Gegenſtandes, welche die Zuſam⸗ menſtellung einiger zerſtreuten Bemerkungen erfod rt, wird nicht ale Licht über fein philoſophiſches Syſtem — — panpov Aio m) Ser ds asibm 1 III, ‚©. 132. 85) Apuleius de Philofophis Platonis G. 367 Dioge Laere, 1il. 8. on | — Welcicte der Abiloſophie It. wol. S —* 074 Zweites Hauptſtͤck. Sechſter Abſchnitt. Der Zuſammenhang der Dialekktik mit den beiden Übrigen Theilen leuchtet am deutlichſten ein. Die theoretl⸗ ſche und praktiſche Philofophie koͤnnen nur durch Denken zu Stande gebracht werden. Die Unterſuchung, die wiſſen⸗ ſchaftliche Erkenntmiß der Wahrheit iſt ihr Zweck, der nur durch die Verbindung und Trennung ber Begriffe nach Prineipien erteicht werden kann. Dies Verfahren mit Bes griffen zum wiſſenſchaftlichen Gebrauch lehrt die Dialektik Dieſe iſt alſo ein fo wefentlicher Theil der Mhilofopbie, daß u. zumeilen’ alle reine Philoſophie Dialekt: nennt 29. Da die Wiſſenſchaft des abſoluten Grindes ‚alles Seyns ( Theologie) die hoͤchſte Wiſſenſchaft ii dem Theore⸗ Uſchen iſt, fo ſtehet fi ie mit allen Theilen der‘ Phrofiphte in Wirbhidung. ° Die Vernunft erhebt ſich vermittelft des Denkens an der Hand der Übrigen Wiffenfchäften zu diefem lebten Biele alles: Wiſſens. Keine Wiffenfchaft befriediget das Streben der Vernunft, dur) das Unbedingte den Kreis des Wiſſens zu beſchließen, jede giebt dieſem Streben viel mehr neuen Stoff und neuen Reif Alle Wiſſenſchaf⸗ ten ſind dleſer letzten untergeordnet, und’ dienen gleichſam fü Stufen, auf welchen ſich die Vernunft zu dem Ueber⸗ ſinnlichen erhebt. Die Naturſorſchung, die Moral, ſelbſt die mathematiſchen Wiſſenſchaften ſind alſo Bedingungen zart Belebung und Verflärfung der innern Maft der Bere nunft/ wodurch jene Wiſſenſchaft tealiſirt m er) Die er AR. tn I ,, 3 i 86) De Republicar VII. G. 162. za say un arocy mov av auro ö scıv ayadov.oury voyosı Aaßıy rors Öy Em aut yıyvaraı rw TOU voyrov rersı. — = m vuw vor ölk: sariiyy TaUTyV TV mopaxv Maksıyz Berg. ©. 164, 165. 107. 108: ° 77) ;» 97) Theaeter. S. 416-1212. de tepubli« ca V. ©. 56, ſeq. Vı. ©, 70-74, 103-105. 98) de republica VI. &,75, 82, VII. ©, 169. Epiftola VII. ©, 135, &u ös Aoyw rov py Euy- Yen TOD moaryBarog our’ a zumasin NONE ROTE OUTE VOM. \ Ä 282 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. Die Bildung des Philoſophen beſteht hauptſaͤchlich darin, daß feine Bernunf in freie Wirkſamkeit gefest, und vom Sinnlihen abgezogen wers de: Dieſes gefchlehrt theils durch die Beherrſchung Der Begierden und Leidenfhaften, theild durch bie KRidtung des Denfvermögens: auflnidts finnliche Gegenſtaͤnde. . Beides drückt Plato durch manche, bildlihe Ausdruͤcke z. B. NReinigungider Seele, die Trennung-der Serle von dem Koͤr⸗ Ber, oder Den philoſophiſchen Tod, aus, und gehört: groͤßtentheils in die Ascetik. Die Richtung des Denkbermoͤgens auf das Nichtſinnüche aber wird nach dem, Plato, hauptſaͤchlich durch das Studium der mathematiſchen Wiſſenſchaften bewirkt, melde: In diefen: Hinſicht «die Huͤlfswiſſenſchaften des Philoſophen J ausmachen ®). Die Mathemalik unterſcheidet Plato nach den oben angegebenen Merkmalen von der Philoſophte. Das Qbject der mathematiſchen Wiſſenſchaften find nehme lich nicht Bernunftbegriffe, ſondern Berftandess begriffe die mit jenen. zwar dag gemein haben, daß ihre Objeste unveraͤndenlich und emig. (nicht ſinn⸗ lich) ſind, ſich aber dadurch unterſcheiden, daß ſich bei ih⸗ "nen nichts Letztes und Abſohutes findet. Denn es giebt nur eine Idee für jede Klaſſe von Diugen, und iht Weſen beſteht in der Einheit; von jedem mathema⸗ tiſchen Gegenſtande, (3. DB, einem Cirkel) kann ſich der Bey ſtand aber mehrere vollkommen gleiche Vorſtellungen bilden, von welchen feine höher oder niedriger als die andere iſt. Eine feine Benerlung, welche he volles Licht erſt durch die — nz u Con⸗ i \g9).Rhaecdo ©. 140 feg.152. eq de.re- publica VII. ©, 169. feq. Ak. -; J Philoſophie des Plato. 083 Konftenetion ber Begriffe a priorierhalten hat IM Das her fehlt es auch diefen Wiſſenſchaften an der ſtrengen wiſſenſchaftlichen Form, welche der Philoſophie eigen if. Ä Der Mathematiker hät ‚Fein Princip, ‚von. welchem ex aude - gehen kann; er fegt nur die Begriffe von Gleich und u⸗ ⸗· gleich, Figuren, Winkeln u, ſ. w. voraus, ohne fie mel. der, deduciren zu koͤnnen/ und entwickelt aus diefen eine Menge von Folgeſaͤtzen 101). Auch kann der Mathematiker micht gang des Sinnlichen entbehreny. Er niuß zum wenigſten ſelne Figuren zeichnen, und ſinnlich darſtel⸗ len, wenn gleich nicht dieſe Anſchauungen, ſondern die reinen Begriffe des Verſtandes dag PO Object feines Beichäftigung ausmachen ML | . Den ne ee ae 100) Ariftoteles ask I. c. 6. Er õs mapa) ma asgyrR ν ta, 2104, TRyosyna- Tina Twy moa/uarwv Eva Gası (Oysı) pera&u, | staDegovra riuv ei astyruv, Tw aldın na auuyta eivar, Tırv ös 2100, Tw Ta Je molda arra oͤuoia *vrau. — EEidoc auto iv Eragon Havan ”.401).de Republiea Vu: — “I mag os srõcvcu, örı 6 msgı Tag YErpETplag TE Has — no Ta TOlaura moaynarevonevor, vmose- e voi TO TEMEQITTOV RO. TO-RPTIOV, Kal TAX - OR, WED: yaruagav TOTTA-EÖN zo oA OUT —R Ga ag Enasyw. na9odan,, ravra MEu g..E1Ö0TEE , crornoaue voi LmOFETEN aura, oxdeva Aovov ayrs au. -· Tag taurts aAkaıs Fri agıoua xcoi aurwv ‚Juöovaı, ‚dig rauru Davsgwv „ 54 TOUTWV 6’ anxopEvor, Ta Aoı- ra vn dre£iovrsgz reAsuraigıy ‚ÖpoAoyoupeusus sm MoUTO , öu-av.m OHeNyın an S. * 125» VII. ©, 105. 166, > 4 02) de: Republica vi S. — BUrdw oꝛ ori rToig rn eideo MpogKguvrar, va, ayus A0- vou⸗ 284 Zweites: Hatiptfiüd. Sechſter Abſchnitt. Demungtachtet fichet die Mathematik in einem ſehr ‚gehauen Zufammenbhange mit der Philoſophie, denn Berftand und Bernunft, deren Ergeugniffe , - Mathematik und Philoſophie find, machen das gefammite Denkvermoͤgen aus, und die Entwickelung des Verftandes befördert die ‚Entmwicfelöng der Vernunft. Indem die Mathematik durch eine leichte und angemeffene Webung zum Denfen:reist, und den Verftand uͤbt und ſchaͤrft, iſt fie gleichſam eine Pros padeutik der Philoſo phie 103). Dieſes zeiget Plato ausfuͤhrlicher an den einzelnen Speilen der Mathematik, und verbindet damit zugleich einlge inte die Bearbeis ad derfelben. — Ian? Eat ae | = Eriter — der Philoſophie. — | | Dialettit. Wir FIR in ben Vlatoniſchen Sqriften zwar nur — und — über den logiſchen Ver⸗ nunft⸗ Moubęẽ ER aureu mOrDUVTäL, OU xExoi TOUTWV ÖlRVOOL- vor,‘ aÄN, ereıumv men dig Täura eoite, Tou Te- Toaywvov. aurou Eyvera rovg Aoyoug mDUnEWt, Hal dtaerpov'autyg, oν rauryg Hv ZpmDovar. xaı em aika Huter, ara MeV rayra, aͤ #arrovon Ts ga YWoaDevam, ww x Or Kar Ev bᷣhaou cunoveß iioi, TouToic ev einoaiv au YOBEVON, Qyrauorss ;re auro unerva Wen dun al As idor is yry diavoig. 103) de Republica I. €. 166. agesusı ouv ey ſasv rölry poav EemigyuyvsaÄstv, Ösure- gay. de duavorav, airıw ÖE mg, Mau, &madıav ” | | * / 0 oe de a nunftgebrauch, indeffen ergiebt fich aus der Zuſammenſtel⸗ lung derſelben fo viel, daß unſer Philoſoph ſchon Die meis ſten Kegeln dieſer Wiſſenſchaft kannte, und daß er für die foftematifche Bearbeitung derfelben, durch welche ſich fein - Schüler ſo ‚verdient gemacht hat, die meiften Materialien geliefert hat. Eben fo verdienflich find feine Reflerionen uͤber die Vorftelungen, und ihre Arten, über die Entftes Hung derfelben ,; Über die verſchledenen Vermögen der Gew le, welche dabei wirkſam find, weil fie auf Gegenſtaͤnde die Aufmerkſamkeit lenkten, welche von ſehr größer Wichtig⸗ keit und doch noch faſt gar nicht unterſucht waren. Wir werden daher die Bemerkungen beiderlei Art hier zuſammen ſtellen. WEN Es gießt nach dem Nlato nur zwel Quellen, won aus alle Vorftellungen und Erkenntniſſe entfpringeh r nehme ip Erfahrung und Vernunft; die Erfennmiß felbft aber iſt eim Product des Verſtandes, indem er jene Vorſtellungen in Begriffe und Ureheile faßt 9). Wie müffen alfo erft von den eitizelnen Beftandrheilen der Er⸗ kenntuiß, und darin von diefer felbfE handeln. | Wer eine Vorftelung hat, muß fi et was vor ftellen, denn fonft würde er fih nichts vorftellen, dag heißt, rstapry, naı Zuvauherspx mev. raura dogay, Zub auDorspa :0' zuewa voyaıy. — maga dury y moayparsıa Twv Teyvwv; dis ÖmAdouev; raury EYE TYV Övvanıv, ou gmavayarıyu rau BeÄrisov Ev VV rooc TyV Tou agicou £v TO 0v0ı Isav, Vergl. S. 146, 148. 149. 150%, 153, 154. 158, 161. 104) de Republica IX, S. 260. rırı xpy xpı- vesYar Ta meAlovra nakay vpiFyoesFaı; ad our eR- mei“, TE na Opovyası oa Aoyw. — ı Aoyaı find Drgriffe und Urtheile dua Aoyızv mov. sPanev üsv - vesdar — Aoyaı Ös TOVTEV Malıga Ogyavayı 286. Zweites Hauptſtůck· Sethſiet Abſchnitt. Heißt, gar keine Vorſtellung haben. Dieſe rich⸗ tige Bemerkung, daß jede Vorſtellung ein Object habe, enthält aber noch eine, Zweideutigkeit, weil das Diyect fon: mohl etwas Sublectives ald Objectives ſeyn ann , und der Ausdruck, wodurch Plato das Object bezeichnet (ra av) die Verwechſelung des Legten mit dem Erſten begümitiner. In der letzten Bedeutung nimmt es Plato. In jeder Vor⸗ ſtellung it etwas Reales (0v) das ſich auf ein Ob⸗— ject ‚außer der Vorſtellung bejichet, umd; weil jede Vor⸗ ftellung auf.ein Objeet-begogen-mird, ſo muß fie etwas Rea⸗ les enthalten; denn fonft würde nicht Einna ſondern Vichth vorgeſtellt in: ee. Daß jede BorfteQung ein orfeflendes "Euskist und Bewußtſeyn vorausfegt, iſt ein Satz, der. einem fo | fbdriinnigen. Forſcher als Plato nicht entgehen konnte, ob er: ihn gleich ‚nie allgemein, ſondern nur bei einzelnen Ar⸗ ten: den, Borktellun: gen, vorzuͤglich den ſinnlichen/ bemerkt. Daher werden alle- Vorſtellungen smisyuaı von ericaghau, (fig bewußt ſeyn) , geuannt. Zum wenigſten unterſcheidet er bad Vorſtellende, de⸗ Vorg eſte i te und die Bons ſtelluns — —D — — — * Th FOR — ——— Amer BE / AA ae > DEN ; Ben‘ 109 Theaetet, ©. 86. 148. 149. 6 apa &v ya ai öpesv, EL a r Ö8Lattöy,;"oün 0v a ep; — auyyupiv, — * apa —7 ov —** houdsv doẽogen. de Republica V. Sa025 63, oun N: 6: boden, em" Deper ıw öogav; 2 bog we av do · ir Salem. ne; -Öogadev-denjyder; RAN eve re 2. sogageı & 00Salıuy — dla my, ur w yes ovx ev ri, — ya ey — 108}: * —— VW & 6% 6% Fhwdo “3: @, 1665 Philebus E. 3215. 26T.":XER ao re 2171072 yuavz ar jıjy noi 76 öoFadeievov ln sunny 70 Öokaloy; say we obfus, av | ⁊c , nz BR , Philoſophie des Plato. org 287 =” Benmes nun zwel berfchledene' Vorſtellnngsvermdgen giebt, jo muß auch jedes einen andern Gegenſtand haben. Vernunftund Sinnliſchte it find aber vesfchiedens‘ artige Vermoͤgen. Die Vern unft kann man {nur . durch Gründerbelehren;) ‚bie. Sinnlichkeit durch Ueberredungskünfte beffimmen Unerſahüt terliche Ueberzeugung begleitet die Vernunfter⸗ kenntniſſe, ein wandelbares Dafürhalten die ſinnliche Erbenntniffe; das finatihe Vorfkellen ‚finder man: bei allen Menfchen, auch bei Thieren, das vernuͤnftige Denken bei den Goͤrrern und ſehr we⸗ nigen Menſchen X”): Daraus ſchließt er nun auf die Verſchiedenheit der Objecte, ob.er gleich an andern Deren: natürlicher «von der Verſchiedenheit der Vorſtellungen auf die» Verſchiedenheit der Vermögen ſchlleͤt. Das Objeck von einigen Vorſtellungen iſt nehmllch dag Un veraͤn⸗ derliche, Beharrliche, Unvergängliche, was weder eine andere Beſtimmung von außen ber empfaͤngt, noch die Beſtlimmumg eines Andern wird, was ſich bloß denken, nicht anſchauen läßrz da hingegen andere Voͤrſtellungen das Beränderlihe,; immer Eigt ſtehen de und Ver⸗ gehende und im einem Orte befindliche Ans ſchauliche zum Gegenflande haben. Plato ver ſtehet bier den Gegenftano- in Der Anfhauung und den Gegenftand des Brariffs, melde, unge. agptet der angegebenen Berfhiepenpsiten,.. dennoch. ‚darin überein lommen, daß der Gegenſtand, auf din ſich beide beziehen, : Achnlicpfeit hat. Einen Baum fann man an» er a RT NE SPRRE ER | SR «) j ' Is 3» es * — Ü . ⸗ vw Ei ee. . re, 70 Oo haleiv 'ovrupg Ddör- more aröAlvuinietn 0 Te ION) Tim aeus S. 347, 348. Thesen, u" "141,142 a) SE Pie ze ST 3 ausoıren \ — 38 Zweites Haupefiid, Sechſter Abfehnien ſchauen/ aber auch denken. Was man am dem erften _ wahrnimmt, iſt veränderlich , in dem Begriff denkt man fid aber unveraͤnderliche Beſtimmungen, : bie. bei jedem Baum angetroffen werden. Es gliebt alſo aud ein dop⸗ peltes Vermoͤgen zur DBorftellung dieſer verfchiedenen Ges genftände, das Denktvermögen: (vos) und das finnlihe Vorſtellungsvermo gen (doda per aisIygews ): 10°). | Te | Die finnlicden Vorſtellungen erhält die Seele durch die Sinne, oder Hermitteift gewiffer Organe des Kö pers, auf welche die Außern Objecte wirken, und dadurch Ane Veränderung (Ra; , masypa) hervorbringen. Wenn diefoBeränderungen bis zu dem Eitz Der Seele (Ta Ppoupow) gelangen, ſo wird auch die Seele afficirt, und dann erſt eniſtehen Vorſt ellungen und Empfindungen ax« Iyosi5).. Die Seele nimmt die Eindrücke auf, und bildet min daraus Bilder. von den Gegenſtaͤnden, welche fie affie clet Haben (söwAa, supaysıa)., Das Bermögen der Biden nennt Plato ſinnbildlich den. Schreiber , der die Eindruͤcke gleichſam in das Gemuͤth ſchreibet, woraus wahre oder | falfche Vorſtellungen entſpringen, je nachdem er. richtig oder falſch ſchreibt 9... Plato erklaͤrt alſo die ſinnlichen Vor · — fee © 108) Timaeus ©. 348, Tovrwv ds durwg exole' "mwu, Öoloyyrsov. |ev 'zıvaı TO zara TauTa EXOV Ei "dog; ayevuyrov' nal amuÄeSgov, gDTE 85 Eauro gıgüg«" U oyopssvov aAdn aÄAoIev, vure avro sı5 ao or ı0v* nopbarov ds war ak; avausAyrov, rouro 0 ön voyang“ EiÄyysv -emIonomsIV” TO Ö5 OMRVUMOY, OMOIOV TE EXEI- vw, Ösursgov, auIyTDV, YEvyToV, meogypevov. del, ">. yIyVOMEVOV EV TIvi TOMW;: Kai, Aakıy. gnsıdev amol- Auusvov, doſy mer’ ausIyoews wewÄrirrer. 308 b) Philebus S. 2605. muy Tai. ausꝰnos· 8 EUMmIMTOgR E15 TOUTOV, KOREA, & ME TaUTa £51 Philoſobhie des Par 289 ftellungen durch die vereinte Wirkung. der Sinnorgane und ber Seele, und er war der Erſte, fü viel wir wiſſen, der die Sinnlichkeit ald Vermoͤgen affieire zu werden, oder-die Eindrücfe aufzunehmen, deutlicher er⸗ kannte, und die Nothwendigkeit einſah, daß die Sinnor⸗ gane gleichſam einen geweinſchaftlichen Verein qungspunck haben müßen, twohin- fie ihre Eindruͤck⸗ liefern, weil ſonſt feine Einheit des Bewußtſehns entſtehen koͤnnte 19), Eine wichtige Entdeckuug, und der erſte Schritt zu einer Theorie bes Vorſtellens. 3 Diie Sinnorgane find alfo bloh die Kanäle, durch welche Vorſtellungen vom Außen in die Seele gelangen, und es iſt daher ein unrichtiger Ausdruck, wenn ind ſagt, mat ſtelle ſich etwas mit den Sinnen, anſtatt durch die Sinne vor. Jedes Organ hat feinen Beftimmten Umfang. Dur das Auge erhalten wir bloß Geſtchtsempfiudungen, durch das Gehoͤr, Gehoͤrempfindungen un,‘ * Da hier die Seele von Außen afficirt wird, fo fragt es ſich, ob Plato nicht auch ein Afftciertwerden von In⸗ * nen ei Ta radfiamc; ODaivowral hal ANeder dior Va⸗ (Pe may 89 Tas Wuyar Tore Aoyoug Wu- dy 0’ drau 6 FoDörhe man’ av Yoanuarsuf Yoady- FT avayrın vos ad yIedi ansßy. Timaeus & 375 Theaetet.“S. 1395 109) Philebus ©. 255. Theaeten, &,-139. 2. gkidv Yap- mob; FOoAAai Hıyag Ev Hirlv, cogaren. &v dougeioi Immois, aus yotlę syrasyvras, aka ug ag riav Tıyariösap zite Vox, re 6 ösı na As; mavrawraura-Svyrsiver y öta TQUs wv Ölbv opyaywy aısfavonesa ick asIyTa- " \ 110) Theäetet, S. 139% Tennemanns Gefchichte der Dhilofophie It. Ch, & t 290 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. neh gekannt Babe? Nach mehreren Aeußerungen, die wir in feinen Schriften finden, muͤßen wir dieſe Frage bejahen. Denn, um nur einen Grund anzufuͤhren, fo behauptet ers daß mit jeder Aeußerung einer Seelenfraft auch ein inneres Gefühlder Luft oder Unluft verbunden iſt, je nachdem die Kraft frei und harmoniſch oder nicht harmoniſch wirkt. Angenehme Gefühle entftchen z. B. ſowohl durch die fiunlichen Vorſtellungen, als durch dag Denken N), Die ſinnlichen Vorſtellungen laſſen gewiſſe Spuren (oyusıa) zuruͤck. Dieſe kann dag Gemuͤth behalten und wieder erneuern. Dieſe erneuerten Vorſtellungen neunt er Bilder (der erſten Vorſtellungen, emoves Qwypaßypara ) und das Vermoͤgen derfelben den Maler (dwypaPos) das ift dag Einbildungsvermögen '%), | Die ſinnlichen Vorftelungen entflehen durch Eins drücke (Anyoic), und wir ſtellen ung durch dieſelbe nur das Veraͤnderliche an den Gegenſtaͤnden, das Einzelne, Beſondere vor, was auf dem Verhaͤltniß der Objecte zu den Sinnenorganen beruhet 3), Plato nahm hier die Behauptung des Heraklits aber in einem beſchraͤnktern Umfange an, und unterſtuͤtzte fie durch deutlichere Entwik⸗ felung der Gründe... Er beſchraͤnkt fie nur auf dasjenige, was der Menfch durch die Sinne wahrnimmt. Hätte der Menfch Fein anderes Vermögen, als die Sinnlichkeit, fo würde er nichts meiter als die Einwirfung der Dbjecte auf feine Organe und den davon abhangenden Gemuͤthszuſtand vor⸗ ırı) de RepublicalX, ©. 257, Philebus ©, 211, 112) Theaetet. ©, 155+ 156, 158. 164. Phi- lebus ©. 255, Tu | | 113) Timaeus ©. 348. 301, 30% de Re publica X. 298.299 | Philoſophie des Platd. eht vorſtellen koͤnnen, ale Vorſtellungen hätten: mir Gültigkeit für daB empfindende Subjert, und alle Ausfihe auf ode - jective Erkenntniß wäre abgefchnitten. Daher if. die Sinnlichkeit nicht das Erfenntnißvermögem Denn ſelbſt um mir ein Object vorzuſtellen, muͤßen mehrere Empfindungen in eine Vorſtellung vereiniget werden, wozu ein anderes Vermögen gehört als die Sinnlichkeit, welche nur. die Materialien dazu einzeln liefern "1°, ‚ Diefed Vermögen ift dag RETTET mögen (d05x) oder der Werftand in Verbindung mit der Sinnlichkeit. Denn jede Vorftellung eines Objects dee Sinne (Bavracıc) iſt ein unentmickeltes Urtheil, wodurch die Vorſtellungen, welche Die Sinne liefern, mit einem Objecte verbunden werden. Dieſes Vermoͤgen iſt alſo nur auf das Sinnliche eingeſchraͤnkt, und es ſtellt nue dasjenige vor, mas uns erſcheint, oder was wir durch die Sinne von den Objeeten erfahren Daher enthalten auch alle dieſe Urthelle Feine Rothwendigkeit, fons dern nur ein: Dafürhalten, ein Meinen oder Blau ben. (riss), Denn mir urtheilen ohne Bewußtfeyn eines Grundes, und fielen ung bloß — was if, aber. nicht. was fepm muß er — De 1 Theasten & 141. us OBER S. 296, 11 $) Sophifta &. 396. era bud #ourb (Daöit zaı aroDadig) &v Lu x “ra dtavaad syyivyrär pet ra arg; me ac cxic õ, Ti wrooreiryẽ auro +— Ra mung, — Ai ö' Oro py Has kur; orı ot asgyoews mapy Til TO TOI0vToV au maFog, al Clay mE 09a med rev n my Dayvranıavı Timaeus & 348: (Möte 108) de Repu- blica VI. S. 124. Vll. S. 166. apsduei HUV ——— We * er — cricy⸗ ja ) - 292 Zweites Haupeftüd, Sechſter Abſchnitt. Dieſes macht das empiriſche Erkenntnißvermoͤgen aus, welchem die Materlalien durch die Sinne gegeben werden. Aber es giebt auch ein reines Erkenntnißver⸗ mögen . (voysıs); welches den Stoff der Erkenntniß nicht erhält, ſondern aus ſich ſelbſt nimmt 9), Hier Fam es nun auf fihere Merkmale an, wodurch dieſe Art: der Vorſtellungen von der erſten genau abgefondert- werden: fann — eine Unterfuchung , deren Schwierigkeit -geroiß Plato felbu noch nicht gang ahnete. Die oben angege⸗ benen Merkmale find alle materiel, von der Vetſchieden⸗ heit der vorgeftellten Dbjecte hergenommen,. und. da fie nüht auf der Form des Verſtandes und der Vernunft beruhen, ſo fünnen fie au das Feld der Sinnlichkeit‘ und der Bernunft nicht durch ſcharfe Grenzlinlen füheis den. Als erfter Verfuch verdienen fie doch Immer Aufs merffamfeit, und verrathen tiefe Blicke in die Natur: des menſchlichen Geiſtes. Die zwei Hauptmerkmale ſind dieſe: Borken tungen, — Merkmale enthalten, die in meh⸗ pr — deuteoav de — —* ös- wi- givs war gınacıay rsrapryv, naı Zuvaußorspx pev Tara dofav' EuvapPorega Ö EHEIVa, voyoım za dofav je weg YEvsCıv. voymy ÖE xcoi ovociav. de Republ, V. &..60.62. 63.. Die Unterfcheis dung zwiſchen wısız und zixacıa Vorſtellung von empirifchen Objekten und ihren Bildern hat weit, er feinen Grund als den Parallelismus. 116) Dieſes druͤckt Plato durch folgende Anceride: aury 74 Woxy Jeav; aury Öl aurys x emonorei, ÖN ywv Kurwy yuavat,”y Wıpyy vor aury aag’ au- my auro xaꝰ duro rwv ovrwv, »afapıg ywvar sıdevaı. und aͤhnliche aus. Phaedo ©. 147. 148. 151. 152. 189, Theacter ©, 142% _ Philebus ©. 303. 304. de Republica VI. &, 124, VI, &. 163. 237% Philofophie.des later. : 293 mehreren Obiecten vorkommen, welche alfo mehrere unter ſich enthalten, find feine finnlihen Vorfellungen. Die. Seele: bekommt fle nicht. won "Außen, fondern fie denft fie durch ſich ſelbſtz und alles Unveränderlihe, Wbfolute, if nihts Sinnliches, fondern gehört für die Vernunft. Dieſe Merkmale: unterfheiden zwar die ° ſinnlichen von den wicht finnlicyen Vorſtellungen, aber nicht die empiriſchen von‘ den reinen. Plato wurde das durch veranlaßt, auch felbft die Gattungsbegriffe,. die doch nur durch die Abſtractlon von empirifchen Worftels lungen gebildet ‘find, mit ;denen, weiche aud; ‚ihrem In⸗ halte nad) nicht empirifch find, zu verwechſeln, und «in eige Klaſſe zu werfen, uud anftatt die Bildung deifele ben durch die Vernunft zw unterfüchen, fie für anges borne, in dem Weſen der Vernunft gegründete oder vielmehr derſelben von der Gottheit mitgetheilte au «betrachten 717), Die Gründe von diefer Annahme find. in ndem ganzen Soſtem verwebt und fönnen daher j hier noch nicht entwickelt werden. Nach dem oben angefuͤhrten Grundſatze, daß jede Borficlung Rh auf Etwas, das dadurch porgeftellt wird, einsDbject beziehet, folgte es nothwendig, daß auch die Begriffe der Vernunft ſich auf ein Object beziehen. Aus dem Gegenſatze der finnlichen und vernünftigen Vorſtel⸗ lungen folgte ferner, daß auch das Object von beiden entgegengefegt if. Jene begiehen ſich auf das Veraͤn⸗ Perle, in Raum,umd Zeig, Hilfe auf bad Be» x 3 2 harr⸗ um. Phaedo: 6. 170. po: yaß rau‘ TEL Mag ‘opav anovsm nar m" alla asgavssIar, mu ie Xev &öcı mou ‚uk Doras EMIGYNNY aurou TOD 100U OT Eid, i zugAA ousv Ta Er TwV ass yoscbv 108 eneios avoꝛociv. ©. 171, de rcpublica X, & —286. *807 * 294 Zweites Hauptſtuͤck. Sechster Abfchnitt; harrliche, Nichtwechſelndez duch jene flellen wir ung die Dinge, wie fie ung erfhellnen, durch diefe, mie fie an fich find, vor 19), Die Taͤuſchung, das die Dinge an ſich erfennbar ſeien, iſt ſo natuͤrlich, daß es kein Wunder iſt, wenn auch die Philoſophen ſich von derſelben nicht losmachen konnten. Der gemeine Menſchenverſtand, der innerhalb dem Kreiſe der Erfahrung: ſtehen bleibt, weiß von feinem Unterſchied ‚ ztoifchen Ding an ſich und Erſcheinung, und die philoſo⸗ phirende Vernunft fängt damit an, die Gründe diefen Erfenntniß zu erforſchen, und fie felbft in ein Syſtem zu bringen, Durch die Bernunft entfland zwar mun- im dem Denfen Zweifel, nicht aber über die Möglichkeit deu Erfenntniß , fondern ob fie.durd) die Sinne oder durch die Vernunft zu erlangen ſey. Denn die Vernunft, weiche zuerſt den Unterſchied zwiſchen Erfcheinung und Ding an fi zum wenigſten dunfet ahnen ließ, offen⸗ barte ſich dadurch in ihrer‘, über die Sinnlichkeit erhas bene, Würde, daß man von: ihr allein ermarten'mußte, was auf dem Wege der Erfahrung nicht möglich fehtens Diefe Hofaung wurde noch vorzüglich durch zwei Des merkungen beftätige. Einmal, daß die Mathemas tif, fa wenig fie auch noch wiſſenſchaftlich : bearbeitet ar, md Säge aufftellte, welche für — 0 f ‚+9 Timaeus S. gor, 302, rı vo ov su £ @el, YEVEOLV ÖE DUX E%X0V, Kaı rı va YıyVomEvoV MEV, Ov'ös ovVös mars. Ta EV On voyoss mera Aoyou megiÄymmoV, Keı Kara raura ov ra.ö ay doäy per aıs9yaswg aAoyov, dafagoy, Yıyvons voy naar amoAlumgvov, ovrwg Ös OWÜEmo ve av, deRepuhbl,:v,. ©. 62. erısyumypeu ya KW EMI TU QYTIE TO Oy Yvmvakı ÜSEXER Philoſophie des Plato, ni 295 | wollfonimene] Evidenz hatten, ohne daß fie aus der Erfahrung gefchöpft waren. Zweitens: das Sintereffe der praftifchen Vernunft läßt fich nicht von einer voll fommenen Gemwißheit trennen, fie macht es zum menigs fien zur michtigften Angelegenheit, in dem, mas das hoͤchſte Gut und die Erlangung beffelben betrifft, zum Wiſſen zu bringen; biefes kann uns nur die Vernunft gewähren. Nun war aber das Gebiet der praftifchen und theoretifchen Vernunft noch zu wenlg gefchleden, als daß nicht das theoretifche. Wiffen für das, praftifche Intereſſe für unumgaͤnglich nothwendig hätte gehalten werden follen. Endlich fam noch dazu, daß die Es fahrungsgegenftände, dem Begriff eined Dinges an fich. widerfprahen, und daß man daher nichts anders konnte, als die Erfenntmiß der Dinge, wle fie an ſich ſind, von der Vernunft zu erwarten. | Plato, der fih nah Anleitung des eleatifhen Syſtems zu dem Begriff eines Dinges an fi erhoben Hatte, daß es dasjenige ſey, was ein. unwandels bares, unabhängiges Seyn hat, fand in dee - Erfahrung fein Object, das diefem Begriff entiprochen Hätte, und er hielt es daher bloß allein für das Ob⸗ ject der Vernunft, die unabläßig nach dem Abſo⸗ Iuten und Unbedingten firebt. Das Ding, mie er es fih dachte, if ein Noumenon,, welches in der Er⸗ fahrung nicht wahrgenommen, fondern nur durch die Mernunft gedacht werden fann. Diefed Noumenon IR nun in der Sprache des Plato nichts anders, als die Idee. Idee iſt theils ein Bernunftbegriff, theils das Object deſſelben, welches für jede Claſſe von Din⸗ gen das reinfte vollſtaͤndige Wefen enthält, und für dag eigentliche Ding zu halten ift, dem die andern, welche benfelben Namen führen, nur nachgebildet find. Go tie er aber in. der Sinnenwelt die Borftellung deu erfheinenden Dbjecte und die Worftellung ih» wer Umriße (auf vn Br in Spiegeln) unter⸗ 4 i ſchel⸗ 296 Zweites Hanptftüch, Sechster Abſchnitt. ſcheidet, fo troͤgt er auch diefen Unterſchied auf die Nou⸗ menen über. Die mathematifhen Begriffe find die For⸗ men oder äußern Umriße der Noumenen, die Jdeen aber die Noumenen felbſt. Dean beide mad)en den Jubalt des reinen Denfeng aus, und koͤu⸗ nen a priori etkannt werden; fie find aber zugleich auch Die Bedingungen von der Moslichfeig und Erkennbarkeit der Erſcheinungen HI. Die Ideen verdisnen aber noch eine genauere Er⸗ woͤgung weil fie per Grundpftiler der Platoniſchen Phi⸗ loſophie und vielfaͤltig falſch gedeutet worden find. Une geachtet Plato ihrer fo vielfältig gedenket, fo har er doch feine Gevanken vie zuſammenhaͤngend darüber dargefrelit, Man muß alle Stelien vergleichen, mehrere Deutungen —7 Einwuͤrfe gegen einander halten, ehe man feinen efihrspunct auffaßt, aus welchem alle Dunfelheiten und Mißverſtaͤndniſſe der Altern und neuern zeiten , die = diefe Lehre obgewaltet haben, aufgeftärt ECO nen. Die Ideen find die empirifhen und geinen Ben nunftbegriffe, (oder im logifhen Sinne, die Battungsbegriffe) unter welche im Deufen ale Individuen ſubſumirt werden, und die allgemeinen Merk⸗ male von allen Dbjerten der Sphäre enthalten. -Die Nothwen digkeit der Ideen gründet fi darauf, daß ohne fie fein Denken und wiſſenſchaftliches Exkennen ‚mögs lich if, Denn Denfen heißt Begriffe in Urtheile verbins den; diefes ift nur dann moͤgllch, wenn zwiſchen den Degriffen eine Gemeinfchaft, ‚oder Beziehung ftatt findet, daß ein Begriff von größerem Umfonge als der andere iſt. — Ohne folche. Begriffe gebe eg nur ein Mam nichfaltiget ohne Einheit; die Vernunft nichts, * dur 119) de kepubliee VI. S. 126 vn. e. 160. Epiftola Yih: ©. 131.132, * a | Pbiloſophie des Plato. >. 297 durch fie fich firiren koͤnnte, und fie mürde von dei Gegenftäuden nur jerſtreuet werden, und mie auf ein Lehtes kommen 79), Die Battungdbegriffe enthalten, Die allgemeinen. Merfmale von. den unter ihnen enthaltes nen Gegenftänden, die zu dem Begriff derfelben weſent⸗ lich nothwendig ‚find; die Urtheile über die Individuen werden alfo durch jene begründet; . der legte Grund von dem ‚ Prädicat eines Dinges wird, nur allein in dieſen Dogriffen gefunden. Wenn man z. B. fragt, warum iſt dieſer Gegenſtand ſchoͤn, fo kann man. nicht ſagen, weil er dieſe Geſtalt, dieſe Farbe hat u. ſ. w. fondern nur, weil er dem abſoluten Begriffe von Schoͤn⸗ beit angemeffen iſt. Warum das Odject, welches den ‚obersien Begriff der Schönheit bezeichnet, ſchoͤn iſt, ift feine Frage: mehr, weil über dieſen Begriff. für dieſe Gattung von Segenfländen fein höherer iſt. Aber er ent⸗ hält den Grund von der Schönheit, die wirafen andern - Gegenftänden beylegen. Die Idee iſt das Einzige Un⸗ veraͤnderliche, was der Vernunft eine feſt e Regel in der Beurtheilung des Veraͤnder lichen/ das in der Erfaprung: angetroffen wird,. gewaͤhret FF), Ohne a. I Ä S5 | Ideen 120) Sophifta S. 294.273. woliticas S. 63. Parmenides S. 89. 90. aka pevro, £ dy Ye Tig au u ade Ey Twv avrwV Eiiar — pyÖE Oeleırar 8005 Evas Tmasou, oVds Hma roeer ryv —** E£xı, My Ftuv Kökav. Twv Oyrwv Eragou m avryv.ası Eva, Mat Yuriv TV TU dıaleyssdar Öyvanıv MAvramagı dia Irpei. | 121) Phaedo S. 227. : Dayverau yag mat, & TI =... E51 aAko xakov mÄyu avro To nalav, quöüs ür &v arko ra) ay eva, 9 diori METEIKGEL sreamou: rau rü- Aav. Parmenides 9. 82. 83. 6rTav moAA arra veehadehn © aan EA, Ja Fig loeovg danet idso un 298 Zveites-Hauptftüe; Sechster Abfchnirt, Ideen wäre alfo weder Denken, noch ſelbſt das Erkennen der empiriſchen Gegenſtände möglich *82). a Zur j In diefer Nückficht find die Ideen die allgemeinen Begriffe in logifcher Bedeutung , die nie einige Schwierigs feit hätten machen können, wenn fie nicht auch zugleich eine metaphyſiſche Bedeutung hätten. Denn | Plato betrachtet fie nicht ‚bloß als lonifche Begriffe, ſondern | zugleich als ſolche, die objeetive Gültigkeit Haben, und das Weſen der Dinge enthalten. Er verwehfelt dag logifhe Wefen mit dem Realweſen; — eine Ders wechſelung, welche ſchon dadurch begünftiget wurde, daß die ‚Gültigkeit der. Vernunftbegriffe noch nicht unterſucht mar. Dazu fam noch der Grund, daß fie wirklich auf Gegenftände angewendet, daß dieſe ihnen fubordinirt mers den, welches ſich wohl nicht anders. denken läßt, als wenn in den: Dbjecten wirtlihd Etwas iſt, welches den Begriffen angemeffen iſt, wodurch alle Ins dividuen einer Gattung dieſelben unveränderlichen Merk⸗ - ‚male. in ſich Haben. Da nun aber diefe Begriffe urſpruͤng⸗ lich der Vernunft angehören, fo fragt es fich: wie -diefe- Uebereinftimmung der Begriffe und Objecte zu erflären fey ?. Diefe Frage wird in der Metaphyſik beantwortet, Die Ideen find nach diefer zweiten Bedeutung, Ber griffe von dem Wefen- der Dinge Es find nicht etwa bloße Begriffe, unter welche die Vernunft dag Mannichfaltige. der Erfenntuiß zu ordnen, und in ein | Fünftliches Spftem zu bringen ſucht, wie die Botaniker daß , | Planzenreich; fondern dag Object der Idee iſt das We⸗ | | J ſent⸗ vry ziyar sm maura ıdovre, 09EV Ev To neya.ııyy swau. De Legibus XII. ©, 222. 226. Phae« do &, 179. de Republ, V, &, 64, 66. 122) Philebus ©. 219: 222% Im a Philoſophie des Plato. 299 ſentllche, was in den Dingen ſelbſt enthalten if, m "und ohne welches ein Object nicht das Object ſeyn würde. Die Idee ſtellt uns alfo eigentlih das Ding an ſich dar, weldes nicht angefhauer, fonderh nur gedaht werden fann 3), Eine Stelle in dem fiebenten Briefe giebt ung darüber die deutlichfte Aus⸗ kunft. Es giebt, ſagt Plato, drei Stuͤcke, wodurch die Erkenntniß von jedem Dinge erlangt werden muß, daß Wort, die Erklärung (days) und das Bild _ (söwdov); das Vierte iſt die Erfenntnif, und- das Fünfte das Erfennbare und Wahre ſelb ſt, | (das Ding an ſich). zum: Beyſpiel, der Cirkel iſt etwas durch Worte bezelchnetes. Das Zweite, die Erklaͤrung des Cirkels, welche aus Nenn / und Zeitworten befteber, iſt: Das in allen äußern Puncten vom Mittelpühete gleichweit Abſtehende. Das Dritte, das Bild, ift der gemahlte und gedrechfelte Zirkel, der veraͤndert und zerſtoͤrt werden kann. Der Zirkel felbft, auf den ſich das alles bejlehet, lel⸗ - det nichts dergleichen, und zeichnet ſich daher als etwag Verſchledenes aus. Das Vierte iſt, die Erfenntniß , die Vernunfteinfiht, und das richtige Urtheil, welches als Eins zufammen gefaßt, und nicht als in Worten oder in ſinnlichen Siguren, fondern in der Seele befindfich geſetzt serden muß, Es ift einleuchtend, daß diefed fowohl von. der Natur des Zirkels felbft, als von den drei obigen ver⸗ fhleden iſt; aber die Vernunft komme doch dem Fuͤnften duch Aehnlichkeit und —— am ag = 123) de Republica VI. S. 116. ua avro öy »aAov Rau ara ayaſov, ns durw megı mavruy, & More wg molla erigensv, malıv av Kar" ıösav Miau tnagou, WE ag ovoys, TiIevreg, 6 85V Exagau MOOGRYODEVONEV, Kal FA EV öy opastarı Papsv, vor 15904 Ö' out mag 6" au 1ösag vorısdau MEY, oͤgag au &' au, Epiſtola VII. S. 1 34 u 300 Zweites Hauptftüd, Sechſter Abſchnitt. Abrigen' drei ‚entfernen fich „weiter davon. Alles das gilt von der geraden und kreisformigen Figur, der Farbe, dem Buten, Schönen, Gerechten, ‚von jedem Körper, :dem ‚natürlichen und kuͤnſtlichen, vom Feuer, Waſſer, und ‚ähnlichen Dingen, von beſeelten Wefen, von den ſittli⸗ ‚Ken Eigenfchaften der Geele,. von allem Leiden und Wirs _ ken 3). Die Idee iſt ein Begriff der Vernunft, das dadurch Vorgeſtellte iſt das Ding an fich, welches mit dem Begriff am naͤchſten uͤbereinſtimmt, und mit demſelben ganz zuſammentreffen würde, wenn die menſchliche Vers nunft die urſpruͤngliche Intelligenz wäre, durch deren Thaͤtigkeit die Dinge ſeibſt ihr Daſeyn erhalten haben. Dleſe Intelligen; iſt aber nur allein die Gottheit, von ‚welcher die menfhlihe,Bernunft abgeleitet ak, Die Urfoem der Dinge iſt in der göttlichen Ver⸗ Munft, und anf diefe begiehet fich die dee als ihr Objeet. Daraus erklaͤrt ſich alſo, wie Plato ſagen konnte, die Vernunft komme dem wobren Weſen der Dinge am ‚nächften. | | Hieraus laſſen ſich die Eigenſchaften —— welche den Ideeu und ihren Objeeten⸗ beigelegt werden... 4) Die Ideen find Begriffe der. Vernunft, alſo können ihre Dbs jeete u nur vr werden 1°), 2) Es giebt * jede | 2) pitola‘ var, S. 131,132, Teragrov ös, | ercnun Mac Nous AyIys TE doLa medı Tavr'egıv, ws 8 Ev, TouTo av may Iereov, our &v Dwvaıg ou‘ . EV Owmarwy Oyymadıy, aAA Ev Wuxaus Evov, W Öy- - > - ‚Ko »ETEOOV - TE ov aütoy, Tov nuaAgU AT ' Qugews, | mum. Ös.gumpogdeV Asyherrwv TOmvTauTay. de Ey ü ‚yuraza ev Zuyyevgia Mal: ÖMOLOTYTI, TOD: MEMTOU r ‚yqus menAymans,T' .gAAa Ö8 mAsav arexe 195) de. J— VI. S. 116, —— des 83: Ada. pi irwwv ideov oͤnacor ‚ToUrTwV N - Phlolbhe des Plate. Yon Gattung don Dingen nur eine Idee. Plato nenne fig daher Einheiten (novaoss, waöss). Die Frdinituen aber das Viele, Unendlide, Cra molla, zo arms. gov) 126). 3) Da ihr Gegenftand sımas Gedachtes it, fo wird von ihm alles entferne, mwas-ın wahrnehme baren Gegenftänden gefunden wird: Er ift alſo in feie nem Raume, ohne Farbe und Geſtalt, ohne Ausdehnung und Dichtigkeit, unberänder— lich, nicht zuſammengeſetzt, ‚tbeilbar oder | ‚auflösbar, fondern einfad 72”). : Diefe Lehre von der Idee war für jene Zeiten etwas ſo Neues und von den gewoͤhnlichen Vorſtellungsarten br. teichendes, daß es kein Wunder iſt, wenn ſte, "tote Plato ſagt, auch denkenden Koͤpfen zu ſchaffen machte, wenn ſie Zweifel und Streitigkeiten erregte, Zum Glück hat ve felbit Diejenigen Puncte angegeben, welche, wenn fie nicht ge⸗ börig beſtimmt werden, in die größten Schwierigkeiten, und ſebt — EG aus deren gepörigen: Bes ſtim⸗ Yy vorisa, van nude ale moon — al- Ao9ı'y ev Wuxy. sur ag av Ev TE 'inasoy ein, Has oun av Fr was aͤ vuv ei In 126) Phibebos Ei 216; 819: i 2) Phaedrus & 322. 5 ob — re Kor ao xvnarigoę aa avaOye obora Övrws' ouda Wu- X Rußepuyry, flovw Ieary uw Koyfan. dee'Re- publica V, S. ‚65. Phaedo ©. 179. 18% vunauy TburwV iv Kay Arboıo, tar ıdov,' Hau rue alas aus Inge axIold‘. riwy ÖE Kara Täura EX ov- rwy ou Ei Örw nord Aw eriAaßoıo y-rW ry⸗5 daroiag Aovigpu ‚aaa Erıy acıöy 7a 7Toioura Hal og Öbataı Se uge. 190, Timaeus, G. 301, 302, Bere. re al 30% ¶ Zweltes Hauptftüc. Sechſter Abfhnitr, ftimmung die ſchoͤnſte Einhelligkeit hervorgehet. Diefe Yuncte betreffen 2) die Wirklichkeit, 2) die Reali⸗ tät und 3) das, Berhältniß der Ideen zu In⸗ dividuen *8). Was die erſte Frage betrifft, 06 es Ideen giebt oder nicht, fo iſt fie ſchon beantwortet. Mehr Schwie⸗ rigkeit hat die zweite, ‚wie nehmlih bloße Begriffe Kealität haben fönnen, welde ‚nur Obs jecten gufommt. Daher entfland die Meinung, Plato verfiche unter Ideen gewiſſe Subftanzen, die nicht entftanden, fondern ewig find, und der Gottheit bei der Bildung der Welt zum Mufter dienten 129). Dieſe Vorſtellungsart kannte auch Plato ſchon, aber ſie war nicht die *— , wie ſchon daraus — N daß er Schwierig⸗ Fe 128) Philebus. 8. 216. mowröv ev, 2 Tag dei Folaurag zivai movadas urolaußaveiv, aAyIng duoad. sira mug av Tavtag, jatav EHasyv, oucay ast mW autıy, nal MTE Yersaıv- uyfs BAEd0OV mgofös- xKopevv ‚ opws zıvar BsBoioryra pugv Tavryyı NEr® Ös Tour’, ev To Ylyvomsvaz au Kat ameigog cırE Ölsomaspeun?, naiu —XR ‚yeyo: viay Isreov, sı$ öyv auryv AUTyS- wis" 6 öy mavruv aduvarıra= mov Daivoır' av, Taurov Kaı Ev aͤua EV evil TE xat . „moAkar. yıyvesdat. TauT' s5ı Ta wepl Tata dv xan mo\la, aA our srewa, dmaoyg AroQlas ouria, .,. raus ömoAoyyFevra, naı zumogag au, naluy 129) Unter den Vertheidigeen der Subftanzlalieät der Ideen iſt der ſcharfſinnigſte Pleſſing. Man ſehe fein Memnonium, Verſuche zur Auf — kläaärung der Philoſophie des-älteften Alterthums 1.9 ©, 117.leq, 331, ſeq. auch Schulae de ideis Platonis.:c. 5 Philoſophie des Plato. ze 303 Beiten daraus herleitet, welche unbeantwortlih find 13°), Sie widerſpricht allen den Beftimmungen ‚ unter welchen er ſich Ideen und ihre Dbjecte -denft. Denn fie müßten dann doc) in einem Raume feyn, ‚und angefchauet werden. Das im Raume ſeyn ift aber nach Plato nur ein Prädicat der Erſcheinungen, und es ift überhaupt, nach feiner aus⸗ druͤcklichen Erkiärung, ein unrichtiger Schluß, daß alles, was wirklich if, irgendwo in einem Kaume | feyn müße; und nad Ariſtoteles find die Ideen nirgends, das iſt, in feinem Raume 137), Ueberhaupt aber kann man ſich Bier auf fein Zeugniß eines andern Schriftſtellers verlaffen, teil es nicht unmöglich iſt, daß er Platos Ideen in einem falihen Sinne genommen hat, fondern die Sache muß aus Platos Schriften und. Syſtem felbft entfchieden werden. - In diefen findet man nicht das Geringfie, welches jene Erklärungen begünftigen koͤnnte, wenn man unpartheiifch forſcht, und nicht eins seine aus dem Zufammenhange geriffene Stehen wilführs lich 130) Parmenides &, 83, . ! ' 131) Timaeus ©, 349. moog 688 au ovsioomo. “ Aoumev Bkemovres, nat Dausv avaymaıy zıyvar mou TO 0v may, Ev TIvı To, Hal HATEXDV Yırday Pıvi“ mo ÖE MYTE &V Yy, MyTe mov Kar’ Oupavoy, ovosu ewai u. ſ. w. Ariltoreles Phyficor. III. c. 4. 6 mev wgmsp di Tlvgayöpsıoı zaı TMarwp zug" Kuro ovX wg cup ßeßyxog iv äteow , aM wg ouciav auro 0v TO ameıpov. mAyv 6 may Ilugayo- geioı, sv Toic ausIyroig” vv Yap Xwpisov modul Toy apıIpoy, Kaı 'eıvar de ro EFw Fou oUpavov AFEı0oW. es Ilarwv öe, sw MEv, Ovösv zıvaı dw, ouös tag ıösas, dia Fo Myds rbUV Eıvas KUTAS, TO MEVTOL ameoov Hal sy rois arsIyTaig KO EV EREIWOIS civau. 621 304 Zweites Haupt Eh Abſchnitt. lich deutet. BR Die dritte Frage endlich wird vom Pate auf diefe Art beſtimmt, daß die Ideen Mutter find, nad welhen Bott die Dinge gebildet har, fo, daß diefe die Merkmale enthalten, weis che in den Begriffen liegen. Es begreift ſich daraus, wie eine Vielheit von Dingen Aehnlichkeit mit einer dee haben koͤnne, ohne daß diefe wirkliche Subfiftenz hat, und wie diefe steihfam in mehreren Objeeten nachgebilder, aber nie. vereinzelt worden. Dieſes iſt die einz'ge Art, wie fit) dag Verhältniß der Individuen zür Einpeit der Idee, ohne Ungerelmtheiten denken läßt 132), - Die Ideen und die marhematifchen Begriffe machen den’ ganzen-Fond urſpruͤnglicher Begriffe aus, welche die Seele nicht von Außen erhält, fondern in fi) finde Sie Biegen aber von der Geburt an im dunflen Bewußt—⸗ feyn, und müßen entrickelt werden. Dieſes geſchlehet ſowohl durch Außere: Anſchauungen, ale durch eigene. Denken. Denn in der Borftellung jedes empitiſchen Ob⸗ jectes ift auch Etwas von einer dee enthalten, durch Die Vergleihung diefee Votſtellungen, dur die Trennung des Defondern und Zufammenfaffung des Gemelnfamen , wird die. Idee felbſt wieder ins Bewußtfenn gebracht 13). Um dieſes deutlicher, einzuſchen, muͤſſen wwoir den Platoni⸗ ſchen Begriff der — eu — Durch 132) Parmenides- ©. 84 al padıea spörye —— wg, Eyaile Ta jusv su Tayra, wi. x Msg- mapaögıynaras - Esavaı 74 Dose‘, ra Ör aAAd rouroię sdinevat, Naui Eiyal ÖmownaTay Kal’) MEIE- 6 àuy rag addoız Yryvesdaı rum cοννν QUK' —R mis y noasIyuaı avrag. Timaeus ©, 341; 349 Phaedo ©. 225, ı74 133) Phaedo ©, 170. ſeq. Philoſophie des Plato. 305 Durch das Gedaͤcht niß werden die Vorſtellungen, ſowohl des ſinnlichen als des verſtaͤndigen Vermoͤgens, era halten und aufbewahret. .Plats ſtellt ſich Daffelbe bildll & als eın Bebältniß, oder als eine waͤchſerne Waffe vor, in welcher die Borftellungen Spuren zurück laſſen. So lange biefe Spuren fortdauern, und nicht ausgeldicht. werden 5 nd die Vorſtellungen in dem Gedaͤchtuuß. Die Dauer der Borfiellungen haͤngt von dem Grade:der Stärfe und. Sebhaftigfeit Des Eindrucks und des empfaugenden- Were mögens ab 13%), Er | — Die Borftellungen koͤnnen aber auch aus dem: Be— wußtſeyn verſchwinden und wieder erneuert werden. Die ſes iſt die Wideriermedung (avapıımıs ).' - Platd verſtehet aber darunter die Wiedererweckung der Vorſtel⸗ lungen ſowohl mit. als ohne Yinerfennung derſelben, alg chemols gehabter. Die letzte beichäfriger Ihm mehr; als die erſte #39), Dieſe Erneuerung findet nur dann fast, wenn eine ſchon gehabte Vorſtellung, deren man aber nicht mehr bewußt it, durch eine Auſchauung wieder ins Bewußtſeyn gerufen wird. Die wiedererweckte Vorſt⸗ lung kamn ſowohl mit der erweckenden Aehnlichkeit, oder Unähnlichfeit haben. Das Gemoͤhlde des Simmias er⸗ neuere die Vorſtellung des Simmias ſelbſt; zuwellen aber: ——— X Zu erin⸗ 134) Philebus & zgg. Theaetet. S. 154. 155. 16014. 94. | | ur a7 135) Philebus &, 255, erav Mrd TOD dw- puaros enasys 709°: \Luyy raur ayeu Feb gampa- To; auty ev. iaurı) uni malıza avakazdary, rore avapımvggresgas mau Asyopsv ti, yuyy tar oTay AmoAeodga ji cite aizIyssms 27, &u Maya wog; KuIUg Tau wvaroAygg mahıy AUTY. EU. Eau- 7), #0. TauTa Sumatra ayanıydag Has Mvgmag | mowÄeyopei, Phae.'o ©, :66, | Tennemanns Geſchichte der Philoſophie it, Sb WM: — \ f u ‘ | 306 Zweites Hauptftüd. Sechſter Abſchnitt. erinnert der Anblick deſſelben an den Cebes. Wenn der Liebende dag Kleid, oder die Leier feines geliebten Gegen⸗ ſtandes fichet, fo Melle ſich ihm aud das Bild defjelben dar. Ungeachtet biefe Borfiellungen theils ähnlich, theils unähnlich find, fo fommen fie doch darinn überein, daß es ſinnliche Borftelungen find, deren Gegenftand in der An⸗ ſchauung gegeben ift. Durdy diefe können aber auch, durch Keflerion, nichtſinnliche Borftellungen wieder gerecht werden, Wenn nebmlich eine Vorſtellung bie andere wieder erweckt hat, fo denfen wie nad, ob fie ähnlich oder unähnlich, glei, oder ungleich find, und halten fie gleichſam an unfern Bes . geiff von Aehnlichkeit und GSleichheit. Diefen Begriffen entfpricht Bein Gegenftand der Erfahrung, denn wir fehen, daß Erfahrungsgegenftände in gewiſſer Ruͤck⸗ ſicht aͤhnlich und unaͤhnlich, glei’ und ungleich find; welches auf jetie Begriffe gar nicht paßt, Es werden alfe- durdy die Anfhauung reitie Begriffe tdieder zum Ber wußtſeyn erweckt 13°). Es iſt daher möglich,. daß durch einen einzigen foldyer wieder erweckten Begriffe, eine ganze zuſammenhangende Reihe, ja die ganze Summe teiner Erkenntniße wieder aufgefrifht wird, wenn die Seele einen lebendigen Forſchungsgeiſt beſitzt. Denn vie ganze Natur if ein zufammenhängendes Ganze 7). Hieraus folgt 1) daß in Bezlehung auf nichtſinnliche Gegenſtaͤnde nur im —— Sinne ein Lernen Hate 136) Phacdo © 167: 168. 137) Meno S. 351, ärs’yap rys Qubews Amar ou’y'ysvous budys, aa Mepasyavıas 7 Vox &rav- wa, ouvösv nwÄuel £v novov avanıyIevra 7’ alla mavr& aurov avsupsiv, cav 2x. avögeıos y aa my aronaui (ruv. Philofophie des Plato. 307 ſtatt findet; daß jeder Menſch vielmehr durch Hülfe der Wievererwefung alles aus ſich feld. fhöpfe. Wenn dieies auch nichts weiter als Hypotheſe ift, fo ift fie doch feine unfruchtbare Hypotheſe, infofern fie den Kora ſchungsgeiſt nähre und erhält, und die Möglichkeit geigtr mie man etwas, dad man noch nicht weiß, uns terſuchen könne "). 2) Daß alle Principien, wodurch Urtheile aufhören , : bloße Meinungen zu ſeyn, ſolche wiedererweckte Ideen find 139), | Da die Jdeen der Vernunft gegeben. find, fie aber, bevor fie entwickelt werden, mit. feinem Bewußtſeyn vers fnüpft find, fo muß ſich Plato getwiffermaßen eine lei= dende und eine thätige Vernunft, oder mit ane dern Worten ein Bernunftvermdgen und eine Ben nunftfraft gedacht haben. Die leiste ift dag eigentliche denfende Princip in dem Menſchen, welches in dem erſten Die legten Principien des Erkennens und Denkens, und dag legte Ziel feines Strebens findet. Hierdurch hat Plato wahrſcheinlich dem Ariſtoteles Veranlaſſung zu dem Unterſchled zwiſchen dem Ieidenden und thätigen Verfiande gegeben 1°). | Ä Sur IE BR 02 -, Die 138) Meno ©. 351. ro yan Öyrav abe var mo pavsaveıy avaryoi OAov Esiv’ OURRUV Ösı meisessIai FoUTw Tv epizintw Aue. ÖVrog EV Yap av Mac ap- youz roMosis, na es Tor Mmakancıs ray augpwmuv öug anoudal, 6 de Eoyasıngug TE au Gyryrınovs rose. Phaedo ©, 165. 166, 139) Meno &, 385. di Sofa — ov moAlov ‚agıaı sıov, dux av Tı5 Avras öyay. arrıag Aoyızyn“ Touro Ö' Esiv avanıydıs. = 140) Die Ideen find der Vernäkft gegeben de Res j publıca VII. S. 133. X. &, 257: fie werden — aber 308 Zweites Hauptſtück. Sechſtet Abſchnitt. Dilie Functlon dieſer Denkkraft iſt das Bilden der Begriffe, daß Urtheilen und Schließen. Ueber dieſe Functionen fommen nur hier und da einige Bemers fungen vor, welche von einem richtigen Beobachtuhgsgeifte und Scharffinn zeugen, aber doch’ nicht zu einer volftäne digen Theorie binreihen, Wir werben fie weiter unten bei den logifchen Regeln am fchieklichften- anführen fürnen. Ungeachtet aber die Sinnlichfele und die Vernunft, | wie wir gefehen haben, ganz verfchiedene Vermoͤgen find, fo findet doch auch im gemiffer Nückficht eine Verbindung zwiſchen beiden flatt. Erſtlich gehören beide einem Su br jecte an, welches die Vorftelungen aus beiden Duellen in ein Bewußtſeyn vereiniget IT), - Zweitens, die Entwidelung der Bernunft ift nur vermittelt der Sinnlichfeit möglich. Diefe liefert dem Verftande den Stoff, den er bearbeitet; durdy diefe Thätigfeit wer⸗ den die reinen Begriffe zum deutlihen Bewußtſeyn ger bracht, Der Verftand verbindet die finnlichen Borftelluns gen in Begriffe und Urthelle, er vergleicht mehrere von aͤhnlicher Art, und faßt das Gemeinfchaftlihe in einen Begriff. Auf diefe Art wird der Gattungsbegriff ent⸗ wide. Es iſt auch wahrſcheinlich, daß Plato bei Bils bung der empirifchen Begriffe und Urthelle deu Verſtand durch die noch nicht deutlich entwickelten Ideen, ald Re⸗ gen, wornach das — verbunden wird, beſtimmt wer⸗ aber gedacht, de — VI, ©.1:16. Hlerin liegt der Beweld vom obigen Sage, Man vergleiche auch Phaedrus-&. 382, 323. Timaeus S. 347. 348. und Politicus ©. 64, Ta yap aownara »aklısa ovra xaı Meyısa, Ä0 u j40VOy, all ös ovösvi ads Ögmvuran. 141) De Kepublica W, ©. 30. de Legib. X. GgL | - Philoſophie des Plato. 909. werben laffe 1%). Iſt num aber die Vernunft zur freien " Thätigfeit entwickelt, dann kann fie, nach feiner Hebers zeugung, ohne alle Mitwirfung der Sinnlichkeit wirken, und aus ſich felbft dag reine Wiffen hervorbringen 133), Da es zweierlei Gegenflände giebt, finnliche und bloß denfbare, fo ift.auch die Erfennniß doppelt, die Erfenntniß des veränderlihen Dinges und des Dinges an fi "), Nur allein. die letzte if ein Gegenfand der Phllofophie, die erfte iſt alfo die ge⸗ meins. Durch die erſte erlennen wir, was nothwendig in dem Begriff eines Dinges enthalten iſt; durch die leiste erkennen wir einen einzelnen Gegenftand, tie er erfcheinty mit vielen ‚zufälligen und -veränderlihen Beſtimmungen, die außer dem Begriff liegen 79°). Hierin liegt unftreitig eine Urfahe, warum Plato ſich weniger mit:der Unterfus - Aung der keiten als der erſten befchäftiger Hat, Dazu | | 03 fomme 142) Theaetet. S. 143. Phaedo &, 170. . 171. mo yag rau ap&acdaı Huas Äpdv y anousiv zo m’ alla assaveshar, Tuxev eos mov 4Qo- Tas EMIENMYV aurou TOU ICOD, 6, Tı eg, &ı zmel- 'Aopev ra En wu axIyaEny Ion‘ EREIGE Avoldsıv. Sympofium ©, 245, | 143) Phacdo S. 147. 149. 188. 189, 144) de Republica VII. (“5 Yeuperda) a; rou asi OYTOS “yvwostwg, aA! ou ro-u mor2 Ti yeyva- pevov xaı amoAAupsvou (xapw). Phileb, &; 305. 306. 311, Theacter, ©. 159, / 145) Epiftola VII. ©, 132. moos "Jag rou⁊oi⸗ TAUTA oux TTV EMIYEIGEL FO mOLOy mı megL-ena- gov Öykauv, 4 TO.0v Erasov, dia va rwy Aoyu astevss. Ä 310 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. kommt noch die zweite Urſache, daß er nehmlich in dee Vorausiegung, daß die Vernunft die Dinge an fich er kenne, dieſe für das höhere Erfenntnißvermögen hielt. Er beftimm den Begriff der Erkenntniß darnach, und na⸗ tuͤrlich ſtimmt nun der Begriff der Erkenntniß eines Ge⸗ genſtandes ver Anſchauung mir jenem nicht überein. Die größte Schwierigkeit aber machte die Entdeckung eines bes flimmten Kriterlums, durch melches Erfenntniß von Nichts ertenntniß unterſchieden werden fann. Daher befrievigte ihn der Begeiff: Erfenntniß ift eine Cobiectiv) wahre VBorftellung nit, weil er nicht beſtimmt, welche Vorftellung wahr oder falſch iſt. 2 Aus der ausführlichen Kritik mehrerer Begriffe von ‚ der Ertenntniß, melde im Theätet vorklommt, ergeben fi folgende Reſultate. Wenn eine VBorftellung einen beffimmten Gegenfttand hat, auf den fie fi begiehet, und die Vorftellung be» ſt immt if, daß fie fih nur auf einen Bes genftand beziehen kann, fo if fie Erfennt» niß; und gu jeder Erkenntniß gehdrt ein bes ſtmmtes Urtheil 74%), ‚Bei den Dingen an fich ift der Gegenftand nur ein einziger -alfo beflimmt, und die Idee darf alfo nur entwickelt werden, um die Erfenntniß deſſelben zu erlangen, Die einzige Richtſchnur dabei if die Sedenttarten, daß ſich kein Widerſpruch einſchleiche ur), | Ein er 146) Theaetet. S. 188. worsoou “yyaumsvag » EMISYMOVA EIVaH OvTivavy ÖTOVOUV, GTA) TO AUTO TO- TE EV TOU aurou bonn adrıy zwar, Tore dE.Erepou' yrau Grau ToU aurou ToTs Ju ErepoV, TOTE ÖS Eregov dos; D efinition, ©. 293. 147) de Repu bie V. &, 59. 6 ravavrıa rou- Tiuy YYOUMEvOg TE TI auro KaÄov Xar ÖVvanevog Ha- Jopay Kal AUTO Kaı TR EHEIVOU METEXOVTA, Kal QUTE ⁊w ! J l N Philoſophie des Plato. 311 Ein Objeet der Erfahrung iſt nicht ſo beſtimmt, weil ſeine Beſchaffenheiten immer wechſeln. Aber gebildet nach der Idee enthält eu quch etwas Unveraͤnderliches, Feſtes. Das Veraͤnderliche an dieſen Objecten ſtellen die Sinne und der Verſtand dar. Soll nun daraus Erkenntniß werden, ſo muß noch die Beziehung auf das Unveraͤnderliche, die Idee, oder, wie wir uns ausdruͤcken wuͤrden, die ob⸗ jective Einheit hinzukommen. Denn durch das, mag mwechfelt, wird. fein Gegenftand beſtimmt; feine Vorſtel⸗ lung fann auf das Veraͤnderliche an ſich bezogen werden, eben deswegen, ‚weil es feinen Stand hält, wenn es nicht durch die Form gebunden wird, wornach das Objeet ger bildet it. Die Vorftelungen, welche fi auf veränders liche Dbjecte der Wahrnehmung beziehen, erhalten daher erſt ihre Teftigkeit durch. die Beziehung auf die Idee, durch die Unterordnung auf einen überfinnlichen Grund. Die Urtheile werden dadurch, wenn die Sinne den Stoff dev Seele treulich überliefeen, wahr 1). Diefe Erkenntniß * Ta METEYOYTA AUTO, QUTE AUTO TA METEXOVTE ο- MEVOE — TOUTOD MEV TYV Ölavalav WE Yıvwsravrag yywpyv av’ opFwg Daınevsiyar. Sophifta &, 275». Philebus &, 219, | 148) Theaetet. &, 143.: öav re ouv aly9sıaz TUXEN, W MYÖE quoiaçc; — gourarou — évu Ös alyIeıag Tig ATUXyGE, MOTE rTourou Emisypwu EA — Ka MW av; — EV Ev apa Tal masyua- CV oux su EMISYMN, EV Ös Ti megı eHeivwv OVAAO- | Yıspw. OUTIaS Yan Kat aly$eıag evraufa MEV, wg 'zoıXe Övvarov Anyasdaı, zuer Ös aduvaroy. Tie maeus ©, 343. gu @ de syyıyvonsva Enasa au- may Davraleror, ar malıv enzıdey amollvraı, po- yoV EHEIVO av MOOGAYYOpELEIV Tu TE TOLTO Kal Tiv TO de MOOSXpWMEVOUg avoparı. 7a Ös Emarıv TI, Ieh- | ze 19V 312 Aueies —*9 Sechſter Abſchnitt. unterſcheidet fie aber ‚von der euftern immer noch dadurch/ daß die Ueberzeugung in dieſem Falle nicht wie in jenem mie Nothwendigkeit verfnüpit it. > Diefer Umftand hat Veranlaſſung zu der Meinung gegeben. daß Plato alle Erfahrungserfenntniß . vertworfen . babe, welche aber mit feinem Syftem nicht zum beften übereinftinmt.- ‚Denn dag, mas mir wahrnehmen ,. iſt nad ihm, nicht etwa fein. leerer Schein, dem gar nichts Regles zum Grunde liegt, ſoͤndern es iſt ein reales Dojeck, aber nicht xein vorgeſtellt, fondern. mit vielem Zufälkigen und Veraͤnderuchen wermifcht. Wie hätte er ſonſt die Er⸗ kenntniß empiriſcher / Gegenſtaͤnde als dre Vorbereitung zur zeinen Erlenntniß anfehen und empfrblen koͤnnen. Dev JIrrthum entiprang daraus, daß Plato die reine und em⸗ pirifche Erkenntniß mit ſtarken Ausdrücken. unterfheidet / - und zumeilen dad Wort crichuy und yvaaıs für die erſte ausſchließlich aebraucht wiſſen will, wo er daunn feinen andern Ausdruck für die enıpiriiche hatte, als d0 Sa, wel⸗ ches auch ein ſudjectives, unzureichendes Dafürhalten bes deutet. Das Reſultat iſt: Die Sinnlichkeit — gar nichts, denn zum Erkennen gehören Urtheile. Zum Erken⸗ nen iſt alſo immer ein Beitrag des Verſtandes erforderlich. Durch die Sinnlichkeit erkennt, man zweitens auch nichts Unveraͤnderliches, Nothwendiges, alſo kein Ding, wie es an ſich iſt, ſondern nur veraͤnderliche Objecte, Er ſcheinungen. Drittens, die Vernunft erfennet allein dag Pothwendige, morin das Mefen’der Dinge beſteht, oder das Ding an. ſich. Diefe Erfenntniß ift allein ein Wiffen, (emsasdas) ein objertiveg Vor— fteilen mit Gemwißheit und Nothwendigkeit; ae . die pov 9 Asuzo), y nal GrIOUy Tv EVavrauv, Has MOD” 60a £%. TOUTWY, MYOEV EHEIVO BU TOUTWV AR. "raw, de Republ, V. ©. 63. 65. Philoſophie des. Plato. 313 bie empiriſche Erkenninißß nur ein obiectives Vor⸗ ſtellen ohne Gewißheit, mit einem niedri— gern Grade des Fuͤrwahrhaltens (miss) 19), Nachdem wir die Begriffe dee Plato von dem Er⸗ Fenntnißvermögen dargeſtellt haben, koͤnnen wir nun zur Logik uͤhbergehen. Es erhellet aus dem Obigen, daß Plato das Denken mit dem Erkennen verwechſelt, und die Ver⸗ nuntt für dag Vermögen die Dinge an ſich, die reine ob⸗ jeetive Wahrheit zu erfennen, hält. , Die Logik if ihm das. ber. audy nicht bloß eine Wiffenfhaft von den Regeln des Denkens, fondern zur Erfindung der Wahrheit; nicht ein Kanon, fonden ein Drganon der Vernunft. Daher begreift Plato zumeilen alle reine Vernunfterfennts niſſe unter dem Namen von Dialektik zufammen. - Ungeachtet dieſes der Grundfehler aller fpeculatfiven Philoſophie war, fo ift et doch nicht ohne wichtige Folgen fuͤr die Philoſophle geweſen. Denn ohne jene Taͤuſchung, haͤtte man gewiß nie das Denken mit ſo anhaltendem Eifer unterſucht, nie die Regeln des Verſtandes mit ſo viel In⸗ terffe entwickelt, hätte man keinen andern, als negativen Gewinn, um Rrihumer. abzuhalten , davon ſi ich verſpro⸗ uf en. 149) Timaeus &, 316, Aoyos ös Ham Tau. rovalyIg yuyvonsvag megı TE Jaregov mv Hau megt ro TAUTOy Ey Tu HIVOUMEUD uQ’ kurbu Deporievos avsv PSoyyan Hal 145, OTAv MEV TER TO asIyTov Yıyuyran, rau 6 FoU Iarspov nunAog 0095 WV, EI MAOAV Au- . Tov Tv uyyv öayyaly, 80o&aı xaı migsig Yıyvavraı Beßaroı naı aAySsıs“ ürav ös au ep. 79 Aoyısızov y, na Ä raurou Kuna EU- TEOXOS av aura myvvay, vous ERIGYM TE sc Kvayıns ERSTOAITG h 314 . Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abfchniet, chen. Für die Logik felbft Hat diefe falfche Anficht weiter Feine nachtheiligen Folgen gehabt, , ald daß man durch ” einen Ummeg zumeilen die Regeln des Denfend aus den Odbjecten ableitete: denn die Analyfis der Begriffe kann mit Prächfione ausgeführt, nie auf ganz unrichtige Res fultate führen. Mehr Schwierigkeit hat die wiſſenſchaft⸗ liche Unordnung dee Regeln, die nur mit der Zeit, mens fih die Materialien gehäuft hatten, durch einen ſyſtema⸗ tiſchen Kopf herbeigeführt werden‘ fonnte. In der erfien Ruͤckſicht Hat Plato viel geleiftet, für das Letzte faſt gar nichts, wenn wir nach den vgrhandenen Schriften urthele len; deſto mehr aber fein Schüler, Ariſtoteles, welcher vollendete, was ſein Lehrer angefangen hatte. Wir fins den in Platos Schriften feine abfictlich angeftellten- logis fhen Unterſuchungen, und fünnen diefe nach ihrer Beſtim⸗ mung nicht erwarten, fondern nur gelegenheitliche Bemer⸗ fungen; aber auch diefe müffen wir bier zufammenftellen, denn fie find die Anfänge der Logif als Wiffenfchaft. Die Aufgabe der Logik nach Plato ift: die möglihe umd nothwendige Verbindung der Begriffe aus Gründen zu beſtimmen, oder mit andern Worten, zu lehren, melde Begriffe ein- fimmig oder nicht einffimmig find, Regeln zu geben, wie Behauptungen, in Anfehbung ihrer Wahrheit oder Falſchheit, gu prüfen Tind, und mie man (ie en Gründe ve fertiget ®°), Die 150) Sophifta &, 274. 275. ag ou per’ smiyp Mus TIvag avarynaav Ölx Tv Aoyıuy mopeussfar TOV 009g meAAovra öeıZeiv, moa xoioi⸗ ovumPwver Tv yevav, na mod aAAyla au ÖexeTal. Thezetr S. 90. qumaı Ös na Sypmasa, ; 4 rou ÖsaleyesIau mowynorsia. TO Yap SMIOROTEIV Kaı ERIXEINEIV EÄEY- Xen Tas la Dayrasıaz rs xaı dodas — na Fa Philoſophie des Plato, Ä 315 - Die erfien Geſetze des Denkens, durch welche die logiſche Wahrheit und Falſchheit beſtimmt wird, hat Plato zwar in keiner beſtimmten Formel aufgeſtellt, aber fie doc) hier und da beruͤhrt. Das Geſetz des Wider ſpruchs und des Grundes find die Brundfäre fels nes gefammten Philofophirens, mie mir oben gefehen ha⸗ ben (S. 263.); Und der erſte ift der Grund, aus mel chem- alle feine logiſchen Regeln abgeleitet find, Ohne Emſtimmung mit fi felbft iſt gar fein Denken möglich; alle Begriffe und Urtheile müffen zufanımenftimmen. Das Widerſprechende läßt fih nicht denken 1), Aber den Umfang und die Gültigkeit dieſes Grundſatzes dehnt er zu weit aus, indem er ihn zugleich als das Peincip der Erfenntniß der Dinge betrachtet FR), Das Denken iſt im Allgemeinen nichts anders alg urtheilen, urtheilen If aber nichts anders als Vers — bin cacou. ougac, DU narpa ev mar dmwÄuyıos Olva- ga, cu aAy9ys 5 aAy9eıa Mgwrayopov; de — VII. ©. 162. 166. 151) Phaedo &'226. Gorg'as ©, 106. Theaeten ©. 151. avaumvnysnor öy, & miw- wort’ zımes Moos dsaurov, HTı maurog maAAov TO To kaAov auoygov s5I, 4 TO adızov. dinaiov; y xat (o mayrıwv ne DaAaı0v) ongmei, &ı wor’ smexeipyaas Geaurov meidev, is mayrog maAklov Ta Erspov Erepay Egıv, 7 may TODYaYTIOV, 152) Cratylus ©; 343. 344. dia rıvog-aAkou ouV Er roocoonac av raura (Ta avra) pagsıv! apa ör aAkou ToV, 4 Umsp EIRag yE Has Ökaıorarov, Ü aAAyAwv ye.5m4 auyyevgssı na avra dl auto; 316 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. bindung der Begriffe, oder Beſtimmung eis nes Objects durch ein Prädicat 7°), Die Begriffe (Aoyos, zıöog, yevog) unterſchel⸗ den fi von andern Vorfielungen durch das Merfmal, daß fie Vteles unter eine Einheit begreifen, fie enthalten mehrere Borftelungen in fi, und mehrere Dbjecte unter ficy. Diefe Bemerfung war für unfeen Philoſophen fo überrafchend, daß er ſich noch etwas zweis felhaft augdrückte: es fchrine dies ein ewiges und unver⸗ Anderliches Merkmal der Begriffe zu ſeyn *°*). F Der 153) Theaetet. ©. 151. 7TſTo yag wor wöaderag, diuvosuern (5 buxn) au ao rın Ödiareyesdy, au- TN ERUTNW EOWTwWTA 14 amongıvousvn, noy Dasuaca nu » Dasızoz. oTav ds öpınasa, eırs:Bexdurseon, . ers dEuregov smaikacı, TO auto yon Du aıy in di: safy, dofav Taurzv TıYeusv aurı, Sophilta ©. 296. 293. 154) Philebus ®. 215.'217. baus mo Taurov Ev ng MOMa UMO Aoywy Yıryvöusva MEQITEEXEew may“ rn na Enasov Ta AEyYouspwv ayer nay TaNoy 4 yuv. A04 TETO BTE UN MAUONTY MOTE, STE NELATO vu @AN EGI To TOIE2ToV, WE Eu0l Daıvs- Tal; TOV A0Yywy aurwv atavarov Tı nat aynewv maFos sv yuım, Sophifia S. 269. Parmenides ©. 77. a de us &v rıs arodeiker avra zo moN«, TI Yaunusov Aeymy orav uev Qx- Ayroy WORK amopayven, ws Green Mey Ta Em dE- Ein ua scw, Erspa ds Ta Sm’ upiseen no drega KsV Ta meostEV, Ersen de Ta OmisdEn! n0y arm KU Hu Tw WoduTwg (mAnSous YaRı Cpay, METEX). oͤrav ‚ds &v, Eee s WG EMT —2 SUTWYV EIG EyWw ErAk uv- IEwTWOgs METEXWY Kay TE Evog, — Phlolebbi Des Plato. —— 317 Der gobei⸗ der Begriffe M dag Gemeinfame (ro xowov) was als Merkmal an mehreren” Objetten vor⸗ kommt, und weil dieſes bei allen unter dem Begriffe enthal⸗ tenen Dbjecten nothwendig gedacht werden 'muß, daß Weſen diefer Objecte (ovoa) BI). Die Dbjerte, wel⸗ che unter dem Begriff enthalten find, heiffen ra molla, To niy9og, To arsıpov, und. die Begriffe das Eine ro &y. Zwiſchen diefem und jenem Hegen noch Begriffe in -der Mitt ; welche Feinen fo großen Umfang ale der erſte, ‚aber doch eine gewiſſe Sphäre Haben, Jene Objecte koͤn⸗ nen nehmlich, ‘bei aller Verfchiedenheit, dennoch wieder Merfmale mit einander gemein- Baden, welche in Begriffe gefaßt werben. Diefes find: alfo die Battungs und Artbegriffe; jene nenne Plato zuweilen yevor, diefe gıöos Und-apıIuns, und x lerafu, Benennungen , von welchen fi der Grund leicht einfehen läße 15%), Wenn man einen Battungsbegeiff bat‘ fo muß man alle unters. ſcheidende Merkmale an den Objecten, die fich in Begriffe faffen laffen, aufſuchen; und wenn man verfchledene Dbs jecte: hat, ‚muß man nicht eher nachlaffen, "big man-alle ° “ gemeinfame Merkmale an ihnen in einen Begriff zufammens gefaßt Dat 17), Wenn die IB: von den: In⸗ u de 155) Theaetet, ©. 141. 145. Phaedo. ©. s 171. 174. | — 156) Philebus S. a2ı. 202. | — 157) Politicus S. 63. JIsov örav mv wur Toy MOM TIE MEOTELOY SIT HowVviavs un mgon- PrYustar, mein av 59 aurn Tas dia Dogas sy Cu; , Ömoriy weg’ Ev eidenı amyroy. Tages’ mu mar Todands avomooryras, orav ev wandte odIw- C1, un Öuvaroy emoy duswrzuevov musst, mweiv av CUWTAYTE Ta ONE EVTOS MIRE äh epkası yEvaz Tuos 8010 —“ - - ‚318 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. dividuen zu dem Allgemeinen, oder umzelehrt, von dieſem zu jenen ausgeht, fo Dürfen die mittleren Begriffe oder die Arten nicht überjprungen. werde, menn man richtig den⸗ fen will, denn fonft wird man ſowohl die gemeinfanen: Merkmale als die Unterſcheidungsmerkmale nicht vollſtaͤn⸗ dig umfaſſen. Die Vernachlaͤßlgung diefer Kegel iſt die Duelle von Vermwechfelungen, Verwirrungen und Sophi⸗ ſtereien PP). - | — | Weas von dem Gattungsbegriff gilt, das gilt auch von. den Arten, aber nicht umgekehrt, denn: man kaun nicht fhließen, two der höhere Begriff if, da if auch der niedere ©?) | Die Begriffe find entweder identiſch, wenn fie eben diefelben Merkmale enthalten, oder verfhieden, wenn ihre Merkmale nicht diefelben find. So iſt jeder Begriff mit fich ſeibſt identiſch. Es kann aber ein Begriff oder Object in verschiedener Beziehung einerlel oder ver⸗ ſchie⸗ 158) Ph ilebus S. Zi9. dem zv zung ai may ıdar meet mavTos Enasors Heusvas Inrew. Evenaeiw Yyap. sv2cav. Say av näruhadmuev, METK.Miav do, eITrWg eol, onomev' © Ös un, Toms y Ira aov apı$- p.ov’ 24 TWV EV EHAIVWV IALZOV MaAIV WIXUTIWG, ME* gi mer av To HaT' aeXas Ev an .oTı 5v ng mod yo aeg 551 MOvov dr TUR, aa May ÖTFond. TV ds 2 ameıgs 1dE2V Treog ro mAndog un meosdsgem, muy av mis Tov afıyusv auTE Mayr“ KaTIöA, ToV uerafu Ts ame TE ng TE Ev0%. 159) Euth yphro S. 26. an apa oeYwg axeı As year, Iva yog' des, vda nay ydws’ aM’ iva ev eudws, evda way dcs. # merros yE Ivo 'yE deog, mav- TuyE 4dws. EI mAROV 'yap oimoy Ö80os mas. os gıov yap deng dws, werse agıyus megirroy. Phi- lebus ©. 211. 212. | wm Philoſophie des Plato. 319 ſchieden ſeyn. Dieſes Verhaͤltniß der Begriffe iſt für bie Logik ſehr wichtig. Denn was verſchieden iſt, kann, in ſofern es verſchieden iſt, von einander getrennt werden, woraus negative Urtheile entſtehen. Zum richtigen Den⸗ ken gehoͤrt daher nothwendig die Unterſcheidung der Bes griffe, nach Identitaͤt und Verſchiedenheit 100). Die verſchiedenen ; Begriffe theilt Plato nicht weiter ein, ſondern ziehet nur eine Art derſelben vorzuͤglich in Betrachtung / nehmlich, die entgegengefegten : ra svayrıa). Entgegengefegte Begriffe find ſolche, welche als Merkmale einander ausſchließen, oder nicht zugleich mit einem Object verbunden tverben können, 3. B Gefund« heit, Reankheit, Weiß, Schwarz. Wenn ein Menſch geſund ift, fo iſt er nicht krank. Es giebt Begriffe, tvels de unmitrelbar, und andere, die mar mittelbar durch ein In ihnen enthaltened Merkmal entgegenges fest find. Gerade und Ungerade. find einander unmits telbar, Zwei und Drei nur mittelbar entgegengefeßt , weil mit Zwei der Begeiff des Geraden, und mit Drei der Bes griff des Ungeraden unzertrennlich verknuͤpft IE I), Eis nem Begriff iſt immer nur ein Begeiff entgegenſetzt, einer‘ flieht den audern aus, und es iſt nichts Mittelered zwir ſchen ihnen. Won entgegengefesten Begriffen muß abee einer nothwendig einem Dinge zufstunten. Enthaͤlt ein — m Begriff mehrere Arten unter ſich, fo gilt dieſe | 160) Philebus S. Sır. 83, Sophilta &:a7g. N omg 06 CUYKWEed, TWwy OYTay Ta MEV AUT na" dura, Ta d6 Mies ud wer AayEdy — Tod’ örsgoy ae mgos drspov, Hipparch. ©. 265. 267. 161) Philebus ©. Ari. wo yE nv MERaV Wa Atu- Kid WAVTEE YIVERSRomEv ws MBos To diaDogov even, x Evartiwrarov 89 TUN Kae Gorgias ©. 106, ‚Phaedo ©. 234: 355. 320 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. dieſe Nothwendigkeit von dem Sattungsbegeiff, aber nicht von den Arten ua - Ungeachtet üßer die Erflärung. — — mehrere Kegeln vorkommen, fo find fie doch mehr negativ alg pofitiv , fie zeigen mehr was fie nicht, als was fie jeyn foll.. An den gegebenen’ Beyſpielen ſiehet man wohl, daß Plato die. Definition für.einen Sag erflärt, welcher vie, wefentlichen Merkmale, wodurch ſich ein Gegenſtand von andern unterſcheldet, ausſaget. Den Ariſtoteliſchen Begriff, daß die Erklaͤrung die Gattung und den Unter⸗ ſchied eines Objectes angeben muͤſſe, bat. Plate vorbe⸗ reitet, aber zum wenigſten in feinen Schriften nicht wirk⸗ lich gegeben 1%), Er fodert von. einer Erklärung, daß fie nicht. durch dunkle, unverſtaͤndliche Norte, oder, durch einen Zirkel gegeben. werden ſoll. Er nenne: dergleihen pomphafte Ertläsunger (ro amo- ‚nguas) 1%), Ä | Die Einthelluns (öte: — beſtehet darin, daß man die niedern Begriffe (eg), meist unter einem hoͤ⸗ hern enthalten ſind, beſtimmt und aufza Slee.. Man muß in der Einthellung Arten aufzählen, „d fr Begriffe, die neben den Gattungsmerkmalen einen Unterſchied oder naͤ⸗ here Beſtimmung derfelben enthalten, und einen Theil dei Sphäre des Gattungsbegriffs beilimmen. Er umterfcheis det 162) Alcibindes li, ©. 77. 7% Proiägoris ©: 77: | . 365) Definitioneä 8. a96. 8% Node ta 012 Dopas xcu yEyas cuynxeiusvo⸗. Daß Plato etwas das von geahnet, erhellet aus Theaetet, S. 190. 195. Epiftola vl. © 1514 — 164) Meno ©. 358. 341. Corgias GS. 9, Philoſophie des Pate; -. '37ı bet: 'däher seinen The ih ( —R und eine Art des Gat⸗ tungsbegriffs (cioog. Der Theil enthält eine unbeſtimmte Anjahl von Gegenſtaͤnden, die unter: einem Begriffe fies den, aber noch viele Aehnlichkeiten und Verſchiedenheiten - enthalten, und daher den Gattungsbegriff nicht naͤher be⸗ ſtimmen. Jede Urtsiß-ein Theil des Begriffs, aberein Theil iſt Feine Art, - Um’alle Fehler bei Kintheitungen - zu vermeiden, muß man immer von den Hodern Arten bis zu den niedern ſorthehen und zwar durch Entgegenfeling ‚( Dichoromie.). Auf dieſe Art gelangt man auch auf neue deen. Den Grund der Dichotomie ſcheint Plato noch nicht ergruͤndet zu haben, denn ſeine Eintheilungen lefern zwar entgegengeſetzte, aber nicht kom tradictoriſch entgegengeſetzte Begriffe, die einander wirklich ausſchlueßen. Die Uutereintheilung kannte auch Plato, er nennt ſie diaeoic Kara — ſo wie die ade sheilung diaiosoic Mara mAarag 18 Durch die Verbindung ver — entſteht ein U e theil, welches, wenn es durch Worte ausgedruͤckt wird‘, . em Sası[lAoyogr. Habt.» Es. glöbt zweierlei Worte, Haduptwödrter und Zeitwörter (ovonara, pykara) Die Nebeneinanderitillung von Wörtern der einen und ans dern Urt giebt feinen Sat, denn es fehlt an der Vers bindung; dieſe Bunt dadurch, dab ein Jeitwort zw einem Nennwort 'gefegt wird, Ein Urthel if alſo cine — 2:7 hen ———— — ur ig} — a 05) 6a Philabus 8 219. 2201“ — ©. 14. di: „29. #uRuoH, dsı me. noy MaÄNoV. nor'. ‚eidy ns da di yeoıT’ av! .TURBOV. MOROn EV, TREO TODE 1 US- yancı. adeygwpen, urds eidas Kweis’ ad To wegsE aua dog sxsro, .— GS. 15. 16. eds örav y un. Te Nu MEROR aua as oy AUTO U TE MER WATOS . .ÖTEmEE av sa ASynrayM800g. 935 Kdoz, wöevım KYayun. S. 67. ‚Sophila 6.500. Tennemanns Geſchichte der Philoſophie I1. Th. & — 322 Zweites Hauptſtuck. Sechster Abſchnitt. 55) wodurch ein Ding in Anfehung feines Pradicats befiimme wird 1%), Es fehlte dem Plato noch an Worten zur Bezeichnung des Subjertd und Praͤdicats, um ſich beſtimmter auspudruͤcken. Daher iſt auch ſein Begriff von einem Zeitwort, es druͤcke eine Handlung oder Wirfung moaSg aus, nicht ganz richtig. Die Begriffe felbft aber waren ſchon mit dem Begriff eines Urtheild gegeben, Daher flellt er aud den Sag auf: jeder Sag bezicher fi auf ein Etwas Ecce mivos) nehmlich als Subject, und ohne diefe Beziehung ift Überhaupt fein Say möglich 17). | Die Urtheile ind ensweder bejahende oder vers neinende. Jedwedes Ding fann ſowohl an fich als in Beriehung und Verhaͤltniß mit jedem andern Dinge oder Begriffe betrachtet werden, um die Befiimmungen,. Die ihm an fih und in Verhaͤltniß mit andern zukommen, finden. Was mit ihm verbunden werden fann , wird ihm beigelegt, was nicht mit ihm werbunden werden fann, wird von ihm ausgefhloffen. Es if in jener Mückfiche Etwas (av), im dieſer I ed etwas nicht (my 5 \ ..ı66) Sophilta ©. 291. 892. 295. dımvoms uau As U og Taurov mA 6 mar avrag ng \yuxns Treo: al Tywdiaxovoc avsu Deoyng Yiyvopsyas TET’ UTo MR srwvouastn dıavesa’ dokn de, duavoras amorENsu aycis. ©. 295. Bros yag (N auumionn) nön ma Te TE MEI TV OVTEV 9 YEyVorsyay 7 YEYoVOTw y MER.OVTEV" Hay an OVOLLEs MOVOV , RL TI FERN GUWMNEHRIY TA ENMRTE TOIS OVaacı. 167) Sophifta ©. 294. Asyov ayaynayov, orav mag . TRoçc ervayAoyav. unds Tıvog aduvarov. Zuweilen ‚nennt Plato das Praͤdicat maIrua und matos ‚Sophila S. 873. ‚Philchus 6. 2:7. ! Philbſephie des Plato. 323 Jede⸗ Ding hat alſo unaͤhlige viele poſſet ve und nes gative Vrädicate 198), Hiecauf beruft auch die Wapıpeit oder Falſch⸗ heit der Urtheile. Ein Urtheil iſt wahr, wenn ihm das, was ihm beigelegt wird, wirklich zukommt, und daß, was von ihm verneinet wird, nicht zukommt. Am ums gefehrten Fall ift es falſch. Das falfche Urtheil mache etwas Megatives, Mag vom Subjecte getrennt wer⸗ ben muß, zu einem pofitiven, und das Vofive zu einem negativen Merktmale des Subjects. 4.2, der Menſch fliegee 107). Hierbei kommt aber alles zulege auf das Geſetz Des Widerſpruchs zuruͤck. Was einem. Sub⸗ fecte nicht miderfpricht, das kann mit ihm verbunden wer⸗ ben, und iſt inſofern wahr, Iden tiſche Begriffe koͤnnen verbunden, verfhiedene Begriffe muͤſſen, inſofern fie verſchleden find, getrennt werden. So iſt Bewegung mie ſich ſelbſt Identifch, Bewegung iſt Bewegung: aber Beweguns und Identltaͤt find zwei verſchledene Begriffe, | & 2 | Den 109) 5 go/hikä S. 281. 282. nara ravra vyag 7 Iarspov Quck, Erepov amespyalonsvy rou Ovrog, nachu OU 0U mOIcı. Kal Supmavra. be nara Tauræ Urs OUR OUTRNIIWz zgoUjaey — xu 7ä DV ag du Soankp sgı 7& Ada, Kar Todaura OUR EFiv, EREIUK ap om CV, Ev MEV auro Egiv, amspavra be Toy agı9ov Tahla our sgiv au, © 2 ve 169) Sophifts S. 295, Aaysı we —RX o peu aAydg (Aöyos) Ta vvra wg s51 map ou — ö öde Apevöyg Erepa rwv ovrwv, ray dvr’ ana du * — Arepl dy oev Asyopsva kevror ⸗areoa, Wr mazaura, , ar uy ovra 4 ovtc mayramadıy, es E0ırEV, 5 T91+ av duvdedis Eu Te Oylatwv Yıyvarrsvy al OVOpote av; avrws TEıyeyvegdai * — Theaetet. S. 145. — | . KL nl Pi ö # £ F a Ye 324 Zweites Haupeftüc. Sechster Abſchnitt. Bewegung iſt nicht Identitaͤt. Bewegung iſt nicht Rea⸗ utaͤt. Unterdeſſen widerſprechen ſich dennoch nicht, alle verſchiedene Begriffe, und einige fönnen daher verbunden werden , andere find unvereinbar. Bewegung und Ruhe - widerfprechen fi, weil eins dag andere aufnebe. : Aber Bewegung und Wirklichkeit Fönnen verbunden werden, und beide Begriffe werden in dem Begriff einer wirklichen Des wegung wirllch verbunden gedacht u re Br Einem Subijecte fommen nicht zugleich zwei widerſprechende Prädicate zu, 4-8 Ruhe und Bewegung, denn wenn es ſich beweget, ſo ruhet es nicht, und wenn es ruhet, ſo beweget es ſich nicht. Aber es kommt hier darauf an, daß die Begriffe in einerley Umfang und Bedeutung genommen werden. Es iſt alſo kein Widerſpruch, daß ein Menſch ſtehet, und zus gleich den. Kopf. und die Hände bemweget. Eben fo kann man fagen, eine Ziefelfläche bewege ſich und ruhe zugleich, Daß letztere beziehet ſich auf dem Mittelpunkt - das erſte auf .die Peripherie. Man fagt: ein Menſch ift ein Sklav vor fih. Wenn man hier nicht in dem Menfchen die Menſchheit und Thierheit, das Beſſere und Schlechtere uns terfcheidet, fo ift eg ein Widerfpruch, aber mit biefer Uns terfcheidung iſt das Urtheil nit miderfprechend 171). Aber von zwei widerfprehenden Merfmas ſen kommt einer einem Sybjecte nothwen—⸗ . dig \ - 170) Sophifta ©. 277-282 171). Sophifta ©. 282. de Republica IV. EGS. 360. ÖyAov, dr Taurov T avavrıa molsiv.y Ma0- GXEIV Kara TauToy YE Mal mp0 TAUTaV DUK gFEA yTE * Ay. dce sav rou Eupyguwmev Ev auras, TauTR Yıy“ vopcva, Ei00.LEIa, TI ou TAUTOy Vs alla mim. ©. 361-349 — - Phbiloſophie des Plato. 32 ‚big — z. DB. ein Menſch muß geſund oder krank ſeyn 12 Ungeachtet Plato die unentbehrlichteit der Sdlaͤffe im wiſſenſchaftlichen Gebrauch wohl kennet, und ſein Rai⸗ ſonnement ſelbſt oft auf Schluͤße bauet, fo finden wir doch - Son den Theotie der Schluͤße faſt gar nichts in. feinen Schriften, welches um fo auffallenver ift, da et in dem Euthydem eine Menge von Truafchlüßen anführt, und ‚deren Fehler theild aufdeckt, theils durch ähnliche, Die er ihnen nachbildet, Fühlbar macht. Um fo weniger darf man ihm aber eine gänzlihe Unkunde in dee Theorie derfels ben zutcauen, wenn gleich nur einige wenige Winfe in den Schriften vorfommen. Was .er zu jeinem Schluffe erfos dest, Lönnen mir einigermaßen aus dem Beifpiel eines unachten Schlufes (voFos Aoyısuos) erfehen. Plato verſteht nehmlich denjenigen darunter, deſſen Oberſatz fo lautet: Alles, was wirklich iſt, muß irgends, wo In einem Orte ſeyn, und einen Raum ‚einnehmen 17), Da dleſer Oberſatz, in feiner Allge⸗ meinheit genommen, falſch iſt, und ſeinem Syſtem nach, nicht auf das Ding au ſich paßt, in einer eingeſchraͤnk⸗ teren. Bedeutung aber wahr iſt, ſo ſcheint er Ihn nicht einen falfhen, fondern unächten Schluß zu nennen. Er erfos dert alfo, wie es fcheint, zu einem Schluffe einen allı ‘ | X 30 ge⸗ 172) Alcibiades IL ©. 77-79- \ 173) Tımaeus © 349, ToTov DE AU ycvocę 0 To Tg Ylopag — aurn er avardyoias amrov, Ad NSW mıvi vom moyıs mızoV. moos G Ös Rau OVEDO- mokovpev, ‚BAsmovrss, naı Dausv ayayndıov EIVaI TOU' TO 09 Amav, gV Tıvı Tomwy, mar KarexXov Xwpav rıyva, To de myre sv 3° MTE moU Xar'-oupavav, ovöev'grvar. Vergl. \ Sophifta ” 259. ©. 275. ’ J as Zweites Hauptſtuͤk. Scchſter Abſchnitt. gemeinen Oberſatz. Daher koͤnnen nad feinem Syſtem nur Ideen als Praͤmiſſen zu Schluͤſſen dienen 17%), | Ein Sag, aus dem etwas bemwiefen wird, beißt ei Grundfag (oͤroRecic); iſt er der ſchlechthin erſte, der feinen Beweis weiter zulaͤßt, fo heißt er ein Princip (agxn). Und wenn das Hergeleitete nothwendig felgt, fo beit dag Verhältniß des Abgeleiteten zur Prämiffe .. Die Praͤmiſſe iſt entweder ſelbſt ein erwieſener Satz, nur ein wahrſcheinlicher. Davon hängt die Fee des Bewiefenen ab. Gin gründlicher Beweis erfordert einen deutlichen Begriff von dem Objecte, damit. exrbelle, ob dag, was erwiefen werden fol, ſchon in dem Begriffe deffelben enthalten iſt, oder ſich mit: demfelben vereinigen laſſe. Ein wahrſcheinlicher Beweis gründet ſich nicht auf die Einſicht des Objects, fondern die Aehnlichkeit deſſelben mit andern Iſt die Aehnlichkeit nur ſcheinbar oder grund» los, fo.ift der Beweis falſch 77). Es giebt eine gedoppelte Art, und Weiſe, Gegenftände zu unterſuchen; einmal vermittelt der Worte, wo⸗ durch fie bezeichnet werden, zweitens, die Betrachtung - der Gegenſtaͤnde ſelbſt. Es herrſchte nehmlich dar mals bei einigen Denkern die Meinung, als wenn in den Worten das Weſen der Dinge ausgedruͤckt fey, und fogar die einzelnen Sprachlaute demfelben. entfprächen. Wer ſich Erkenntniß der Dinge verfhaffen mollte, brauchte demnach bloß die Worte zu ſtudieren, und in die Beſtand⸗ Seile einzudringen . Plato erinnert aber dagegen, ar 174) Meno ©. 385. 175) de Republ, VIL &. 123, 124. Phaedo S. 209. 210. 174. Theaetet, ©. 109,110, Meno ©. 363, Definitiones &, 296. amoöw £is, Agyas auAkoyısınog Aysz’ days su. Davızınag dia III *Ptiloſophie des Plate 327 dleſer Weg zu Feiner ſichern Erkenntniß Fähre, Inden es gar wohl moͤglich ſey, daß ſich die Erfinder der Sprache in Anſehung der Gegenſtaͤnde geirret, und ihnen Eigenſchaf⸗ ten beigelegt haben, die ihnen nicht zukommen. Und: wenn es auch nicht: unmöglich iſt, auf diefe Art zur Er⸗ kenntniß zu gelangen, ſo iſt doch die Betrachtung der Ob⸗ jecte ſelbſt, anftatt Ihrer zeichen, ein meit ficherer und guerläßigerer Weg: Darunter verftehet er die Unterfus Hung der Begriffe von Objecten, daß mar nehmlich ihre Merkmale entwickele, und fehe, was mit denſelben vereinbar iſt oder nicht 7%); Dieſes if die erſte Idee der logifhen Analpfig, die ſchon vor Plato angewandt, aber von ihm zuerf als eine Me⸗ thode des Denkens deutlich gedacht worden. Ungeachtet - fie aber bloß von logifhem Gebrauche ift, fo hielt er en doch zugleich für den Weg zur realen Erkenntniß. logiſche Wahrpeit IR ihm auch zugleich objective — Wahrheit, weil dee Begriff eines Objects die Form des Wett des Oojers ſ — Die diqne logiche —* | 24 #: 176) Crasylüs &. 237-244. S. 43. Pr Rn " vos aAlou ouy eri moogdonag av raura (Ta ovra) pa w; ap Öl aAlou Tou, 9 Öumep eınas ys was Ör- Aaorarov, Ö aAlyluv ye, 21 my dUyyery egı Kar au- . ad aurav. Vergl. Phaedo ©, 2206. 277) Diogenes Laert. III, $. 24. vaı wow- 705 Tay Kara my avakvoı Tg Öyrgasws TpOmOV Eioy- Moaro Arwöanavrı rw Barum. Wenn man darun⸗ tee bloß die analytiſche Methode d. 5. den Gortgang von dem Gegebenen sur Bedingung vers Rebe, fo tut man dem Plato Unrecht. Denn mie gleihem Rechte kann man ihn für den Erfinder deu ſynthetiſchen Methode Halten. Man fehe de RepublicaVI. & 124. VII, ©. 165. Ari ftoreles Ethicer, Nicomach, I, c.4 328 Zweites Hauptſtuͤck. Scchſter ·Abſchnitt. — beſteht darin, daß man einen Vegriff in Alle feine Merk⸗ male aufloͤſet, alle, Begtiffe aufſuchet , in denen jener: als Merkmal vorkommt, oder alle Begriffe, welche über oder uſter ihm enthalten find, «deutlich unterſcheidet, alle Sole gerungen , die fi) aug der: Seßung oder’ Nichtſetzung m. Rogufe ergeben ‚ entwickelt 178). 5 zurociien enıfteht die Frage: ob ein gewiſſes pa⸗ Bient: mit einem - Subjecte‘ vereinbar ſey, ehe noch deſſen Begriff entwickelt iſt: dann ift eine Dypothefe noth⸗ wendig. Man ſetzt Die Bedingung voraus, unter: wel⸗ her das. Prädicar dem Subjecte zufommen fann, und unterſucht ob Diefe Beringung. wirllich ſtatt * (+ — — je: | ur > 4 .- # u. * ir R dr v A —W 1 Die — was if: Woahrheit; die dem silofophen fo viel zu ſchaffen gemacht hat; hat in dem Platoniſchen Syſtem feine Schwierigfelt.. _ Denn fie iſt nichts anders, als die bloße Denfbarfeit, die Ueberein⸗ ſtimmung mit Begriffen nadiden Geſetzen des Denkens. en — kann —— und dalſchheit nur * a | 172) Sohkin: ij: PR ounovv yon rou · —V ——— doav, av ıösav dia moAAwv , Evag eye OU” REIREDN Nooig. mayry ÖareTranEvV | inavıns ör aia ausrai, Mau woAAag — ardyAwv, ord pas Ei whey rroisKousvas, zar av av Ör oAwv muAAwv "9 dur Evuytiugu, Hau woNAag Ken: mayry Öwpi- Mevası F rovuro ds, yrE Holdem’ Enaga Öuvarar, ar op dia one, nara Vevog —— Par menides Dr gI- 99° 79) Meno ©. — Philoſophie des Pla, 39 vermittelſt eines Urtheils erkannt werden 190), » Mieht Echmierigkeit machte faſt die Erllaͤrung des Irrthums. ‚Mehrere Verſuche, den Begriff deſſelben deutlich jzu ma⸗ Her, beſtiedigten ihn nicht; denn daß jeder Jrrthum ein falſches Urtheil fey, war wohl klar, aber id wman ſich dieſes Urtheil denken und erklaͤren ſolle dar jede Seele ein natuͤrliches Streben und Intereſſe für Wahrheit Bat, und.wierdie Erklaͤrung mit dem Denken übereinftims mig zu machen ſey, dies war der fehmierige Punct 3, m Euitſteht der Irrthum vielleicht" dadurch, daß“ man das, was man weiß, (ſich bewußt iſt) mit dem, maß . man nicht weiß, verwechſelt· Wenn man urtheilet ‚fo iſt man ſich des Objects entweder bewußt, oder nicht. Ein Drittes giebt es nicht. Es iſt aber unmoͤglich eine Sache zu wiſſen, wenn man ſie nicht weiß, oder nicht: zu wiſſen, wenn man fie weiß. Alſo fann man nicht etwas fuͤr etwas anderes halten, wenn man von beiden feine Borftellung. hat, z.B: den Theätet für den Sokrates hal⸗ ten, wenn man beide nicht fennt, Es iſt aber eben fo unmoͤglich, etwas, das man weiß, für etwas, das man nicht weiß, und umgekehrt zu halten 4%). — Vielleicht läße ſich der Begriff de8 Irrthums nicht aus dem Bewußt / feyn, fondern aus der Realität des Prädicats, 180) Definition, &, 293. elydan, Eu & naralaosı xaı amoQassı, ehe 181)-Theaeter, ©, 145, 146. Ioarraı ne mug 'vuy re zaı aÄlors öy moAlanis, wse ev amopıa mal- Ay MOOS zWauTov Has mpos aAAov yeyovsvar, OUX EXDVTa EIMEIV TI Mor’ E51 TOUTD TO madog map Hypan, Hoi TIVE TOOMOV EYYIVOMEVOV — TO MOIOV Ön; TO Ölr - Ealeıv rıva pevöy. 82) The aeten ©. 146, 147. . 330 Zweites Hauprftüc. Schiter Abſchnitt. ſchoͤpfen, daß ein Irrthum ein Urtheil iſt, in welchem von einem Subjeete etwas Nichtre ales (py ov was: nicht Etwas, ſondern Nichts iſt) ausgeſaget wird. Darin kann er aber nicht beſtehen. Denn wer Nichts denkt, der denftt auch gar nichts 1283). — Oder iſt ein falſches Urtheil eine Verwech ſelung "der Begriffle nnd Objecte. —E Erspodofıa, alloöogem, ärsoodnsem). In dieſem Falle: denkt man noch Immer etwas, obgleich nicht richtig, und die Unmöglichkeit der vorhergehenden Hypotheſe fällt weg. Hier müffen gwei Faͤlle unterſchleden werden. Man denkt ſich in dem anges nommenen. Sale, entweder beide Objecte, oder'nur das Eine. Da Denken fo viel ald Urtheilen d. i. audfagen, ein Object fey das, oder fey das nicht, iſt, fo heißt es in dem erſten Fall fo viel, als die Seele füge ſich felbft , das eine Dbjeet- iſt nicht daſſelbe Object, A— A 552. das Schoͤne iſt haͤßlich (nicht ſchoͤn), Gerechtigkeit ift Unge⸗ rechtigkeit. Allein dies iſt ein volllommener Widers ſpruch, deſſen ſich kein Menſch ſchuldig macht. Der andere Fall iſt aber chen fo unmoͤglich, daß man nehmlich etwas, wovon man eine Vorftelung hat, für etwas hal⸗ re, deffen man fid nicht bewußt iſt. Denn das wäre (6 viel, als ſich etwas vorftellen, was man ſich nicht‘ vor⸗ ſiellt 182). Doc der Sag, daß man etwas, dad man meiß, nicht für etwas, das man nie weiß, halten könne, muß noch genauer beſtimmt werden, denn die Erfahrung, daß wir einen Menfchen in der Entfernung für einen Bekannten halten, ob wir Ihn gleich nicht ken⸗ ven, beweißt, daß es ein mirflicher Fall tft, deffen yon allem Wider pruche frele Erklaͤrung auch moͤglich ſeyn muß. Ein Menſch kann das, was er noch nicht weiß, Ian, und zwar eins nach dem andern. In * 183) Thea etet. &, 148, 184) Theaetet. S. 149-153. t Pphiloſophie des Plato. 331 Gedaͤchtniß werden die Vorſtellungen aufbewahret, und fie muͤſſen daher gleicham eine Spur oder Kople von ſich zuruͤck laſſen, wodurch fle ſowohl fortdauern, als auch wieder ernenert werden fünnen: ‚Wenn wir uns etwas vorgeſtellt haben, und es bleibt eine Kopie davon im Ge⸗ muͤthe zuruͤck, fo erinnern wir uns und find uns des Ges genſtandes bewußt, wir mwiffen ihn (emisasdau, "sıögvar) d. i. es iſt ung eine Vorftelung von einem. Ob jecte gegenwärtig, durch welche wir daffeibe von andern unterſcheiden, und diefe Vorſtellung it von der Anſchau⸗ ung vefielben Gegenftandes verfpieden. Ein Gegenftand, den wir wiffen, Fan entweder zugleich angeſchauet oder nicht angeſchauet werden. Eben fo if es möglich, daß wir einen Gegenfland, ‚den wir nicht wiſſen, anfdauen, aber auch daß wir ihm nicht anſchauen. Nach biefen Bor ausfegungen beſtimmt er die Gälle, wo es moͤglich, oder unmöglich iſt, einen Gegenftänd, den man weiß, mit einem andern, den man auch weiß, zu verwechſeln. Es iſt unmöglich einen Gegenftand, den man weiß, aber nicht emipfindet, mit einem -andern, den man weiß aber nicht empfindet, oder den man bloß weiß, mit einem an« dern , den man weder weiß nom empfindet, oder den man weder meiß nod empfindet, mit einem andern den man weder weiß noch ‚empfindet, zu verwechſeln. Es bleibt nur die einzige Möglichfeit bei ſolchen Gegenſtaͤnden übrig, die man zugleidy weiß und empfindet, weun nehmlicy das Bild oder die Kopie ‚von dem Gegenftande, den man, lange Zeit nicht. angeſchaut hat, verdunfelt IR, und die Seele, wenn beide Gegenflände mieder den Sinnen vorgehalten werden, ſich befirebt, das Bild von beis den Gegenftänden mit der Empfindung zu verbinden, um die Anerkennung des Gegenſtandes zu bewirfen, dabei aber, eben weil das Bild nice lebhaft vorſchwebt, einen Fehl⸗ griff ihut, alſo Bild und Empfindung unrecht verbindet, . Srerehum findet alfo bloß in der Verbin⸗ ‚dung der Gedanken mit den Empfindungen | ſtatt 338 Zweites Haüptflid. Sechfter Abſchnitt. Rate 185) Diefe-geroiß ſcharfſinnige Erklärung. wuͤrde ‚ ihm vollfommen Genüge thun, menn fie nicht zu enge wäre. -... Sie fließt: nehmlich allen Irrthum bei: bloßen Gedanken ang ‚: diefes ift aber nicht richtig." Wenn. Einer 7. und 5 in eine Zahl · pereinigen ſoll, ſo geſchiehet es oft, daß er nit 12, ſondern 11 als die Summe anſiehet. Bei geößern Zahlen iſt ein ſolcher Irrthum noch viel leich⸗ ter zu begehen Und doch ſind die Zahlbegriffe feine em⸗ piriſchen, ſondern vor aller Erfahrung in feinem Bewußt⸗ ſeyn. Er urtheilt alſo, daß etwas, mag er weiß, etwas anders fen, was er ebenfalls weiß, welches nach der obis . gen Erklärung unmöglich ſeyn follte 80). Vielleicht laͤßt fi die Schwierigfeit heben, wenn man einen Unterfchiedy zwiſchen Befisemi und Haben, Erwerben und.Ges brauchen (krasIaı, exe) macht. Wenn Jemand eine Vorſtellung von etwas erlangt, und fie gleichfam in deu Vorrathskammer ſeiner Kenntniſſe niederlegt ,: fo hat er die Vorftelung dem Beſitze nach (emifas9aı), aber deswegen iſt er ihrer doch niche immer bemußt (emisylayv exeıv), fordern nur dann, wenn er diefe Borftellung wieder her⸗ vorlangt, aund Gebrauch von ihre macht, Iſt man nun im Beſitz ' einer Vorftellung, ohne fie aber zu haben (ohne fie: wirklich vorzuftellen) ſo iſt ed mögli, daß man, menn man fie wieder herborfacht,; um fie zu haben, eine andere an ihrer ſtatt,/ z. B. den Begriff 11 anflatt 22 ergreift. " | De = Und 3385) The a et et. ©, 149, 163. megı ww uEv.un oM dstis und NSISTO WWTOTE, 8% Ssiv, We Eöinsv, KT8 beudssdar, sro Weudng-dofa' mrseı dswv.ısusv TE na stovouste, 8v auras Terug sesberu nu Durrerey 9 doba, Wevöng nay urn Fu Avrouern. — Evennas ıbsudn dogav; orı ETE Ev TIyS Wednascıw Et mess alınÄas', are Ev Tous Ösavosays, ah er rn Cure unbe ous$mesws meog diuvory, 86) Theaetet, 6, 165, 165. l Pfilofopge des Plato. ln os3 und dann urtheilet man faiſche ESawillein es ht ſich doch nicht denten, daß eine ſolche Berwechs· lung der Vdrſtel⸗ lungen vorgehen fol, wenn ſieln der Seele binmalß vor handen. find: - Sie muß doch wiſſen,· was ſie hat, und wie ſollte fie bei dieſem Wiſſen fo verfahren, als wuͤhte ſie nichts, Indem fie eins für das andere nimmttaawenn man auch endlich ſich einbilden wollte, in der Seele Wären nicht allein Borftelungen ,'- die" Erfenitätffe (emis sa), \ fondern auch ſolche, die Nichteefenntniffe find (averichpo- ouvaı) vorhanden, und ein falſches ger daß man die eine flatt der andern ergriffe, ſo iftidoch das mit auch nicht das geringfte gewonnen. Denn wer irrt, glaubt zum wenigſten nicht, daß er irrt; er unterſcheidet alſo nicht zwiſchen Vorſtellungen die Extennfiife; und die feine Erfenntniffe find, Es dringen ſich daher” wider die Fragen aufs Unterſcheidet der Irrende beide Arten von -Morftellungen, und vermechfelt fie doch? vdir hat er von beiden Feine deutliche Vorftelung , oder nur von der einen, und urtheilet doch „ die eine fen die andere? Oder ſoll man über. diefe ‘wieder höhere Vorftelungen annehmen, welche verdunkelt find, wenn er die niedern verwechſelt 187 ). ⸗ Plato konnte alſo, wie es ſcheint, dieſes Problem niche aufloͤſen, und er begnuͤgte ſich deswegen mit dem lögiſchen Begriffe, den mir angegeben habem ohne | wie Urſachen diefer Erſchelnung eindringen- zu wollen. ‚Duelle des Irrthums iſt alles, was . Urtheile veranlaßt, z. B. Undenutlichkeit und Unbeftimmes heit der Begriffe, vorzuͤglich der. Ideen. Deus» dann kann man nicht wiſſen, iwelche Grgenfländg unter. diefelben gehören oder nicht. Wenn man nicht weiß, was firtlid und gerecht an fich iſt, fo kann man auch nicht beurtheilen, was im — em — und gerecht iſt Bar ca: 51 ee, Die ‚er ardin? 187) Theaeter, ©.-166 ; — V or | 188) de Republ, ad Rolitious ;&. 64 65 / J 309 Zweites Hauprfiäd... Sechfker Abſchnitt. Die Sinne können vielfältig Veranlaſſung zu res thuͤmern geben, Sie erregen 5. B. durch die Lebhaftig⸗ keit der finnlichen Vorſtellungen die Täufhung, daß die Gegenftände,. die wie auſchauen, wirklich die Dinge an fi find. Indem uns die Sinne‘ die - Gegenftände in verſchiedener Entfernung and unter vers änderlichen Verhaͤltniſſen in veränderter Geſtalt erblicken laſſen, beguͤnſtigen ſie den Serehum, die Gegenſtände je⸗ desmal fuͤr das zu halten, was uns an ihnen erſcheint. Ein Tiſch giebt, je nachdem wir ihn von dieſer odet jener Seite anſehen, eine andere Anſicht. In dem Waſſer wird der Anblick eines Gegenſtandes wegen Brechung der Strahlen verändert. Das Verwahrungsmittel gegen die⸗ fen Schein iſt der Verſtand, vermutelſt des Meſſens, Zaͤhlens und Waͤgens u. ſ. w. Denn eigentlich liegt der Fehler in der Uedereilung des Verſtandes, daß er uͤber ein Object ein Urtheil fällt, ohne es unterſucht zu haben 462). Die. Sinnlichkeit hindert oft das Streben nah Erkenntniß, wenn fie durch ihre Staͤrke zum übers mäßigen Sinnengenuffe-reiget 19). Bei jeder Erfenntniß muß dad Denkoermögen twirffam feyn, dies. ift aber uur dann“ moͤglich, wenn zwifchen. diefem und der Sinnlichkeit ein. proportionistes Verbältniß ſtatt finder, daß keins, Meder gu ſchwach noch zu ſtark iſt 19°), x + - Ueber die Sprade Wir verbinden damit fogleich Platos Gedanfen über die Sprage | welche er ſo * wir wiſſen /huerſt mit | | ph | 180) — ©. 181. 4. Republica X. ©. 288. 289: 258. 299. Timaeus.6, 336. Phi- lebus ©. 264. 265: 190; Phaedo ©: 147. 148. 188; 181. 18% 191) Fimaeus €, 551: 332. 453.2.. — Philoſophie des Plato. 335 phlloſophiſchem Forſchungsgeiſte unterſuchte. Zwar hatten eben zu jener Zeit einige · Sophiſten, vorzüglich: Prodi⸗ cus und Euthyphron Angefangen, die Eprache zum Gegenftande ihres Nachdenkens zu madıen,’ aber die Sprachphlloſophle hatte wenig Gewinn davon, aufer, daß das Nachdenfen mehr auf ’diefen Gegenſtand gelenft wurde. Diefe; Soppiften ſuchten ihren Ruhm als große, Sprachforſcher, Dur eine Menge von überfeinen Erpmolsgien.und Diftinetionen ähnlicher Worte zu gründen, "und ihr Beiſpiel war fo verfuͤhreriſch, daß man beſorgen mußte, leere Wortkraͤmerel würde alle gründe. liche Gelehefamkeit verdrängen 2), Anter andern wurde auch dadurch die Frage Über die Bedeutung der Worte und den Grund derfelben veraulaßt. Es entſtanden daruͤber zwei Meinungen. Nach der einen waren die Worte bloß will kuͤhrlich e, nach der andern natuͤrliche Zeichen. Die Worte haben keine Aehnlich⸗ keit mit den bezeichneten Objecten, behauptete man nach der. Erſten, fie gelten als Zeichen bloß ducrch Verabre dung und Einverſtaͤnduißz es iſt alſo aleich viel⸗ mit welchem Worte man ein Object bezelchnet. (Die Worte find . Jeoeı, ouyIyay, öpeloyıa). Nach der sipeiten, find die Worte den bezeichneten Diygen ähnlich. Die _ Merkmale, welche dem Bezeichneten zukommen, ſind in das Wort gelegt; die Worte alſo durch das Weſen deu Dinge beſtimmt, nicht willkuͤhrlich, ſondern hatürlich (Puozi). Jedes Ding kann mir ein Anziges Wort: jur | ' * Be⸗ Ya eo. Pi | a re . + 192) Cratylus ©: 251, Charmides E&. ı9g, Laches ©, 206, Euthydemus &; 17, Ro- liticus S. 15. Ka UurDurafns, ro un, amade: eiv smı Tor; ovonacı, MAHTIWTERSS &1G-TO neng xva · Povnon Peovnasus, Thoa etet. G. 39. “ 336. Zweitts Heuprfüid:" Sechfler Abſchniet. Bezeichnung haben 123). Plato «hält es meder mit ber erſten noch mit. der zweiten Behauptung. Seine Gründe gegen die erſte find‘ felgende :. ı) Durch, eine durchgaͤngige Willkuͤrlichkeit der Worte, wird alle. Wahrheit der Sprache auigehongeit u Wenn wicht geleugnet werden Fanny daß es wuhre und. falfche Saͤtze giebt, ſo müffen: es auch die einzelnen Beſtand⸗ theile, die Worte ſeyn 484). 2) Dieſe Behauptung koͤnnte nur unter der Vorausſetzung wahr ſeyn, daß je⸗ des Ding das iſt, was es jedem ſcheint, oder daß es in ſich alle nur gedenkbare Eigenſchaften zu glei⸗ cher Zeit vereinigte; dieſe Vorausſetzung iſt aber falſch, denn jedes Ding hat ſein Weſen, welches ſich nicht nach der ſubjectiven Vorſtellung dieſes oder jeues Menſchen ver⸗ aͤndert. Die Dinge richten ſich alſo nicht nach der Vorſtellung von Ihnen, ſondern umgekehrt, die Borfellungen. mäffen ſich nach den Din— gen, richten, wenn fie wahr ſeyn follen, » So wie die für. ſich beitehenden Dinge durch ihr Wefen beſtimmt find, fo find es auch. die Wirfungen und: Handlungen... ie geſchehen ‚nicht nach unſern Vorſtellungen, fondern nad ihrer Natur. Das Reden, Nennen, ein Object bezeſchnen, iſt auch eine Handlung, die alſo auch “ihr objectides Weſen haben muß, wodurch dag zu waͤhlende Mittel beſtimmt wird. Es kann alſo nicht willkuͤhrlich ſeyn, wie und durch welches Zeichen wir etwas benennen wollen 1°) 3) Jedes Wort If: anzuſehen als ein Werkzeug oder Mittel gu einem Zweck. Der Zweck if die Bekanntmachung und Unterſchei— dung des Wefens der Dinge. Gefegt nun auch, Ä | die . ER ER L- > 2* vr ..195) Cratylus. 5.250, nöR« R 194) Cratylus‘6. 233. 834. | 195). Gpatylus. ©. 934, 3, nn: — Pbiloſephie. des Plato. 337 die Worte wären willluͤrlich gewaͤhlte Zeichen, fo muß; ſich doch der Erfinder derſelben nach der Natur desjenigen - richten, was er in Worten. bezeichnen: will, fo wie der: Berfertiger jedes: Inſtruments die Befchaffenheit des Ob⸗ jects amd der Wirfung.vor Augen haben muß, wenn er ein brauchbares und taugliches verfertigen will. Der Erfin⸗ der der Worte, welcher als Ceſetzgeber der. Sprache anzun ſehen iſt, muß alſo das Weſen des zu hezeichnenden Objects in die Worte und. deſſen Beſtandtheile legen, ob es gleich nicht nothwendig iſt, daß er zur Bezeichnung einer und decſelben Sache einerlel Worilaute waͤhle. Die Zweck⸗ maͤßigkeit und Tauglichkeit der Worte beurtheilet aber nicht der Erfinder, ſondern der Denker, der Gebrauch von ihnen macht. Es iſt alſo keinesweges die Sache jedes Menſchen, Worte zu bilden, und das Verfahren dabet iſt niche willfuͤrlich, fonden duch die Natur der Dinge beftimme 79), — Nach der zweiten Meinung: muß man behaupten, daß es keine unrichtigen Worte giebt, daß weder in dem Denken noch. in den. Reden ein Irrthum möglich iſt. Dagegen macht Plato folgende Einwendungen: 1) Die Worte beziehen fih auf etwas ‚als auf ihren Gegenfand. Aber beide find verfchieden, fo wie dag Gemälde etwas anders:ift, als das Object, deffen Dar⸗ ſtellung es if. "Nun iſt es gar wohl moͤglich, daß, wie bei Gemälden, fo auch ein Wort auf einen Gegenftand bes zogen wird, den es nicht bezeichnen follte, In diefem Sole ift die Beziehung falſch; und da dieſes mit den Nenn» und Zeltmörtern, woraus die Sprache beftehet, geſchehen kann, fo iſt die Mögligkeit einer falſchen Kede erwiefen 197), Die Vergleihung: der Worte mit \ | Ge⸗ 196) Cratylus ©. 039-245, 197) Crafylus &, 320-327. ennemanns Geſchichte der Philofdphie II. Thl. 2 338. Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abfehnier. Gemaͤlden zeigt und noch eine andere Moͤglichkeit einer Verfaͤlſchung. Ein Gemälde kann treffend oder nicht tref⸗ fend ſeyn. Im erſten Falle ſtellt es gerade nichts mehr noch weniger als die Geſtalt und Farbenmiſchung des Ges genftandes dar: - Im dem zivelten‘ enthält ed entweder mehr oder weniger Das legte iſt aber Immer noch ein Gemälde, wenn es auch nicht Ereffend iſt. So kann es auch mit den Worten ſeyn. Der Wortbilder kann dag Weſen und die Characterzüge eines Dinges vollſtaͤndig aus⸗ drücken ; aber‘ auch fremde Züge einmiſchen, oder weſent⸗ liche auslaffen, er bilder in jenem Falle ein Wort, wel⸗ ches eine vollfommene, In -diefem eine unvollfoms mene Kopie, noch immer aber ein Wort iſt 188). Es läßt ſich zwar der Einwurf machen; daß, ſobald erwas zu dem Worte hinzukommt, oder von demſelben meggelaffen wird, das Wort aufhört daffelbe Wort zu feyn, und fi) alfo auf einen andern Begenftand beziehen muß. Alten diefer Einwurf paßt nur uf Zahlen. Durd Hinzufegung oder Wegnehmung einer Eimheit entſteht für gleich eine andere Zahl. Bei Qualitaͤt en aber verhält es fich ander, - Im Gegentheil darf eine Kopie, ein Bild, nit einmal alle Eigenthämlichfeiten des Originals in fi faſſen, es würde ſonſt keine Kopie mebr,- fondern. daß Driginal ſelbſt ſeyn, wobei alle Unterfheidung aufı hören müßte. Die Worte dürfen alfo nicht einmal alles in fi faffen, mag in dem Dbjecte iſt; fie, muͤſſen bald mehr bald weniger von dem den Dbjecte zufommenden Merkmalen. (mposyxovra) enthalten In dieſer Nückficht fönnen fie bald vollfommen, bald uns vollkommen ſeyn. Jedes Work:bezeichnet aber noch im mer das Dbjeet, fo lange nur der unbeflimmtefte "Begriff deffelben ihm zum Grunde liegt. Es erhellet : | > — aber 108) Cratylus &, 527. 358 Eee Philofoppie bes Plats. 339 aber and) daraus, daß man ein anderes Princhp fuͤr Hfe Wahrheit der Bezeichnung durch Worte ſuchen muß 19), 2) Wenn die Worte natürliche Zeichen wären, ‘fo müßte man dieſe Woransfegung vorzuͤglich an den Stammmwörtern (7a mowra) durd die Uebereinftims mung ihrer Elemente mit der. Natur der Dinge beweiſen koͤnnen. Diefer Beweis aber fehlet. Wenn man z. B. annimmt, das p bedeute Bewegung und Härte, dag A aber das Sanfte und Weiche, fo kommen beide Laute lin - bem Worte an Ayporys vor, woſuͤr die Eretriens fer önAyporyo ſagen. Welcher Grund‘ läßt fich das von angeben, wenn man nicht fagen will das A ſey ein falfcher Zufag In dem Worte? Und auch diefeg zugegeben, ſo wiffen wir doch eben fo gut, mas das Wort bedenter j als wenn es diefen Zufag nicht hätte, fo tie wir die Eres' | trienfer verfichen, wenn fie oxAyporyp für 6rdy- porys fagen. Das macht, wird man vielleicht fagen, die GSewohnheit. Gut, aber Gewohnheit und Einverftändniß find dem Begriffe nach nicht verſchie⸗ den. Man will damit nichts anders ſagen, als ein an- derer deult ſich bei einem Worte dieſelbe Vorſtellung, tel che ich damit verbinde. Das Wort ift dann eine Befannts machung des Objects, eine Belehrung und Bezeihnung, die Elemente des Worts mögen der bezelchneten Sache aͤhulich oder unaͤhnlich ſeyn. Die Kichtigfeit der Worte beſtehet nach dieſer Vorſtellungsart darin, daß mit ih⸗ hen als bloßen Zeichen eine gemiffe Bedeu— tung allgemein verknuͤpft wird, und ber Grund dieſer allgemeinen Bedeutung (worin die Wahrheit der d2 | Bor 199) Cratyluw S. 329-335, yerdıa yay ihre mu vyoudrey mal av Encıva Wr Övomara Esı Ta ovomaa - Ta, cı Talra MavFayı autos öBatwden Irrz yap av irb Mayr Yabdıro, Kay air av xl Kran Are dä rege ri, Fe iv, Aurd, Fade area 7 340 Zweites Hauptftüd, Sechſter Abſchnitt. Worte beſteht) iſt die Uebe reinkunft, die Bebeus tung anzuerkennen, aber nicht Uebereinftims mung mit. der Sache, die begeichnet werden foll 2°°); 3) Diefe Meinung ſetzt und, der Gefahr der groͤßten Irr⸗ thümer aus. Dem nach ihr hat man mit dem Worte auch die Erkenntniß des begeihneten Ob⸗ jerte. Hätten nun die Erfinder: einer Sprache irrige Borftellungen von den. Dingen ,: fo verleiten fie-ung. alle: - zu denfelden Irrthuͤmern. Man Fönnte dagegen einwen⸗ den, diefer Fall ſey nicht gedenkbar, weil fonft feine H are monie in der Sprache feyn: fünntes „Allein damit iſt nichts gefagt, denn dee Epracerfinder, konnte eine: falfde Auſicht, einen irrigen Gefihtspunct haben, der fid, über das. Ganze der Sprache erfireckte. Ein Spftem kann ohne Widerſpruch und com fequent, und doc dabei falfh feyn, wenn, fein. Grund falſch iſt. Der Grundirrthum kann auf eine. fo unmerkliche Att mit allen Worten verwebt fehn, daß er ſich nicht leicht entdecken läßt 2°. Es läßt ſich zweitens die — 000) Cratylus ©. 333, 335. 8Ios de Acywv, dr Ti duaDogov Asyew any Iyans, n ao Tı Asyeıs TO 8905, N 0Tı eyw örav Taro DIE Yywuy, HıtvoRusy ErsıVo, cu dE Yıvmsneiz, ÖTI EXemo dtuvosud — a Ss TaTo Erws EX, TI MON aUTog aut‘) ours$e. sch) Cha tylus ©. 557 - 343° Plato giebt in- dies ſem Gefpräd) eine Menge vom Etymologien, welche bald’ für das Heraclitifche Spftem von einer allgemeinen Veraͤn⸗ | derlichkeit der Dinge bald fiir das enrgegengefegte zu ent⸗ ſcheiden ſcheinen. Er unterſtuͤtzt damit ſein Raiſonne⸗ ment, aber fie machen feinesweges den Hauptgegenſtand / dieſes Dialogs aus, wie Diogenes Laert, III. $. 25. und Dionyfi us Halicarnall. ee cur Segsws OVoparwy rs 16. anzunehmen ſchei⸗ nen, - philoſophie des Plato. 341 die Frage aufwerfen: Haiten die Spracherfinder eine Er⸗ kenntniß ‘von’ den Dingen, welche fie mit Worten bezeich⸗ neten oder nicht? Wäre die Erfenntniß. bloß durch Worte möglich, fo Müßte man dem legten Falk ‘annehmen, wo⸗ durch Die: ganze: Hypotheſe uͤber den Haufen gemorfen mwürdes : Fit. aber: das erfie, ſo folget daraus, daß es ‚nicht "unmöglich ift, die: Dirige auf einem andern Wege, als durch Worte zu ‘erkennen, Und es erhellet daraus Die Nothwendigkeit eines Keiterlums der: Wahrheit, durch welches. wie Richtigkeit: dev» Worte beurtheilt: werden muß, und das um fo mehey wenn man ſie fuͤr Kopfender Dinge hält, deren Webereinftinimung: erft ‚dann —— — Fanny wenn man. bie Divige'erfenint hat 22), Das Mefultat, welches Plato daraus og,wor wa dDleſes⸗: daß er die‘ eine und andere Meinung weder gang verwerfen noch ganz annehmen konnte 2%): Er unter⸗ PER Te Eu J 1 an 3 5 ſchei⸗ 5 nen.‘ Es kann ſeyn, daß feine einzige die Kritif auss Hält, wie Menage behauptet, aber felbft diefe Kris tif würde am unrechten Orte angebracht feyn. Denn es iſt nur zu gewiß, daß es Plato mit diefen Wortforfchungen "gar fein Ernſt war, fondern daß er nur dieSophiften auf eine feine Urt perfifliece, Dies wird ſchon durch die Aus— oo peüdle: er fey von Euthyphrons Weisheit begeiftert; Eu" thyphrons Weisheit fen in ihn Äbergegangen; er fen uͤber feine überfchwänglichen Einfichten erftaune u. f. m. (man fehe S. 256. 26T. 276. 279. ‚280. 283. 29: allem Zweifel geſetzt. 202) Crasylus G. 343. 203) Cratylus ©. 336. eloı usv xv 12 ur aps5- ri ber, nwra" To J— — — ——— — OVOUATA rot erare Ka un ws aAntwg ' To TE "Eguoy® Ä v8 # 342 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abfchnitt, ſcheidet nehmlich das Materiale und das Formale. dev - Worte. Das letzte ift der Begriff (Aoyos), der: durch dag Wort bezeichnet wird; jenes iſt das bloße Zelchen. Das zeigen fans mun willkuͤhrſich gewaͤhlt ſeyn, aber der zu bezeichnende Begriff if durch die Natur des Gegenſtandes beſtimmt., Der Zweck der Sprache iſt, Objecte, oder vielmehr die Begriffe von Objeeten zu bezelchnen, und fie von einander zu unterfhelden. Man kann daher. jedes Wort. als eine Darftellung (iryaıs) beirachten. Uber ‚nicht jede Darſtellung und Nachahmung iſt ein Wort. Wenn man die Stimme eines. Thiers durch Töne nach⸗ ahmt, fo it ed ein bloßes Nachahmen, "aber kein Nennen, fo: wie ein Gemälde fein Wort if. . Das Wort iſt eine Darfiellung für den Verſtand durh die Bes griffe, als eine mittelbare Darſtellung der Dbjecte. Eigentlich follte nun Bag Zeichen durch dag zu Bezeichnende beſtimmt ſeyn; weil dieſes aber nicht ‚durchgängig möglich ift, fo ift bie Winführ nicht ganz vom der Sprache ausgeſchloſſen. Dieſes hindert auch nicht den Zweck der Sprache, Belehrung und Mittheilung, fos bald man nur mit dem Zeichen allgemein einerlei Begriff verbindet. Aber nothwendig muß es etwas außer den Worten geben, monac man diefe heurtheilet 2%), | | Plato vꝛt Miexee 9 3 en dumm Tog dpaiornrog, avay- Maucy ds. y na ” Dopring TerY — ra wurd na 204) Gratylus S. 311, 3192, TE aurO Tery pie _ MersIoy duvayro daxsa Tyv zum Yoruuacı TE HU wur: ug 28 ar d1Aoı änagev d kzw; 249» 25T. 533.335. Epiltola VII. ©, 153, ovoue Te am xyx — day aderı Beßayoy cıyay, nurusı d' xer ra Philoſophis des Plato. 343 Plats beruͤhrt zuweilen die Frage über. ben tw fpeung der Sprache. Er denft ſich überhaupt: die . Sprache als ein Product eines Verſtandes (duavoux), und er konnte nicht anders, weil er fie Hauptfächlich nur als Be⸗ jeichnung des Gedachten betrachtet. Es fragt ſich num aber weiter: ob eine goͤttliche Intelligenz; oder bie menfhlide Vernunft Urfache der Sprache iſt. Ungeachtet er dieſe Frage nur beruͤhrt, ſo kann man doch leicht ſehen, wofuͤr er ſich erklaͤrt. Die Ableltung einer Sprache von der Gottheit kommt ihm wie die Mas ſchine in den Schauſpielen vor, wo eine Gottheit er⸗ ſcheint, wenn der Knoten der Verwickelung nice gelöße. „werden ann. Er iſt alfo für den menſchlichen Urſprung der Sprage 205), . 2 Dee Einfluß ber Sprache auf pbilofophifche Unterſu⸗ | —— dem Plato nicht entgangen. Daher giebt er “uch einige Regeln an, welche der Denker zu befolgen hat. So ‘wie jedes Wort eine Bedeutung hat, wenn es nicht ein bloßer Schall iſt, fo kann auch ‚jedes Wort im ſtreugen Sinne nur einen Gegenſtand bezeichnen Es giebt daher eigentlich: feine Synonyme, So lange man daher eine und diefelbe Sache. mit mehr. ald einem Wort ausdrückt, fo: faun man ficher fihließen , daß, der eigentliche Begriff derfelben noch nicht gefunden if. Es iſt fe: er. noctwendis die Begriffe zu 1 REN, ale 24 a Pa vun dein — — ERANETOY- Se phika ©.297. Duparay de ö Myoper, audi yehnaeng 0 doẽnc er 205 Cratyl us ©. 296, 343. 316. e um ap 0% ÖSER Os Teayadsmorı emeiay TI umagam, EIe TA5, X wvag. —— — Seas AIBOVFES, Ai Ye Fra; CAMOYTEE AKA YWUEN, OTE TR METER CVOMAr ra 0 Hoi EIECUy, na dia TAU 0EIWwS EX RR Zweites beuhſuc Sacher oſhnit Die, Bedeutung der Worte zu beſtimmen, und ͤhnliche Worte zu unterſchelden. Wo es auf Strenge und: Ber nauigkeit im Denten ankommt; iſt ‚dies eine unerfafliche | Pflicht, ob es gleich andersmo:gegen den guten: Geſchmack iſt und Pebanterei verräch, die Beste, er der: größten Cum — *9.* A — F —, — on F Fr In DEE EZ 2 . v 5 77 Zweiter Theil, | — (Metap voſith. | 2 "Die Darſtellung der Platonifchen Met —8 ‚ von welcher Wiffenfchaft- die erſte Idee Plato Hatten derem Erfindung alſo ihm mit eben dem Recht zugeſchrieben wer⸗ ben kann, als dem Ariſtoteles, iſt eine der ſchwierigſten Arbeiten, weil dieſer Theil feinen Philoſophie ſchon an ſich dunkel and verworren, dann aber auch am meiſten ſrag⸗ mentariſch in ſeinen Schriften? abgehandelt iſt. Dieſe Bruchſtuͤcke zuſammen zu leſen, koſtet wenig Mühe; ‚aber fie zu einem Ganzen zufammen vreihen, das iſt es, was die Darſtellung erſchweret. Denn von dem eignen Glie⸗ derbau ſeines Syſtems wiſſen wir zu wenig, um dieſen zum Leitfaden zu, nehmen, und in den Zuſchnitt unſerer ehemaligen Metaphyſit wollen ſich feine Lehrſaͤtze auch nicht fügen, Aheils weil immer einer den ‚andern vorausſetzt / und mon. en sol — —8* die —— o 200) Sopfite. ©: 256, Theaetet. G. 139. To ‘be EUysoes Tiny ovouarov Te Hal oyparıny, Kal Bun 119) a andıBeias eberaloperov; Ta ev moAda our ayıves, akka paAkov: ro‘ reproð cvavrtov avcAsu- v ccqoꝛr — oͤs or ava yauo ·.. = APhiloſophie ps Plato. 345 Neemologie und dieſe nicht ohne jene volllommen verſte⸗ den, kaun/ theild; weil zur ſyſtematiſchen Verbindung. noch uicht genug! Be A - noch zu wiele Luͤcken vorkommen. Sndeffen feet man er Bald, dab, bei allen dieſen ſpeculativen Zuruͤſtungen der eigentliche Zweck der Ver⸗ nunft auf die ErfenntnißiSottes und die Unfterb- lichkeit der Seele, und zwar dus 'einem doppelten Intereſſe der SC pecnlatton und der Morat; gerichtet ‘war: Das Intereſſe, mit: weichem dieſe Gegenftände bearbeitet find, führen uns ſchon von-felbft auf dieſes Re⸗ ſultat, e Idee der Gottheit iſt der Mittelpünct feineg anzen Kr es dat nur in diefem Einheit und Hals —*— € iſt das legte Glied. in. der ganzen Kette ſeines Ralſonnements. Alles, was die Vernunft fo angelegent⸗ lich zu wiſſen verlangt, die Erfennthiß der Dinge und der, Beſtimmung des Menſchen, die Ev keichung des letzten Zwecks und ſelbſt die Moͤg⸗ lichkeit, daß die Vernunft dies alles erken— nen kann, haͤngt zuletzt davon ab, daß ein Gott IR. Dieſes iſt alſo der Punet, den wir bei Darſtellung feines Syſtems feſt Halten muͤſſen. Es kann nur darüber noch die Frage ſeyn, ob wir dieſes Syſtem analytiſch dder ſynthetifch, oder mit’ andern Worten, ob wir mit dem legten Princip anfangen oder fließen ſollen? Durch das, Erſte fichet man deutlicher, mie Plato auf fein Syſtem Fam, durch das Zweite kann man dieſes felbft beſſer uͤberſehen. Doch vlelleicht · iſt es das beſte, beide Methoden mit einander zu verbinden, und dieſen Ideen⸗ gang hat ung ſelbſt Plato aufgezeichnet 2077, Wir werden alſo erſt Platos Ideengang entwickeln, durch welchen er auf die Idee der Gottheit als das letzte Princip alles Seyns und Erkennens Fam, - dann “die 9 5 FH kehre 207) de Republ, VL, &S, 12, ° ⸗ | 4 346 Zweites Hauptftüd, Sechſter Abſchnitt. Lehre von Gott, von der Welt und der Seele, in wie fern fie Plato bearbeitet hat, darſtellen, voraus aber einige ontologifhe Begriffe und Säge hidden, - wels- ge zum beffern Verſtehen feiner Lehrſaͤtze erforderlich ſind. . | ntwidelung "siniger: meraphufifher Bes 2 geiffe und Grundfäge Das Wort av iſt in der Matonifchen Philoſophie ſehr vieldeutig. Es bedeut-t a) überhaupt das Object einer Vorſtellung, das, was vorgeſtellt und gedacht wird 28). b) Das Objective, mag ſich auf ein Objeet beziehet 79%. c) Das Poſitive Im Gegenſatz des Negativen, oder der Indegriff von realen Merk⸗ malen, welche den Begriff eines Objects ausmachen *0). d) Das Beharrlihe und Blelbende in Gegenfag der wechſelnden Beſtimmungen 20), e) Das Wefen im Gegenfag des Nichtweſentlichen, Zufälligen(roiov) 12), DH Das, was objective Realität auffer der Vorſtellung hat, das Eriftirende 23). g) Ein Object, ſo⸗ - wohl das in dee Idee gedachte, welches in feinen — anderůnderuch if, als dad Object, was anges ſchaut 208) Theaot. @& 148.149, Phaedo & 179% 209) Sophifta €, 295: 210) Sophifta ©. 281, 29% | 2:1) Timaeus & 343. 212) Epiftola VIE ©, 132. auz) Sophiſta S. 206. Philoſophie des Platd. 347 ſchaut ‘wird, und in feinen Praͤdicaten veranderli h iſt ?4), Das ov iſt alſo Überhaupt ein Ding, weine nad) den. Kategotien beftinimet gedacht wird. ” Das Gegentheil von ev ik un ov. Dieſes IR entweder dad dem 09. contradictorifch entge⸗ gengefegte, ‚oder nur ein von demſelben Berfhia denes. In der erfien Bedeutung wäre «8 etwas, dem gar feine Realität zukommt, ein Unding Das laͤßt fich aber gar. nicht. denfen.. Denn jedes Object wird durch Merkmale gedacht. - Mit dem aber, was gar nicht if, laͤßt ſich Bein einziges pofiti ves Merkmal verbinden,: und es müßte al durch lauter Negationen. vorgeftellt merden, wobel ‚aber in Gedanken Nichts uͤbrig bleibt. Ein Unding laͤßt Fi nicht denfen, und mas ſich nicht denken laͤßt, kann auch nicht wirklich feyn 215). Das un ov läßt ſich alfe nur in der zmeiten Bedeutung denken, wo es noch immer etwas Reales bedeutet, das aber von ea nem andern Mealen verfchieden, "alfo nung von dem etzten verneinet wird; es iſt mit einem Work dad Ne⸗ gative im (ogifger nicht in —— Bm tung 319), um Ä 919° Timaeus S. 301.348, Phaedo 8,179. 130, Sophifta ©. 266. 70 Hilo avay- xy —— 6da arıyyFa Mal REMIINEUK TO qu TE ua 7Q may EvvapPorzga vadeıy, 225) Saphifta &, 24r, 243. Guworg ou, de \ oure Bde ySasIar duuarov op dung, oursmäv, OUEE don vonꝰmai Fo Kur ov avro naꝰ auro, aAY ksivadıavoyron ecna aogyrov, xai aPr rou. naı aloyov, Te ur Tov OyrwV —D —ä —— ———— 23% 216) — hifla S. 289, 286, zB Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. x steh seinen: Dinge verſtehen wir den Inbegriff: voh Merkmalen, die ihm zukommen, und durch welche wir es vorſtellen. Bei einem Menſchen ſtellen wir uns Farbe, Beſtalt, Groͤhe, Tugenden und Laſter vor, Merkmale, die ir in Die Einheit eines Objects zuſammenfaſſen. Jedes Ding ft in dieſer Nücfiht Eins‘ und: Vieles. Wieles, in Ruͤckſicht auf die Merkmale; die mir ung bei: einem Objeete denken; Eins, meil‘ dieſes Mans ichfäisiges in die Einheit: eines Objects aufgenommen wird 27); Der: Jabepriff von diefen Merkmalen macht das Weſen dieſes Objeets aus; es find die poſtiiben Merk⸗ ale ‚ir Anſehung deren das Object iſt, das heißt, be⸗ ſtimmt ‚wird; ' Indem aber ein Merkmal in:das Object aufgensmmen wird, wird dadurch das Gegenteil ausge⸗ chloſſem,WEin Odject mit beſtimmten Pradiegten unter⸗ Acheidet ſich durch dieſelbe von andern Dingen; ade es von alle dem, was es ſelbſt nicht iſt, unterſchieden wird; denken wir ung Merkm ale die von dem /Ob⸗ jeet ausgeſchloſſen werden, und beſtimmen, was daß Ob jwct nie Dieſes find die negativen Praͤ⸗ Dice Die Bewegung iſttz. Bi, mit ſich ſelbſt vergli⸗ hen, identiſch (rauroy), aber fie iſt nkcht ‚die Sdentitaͤt ſelbſt. Sn der erſten Ruͤckſicht fommt- die Identitaͤt der Bewegung zu, in der andern wird ſie von ihr ausgeſchloſſen; wir beſtimmen die, Bewegung in dem erſten Falle pofitiv, im zweiten negativ *'?), ‚Ein negollves Merkmal, in Ruͤckſicht auf dag Dbject, von dem es ausgeſchloſſen wird, iſt an 09» das iſt, es iſt — nicht 20 “ 2} ee en Sophifke S. * dus 2: — — "nevar FaMv auro mokAa au woAkor: Qvok.acı, Asyo- 2 peu. Seen ©. > 77 Philebus re ee — mr) 2ı8) Sop höfte G; BR — 10 Philoſophie. des m de Ba 345 nicht Baffelbe Object, ve&igehört nicht / mi in dem Inbegriff feiner Merkmale; An ſich hat das negative: Merkmal ſo gut Realitaͤt, als ein pofitived. "Wäre es nit etwas‘ Reales, fo. koͤnnte es nicht gedacht werden. Nur das Realekann mit dem Realen:nereis niget oder: von Demfelben ausgeſchloſſen werden. Diefeg un7.0v ſtehet unter dem Gattungs⸗ begriff des verfchiedenen (Ersgov Yarsgov) oder. uns ter dem Grundſatz: alles was von: einem Ob—⸗ pecte : verfhteden iſt, wird; infofern. ek: verſchieden fr bon: ——— — ſen 21). — J Jedes Ding if: Vieles und. une ndlich Vieles nicht, das heißt, es en thält eine Wiel⸗ beit von. pofitiven, und eine Unen dläichleit son negativen Merkmalen 2°): Den : die Merkmale, unter denen ein Ding gedacht wird laſſen fich beſtimmt aufzählen, aber nicht die negativen, weil die Vergleihung, mie. andere a. —— wor⸗ auf ſie beruhen, keine Grenzen hat. BET TE Das Wort ovoıa ‚und sıvar Sat faf, ölefelben Bedeutungen, als ov. Es bedeutet a) ein reales Obs ject, ein — nun ein; — als unveraͤn⸗ ER: Sa = , Art ders 219) Sophifta. S. 282. nai ro 0V ag" Zu, 60a ned 51 Ta alla, zack Togaura vUR scıd.‘ EnEV yap Ur 0V, Ev MEV AUTO £giv, —— oe TV abpiſuov T’ alla vun siw av... S. 286. : 220) Sophifta ©. 281.. weg: Eragon. Tv. sihkuv .. woAu PEUESI TO 09, amsıpov ös mAygsı ra vo S. 286 Wise TO ou —õSä av: puota Em uoioiẽ Our cit xaı m’ alla öy a9’ Enagov durw nah Zun- maura wohl) — —— ee GT WuR agu. 295 0. 22* 456 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. derllches *t). b) Die Realität, vder das Praͤicat / welches jedem Dinge, in fofeen es ift, :zufommt. 92), c) Das Wefen oder den Yubegriff von Merkmalen eines Dinges 223). d) Das Seyn auffer der Vorſtellung, die Erxiſtenz #9). | Jedem Ding kommt eine Zahl gm Denke man fi) Dbjecte, fo muß man fie ald ein, zwei oder mehrere Objecte denken, - Die Zaplbegriffe find bei dem Plato reine Begriffe, und eine‘ Bedingung, unter welcher Objecte gedacht werden: Ungeachtet. Plato den: zeinen Begriffen noch. nicht bis anf den Grund. nachgeſpuͤrt Hatte, fo erfannte er. doch, daß diefe Begriffe von dem Denken ungerteennlich, und die Denfafte der Grund dere felben ſind, daß daher, ſo mie der Verſtand etwas ale Derfchieben deutlich unterfcheider, fich der Gedante von einem und wieder einem Objecte untolberftche uch auſdeinzet *. Ganz — Philebus &, 241. Phaedo S. 178. Theaetet, © 124, 128. | Be 922) Sophifta ©. 268. xoaı amdwy aurwu, (gas Gewg var Kivyasws) Moos Tyv 70 couoiag xoruvuviav Öurwg zıvaı mpageimas au Porepas | |, 993) Cratylus ©. 3124 824) Sophia &206 825) Sophifta ©, 242; avayiiy rbv. Tı Asyobrd &v ya tı Asysıv. . Evos yag-öy ro ye rı Qyasıs oypsıny sivan. ro de TIus, duo. To. de Tivss, moAkW ‚de Republica VIL ©. 146; 147; duxaun, "Ev Sub Onivyrai; ETERDY TE. Ha &V- -EHATEOBV Omvsra; Pie cı aga Ev inarepov; ajuPorep& de Övo, ra Ye v2 Philoſophie des Plato. 331 | — Ban; (öov, ro av) heißt etwas, dag alle. Theile bat, aus denen es beſteht, mo nichts fehle, Ale Theile zufammen genommen find das Al. Das Ganze und das AU find Eins. Jede Zahl als Zahl ift ein Banzes; denn fo viel Theile zuſammen genommen werden, fo groß iſt die Zahl 2%). | Was aus Theilen beſteht, ift zufammengefent, und daher .auch-theilbar (‚neusov, ouvderov). Was, nicht aus Theilen befteht, iſt einfach, untbeilbar, z. B. die Einhelt,. der Punet, ein Laut (oayeoss, acuudg 70). Das Zufammengefente beficht entweder aug ähnlichen Theilen (ünompesges) wo das Ganze von den Theilen nur durch die Quantitaͤt verſchieden iſt, z. B— Waſſer, Gold; oder aus unaͤhnlichen Theilen (avo- posopsges ), wo die Theile nicht blog durch Die Quantitaͤt von dem Ganzen verfchieden find, 5. B. ein Haug 227), Das Zufammengefegte iſt aufloͤsbar; fo wie es zuſam⸗ mengeſetzt worden, lann es auch wieder in feine Theile zerlegt werden. Und eben daher iſt es auch veräns derlich. Das Einfache iſt unveraͤnderlich und unzer⸗ ſtoͤrbar 218), u u Die Merkmale eines Dinged, die feinen Begriff ausmachen, find entweder veränderlich oder uns Bi ven. . dvuo REXWOISMEVR voydsl; OU Yap av Antiwpısk Ye övo . vos, ad’ iv. Theaeten S. 141. Be 1.226) Theaetet. ©, 182%: 183. eAsyouev.ör du‘ av MED y, TO OAov TE xaı. may, Ta mavra joy Egal Parmenides & 94 827) Diogenes Laert I, I: 107. Phae: do 6 17% | urn 228) Phacdo G. 178. 332 Zweites Hauptſtuͤck Sechſtet Abſchnitt. Herändertich.: Dieſe kommen ihm beſtaͤndig und jene zufällig zus durch dieſe iſt es, was es-ift (or durch jene ein fo beſchaffenes Ding (mau) 22). Deu Inbegriff der unveränderlihen und nochwendigen Merk⸗ mole- machen das Weſen eines Dinges aus ALM -in der Idee dag En zus Dinges Rinne. oes ſehe oben S. 298% Das DOing an- ki (ov) iſt — was teine ‚andere Eigenſchaften hat, als die zum Weſen gehös ren; es iſt alſo durchaus unveraͤnderlich Aber auch art den veraͤnderlichen Dingen bleibt das, was zu ſeinem Weſen gehoͤrt, ſo lange es daſſelbe Ding Üt; unveraͤn⸗ dert 23%). Nur die veränderlichen Beſchaffenheiten (für welche Pläts- den’ Ausdruck mauoryrss-etfahd) *31); wech ſeln an dem Dinge, - d, i. es treten immer neue au deren Stelle; - fie find im einem beftändigen Werden. "Sen komme ihnen nicht: zu, fondern ein Wirklichwerden. Da⸗ her heißen ſie Veraͤnderungen, und find von doppelter Art; nehmlich eutweder Veraͤnderung— der“Raumvere hättniffe, Bewegung, (Poga, mer Gope)'-odeh Beränderung der Dualität aud Duantität, 2 . 1 27 f g A 1 ., ' \e \ i9# bag) Erifola V VII. S. 133. eh 343» ‚Funde ©. 179» 149. z Y —J 0% 0) Tiinkeab ©. 343. dur öy ToUTLWV ODÖg- rore TWy aUTwv Eraciuv Gavralopevov, TOIOV au- rg ou Öri duv Toro naı Ouk AAO maryıng Oli» Oyumlopevog, DM auoyuvar Ye mis. avrov, oux scw. — OQsvysı yap our ‚vmoneEvov 7yo Fou Tode xuı EN Tovrou zaı Fyv TW- ‚22 !ds, Ad wasav'öcy Movıma ws ovra "au Ta gsvösırvuTas m. ala» 231) Theaster ©. 134- Pbhiloſophle des Plats 433° —— im engern Sinn (niyyars , aAAomang) 23%), Waͤhrend diefer Veränderungen aber bleibt da8 Ding,. an ‘dem ‚die Veränderungen vorgehen, ünverändert. Denny man fönnte fonft nicht fagen, daß was verändert worden, wenn nicht das Subject. der Veränderungen beharrte, und man koͤnnte es ohne das nicht ald ein für ſich beſtehendes Object ſi ch denken 233). Diefes iſt der Anfang zur Eroͤr⸗ terung des Begriffs der Subſtanz, obgleich Plato ſelb noch nicht dieſen Begriff an ein beſonderes Sprachzeichen gebunden bat Wir werden Beier unten fehen, daß | ’ i die | 238). Definition. €. 287 Nevacıt yes sig . ouoav.. Timaeus ©. 301. al rı To yıyvos pevov ev av ös andere Sophifta ©. 263. , rw yevsam allore allus ixsv Gars, de Legibus X, © 383. 84 The- aetet, ©, 132, 133. apa nuveic foi nalsıs, cray ‚Ts Xuwpay ER Xupag peraßaläy, 4 Ho Ev ig aurw speßyran; = TOVTD ‚EV TOIDV cy cgc sıöoge Örav de y MeV ev rw aurw, Aygasıy be, y Melay ur Acurov, y on Aypov en —8R yeyuyran 3 iva aldyv aAlowanv aAlowra, apa our aGıov Erepov srdös Davar zıyydews; Övo ün Asyw Fourw elöy ulvg Gews, aAlomoıv, mv de megı@opay. Plato nennt die Veränderungen auch ra ’yıyvomeva, Yevsasız, as Sypara und mas. 233) Timaeus ©, 343. evw@ de'syyıryvouzvä Eitce ga aurwv Davradzraı, Hat may eneidey amoAAu- mal, uovov ErEıVO av MonzsäyopeVsiv, Tw TE TouToO naı Tw FTodE moosxgupe “yous ovoparı de Legib. X. ar nv cuy- " givoj&va MeV aufaveraı, Srampivaneva de Dhıvan rors irav h nasesyavia Enagwv eds Öapeıy. my " psvovong de aury, Ös auDorspa ameAkurau | Tennemanns Geſchichte der Philoſophie IT. &h, 2 | 354 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. . die Ideen und der Naum nach feiner Vorfielteria vie Bedingung der Subſtanzialitaͤt der koͤrperlichen Surſtan⸗ zen ſind. Geſnſetze der Veraͤnderung. Wenn ein Dins verändert wird, fo muß es vorher nicht das gemefen feyn, maß ed wird, fons dein das Gegentheil, . Wenn etwas groß wird‘, fo muß es vorher Fein geweſen fepn ; ; wenn es in Bewegung kommt, ſo muß es vorher geruhet haben. Plato druͤckt dieſes ſo aus: Aus dem Entgegengeſetzten wird Bas Entgegengeſetzte, welches aber welter nichts ſagen will, als ein entgegengeſetzter Zuſtand folgt auf dem andern 234). Das Entgegengeſetzte ſelbſt kann nicht das Gegenthell von ſich ſelbſt werden, fo daß z DB. die Ehim heit in Häßlichfeit Überging, oder die Wärme Kälte wuͤr⸗ de: denn dleſes iſt ein Widerſpruch. Sie tonnen daher nur an einem Dinge wechſeln, welches fortdauert, und das in Anſehung der wechſelnden Beſchaffenheiten vttaͤn⸗ dert wird. Ohne ein Beharrliches giebt es feine Berändesung 235), Nur vermittelt der Zeit iſt | 239). Phaedo S. — ag Gurwal myvroi arar⸗ #0, our allodev 7 Er TIUv svavrıny TAX svovria. co0ıs TU YavEL 0V TOILTOV TI5 — G0v 5 Vray pei- Gov mı Yıyvyrar, avayı) MOL, e£ sÄartcvon 0vro5 MOOTEpOV, — Mergov yryves$au Protca garn ©. 157, 158 — a35) Phaedo 8.233, 234 Tore ned yag Aey⸗ 70, ER TOU EVAYTIOU TORYMaros To Evavrıov MoaA U yıyvesdat. vuv Ös Or auto TO &varrıov faurw Evav- rTiov OUR Av MOTE YEUQTO. TOTE MEV Yap weg TV sXovrwv Ta svavrın sÄryoMEV, smovomaQoıreg avra Ty EREWWVy Emuvupug; vuv de megı ekeitay auruwy, WY EVOYTIWy EXEL 7 ETWWPIR) TA — "oh — iſt es moͤglich, daß etwas entgegengeſetztes mit einem Dinge verbunden werden kann, dag iſt nach und nach; denn zus gleih wäre «8 ein Widerfpruch 23%), Das Object muß aljo von dem einen Zuftand in den andern übergehen, Zwiſchen beiden iſt etwas Mittleres, nehmlich ber Ueber⸗ gang (yevsci5) worin eigentlich die Veränderung’ befteht, Der Uebergang ift aber auf eine zweifache Art möglich, von j Philoſophie des Plaros | 359 dem einen zum andern, oder von diefem zu jenen, z. Bi vom Zunehmen zum Abnehmen, oder vom Abnehmen zum Zunehmen 237). Es fragt ſich, wie diefer Uebergang ge⸗ ſchiehet, nad) und nach, durch Grade oder auf einmal. Cegadvy;). Plato ſcheint beides: zu behaupten, Denn er fagt einmal: die Veränderung nehme ihren Unfang, gehe von einem Grade zum andern fort, big fie wahrge⸗ nommen werde 23°). An einem andern Orte behauptet er aber das Gegenthell aus folgendem Grunde: Wenn ſich etwas bewegt, ſo kann es, ſo lange es in Bewegung iſt, nicht zu dem entgegengeſetzten Zuſtande der Ruhe, und fo lange es ruhet, Fann es nicht aus der Ruhe in die Beer gung übergehen, Die a vr Ks alſo niche ſuc⸗ seo 236) Parmenides S. 136. &v alu ap Koovı Mereyxei, naı ev aA ov MEregei, ÖÜTw yap au uo- vg TOU aurou METEXOL TE Hai OU MErEXOL Gor- = gias ©, 106, Philebus S. 211, 237) Phaedo 6, 261, ih mul yevtoig, zum’ av ra⸗ꝰo⸗ Ye Öykoy wg öroray apyxy Anßousa äukyu, zı Tyv Ösuregav eAIy era BGaom, nat amd maurıg eig Pyv mÄyCIoV, Kal MExpt | tiv aAFouda, arxIyeiy Oxy Tas as ꝰarovo. i 239) de Legibüs X. S. 84. Myrra Öy male. «x 356 Zweites Hauptſtuͤck. Sechfter: Abſchnitt. ceſſive in der Zeit, ſondern fie muß in einem Augenblicke gefhehen ?°°). | Die Veränderung iſt eln echfel von Beflimmu ng eines Dinges, eine hebt an zu fenn, und die andere hört auf. Es entſtehet alfo etwas. Alles, was ents ſtehet, fegt eine Urfahe voraus, in Anfehung deren ed Wirkung genannt wird (maıyoys, yevecys) ’*) Einen Beweis von diefem Grundfage findet man bei dem Plato nicht; wahrſcheinlich ſchien er ihm. feines Beweiſes bedürftig zu ſeyn, weil er, in. der Natur des Verſtandes gegründet ,. von. feldft einleuchtet. Ur ſache if dasje⸗ nige, was macht, daß etwag.ift, oder wird, was vorher nicht war, Mit dem Begriffe der Urs face if die Vorfielung, ded Vorhergehens, und wit dem der Wirkung der des Nachfolgens unzers geernlich verfnäpft. Denn eher iſt dasjenige, was ohne etwas anders, fpäter dasjenige, was ohne etwas any, Ders nicht ſeyn kann 2), Mir der Urfache darf dasje⸗ — * 239) Parmenides &, 138. ou yap — rou ccœovai, Egwrog zrı, ASVToBaM, ovö’ zu Ti Rp EWG KIVOLUENK eri peraßoAleı" ala y sgaıh- vy5-AurTy Quoss aromos Tız eynasyrar,. ME- rasu TY5 Auvyostesęỹ TE Ha caoscegę, EV YDOv QUdsV . 90a. Man fönnte aus dem Beifatz aroros ſchlieſ⸗ fen, daß diefe Behauptung dem Plato ſelbſt nicht die richtige ſchien. 240) Timaeus ©. 302. may ös ad mo yıyvarserov um’ amıov ıyag eE avayıy yıyvesdan mavrı yap - aÖDVATOV XLUpig airiou yercon PXEN Philebus ©: 24 | 941) Ariftoteles RE HOF — TR Mav Tu ourw mporspe Anger vr GER“ ra \ nige nicht verwechſelt werden, was die Wirkung befoͤrderte oder was eine Bedingung iſt, ohne welche die Arſache nicht wirken kann (Suartia) 48 ) Zwiſchen der Urſache und ber Wirkung iſt ein noth⸗ j wendiges Verhaͤltniß. Wo eine Urſache iſt, muß auch eine Vitluns feyn, und umgekehrt. Wenn die Urſache aufhört "zu ſeyn, fo muß auch die Wirkung aufhoͤren Wie die Urſache wirft, ſo muß auch die Wirkung beſchal⸗ F fen ſeyn *4). Es glebt freie und ph oftſche Urſachen. Die phyſiſſhen wirken nur dann, wann ſie von Etwas anderm in Bewegung geſetzt werden; der letzte Grund des Wir⸗ kens kiegt außer ihnen. Sie machen daher eine Neiße: aus, in welcher jede Urſache wieder von einer andern be⸗ Philoſophie des Plato. 307 ftimme, d. t. als Wirkung gedacht wird. Plato nennt diefe Urſache und ihren Zufammenhang zumellenavayıy, Naturs nothwendigkeit. — Freie Urfachen find diejenigen, welche durch Vernunft, nach Zwecken wirken, diefe beflimmen fich ſelbſt zum Wirken, jene werden durch Außern Zwang be— ſtimmt; das Wirken der erſten geſchiehet nach beftimmter nnveraͤnderlichen Geſetzen, ee ie ſich ſelbſt durch ihre Ver⸗ nunft ma ds zara Qusiy, de evöeyerar eivat aveu allun, EHEIVA de aveu EHEIVWV My, ij diaioeost exoꝝ ro 6 IMarw. Philebus S. 240. ap oun . Yysıras psy To moouy acı ara Quo, Ta Ös 9) molovuevav'smunoAouger yıyvorevar er 242) Philebus ©. 24r. aAko apa, xat ou rau. mov, aurıa Test, nas To ÖawÄEvoV Eis Yeveoıv aıTın. Phaedo ©. 224. orı,akAo yev Tı 858 TO. aurıoy mis ovrı; akko Ö exeiVo, amsv OV TO AITIOy aux au mor' zıy uriovn. Timacus ©, 336 243) Gorgias ©, 65, Lylis S. 248. 958 Zweites Hauptftüd, . Secfler Abſchnitt. nunft gegeben haben. Das Wirken der letztern ift veräns derlich, ohne befiimmte Ordnung, weil es vom Einfluffe anderer Dinge abhängt. Diefe find dem Range nach die erſten, jene die zweiten Urſachen +), Menges eine Reihe von Urſachen giebt, die von andern in Thätigfett gefegt wers den, {bedingt find) ſo muß es eine erfie (abfolure) Urfache geben, die in ihrem Wir fen von nichts anderm abhängig iſt. Beweis. Menn in einer Reihe alle Urſachen bedingt find, fo giebt es feinen Anfang in der Reihe, feine Urſache, die die; Reihe beginnt, Sie läßt fib alſo nur fo denfen,. daß wir eine erſte Urfadhe, die den Grund ihrer Wirkſamkeit in ſich felbft Hat, annehmen ?*), Die abfolute Urfade (opxy) fest Feine andere Urſache KG 46 — 249) Timaeus ©. 337. Toy.ög vop nal EmISYNANg egasyv avayın Tas Ti epPgovos Quoscus aurıag mowrag ——— 6sor.ös um aAkwy MEV Kıyay- " pevwy, orsoa Ö' € Ayaryas KIVOLYTWV YAyYOUTal, ÖEUTEpAag FOLTEOV, Kat öy Kaya Taura Kay Hy AEH- TER MEV. auÜorepa Ta Twy arrıwy yEevy, Xwoıs 6 60o1 nEra vou nalıyv za ayafınv Öymoupyor, Kat coaı mov Feıgar Ppovyasss TO TUXOV aTanrov ERO- Sore tchvagovra. Epinomis S. — 255. Phaedo ©. 221- 224. De Legtbus X. ©, 86. oͤrav — aAlo hVuu neraßaly, xaı oura aAAD Erspov at, Tv ToRaUrwv apa E04 rors Tı xourou ——— xat mws,.0rau ba’ aAkoy Kıvyran, rqur eca rore rw | allauyrwv mowrov; aöuvarov yap. AAN öray apa auro jKUTO Kıyyaay Erspoy aldonuay, 79 0° Ersgov aAdo xaı Guro Öyxıkıa em mugiag Yıyıyras Ta Hıvy- - IsyTa Mwy apXYTIs AUTWV Egar Tyg Kıyyasıg Kmaayg aAdy, mAyUy Tys aurys kuryv wıyyoaays meraßok:); Philof ophie des Plato. Ä 359 fie fann -alfo weder entfiehen noch vergehen. Henn wäre fie entſtanden, ſo waͤre ſie nicht die erſte ſondern über ihr wäre es noch eine höhere Urſache. Alles was entſtanden iſt, hat den legten Grund feines Daſeyns in einer abfoluten Urfache; wenn alſo diefe. aufgehoben wird, ſo muß auch das Daſeyn alles Entſtandenen aufge⸗ hoben werden, und weder dieſes noch jene kann je wien ber Dafeyn erhalten 2%), - Dem Wirken fichet das Leiden (maoxsv) eritges gen. Wenn ein Ding etwas wirft, fo. muß. auch etwas feyn, im. welches gewirkt wird 297), Das. Wirken und Leiden ſetzt ein Vermoͤgen (öyvanız) voraus. Ein Vermögen iſt dasjenige, was den Grund der Mögligpfeit des Wirfens und Leidens ent- haͤlt. Ein Vermögen fann nicht den Grund zu der einen MWirfung und zu dem Gegentheil derfelben enthalten. Wo daher entgegengeſetzte Wirkungen vorkommen, ſo muͤſſen auch, verſchiedene Vermoͤgen angenommen werden 29°, Moͤglich iſt, mas ſich ohne Widerſpruch venken „# Hit; el was ſich nicht denken läßt, Wirklich 34 — iſt, 246) Phaedrus ©, 318. Agyy axıyyrov. c ag- yx vap. — mav FO YIyvonEvgv yıyvesdou, au· Tv de pre’ 85 £vog. yap en TOV apyy 'Yıyvorra, ovR. au sE any yıyvarro. — adıaIopov , RB yap Öy amokonsvgs, OUTE aury MOTE EN TOU, OUTE. arlo ES zxeıng. yevygerau' gimEp cẽ apxs DE 7 rouvro yıyıssdan 247) Gorgias ©, 65. zırıs Fı moi, avayııy Ti cwat nat MAOXOY LEO TOLTOU FOV MOINLYFAS- 24°) 3 Republica V, S, 60, Sophifts S . 262. Definitiones ©, 300, Öuyanıs Eis — To 80V Puvarov. 360 Zweites Haupeſtück. Sechſter Abſchnitt. IE, was Objeet einer Vorſtellung iſt. Es giebt alſo wirk⸗ ſich Gegenſtaͤnde des Verſtandes und der Vernunft 249), Diefer Begriff gehet aber nur auf die fubjective Wirklichs ‚ Reit, obgleich Plato den Unterſchied zwiſchen objectiver und ſubjectiver Realltaͤt noch nicht fcharf genug gefaßt und betrachtet hat. Aber man ficher wohl, daß er nad einem Merkmale der objectiven Wirklichkeit forfchte, welches zu finden nicht leicht war; und daher ſchwankt er zwiſchen verſchledenen Begriffen Hin und her. : Einmal ſiehet er das Vermögen zw wirken und zu leiden, als dag Merkmal an, woraus fid) die Wirklichkelt eines Dinges erfennen Kaffe 3°), Hier hat er aber Vermögen mit Kraft ver wechſelt. Ein anderes Merkmal it die Zeitbeſtim⸗ mung Alles, was if, muß in irgend eines Zeit feyn FD. Diefes paßt aber ſowohl auf bloß vor geftellte, ald auch außer der Vorftellung eriftierende Ob⸗ jecte. Und darin hat er freilich Recht, daß alles, was vorgeſtellt wird, unter Beftimmungen der Zeit ſtehen muß; abber er erklaͤrt fich nicht über den Grund dieſes Geſetzes / ob es In den Objeeten, oder in dem’ vorſtellendem Sub— jecte gegruͤndet ſey. Diefes führe und auf den Platoni⸗ ſchen Begriff von Zeit, bei dem wir noch etwas verwel⸗ len muͤſſen. Plato war der erſte Philoſoph, der über die Zeit nachgedacht hat. Indeſſen Haben feine Begriffe über dies fen Gegenſtand Immer etwas. Duufled, und man ſiehet leicht 249) Timaeus &.347. Theaet. G. 148, 149 250) Sophiſta S. 202. 25) Parmenides ©, 104, 127. ra ös sıvar al- Io Fı Es y MEIeflg BVOlag METa XgaLoU Tay and Tas; mE TO pera Tou magsAyAuJoros, Hal al- . TR tʒoꝛ METR TQU MEÄARYTOG, QUTiag E54 MQUmUA; ghiloſophle des Placo 361 lelcht, daß er bei elnzelnen hellen Blicken, doch ſich keine Rechenſchaft geben konnte, maß die Zeit eigentlich ſey. Da er fie noch nicht als eine fubiective Bedingung des Vorſtellens betrachten konnte, fo mußte fie ihm nothwen⸗ big als etwas Dbjectived vorkommen, welches aber jedem Verſuch, es in Begriffe zu faffen, toiderfteht, weil man immer wieder die Zeit zur Vorſtellung der Zeit bringen muß. Er Fonnte daher auch die Zeit ald etwas Entftans denes betrachten, Aber diefe if eigentlich nur ein Nach⸗ bild der wahren Zeit, die weder vergeht noch ‚entficht, und man hat ihn daher mißverfianden, wenn man ven ihm ſchlechthin behauptete, er-laffe | bie Zelt entſtehen. Denn er redet nur von der empiriſchen Zeit, oder von der Zeit⸗ beſtimmung nach dem. afttonomifhen oder bürgerlichen Fahr, in welcher Bedeutung er wohl fagen fonnte, die Zeit fen die Bewegung der Sonne, oder das Maaß der Bewegung, und nur die Planeten ſeyen dazu beftimmt, das Zeitmaaß durch ihre Bewegungen zu geben 252). Die wahre Zeit (auvv) iſt die Ewigkeit, die jeit ohne Anfang und Ende, oder die ewige Dauer unver⸗ nderlicher Wefen (Noumenen). In diefer aber iſt feine andere Zeitbeftimmung möglich, als durch das Seyn ſelbſt, und man fann von diefem Weſen nur fagen, es ift, aber nicht ed mar, oder wird feyn. Diefe Zeitbeftimmungen gelten bloß von den veränderlichen Dingen in der empirl⸗ fhen Zeit. Die empirifche Zeit beftchet in der Folge vom ———— die nur dadurch ein Did der Ewigkeit 35gwer⸗ 252) Timaeus ©, 317, Ariftoteles Phy- ficor, IX. «1. Diogenes III. $. 73. Plu« tarchus Phyficor. Decret. I. c. 22. xXgavas ü rau eupavsv. ugs, blasypa Tg Toy HOSMIV Aıvyasws, Dofinit, & 287. xgavog Mou xvgoit, pargov — 362 Zweites Hauprftüd, ; Sechster Abſchnitt. werden kann, daß fie unaufboͤrlich if 273). - Zu diefem Begriff von Zeit wurde Plato freilich dur Conſequenz vers leitet, aber es entging ihm, daß er entweder die Zeit ſelbſt jeenihten mußte, wenn er alle Nacheinander folge aus⸗ ſchlieſſen wollte, oder daß er unvermerkt wieder den Zeit⸗ begriff auf pie Noumenen anwendet. Denn, was ift eine ewige Dauer des Sepns? Laͤßt ſich Diefe vorfielen, ohne von einem Moment zum andern Über zu geben? Der ganze Unterſchied beſtehet zuletzt darin, daß die Ewigkeit gieich⸗ ‚fan eine in fich laufende, ſchon gezogene, SKreisime die empirifche Zeit aber eine immer von neuen, ‚gezogenen fort ſchreiter de binie if. - Die Dinge werden entweder fuͤr ſich betrachtet, — in Verhältniß mit andern (abfolute, relative‘, Es giebt aber Obiecte, Deren Begriff nichts. anders vorausſetzt, id Menfch, Pferd; andere Hingegen koͤnnen nicht ans ders, ‚als in Beziehung auf cin, anderes gedacht werden, * grdßer— kleiner Die Praͤdieate der Din⸗ ge / 253) Timaeus ©. 817. 5 nev our Seuou mivyaz ETUYKAYEV QUTa aicuvioc. Hal TOVTO prev oy-Tw Ye. vyriv mavrekws MORAMFEIV, — ouvarov' £140- ‚ya Ö' ‚emivası Kyryv Tive auitvvoc roiygai, “at Öla- xoguuy Orr ougavor, MOL, MEVOUTOS auνoçT, Ev. Eur Kar’ aQIUy, 10UGAY AKUVIV EIKOVA, TOUTOV Av öy .Xgoyov gwvonananev, Vergl. Albini Ifagoge 44 Ariftoteles de Coelo I. c. g. ER Diogenes Laert. II. $. 108. TUY Ole muy, Ta ev eg Nas’ kaura, Ta ÖE mgo ni Asyeras Ta Ev.ouv nad" kayra, Aeyoneun, eziv, 00a EU Ty £9- poyvan pi „0 svog moogösrmen. raura 6 av gm DISY av. Hpwmog, immog, za Ta alla. Qua, mwv ÖE mag Tı Aeyoperov, 090 moosösıTan Tim EopyveIaS, öiov 70 Y pargor Tıvos, Aa TO HaTrov Fivog, naı TO narkıo), ra} Ta zgıayra. Sophilia S. 278. Pbiloſophie des Plato. 363 ger Melde auf Vergleichung der Begriffe beruhen, als Identltaͤt, Berfiedenpeit, Achnligfeir, Unähnligfeit, Gleichheit, Ungleichheit, wers den von Plato als Prädirate der Dinge felbft betrachtet, und nach feinem Gefihtspuncte, die Dinge durch Begriffe, su erkennen, ‚mußte ex fie ſo betrachten *7). ai Dinge an fihb und Erfheinungen, en Die Unterfcheldung zwiſchen Ding an. fish, und. Er⸗ ſcheinung (ovra, Dawousva) kam zuerſt in dem Eleati⸗ ſchen Syſteme, aber freilich in einer andern Bedeutung, als in dem Platonifhen vor, Da dort der Degriff der Subftanz hypoſtaſirt war, woraus folgte, daß nur eine Subſtanz wirklich fey, fo wurde eben dadurch Die Gültigfelt der Erfahrungserkenntniß geleugnet, . und die Meprheit der Subftanzen. für, einen bloffen Schein der Sinne. erklärt. Die Schwierigkeiten und Widerſpruͤche, welche dieſes Syſtem nicht hob, ſondern nur verdeckte, und das mirkliche Intereſſe, welches ſich mit demſelben nicht vereinigen läßt, beſtimmten ‚den Plato, demſelben ein anderes entgegen zu ſetzen, welches die Erfahrung‘ nicht aufhebt, fondern mit der Vernunft, In Einſtimmung bringt. Der Grundirrthum des Eleatifchen Syſtems ber ſtond nach ihm Darin, daß es ‚einen bloſſen Vernunftbe⸗ griff die Einhelt, in ein reales Object verwandelte und von dieſem dennoch nicht alle Bedingungen der Erfah⸗ rungsgegen ſtaͤnde, z. B. den Raum entferng, Indem By | er 255) de Republica IV, ©. 358. Sophifta S. 277. Euthyphro.S. 11, Parmeni- des ©, 98, 99, 101. 117. 46; Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. er" alſo von dieſem Geſichtspuucte, den er für irrig hielt, abging, der Vernunft und dem empirifhen Verſtande das Vermoͤgen wirkliche DObjecte zu erkennen zufchrieb, entroickelte er ein Spftem, in welchem der Unterfchied' zwi⸗ ſchen Erſcheinung und Ding an ſich deutlicher beſtimmt, "und beiden ihre Kealität geſichert wurde, welches fi alſo an den gemeinen Menſchenverſtand vertraͤglicher anſchloß. Dieſes Syſtem gruͤndet ſich auf den Unterſchied der Vernunft von dem empiriſchen Verſtande oder ſinnlichen Erfenntnißvermögen, und auf der Tänfchung, daß die Vernunft nicht bloß das Vermögen der Ideen, fondern auch das höhere Erkenntnißvermoͤgen ſey, ‚oder mit and . Morten, daß die Ideen objective Gültigkeit Haben. Durch beide Bermögen erkennen wir wirkliche Dbjecte; durch die Sinnlichkeit, mie fie uns mit veränderlichen Beſtimmun⸗ gen erſcheinen, durch vie Vernunft, mie fie bloß au ſich nad) ihren Weſen gedacht werden. Die Objecte ber Sinnlichfeit find in dem Raume auſſer der Vorſtellung, ‚die Dbjecte der Vernunft in der Vernunſt ſelbſt 259). Das Phänomenen und das Ding an fich find einans der entgegengefege, tie Sinnlichkeit und Vernunft. Man fiehet leicht ein, daß dag Letzte nur ein Vernunftbegriff iſt, um die Taͤuſchung abzuhalten, als wenn das Object, wie wir es mahenehmen , das Ding an fi ſey. - Aber Plato ‚bleibe nicht dabei fiehen, fondern er braucht nun den Des geiff als ein pofitives Erkenntniß. Dazu braucht ee num die Battungsmerfmale der Objecte, welche urſpruͤngllch Doch aus der Erfahrung genommen, aber durch die Bew nunft bearbeitet und verallgemeinert find. Hieraus laffen ſich die Unterfcheidungsmerfmale der Dinge an fih und der Erfgeinungen; er Plate augiebt, fo wie aud dag 46) Timzeus @, 301, 302. 347, 3 348. de Republica X, GS. 254, 286. | i Ppbiloſophie Des; — Et, BIS. —* Bei a ‚in welhem Seide zu einander — intbeitung der Dinge in Erfheinungen und Dinge. an lſich, kommt unter folgenden Benennungen por, welche ſchon zur Beſtaͤtigung der vorhergehenden Be⸗ merkungen ‚dienen. a) Siunlich wahrnebmbare (oxIyra,, Sogaza) und denfbare (voyra). Dinge: . Jene find , die durch die Sinne, und» den Verſtand, dieſe/ die durch die. Vernunft allein borftelbaren. Dinge 7), b) Beränderlie und unveränderlidhe Dinge, . . Die erften werden. durch die Sinne wahrgenommen, die zweiten koͤnnen ‚nur durch die Vernunft. gedacht: mers, . den FR, 0) Sicht bare (anſchauliche para) und unfictbare, (osöy, aopara); 25°). :d)- Körpers ei liche, und unförperlige „(guparay agwparg,) PR. Alle diefe Ausdrücke begeithneh immer nur eine und dies felbe Eintheilung. in finnliche und nicht ſinnliche Gegenſtaͤnde, mit welchen Erſchenungen und Dinge an ns find — Die die oe in | | ‚ für | i — —— sit, y F 258) Phaedo S. 178, 1 179% 259) Phaedo S. 179» ang. 199. Timacus S. 3483. 260) Epinomis“ © — Politicus,.&, 64,65. 53 2. — ei. 261) Phaede 0 6.179. obnovr — a guös moTE Woaurug EXAVTWV) MeV vay aaun , Kay idoic, „av mais alas asIyosom 19010 Tuy ds xara rauva eye oux SgIv.Orw wor ay. alu J 3. .n y% .-MiVa ;y ’ dr ‚+ nt 3 «kl, — PN | . J» J 2“ 3 NM, v0 sv rw alu’ alla duro ag aut, Aus ‚ Tau MOvörlöss aci, 0. Timasus S. 302 de Repub], X, ©. 287 — * Zweites u Sau, Sechſter Abſchnitt. ihm ausſagt. Es iſt alſo nicht durchaus dag Ding ’ an ſich, In welchem kein Wechſel vorgehen kann a), | Alles, was mir anſchauen, fünnen mir auch denken. Denn Mir haben Begriffe von veränderlichen Objecten, und den an ihnen wechſelnden Beſtimmungen. Aber um⸗ gefehre, laͤßt ſich nicht alles anſchauen, mas wir denken. Das Unveränderliche iſt fein Gegenftand der Sinne. Win Beziehen daher das Beränderlihe auf dag Unveränders liche, die Anfhanungen und Wahrnehmungen auf die Begriffe oder Ideen. Das Veraͤnderliche iſt das her gleigfam nur bag Bild don dem Unvers änderlihen 2). — Ein deraͤnderliches Object laͤßt ſich gar nicht denken, wenn ihm nicht etwas Bleibendes zum Grande liege. Uns geachtet 5. B. am einem Menfchen alles veraͤnderlich iſt, mas mir wahrnehmen, fo ftellen wie ung ihn doch als rg * brain vor ¶ Es * derſelbe Ruf), . 364) — S. * ed) yıyvopeavov uev ov de . audsnors. ‚de Republ, V. & 65. morspov ouw eg makkov 4 0Ux zgıV Enagov rwv moAAwv rouro, 6 .avrıs Oyavro era; Timacus S. 343. öurw' dy Tour ouösmore Twy aurıbv Erasıwy Davradonse vuv, .möbv aurwv) og 0v Griouy TOVTO ar aux ak- Ao royitog Öloxupidonevogy OUN Uyuvei'ys Tg Ale rov, oux scıv. Phaedo ©. 179 266) Timacus ©. 341, wors pev Yap- duo &ıöy disnopeSa — vv Bey, de rapaoeiynoaro⸗ adost oͤro⸗ meIed voyröv, nou dei Hafı täura dv, Kiyhpa :öe Mapa Ösıymarag Ösurspov Eve cxov Has öpatov. S. 349 Phaedo ©, 1770,17 1,1774, sı mevesiw, & Iou AAoujiev ai, Hakovre ri xaı ayasov, nal mac y Tolaury Oudıa, Kar Em TAUTYV Ta EX TV aisꝰocu mavra avacde- polev, brapyouoay mporepov, avsbpgKoVr&g Auer gay uvdav, Kal räura enen axeinaehied — 2 Mhilsfophie des Plato. 369 ein Kind, Knabe, Juͤngling, Mary Greis geworden iſt. Dieſes koͤnnte num nicht geſchehen, wenn an ihm alles veraͤnderlich waͤre. Es muß alſo etwas Bleibendes feuny auf welches Das Veraͤnderliche bezogen, mit Ihm im der | Vorſtellung verbunden merden fann. Diefes iſt das Ob⸗ jeet der. veränderlichen: Beſtimmungen, welches wir uns durch, „die. Ideen (den: Gattungsbegrifii)- denken: Dieſe macht, daß wir bei allen Veraͤnderungen, welche jeder ein⸗ zelne Menfch- erleidet, doch immer ſagen/ es iſt ein WMenſch er ee DU IE 577) Vor FE FERPE DE ‘, Jedes Indivldunm einer Gattung enthält alferdk Merkmale der Goteang ‚: und außer derſelbon noch andere 3 denn ſonſt waͤre es nichts; als die Idee felbſt 208), Da nun bie Idee jeder Gattung unabhängig Dou:der Erfohsung der Seele angeboren ift, und da gleichwohl diefe in allen noch fo mannichfaltigen Fndividuen der Gattung vor Eomme,fo jäht ich dieles auf feine andere Art ertläsen, ald das eine Inteligen⸗ die Gottheit, die Idee mit etwas Anderen (einen. Stoff) ‚berbunden, oder dieſes nach dee ser gebildet, "und die Idee der. menföhlichen Vernunft maltgetheilt habe. "Denn alsdann begreift man, wie die Idee in der Vernunft des Menſchen, und doch zugleich aͤls Merkmal in allen Individuen derſelben Gattung vom fommen, und unbeſchadet ihrer Einheit, doc) ale Form vleler Objecte gedacht werden kann. Diefe Saͤtze muͤſſen wolr als Platoniſche beweiſen. — u ee | Weit 267) de Legibus$. G. 84. Sympofium ‘ ©. 241, r70uT yap Tw TooTw ray To. Iuyrav dw« SErU, OU Tw MAvramalı TO. AUTO ası sıvar WerEQ To Isıv, alla To To amımv xaı makamunevov $rs- . g0v vE0y eynarakımem dioy auto .yv. &, 240, . 268) Theasısı, ©, 191, 1984: Eh 4 Zennemanns Befchichte des Philofsphie It, Thl. Ba “ ‚370 Zweites‘ Haupt ſtůd. Sechſter Abſchnitt. Weil Plato "die Ideen als urſpruͤngliche, angeborne Begriff⸗ betrachtete, ſie aber: doch nicht aus der Fun⸗ etion der Vernunft erklaͤren konnte, fo blieb ihm. nichts anders übrig, als fie für abgeleitete Begriffe der götefe en Intelllgenz zu betrachten: Wäre er auch: einen Schritt weiter gegangen;, und haͤtte ſie ummitteibar ang der Thaͤtigkeit der Vernunft erfiäre; ſo mar: doch Der Hauptpunct, daß ſich alle Individuen einer Gattung auf die Idee beziehen, unter ihr enthalten ſind, noch nicht erklaͤrt, und dieſer haͤtte ihn immer wieder auf den goͤtt⸗ lichen Urſprung zuruͤckgefuͤhrt 29), Alſo Bott if Schoͤpfer der Ideen, das iſt, Gott hat? dem Men⸗ ſchen die Vernunft, und durch dieſelbe,“ die Ideeuals ‚Peincipien aller ea gegeben a Zweitens: ' MIT Bir — DT Bu — In dem Bein erflärt Plato bie een ce ange: geborne Begriffe aus einer Praͤexiſtenz der Ceele,, aber wahrſcheinlich gab er in (tee abien® diefe Hape thefe auf, meil fie wieder eine andere ndthiy macht; md hielt ſich bloß an die ‚gegebene, welche man in einem feiner fpäteften. Bere, von der Republit * ‚findet, | s’ 22 “270 De Kepußlicax. S. 287, 288. ö ne) Öy 9eog, sıre oux eBouÄsrO, sirs Tig avayıny emyv, uy ü, mAsov 9 pıav eyry Qussı amepyanagdaı aurov AA yyy, ÖVTWg EMONGE MIav ALUyv AuTyv EREIyV, Öl =, 4A" Öbo Äs Toauraı, y MAsıöug‘, oure eQureu- — umo wov Ieou, ovre af Düwsn. — ürı, &ı .övo Movag moyosıe, malıv. au Ja avalavsıy, 5 'newar av au au Porspar Toziöng iyo:ev' na kıy au, D 5 — cutivy, aAA' oux at/ duo. TauTa öyo yay, sis © E05, Boukomevog zıvar ovrug aAıvyy MOIYTYS,- OVrwg 0vOyS, Ada "tig naıuygı Tınog, Mye nÄworoos Tıs, may Qucs auryv eDuos. — \ Zr | Boris N RR, Philoſophle des Plato. —371 BGott Hat auch den-Dingen, außer dem menſchlichen Verfande, Ihe Wefen gegeben, das heißt, er hat fie nad) den Ideen gebildet, welche dag) Weſen eines jeden Dinges enthalten, und fie dadurch gu erkennboren Objecten gemacht. Die menſchliche Ver⸗ nunft enthält nun die Ideen, nach welchen Gott die Dinge gebildet hat. - Diefe koͤnnen alfo nad) Ihrem Weſen bloß allein durch die Bernunfe erkannt werden 7), ., Hierdurch erhält nun die Platoniſche Lehre von den Ideen erſt ihr volllommenes Licht. Jede Idee IE urs fprüngli ein urſpruͤnglicher Begriff, der das Wefen deu Dinge einer Gattung enthält, Auf diefe bezichet fi die Idee der menſchlichen Vernunft, _ Die göttliche Idee iſt das- Dbjeft der menſchlichen, der erſte intelligible Ges genſtand der Vernunft: In Ruͤckſicht auf: Die Objecte der Erfahrungsmelt ift Die Idee die Form, das Muſter und Vorbild #72), Diefes ift die Anſicht der Ideen, nach J 666 wel⸗ nn - x - 32 Bouksı ovb roDron pay -DUFOLOYAH rOUFaD Mohr BT yogeuipen.' de Ropublica VI, G. 11 9120, VII. ©, 133. 270) de Republica Vf, &. 119. FouFo- Foivuy, "row aAydeıav. mapsyov Tas yıyviwskopevoig, Kat "mis yıryvwnguovni Tyv Öuvanıy amhördov ; Tw Tou ara: Sov iösav Dagı zıvai. ©. 120, Haı ro Yiyvinsrg- kevors . Tovuvy jun Mbvov To Yıyvwasssaı bme mov ayadov Mapa, ala Hau To kıvar Te Kal. TyV dudiay Üm Fusivob Auroig mgoSEIvaL. Timacus ©, 302, 303. 273) Cicero. Otatore c. 2. Plutärchüs Phyfi- cor. Decres, I. c, 10. Galenus Hifor, Philofophiae c. 6, söca eg Oudıa adwnarog aıa Ton, OK Egiv abTy, Hai mapadsıyMa Twy Kara Gu- 972 Zweites Hauptſtuͤck. Sechster Abfchnitt, welcher, wie Plato glaubte, alle Schwierigkeiten gehoben werden, und die Vernunft Einhelligfeit in das ganze Sy⸗ flem der menſchlichen Erkenntniß bringt. Die Dinge an ſich, das iſi, die göttlichen Ideen mas hen die intelligibele Welt ‘wonros romos) aud, daß Arche⸗ typon der wirklichen Welt 273). Da die Erſcheinungen Nachbildungen der. göttlichen Idten oder der Dinge an fich find, fo muß es einen Stoff geben , welcher nach dem Sören gebildet wird; diefer Stoff iſt die Materie. Daher find. alle Erſcheinungen iin Rau⸗ me 272). Der Inbegriff derſelben mache die finnliche Belt auf (wı$nros orrcs) 375), Aber in der wirklichen Welt , Kommen nicht nur Erſcheinungen, das ift Koͤrper, fon" den auch Seelen. vor, melde Hehnlichfeit mit. den Dingen an fi, das iſt, mit den Ideen haben, weil a; . . N 2 14:35* fie Dudiv eyburtay ausdyrev Droradsuv, au MEV ovx U0sswoa na Sauryv, evemovilovca de Tas apog- Dour ÖAas, ns arrız yıvon.evy 75 TOVTWV diatagsı. TMatwy Öe owyywosi, Övev duvaroy, GM EU TS voypadı xas rTaic Davrasıaig ösı Lyra sögds ou _Seov. Alcinoi Ilagoge ce. 9. sr de nau N) idea, tig Key mous ‚Yeov voyar aurob' As de mpR Sag voyrov mowwrov' (og ös mQ05 Tyv VAyU nErgov" ag Ös mob; Tov a Iyrov HOsMOV, mahaögr ya «ws de mod dur eSeralopevg, 0VCIK d 875) de Republica VI. S.118. VU. ©. 1352. .352%, Timaeus ©. 522. 541. 437. 874) Timaeus ©. 349: ws mon eV, Emeimig 2’ auro retro EP’ YEyovsv, Euurns gSıv, ErsgE ds rıvog ats Deesrey Davrasuz; dia rauıra Ev ärs- gi meosnnss TIVI yiyvesHoy. 975) de Republica vil, &. ı60. 164. 156. ' — Pfilofopfie des Platn 373 fie blos. benfbare Wefen Coorftellende Subſtanzen) find =) >. 1 on Die Materie ift nicht entftanden, fie war von Ewig⸗ felt, mit den in Ihe wohnenden Kräften; aber ehe fie durch die Jdeen gebildet wurde, mar fie formlos. Die fichtbas ‚ze Welt aber iſt entftanden durch die Bildung der- Materie, fie iſt ein Werk der Gottheit, zuſammengeſetzt aus Ma« terie und Form, in fih enthaltend Körper und Seelen, oder Weſen mit oder ohne ſelbſtthaͤtige Kraft, 277), Gott und die Materie find die beiden Principien in deu. Platoniſchen Metaphyſik. Gott die erſte bildende Urſache, die Materie, der zu bildende. Stoff; dazu kommt noch drittens dad Mufter, nach welchem die Welt gebildet wor⸗ ben, die Verſtandeswelt, oder das Spftem göttlichen Ideen 378), Wuir haben nur die Hauptzüge dieſes Syſtems fung. andeuten fönnen, um. eine Ueberfiht des Ganzen zur gehen, welche bei Darflelung der einzelnen Theile von Nua \ Ya 3 Ä tzen * 276) Philebus ©. 244-247, Saphi ſta S. 266. de Legibus X. ©.89. Epinomis S. 250, Segen ds owunTa AEYssty Xen Kara rev eınora Aor YoV, MEVTE, GE WU HAM ISE nu apısw Tıs av WAaT= Tal. TO de Wo, YyEva; umav ex MooDyv wıav, & yag esw ROWUATOY Os TI wor’ ao yıyvorr’ a, na xeuua dev dans ZÜEMOT' Exon WAny To Sargray Toy erTwg uns Ysvog. . | 277) Timaeus &. 350, 351. 47. Philebua S. 285 241. 278) Timaeus S. 541, 545. Plutarchnus de phyſic. Plölofoph, decretis I. c. 3. Zwnpurng — na MAaroy Tees aexas, Ten Scor, mi Uner, Tu 17772 “ ö r 344 Zweites Hauptftüd, Gedster Abſchnitt. gen ſeyn kann. Wir gehen alfo nun zu diefen Theilen, Theologie, Kosmologie, Pſycholo gie ſelbſt über, ut, Theologie. Man darf ſich nur in jene Zeiten verſetzen, um die Echwierigkeiten in ihrer ganzen Staͤrke zu fühlen, mit mels then ein Philofoph zu Fämpfen hatte, der feine dee uͤber religidſe Gegenttände mit Freimüthigfeit darlegen wollte, Nicht genug , daß der Gegenfland felbft für die theoretiſche Vernunft Schmierigkeiten genug darbietet, gab es ud. mehrere Hinderniffe In dem damaligen politifichen und. rell⸗ giöfen Zuftande der Völker, durch melche die Freiheit der Unterſuchung gehemmt und erſchwert murde, Denn die Wahrheiten, welche die Vernunft auf dem: Wege ihres Forſchens entdeckte, fanden nur zu oft mit den durch das Ale terthum geheiligten Dogmen des Volksglaubens in dem ges radeſten Widerſpruche. Die Schwierigkeiten der erſten Art kannte Plato zwar auch, aber doch nur unvolllommen, and die Bedenflichfeiten , welche die Vernunft gegen dieſes Uns ternehmen, eine Erfenntniß von dem, Mas auffer der Sins nenwelt liegt, zu Stande ju bringen, erhebt, wurden bald durch das ftärfere Intereſſe, mag fie dazu treibt, und durch Die Ausſicht anf dag Selingen, nedergeſchlagen. Aus Mangel an Selbſtkenntniß ihres Vermoͤgens rechnet fie Ihre Kräfte zu hoch an, und ahnet nichts von dem möglichen Miklingen, Jedoch diefegemagten Verſuche find nicht allein zu entſchuldi⸗ geh , denn fie find in dem Gang der Kultur der Vernunft unvermeidlich, fondern auch eben daher zur Beförderung der letzten nothwendig, weil die Vernunuft erft Ihre Kräfte Bon mehreren Gegenttänden verſuchen muß, ehe fie Dies ſelbe nach einem ſicheen Maapftabe berechnen kann. Und wenn fie gleich Ihren Hauptzweck nicht erreichte, ſo o ¶ Pbilolophie des lat: 375: doch ihre Beſtreben in anderer Ruͤckſicht nicht fruchtlos. Manche Begriffe wurden mehr entwickelt, aufgeklaͤrt, mehrere Jrrthuͤmer aufgedeckt, und Vorurtheile bekaͤmpft. In der andern Ruͤckſicht hatte Plato weit mehr zu befuͤrch⸗ ten, als Sokrates, weil feine Begriffe ſich weiter von pr Bolfsglauben entfernten ; er brauchte aber auch: mehr unit, feine. eigentlichen Gedanken zu verbergen. Daher bequeme er ſich in feinen Schriften öfters nad) den gemels nen -Borftellungen ,. er ſpricht von mehreren Goͤttern, | doch ſo daß eu Diefe als Weſen ‚betrachtet, deren Exiſtenz groeifeihaft ſey , oder fie. der einen Gottheit unterordnet (wie z. B. die Hamelskoͤrper), uud uͤberall tadelt er ziemlich offen das: Unmoraliſche im Dem Goͤtterfabeln 7% Plato vollendete auf „diefem Wege,was An aragorad und Sofrates, jener in theoretiſcher, dleſer In prakti⸗ Mer Ruͤckſicht / angefangen · hatte So mie jener zuerſt Die Idee der Gottheit als ‚einer: außerweltlichen Jntelligem gefaßt, und ſie dadurch von den Himmelskoͤrpern unters ſchieden, der letzte aber die Gottheit in Beziehung auf die Melt, als ein hoͤchſt weifes und guͤtiges Weſen zu ver⸗ ehren gelehrt hatte, ſo entwickelte Plato die Idee des voll⸗ Sommenften und heiligſten Weſens noch mehr, und mendete dieſen Begriff. unmittelbgr zur Laͤuterung der Volksreligion an. Zu dieſem Verdlenſt fegte Plato noch ein anderedz nehmlich einen neuen Verſuch eines Beweiſes fuͤr das Da⸗ feon Gottes, naͤchſt dem, welchen Sokrates gegeben hatte, Die Wiederbelebang des rellgioͤſen und moraliſchen Inter⸗ eſſe, welches in jenen Zeiten ſehr geſunken mar „erfo⸗ derte die feſtere Begruͤndung des Glaubens an Gott, :. aufammenhang mit dem allem, mag Moralität betri ft, | 2 Aa 4 | vu 279) Timaeus S, 524, Epinomis ©, 259, - Euthyphron, &, ı2, 15, de Legib. XII. ©. 177. X. © 69. 94 95 Epinomisa ©.-254 259 376 Zweites Hanptfläd. Sechſler Abſchnitt. Sokrates und Plato einleuchtend zu machen ſuchten. Naͤchſt dieſem hatte er aber auch noch ein ſpeculatives Intereſſe; denn ohne das Daſeyn Gottes bewieſen gu haben, mar fein ganzes philoſophlſches Syſtem in die Luft gebaut. Das Dafeym Gottes beweiſt Plato theils aus der zweckmaͤßigen Einrihrung: der ‚Welt‘, cheils aus dee Noth wendigkeit einer erften ab» foluten Urſache Den erſten hat er an feinem Orte feiner Schriften vollſtaͤndig ausgeführt ,; fondern nur einige dahin gehörige Bemerkungen gemacht. Die Ordnung und Regelmäßigkelt der Welt, welche vorzüglich in der nach unabaͤnderlichen Geſetzen fortdauernden Bervegung der Himmelskoͤrper ſichtbar iſt, Führt die menſchliche Vernunft auf die Idee elnes weiſen Weſens, als der Urſache derſel⸗ ben, und die Ueberzeugung von dem Daſeyn derſelben, IR dem. majeſtaͤtiſchen Anblick; den ung der Himmel gemäß get, vollfommen angemeſſen 280). Hierin weicht Plato von ſeluem Lehrer: ab, daß, da dieſer vorzuͤglich auf die weckmaͤßige Einrichtungen für die lebendigen Weſen, er mehr auf die Geſetzmaͤßigkeit der Bewegung der Himmels⸗ koͤrper hinſah. Sokrates Betrachtungen find die Anſich⸗ ten des gefunden Menſchenverſtandes, bei Platos Bemer kungen aber blicket {hen fein ganzes Syſtem von Weltbil dung hindurch, nach welchem das Zweckmaͤßige nur durch die: Wirkung „einer Intelligenz, das Regelloſe Hingegen Bloß Wirkung der. fi ſelbſt überlaffenen Materie iſt. Die Kreisbewegung iſt nach feiner Anſicht das Symbel der Vernuraftthaͤtigkeit; ſorwie jene nie von dem Mittelpunkt abweicht, alſo einfürmig ft, ſo wirkt die Vernunft im 280) Philebus &, 244, #0 ds verwarrz Sun FeV aure- Dany. ug Th enbsieg TE α 2 Ay MS. MY FERNTG Mo. aofley ner mars Ts 7Teę⸗0⸗ eug agıay, We re © 8. Kl &; 020. —J Ngblloſophie de Plato. 377 mer einfoͤrmig mach eben denſelben Geſetzen 2), : In der That mußte anch die Bewegung fo großer Korper⸗ maßen ; mit folcher” Schnelligkeit; ohne die geringfte. Abe weichung, "auf jeden denfenden Menſchen jener Zeit, einen ſolchen Eindruck: ven Majeftät und Bewunderung machen, daß man fich nicht mundern darf, menn er alles das ald die Wirkung eines vernünftigen Weſens anſah, zumal, da diefer Eindruck durch die Neuheit: aſtro⸗ nomifcher Beobachtungen, und durch die Unfunde der Na⸗ tur geſetze verſtaͤrkt werden mußte 282). Dieſer Vorſtellungsart ſtehet dlejenige entgegen ‚ nach tweldyer alles, was ift, Durch Zufall oder blinde Nothwendigkelt entftanden if. Die Werbindung und Trennung der Materie, die Bildung der Körper, ber Thiere und Sterne, felöft die Entfiehung der Seele If bloß Wirkung phyſiſcher Kräfte, ohne Mitwirfung einer Intelligenz. Die Natur, als Inbegriff von phyfiſchen Geſetzen und Wirkungen iſt alfo eher. geweſen als dag Wirken nach Vorſtellungen und Zwecken (Kunft reywy). Das legte ſetzt die Natur, aber dieſe nicht die Kunſt poraus, und die Vorſtellung einer perfländigen Urſache der Welt iſt kein durch die Natur gegebener, ſon⸗ dern will kuͤhrlich zu Erreichung gewiſſer Abs ER a Begriffs nder mit andern . Mag | Wor⸗ 1 281) Epinomis ©. 254. Fo ev zu ev arafın u pæusvov, a deov Xen vauılev — ro ds sv rafeı TE Mag aEavEn Mopgv .ExXav, HEYa TERungIoV yon morsıg- 9a TE Deovinoy rY. HATE TAUTE ap 9 Hy MTRYTIG FORSUBUSVOY a Ha MARVRLITEEKEV rEnUne giov ævov ma Deovinios Inv. FIR TapEy DuEvoV, ©. 253. 266. de Legibus x. ©. 92, 3: 252) Epinomis S. 256. 378 Zweites Haupfſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. Worten, der: Begriff Hort: Me feine velehung ‚auf eh wirkliches Weſen 283) Dieſen Einwurf mußte Hate — man er die Ueberzeugung von Gottes Daſeyn befeſtigen wollte. Er bemerkt daher erſt, daß die Begriffe von Geſetz / von Kunſt, welche die Atheiſten der Natur entgegenſtellen, in der Natur gegruͤndet ſind, weil ſie ihren Urſprung Am den Wernunft haben, Der Unterſchied zwiſchen Nas aur und Willkahr iſt alſo nichtig 283). Zweitens, die Natur, die ſie fuͤr das Erſte halten/ von welchem alles entſpringt, iſt ſelbſt nicht das urſpruͤnglich Erſte, ſon⸗ dern abgeleitet; denn die Natur ſetzt ſelbſt ein- verſtaͤn⸗ — — als — Grund voraus, und alles aus Ane pe 3.h me⸗ A Erd FR te Ber | 588) de Legibüus X. ©, * 7 — u‘ E17 ya —A Dune wave Bvay uı TUE Dani" ra- xın oe adev Tara, ng Ta Merz Taura av Geo Ta Yas TE nd Mie ug Ferm» aowV 75 wer dıx TeTwy yayavevay, MavTerwg Yvro abi. | TuxH ds Degoaiva Ta TuS Öuvainsıog aga Erausov, "5 Euumenrongv üguorrovra ounentog Ws» Vippa- Wxeoig. 7 Önew mens ujga may Marne‘ Arc wre —- 3 da var, ‚Dasw, zd5 din wa Yeov, xos dia exp Ra, 6 Asyopev, Dyaes xy TU- Xi TEXumv DS vᷣceor en TETWV Üsagav Ysvonsıy — u Pssg eme meaTov Dagıy ᷣro⸗ TERN # wo. ar Na TIRE VORM: - 84) de Legibus %, 8, 77: 78. AR mwacay Owyny jeyra To MAY ‚vopı grimabov YIyvesFay Kaya WE ma Fern Goa vor on Amtes Tu, nu On RM VOR AUTW Baydnsu ng TExXun, ds esov Dugsın PDuogos sy. irren uuet va yet BSE YENVAHRT Br rPhiloſophie deg Plat .....- 379 — erklaͤren wollen, befriediget die Vernuuft nicht, weil fie die ſeiden nicht begreifen kann 235), 0: In der Welt finder ſich Nude und Bergung) . Beharrlichkeit und Beränverung. Alle Veränderungen laffen ſich auf: zwei laſſen zuruͤckfüͤhren, je. nachdem die Cauſalitaͤt, welche fie hervorbringt, bedingt oder abe folut if... Eine bedingte Caufalitär kann in andern Din gen Veränderungen berborbringen, aber ſich felbft nicht zur Hervorbringung derſelben beſtimmen, fondern fie ſetzt allegeit eine andere Urſache voraus. Eine abſolute Cauſali⸗ taͤt aber beſtimmt ſich ſeibſt zum Wirken, ohne eine andere Urſache vorauszuſetzen. — In einer Reihe von beding⸗ ten Urſachen giebt es feine abſolut legte, von welcher die ganze. Reihe beftimme wuͤrde. Sie laßt ſich alfo nicht denken, weil fonft etwas aus. Nicht s entfliehen würde, Es iſt alfo nothwendig, an die Spitze derſelben eine abſolute Urſache zu ſetzen, von welcher die ganze Reihe beginnt. Zweitens. Wenn man die Moͤglichkeit ſetzt, daß einmal alle Thaͤtigkeit in der Welt aufhoͤrte, fo lann die Reife von Wirfungen von feiner andern Urs ſache als der abſoluten Urfache wieder anfangen. Drit⸗ tens. Die ganze Natur, inſofern in ihr Bewegung und Thaͤtigkeit enthalten iſt, ſetzt alſo eine abſolute erſte Urs - fade voraus. Viertens. Alle Körper find bedingte » Urſachen; denn um. fi) zu bewegen „ ſetzen fie immer eine andere Urſache voraus. In der Koͤrperwelt iſt alſo die erſte Urſache nicht zu finden. Fuͤnftens. Da Selbſt⸗ thätigfelt ein weſentlichet Charakter jeder Seele iſt, ſo muß die erſte abſolute Usfache eine Seele (loyy ein vorſtellendes Wefen) ſeyn. Die Seele iſt alſo die Quelle — alles 285) de Legibus X, ©, 80, 81. XII. ©. 229. Epinomis S. 257, gumxs uev av Tis yriag Tas sg GwuaTway, m Dugessy NT TOIsToV, adsy 0%Des eper. | 380 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſtet Abſchnitt. alles Lebens, aller Thaͤtigkelt und Veraͤnderungen in der Welt, und die Wirkungen der Seele, z. B. Denken, Wollen, müßen eher gedacht werden, als die Wirkuns gen und Eigenfhaften des Körpers 3), Wir finden in der Melt aber zweierlei Wirfungen, ‚gute und böfe. Die erflen find diejenigen, welche mit der Handlungstoeife dee Vernunft, Einheit und Harmonie übereinfiimmen, die leisten find regellos. Wir muſſen alfo zwei Seelen als letzte Urſachen der Veraͤnderungen in der Welt annehmeng, eine gute und boͤſe, eine vernünftige und vernunftloſe. Die bewun⸗ derungswuͤrdigſte Ordnung und Harmonie offenbart ſich in der Bewegung der Himmelsförper und der Verbin⸗ dung des Ganzen; denn die Kreisbewegung, von der ſte nie abweichen, iſt das Bild der Vernunftthätigfeit. Bir müffen alfo ein vernünftiges vörftellendes Weſen annehmen, welches das Weltall ans geordnet hat umd regieret, und dleſes if Goͤtt *7). | EM Ein anderer Beweis lautet fox Jedes (materielle) Weſen beftehet aus einem Unendligen und einer Grenze (amsıpov, megas), oder Stoff und Form. Die Materie, woraus z. B. dee menfchliche Körper befteht, Sſind die vier Elemente. Bon einer unendlichen Menge derſelben iſt aber von jedem nur eine beſtimumte Quan⸗ tieät und in einem befihnmten Grade vereiniget und bes bunden dag. Unendliche der Materie iſt begrenzt mors den, Das Wefen allee Dinge, und die Möglichfeit ihrer harmoniſchen Verbindung beruhet nun darauf, daß das Unendliche begrenzt und beſtimmt worden if, In | ‚dem 986) de Legibus X, &, 2-90. Phaedrus ©. 518: 319, og7) de Legibus X, ©. 90-96... ® * Mhilofophie des Mlaro. 334 dem Unendlichen iſt aber an ſich Feine Grenze, und in der Grenze nichts Unendliches; die Verbindung beider muß alio einmal in der Zeit angefangen Haben, und letzt alfo eine Urſache voraus. — Daß die Melt alfo eine Urfache habe, und daß diefe eine abſolute, das iſt, eine, Intelligenz iſt, folgt aus denfelben Hegriffen, und auf diefelbe Urt, wie. bei: dem „obigen Beweiſe. Hier fehließe aber Plato noch. einen, andern, Gebanfen : an, Der Menſch beſteht aus. Körper. und. Seele. Die Ber ftandtheile des Körpers find Feuer, Luft, Waſſer, Ere de, welche aus der unendlichen Maße des Weltalls ge nommen find und daher. erfegt werden. ber woher hat er die Seele? Ans, der Körperwelt nicht. Alfo muß #8 in dem Univerſum einen Geift geben, wel her. die Duelle aller geiftigen Kräfte in. 28°), Plate exfennt- zum: Theil ſelbſt die Schmäche dieſer Beweiſe, Indem er. bei ihnen fürs erfle auf. weiter nichts - als, anf, MWabrfcheinlichkeit, Anſpruch macht ?39), Ob er nun dieſe Gruͤnde an fich, für. unzureichend zur Bewir⸗ kung einer oewiſſen Ueberzeugung hielt, oder ob er ſie hier nug, auf eine populaͤre, weniger tiffenfchaftliche Weiſe aufſtellte, iſt eine Frage, die nach ſeinen andern Begriſffen von der Philoſophie leicht entſchieden werden kann. Wir moͤgen nun aber das eine > das am” dere annehmen r fo iſt doch einleuchtend, daß 4) beide, Beneife: ‚einen der Welt vorauſeben welcher * ſich R 088) Philebas ©. 255+ 241. 0454. 246-248; oe UT MONDAY MELNG inavor, u TIs sw’ autels yrım “ Paunn » ROSUSCE TS AU CGUVTATTECK EVIauTz; TE 7737276771 unvası no vaS Acvouern dire, - Tar' av Pr 289) de ka © ro. Esivs mlmoranıS elprnapev, Mireesv Ti sv Tan od 382 Zweites Saupeftäc, Sechſter Abſchnitt. — ſich nicht beweiſen laͤht. Denn“ was Plato zum Bewelſe anfuͤhrt, daß alles Sinnliche, Wahrnehinbare, (und die Weir iſt der Inbegriff deſſelben veränderlih, und da» her einmal entſtanden fey, iſt von der Art, daß es nichts beweiſet, weil eg ſelbſt einen neuen Beweis erfodert es 2) Daß der erfte Beweis zu viel bemeifet, Denn es wuͤrde folgen, daß jede Seele die abſolute Urfache fen; da doch der Susi immer nur auf eih vörftellendeg Weſen gehet.“ In Der" That braucht auch Plato eben dieſelbe Schlußreſhhe, um die Unſterblichkeit det Seelen zu bewelſen. Der Schlußſatz lieget nicht beſtimmt in den Praͤmiſſen. 3) Der zwelte Bewels hat denſelben Fehier, AAuls AMder erſte, und er“ beruhet noch außerdem“ auf der unerwieſenen Vorausſetzung/ daß Form und Stoff der Dinge zu einer Zeit getꝛennt und in einer andern ver⸗ bunden worden. Dieſes loͤhe ſich darnug efiären, daß das praktiſche Intereſſe "welches die Vernunft⸗ an der Idee der Gottheit nimmt , den Mängel der theore⸗ tiſchen Beweiſe erfeht , nd" Im ben’ Augen der" Erfinder fogat: verdeckt· Die Wichtlztent derſelben machte jeden Verſuch eines Beweiſes, Nenn ‘er auch nur Wahr, ſcheinſichkeit verſprach, willkommen. Daher wurde die⸗ fer Platsniſche Beweis / der erſte aber nach unvollkom⸗ mene kocnologiſche, lange Zeit in Ehren gehalten, um die Entwickelung des Begriffs von &ort es warb fi Plato ein’ großes Verdienſt. Die Idee des vollkommenſten Weſens (sösa Tov ayasov) iſt von ihm: zuerſt genauer beſtimmt, und zur Beſtreitung vieler uns wuͤrdiger Vorſtellungen gebraucht. worden! ; @dtt iſt die Ä abfeinte: Unfahe die — anders vorausſetzt, bloß — durch £960) Timaeus ©, 503, yeryorkv, (οανοα Öpaurog yap ano TEESI Ay Hwud Ryov. Marta dere Tor- murd, ustara’ wu de mitnTas Öo&n MEemnETe para eds; Yıyyosya ng YEyyTa Eparı. ... - Dhlloſophie des Plato. 383 duch" Deulen erkennbar. Daher’ iſt alles Sinnliche, Veränderung, Succeffive von ihm dusgefchloffen, Gott iſt ewig 2%). Borr-if 2dle Arſache alles Guten und Vollkommenen in der Melt, Alles Gute entſptingt aber aus der Vernunft; alfo it Gott die hoͤchſte vollkom menſte jen;: Daher iſt er nicht ei: ſinnlich vernuͤnftiges, ſondern ein tein dernuͤnſtiges Weſen dem Vernunft und Wille in dem hoͤchſten Grade, Weisheit und Auwiſſenheit, Heiligköit und Gerechtigkeit,‘ unbeſchraͤnkte Macht und F Seeligkeit zulommt. Er iſt an fein Geſetz gebunden, als das er ſich ſelbſt giebt; fein Geſetz iſt aber nur die hoͤchſte Vollkommenheit wirklich gi mies): Sein Wirken und Handeln ft underaͤnderlich , einfoͤrnigze denn “er iR. | Bir fommen endfich gu dem Berhältniß der Gottheit zur Welt, oder zu feinen Wirkungen , dag iſt, zu der Bildung, Erbaltung und Regierung der Welt Daß Gore die verfländige tete Urfache der Melt it, Aniofern in ihr Ordnung und Zweckmaͤßigkelt nubeitennbar iſt, folgt ſchon aus dem Begriff Gottes, Und der Art des Beweiſes, den Piato für dag Daſeyn Gottes gab. Hier unterſcheidet er zwey Punkte: den Satz, daß Gott die Welt gebildet hat und regieret, und die Art und rn wie kai srfihchen ift und gefchieheh Bb3 m Ueber ara ®. 301. 60 (Sin) apızos Tun arrıwmy. Politicus &. 30, uyrs av övw re Saw, Poovauvre Eayraı eyayrın sgePeiv aurav wospov), 302) Mir führen Hier die vornehmſten ——* an. maryp.zov mavrog Timaeus ©, 303, 325: mayryg Tim, S. 303, öypuovpyos - Tımacus S 309, 325. Sophilta 299. 6 Zuvesas ro mau Timaeus &.304. . anı5os Tuwy amıwy Vimıeus S. 307. arriog ns FoU dyv aoywy ms au Badikeus rum mavkuy Ci a- sylus 255: Bande; de Legib, X, ©. 106. Cratylus & 255. ogxwj de Legib, X. S. 109. Gratylus ©. 255. waryp ru Sewv Timaeus ©. 325. vwaus limacus S. 332. 339. Philebus ©, 248. vous Ba. cıkewvs Phiiebus ©. 24 Ä 390 Zweites Hauptſtuck. Sechſter Abſchnitt. Ueber den letzten Punkt haͤlt er nur wahrſcheinliche Vermu⸗ thungen, über dem erſten aber ein Wiſſen für möglich. 202). Mir betrachten beides hier nur ald Wirkung Gottes, umd Herfparen das Uebrige bie zu dem folgenden Abſchnitt. Da Gott das vollkommenſte Wefen ift, fo muß dag, mas er hervorbringt, das Vollkommenſte ſeyn. Das VBollloms menſte kann aber nur moͤglich werden durch ein Wirken nach ei⸗ nem vollkommenen Ideal und Zweck. Die Vorſtellung, nach welcher etwas anderes wirklich gemacht wird, iſt entweder die Vorſtellung eines in der Erfahrung gegebenen veraͤnder⸗ lichen, oder die Vorſtellung eines Odjectes, inſofern es nur durch die Vernunft gedacht wird, was alle Erfah⸗ rung uͤberſtelgt, unveraͤnderlich und nothwendig iſt. Von der letzten Art iſt das Ideal, nach welchem Gott bildete 3204). Dieſes Ideat iſt in Bott felb: Dem Das volfommenfte Wefen kann "bei Hervorbringung. andes zer Dinge nur ſich felbft zum Muſter nehmen, es muß andere Dinge, fo viel ald möglich, fich aͤhnlich machen. ‚Bott bildet alfo nach: feinen Ideen. Da aber nichts Bolls kommeneres gedacht werden fann, als Vernunft, und was der Vernunft angemeſſen iſt, fo folgt daraus, daß Gott nur vorftellende vernünftige Weſen hervorbringen, oder ‚Fe doch zum Hauptzweck dev ganzen — * | mu 803 Timaeus ©. 304» 345, 304) Timaus ©, 305» 303. 2 pev — Kalos ss de ö ROSS, oͤ 15 Öymavpyog naAog s: öyAoy, WE Moos TO aldıov (magaderypa) sßAerev.. ©, 302. oͤrou EV QUv av 6 Öyioupyos maos ro KATA TaUTa sx0v Plerwv ası, TOIDUTW rm MOOSXPWISvOg ragı- Ösıywarı myv 1öcav nal duvapuv amipyalyraı, Xa- Aov £5 avyaynys öyrug amorssıtaı mav. Phitofophie des Plato. 391 muß 35), Das deal der Gottheit iſt alfo nichts andere ' als die Idee von einem Spftem aller moͤglichen vorſtellen⸗ den Weſen, vorzuͤglich der vernuͤnftigen, welche durch Sittlichkeit Gott aͤhnlich und gluͤckſelig werden follen >), Das Böfe in der Welt kann nicht von’ Gott herruͤhren; e8 hat entweder eine ans dere Urſache ale Bott, oder es ift fein wirfs liches, nur fheinbares Boͤſes. Die Beſtrafung böfer Handlungen ift z. B. fein wirkliches Uebel, ſondern Ane Foige von Gottes Gerechtigkeit und zweckt anf etwas Gutes ;- die Beſſerung der Menfchen ab 39), | E Was Gott nach einem volfommenen Ideal gebildet bat, muß er auch erhalten, Er wäre nicht dag volfs kommene Wefen, wenn er das zu einem vollkommenen Ganzen gebildete vernichtet werden lieh. Er muß daher‘ alle und jede Theile des Ganzen, wenn fie auch noch fo. — BE 1 2 er 305) Timaeus &, 305, ayados w, ayadıo de N OLOEIS weg ovosvoc OLÖEMOTE gyyıylerau (Davos, rov- 7ov 0’ EnTog mV, mayra Or palıza eBouAygy yaygge Jar mapamiycıa Aurw. — Ayyıoanevo guy “ _ EUpISHEV ER Tv Hara Duo Öpariwy OVÖEV avo- y70ov ToV vouv eyovros dAoy dAoy Kal- Av 2085 9aı wor’ £o’yov, s 306) Timaeus &, 306, ovD Lu ara dw #aF Ev nau Kara yeuy Mapa, mavrwv OMOIOTaTQY „AUTW Ewa TIIwpev, Ta Yap dy Woyra.Qwa rayra EREVO £v caur mepıAaßov Est, Hasamsp Hö: Ö HOSOS huos, ‚00a TE alla Iosyuara quvesyng Öpa« Ta. FW yap rwy vogupevwv naklısw Kay KaTa wavpız melsw malıs’ auroy Isos OMgIWOaL BouAyIsyz, Gwoy &v barov, mavg’ don Kara Ouoiv aurov gu yyeun duo Evrog ExXov laurov Suvesyas. ©, 307, 326 3:7 367) Timaeus S. 303. de Republ, 11. ©. 251-253, "993 Zweites Hpuptfik, Sechſter Abſchuitt gering 'und klein find,. fo ordnen und beftimmen, als es der Zweck des Ganzen erfordert. Seine Weltregie rung (mpovara) erſtreckt fi) daher Über das ganze Uni⸗ verſum; auch das Kleinfte entgehet- feiner Vorſorge nicht, Dazu beſitzt er als das volllommenſte Werfen alle Eigen« (haften; Allwiſſenheit, Almaht, Güte, Wei Heit, und Überhaupt "die hoͤchſte ſittliche Voll⸗ kommenheit. Die Vernachlaͤßigung einer Sache rührt entweder von einem Unvermoͤgen, oder von Traͤgheit, oder Unwiſſenheit her. Alle dieſe Unvollkommenheiten ſind aus dem Weſen Gottes ausgeſchloſſen. Warum ſollte olfa Sort nicht auch für das Kleine forgen, da ohne das Kleine auch das Große nicht feyn fan, und, wie Dis Daumeifter fagen, ohne Fleine Steine die großen nicht fefle liegen >°®), Die Regierung des Ganzen und aller Theil⸗ deſſel⸗ Ken, iſt der Gottheit deſto leichter, da dazu feine neue Bildung, fondern nur eine beſtimmte Anordnung und Verfegung von einer Stelle zur andern noͤthig iſt, je nach⸗ dem e8 der hoͤchſte Zweck erfodert.- Dieſer Zweck beſtehet darin, daß in dem ganzen Univerfum die Tugend flege und die Untugend übermältiget werde und allgemeine Gluͤckſeligkeit herrſche = | ie 308). de Legibus X. &, 98-104, Timaeus ©. 3a 309) de Legibus x, 8. 106. raura waves Zumnöwu, EmyXaydaro mou HEiNEvoU Enagov Ti neqgery Yırıudav aperyv, Hrrwpevgy GE Maklav Ev 7 mar Mapeya palız“ av nd pass au apıza, @, 104. as de Asly9e men FoUrTg ara, ug yeve- u Evenm EREIWaL Yıyveral Maon, Ömwgy J rau waryzuz Aw Urapxaver eudarwy cvgta, DU, ivena Bew yıyyaneıy, Eu J ivena eneiy. — ** Be; tet des Plato. 393 Dle Menſchen zu noͤthigen, daß fie Gutes thun, Mt des⸗ wegen unmöglich, weil Gott der Seele Freiheit gab, das heißt, das Vermögen, daB Gute oder das Boͤſe zu wollen, und fich felbft dazu zu beflimmen. Gott beſtimmt -Aber jeder Seele ihre Stelle in dem Univerfum, je nach⸗ dem fie Gutes oder Boͤſes that, und lenkt alfo ‚auch boͤſe Handlungen zum Beſten des Ganzen. Dieſes iſt das Richteramt Gottes, dem fein Menfch entgehen fann, und wenn er auch in den verborgenfien Winkeln der Erde, oder In dem Himmel wäre; es wird nicht nur in dieſem, fondern quch in dem Fünftigen Leben ausgeübt: Daher darf man fich im der Webergeugung von der göttlichen Welt⸗ tegierung durch keine Erfahrungen von dem unverdienten Gluͤck der Boͤſen in diefem Leben Irre machen laſſen 310), Gott Handelt immer nad) einem und demfelben uns. veraͤuderlichen Geſetz , welches ex fich ſelbſt gegeben hat. Es iſt alſo ein thoͤrichter und unvernuͤnftiger Wahn, wenn Menſchen glauben, Gott koͤnne durch Gebet, Opfer und | Gefchenfe, bemogen werden, etwas von ſeiner Gerechtig⸗ | feit nachgulaffen, oder das Böfe ungeſtraft zu laſſen. Wenn Gott ſo handelte, fo waͤre er nicht dag vollkom⸗ inenfte Weſen, er wäre noch — als ein guter Regent oder Aufſeher unter. den Menſchen 37), 310) de Yegibus X. ©, 104- 108. — | Yevedauy TO (ray) maigu..Tıvag a Pyne rois BauAyag- av Eraguy JMwv Tas qurias. Ömy ap av ERLUMYE xar oroiocg Tıg mV TV Yuxav Tayıy oXedor Erle GUTE HL TOIOVTOS VVSTAS Ama yuwy tus FO moÄL, | de Repsbly X. S. 380: agery ds adeamoroy, 5 Tıuay Kar —R mÄsov xaı eÄaTToy aurıg ecnacos fGE. MUTIE EAopevavı GES avayrıgsı. gr 313) de Legib, X, S. 109. ſeq. de Republ 4 S. ca 423» ’ * - 394 ¶ Zweites Hauptſtuͤk. Secheter Abſchnitt. ur ‚IV, Teen “u | Kosmologie . Die Welt iſt der Inbegriff aller wirkllch exiftlrenden Weſen, der veraͤnderlichen und der unveraͤnderlichen, der Koͤrper und Seelen, die Gottheit ausgenommen. Plato bezeichnet fie daher auch mit den Ausdruͤcken: das Ganze (6Xov) das Univerfum (mav) 32), Pato betrachtet nun die Welt als das Product der Natur und der Intelligenz, und verfolgte den Weg mei ter, welchen vor ihm Anaxagoras und Sokrates betreten Batte, Der Legte zog Bloß die zweckmaͤßige Einrichtung, porzüglich des Menfhen in Betrachtung; der Erſte nahm zwar auch eine Intelligenz als Urſache der erſten Bewegung und Abſonderung der hantifhen Materie an, ließ aber hernach alles durch mechaniſche Urſachen bewirkt merden. Plato glaubte, die Vereinigung beider Urſachen ſey nothwen⸗ dig zur befriedigenden Erklaͤrung des Weltalls. Die Er— fklaͤrung aus bloß mechaniſchen Urſachen that der Vernunft keln Genuͤge, weil dieſe immer nur bedingt find, und nie auf ein abſolutes Letztes hinfuͤhren; und weil aus ihnen nicht Die Ordnung und Zweckmaͤßigkeit der Natur erklaͤr⸗ J ft. Die Unkunde in den meiſten Naturgeſetzen / achte, daB man viele Erſcheinungen nicht anders als permittelſt des Einfluſſes eines denkenden Weſens begreifs Ach fand. Es zeigte auch von einem Foriſchritt der Ver⸗ nunft/, daß fie zwiſchen den Erſcheinungen dev m u ee un In ‚Sophie 8.266, Timseus ©. 437: Philsbus ©, 244-247. Politicus S. 30 38, de Repunblica VII, ©, 158. 159, Ti maeus S. 392. Die Benennung vospog leitet Pla 90 daher, weil bie Welt ein nach Gefegen beftimm- 168 wohlgeorduetes Ganze fey, Gorgias ©. 132 L) -Blofoie! des Plato. „a24 und der — Noatur eine zu große Kluft band,. ale daß fie aus der erfien die legte zu erklären wagte, Die Welt aus Zwecken .einer Intelligenz allein zu erflären, ging auch nicht an, weil ein Stoff vorhanden feyn muß, ‚an welchem die Intelligenz ihre bildende Kraft äußert. Plato nahm alfo zur Erklärung oder, Welt, ſowohl Natur⸗ urſachen als eine Cauſalitaͤt nad) Zwecken an, welche die erſten leltet und beſtimmt 3), Seine Theorie yon der Bildung der Welt fann nur erft dadurch vollfommen deutlih werden, daß wir feine Begriffe von. den beiden Arten von Weſen aus welchen die Welt beſteht, den Koͤrper und Seelen, naͤher entwickeln. Daß die Körper etwas zuſammengeſetztes, z. B. aus Erde, Waſſer, Luft, Feuer, beftchendes find, ift eine gemeine Beobachtung. Allein diefe Beftandtheile find noch nicht die letzten, in melche man Körper auflöfen kann, = fondern Feuer, Luft, Waſſer, Erde, find ebenfalls etwaß Zufammengefegted, alfo noch immer Körper 314), Dag allgemeine Merkmal eines Körpers iſt die Ausdehnung nach drei Dimenfionen (a805) und dag Solide, Undurch⸗ dringliche (geosav), Das Undurchdringlihe muß nah allen drei Dimenfionen begrenzt ſeyn, dag heißt, eine. gewiſſe Figur haben. , Die Sigur und die U usdeh⸗ nung, oder ein Srnitie a ift dag Be⸗ 313) Phaedo S. 217-.222, Sophifla S. 299, 300. Tımaeus-& 339. Tpeayeuy Yap owy 4 TOVÖE TE (rov) KOgMDU "yevaaıg ££ avay⸗ Ryi TE Kal von ducaoug uyꝰy. S. 309; re 358 Epinomis: ©: 37% Ä 314) Philebus S. 245 246. Tipinsıe, 340, 351. ‚mug amı yy Rau DÖWP Hal ayg ÖF} o · Mara z5ı ÖyAoy mou no mayrı. | 3 396 aus Haupefüd, Sechſter Abſchnitt. Weſen des Kötpers AB), Die Begrenzung durch mathematiſche Figuren betrachtet Plato als die Form des Körpers uͤberhaupt. Da die mathematiſchen Figuren aber reine Begriffe, und in dem Verftandesvermögen enthalten: fihd, fo muß noch etwas binzufommen, wenn ein wirkll⸗ cher Körper werden fol, und dieſes iſt das zu Begren⸗ zende , was alſo in ſich die Begrenzung nicht hat, daß Grengenlofe Cameıpov);. dieſes if ‚aber das Dichte (segeov‘) >16), Da die Form und die Materie der Koͤr⸗ per unterfhleden, die Form aber urſpruͤnglich in dem Verſtandesvermoͤgen enthalten iſt, ſo liegt ſchon darin die Moͤslichkeit; mie fi H Plato die Vireinigung beider," wo⸗ durch ein Körper entſteht, alg etwas Geſchehenes, welches eine Urſache vorausſetzt, denken fonnte. Indem Plato an den Körpern von aller Form, d. h. von aller beſtimmten Geſtalt und Begrenzung, von Farbe, von allen wahrnehmbaren Eigenſchaften abftrabirte, kam „a auf den. Br der Materie (vAy) m) "Denn alles ‚ die⸗ 315) Timasus ©. ELZE v0 0: rou swnaros ıöog ‚may au Bagos exe. ro bs Basaz av, gaca avaryıy 7yv emimsdou megisilyQsvaı Ovou. ik: publi- ", ca Vil. & 154, 155, Menp ©. 339. a IT a yap mavras. OXAATOO TOUTO Aeyw, 5 0 TO G£- psov megaveı, Tour’ £ıvar Oyyaa. Omep av duAda- » Buy al — v0 oxm Evan 316) © 357. 350% a | 319 Timaous . 346. do vx mov es a rou nai mavras sCHyrav yrspa no Umoöoxyh, yrs y9 MTE Ego, KyTE mup, pre Döwg Asywpev, Kyre edel en Tovrwv, Myre &d auraurayeyoveu aÄA adpa- av töas Te Hay aaaop. maväsges, MeRahajBavay ös «rogtvrara m PO voyrdu na Qusalwräroy avro ! Ar- „. Philofophie.des- Plate, 397 dieſes wechſelt an jedem Körper, und er wird alfo immer von neuen gebildet und beflimmt, er iſt immer im Werden, Gaͤbe es nun nicht auch Etwas Bleibendes, fo fünnte man gar nicht. fogen, daß er verändert würde. Dieſes Bleidende nun-if die-Materie; durch welche ein Körper, bei allem Veraͤnderlichen dod immer Etwas it Man ſtelle ſich z. B. eine Maffe von. Gold vor, melde von einem Kuͤnſtler, bald in diefe, bald in jene Form gegoffen mürde, Während diefer Ummandlung kann man nicht fagen: dieſes ift ‚ein Dreieck, oder Viereck; aber mit Wahrheit Fann man fagen: es IE Gold 39), Dazu kommt Asyoyres, ou Weumonsde. &, 345, Phälebus ©. 233-239. Der Ausdruck 0% zur Bezeichnung der Materie rührt zwar nicht vom Plato her, aber er hat doch diefen Gebrauch des Worts zuarft ver anlaft. Timacus ©, 385: ör’ ouv dy ma-vuv dia Texrocıy Juıy vAy mapansıral Ta Tuv arıwv yem ÖrbAagmevaz - EL: wvroV erikor mov Aoyov ösı ZuvuDavdyvar, makıv er Koyyv avsl- Iwpsv dia Bpaxswv. So mie die Zimmerleute das Holz verarbeiten, ſo bildet der Demiusg aus der Materie die fihtbaren Gegenftände, : Das Bild war paffend. Die folgenden Philofopsen, und fhen Ariſtoteles brauchten das Wort Ay für Marie, aber die erfte bildliche Bedeutung verlor ſich immer mehr, Wie wichtig diefe Entdeckung ſchien, ſiehet man aus Plutarch, de oraculor. defe- ctu S. 414. - zu pev Asyouom os Aeyovreg, Fe TDMarwv ro raus xoevois MUTIG UROHEIMEVOY FOX SIOV- eSeugwv, 6 vuv uAyv naı Guow xalaucı, waklwv ammAAade na — amopuuy Tous Guka« - Ä 00oDous, ‚ 318) Timaeus. S. 343. su o de emodusva e?aa · (5a, ayruv. Pavragsraı, ar maAıy enEIdEV aroAAU- rat f ‘ — 398 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. kommt noch, daß die Materie als Stoff betrachtet wird, der gebildet werden ſoll. Jeder Stoff laͤßt ſich aber dann am beſten bilden, wenn er noch ganz ungebildet iſt, noch gar feine Form erhalten Hat 39), Diefe Materie, abftrahire von aller Form, fann nun überhaupt bloß ald etwas Vieles, Mannidhfaltis ges gedacht werden, von-weldem Fein Theil. der größte, fein Theil der Fleinfte iſt, welches alfo ind Unendlihe vermehrt und verrin» gert werden fann, ohne an eine Grenze zu fommen- Denn wenn wir ung auch dag Kleinfte das von ih Sedanfen vorftellen, fo muß es doch noch Viels heit (mAy9os) ſeyn, meil es feine Form hat, wodurch es als Eins (ein begrenztes Ding) ‚vorgeftellt werden koͤnnte. — Eben fo muß es ohne Grad gedacht wer⸗ den ;- dern hätte es diefen, fo wäre es begrenzt, beſtimmt. Es fann alio überhaupt nur gedacht werden, als etwag, Das fih ohne Grenzen vergrößern, verkleis nern, vermehren, vermindern läßh Ara pie Cov, inporspov, TO amsıpov ) * | Uns / Mal, MOYDV EHEIVD OD MODLayDDEUEIV Tiv TE TOUTO xai Ti TODE MODSYpWMEvVOUS 0voMarı. S. 344 319) Timaeus ©, 345. voysaı re, Ws oux av alu; ERTUmWMaTOg 2085901 peAdovras LÖEIV MOIKI- Aou raooc momıÄıaz Tour AUTO, su W EXTUMOUME- vov svicaraı, yevorr' av MOpEONEUASENOV EU, any aopPov ov sneivwv amadwy TWV ıbEwV, öoacç pnsAAsı Ösxestarwodsv. 320) Philebus &. 233-239. ası de ye Qayısy, cire Tim Wuxporspw na Seouorepw To maAAov TE Kar HrToV Ev — ası ToIvuv Ö AOyos Yiuv Oymauven, rourw u reAos exe. ateiy ö' ovTE Öymou mavra- Mür Philoſophie des Par, 3:99 Ungeachtet aber die urfprüngliche Materie ohne alle Qualitäten gedacht wird, ‚fo folge dennoch nicht-daraug, daß in br gar feine Verſchiedenartigkeit ftatt findet, Es ift vielmehr gedenkbar, daß die urfprüngliche Materie vers ſchiedenartige Stoffe enthalte, weil aus Ihe verfähiedens artige Körper gebildet werden. Und fo denkt ſich auch Plato wirklich die Sache. Die Materie, fagt er., mar zwar weder Feuer, noch Luft, mod Erde, noch Waſſer. Denn ohne Verbindung mit beftimmten Formen läßt fi davon nichts erkennen und unterſcheiden; aber gemiffe Sputen von; diefen Elementen waren vorhanden; dies kann nichts anders heiffen, als gemifje verfchiedene Stoffe waren da, denen nichts als ihre Foım fehlte, damit Zeuer, - Luft, u. fe m. wirklich daraus würde *). | — ER Dieſe raow amsıgw yuyvesdov. S. 237. mooIss: öy Ey- gOTEpOV xaı ÜYpoTEEDy aurox:, war. mÄsoy Hat'sÄar- mov, xaı Jarrov xaı Poaöurepov, zol-MEılov ‚Hal GMIKEOTENOYV, aa 0moda Ev mw mbosFEv mys To.maAkoy Öe au jrrov sxoneunk. ErIJEpLEV sis &v Qvosw, Parmenides 8, 14% Ari- ftoteles Phyficor.L c. 4. gmeg To pE- ya Oyoı y 6Tllarwv xaı To mingov, mÄyv Or Ö per raura mol vAyy, To ös &v ro aıiöos. Metaphy- fic, !, 6. Plato braucht nicht den Ausdruck To MEy&, pingav tie Ariſtoteles hier fagt, fondern psrlov pungorspoy, welche Comparativen vlel beffer das Grenzenlofe ausdruͤcken. Auch irrt ſich Ariſtote⸗ les Phyſicor. III, c. 6. werner ſagt: zwei »oı Tllarwv er Touro areiga Övo smoiysev, orı xaı emı Tyv aufyv dont DmspßaAleıv nas &ı5 atreıaoV JEVOL,. HaL EMI TYV KaJaıpsdin . 321) Timaeus ©, 351. core Ö’ gmexeipero wu peissau To rav, muo rvi⸗ Toy na 'yyv, Kal asha was \ LÖW ) — 40 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. Dieſe Materlen erfüllen den Raum 322). Denn der Kaum iſt ſo menig als die Zeit entſtanden. Alles ‚maß if, außer den Ideen und den Dingen an ſich, muß lirvxgendwo feyn, alfo auch die Materie... Ohne Kaum fönnte die Materie auch nicht in Bewegung ſeyn, wie doc, Plato annahm. Raum und Materie fönhen fo we⸗ nig ohne einander gedacht werden, daß ſogar Plato nach der gewoͤhnlichen Meinung deshalb die letzte mit dem erſten verwechſelt, und die Materie, weil ſie den Raum erfüllt, überhaupt für den Raum, in welchem etwas ift, hält, In dieſer Ruͤckſicht verdient auch Plato den Tadel. des Ariſtoteles >?* b). Indeſſen darf man nicht vergeſſen, daß Döwp, Ivy MeV eXovr& auruy artd, Malramacı pop Öarzımeva, Wwsmep EIRog EXEIV Kmav, Orav ary mas Iso S. 386: TOTE vog oure Tour 0009 u TUXys TI METENEV. ours TO mapamav 0v0- padaı. Twv. vuv ovomalomsviy aBtoAoyov röcv, Snimep na böwp naı rı rwv allım. ©. 350% Arifkoteles de generat, et corrupt. I, cr 322) Timaeus ©, 350. Er * xai Xcogau raus 7a akla allıy ıoyav, wo xaı To mav EZ auriwy dianocuyꝰ ev vevecſꝰal — 0V TE Kal Xlupav na YE- very &uvdu, role Torf, Kal mov ÖVgavov Yevegtar "322 b) Ariftoteles. Phyficor. IV, cu 2, ze Ös roıdurov yı NUR nu TO aopisov‘ ürau ‘yap aPaı- be9y To mepas nor Ta. mady zu abarpag Asımeras BuÖcv mapa rw uw. dio aaı 6 Hlarwv Mν Kal Try Xapav TO auto (Pyav zıvar zv rw Tina Fb Yap neraÄymritov Has yuugav Sy naı Taurov. aAkav be Toonov eneb Te Asywv To neraÄymrixod nur ey Toıs Keyopievas aypa@oıs Öeypaomz Opus TOV romov Ha TyV Kuyay To avuro ameliyvarı: y ' * Philoſophie des Bla, wur 401 ſich * deutlich über den — —— bat, und es waͤre daher doch vieleicht möglich; daß er einen andern "Begriff davon gehabt hätte. Erhellet daB nicht ſchon daraus, daß er bie Materie, ehe ſte gebildet mors den, fih in dem Raum bewegen läßt, und daß in det ——— Welt durch die Schwerkraft alles zuſammen⸗ gedraͤn nt‘ Wird daß kein leerer Raum —— — übrig bleibe 33)? Sollte ein Philsſoph, der dem leeren nnd erfüllten Raum, der Kaum und die Materie, "die ſich in demſelben beweget, unterſcheidet, ſich ſo ſeht Dergeffen haben,‘ daß er Materie und Raum wieder ‚idengificirre 2 Das laͤht fich kaum denken. Wir muͤſſen uns alſo nach einer : anderen Erklaͤrung umfehen, aus reihen. zuglelch jene Deutung: begreiflih mind. Die Materie: ift nehmlich das Subfa natelle des ganzen Koͤrperwelt, in welchem alle Accidenzieniinhäriven, €8 giebt ihnen gleichfam einen Ort, an welchem fie haften und wechſeln können. Es iſt nur in Beziehung auf Die dorm⸗ welche mit der "Materie verbunden wird‘, der Det, oder um ung‘ der“ agnen Worte des Dpiteföphen zu bedienen, bag Aufnehmende, der Behälter der —* en Mr Hletmit ‚kann es nun. wohl beſte⸗ — * er Bi u. sen, 323) —— e. 3 + Tov- ravroc — Fu) ovumegıehaßt ma sun, wunÄoreoN: 0u06, ao MODS duryv meDursa BoulssIar Euvisvau, oDiy« ya marra um MEvyV Kwgay eudepıer sa Asımasdaı Vergl. S. 407. Hoan 324) Timaeus ©. 1485 349, — —X ‚vos 6v 7o * Kupas , ‚as PIogav'eu MOOSdEXDNE- „vov, Eögav & de mapeyov üda Eye erron raou. Ge _ 344. & autos öy Aoyoz ai mepı 1% Ta mavra Öe- xosevg Oupara Dugsws" rau⁊o —V——— — 7cxov Tennemanns Geſchicht⸗ ni X ee “ 402 Zweites Hauptſiic. Sechſer Abſchnitt. ben, daß die Materie fuͤr ih, im Raum, —5* von dem felben verſchieden iſt; der Philoſoph ſchließt dieſe Ruͤckſicht nicht aus, aber er ziehet nicht ſowohl den Raum), als das in dem ‚Kaum. befintliche ‚Eupflanzielle | in DBetragt, und zwar in. Verhältniß zur Form Wenn man die Ruͤckficht uberſah ſo mußte man nothwendig anf.den Ge⸗ danfen fommen, dab Platd Materie und Kaum für Ein Halte. ‚Es erhellet daraus, daß Plato den Degrif Raum nicht weiter erörtert hat... — uebrigens beweiſt Plato darin wahre —— Nuͤchternheit, daß er die Materie ſo wenig als den Raum entſtehen? laͤhßt. Beide find von Ewigkeit, fo wie die Form. Nur die Verbindung beider hat einen Urſprung in’ ver Zeit, Auch kann die Materie nicht “per ‚werden Ei, Die Materie ift urſpruͤnglich in beſtaͤndiger Dany gung, eben weil. fie aus verſchledenen Stoffen beſeh Die verwandten Stoffe ziehen einander an, die heterogenen ſtohen einander zuruͤck. Es entſteht daraus eine Art von Bewegung, wie diejenige MR wenn das Getraide gerür felt wird, fr daß das Leichte einen andern Dre eitininmt' als dag Schwere. Die Bewegung bar alfo auch fein Anfang genommen 5 fie war aber urfprünglicy gelegt; und nn Sejegmäßtgfeit, Ordnung und * rrov. ER yag m daury Tomapamay oun Ehe mai, Övvaneuy. dexeran TE yap as Ta. mayra, ı popPyv Öp ‚ıAyDev ovöanıy oudanug. "enjarysoy ap Qu , MaVTLMEITAL, KIVOUMEVOV. TE Kal ———— öro Tuy EIHOVrWV. 325). Timacus S. 348: 3:0, Nur Mhtlofophie.des Plato... 403 monie iſt nur Wirkung der Vernunft. 77°), Die Materie muß alſo nicht nur als rohe ungebtldete Maffe, - fondern: au) als regellds wirkende Bewegkraft ‚gedacht werden. | N Eee i Der zwelte Beftandtheil ber Körper ift die Form, (E05) oder die Beſtemmung des unberimme sen Mannichfaltigen. Plato verflcht alfo darun⸗ ter thell$ die Begrenzung der todten Maffe der Materie, theils die Beſtimmung der Bewegung durch gewiſſe Gefege 3”), 2, Daskeın Körper ohne beſtimmte Figur, wodurch bla Marörie als etwas Begrenztes im Raume angeſchauet wird, gedacht werden kann, alle geometriſche Flguren, aber weine Begriffe ſind, fo dachte ſich Plato die Materie urfprünglic als etwas Unbegrenztes, die Figur aber als etwas Hinzugekommenes. Die Form aller Körper zu be⸗ ſtimmen; woaͤre etwas Unndthiges und ſelbſt Unendliches geweſen, da dieſelbe ſo ſehr zufällig, veraͤnderlich und man⸗ nichfaitig iſt. Der Philoſoph ſucht vielmehr nur, ſo wie die Grundſtoffe der Naturforſcher, die Grundformen aller Körper gu entdecken. — Feuer, Luft, men 326) Timaeus ©, 350. dia de mo jny9° dnarey . Övvapewy up’ — —— der aurog ıGopoOrswV, AN aymadiz Mirry man ". Aavroupenp, (Geiz dar pev Dom Iremıd auryl, Mıyou- pevyv Ö au malıy. ersiva Os, — ar To MeV 64 md TOVTOU Mara Taura SyEiv aÄOyYaS Has AmETgRC 5. 2 & 386. Pouticus S. 373 IB ni 327) Philbeb us S. 327. — ev, mo idov nai igotna, Merk de To ioov mo,örkÄatiou Hog may 4 904 Zweites Hauptſtück. Sechter Abſchnitt. Erde, feine Elemente find, fo find fie doch Grundkoͤrper, aus welchen alle andere zufammengefegt find. Eben fo viele Grundſtoffe ſcheint auch Plato im der urfprünglichen Materie angenommen zu haben, Daher muß es auch vier verſchiedene Girundformen geben. Und da die Erfahrung lehrt, daß dieſe, Materien fich in einander verwandeln, fo nahm auch Plato darauf Ruͤckſicht. Da alle geomefrifchen Figuren ſich auf Triangel zuruͤckfuͤhren laffen, ſo wird das Dreleck als das Princip der Form des Körpers ange⸗ ſehen. Aus dem gleichſeitigen und ungleichſeitigen Dreieck werden vier mathematiſche Koͤrper der Kubus, die Pyra⸗ ide, das Octaedrum und Ikoſaedrum, als die Form der Erde, des Feuers, der Luft und des Waſſers abgeleitetl, welche an ſich fo klein find, daß fie nicht wahrgenommen werden koͤnnen. Durch, Verbindung mehrerer euntſteht erſt ein Aggregat (oytos), welches Gegenftand der Sinne in 3). Plato fuchte auch die Nochmwendigfeit der vier Eiementarkörper aus Gründen zu deduciren, welches aber freilich” nicht gelingen konnte. Alles mas entftanden ift, muß ſichtbar und empfindbar ſeyn. Das: erfie iſt ohne Feuer / und das zweite ohne etwas dichtes , Erde nicht moͤglich. Dieſe zwel Körper koͤnnen aber ohne einen dritten nicht beſtehen, durch welchen eine geomelriſche Proportlon entſteht. Da aber ein Koͤrper nicht blos aus Flaͤchen, ſondern aus einer Grundflaͤche und Hoͤhe beſte⸗ het, ſo muͤſſen hler zwei mittlere Proportionalglieder ſeyn/ alſo Waſſer und Luft die Proportlon zwiſchen Feuer und al Er⸗ ⸗ Li , 328) Meno.®. 339. Timaeus © 351. öre Ö’ smexzıpsTo KoguexIar TO May, MU MOLWTOV, Kal my, Hd asp,“ Man DÖWp, gyy MEV EXOITE aUTUV ‚arte, ara kyV ÖLOHEIMEUN, werweQ EINOS eye mans: Örav army rıvos‘ Heog, curw Ös TOTE eOuudra Tabroa, MpWTOV ÜLOXYHATIIATO cideoi nos angehen. - Philoſophie des Plato. 4075 Erde vollenden 327). Wir halten uns: dabel nicht auf, weil alle diefe Dogmen, weiter verfolgt, ung in die Phyſik . abführen, aud überhaupt nicht Fehr dehtlih, fondern mehr rhapſodiſtiſch abgehandelt find, ; + Die Form in Anfehung der Kräfte und der Bewe⸗ gung it Ordnung, Kegelmäßtgfeit, Harmo⸗ nie. Durch fie iſt die Größe, die Beſtandtheile, dag Verhältniß der Körper zu einander, die Richtung der Kräfte, das Maaß der Bewegung abgeniefien, daß Die Körper neben einander befichen, und ein Ganzes aus⸗ machen 33°), Alles, mag noch einer Regel geſchiehet, auf eine beffimmte Ordnung, oder auf Zwecke hinweiſt, ‚gehört zur Form. Dieſes leitet Plato nicht aus der Mas tere, nicht aus den in bderfelben inhaͤrirenden Kräften, - fondern von -einer Intelligenz ber, welche auf diefe Axt die Materie geordnet und gebildet Hat, Die Entftehungss 3 art 329) Timaecus ©, 307. Uebrigens nahm Plato nur in feinen populären Schriften ‚vier, zuweilen aber, wie Epinomis &. 253 fünf, in feinen Sraupegsa: aber nue drel Elementarkörper an, wie Ariltoteles de generatione et cor- rupt. II. c. 2, berichtet, 70 yap nsaov Calfo viel en leicht Waſſer und Luft) puy more. 330) Timaeus ©, 358. xau öy ra rw. avat- yıwy mo TE Ta mÄyIy nu Tas KEVyOEIS, za Tas alkas Öuvapsıs mavrayy.rev Icov, umy mp 4 Tg avaryayg Enouoa meısIE0a re Duoig Umsice, » - Tavry ravry di axpıßsiag amorsAe0ßsı- "OWV LM aurou, - Guvyopas9aı raura ayakoyov S. 385., 386. ravre arauriug eyovra 6 950g sv Ena- sw TE AuTw maog Äuro war mp0S ardyla gunpergiag evcroijosu, 00a5 TE nai — dvrarov p avaloya Ka — civai. ' 406 Zweites Haunptftäd. Sechſtet Abſchnitt. art diefer Idee iſt nicht ſchwer zu entdecken. Der erſte Grund liege (dom in der Ideenlehre. As urſprungliche Begriffe der Vernunft gedacht „. unter welche aͤußere Dbs jecte fubfumirt werden, „hätten. fie, ſchloß Plato, . ihre Anwendbarkeit und Beziehung auf Obiecte nur dadurch ‚ bekommen, daß die Döjecte nad Ihnen von der hoͤchſten Intelligenz gebildet worden. Zweitens. Geſetze, Regein, Haͤrmonie, ſchienen ihm bloß aus der Thaͤtigkeit einer Vernunft erklaͤrbar zu ſeyn. Das Selbſtbewußtſeyn über: zeugt ung von der Function der Vernunft, für ung ſelbſt geſetzgebend zu ſeyn; Geſetze koͤnnen mir nur durch Ver nunft denkenz alles dieſes beguͤnſtiget jene Ableitung. *4. Mur verfaͤhrt Plato ſelbſt nicht darin conſequent, Daß er doch ſchon gewiſſe Naturgeſetze vor der Bilsung der Mas Merle annimmt. Denmer fagt: die Dichten und ſchweren "Theile bervegrin. fi an einen andern Drt, als Die leichten und lodern 33). Die Materie ift uefprünglich ohne Form, dieſe wird ‚Ihre mitgetbeilt, 75 Daher wird die Materie ald dag Em: Pfangende, als das Subſtrat der Form betrachtet, Daher. die figürlichen Ausdruͤcke: Mutter. Amme, (pr TR > Ti9yug, TO MavasxEs, mo ÄEgEVOV ). Durd die Bildung der Materie wird der Form ein wirklicher Gegen fand gegeben , ‚oder 1 wile er ſich ausdruͤckt, es entſteht ‚ein Bild, Kopie, (sun) von der Form. Daher muß etwas feyn, an dem das Bild hervorgebracht wird, das ift, das im Kaum befindliche (4 xwea), der Stoff, ne Dag einige Prävicat, was der Mäteri un 339 Epinomis &, 254. nara Tayura vag ai xat daavru⸗ *oovopierou aci. Mat xoiuu Mar Ta oxov. 7snjanoiv lnavou Tau Oporiacuc 3 “ Kap ige © 256, 257 332) Timaeus ©. 350, | pbilolophi⸗ des Plate | ET, unveränberlid mutommt iR, daß fie die Som ans nimm | Die aus Materie und Form beftehenden Kbrper find ihrir Natur nad oeränderlich: · Jeder Koͤrper iſt ein Ag⸗ gregat foyxos) von mehreren kleinen, nicht wahrnehm · baren Elementarthellen, welche ſich in Anſehung der Größe, Beſchaffenheit und Verbindung veraͤndern. Bei allen innern und äußern Veraͤnderungen, ( Bewegung, Zus nahme, Abnahme, Entſtehen, Vergehen) wird die Iden⸗ titaͤt des Körpers vorausgeſetzt; denn man könnte nicht ſagen, daß er zunehme oder abnehme, wenn er nicht mehr derſelbe Koͤrper iſt. Ein Koͤrper iſt aber ſo lange derſelbe, als ſein beſtimmtes Weſen dauert, das heißt, ſo lange die Beſtandtheile, welche zu einer Art und Gattung gehoͤren, mit der ihnen zukommenden Form in einem Aggregat ans getroffen werden. Es fann ſeyn, dab ſich Theile von der Maffe trennen, andere verbinden, daß fich die Quan⸗ tität oder die Geſtalt des Zuſammengeſetzten ändert; es iſt aber noch derfelde Körper, wenn diefelbe auf einerlei Art geformte Materie vorhanden, und die Anzahl derſelben Elementartheile uͤberwiegend iſt. Die Form des Mate⸗ vielen iſt alſo die Urſache der Beharrlichkeit der Koͤrper; Cc.4 denn — — | 333) Timaeus S. 350; — To &u gi yeyveran, ©. 349. 70 Ts yoga "yevos Lögay mapeyov" oᷣco BR ze Yevsam maaıv. ©, 343, 344. ennaytiov yap "Ouosı mayrı REIT, KIVOLEVOV TE Ra ÖKO yMarı- _gopevav Dmo rwv sımovrws. ©. 349." srkörı Men, = EmeimEg ovdð avro rouro ED’ W yeyovev, Tavayg esıv, _ Eregad” ds rıvas ası Dsperas Payrasuıa, "dia Tavra ev ETEOW mOOSREL TIvE yıyysda. ©, 345, 344: raurov avryv asr mobsoyreov‘ Ex Yap mus Eaurys To | magamav DuR cigeto dvrauctes, dexera⸗ TE Yon * atı Ta Kayra, — l 408 Pen Haupefiü. Seaſi Abſchnite. denn ohne dieſe tonnte man nicht Etwas 7 Waſſer Luft „u. ſa w. nennen 339)... Den Körpern und Seelen kommt. Kraft —RX „aber anders iſt ſie in Körpern ,: anders in Seelen. Dieſen Uns —2 muͤſſen wir jetzt naͤher entwickeln. Seele iſt uͤberhaupt dasjenige, was den Grund des Lebens euthält. Leben legt man demjenigen bei, was in ſich ſelbſt den Grund: ſeines Wirkens hat (ro &auro nivem).-, Seele ift alſo nichts anders, als eine abfoluse- Kraft, oder eine urfprünglide Caufalität, (wer yevenız. y uygag) 39) Selbſtthaͤtigkeit oder Spontansutät-ift.alfo der Charakter, wodurch Plato Kör per und Seele unterſcheidet; aber er verſtehet nicht alle zeit eine Ihätigfeit nad Vorſtellungen darunter, fondern nur eine ſolche, die nicht von einer andern Kraft, abgelel⸗ get iſt, mit einem Wort, jede Grundfraft (ag%). Daher. kommt es,daß fein Begriff von Seele eine viel ‚größere Sphäre hat, ald nah unferm Sprachgebrauch. Denn nicht nur den Pflanzen, fondern auch felbft der Mu terie wird cine Seele beigelegt; die Bewegung der Plans —A a Et tg 23 ‚ur 334) Timaeus ©, 344, 345. de Legib. X, Ä &.83, 84. Timacus S. 43% .339).de Legib. X. 8.97. 99. 6.89 Yon ‚ Ovvgpa, Fig rourgu Aayos;. ‚EXOEV adlov, ai =, Tav Yuv, öy gydeura; Tv Euvapueugy auryv kuryv xı- 20 DEIN RU — # D' . 55 FONTO ÖVTWg £X0Y, apa 80, woFounev pr Imavinz ösösySar, Yuxv rauro⸗ „, 09 Kal Tyv FORT YeyEOıV, Kaı Kıvgdım. Twy TE ovrur xaoi yEyoyorwu Hal EOQMEYYy, Ka MauTWwv au Tu Eyayrıwy. robroig: sm&ög Ye avedayy neraßoAyg re RO HA ‚yaew; Amranyz aırıa nadı; — Qur. aa ina- vwrara Ösösnres \yuXy Tv mavTWV ‚wossßurar Yevapsvy TE agxy nivyosvs Phaedrus ©. 318 —— 2 Philoſophie des Plate. £ 499 ten, infofern fie nach feinem Vaturgeſet erklaͤrt werden konnte, betrachtet er als die Wirkung einer Seele.“ "In dem engein Sinne it Seele eine Eaufalität ‚nach Vorel- Kurt ir — —8 die Denffraft. ” Dileſe Bedeutungen muß man oft —— Denn P ato bedient ſich bald der einen, bald de andern, je nachdem es feine Gedankenrelhe etfordert; juwellen ver⸗ bindet er beide. Auf „diefe Art entwickelt \er’ den’ Auter⸗ ſchied zwiſchen Koͤrper und Seele. Der Sri) ſagt er, fommt ju daß unfiätbärfepn) dag Erfenntn, das Bilden und nah Zwecken wirfe 17 dem Kor⸗ per "aber das Sicht barſehn, das SGebildetwer⸗ den, das Werden. Die Seele iſt eihe felöſtſtaͤn⸗ dige abſolute Kraft‘ Capxy); die Körper haben nur bedingte Kräfte; die Seele iſt veſtlmmend, der | Körper dag Beftimmbare; bie Seele ift die (leute) - Urſache aller Veraͤnderungen, ber Koöͤrper IR die Ur faͤch e von keiner Veraͤnberung 336), Es erhellet / darau daß Plato mie‘ dieſen Brgriffen ſehr ſchwankend war. Ex betrachtet zuwellen die ‚Körpers welt als eine todte Maſſe, vohne alle Kraft: In dieſem ‚Sinne -entfpringt alfo alles Wirken, alles Leben, zuletzt | aus einer Seele. Ben man aber den rät Sort ’ > „er 5 u +30. Epinomis, ©. 392. rouro ns 7— Wo⸗ Days "yevos) —S— Hal dmaovgyer oogy · —— GWMaTı AsyopEv mAarres2or nai yıyveg- Sal mar bpasgar: mw bE — aoparıw TE 'EIvar Hat yıyywgnovri, vayrın re. ©. 257. daDepew ös \yu- XP — euPpoy ev mou, 70 Ö8 a@gpov 9y- sone agꝙ xou PA 7b de obxopevoi "Ada Ta ev Alr nNov Amavrwy, ”o ds ayarrıov . 4; 40 Zweites :Hauptſtüch Sechſier Abſchnitt. Moser, verfolgt , „fo IR. die Seele auch. wieder nichts als bie nefprünglihe Kraft, welche in. der. Materie enthalten ift, Dahen -ifk er auch genoͤthiget einen Unterſchied zwiſchen der vernuͤnftigen und. unpernünftigen Seele nehmen. . Die letzte iſt nichts anders als phyſi ſche gan t, melhe, geſetzlos wird; die erſte, die nad) Geſetzen durch eine Vernunft beſtimmte und geregelte. Kraft , oder das ‚Bernunftmefen felbit 37). „KB. Mt indeffen nicht ſhwer, dleſe Inconfequeng zu ‚eatlären, und den Ideengang des Plato zu verfolgen. Die ‚Spontaneität twonpn ung, unfer Selbſidewußtfeyn über; zeugt / wurde den dem Plato als Hauptcharakter der Seele gedocht wodurch fie ſich von andern Kräften unter» ſheidet ohne damit den zweiten Eharakter, Votſtellungs⸗ ‚kraft. ‚jederzeit. zu. berbinden.- Jede Wirkung nun, die ‚ihren Grund in, einem Objecte hat, und nicht aug einer „ondern. exHärt, werden fann,. bat eine Aehnlichkeit mit der Aruferung. der. Spöntaneität, und fie wird daher auß ‚einer Spele erllaͤrt. — Die, Beregung konnte Plato fo ‚wenig als die Maserie. ale, ‚entftanden denfen, „tell es dem Geſetz des Verſtandes ‚wiberfpricht, etwas aus Nichts entſtehen zu laſſen. | Die Pewegung überhaupt von der ‚MWirfung. ‚einer. Antelligeng, abzuleiten, „wie Anaxagoras ‚gethan hatte, ‚diefen: Ausweg zu ergreifen ‚ der nichts er faͤrt, konnte ſich Plato aus dem Grunde, nicht entſchlie⸗⸗ ſen, weil 38. Dafepn, des pbpfifchen Höfen, ‚ worauf jene ‚keine Ruͤckſicht genommen- hatte, damit nicht jufammıen. ftimmte, Es blieb daher“ nichts meiter übrig, als eine ewige Materie mit einer ewigen Bemwegfraft anzunehmen, ‚die er / inſofern ſie der Mäterie inhaͤrirt, und von nicht | andern abgefeltet wird, ‚Seele nennt, . "Diefe ift alſo michtd J a als dle Summe ale urfprängligen ee 2 Kräft, — — bei $. & — 9 3, 94. Fergl, Timaeus © 337. win ’ l 1} . _ . j *2 i a Pr. ER Philoſophie der Plam. ag⸗u Kräfte ; welche die. Vernunſt/ um ſie auf Einheit zuruͤck zu fahten, unter dem Begriffe einer Seele denkt,. Die Seelen⸗ in der ‚zweiten Bedeutung, oder die Vorſtellungskraͤfte, laſſen ſich nicht: aus der Materie er⸗ klaͤren Denn Denken, Erlennen/ Wollen, find: Thoaͤ⸗ tigteiten , die mit feiner Materie, noch mit einer Kraft der Materie (Bewegungskraft) einige Aehnllchkeit, oder etwas gemein haben. Die Verſuche, das Vorſtellen aus der Materie zu erklären , find daher vergeblich, und fuͤr die ‚ B:enunft: unbefriedigend 33?)., Es ſind Daher urſpruͤng ⸗ liche Kiäite, ‚die can ſich als ſelbſtſtaͤndige Weſen hetrachtet werden. Gleichwohl leitet ſie Plato zumellen aus einer gemeinſchaftlichen Quelle, deu Gottheit, ab, mach dem Ge⸗ ſetz der Bernunft, in ihren Nachforſchungen, bis auf ein Abſolutes Letztes zu gehen, mund aegemautche. Einheit ale Erkenntniſſe zu bringen. Die Welt enthaͤlt nun alle abeper und Seelen Dr fi, die nur wirklich find, die Gottheit ausgenommen, _ und beide zufanımen genommen machen dag Univerfum, la Gatzes aus. So wie nun⸗aus der Vereinigung eines Koͤrpers und einer Serle ein lebendes Weſen (60v) entſteht, -fo- betrachtet auch Plato die Welt, wegen der Verbindung beider Weſen, als ein lebendes Weſen. Dieſe Begriffe mußten wir voraueſchicken, um Platos Philoſopheme uͤber die Entſtehung den Welt darzuftellen. Die Welt ift als ein aus mehreren Beſtand⸗ theilen, die urſpruͤnglich getreunt waren, zufammenges ſfetztes Ganzes entſtanden,entſtanden durch die weltbil⸗ dende Kraft der Gottheit. Dieſe wurde aber, durch den af Epinomis S. 27 rocrou PR "Tor avra& var duo, TO-MEVyUXW, TO: 08 awpiä, (mau ral- Aa —E— mavra Osnaldyluv- adda ou brarepa ERaTEQWU' at ‚Tokram /aAÄAa-audsv. Maya » Quösvı, Pheade, S. 180 Re: nTimasys © 358. # wı2 Zweltes Hauptſtuͤck. Sechster Abſchnitt. ju budenden Stoff (die urſpruͤngliche Bewegung) einge⸗ ſchraͤnkt. Daher iſt die Welt zwar die moͤglichſt vollkom⸗ menſte; aber alle Unvollkommenheit aus ihr zu entfernen, ließ der Stoff nicht zu. "Die Einrichtung der Welt muß afo theilß aus der Tätigkeit der Vernunft, theild auß der Beſchaffenheit der urſpruͤnglichen Materie erklaͤrt werden 339), > Die Melt iſt von Gott nach einem vollkommenen Ideal gebildet, welches nichts anders, als die intelli⸗ gible Welt iſt, und als ſolche alle mögliche Gattungen und Arten befeelter und vernünftiger Wefen in der dee enthält, = Die Nachbildung (sıxwv) ift die fihtbare Welt, welche jene Wefen in der Wirklichkeit in ſich bes greift 39), Dieſe Weſen machten den lebten Zweck der Gottheit aus, um -defien willen die Welt ſelbſt ein beſeeltes, durch — eingerichtetes ‚Befen an wird * Um 339) Timaeus ©, 305. ayasog yı (6 Euvsag ro mav Todes), aryadın ÖE auösıg mepı OVÖEyos OWöe- rors eyyıyveraı DIovos. TOUTOU 0’ EXTOs WwV, Ma ra or mahıza EBovAyIH yeves9au magamAyoıc dur. S. 303. ©. 339. pepypeuy yap ouv ij) Tode Te (rov) maguou yevedıg & "Avaya TE Kal vou oucaocu⸗ eyevyꝰ. | 940) Timaeus. S. 305, — cv Ö' z5ı Tr’ al- Aa Suo ag iv.naı Kara yeyy MUpIa, raurcuv OMOI- rarov ÄUTW EIVAL TIFWEEV. Ta Yap ÖyvoyTa gesa ravra cuetvo Ev laurw megıAaßov exe, nafamep © d Ñ- OS YMas» —* re alla Ipsunara guvesunev Opara. 341) ‚Fimaeus S. 305, 306: "Adyıcaysvos -ouV 'Eupigasv ER TWV Kara Docıv Öparıwv ODdEv avoyrov rou vouv 'exovrös 6kov öAdu Haldiou edegIau Mor Et EpYad, vouy Ö: au cboeixs Puxy⸗ award maparye- | vesdar 533431 Pbiloſophie dee Plato. 4 Unm dieſes Ideal wirklich zu machen, bildete. Gott die Materie nach demſelben. Er formte ‚die „Materie nach den geomeiriſchen Siguren,.. er ‚ordnete die, Kräfte derſelben duch Gefegte,: und” — ſo ein swechmäßigeg Ganzes dar 3%), . | Die Bolfommenpeit ber Welt, wodurch J fie dem Ideale entſpricht, beſteht 1) Im der Vouſt aͤn⸗ digkeit und Allheit. Sie enthaͤlt die ganze Quam titaͤt der Materie und alle aus ihr geformten Koͤrper; fie begreift alle vorfiellende Weſen. Sie begreift. alieg in ſich, und — ihr iſt wie mehr — a ‚Uns Äh er 2 ve min. dia * rev — — vouv pev 3) Yu; Yo ÖE &v Owmarı guvigag, TO may, Zuver TERTAWETO, OMWS, OT —RB ey. nara Quo apı- gov TE Eoyov amsıpyasmsvos. ÖÜTWE ouv Öy,nara Ao- 3 rov sınora Ösı ÄAsysıy TOvVös ToV, Kosuoy ‚Lwov | EMAYUXOV EvVouV TE'TY —— dia Tyv Tov 9EW Ye vesdae moovalav. 342) Timaeus S. 303. BD pev yo nakdısos. Tv yeyovoriwy, o ö adısog Tuwy- arrıluv.. GUT Öy:yeye- " vyMEvog, moog To —* xou Ooouyoti megiAymtay, Has 3 zara Taura EXov Ösöyuaupyyra TOVTWYV öe Vmap- YOvTrwy AU, Ka MAR avayıy TOVÖE TCV KOSMOV &i- »ova Tıvos &ivaı Ö. 305. ige 343) Tihesas ©. 309. ax yap wupoe maurog VÖaTas TE Hau aspas Hau yyg Zuvssyaev auroy 6 Zuvie cas, MEDOS Ouöcy ‚OVÖsvog OVös Öuvanıy' sEwIev ümolsımwv‘ Taös Ötavaydeis, mpwrov mev iva 6Aov örı palısa Gwoy nedzav er TEeÄswy Twv Mepwv zıy" mp0; Te TouraS, &v, re oux broksksinusvuv, 88 üv alla Tomur',av yevarro. erı Öe, Iva ayıpwv as ayooav y. ©. 310, 308,.306. | » = 14 Zweites Hauptſtück. Sechſter Abſchnitt. ‚gerft Örbarfeft. Denn ſie iſt das allbefaſſende. Außet dee Welt iſt nichts, was fie zerſtdren koͤnnte. Gott allein koͤnnte fie wieder in ihren vorigen Zuſtand zu ruͤckfallen laſſen, allein· ſein Wille ſtreitet dagegen. In der Welt findet man ein beſtaͤndiges Werden und Auf (bfen; ‚aber, nichts gehet verloren; neue Zufammenfegun gen gehen hervor. Das ganze Umwverſum naͤbret ſich gleichfant von Nufldfung und Verweſung 3), 3) Das Weltideal iſt ohne Veraͤnderung,/ ohne Anfang und Em de, erölg. Die Nachbildung deffelben, die Weit, kann in diefer Bedeutung nicht ewig ſeyn, wegen der um aufhorlichen Veränderungen; Damit aber die Welt auf von diefer Seite dem Ideal fo viel als möglich aͤhnlich fen; ſo machte Gott die Welt zu einem Bilde der ei gen Zeit durch die, unaufhdrliche Folge von Veraͤnderun⸗ den. Der Welt kommt: unaufbdrlihe Dauer bei allen Veraͤnderungen zu za). 4) Unabhängigfeit um Selbſtaͤndigkeit. —Die Welt IE zu einem für ſich beſtehenden/ ſich ſelbſt zureichenden, in ſich volllom— menen Weſen ‚(avrorgarwp) gebildet, Nichts fehle ihr, fie bedarf feiner Aufern Gliedmaſſen, feiner Sinnorgant, denn außer ihr ift Fein Gegenfland der Wahrnchmung, und in ihr fein Beduͤrfniß. Alles was ſie Leider und toner; = gefchiehet ohne fremde Vermittelung, durch ae ' RE En |. ' 344) Timaeus S. 309. 328. 345) Timseus Soez t7. 5 pev’ood Gedv Quos grufyavev vUda audio‘, Adı rouro ev öy to yelr vyrw mavrelug Mpbsämtelv,; bUX u Öubaroy' zur va d erivde Hnyrav Tıya auovog Mond, Kat hd Hosiiey Ara oupavoy,' Motet Msvovtbg'aluybg Ev Bi "xt apiIov ıdudar Aulıov emiava routov, "09 © ypoyoy wvuparamen SZ: \ d J Philoſbbhie des Plats. dis kcton 94. 5) Die oo fthinmen ſte Get aſt, die phaͤ⸗ riſche. Denn die Cirkelfigur. begrelft alle Arten vhn Fig ren in fi, tie bie Welt “alle Wefeh, und ſie ſff die eins ige Figur, welche ſich gleich. und Apmiicdhft, iudemn alle Theile glelchweit von dent Mittelpunkte' abſtehen 37). 6) Die voltommenffe. Bewegung Die Kreis⸗ bewegung,” da ein Körper’ tegelmäblg th, demſelben Raume, fih um feinen aghen Mittelpunkt bewegetiſt die bollkommenſte, und dieſenige Bewegung, tele mit der Vernunfithaͤtigkeit die größte Artalogie Hat," und’ diefe ber Wett ju Shell amantn FF), _ \4.. di u \ RE ae. EI 4360 Anode ee ng 46), Timaeu's.&,.309,.310. ‚auTo.yap zaurıı au: 7gadı, TV Saurav, QIısıy FapEXoV sr, ‚Kat, mavTa an. Budurw rar DO’ AUTaVsFagxon Kar ögwu Er TEE m yeyovev.. "Politicus G..39.,,zmFarep Ti mocao MOOGETETAATO „. ayTOADaTOpR ‚Euvaı Kup; ÄuToD, MOGEIAS ,, ÖVTW, Öy Mara, TRUTa cotq JKEQEOIV au“ roig ‚ar. kumwv, (naIongy. GravT un, Pugy TE a8 yawav nou ToEPev;mgoseTaTreTo mg mys Ösarag aycopy⸗. EDITH Te .: en de end, alt 2 ES BETT ILS 2347) Timaeus ©. 309, var Oyyua de söwnev auvr To mpemov ar Suyyevsg. Tiu yap ra mayr' £U durw Qua mepiexsiw meAAovtı Quw, mpemov av siy oylya rd mepisıAyDos Ev Kurw ravfa Oroda OXY- para, dio xoı oWasbösöss, & fiEooh mad mpos 705 teAeurag ı00V amEyov Hal unÄorgpeg auro ErOp- vEeudaro, mavtwv TEXE wrarod duoıdrarov rs auro laurw OXymariwv'" Vonudds‘ mupiga KalAıov öndıoV ii. — a 3489) Ti maecüs S. Jin. uyalvyap“ orsveIev alru Hy Tau olnarby okay Fu) Emra Tv megi vovy naı Pposyarv Malıza dudav. üa öy Ward raura Ev 416. Zweites Hanpefiüc, ‚ Seähfter Abſchnitt. Die Bewegung . ber Materie war urſpruͤnglich un⸗ ordentlich und zegelloß; Gott vegelte ſie durch die Ders nunft,, das heißt, er gab. Apr ‚den Charakter der Ver⸗ nunft, Cinpeit und Einfdrmigfelt. Diefeg deckt Pia fo .ou8:', Gott derband mit, der, (urfprünglichen unen ventlihen), ‚Seele Bernunft,,. ‚ gieraug ent and, "die. gute geordnete, Weltſecdde. Man wuͤrde fi fehr irren, fen “man. hier die Seele in einem, andern Sinne nähme, als den Mir oben angegeben. haben, oder eine, befonden Subftanz verſtehen wollte. Denn die Weltſeele iſt nichts Inders als die gefegmäßige Bert ung der Welt, von züglich der Himmelgförper ; "die Kreisbahn der Firfterne von’ der linfen zue rechten, oder von Morgen gegen Abend (5 Papa rs Taurov Qussws) umd die Dahn der Planeten von der rechten zur linken, von Abend. gu gen Morgen, ( Qopa Ts Tou Jarspov Qusss) Beide find Freisfdrmig, aber mit dem Unterfchied, di der Hinimel und die Fixſterne ſich im Kreiſe bervegen, ohne ihren Raum zu verlaffen , die Planeten Hingegen aus einer Stelle des Raums zur andern fortfchreiten. Daher die Benennung beider 349). Plato bedient [if freilich zuweilen folder Ausdruͤcke, aus denen man ſchlieſſen könnte, dab er unter dee Weltſeele ‚ wirtlid eine denfende Subſtanz verſtehe, welche die Benegum Fa Tre F a ee .&v Tw aurw mar eu auro mEgIaryayRY auro, mot yo my dar sgePopEvav. | 349) de Legibus & 92. Epinomis &.25 Timaeus ©, 312-316. 305. BouAysen '* 6 Is05 ayasa MEV mavra, DAaupov de puydev &# nara Öuvapiv, OUTW Öy may 000v yv Ögaroy, ma Any, oux, yOvxXav ayov, aa Kıvonjevov map Aug nat aranTug, 5 ragıv auro yyayıı.&t "7 arasung. . nPhiloſophie des Mate; 417 der Welt nach Geſetzen und Zwecken leite. Denn glelch nachdem er die Bildung der Weltſeele auf eine fche Dunkle und raͤthſelhafte Weife beſchrieben bat, fährt ex fort, die Thärigfeits der Weltſeele ald eines denkenden Weſens zu befchreiben 359): Auch läßt Plato die menfche che Seele auf diefelbe Art und aus denfelben Beftands thellen, als die Weltſeele gebildet werden 357), Diefe ganze Stelle ift aber eine der dunkelſten in alien Schripp sen des Plato, und es iſt faum zu Hoffen, daß fie je mals. ganz. aufgeklärt werde. Denn das ganze Untere nehmen, die Entſtehung eines Dinges von dem wis. eine bloße: Idee, aber keine Erkenntniß haben, zu be⸗ ſchreiben, und die Zuſammenſetzung eines Etwas, da immateriel iſt, and Befiandehellen fo zu‘ ſchildern, daß man es gleichſam vor feinen Augen‘ werden ſehe, konnte nothwendig nicht gelingen und kurin: bildllchen Aus⸗ drücken geſchehen, = die ranſtatt Licht zu geben: nur ver) dunkeln mußten» Iſt man endlich nach vleler Anftrens gung ‚dahin gekommen, hinter den Bildern ein Paar | ſſhlich⸗ 350) Timaeus S. 315, 316. Are ouv ex rau! Tov na Ts Iarepov Pucsus, ER rs ououak‘, Kl 2 N Frourwv, GUyhoEIne proipeun; ia avaloyon. e 'nepıs9erda x Euvösdeıoa, aury 75 'Ava- w. unkouusvy mpos kuryv, örav ouoiav Onsdagyyierovrog N rwogeDamryrar xa Örav ayispigov, Asysı Kıvoumsry. dia many Sur, Örw 7’ av Tı Taurov y xai Örou > Saveärspowroos 6, mi TE auge Kaldmy Has Gwör Ka " Ömore aupßaıyst Hara Ta yıyvoptva me moog Ertagoy' "tnasa Evan X FaoyEı), Kampf Ta Kara Taura eyovraai u. ſ. w. —— * 1 242 EL ur Tr Een ; 23 2 351) Timasus S. 32ß3. au Tenenanns Gef ichte der Mitnfopbie im. h.. Do 418 Zweites Haupeftäc." Sechſter Abſchnitt. ſchlichte Begriffe zu entdecken, weſche weit natürlicher ausgedruͤckt werden konnten, fo vexmißt man doch end» lich Zufammerhang, Haltung und deutliche Beziehung des Dildes auf den Gegenfland,. und tappt wie der mie zuvor im Finſtern. Man ſiehet zum Beifpiel nicht, mas die Darſtellung ber verſchledenen Afte des Vorſtellens und Denkens bei der Weltſeele fol, | wenn Diefe nichts. als die gefegmäßige Bewegung des Himmels und der Hımmelstörper iſt. Es if zum menigften Feine Epur vorhanden, daß Plato einen Realzuſammeuhang gwifchen dem Denken und der Bewegung annimmt, oder die letzte von dem: erfien ableitet. . : Diefe. Schwierigkeit Ußt fich nicht heben, wenn man auch annehmen woll⸗ te, die MWeltfeele ſey wirklich ein vorſtellend Weſen. Denn nicht nur wird die Bewegung: und die Art der⸗ felben durch das Vorſtellen gar nicht erllaͤrt, fondern «3 widerſpricht auch allen Dogmen des Plato über die Natur des vorſtellenden Weſens, was er von der Mir (dung und — der "Dune: in mehrere Kreiſe fan —— iſt Plato, was das Princip der Welt bewegung betrifft, ſehr unbeſtaͤndig und ſchwankend. Daß Gott der erſte ‚Urheber der Weltbildung und die Urfache der regelmäßigen Bewegung ſey, dieſes behaup⸗ tet er beſtaͤndig. Ob aber Gott nur von Anfange ber Melt die Geſetze ‚vorgefchrieben, oder ob er die Bewe⸗ gung noch immerfort leite, ob er. diefed unmittelbar . oder mittelbar thue, ‚darüber erflärt er fi nicht auf eine und diefelbe Weile, In dem Timaͤus ſcheint es, als bewirke Gott dieſes durch die. Weltfeele. In dem Politieus aber fommt der Gedanfe vor, "daß Gott die Melt ſelbſt zuerft in Bewegung geſetzt habe, daß dieſe dann eine Zeitlang von ſich felbft nad dem Willen der Gottheit fich dewege, bis die urfprüngliche Unpednung wie⸗ der ſo Bee nehme, daß Gott, damu nicht das N Philoſophie des Plato. 419 Gange gerfalle, die: Zügel der Regierung wieder ergrel⸗ fen müße, #2). f Diefes Reſultat giebt ung auch das zehnte Buch der Geſetze. Nachdem er dem oben angefuͤhrten kosmo⸗ logiſchen Beweis fuͤr das Daſeyn Gottes aufgeſtellt Hat, wirft er Die Frage auf: ‚mas für eine Seele (das letzte Princip der Bewegang) Himmel und Erde und die Bewegung des Weltalls regiere, eine vernünftige, guter oder. eine, böfe, vernunftlofe? und ſchließt damit, es laffe ſich nicht ‚anders denken, als daß die. vollfommenfte Seele (es fey nun eine oder mehrere) die Urſache von der Welt, alfo auch jedes einzelnen Weltkoͤrpers ſey. Wir wollen jetzt nur bei der Sonne ſtehen blei⸗ ben; denn was von einem gilt, muß auch von allen und dem Ganzen gelten, Der Körper der Sonne wird von Jedermann angeſchauet; aber die Seele (die fie in vn * ſehet niemand; denn Seele Überhaupt Dide he — Politicus: ©. 30. e — x ‚ROS- por zmwvonanapiev, moAkuy nevıxaı uatapıy wage Tou yavıydayros peradypev, arag ouv dy RERDIW- vmee Ye Ho ommaros“ Ögev ayrw jeraßoAng aa. pas yıyvesdas dx mavros aduvarov. nara Övvanıy ya, 5 Pay ori Halıza ev Tw auf Kara TauTa pay Dopav, zuvsırar, . dio 74V avanunÄyarı — * — Toryy myg.Aurov aivyaug mapadkakw. auro de dauro sosQew as, axzÖov auösvı duvarov, Ai VITO TWY KIVOUBEUMV MAUTBUNYAUMErE, ⸗ↄuuem de TOUTwW-ForE. MEV-aAAs0g, mus‘ de zuavrung,s ou Hefag. ax mayrıw) öy TODTWV,“ Toy Hospav pure ,) daran x Pavan spe Zaurov.ası, ir’ an akoyi aeı,umo Jeou spepesdin, ÖTTOG MO ANRVTIOE TrEQIr} aywyas” pyr au Öövo Tıys Jew, Dpovour 75 Eauroıg zvavrıa, 5REPEıV aurov. © 38 — - * ” 4 € — zw — — mE Ani: - . w ‘ Y 226 weise” Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. I nur etwas Dentbares. Alſo kann auch "Die Ver⸗ nunft durch Begriffe hier nur etwas entſchelden Wenn Fate alſo fügen, eine Seele beweget die Sonne, ſo laſ— fen ſich drei moͤgliche Rälfe denken. Es if; entweder Zite Seele in dieſem leuchtenden Körper‘ ſelbſt vorhan⸗ den, welche alles“ beſtimmt, fo wie bie Seele ih dem inſchlichen Körper 5 oder, mie ‘einige behaupten, fie hat ‚einen Bufti vder Feuerförper angenommen , und treibe Arie‘ äußerer Gewalt den Koͤrper durch den Körpers; oder Endlich eine Seele, die ganz Förperlös iſt, und andere uns undegreifliie Kräfte befist, if die Urfache ihrer Bewegung Dieſes geſchehe aber, wie es wolleſoiſt S do am beſten, daß jeder Menſch die Seele, welche Öle Sonne beweget, flir Gihtt‘Haltg’#?)." Wenn mo jer den Zweck des Plato das Däfenn Gottes zum Bes Auf dee Religion und als Einleitung eines Geſetßbuches 4 berseifen, Übeklegt; ‚fo mid man ſich leicht die Ur⸗ face ertlaͤren koͤnnen / warum er bald von einem, bald von mehreren Görtern fpricht, und überhaupt Die Ber mürumg: wicht verfennen / Feine philofophäfchefi. Eehriäge andie gemeinen veligidfen Vorſtellungen anzuſchließen. And daraus iſt auch viellelcht uͤberhaupt die Vorſtellun gs⸗ ‚art: von. einer Weitſeele entſprungen. Zum wen igſten entſcheidet ver. nicht, / ob eine beſondere Seele, oder Gott Cdenn die volllommenſte Seele nik; nichts anders als Gott )der Weltregierer ſey. Eben fo ſchonend iſt er gegen die Vollsmeinung, welche die Planeten. und uͤber⸗ Haupt die Sterne vergoͤtterte, aber ohne zu: vergeſſen, feine eigne, eines Phitofophen: wuͤrdigere Anficht hinzu⸗ zufügen. Es iſt unbegreiflich, ſagt er, wie eine bloße Naturkraft fo große Maſſen allezeit hindurch im Kreiſe bewege. Ich behaupte, Gott alleiniſt die Urſache da⸗ von; und keine andere. Denn ein beſeeltes Weſen iſt LE N) Sa aim eyI un ren ran AUE * — 353) d 4 r .,W4# ‘ x 6 ı & LegibusX. S. 92-95, -i © 02% bibebi —ER a nur allein durch Gott moͤglich. Da zuun Gott dieſes thun kaun, fo mar es ihm auch leicht, jeden Koͤrper und die Koͤrpermaße des Univerſums zu beſeelen, und Dahn diejenige Bewegung vorzuſchreiben, welche er für die beſte erkaunte. Wir können demnach alles im den richtigen Satz zuſammen faſſene Es iſt unmöglich „ daß Himmel und: Erde, alle Sterne, und aus. Diefen zuſammengeſetzten Körpermaßen fi) fo regelmaͤßig alle Jahre, Dionate und Tage bewegen, und daß alles, was daraus erfolgt, fuͤr das geſammte Mens ſchengeſchlecht fo zweckmaͤßig iſt, wenn nicht .eimes Secede auf ableseinminft, oder imfedem Köre per eine beſondere Seele wohnet, — Wen alſo dieſe Gedanlen von dem Univerſum richtig, und; die Sterne fuͤr goͤttliche Dinge (9:10) zu ‚halten? find, ſo muß ‚man annchmen, entweder; daß fie: ſelbſt Götter „: oder zweitens, «daß fie Bild⸗ niſſe der Götter find, indem fledie Gäte: ter. ,als_ mie, der boͤchſten Vernunft; ausge: rüfete K Kaͤnſiler ſelbſt gebilbet Haben ®*) Pf fönnen alſo ohne Gefahr zu irren, annehmen, —*8 F um die Belrsildung anſchaulicher darzuſtellen, eine Weit⸗ ſeele angenommen, oder hit andern Worten, die Wirfe famfeit Gore, welche er zur Erhaltung der Welt nöthig erachtet, der Saffungefraft der Menfchen näher rügkte, indem ex, fie in ber Weltſcele hypoſtaſirte. Aber für feine ernſte Behauptung fann man das nicht Halten, weil fie N Tu 354) Empinomis ©, 256-258. -4.yap. Ssous aurous TAUTR UMUATEoV OPFOTATa,.y Fewuv. EInovas, us ayadparı, umoAaßeıv yeyavevar, . Iewv aurwv EOYAGALEUDV , ov vg avayray ye * Pownsos am. 5: ! | > 4 4 422 Zweites Sauptftäd, Sechſter Abſchnitt. mit ſelnen andern Gedanken nicht zuſammenſtimmt. Der Hauptgedanke, welcher in der dunkeln Stelle von Bil⸗ dung der Weltſeele ausgedruͤckt ift, kommt darauf hinaus - die Bewegung-der Weltin dur Geſetze ger regelt worden. - Bewegung laͤßt ſich /nicht denken ohne Veränderung, Geſetzmaͤhigkeit nicht ohne Einfoͤr⸗ migkeit, Einheit: Das Erſie, Veraͤnderlichkeit ohne Einheit iſt der Charakter der Körper und dee urſpruͤngli⸗ chen Bewegung in der Materie; das Zweite ft der Char zafter der reinen Intelligenz, der Vernunft. ‘Beide mer» den vereiniget in ein Subjekt, (ovam oder Kraft). Die Weitfeele iſt alfo eine Kraft, melde ſich dur Ginförmigteit bei aller Veränderligfeit, oder; durch regelmäßige Bewegung äußert 3°). Diefelben - Merkmale paffen auch auf jedes vorſtellendes Weſen, wie die menſchliche Seele iſt, weil das Hauptmerkmat des Begriffs der Seele, welchen ſich Plato gebildet hatte, Dhaͤrigkeit iſt, und für dieſen Begriff fein anderer wnsdruck ſich fand als zug 3%. Die Weliſeele iſt * Ar nun, 855) Timaeus ©, 312. 7F8 apspızov xar ası.xa- ra raure EXODOYS OUOIag, Hau Tg au MEpt TA GWpO- Ta yıyvonsigg jepisyg, rprrov E35 apPov Ev neo ouvsncoacoro oucioc gıöog, rys re raurou Pudews KU weg na Ty5 rou Erspov, Hai HaTa TauTa Guvesy- aev EV MEOw, TOD TE AspoL; aUTWv Hal TOU KAT za owuara pegigov. war rola Aaßwy au ra ovra, GvVvEREgAHaTO zı5 pay mavra jüsav, U Faregob Ouaıv Öuspierov eudav sı5 rauro Zuvaguorrun Bias neyvus 'Ös MEra mg 0UOIaS, HL ER TOIWV MOINDANE- vos &v, malıu ÖAov reuro norpas ÖGas mOOSYHE Ölsvet- ne; Euasyw Ös Eu TE Taurou Kar Farspou na TuF ouvoiac peparynevyv. Aa | 956) Definition, S. 288. \yuxXy ra auro Eav- 0 uıvow, de Legibus X. S. 85, 89. Plu- tarch. phyfics Decret. IV. c. 2. - Phiofopie des lat: - "4a nun, wenn Man alles * das ſtrengſte him, nichts anders als die Bahn des Himmels und der Himmelskoͤrper, deren weitere Unterſuchung nicht hleher gehört *). MWir übergehen Das übrige: Detail uͤber die Entſte⸗ Bäng und: Bildang der Welt aus dem Grunde, weil es teils mehe in das Gebiet der Phyſil ald der Philoſophie gehört, theils, weil Plato das Meiſte davon nur, für Wahrſcheinlichkelt, Vermuthung und Hypotheſe glebt. Mur eine kleine Ueberſicht Über die verſchiedenen Arten von lebenden Weſen magchler noch eine Stelle einnehmen. Die Welt iſt eigentlich um det lebendigen vorſtellen⸗ Ben Weſen willen gebildet; aus’ dirſem Grunde nennt ice vorzüglich die Welt ſelbſt ein beſeeltes Weſen. Das Ber bildete Gott fo viel Arten von lebenden Weſen, ald in der dee davon’ enthalten find. : Ein lebendes Weſen iſt etwas Zuſammengeſetztes aus Seele und Koͤrper. Es glebt daher ſo viel Ordnungen don lebenden Beten; als es verſchiedene Arten von Koͤrpern giebt, nehmlich, feu⸗ rige, luftige, woaͤſſerige und erdichte. Dieſe Abthellung grandet ſich auf den borzuͤglichſten Beſtandtheil/ woraus die Körper dieſer Weſen gemacht find. Die Sterne z. Dr find, dem groͤßten Theile nad, and Feuer, obgleich auch äsidere Elementaerheile in geringerer Menge mit‘ einge miſcht find. : Sie iſt aber unrichtig, weil zwei Eintheit lungsgruͤnde mit einander verbunden find. Denn die Voͤgel und Fifche find Luft» und Wafferthiere, nicht, weil fie vorzuͤglich ans Woffer und Luft beftchen, _ weit n a in benfelben aufgalten 359). | —— Eh on ; — Timacus ©, 313» 315, Abiſtoteles Sphaͤ⸗ ren kommen mit dem, was Plato hier von der Weit⸗ (ee fagt, in mehreren Puneten uͤbetein. 358) Timaeus S. 322. Epinomir e 259. 1g. , eo 424. Ziveites Hauptficl; Sechſter Abſchnitt. Won allen diefen werben bie Meiifchen und ihre Sees len beſonders audgezeichnet,, obgleich fie nur ſterbliche, Die Geftiene aber unſterbliche Geſchoͤpfe find; Sterblich find fie nur dem Körper nach, aber ihre Seele iſt unſterblich, von Gott ſelbſt gebildet. -Gott bildete eine beſtimmte Zapl derſelben, vertheilte fie zu gleicher. Zahl auf die Sterne, damit ſie auf. denfelben mit einem ſterblichen Leibe. ver⸗ bunden würden, und offenbarte ihnen die Natur und ihre Beſtimmung. Dieſe ift nehmlich: Gott. und die Gerech⸗ tigkelt zu verehren, durch Tugend. gluͤckſelig zu werben, und daß ihre Zuſtand jederzeit ihrem moraliſchen Cha⸗ rakter angemeſſen ſeyn werde 29). Plato verſteht hier "Feine unmittelbare. Offenbarung, wie ſich das von felbft verſteht, ſondern nurx eine mittelbare; nehmlich, durch die Vernunft. Gott theilte den Menſchen durch die Ver⸗ nunft die. Prindpien ‚aller Exfeuntniß ‚und: das Vermoͤgen fittlich gu: handeln mit, wie wie ſchon oben gezeigt Haben, Bell aber die Menfchen: nicht alle mit: gleichem Eifer ihre Beſtimmung zu erfüllen ſtreben, einige fogar derfelben ent ⸗ gegen- leben, ‚fo bedient ſich Gott eines Mitteld, wodurch er die Abtrünnigen wieder zuruͤck fuͤhret, und zugleich jedem das Maaß von Glückfeligfeit, dag er verdient ‚hat, zutheilet, dieſes Mittel ift die Berfegung der Seelen -aus einee Etelle an die andere. Gie wandern „von einem Sterne zum, andern, und fommen nicht. cher auf dem, der. zu. ihrer Wohnung beftimmt iſt, zurück, bis ihre Vers nunft Die. Herrſchaft über alle Begierden erlangt hat. Unterdefien wandern fie von einem Körper zum gndern, aus männlichen in weibliche, und aus diefen in Körper von ans + 359. Timaeus: ®.-325, 326 : Zusymag ös ma may, Ole Yuxas: inapıSpaus Tas ‚asgaıs , Even ö Erasyy moos Enagov, non eufßacas tus sis ox. on u Toy rauro⸗ Ouoiu coc.qe, vopious Te TOD; Spuap- Eve Amen avra. EHRT bee Plato | ne 425 | h andern: Thierarten Io) Plato bidient ſich des Mythen von der Seelenwanderuug, um! die Moglichkeir zu zeigen, wie Gott das Geiſterreich reglere und ſeinen Plan, Sitt⸗ lichteit umd · Gluͤck ſellgkeit —— ‚allgemein! Fat ma⸗ en‘, ausführe. v3 Aber man darf⸗ nur mehrere Stellen⸗/ wo er von dieſem Gegenſtauder ſpricht miteinander" * gleichen, um zu ſehen, daß er dieſen Mythen nur als Aecommodation braucht, ohne ihn ſelbſt für etwas anders als einẽe menſchliche Meinung / uͤbder Dinge, die außer dene Kreiſe des Wiſſens liegen/ zu halten. Daher hat er ſich ſo wenig Muͤhe gegeben, den Mythen mit ſich ſelbſt in uebereinſtimmung zu bringen, oder ihm ſelbſt einen hoͤhern Grad von Waheſcheinlichkeit zu geben. So iſt z. Bodle > ‚Meinung, daß das welbliche Geſchlecht unvollkommener Sy, als das maͤnnliche, keinesweges für ſelne Ueberzeu⸗ gung zu halten, da er beiden einerlei Anlagen und Voll⸗ kommenheiten, den zaͤrtern Körperbau ausgenommen, bei⸗ legt, und den ganzen geiſtigen Unterſchled in der Erzle⸗ hung und Bildung: ſucht 397), "un verhißt ſich Plato elnmal fo ſehr, daß er die Voͤgel Landthiere und Kifche, bloß ‚allein durch ſolche Wanderungen "der Menſchenſeelen entſtehen laͤßt, ungeachtet er vorher dieſe Thierarten durch Gott Hatte bilden laffen 3°2), Nicht weniger unbeſtaͤndig iſt Plato in Abficht auf die Vorſtellungen von Dämonen. Bald ſiehet er fie als Mittelmefen zwiſchen Menfchen und den Göttern an, des ren ‘ ich — zur .. aihrer Befehle; bedienen; als DRS ws ur - 366) Timaeus © 326 zer. 361) de Republicay, S 15, 16: Äde Legib. VII. © 358, “37% Rceoro 362 Tinsee us s. er Br Wonngen mit S. yon‘ | 426 Zweltes Hauptſtͤck. Secheter Abſchnitt. Mittelsperſonen, welche den Göttern die Wuͤnſche ber Menſchen hinterbtingen, und dieſen den Willen der Soͤt⸗ ter befonnt machen. Sie offenbaren ſich in Traͤumen, durch Stimmen und Vorferfegungen, Dur fie it die Wahrfagerkunft , die Kunfi zu opfern, die. Götter gu vers föhnen, einzuweihen, der Beſchwoͤrung und Zauberet muoͤglich. Es find geiſtige Weſen mit Koͤrpern aus Aether, Luft, und Waſſer gebildet, die fuͤr uns (Gnehmlich im gewoͤhnlichen Zuſtande) unſichtbar find. z8). Go ſehr Plato hier die aberglaͤubiſchen Vorſtellungen des Volls an genommen zu haben ſcheint, ſo ſehr beſtreitet er ſie wieder an andern Stellen. In dem Timaͤus ſetzt er’ an are Stelle jener aͤtheriſchen, Inftigen und waͤſſerigen Daͤmo⸗ wen, die Thierarten unſers — und — über haupt ” ernen re ungeachtet Gott die Welt, -fo biel ala:möglih ,. ch * ähnlich, d. h. vollfommen zu machen fuchte, fo finden fi .. Sutil genug Spuren: vom — — ten. 363) Epinomis © 259, 260. Sympofium we. ©. 229, 230% 2 364) de Repubiich‘ II, 8, 220. 221: de Le- gibus X. S. 128,119. XL, ©. 158, 159% 163. Timaeus ©, 324: megı re Tu all daıaoveov EIMEIV- Xca Auovar: Tyy yvcoiu, MErdov Y a9” Has” mızsov Ös roig EHMOOIV EMMOOSDEV, EX 2 ayız, EV Iewv Quo, Ws Maoav. oalwg de ou maps Aurwy mooyovous zöomVv. möuverov auv Hey May AMTEIV, narnso AVED TE EINOTWV Kar avay yaltıv amodeikewv Aeyavaz aA pe-oinsın Dasxov- av arayyaldsıv, imomevous Ti Von MISEUTEOV. IR SBE ghlloſophie bei ar ten. Nach “alten Ueberlleferungen waren auf dem Erde boden große. Kevolutlonen vorgegangen, welche den Uns tergang faſt aller lebenden Wefen zur Folge gehabt hatten. "Die Erfahrung und Geſchichte bezeugte die Wirklichkeit großer Zerſtoͤhrungen im dem phyfiſchen, ſo wie großer Laſter und Unordnungen in der geiſtigen Wele 30°) Wie laſſen ſich dieſe Unvolllommenheiten mit-dem Urſprung dee Welt von dem welfeften und-vofffommenflen Weſen verei⸗ nigen? Welches iſt ver Urfprung des Uebels in der Welt? Dieie Frage Hatte ein ſehr großes Intereſſe für unfern Philoſophen, und fie mußte ihm um fo wichti⸗ ger ſeyn, jemehr das Böfe in der Welt mit’ den Princi⸗ plen feiner Philofophie, im Widerfpruche zu ſtehen fcheint.- Kann eine Philofophie haltbar ſeyn, welche alle Realttaͤt von Gott ableitet, - und die Exiſtenz deſſelben aus der Bolltommenheit und weiſen Zweckmaͤhigkeit der Welt ber weiſt, und doch nachher eingeftehen muß, daß es nicht alle fo gang regelmäßig in dee Welt zugeht, als es ſeyn ſollte ? Die Wichtigkeit und Schwierigkeit dieſes Problems ſah " Pato..ein, und er füchte eine Aufloͤſung deſſelben zu ge⸗ ben, welche mit. den Grundſaͤtzen ſeines Syſtems zufam- nienftimmte 3°), — — Den Grundſatz, den er: dabei aufſtellte, war: Gott, als das dolkommenſte Wefen, kann nicht die Urſache des Boͤſen ſeyn; fondern man muß:eins von beiden annehmen, ent⸗ | i wo } 365) Politicus &; 28, 31,'32, de'Legib, ALS. 105,10 000. 365) Epiftolall. &;69 add may m mour" gt TO Epruryua, 6 mayrwuv Atriov Esı Hanavz maAAov Öe 4 wepr Fouröu wörg av Ay ah syyıyvn- EM" Yu ẽl my Tız eBaupsIyssran, 7% —RW Qv- Tug OU uy worE Füge. nen I» 428, Zweites Hauptſtuͤc. Sichetet Abſchnitt. weder daß es voneiner andern Quelle entfpringt, ‚oder daß es ein, warkliches nur ſcheinbares Boͤſes iſt ). Dee Grund des Boͤ⸗ fen muß alſo ‚in ‚der Materie liegen. Die Form konnte mit der Materie nicht ganz vollkommen vereiniget werden, weil die "Materie derfelben- widerſtrebte, und der: Hang zum. vegellofen Wirken fonnte ‚daher: nicht ganz vertilgt, nur Durch. die Naturgeſetze unterdrückt werden‘ Die mar teriellen, Kräfte fügen. ſich nur mit Widerſtand unter den, " Gehoriam der Geſetze der Vernunft. ‚Daher: fommt 6; daß zu gewiſſen ‚Zeiten die Unordunng fo. uͤberhand nimmt, dab die ganze Natur uͤberwaͤltiget wird. Bildlich druckt das Plato ſo aus: als Gott und die Untergoͤtter dieſe fatale Epoche vorherſahen, ſo uͤberlleſſen fie: die Welt ſich ſelbſt, und entzogen. ſich der Regierung derſelben. End⸗ lich muß: Gott, um der Unordnung ein Ende zu mar chen, die vorige regelmäßige Bewegung wieder herſtellen. Rothwendig müffen alle Dinge welche ans. Materie.ge bilder ſind, Spuren von der urſpruͤnglichen Regelloſigkeit der Materie an ſich tragen. Nach der Bildung der Welt erzeugte jeder Weltkoͤrper, dem Gott die; Kraft, Pflanzen und Thiere zu erzeugen und zu ernaͤhren gegeben hat, alle Dinge vollfonımener, je; nähen. der Einfiuß der Gottheit war, aber. nach und nad wurden die: Erelgniffe immer ſolechter, die Bollfommenheiten nahmen ‚ab, und die, Une vollkommenheiten vermehrten fi 3°), So entſpringet in Ä | dem 367) Wan fehe oben: S. 368) Politicus ©, 7 37. war’ apyas u ouy angıßsgepov Omstekei’. TeAeutwv Öe ‚epQhure ..gav.. Taurwy Öse nrw TO Gwuarosıösg T% GUYAQAGEWS. ATIOV, «Ta 73% makaı rore Ouostoc Zur maapou, Grı mahAys My ETOXov araayas , mpiy &5 mov YUV. Hosmay aPırEsSar Maga Eu, yap TOD vi | 95» undrdk gyhrlofsphie-besiplaro, Su... gay dem Menſchen alles Boſe, Dhoͤrheit und Untugend, aus Ddem Kbtpermit welchenn ſelne Seele verbunden IN; von den Behlerden/ Die in derſelben “gegründet Find, und ders felben Stärke); welche die Vernunft in ihrer Dausten hemnnit x) tz, Inden SG rn al Be 7007200018 dieſe Art alle Schuld de’ Böfen von Gott nabgkwaͤtet ¶ wird/ weil es: in der Materie feinen GSrund Hhat/ deren Weſen ſich nicht‘ aͤndern laͤßt, eben ſo ſehr wird aber duch auf der andern Seite die unendliche Macht Gottes eingeſchraͤnkt. Dieſe Theodleee fann:dahee die Vernunft nicht beftledigen, weil ſie einen Theil der Realitaͤten ¶ Gottes um der andern: "willen. aufopfert: Sie ſtreſtet nicht allein mit der unendlichen Macht, ſon⸗ dern auch der Weisheit des Weltbildners,“ der die wider⸗ ſpenſtige Kraft der Materie Eennen, und ihre Wirkung be⸗ rechnen mußte, um ihre Folgen zu verelteln. Die anthro⸗ popathiſchen Vorſtellungen, welche Plato in dieſer Materle haͤuft/ wollen wir nicht in Anſchlag bringen abet dag verdient eine Ruͤge, daß ‚er dert bigen Grundſatze nicht einmal treis bleibt, Da er den menſchlichen Körper sufo wie die übrigen Thiere nicht von Gott, ſondern von den Um tergoͤttern (den Planen bilden Täft, aus dem Grunde, teil, wenn fie Gott felbft gebildet hätte, fie Gott gleich geworden waͤren 37%), Und doc wollte Gott: fo viel ala möglich ſich alles aͤhnlich machen. V | | In ei ER ee AZ uni vut a Ieoras;i raurx Radkae' Rerryman” raoa de ryg curooc· an. Iev cc aa x. Kar aase $v ougamn yıyyar rau, Taura E& susiung auroç TE exe Aa Tols luois EVamENjagETal ©. 38. 30%. 5 969) "Timaens? S; 54, 1331." Kon! dia mare raura Ta mas vuv xar "ap" äveig Voxhyryveran F 70 — X — öray, gwmparı eu hal Lan} 4 — 183 370) Timaeus S. 325. Wei. 0,0 430 Zweites Haupeſtͤc. ¶ @echfler Abſchaitt In Anſehung des moraliſchen Böfen ſucht Plato die Gottheit theils durch die Freihelt des Willens, theils das durch zu wechtfertigen, ‚daß Gott durch feine Weltregie⸗ zung. alles fo lenkt, daß die Tugend: zulegt fiege, und das. Laſter unterliege., Die Freiheit iſt dem Menfchen durch die Vernunft verliefen; er kann Gutes. und Boͤſes unterſcheiden und wählen, die Tugend achten und ver⸗ achten, und: fih fo feinen ſittlichen Charakter ſelbſt ſchaf⸗ fen. Der Menſch if alfo Urheber des, Boͤſen. Denn jemehr er die Tugend achtetr deſto tugendhafter wird er 271). Nur ſtreitet dagegen, was Plato ſonſt behaup⸗ tete, daß kein Menſch mit freiem Willen das Boͤſe thue und waͤhle, wodurch die Schuld zuletzt wieder von dem Menſchen abgewaͤltzt wird. 372). Ungeachtet wie wohl nicht alle Phi⸗ loſopheme des Plato uͤber das Boͤſe kennen, ſo zeigt ſich doch ſchon in dieſen Bruchſtuͤcken, daß dieſer Gegenſtand eben ſo widerſpenſtig war, als die rohe Materie, und dab es ihm zum Theil noch an den richtigen Begriffen über das ſittliche Vermoͤgen des Menſchen — um den richtigen —— zu treffen. .; £ — u — pſnoge. u Um feinen Theil der Phlloſophle hat ſich Plato ver⸗ dilenter gemacht, als um die Pſychologie. Der Delphiſche Ausſpruch vwd vavrov, deſſen Wichtigkelt für vu prat⸗ 379 de. Republica X. © — de Legt bus X. ©. 106 392) Göigias © 48. Meno > 302 "344 Sympolium ©, 234 - 24 03 Pipe ee 483 slide: Leben Sokrates 6 richtig eingeſehen Hack) wurde von dem: Plato mit Recht als eine unentbehrliche Bidingung alles Philoſophlrens betrachtet. Daher iſt durch feinen Beobachtungsgeiſt und Scharſſinn das erſte Licht über die Natur des menſchllchen Gemuͤths, uͤber die Ver⸗ ſchiedenheit und: den Zuſammenhang Dir Vermoͤgen deſſelben verbreitet, und der erſte Grund zu eiger Theorie des Vor⸗ ſtellens, Begehreus und des Gefuͤhlvermoͤgens, und zur rationalen Pſychologie gelegt wordea. -Platog Verdienſt iſt darin um ſo * je weniger darin ihm die. — | Es iſt aber ein —— Unterſchled greifen der empirifchen und ratlonalen Pſychologie, inſofern ſie Plato bearbeitet hat. Keine iſt zwar ein vollſtaͤndiges Ganzes; aber die erſte enthaͤlt doch ſcharfſinnige und wahre Bemerkungen welche zu Reſultaten führen; die zweite aber iſt ein Gewebe von unhaltbaren, zum Theil ſelbſt unverträglichen Sägen, die am Ende ung in ber Erfenntniß der eigentlichen Natur der Seele um feinen Schritt weiter ‚bringen. Mir werden, um eine Weberficht — u. ‚Plate darin geleiftet Hat, zu geben, zuerſt feine Reflexlonen über Die. Bermögen und Wirkungen der Seele, dann feinen Ber griff von der Eeele, und endlidh feine. Unterfuchungen über die Natur; vorzuͤghch über de Erg? dan — | Der Begriff der Seele, daß fie * Kraft ſey, die mit Spontaneltät wirft (kuro zuvowv) liegt auch dem Ber griff der menſchlichen Seele. zum Grunde, Diefer Begriff wird durch den einer. vorflellenden Kraft näher beflimmt.. Unter Seele verficht Plato die Kraft, welche ſich durch Wollen, Ueberlegen, Denken, Urtheilen, Luft und Uulaſt, Hofnung und Furcht, Hab und Liebe, und andere der⸗ gleichen Veränderungen, weiche wir durch ven u 432 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. Sinn erfahren » aͤußert 73). Es lonnte aber der Auf⸗ merkſamteit eines Beobachters nicht entgehen, daß nicht alle dieſe Veraͤnderungen in der Seele, allein gegründet find, ſondern, daß fie zum Theil durch die Verbindung mit einem ‚organifchen Körper veranlaßt, beſtimnmit und modificiget werden, - Und dieſes gab dem Plato Veranlaſung zu der Unterfcheidung einer un ſterblichen, und ſter bli⸗ Kenziseiner, vernuͤnftigen und vernunftloſein iſt, ſo ſtehen beide in: Wechſelwirkung. Die Seele be⸗ ſtimmt den Koͤrper, „fie: wird aber quch wieder durch denn ſelben beſtimmt. Alle Veraͤnderungen der einen und der aAndern Art flieſſen aber in ein Bewußtſeyn zuſammen, und werden daher alle auf ein und daſſelbe Subject bezogen, Daher kommt ed,’ daß Plato fie bald als Beſtimmungen dies und deſſelben Subjects, der Seele, bald als Wirkun⸗ gen beſonderer Kraͤfte betrachtet, die zur Organiſation ge⸗ fe 4 " 273) de'Legib. X. S. 91 aya; sv dy \buxy ways ara nam’ Oupavoy. xoi yyv xai Yalarrav, Taus ku - U RUNGEN 5 "IE. DVDMATa TESL, ‚Bovissgaı, oxo- 2. werde, Empmsheızdar, BovAsueodat;‘ dofalsı 0g- wg, enyeusmevug ,. Kapovcav, Aumoupsuyv, Jap- a. ‚gbucav, Poßeiyiyv, ‚Micavoav sep youcav. ” 374) de RepublicaIV. S. 349. ©, 367. o ev aurw Tim avdgwmw Meg Tyv WUXyv To HEV Bel- DV swar, TO.dE yıpw. ING G. 278: dcvkoy av- % Tov Gayrev eıvar Ötıy Exsıvou TOO Berısou Ha xo- og sv aurw mo Fsıdv apxdv. ©. 239. 276. de‘ “- Legib,. 1.6, 44, 4.5: Timaäens S. 326.. ar 386, 393, ‘Atiftoreles Erhicon ma g-. “non bie: pera Taura de Mary dusıksra. ah | —* Puoxyv eꝶ ⁊e 7a Aoyav exdv, Hau Ei To aloyoy” 5 5. m —R EEE 722 - — RB phlfefophie des Plate, > 433 hören. In der erſten Ruͤtkſicht unterſcheidet er in der Seele das Beſſere und Schledtere, das Gotn niche und Menſchliche, und das Thierifſcher— Das Erſte begreift alle Thärigkeiten mit ihren Folgen, wo ſich die Seele als dloße Intelligenz, als Vernunft in then? retiſcher und praflifcher Ruͤckſicht, als ein, unabpängig "som Körper, denkendes und handelndes Weſen äußere Ss begreift ſich von ſelbſt, wie leicht fi) von dieſer Seite eine Aehnlichkeit und Verwandſchaft zwiſchen der mienſchlichen Seele und der Gottheit muhte denken faffen. Das Scjleigs tere ſind die Empfindungen, Begierden und‘ Gefuͤhle welche ſich auf Organiſatlon gruͤnden, z. B. der Hang nach ſinnllchem Genuſſe, der Trieb nach Erhaltung und Ernaͤhrung des Körperd, der Geſchlechtstrieb, — xov: die Gefühle, die ſich auf Staͤrke, Geſundheit, Ehre). j Borzug,' beziehen (Iupurbv, | Füpkosides pepog Abuyyg, oo); Diefen letzten Gefühlen räumt Plato mit Recht einen großen Vorzug vor den bloß thleriſchen Begilerden ein meil fie die beſſern Entſchluͤſſe der Vernunft oft un⸗ tarſtuͤtzen / teil: ſelbſt¶ das Wohigefallen und Mlsfallen, dad Billigen und Mißbilligen der Vernunft mit gewiſſen Veraͤnderungen in der Herzgegeno, mit ‚geroifferr Aufwal⸗ lungen und Bewegungen des Blutes verbunden If, Das her begreift‘ er eben dieſe Gefühle mit dieſen begleitenden‘ Veraͤnderungen, unter dern Ausdruck, Iunos, melden‘ vielleicht in unſerer Sprache das Wort; Herz, am beften entſpricht 7°). - Man Begreift daher ſowohl warum er dieſen Gefühlen‘ in der Bruf und jenen Beglerden in dem Unterleibe ihreh Sig anmeift, als auch, daß er nice etwa eine eigne Subftanz darunter, ſondern nur gewiſſe in dem Ban’ des Körpers, in der Drgakifation gegruͤndete — Ti 375) de Repnblica IX, ©: 239, 240, 257, - 258. IV. ©. 360-370. Timacus &, 386, Tennemanns Gefchichte der Philofophie IT. Thi. € © * * 434 Zweites Hauptſtuͤct.¶ Sichſier Abſchnitt. Triebe und Kraͤfte verſtanden hat die, er. blos deswegen mu dem Wort Seele bezeichnet, weil ſie thels einen, au dern Charafter Haben, as die bloß phyſtjchen, und wıl je, au! Das vorſtellende Weſen Einfluß haben, gemeiffe Ver Anderungen herporbringen, und -Thänig'eiten veran aſſen Aug eben dem Grunde, nengt er die, Seſchlechestheile ci wov UND Cwov ‚griSuuyriray,, öhne.deßmegen. eine eig Seclenſubſtanz fuͤr diefe Phaͤno nene amunehmen· ) Man darf glſo uuter dem srufupgrixov und Sup nicht etwwa das Begehrungs und Gefüßipgrni. gen berſtehen, ſondern wirlliche Begeprumgen und Pr fühle, welche ohne die Organiſation nicht vorhanden far wuͤrden. Juſofern ‚begreift „eg Piao: unter dem Nama her ſterblich en Seele zuſammen, ee nenng-es and das T hierifghe, in der Seel (Symuudas, ‚Cyoyeyss) 37), foril 68 der Menfch, mir, jedem Thiene Yermein ‚hat... Ds yernünftige, Seele iR von Gosfggehliper „. die munvernänj ige von den, Unpgrgöttenm / das cheißtys-fe ifk.mır dm ‚Mailen Körper, auf den Himmelskörpsen ‚ereftandın. * spendet, ihren. Sit im: Kopfes. bie, zweite im da — und-Sem Hntelgde, Bu een 1... ; Diele, Eimpbeilung Ak. üͤhrigens von Wichtigfeit fü feine praffifche Porofophie;« mir, honnen ſie Sex, ‚nber vi Der-Uebeript ſeiner Pſychologie übergehn;, und: ung. bis} gM die Betrachtung Der, verfiegeugw, Vermögen halten, FH leicht Die Unterſcheidung des Baf kenn, und 7 bleptern,, oder Deffen,, was ‚imgder, Seele allein, und —— wpit in den, Orgauiſation gegruͤndet ul, woraut jene Eintheilung zuruckkommt. verhn den laͤßt, Sax Wiquigſte, mas, Paso. fün,die empiriſche Yin Hologie Ieftere, in die Unperipeituug -Brcieg , befoncıne —— Hal "37 Times Ei | 377) de Republica IX, &,27& Politicus Su. . u 37 31d * Philoſophie des Plato — 435 Aeußerungen, bie, weil fie einander entgegehgefeht And; nicht aus einem und demſelben Vermögen erklärt werden Fönnenz' diefe find daß Vorftellen und Erfennen; das Wollen und Begehren , und dag Gefuͤhl. Denn oft will man bei einer ſtarken Begierde dennoch nicht - Die Befriedigung derfelben, weil etwas ih ber Seele if, welches fi) dem Begehren widerſetzt. Dag Begehren iſt eine Aeußerung des Begehrungsvermoͤgens, dag Verbieten und Widerfegen entfpringt aus Gruͤnden und Schlüffen der Dernunft 373), Nicht meniger finden wir geroiffe: Gefühle im Streit mit den Begierden; wie z. B. wenn man vor einem Gerichtsplatz vorbelgehet, und von der Neugierde, die Leichname zu ſehen, angetrieben/ von Ekel und Abſcheu zuruͤck gehalten wird. Wenn einer be⸗ leidiget worden, ſo pocht und tobt es in ſeiner Bruſt, vor Unwillen und“ Rache, er ertraͤgt alles Ungemach, bis er ſich Genugthuung verſchaft, oder von dem Beleidiger er⸗ halten Hat. Iſt er ſich aber bewußt, daß er Unrecht ge⸗ than; ſo regt fi Feines von allen diefen Gefühlen; es erträgt vielmehr geduldig. alles Ungemach Han dem, . den a FR: Er 7% er. 378) de RepublicalV. & 367; #ı bw Gay Ts aD TOUTW) egL; OUR evEar MeV Ev Ty Yuxy dur Ha KeAsuoV, Avilvar Ös Fo rwiAvuov mı- ev; -aAlo övV Kaı »outovv. TOU nelsvoyrog; 0 ouV du ⁊o j1sv mwÄUOV Fa Tolaura &yyıysral,;, Gray eyye- » Wrat, En Aoyısuou;5 mie ö8 ayovra za £AHoV- Ta va masynarwu.Ts ar vooyuarıwy ‚mapayiyve- Ta. ov Öy aloyus agımoosv aura Örre Fe har. Erepa. akAyAwr sin‘ To jiev g Aoyide- Tal; Aoyisıtay mooonyopsuavreg Ts NYuxy‘ Ho bEW E0a FE Kar meivy Aal öiyy, xat 'egr Tag aka &mıFuitag enToyrai; RaAbYyizoy HE Haı Em SvUiuyTıRnon, mÄyowgstwy Troy Hak loved rare 4 436. Zweites Hauptſtück. Sechster Abſchnitt. ex beleidiget hat. 2: Diele: Gefühle fEreiten alſo gegen die Begierden, oft für die befferen Ueberzeugungen der Bers inf, und weil fie ſich ſchon in der Kindheit äußern , mo noch feine vernünftige. Ueberlegung ſtatt findet, ſo weiſen ſie auf ein beſonderes Vermoͤgen hin, welches for wohl von der Vernunft als dem Begehrungsvermoͤgen verſchieden iſt 379). — | | | Jedes von diefem Vermögen bat fein befondes res Brincipy feine befondern Triebe und, Ge⸗ fuͤhle 330). er - Wir haben ſchon oben von dem Borftelungsvermös gen gehandelt; wir fünnen und daher hier kurz faffen. Es beſtehet aus Sinnlichkeit und Vernunft im weitern Sinne, oder aus der Empfaͤnglichkeit, durch aͤußere Ein⸗ druͤcke zu: Vorſtellungen zu gelangen, und aus der Faͤ⸗ higkeit des vorſtellenden Subjects, aus ſich ſelbſt? Vor⸗ ſtellungen zů erzeugen. Sinnlichkeit iſt nichts anders als dog Vermoͤgen verändert zu werden; bie Ver⸗ nunft aber das felnftiehätige Vermoͤgen, Vorſtellungen her⸗ vorzubringen,/ und zum verbiuden. Der Charakter des Leztern iſt, Einheit ‚und Einfoͤrmigkeit, des erſten, immer anders afficirt zu werden. Hier⸗ —F aus Ai 379) de Renuhlica IV. &. 368 -37% ou. Kouv von aAdoH moAkaypv axsaveusta, orav Bia- Cwyras mıva mag TOV Aoyısnov am 9opsar, . A0ıöo- obuvra. TE auTov Ka SUHDLEVOV Tip Bialomevw &v durw; ar wgmep Ovoıd ganıalovrorv Zuppaxov rw Ayyw ıyvopsvov Tov Yyyov Tuv TUIOVToU; Talk ö smıgupians aUToOV, KOMWYNOaVTE AlpauyTos Aoyouv, ydsv avrımgarreiv; 2 380) de RepublicaIX, S. 257 Tpmv ovruv rorroı naı yoovar Mor Paıvovras, Evog Inaguu iR dia" smIunias TE WOIAUTWS Hal apxXal. Philoſophie des Plars 437 dus erklären ſich die Ausdrücke, ro Taurov und’ garepov, womit er ‚die Gegenflände, und 0 Tou -Taurou sunÄog, rsoaöbs Tov Tavroy japyovaa und 6 Tov-Jarspau ! Ku- #Aog, womit er Die beiten Vermögen bejeichnet 391), Das Denkvermoͤgen ift das Göttliche. in dem. Menfchen, weil es im’ der Seele: allein gegründet iſt. Die Sinulich⸗ keit it von unedlerer Art, weil fie ua Sedingungen des Koͤrpers beruhet 32822). Ueber die Entſtehungsart der ſinnlichen Vorſtellun⸗ gen ſindet man beim Plato nur einige wenige Bemerkun⸗ gen, die zum Theil von andern entlehnt ſind, und noch ſehr roh find; weil das Nervenſoſtem noch nicht entdeckt mar, Nicht die Nerven, ſondern Adern nehmen die Eins druͤcke auf und pflanzen fie fort; denn es iſt wohl nicht Ä wahrſcheinlich, daß Plato unter den PAsßes Nerven ver· ſtehe, da Ariſtoteles zwar die Nerven, aber — ihre Sunftion fennt es R > IK IE Be | 381) Timaecus S. 316. Aoyos' ds 6 nara Tau- ‚ray aAyIys yryvopsvos, mei TE Inrsgou Bw at mept TO TAUTSV, EV TW. KIVOUMEUH up" Kurou Depo- MEVOg Ave PIoyyou na MS, OTav mev mEgi TO „eucHyrov yıyoyrar, au 6 T9u Sarspoy Kurkos 00905 IV EIS maoay auro av Vox dayysıky, doZau za mizeis yıyvovras Beßaror xaı aAyIez’ Orav öc an mehr To-Avyisınov y,- Kai 6 TauTou KuRkog EUTUOYOg . .W) aUra MAYVVOYy, Wus Emmy TE E86 alayarg ancd · 7cAerrau. ©. 329 330, 531, 333. * 392). Aleibiades I ©: 65. Timacus ©. 26% 38 — ne 363) Timaeus ©. 334- 336. 377- 381. 404. se Republ, vIL.S. 146. 2 438 weites Hauptſtuͤk Sechſter Abſchnitt. Da / jedes Vermoͤgen ſeinen eiguen Trieb hat, ſo nimmt Plato auch einen Trieb nach Dorftellungen an, theild nah finnlihen, (Dikodofı« ) theils zum Denken und reinem Erkennen € QiAoaoQıa) A) Luſt und Unluft (denn für; die Gattung; Se fühle, findet fi noch kein beſonderer Ausdruck beim Plato) find Veränderungen des Gemürbs. (yavaaısz ung Cs), bei denen es ſich leidend verhält 3°): , Won beiden iſt nach der Zuſtand verſchieden, wo man weder Luft noch Unluft empfindet (ro Mare yaıpcıy pure Aursıs9aı ); denn bier iſt die Seele gar nıcht affıcıyt; er ſcheint aber Unluſt, wenn er auf das Gefühl der Luſt, und Luſt, wenn ep auf das Gefühl ver Unluſt folge 39), Wie bei Vor⸗ ſtellungen, wird auch hier das Gefuͤhl, das Object und Subject unterſchieden 37), Die Gefuͤhle gehoͤren zu den Dingen, denen an ſich fein Grad zukommt (areıgav); das iſt, es laßt ſich fein Grad denken, Über oder unter welchen ein Sefüp! nicht Fünnte erhöhet oder erniebriget werden 3). Ä Se - ur de Republica IX. S. 357+ 258 V. ©. 66. 56 57*. 20 S. 29 26 de Republ 286) de —— IX, ©. 264. zo ye You ev wuxy Yryvapzvoy war Ta Aumygov avgdis Ti5 aud0: . FEp.E59V === TO de pure Aumagov, yyre ydv — ovxio PEVTQL nai EV 1a TOUTOV. Tor rn 387) Philebus S. 261. | 388) Philebus ©. 242. vhdory 4 nai — msgag EXsToV; 9 Twy TO Malkoy re nal yrrov ÖExajpreven “E50; var, TO Haar. BE Philoſophie des Plato 430 Se Urſachen der Gefuͤhle find theils in dem Koͤrper, theils in der Seele Jede Veraͤnderung in empfindbaren Theilen des Korpers, (di. ſolchen, welche der Emindrücke leicht empfaͤnglich find, und fie bis dahin fortpflanzen, wo ſie zum Bewußtſeyn der Seele gelangen ) kann zung Gefuͤht werden, wenn die Vewegung nicht zu ſchwach iſt, vder zu oft wiederholt. wird, daß fie zur ©: twohnbeit, und daher nicht mehr empfunden wird, wie dies der Falk bey dem Sehen iſt/ woraus die klarſten Unfhauungen aber ohne Gefuͤhl entſpringen. Iſt die Bewegung wider⸗ naturiich, ſtoͤrt ſie die Einheit-und- Härmonte des score. - pers, fo entfteht ein unangenehmes 5 ein angenehmes Ges fühl aber, wenn fie der Natur angemeſſen ift, oder die "Harmonie durch. fie mieder hergeſtellt wird. Durft und "Hunger find Stoͤhrungen der’ Harmonie ‘des Leibes, denn es fehle etwas; Eſſen und Teinfen erſetzt das Mangelnde “wieder; jenes find unangenehme, dieſes angenehnie Ge⸗ fuͤhle. Wenn die Ausleerung und Abſonderung nach und nach in kleiner Quantitaͤt, die Ergaͤnzung aber auf ein⸗ mal und in großer ‚Quantität, erfolgt, fo entſteht ein ängenehmeg, aber kein unangenehmes Gefühl, meil die insiserang ohne Bewuͤßtfeyn geſchah.· Das Gegentheil “srolge, wenn ein Theil auf einmal aus feinem natürlichen Zuftande.gefegt, aber nur nad) und nach wieder hergeftellg wird, 3. Bel belrkerleeten Zhelen, die nach und nach heilen 39), 1. X’ 2 Ihe Befriedigung eines Trlebes. ‚oder einer Begierde geräpret Luſt, ſe Rn die Nichtbelriedigung Unluf, Das 5, * her 300) Phifebus S. 250. wg EV — ur. ‚pEugs vᷣpuv ev Tois uoig, aͤpo Aou rs Dvostug au yeusan- aAyyöovon Eu ru—- TORE pryrecda Yoovw ⸗ akıv ÖE ÖpuaTropeung TE nai E85 Tv Auryg Yuan amovoyy, 1 yüovyu Yıyusgdar’ Aenteon Gr 251. Timacus.&, 576..377- | 449 Ztoeites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. u ber iſt mit jeder Thaͤtigkeit dee Seele, wie dem Vorſiellen, Denken, dem beſtimmenden Einfluß der Vernunft auf dos Handeln, Vergnügen verbunden... Auch auf einzelne Vor⸗ ftellungen und Urtheile folgt bald Vergnügen, bald Mißs ‚vergnügen 3%), Auch kann fih die. Seele die :Befriedis ‚gung eines Bedürfnifies ale möglich oder unmöglich vor ftelen, woraus ein Vorgefühl der Luſt und Um Juft (mooxagsıv, mpoAvresdar) entfpringe 39), Die Gefüple find alfo in Anſehung ihres Urfprunge koͤrperliche oder geiſtige. Zu den geifligen gehören die Anticipationen der Luft. und Unluſt, die moralifchen., and die das Vorſtellen und, Denken begleitenden. Die : förperlihen entfpringen aus ‚der Befriedigung hieriſcher Degierden (emSupyrmov). oder; es- find die ‚Gefühle der Stärke, des Muthes, des Stolzes und Ehrgehzes ' (Fuposöss). Die angenehmen Gefühle diefer Art, find meiftentheild von der Befchaffenheit, daß fie * auf vor⸗ hergehende unangenehme folgen: 222). Die Gefühle find theils wahr, cheils falf 6, wenn nehmlich die Vorſtellungen, auf melde fie folgen, wirkliche oder nicht mwirklide Dbjefte: find. Man fann BB üben, etwas — was nicht wur, nicht iſt, dad de Rapubl, vm, S. 8.10. IX — 259. Philebus ©, 211. höschai de nar rov owPoovouie, auro rw dohpöikv — — ö' au Aal TOV Poorourra ayrw Tin un 391) Philebus &, 251, 266, de Republ, IX. ©. 265. ouxoiv ‚as du weg mEAkovrıwV ToU- TWwy Eu, mootöoxıag yıyvopevan - mp0 IyGsıs .[ moog- ꝰyoceis] TE naı mpoAumyass Kara Tayra RO 392) Philcbus ©. 211, 277, 315 de Re- Bad IX, ©; 265. 268 - 279. 6 Eu \ 2.07 Philofophie des Plato. 0 und nicht ſeyn wird, wenn fi z. B. Jemand einbilder,, er befige einen großen Schag,-nud fid) deshalb: eine große BSluͤckſeeligheit träume. , Dann iſt das Gefühl: falfch, grundlog. Auch felbft wahre Gefühle können. auf gemiffe Weiſe verfaͤlſcht werden, wenn man die angenehmen mit den unangenehmen, und dieſe mit jenen zufanmenftellt and vergleiht. Das Vergnügen ſcheint alddann im Ger genfat ‚des Mißvergnuͤgens, und diefes im, Gegenſatz des WVergnuͤgens größer zu ſeyn, ald «8 wirklich if. Eine h aͤhnliche Taͤuſchung entſteht, wenn man aus dem Zuſtande V der Luft oder Unluſt in den Zuſtand der Gleichguͤltigkeit uͤbergehet. Diefe Unterſcheidung beteift aber das Object, nicht das Gefühl felbft; denn auch ein falfches Gefuͤhl if ‚noch immer Gefühl, bei dem man fo viel empfinden fann, als bei einem wahren 3%), — | ‚ Die, Gefühle find entweder rein, wenn die Luft nicht mit Unluſt, und diefe nicht mit jener verſetzt iſt, „oder. gemifcht, wenn beide fo genau mit einander vers webt find., daß fie nur in Gedanfen ‚getrennt werden koͤn⸗ j nen, 5 B. das Jucken, der Kigel. In diefer Miſchung find die entgegengefegten Gefühle einander entiveder gleich oder ungleich / z. B. In dem Jacken Ift mehr unangeneh- | Er er 7% Dar f mes 393) Philebus &. 260-267. ©. 268. ds yu ' PEV Xaiosiv OVTWG asi TO TO Mapamay Ömwg .0UV Kat eng Yoıpovri, MA MEUTO EMI TOR 0VCL, ‚nyd Em Tas Yeryovocıv EvIoTE, moAkanıg Ös, Kal ıdwg Fräsın . gang, Em TOIS. mög MeAAouam mOrs Yeryassdau, —S. 269-272, ©. 271, vv, ösys duras (Avman, ydovar) dia To moppwdev TE nu eyyuSsv,. Inasore meroßallousvaı Iswgss I, xaı Aa TeIEMEVAs mag” aAlylas, du mev Höovay mapa To Aumypov perlous Yawvoyraı naı oPoöporspm, Aumaı ö'av dia ro mag Yöovas, 7’ ouvavrıoy enziwans, de Republ, 1X, S. 205; 266, E — —* # | | i 442. Zweites Hauptſtuͤck. Sechſier Abſchnitt. mes als angenehmes, in dem Kitzel hingegen meht ange · nehmes als unangenehmes Gefühl. Go wie nun die Luſt vder unluſt uͤberwiegend iſt, wird das gemiſchte Gefuͤhl Luft oder Unluſt genennt 3%): Die gemiſchten Gefuüͤhle beſtehen entweder aus bloͤs kͤrperlichen, oder blos geiſtigen, oder aus koͤrperlichem und geiſtigen zugleich. Ein Beiſpiel von der erſten Art iſt, wenn jemand friert, und ſich zugteich waͤrmt, oder erhitzt iſt, und ſich abkühlet; beide Gefuͤhle find zugleich vorhanden, er ſucht aber des rinen ſich zn berſtchern, und des andern los zu werden °%) Die geiftigen gemiſchten Gefuhle ſind fehr zablreidh. Zorn, Esch, Sehnſucht, Liebe, Eiferfücht , ‚Neid und derglels chen’ gehören dahin. Man meint in Traüerfpielen und empfindet dabei Wonne; das Laden in Forifpielen’ iſt ed nfalls gemifchter Urt. Hieher gehoͤrt die Luſt, welche uns die Anvollkommenheiten Anderer erwecken ( GI005). Wir lachen über den Selbſt ünfel und die Eigentiebe der Menſchen, 'wenn fie fi) mehr Vollkommenheiten zutrauen, als ſie wirklich beſitzen, oder wenn fie ſich über andere erheben, fobald diefe Fehler von der Art find, daß fie für ung und andere feine ſchaͤdlichen Folgen haben. jede uUnvollkommenhelt aber arweckt an und für ſich Mißfalien; wenn wir alfo über dieſelben lachen, fo iſt es eine Art vom gemiſchtem Gefühl, desgleichen im dem Theater und dem großen Drama des. menfhlichen Lebens. fehr haufig vor⸗ fomme 3%), — Der dritte Fall findet ‚bei dem Begeh⸗ ren ftatt, wenn in dem Körper ein Beduͤrfniß iſt, wel⸗ he Unluſt eryegt, uud die Seele nach Befcledigung — 394) Philebus S. agr, © 309) 'hilehus &, 28% 356) Philebus 8,233, 284 288 pPhiiloſophie des Plato. 4483 ſelben ſtrebt. Inſofern ſich did Seele die ‚Befriedigung. des Beduͤrfniſſes als moͤglich oder unmoͤglich vorſtellt, entſteht ein. Vorgefuͤhl der Luſt oder Unluſt, und- auf dieſe Art kann ein angenehmes und unangenehmes Gefuͤhb, oder eine gedoppelte Unluſt, davon eine in dem Körper, und eine in der Seele gegruͤndet iſt/ in ein — ſchmelzen 27). Es giebt aber auch — Gefühle: — ange⸗ nehme. Gefühle finden ſtatt, a) wenn auf ein Beduͤrfniß, das man ‚nicht empfunden: hat, Befriedigung folgt ??°), b). Bei Anſchauung ſchoͤner Geſtalten, Töne und Farben, Dleſe Objeste find nicht etwa wegen eines; Verhaͤltniſſes zu andern Dingen, ſondern an und fuͤr ſich ſchoͤn, und gewaͤhren ein eignes reines Vergnuͤgen, welches von gang anderen Art ifty als das durch. Veraͤnderungen des Koͤr⸗ pers entſtandene 39). Hieher kann man auch die ange⸗ nehmen ‚Gerüche rechnen; denn ob fie gleich den vorigen am Würde nicht glelch klommen, ſo geben. fie doch ein reis med Gefühl; mit welchem nichts Unangenehmes: verbuhden iſt NIC) Beim Vorftelleg und Denfen. Denn jede der Natur angemeffene: Befriedigung. eines Triehes iſt mit > ea Gefuͤhl rauen ) welches * dem Den⸗ —— — Au Gr 397) Philebus S. 282, 259, — “ 293 Philebus ©. 290; 'xat ooa mag tvdtiag avaug- yrous ExXovTa al aAumöus, as mAygwasız aus? Tas nai Zosıag ——— orcev rabo didtoon. 399) Philebus S. 290, 291. ravura yap oux sivoi 00% mi. mad key, nagamzp "Aa, aA ası nala nag' kura mehunsva, Hay Tivag Höovaz omtia⸗ exew, oudey Taıg Tu x*wyocun mgasPeges. Philebus 8. 291 « 434 Zweites Haupeſiuc. Sechetet Abſchnitt. ken um ſo reeller ſeyn muß, als die koͤrperliche Luſt, je mehr die Seele vor dem Koͤrper den Vorzug behauptet, und ihre Thätigkeiten, als eines Dinges an ſich, mehr Realitaͤt beſitzen. Daß dieſes geiſtige Vergnuͤgen aber von reiner Art iſt, erhellet daraus, daß dieſe Thaͤtigkeiten keine Beduͤrfniſſe, zum wenigſten nicht von der ſchmerz⸗ haften Art, wie die des Koͤrpers ſind, vorausſetzen. Auch der Verluſt der Vorſtellungen durch das Vergeſſen iſt mit feinem unangenehmen Gefuͤhl verfaüpft. Es iſt zwar . zumellen unangenehm, wenn man fie verhißt; aber Dies fes unangenehme Gefühl haftet nicht an dem Mergeffen felbit, fondern entfpringt aus der Rrflerion in; Beziehung auf den Gebrauch *°!):: Da:e8 reine angenehme Gefühle ‚giebt, fo iſt die Behauptung derjenigen falſch, welche mey⸗ nen,’ es ‘gebe fein eigentliches Vergnuͤgen, ſoudern dag z Aufhoͤren des Schmerzes mwerde.-dafür angeſehen 2), Die-Gefühle find endlich dem Grade nach ſtark oder ſch wach.“ Etarke Gefuͤhle ſind diejenigen, welche auf ſtarke Begierden folgen, zBdie aus Befriedigung thie⸗ ühſcher Beduͤrfniſſe entſpringenden welche ihren hoͤchſten Grad ‚in gewiſſen krankhaften und unbollkommenen Zuſtaͤn⸗ den der⸗Seele und des Körpers erlangen, 3: B. in Fie⸗ bern, bet einem unmäßigen Hange zur Wolluſt. Denn firelihe Menfchen beherrſchen, mäßigen und befchränfen ihre Begierden,, die Sklaven der Sinnlichkeit laſſen iknen vollen Spielraum, Die ftarfen Gefühle find daher grems zenlos, unmaͤßig, fie ſtehen nicht unter dem Einfluffe einer befiimmenden Urſache, Cder Vernunft); fie gehoͤ⸗ ven daher mit der rohen, ungebildeten Materie, in eine Klaffe. 401) Philebus ‚8,291, 292. de.Repub!. IX, Si 267; 268. Ä m Philebus ©. 274- 216. de Republ, 3 Phllofophie.des Parc >..." 448 Klaſſe. Von dieſer Art finds auch: groͤßtenthells die ge⸗ mijſchten Gefühleyu 5; B. die mit wem ng und Kigel verbundenen: -:, Th et ' Haben die farfen sberndte: nein angel nebmen Gefühle mehr Anſpruch auf Wahrs heit? &o mie bei den Farben ein wenig Weiß, ohne _ ollen Zufag anderer Farben, mehr weiß ift, als die größte Duantität deſſelben, menn fie mit andern Farben vers miſcht “ft: ſo iſt auch ein reines Verghuͤtzen, obglelch von cinem geringern Grade, doch ein wahreres Vergnuͤgen, als ein ſtatkes, das mit einem · hohen Giad "von unluſt derſetzt y. ie Welche Gekuͤhle viren en den Bärrugt Diejenigen Menſchen welche roh nach ſtunlichem Genuß und Erwerb trächten, bleiben auf der unterſten Stufe der Menſchheit ſtehen; ihre Blicke find gleich den Thleren auf die Erde geheftet; Eſſen und Trinken und Geſchlechtsluſt fuͤllen ihr ganzes Leben aus. Dieſe Menſchen ahnen nicht die Wuͤrde ihrer unſterblichen Seele, und empfinden nie ein reines und dauerhaftes Vergnuͤgen. Ihre angeneh⸗ men Gefuͤhle ſind nur Schattenbilder, Vergnuͤgen mit Schmerzen gepaaret. Nicht anders iſt es bei denen Men⸗ ſchen, deren einziges Streben auf die Befriedigung ihres Ehrgeizes, ihrer Herrſchſucht und Rachbegierde einge⸗ ſchraͤnkt iſt. Nur da, mo die Vernunft In ihrer Würde erfannt iſt, mo fie die Regierung führt, und alle, Kräfte ihrer Leitung folgen, wo wahres Intereſſe für Wahrheit und Recht herricht, da iſt nur wahres, reines, dauer⸗ haftes Vergnügen zu finden, eine. vollfommene Harmonie aller Empfindungen und Gefühle, fo wie Zufammenflims mung aller a Denn mis des Thätigfeit der = Eu hie Ver⸗ sr Philebus © a7: 280, 298. 44) Philsbas S.293, 294. | — 446 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. | Vernunft laſſen ſich nicht alle angenehme Gefühle verels nigen, ſondern nur-die nothwendigen und reinen, welche mit Gefundheit des Körpers, und jeder Volllommen· beit der Seele beſtehen *) 5 Begehren (emidunew, Ielsıv, Bouksdar) heißt fo ale ‚als ,. nach einem Grgenftande Hinfireben, oder dem Gegenftand fich nähern, oder · ſich ſelbſt zuſagen und erlauben, daß etwas geſchehe, etwas betriediget werde derabſcheuen iſt fo. viel. als ſich etwas verſagen/ einen Gegenſtand zuruͤckſtoſſen. Dieſe Handlungen der Seele haben alſo Aehnlichkeit mit dem Bejahen und Vers nr. im — — — — —— wir — Per Ö; 3 a * eh * —* RT wer) ne. #253 * us) de Republi 7:6 26%- 76. Phileb; 1: 3,315, Mac FE —* aAyIeıf vi Hadapak, Ag 4 gps oxXesov, ömziag Ylaıv vopıle, Hau mgos Favrag ag me Dysıag Kar Fou owOpoveiv xal öy xoı Zupie ao aperyg, Ömodaı 'Kadameo Jebv Öraödı yıyvb- " pevar, aury EuvaroAoudous: maury TAurag yvovs Tas ſ xavty, Favraz jeryrus' tag] d" asi‘ kr’ aQoo: ouiy Kat ⁊y — nania Embrtetas, MOAAY mu aÄdt "ya Tin vw palyvurod” rev PR olktvov Öri- Kaldycyy Lö kat acaoiacd rari⸗ — na Ron; Mage Ku. raury meıgagdoi, Hı more ev Te —— noi Fe routi — — 2 oo) de Republ. iv. s6. 463, aci Fyv roV erir Supauvrog Woyiyv duxi 4 Tor eDiegIar Oyosic aus vov; ‚60 mv emIumnsy moosayes9ba -FouTo, 5 ar Boviyru & yeverdotz y av Kagooov zIeAaı rı Äi bropisdyval, amıvedetv Tovra mpox Auryvs| bskep Tıvof 122. Pbiloſophie des Plato. 447 begehren oder verabſcheuen, iſt das —— gen \eridupyrinov, emifupua, so, BovAyas) Worunten Plato zuweilen das Wollen und Begehren, das ſinnliche und dernuͤuftige zuſammenfaßt, ob ex fie gleich auch sur weilen wieder unterſcheidet 7)... , Jedes Begehren iſt auf“eindn Behenland ——* Niemand begehret aber etwas, müs er ſchon iſt, oder hat. Das Begehren gehet alſo auf das, was nicht ges genwaͤrtig oder vorhanden iſt, auf tag, was fehlt und es ſetzt alſo einen Mangiehz ‘ein Beduͤrfniß (dev a1) voraus, deſſen Er fuͤllung oder Befriedigung (ABWEHR): dab Dbject des Begehrens if. "Den Bes fig des Guten fih- zu verfhaffen, zu ſiche⸗ ven und hauerhaft zu machen, das Boͤſe zu entfernen, if das allgenieine Object und Geſetz alles Begehrens. Kein Menſch iſt mit Willen unvollfommen Feiner wuͤuſcht das Boͤſe oder Unvollkommene, ſondern das — um durch — Ba slärkfelig zu wet ⸗ den 3°). : | Dieſer Gchenen if über heile das An genehmn 7 Sinnengenuß, oder das eigentih Gute, wie «8 von ber Vernunft erfannt wird: Sg. iſt das | "2 EEE nt soil FI TRBPET EIER TRTBPERILIT apwvrog swoheyörlevi AUTOU Ts Aevedewi. — rk de, To aßovAsıv, Kai my) eIeÄsiv, go’ en * oon cis 70 arWwIEr 700 —— ar SHE: + Le. u ao), de Repyblica iv, 8 36 Sympas fium &i 235: — 408) Sympofium &; 224, 225 iitkbun 8.256; 257. :Menn © 342, 343. u. tagoras &, 86. ipgercher € S, as * Sympof, ©. 234. al 448 Zweites Haupffläd, Sechſter Abſchnitt. Begehren — dleſes das vernuͤnftige Wollen (Boviyaıs) 4 Das ſinnliche — gehet anf finnliche Luſt; es iſt uns gegeben, angeboren, alſo inſtinktartig. Es iſt nehmlich in der ſterblichen Seele, (in dem Suposiösg und amigupyrinov ) gegründet, und begreift, ſowohl Die Begier⸗ den nach Erhaltung des thieriſchen Lebens, und, nach Korte pflangung des Geſchlechts, ald das Streben nad Ehrer Kuhn, Herrſchaft. Die Begierden der. erſten Art find, theils zur Erhaltung ‚des Körpers unentbehrlich, und koͤn⸗ nen Daher weder abgemiefen,. noch ausgerottet werden, theils aber Überfchreiten, fie Diefen Zweck, und, können, ine fofern eingefchränft. werden. Die erften find nothwendige⸗ unwiderſtehliche ( avayıaıa ) PR die legten entbebrliche Bes — glerden (jun avayamar) #19). Dieſe Begierden entſtehen auf dieſe Art: das Beduͤrfniß iſt in dem Körper ,. die Hegierde gehet auf die Befriedigung, das Gegentheil des Beduͤrfniſſes. Das Mittel der Befriedigung, beftimmf die: Seele, nicht: der Körper, Die Seele ift. alfo eigentlich, der letzte Grund des Begehrens, zu welchem der Koͤrper nur die DVeranlaffung giebt, und dadurch, iſt fie‘ dag Prineip des Lebens. So richtig dieſes an ſi & if, ſo ſetzt doch Plato noch etwas zur weitern Erklaͤrung hinzu, welches eigentlich keine Erklaͤrung iſt. Die Seele, ſagt er, beſtimmt ds Mittel r ne vermittelft der Er⸗ se NEN — 409) Deftalsten S. 253 —— S. 137. ad smısupaa Ti5 601 Öoxei EIVOL , yris ydo- we oVdgpiär scıy. una: = Soväe' Gou- Ayaız, 4 MeV ayagov Mey oudEl Bouleraı == Phac- drus S. 301, | | \ 410) Phasdrus ©; 301, » de Republica Wli. S. 213, 214. 1X, ©; 2373 258. de Legib, V, ©, 215. —*8 N Philoſophie des Plato. — 449 innerung an den ehemaligen. Genuß.Allein, wie Jäße ‚Ph das erſte Begehren erklären ?. Anftatt die Moͤglichkeit des Begehrens zu erklaͤren, ſchiebt er die Frage nach der⸗ felben nur etwas: welter zurück +7). _ — Das vernünftige Begehren iſt das durch die Bernunft beſtimmte Begehren, oder das Streben nach dem. von der Vernunft erkannten Guten *U*). Als ver⸗ ‚nünftige Weſen unterfcpeiden die. Menſchen den Zweck von den. Mitteln ,. und fie wollen diefe um des Zwecke willen. Den letzten Zweck, um deffen willen alle übrige „gewollt, auf den alle begogen, und. dem alles unter geordnet wird, erkennt die Vernunft 5. amd diefes iſt das letzte abſolute Gute *13), Alle Gegenſtaͤnde, melde die Meuſchen begehren, ſind zwar inſofern gut, als ſie begehret werden; aber fie können fowohl feheinbar als wirklich gut ſeyn. Es iſt nehmlich ein wichtiger Unter⸗ Aſchied zu bemerken. Ein Gegenſtand iſt entweder des⸗ ‚wegen gut, wei er begehret wird, weil er annehmlich iſt, „oder er wird begehret, weller gut ift; mit andern Wors ‚gem, dee Grund, daß er begehret wird, liegt entweder in dem Gegenftande, oder in dem Begehrenden, (er ift obs jectiv oder ſubjectiv gut). So iſt Heiligkeit, Gerechtigs keit am ſich ein Gegenftand des Begehrens; andere Dinge nur — weil fie begehret werden. Das Gute der | | em. 41 — Philebus ©. 257, 258. mv Vu apa 7% mÄypwosws eDanresdaı Aoımov puypy. „..412) Definition. ©. 293. Baukyng, «Pens ue- —F Äoyov o9Fon" suhoyos‘ ogeäig pi META A0- _ you Hara Guam. | | * 413) Gorgias €, 46:48; Lyfis S. 243- ' 245. Sympolium ©. — Meno ©, 342, 343. 3 Tennemanns Beta der oilofobie ia Sf \ 450 Zweites: Haupfftüc, Sechſter Abſchnitt. erſten Art wird nut allein durch die Vernunft erfannt, weil fie das hoͤchſte Erkenntnißvermoͤgen und göttlichen Urfprungs it #9). Das mwirklide Streben nach dem, was gut an ſich, iſt die edele oder himmliſche Liebe: Das vernünftige Begehren unterfcheidet ſich nicht nur durch den Gegenfland, fondern auch Durch die Art des Aeußerns. Das ſinliche Aufert fi ſogleich nach der Ges burt infiinftartig, jenes ſetzt aber die Thätigfeit der Vers ‚nunft voraus. ° Jenes iſt angeboren, dieſes ers 'worben au), 2 | Plato ſcheint unter dem Boviyos noch befonders ‘die freie Willkuͤhr fi) gedacht zu haben, vermöge deren "der Menfh der Urheber feiner Marımen und feints Charakters If, wovon wir In der Ethit mehr ſagen wer⸗ den *10). Alle dieſe hoͤtigkeiten und Wirkungen, alle Bote ſtellungen, Gefühle und Begehrungen, werden in das Bewußtſeyn der Eeele aufgenommen. Daher ift in dem Menfhen Einheit und Vieleit, Harmonie und Widete fireit. Er folge verfchiedenen Antrieben; läßt ſich bald durch finnliche Begierden und Gefühle, bald durch die Vernunft zum — beftimmen, iR bald Herr über n% 414) — ©. 22-24. oux or Gr Aovuevov &gı, Qiksıraı Umo wy Qilsıran , aAl or Orsırau QıAoypevov — diori apa 6cıov &5ı, Qiksı- ro, aA ovx' örı Diksırai, dia TOouro 0610V Egı. 415) Bhaedras ©. 301. Exasw Öduw TIva £50V usa xovre zo ayovte, div £moneda, ylav ayır rov' 3 ev zuuros ouca smiFunıa Hoovmv’ aAAy de EMIKTYTOS code, Wienery rou agısov. Timaeus ©. 427. | 416) de ———— X. ©. 2. Philofophie des Plato. 451 ſich, bald feiner: ſelbſt nicht mächtig Croserrwv,. Sariov ‚zaurou)s Wermögesder Sinnlichkeit fucher er das Ders gnuͤgen und: fliehet: den Schmerz. : Hieraus: entfpringen - fehr, mannichfaltige Gefühle und Beglerden, ‘welche nicht ‚zufammenftimmen, und denn Menſchen bald dahin, bald - dorthin führen. Die Vernunft hingegen ſchreibt nur eine Regel vor, und dringt darauf, fie in dem gäarigen Leben zur einzigen Richtſchnur zu machen. Folgt er den: An« trieben der. Sinnlichkeit, fo iſt er ein Sklavfolgt er dem Geſetz der Vernunft, ſo iſt er Herr uͤber ſich und mit ſich ſelbſt eins”), da 2 Ra Die Bolfommenhelt des Menfhen bes ſtehet in der barmönifchen Uebereinſtim⸗ mung des Körpers and der Seele, Vollkom⸗ menhelt iſt uͤberhaupt Harmonie des Mannichfaltigen. Daher muͤſſen Koͤrper und Seele, die ſo enge mit einander ‚verbunden find, in einem richtigen und harmoniſchen Verhaͤltniß ſtehen. Denn iſt der Geift ſtark und thätig), der Koͤrper aber ſchwach, ſo wird der Körper entkraͤftee und ausgezehrt; iſt aber der Körper: ſtark und der G ſchwach, ifo bleibt die Bildung des Geiſtes zurück +13), u Die Vollommenheitder Seele Cevedin) beſtehet ebenfalls in einem richtigen Verpälenig und Kate Fonifchen Uebereinſtimmung "Gradıs sKoruög). "u Die Ders. nunft, ald die regierende und auffebende Gewalt ih dem Menſchen, muß über das Vegehrungs: und Gefuͤhlver⸗ gen das Uebergewicht haben, danılt fie mit Weishet re Eee Tiere: Dia u 4 417) Parmenides &. 77. Sympofium S. 240. de Legib. I. ©, 44, 4%: de Re- : pabl. VW; S, 349.d Legib: IX, (Shyg, Xu, &, 29-2 .D ri adiidugar IB) Timaetıs, © 405-4274" Chats Sauger ee, 452 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſer Abſchnitt. das Steuerruder fuͤhren kann. Darin beſteht die Ge⸗ ſundheit der Seele und ihre unſterbliche Wuͤrde Iſt aber eins von dieſen Vermoͤgen ſtaͤrker, als die Vernunft, fo wird der Menſch ganz irrdiſch geſinnt, und ſinkt unter ‚die Würde des. Menſchen, ja bie zum Thiere herab #9), Sie wird durch harmoniſche und zweckmaͤßige Thaͤtigkelt befördert, und erhalten Körper und. Seele 'müffen : beide verhoaͤltnißmaͤßlg geübt, alle Wermögen der Seele in: gehds ziger ‚Proportion und Unterordnung zu der. Vernunft ger braucht, in: Wirkſamkeit geſetzt und genaͤhret werden, Das Begehrungs ; und Gefühlvermögen darf tueder Mans gel leiden, noch überfättiget werden, damit fie nicht. in „beiden Faͤllen die Vernunft beuntuhigen, und: ihrer. Sunt ‚tion, der Erkenntniß der Dinge ‚ı ftöhren *20). Die Unvollkommenheit der Seele — xoryoia) beſtehet in dem Mangel des gehörigen Verhaͤlt⸗ niſſes, und der durch die Natur beſtimmten Unterordnung. So die‘ die Unvolllommenheit des Koͤrpers, entweder Krankhelt oder Fehler in dem Bau. und der Gefalt der Theile iſt, ſo laſſen ſich auch zwei Arten der Unvolllommen⸗ heiten der Seele denken, deren eine der Kranfpeit,. die andere. der. Haͤßlichkeit entfpricht: (urſpruͤngliche, zufällige uUnvollkommenheit). Häßlichfeit (moxoz) iſt Mangel des Verbaͤltniſſes in der urfprünglihen-Mnlage, wenn ein Theil zu ſtark oder ſchwach if. Mäßlichleit der Seele iſt Un» swiffenheit, das iſt, Schwaͤche des menſchlichen Geis ſtes, vorzäglih der Vernunft, daß fie entweder nicht nad Erfenntniß firebt, oder ungeachtet des Strebens das Ziel nicht — und — Adi — * ZU RT 9) Gorglas ©. 39% or; 12, * de Republica IV, © 379% 378. air ä 23 Timaeus Se30 43. ‚de; Republ. ’ S. — 240. Theaen: &71.; — / Phllbſepht d des Pleto — 453 Dh unwiſſenheit iſt aber von doppelter Art, entweder bloſſer Mangel an Erfenntniß Cayvam) oder mit Duͤnkel verbunden (apagıa). Die letzte iſt ein groͤſſerer Fehler; denn, wenn man ſich faͤlſchlich einbildet, alles zu wiſſen, fo hat man nicht nur kelue Erkenntniſſe, ſondern man fuͤhlt nicht einmal das Beduͤrfniß derſelben. Dieſe Une wiſſenheit iſt in dem Praktiſchen von den ſchaͤdlichſten Fol⸗ gen. Inſofern Hierbei Schwaͤche und Unthaͤtigkeit der Vernunft zum Grunde liegt, nennt Plato dieſe Fehler Un⸗ vernunft (aPpoouyy,: avoia), Ein kleinerer Grad derſel⸗ ben. iſt Dummheit, Einfalt, ein hoͤherer aber Wahnſinn, Verruͤcktheit, unvernuͤnftige Handlungsweiſe (kavıa) 2). Die übermäßige Stärke des Begehrungs⸗ und Gefuͤhlver⸗ moͤgens oder des Hangs nach Sinnenluft , oder die auge : geagtete Selbfiliebe , iſt eine der größten Unvollkommen⸗ heiten „ber Seele, denn fie unterdruͤckt allen Sinn für das : Wahre, Gute und Schöne 92), Krankheit der: Seele iſt Unemigkelt und Widerftreit des Mannichfaltk gen in der. Seele, was zuſammenſtimmen ſollte, wenn z.B. die Urthelle mit den Begierden, das moraliſche Ges fuͤhl mit der Sinnenluſt, Vernunft mit den Empfindun⸗ gen, und: dieſe untereinander im Streite liegen, woraus | en. don — entfpeingen Ay m. — —* er... De pa br Republic IV, & 378. sophiſta G. 223. 226. Alcibiades I. ©, 31, 32. de Legib. Un &, 130, 131, Theaetet- S. 122 Alcibiades H, 9.79: 81. Be "mies © 423° - 49 — S. ei er .g _. MM ©, 213, 214.: \ 423) Sophifta ©. 208, — Gorgias S. 67. Timacus;G, — et we “ \ * uk Zweites Hauptſtuͤck. Sechſtes Abſchnitt. Die Urfachen diefer Unvollkommenheiten Aigen theilg in. dem Körper, theild im der Ergiehfuna und Staatsver⸗ foffung. : Der unmaͤßige Hang. zur Begattung; : und — Äberhaupt: zur Sinmenluft, iſt kein verſchuldeter Fehler, ſondern eine Folge von phyfifhen Urſachen. Schleim, Gaulle, und andere Säfte, wenn. fie verdorben ſind, Has ben einen 'mannichfaltigen Einfluß auf den Geiſt. Hart⸗ nuͤckigkeit Unmuth, Tollkuͤhnheit, Feigheit, Vergeſſen⸗ heit, Ungelehrigkeit, entſpringen meiſtentheils aus Förper» lichen Urſachen. Die Begierden und Leidenſchaften, die nothwendige Sorge für die Erhaltung des thieriſchen Les bens und mannichfaltige Krankheiten hindern und ſchraͤn⸗ fen die Cultur des Geiftes auf vielfältige Weiſe ein. Eine fehlerhafte Staatöverfaffung und ‚Erziehung ‚ böfe Bei⸗ ſpiele, Verſaͤumung der geiftigen Heilmittel find die am . dern Urſachen von den. Unvollfommenheiten und Verderbs niffen der Seele. Auf diefe Weife läßt «8 fi vollkom⸗ men begreifen, wie Menſchen ohne ihre Schuld böfe wer⸗ den 7%), Die Unpollfommienheiten des Geiſtes wirken aber auch auf- den Koͤrper zurück; und ergeugen in bems felben Krankheiten und Schwachheiten. Daher kann man vft ‘den Körper nicht ohne die Seele, und Dir — nicht ohue den Körper heilen R 2.5 v2: | Die Mittel zur Heilung. diefer Gebrechen und Unvols fommenbeiten find uͤberhaupt Selbſtkenutniß, Erziehung, Vermehrung der Kenntniſſe, Verbefferung «der Geſinnun⸗ gen. Wimiffenheit wird duch Belehrung (drdaszadixy) , Sclödüntel durch die Digeiplin (edeyXog)' gehoben. Es giebt aber eine eigne Wiſſenſchaft, weiche lehret, wie der Meuſch die az, erreichen und: Unboffonmen hei⸗ — 5 —— 423, 424, 45. Phac- AR a0. S- 150; 185. =“ en en us) Charmides © Kazyun4: , Pbiloſobhie des Plato. 455 beiten; ablegen 07 nämlich De Moralphllofsphie (m u R),. , "Die Seele wird nun als ‚Subject und Grund von. alien. diefen Verändernngen, Wirkungen, Vermögen ge⸗ dacht; ſie wirkt ſelbſtthaͤtig, empfängt aber auch Einwir⸗ kungen von dem Körper. und den aͤuſſern Objecten. Es glubt von der Seele, als Subſtanz, eine doppelte Erkennt ⸗ uilb, eine ſinnliche und ratlonale. Durch die erſte erken⸗ nen wir ſie, inwlefern ſie uns in unferm Bewußtſeyn er⸗ ſcheint, in Ihren Verbindung mit dem Koͤrper, wodurch wir nie zu einem reinen Begriff von: the gelangen, wenn wir nicht, alles Zufällige, mas nicht, zu ihrem Weſch ‚ger. hört, trennen. . Nur allein durch die Bernunft erkennen mir. fie, wie ſie an ſich iſt, mas ihr Charakter und ihr Streben : Kr, von aller. Gemeinſchaft des Körpexs abgefondert ar), Die: Seele iſt kein Gegenftand der Aufbaus * ſondern nur des Denkens. Daher werden ihr alle. die Praͤdicate beigelegt, welche in. dem Begriff des Noumenong enthalten ſind, und, ale Merkmale eines Koͤr⸗ pers ausgeſchloſſen. Sie iſt unveraͤnderlich, einartig, Ze ſich ſelii hend: einfach. HR), r ‚Die ‚Seele als — “u. 864 Swan. Ma ER S 425. Alkibiades. ©. ale 54 —— — —— | ‚Gore S. 39 117. Nam de Republica X. G. 316, 317. day” "eg ry alydea, ov Aslwßyusvov ös. auro IEa- cas$aı uro TE TG TOV OWNBaTOg Mamas Kat. oAkuv Kanon) cdcxto wor Yes ed d&® AR dıov fg naꝰaoov ’yıyvonsvov, TolwuToy inävog — Öle . Farce, A m r * I» a) 428) Phaedo S. —— 183; 214. 456 Ziveltes Hauptſtuck. Sechster Abſchnitt. blos denfbarer Grund. des Denkens und Wollens kann durch kein Prädicar eines in der Erfahrung gegebenen, Ob⸗ jects vorgeftelle_ werden ,. auch abſtrahiren wir von allem, mas in dem Bewußtſeyn vorgehet. Es iſt alfo der Bes griff eines leeren Subjects. Denn diefe Prädicate; ums ter welchen die Seele denkbar iſt, find ihrer Natur nach‘ nur negativ, melche wirklich. keine Exrfenniniß gewaͤhren. Indeſſen maren fie doch ven fruͤheſten Denfern fehr willlom⸗ ' men, da fie, noch nicht befannt mit den Grenzen der Er⸗ kennbarkeit, durch fie die Ausficht in das Feld des Ueber finnliden zu Öfnen wähnten, und weil man die Seele un⸗ ter dieſen Prädicaten denken, auch fie. dadurch zu erfennen ‚glaubte. Gleichwohl find diefe an ſich leeren metaphyſi⸗ ſchen Praͤdicate in einer zweifachen Ruͤckſicht wichtig. Eins mal dienten ſie fuͤrs erſte zu den Prämiffen für die Beweiſe ‚der Unfterblicpkeit; zweitens ſie waren die erſten Schritte zur Entwickelung des Spiritualismus, durch welchen der Materiallsmus mußte geſtuͤrzt werden. Beides iſt fuͤr die wichtigſte Angelegenheit der Vernunft, die Moralität nicht gleichgültig. | Die Seele iſt von jedem Körper unter ſchieden *?) Denn erfllich -unterfcheiden wir unfere Seele von unferm Körper. Denn alles, was wir hun, beziehen mir auf die Seele, ald das vorftellende und han⸗ delnde Subject; fie bedient fi) des Körpers ald eines Werkzeuges. Die Seele iſt alfo das Beſtimmende (apywv) der Körper, das Beflimmbäre (apxousvov) 3%), 2) Alle Merfmale, melde an äußern Gegenftänden vorfonmen, z. B. Figur, Be. find von der Seele ausgeſchloſ⸗ * 429) de LegibusXH, S. 212. yon o aus Tas zıvou TO av dıaPspovaav, 430) Alcibiades!. S. 57, 58, 59 ‚Gor. - gias.&.42% Phacdo.& ıg%%' wer Philoſophie dis Plato ·457 fen 3). 3) ‚Die Praͤdicate melde der Seele‘ zulom⸗ men, find. von denen- der Körper: gänzlich verſchieden. Die erften find, Nichtanſchaulichkeit, Dentbarfeit, Denken, Erfennen, Bilden, nach Zwecken bearbeiten ; die legten, Auſchaulichkeit, Veraͤnderlichkeit, Bitdungsfähigfeit. Die“ Seele befigt eine absolute Kraft, der Körper eine bedingte. Das einzige, was Koͤrper und Seele gemein haben, ift, daß beide wirkliche Dinge oder Subſtanzen (ovra) find *32), 4) Keine Wirkung der Seele läßt fich aus den Befcyaffens heiten der Materie erklären #3). 25) Die Seele kaun nicht nach der: Meinung: einiger eine Harmonie, das if, das Reſultat aus den Beſtandthellen des Körpers’ ſeyn. Denn bei einer Harmonie laſſen ſich mehrere Abſtuffungen von’ einem niedern bis gu dem hoͤchſten Grade denlen. Dieſer Gradunterſchied faͤllt aber bei der Seele weg. Keine Seele iſt mehr oder weniger Seele, als eine an⸗ dere. — Eine Harmonie beſtimmt nicht die Beſtandtheile, ſondern fie wird durch dieſe beflimme, fie kann alſo auch dleſen nicht entgegen wirlen, noch ihre Wirkung hemmen. Dieſes laͤßt ſich nicht auf die Seele anwenden / welche ge⸗ — und bentacund wa wu: FE 35 nr u Bil: r 431) Epinomis ©. 252, 25. 432) Epinomis S. 257. Ta oyra sulvai ouo, TO * . 70 de owpa’ na moAla Exarepou' ‚wayra ÖeaAAykı m aila, Kal nareha orcocun au rorrov aAko oudev nonou king 433) Phaedo ©. 280. — 434) Phaedo ©, 205, 296. 208-213. y: auv Est. TOUTO gegl yo WUGE nat Kara Tg Onpora- rou — £rspay Eregag wuxg em mAegy Ho — My cm’ EÄaTrov Ho Hrrov auro Toutg eivar bu. z | * > 438 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. Da alſo von der Seele alle Praͤdicate ausgeſchloſſen werden, welche Koͤrpern zukommen, ausgenommen das Praͤdieat der Wirkligfeit und der Selbſtſtaͤndigkeit, fo... laͤhßt fie ſich nicht anders als Subſtanz und Kraft denfen. Das erſte liegt fchon im dem. zweiten, und wird noch. be⸗ fonders durch, die Unfterblichfeit bewieſen. Das zweite | muß aber naͤher beſtimmt werden, meil auch den: Kör« per Cauſalitaͤt zukommt. Die Körper ſind nur bedingte: - Urfihen, welche nicht hon innen, ſondern von außen. in Bewegung gefet werden; die Seele iſt aber. eine ſelbſtaͤn⸗ dige, abſolute Urſache ihrer Witkungen, deren Grund nir⸗ gend anders, als in ihr ſelbſt gegruͤndet iſt. Spontanei⸗ tät iſt der weſentliche Charakter ‚der Seele, und: Deswegen. nennt; fie Plato aus Mangel eines beffern Ausdrucks ſich feld bemegendes ‚Ding tauro kauro xıvauv umd. RK), Wirken, und Leiden ift: überhaupt: dasjenige, wodurch fich ein Ding als wirklich beweiſet. Die Art des Wirkens oder Leidens beſtimmt die Art, des Seyns eines Dinges. Nun betrachtet Plato die Vernunft, ſowohl die theorxelſche als praktiſche, als die. eigenthuͤmlichſte Aeußerung der Seele, und der Charakter. derſelben iſt, Eindheit, Einförmigfelt und die Autonomie. Hieraus ſchließt er, daß das Wefen der Seele in der Spontaneität, Eins fachbeit und Immateriglitaͤt beſteht. Spontgneitaͤt kommt jr lebenden Weſen zu, — ; den run ſanes Wir⸗ — —— xyv; oud Hmwsıauy, +, UM apa — — xci qpoviav TOpTWy A wy av OVvrE9y, ax: vörgg- Faı S. PER ) de LegibusX, ©. 88; 8% — — ⁊ ouvona, ;Tıs ToUmov Aoyas; exonev. aAlav mb Toy .vuv.öy oySevra; r drrauery aur iv aͤuryv Hivsıy Kiyav; Phaedrus ©. 318, 319. Epi- .nomis S. 354. de — V. 8.61, ERTT ca dis Plate: : 499 | ion in ſich ſelbſt Hat Wit —* dieſes aber nicht * dem belebten: Körper, der nur eine todte Kraft iſt, ſondern der belebenden Seele zu... Die Wirkung Diefer Spontas neität iſt das Leben MN)’ Die Einfachheit: wird‘ daraus gefolgert, daß die Seele inimer nach einen -und demfelben- Geſetz wirkt. Denn: dag: Zufammengefegte if feiner Natur nach veränderlich , ſo wle es In feiner. Größe, Figur, us ſoaw. anders wird / ändert ſich auch fein Wir⸗ fen ab. Die Seele kann daher nicht zuſammengeſetzt, fondern fie muß einfach: CAmAoun, ‚novosiöss) ſeyn 37) Wie wenig durch. diefed alles das Weſen der Seele beftinmt.sfey mie ‘wenig haltbar die Beweiſe - für. ‚die Spontaneität und Einfachheit find , liegt am Tage. Denn es iſt eine Taͤuſchung, wenn Plato aus der Wirffamfeit daß innere Weſen der Seele -zu.ergründen glaubte. Er Kommt ur Schritt über: das ee] —— uns das „X RW FIR Ya DR RE ER er | 7) hair ® 319. 777 „ap oa, — — prev eSwgev 70 xiveicꝰoi, —— oͤe Eu9odsv' auro aurou; —R Ws var NZ Du Geb Vous. &ı Ö' £gı TOUTO Burws 8XoV, My adlo ri Eıvaı TO auro duTo Rıvouy, 7 VORM. * 320 de Legib, x. S. 87; 85 437) Phaedrus G. 371 372. de — X. ©. 318. na Tors av mis idin avrye ⁊y aly9y uou, ci TE mokdtöng, eire Movosöyg Eırs J— J Ex aa OmwS. Phaedo &, 210, 182. de . Republ. X, & 316. pyre move old (d 0 Aoyog ouX saccı) Biyre ye au m aÄy9ssary Cvoti raovrovsidenVoyyv, Tuge woldy omıkıag #0 avopooryrog TE Aaı dia Popag yener auro Moog AUTO. Phaedo S. 178. owrouv ämtp ası xa- IT Tara Hal WORYTWg EXfls TEgnR rien: grtoR .ıva ra aZu VFETa, 460 Zweites Haupftüc; /Sechſter Abſchnitt. Selbſtbewußtſe yn die Data liefert, hinaus, und beſtimmt auf feine Art: dasjenige, welches der Grund dieſes Wir⸗ kens iſt. Auch ſind dieſe Begriffe bei weitem noch nicht beſtimmt genug, und fie verwickeln ihn zuletzt in ſehr laͤſtige Folgerungen, die er nicht ſcheint geahndet zu haben. Denn JB. wenn die Seele eine ſelbſtſtaͤndige abſolute Kraft iſt (apyıy) » ſo iſt die Seele und Gott, dem Be⸗ griffe nach‘; identiſch, ſo iſt ſie nicht entftandem: - Und doc) wird in andern Stellen ausdruͤcklich geſagt, daß Gott die Seelen gebildet; daß das reeifte Weſen felbft die: Ur⸗ ſache der Vernunft ſey BP)... ::Diefe Widerſpruͤche find unvermeldlich, fo lange: der Umterfchled zwiſchen dem Dens = fen und: Erkennen noch wicht deutlich erkannt war,’ und dle Seele ald eine erfennbare Subftang , die doch mit allen: uns erfennbaren Subflanzen nichts gemein“ haben: fol, behandelt wurde. Dazu kommt noch der Umſtand, daß . Pato- die noch nicht genug entwickelten Begriffe, bald zu dieſem, bald zu jenem Zweck gebraucht. So kommt 33. D-. bel dem Beweis der Unfterbligpfeit der Begriff. einer Urkraft trefflich zu flatten, wenn fi ſo etwas aus Begriffen uͤberhaupt beweiſen lieſſe. Nueberhaupt iſt das vorzuͤglichſte Augenmerk des Plato auf die Fortdauer der Seele gerichtet. Die mancherlel Wendungen und Vorderfäge,, durch welche er die Hof—⸗ nung des gebildeten Menſchen nach Fortdauer zur Gewiß⸗ heit zu erheben ſucht, beweiſen uns, wie wichtig ihm die⸗ fer Gegenſtand war. Alles vereinigte ſich zu feinen Zeit, um biefer Lehre ein neues Intereſſe zu ‚geben, Denn die fortfchreitende Cultur der Vernunft, die deutlichere Entwicklung - der. firtlichen - Grundwahrhelten, ließ jetzt einen. engern. Zuſammenhang zwiſchen Moralität und Un— ſterblichleit abe: nd hob die, Beil ui decen — np rim . rY - ger, ıg,r3 # “ ’ 4 x I. * 3. - m *X { * 438) — * & 312, — de Republ | VII. ® 133 1 . ; Air ‚> Philoſophie des Plato, —— 464 len Bewußtſehn die Ueberzeugung derſelben beruhet "hatte, hervor. Die Unſterblichkeit erweitert den. Wirfungefreid, und die Ausſichten des Menſchen, vor denen ihm ſeine irrdiſchen Zwecke und alle Herrlichkeiten dieſes Lebens in einer Art von Nichtigkelt erſcheinen muͤſſen; ſie befördert dadurch die Bekämpfung: aller Neigungen, und erleichtert der Vernunft den Sieg durch die Ausſicht eines kuͤnftl⸗ gen Zuſtandes, worin die Seele, abgeſondert von allen Vexchaͤltniſſen mit dem Körper, eine freie‘ ungehinderte Vernunftthaͤtigkeit beweiſen, und die volllommenſte Selig⸗ keit erlangen kann **0). Ze einleuchtender dieſes Inter⸗ eſſe war, deſto mehr mußte: Plato allen ſeinen Scharf⸗ ſinn aufbielen, um: die Ueberzeugung durch Gründe der Vernunft zu unterſtuͤtzen, da ſie von vlelen bezweifelt und geleugnet wurde, da das Gewicht hiſtoriſcher Gruͤnde, (der Zrabitiönen): vermindert, nnd: von Zeit in zZeit mehr ge ſchwaͤcht werden: mußte: Min 5 Plato derfaͤhrt bei dieſen Berselfen Aai ſucht zu. beweiſen/ daß Sterblichkeit und Seele mit — Den in Widerſpruch ſtehen. Er ſchließt dabei von dem Denken auf das Seyn, von: der logiſchen auf die reale Uns. —— Dieſe —“ wird an ee ee Is 439) —— ©, — 190, —* 146- 16; St us5s2. ovxouv moAky Amis aPinopteun ; or Eyw "mobEUDpRAt , Inavius ereI, eimso möu aAAodr, Kr \oag gar ouro, du tvera % moAly modynarea hun u ri mapoyrı Boy Eybvev. Epinomis S. 237 nad) de Ems TEksurysannı rvxen mar, Wo £vena Tı5 moogupor' av Qwy me, ws naAlız" av dyv , Kara Öuvanıy, xaı TeÄEury0ag TEÄEUTY: TOLAUTYG TU- gan Gorgias ©. 172 ds er I, ©: la 53 is | 440) Rhacdo S. 188, 159, 194. | 450 Zweites Hauptſtuͤck.Sechſter Abſchnitt. Begriffen und Sägen gefolgert, bie tie nun = der Reihe nach darfiellen wollen. L.: Zuerft legt ex einen Satz aus der , Böilteeiiglen gum Grunde, daß die abgefiedenen Seelen in den Hades fommen, und: von- dannen wieder in neue Leiber wandern. Darin liegt ſchon die Fortdauer der Seelen. Dent exiſtir⸗ ten fie nicht, fo könnten ſie nicht mit neuen Leibern vers bunden werden, Es fommt nur darauf an, daß bewies fen werde; daß. die Lebendigen aus den Todten werden, das iſt, daß die Seelen der Neugebornen Selen der Abgeſchledenen find. Dieſes ſoll aus dem Geſetz aller Veraͤnderungen, daß ein Zuſtand nur dann anfängt zu fern, wenn der vorhergehende entgegengeſetzte nicht meht iſt, oder daß aus dem Entgegengeſetzten das Ent gegengeſetzte wird, wie es Plato ‚ausdrückt bewies fen werden, ⸗Dem keben iſt das Sterbenentgegengefegt, fo wie dem Erwachen das Schlafen Elner von dieſen Zuftänden muß auf ven andern folgen, und daher ein dop⸗ pelter Uebergang vom Tode zum Leben und vom Leben zum Tode ſtatt finden. Der eine, das Sterben, iſt eine Bege⸗ benheit, die wir erfahren; der zweite iſt kein Gegenſtand der Erfahrung, aber er folgt aus jenem Geſetze. — Und wenn wir dieſen nicht annehmen, ſo muͤßte zuletzt alles Le⸗ ben in der Natur zernichtet, und im einen ewigen Schlaf verſchlungen werden *)J. Il, Die Seele iſt im Beſth gewiſſer Begriffe, welche _ nicht aus. der Erfahrung entfprungen ſeyn koͤnnen, ob fie gleich bei allen Erfahrungsurtheilen. vorausgefeßt werden. (Man, fehe oben die Lehre von den Ideen S. 296). Ste . alſo aller ‚et Sechnfgngangen ſehn. Hier⸗ aus 9) — S. 169. nal — ouv sch rig Ö Aoyos Öurog, öu hepvne9a , wg Eid! —D abı: Karevar ( ıYuxar) exe, Hal makıy ys ÖELpO ana youıTan,. Kt EEE! Tegvewriy -G. a0« Philoſophie des Plato. 463 "als folgt, daß die Seele das dunlle Bewußtſeyn derſelben ſchon mit in dieſe Welt gebracht / und alſo vor ihrer Verei⸗ nigung mit dieſem Koͤrper exiſtirt hat,/ — Auf eben die Art haͤtte er; dies ewige Exiſtenz der Seele daraus folgern oͤnnen. Aber fo: wenig: dieſe Präegift en zerwieſen «if; fo wenig Folgt. daraus: * Fort dauer nach * — a. - I Die’ See iſt wein einfaq. Bas einfach: iſt, kann nicht aufgelöße- werden; Auflid« ‚fung, Trennung und Zerfiöhrung if nur ein Prädicat-deg "Zufammengefegten.‘ Einfachheit und: Auflöfung widerſpre⸗ schen einander; Aufldfung ſetzt Theile voraus, welche das ‚Einfache nicht: hat: Die Seele iſt nun ein Weſen von “ganz anderer Art, als das Körperliche, fie har die größte Aehnlichkeit mit" dem Einfachen, Unzerflörbaren, Goͤlt⸗ lichen; fie: iſt alſo unzerſtoͤrbar *8). Diefes: Argument, ſonſt die groͤßte Stuͤtze der Unſterblichkelt, iſt von dem Plato mehr. vorbereitet als wirklich ausgefuͤhrt worden. ‚Der Hauptpunkt, der Erwels des Unterſatzes, daß die Seele einfach ſey, iſt gerade 'an-'diefem Orte, wo fo nothwendig wär, nicht gefuͤhrt worden. Und ans ſtatt von der Einfachheit auf die Unſterblichteit zu ſchlieſ⸗ ſen, folgert er vielmehr an einem andern Orte aus der as aa Einfachheit dee Sek er | v. 42) Phacdo 6, 16h, | 443) Phaedo ©, 177- 192: i 444) de Republ, X. S. 316. Er FEN — 2* rovro oiousFa (6 voo Aoyos our zagsı) uyre ye ad ey alydsgarı Gas TOoUTO zıvdı Vuxy, we moAlyg momıkag va avondofyros rs au. Öıaßo- ga; yEnsıV auro mpos duro. — ou padııy — aiöıov, zival, GUVFEroy As. in moAlwv, naı uf 7y Hap - 464 Zweites. Hauptftuͤck. Sechſter Kot, W. Die Unſterbuichkeit iſt bewieſen, wenn geyeigt worden, daß Ted, Sterben. mit der Seele in einem Widerſpruche ſtehet. Dieſes will Plato aus dem Grund⸗ ſatze: mas dem weſentlichen, unzertrennti⸗ chen Merkmole eines: Objeets widerſpricht, das widerſpticht auch dem Objecte ſelbſt, auf folgende Weiſe darthun. Die Seele iſt das Princip des Lebens. Leben bekommt der menſchliche Körper bloß durch Verbindung mit der: Seele Dun find Tod und Leben einander contradictorifch entgegengefeßt. Tod kam aAllo mit: dee Seele, ald das Gegentheil von dem, mas fie wirft, und mas ihr. weientliches: Merkmal ift, nicht ‚als vereinbar gedacht werden. Ein Wefen, mit wel ‚cbem der Tod nicht vereinbar iſt, iſt unſterblich. Die Seele iſt alſo unſterblich, und iſt ſie das, ſo muß ſie auch unzerſtoͤrbar ſeyn. Denn wenn ihr der Tod wi⸗ derſpricht / fo kann er auch Ihre Wirkſamkeit und Weſen nicht zernichten. Ewige Fortdauer wird auſſerdem als ein weſentliches Praͤdieat der Gottheit und der Seele, als Quelle des Lebens von allen denkenden Weſen ein⸗ geſtanden. Wenn alſo der Menſch ſtirbt, fo zerſtoͤhret ber. Tod nur. den ſterblichen Theil deſſelben; ſein um ſterblicher aber, die, Seele, trennt ſich nur von demſel⸗ ben. und behält ‚feine Fortdauer und Wirkſamkeit *%). Worausgefeßt, daß die Seele das Princip des Lebend fey, fo würde «8 ein Widerſpruch feyn, wenn man Leben und Selbfirhätigfeit fegen, aber die Urſache ders feiven aufheben wollte; if aber das Subject fammt ſei⸗ nen Präricaten aufgehoben, fo iſt es Fein Widerſpruch. Aus keinem — allein · kann — ein Daſeyn ge⸗ ſq loſ⸗ vallıcy KEXDNLEVOV > OunSene, ws vuv nv EDaım 7 yoxy " 445) Phaedo S. — wa dn RPhiloſophie des Plato m.N Algn ſchloſſen werden, wie bier Plato ab vergeblich dere; ſucht. Doch feine: edpi, ald tennaerfelbffi.rineng, > Foschene Beweiſe nicht: rcht trque indem ser, faghp? dafs; daraus wobl folge, daß die Seele unſterblich CoIavarev)-; aber moi Nnicht, daß she ungerſtoͤrbay (ayeAsspnum ae: en Die Schwoͤche des Beweiſes verraͤth fich „aber auch noch durch die Berufung auf. ein allgemeines Einveritändniß in Sachen, wo nur Gruͤnde entſcheiden · muͤſſen/ aus denen erft die Möglixpkeit, ‚einen: allsemeinen Uebereinſumung eimleuhkekist uud. Sin) ws SV Ein; anderer Bereid:ift aus der Spontaneitaͤt der Spele hergenommen der unter allem noch am-mele Men; eutwickelt iſt. Was Am unaufhoͤrtiche r. Thaͤtigleit Aida iſt unſterbich Afo:if wie Seele unſterblich. Der⸗ Oberſatz wird fo} bewileſen · ¶ Wenn ein Ding: ll" —2*——— ſondern durch ein —— ——— bie —S das Princip der Thö Voteit . ¶ Eine, ſolche abſolute Kraft. lann weder entſtau⸗ Bam na deroͤuslich ſeyn ·· Dasıcafe, nicht, Bao * Er ea eure ren m wag —E— — * = bildtn Bun Nein; ut 7 ash o do S. a2at⸗ Sons ray muy adayamon, Er ey hpuv önchayeman, Kar ayaıh:Igoy Maneraenugg av Ends Twadavaoros Eivahmitan, au we Addgos:. er.ös Kipa Bun sap ap AA gudsy RR daiedn FonTan yerhuenm AAyyap au; FL ae vrrgIagay ir) Özgpenro eis Tau HE Aa Han ap ind 0v, DIopav Sefarro, 5 6: ys Bio Pinai, Ra auro wa Tg Zug sıöog zaı zırı alko wdavarov scı, Ne ga Havruv ay Hai nydeners den tennemanns deſd i⸗ der Philoſophie IL. U. G 456. Zweites Hauptſtuͤck Secheter Abſchnitt. maß’ entſteht, eine erſte Urſache vorausſetzt; waͤre dieſe aber ſelbſt entſtanden, ſo gaͤbe es keine erſte Utſache, Sie kann aber auch nicht verguͤnglich fun: Denn wenn die abfolute Urſache verkichtet iſt welche bei: Alten, was geſchleht / vorausgeſetzt wird ſo kann fie ſo wenig durch etwas anderes, als: alle Abkigen * * entſtehen. Alle Bewegung mite aufhoͤten ‚und Erde in ein Chaos zuſammenſtuͤczen, ohmer: ga je Etwas wiader din Gang kommen Könnte, Eine folde abfelute felbfüchätige Kraft: Abi: die: Seele - ebenn cin Mördei bon —* —* — geſetzt, "ba ein⸗ N Tr su mn —* in di Seele auch ⸗ne abſolute Urſache, deken n weder Anfang noch Ende Hat - Die Geele u: Dieſer Beweis iR fo wenig Der * ne — . —— * A Hin 52 Bet, URAHH RING E ge” Ha 878.42 itıeh Hler zum Emds- der unzerſabhekarkeit ches von den Gut, Boͤſe 2 it dasſenuge mad Etwas anders "erhält und © kommt; Boͤſe iſt das, was jerfiöher und verderdt. des Ding hat ſein eigenthuͤmliches Gute So af z. B. Krantheit in Uebel fin u" Hi 5 — "447) Phaedrus G. —* J nu. 44 at ’npR = „6 z > ur : ip a ° .. —_ — ephilbſenhie de piecc4 Fauinitz fe: das Hetz, Roſt fur die Metalle. Dieled Uebel kann ſowohl außerlich als innerlich ſeyn. Dad innert iſt dasſenige/ was die Natur eines Dinges und mittelbar angreift und. zerſtoͤhtt. Das aͤubere kann nud uinſo fern verderblich ſeyn, als es das innere hervorbringt ber Beranlafts, Krankheit iſt dad innere Uebel des Körperd, welches ihn nach und nach aufidfer, daß. et nicht mehr der organiſche) Körper ii. Schaͤdllehe Sbvpveifſen find ein aͤußeres Uebel, welches aber dem has ö pet nut dadurch ſchader ) daß es das — ⸗ Li Folge hate 1 Wiebt. eg: din Weſen, koche mar. in | Wehr! hat, wodurch es unvollkommener, aber micht | wird/ ſo muß es ſchlechtetdings unzetſt oͤhhrbat fh, ; Ein ſol⸗ ches Weſen IR die Secle. Die innern Unbollkommenheiten⸗ Ungerechtigkeit/ Unmaͤßigleit, Unwiſſenheit 1 ſ W.ma⸗ chen fie zwar unvolllommen / aber daB Weſen Derfelben: auizuldſen und ZW zernichten, vermoͤgen fie wicht: Sn Gegentheil beobachtet an nut zu oft, daß Menſchen von unſtttlicher⸗ Denkungsart weit thaͤtiger und unter⸗ — — Inder. fie Unrecht thun. Wenn uuu ein innerrs Uebel die Seele micht zerſtͤhren kann, fo) wird es noch weit weniger ein aͤußeres lͤnnen. Dieſes waͤrr auf keine andere: Weiſe möglich,» als wenn es die Innere Unvollkommenheit verurſachte. Der Tod mußte alſo die Seele ungerechter machen ‚nt die Ungerech⸗ tigkeit das Weſen den Seele zerſtoͤtren. Das lehte ib: widerlegt worden. Die Seele kaun alſo weder durch ein inneres noch aͤußeres Uedel zerſidhret werden, und fie iſt alſo unzerſtohrbar und unſterblich ), Wenn dieſer Beweis gi ſeyn ſoll, ſo ſetzt er eine Erkennt⸗ nıß von allen fr fteh der Natur, meihe in irgend * ie mit der Seele flehen, votaus und et 692... Mißte 4) de —* X, ©. 3i%- 44. gög Zweites Hauptſtuck. Sechſter Abſchnitt. muͤßte gezeilgt werden, daß weder das Wirken elnzelner nwoch aller zuſammen genommen nicht die Exlſtenz dei Seele zernichten koͤnne — welcher Beweis alle Kraͤfte “eines endlichen · Verſtandes uͤberſteigt. Und doch würde ex, wenn er möglich waͤre, noch Feine: gewiſſe Ueberzeu⸗ gung von der Unfterblichfeit der Seele gewähren ioͤnnen⸗ weil Immer: noch der Fall denkbar bleibt / daß das Weſen der Seile: nach und nach Abnehmen und ſich verzehren laun. — MIELE EI SE LE Ha ee auch Plato allen: feinen: Scharfſinn auf⸗ geboten, und alle moͤgliche Wege verſucht hatte, ſo war es ihm doch nicht gegluͤckt, einen einzigen Bewels aufzuſtellen, welcher völlige Evidenz: beh ſich führte und den ‚Glauben an die: Unſterblichkeit in die Ueberzſeugung einer erkannten Wahrheit verwandelte: Selbſt in feinen eignen. Augen waren jene Bewelſe nicht ' befriedigend weswegen er: immer neue derſuchte· Er dringt daher auch mit allem Rechte darauf, in alle Gruͤnde auf weiche man feine Uebetzeugung ſtuͤtzet ein Mißtrauen zu: ſetzen, und fie: vom Zeit zu Zeit einer neuen Pruͤs fang: zu: unterwerfen ; auf der audern Seite aber auch ſich vor dem Vernunfthaße zu huͤten, welcher leicht ent⸗ ſteht, wenn man in Erforſchung der Wahrheit mehr⸗ mals getaͤuſcht, aus Eigenllebe die Schuld gerne vom ſich auf Die Vernunft waͤlzen moͤchte 9%)... Auf Jeden Fall, ſagt er; muͤſſen wir mit allen Kruͤften dahin nk beiten, um dieſes Problem zur gruͤndlichen Ueberzen⸗ gung zu bringe, oder wenn das nicht moͤglich ſey⸗ F “*A —Q EZ y tsp — — ſich Es j . 6 F1 w.hr ur i : mag PRaeds"&, 342, 343. das pevroi Tau ji yegoug wepi av di Aoyoı EIG1, Hal Tyv avdpwaivyv ag Yevsiav arınadwy, avayrafömaı airiziav EHE € en kap spaurtw mepl Twv Eipymesuy — alla nat Tas ..ge umodedag mpwrag, Kai &ı Migas Inv siou, Opaug camexrat ine Sy Ni + y rihſerhie des Place; > 468 ſach an blejenigen Ueberzeugungen zu halten, bei wel⸗ chen man auf der ſtuͤrmiſchen Fahrt durch dieſes Leben * meifte «Sicherheit: und Beruhigung finden koͤnne *0). Wir konnen hier fuͤghch das übrige aus der Pſh⸗ Ferne da es theils nur Mythen, mit. phis loſophiſchen Gedanken verwebt, theils Meinungen und Oypotheſen uͤber Den: kuͤnftigen Zuſtand ‚der Seelen. ent⸗ hoaͤlt, die den Zweck zu haben ſcheinen, die Ueberzeu⸗ ‚gung: von der Unſterblichkelt der Seele an die populaͤren Vorſtellungen anzulknuͤpfen, ‚und jene durch dieſe zu ‚ums cerſtuͤtzen, auch die Ideen von einem moraliſchen Ver⸗ geltungszuſtand damit: in Verbindung · zu ſetzen. Dieſe letzte Idee iſt nur durch bie. sum Wel cicichereichen Diatunen unkraͤftig gemacht. F. H Nn Tau ie at origriin or, » “aa pi Be? & 7 20} 7 — dr) . 2 Nah: I. er, 2 ie ‘, :G ey —8 v1. } J BE —* — ————— — | .&8 gehört nur eine lleine Bekanntſchaft mit. dm | Shpittn. des Plato dazu, um fich bie zen zu verſchaffen, daß Plato auf dem Wege, welchen So⸗ rates zuerſt gebahnt hatte, in der Eutwickelung dee —maoraliſchen Wahrheiten weiter eingedrungen ſey, nud manchen hellen Blick In Das menſchliche Gemuͤth von fe — pen 6.9 a | felbft a a — TE 22 > 450) Phrsawıe: vn big regt avra En ee 2 2 2373 Giomgäkas dai 9 ‚pasen, my ya, 7 9 Fuge’ J raura AR. mov yaur Beirisov N To a9 Koyıv Aaßevra Hau Övasbekeyerb: — Tarov, Bi Toutou' exavjev0V, Üsmep EM erh, — —D ———— Out rov Biöv - ’ \ \ et hicht mar neisung ned wiegen Rah ‚alles deutlich zu faſſen, aus dem richtigen S zu zu betrachten, und ſyſtematiſch daruftellen n, um dieſes zu leiſten, mußte nothwendig dag Sittengeſetz in feiner utſpruͤngſichen Nänheit gud Pe Feit erfanmt, und fr einer beſtimmten Formel druͤckt werden. © Allein dieſes kaum "nie ‘auf. einem Wege geſchehenwelcher wicht: ilaniet. zuerſt gemähft ‚wird, weil er der natuͤrliche und eiufachſte iſt, nehttte ch, daß man die Begriffe, Net, Pflicht, Sollen wie aller möglichen Etreuge und mit Abſtrahirung allcz “gudern Nebenrückſichten eroͤrtert hätte, Auſfatt deſſen, ſchlugen die griechiſchen Philoſophen einen andern Weg ein, der nur Bad den "a ER auf den rechten einlenfte; fie giengen nehmlich von dem Begriff des hoͤchſten Gutes aus, der mit fo vielen Nee benbegriffen und Ruͤckſichten vermebt iſt / von melden Recht und Pflicht if, zuruͤcktommt. Es iſt vielleicht den menſchlichen Geiſt nicht möglich , - die reine Wahre heit auf eine andere Art zu finden, als daß mehrere GSrundſatze aufgeſtellt werden mußten, an melden fich dem ut ; Beer a —— 1 md und Dt dm pre zu ebnen. Ginfeitigkeit ale Autiſthenes und Arikipp,- und mehr: Ger winn für die Wiffenfchaft, Ob es ihm gleich nicht gelang, einen fichern und beſtimmten Grundfatz fuͤr die Sittenlehre aufzuftellen, fo näherte ex ſich doch demſtihen / bis auf eine ger ‚toi Entfernung. —— fein praltiſcet Syſtem we⸗ der bioßer Eubdmoninud, nad er entfernt und nähert fich beiden. — — Dieſer Um fand, eine Folge der angefangenen, aber nicht vollendeten Er brterung Neger Begriffe — erfdpiweret die = ) > am ‚® — PM Dekan, J +, f Pe er ' ‚ . ſtellung deffelben eben fo fehr, als der, daß wie mehe einige feiner Refultate, als feine vollftändigen Unterfuhungen , wodurch er auf fie gelangte, fennen. Wenn wir indeſſen auch nur diejenigen Materialien, welche in feinen popus Ahren Schriften yorfommen, benugen, fo koͤnnen wir doch, wo nicht alle, doch die Hauptzuͤge feines Syſtems toieder finden. Alles fomme auf drei Punkte an, erſtlich auf Platos Begriff von dem hoͤchſten Gut, und ‚dann auf.den Grundfag der Moral, endlich auf das Berhäleniß Den Sittlichkeit zur Gläͤck⸗ ſeltgkeit. Dieſes würde gleichſam ‚der Elementartheil der Moral ausmachen. Dre agemandte.begreift bie Erhif, Pädagogif und die Politik, pon welchen nur bie erſten Principien hieher gehören. Daß wir bei Darſtellung des Platoniſchen Moral⸗ foRems von dem Begriff des boͤchſten Gutes ausgehen, geſchiehet aus dem Grunde, weil ex es für das einzige und oberfte Gefeg des Begehrend und des Willens ‚hält, nad dem Guten zu fiteben und das Bäfe zu entfers nen, und daraus folgert, daß niemand den Willen Haben kaoͤnne, Recht zu thun, wenn er das Rechtthun nicht für ein Gut, und das Unrechtthun für etwas Böfes hal⸗ te ED): Daher ift in fehren Augen die Erfenntniß deffen, was gut ifl, oewiſſermaſſen ac von größerm Intereſſe, als 84 die N Görgias ©. 115. apa'kar ol Ovdonen, FENoc Fıyaı ia Fu mpaheh) 70 Leser na: " zusgvou dvera "ösıv ravra 7’ ala moarmestar; aA > Gun cxeivo Tevv Mivvz de Republ, IL, ©, 226. pay dor hpawn moved evdelEyg mie Aoyıs, dri daioouvy agdiuuag nokrriov, ri molouda Enhrepa Tau "orte, aury ÜNKUTU, 9 pReV Haxoy. dr, ayaz 20 5. ©. 227. 272 Zweltes HauttſtacSechecct Abſchnite. die Erlerutniũ due Pflicht #2, Denn: jeder Menſch auftieden, meinner mad feiner ſubjectiven Ueberzeugung Recht handelt, aber in Anfehung. des Guten verlanget er einen hoͤhern Grad von: Ueberzeugung und: Gewißheit Es iſt ja einleuchtend, dab, wenn / man ſich etwas als Sut worſtelle; xs Deshalb: noch nicht wirklich Gut iſt. Und doch ſtrebt ind ringt das Gemuͤth unaufhoͤrlich nad dem Befig des Guten, oder deſſen, auf welches als Zweck ſich alles uͤbrige bejehet, deſſen Realitaͤt alſo vor⸗ alisgeſetzt wird, wenn es gleich micht deutlich vorgeſtellt werden kann #3), :. Hierauf beruhet nun ‚die vichtige Kenntnifgund Beurtheillung des Platoniſchen Morab⸗ ſoſtennc u) ei sr Er: Alle Dinge find entweder g ur. Bi Geſundheit, Erkenntniß, oder böfe, z. B. Krankheit, Unwiſſenheit, oder weder gut noch boͤſe, 5. 2. Sitzen, Gehen, dee Pefig „ieblofer Dinge. Bon dieſen gehört einiges ber Sec, anderes 94 Körper an, anderes bezlehet ſich auf | i — ie r : | u ); ’4 “ Pr 7 ‚Ropubl, VI. S. 114 - omat Yeyu ör “Hal FE Has Kal a voouusva Ony rors ayadı ‚Exil, ou-malkou;rıvog.a&ıov Aula zerrysdary sumsp &- TRAG YVOURL auga, TOV TOVTO ayyoayvza’ RUTEYOHR) DR ydeva aura yuugeshahmpgTegeu draus: or", 453) de Republ, Vl. S. 113, 114, Tode w Dayspov, is Ömaa usu naı naka moAloı au EAoıvra TE ÖRKOUUTO, nav BE RT Tara Moore uoi .n . MERTYIA Kar donelvʒ avaꝰa de ovösu ETI.agxeı Ta donouvra #Tasdar, alla 7a oıza Lyrauaı, my de .» dodav evrayda yöy:mag ariuaqe. — 6.04 dus piv Amaoa,\yuXy, Ha Toprau fvexa maurg moaTTE, AO LAYFENOEUN TI EVA, amagavga GE Kur ‚pr EXAU- 0a Aaferm Inaups Tı POT’ Es, ‚anös mise: KonyaasIa BEEUVHHR: | 22 ET ER | m" irre pe den ubern Zuftand 44); Nach einer andern :Einthels Iusg werden die Güter eingetheilt in göttlierl Isa) amd men ſeich liche (aufgwmwa)s "Yenentegreifen alles das was der Menſch, als ein vernuͤnftiges Web den, BTugend Weisheit, dleſe, was er als ſinn⸗ lach vernuͤnftͤges Weſem begehret, wozu alles ges bbdit was auſſer Tugend und Weisheit noch ein Gegen⸗ Nand des Begehrens iſt / un no seh ——— AMDas Gute begehrt man entweder um der Feol⸗ gen willen/ oder um fein ſelbſſt wille n one Duͤck ſicht auf die Felgen, oder endlich ſo wo hl um fein ſelb bsweihken als a uch um der Folgen willen. Mas; was man: um ſein ſelbſt willen begehret, iſt das Gute aAn ſich, (das abſolute), die Bedingung alles andern Gu⸗ sen: Die Merkmale deſſelben find: folgende: em ußß en Sehne kommen undezuse ich endi, Zweck an Hd, un dvielminnehmiendiger ‚Gegeniftand Des Begehrens für ie des vernünftige We ſen Feyn MY Mach dieſen Merkmalen muß nun bb» ‚Ira nee warn u ee er ae I, SIT EFF ee ee le N ee 454) Gorgias 8.46, 47. 67°, Diogenes tg a tt. Hi 9 80. Se ee >» ur | „u, 2 a — * >14 i y Hallsı ”. Bing ee‘ Per 3773 vo’! at But r 2 | A355) de Legib, I, &, 18. | + 56). de; Republica IH, S 206. Philebus r 2275 228. Tu Ef ayasau orpayc-morepov avayııy TEREIV uy eiva it Mavzwv Öymov reAsw- Tarov — Tı Ös; Imavav 7’ ayadav — iu yap : Bud hau, gavrwdıys:c Touran spe zuyv burım —— "REIT ‚dexyE May ASTA TER aucou ava aorarou zıvan Asysıv, dos rav To Yıyvwsxov auto Iyosvsı Kar A⸗MPiscan, Bovhauevon ke Kar MELt auro uryaocꝰai. a TuugAkwv buösu Pogurkei, mÄyv mw .amors- ‚Aouysvay Ana aryagaı5. S. 296. FO yE uiv au Evi» Ha J 474 Zweites Hauptſtuck· Sechſter Abſchnitt. —— ir abfotute Iren uhr «8 befteht, Nach ven —— Vorllelamhen⸗ — man Geſundheit, Stärfe, Schönheit, :i Macht zu den ‚Gütern. >: Das. Gute überhaupt (aber: beffchet nad einigen entweder in dem Angenehmen, oder dem Vergnuͤ⸗ gun, oder ın dem Denken, mmidiim Befig der Kenntniſſe. Allein weder der Zußand, wo man blos denkt/ ohne Lu tzu empfinden, noch der Zuſtand, in welchem man Anger nehm agut wird, * — iſt au ſich wuͤn⸗ letzten Falle g Han 7 588, Kae fer ir et empfunden; habe, Fein Urtheil und *— uͤber Zuſtand iſt möglich. Dieſes iſt das aber feines vernuͤnftigen Menſchen nehme Gefuͤhl iſt eine ‚Werämperung Berändesung‘ ( yaveoıs ) bezlehet ſich harrliches, ‚Bleibendeg (onz): Es: fan ſelbſt Zweck an ſich ſeyn, ſondern nur als ein untergeord⸗ neter Zweck, oder als Mittel zu etwas andern gedacht werden **). Endlich giebt es auch eine grobe Mannich⸗ faltigfeit von angenehmen ‚Gefühlen, welche nicht „von einerlei Art und Wehrt find; es wird von allen eingeſtan⸗ den, af einige gut , andere böfe em, Sie * —* BT Dez Are HIH — | thai daher M un Fo Zybte‘ eöu yeyvorlzvov act yıyvorr" an, 74 Tav.@yagou map EREIVOESI. re a ©. 115. Lefinie ©. 292, 296. | 457) de Republica VI. 8, tia. Phitebus ©..208 , 209. :309% 3Co 228° 2a‘ 327. = 40 Philebus & 2965: ‚ag. — Ye amp yEuEmg EiV, ivena Tıvos ren‘ s;ö Ware Yay. ur avuv. x 17 hich· u it ah da Gutt aumachen ſondeen ſetzen vlelmehr Bergnügen: in en Abſolutes vorans nad) weichem das Nuckſicht auf ſeine Guͤte beurtheilt werden muß 9), Das Gute kann aber auch nicht in dem bIoßen:-Dens Gen beſtehen. Kein’ Menſch würde ſich ein Leben nehm ſchen, in weldgen ex beftändig denken , urtheilen, ſchließ⸗ fen müßte, ohne die geringfte Empfänglichfeit — —8 vder Unluſt gwipaben FR)... mans ru. MBeder das Vergnuͤgen, n64 das Denken, IR aife Werjenige Zuſtand / weicher für den Menſchen volltommen befriedigend und wuͤnſchenswerth ift, ſondern Die Verel⸗ migung beider (pürros, worwos, Bios). ES iſt aber nicht Vleichgultig, wie das Denken mit dem Sefuͤhle der Laſt verbunden Werder : Denn da in dieſer Verbindung das vollſtaͤndige Gut geſucht wird, fo mußfie ſelbſt auch awf die vollko mm euſte Weiſe geſchehen. Es muß alſo unterſucht werden, wie ſich die verſchiedenen Arten des Denkens und ‘der; Befähle ww dieſer age "Das eite Denfen iR. ion —— — a ae ie, — noch der empiriſchen. at Sa ae Ser ver⸗ asy Philebus Si ai⸗a. . Bepublien VI B. 8 ——— 460) Philebus euags, 309. I 461) Philchus ©. 309. rauro ER Kar mEoL Goomyasug ; ertır aus many hdovhe har mug Bgayu- rary ösäair av: Poguaam ExXzıv pahkov.y pera Tı- vuy zoom raras hänvag xcoig Couvnoctog pad- . kov y era Dpavyasıng au Tag; m QuXOuv Toys reouv nu waOW ÄUREFOU Kaı TO mavrananıy ayaꝰoꝰ, |; u ©. 349 a76 Zeit Gadptfiid. > Seife Aofänie, oereinigen /inlofern fie‘ nur dieſem · untergeordnet ¶ wer⸗ Ben E.Die angenehmen Gefühle koͤnnen nichts dage⸗ gen’ haben, ſich mit jedem Denken zu vereinigen. · Aber widerſetzt die Bernunft, als Das Princhp des Denlens | leere fühle zw verbinden, welche, indem fie in einem Zuftande der Wernunftloſigkelt entfpringen, mit der Vernunft ſtrei⸗ ten. Mit dem Denke n laſſen ſich daher nur die jenigen Gefühle: vereinigen⸗welche ent⸗ mwadern aus der Vernunftthätigkeit ſelbſt entſprungen, oder doch durch dieſelbe bis ſtimmt und modificirt find. Von dieſer Art ſind die mochwendigen „ weinen, «wahr ren, bie reingeiffigen und moraliſche führe, melde die⸗Ausuͤbung der begleite n· Pan ic ah 1an- Aa; ti sis mn ws rd jan JR Ren Bid. : Die 462) Philebus S. 311, 312, 313. 7463) Phi lebus Sa gas addas re 4 Isis zaı zagapas, aͤcg EIMEg oxedov, Dirziag ypuv vo- pulse’ ou Moog TaUrag, rag 159’ Lyisıag naı ToV — Oooven nai dy al. Euumadig aperyk“ rosa ng ꝰ- meo Ieov omadoı yıyvousvar, aury EuvaroAoudovar mayrg, Tauragejuypuer ‚Me öl er aooauvy⸗ Rau ang akkıyy nammasekmapevany moAAy ou) alöym an vor ſuyvdvairov Boukdeuov ort add idovra vum Agacıdz Siv Mar epagıny. glasEıy-Eev Tau- 07 ey rcipas Far, ITITMOTE EV TE dpwreg Kal Tr mavrı s Punsv ayasous namen day AUTyU EImaı MOTE MavTEVTEOW. SE E SE ETVOT ER ee REEL ri Philoſcophie per z De I dieſer Gefühle‘ init dem Denken (das Syſtem aller der Vernunft harmoniſchen anu⸗ Ile“ unter freler⸗ Thärigfeit‘ der Verkunit ) iſt das vollſtaͤndige Gut des Menſchen, Waprheity nRegelmaBigfeit id Schönheie angetro und Harmom ver⸗ einiget iſt, da iſt auch Boukom und Schom⸗ Dei »aAdos). ı Hier treffen alſo die Begtiffe des Guten choͤnen ( Vollkommenen zuſammen Ns Jene, drei Merkmale: find nun eigentlich die Urfadye »a War irgend · eiwas ein Gut · iſt 4%). > Aber die Wegehtärfe Harmonie if ——— —— ſein *c An allen jenen drelen Eigenſchaften hat die Vernunft mehr Antheil als das Vergnuͤgen, und ſie kommit ihnern ſeibſt ar noͤchſtem⸗·¶ Den Gane aun ue der von Gott gebildeten Welt verglichen. merden, in wel⸗ Er die Summe der angenehmen Empfindungen gleichfam ar ee gan I sore gır > >. (ajPle ed u ur“ 464) Phil ebus S. 316-918. bodsohtı (Pu — DIESE EEE ‚weoveargte: Aa- ud Babais veRakdıen aa Up Reue Ba na 20 2207 2277 207025 7 27ER 2022007 — Te wanca Phuro aub; a/adoviok, TOi- a” NEyOVEVaRDN 57 wa Oi u EUER WED sntgurse Ue uuo In. Pi "Sry mr ad pargoun nanrrgp Eup- a0: Philebos erov Puccax pi TUN UIR rg "ouvi nah söouv — —— — TEREDAV- VOR a error Bde ya ta mag Kur Papaya ron, Pr wa busen: a — 478 Biveies Haupefihd, Geohfien Abſchnit. die beflimmbare Materie und die Vernunft, gleich dee Goctheit, das Beftimmende iſt 0), Hiernach ſtellt Plato folgende Rangordnung auf 2) die Regel und das Regelmaͤßige z 2) das Hat mo⸗ niſche, das Schoͤne und Volllommne; 3) die Vernunft; 4) alle empiriſche Erkenntniſſe, wahre Urtheile, Vorſtellungen/ 5) alle wahren und keinen am genehmen Gefühle 997), Diefe Rangordnung iſt theils auffallend, theils dun ⸗ lel. Dunfel, in wie fern man nicht weiß, was unter dem Regelmäßigen (70 neroov und kerpov) verftanden ers den soll; auffallend, daß die Vernunft nicht die erſte fonderst die zweite Stelle erhält, welches mit andern. Be⸗ hauptungen nicht zuſammenſtimmt / nach - Welchen. ‚die Vernunft das Gefengebende ift, und alle Vollkommenheit des Meufchen in der Befolgung des Vernunftgeſetzes bew ſteht. Indeſſen läßt ſich Die Schwierigkeit vielleicht heben durch den eben bemerkten Unterſchied zwiſchen dem Ver⸗ * * Aue ste „ak wo Ada 36 3:9 9m; TR * S. — 320. ©, 248, 249 pair eca Yes vousys rou Mattuv aırıad. 4m Philebus 6. 320. wpwtov nev my Map pe- VooV Hal Ro Erptav Has xaisuou, kiu mar ÖRoda caonaura pp vorugeiv tv aidıov ußrjhar Duaim, Öcu- oo yyy Mepl, To-dujansergoN karnahov war ⁊o TeÄeoy ‚nal. inavoy Hoi, may“ oxoda Tiyg.'yevsag raur al eg —— TO Torvuv TOTay ara pay Ti: Be — ad out ou terapra, dry ur EIcusv rw. smiSHpag we was meyglas Haube; op Ir Ary- ABsldac raur aivas Ta mans To Tpim Terapra‘ kımeo | Tas ach ya — — MEpmTaK ronuv, aͤc houac E Perser uaÄyreur dpıa- | re hehe Ang Rus de aigcae EROMENBSE- >. © a EP We Mar air 4 die Welt nach dem volfommenften Idea aus be Materle A⸗Ammn aie 26 * un; . vn, * ” A a: a 8 to —* Ber re bv, J * —— *4 om — Zur —* Kalt —— ladra vo) Keil: * A ch 9 ron. eyp acdrus el 361, unters a uw Begehren der — und dag r Beſten durch die häräfteriftis M ae Ro u und —7u7y705 dofa eDizuevy Tou Acıziv, Man kann auch endlich die Schilderung des an f ich Schoͤnen Sympoiium ©. 247, 248. biers mit sea: — daß er eine ——— vorn la , exiba * abue ino- —XR — 45 de Repabl NIL:@ — asa Zweites Hauptſtuͤck ¶ Secheter Abſchnitt. zu dem ſchoͤnſten harmoniſchen Ganzen. Eine aͤhnliche Bildung bringt dis Vernunft hervor, wenn ſie nach gen wiſſen/ Ihr vorſchwebenden Idealen (den göttlichen Ideen) alle Vorſtellungen und Gefühle des menſchlichen Gemuͤths fo ordnet: und werbindet, daB dataus ein harmoniſches regelmäßiges "Ganze bervorgeht⸗ welches * volſtaͤndige Gut des Menſchen iſt. Daſſelbe Reſultat ergiebt fi, wenn * dle Idee⸗ daß Gott fuͤr alle vernuͤnftige Weſen das Ideal iſt, dem aͤhnlich zu werden fie ſtreben muͤßen/ weiter erfolgen, Gott iſt das volllommenſte Weſen. Es glebt fuͤr dem Meuſchen fein anderer Weg, das Boͤſe abzulegen und vollfommen zu werden,/ als das Streben, Gott aͤhnlich zu werden, das heißt, gerecht und heilig mit Vernunft zu werden #77), 1: Die Idee der Gottheit ſchließt alſo ſchon die hoͤchſte moraliſche Bolfommenheit im ſich · Wenn nun der Vernunft alle: moͤglichen Ideen von Gott mitgetheilt wor⸗ den find, ſo muͤſſen ſich unter dieſen auch die foren von der moraliſchen Vollkommenheit befinden, deren Urbild Die Gottheit ſelbſt iſt. Man kann daher unter dem merooy und nergov nicht nur die Idee der Vollklommenheit, fon dern auch die Gottheit felbft verftehen. Unter Vollkommenhelt wird. hier Vollſt ͤndigkeſtt und Sufammenftimmung alles deſſen, was zum Weſen elnes Dinges gehoͤrt verſtanden Gott. beſiht alle Realitäten In der gröflen Harmonie. ; In allen feinen Handlungen ift die hoͤchſte Einheit, meil er unveraͤnderlich nach einem und demſelben Gelege handelt, welches er ſich ſelbſt gegeben hat, Indem «8 zum a —2 a ‚mie * > — * * ———— er HF 30 — — A un, a ———— rs Bro th FE ‚a6 © #) FR RE near ——— * adınas. all’ ug diov FE OnIoT mager EN. aur ÖMDLLTEDOV OUdEN, 4 ds av Hy au yeryraı ori ömaeraregı; . 123.47 > “3. Un (my ein@lmmigy das Hy 'nady einem Geſetz fu Banden seh Das hoͤchſte Gut Für den Menſchen befichet alfo in dh Uebertinſtimmung mil »der hoͤchſten Vernunft, das lt; Serrgwößigkeit,, Ordnung, Regelmaͤhigkeit in dent Hans deln denn das Beſte Sift für jedes Weſen das Ihm ange miſſenſte· Die: Vernünft'üf aber: das’; Göttliche , das Eocite in dem Menſchen Was ihr angeiieffenift,: muß‘ alſo für:die Menſchen das hoͤchſte Gut ſeyn 72) 3 u“ ' > Es mer zu verkennen, Daß’ Plato unter dem hoͤchſten· GuteSittlichleit und: Geſetzmoͤßigkeit berg ſtehet. Eine Wahrheit; die ſich jeden Menfchen von reinem Herzen ſich durch ein untiderfteplihes Gefühl Kup dringet. Nach dem · Plato iſt Die” Surichteit als "hie hoͤchſte Volllommenheit das Ohbject des vernünftigen Bes gehrihß, welches män um fein ſelbſt willen begehrit‘ "Dies fer Geſichtspunct war für die Auffindung des — ENTE I ni I Erin, Re *- 471): Epi nomisS. 254, 255." Arasuv avdy- m ion Mey Neyvohr av. apyouda Yan alX' dur + AeYapeıy vonögerki. Fa Te asraspoßer, dray yux ro apisov ara Fo apigev Bouksucjrku vouv, #0 wersov erBavii Twin Haren de Red publiea X S 271 Akon de" foya al v5 garaı oux ürep vöneu|re na Fahne; .S opti a Ä 2, en Tr EN I 2 472) de Republ;' IX. &, 270, "sirep ro Bu: | — —— vnsloraror. Der recht⸗ *ſchaffene Mann muß etwas haben, morauf er als betztes Ziel ale Handlungen beziehet, um Einheit in dieſelben zw bringen, dieſes Ziel iſt ro — V — amd vonas. Gorgias ©. 124, 125. ax . de 19 yuxıg Tafscı zaı Kospygeoi vormmov TE. Hau . ‚voras" GFeu Kar vomımoı Yıysorras Kai HOSMIM. Tau- Ta 6 z51 Önaıcouyy TE Kal ano... Sennznannd Geſchichte des Philoſophie IL, Th. 2 482 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. Sittlichkeit in einer Ruͤckſicht vorthelhafſt, in anderer ‚aber nachthelllg. Denn erftüch wurde dadurch der Ver⸗ nunft das Recht geſichert, uͤber das, was gut oder boͤſe iR, zu entſcheiden, und die oberſte Regel für die Hands Jungen aufzuftellen. Zweitens. Es war auf diefe Weife möglich, das Angenehme von dem Guten zu unterſcheiden. Denn das Gute will man um fein. felbft willen, das An» genehme nur um feiner Folgen willen. : Jenes will dem Menſch als vernünftiges, dieſes begehrt er als finnliches Weſen #73). Drittens. Es bedurfte keiner befondern Triebfeder um das Gute zu wollen. Denn es iſt ein Na⸗ turgeſetz des Willens, nur das Gute und Volllommene zu wollen. Die Triebfeder iſt alſo ſchon in dem Objecte ents ‚halten, Allein eben darin liegt der Fehler des Syſtems perborgen. Er betrachtet die Sittlichkeit als die vollfons menfte Yeußerung eines. vorſtellenden Weſens in feinem oollfommenften Zuftande, bdergleihen Anfihe nur allein auf die Gottheit paßt. Daher ziehet er mehr dag Object des Sittengefeges , - nicht die Form, -gefegmäßige Hands lungen, nicht die Gefinnung In Betrachtung. Und übers haupt entgieng Ihm, daß Frelheit der Grund aller, fittlis den Morimen iſt. Nur einige beiläufige Aeußerungen entfallen ihm... darüber, Hieraus: läßt ſich ſchon im vor» aus beſtimmen, wie welt ſich Plato dem reinen formalen Sittenprincip genaͤhert hade. Viertens. Wenn es auch feiner Triebfeder bedurfte, fo mußte doch bewleſen Merden, daß die Vernunft befugt ſey, das oberfle Befe der Hand» lungen und das legte-Dbject des Willens zu beſtimmen. Denn warum fönnte- nicht, auch die oberfte. Richtſchnur des Willens ſeyn; fuche die größte Summe des Vergnuͤgens. Das unentwicelte moralifhe Gefäpl leltete ihn freie , für die un zu entſcheiden, aber — Gorgim ©. 115. Tod ayadıv apa £vexa ösı ar 7’ alla naı ra Hösa mparrsıv, aAA’ ou T' -ayasa, Twv YöswV. | Philoſophie des Plaro. 4683 die Sehnde dafür find nicht aus dieſem Gefuͤhl entwickelt, fonderm“theoretifch Die Vernunſt iſt goͤttlicher Abiunft, fie erkennet die Dinge mie fie find, und kann daher allein > ihtige Vorſchriften für das Verhalten in allen Fällen geben. Endlich wird die Gottheit, als das Ideal aller, Volltommenheit, zur Huͤlfe gerufen. Doch fehle es auch nicht an Gründen; welche aus den Koderungen der Sirrlihfrir und der‘ aan des menſchlichen Gemuthe hergenommen find. "Das abſolut Gute beftcht in Sefegmäßigfeit und Harmonie. Diefes auf den Menfchen angewen⸗ detr der Menfh fol mit fi ſelb ſt und mit andern vernünftigen Weſen überelnſtim⸗ ‚men 9% Das Geſetz, durch deſſen Befolgung tie mit andern und mit uns ſelbſt einig werden lonnen / kann nicht in dem Begehrungs:: und: Gefühlvermögen, : fondern- nur allein in der Vernunft gefunden werden, denn die. Begierden und‘ Gefühle ‚miderftreiten einander; aus ihnen: entſpringen Uneinigfeit, Ungefeligkeit, Eigennutz, Krieg; ſie hemmen, wenn ſie ſich ſelbſt uͤberlaſſen ſind, die freie Thaͤtigkeit der Vernunft, und unterdruͤcken den Sinn für. alles Edele, für Wahrheit, Sittlichkelt und Recht. Der .. wuͤrde alſo/ wenn er bloß dieſen Autrieben 952, — Dir 474 de Repnbiich IX. S. 278. "aA ws auswer * uer, Oines0v EXOPTOS aν BUT de un, EEwIEy eDegw- wer. iva SI6-DUVamıy MEUTES OBOISI WULH xaıDıroı muy aur® ußsevonsyos Yılk S. 205, 206. de Legib. II, & 152, aR Yo ua“ rusn ag WEYIZn Tv guu duuam, vsyıgn Inasctar” ar ... Asycıro soDız. 956 usvnara Aoyov SW, METOYLG. 475) de Legib. J. ©. 44 45. To ds ısuev, Er TAUTE TA TaSA 69 um, A. reves n xnen· o Tag IT 3 \ ev Fayrı.ömo Yet vu Decrıns RXEt” Mari 484 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. | Dagegen fodert die Vernunft, nur: einer einzip en Kegel zu folgen, und alen.andern zu wider⸗ ſtehen. Die- Vernunft ſtellt allein‘ eine unveränderliche Kegel; einen oberfien Zweck auf; den man bei allen Handlungen zur einzigen Richtſchnur ‚macht, wodurch Einheit. und. Ordnung. in das ganze menſchliche Leben: kommt 37°). Der Bernunft allein kommt es zu » Geſetze zu geben; denn uͤber die: Vernunſterkeuntniß kann es nichts Hoͤheres geben; es. kann fein Geſetz / keine Anordnung; geben, welche uͤber die Vernunft zu ſeben, alfe an ihr nicht abgeleitet wäre 4), ff - Der erfle Grundfag des fietlichen- Derhaltend;, ww cher dem Platoniſchen Syſtem zum Grunde liegt, iſt eigentlich ſtrebe volllommen gu feyn, aus keis wer andern. Kuͤckſicht, als um vollkommen gu feyn, oderrfey mit dir ſelbſt einig: Anſtatt diefer Formeln, findet man andere, welche entwickelt deu⸗ felben Inhalt geben. Befolge die Vorſchrift der Ver⸗ av200 Ewa TE nnd na WHITE aysihrsei, Evayı- Ti 8004, EM’ evamrıng meufges, & ‘dn diweisuavn aeTy nu nanıd nero. VIII, E. 205, 206 ,°217- ‘219 ‚Phaedo ©. 150, 151, 189. de Republ.I,: S. 198, ı99: VII, S. 156: IX, ©, 274, 275 de Legib. V. 6.213, 214. 476) de Legib.1. S. 44: uia væę — ö — desv Twv EXEzwv Euveromevov ae, ng undsun wıro- Arımousvov exesuyg, abterney — srasch de Republ. IV. e. 367, X. S. 301, 502, de Legib. 1. S. 18. AN) de Leib. IX. ©. 48 grisyuns ya’ ære vouog 315 TuLı; BÜEHIa nETTip ads $swıs 651 vay " adevog Umnncov zds darıy aA TATOy MEXKovTS ray, — EEE. 0... nn nn — 2 Neo e des land, © © ® 483 Vernuufe, um der Vernu fr ‘willen 5 Suche Goͤtt aͤhnlich zu werden 4279); Unter wirf das Thieriſche dem Menſchlichen und Böen in dir aAkey. Das 6Eoöͤttliche in dem Meunſchen iſt die Vernunft, und Gott iſt die hoͤchſte Ver⸗ nuuft; die⸗ beiden letzten Säge ſind “alfo; dem: Inhelie ma, von dem erften nicht verſchieden. Es fragt fih, aus welchem Bewegunge⸗ | Sen nde: fol man-der Vernunft Behorfam leiften? Die gemöpnlichen Bemegungsgründe der Menfchen find bloß -finnlid. Sie fhränfen 5. B. eine Begierde ein, um andere deſto ungehinderter befriedigen zu — ſie beſte⸗ ben Gefahren mit Standhaftigkeit und unerſchrockenem Muthe, um einer groͤßern als dem Tode zu entgehen. Aulein dieſes iſt nicht Achte Sittlichkeit, ſondern nur ein Umtauſch von angenehmen und unangenehmen Gefuͤhlen. Andere ſuchen nur gut oder nicht boͤfe zu ſcheinen. Der einzige aͤchte Bewegungsgrund iſt, die innere und’ freie — ———— daß es beſſer ſen, der Vernunft zu — dd. fols — se ervol ‚ eav — — —E re oyro⸗ 2 KATE VOuouv. Gorgias S. 124, 125. de Legib. IK, S. 48. de Legib,1. €. 44 | .Phaedo ©. 156,167. (Note 46. 477, 431.482, H 479) Theaetet. S. ımı. dio mueasd xe⸗ | ‚evdeuds ereice Peuyen, ET Taxıza' ‚Dvyn ds, ömor- ogu⸗ New nara To duvarov: Öudmuciz de, Imayov | 1.4 oᷣcuo MET“ Deovnaewg yes. 480) de RepubLIX. S. 276, zuyra neh u UTxXex vonma dia va mösur' av Diasssv Yeyovkvay; Tæ UEV nae, Ta Umo Tu avdewii, HaRov de saws ræ vumo Ta Say 1% Snpwdn masvra ang Dussis ; — Se, Ta imo TW Aygım TO NuEgov GEARUSYVH, * 496 Zweites Hauptſtuͤc. Sechtter Abſchaitt. folgen, oder der Entſchluß fittlich gut und nicht fitelich boͤfe zu ſeyn PN). Die einzige aͤch te Tu⸗ gend iſt die Vernunft um der Vernunft wil⸗ len zu befolgen, ohne alle Ruͤckſicht auf an⸗ genehme oder unangenehme Folgen... : Diefe Gefinnung.; welche gleichfam eine Reinigung und Ab fonderung von adlem Stunlichen iſt, giebt erſt jeder Handlung das Gepraͤge der Sittlichkeit 82). Wenn wir ung uͤberzeugen wollen, daß ein Menſch ſittlich han⸗ delt, "an Phando B.156. 197. Thesstet..& ir: f an yap 2 Tayu TI @uÖIDuMerToy y. WG NE, Mi Evan dı moRdı Dacı dew moyngiav MEVv Dauyeıv, ‚aps- zıv de diwumv, TITWV XRPBiV, TO MEV STITNÄSUTEON, Tod" 5, iv, dr unmanog may iva aya$os. dom ervay” ur, TUT: MV vag asuu 6 Asvouevo⸗ vVꝑatuv —R sus Daweroy: ©. 122, 195. - 499) Pha odo & 156. 157. unax durunhogdamees aesTnV, ndovas meox Noavas na Aumag eos AUS, MM Doßev meos Poßoy karadlarrscha nay umfa mgogs BAATTO, WETTER vokısuarar ui 7 Enewo Mmovov TO vouisua opyov,:avrı u dr Mara TaUTra Ka vaharresdo4, Deovnass. Ky TETE.USV TAT x Usra TETE wvausya TE Hy WIMLRGKOMEVE To : ovru m na avdgera cu —RR —Xp J ——X— no WEOSYIyVonsymy any amaoyıyPoKEvwv „u Hdovov u Doßwv nu rwv arAmV mayrwoy Toy TolaTwv' Xwenousya ds Dee unrswsng a arrousva ayrı ar wy Kr nruayga Dia FIG 4NTORUTN apary na Tpavrı uvdgumadwäng TE, Kay adv dyisg ad’ arndesexn‘ To d' arndes, Ta or n nadapeıs Tıg Twv ToIsTay mayruy muy 9 Gwhee un 464 4 dmoygauyn 10 7 ardend, au auTn ı Den vroıs ui ua Saguos rin. de Legib. IX. ©. 24 * Phlloſophie des Plato. 437 delt, ſo müffen wie bei ihm von allen Außern Vortheilen und Belohnungen abſtrahiren, alfo felbft von dem Rufe, daß er ein rechtlicher Mann fey; und wenn er nun , ohne ale diefe Nückfichten, follte er auch den Ring des Gy⸗ ges beſitzen recht handelt, dann kann man ficher fen‘, daß er nicht etwa bloß um zu ſcheinen/ ſondern / aus wah⸗ . zer Sefinnung fo handele, daß beider ein ſurlich guter Menſch ſey *833. Damit der Menſch ſittlich Handle; oder einig mit ſich ſelbſt ſey, müffen die verfchledenen Vermögen des Gemuͤths in dem beſtimmten naturgemäßen Verhaͤltniſſe - der Unterordnung flohen. Die Vernunft muß gefeggebend, das Begehrungs »’ und Gefuͤhlvermoͤgen müffen ihr unten geordnet, und jedes Bermögen muß in feinem Wirkungs⸗ kreiſe bleiben, und nur ſo wirlen, mie es wirken fol Diefe Beſchaffenheit des Gemuͤths HE die Grundlage der Sittlichfeit, und ſelbſt die Volllommenheit, oder Tu⸗ gend (apıry). | Das griechiſche Wort, wodurch Tugend bezelchnet sold, bedeutet nad) ‚dem gemeinen Sprachgebrauch über haupt die vollfommene Beſchaffenheit eines Dinge, wo⸗ Durch es in den Stand gefegt wird, feine Beftimmte Zunce tion auf die vollkommenſte Weife gu verrichten. In dies fein Sinne Heißt nun auch. die volllommene und harmoni- ſche Ueuferung der Seelenfräfte unter der Gefeggebung der Vernunft, Tugend. Sie iſt eben dag, was bei dem Körper, Gefundheit, Schönpelt und Tauglichkeit zu allen thieriſchen Rn iſt 9, .. ſuchte nun aus 954 de ©4853) de Repablica I E. 210-215. 226, K- wii * 318. 480) de Republ. IV. S. 387. wgery usv apu ws (EOIMEv , Uyiena TE TIS:ein Ka na 0E Kos susfıa une. de Legib. XU: S. 223-826. Definit, ©. ; | Br?” 488. Zweites Hauptſtͤck. Sechſter Abſchnitt. dem oblgen Grundbegriff,,der Sittlichkeit die vier Cardinal⸗ (ugendan;; welche ſchon ju dem gemeinen Sprachgebrauch gngenommen waren, Weisheit, ‚Tapferkeit, Maͤßigkeit Gerechtigkeit ahzuleirtfrte. 0 nd or: Weisheit op@a, Dooyymsi won), beſtehet die ber. freien und ungehinderten Tpärigteieder Beanan ft,.speiher die oberſte Gewalt / und Geſetzgebung in dem Menſchen zukommt, wodurch fie dashoͤch⸗ fie Seren unda dem Kerr m Zweck vorfchreibe. Dom die Vernunft beſttzt allein die Kenntnißz vondenr) was fuͤr jedes einzelne Vermoͤgen and den ganzen Mem ſaen das Beſte, das Zutraͤgliche it); - Die Weis⸗ beit. ıft, die praltiſche Erkennt niß von dem, mag ſchlechthin dad Gute oder das Def iſt⸗ von dem,, was, man thun und nicht thun fol, oder von den Ptlichten, die man gegen Gote und Menſchen zu beobachten hat:*%9), :. Prak⸗ | | u “y we F ar, ? / BB rn een Arien Eis Heyra Gare, win na ———— EEıs, na9 iv To ex.ov ayahe ef Asyera. ' as Republ. VAS. 345, $7i; 35 GEL, Bar Te BLUT Hs, RR. + wur 485) de RepubLiIV,.&, 373. odey Özinys (Evk nn ÜRSOV Karzuev)ieneng win ui laspe, To Od ET" arg Tara WAENYYEREI* -Exov: av 1 AV. RIGHT dur, Tv TR" EULUDELOV TOR ER sch TER OA Tep KO. Oau aurov melwi oyrian. “ * de Legib. XII.S. 221. 486) Definit. ©. 288. Alcibia d.. S. g8i. 89. 90. 100. Theaetet, S. ızı., nor an e54w aut (Sep) öuerorepoy adv. m ds av Amy au yary- ... Ty oTı Ämyoraros. Moor Terra. na ⏑ Ögıvo- TS avdcoc. nay dev TE: a4 avardgın. 5 EV. vaę rTare Nooug FoPdıw xgj aperh arndıym, A Philoſophie des Plato 4t9 tiſch iſt dieſe Erkenntniß aber dann/ wenn fie Einfluß: auf den Willen hat, das heißt, wenn die Begierden und Ge⸗ kühle‘ durch fie beſtimmt werden, oder ihr nicht widerffrei⸗ ten 97), Die Welsheit iſt der Grund aller andern Tu⸗ genden. Denn ohne ſie iſt Tapferkeit nur koͤrperliche Staͤrke und Herzhaſtigkeit, welche ohne Leitung der Ver⸗ muuft in thieriſche Wildhelt- ausartet; ohne ſie giebt es Feine wahre Maͤßigkeit als Tugend 3°), Uebrigens lann dieſe Eckenntniß fomopk eine. wiſſenſchaftliche oder auch nur eine gemeine (do&a aAy9y5) ſeyn. Man kann nach beiden Recht (hun; ‚aber, die —— iſt * un. Inberläßiger N in ing‘; Mäßtgkeir:( —— > ie An — Scum ann (EuyFea) unterſchieden. Es giebt Menſchen, welche aus Neigung Ruhe und: Eingezogenheit Heben, weit ſie von⸗Natur keine heftigen Leidenſcha ſten haben. Es giebt andere,welche zu Gunſten einer anders Leiden⸗ ſchaft andere Begſerden einſchraͤnken. In beiden Faͤllen iſt Maͤbigleit und Tugend nicht vorhanden; denn dieſe erfodert, daß die Begierden durch die Vernunft um der Bernunft willen eingefhränft werden 9). Das Weſen —— Re darin, daß das Begehtungsuers m K Bier az * i ; 26 Be ee eLegtb. m. e. 129. en N. Ta- To (mewrn 4 rs EUMTTLEAE HYELOV Resta) u vao ‚Roy dofa, UST SewTog TS a 204 ræaros E77 0- "kkevns. &: 151; 2 | bs Phaedo S. 156. Politicns 108- 110. 2b U 215, fe Republ, we 548; 499) 1 Meno ©. 584. 490) Politieys ©. 108, 114, AR Er Legib. IV, ©. 172, 175. Phaedo ®. 155: 157. 499 Zweites Hauplftü. Sechſtet Abſchnitt. mögen ohr die Vernunft beſtimmt und bes berefht wird, oder. daß beide in Anſehung dvoffen, was In dem Menfhen das Beftims mende und Gefegebende If, einig find ). Durch fie it man feiner ſelbſt mächtig, ‘Here feiner Leidens ſchaften; man begehretiund verabfcheuet , was man nad dem Geſetz der Vernunft fol; durch fie if in’ der Seele alles geregelt und Harmonifd 9%), Säpferfeit, Standhaftigkeit; Cavögeie) iſt nicht: die natürliche Stärfe, Unerſchrockenheit, Muth . und Unternehmängegeift , Gegenwart des Geiſtes, infofern dieſe Eigenfchaften ohne Bernunft möglich, auch ſelbſt ‘bel Shleten : anzutreffen ſind. "Auch iſt Uherfchrockenpeit, Standhäftigfeit bei Gefahren keine wahre Tugend, wenn der Bewegungsgrund dazu’ die Furcht vor einem andern Uebel ift.3). : Die Achte Tugend der Tapferkeit Findet ‘dann. fatt; wenn das Gefühlvermögen durch die Ver⸗ sunft beftimme toird ; daß ed nur an dem, was Recht 177 — und an dem Unieen — 491) de Repnbt. V &.375. ride; — x (ur ‚ AauEv) Ta Dia PR Eoubovia TYaUTWV TETWV; orav TO TS MEXOV Roy Tim EX OUEvw ÖNodolwary ws dery ex v ro Aoyısınoy noy Min — duro. S. 349. Dekfinit. S. 289. - 492) de Repubı. IV, S. 340. 350, —— S. a⸗0⸗ — de a III, S. 178, 175. 493) Politicus ©. 108, 115. "Mono; S. 365. Laches ©. 198, 199. Phaedo ©. 155, 156 = 200 Republ. IV. S. 348. doneis yag mol TI) 00- Suv dofav meer aurwv TaTWV aysu Myderng EY0- vum, Tyy O6 Inemwdn aoy ardeamodwdn, TS waru yousmoy Ayesdau, ao Ts TI n ardgeray Au. Philoſophie des Plate. - 498 empfindet, das phyſiſche Uebel dem morallſchen unterord⸗ net, das Unrechtthun für das groͤßte Uebel Hält, und daher ſtandhaft bei Beobachtung des Vernunftgeſetzes aus⸗ harret 4). *Sie iſt alfo nichts anders: ald ber unerſchuͤrterliche Vorſatz, die Vorſchrift der Vernunft gegen finnlihe Luſt und Um luft durchzuſetzen, oder die unerfhütterlide Marime, nur das für furchtbar und Bhfes su halten, was die Vernunft dafür erkiäs zet #5) Sie hat nie allein das Unangenehme, Schmerzen: und Gefahren, fondern auch die: Meige der Sinnlichkeit und des Vergnügend zum Gegenſtande. Ges gen: beide. fämpft ſie, um der Vernuuft den Eieg — leichtern #9), —Die Gerechtigkeit ( Öansunz) iR, ‚Anfoferm fie ſich in äußern Handlungen: äußert, die Befolgung der Maxime, das Seinige zu thun, und dag Sei- nige zu befigen, das heißt, feine Pflicht zu thun, und das Mecht zu achten; imſofern fie aber eine innere Beſchaffenheit des Gemuͤths bedeutet, iſt fie die Verfaſ⸗ fung), daß die Vernunft ‚frei wirkt, und ihre gefeßge bende Gewalt unsingefhränft ausübt, und Daß bie uͤbri⸗ gen 494) de Republ. IV: S. 372, 373. nu avdgseov Ös, OMU, TETW TI WERE KahzuSV Sva Enasov, ÖTay aurz ro Yumoesdes duaswfn dın TE Aumwv nau ndo- Yay To vᷣro TE Aoy& Magayyarder deno⸗ TS u un. 495) ie Republ. IV. ©, 346, 347. Surayız ou awrreın dıa muvrog doins opdng TE noy vouuma der vay megı n04 um ©. 8 373. Definitianes e. 289: 496) de Legib. 1. ©. 22, »3, Laches ©. 188. de Republ, IV. &, 346, 493 Zweites Hauptſtůck. Sechſter· Abſchnitt. gen Vermoͤgen unter dem Gehorſam der Vernunft ſtehen/ und ſo wirken, wie die Vernunft es beſtimmt hat. Sie beſtehet alſo mit einem Worte darin, daß alle Kräfte tn. dem Menfben nur das Ihrige thun; was ihnen zuklommat, ohne im das Geblet und die re ade — — — zu :thun.:*”). Die innere Serechtigfeit ik ber rund und. die 20 dingung aller übrigen Tugenden, fo mie fie ſelbſt wleder aus: den. uͤbrigen zuſammengenommen entſpringt. Dieſe beſtimmten die Wirlungsart der Vernunft, des Begeh⸗ zunge «nd Gefuͤhlpermoͤgens/ durch welche‘ der innere Menfch- gleichiam einen: moplgeorbnetent Staat ausmacht die Gerechtigkeit umfaßt die geordnete Wirkſamkeit aller drel Kraͤfte/ und die daraus entſpringende harmoniſche Beſchaffenheit des Gemuͤths, durch melde erſt die Aufd ſere Gerechtigkeit die Beobachtung aller en gegen andere möglich iſt 9%). Es erhellet alſo daraus, daß plato unter ee ins nern" Gerechtigkeit nichts als die Sittlichteit, oder die ſittliche Biefchaffenheit des Gemuͤths verſteht, welche darin — daß alles der Vernunſt har⸗ mo⸗ 497) de Republ. IV; ©, 3545 355. 70 ra:äu- rou moarreU Ro ui FoAurgayuaneıv oyrou oistob re au Eavrov EI TE war mpagıg, ducauocu- 19. S. 371, 374 ſeq. Gorgias GS. 130. — moarrein, de ‚Legib. — ©. 24. Definin, ©. 289. 499) de: Repubk IV, Sign Nachdem’ er eis nige Handlungen ber Gerechtigkeit aufgesäßlt, fährt ee fort ouxouv Tourwv mayrwy arrıov ‚ori auro Tuv £V duri' EHägov Ta durov mparrei a? wi wege‘ ra Tov anyesSal. t Philofopgie der plain 498 moniſch untergeordnet, die Memn ſchheut vder das Goͤtt liche in dem Menfhen"vas Thieriſche biherr⸗ ſche. Eine ſaͤſtt lich e oder gute Handtung iſt die⸗ jenige, welche dieſes harmoniſche Verhaͤltniß bewirkt, ſichert und erhaͤlt, un fit tihch aber wenn ſie daſſelbe ſtoͤhret. Weishelt iſt diejenige: Erkenntniß; welche der Beſtimmungsgrund dieſer Handlung iſt; Thorheit, die Borkelung, aus ae: eine eu —— erfolgt 2). 1.24 EEBRERE NTugendð habe Plato- tbeitssfür die meralifähe dn« lage des Menſchen, fuͤr die ſittliche Vollkommenheit; theils fuͤr das Beſtreben ſittlich vollldmmen zu werden Die Anlage zur Moralitaͤt iſt ſchon mit der Vernunft go sche; nes inſofeta —— In der gouten Be⸗ 9 — —— ven — +77 arg 469) de FOREN, Ay, ‚8. ‚325%. 70 kr) * Pb E $, Toourov — ni * & soikev, Öko 7 megn ryv eIw moalıy rw durou, aAAa mEot Tv svros ws aÄyIws, — Eavroy ‚Kar Ta gaurou, ‚u sadayra Ta aAlorgıa moarreiv Snasov vd dur, pe FoAumpaypovi moos alkyla Ta &y 74, yoxy ev, aka Tim DVI Ta dınsıa EU Ieyevov; xa agarraæ aurov aͤurou, Kal nosz yoarre, xas Po du ‚Yevapızvov gautw Hau Fuvapuodavra Tpla dvra, asmeR 0 Tyeig Appanas arsxvns zaı zıaAla arra uerafu TOygaven . oyra‘..mayra Taura Guvöyoarta, xai mayramaow eva u yevopevov ex molAuv su gova na NaMoSMEVON, du- 7c üg mgaTrav yo, zav..öy mparry. —- iv maoı ToUTus MYOUMETOV Hau Bouazovra Our as &y pev aa nalyv mpafıv, 5 av rauryy mv EI aw- Cy re ind! 'ouvarspyalyraı'. oDıav' dr, ryr — rau ⁊ mon erisyäw Adınov. ds mo, qvᷣ av al rabryy⸗ ku’ auasrav ös 7m Taury av. emisarolgay — üs Publica IX, S. 2736. N. rn 494 Zweites Hauptſtück. Sechſter Abſchnite. Deutung iſt Tugend etwas durch oͤftere Wiederholung guter Handlungen, und durch Befeſtigung guter Geſinnungen, und in dem Kampfemit ſinnlichen Neigungen Er- morbenes. Denn fie ift nicht Iinempfindlichkelr gegen die Meige der: Sinnlichkeit, fondern Befiegung derfelben dur die Bernunfe 500). Die Tugend entficht alfo durch eigne Thätigkeit dee Vernunft, und durch freien Ente . ſchluß Je mehr ein Menfh Tugend liebtund achtet, defto tugendhafter wird er FR), ; | ‚Hier war Plato dee dee ‚der Freiheit der Willkuͤhr fehe nahe. - Denn wenn die Tugend auf freier Entſchlieſ⸗ fung beruhet, fo muß es dem Menfchen möglich: ſeyn, ſich durch die Vernunft oder durch die. Sinnlichkeit beſtim⸗ men zu laſſen; der Grund-feiner ſittlichen Magimen muß in Ihm ſelbſt enthalten feyn, fo daß er nicht von außen gezwungen werden kann, ſittlich oder unfittlich zu han⸗ dein, fondern fich ſelbſt zu dem einen oder dem. andern vom 2), Aber freilich bleibe er def richtigen Ans ’ ſicht 500) de Republ. IV, &, 378. os ouv ou Has Ta nV Kala smiTyüsupara Eis aperıs Kryaıv Deger, za Ö amypa, eis nanıas; de Legib, I, ©. 51. Omsı005 ÖE on mau au ayypvasos av Twv Tour aryumv OgI50UV, OvÖ' ay qaiou ERUTOU ri mo aperyv. leg. so) de Republ, x. 8. z50. ags⁊i ÖE ade ororovy, dw Taacoy var arıraduv mÄEov as ‚slarrov aurys &asog Es. arıa Ekopevou, Seo avarmıos. Vergl. ©. 333. 502) de. Legib, X. ©, 106. — * reotac 70 [rev] roiou TIvas — rär Beudyseniv Enascy vJutuv Tag auriac. ony yoo av —A za odioc mis wu Ty ν, raury OXsoov Äxazsore Hat Toou⁊os Yıyvaraı Amag Yany dis To mov. re Pbiloſopbi⸗ des Plato. 495 ſicht nicht KR; | die Erflärung: der anſittlichen —— fuͤhrte ihn davon wieder ab. Wenn es ein Geſetz des Willens ik, 4 Gute zu wollen, ſo kann fein Menſch mit Willen boͤſe ſeyn. Dar⸗ aus folgerte ee: alſo, daß boͤſe Handlungen nicht aus freier Entſchlieſſung der Willkuͤhr zu erklaͤren ſind. Sitte lichkeit iſt die Herrſchaft der Vernunft, Unſittlichkeit ift Herrſchaft der: Sinnlichkeit mit Unterdrückung der Vers nunft. Jenes iſt der Zuftand der freien ungehinderten Shätigfeit: der Bernunft, diefed der gehemmten oder übermwäls tigten vernünftigen Wirkfamfeits Die Urfarhen tiefes letzten Zuſtandes ſind: 1). heftige Begierden , Keidenfchafe ten, z. B. Habſucht, 2) heftige Affertin,. z. B. Zorn, 3) Unwiſſenheit moralifcher Wahrheiten ,.. welche von ge⸗ doppelter Art: iſt, Indem man entweder bloß unwiſſend, - oder dabei auch mit. der falfchen Einbildung wirklicher Er- kenntniſſe erfülle iſt 5°), . Nun iſt das Wollen nach dem. Plato das ‚durch die Vernunft. beſtimmte Begehren, oder, das Entfchließen, das durch die Vernunft erfannte Gute wirklich zu machen. Er bat alfo Infofern Recht, daß - Der Wille nie das Böfe zum Objecte haben kann, infofern der Wille mit der Bernunft-gewiffermaffen eins iſt. Den Willen verwechſelt er aber mit der Willführ, infofern er an» nimmt, daß ber Wille, der Befiimmungsgrund dee Wills kuͤhr ſeyn ſoll, es auch wirklich iſt. Und weil der Begriff: des Guten in ſeinem Moralſyſtem der hoͤchſte iſt, welchem der Begriff der Sittlichkeit untergeordnet wird, fo- läßt ſich wegen der Amphibolie des Begriffs noch weniger er⸗ klären, wie ein Menſch das Boͤſe dem Guten vorzießen könne, Es blieb ihm fein anderen Auewes übrig) als die 503) de Legib, IX, ©. I7. 6 pEV adırug ou, nauo⸗ Ö ÖE Ranos amımy. TOIUTOS, aXDVoLuS Ö8 novoiov OUH exe mpirresdan , rors Aoyav. S. 22, 235 Zn 496 Zweites Hauptſtuck. Sechſtet Abſchnitt. Sie. Urſache in. elnem Zuſtande der Unthaͤtigkeit der Ver⸗ nunft zu ſuchen, deren naͤchſte Urſache Leidenſchaft, hef⸗ fügen Affect und Unwiſſenheit iſt. Demnach ‚hätte der Menic ‚keine Schuld. an dem moraliſch Boͤſen, weil ee dieſes wicht Wollen, nicht gerne thun kann so), : Man ſiehet alſo 7 daß ‚Plate noch nicht die Idee der Freiheit, als Bedingung der Moralität ; rein aufgefaßt: Hatte, und daher ſchwault er zwiſchen Greipeit und. Determinismus Bin und her, re a — F Ee fand aber ſelbſt / “daß die Behauptung, das Boͤſe ſey unverſchuldet, ob ſie gleich aus den erſten Grund⸗ ſaͤtzen zu folgen ſcheint, dennoch in: größe: Schwierigkeiten verwick·it, als er zum Behuf der Eriminalgefengebung. die Begriffe von Schuld’ und Verbrechen entwickelte. ; Er unterfcheider hier mit Recht, Handlungen‘; melche andern Shäaden, (BAaßy) und Handlungen, welche den ans dern Unrecht zufügen (aöına, aödınyıa)..:. Eine und gerechte Handlung: läßt ſich nicht. denleu, ohne ‘den boͤſen abillen, dem andern zu. ſchaden I). Wie laͤßt ſich X N. Ja —— nun ' 504) Timaens ©& 425. rauıyınante nayres natorldıa Övo akbvcwrera Yiryvonsdul, u 505) de Legib, IX. ©. 18, 19, 26. ou ya | Om Eywye, & Tg Temypanaı My BovAo per vos, AAN arwv,'adınsıy EV, arovra ji, Kal TayTy MEY öy[ov] vVonosETyow TouTo, PR gakoucıcy adınyya vonaserwv;. aAA" ovie Kö (At avroma- pamavyow ryv Tbıauryv BAaßyv, ours av nsılwv ourE Av slartwuy Ti yıyutar 07,200V yap out" sı Tıg rw HHöwaı Tı Twy ourer, cur 21T Quvarzıay aDar gasraı Öinaıov dmÄws y adınov Xay Ta TaUTav dur Aeysiv’ aM say 'y9er [ad] mar Ömam Tgoms ypwpssvog Tis wPeAy Tıla Tu nor Bkarry, Tours s;ı mw vomaIEry .FsaTEov, Kaı mpug Övo Tavra dj Phenreov, mpos TE adınıav na Akapye.. ‚„» Ari vAchhnoſophle des Pe © gina die Möglichkeit einet ungerechten Handlung denten, ran Fein Mer min Br ehe? oder, wen allen ungerehre-Handianden unwilltuͤhrtich, nicht freiwillig Lenqurla) ſind Mebet dieſen Pumke; geherieeizu fluͤchtig diaweg / ohne den Widerſpruch gehoben / jn haben. Denn wenn erfagt: MIO Handlu age n deren Beſt kmi⸗ mwungsg rundo dire Vernunft iſt, ſind Hüte serie; gerechte Handlungenz vböſe, uns gerade ſin diſſe wenn Leidenſchaft, Affetko ten, der Beſtimmungsgrund find: so) 0 ſind dennoch Höfe Handlungen nicht freie Karosnna)yı daß iſt/ mach feiner eignen Etklaͤrung, feine boͤſen Handlungen; und man begreift noch weniger, wie er gleichwohl hernach einen Unterſchied zwiſchen nicht freiwilligen und freiwilligen ſonouoia, Eroudıa, Vergehungen machen, und unter je⸗ nen, diejenigen Handlungen, welche aus einem Affeet A eritfprihgen;, z. B Zorn, unter dieſen aber ſolche verſte· = hen kann, deren Befllimitungeartnd eine Begierde, a Habſucht, iR 5°”), Bel jenen unfrelmiliigen macht er noch eihen ‚Unterfipitd greifen folgen) weiche In dein im ſelb RT‘ nl GT ie 3 4 . ad vs 2 4 * —* de Legib. 1X. S. 24: | 5607) de Legib,.1%. S. 22, 26. Veigl. mit 8.36: ‚a Ta juev og Baia 78 war arovara'räl Hark Toy 7 Iupav. yivejrevamepi Povous; jerpbg ante; Ta ‚> + dr TED PR couoia Rai ar aörklav- Manavyryvonsva; a9 T Touran reg har rıßovdng Ü' Ye you TE al v2 erdopuwvraiPIovay; Taura.ner' Era ymıv Acı- RE, Arilbos Echicons; Nirom, III. c. 1. “m. ug‘ yag ou Kalcır: Asyeraı Fo.akbunia sıvai; [kai Aor] Ta da upon yidı“ erıdupuad:s. Es fcheint, als zu. wenn Patd den: VWorfag ozmiBondg zum. Merk >. mal dee Fröuoiivy mache; wiewohl ach dann noch Conſequenz In, ſeinem Raiſonnement fehlt Tennemanne Geſchichte der Philoſophie It. Cpl: Ji — 498 Zweites Hauptſtuͤck. Geihprer Abſchnitt. ſelbſt begangen werden, : und denen jun: der? Affr etndie Beranlaffung zum Vorſatz einer That giebt, "die Ausfuͤh⸗ rung aber in: einem affectloſen Zuſtande unternommen wird. Jenes find:unnorfäglihe, dieſes vorſaͤtzliche Handlungen; ‚auf jene folgt Reue, auf dieſe nicht. Jene ſind den unfreiwilligen / dieſe den freiwilligen Handlungen «Abus lich °P) Es IR nicht leicht möglich,‘ aus: dieſen Beſtim⸗ ‚mungen einen deutlichen Begriff von Freiheit und Zurech⸗ tung abzuziehen; aber dennoch «hat, Plato zur Erörterung Bed Begriffs den Ariſtoteles vorgearbeitet, der, ſobald er von dem Satz, daß das Boͤſe nicht mit Willen gethan werde, abgleng, ſchon mit ſicherern — an m Ent rg des wear" ging: | ‚RE d: Du 4 art . n ER . 404 —X — | ya dem — iſt die —* das vdchſte a oder als Volltommenhelt an ſich ein nothwendiger Gegen⸗ ſtand für jedes mit Vernunft und Willen begabte en Er. bleibt aber nicht dabel fichen,, Tondern ‚fügt, au pemeifen, daß dieſe Vollkommenhelt Auch ihrer aut | wegen ein Gegenfland des u — daß. fie nie Be ar . ..: 8 "a = ‘ - * % = m - urn "$08). de:kegib; IK. €. FM 314. iöyew zay;gu:. pay Qularzun, war QbH EHMOV MODOXOyNE Zah: „ang alka ner smwıßauAysni DEGRY XRayıp: Finn ggupmEvbg,; Inandım zomEv’. + ÖE MTEMIEUTWS Taıs 00- = Yaıs yar SM. TAU‘ magaygypmanäug XEWMEVOg ar e | Bovke UTWEY MON MEWÜARDUGIM, E54 6 ouß' ccroc au mavtamadıy ar0w0ıag, "ad Eixwy ArBUCHDU, ‚dio Yakzrov.örapıfem, 61 Ta: Yupampaig Ievres-Qe- 590, MOrEpoWexanarod; AUTAS.y Mibäg: 5 AKaUDICUg . vonofyrsayBeirizov uyv mar aAydsgarov sısEimova .. pa au Oervou, "Tem dE AUTW — 8 sr — “ar — we | | 4% — iX RR re des Plaro rise 0489 f um Weohlfenn beruũnſuiger Weſcn ih herr ngestreninle kn Snfammeiihätige feher'; = mol © 2 Migeaäheet "Plato = der — ir ‚Be riffe ſo weit gekommen tar y' daß er Sitachteit und Bidckſeligkeit unterſchied / ſo wurde!eb dB ſchon durch den Geſichtspuntt die Sitiſichteit als die hoͤchſte Boll Fotithenheit der Seele zu betrachten /verleltet ¶ beide · wie der’ In einem gewiſſen Sinne su verwechſeln, oder doch gun wenigſten zii verbnden. > Das hoͤchſte Gut de Menſchen beſtanb nehmlich in der Harmonie aller Wörfiele Nug em Begehrungen ud Gefuͤhle Aunfer der Aber" deh BGeſetzmaͤhigkelt alles Mannichfaltigen in‘ dem Seminhe Fam Beweiſe des Ehbedt daß dit Sitllichkeint das hoͤchſte But ſeh/ gehört al der Beweis, daß fie Kuh ber den reinſten nnd angenehmſten Geflihlen berknuͤpft Ych, ad jerzu kommt noch DIEB Waͤre Gluͤckfeligkeit und je Nehkeit vbn einunder vodllig getrentit‘, To Daß der ſititich Hüte Menſch noihwendig Ber anoliuckſengſte Menſch wre) ſo wuͤrde un allen Triebfedern sr Befolyung des Gy ſchhes der Vernunft fehlen. Zudem, wenn beide nicht Ir Verbindung fichen, fo muß Bott als moraliſcher Geſetze geber »wollen z. daß die, Meuſchen fittlih handeln, und Dabei ungluͤcklich · ſeyn fehlen; daxaus folgte aß dir boͤſen Menſchen gluͤckſeliger find „nie. die rechiſchafſenen sc, Das: if; aber :Angereimt „. und widerſpricht ſelbſt dem in⸗ nierxn Gefuͤhle des ſitilich Guten, welchem nichts jo. fehe Frende macht, als Recht zu hun. Det Böfer findet in den. Foderungen deu — nichts als — läftigfien TR aid si ww — X —— I era Ba sin. .f u kon > AR I PR Legib, Hi ©. ‚ga. obno⸗ — 1 Xi —E —2 123 re Kai Aa Koi ayasoy ai fir. oh, LIE 7 V ——— ——— mi r „FIVA IE: Rei Sr #00 dio. kai dinoior Biov — Cr vas Tg: Erto) Edel KeigseIau mare) zavie er Äx Be Yaipkız Fi Khedar’irkeon Srerah ‚500 Zweites Haudtſtͤct. Sechfur Abſchuitt. Zwang, und die Beſolgung -unfittlicher Marimen ge⸗ währe ihm nur allein Vergnügen. Allein hier gilt ber Ausfprud und die Erfahrung des guten Menſchen mehr, weil er volllommener it-°’°)... Man fichet wohl, def die -“deer-einer ı moralifchen . Weuordnung nach welcher Slagſeligkeit und Sittlichteit in volllommenſter Harmonie Beben, den Plato hierbei leitete. Der Tugendpafte. macht ſich allein der Gluͤckſeligkeit würdig, und nach dem Urtheil der Vernunft ſollte dieſe allezeit in Begleitung. des ſit tlichen Mohiverhaiteng, ſeyn. Daher ſagt er auch: der: Sup könne allein won. Gott „alles, Bute in ‚dies ſem und An. jenem Leben erwarten. and dem Guten. müffe alled.gas feinem. Beten dienen SP). . Wenn er aberspeing;;fein-Menfh wuͤrde den Vorſatz faffen, ſittlich zu ‚leben, wenn nicht, dag ſittliche Verhalten in Zuſammenhaug⸗ mit dem Wohlhe⸗ finden ſtaͤnde fo rührt dieſes -theilg, bon den, noch nicht völlig gelänterten prakliſchen Begriffen ‚ber, theils ſtimmt wie es ſceint/ * einmal — Ba ra — — — a a re ren —8 Pi —* Pr Legibunit. —* na ai nous WounosEryadra hm — 1 Neoug; apa Sdıretatos Buög sgiv Yargogıy dud Fr) ve Bio, -Ov IE usv höigog ou ruylateı,n Ölkaiors- "900g &Eredog* elöy dvo Daieh, oa Mar Ic 7ou⸗ —E —— o— Kr N» are raus on duaioracov rang Taverne wur: ws Bivv; 8 7237 dd. Dass, roug Tov a, aro- mas aufıwv 6 Aoyos av Yiyvorrö; sn). de REpubT., x, & Äıöi Ant — € > ‚320, \ ‚are apa bmoAymrsov „MEpL TV, outalov ar⸗ * ©9005 ; say * #77 mein yıykatanı gay T' Ev vosor, y Adi all ‚rw Öorou rd Kaxudyı aͤg tour Taura er “wäh ri reheurgan gar. y Ras amosaygstı. A ne tue) ee dee Platon. >> ne go überein) 100 er ſagt· im an speed Banden; shwentte Wütrihe auf die Folgen, auf de Wohl und Wehe, ja wenn [else die Erfuͤl⸗ rang 'inmwferee: Pflicht uns in das großre uns gem ach / ſelb ſt Ann die augenſchelnlichſte ID bensgefahr Parged, aud man?mäße ſelre! Pflacht chi, den: Erfolg: und! was es fur Erna haufen erkenne Schickfal habe Ente en RN Diefer‘ anſcheinende Widerh ſpruch ruͤhrt theils daher daß er jene Slellen als Ge⸗ ſetzgeber zudem Voike ſpricht, dem er micht ſo viel Serum faͤndigkeit und Adel der Selle: zutraut um veitner ſittlichet Maärtinen fähig zu ſeyn. Denn der Menſch⸗ uͤberhaupt Iwein vernuͤnftige ſtnullches Weſen; ** ſeiner Sinn⸗ nichteiniſt er Nur Luſt und —— aglich. Nur allein der Weiſe erhebt ſich gleichſam uͤber ſeine ſiunliche: —— * De 3. aber eot doch in dent’ —* we y | — — 9— er — — — £ritty), L 43 sn Phaede ©. 156, 13, de Lei: 1. 45. IX. ©. 24. Gorgias ©. 142. 2) yap TouTo uEv, To Öyv Ömadov öy Xpovov rov ye dus —R avöpa, EUHTEOV SSL, Kat OU Piloyuxyreom, EN — — regt FOOT TIER Kar migeu- savra Ta yuvan, ‚öri; ——— ovo av oͤg exOuyoi. To em TöUTW OxsmTeov, „ru av roomoy > Wourol id PEANE xpbvon: Aıtasei,> &s * Boy S. 178. Bpittota RM. ®. ug | 3 „0: 5’ de Legib, v. ©. 817. yuv ouy Öyregı uer — ig darin emırybeuihh, naı mag Aurou nagce; viourac Xpecrr einau Ac⸗nrai oxxdov »008 Isba vezu ma ÖN \avSpuriye - -Vovi nad out ara. ar da Ipwra ag brakeyoe I) ad" Mahoy: Haag. | xi · ᷣy Qussı “EEE. yakıza Höavan au Aumaı ame Endura EEE avayRy PO Avyrov Tau | n ‚ 502, Zweites Hauptſtuͤck.¶ Sechſter Abſchnits. Brasil nom dem +härben Gute, nach welchem er · einen Ralzujammenhang aryiſchen Sulaten und: —— gaumo J Es forum, hierbei el, —** Begriff der Gthchfen kigfeit. an, welchen Pisto.-an Leigem. Dep vollſtaͤndig enta wickelt hat, Gluͤckſeligkeit iſt ihm, wie man aus dem meiſten Stellen: ſchlietzen kann ; idgntifch mit. dem hoͤchſten Gute, inſofern. es den vollſtaͤndigen Befi alles deſſen was. dem Menſchen begehrenswuͤrdig iſt bedeutet. Yu dieſer Ruͤckſicht leuchtet das Verhaͤltniß der Sittlichkeit und Glauͤckſeligkeit von ſelbſt ein; die ietzte iſt nur ein ung tergeordnetes, Die, erſte ‚aber, das hoͤchſte Gut. Daher nennt er es eine. kindiſche unvernuͤnftige Marie me, Gawanzps, ganwmöng? daa). wenn man einzig und, allein nach Gluͤckſeligkeit ſtrebt, odet dieſe zum erſten und letzten Zwecke macht, 31%, + Die, Gluͤckſeligkeit iſt alſo die, größe: Summe, von ‚angenehmen; ‚Empfinduygen £ ' miezden wenigſten unangenehmen vermebt. Nun ſucht Plato zu zeigen, daß der ſittlich gute on nur allein Veſer —— re, a) ": ri — AN 5 | ri Ha — ATS aͤor —— mung xo et arrdois Fig ——— Er; sa. — —— v. Si 37, TR "Sof: 8gias ©; 1%, 118 ce. die, Legibr 4. & - 18 Definit. © 291 10 Tr ws} G1r9,7 5) en) de, ‚Legib, 1-6 ** der. Ba — BGiou exacueiy. y Mayay. Grau KARATE mgareı 2... TO eväpZuan, ala, nö au, Arms EIEAy Yalscdau, 1 #4, VEDS, ug cpuyas ar »gurdd: Mvuyrot, *paTE Kay, TORTLU GO MNTEE Garanpe, zu Re ah iu, wm — —D— maga, av Pins 6 AMRLTO in en EB kommt Bel’ der Gloͤckſeligkeit alles auf die Viel⸗ heit, invenſive Staͤrke, Remheit und Harmonie der angtnehmen Gefühle an. Wenn man in biefer Ruͤck⸗ ſicht den Zuſtand der Maͤßlgkeit, Vernunft, Tapferkeit und Geſundheit mit den entgegengeſetzten vergleichet, ſo findet es ſich daß die Vergleichung zum Vorthell der erſten ausfaͤlſt. Denn bei dem Maͤblgen find zwar die angenehmen und unangenehmen Gefuͤhle, die Beglerden und’ Uffecten gemaͤbigt bei dem Unmaͤßigen Hingegen ohne Ziel und Maab; aber eben destvegen genießt dee erſte bei’ weniger Unluſt ein reineres, ſanfteres Vergnuͤ⸗ gen? ber zweite, bei intenfio größerer. Luft, dem Grad ° u’d der Zahl: nad) mehr Mißvergnuͤgen. Und fo auch bei’den übrigen. und uͤherhaupt empfindet man bei Bots kommenhelt des Koͤrpers und der Seele aliezelt mehreres und wuͤrdigeres Bergnügen 51%), Ohne Vernunft ft feine menfchliche Gluͤckfeligkeit möglich: Wenn aber die Vernunft frei und felbfithätig wirft, und das Gefühle und Begehrungsvermoͤgen fo beſtimmt, daB beide mit ihr uͤbereinſtimmen, jenes nur dag mit Luft empfinde, und viefed dasjenige begehret, was der Vernunft anges meffen iſt, fo ſtehen alle Aeußerungen der Kräfte unter der Leſtung der Vernunft in Harmonle und‘ Eintracht, die Foderlingen der Vernunft und dev Cinnlichfelt werden harmoniſch belelediget. Der Menſch ſtrebt nach Vergnuͤ⸗ | Ba em , —— — 1 8 ws N yrr Pi ‚in, 22 ** Sr . ar,» ws ne fh ar " Kr \ zd de er Y '& 216- -219 ran ENyB- Ri Sp; mon apeTg: SXOMELON Kara TumaTy Ha Karin Yuxyv rTou Tr HOxXIygias exomevoü PBlob:. you TE ever, Mau TS addax; i UMEDEXEIV ER — —— nal· — au ———— "Rai ery Has tvöskın.. oͤck TEU ostd’aurov, Lyv sußainoyescgoy Me Tan — ne ar Räı Que. a rs sp4 Zweites Hauprfüd, Decheter Abſchnitt. gen, dann, und auf die Art. wie er folly und er. iſt in jedem Betracht gluͤckſelig *17). | | Hierzu fommt noch, daß die. Bernunfsehätigkeit ‚und. das. firtliche Haudeln felbft. mit. Vergnügen. verknüpft: iſt, welches deſto reiner, erhabener und teeller iſt, je mehr die Bernunft, die edelſte und hoͤchſte Kraft des, Mens, ſchen ift, und an Würde alles, mag, dem Körper, augehet, weit uͤbertrifft 2°). Plato betrachtet. diefes nicht bloß. als, Thatſache, fondern er ſucht auch dief.s ‚Verhältniß der Sitelichfeit Zur Gluͤckſeligkelt auf Beweiſe zu gründen, deren Beweigfraft nur allein in der Amphibolie des Be⸗ griffs von Gut, und in der Doppelſinnigkeit gewiſſer griechiſchen Ausdrücke beruhet, z. B. gluͤckſelig it. man durch den Beſitz des Guten; das Gute beſitzt man ‚gber durch ſittliches Handeln; durch Sittlichkeit wird man. alfo. gluͤckſeig 77). Wer ſittlich handelt, der handelt auch gut; wer gut, handelt (fein Beſtes wahrnimmt), iſt auch $ı7)_ de:Republica.IX. G. 270. ru Pe 2 JOPw, apa. Emausung, Kmanyg 79 Yuxys au Mpganıa- „1 govapg, Enasw rw page Umagxsı 14 T'aAa, ga day- ar FH FDOTTA KAL dixaiv Eiyau; nat Öy Hay Ta, Horag 796 Howray Anasovnau Tag BeAtızas ya u; 70, önvaron . TasahjIssgras rapraydautV. G 375. 376 Ei nom. ©. 274, 275. de Legib. V. ©. 213.1 ©. 19. övo yap aͤurau myyaı (Höavy xaı Au) pe Yeıvras Qvosı pew’ Wv Ö.nEv apurronsvos 6IEV „te der na okeTe na öraapy, evdasuayaı. — tn ADN 0“ Rue Te RER RE Vi Penn ee ENGE $18).Rhilebus-©, 2120 de Republiea IX, 9.267279 Rn er 519) Alcibiades J. S. 30. „ aymauy zudayoves di ayahıy KTyTV ——. KTWTa de TauFa Ton Ey al value MOaTreIy = TO ED aga MRRTTEy aya9or — guxayy yalay 3 gurpazıa. 5 a Philoſophie des Plate.. 50 glürkfelig. 3? *):-, Beweiſe ders das zu beweſende voxausſetzen, und⸗ durch die richtige Bemekkund ‚saß? Sutlichkeit und Gluͤckſeligkeit auf dieſer Welt nicht immer im vollkommener Proportion angetroffen wird alleisftaft> derljeren 33319 sires.. 566 MB irn mr) Endlich zeigt er, daB durch Sittlichkeit auch die aͤuf⸗ ſere Slückjeligkeit begruͤndet werde. — Der ſittlich gute Wenſch eery dt inmer noch -am beſten ſeine Zwechee und nis, unvernuͤnftigez vor. Er beſitzt Weisheit, um. von allen Dingen den heſten Gebrauch zu machen. Et wuͤrde zwar recht handeln, weun auch ſeine Zeitgenoſſen Ihm, und feinem, Chatalter feine. Gerechtigkeit: wiederfahren lieſſen. Allein, „mean er auch eine Zeitlang verkannt wor⸗ den, ſo wird doch die Liebe und Achtung;: welche er ende Hip gewiß erhält, anf fein aͤuſſeres Wohl einen großen Ein ⸗ fluß haben. Endlich kann er ſich auch des, Wehlgefallens Gottes verlieren: und ſich oͤberzzugen/ Daß: alle ſeine Sqhckſale vätgklih von Afım, geieitet werden; dab nichts Uebels ihm begeghea kann, und glles zu ſeinem Beſten ausſchiagen wird. Bel ‚feinem Tode ſiehet er muth ruh igem Gewiſſen einen, freudigen Zufunft, entgegen, welche ihn an ‚dag Ziel Allee feiner Hofnungen f übren wird; da erwartet eu die (hönften, Belohnungen „feiner Tugend, Bienfch:in den! genpärtigen eben fo verhalten, wie die Emigfelt gu dies fer kurzen Lebenszeit 522), | J i Kan - Dee h u. h z e- . 5 . en J. em! “arg >) En 2 —D a & h x IF zer Ze Fo | , „on 4 . 520) Alcibiades 1, & 36. &% way moarreı, „n UXı Ka Eu mpaTTet;. Qu 0 Ev mpaTrapres. QuR„eu- 5 Varonız sorgiäs 8. 130, ij. del u ER Fe ‚z20). Gotgias a72, 193 Phileb. S.298. en RUE .'AI EAU 522) de Republica X. ©. gıa. 318-322. ‘a. sohn Ziveites Gaupfftäk. SAGE Abſchutet. Der ſittliche Zuſtand des Menſchen ift alfo nach Pla⸗ te das hoͤchſte Gut. Erſt an ih als innere Volllom⸗ menheit und Aehnlichkeit mie Gott betrachtet zweitene⸗ aß. Quelle der: innern und aͤuſſern Gluͤckfeligkeit. Unſitt⸗ lichteit 4 in drei — das — Won “N 33 DUB 3 ann ae E El 2 EU 7 Ari E nn Brand WARST ν — * in platos Sthehſten vergediich nach el⸗ * — der Pflichten‘, ungeachtet er Fft“ale, “eiflige nur beiläuflg‘,. andere" ausführlicher beruhrt Hi "Denn os fehlt ihm Noch an einem Priuc Hr ſhſtewatiſchen Ab⸗ leitung derſelben. "Das eitizige was einem Pr heip aͤhn⸗ lich ſiehet, iſt Achtung gegen Vernunft, und vernuͤnf⸗ tige Weſen. "Aber er braucht es nur als Grundſatz dee Selbſtpflichten 5). Dieꝰtielſten · Sliten borf driften ſte⸗ ben in Begſehung auf den® n Chatakter und vle bier Meufferitigen beſſelben, WeisheltMaͤſſigkeit Tapfer⸗ keit und Gerechtigkelt umnd ſind theils — 6 der Eigenſchaften, welche aus jeuen fleſſen teil Kegeln zur Bildung des ſitcuchen· Charakters Bekodieſer Anſicht, welche unter allen griechiſchen Hd romiſchen Bitsfophen die herrſchende iſt/ konnte mir we leicht auf di € Joee ein nes Princhys der pflichten Formen. ° Tuben b achtele Pato bu — ken in ce uf uf a. 38 6 21* sta di“ 7 — 51 “ 4 T MA — — ſeaq. Phaedo &,' 132.256. 258. Gorgias S: 168,, 169. 1643-17. 1 SINE ), de, Kepublica IX. S. 2655. 266,268. "Theaetet. ©. 121 ,,122., da Legib, v er de Republ. IV! &. 378, 379. X. ‚8-32 5.6. 158: Gorgias S. ioo uor. 130 122 168. > en a es ade Legik. ve 8 En Are XPhiloſophie des Plath. Bat J— 507 | Güügesfiße Geſetzgebung / wo er es uͤr uͤberſtuͤſſig, ja foR) gar für unmdglich ‚hielt, “Worfepeiftenifär alle deſondere Verhoaͤltniſſe und Lagen zu geben; weit ſicherer und heſſer ſchien es ihm da / auf einen guten Charalter zu ſehen ¶ denn wo · der vorhanden ſeyn da beduͤtle es kleiner ſolchen ins Dig tail gehendenRegeln, meil-fiaıjeder De A ee werde und finden muͤſſe 53). 24 usa sin. ia Be nm Angeachtet dieſes Mangeld ‚eine Princips jur Ber inmung; des Materialen und Formalen der. Pflichtenlehre enthaͤlt doch dieſer Theil :yom Platos Philo ſophie manches Moetkwuͤrdige, z. B. von ben Pflichten der, Keuſchheit und Gextechtigkeit. Ge Anſehung der erfiern wird nicht nur die Befriedigung des Geſchlechtstriebs auſſer des Ehe / ſon⸗ dern auch die Knabenſchaͤnderey überhaupt als pflichtwidrig betrachtet, aus dem pchtigen Grunde weil Gefchlachte« trieb keinen andern Zweck als die Foripflanzung des menſcha lichen Geſchlechts "und jede Befritdigung deſſelben, welche nicht: dieſen Zweck hat, gegen’ Bernanft und Natur iſt Denn wer jenem unnatuͤrlichen Laſter ergeben iſt , mordet gleichfam ; in »feiners Perſon das Menſcheugeſchlecht *8 Zu einer ſoichen Fonheit erhebtlch kann: chen ein geiek \ giſcher Philoſoph. —I dun Die negative Pflicht der Gerechtigkeit, fein Um recht zu thun, hät Plato in der groͤſten Allgemeine 5 f ll d a B Bimmun ee — —— — * —* van. u u ind sır 8 60*13 Wer a) de e Ropublica Bi 8. 302; En : 526 dek — 5 vni. & 42- 104 8, 418. aura vag ⁊ouro To map.anoV. Audi. OF TER uyyreyw. wobs anroy rov „HORERU. EX STOU ara, Doom Xorg BÖHNER WORT TOD. + SREV-AONEYOE AMEYPMEHAUF; — — Reg". orag To. TRUE Eugen Sa uw * gun ¶ Zweites Hauipfih.:' Sechſtet Abſchaitt. fi mie. derpflichtet / feinen» Freund kein Unrecht zuzufu ⸗ gen, gegen Feinde hielt man aber alles für erlaubt. ' Und felbſt Soltates ſchlen dieſe Ausnahme zu billigen/ ungeach⸗ serien ſie ſelbſt in der Ausuͤ bung nicht deſolgte *2*). Allein Plato drückt dieſe Pflicht allgemein aus: Mau darf kemem Meuſchen auch ſeidſt ſeinem Feinde kein Unrecht thun. Denn es ſtreitet mit dem Charafter des gerechten Mannes und es iſt ſchaͤndllch/ einen andern wiſſentlich zu beleidigen, zn: beſchuͤdigen; daher darf: man auch nicht Unrecht mit Unrecht vergelten. Ero ſetzt Hinzu: durch Unrecht werke: derjenige‘, dem es angethan wird ; verſchlimmert in Mae! ſehung der dem Menſchen eigeuthuͤmtichen Bollfommenheit;- das iſt der Gerechtigkelt/ dh. der Beleidigte werde unge⸗ rechter. Dieſes ſey aber ein Wiberſprurh/ja eine Unmoͤg⸗ Hate, daß der Gerechte andere u werechter madje Al⸗ Bein wie jene Praͤmiſſe zu derſtehen ſey,niſt micht augege⸗ ben / nud daher iſt auch der Beweis ohne alle Kraft. Und wenn man auch zugeben: wollte, er habe gemeint, durch Ungerechtigkeit werden auch andere zu unerlaubten Handlungen verleitet, fo folgt: daraus micht / daß man⸗ wicht Unrecht thun ſoll, ee IR ion — Wi ** ze | I 2ER en. —* J * — WE J * J « A ' USERN et. 1 9 * 14 rt) ? .. Pe uns st AR 1 v ‘7 83 a 522) Xenophoh — Sottat Ä ei Va Stärig 528) Crito ©. 213, —* apa der — ovög adıriölrkeväh ok Savradineiy; ug 'oı moNor oiovraiꝰ sreioy ys Ovdanus der adıney — OUTE aoa „B BR avradıhen dei; olre- Hart imehicin Auöche au Ipw- N or, Over om sayrav, de Republ. — FOL 6,06 zu RR num, ouX ET IHRE Berger Tour avayag, xaı Tous BAar- Be 7737,75 DE Pit GV porn Ey RÖNLWTEDOUS yır ‘ . e 00V TA OYTIRWÖNTIOBTEHAE aRODOOUs ÖU- vav- Philoſophie Arc Plate. . nm «op Auch gegen Sclaven foll,man fich feiner — keit erlauben. ‚Hier muß ſich Die, aͤchte moraliſche Geſin⸗ nung am- ‚unzmweideutigftemeffenbaren, da die Willkuͤhr feine Strafen zu befuͤrchten hat; und ver an Menfchen, Die gaus feiner Gewalt überlaffen, find „nicht ungerecht hans belt, von dem kann man gewiß uͤberzeugt ſeyn, daß ee die Gerechtigleit ohne Verſtellung liebt, und daß: die Tu⸗ gend die ſchoͤnſten Fruͤchte in: ihm hexvorbringen wird 529); Ungeachtet aber mehrere vortreffliche Gedanlen dee Art vorfommen, welche auch die fortſchreitende morali⸗ ſche Auftiärung.bemeifen , ſo koͤnnen wir, ſie doch hier nicht aufnehmen, weil-fie bloß rbarſodiſch —— ind, Denm Pefneip‘ der Einära: glebt — * bie —7* Ausdehnung. Es iſt nicht Nein gig! für jeben eingeh nen Meuſchen, für alle Verhaͤltniffe ſeles Leben‘, und beſtimmt Den oberſten Zweck,“nauf welchen ſich olle⸗ ſelne Handlungen beziehen muͤſſen, ſondern es Findet auch An⸗ wendung auf den Staat. Er will micht nik; daß der Staat dem boͤchſten Zweck der Menſchheit In ſeiner Eine’ tichtung and’ Welwaltung · nicht widerſprechen / Nſondern auch, daß er dem moraliſchen Ideale eniſprechen ſoll. Es giebt eine Verfaſſung des Staats, welche der oe Beſchaffenheit des Gemuͤths, ähnlich iſt, und ſi ich eben dieſelben Merkmale zu exfennen glebt. Mrtäheite * ſiokeit, Lapferfejt, . Gereshtigfeit,.. End daher ichs nur Eigenſchaften der einzelnen Menſchen, ſondern auch der Bien vs. — NE — der * ln en ya RE 4 —X ae | yaytar my — alla ry em 84-0 durtaıcs — Y, mark uAyBöyD apa, dal nevor⸗: ‚alla aöwargun ae D 2 ea ‚ZI 129) da Legib, VL. EUR ie ze sd Zweites Haupeſtuͤk. Sechſter Abſchnite. | ſten Gluͤckſellgkelt ded Staales. Die Möglichkei? dieſer solföimtenen Analauie · beruhet auf dem Begriff gon dem Weſen der Sittlichkeit, welche nach Pläto in der’ vollkomß menſten Harmonie des Mannichfaltigen beſtehet. Verfſolgt man dieſe Idee welter, ſo etgiebt ſich das Reſultat daß Nato nur ein Ideal des Staates geichnete/ das iſt die Grundſaͤtze der Vereinigung: unter die Geſetze der Vernunft zu einer Geſellſchaft/ in welcher es moͤglich iR, alle Zwecke der Menſchheit auf die vollklommenſte Weiſe zu erreichen. Ein Staat if die Vereinigung! einer Anzahl don Menſchen unter allgemeine Geſetze, "Deren Entſtehungs⸗ grund / in der Unzulaͤnglichkeit eines Jeden Einzelnen feine Bedürfniffe gu befriedigen lege 73%) Jeder Menſch hat als finnliches Wefen einen. eigennüßigen Trieb, vermoͤge deffen ex ⸗ nur auf ſich und feinen Vortheil denkt, und fein Verghuͤgen beabſichtiget. Die Selbſtliehe beſtimmt ihm ſein Intereſſe über alles andere zu ſetzen. Bei dieſer Denk⸗ ungsart iſt feine, Bereinigung zu einer Geſellſchaft möglichs Daher, find, Geſetze nothwendig, welche vorſchreiben, nicht was fuͤr den Einzelnen vortheilhaft -fondern was für Alle und Jede und für das Ganze gut und: recht iſt. Diefe- —— ze eh 3), Der Bir dieſe Geſe⸗ — | .. 1 5 NIIT BED J N 9 550) Dei nit, 8. — PER 20 Keivörld Gyiac gt cujkEdEv” WAHIRg ' am) Ogꝙeb xivv Öro vopov' Fo dur) orte Wergitiant "Be Eh, IV. Si 178. AR de Ran dub) burn Eihrokite, Noel de oje dealer nr yy FE Han ÖovÄevovugwv, pspeoiv saurıuy Tin 1 B 35 2 2 184 dc veraree Ih & 238. — * Potirienn: .& * —* de Gepih IX: ©, 47: og apa vbROUS avEen Tara mı9egdär, Hau Öyv Kara vorovs, 3’ mijösv diaOsoer zer ara yet IHR a am + — u ytoy Di Mu 19. ’ ‚rt - 532) de Legib. IX. &..47.:.;T0. eV Jap. nonen > Gerd srfefem And bin Pelbalborthal dem: geinsfien Be⸗ Rn. unterzuordnen, iſt das einzige ſeſte Band, stwelheg alle Glieder zu dinge großen Geſellſchaft verbindet ‚und zu⸗ ſammenhaͤtg· Das Vernuuftgeſetz muß allgemeine: Mapis me aler Mifgliedeu: werden aRr)a 35. MUETUEA TEE OL, 5° a Der köte HZweck des Staats iſt Freih it und Sin istent Ginigfein und Freundſch a ftafindet dann ſtatt, wang alle Bürger gerecht ſind oder einem und Demſelben Geietz der Vernunft: gehorchen, kein getheiltes JZutreteſſe Haben das Ması: jeder · beſntzt, fs gemein ſchaftli⸗ Mes genthum anſehen. Die wahre FKeecihieit br⸗ Pehet nicht im huͤgelloſigkeit und Ungebur denheit von allen Geſetzen; deun darqus folgt: Anarchſe und Unterdruͤckung der Seeihert auldrer) ſondern in: der allgemeinen Unterwuͤn⸗ foteit unten, daB Geſetz der Vernunft, Wo nicht Men⸗ ſchen, ſondern Gott und Vernunft durch Geſetze herrſchen, "Da iſt wahre Freiheit, da giabt es keine Deſpoten / und Beine Sclaven, ſondern ale Buͤrger find frei, einig und wohlwollend unter einander °33), ae, ñ 78, * as, 32 ‚Der Re) er nr Es Br: DS .UV mr, 1.7 Blei or, — A RAsavehay za Nee Iuyry Quer Drums nn TOV ðb.ojo. sy Pebyavaa MeV aaaywg my Aumyp 2 buvrouga be,,TV. Yoonga' mo. ds Ömalorepou. me as. Wal MEIVOyaS, EImgasdEV au. TouTw- Dusyasral. de Legib. V. S. 213, 214, = © 45, IV, & 181. 1833. ‚rn au rı Im, EMAÖR rac TawTag. Aayıspagın Ö4: WO auruwy son OMEUOY Kay“, ö, Yayohsnog dorymen 70 DEZE TITI ET Tre T 2" vapas em: » >» : a 8 “ar FEROV ‚TE. S00 Hei Kar a Aa NP‘ —— | | | 149« 522 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. — XEstlebt in dem Staate drel vehſchiebene San, De Regenten, die Vertheidi ger nnd die übrlgeh Bürger‘: Die Regenten find diejenigen Perſonen, wel⸗ che Geſetzer geben, und fuͤr die Befolgung und uͤberhaupt fuͤr das allgemeine Beſte ſorgen. Wenn micht dieſet; ſon⸗ dern ihr Privatintereſſe ie Zweck iſt, ſo ſind fie’keine Res genten) ſondern Factionen / und was ſie verordnen vers Bientmicht Den Namen eines Geſetzes, SH ſindreigentlich nid anders als Dien er wer Géſetze, Beſchü— Ber Jund Erhalter des gemelnen Deften. Sie haben daher feine willkuͤhrliche Gewalt; Fördern muß⸗ ſen ihre Willkuͤhr eben fo gut: als die Unterthanen dem Ge⸗ ſetz unterwerfen. Die Regenten herrfch en über Sterunterehantn;: ‚und das Gefetz über. bie Megenten 93), war behauptet Plato an einen andern Orte, daß der Regent über die Geſetze, nicht aber die Bee «über den’ _ Drrofipen mäffens dehn iſt En: ei Aber 1,3 “ns u "= 4140, V. S. 229. de hohl. V. S. 29 30. Epiftola VII. &, 114. VIII. © ı58, 159 HöouAsra tar YapEkeu Senn, brepBirkcuda ev: ERoaTe- —* raynandve Efuieroög de 0usaravayaov, "perpa — —2 — doohaa' nirpor de, Pöis avgowmor. Ecot — Av ⸗ bu en | en 68 227 2 42 ug a; 834) de Legib; IV. &, 184. Tous ö' afyöwrag v non Apypursong vun. Uinpläkos meg Yocıg-eräkead 4.aurs 74 ————— Bra RR Yyebkide rayrag vw iv Or Eva map Por ER oe a 7’ m alvAvhov' ↄevenᷣ ME) Yyap’av Aerox — — ev 9 öe av Ösanoryf Tuv apyovrwv, di de apyovrıs "> bovko: Tau Vans, kutyornv'uat wars Goa Ku 0- — ——⏑—⏑, ————— S. 181. 183 “si j Philoſophie des Platv. | ; aber die: Rede don pofitiven Geſetzen, welche nicht. unnen- Inddlic ſeyn dürfen, wenn nicht ein Deſpotismus der Geſetze gegründet werden fol, fondern nach Zeit und Ort umſtaͤuden, den Principien dex Geſetzgebungskunſt gemäß, abgeändert, berichtiget,, erweitert und eingefihränft werden müffen 53°). Vernunft alſo, nicht Willkuͤhr ſoll das Ge⸗ ſetzgebende in dem Staate, und die Regenten gleichſam die Repraͤſentanten der Vernunft ſeyn. Eben deswegen, weil die Regenten fein Geſetz über ſich haben, und doch nur nach Geſetzen regieren ſollen, ſodert Plato von ihnen, fie ſollen Philoſophen ſeyn, das heißt Männer, mels ‘che die Wiffenfipaft von dem hoͤchſten Gute und dem letzten Zweck, und von. der höchften Regel aller Handlungen ber figen, die Darüber nachgedacht, das Urbild vom dem Nach bilde, das Abſolute von dem Goncreten, dag Princip, von dem Ubgeleiteten. unterfcheiden, und fich,darin vor ans ni RVenlaen wie Wachende dor Traͤumenden — c. Die Vertheldiger Befehlen den Staat * aͤuſſere Angriffe, und die Därger gegen innere Gewalt; fie find dazu beſtimmt, den Gefegen Kraft zu geben, und bie Anordnungen der Megenten auszuführen, ie find die pbnfifhe Maht des Staats unter der Yuctorltät der Befepe 537). Die Übrigen Bürger haben nichts mit der Verwaltung des Seeete zu thun, ſondern betreiben ihre a 838) Politicus S. 37; 88, 93 97, 98. 536) de Legibus V. ©. 179-181, III. ©. 132-134. de Republ. Ill. ©. 313- 73 VIE. 136, 137, 138-142 VI ©, 70, 107- i1ı. | 537) de Republ it, & 240.245, F Tennemanns Geſchichte der Philoſephie it. Thl. SF 514: Zweites Hauptſtück. Sechſter Abſchnitt. "eigenen Geſchaͤfte unser dem Schue und im Gehorfam der | Geſete °°9). | Die Beringung von dem Wohlftande des Staats if: daß jeder diefer drel Stände das Seinh ge (feine Pfliht) thue, ohne fih in den Wir tungstreis des andern einzumifhen: daß der Regent nichts mehr noch weniger ald Negent, aber diefes in der größten Volllommenheit ſey, daß der Ber theidiger nur allein mit der Beſchuͤtzung des gemeinen Wie ſens befhäftiget, und der Bürger nichts meiter als Buͤr⸗ ger und Unterthan fen 520). Diefes ifk der Grund dei Analogie zwiſchen der tugendhaften Beſchaffenheit des menſchlichen Gemuͤths und der volfommenen Berfaffung eines Staais. So mie e8 in dieſem drei Strände, "fo-giebt es in dem Gemuͤthe drei Kräfte und Principe. Die Vers nunft iſt der Regent, die Gefühle die Gehülfen und Mit ſtreiter der Vernunſt, die Regungen des ſinnlichen Begeh⸗ vungsvermdgens find die Unterthanen. Was die Vernunft in dem Menſchen iſt, das iſt der regierende Stand im Staate. u. ſ. w. Das richtige Verhaͤltniß der Unterord⸗ nung, nach dem Peincip, Jedes thue das Seine, iſt die Bedingung des ſittlichen Zuſtandes, aus welchem die,nier Tugenden in Begleitung mit Harmonie und Gluͤck⸗ ſeligkeit entfpeingen im einzelnen Menfchen,, wie im Staus te Der Staat ift, nehmlich weiſe, Infofern er wohh beratben if, das heißt, wenn Bürger da find, welche die Wiſſenſchaft und den guten Willen beſitzen, Rh | für 538) de Republ, v. S 31. IV, &. 349: leq. 539) de Republ. IV, €. 353. 686us Sa de öy mob, na moAlaxıg eÄsyone, drı Iva Eragon Ev ösoı emitydsbsiv twv wepı Fyb mo Av, 25 6 autov 4 Quox emıtydsorarıy mehv- xuia £iy. Off Pit. a X | fuͤr das — Beſte, für die volllommenſte Einrich⸗ Yung und das beſte Verhalten des Staats gegen ſich und gegen andere zu ſorgen. Dieſe Wiſſenſchaft beſitzen die Regenten, fie tegieten durch Vernunft den ganzen Staats Durch diefe wenigen. ift der ganze Staat weile 5%), Tapfer ift der Staat. durch die Tapferkeit feiner - Bew Fheidiger, wenn fie richtige: dem Geſetz gemäffe Begriffe von dem haben, was zu fürdren und nicht zu fürchten Ift, und Nach diefen bei. allen Beraßren und Reizungen der Sinne Achkeit Kandhaft handeln FH), Mäffigkeit ift in die ſem Staate anzutreffen, infofern die regelloſen Begierden und Gefühle des großen Haufens von den durch die Vers nunft beflimmten Gefühlen-und Moximen, überhaupt von der Dernunft und Weisheit der Gebildeten in Gehorſam und Otdnung erhalten werden; infofern alle Glieder des Staates, wenn fie auch noch fo verfchieden in Anfehung des Geiſtes, des Körpers und des Vermögens find, in dem Puncte einig find, wer in dem Staate regieren und xegieret werden ſoll. Dieſe Einigkeit, Ordnung und Hormonie verdient vorzüglich den Namen der politiſchen Moͤßigkeit #, Die Gerechtigkeit ift die Mazımey: nach weicher: * Etaat organiſirt iſt, daß nehmlich jeder Buͤrger dasjenige thue , wozu er Anlagen und Faͤbigleiten Hat, wozu er beſtimmt iſt; der Wille feine Pflicht zuͤ er⸗ fullen, fein Amt und Geſchaͤft treu zu verrichten, o'..2 a um andere Geſchaͤfte zu bekuͤmmern, oder ſich in einen Stand einzudrängen, zu welchem er nicht brauchbar iſt. Diele Maxune gieht erſt dem Staat feine Feſti keit, fie iſt es, BO ee Tapfertelt und hir | = de Republ. w. G. 343 345. | u syı).de Republ, IV ©. 345 . 348. 42) de Republ. V. 6. 349-382. 516 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. ‚des Staats begründet. Nach dieſer Moxime verfahren auch die Richter bei Verwaltung der Gerechtigkeit, indem fie darauf ſehen, daß feiner ſich fremden Eigenthums am maffe, aber auch nicht des Seinigen beraubt werde +3), Es erhellet ſchon aus diefen wenigen Zügen‘, “daß Plato ein deal zeichnet, welches nie in der Wirklichkeit vorkommt, indeffen doch den Nugen haben fann, daß man nad ihm wirkliche Staatenverbindungen ihrer Voll⸗ kommenheit näher bringet. Nach feiner Idee iſt der vol fommenfte Staat eine Verbindung einer Anzahl von Mens ſchen, von verfchledenen Anlagen und Fähigkeiten, zu einem moralifhen Ganzen, welches ſich gleichſam felbft organis firt. Die Hauptidee, auf welche alles bezogen wird, iſt Nebereinfiimmung mit dem Vernunftgefes, Hatmo- ‚nie 5%), Diefe Uebereinftimmung kann aber geboppelt ſeyn, eine rechtliche und eine firtlihe. Da aber Plato nicht zwiſchen dem Rechtsgeſetz und dem Gittengefeß unterſchel⸗ det, fo wurde er durch diefe Idee verleitet, die red liche Harmonle, Freiheit, die mit jedes Andern Frel⸗ Heit befichen kann, mit der fittlihen zu vertwechfeln. Und daraus laffen fi) manche Eigenheiten dieſes idealifchen Staats erfläten 3. B. daß anſtatt der Achtung und Siche⸗ zung des Eigenthums, eine allgemeine Güter» ja au MWeibergemeinfchaft eingeführt wird; weil aus dem Beſttz eines Eigentpums getheiltes Intereſſe entfpringt, -_ 543) de Republ, W. & 352-2357 ala Giro, emtnoupitov, QuAarırdu yeveug ontsıompayıa, Erasou Tourwv Td Ealrou mparrovros ev molsı, - — av Eiy au ryv moÄıv Öikaav mapeyDı. . $44) de Legib, V. S. 229. xar nara Öuvanıy örtıves voudi Hıav of nalısa mol arspyagov- au, rourwu ÜmeoßoAy mpos aperju ovÖsıs more oͤpo⸗ allovJeusvog, opJorspov vude Beirın Iyasran. Philoſophie ven Plata: ° sum die Eintracht vn Dürger ftöhrt, und den Gemeingeift bins , Dert 595); alſo anſtait die Auffere Freiheit Gefegen zu: und . termwerfen, die Freiheit felbft beſchraͤnkt; daß jedem Buͤr⸗ ger ſein beſtimmter Wirkungskreis angewieſen wird, den er nicht mit einem andern vertauſchen darf; daß das meiſte auf Erziehung berechnet iſt, nicht auf Geſetze, und daß die Erziehungwon Staats wegen ein für allemal unabaͤn⸗ derlich feſtgeſetzt wird u. ſ. w. Es zeige fi ‚aber auch die Folge von dem nicht voͤllig entwickelten Begriffe von dem Geiſte der Sittlichkeit, der nicht genug Legalltät von Mortalität unterſcheidet, nad melden eine Uebereinflims mung mit: Gefeßen der Vernunft ſchon für zureichend ges Halten wird, um einem ganzen Staate den Charakter eines moraliſchen zu ertheilen. Ungeachtet aber die Hauptidee in dieſem Grundriß eines idealifchen Staates verfehle iſt, fo enthält er doch auch mehrere treffiiche Ideen. Selbſt dee fo oft verfannte und mißverffandene Ausfpruh, daß das menſchliche Elend kr — aufhören merde; bie Ba \ F Ks 3: \ Be L; e 54 s) af den When von der Repadit ſchraͤnkt fich dieſe Welbergemeinſchaft blos auf die Vertheidige ein, die überhaupt nichts eigenthuͤmllch befigen fols . * Ien. Uber in dem 5. Buche der Gefehe S. 229. fett er überhaupt das deal des Staates darin, daß bvolllommene Einheit in dem Staate herrfche, melde > er Sauer dann möglich ſey, wenn alles Eigenthuͤmliche —aufhoͤre; wenn Weiber, Kinder, . Güter alles ger cmieinſchaftlich ſey; menn das, mas die Natur zum - eigenen Gebrauch gegeben, z. B. die Ginnorgane, nur fuͤr das gemeine Wefen gebraucht würde ; wenn in Tadel und Lob, Luft und: Unluſt die größte Einförmigs keit ſtatt fände. Allein, ſetzt er hinzu, dieſes Ideal iſt file Die Erdeubewohner nicht gemacht, amd. m Ans an bafielb für fie möglg Ä gı8 | Zweites Hauptſtuck Sechſter Abſchritt. bofophen regieren, oder die Regenten wahet Philoſophen Find 59) iſt eine große Wahrheit, auf welche ihn die Erwaͤgung der großen uud ſchweren Pftich⸗ gen eines Regenten, deren vollfonmene Erfüllung: nur ‚von Menfchen erwartet werden kann, welche außerordenth⸗ be Talente und die feltenften Kenntniffe mit einem durchaus moraliſchen Charakter verbinden, und der große Abftand; zwiſchen dem wag iſt, und was feun fol ; führte, zumal wenn man bedenkt, wie Hiel damals: waren , die ſich duͤnk⸗ ten im Stande zu ſeyn, das Steuerruder des Staates zu führen, und wie fehr felbft Sophiſten diefen Duͤnkel be förderten, wenn fie die Regierungskunſt für eine Summe Geldes zu lehren nerfprachen , die doch nichts als Regeln enthielt, wie man fih die Gunſt des gesfien Haufens derſchaffen koͤnne. wa > x . Nah dem Plato hat die Regierungẽkunſt, deren vorzuͤglichſter Theil Die Geſetzgebung ausmacht, einen weit boͤhern Zweck. Nicht das Ange neh me, ſondern dag Bunte, nicht die Vermehrung der phyſiſchen Macht, oder die Sorge für das Vergnügen des Volls, fondern die. füttlihe Veredelung aller Mitgliedey des Staats und Die haltung des „gemeinen Weſens in feinem, ‚Innern — iſt der — mit welchem —— u R sw * Ræpubl. v. S. 52. 53. savı 2” ya OikasoPaı Buasuwearv' zu ran molsam, y 0 Baoı- “ker TE. won Asyonıevor au - Öuvagaı Diiasoldyswoı “0 yuyas TE nou Inavog, mar Tovro eig maurov Zup- ercon Öuvarıs mE molrtıny Hau IX, muwv Ös DV rogsvqusueuu was $D" Erarspav du maAAaı Du- » @Eig Ei. Avayıang amank cz Iwary „ DUX 851 xaxcuu mau- Au mais molsow, dann ds, ovds TW augaumiup EVEL, w * iin Plate. = 519 Hegerungefungt beſchaſtiget * Mr D 8 Deal z * nicht hiehet . J | dal wichtig dem plet⸗ die Eulehung geweſen, fie het man ſchon daraus, Daß er ſich fo. weitläufig Darüber außbreitet. Er Hält ſie mit Recht für ‚eine „der ‚richtige fen, Staatsangelegenpeiten ,. denn der. Staat muß ‚gute Bürger. ſelbſt erziehen... ; Die Blldung des Menfchen , fein Charakter, fein Werth und Unwerth haͤngt faſt ganz. allein yon der; Befchaffenheit feiner Erziehung ab ww). Die Ersiehung A kann verſchiedene Zwecke haben, B« gewiſſe „Gefgiflichfeiten, Kunfkfertigfeiten; „aber es muß einen getoiffen allgemeinen , hoͤchſten Zweck geben, welcher kei der Erztehung jedes Menfchen vorgefegt werden muß, und wodurch man. Anſpruͤche auf den Namen eines ges Bildeteh Menſchen (merardsupevov) erlangt: Dies fee Zweck befteht darin, den Wunſch und das thätige Streben hervorzubringen, ein guter und. vollfonimenee Bürger zu fen, der mit Gerechtigkeit gu regieren und zu gehorchen verſteht, oder mit einem Worte, der fid) ſelbſt Male Vernunft beherrſchen kann. Durch „das Sitten⸗ gefe, durch die —— von — und Laſter muß der 4 \ En Yolltieus &, 114» — 79, 80; gt, 95. 9% de Republ, II. ©. 229. IV. ©. "342,358, de Legib.L S. 17, IV. 176. V. ©. 236, VI, 6, 380 Gorgias ©. 40. 1445 147. 548) de Legib. VI &. 279. ausgwros —* - Dapsy hpeoov (Coov). ps un malösıas MeV *6 „az FuxXov rar Dyseng EUTYXoUS, Feiorarov ypepwra- zov TE Qwov yıpvesdas Pike’ pay imauıns de y MM) xaxuę — s. a ꝑiura⁊tov oͤreoa Pusi M· de Kepubl. WS: 334 339... — " ENT. 24 435 Zweites Hauptſtuck. Sechſter Abſchnitt. Begriff und Zweck der Er}iching beſtimmt werden — Plato unterſcheidet die phyſiſche und geiſtige Erziehung 7 die erſte ordnet er aber der letzten unter. Der Zweck der letzten iſt alſo der Hauptzweck aller Erziehung *0) 1 Die” Erziehung gehet alſo darauf, vi den Rindern folcheGeſinnungen hervdrzübrin— gen, weile von ihnen, wenn fie erwadfen ind; gefodert, "und von ihrer gebitveren ernunft gebilliger werden fönnen;' daß fte,'noch ehe ihre Vernunft gebildet iſt dass jenige zu lieben und zu billigen, zü haſfen And zu verwerfen gewöhnt werden, was fie leben umd haffen follen- 7), Diee Erziepung 4 Ku e ; | ' ß aldi E bes x EIER ) re PL u ı + | 7 Sad BE 1 Se +: Si: Sr Br 349) de Legibil. ©. 46. durw um noua de 2a abery anlegen ypv ‚Gyasawmmsvov.. av Ey) ‚Evap’yegegoy, ©’ ayrou (YEVOHEVAU , xal raideio Hal 7 alla zmiryösuparg wg ‚egor maAdoı HaraDan vy . ©.43. av ap Tayra iypupevav, Üüs EOIKEN ‚Eva ratoeiau, MOMLAAY EriIUuyTyV TE, Kar ERASYU qu — yavssIaı c̃j3v, apxew T$ Hal apXsg- BSvau exigapeuov Hera Sinyg. Tautyv ru TgaDyv aDe- gioanssaog 6 Aoryos öuros, && vv Dauveraı, vuv Bou- ’ a au MaYAyU ‚marögıav, mpagayopgveiy‘ - mV Ei EIS, KEYMATa, TEIVOUTAV, 4 Tiva mpgs I0xuv, 4 ‚Rar moag ‚aldıyv rıva 0oWiay :avgu. you, as, Öm, Bavayaov =’ aval rar avgAeuggpou, xaı oun afıay Torapamay zarsıav nalgısdar, * 2 ii ea u 190) de Repubk If, -&. ro, "sndetegib IL S. 49. rode mp rag de vag al Auas ‚FEIpaEvoV ayrov OnFng, oͤct pi= Gew EV & 07 pas, gugug's? a5 MEKPL TE Aaus, seeyerı de & xoy gegyet, tovr auto arers- — | ywv 23 = FM che f n * arm? ’ — De 11177277 170 75 Plato. V. 7 begreift, "außer der harmonifchen Cultur und uebung aller geiſtigen Vermögen, vorzuͤglich die Bildung des Herzens durchs aͤſthetiſche Gefühl für die frühere Periode, und ‚für die ipätere, die Entwickelung des Vernunftvermoͤgens. IR DA Menſch Hat einen eignen, ihn von allen andern Thieren unterſcheldenden Sinn für Ordnung, Harnionie, und Schöhheitz mit der Entwickelung deffelben gehet bie igentlihe Bildung zur Humanität an 5°), Wenn alle Dinge, welche die Jugend umgeben, wenn alle Hands lungen ; die vor ihren Augen gefchehen, wenn alles, was fie jefen, das ’Gepräge der Drdnung, Harmonie und Schoͤnheit an fig, träge, ſo wird dadurch der Sinn für r das Schoͤne entwickelt und gebildet, daß fie jede Ubwel Yung ud Disharmonie ſogleich bemerken, "auch wenn fie noch Feine beutliche Erkenntniß davon beſitzen " Ihr Ger mürh wird zuletzt fo geſtimmt, daß es nur das Güte und Sgoͤne lobt und billiget, das Haͤßliche und‘ Boͤſe tadelt und verabſcheuet. Dieſes gehet endlich in den Garen Charakter über, daß fie auch nach leſner andern Mapime handeln *53). Die Schönheit und die Slitlichkeit ſind nach dem Plato fehrinahemit einander verwandt, Daher glaubte er, daß die Äfthetifche Bildung die Vorbereltung zur moralle fen ſey. Wir glauben daher, feine Gedanfen von deu ) Reis | Nas uw ro Aoyio, mau waideiah” ——— HOT yeryv ed doLa OPFüs av meosayopevois S. 72, raideia 9" raiotuv OARH TE Hau ayuyy os Ton mo Tau vojaov Xoyov oBIoV zıpypevov, mar ToIs Emis SINESATONS au mossBuraras. “ — Ewöcdey. — os avrug . Eon 52) a6 Legib, II. S. 60, 63, 65, 82. 52) de Repnbl, ur 6. 291. ſeq. 529 ' Ziveites Hauptſiqg. Sechſter Albſchnitt. Natur des Schönen an feinem. ſchicklichern Player als bier, darſtellen zu fönnen.. Wahrſcheinlich verleitete die Doppelfinnigfeit der griechſſchen Worte kaAaz. USKORg vahkos... daß fie, wie ‚in ondern Sprachen, ſowohl das Aeſthetiſche als das Moralifche bedeuten, den Pliato/ die Aehnlichkeit in dem Begriffe aufzuſuchen; aber er haͤtte quch die Verſchiedenheit nicht uͤbergehen ſollen. Daher wird das Praͤdikat der Schoͤnheit nicht allein von Gegenſtaͤnden des Geſichts und, Gehoͤrs, fondern, auch vom Geſetzen / Gefinnungen, ‚Charakteren gebraucht 54). Da dieſes Prädicat fo verfchichenen und entgegenge⸗ ſetzten Diugen beigelegt wird, die fo ſehr in. ihren Merke malen abweichen, auch ſelbſt vergaͤnglich und veraͤnderlich find; da aber, die Schönheit ſelbſt, als etwas Unberaͤnder⸗ liches gedacht wird, welches ſich immer gleich bleibt , ſoe muß es eine urſpruͤngliche, abſolute Schönheit geben, melche an fich; an keinem Objeete angetroffen wird, fondern nur in den Idee exiſtirt; und Dbjecte heißen darum ſchoͤn, weil ſie etwas haben, welches diefer Idee entfpricht = * * - - 7 18 % \ ® .- N 2 ud ir if: ) a’ —— vr. N ss Sympofiemiß. 245, 246: Hippias | i mai. S.41. de‘Rep ubl. III. G. 292. 55) Phaeda 8297, 228. Crarylus 8, 345. Hippias mai, S. 29, guxX) G0g” & tauaꝰai, oͤrs TO, xaqu ame nocguu. o xqyri., W MV REIS YEYYTaL, oragee uelucy Haan, Evan, Kay Ar- Agua Bol ae aufge ng Fegw nou Kmaay moa- - Erima wavzı pasyyarı; Sympofium.&, 247. ‚v8 av Dauraifygeraavto Fa walav, öinv Fanow-, MOU Ti, OVÖE KEIPESHUÖE AAN oVÖsv, WY, ayyua ne mexei” ouös Tıs Aoyog, quòs ricç EMISYMi ovos FOU ov aev Ersp Tv, Dav Ev uw), yav ygs. yEv apoa- vw, y eu Tw allw' alla aura as’ Auro WE ÄUTOU MOVDRÄEEREL ON, a | WPhiloſophie Do ter = ve 988: In Beta Begriff, melden zu beſtimmen daß: Gefchäft des Philo ſophen if, ſucht Plato die Beautwortung der Zungen worin legt der Grund, warum ‚wir etwas ſchoͤn oder haͤblich nennen? Allein, um dieſe zu finden; baͤtte er gun voͤrderſt das Geichmacksurtheiloaſelbſt zergliedern muͤßen, um darin die Merkmale des Schoͤnrn zu finden. Darauf kommt ‚ee aber gar nicht, weil nach ſeiner Anſicht die Idee der Schoͤnheit ſchon in dem menſchlichen Geiſte kegt dem: ſelben urſpruͤnglich von Der Gattheit mitgetheitt worden Me und uͤberhaupt die Schoͤnheit als etwas⸗Obiectives betrachtet, wobon bie. Noem ea in Jene. Se: * troffen wird. Von den Unterfochungen: über diefen Beondunt, wiſſen wir nur fehr wenig: + In dem Hippias wiederlegt er :einige ſalſche Erllaͤrumgen van dem, Schönen ; 43.. Br fie fen der gute Anhand: (mpemov) oder das Ruͤtzliche woraus nicht wiel:: Licht uͤber feinem : eignen Begriff hervorgeht. In dem-Spmpofium iſt mehr von der: Liebe, welche das Schöne zum Gegenſtand hat, zals von dem Schönen ſelbſt, die Rede. Judeſſen laͤßt ſich do fein Begriff — Uenferungen exrathen. MWas kann die abſolute Sardufrit. —— — als | Kegelmößigfeit,, Harmanie,und. Som me ter ie F Denn mo mir dieſe an einem Objecte antreffen, da nennen wir daffelbe ſchon. Eben darin beſteht aber auch das Weſen der Gitrlichfeit und der geiſtigen Vollkommenheit des Menſchen, wie mir oben geſehen haben 50). — findet eine geroiffe Aehnlichkeit und Bermandefcaft zwi Sittlichkeit oder Tugend und ber Schönheit ſtatt. Aber es ift auch ein Unterfchied zwiſchen beiden. Schön eit iſt ein Gegeuſtand der aͤußern Anfhaunug, Sittlichkeit aber ar ein 556) philebus G. 317. erging yag- —* cZop· — ar age wayreyan — year yıyveggan sa4r Ziveites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. din‘ Gegenfland des Denkens Beide verhalten ſich wie Grund und Folge. — Jede Tugend hat nehmlich gleich⸗ ſam ihren eigenen Ton, ſhte Mlene und Bewegung ‚ ihre befondere Art ſich zu äußern. « So mie nun jede Tugend und ihr Handeln eine durch: die Bernunft berirfte Harmo⸗ nie und Evenmaß iſt, ſo trägt auch das Aeußere, worin fie ſich gleichſam abdruckt, daſſelbe Gepraͤge. Diefes wird: num auf beſondere Gegenſtaͤnde uͤbergetragen, ſo daß man san denſelben eine Beziehung auf irgend eine Cugend oder Vollkommenheit des Geiſtes finder... oder vermißt; in dem erſten Falle iſtder Gegenſtand ſchoͤn, in dem zwei⸗ ten haͤßlich — Ebenmaß und Regelmaͤßigkeit iſt aber nicht nur die Folge dev Vollkommenheit des Geiſtes, ſon⸗ dern quch des Koͤrpers. Schön iſt alfo Überhaupt alles, was ſich auf eine Vollkommenheit des Geiftes und des Korpers, oder auch eines bloßen Bldes derfelben bezieht, und mit derſelben als etwas Auſchauliches in Zuſam⸗ menhange ehe, — Serenehen ” das Haͤßliche 5”), Es giebt alfo zwei Arten der Sqbnheit, die gel fi ige und die koͤrperliche Denn es kann ein Körs per an Geſtalt und Bewegung ſymmetriſch und harmoniſch — Er) de Lepib, I & — gif 63. ke Republ, It. &. 290, 291. — aga Ho EUAPMOFIA zaı evöxyocuyy xau svovpuo gUyYFEIK AU "Aovßaı, ovx yv avoiav oudav ÜmOnogISopAs vol Ha- Adupev dis zuygeiay, “alla ryv is aÄyIwg zu TE wa naAwg TO. ο KarsonsvagmEvyv öÖösavorav. de Legib, 11. ©. 63, Ta usv age- TYs EXomeva \Vuyys owners, EITE AUTYS HITS RIVORC EINOVOR , -- Fupnavre ‚oyuara: Te Ku MEAN, xala’ 7a Ö& Kaxıas av, T' Quvayrıay day. philoſophie des Plato. 72 ſeyn, ohne daß das Innere des Geiſtes damit uͤberein⸗ ſtimmt; es iſt aber auch der entgegengeſetzte Foll moͤglich. Wenn aber beide Arten in einem Subjeete zuſammen tref⸗ fen; fo if es das — Auer: was ſich fuͤr —— | denlen laͤßt 56). Eine wichtige Bemerkung des Plato, welche welter verfolgt, vielleicht mehrere Aufſchluͤſſe uͤber die Natur des Schoͤnen herbeigefuͤhrt haͤlte, iſt es uͤbrigens, daß das Sschoͤne mit einem eigenthünlichen angenchmen Gefuͤhl be⸗ gleitet wird. Allein nad feiner Anſicht iſt dieſes uninteks eſſirte Wohlgefallen eine Folge. der Schoͤnheit, nicht ihr Weſen, und er haͤlt es daher fuͤr einen Febler, das Ver⸗ gnuͤgen zum Maafftabe bei Beurtheiluns des Einen N machen 557). | J— — F Das s58) Sympofium S. 245, 246. de Republ, III. ©, 294, 295. 6rou av Zuporimny &v 76 my Poxy nala 94 evovra, Kor Ev Tin nöd ÖnoAo- NOUVTz EREIVOIS Kal „Sup Pwvoura , TOD aourou ME= TEyovTa TumoV, Ayur' av 21 naldızov Jcaya Ti Öb- vausvw FeasIaı. . 559). Pbilebus ©: 290, 291. rauta yap our. eivar wpog Ti xala Aryw, nagameo oAla, all ast ala nas’ aura meQunsvol, xat Tıras geovag oixsiag SYEIV, OVdev Frams TwV nIvyöswv wpog+ Qsgeis. de Legib. Il. ©. 89. ‚gurouv Yöa- vn npivor’ av MDVOV EXEIVD op9ur, 5 Myrs riva wQsAsiav, pre aAydeıav » Wire önaorıyra Amepya« lomevov mapsysrai, yo au Ye Blaßyv, all aurov TOLTOV Movou Evena yıyvorro Tou Zuprapemo- pevev mais aAkoıc m Yapıros, yv üy Hallısa Tız OVouadas. av ur * * aury zmanakaufy. ©. 90 | uw g’#+ ® “ 326 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. Das Wohlgefallen an dem Schoͤnen, wenn es in den Charakter des Menſchen uͤbergeht, neunt Plato die “Liebe (pur) Und es erklärt ſich nun, warum er einen fo greßen Werth auf die Liebe ſetzt, und ſie als die Schule der Tugend betrachtet, denn fie ift im Gennde nichts -ams ders als das moralifhe Gefühl mit dem Aeſthetiſchen verbunden *60). Nach Bildung des aͤſthetiſchen und moralifhen Ger fühle iſt dag Hauptgeſchaͤft der Erziehung die Entwis celung und Bildung der Vernunft," damit "man in feiner eigenen Vernunft die Gründe für feine Han⸗ dels weiſe entwickele, welche bisher auf bloßen Gefühlen beru⸗ hete, und den moraliſchen Ueberzeugungen dadurch Feſtigkeit "und Dauer gebe. Die Hauptſache iſt dabel, der Vernunft ‚die gehörige Richtung zu geben, daß fie nicht im Dienft "der Einnlichkeit ſtehe, fondern fidy allein mit dent befchäftis ge, was wahr und gut an ſich ift, und Ihe alles Übrige Streben unterzuordnen, damit man nicht ſich felbft, fon dern Wahrheit und Gerechtigkeit über alles ade, und’ mit na — volkamnen — werde SR), | Die 560) Sympofium ©. 235, 236. 245, 246, Phaedrus &, ns 302, 363. de Legıb. IV. S. 176. vi ö ds (epwwg) — ou uev Tyv TOD — EmıIUpMaVy EV. op0r de maAdov.y egwv, my Yuxy deohring *x vu uns emrresupgnus, ußpiv Yyyras Tv reoı To au = rou Gumarog mÄjtmoryv' To owDpov ds nai ave peidv Hau heyalorpantg Hal 70 ‚Pporıuov atoouvjes· _vog äpa nal beßopevos 561) de Repubk, vu © —* IX, ©. 239 de Legib,Il, & 58, 59. "Tiimaeus | | | S. ! fee Diefes find die Haupiſaͤtze Ber Platoniſchen Phlloſo ⸗ phie, fo weit wir ſie aus feinen Schriften kennen. Daß ſie rin zuſammenhaͤngendes/ harmoniſches Ganzes ausma⸗ hen, fälle in die Augen. Wenn man nichts weiter als .. dieſes unter Syſtem verftcht, fo mag die Platonifhe - Philoſophie das erſte, weit unfaffehde Syſtem des menſchi⸗ then Wiſſens Heiffen; nur kann es nicht auf die Warde⸗ von Wiſſenſchaft Anſpruch machen; weil es auf Sägen bes zußet, die entweder unerwieſen oder halbwahr oder gar unbegreiflich find, und die Grundlage deſſelden einen Cirs kel in ſich ſchlleßt, welcher Ihm alle Haltbarkeit rambt Denn nach ihm iſt die Gottheit Als die abfolnre Urfächr dag ‚ Prineip der Weſen der Dinge, und daher die Quelle aller Wahrheit und Erkenntniß; und doch'muß die Eriftenz ders ſelben erft durch die Vernunft eriwiefen werden, Daß die Ideen die Formen find, nach melden die Dinge gebildet - worden, läßt ſich allenfalls wohl denken ; aber nicht ers weiſen, Und die Uebergebung einer Moͤglichkeit in Ertläs zung der Gattungsbegriffe, mußte die ganze Ideenlehre einem Manne von nüchternen Geifte, wie Yrifioteleg mar, Söllig verwerflich machen. | Pliato legte eigentlich _den erſten Grund sum Dogs matismus und insbejondere dem Nationaligs Mus; inde er theils den Satz des Widerſpruchs als Princip aller Wahrheit aufſtellte, theils annahm, daß vie Ideen angeborne reine Begriffe feyen. Beide Vorfels lungsarten enthielten einiges Wahre und’ einiges Falſche Unter einander gemiſcht, welches in alle folgende Spfteme auf verfiedene Art Überging, und bald ungeprüft anges nommen, theils einfeitig befizitten wurde. Der Haupt i irr⸗ S. 426. 427, 428, 431, 430. 70 de dy xai davuyyoou auro (vouv) maAkoy mou no mpOTEDOV magaonevageov Eis Öuvanıy, ri naklısov xaı apısoy 26 TV masdayivyıav sivau, f \ — . wurde. 528 Zweites Hauptſtuͤck. Sechſter Abſchnitt. lerthum, daß der Grundſatz des Widerſpruchs das Prin⸗ cip auch der objectiven Wahrheit ſey, wurde nicht ange⸗ fochten, weil er das Fundament aller folgenden ur | Bei allem Einfeltigen und Srrigen entbielt doch Dar tos Philofopbie auch viele originelle Anſichten, manche wichtige Wahrheiten, und vorzuͤgllch einen reichhaltigen Stoff zu weltern Unterſuchungen; ſie weckte und ſtaͤrkte dag Beduͤrfniß, in allem nach höheren Gründen zu fors ſchen. Ein Hauptverdienft ift aber unftreitig die Begrüns dung .einer logiſch firengen Methode, ohne welche wahre ſcheinlich fein Ariftoteled aus Platos Schule hervorgegan⸗ gen ſeyn wuͤrde, und die Aufſtellung reinerer praktiſcher Srundfäge, melde auch nicht ohne Einfluß u * wirk⸗ liche Leben waren. \», Erfer Anbang. Ehronologifge Tafel über Die zweite Periode | der Geſchichte der Philoſophie. I Tennemanns Geſchichte der Philoſophie Ei, Thl. EI x 2 "x. “ . e D ” 4— J Pr F ei a Er > . In 2», Zr . u _ - fr ’ ie : > * * 42 .n.- \ = . . f — 4— ee * * 26 J + ”, x PET 4 = e Fr . ⸗ — \ ’ u ’ * * V 27 R u... P; - > ° “ i r — 0 * **Nna J 1 % J ’ 5 * 2 .r * J 2 » . . - * .- en * * E72 — u —* — - : J 2— ra . — 2* ⸗ . . *— - v #r J ⸗ . j * ** — F N * * * » — * F 4 ” P4 “ N ‚ 0 . j ‚ . z 2 * ” ® x J J user: A » * 2 ” u 1 - . ‘ PP 8 Ri a ’ n * — — r = ‚ * — a . “ u = _ * * ‘ - = = 3 4 u e . a ⸗ J J » . e . R \ j 5 - . ’* Digitized by Google J zafeı — 200: ↄ2a ſawa⸗ ungs es 554 384 — | se 4 — 365 3 * | Ei €. Erfiet Anhang über. die wweite Periode der ara » der. Pilofnfe 5 Die Sofratifer ber | | „geben fich nach N, Megark | inc reift dag erſtemal nach Syraeus 723Ariſtsteles | wird geboren Py erho wird geboren 101 et 2 .. Ji 2:4 — "or = = Geſchichte der ı Undere 3 2 PVhiloſophie = ‚= l , Begebenbeilen x — — — —— nit r und > > ® r =2| © | J Geſchichte der — Andere 5° 5 “4 Pbilofopbie Begebenheiten | Eli > 102 Urinoreles| fommt nad | | Athen | 3671203, 2]3s7| Der ältere Dib⸗ oo. 139° ° Amelte Reiſe des | Plato nah | Spracug u 393! Dritte Meife des | | Plato nad | | | Syraeus ' 357|105, 4,397 Dionpflug in j Sicttien mird von Dion bes | | friegt 5 106 * Alexander wir geboren 3481108, 1 406| Plato ftirht 347|108, 2405 Ariftotelegs be | giebt ſich zum Hermiag 411) Ariftoteleg wird Lehrer des | Aleranderg 442109, 3 4112| Epifur mid | | geboren 4431109 : 233 & » 18: E33 3 | 3 | Geſchichte der Andere «’ =. | = | Pbilo ſophie | Degebenbeiten . | 110 (Diodorns, | I! Stilpo, | Diogenes, | Krates) 339 NAA4S Speufipug i | ftiebt | IBenofrates fünge am gu | | lehren | | 337 * bei Chaͤ⸗ | tonea Ban u Jun Cod des Könige Philipp, | Regierungsanı | | tritt Alexan⸗ ders 3351111,2 a ——— | * fängt an in | dem Lyceum zu | lehren Diogenes der Tod Alexanders dee Cyniker ſtirbt Großen 11441 Ptolemaͤus ka gtin Aegypten Ariſtoteles | 322|114, 3 432 | 116 | — ge⸗ | ben une ajaoj ;- a rbt 813 | 534 a 5%) al ® | Zi Why Ss 3 Geſchichte der Andere =: 5 2 — 8B | Degevenbeiten s"| 3 |% 4 8. = | | | 120 | Zeno iſt heruͤhmt | 123 Phrrho flirhe | 285 123, 4469 Ptolemäus | Philadel»- | phus König in Aegypten asolı25, 11474 Chenfipp * | | ren | —D—— 21483 Epitur Mike | /129 ——* iſt | | beruͤhmt zZens Miete vw 1 ' —* ER ] ae 13 11? ER | { ——— — in 251 — ad % r dla — ⸗ €. ; * * J ) Zwel⸗ Zweiter Anhang. ge itteratıurn ber Geſchichte der Bhilofopbie .- - * e — J — — * J ⸗ * * * e > J - * % ” » ? . . * . . . J F p . .—_ — * a . . # . J ir . PR - 8 ” J > . 3 * .. t ” J J —* — J * 4 * * * — — Fr . . . * J Dr . ‘ . - ⸗ . * Fr . W PR * er) 5 x - „ 2 . f j * ' - ; i . % - * r d * - - ara 229 A > 2 . . —— = z ., Du —J — — “> r > i - i an - * —— “ * SAN . ä j » ’ e 5 ja ia . Pr “ - Ä - be ni “ 2 * 2 ss u — * 22 . er. ” / s BZ . = 52* 8 — * a * » * — x P - . : \ - . . u “= #- “ - . - “ . — nd 2 ’ . ⸗ —F 4 — 2 - > . .. Pr ö = | j 4 Ä ä * * .. - ” “ . Be — ar N ._ e m. . - . ..- y R * —— 5 ee 46 —— J = i "BL. : ; ‘ au - — BE - - F * a * - i oe F Po ; — *2 . * — u — J — on 2 > a . * ® . ‘ - - ⸗ J v - — * * * 2 er Ri j - ® . 2 > - * u ” © - - * J Pr * ER _ 4 . 5 J J — ‚ * In - 2 — B De u h A 1 ” — - 5 u * Pr — = “ - * — - r Pi > * . [2 “ » - 7 Digitized by Google Zweiter 2 nhe N. . gitfteratur.. N di —— | 1 dee # Au: Gefgihre der Ppilofoppie &} Ueber Serra [N Unferhelkumgen ‚Aber vr. ae und | Neueſſe aus der chriſtüchen Welt. u keipfg 3786. 8. — ESolrales von W. g. Heilen, Bon am. Rain 1789. 3 Br... r La Vie de Socrate par Fra, ——— 3- Ed, Amiterd, 4699. 12. Deutſch don Thoma⸗ ftus. Halle 1720. 8. | tig Jac, 538 | J Jac. Guil. Mich. Wafler...Diffestat, de vita, fatis atque philoſophia Socratis. Oettingen 1720. 4 | | | The Life of Socrates — by Gilbert Cooper. London 1749. $. | J. Hacker (Praef, Fr. Volkm. Reinhard) Imago virae rhorümque Socratis ꝰe ſerſpigribus vetuſtis. Wittenb. 1787. 4 . — Joan Luzac Oratio de Socrate cive. Leiden 1796. 43 2291}: Frid. Guil, Sommegzi «Praef. Frid. Menzio) iſſ. de. Kris nec ofhiciofo maria, aec lau- | "ando patre amilias, Beipıig 1716. 4 u Jo, Mat. Gesneri-- Soerates ſanctus paederafta im zweiten Bande d. Commentat. Soc. ‘reg. öttin =. Se 80 422 298695821 o. Andr. Kamm (Prael, ]. Schweighagu- N ormihent; "Motor" &kratis'ex Kehfhonii —*—— ab meatino Stubbur 1785. ’4 Claude Franc. Fraguier Buch Mio | nie it Forne für’ bp Deimöt'fämi- lier, et fur (es moeuts, In Memoir, de PAcad. des luſeri: Mom. IV und — in» Pianist ar VDierPhueſophie, En Bo 39 Gott zer. oleam — de Soctatis Daemonie; Leipzig 1792, | Chr. Meiner?” von dem Genius! — im Z. Bande feiner vermiſchten philoſophiſchen Sthtiften. ( Mehrere dahin gehoͤrige Abhandlungen im deutſchen Mu⸗ Neum, BerlinetMonatsfpife = ey) I I Ueber den Genius des Sokrates. weh und dedꝛig | * 7 uns er 7 : "und be Er 2.. 1434 2 — den Genlus sg Solrales bon 2. 3 Ei fi. tipig 1779 8. — Ey on ‚the Demon ' or Äivtharion ot Socrates by R. Nares, Londoht 1283: — 1.2220 Der Senlug Kt Sokrates. Ein Traum ‚Sn ar — KRhapſodlem Lapſig 1788. — Peber den Proceh des ‚Sokrates oo von Tychſen I ber Ku thef der alten \ Lirtecatur und su, 1; 2. Siack. 2 '183I0C \ Sigism. Frid Drefigii —— * Socrate | iufte damnäto. kepiig 1738, Du 13 — En? urianlodT % „von die Beryetfellung de "Sofrated on Na tigafl in der deuten Mondrefgi. 1790, >. * E90. dor BRRRIDO LUNG 127. ii Bu 5 N ee dauderomsl ode K I Richter de libers, — Cicero | vonat So- Ä ae „r ‚yo fi 6 Gar, 549 Gar. Em. Kettneri Diflert, de Socrate mortem minus fortiter fubeunte. Leipsig 1735. 4 Frid. Men zii, Difl de Socratis metbodo docendi io ſcholis nen omnino proferibenda, £eipsig ‚1740 % 1. Ch Leifius de arte obßerica Soc, Er-. s furt 4785. ee | C. F. L, Simon «(Praef, Krug) Differearie de Socratis meritis, in. philofophigm rite ‚aeftmandis, | Wittenberg 1797: 4. Godoft. Wilh. Pauli Difert., de ‚Phlofophi morali Socratis«, Halle 1714. Pr ; ‚The. Sogratic. Syltem of Moral, as delivered i in Xe- | nophanis Memorabilia, by Edward Edwards, | ac — 8: F Jar, Gyil, Feuerlin. Diſſert. de dur Haturae Sacratis, ander 2719, 4 | 8 l Lud, Theoph. "Mylii Differzat, de Socratis — — Jena Izı3 A ee RE Ku i ABER oh. „Er Auffchlager (Prael, L ‚Schweig- haeufer) Comment. Thealogia Sacratis[ex Xeno- phontis — excerpta, take. 1785« 4 kom und Meinungen. (TX Sofeatier über die unſterblch · ft der Seele von W. G. Sennemaum Jena 1791. 68. 2) Ueber 54 ehe die Cyniter. Ge org Gottfr. Richter Billere, de — Lepeig 1701. 4. Chr. Gottl. Toecher Progr. de Cynieis aulla u re teneri volentibus, Lelpjig 743. 4. Frid. Mentæ ii Progt. de Cynifmo, nec philofo- pho, nec homine diene, Leipzig 1744. 4. 3) Meber die Eprenaiften Ariftippus philofophus Socratieus ſiue de eius vita moribus et dogmaribus commentarius ( auct, . Frid. Mentzio). Halle 1719. 2 Batreux developpement de la miorale d’Arifippe fin Mem, de l’Acad, des Inferipr, Tom. XXVL Deutſch In Hißmanns Magazin, 4 3) Henr, Kunhardt Diflere de Ariftippi — | phia mörali, Helmiſtaͤdt 1796. 4. J. J Rambach Progt. de Hegelia- wsisıJavarı 1771: 4 Wüch in feiner Sylloge Diflert. ad rcm uliteratiam periinentium, Hamburg 1790, 8. 4) uUeber die Megariker. Jo. Calp, Guntheri Diff; de modo dispurandi Megarica. Jen, 170% 4 | J. Im. 54% \ j. Im. Walch — de einphn vetetum eriſticis. Jen. 1755: A. ; > % Spalding vindiciae philofophorum , Megaticorum vor feinen Commentar in ‚primgm partem libelli de Xenoph. Zenone et. Gorgias — Schwab's Bemertunen über Stilpo in kberhards pol loſophiſchem Archiv. 2 B. 1 Erich. j 1. F. Gräffe Diſſ. quae Audiciorum analyticorum et (yotheticorum naturam iam longe ante Kantium antiquitatis ſetiptoribus non fuifle perſpectam, conitta Schwabium probatur. Göttingen 1794» 8: ) * > | 5) Ueber die aͤlteſten Pyrrhonier. hie Arcthenii Diſſert. de Pniafophie Bee upſal 1708. I Gottl. Mühch Differt, ‘de. notione ac indole | fcepticismi , nominatim: Pyrthonismi. Altdorf _ „= 1796. 4» God, Ploucquet Dillers de Epoche Pyrrhonis, Tübingen 17584 4. - Jac. Bruckeri Obfervatio de — a ſcepti⸗ cismi unlverſalis macula abſolvendo in Miscellan; ALipf. Tom. V. und Bruckeri Miscellan. hiſtot. philoſoph . ER | | Ch, N | u 543 Ch. Vir. Kinderväter "Diff, Adumbratio quae= ſtionis: an Pyrrhonis doctrina omnis tollatut vir- ‚tus. Leipzig 1789» 4. Ta "If. Frid. Langheinrich Differe. I. II. de Ti« “ monis vita, doctrina, [criptis. Lelpʒig 1720, 1721, 6) Ueber Plate Apuleiuws, Diogenes La ert. Vita Platanis ex Cod. Vindob. in der Bibilothet der alten Litteratur und Kunſt, S-St. - Ei Guarini vita Platonis in der Ueberſetzung der Hung Lebensbeſchreibung . Baſel 1535. Marfihii Fieini vita Plätonis- — Ueberſetzung des Plato und in feinen Werlen. Phil Melanchthom- ofatio de vita Platonis ig dem 2 2. feiner Rem wii. Foh.’Mich Bofch vita'Plätonis vor feiner Ausgade der Apologie Sokratis. Straßburg 159: Fleüry PDPiscours ſut Placon an deffen: Traite du chois. et de la.methode des etüdes, ' Vies d’Epicure,- de Platön et de —— pat M. Ainſterdam 175244 12 . ; La vie de Platon avec l'expoſition des ptincipaux dogrnes de fa philofophie par Mr: Dacier an der Usberfegung des Werke des Plait.. 24 | Re. ’® N 544 Remarks- on che Life and Writings of‘ — with . anfwets.to the principal objections ageinft him, and a general view of his Dialogues. Edinburg . 1760. 8. Entwurf von Platon Leben, nebſt Ber mierkungen Über deſſen ſcheiftſtelleriſchen und philoſophi · ſchen Charakter, aus dem Engl. mit Anmerkungen und Zufägen von 8, Mor gen ſter n. Leipz. 1797. 8. Plato über ihn und feine Philoſophie. Altona 1790. 8. De vita Platonis Diſp. Praef, M. Frykwall, Reſp. A, Folker. Lund. 1797. — Berfini Differtaüo de natali die Platonis, eiusque actate et itineribus in Gori Symbol, liter. T. VI, jo. Guil, Jani ‚Differtats de jafitnione Platonis, Wittenberg 1706: 4 4. jo. Guil, Jani Diſſert. de prsgrimine Platonis, Wittenberg 1766, 4 | Chti it. Ritter de praeceptoribus Platonis, Were twalde 1701, 4 Syſtem der, Platoniſchen — von si. Bortk Tennemann. 4 B. Lelpjig 1992-1795: 8. Alei nous de docttina Platonis. Joh. Bapt. Crispi liber de Platone caute legendo. Rom 1594. Fol. | Lud. Metainyilliere, — Phile! fophiae Pla» tonieae: 2050. $ | A fies | ne U A free and impartial cenſure of Platonic Philofophy by Sam, Patker. London 1666. 4. Joh. Bapt. Bernardi Seminarium totius Philofo» | phias, T, If, Platonis, Platonicorumque doctrinam, | definitiones etc. complectens. Venedig ı5 99, Sol. Petri Calannae Philofophia ſenior, Sacerdotia et Platonica. Palermo 1599. 4. Rud. Goclenii Idea Philofophiae Platonicae, | Marburg 1612. 8. Job: Bapt. Weiganmeieri Diſſert. de Philofo«- | ph Platonis, Tübingen 1623. 4. | Aug. Mag. Kraft de notione philofophiae in Pla« .....tonis egagass. Lelpjig 1786 4 f | Y U Eberhard's Abhandlung uͤber dem Zucd der Philoſophle, und über die Mythen des Plato, in ſel⸗ a. .men neueſten vermiſchten Schrift. Hole 1788. 8. G. E. Schulze de fummo ſecundum Platonem Phi- loſophiae ſine. Helmfädt 1789. 4. Mag. Dan, Omeifii Diſſert. de illo Platonis ef- fato : philofophia eft mediratio mortis. Altdorf „1688. 4. H. Ph. C. — Diſſert. de philofophia mythica Plagonis inprimis, Helmſtaͤdt 1776. u: J. Jac. H. Naft Progt, do merhodo Platonis philo- fophiam eradendi dialogica. Stuttgard 1787. Lennemanns Geſchichte der Dbilofopbie II. Ch, Min 108 | | ' ö v4 i j Franc, Patricii. Plato myllicus et exotericus et Ariftoteles myfticus er exotericus. Bened.15g 1, Fol. i I | | Georg. Pafchius de re literaria-potilimum meo- rali Platonis. Kiel’1706, 8. 10. Er. Dammann Diſſert. I. II. de humanae ſentiendi et cogitandi facultatis natura ex mento Platonis. Helmſtaͤdt 1792. 4. Scipionis-Agnelli disceptationes de ideis Pla« tpnis, Venedig 1615. 4. i Sibech;Diflrt. de ideis Platonicis, Roſtock 1720. 4. Jac. Thomafii Oratio de ideis Platonis, in feinen Otationibus No. XII, Jac. Brucker Differe. de convenientia numerorum Platonicorum cum ideis . S. * den Pythagoraͤern. G. E. Schulze Differt, de- Ideis Platonis, Wit⸗ tenberg 1787. 4. Theoph. Faehſe Diſſert. de“ Ideis Platon Lelpjig 1795. 4 EB 8% Pleffings Abhandl. über. die ideen des Plato in Caͤſars Denlwuͤrd iolelten, 3 ba keipzig 1786. 8. > ‚De ideis Platonicis Disp. Prael, Matthia Fr cm« ling Reip, von Schantz. Lund. 1795. ‚Joh, 4 | | — — | 547 Fo. Andri Buriftedes Progr.> de Platohicorumm reminiscentia. Erlangen 1761: 4. fo. Chil, Sprem ber geri : Oratio de praeſtan⸗ ‚ta er utilitare artis dialecticae, deque deſinitione . eiusdem Plaronica | Wittenberg 1598: 8 = 2 J. Engels Verſuch ‚einer Methode, die Vernunft⸗ lehre ‚aus den Platoniſchen Dialogen u eutcztcels. z ‚ Berlin 1780. 8. | | which & 8. L. Pleſſings Wennorium- Pr 8, 29. .; Ebend. Verſuch zur Aufflaͤrung der Phlloſophle des * ſten Alterthums (metaphyfiſches Syſtem des Plato. Marſ. 'Fäcini Theologia Platonica Slorenz 1482. Fol. Pauli Benii Eugubini — platonis et Ariftörelis. Pavla 1024, 4, Ef. Pufendorfii Diſſert. 'de — Ptatonis. eepzig 1653. ir B5° 3 iR hr was. ——— Henr. Fergii Diſſert. ‚de Tesla 1 Plafönis, Gieſſen 1664. | Jo. Weifi Diſſett. ge Theologia Platohir, : ie 1683. = oh. “Phil, Treuneri Theologia Platonis et Arie j „ftatelis ı comparata, Jena 1690. _ ‚Rs | Joh. Friedr. Wucherer Difert, IL. ‚de defec. tibus Theologiae Platonis. Jena 1706, Mm 2 The 348 The — of Platon. b7 08 vie tonben 1793. 8. DA ER > ouverain) Be Platonisme devoile ou: Ber v: touchant le Verbe Platonicien. Cölln 1700, 8. Baith. Stolberg Differt. de — et wo Plätonis. . Wittenberg‘ 1676, | (Tennemann) ueber den sötttihen Verſtand in Paulus Memorabilien, ı. Stüd. Nit, Hier. &hndfing de: Atheismo Platonis in “den Gundlingianis ; 43 Th. | Joh, Jac, Zimmermann de Atheismo Platonis. “em Ejusdem Vindiciac Differtat, de Atheismo Platonis ‚ contra Gundlingium, _ Beide, Abhandlun⸗ gen in den Amoenitat, literar. 11.13 Tom, _. Ghr Meincrs Hiſtot. de vero Deo. D. Tiedemann über Platos Begriff von —* ‚Seit in Memoires de a Sogiere d. Antiquit. de Caflel, Tom, I. J. G. A, —E Commentsatio de — Pistonis de Deo a Chriftianis et recentioribus Platonicis varie explicata et — Marburg | 2788. 8. Chr. Mein ers Betrachtung über bie eisen: das Zelt alter bes Patö, über den Timäus dieſes Phitofophen) und deffen Hypothefe von der Weltſeele. j Chr. 4 Chr Mein ers Abhandlung uͤberndie Natur der Seele; eine Platonifche Allegorie. Beide Abhandlungen in dem uſten Bande feiner, vermiſchten Schriſten. ss ie pi 2. Reinholds Abhandlung: Über. die eatlonale- M · | Sologie des Plato, im erften Bande ER „die. Kantifhe Pilofoppie, nit Ray al g?! J * 4 J E. G. Lilie, Diſſett. Plaronis — ‚de: Barıra „ animi,, ‚Göttingen 17790- 8. , int? ‚dot Joh. Nie. Harsılchmidt Differe. Plaro. de.;im- ‚mortalitate animi. Strabhurg 1698. Sam W eikhmann Differt. de Platonjca animprm immortalitate. Wittenberg 17740. nA nn: C hrift. Ernftt de: ‚Windheim, examen argumen- torum Platonis pro immortalitate animae humanae. Goͤttingen 1149. Moſes Mendelsſohn Phaͤdon. W. ©, Tennemanns Lehren und Meinungen der Sofratifer über die Unfterblichfelt, Joh. Frid, Hilleri Difput. de campo veritatis Pla- tonicae, Wittenberg 1741. 4. Chryfoftomi Javelli Difpofitio moralis philo- ſophiae Platonicae. Venedig 1536. 4 Magn. Dan, Omeifii Ethica HMIRDICR, Altdorf 1696. 8. | Gott. 4 566 Görtl: Manfch ‚de -Enchuiasmo Plans, FFIR sg + Joh. Zentgravii —8 — nat. ernadin aAiſeiblinan Aeienicam. Straßburg 1 3 5 SU SEE Chryf. Javelli Diopofitio Philofophie ivilis ad ‘mehtem Platonis, Venedig 1536. 4 . Joh, Sleidani fumma doctrinae Platonis de repu= bliea et de legibus, Straßburg 1548. 8. Joh. Jac. Leibnitz Dilſertat. Respublica Pletonis. Leipzig 1676. 4 Car. Morgenftern de Platonis 'republica com- meutationes tres.: Kalle 1794 9.772. 3 “u .fia » . r ° k . . = # * - J 4 . J — * est - . ‘ 4 -. nr * — ’ D i * ’ 5 Li v * —* 2. ‘ > + sk % ” + * — D J ’ ’ * - ’ ’ ’ ef ‘ ‘ ' * J * ‘ , u . ’ — Digitized — bs * ⸗ — J — — * D k A u . ’ s . ‚ f a J - ‚ 04 . [3 1 N f . N N . s f * 4 ‘ x , { \ f F . k a * or 1 i ® a fi Fe | t ’ [3 4 v } D * “ Y ’ * Fr [4 s . . € ! s B [3 L PR ri by Google REST BEE 5 *1 —* J + * z ’ * * * x r ' 4 d * - 2“ * “ — “ ” * 4X "u — 4 . - - — - ® ” ⸗ » F . ” - PR . > * Fa" Pe" * J ‘ s - - . - . - z ' - » p) . . * r 5 D nu ⸗ ' .. « [4 * Digitized by Google f Digitized by Google Digitized by Google r’ J Digitized by Google igitized,by K; wat 2