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Syfem I) ber Ditonieen Poilionhie m * : #90 M, ®ilhelm Gottlieb Tennemann Erfter Band | Einlei tung geipgig bei Sodann Ambrofius Barth ı 792 %e EN F — D——— T AR: a: ” "ZoMR ii: N 23 .”, Jı WER"; 8 « 4 _” « .. «oO a 74 . m a> ! v i n Borrede dem der menfchliche Verſtand lange Zeit mit rafllofem Streben ſich emporgearbeitet hatte, um die Wolfen der Unmiffendheit, die ihn druͤkten, zu lüften, ben engen Gefichtsfreis zu erweitern, und ſich ein Gebiet der freien Wirkſamkeit zu verfchaffen, fo brach endlich, wie es ſchien, durch die Bemühuns gen eines Plato Ser helle Tag für die Philofophie an, welcher den Nebel, ber bisher noch den freien Blick des Geiſtes gehindert hatte, völlig zerftreuete. “Dies fer große Mann beftimmte zuerft den Begrif, ben Umfang, Gegenftand und Methode der Philofophie, und führte nad) dieſen Ideen und Grundſaͤtzen ein Gebäude auf, welches fich durch feinen mehr befafe ſenden Umfang, feinen eigenehümlichen Gang, durch. größere Klarheit und Deutlichkeit von allen vorher⸗ gehenden Verſuchen ber räfonnirenden Vernunft ause jeihnete; ein. Syſtem, welches nichts geringeres als ein Verſuch war, die Erkenntniß der Dinge an fi und die Kegeln der freien Handlungen aus Prin⸗ cipien a priori herzufeiten; ein Syſtem, welches ber Vernunft ein eignes Gebiet eröfnete, worin fie gang unabhängig und gefeßgebend fein follte. Mit biefer Phileſophie fängt Daher auch billig eine neue Epoche für die Gefchichte der Philoſophie an. ei | 42 | ee = a 1V Sie war das Reſultat von den vereinigten Ar⸗ beiten vieler Denker, welche die Vernunft zu dem Grade der Kultur entwickelt und vorbereitet hatten, aus dem fie als natürliche Folge entfprang. . Allein ob fie gleich das erfte mit Ueberlegung angelegte Sys „sten war, ob fie fich gleich ihr Feld vorgezeichnet, ihre Aufgaben in beſtimmten Ausdruͤcken vorgeleget, den Urſprung und die Quelle ihrer Principien entdekt hatte: ſo konnte ſie doch die Probleme nicht befriedi⸗ gend aufloͤſen, fo lange es an einer Wiſſenſchaft fehl⸗ te, welche die Principien vollftändig auffudyre und ihren Gebrauch beftimmte; eine, Wiffenfchaft, welche mehr Kultur und Anftrengung der Vernunft voraus. fest, als alle bogmatifche Suftöme zufammen genom« inen. &o lange bie Principien nicht bis zur äußere fen Grenze alles Denkens verfolgt, und die Begriffe, die fie vorausfegen, nicht bis zu ihren legten Merk malen entwickelt worden find, fo lange bleiben fie auch felbft unbeſtimmt und ſchwankend, und fönnen der forfchenden Vernunft feine volle Befriedigung gewähren. Diefer lezten Bedingung alles philofo. phifchen Willens entbehrte die Platoniſche Philoſo⸗ phie, fo wie jede andere, die vor ber Kritik entſtan⸗ den iſt. Daher war fie auch nicht im Stande, Einverftänbniß der denfenben Köpfe über die erften Grundfäge und Grundwahrheiten hervorzubringen, oder zu verhindern, baß nicht beinahe zu gleicher Zeit mit ihr verfchiebene neue Lehrgebaͤude aufka⸗ men, welche mit ihr und unter einander im Streite lagen. - Ungeachtet diefes Mangels, welcher eine na. tuͤrliche Folge von dem Grade ber Aufklärung der Ver⸗ V Vernunft war, ſtimmen doech bie größten Denker aller Zeiten darin uͤberein, daß das philoſophiſche Syſtem, welches aus dem Geiſte des Plato hervor. gequollen war, ein großes und ſeines Urhebers wuͤr⸗ diges Unternehmen war, die wichtigſten Angelegen⸗ heiten der Menſchheit, ſo viel als er vermogte, auf ſichere Gründe der Wernunſt zu ftügen. Die Eric. ſche Philoſophie hat freilidy bie Mängel umd Fehler diefer Philofophie aufgedekt, und ihren Entſtehungs⸗ grund zur Befriedigung gezeigt; aber fie bat auch auf der andern Seite einen ſichern Maaßſtab und Gefihtspunfe angegeben, aus welchen der Werth ımb das Intereſſe der Platonifchen Philoſophie beur- hellet werben muß. Aus ihr erhellet die Wahr heit, daß jedes Syſtem der Philofophie vor ihr etwas Wahres enthält, welches aber auf ginem eimfeitigen Gefihtspumfte beruhet, und daher mit etwas Falſchen vermifcht iſt. Diefes Wahre und Falfche von ein« ander zu fcheiden, iſt eine von den vielen Vorthei⸗ im, welche bie vollftänbige Unterfuchung des Ber nunftoermögens gewaͤhret. Manıfann alfo anneh- men, daß, je mehr Wahres ein Syſtem enthält, deffo mehr muß es fich der Eritifchen Phitofophie nähern, und in umgefehrten Berhaltniß, je mehr es fich der kritiſchen Philoſophie nähert, befto wahrer muß es fin. Und diefes Werhäfeniß findet.fich bei der Pla⸗ tenifhen Philoſophie. In dem Platenifchen Sy ſtem wird Sittlichkeit über alles geſchaͤzt, und der vorzuͤglichſte Zweck der Philofophie in der Aufſuchung der Principe derfelben gefest; fie fing zuerſt an, Die fe Principe tn dem Vermögen der Bernmft aufzuſu⸗ den; fie entdekte zuerfi das Beduͤrfniß reiner Pe 3 pien vı pien für das Erfennen und Handeln; und enfhiele bie erfte Idee einer fotchen Wiffenfchaft. Weberhaupt kann .man fagen, daß ſich die Pfatonifche Philoſo⸗ phie zu den vorhergehenden Syftemen verhielt, wie die Fritifche zu allen bogmarifchen Ppilofophien.- Je⸗ ne enthielt eine Cenſur, biefe eine Kritik der Vers nunft, Durch biefe Aehntichkeit und dieſes Verhaͤlt⸗ niß zur kritiſchen Philoſophie muß fie nothwendig bie Aufmerkſamkeit und das Intereſſe jedes denkenden Kopfes auf fid ziehen, welches fie ſchon als ein vor⸗ sügliches Geiſtesprodukt verdienet, Doch nicht allein an ſich betrachtet, fondern - auch wegen ihres großen und ausgebreiseten Einfluf fes ift diefe Philoſophie der Aufmerkſamkeit wehrt, Aus ihr entſtand die akademiſche und die peripateti- ſche Philofophie, die gründlichfte in den alten Zeiten. Das murbe fie aber nur durch die foltematifchere Aufftellung ber logiſchen Gefege, wozu die erfte Vera anlaffung in ber Platoniſchen Philofophie lieget. Ariftoteles Yerfolgte bie Entdeckungen feines Lehrers, verband bamit feine eignen, und orbnete fie zu einem ſpſtematiſchen Ganzen, Der Einfluß der Platonis ſchen Philoſophie auf bie Ariftotelifche kann aber nicht beſtimmt angegeben werben, ehe wir eine vollftändige Bearbeitung ber erftern haben werden, Es wird ſich vielleicht auch alsdann zeigen,: daß bie Entſte⸗ bung und die Beſchaffenheit der übrigen griechiſchen Syſteme zum Theil durch bie Platonifche Philoſophie iſt beſtimmt worden. Die Platoniſche, Peripatetiſche, Stoiſche, und Epieuraͤiſche Philoſophie wurden lange Zeit als die einzi⸗ I) VII einzigen möglichen Syſteme ber Vernunft angeſehen, und bie meiften Gelehrten und Gtaatsleute ‚unter den Griechen und Römern befannten fich zu einem von den vieren. Daher bat auch die Platonifche Philefophie immer einen beträchtlichen Einfluß auf. die Bildung einzelner Männer, und auf die Angeles genheiten des Staates gehabt, Als burd) mancher fei ungünftige Umſtaͤnde der innere Trieb der Geiftes- kultur geſchwaͤcht worden war, und Vielwiſſen oder Gelehrſamkeit mehr gefchäze murbe, als Selbſtden- ten und Setbftfs:fchen, fo entfiand die efieftifche Philoſophie, weiche die verfchiedenen Syſteme zu ver einigen fuchte, ohne in den Geift ihrer Urheber ein. zubringen. Vorzuͤglich arbeitete man daran, bie Platoniſche Philoſophie mit der Pythagoraͤiſchen und ber Peripatetifchen zufammen zu fchmelzen, Aufder andern Seite fehlte es nicht an Männern, welche bie eine ober die andere von den vier. Hauptparthien allen übrigen worzogen, und glaubten, nur auf ihrer Seite ſei Bernunft und Wahrheit. Das vergeblihe Bemühen, das eine Syſtem gegen elle übrigen gel⸗ tenb zu machen, oder fie alle zufammen zu mifchen, befchäftigte eine lange Zeit die meiften Köpfe, bie ohne einen fremden Führer nicht denken konnten, Zur Erweiterung tes Meichs der Wahrheit und Bes förderung der Kultur des Geiſtes iſt dadurch freis lich nichts gewonnen worden. ' Ä Die Peripatetifche. und Platoniſche Philoſophie ſchien endlich eine gewiſſe Ueberlegenheit uͤber die an⸗ dern Parthien zu erlangen, Beide bekamen mehe. Anhaͤnger und einen ſtaͤrkern Einfluß auf die Angele⸗ genheiten der Menſchheit, welche aber ſehr ungluͤck⸗ aa | liche . VIII Hiche Folgen hervorbrachte. — Schwaͤrmer erwaͤhl⸗ ten den Plato zu ihrem Fuͤhrer, und brauchten ſeine NPhiloſophie als ein Mittel, bie uͤberſchwenglichen Traͤumereien ihrer Phantaſie in ein Syſtem zu brin⸗ gen. Es entſtand die neue Platoniſche Philoſophie, welche, an ſtatt die Beherrſchung der Sinnlichkeit durch Vernunft als die Beſtimmung der Menfchen zu lehren, die Sinnlichkeit ganz auszurotten ftrebte, während fie ſich gänzlich dem Spiel der Phantafie überließ, und, anftatt die Ausbildung des Geiftes zu befördern, den unfinnigften Aberglauben in Schug nahm, Es war eigentlich feine Platonifche PHilofos phie, fondern vielmehr eine Ausartung verfelben, und überhaupt nicht ſowohl Philoſophie, als vielmehr Das Widerfpiel von aller gefunden Philoſophie. Mit ben Kirchenvätern, weiche die Philefophie des Plato mit dem Chriſtenthum vereinigten, bekam biefe aus⸗ geartete Denkungsart größere Ausbreitung, und fle - erzeugte endlich den Mönchsgeift, welcher fo lange Zeit eine Geifel des menfchlichen Gelchlechts geweſen ſt. Dur das ausgeartete Chriſtenthum befam alſo die Platoniſche Philoſophie den größten Wir kungskreis; aber fie wurbe aud) ſelbſt dadurch ver fälfche, und ihres .eigenchümlichen Geiftes beraubt. — Bis an die Zeiten der Reformation erflärten ſich bie Religionslehrer, welche zur Schwärmerel geneigt waren, für den Plato, und diejenigen, welche mehr Hang zur falten Spekulation hatten, für den Arifto- teles: mit. Hülfe beider Männer erzeugten jene ben Mofticismus, biefe ben Dogmatismus der Theologie. Die Platoniſche Phitofophie hat auch auſ manche der vorzuͤglichſten Köpfe Einfluß gehabt, Ich darf —J— IX nur den großen Leibnitz nennen, ber fie ſehr fchäzte, und in einigen Punkten fogar mit dem Plato auf dem nehmlichen Wege zufammentrift "). | . Eine Philoſophie, welche fhon an ſich eine merfmwürdige Erfcheinung ift, und einen’ fo betraͤchtli⸗ den Einfluß durch eine fo lange Reihe von Fahren gehabt hat, und für die Kultur des menfchlichen Ge⸗ ſchlechts fo nachtheilig geworden ift, verbienet eine Befonbere Aufmerffamfeit der Gefchichtsforfcher. Nur nad) einer gründlichen Darftellung derfelben in ih⸗ rem Zufammenhange und nach ihrem eigenrhümiä Geifte, läßt fich die Frage entfcheiden, ob und in fern fie die Urſache von den vielen fchädlichen Folgen gewefen fei, ober wie fie es habe werben koͤnnen. Daher befommt die Bearbeitung berfelben durch den zweifachen Geſichtspunkt ein unläugbares Intereſſe ſowohl fuͤr die Geſchichte der Philoſophie, als fuͤr die Geſchichte der Menſchheit. Die Bearbeitung dieſer Philoſophie war immer ein vorzuͤglicher Gegenſtand fuͤr die gelehrten Ge⸗ ſchichtsforſcher, wie die große Anzahl von‘ Schriften beweifet, weiche fie veranlaffer hat; und unter ihnen zeichnen ſich einige Schriftfteller durch ihre Talente und philofophifcen Geift aus. Aber demohngeach⸗ set fehlet es uns ſowohl an einer vollfländigen und gründlichen Darſtellung als an einer vollftändigen Seſchichte der Piatonifchen Philoſophie. Damit ich as | mir 1) Leibnitz in einem Briefe, welcher vor M. Gottl. Hanfehii Diatriba de Enthufiasmo Platonico vor⸗- gedruckt AR. MH mir nicht ben Vorwurf zuziehe, als verfennte ich bie großen Werbienfte derjenigen Männer, welche bie Hefultate ihres Nachdenkens über den Plato der Welt befanne gemacht haben, fo muß ich mid) über ben Werth der vorzüglichen Werte biefer Art näher erklaͤron. Ein eignes Werk uͤber das Soſtem und die Geſcchichte der Philoſophie des Plato iſt, fo viel ich weiß, noch nicht vorhanden. Hanſch hatte ſich zwar entſchloſſen, dieſe Arbeit zu uͤbernehmen, wozu ihn — aufmunterte; aber es iſt nichtg dayon erſchie⸗ *). Die Werke, welche den ganzen Umfang ber Geſchichte der Philoſophie befaſſen, ſind daher bis jezt die einzige Quelle geweſen, woraus man Be⸗ kanntſchaft mit dem vollſtaͤndigen Inhalte ſeiner Phi⸗ loſophie machen konnte. Unter dieſen nimmt die Bruckeriſche kritiſche Geſchichte in Anſehung des Umfangs den erſten, in Anſehung aber der Zuverlaͤſ⸗ ſigkeit und des unkritiſchen Geiſtes den lezten Rang ein. Es iſt freilich bis jezt ein unentbehrliches Werk, weil der Werfaffer mit unerſchoͤpflicher Gedult eine - folhe Menge von Materialien zufammengetragen bat, als man nod) in feinem einzelnen Buche zuſam⸗ men findet, Allein eben wegen der außerorbentlichen Reichhaltigkeit bee Sachen war es nicht leicht moͤg⸗ lid), die philofophifchen Fakta ſelbſt immer aus ven Quellen zu ſchoͤpfen, fie zu verarbeiten, und in ein zufammenhängendes Syſtem zu orbnen, wenn auch der Verfaſſer mit mehr philofophifchen Geiſte ausges züflee geroefen wäre, Man findet daher nur Safta, die 8) Sin der Vorrede gu der angeführten Ahpandlung- | bie noch fehr oft ſowohl ber Berichtigung durch bie. Kritik, als der Aufklärung durch die Philofophie ber Dürfen ; aber man vermißt faft durchgängig die Zuſam⸗ menftellung berfelben ımter Grundfäge, woburd) ber allgemeine Ueberblick befördert werbe. In ber Ge ſchichte der Platonifhen Philofophie hat “Bruder zwar die Saͤtze derfelben ‚unter verfchiedene Fächer geordnet; allein dieſe Abcheilung kann nur bazu die⸗ nen, um die Materialien, welche zuſammen gehören, Sufammen zu ſtellen, und ben Zufammenhang des Sy⸗ ſtems leichter zu verfolgen; fie iſt die Ordnung und Berbindung niche ſelbſt. Man darf diefe Bearbeis tung aus feinem andern Gefichtspunkte betrachten, als daß fie nur eine Sammlung derjenigen Gäße iſt, und nad) der Methode des. Verfaflers fein Fonnte, welche den Inhalt der Platonifchen Philoſophie aus⸗ machen, hr Verdienft kann nur darin beftehen, baß fie dieſe Fakta vollfiändig, rein, und in. leichter Weberficht zufammengeftelle hat. - Wenn man nun die Bruckeriſche Gefchichte der Diatonifchen Philoſo⸗ phie aus diefem Gefichtspunfte beurtheilet, fo muß fie ſehr viel, von ihrem Werthe verlieren, Denn bie Sammlung ift nicht vollſtaͤndig. Es fehlen ihr oft. die Sauptfäge, und eine- große Dienge ber abgeleite im Saͤtze. 3. B. die Eintheilung der Dinge, in veränderliche und unveränderliche, werauf ber Ber - grif der Philoſophie beruhet, ber Begrif von Wiflens ſchaft, ber Unterſchied zwifchen dem reinen und dem. | mit der Sinnlichkeit verbundenen Verftande; fo viele - ſcharffinnige Neflerionen über dos Worſtellungsver⸗ - mögen, werden gar nicht ober nur mit ein paar Won . ten beruͤhret. vers R Die Begriffe und Säge werben XII werben oft nicht in dem beſtimmten Sinne, ben if wen Plato gab, -bargeftellet, es werben Beſtimmun⸗ gen weggelafien, ober hinzugefest.. 3. 3. das Das fen fei glekhfam ein Selbſtgeſpraͤch der Seele mit ſich ſelbſt, die Gottheit ſel das hoͤchſte Gut. Bruder konnte ſchon aus dem Grunde keine reine Platoniſche Philoſophie aufſtellen, weil er nach den einzelnen Bruchſtuͤcken aus falſchen durch die poſitive Theolo⸗ gie verrückten Geſichtspunkten über die Platoniſche Philoſophie räfonnirer, und die Sehrfäge nicht aug ber reinen Quelle allein, fonbern aud).aus den ültern und neuern Kommentatoren gefchöpfer hat. Er macht zwar felbft einen Unterſchied zwiſchen der rei⸗ nen und der durch bie Ausleger mannichfaltig ven faͤlſchten ober entftellten Philoſophie des Diate. Der Hilfe ihm aber nichts, weil er die Käfonnemens ber lestern von den Gedanken tes Philofophen fo lange nicht unterfcheiden konnte, als bie leztern noch nicht rein und vollftändig gefammlet waren. Drittens, : die Begriffe werben in ben vom Plato gewählten Ausdruͤcken angegeben, aber ohne weitere Zergliebes rung ober Erläuterung ihres Inhalts. Diefe Sehe ler betreffen bie Darftellung ber Platonifchen Philoſo⸗ phie ſelbſt. Als Gefhichte derfelben hat fie feinen geringern Fehler, als Diefen, daß fie gar keine Rück ficht auf die Thatſachen nimmt, welche auf die Ent ſtehung berfelben Einfluß gehabt haben, 3. B. von welchen Pfato ausging, weiche feinen Gefichtepunkt beflimmten. So verdienſtlich und fchägbar auch die Werke des Herrn Meiners in vielen Ruͤckſichten find, fo ha. ben fie doch eine neue Bearbeitung ber. Platoniſchen Philos XTIII Philoſophie um fo weniger entbehtlich gemacht, je. weniger er in allen feinen Schriften das ganze Sy⸗ fiem der Piatonifchen Gedanken in ihrem vollftändi« den Zufammenhange bargeleget hat. In feiner Ges ſchichte vom Urfprung und Verfall der Wiffenfchafe ten befchäftigee er’ ſich mehr mit bem Leben und Schriften diefes Philoſophen, und hebef nur einige Behauptungen aus, welche Ihm der Bemerkung Gore züglich wehrt ſchienn. — Um bie Platonifche Philoſophie Hat unftreitig Herr Tiebemann unrer allen philofophifchen Bearbeitern das größte Ver⸗ Dienft. _ Seine argumenta dialogorum find ein ſehr fchäßbares Hülfsmittel zum Studium ber Platoni⸗ ſchen Schriften, und reichhaltig an treflichen Aufklaͤ⸗ rungen über die Philoſophie dieſes Mannes. Die Darfteltung des fpecufativen Theiles Verfelben in feie nem Geift der ſpeculativen Philoſophie Nbertrift an Vollſtaͤndigkeit, Verbindung, Deutlichkeit der Ent⸗ wickelung, Eindringen in den Geiſt des Plato und | phifofopbifcher Beurtheilung, alles, was in dieſem Felde bisher gethan worden iſt. Allein es iſt nur‘ ein Theil des Ganzen,’ welchen ber Verfaſſer nach Bem Zweck und Plane feines Werkes nicht: ganz aus⸗ führtich, fondern nur den Hauptſaben nach entwickeln nnee, Ich befürchte daher nicht, daB ich den Ver⸗ Dlenften dleſer Gefchichtfchreider der Phildſophie, und dem Werthe ihrer Arbeiten zu nahe trete, oder die Hochachtung verletze, welche ich den Talenten und beim Anfehen eines Tiebemanns und eines Meiners ſchuldig bin, wenn ich behaupte, daß die Darftel« lung der Platonifhen Phiboſophle in ihrem ganzen Umfange, KV Umfange, und nach ihrem Zuſammenhange Leine überflüffige Arbeit fei, und glaube nichts Unnuͤtzli⸗ es zu thun, wenn ich mid) derfelben unterziehe, woferne die Ausfuͤhrung nicht meine Kräfte übern ' feige . Da ich Hier ben Anfang meiner Arbeit dem Publikum vorlege, in welchem ich einige allgemeine Betrachtungen über die Platonifche Philoſophie an⸗ geſtellet habe, und wodurch ich mir den Weg zu fels nem Spftem oͤfnen zu müflen glaubte, fo bin id fhuldig, Rechenſchaft von dem Plane abzulegen, welchen ich mir zur Ausführung vorgelegt habe, Das Merk foll alles dasjenige, was Plato über irgend einen Gegenftand der Philoſophie ſelbſt ge» dacht hat, rein und vollftändig enthalten Die Vollſtaͤndigkeit erfobert, daß Beine Behauptung,‘ bie auf einem deutlich gedachten, ober dunkel geahn⸗ ‚ beten Grunde beruhet, fein Sag, der ein. Refultat feines Denkens war, er mag. übrigens völlig ent⸗ wickelt und beftimmt fein, oder nicht; Fein Begrif, den er philoſophiſch bearbeitete, ober unentwickele zum Behufe feines Räfonnemens brauchte; . überhaupt nichts vermißt werde, was zum Inhalte feiner Phi⸗ Iofophie mwefentlich gehöre, Alles diefes foll rein gefammelt werben, d. h. nur das und fo wie es aus dem Geifte bes Plato entfprungen iſt, ohne fremden Zufaß, ohne die Weränderungen, welche biefe Phi⸗ lofopbie in fpätern Zeiten erfahren hat, auch fogar ohne den Erläuterungen oder Erklaͤrungen der fpätern Ausleger einen beftimmenben Einfluß einzuräumen, Die auf diefe Welfe vollendete Sammlung alles befien, was zur Philoſophie gehörer, wuͤrde F no xV noch nicht dieſe Phildſophie felbft fein, ſondern nur ein phitofophifcher YUlpparat. Die Matetialien müffen geordnet werden, und zwar, fo viel als nut möglich ift, auf diejenige Art, wodurch fie in ihrer Verbindung am wenigfien von bem eigenthuͤmlichen Charakter verlieren, welchen fie non der Denfart des Philofoppen erhalten haben, Diefes kann nur als. dann gefhehen, wenn man ben oberfien Gefichts« punft des Philoſophen richtig gefaßt, und fein erſtes Princip entdeckt hat. Hat man fich einmal deſſelben bemädytiger, fo iſt nicht allein der Schlüffel zu der. ganzen PHllofophie gefunden, fondern auch die Zus fammenftellung und Anorbnung. zu einem Ganzen kann mit gluͤcklicherm Erfolge geſchehen. Diefes Syſtem kann alsbann aus einem zweifachen Geſichts⸗ pimfte beurcheilet werben: erſtlich dus dem philoſo⸗ phiſchen, welcher den Werth deffelben als Syſtem betrift; zweitens aus dem hiſtoriſchen, welcher die Entſtehung und die Folgen defielben aus Faktis bee greift. Diefes ift bie Idee, welche ich mir von ber vollftändigen Bearbeitung der Platoniſchen Philoſo⸗ phie gebildet habe. Mer Begrif aber,melcher diefer, Arbeit zum Grund⸗ lieget, iſt von etwas beſchraͤnkte⸗ rem Umfange. Mein Plan ging für das erſte nur, auf das Syſtem felbft, mit Ausfchließung der hiſto⸗ sifchen Betracheungen. Legen ber Eigenthuͤmlich⸗ keiten aber der Quellen und des Vortrages dieſer Phi⸗ loſophie ſahe ich mich genoͤthiget, auch einen Theil, von der Geſchichte derſelben in meinen Plan aufzu⸗ nehmen. Man findet nehmlich, wie bekannt iſt, in feinen Schriften keine vollſtaͤndige und abfichtliche Erklärung über den Zweck, über bie Jorm und fm eriten | xvı erften Grunbfaß feiner Philoſophle, ſondern nur ein- zelne Winfe und Yeußerungen, die er bei Gelegenheit einftreuet. Um alſo feinen Geſichtspunkt und Grund» fattz und. den DBegeif feiner Philoſophie gu finden, glaubte Ich, muͤßt ich erſt unterfuchen, wie fein Sy⸗ flem entftanden fei, d. h. durch weiche Fakta und \ Umſtaͤnde feine. Art zu philoſophieren äußerlich bes fimmt worden ſei. Durch bie Verbindung biefer Thatſachen mit den Bemerfungen, welche in (einen Schriften dorkommen, Pann alles dasjenige, was Die Einficht in fein Syſtem vorausfezt, mit mehr Ktorhelt und Zuberläffigfeit abgehandelt werden. Beine Schriften aber ſchienen mir noch eine beſon⸗ Bere Betrachtung zu erfobern, in wie fern fie als bie einzig reine Quelle feiner Philoſophie ſollen gebrauche werden. Dieſes mache ben: Inhalt diefes erften Bandes aus, als Einleitung zu dem folgenden, die das Syſtem der Platoniſchen Philoſophie felbft ent⸗ haften ſollen. Die Einleitung beſtehet aus drei heiten. Der erfie enthaͤlt die Biographie des Phi⸗ loſophen, oder vielmehr Sragmente aus berfelben; . der zroeite, eine Berrachtüng über feine Schriften als Quelle feiner Philoſophie; der dritte enblich eine alla gemeine Unterfuchmg über feine Philoſophie. -.. Die Biographie iſt eigentfih nur Skitzze. Meine Abficht war, die mir befannten Schriftfteller, in welchen nur etwas von dem Leben bes Plato zu erwarten wär, noch einmal bunchzufehen, um wo möglich: mehrete Nachrichten von bemfelben aufge -⸗ finden, als biöffer gefhehen war. Unterdeſſen habe ich Doch Durch alle dieſe Arbeit nur einige, im Ganzen aber vielleicht. nicht unbetraͤchtiiche Fakta erhalten fönnen. XVII können. In feinen Schriften entdeckte ich auch ei⸗ nige bisher noch nicht benuzte Nachrichten und Win« fe, welche doch zum mwenigften dazu dienen Ponnten, einige Fakta in einigen begreiflichen Zufgmmenhang zu bringen. Da ich nur wirkliche Fakta in ihrer natürlichen Beziehung und Verbindung erzählen wollte, fo iſt es meine Schuld nicht, daß es nur eine Skizze und Beine ausführliche Lebensbeſchreibung geworben iſt. Einige neuere Werke über das Leben des Piato, z. B. von Dacier, und dem ungenann« ten Schottlänber, habe ich nicht gelefen, weil ich fie nicht haben konnte. Ich kann alfo nicht beurtheifen, in wie fern durch ihre Arbeiten bie meinige ift ent⸗ behrlich gemacht worden, Unterdeſſen Penne ich doch von beutfchen Werfen feines, welches in gebrängter Kürze alles das enthielt, was ich Hier zufammenges tragen habe, und hoffe beswegen, daß biefe Biogra⸗ phie auch ohne die beftimmte "Beziehung, in welcher fie hier mic der Piatonifchen Philofophie, als mei⸗ nem eigentlichen Zwecke fteher, nicht ganz oßne allen Werth fein fol. - Ich muß Hier noch etwas von den Schriftſtellern fagen, welche Nachrichten von dem Leben des Plato geliefert haben, und jeze noch unmit⸗ telbar ober mittelbar Quellen für uns find, Es iſt zu bedauern, daß die meiften von dieſen Schriften bis auf einige Fragmente verloren gegangen find, und Daß wir nicht einmal von allen ben Werth in Anſehung der biftorifchen Treue beftimmen koͤnnen. Unter denen, deren Schriften verlohren gegane gen find, ſtehet Speuſippus billig als der ältefte oben an. Ob gleich die Schrift, fo hieher dehörer, uw eine Sabeebe auf den Plate war (ragı —RX % XVIII oder syroıov) fo. iſt der Verluſt derſelben doch ſehe zu beklagen, weil die Nachrichten von. feinerh Leben, welche in derfelben vorfamen, defto fehägbarer waren, da fie von einem Zeitgenoffen und Augenzeugen herröhreen ’). Diogenes führee noch eine Lobrede auf den Plato von dem Philoſoph Klearchus an, der wahrſcheinlich ein Schüler. des Ariſtoteles war. Hermodorus. Diogenes führe einiges aus ihm an, ohne das Buch zu nennen. ' Aber beim ' Sinplicius (Commentar. in Ariftotel. Phyfical. 1) führet es Derchllides an unter dem Titel: regt IMaranss. Wahrſcheinlich ift es eben derfelbe, wel⸗ dyer die Dialogen des Plato in Sirilien befannt machte, alfo ein Schüler und Zeitgenoffe des Plato. . Ariſtoxenus, ber befannte Schüler bes Ariſto⸗ teles, ſchrieb über das Leben des Plato und anderer Philoſophen. Wahrfcheinlic waren Diefe Lebensbe⸗ fchreibungen Theile feines Werkes weg andeuv, wels ches Plutard) in der Abhandlung, daB man: nad) Epicurs Grundfägen nicht angenehm leben koͤnne, ſehr ruͤhmet. Unterdeſſen fcheint er doch Fein gang zuverläßiger Schriftfteller geweſen zu fein, weil er die hoͤchſt unwahrfcheinliche Sage verbreitete,. daß Plato in drei Feldzuͤgen gedienet habe. Phavorinus unter dem Trojan, Ce ſchrieb nach. dem Zeugniß des Suidas weg: IMzruvog, andy web TnS diamng TwV DiAo0oDdwy und TarTodawnc ÖAns irbenng. Er wird zwar für einen zuverlaͤßi⸗ gen - 3) Diogenes III, 2, IV, 5, Apuleius, ©.'366. _ XIIXx gen Schriftſteller gehalten, aber pie eeſtrekt ſich dieſes Lob nicht auf das lezt genannte Werk. Zoſimus, deſſen Zeitalter ungewiß iſt, ſchrieb nach dem Suidas das Leben des Plato. Diogenes fuͤhret noch mehrere Schriftſteller am, welche Piss, alſo wahrſcheinlich auch das Leben des Plato geſchrieben haben, als Dicaͤarchus, Hermipe pus, Heraclides, Neanthes, Timotheus, Philon und Gotion; oder die Geſchichte der Phllofophen vorgetragen haben, als Alerander wegı ing Tau Qi- — dad OXNG, Anarllides Sg TV OrAoco0- Par. Unter ben noch vorbanbenen Quellen fee ih den Plutarch oben an. In dem $eben des Dion findet man ziemlich vollfländige Nachrichten von Platos Aufenthalte in Sicilien, welche im Weſent⸗ lichen mit denen uͤbereinſtimmen, welche Plato ſelbſt in ſeinen Briefen gegeben hat. Plutarch ſcheint mir in ſeinem biographiſchen Werke gruͤndlich und mit hiſtoriſcher Kritik verfahren zu ſein. In dem Leben bes Dio fuͤhret er an einem Orte Schriftſteller an, weiche in einer Sadye von dem Bericht des Plate abweichen *)., Man darf alfo erwarten, daßer die verſchiedenen Schriftfteller geprüft und verglichen bat, und kasın alfo feiner Erzählung fowohl.als dem Plato ſelbſt deſto mehr Glaubwürdigkeit zutrauen. Apulejus hat ſeiner Abhandlung uͤber die Pla⸗ toniſche Philoſophie einige Nachrichten von ſeinen encumſt anden vergeſa. Ungeachtet ber Kürze hat 4) Plotaschus Dione, ©. 966, - ut wi — — PER _ — — — xx bat er bo einige Fakta, welche bei andern fehlen, und ftelle fie zuweilen in befferer Orbnung auf. - Die Quellen hat er zwar nicht angegeben, aber es ſcheint doch, als wenn er einige gute, 3. B. Speufipps Lob⸗ rede benuzt habe. Da er und Diogenes in ben mei⸗ ſten Punkten übereinftimmet, fo iſt es wahrſcheinlich, daß ſie aus einerlei Quellen geſchoͤpft haben. | ‚Diogenes von Laerte unter bem Alexander Seveus oder noch etwas fpäfer, handelt in dem dritten Buche ganz allein vom Plate. Das Urtheil, weiches die Kritiker Über den Werth biefes Schriftſtellers gefällee haben, beſtaͤtiget ſich volllommen in Anfe bung diefes Theiles. Er hat blos ansgefihrieben und zufammengetragen; die Fakta ohne Auswahl und Ordnung hingeworfen; die Quellen niche allezeit angegeben, und ben Sefer über ihren Werth und Glaubwürdigkeit ganz ie Ungewißheit gelaffen. Wenn abweichende Berichte vorfommen, fo werben fie ohne alle Kritik vorgetragen. Auch als bloße Kompila⸗ tion betrachtet, hat feine Arbeit niche einmal einen Werth von Seiten ber Vollſtaͤndigkeit. Es fehler auch nicht an zweckwidrigen Abkürzungen und Were ſtuͤmmelungen der ‘Berichte, und an Widerfprüchen. Bei allen biefen Fehlern iſt es doch ein ganz unentbehr- liches Buch, wegen der vielen Materialien, bie wir ſonſt gar nicht finden wuͤrden. Olympiodor feste feinem Kommentar. über ben Alcibiades eine kurze Lebensbeſchreibung vor, soelche aber noch weit mehr Fehler als die des Dioge⸗ nes hat. _ Weil er ein-fo junger Schrifefteller iſt, feine Quellen nicht angegeben hat, und in der Erzaͤh⸗ fung einiger Umftände fich elnee ſehr großen Seduu keit AXXI keit ſchuldig macht, fo kann man ſich noch weit mw niger auf ihn verlaffen. Unterdeſſen kommen doch anch einige Fakta vor, welche man bei anbern Schrifte ſtellern vermiſſet. Heſychius Illuſtris ſchrieb den Diogenes mie | großer Nachläffigkeit aus, und verbienet daher wenig Aufmerkſambkeit. Herr Profeſſor Heeren hat noch in dem fünften Stuͤck der Bibliothek der alten Litterat und Kunſt S. 1 — 19, eine Sebensbefchreibung des Pläto vom einem unbefannten Verfaſſer aus einer Pergament nen Handfchrift vom Jahr 925. abdrucken laſſen. Sie ſtimmt zwar in den meiften Punkten mit dem Olympiodorus überein, enthält aber doch auch einige Berichtigungen feiner Fehler und einige ſonſt nicht befannte Nachrichten. Dieſes ſind die Quellen, aus welchen is bie meiften Nachrichten gefchöpft habe, bis auf einige Beiträge, welche ich in’ andern Schriftftellern fand. Da aber bie Nachrichten: oft abweichen, oft wider⸗ ſprechend find, fo, habe ich nur diejenigen für bie wahrſcheinlichern gehalten, welche entweder auf bem Zeugniffe eines glaubwuͤrdigen Schwiftftellers, als des Plutarchs, berufen, ober von mehreren, übereinftin- mend erzählet werben. . Sn Anfehung derjenigen Thatfachen, welche nur von einem Schriftfteller er⸗ jählet werben, wenn er auch feüher lebte, und- übers haupt in der Zufammenftellung der Begebenheiten befolgte ich die Kegel, daß ich die Fakta, welche ine - nere Vebeſchelalchter ai und mic andern ver⸗ ein⸗ ——— XXII einbar find, in eine ſolche Ordnung flelle, welche der Zufammenhang der Begebenheiten zu erfodern ſchlen. Ich lege bei Daatbeicun der Pletwelſcher Philoſophie ſeine Schriften als die reinſte und zuver⸗ laͤſſigſte Quelle zum Grunde Wir koͤnnen aus ihnen am ficherften erfahren, worüber und wie Plato philofophieret hat. Die übrigen Schrifefteller, welche einige philofophifche Gedanken bes Plato aufbewah⸗ ret haben, Pönnen fo lange Feine ſichern Führer fein, als wir nicht eine blos aus feinen Schriften gefchöpfe te Darftellung feiner Philofophie haben, weil wir nur aus biefer ihre Treue und Zuverlaͤſſigkeit prüfen Fönnen. Die Untauglichfeit der fpätern Schriftftele ler als Quellen für die Bearbeitung biefer Ppilofo- phie iſt laͤngſt entſchieden. Bei ihrem Hang zum Spncretismus und zur Schwärmerei mußten bie Behauptungen des Plato gar oft einen andern Sinn befommen, als in welchem fie vom Plato waren ges dacht worden. Aber auch Arifkoteles, welcher ſonſt für die Gefchichte ver Philoſophie fo intereffante Beiträge enthält, kann bei der Patonifchen Philoſo⸗ phie keinen Führer abgeben, weil feine Treue und Zuverläffigfeit in der Darftellung der alten Philoſo⸗ pheme noch bezweifelt wird, oder doch noch nicht ent⸗ fchieden iſt. Herr Tiebemann bat zwar diefen Phi« Iofophen gegen alle von biefer Seite vorgebrachten Anlagen ſehr nahbrücktich vertheidiget, und in An⸗ ſehung des Pythagoras ſeine Unſchuld mit unwider⸗ leglichen Gruͤnden dargethan. Haͤtte es ihm doch gefal⸗ \ “ ⸗ XXTIII. gefallen, auch die Vorwuͤrſe, welche dem Ariſtoteles in Ruͤckficht auf bie Philoſophie feines Schrers ges macht werben, eben fo lehrreich und gründlich, zu prüfen. Ariſtoteles führet meiftentbeils nur diejends gen Behauptungen an, welche er widerlegen will, einige Steffen ausgenommen, wo et etwas im Allge⸗ meinen uͤber die Platoniſche Philoſophie ſaget, und dieſe ſcheinen nicht allezeit richtig dargeſtellt zu fein, z. B. Plato behaupte. in dem Timaͤus, das Aehn⸗ fiche werde durch das Aehnliche erkannt, und dig Seele befiehe aus allen Elementen. Ariftoteles mag nun dieſe Sehrfäge aus einem. befordern Geſichts⸗ runkte angeſehen, oder nicht recht verſtanden haben, ober wie man ſich das ſonſt erklaͤren mag, fo koͤnnen doch feine Erklärungen nicht anders als dur) eine Vergleichung mit der Phatonifcyen Philoſophie, wel⸗ che daher unabhängig von Ihm: ausgeführt werden muß, geprüft, oft nicht einmal ohne diefe verftanden werden. Cicero hat in feinen Schriften viele Ma⸗ terialien aus der Platoniſchen Philoſophie, und den erſten Verſuch eines Syſtems, welches in Anſehung der Reinheit vielleicht allen andern vorzuziehen iſt. Es kommt aber noch darauf an, ob er den Inhalt derſelben richtig gefaßt, und aus dem: wahren Ge⸗ fichtspunkte zuſammengeordnet hat. Die Abhand⸗ fung des Apulejus über die Platoniſche Philoſophie enthält viele Materialien mit vielen Zufägen aus an⸗ dern Syſtemen; Plutarch verwebt die Platoniſchen dehr⸗ ſaͤtze mit ſeinen eignen Gedanken. Septus Empiri⸗ eus enthaͤlt groͤßtentheils nur Widerlegungen der Pla⸗ toniſchen Philoſophie aus dem ſkeptiſchen Geſichts⸗ punkte, welche aber doch über den Geſichtspunkt und ba vie 2xiv die Tendenz derſelben viel Licht verbreiten. Dioge⸗ nes iſt nur Kompilator. . Das Beſte unter dieſen Materialien ſind die Eintheilungen aus dem Ariſto⸗ teles, welche aber doch nicht ohne Pruͤfung gebraucht werden duͤrfen. Von dem Stoffe, welchen alle dieſe Schriftſteller enthalten, kann nur dann ein vollkom⸗ mener Gebrauch gemacht werden, wenn die Philoſo⸗ phie des Plato aus feinen Schriften vollſtaͤndig bear⸗ beitet iſt, weil ſich nur daraus beſtimmen läßt, in wie fern ein Gedanke und in welchem Sinne er wirk⸗ lich Platonifh if. Wenn diefe Prüfung gefchehen ft, dann kann man denjenigen Stof aus ihnen neh⸗ mien, welcher zu dem Ganzen ber Platonifchen Phi⸗ Iofophie paßt. Ich wähle daher den. Plato ſelbſt zu meinem Führer, und feine Schriften zur Quelle feiner Philos ſophie. Die Schwierigkeiten, welche fich von diefer Seite meiner Arbeit entgegenfegen, find groß, aber ' ich hoffe fie zu überwinden. Die Schreibart des Plato, die bialogifche Form, die Art wie über Ges genftände disputieret wird, die Neuheit ber Materien, der Mangel an beſtimmter philofophifcher Sprache, machen es, zu feiner leichten Arbeic, immer ben richti« - gen Sinn zu finden, den Zuſammenhang unter den Saͤtzen zu entdecken, und überhaupt ben Inhalt feis ner eignen Philoſophie von allen andern zu unterfcheis ben. Leber biefe Schwierigkeiten und die Art wie sch fie zu Heben fuche,. habe ich mich in bem zweiten - Theile diefer Einleitung ausführlich erfläre. Ich babe noch einige Unterfuchungen über die Aechtheit und die Zeitfolge ber Platonifchen Schriften hinzu⸗ si weil fie mir bei meiner Bearbeitung nicht gleich⸗ XXxv gleichguͤltig ſchlenen, und wir über dieſe Sachen noch keine ausfuͤhrliche Abhandlung haben. . Sie koͤnnen daher nur als unvollfommene Verſuche betrachtet werben. Ich bebiene mich ber Zweibruͤcker Aus« gabe, werbe aber die vortreflichen Verbeſſerungen und Bemerkungen Eines Sifchers, Wolfe und Schuͤt benugen. Es wäre zu wünfchen, daß wir einmal eine Sollftändig kritiſch bearbeitete Ausgabe vom Plato bekaͤmen. Nach dieſen Vorarbeiten wirb mein⸗ Arbeit nur in der Sammlung der Materialien, und in der An⸗ ordnung derſelben zu einem Syſtem beſtehen. Ob ich gleich die Materialien ſchon beinahe vollſtaͤndig geſammelt habe, ſo werde ich doch zu dem Ende noch einmal den Plato ſtudieren, um mich der nur möglis | chen Vollſtaͤndigkeit zu nähern. Indem ich beije - ben DBegrif die Merkmale unterfuche, unter welchen ihn Plato dadyte; bei jedem Sage dem Grunde nachforfche, auf weichem er beruhet, unb bie Vers bindung mit andern verfolge, laſſen fich die Fäden, an welchen und durch weiche! alles zufammenhängt, leicht entbecken. Auf dieſe Art erleichtert das Samm⸗ len das Geſchaͤft der Zuſammenſtellung. Durch diefes Werfahren und durch befländige Ruͤckſicht auf feinen Gefichtspunfe und oberften Grundſatz hoffe ich Die ganze Platonifhe Philofophie in eine ſyſtemati⸗ ſche Verbindung zu bringen, welche ſich berjenigen, - in welcher ihe Urheber ſich biefelbe dachte, fo weit afs möglich ift, nähern fol, Sn Anfehung der Ord⸗ nung, ink welcher die einzelnen ' Theile ‚folgen follen, will ich nur jezt fo viel fagen. Die nafüre Uchfte Ordnung ſcheint mic die zu fein, daß ich mit —6b65 der XXVI - ‚der Dialektik anfange, darauf die Phnfiologie folgen’ laſſe, und zulezt mit feiner praftifchen Philofophie fhließe. An die Spige werde id) eine Abhandlung über bie Begriffe des Plato von dem Borftellungs- vermögen ftellen, durch welche id) mich bemühen werde, Aufſchluß über das ganze Syſtem zu geben. Am Ende feße ich noch vielleicht eine kritiſche Prü- fung diefer ganzen Philoſophie hinzu. Alte und jede abweichende Erklärung eines Sehrfages, die van neuern und äftern Auslegern iſt gegeben worden, an« - zuführen und zu beurcheilen, liegt außer dem Plane meiner Arbeit. Er würde zu viel Zeit koſten, afle dieſe Schriften durchzulefen, und die Mühe nicht: fehr verlohnen. Aber die vorzüglichften Erflärungsarten Bauptfächlich der neueften Denker follen nicht vergefe fen werden. | | Es ift vielleicht nicht zwecklos, wenn id) bier ein Verzeichniß von den Schriften über den Plato und feine Philoſophie einrücde, damit man mit ei- nem Bi überfehen kann, wie reichhaltig unfere itteratur in diefem einzelnen Fache iſt. Für volle ſtaͤndig kann ich es nicht austeben, ob ich gleich ei- nige Zeit daran gefammelt habe: Ergänzungen werden fich in der Folge leicht nachfragen laſſen. I. Ueber Platos Leben. Außer den altern die ich ſchon oben angefuͤhrt Habe, und ben Schriftftellern der Gefchichte der Philofo- phie gehdren hieher — u . xxvit a) ſolche welche uͤber das ganze Leben des Plato geſchrieben haben. Guarini vita Platonis, in ber Ueberſetzung des Pinto Plutarchi Graecorum Romanorumque inuſtriam vitae. Baſileae, 1535. fol. Marſilii Ficini vita - Platonis vor feiner lateiniſchen Ucberfeßung bed Plato 1482 Sol. auch) in feinen Werfen abgedruckt. , Phil. Melanchthon ‚ oratio de vita Platonis ih dem zweiten Bande feiner Neben. Joh. Mich. Boſch vita Plaronis vor feiner Ausgabe ber Apologie Sofratis. Strasburg, 1591 8. Fleury Discours fur Platon, an deffen Traite du chois et de ia methode des eruden. „prüfe 16 37. 12. | La vie de Platon avec 1 "expofition. des principgus dog- mes de fa philofaphie par Mr. Däcier. Paris 1699, 12. an feiner franzoͤſi ſchen Ueberſetzung der Werke des Plato. | Bemarks on the Life and Writings of Plato, with ans wers to the principal obieätions againft him, and age- - neral view. of his Dialogues. Edinburg 1760, 8. Vies d’ Epicure de Platon et de Pythagore. Par M** Amfterdam 1752, 12. J b) Ueber einzelne Materien. Io. Guil. Iani Diſſertat. de inftitatione Platonis, Wittemberg 1706, 4. Zu Ebendeff. Diflert. de peregrinatione Platonis. Wittem⸗ berg 1706, 4. Chriftoph Ritteri de praeceptoribus Platonis. Greipfô⸗ wald 1701, 4. Plato, Ueber ihn und, feine Phitoſophu. Altona 1790, 8. IL XXVIII A. Ueber Plato als Sqriftfeller. Albini introdudtio i in dialogos Platonis. An Eflay on the Compofition and Manner of Writing ‚. efithe Ancient, particularly Plate. By James Geddes. " Glasgow 1748, 8. beutfch in der Sanımlung ver» . wmifchter Schriften zur Beförderung ber ſchoͤnen Wiſ⸗ fenfchaften und freien „Rünfte. Berlin 1766. Abt Maffien Vergleihung Homers mit dem Plato in den Memoires de l’Academie des Infeript. | Abt Fraguier, wie Plato die Dichter gebraucht habe. ‚Ebendaf. ‘ De mythis Platonig Seripft Ioh, Chrift. Hüttner. Lipfiae 1788. 4. II. Ueber feine Philoſophie. a) Won allgemeinen Inhalt. Außer den Altern Werfen, Fleury und Dacier, deren Schriften ſchon angefuͤhret worden, gehoͤren bie her die groͤßern Werke uͤber die Geſchichte der Philoſo⸗ phie, in denen die Platoniſche weitlaͤufig abgehandelt worden, als Gale, Stanlei, Brucker, Meiners, und vorzüglich Tiedemanns Geiſt der ſpeculativen Phi⸗ loſophie. Alcinous de daftrina Platonis. Ä The true inteftualSyftem of the Univerfelle, By Rülph Cudworth. London 1743,.4. vorzüglich Mos⸗ heims Ueberfeßung. A free and impartial cänfure of Platonik Philofophy, by Sam. Parker. ' London 1666, 4. “Petri Calannae -Philofophia. fenior, facerdotia et Pla- . tonica. Panormi 1599, 4. ‚Ludov. Morsinvilliere Examen Phiofopkin Pla- tonicae. 1650, 8. “ Gudı XXIX Rud. Goclenii Idea Philofophiae Platonicae. Marpurg. 1612, 8. Ioh. Bapt. Bernardi Seminarium philofophiecum con- tinens Platonicorum definitiones conclüfiones. Vene: tiis 1599, Fol. | Tiedemann, Argumenta dislogorum Platonis, Zwei⸗ bruͤcken 178 6, $. u ü b) Bearbeitungen einzelner Theile der Pilates nifchen Philoſophie. Georgü Acanthii Kehlhaimenfis libri III de antiqua Philofophia ex Platone. Baſel 1554, 8. Magni Dan. Omeifii Frhica Platonica. Altorſi 1696, 8. Marſ. Ficini Theologia Platonica Florenz 1483, Sol. Livii Galantis de Chriftianae 'Theologiae cam Plato- ‚nica comparatione libr. XX. Bononize 1627, Fol.. Chryfoftomi Iauelli dispofitio moralis philofophise Platonicae. Venedig 1536, 4: Ebendeſſelben dispofitio philofophiae tiuilis ad mentem Platonis. Venedig 1536, 4. | Ich. Sleidani famma doctrinae Platonis (de republic et de legibus, - Strasburg 1548, 8. Pauli Benii Eugabini Theologia Platonis et Ariftote- li. Patauũ 1624, 4- Ebenbeffelben Commentarius in Timaeum Platomie, Re. mae 1594, 4 _ Seb. Foxius Morziltus Commentarius in Timseam, Baſel 1554, ol. Matth. Fragillani, Commentarins in n Timsenm. ‚pie ris 1560, 4. Michel Mourges Plan Theologique du Pychagorisme et des autres (chen, favantes, de la Greve, T Tonloufs 1712. 28% Dild- xxx Difciplina civile di Platone divife in quatre parti, @ riformata da Troilo Lancetta. Venedig. 1687, Fol. Ioa. Zentgrauii Specimen do&trinae iuris naturalis ſe- cundum diſciplinam Platonicam. Meiners hiftoria de vero Deo. Lemgouiae 1780. %%. Engels Verſuch einer Methode die Vernunft: lehre aus Blatonifchen Dialogen zu entwickeln. Bere ln 1780, $.. Pleſſings Menmonium, 2ter 3. Leipjig, 1787. ©. 291. metaphnfifches Syſtem des Nato. Ebendefl. Verſuch zur Aufklärung der Philofophie des Lülueſten Alterthums. keipzis 1788, 3. D Ueber das Verhaͤltniß d der Platoniſchen u “ Ariſtoteliſchen Philoſophie. u I Georgü Trapezuntüi comparatio Arifiotelis et Pla- „tonis. ) Beflarionis’ in Platonis ‚alunnjateiem libr. V. Vene⸗ Big 1503, dal. Beflarionis Tractatus i in Platonis Philofophiae Indem. . Venedig... .., Stephäni Theypoli Academicarum coniemplajfonnm lbr. X. , Benedig 1576, $. Pauli Beni Theologia Platonis et Ariftotelis. Patauii .. 1624, 4 "Jacob. Carpentarüi Commentarius cantinens Platonis ‚ eum Ariftgtele in vniuerſa Philofophia comparatio- “ nem. "Paris 1573, 4. Rernh. ‚Donatus de Platenicae et Ariflotelicae Philo- fophiae differentia. Graece et Latine, Denebig 1540, 8. varls 1541, 8. .Folieta de nonnullis in quibug Plato ab Arifto- tele defepditur. REM 1574, 4 : " Seb XXXI Seb. Foxii de Naturae Philoſophia fiue de Piatonis et Ariftotelis confenfione libr. V. Loͤwen 1554. Wittemberg 1539, 8. Leiden 1622, 8., Pag. Gaudentius de Dogmatum Ariflotelis cum Phi- lofophia Platonis comparatione. $lorenz 1539, 4. Gemifthii Plethonis libellus de Platonicae atque Ariftotelicae Pbilofophiae differentia. Bafel 1574, 4, Franciſci Patricii Discuffionum Peripateticarum somi IV. Baſel 1581,50. Renat Rapin .compsraifons de grands hommes de Lau . tiquiee. Paris 1684, 8- Ioh. Bachmanni comparatio, Arifogeli s cum Platon Northufae 1629. . I; — l .. 1 d) Ueber einzelne Materien. Ioh. Baptiftae Criſpi liber de Platone eaute legendo. Rom 1594, Hl . Efai. Pufendorfü Dißert. ‚de — Platonis Lipfiae 1653. | Henr. Fergii Differt. de Theologja Piaconin Gieflae 1664. Ioh. Weifii Differt. de Theologia Platonis. Gieffze 1683- Ioh. Phil. Treuneri Theolagis Platonis et Ariſtoteli⸗ comparata. Ienae 1690. Ioh. Frid. Wucherer Diſſertat. I de. defeßihns Theologiae Platonis, ‚lenae 1706: ., . ) Masimi Sandaei Plate . Chriflianus. ‚ Moguntine 1624, 4- Nicolai Securi, Plato beatus fie. de Alate Platorid pia contemplatip... Menedig..1666,.12. Georg Pafchius de re litteraria potifimum mer ‚ Platonis. Kiel 1706, 8. Philip. Labbei Synopfis Graecorum Ariftotelis et Pla- tonis Interpresag.. Pamd 10087,/. ._.) Franc. - xxxıs Franc. Patricii Plato myfticus et exotericus et Arifto- - teles myfticus et exotericus Venedig. Ioh. Bapt. Weiganmeieri Differtat. de Philofophia : Platonis. Tübingen 1623,'4. (Souverain) Le Platonisme devoild ou Eflay touchant le Verbe Platonieien. Köln 1700, 8. 1 Scipionis Agnelli ‚Ufceptationes de ideis Platonis, Venedig 2615,4. Sibeth Diff. de ideis Platonicis. Roftochii, 1720. Brucker hiftoria de ideis. Augsburg 1723, 8. Brucker Differtat. de conuenientia numerorum Plato- nieorum tum ideis Platonis, , Iac. Thomafii Oratio de ideis Platonis. Balth. Stolberg Differt. de aoya et v Platonis, Wit⸗ ‚semberg 1676. Joh. Frid. Hilleri Disput. de campo veritatis Plato- .: nivge. Mitsemberg 1741. Ioh. Iac. Zimmermann, de Atheismo Platonis. Ebendeſ. Vindicias diflertationis de atheismo Platonis eontra Gundlingium. Beide Abhandl. ſtehen i in amoe- e : nitatibus Hrterariis. Nicol. Hier. Gunding de Atheismo Platonis in ben Gundlingianis.- - Ioh. Nic. Hartfchmidt Diep. plato de immortalitate : animae.: Strasburg 169%. Sam. Weikhmann Difl. de platonica animorim im- mortalitate. Wirtembergae 1740. Chrift. Ernft de Windheim examen argumentorum “ Platoni$ pro- immortalitate animge humanıa Gt fingen 1749. Mofes Mendelsſohn Phaͤron ate Mufl. Berlin 1775,8. ehren und Meinungen ber Sotratiter über Unferblich. feie. Ima 1791. Io. Iac. Leibnitz Diſſert. Berpublica Platonis. Leipʒig Gottk Hanfch de Enchaßunmo Pen Lipf. m 4. einers -XXXHI Meiner Betrachtung über die Griechen, das Zeltalter des Plato, uͤber den Timaͤus dieſes Philoſophen und deſſen Hypotheſe von der Weltſeele. Ebendeſſ. Ueber die Natur der Seele, eine Platoniſche Allegorie. Beide Abhandl. in dem Iſten Bande feiner vermifchten Schriften. ‘ - Henke de philofophia mythica Platonis inprimis. Helmftedbt 1776. Naft Progr. de methode Platonis philofophiam tradendi dialogica. Gtuttgard 1787. G. E. Schulze de fummo fecundum Platonem Philofo- phiae fine Helmſtedt 1789. I. G. A. Oelrichs Commentatio de do&rina Platonis de Deo a Chriftianis et recentioribus Platonicis varie ‘ explicata et corrapta Warburg 1788,'8. J. A. Eberhards Abhandlung über den Zweck der phi⸗ loſophie des Plato. Ebendeſſ. Ueber die Mythen des Plato, in den neueſten — Schriften. Halle 1788. F. V. L. Pleſſing über den Ariſtoteles und uͤber die Ideen des Plato zwei Abhandlungen in Caͤſars Deuts wiürbigfeiten 3ten B. Leipzig 1786. | G. E. Schulze Diff. de Ideis Platonis. Mittemberg 1787. Unterfuchungen über den Plato. Zwei Abhandlungen vom Abt Garnier, in Hißmans Magazin, 3tem Bande. Göttingen 1780. Ucher den göttlichen Verfland aus ber Platoniſchen Phi⸗ loſophie, eine Abhandlung von mir in Herrn Prof. Paulus Memorabilin. Erſtes Stüd. Leipzig 1791. XXXIV Ich wünfche nichts mehr, als daß biefe Ein- feitung und bie folgende Darftellung der Pfatonifchen ; Philoſophie alles das Gute, welches fich in den ane gezeigten Schriften findet, vereinigen, und alle Feh⸗ ler vermeiden möge, welche in vielen berfelben fo fehr in die Augen fallen. Diefes ift das Ziel, wornach ich unaufhoͤrlich geftrebe habe, und ftreben werbe, fo viel es meine Kräfte und gewiſſe Verhaͤltniſſe, die ich allein nicht ändern kann, mir möglich machen. Ich bin daher weit entfernt zu glauben, daß ſich nicht hier und ba Fehler und Mängel eingefchlichen haben follten, und wünfche deswegen, daß einſichts⸗ volle Kenner und Richter, wenn fie biefe Arbeit ih⸗ rer Durchſicht nicht ganz unwerth finden, burch ihre Kritik beitragen mögen, die Platonifche Philofophie auf eine vichtigere Weife zu verftehen und zu ftubis ‚ven. Ich erwarte aus ber Beurtheilung diefer Eins leitung vorzüglich viele Belehrungen, Zurechtweiſun⸗ gen’ und Winfe, welche mir bei der Ausarbeitung der folgenden Theile fehr nuͤzlich werden Fönnen. Der zweite Band, weicher die Logik und Phnfiologie ent- halten wird, kann vielleicht in einen: Jahre erfchei« un. Jena im März 1792, Wilhelm Gottlieb Tenneniann. Inhalt Snhbalt Erfier Theil. Leben des Plato. Seite 80 Zweiter Theil. Betrachtungen uͤber ſeine Schriften in Beziehung auf ſeine Philoſophie. | 81 Erſter Abſchnitt. Aechtheit der Pi toniſchen Schriften. | 87, ° Zweiter Abſchnitt. Ueber die eis folge der Platoniſchen Schriften. 115 Dritter Abfchnitt. VBetrachtungen über feine Schriften In fo fern fie die | Hauptquelle feiner Philoſophie find. 125 Vierter Abſchnitt. Regeln, weiche bei dem Gebrauch feiner Schriften bes obachtet werden möüflen. 151 Dritter Theil. Allgemeine Betrach⸗ . tungen über feine Philoſophie. 165 Erfter Abfchnite. Betrachtungen über. den Zweck der Platoniſchen Philos : ſophie. | | 171, Zweiter Abſchnitt. Leber den Begrif, Umfang, Eintheilung und Form ſei⸗ - ‚nee Philolophie. Seite 223 Dritter Abfchnitt. Won den Auch fen ber Platoniſchen Philoſophie, oder dem Verhaͤltniß derfelben zu, den . ' vorhergehenden vhilſephi chen Sy⸗ | ſtemen. 267 N. - * Fe " U X - , . .«e 1 ‘ > ‘ « | 5 i f | ‘ . ' . . . ‘ ’ r t ü » [I ‘ [4 4 Lg — ße — — — — — Erſter Theil Leben des Plate. — | 00) lato ſtammte aus einem alten und edlen Gefchlechte ab. Gein Bater war ein Nachfomme des Ko⸗ drug, des berühmten lezten Koͤniges von Attica. Peri⸗ ctione feine Mutter leitete ihre Abkunft von dem Dropi⸗ des, dem Bruder des Solon ab '). Wenn man ben fabelhaften Berichten vieler alten Schriftfteller Glau⸗ ben beimeffen wollte, fo haͤtte unfer Philoſoph fogar dem Apollo, der Die Perictione unter der Geſtalt einer Schlange amarmte, fein Dafein zu verdanken). Der Umftand, daß Ariſto feine Gattin nicht cher beruͤhrte, bis ſie den Plato gebohren hatte, und daß ihm dieſes nach dem Be⸗ richt anderer im Traume anbefohlen worden mar, koͤnnte den Verdacht erregen, daß die ganze Sache viel» leichte in den erften Zeiten des Chriſtenthums aus befons dern 2) Apulejus, eiben 1623. S. 265. Diogenes III, 1. Dlon» pioder (an dem Diogenes von Meibon, ©. 582.) leitet fein vaͤterliches Geſchlecht vom &olen, und das mütterliche om Kodrus gegen das auddruͤckliche Zeugniß anderer Schriftaeller ab. 2) Apuleius, S. 265. Diogenes, III, 2. Plutarch. Sym- ꝑeſ. VII, ı. Olympiod. ©. 583. MM " ı — 2 — dern Abſichten erdichtet worden ſei, wenn ſie nicht von alten Schriftſtellern, als dem Speuſippus, Clearchus, Anapilides erzaͤhlet wuͤrde. Allein auch dieſe ſind weit entfernt, dieſes für ein wirkliches Faltum auszugeben, ſondern geſtehen ganz aufrichtig, daß es ſich auf bloße Sagen gruͤndete, welche in Athen im Umlauf waren. Nach Chriſti Geburt, da der Wunderglaube mehrere Apoſtel fand, wurde dieſes Wunder von ſehr vielen Schriftſtellern nur nicht bezweifelt. Der aberglaͤubi⸗ ſche Plutarch ſpricht ganz ernſthaft davon, und verſt⸗ chert, Apollo dürfe ſich ſeines Sohnes nicht (chämen ’). Dlympiodor fagt, Plato Habe fich ſelbſt für einen Sohn des Apollo ausgegeben, indem er von fich befenng, daß er mit den Echwänen in deffen Dienft ſtehe, da fich Die» ſes doch auf den Sokrates Bezieher ). Wahrſcheinlich bat dieſes Wunder, wie fo viele ähnliche, einem bloßen Spiele der Einbildungsfraft feinen Urfprung zu verdan⸗ fen, wozu vielleicht befondere.Umftände, bie feine Mutter betreffen, am meilten aber der, baß er an dem nehmli⸗ chen Tage gebohren murde, au dem Apollo bie Welt er- blickt Hatte, die Veranlaffung gegeben hatten. Der Geburtstag bed Plato war mehmlich ber fiebende bed Monats Thargelion, welcher in der Kolge als ein feſtli⸗ cher Tag von ben Platomifern gefeiert wurde ’). Die Schriftfteller ſtimmen nicht mit einander über ein, wenn fie das Geburtsjahr angeben. Ich will die verfchiedenen Angaben anführen, und durch Vergleichung die wahrſcheinlichſte gu Heftimmen fuchen. Mach bem Zeugniß des Phavorinus °), berichteten einige Schrift« ſteller, er fei nicht zu Aehen,. fondern auf der Inſel Ae⸗ . gina 3) lc. | 4) 1 c. Phaedo ıfer B. ber Zweibr. A. &. 193. 5) Diogenes Ill, 2. Plutarchus Sympof. VII, 1. 6) Diogenes III, 3. rm 3 u gina gebohren worden, als die Athenienfer die Einwohner . vertrieben, und‘ neue Koloniften, unter weichen Platos Vater Ariſto geweſen fei, dahin geſchickt haͤtten. Da dieſe Begebenheit in das zweite Jahr des Peloponnefis . ſchen Krieges faͤllt, ber Ol. 87, 2. feinen Anfang nahm, fo müßte Plato nach diefer Angabe in dem 4ten Jahr der nehmlichen, oder im erfien det 3 3ſten Olympiade ges bohren fein. Eben dieſes Jahr giebt auch Apollodorus und Hermippus an. Nach dem Athenaͤus iſt er Ol. 87, 3. unter dem Archon Apollodorus, nach dem Chro⸗ nicon des Enfebins Ol. 88, 4. unter dem Acchon Stra⸗ toclas, nach bem Alerandrinifchen Chronicon Ol. 8 9, I, unter dem Archon Yfarcleus gebohren. Neanthas laͤße ihn 84 Fahr alt werden, daher müßte er, wenn man annimmt, daß er Ol. 108, 1. geftorben if, OL 87,2. gebohren fen. Eydorus giebt auch noch den Archon Ameniad an, welcher nach bem Diodor in dag zweite Fahr der 87ſten Dipmpiade faͤllt. Don dem Hermips pus haben wir die Angabe nicht ausdrücklich, da er aber den Plato im 82ſten Jahre feines Alters in dem erften Fahre der Hundert und achten Diympiabe fterben - läßt, fo folgt fie doch von felbft daraud. Damit wir aus biefen tolderfprechenden Zeitan« gaben die zubtrläßigere heraus finden koͤnnen, muͤſſen wir von andern Thatfachen ausgehen, welche mit mehr Einſtimmigkeit erzaͤhlet werden. Hieher gehoͤret nun fein Todesjahr. Dionyſius von Halicarnaß, Plutar⸗ chus, Diogenes, Athenaͤus geben alle das erſte Jahr der hundert und achten Olympiade au. Dieſe Zeitrechnung bekommt durch das Anſehen des Hermotimus, welcher das Leben beruͤhmter Philoſophen beſchrieben, und des Apollodorus, eines berühmten Chronologen, noch mehr Ge⸗ wicht. Man kann zu dieſen immer noch den Neanthes, der Lebensbeſchreibungen beruͤhmter Maͤnner mit vielem Fleiße verfertiget hatte, zaͤhlen, weil Diogenes gewiß nicht vergeſſen haben wuͤrde zu ſagen, daß er von andern Ya Schrift. ’ Schriftftellern in Anfehung des Sterbejahres abgegan- gen ſei. Euſebius verbienet gegen bie einflimmige.Zeite rechnung fo alter und zum Theil angefehener - Schrift ftelier fein Gehör, wenn er bag 4te Jahr der nehmlichen Olympiade annimmt. Wenn. nun in AÄnſehung feinet Lebensdauer eine fo große Einhelligkeit herrfchte, fo wären wir im Stande, das Geburtsjahr des Plato mit der groͤßten Zuverläfftgfeit zu beſtimmen. Allein hier giebt es wieberum drei verfchiebene Meinungen. Nean⸗ the giebt dem Plato ein Alter von 84 Jahren "); Her⸗ motimus, Cicero, Seneca, Lucian, Cenſorinus SL. Jahre *); und endlich Valerius Maximus, und Athe⸗ naͤus 82 Jahre’). Die lezte Angabe kann ſich zwar egen das * der andern Schriftſteller nicht be⸗ —* aber ſie beruhet doch vielleicht mit der zweiten auf einem gemeinſchaftlichen Grunde. Denn weil Plato gerade an feinem Geburtstage geſtorben fein ſoll, fo konnte fein Tod ſowohl in das abgelaufene als in das folgende Jahr gefezt werden, und man hatte gleiches Recht zu fagen, er farb in feinem gıflen ober 82flen Jahre. Es bleiben alfo nur noch die zwei Angaben von gı und 84 Jahren übrig. Nach dem Zeugniß bes Plutarchus und Dionyſius son Halicarnaß, war Iſockates in dem zweiten Jahre der. g 6ſten Olympiabe gebohren, ſieben Jahr früher als Plate, fünf Jahr vor dem Peloponnefifchen Kriege”). . Diogetttd von Laerz fezt, die Zwiſchenzeit zwiſchen bem Iſocrates und Plato nur auf 6 Jahr, wahrſcheinlich nach der Zeitrechnung des Neanthes). Sollte dieſes ſeine Richtigkeit haben, ſo wuͤrde Plato in dem zweiten Jahre 8— Diogenes, m, 3. 2) Dingen. Il, 2. Cic. de-Sene&t: c. 5. Seneca cu Epif 58. Lucianus de longueuis, Cenforin. de die narali c- 15. $) Valer. Maxim. VIII, 7. Athenaeus V, 18. 10) Plutarch. vita Ifocratis, Dionyfius indicie de Ifocrate- 11) Diogenes III, 3 x N . — 5— Yahre des Peloponneſiſchen Krieges ober in dem vierten Jahre der 87 DL gebohren fen. Wenn man von die fem Jahr rückwärts bie zu dem zweiten Jahr der 86ſten DI. rechnet, fo kommen nur 6 Jahr, und vom Anfangt des Peloponnefifchen Krieges nur 4 Jahr heraus, mar müßte denn die beiden aͤußerſten Graͤnzen mitzählen. Hierin liegt auch die einzige Bebenklichfeit, die noch nicht gehoben If. Diefe Rechnung führet ung wieder auf daß . ste Jahr der 87ſten ober das erfte der 88ſten DI. als das Geburtsjahr zuruͤck, welches ich daher: nach ber größten Wahrfcheinlichkeit für das zuverläffigere haltes - denn wir famen immer anf diefen Punkt zuruͤck, ob mir gleich von verfchiedenen Wegen ansgingen. Jezt wollen mir zu ben vorigen Entfcheidungsgründen noch einen neuen hinzuthun. Plato hat acht Jahre al636g- ling mit dem Sokrates gelebet, nehmlich von ſeinem zwanzigſten bis an fein acht und zwanzigſtes Jahr“). Brucker findet hier eine ſonderbare Schwierigkeit. Plato, fagt er, kann in dem erſten Jahre der 95ſten Ol., in welchen Sokrates den Giftbecher ausleerte, nicht acht und zwanzig Jahr, fondern er muß zum wenigſten breis Gig Jahr alt gewefen fein, denn er mar bamald Sena⸗ tor, zu welcher Würde feiner vor bem breißigften Jahre gelangen konnte”). Ich fann nicht fagen, aus weicher Duelle Brucker erfahren bat, daß Plato ein Senator geweſen fei, benn ich habe nicht das geringfie davon auffinden fönnen. — Wenn man alfo von dem Ster⸗ bejahr des Sofrates 28 Jahre zuruͤckzaͤhlet, fo wird das ıfe Jahr der fieben und achtsigften oder dag erfte Jahr der acht und achtzigſten Olympiade ald das Geburtsjahr des Plato beſtimmet. Dieſe Zeitrechnung wollen hi 93 einſt⸗ 12) Diogen. II. 5, Suidas Platone. aweyruc ds ruran egersoqgusı warn Lmienrus anı arun. Die richtigere Les⸗ art iR wahrfcheinlidh ews are x. 3) Hiſtoz. Oxitica Philofvpb: £& ı p. eg einſtweilen annehmen, bis die Gelehrten! aus beffern Gruͤnden eine andere gefunden haben werden. Bon feinem Vater und Mutter find übrigens nur ſehr wenige Umftände bekannt. Gein Vater farb fehr fruͤh, che Plato feine philofophifche Laufbahn‘ betveten hatte, alfo wahrſcheinlich vor feinem agften Jahre '*). Seine Mutter aber lebte noch, als er fchon an dem Hofe des zweiten Dionyfiug gewefen war”). Seine. Geſchwi⸗ fee waren, Adimantus, Glauco, Potone; Plutarchus ſezt noch einen, den Antipho, als ben jüngften Bruder Yina ”). Es war aber nur ein Halbbruder, von muͤt⸗ terlicher Seite, weil Perickione nad) dem Tode des Arifto den Pyrilampas gehenrathet haben muß, wie man aus der unten angeführten Stelle fchließen fannn '"). Doch wir kehren nun zum Plato ſelbſt zuruͤck. J Die Natur hatte ihn mit mancherlei Vorzuͤgen und Vollkommenheiten ausgeruͤſtet, welche ihn in Stand festen, einen großen Mann zu fpielen. Wein Körper bau war zwar flarf und dauerhaft, aber vieleicht eben nicht regelmäßig. Nicht alle Theile hatten ihr propor- tionirliches Verhältniß zum Ganzen, denn nach dem Be zicht einiger Schriftſteller war entweder die Bruſt, ‚oder die Schultern, ober die Stirn zu breit, und er befam daher feinen Rahmen, da er zuerſt nad) feineni Großva⸗ ter Ariſtocles war genennet worden”). Plutarch erzaͤh⸗ Jet auch, daß er buckelicht geweſen ſei, welches aber viel⸗ leicht kein Naturfehler, ſondern erſt ſpaͤter eine Folge von ſeinem zu emſigen Studieren war ”). | | ' Henn ‚ 24) Plutarch. weg: @rresopyınc aten B. Frauktf. 1620. ©, 496. ‚ 25) Epift. XIII. aten B. S. 174, 26) Diogenes III, 4. Apuleius ©. 366. Plutarch. weg: SrAa- dsrpıa, ©. 484. u . 27) Parmenides, ıoten B. ©. 73. . 18) Diogen III, 4. Seneca Epift. sg. Apuleius, ©.-363. 19) Plutarch. de audiend. Poet. & a6. 53, | — 17 m Wenn aber auch fein Körperbau nicht ganz voll⸗ fommen war, fo muß er ihn doch nicht entftellt haben, fondern vielmehr fo befchaffen geweſen fein, -baß man von dem Aeußerlichen, fonberlich feiner Geſichtsbildung, auf einen vortreflichen Geiſt ſchließen konnte So ur⸗ theilte zum wenigſten Socrates, ber mit einem auſſer⸗ ordentlichen Schiefblicke die innern verborgenen Anlagen zu fehen gewohnt war, ‚und barin täufchte er fich sum mwenigften bei den Plato nicht *). Eine ſtarke Empfaͤng⸗ lichkeit und Reitzbarkeit, eine feurige Einbildungskraft, Witz und Scharffinn, ein hoher Grad von Verſtand und Vernunft waren die Sefchenfe, toelche er von der Natur erhalten hatte; und e8 fehlte weder an Erziehung, noch glücklichen Umſtaͤnden, noch an eigener Thaͤtigkeit, um diefe Talente zu bilden, in Wirkſamkeit zu ſetzen, und ihnen eine beſtimmte Richtung zu geben. Sein Vater wendete alles an, was nach ben da⸗ maligen Zeitumfänben möglich war um feinem Sohn eine gute Ersicehung geben zu laſſen. Zuerſt lernte er Grammatif, das iſt, Lefen und Schreiben von dem Dio⸗ unfus. In der Gymnaſtik war Arifto fein Lehrmeiſter. Er brachte es in diefen koͤrperlichen Gefchicklichkeiten fo weit, daß er im den Iſthmiſchen und Pythiſchen Spielen den oͤffentlichen Kampfplatz betreten konnte”). Er lernte die Mahlerfunft und bie Mufik, in welcher ihm Draco, ein Schüler des berühmten Damon, und Metelus aus Agris gent Unterricht gaben ”). Seine Lieblingsbefchäftigung war aber in feinen jüngern Jahren die Dichtfunft, weil fie feinem emporftrebenden Geiſte mehr Nahrung ges währte, und ſowohl an fich als auch durch die Ausſicht auf Ehre und. Ruhm, wornach er fo fehr ſtrebte, ein A4 mannich⸗ 20) Apuleius. &. 366, Quem vbi adfpexit ille; ingenium- que intimum de exterjore confpicatus eft facie. at) Diog. Ill, 4. Olympiodor. Apuleius. ©. 366. 22) Diogen. 11], 5. Apulei-S. 366. Plutarch. de. Muſies. ö—— — —— — | » . x mannichfaltigere® Vergnügen verfprah. Madhbem er bie Anweiſung ber berühmteften Lehrer berfeiben in allen ihren Arten benuzt hatte, fing er an in bem Heldenge⸗ dicht Verfische zu machen. Als er aber fand, daß fie nicht gar zu glütflich geratben waren, und einen zu ‘ großen Abftand zwiſchen feinem Gedicht und. ben Meiſter⸗ ſtuͤcken des Homers bemerkte, vertilgte er baffelbe fo- gleich mit Feuer. Sein Ehrgeiß, ber feine Hauptleidens (haft war, erlaubte ihm nicht, Einen über fich zu ha⸗ ben, und fein Selbſtgefuͤhl lehrte ihn, daß es unmoͤg⸗ lich ſei, den Homer zu übertreffen ”). Seine Arbeiten in der Lyrifchen, Poeſie gelangen ihm nicht beffer, sum wenigften konnten fie ihm ſelbſt nicht Befriedigung geben. Zulegt verſuchte er fein Glück in der dramatiſchen Poeſte, er arbeitefe vier Stücke (oder eine Tetralogie) aus, um mit andern Dichtern um ben Preiß zu ringen. Allein ein Zufall beſtimmte ihn, dieſe Laufbahn auf immer zu vers Jaffen, wozu er wahrfcheinlich nicht beſtimmt war. Kurz vor dem Bacchusfeſte, an weichen fein erſtes Stuͤck auf das Theater gebracht werben follte, murbe er mit dem Sokrates Hefanng, der in ihm Talente von einem größern Wirkungskreiſe entdeckte, unb feinen Ehrtriebe eine ganz andere Richtung gab, wie wie meiter ‚unten erzählen werden *). Wenn er aber gleich dichteriſche Arbeiten aufgegeben hatte, fo blich doch die Lektüre der Dichter, vorzüglich des Homers, Ariſtophanes und Sophrons, eine feiner Lieblingsbeſchaͤftigungen V), und er lernte barand zum Theil die dramatiſche Defonomie der Dias Jogen. Es war damals gewoͤhnlich, daß Juͤnglinge, wel⸗ ce ſich zur feinen Welt techueten, und ſich, es ſei auf welche a3) Aelianus, I, 30. ’ 24) Aelian. II, 3. Diogen. IT, $. Olympiod. ©. 385. Apu- leıus, . ©. 366 3) Olympiodorus, ©. 314 17 9 — ı weiche Art, hervorthun wollten, einen pbilofophifchen Eurfus machten. Plato Hirte alfo bie Philofophie bei dem Kratylus, einem Anhänger. ber Heraclitiſchen Phi⸗ Jofophie "), Wenn Diogenes Olynwpiodor und noch audere Schriftieller meinen, daß er erfi nach dem Tode des Sokrates ein Schüler vom Kratylus geworden fei, fo verdienen Arifioteles und Apulejus mehr Glauben; jener, weil ee din Zeitgenoffe war, biefer, weil er dieſe Nachricht and dem Speufipp haben. konnte ”). Es giebt noch andere Gründe, welche die Nachricht des Diegened, ver auch feine Quellen nicht angegeben hat, um alle Wehrfcheinlichkeit bringen. Denn erfilich ift es nicht glaublich, daß Plato bis in fein zwanzigſtes Jahr gar nicht Philoſophie ſtudieret haben ſollte, da es allge⸗ meine Sitte edeler Juͤnglinge war; da in Athen Philo⸗ fopben von aller Art in großer Menge ihre Profeffion trieben ; und da Ariflo, wie aus allem erhellet, feine Sunmen ſcheuete, die er auf die Erziehung bes Plate anwenden fonute. Zweitens, wenn Plato den Kraty⸗ Ind nicht eher ale nach Sokrates Tode hörte, fo Hätte ed doch wohl, felbft nach Diogenes? Meinung, unmittel- - bar daranf gefchehen muͤſſen. Allein gleich darauf er« zaͤhlet er aus dem Hermodorus, daß ſich Plato in feinem acht und zwanzigſten Jahre zu dem Euclibdes nad) Mies gara begeben habe. Wie konnte er aber fih noch zu Arhen aufhalten, wenn er mit den andern Sofratitern deswegen Athen verlieh, weil fie glaubten, daß fie von dem Athenienfifchen Volk ein ähnliches Schickſal, alt Sokrates, zu befürchten haͤtten? “5 Die 26) Arifloteles Metaphyfic. 1, 6. us ms re yag uyyrons- voe wensov Koarvin za: tag Hennäsıreig dofan. Apuleius " ©. 366, et antea quidem Heracliti ſecta fuerat im- butus. a7) Diog. III, 6. Olympiod. ©. 385. Der Ungenannte in der Bibliothek dar alten Litteraturr. m Io — Diogenes ſagt noch, daß er nebſt dem Kratylus nauch den Hermogenes einen Eleatiſchen Philoſophen ge⸗ hoͤret habe, und zwar ebenfalls nach dem Sokrates. Da biefed Hermogenes fein alter Schriftfteller, auch nut wmit einem Worte gedenket, fo bin ich geneigt gu glauben, es fei der nehmliche, der in: bem Kratylus als unterre dende Berfon vorkommt, ber Sohn des Hipponicus, ein Athentenfer. - Weil Kratylus ein Lehrer des Plato war, . fo trug dieſes Diogenes, ober war fonft ihm gu biefer Meinung verleitete, auch auf bie andere. Perfon. über, und da Kratylus für einen Haraclitifhen Philoſophen gilt, fo würde Hermogenes mit gleicher unbedachtſam⸗ keit zu einem Eleatiker gemacht. Es iſt aber ſehr wahrſcheinlich, daß Plato ſich ſchon in ſeiner Jugend mit mehreren Arten von Philoſo⸗ phien, die damals ihre Anhaͤnger fanden, bekannt ge⸗ macht habe. Denn an Gelegenheit konnte es in Athen, welches der eigentliche Sammelplatz aller ſogenannten Philoſophen, Sophiſten und Rhetoren war, nicht fehlen. Soviel iſt zum wenigſten gewiß, daß Plato eine unbeſchreib⸗ liche Wißbegierde beſaß, und keine Arbeit und Muͤbe ſcheuete, wenn er Kenntniſſe einſammlen konnte”). Apulejus ſezt noch hinzu, er ſei ſehr ſchambaftig geweſen, welches auch Heraclides beſtaͤtiget). Schon in feiner Jugend ſoll er ſo ernſthaft und geſezt geweſen ſein, daß er nie unmäßig war, oder, wie einige fagten, nie in feinem Leben Jachte ”). Es verlohnet kaum die Mühe, bag ueber⸗ triebene in ſolchen laͤcherlichen Erdichtungen zu ruͤgen. Aber 28) Apulei. ©. 366. Nam Speufi ippus domefticis inftruftus documentis et pueri eius acre in percipiendo ingenium ‚et admirandae verecundiae indolem laudar: er pubescen- * primitias labore atque amore ſtudendi imburas ze» rt. 29) Diogen. IN, 26. 30) Diogen. Ill, a6. Olympiodor. ©. m — 11 — Aber bedentenber iſt dad, Was einige gegen hie Verſtiche⸗ rung des Speufippus und Heraclides behaupten, daß er in feiner Jugend in ber Liebe ausgefchweift, auch fos gar ſchoͤne Knaben wicht verfchmähet Habe”) Dieſer Punkt, toelcher den Sreunden und den Geg⸗ nern bed Plato von jeher eine ſchoͤne Gelegenheit gegen den bat, ihre Geſchicklichkeit in Beſchuldigungen und Vertheidigungen zu zeigen, laͤßt ſich in unſern Zeiten nicht mit erforderlicher Strenge ausmachen, und man iſt dabei immer in Gefahr den Menſchen mit dem Philo⸗ ſophen zu verwechſeln, einen Mann ohne ſein Verſchul⸗ Den entweder zum Heiligen ober zum Sünder zu ma ⸗ den. Die Gründe von den Gegnern zu prüfen iſt alles, was. wir dabei thun Finnen. Man fchlicht die aus⸗ ſchweifende Liebe des Plato Hauptfächlich aus drei Gruͤn⸗ Deu. Erſtens, daß er. den Umgang mit fchönen Juͤng⸗ Ungen ſuchte. Died that auch Sokrates, und iſt an ch fein Verbrechen. Zweitens, «8 find noch einige Heine Liebesgedichte auf Mädchen‘ und Knaben vorhan« den, welche ganz etwas anders als unfchulbige Liebe und gärtliche Greunbfchaft athmen ”). Allein es iſt nicht ansgemacht, ob dieſe Spiele einer jugendlichen Phanta⸗ fie von dem Plato herrühren. Die meiften von ihnen ‚ werden in ber griechifchen Anthologie andern Verfaffern - beigelegt. Sollte mohl Plato diefe Verſe nicht mit fei- nen andern Gedichten verbrannt haben? Apulejus ſagt zwar ausdrudlich, daß er biefe allein verfchont habe; allein er feheint feinen andern hiſtoriſchen Grund als ihre Eriftenz gehabt gu haben, welcher aber noch ſehr ſchwankend iR”). Sollten fie auch endlich wirklich ihn zum f 31) Diogenes, III, 34. Athenaeus, I XI. 32) Diogen. III, 35. Athenaeus, I. XL. Apuleius, Apol. 2 @&. 350. 33) Apuleius Apelog. ©. 249 Gelfius, I. XIX. c 11. fast, einige hielten den Mate für den DB. ven einem biefer Ir sun Betfaffer haben, fo muͤſſen fie als Spiele eier Jin gendblichen fenrigen Einbilbdungsfraft, welcher man sie les zu Gute hält, und nach den Begriffen ber Griechen vom Wohlftande und Schicklichfeit beurtheilet werben, In dem reifern Alter wuͤrde freilich Plato fich ſolche Ges dichte nicht erlaubet haben. Drittens, Antiſthenes ver fertigte, um dem Plato wehe zu Chun, einen Dialog, Sa⸗ tho, ber ſowohl eine Anfpielumg auf ben Rahmen Plato, als auch eine Satyre wegen feiner Ausfchweifungen im ber Liebe enthich *), Ob diefe aber Plato verdient hatte, iſt eben noch nicht Flar. Denn wenn’ er au ſchweifte, fo that er es doch wahrſcheinlich nicht in fe gem reifern Alter. Es wäre wohl möglich und dem Charaffer des Antiſthenes ziemlich gemäß, daß er das Andenken jugenb⸗ licher Fehler wieder erneuert hätte, um feinen Stol; wab ‚feine Neigung gu Spöftereien gu befriedigen, Ss iſt meine Meinung gar nicht den Plato von aller Schulb freisufprechen; aber bie angegebenen Gründe find ‚nicht zureichend, um feinem eben einen Schandflecken anzuhaͤm gen; und nad) feinen Neigungen und Beftrebungen zu urtheilen, Fonnte er, mie mir duͤnkt, fein Wolluͤſtling fein, EGs ſcheint ein beſonderes Phänomen in dem Leben des Plato zu fein, daß er bei feinem Streben nach. Ehre und Ruhm, mit feinen Talenten unter ſehr guͤnſtigen Umftänden, nicht benjenigen Weg betrat, welcher in Republiken der gewoͤhnlichſte iſt, durch Thaten und Ver⸗ dienſte um das Vaterland fich einen glaͤnzenden Nahmen gu erröerben. An Neigung fehlte es ihm fo menig ald andern jungen Männern; er wünfchte, fo bald es in feiner Gewalt flunde, an ben Öffentlichen Angelegenhei⸗ cn. dichte, welches er zu der Zeit verfertiget babe, ald er —2 goͤdien ſchrieb, alſo che er den Sokrutes hoͤrte. 34) Diog. III, 35. Athenaeus, L II, et IIL ten thaͤtigen Antheil zu nehmen, es fei nun, daß ihn ei⸗ ne bloſe Ehrbegierde, oder der Wunſch ſich gemeinnuͤtzig zu machen, und das Bewußtſein der Pflichten gegen das gemeine Weſen dazu beſtimmte . Kritias, einer von den Dreißigern, war ein naher Anverwandter, nehmlich ſein Onkel von muͤtterlicher Seite, und andere Bekannte munterten ihn ſogar dazu auf, und ſtellten ihm die Sa⸗ che von der reizendſten Seite vor '). Die erfoderlichen Eigenfchaften und Geſchicklichkeiten kann man ihm nicht abfprechen; Eicero zum wenigſten glaubt, baß er ſchon als Volksredner eine glänzende Rode hätte ſpielen koͤn⸗ nen”). Allein ungeachtet aller diefer glücklichen Ver⸗ haͤltniſſe, ungeachtet aller Antriebe von Auffen und von innen, hielt er fich in einer gänslichen Entfernung von allen oͤffentlichen Belchäftigungen und Bebienungen; trat er nicht ein einzigesmal in ber Volksverſammlung auf um «einen Rath zu ertbeilen, über Börfchläge zu thun ?%). Ueber die Urfachen dieſer merkwuͤrdigen Er- fiheinung haben wir Platos eigenes Geſtaͤndniß. Er war zu bebachtfam, überlegte alles mit kaltem Blute, md ließ fih zu feinem rafchen Entfchluffe verleiten. Daher wollte er erfilich beobachten, nach welchen Maxi⸗ men [4 35) Epift. VII. B. ı1. ©. 93. von ayw wors wm wo 34 vaurov wor‘ wyduv, ss Iarrev SaUToU Yavorıyy nugsoc, er rm xovm Ty6 wor; aus sova. Epiftol, V. S. 35 Epiſtol. IX. ©. 165. 36) Epiſt. VII. ©. 94. souren du sung omamı va ovrag no yragınaı sruyXavor apa" xy dy ou ragaxaauv sulus mc emı TEOEHKOVTE TOMYUATE HE. 377) Cic. Offictor. 1, F i 38) Epift. V. ©. 88. Man weiß nicht einmal, ob er mur ein einzigesmal Kriegesbienke gethan habe: Die Nachricht des Diogenes III, 8. aus him Arikiopenus und des Aeliaus VII, 14. baß er bei Tarogra, Delns und Korinth mit ges fochten Gabe, kann nicht wahr fein, denn Plate war zu der Zeit nur noch ein Kind. men biejenigen Männer, welche das Staatsruber in Händen hatten, handeln würden; und. er-fanb bald ger nuglirfache fich zu überzeugen, baß fie mit feinen Grund⸗ fägen im geringften nicht harmoniren koͤnnten. Ver⸗ muthlich mar durch ben Upgang mit dem Sofrates fein moraliſches Gefühl fo weit entwickelt und gebildet wor⸗ den, daß die graufamen Handlungen, die Gewaltthaͤtig⸗ feiten und defpotifchen Srundfäge ber Dreißiger feine Seele mit Abfchen erfülleten, und bie erfte Abneigung gegen das Gefchäftslchen erzeugten... Denn nach ihren . Maximen wollte er nicht handeln, und feine konnte er niche befolgen, ohne ſich in die augenfcheinlichfte Lebens⸗ gefahr ‚gu flürgen, und er fahe feinen Nutzen für das ge« meine Befte daraus entfpringen””). Als darauf die Gewalt „ ber Dreißiger gernichtet worden war, und eine neue Uns. formung des Staatsſyſtems erfolgte, wachte zwar feine Neigung wieder etwas auf. Allein fehr viele neue Auf⸗ tritte, vorzüglich bie ungerechte Hinrichtung des Sokra⸗ tes, gaben feinen erfien Entfchluffe, mit der Staatsver⸗ waltung nichts gu ehun zu haben, Feſtigkeit und Dantr; fie gaben feinem Geifte die befondere Richtung auf Beob⸗ achtung ber Grundfehler und Hauptgebrechen, nicht allein des attifchen, fondern auch anderer Staaten, und reisten ihn zum Machdenfen über die Urfachen biefer Uebel und die Mittel fie aus dem Grunde zu heben *). Dielleicht wirfte noch eine andere Urfache mit." So ftarf auch feine Neigung einen politifchen Wirkungskreis fich zu verfchaffen fein mochte, fo war fie doch nicht bie einzige, welche feine ganze Seele erfüllte. Aus dem Eis fer, mit welchem er fich beftrebe Kat, feinen Geiſt zu bil⸗ "den und Kenntniffe einzuſammlen, kann man, wie mie binft, 39) Epift. V. ©. 99. tu warm av ulm, undarep ware, auvveßuAsust MUT, Mi (Ay [KaTUU EV KIVÖUHEUFEIU BETT, BARON dulv wuycsw. 4°) Epiftol. VII. &. 93: 96 dänft, ſicher ſchlieſſen, daß er das Vergnügen, welches Geiſtesbeſchaͤftigung gersähret, in hohem Maaße genofe fen harte. Hieraus mußte ein eigenes Intereſſe für ge⸗ wiſſe Segenflände, und eine befondere Richtung feiner Thaͤtigkeit entfliehen, wenn er fich auch anfänglich. blos zum Staatdmann zu bilden vorgefezt hatte. Es fehlte alfo nicht an andern Gegenfländen und Reizen zur Thaͤtig⸗ feit, und an Quellen der Befriedigung, als feine erfte Abſicht ihm fehlfchlug, und das Mittel, welches jene bewirken follte, nahm alsdann die Stelle des Zweckes ein. - Diefe Urfachen fcheinen mir gureichend gu fein, um das Phänomen zu erklären. Drucker glaubt, er babe deswegen an ber Staatsverwaltung feinen Antheil ge⸗ nommen, teil er mit den Geſetzen des Drako und Solon nicht zufrieden war *"); allein er bat, wie mir fcheint, die Kolge und Wirfung mit ber Urfache verwechſelt. Bon den Gefeben des Draco kann Überhaupt die Rede nicht fein, denn fie waren burch den Solon aufgehoben. Nicht die Beſchaffenheit ber Geſetze, auch nicht bie Staatsverfaſſung konnte fein Streben nach politifcher Thaͤtigkeit hemmen, denn fonft hätte er nicht einmal dar» an denken koͤnnen; die Mrenfchen, ihre Marimen und, _ Handlungen waren ed, worauf er für bag erfte feine Aufmerkſamkeit richtete, und welche ihm Unzufriedenheit and Unmwillen einfloͤßten. Jetzt wünfchte er fogar, daß die Achenienfer ihren Vorfahren an Sitten und Den⸗ tungsart ähnlich fein, und die Geſetze des Solons Ihren völligen Einfluß noch Haben möchten. Nur in der Fol⸗ ge, als die verfehlte Abficht und die Beobachtung der Menſchen nach ihren fittlichen und politifchen Verhaͤlt⸗ niffen fein Nachdenfen auf dieſe Gegenſtaͤnde gerichtet hatte, glaubte cr ben Grund der fo mannichfaltigen Uebel ? 41) Hiftoria Cric, Philo£ T. I. ©. 648. m 16 — Hebel in der Staatsperfaſſung, in ve Geſehacbung ur Erziehung zu finden *). Diefer Umftand war übrigens bon großem Einfluß auf die Bildung und Richtung feines Geifted, auf feine Philofophie, auf feine Reifen und manche, andere Bege⸗ benheiten. Wäre Plato in Erreichung feiner Abfichten glücklich geweſen, oder vielmehr wären nicht fo entgegeu- gefeßte Marimen und Triebfedern ihm in den Weg getres ten, fo müßten wir vielleicht von einem Philoſophen Plato nichts; fo Würden vielleicht feine geiftreichen Schriften nicht in das Publikum gefonimen fein. Sein Beobachtungsgeiſt wurde vorzüglich auf die Menfchen in ihren gefeüfchaftlichen Verbindungen, auf ihre Hands lungen, auf ihre Triebfebern und Marimen geleitet. Seine Beurtheilungskraft bekam daher Gelegenheit, bag - was gewoͤhnlich gefchießet, und bag, was geſchehen foll, zu unterfcheiden. Wir dürfen aber hier nicht vergeſſen, daß die Bildung, Welche fein Geiſt durch Sokrates Um⸗ gang, Unterricht und Leitung erhielt, an allen dieſen Folgen den größten Antheil hatte, und baß jener Um fland nur als Anlaß und mitwirkende Urſache betrach⸗ tet werben muß. Doch es iſt num Zeit, daß wir ben Baden, wo wir ihn oben abgeriffen haben, wieder an- Inüpfen. Plato hatte ſchon den Kreis von Keuntniffen, wel⸗ che junge Leute damals gewöhnlich lernten, durchlaufen, phllofophifche Vorleſungen bei dem Kratylus und wahre fcheinlich bei noch mehreren gehoͤret, vielleicht auch Were fe von Altern Dhilofophen, als Eenophanes und Parme⸗ nides geleſen; er hatte bereits, wie wir geſehen haben, in verſchiedenen Arten der Dichtkunſt Verſuche gemacht, und wollte eben vier dramatiſche Stuͤcke auf das Thea⸗ ter bringen, als er mit dem Sokrates, dieſem liebens⸗ wuͤrdigen 42) Epiſtol. VII: G. 94, 96. Ä — 27 — wärbigen Weiſen bekannt wurde, und dadurch die Aus⸗ Bildung feines Geiſtes beſchleunigte. Dach den Zeug⸗ niffen der meiften Schriftſteller führte Arifto ſelbſt feinen gwanzisjährigen Sohn zum Sofrates, indem er glaubte, daß der Umgang mit diefem Manne fehr nüzlich für den⸗ ſelben fein werde ). Diefe Begebenheit iſt mit einigen wunderbaren Umſtaͤnden, vielleiche blofen Zufägen, ver- flochten, bie aber doch einigen Grund haben fonnten. Die Nacht zuvor hatte Sokrates folgenden Traum: ge» habt: Ein. junger Schwan flog von dem Altar, welcher in der Academie dem Amor geweihet war, weg, fezte fich auf den Schoos des Sofrates, und erhob fich endlich mit einen: alles bezaubernden Sefang im die Lüfte. Als Bofrated den Morgen darauf feinen Schülern dieſen Traum erzählte, kam eben Ariſto mit feinem Sohn ges sangen. Der Anblick eines Jünglinges, deſſen Aeuffes res fo viel Bortrefliches verfprach, entzuͤckte den Sokra⸗ te8; er wandte fich zu feinen Schülern und fagte: der Dort ift der Schwan auf ber Academic. Die angefiihr- ten Schriftſteller erzäblen diefes nur als Sage, welcher es an den: gehdrigen hiſtoriſchen Gründen fehlte. Unter deſſen wer bie lebhafte Einbildungskraft des Sokrates, and feine Ueberzeugung von dem Bedeutungsvollen ber Träume bebentt, der kann ed gar wohl annehmen, daß fo etwas habe gefchehen koͤnnen. | | Bon den acht Jahren, melche Plato in dem Um» gange mit dem Sokrates verliebte, twiffen wir wenig mehr als Nichte, fo intereſſant auch der Detail. alter Fleinen Umſtaͤn⸗ 42) Apuleins, @. 366. Digg. IH, $. Olympiodor, ©. 385. Aelian erräplet den Anfang der Bekanutſchaft beider Maͤu⸗ ner anf eine andere Art, deren Wahrheit er aber ſelbſt nicht verbürgen mil. Plate wor aus Armuth genäthiget Dat Seolbatenleben ıu ergreifen: ald er aber im Begriff mer, feine Raͤtung ſich einzukaufen, führte ein Zufall den . Gofzates zu ihm, der durch feine erſte Unterrebung ihn gu einen aubern Entſchluß An . —⸗ 18 —. ‚Umftände und Begebenheiten für uns ſein müßte, weil er und zwei große Männer bed Alterthums vieleicht vor ganz neue Seiten geigen würde. Wie viel merkwuͤrdi⸗ ges würden wir insbefondere über den Bang der Ent⸗ wickelung und Ausbildung des Geiſtes des Plato erfah- ren, wenn die Befchichte dieſer Periode feines Lebens 'et- was anders, als die duͤrftigſte Sammlung einiger Bruch⸗ ſtuͤcke fein koͤnnte. | Ä Sofrates mußte fich fehr fressen, daß eine Fleine Bekanntſchaft fchon das Urtheil beftätigte, welches er bei dem erſten Anblick aus feiner Phyſiognomie gezogen hatte, und feine Erwartung befriedigt. Er entdeckte an ihim. alle die ſchoͤnen Eigenfchaften, deren Aeußerung daß Intereſſe feiner Schriften ausmachet: eine lebhafte für alles Schöne empfängliche Einbilbungsfraft, Wik, Scharffinn; er bemerkte aber auch, daß das Triebwerk, welches alle feine Geelenfräfte in Thaͤtigkeit gefegt hatte, nichts als Ehrbegierde war. Sokrates hatte daher nicht nöthig, durch getwiffe Reize diefe Vermögen aufzu⸗ regen, fondern er gab ihnen nur eine beſtimmte Richtung vermoͤge des Ehrtriches, welchen er, als ein guter Erzie⸗ ber, fehe zweckmaͤßig zu benugen wußte. Er veredelte diefen Trieb, indem er ihn von den Begenfländen abzog, an welchen er äußern Glanz ſuchet, und auf diejenigen Hinleitete, welche und in unferm eignen Bewußtſein ebe heben ”). . Eine Folge davon war, daß er alle feine dra⸗ matifchen Gebichte verbrannte, und der Dichtfunft anf immer entfagte. Go leicht übrigens das Gefchäft der Ersiehung von Seiten des Geiſtes fein mußte, weil Plato fehr folgfam war, und, wie mir fcheint, außer feinen guten Anlagen fehon viel Empfänglichkeie für dag Sitt⸗ liche 43) Apuleius. & 38, lamque carminum eonſidentia elatus, tertatorem fe profiteri cupiebat, niſi Socrates humilitarem cupidinis ex eius mentibus, spuliflet, er ' verae laudis gloriam in ejus animum inferers curaffer. — 19 BE liche befaß, fo ſchwer wurde es bem Sokrates, feine Wiß⸗ begierde, ſeinen Forſchungsgeiſt zu befriedigen. In allen ſeinen Unterhaltungen warf er Fragen auf, erhob Zweifel, foderte immer von neuen Gründe, ohne ſich durch Die gegebenen befriedigen zu laſſen, und machte feinem Lehrer damit nicht wenig zu fchaffen ). Diefe Lebhaftigkeit und Ihätigkeis bes Geiſtes konute dem So⸗ -Srates nach feiner Denfungsart nicht mißfallen, eben fo wenig, als daß Plato ſchon bei feinem Lebzeiten Dialo⸗ gen ſchrieb, in denen er ſelbſt Die Hauptperfon vorſtellte, und auf eine Art disputirte, welche nicht ganz bie ſeini⸗ ge war. Es giebt zwar viele Schriftſteller, welche glau⸗ ben entdeckt zu haben, daß Sokrates keinesweges damit zufrieden geweſen fei, daß er ihm fo viele Sachen andich« tete, an weiche er nie gebacht hatte. Allein fie koͤnnen feinen eingigen befriedigenden Grund ober vollguͤltiges Zeugniß für ihre Behauptung aufbringen. Das einzige, worauf fie fich berufen, kann nichts für fie beweiſen, weil ed zweideutig if. Als NMato feinen Eyfid In Gegen wart des Sofrates vorlag, fol er, wie man fage, ande gerufen haben: O Hercules! Hercules, wie viel dichtet mir der Juͤngling an *). Einmal iſt es nicht ausge. macht, daß Sokrates dieſes Urtheil, mit dieſen Worten und auf dieſe Art ausgeſprochen hat, es iſt vielmehr wahrſcheinlich, daß dieſe Sage auf verſchiedene Weiſe erzaͤhlet worden iſt *). Geſezt aber auch, bag Zaftum habe feine Richtigkeit, fo am man boch auf feine. Weife irgend 44) Der Ungenenute Derfaffer feines Lebens in der Biblio⸗ thet der alten Literatur, ©. 13. Hera de ve vw udn peridpe Lunparuı, za Reaypäte wagnexun ar Ta Lie KERTO: OU TaıG wos aurey avraufeeı. 45) Diog. III, 35. Omss de un: Zunparıy anudarta Tov Mei weynassertıs Iaruves, Haan, une, ds woME um narebede)‘ S evavımer 46) Der unbekannte Bingen ersählet das Faktum fo, © vn wen —RXR en dd wstıge un 6 —* xęearned. — — —N — — a40 — irgend einen Verweiß, Beſchuldigung, oder auch nur Mißbilligung des Sokrates daraus ſchließen. Es waͤre ſchon Unbeſonnenheit von dem Plato geweſen, wenn er eine Schrift dem Sokrates haͤtte vorleſen wollen, welche fo befchaffen geweſen wäre, daß fie feinen Unwillen hätte zeigen muͤſſen. Nun koͤnnen aber jene Worte gar wohl die Bebensung haben, daß Sokrates die Reichhaltigkeit und Sruchtbarkeit bes Geiſtes det jungen Mannes mit attifcher Feinheit, welche ſich mit folchen Ironien fehr gut vereinigte, loben wollte, worauf auch ſchon bie Worte des umbelannten Biographen Anleitung geben. Athenaͤus erzähler noch eine Anekdote, welche bie Unzer friebenheit des Sokrates vielleicht cher beweiſen könnte als die vorhergehende, wenn ſie nur nicht alle hiſtoriſche Wahrſcheinlichkeit gegen ſich haͤtte. Es traͤumte mir, ſoll einſt Sokrates in Beiſein des Plato und anderer Schuͤler geſagt haben, du waͤreſt eine Kraͤhe geworden, und haͤtteſt mir den Kahlkopf zerhackt; ich ahnde daher, daß du einſt ben Leuten viel Lügen von mir vorſchwa⸗ gm wirſt “). Verdiente auch Athenaͤus bei feinen vie⸗ len Anekdoten von ben Philoſophen überhaupt viel Glau⸗ ben, fo wäre doch diefe ganz gewiß ungegrünbet, da wir für dad Gegencheil ein viel gälsigered Zengniß’ haben, und bad von einem Schriftkieler, welcher ein Zeitgenoſſe und Mitſchuͤler des Plato, dabei aber auch fein Neben buhler war. enophon, der, wie auch Plato Im umge fcheren Fall thut, faſt gefliſſentlich vermeidet, dag Plato nur mit einem Worte zu erwaͤhnen, kann doch nicht umhin, einmal gleichſam im Vorbeigehen anzumer⸗ Sen, daß Sokrates den Plato auf eine vorzuͤgliche Urt hochgefchägt habe *). Dieſes einzige Zeugniß, oder Diels xearuc. Sdy TO Krmpar aurr ur dssanıne Ay ja day Yarsı, nas 4P’ dsor Jura, naı. pc u Iaası, 47) Athenaeus Dipnof. edit. Calaub. L,X. ©. $07. 48) Xenoph, Memer. Socr. Ill, 6. Zuxpuryg ds euruc mv ausm dim Te Xapuıdyv Tov [raunnveg zus dım TIABTUYG, «“ vielmehr Diefer Winf, wiegt alte neuere Sagen auf, und befonamt durch · die Seſtanung und das Betrazen des Plato gegen ſeinen Lehrer noch mehr Gewicht. Malato liebte und ſchaͤtte ben Sokrates fo ſehr, ald er wach feinem wortreflichen Charakter verdiente. Hier⸗ von geben nicht aller feine Schriften ſehr viele Proben, indem er den Srkrates nach einer Denkungsart mit den treflich ſten Zügen barflellet, und ihn gegen alle ungerech⸗ te Beſchuldigungen mit aller Wärme vertheidiger, ſom derm er bewaͤhrte auch feine Geſinnung durch Handlun⸗ gen. AB er angellagt war, beſtieg er den Rebnerſtuhl, wm die Richter vom feiner Unfihuld zu Überjengen, ob⸗ gleich ber Erfobg feinen Muuſth nicht entſprach. Denn das Geſchrei des verfammelten Haufens noͤthigte ihn herabzufleigen, als er kaum augefaugen hatte) Erito, Critobulus, Apoſlodsrus und Plato rebeten dem Sokra⸗ tes zu, er follse-ven Dichter eine Summe als freimiliige Geldftrafe anbieten, um ſich son einem Härtern Urthefl Ioszufaufen, und fir wollten aus Ihrem Vermaͤgen drei Fig Deiwen zufammenlegen ”). Obgleich Sokrates ihr Anerbieten nicht amahm, fo war es doch ein ſicherer Deweis ihrer ungcheuchelten Geſtnaung gegen ihn. Der ob diefes tugendhaften Mannes, dieſes vortreflich en Lehrers und zaͤrtlichen Freundes erfuͤllee fein Herz mit dem ſtaͤriſten Gefuht, cheils des Schmerzes, theils des Ümmillend gegen feine Feinde ). Atheuans erjgaͤhlet bier eine Simefbose, bie dielleicht nicht zuverlaͤßiger MR als die andere, deren er fo viele geſammlet Bat. WIE einig von deu 36alngen b bed Sokrates nach feinem Tode gan 33 u heben 49) Digg. II. 41. aus dem Jaſtus !iwrind, einen ſohr junge Schriftäeher. Daß Hate den Sokrates vor Grit diget Habe, if fehr wahrſcheinlich. Renoph. Apolog. 50) Platu Apolog. &. 38. Xenoph. Apolog. s) Phaedo, ©. 265, 267. Epitft. vu. ©. 94, 95. Plutaran. -de vita morali. 1. 1]. 6 49. | — 22 — niedergeſchlagen und muthlos waren, nahin Plato, bee In ihrer Geſellſchaft mar, einen Becher, ſagte, ſie ſoll⸗ ten ben Much nicht ſinken laſſen, ce fühle fich ſtark genug, ‚die Lehranſtalt des Sokrates fortzufegen, und reichte ihn dem Apolloder hin. Allein diefer fagte mit Unwillent Sicher möcht ich den Giftbecher vom Sofeated, ald von - dir den Weinbecher annehmen). Es mag zwar immer wahr fein, daß fich Plato noch als Schuler ſchon vorge⸗ nommen haste, eine eigene philoſophiſche Schule zu er⸗ zichten ; es kann diefer Borfag nach bem Tobe des So⸗ krates zu mehrerer Stärfe gelanget fein: aber biefe® Betragen ſtimmt doch nicht mit feinem Charakter über en, und hat manche Zeitumfände gegen fi. Sollte er allein fo unempfindlich geweſen fein, daß er bei dem mitleidigen Schmerze feiner Mitſchuͤler nur allein an Bes Sriedigung feined Stolzes dachte? Stumpf an Berfianbe und Gefüpl müßte er geweſen fein, wenn er bucch Zus Seinglichfeit gu der Stelle bed Sokrates den Schmerz berfelben über ben Verluſt ihres- unvergehlichen Lehrers Hätte lindern wollen. Und biefes follte er zu einer Zeit gethan Haben, da fie alle wegen eines Ähnlichen Gchich- fals, ald Sokrates erfahren Hatte, in Sorgen waren, amb die meiften es nicht für rathſam hielten, in Athen zu Bleiben? Waͤre es dem Plato damals tin Ernſt geweſen, an Sokrates Stelle Philoſophie zu lehren, und haͤtten es bie Zeitumſtaͤnde erlauhet, fo wuͤrde er ganz gewiß feinen Plan ausgefuͤhret haben, ohne ſich an die Unzu⸗ friedenheit der andern zu kehren. | J Ehe ich weiter fortgehe, muß ich noch etwas ber ‚das Berhältniß des Plato zu den übrigen Sofratikern, Über ihre Kälte und Eiferfucht gegen einander fagen. Athenaͤus und Diogenes haben eine große Menge von Folgen Nachrichten gefanmiet, welche faſt alle die Ab⸗ ficht " '$6) Arhensetts, 1, XL. ©, 507: _ 22 ·— ficht haben, Schwachheiten und Fehler des plato in ih⸗ rer Bloͤße aufzudecken, oder vielmehr durch Zuſammen⸗ ſtellung derſelben feinen ganzen Charakter in Schatten zu feßen. Ich habe mid oft gewundert, wenn. ich geſe⸗ Gen habe, daß angefehene Schriftftellee der neuern Zeis ten dieſen Schriftſtellern auf ihr Wort geglauber und das ganze Earricaturgemähfde wieberhoßlet haben, ohne . ° die Nichtigfeit der einzelnen Züge zu unterfuchen, ohne dfe Quellen, woraus fie gefloffen find, zu präfen, ohne nach dieſer vorgaͤngigen bifkorifchen Kritit und Schei- . dung des Falſchen von dem Wahren, vie Fakta unter einem allgemeinen Gefichtspunft zu faffen, und nach ih⸗ gen Urfachen zu forfchen — ein Werführen, Sei wel⸗ chem man immer in Gefahr ifl, gegen ben einen ober an⸗ bern ungerecht zu fein, ‘und den Ehnrafter der Perſonen im falſches Licht zu ſetzen. Ich will daher alle jene Fakta, und der Volſſtaͤndigkeit wegen auch ſolche, welche rigent⸗ lich in die folgende Periode gehoͤren, zuſammenſtellen, ihre Richtigkeit průſen, und endlich uͤber das nicht freund⸗ ſchaftliche Verhaͤltniß der Sokratiker überhaupt einige Unterficchungen anftellen. Die angeführten Schriftſteller beſchuldigen den Plato, daß er in dem Betragen gegen die meiſten So⸗ iratiker Spuren von Neid, Eiferfucht, Verachtung und Bosheit zuruͤckgelaſſen habe, welche feinen Charakter ſehr verdunkelten. Plato gedenket des Renophons in allen ſeinen Schriften nur nicht mit einem Worte, auch wicht einmal’ in der Apologie und dem Phaͤdon, we er neben den Äbrigen Sokratikern auch eine Stelle haͤtte belom⸗ men muͤſſen. Er erklärte, i um feinem Gegner wehe gu thun, die Eyropädie für einen’ Bloßen Roman. ' Nicht anders machte es Zenophon. Din Nahmen des Plato ließt man bei ihm nur ein einzigesmal. Als Plato die zwei erſten Bücher dee Republik herausgegeben; hatte, ſcheieb Eenophon feine Cyropaͤdie, um dem Platoniſchen Ideal Uns Etagtes ein anderes Zei zu ſetei. —— 24 ucht — 24 — fucht ͤufferte fich auch darin, daß beide ähnliche Scheiſ ten verfertigten, nehmlich eine Apologie des Sokrates, ein Sympoſtum “). Dieſe erſtern von dieſen Faktis ha⸗ ben der Hauptſache nach ihre ungezweifelte Gewißheit, aber die leztern find wo nicht falfch. doch zum wenigſten ſehr zweifelhaft. Wenn Plato fagt, Cyrus habe, wie ‚ er fi) die Sache vorſtelle, keine vorzügliche Erziehung: genoffen, fondern von Jugend auf an eine harte Lebens⸗ art gewoͤhnet, fei er ein guter Soldat geworden, und Habe, da er fein ganzes Leben Krieg führte, ſich wenig. um feine häuslichen Angelegenheiten und bie Erziehung feiner Söhne bekuͤmmert, fo kann man daraus noch nicht ſchließen, daß er durch biefe Darficllung den Zenophou babe kraͤnlen wollen, gefegt auch, daß er die Cpropaͤ⸗ bie für einen bloßen Roman erkläre biste ’*, Cine andere Worftelungsart, eine Wiberlegung eined Gegners: verraͤth noch keine haͤmiſche Gemuͤthsart, und wenn ſie mit Verſchweigung des Nahmens bed Gegners, mit Be ſcheidenheit, wie bien vorgetragen wird, vielmehr Ach ⸗ tung ober Schouuug. Das. weite Vorgeben, daß Tenophon bie Cyropaͤdie gegen die zwei erſten Buͤcher ber. Republik geſchrieben Habe, um ein anderes Ideal ber Regierungslunſt aufzuftellen, bat beinahe nichts für und alles gegen ſich; denn da in den zwei erfien Buͤchern noch Fein Ideal eines vollommenen Staates vorfommt, . fo konnte auch Tenophon feine Cyropaͤdie in der Abſicht nicht aufſetzen, um dem Plato zu widerſprechen. Beide Werke muͤßten ſich auch in Ruͤckſicht auf den Zweck und Nan nicht fo weit von einander eutfernen. Die Aehn⸗ lichkeit der Schriften kann nicht den geriugfien Bewpeis grund abgeben, ba fin bie Mologie ausgensmmen, fo: umbsteächtlich if, und. beim Sympoſtum nur in Dem: '93) Dieg. HI, 34 - 37. Athenzeus, L XI. ©. sog, yor. - Gellios, XIV, 3-0. J s de qib. A. ata Om. NR er | ' . *t Nahmen liegt, hit Verſchiedenheit aber im der Abfiche und Ausführung weit größer if. Alſo bleibt nur ein einziges Faktum übrig, daß feiner bed audern gedenket, wesen Fensphon nur ein tinsigedmal eine Ausnahne macht. In den zwei Faͤllen aber, wo man dem Plats dieſes Stilleſchweigen am hoͤchſten aurechnet, in der Apologie und dem Phaͤdon, kaun man ben Charakter des Plato nicht in Auſpruch nehmen. Deun in dem leztern Dialog macht er wur diejenigen Sokratiker nahmhaft, welche au Dem Sterbetage des Sokrates zugegen waren ober kin konnten, worunter Eenophon nicht gehoͤret; in der Ayologie aber, that er ed bewegen nicht, weil bie Athe⸗ sienfer damals nicht gut auf ben Zenophon zu fprechen waren. Daß aber Plato und Zenophon, biefe Faͤlle ab⸗ gerechnet, fo wenig an einander badıten, als wenn kei⸗ ner exiſtirte, fcheint freilich. zwar eben keine Feindſchaft aber doch eine gewiſſe Entfernung und Trennung ihres Herzens auznkuͤndigen, deren Urſachen vielleicht nicht ſo werfückt ind, af ſie ſich nicht errathen Lisßen. Was man dem Pluto in ſeinem Betragen gegen deu Leuophon zur Laſt leget, laͤuft auf fchrifeftelierifche Eiferſucht hinaus, welche ſich noch inuner in den Schrau⸗ fen der Staͤßigung erhaͤlt. Weträchtlicher aber und füs feinen Charakter narhiheiliger ſind bie Ergäbhätgen von ſeinen Beuchnen gegen den Aeſchines. Die Unterre bung, welche dieſer in dem Gefaͤngniß mit dem Sokrates hielt, um ihn zur Flucht zu uͤberreden, legte er aus Lieb⸗ leſigkeit gegen den Aeſchines, oder deswegen, teil dieſer Sch mit dem Ariſtippus beſſer als mit ihm vertragen Eownte, dem Erito in deu Mund”). Als ſich Plate an dem Hofe bes Dionyſius aufhielt, kam auch Aeſchi⸗ nes dahin, um einige Erleichterung in feiger Armuth in finden. Anſtatt ihn durch eine Empfthlung bei dem 35 | König . 55) Atchenaeus, 1, XI. G. say. Diogen. 31, 6. II, 36 ', je 26 — König su unterſtuͤtzen, verachtete ibn Yet *). Als fie darauf Beide wieder in Athen waren, ſchaͤmte ſich Nato nicht, feinem armen Mitſchuͤler ben Zenofrateg, feinen einzigen Schäler, zu entziehen ). — Das erfle Faktum beruhet auf ber Auffage bed Idomeneus, der ein Buch von ben Sofratikeen fchrieb,: aber oft wegen feiner Unzuverläffigfeit getadelt wird **). Seine Treue erſcheint ſchon durch dieſen einzigen Bericht in einem zweidentigen Lichte. Denn nad) bem Zenophon waren es zwar meh⸗ rere Freunde, welche den Sofrates heimlich aus dem Ge⸗ fängniffe entführen wollten, allein Krito ſcheint doch bie Hauptrolle dabei gefpiefet zu haben, weil ein Mann von An⸗ feben und Vermögen nur an eine folche Unternehmung denken fonnte. Welcher Partheilichkeit hätte auch Plato fi) ſchuldig gemacht, wenn-er einen Math, der vom Sofrates fo-fehr getabelt und verivorfen wirb, auſtatt dem Nefıhines, einem anbern beigelegt hätte. Bti dem zweiten bat Diogened feine Gewaͤhrsmaͤmier nicht anges führet, fonbern er erzaͤhlet es nur ald Sage. Nun tritt abrer Plutarch dagegen auf und erzaͤhlet gerade das Ge⸗ gentheil ). Das drilte berichtet Athenaͤus allein, ohn⸗ irgend eine Quelle anzufuͤhren. Es verdient daher auch ſchon an ſich wenig Glauben, weil Achenäus oft ohne alle Kritif fompilivet. Wenn es wahr ifl, daß Zenocra- "206 in feiner früben Jugend den Plato hörte, daß Aeſchi⸗ nes ſirh bei dem Dionpflus fo lange aufhielt, Bis ihn Die aus Sicilien vertrieb, und daß er darauf, als er nach Athen zuruͤckkam, es nicht wagte, oͤffentlich Philoſophie zu lehren, weil Plato und Ariſtipp ſchon aligemeinen Beiſall erhalten hatten”), fo iſt jenes eine offenbare Er⸗ dichtung. 56) Diogen. III, 36. 11, 62. J 57) Athenaeus, 1. XI, ©. 5oy. 8) Plutarch. Pericle, S. 157. Demefthen. 853, 956, 59) Plurarchus de difcrim. adulat. ©. 67. , ART . — 27 — dlchtung. Doch ich bin muͤde, mehrere bergleichen Ex» sählungen, welche das Gepräge der Balfchheit offenbar au fg tragen, und nicht einmal den Beglaubigungs« ſchein von einen angefehenen Schriftſteller erhalten bar ben; amjuführen und fie zu widerlegen. Man fann ſchon aus den gegebenen Proben ben Schluß giehen, La .. man überhaupt bei allen ſolchen Aneldoten ſehr mie : trauiſch fein muͤſſe Anterbdeſſen wenn auch alle dieſe und aͤhnliche Weberlieferungen weiter nichts als Erdichtungen find, welche bie leichtgläubigen Schriſtſteller ber ſpaͤtern Zeit .. shne alle Pruͤfung gierig aufnahmen, fo faun man doch nicht glauben, baß fie ohne allen @rund erbacht tuorben ind. Es iR nehmlich mehr als wahrſcheinlich, daß: eine Art son Eiferfucht ober auch Kaltfiun unter den meiſten Se⸗ krotikern geherrſcht habe, Deren Aeuſſerungen, fo lange als Sokrates labte,. durch bie Verbindung als in, : zub durch bie allgemeine Aebe gegen ihren Lehrer, und adlich durch den nrächtigen Einfluß der Ermahnungen des lezten zwar zuruckgehalten wurden, aber auch ber» nach Defio ſtaͤrker anebrachen, weil fie feinen Widerſtand weiter fanden. Dieſes Verhaͤltniß erſtrecket ſich nicht allein Aber den Plato In Beziehung auf die übrigen So⸗ Seatifer, ſondern faft ohne Ausnahme auf alle diejenigen, Die ich auf eine Art ausgeichneten. Die Urfache davon war, wie mir fcheinet, folgende: Der Eharakter ihres Geiſtes und Herzens war zu fehr verſchieden, daß eine engere Herzensvereinigung nicht wohl als moͤglich zu denten iſt. Sie alle hatten Antheil an dem Umgange und ber Bildung des Sokrates gehabt, aber jeber blieb Boch das, was er geweſen war; jeber brauchte diejenigen Umterrebungen, welche feiner Denkungsart und feinen Sedankenſyſtem fich am meiſten naͤherten; jeder machte einen eignen Gebrauch und Anwendung von feinen Leh⸗ ren und Ermahnungen, und bildete fich durch, aber un (hen u 825 — , een nach beit Sekrates ) Mer feiner allgemeihie Hechfchaͤtzung uuh Liebe, worin feine Zdglinge gleichſam wetteiferten, war «8 natuͤrlich, daß fich jeber einbildete, er habe den. Soktadts am beften verſtanden, feine Weis⸗ peit am richtigften gefaßt, und feine Haublungsweife ſich su eigen gemachte. Daher fand feber etwas an dem andern zu tadeln, wenn er etwas Eigenthuͤmliches im Denfen und Handeln hatte, indem er nur allein glaubte feinen Lehrer richtig fopieret zu haben. Zu diefer Eigen- Habe gefellee fich Bei einigen eine Act von phllofonhifcher Opmtelerang, bie. 28 nich Heiden ‚Founte, baß jenen außer deu Bemühungen bed Sokrates noch andere Wege unb Mittel verfächte, um Philoſophie fich verbient zu sehen. Sie glaubten, Sofrated, ber nicht allein. vom Menſchen, ſondern anch durch Orabelſpruͤche für bei Weiſeſten fei erklaͤrrt worden, muͤſſe bie Yhilofopbie voll enbet Gaben, und es fei Thorheit, über feine noch eine andere geünben zu wollen. Dieſes fcheint.mir vorzuͤglich der: Fall beim Plato:zu fen, der als ein Abtränhiget Von ber Sokratiſchen Schule augefehen sonrbe, ba er zwar mit dem weſentlichen Recke ber Sokratiſchen Philloſe⸗ pꝓhie zufrieden war, bagegen aber auch nach einer wiſ⸗ freufſfchaftlichen und ſpſtematiſchen Erkenntuiß derſelben ſtrebte; ba er, um ſeine Wißbegierde zu befriedigen, Rebe fen in feine danbe that, mit andern Philoſcrhen in Benz bindung Bat, und aus allen Büchern, bie er nur Befome men fonute, Nahruag für feinen Geiſt ſuchte. Diefe® iſt dit Quelle von vielen’ Urteilen über den Plato, Wehe che man in den Briefen ber Sofratifer finde. Gier finb zwar nach dem einflimmigen Urtheil des Gelehrten un⸗ aͤcht, und der ſpaͤtere Schriftſteller has ſich burch laͤcher⸗ liche Unrichtigkeiten wur gu ſehr verrachen ; aber ed liege ihnen doch mancher hiſtoriſcher Stoff zum Grunde, bet: J der 61) Cic. de Oratore 11, ı6 _ 239 it ber Werfaffer mur auf eine ſehr ungefchichte Art verar⸗ beitete. Daher vermuthe ich das nehmliche auch bei biefen Urtheilen, wie auch aus ben vielen Anekdoten, welche Diegenes und Arhendus gefammelt Haben, zum Ueberfiuß erhellet. Ein Umſtand fam noch dazu, der bie Eiferfucht der Gofratifer reisen mußte, daß Plato durch fein Philofophiren einen fo ausgebreiteten Ruhm erhielt, ber fie ga verbunfeln ſchien. Bei dem Plato kann weber die eine noch die andere Urfache gewirkt haben, benn er batte eine liberale Dentungsart, und das Glück hatte ihn über Eiferſucht hinweggeſetzt. Allein die Denkungs⸗ art der einen, welche von feiner andern als Sofratifchen Shilefephie hoͤren wollten; und der Charakter der an» dern, der von feinem ® verſchieden war; die Nachah⸗ mungsfucht der andern, weiche nichts als den Sokrates kopieren wollten; vielleicht auch mancherlei Handlungen, die ihn kraͤnken mußten: - diefe Urſachen zuſammenge⸗ nommen tmaren hinreichend, eine gewifle Entfernung und Zuruͤckhaltung hervorzubtingen, welche aber, fo weit man vermuthen kann, keinen ſolchen Einfluß auf fein Detragen hatte, daß er die Pflichten der Menſchlich⸗ feit aus den Nugen gefazt bite. Sie -Auffert fich in feinen ‚Schriften durch Stillſchweigen, auch da, mo er Meinungen von ihnen anfähree, welche er tadeln mußte, and er nennt fie, ein Paar aufgenommen, nur da, 109 er hiftorifche Uniftände vom Sokrates anführe. Doch ſcheint es, als wenn Cebes und > Plate Imalge Freunde geweſen wären *). Nach vem Tode des Sokrates machte Date nebſt anderu Sokratikern cine Reiſe nach Megara, und hielt ſich einige Zeit bei dem Euclides auf”). Sie glaubten nehmlich in Athen nicht ficher gu fein, und befuͤrchteten, die 63) Beil. KIN, ©. 179 63) Diog. 111, 6. 11, 7%, and dem —XR [ >» die Rachſucht der Feinde des Sokrates moͤchte durch ein Opfer noch nicht befriediget ſin. In Megara hatten ſie nicht allein voͤllige Freiheit und Sicherheit, ſondern genoſſen auch das Vergnuͤgen, daß fie von ihrem Mit⸗ ſchuͤler auf. eine freundfchaftliche Art aufgenommen und bewiethet wurden. Es ift wegen Mangel an Nachrich⸗ sen ungewiß, ob alle Sofratifer oder nur einige, und welche, fih nach Megara begeben Haben; wie lange ſte ſich bafelbft aufgehalten haben, und welches ihre Des fchäftigungen waren. Bruder fagt, Plato babe ſich - vom Euclibes In ber Dialektif unterrichten | laffen *) Davon fagt aber Fein alter Schriftfteller etwas, Es iſt vielmehr wahrfcheinlich, daß fie beide in philofophifchen Unterrebungen ihre Kenntniſſe zu bereichern und zu be richtigen geſucht Haben. Daher verfichere auch Eicero, daß die Megarifchen Phllofophen viele Lehrſaͤtze vom Plato angenommen haben *). Eben fo ungewiß iſt es, ob er von Megara nach Athen zurücging, oder fogleich - feine gelehrten Reifen antrat. Doch läßt fich jenes mis mehr Wahrfcheinlichkeit behaupten, weil er vorher einige Aunſtalten und Einzichtungen gu einer fo langen Reiſe machen mußte. Wenn das wahr wäre, was Valerius Maximus berichtet, daß zu der Zeit, als Plato bie Merk⸗ würdigfeiten von Aegypten betrachtete, Yünglinge Hans fenweis nach Achen reiten, um fich von ihm in der Phi⸗ loſophie unterrichten zu laffen, fo wäre jenes nicht allein gewiß, fonbern auch, daß er vor feinen Reifen eine Schu Je errichtet hätte ö), Allein man fann auf Diefen Be⸗ richt allein nicht viel bauen, weil Valerius feine Quellen nicht angegeben hat. | Seine folgenden Reiſen find zwar fehr bekannt, aber wir wiffen von ihtnen auſſer einigen Bruchſtuͤcken faſt | gar 64) Brucker, H. Cr. Philaf. V. 1. ©. 6rr. 633. 65) Academ. Qu. IV, 43. Hi quoque multa a Platone, 66) Valer. Maxim. L VI. e7 — 31 ui ‚garnichtd. Die Beranleffung, die Beweguugsgruͤnde, und die Abficht feiner Reifen muß man mehr nad) twahrfcheine lichen Gründen muthmaßen, als daß man eine beftimmte biftorifche Nachricht davon aufweifen koͤnnte. Nachdem er fchon in feiner frühen. Jugend das Vergnügen ges ſchmeckt hatte, welches bie Ausbildung und Die Befchäfe tigung bed Geiftes gewaͤhret, fo hoͤrte er nie. auf, Stoff zu Bereicherung feiner Kenntniffe eingufammien. Sein SGeiſt unfaßte alle Zweige der Wiffenfchaften, twelche damals getrieben wurben, und er fchränfte feine Wißbe⸗ gierbe auf feine Befondere Art von Gegenfländen ein, Es konnte daher nicht fehlen, daß nicht Aegypten, Ita⸗ lim und Sicilien einen befondern Reis für ihn haben mußten, da dieſe Länder theils durch die vielen Merkwuͤr⸗ Digfeiten und ungewoͤhnliche Erfcheinungen der Natur, theil® durd) große und berühmte Männer, bie in benfel» beu anzutreffen twaren, eine wichtige Bereicherung feiner Kenntniſſe im Voraus verfpsachen. Aegypten war über- haupt bag Land, welches für den Sig aller Kultur und Wiffenfchaft galt, welches mit einer Art von Staunen erregenden Bewunderung angefehen wurde, welches (chen fo. viele Griechen mit Schägen von Weisheit bereichert zurückgefchickt hatte, wo ein Orpheus feine hoͤhern Reli⸗ giondfenutniffe, ein Solon feine. Staatsweigheit, und Pythagoras feine Philoſophie gefunden hatten, In Sie cilien und alien war noch die Pythagoraͤiſche und Elea⸗ tische Philoſophie in Flor, von welcher er, wahrfcheinlich einigen Vorſchmack aus Büchern befommen hatte, ber ihn begierig machte, eine nähere Kenntniß aus perſoͤn⸗ lichem Umgange mit ben berühmten Pyrthagoraͤern zu erhalten. Wenn alles diefes, wie es hoͤchſt wahrſchein⸗ lich ift, die Begierde zu Reifen zuerft entſlammen mußte, fo kam vielleicht noch ein Umſtand hinzu, welcher ihn uns wiberſtehlich zur Ausführung feines Entſchluſſes reiste. Sein Wunfch, für das Befte feines Vaterlandes zu are beiten, war durch manche politifche Eräugniffe, wie bie " oben oben gezeigt Haben, vereitelt worden. Bon biefer Zeit lenkte ſich ſein Beobachtungsgeift vorgüglich auf Gegen⸗ flänbe ber Staatsweisheit, auf bie verfchiedenen Gore men und Einrichtungen der Staaten, auf die Maximen der Regierungen, auf das Verhältniß der Politik zur Moral. Er wünfchte feinen Erfahrungen einen groͤßern Umfang geben, und bie Reſultate derfelben mit Beobach⸗ tungen von andern Staaten vergleichen zu koͤnnen. Daß dieſes ein Bewegungsgrund zu ſeinen Reiſen war, Iäßt fich nicht nur ans einer Stelle des fiebenden Briefes ”), fondern aus einigen Nachrichten, Die wir weiter umten anführen werden, ſchließen. Leber die Orbnung und Folge feiner Reifen find die Schriftſteller nicht einig. Nach dem Zeugniß dee Cicero reißte er zuerſt nach Aeghpten, von ba nach Ita⸗ Uen, womit auch Valerius uͤbereinſtimmet °). Quin⸗ ctilian giebt die entgegengeſezte Ordnung an, erſt Ita⸗ lien, hernach Aegypten. Bel: dem Apulejus folgen fie fo auf einander: Italien, Cyrene, Aegypten, Stalin; beim Didgenes, Cyrene, alien, Aegypten; endlich bei dem umgenanngen Biographen: Aegyhpten, Phoͤnicien, Sicilien *). Unter dieſen ſcheint bie Folge, wie fie Apu⸗ lejus angiebt, am natuͤrlichſten, und daher auch am wahrſcheinlichſten zu ſein, und fie gewaͤhrt allein den Vortheil, daß man die andern Berichte mit dieſem uͤber⸗ einſtimmend machen kann, wenn man annimmt, daß einige die erſte Reiſe nach Italien, andere die zweite, vielleicht aus Verſehen oder aus einem Gedaͤchtnißfehler ausge⸗ 67) ©. 369. CE habe ſich endlich Sberenst, fast et, daß alle :. belmmate Staaten eine Fehlschafte Berfaffung Hätten. 68) Cic. de Finib. V, 29 und ein Sragment aud dem erſten Buche feiner Nepublil. 65) Apuleius, ®. 3. Diogen. II, €. Quinctil. Inftie 5 19. aizegelaffen haden. Die Niyade des Biogenes entbehret beider Vorthelle EEE Plato reißte alfo, wenn wir die oben altgegebene Ordnung annehmen, zuerſt nach Italien oder Großgrie⸗ chenland, zu den Pythagordern, welche ſtch damaks niche allein: durch ihre Kennienäffe, fonber and durch ihre Staatsklugheit einen großen Nahmen gemacht Hatten, Rauch dem Eicero, Duimerliian und Valerius bezog fich der Entzweck diefer Reife auf’ Bereicherung feirter theore⸗ tiſchen Keinenif, nach bem Apulejus aber' meht auf eigene ſittliche Ausbilung y: N Ich glaube fein! Abſicht war, alles wiffenwurdige ga lernen, Ihre Einſichten in der Staatskunſt und in’ der Mathematik zu befihgetr, Ihre Metaphyſik ſich bekannt ‚ga machen, undalles dieſes mit Anwendung zur Cultur Rines Kopfes und Herzens. Minh aber ſehr viele und angeſehene Schriftſteller glauben, daB Plato förmlich bei den Pychagordern in die Schule gegangen 'fei, und ſch als ein Knabe in Ihre Weishert habe einweihen laſ⸗ fen, ſo ſcheinen fie miecht bebdacht zu haben, daß Pate ſchon zum wenigfien ein dreißiger ſein mußte, bei fich dei feinem nicht unbedentenden Nahmen wahrſcheiniich nicht bieſen Formalikaͤten Unterwarf.Er kän dielmehr als en’ Fremder, der die Bekanntſchaft emd den Um⸗ gang mit Gelehrten and Staatsleuten fuchte, miid unter dem Titn eines Liebhabders aller gelehrten Kemictilffe bei allen, die von eben bemſelben Intereſſe bellbet iwaren/ eine: freundſchaftliche Aufnahme ertvarten konnte, und ich ſand. : Unter Dicken imftänden mußte er in ein Verhaltuiß oer Sleich hett mit ven Pythagotdern treten, 7 welches a DT WETTEN Ta. t 70) Agnltiu, Lo : Sad poſtequæm Soeratæs hodıines.rer .. Kquit, quaefiuit, vnde proficerer, et ad Pythagorae difci- „ plinam fe contulit. Quam erfi ratione diligenti er me- . gnifila infiruäem videbat, veram tanien. Contäpencitun et caſtitatem megis cupiebac imitari, € — 34 welches eine wechfelſeitige Woͤtheilutg ihrer aereniſte vu Folge hatte, wodei jeder gab und nahm, was gr.faunte; Ich kann zwar keinen vollſtaͤndigen ·Beweis Fähren, daß dieſes uub. kein anderes Verhaͤſtniß unter ihnen ſtatt; gen funden habz; ‚aber. außerdem, daß es mir ganz.;grann zu ihrer beiderfeitigen Kage:zu paffen ſchrint, farm ich noch einige, Gruͤnde aus den ſo mangelhaft — Nachrichten anfuͤhren, wziche weiner Behauptung ziemlichen Grad non Wahrſcheinlichkeit geben. ucara erzählet in Itzn Sehen des Marcelus, wie Aechytas und Euboxus guerſt Verſuche gemacht haben, die Mechanif ten... De ſie einige ſchwere Aufgaben der Geo⸗ metrie ni t buch Demonftratipg ‚anflöfen fonateny: fo machten ‚fie ſich die. Arbeit..pucgh mechaniſche ,Brericie tungen leichter und ſuchten buch bie Erfehrung heraus⸗ zubringen fund fie a priori uicht-finden fonntep. ; im 3.8. dif Aufgabe: zu zwei gegehenen Lnien dienmicclcen Proportienallinien in finden, aufzuloͤſen, exſonnen fie allerlei Zeichnungen und Inſerumente, wodurch in: zedent Gel biegerlangee Wittellinze gleich; gegeben würde. Dierinig man iMatp ſehr aupufsichen,-umd tadelte fi. daß ‚den gpnkiten Tpraug. dar -Beopurrig, wadurch Bewer der ‚Erfahryag-unabhängig.fei, . gernichterm.;, ‚Diefex. Derrocig,fägsggtie fie von, glgm weisen mechanſchan Yon ichdfeiggngeg, Dieher Art ab. ").. ‚Djefe Erzählung wo⸗ fene-fic richtig. if, beweiſet augenfcheinlich, daß Plate feine eigenen: Ideen hatte.., fie, den Pythageraͤcen wit · theilte, und ein groͤßeres Unfehen hatte; alß fich van-eir. nem blohen Schüler voransfegen laͤgt. Ich (age nun die Erzählung ihre Richtigkeit ‚batı.‚meihes maR.dbr. Bach meiner Einficht nicht abfprechen fann. Plutarch, der auch fonft, zumal in feinen Lebensbeſchreibungen, ein glaubmüsbiger Sarfefeler Ar 2 verdienet — ſo zur ehr lg | ID Dh Der 106 Srneoie. VE 1, Pb mehr Glauben, da es feine Aficht wicht if, etwas um Nuhme des Plato zu ſagen. Hierzu fommt noch eine Stelle des Plutarchus aduerfus Colotem ©, 1126: Die Sache ſtimmt andy ſehr gut mit dem überein, was wir von der philoſophiſchen Denkungsart des attiſchen Philoſophen wiſſen. Daß Archytas ſich mit grechani⸗ ſchen Kunfiſtuͤcken beſchaͤftigte, erfahren Wir von rinem andern Schriftſteller ). - dem Plats vyn feiner Wweiten Siciſchen Reiſe macVthen zuruͤckgekommen war, bekam er bald darauf einen zweiten Ruf vom Dio⸗ anfing: Es gereuete ibn, daß er ihn, ohne nähere Bes kanntſchaft mic feiner Phikoſophie gemacht zu Haben, von ſich gelaffen hatte, als Archyiad und andere PhHlofophen, weiche vorausſezten, daß er das eigenthuͤmliche Syſtem des Plato ferne, mit ihm gelehrte Unterrebungen anfin» gen, wobei feine Unwiſſenheit aufgedeckt wurde ”). Wenn wir dieſe beiden Zeugniſſe zuſammennehmen, fo geüßte ich nicht, wer noch anſtehen wollte, bie obige Be⸗ banptung'für wahrfcheinlich zu halten, welches alles iſt, was man bei dem Mangel unmittelbarer Beweis quellen thun kann. Bie lange ber Aufenthalt des Plato in Stalin ges dauert habe, laͤßt fich nicht beſtimmt angeben, weil alle Nachrichten⸗ daruͤber fehlen. So viel iſt aber’ ausge⸗ macht, daß er dieſes Land nicht eher verließ, als bis er mm € 2 FBr ſich . 73) Gellius, A: N. X. is. Hierdurch unt ſich avch eine hi⸗ ſteriſche Gchyierigkeit hehen. Ciceros, de Diuinze. II, 42. und Diegenes VIII, 36. herichten, daß Eudoxns ain Schuͤ⸗ ler bes late gemefen ſei. Wahrſcheinlich war er in dem nehwlichen· Sinne ein Schuͤler deſſelben, als Plato für ein | Ne des Archytas gehalten /wird, und ik das, fo fallen Die Schwierigkeiten, welche Bruder Hiftor. Crit. V. I. ©. 214. und andere Dagegen erhoben haben, von ſelbſt “ Seren. 73) Epiftol. VU, &. 123. ⸗ Ave zum —— ‘en dssvouuyv syM. a — 316 — ſich die volllommene Freuudſchaft der vorzalihten vy⸗ thagorder. erworben hatte, wopon ſie in der Folge die unverhächtiäften Proben ablegten. Von Italien ging Plato nach Eprene,-.eine bes rühmte griechiſche Eolonie in Africa — ob er nicht dicke leicht im Vorbeigehen auch Sicilien beſucht habe, bleibt ungewiß,, „Mach dem. Apulejus war der Zweck bicfeg Reiſe, ui. dle Mathe vom Theodorus zu erlernen ’*), Dieſer —— Ruhm viellelcht feine Kennt ⸗ niſſe uͤbertraf, hatte in Athen jungen Leuten unterricht in ſeiner Kunſt gegeben, ſich aber wahrſcheinlich nicht langt Zeit daſelbſt aufgehalten, weil die Mathematit nicht eben ſehr von den Griechen geſchaͤzt wurde 9. Unter deſſen war doch Plato i ‚in dieſer Wiſſeuſchaft nicht ganz Frembling, als er nach Cyrene Fam, wie ſchon aud dem Obigen erhellet. Daher kann auch feine Äbſicht nicht geweſen fein, bier erſt Mathematik zu erlernen, ſondern entweder ſeine Kennenife barin zu vervollkommen, ‚oder auch eine an⸗ dere, welche durch Die Machlaͤſſigkeit der Scheiſtſieller. ‚ unbefannt geblieben iſt. So berühmt and) feine Reife nach Yegppten if, fe; wenig Zuverläffiges ift doch davon bekannt. ‚Euripided und Eudoxus follen feine, Begleiter grivefen fin "). Von dem erſtern iſt 28.falfch, denn vr war fit. der 93ſten Olympiade, alſo noch vor dem Sokrates geſtorben. Was den Eudoxus anlangt, ſo hat Brucker und andere aus chronologiſchen Gruͤnden zeigen wollen, daß er dieſe Reiſe nicht mit dem Plato habe machen konnen. Denn als Schuͤler deſſelben lonnte er es nicht, da Plato erſt nach felnet Zutuͤcktunft im bie Hafte Otymplade Iu leh⸗ ren anfing Dieſe Schmieigtei babe ich Fhon aus a dem R 74) Apuleius, G 367 — 75) de republ. Ge "in RN ) 155. de legiim VIN ster » ©. 383. 335. 76) Diogen. 1], 6. von, s6. oa — if, — dem Veye geraͤumt. Die uͤbrigen Uniſtaͤnde, daß er ein Empfehlungsſchreiben vom Ageſtlaus an den Koͤnig Nactauebis betam, find zwar dagegen, weil der erſte und zweite Koͤnig dieſes Nahmens ſpaͤter regierten, — wenn nicht etwa ein Irthum in dem Nahmen iſt, — aber die Sache fcheint dennoch richtig zu fein. Strabo hoͤrte nicht allein von ben Aegyptiern bad nehmliche, fon: dern ſahe auch noch bie Zimmer, auf welchen, wie es feheint, Heide gewohnt hatten 7). Nach dem Plutar⸗ dus") war Simmias, der Schuͤler des Gokrates, fein Meifegefäprse. | Nach einigen dauerte fein Aufenthalt in Aegypten dreizehn Jahre”). Mein dieſe Angabe if offenbar falſch. Wie wollen annehmen, baß er unmittelbar nach. dem Tode des Sokrates feine Reiſen angetreten Habe, weiches mehr if, als man annehmen Fann, fo fann er Auf feinen fänmglichen Meifen niche mehr als ohngefaͤhr fo viele Jahre zugebracht Haben. Denn als er das erfiemal: nach Gyracuß kam, war er ohngefähr vierzig Jahr alt, (alfo etwa um bie gsfle DI.) und dies ſes mußte gleich nach feiner Zuruͤckkunft aus Aegypten fein '). Nun hatte er fich aber einige Zeit bei dem Eu⸗ clides aufgehalten, war vermuthlich wicher in Athen ges weten, hatte die Pythagoraͤer in Italien, und den Theo dorus in Cyrene beſucht; dazu noch bie Zeit gerechnet, da er auf der Hin umb Herreiſe unter Weges mar, fü begreift man leicht, daß man eine beträchtliche Zahl von Jahren abrechnen muͤſſe .· Die Schriftſteller weichen ſehr von einander ab⸗ wenn fie den Zweck ber Reife angeben- Cicero ſagt, es that die Reife, um fich in der Arithmetik und Atrone- (SE 77) Strabo, 1. XVII. edit. Cafauboni. ©. 806. 78) Piutarchus de daemonio Socrat. ©. 578. 79) Serabo. 1. c. J 20) Epiftol. VII, G. 93, 99, 103. Epiſt. II, ©. 67. = il — — 39 — mie unterrichten zu laſſen ); Balerins. Marius giebt, Geometrie, Aftronomie, und die Kenntniß ber Merkwuͤr⸗ digkeiten des Bandes an”); Quinctilian ſagt, er wollte die geheimen Lehren der Prieſter kennen lernen ); Pli⸗ nius nennt dagegen die Magie 2); Apulejus bie Aſtro⸗ logie und Liturgik der Priefter *); nach dem Pauſanias war feine Abficht, eine Kenntniß von. ihren Lehren uͤber UnferSlichtei und Seelenwanberung zu bekommen °°): Ob Dlato einen ganz beſtimmten Zweck vor Augen gehabt habe, will ich nicht entfcheiden. Der de Es iſt zwar nicht zu laugnen, daß Plato auch auf dieſer Reiſe feine Kenntniſſe ſehr bereichert haben koͤnne ob aber dieſer Beitrag etwas anders geweſen ſei, als eine Sammlung von Materialien, ob ihm. bie Prieſter die Form zu feiner Philoſophie leiheten, ob ſie ſelbſt ihre Kenniniſſe in eine wiſſenſchaftliche Born gebracht hatten, dieſes find Fragen, bie vermuchlich verneinend ausfallen muͤſſen. Diefes ii zum mwenigften gewiß, und leuchtet ſchon aus den wenigen Bruchſtuͤcken feines Lebens ein, baß er feinen philoſophifchen Geiſt und bie Richtung ſei⸗ nes Berkandes auf gewiſſe theoretifche und praftifche Aufgaben ſchon mit in bie bereifeten Länder brachte, und Daher auch die Grundzüge feines Syſtems ſchon e ntwor⸗ fen hatte. | ⸗ € 4 Yu s 37) Epinomis, oter B. S. 265, 266. - 38) de legib. VII. ater B. ©. 384. de legib. V. ©. 246, de republica IV. 6er B: ©. 359. 39) de legib, .XII. ter B. G. 202. — 40 um Aus Megppten molte Plato ‚nach Syrien. und Per fien reifen, um auch mit den Chaldaͤern und Magierg Bekanntſchaft zu machen, Aber ein Krieg, ber unter befjen ausbrach — vermuthlich der, da Artaxerxes bie Aegyptier befriegte — vereitelte fein. Vorhaben“). "An fich iſt es nicht unwahrſcheinlich, daß auch: Syrien und Chaldda, das Mutterland derſchiedener Renntniffe, mit in dem Reiſeplau des Plato eingefchloffen waren. Zwei Schriftſteller von feinem großen Gewicht verfichern, daß er aus Aegypten nach Phoͤnizien gefommen, und nach bem er fich mit einigen Magiern befprochen habe, nach Skeilien .zuräckgefegele ſei ”). Das Zeugniß. beider Schriftſteller iſt am fich nicht fehr bebeutend. Man fönnte zwar eine Stelle feiner Schriften, da er kaufmaͤn⸗ nifhen Geiſt als den NRationalcharakter ver Phoͤnizier angiebt, fuͤr einen guͤltigen Beweis von der Richtigkeit jener Ausſagen annehmen, allein er konnte biefe Kennt⸗ niß aus. Schriften oder son andern Perſonen befommen haben”). Unterdeſſen erhält. jene Nachricht durch eine Erzählung, welche bein Plutarch vorkommt, ibre Beſtaͤ⸗ gung. Als Plato auf feiner Rückreife aus Aegypten nach Carien gekommen war, erſuchten ihn einige Abge⸗ vordnete von Delus, daß er den Siun eines Orakels er⸗ klaͤren moͤchte. Sie hatten nehmlich auf die Frage, mas bie Griechen thun ſollten, um von allgemeinen Plas . gen befrriet zu merden, jur Antwort erhalten ı fie ſollten den Altar des Apollo zu Delus noch einmal fo groß Mae hm. . Aus Unfunde der Matheniatik hatten fie jebe Seite verdoppelt, und daher ben ganzen Altar. achtmal: fo groß gemacht. Plato belchrte fie über ihren Schler, geigte Ihm die einzig richtige Konftruftion, und wich fie ‘ . deswegen 9°) Apuleius, &.367. Diog. II, ¶ Athenaeus, 1, X1. ©; 507. 91) Olympiodor, ©. 383. der wnbelannte Wingraph in der Bibliothek der alfen Litteratar. ©. 14 92) de republic IV. G. 359. — 4Ab— FE den Eudsrud oder Helleon PX: Dieß MR die wichtige Entdediimg von der Verboppehumg des Km End, meiche Ihm fa vielen Ruhm gemacht hat. "Die Sechriftſteller find zwar darin far willig einig, bei Plato nach. feiner Aegyptiſchen Reife: nach Steilien selonmeen fei, aber in der Angabe einzelner Umſtaͤnde und Begebenheiten meichen fie-fo fehr von einander ab, daß man nur mit vieler Muͤhe das Wahrſcheinlichere heraucfinden kann. Zum Sluͤck hahen wir nach einige Briefe vom Pate und Muxarchs Biographie des Dion, wiche und durch dir Jregaͤnge von widerſprechenden Berichten, Maͤhrchen imd Erdichtungen einigermaßen durchhelfen Finnen. Er kam das erſtemal nach Syra ⸗ cus, als er ohngefaͤhr vierzig Jahr alt mar, alſo gegen die acht uud neunzigſte Olympiade, unter ber Regierung des erſten Dionyfius . Nach den Warten aller Schriftſteller, die dieſetr Reiſe Meldung thur, war feine Ah auf nichts anders, als auf die Betrachtung des Buleans gerichtet 7); allein and dem fichenden Briefe . des Plate erhellet ſoviel, daß noch ein anderes Segen⸗ ſtand ſeine Aufmerkſamkeit beſchaͤftigte. Die Menſchen mit ihrem Charakter, Sitten und Lebensart, Ihre poli⸗ thchen Einrichtungen und Verfaſſungen waren es vorzuͤg⸗ lich, welche er besbachtett, und wahrſcheinlich waren auch diefe Dinge auf den uͤbrigen berelſeten Ländern fein vorzoͤglichſtes Augenmerk geweſen h. Die Spracufaner führten bamals ein aͤnßerſt üppiges und fchwelgerifche® Kben, worin es ihnen bie Bewohner von Sicilien und Unteritalien nachthaten. Die herrſchende Leidenſchaft nach Genuf und Bergnägen hatte alle andere Betrach⸗ tungen nad alle andere Beftrebungen aus ihrer Sede _ * Here 93) Piutarch. de Socratis dsemonio e.. 179. Valerius Ma zim. VII, 13. 9) Epifol VL, 3ß3. ) Bpiſto. VI 2) 27 Gr 1) ’ 4 4 use nen gewaltigen Eindruck auf deh Disatas, un“ fing an für feinen Thron gu zittern, Indem er bie U wegnngen bemerkte, welche Plato bei vielen Anweſenden hervorgebracht hatte. Hierzu kam noch der Verbruß, daß er im Dieputiren den: Kuͤrzern gegogen hatte. Es fehlte alſo nicht viel, daß er die Freimuͤthigkeit des Mi⸗ loſophen in derseſten Hitze mie dem Tode beſtraft haͤtte, wann Dion und: Ariſtomenes ihm nicht noch zugeredet haͤtten. Dieſe glaubten aber doch, daß er nun in Sy⸗ tacuf. nicht Kinger ohne Gefahr fein koͤnnte, mietheten ihm daher eine Stelle auf einem Schiffe, welches be Polis, einen Lacebämonifchen Befandten, (nach dem Olym. pibor einen Kaufmann von Aegina) nach Hauſe bringen Dionyftus erfuhr es und beſtach den Polis, dag er in auf dem Schiffe umbringen, ober, wenn ihm das ſein Gewifſſen nicht erlaube, ald Selaven verkaufen folre. Und re wurde er von bem treulofen Polis auf der Inſel Aegina, welthe damals mit Athen in Krieg verwickelt war, verkauft. Nach andern Schrifäitdken thaten dieſes Die Aeginaten. — Ein gewiſſer Anniceris aus Cyrene, kaufte ihn um 20 ober 30 Minen (426 — 6549 rihl.) twieber ſos. PYlatos Freunde und Schuͤ⸗ ler — nach einigen Dio allein — legten dieſe Summe zuſammen, im den Anniceris zu entſchaͤdigen, ber aber fo edel geſinut war, daß er von dem Gelde einen Garten in der Moadensfe erhandelte, und den Philoſophen damit Kefigenkte '). ° Dbateich die einzelnen Umſtaͤnde nich von allen Schriftſtellern auf einerlei Art erzähfet werben, fb ſcheint doch ſo viel ausgemacht zu fein, daß er einmal feine „ Breipeit verlohr ). Plato erwaͤhnet zwar Feiner biefek Begeben⸗ nn Diogen IN. 19, — Dione, e. 959. de eranguilli- , tat. anımı l. I; ©. ' 2) Zu den —— ori rounitt noch Seheca Epift. 74. und Macrob. Saturn. I, ı5. Diodor. Sicul, KV. p- 461. edit. Steph. — 85 — Begebenheiten hrit einem Worte, zelchas aſlerdings einn gen Verdacht erregen muͤßte, wenn er nicht einmal, wie⸗ wohl dunkel, auf bie. Widerwaͤrtigkeiten, bie ihm auf ber, erſten Reife begegnet waren, anfpielte,., In dem See benden Briefe ſagt er, er fei dreimal aus einer großen GBefahr, die ihm in Sicilien aufgeſtoßen ſei, befreiet worden. Die erſte kann feine andere ſein, als diejenige, weiche ihm auf der erfien Keife begegnete ). — Ehe ich weiter geht, muß ich doc) einige Beiſpiele von bes Nachlaͤſſigkeit anführen, mit welcher zuweſlen jüngere Echriftſteller kompiliret haben. - Olympiodorus berich⸗ tet, daß Plato von Sem Polis auf Mafifren des zweiten Dionyſius verkauft worden ſei. Und der elende Komnie lator Tactzes laͤſt ihm yar- dreimal, uf jeder Reife eier mal, verkaufe werben. Nachdem Plate feineiReifen jurüdigefogrt, ud arm Ense der elben maucherlei Gefahren znd; Ungemach außa geftanden hotta⸗ Fam. er mach Athen zurock, und ſing an in der Acodemie aͤffrnich Philofpahie zu lehem · Eo hatte bier aus ſeiner vaͤtexlichen Vetlaſſeuſchaft einen Garten, ber für 500 Drachmen erkauft war*). Menn aber die Erzaͤhſang ugn Annicerig wahr ‚U, ſo müßte ir zwei Saͤrten in dieſer Gegend gehabt haben, walche and): eine Stelle. bes1Diogened vpermuthen Idis,: dg.en ſage: Plato habe zumß.in-der Atadenie baranf aber, 8, dem Gärten an den Kolonus philofenhiret)- :Seing- Seadenve ſonthe ſehr · bald beruͤhmt und van dan edelſten um» faͤttaſtan Juͤrghagen ſehr zahlreich. befuthet, Datum, ws Di (on ehe ang ‚Fan; Delfen "en —2 Epik. Va, . rg mn edle Aus vera. vera 9 eh, ©. 389; Phitarch. de Kilo ©: 63. Tune, AR 3000 Drachmen fei ex gekauft worden. Ich dermuthe aber, dap die wufnreier für v, y geleſen haben. nn. ⸗ ufen batte, u wtfeneen, eutdebet zu gewiſen srnkarm feine efoterißäre. Philoſophie nur allein feinen, wigentlichen Schülern erfläzet, oben eben dieſelbe nur fehriftlich mit getheilet haben. Yas dem AriRoteles erfahren wit, daß N Toldgen: Entwurf feiner. eſotetiſchen Ppilofophle Weber bie Merhöbe, welche ee bei feinen’ philofo⸗ phiſchen Vorträgen, beobächtert, finde ich zwei entgegen» gefezte Metnnngen. Beuckct glaubt, ſie fei nicht ver« fieden von Berjenigen gäbefen, toeldhe wir in feinen‘ Bchriften antreffen. Melners Hingegen behauptet, daß 6 bie Merhode bet SophRen arfgehöitmen. habe"). Da und hier beftimmten Nachrichte abäebeh, ſo konnen t ab ſprechen · un⸗ Unrersedilng, ſon⸗ in Syſtem erlloͤrte ‚Ber fit gerdhe ain inden fän Zweck F Ueberredulig her⸗ aan u Überzeugen"). Daher iſt 28 mir zum wenigſten heiuaͤhe ebihent daff fine Methobl, vo hicht durhhgangig, doch ii getoifen Faͤllen , zumal bel angehenden chen, biaſogiſtiſch war. Durdy diagen md "Auitcoreen’Weftofaphle‘ zu lehren war damals Httedhnlich, und feine. andere Lehr⸗ ethode paßE'(6 gut zn feine Echre'von den Ideen Ee (hrint, als yonm Plato mit den neuen Schillern allezeit eine Průfung angeſtellt habe, ob fe auch mit ben nöthl- gen Eigenfthäfgen ausgerüfee felat, Dieſe PElfng Deo fand‘ ddein, a te Ihren Dana Dingen die Warbe der Phltofopbik, dber Anch Die Schwierigkeiten vorſtelite, mit Ben dan — Bir Hrdeiien, die man übers“ Bud wehnien 1) Ariftorel. Phyfe- IV Mr... Fr zı) Epiſtol. I, & 70,7%... 0.0. a | | — 2 — uchmen muͤſſe, um ſich Dart Beſttz derſalben zer verſchaffen Bern bie Begierde durch ſolche * nicht un⸗ serbräct, fondern vielmehr verſtaͤrkt wurde; wenn Eifer umb Unwverdroſſenheit hervorblickte, fo hielt er es für ein gutes Zeichen, und glaubte, daß ſolche Schäler Anlagen und Zäbigfeiten hätten, um fich ber Philoſophie zu wid⸗ men”). Vielleicht gab er ihnen auch gemiffe Säse und Yrobleme auf, uad ließ fie ihre Kräfte verſuchen, ob fie Die nothwendigen Briimde und Beweiſe ſelbſt auffuchen, uud durch ihr eigenes Nachdenken finden koͤnuten. Diefe Anftrengung, dieſe Auffoserung zum Selbſtdenken ge⸗ hoͤrte auch mit zu ber Prüfung, welcher er die neuen Schaͤler unterwarf”). Die Beſchaͤftigung mit ber Mathematik wurde auch ale eine Vorůbung zur Philoſo⸗ pbie angeſehen, welche ben Geiſt zum Selbfidenfen und, worauf Plato vorzuͤglich ſuhe, zum Gebrauch ber reinen: — gtwoͤhnte. Nach dem Brucker foderte Blate: son feinen Schuͤlern, daß fie ſich, che fie noch Philoſo⸗ phie zu ſtudieren .anfingen, fchon mit Mathematik voll- - tonmmen befanıit gemacht hattet. Allein, da er fein einziges. Zengniß für feine Behauptung angeflip?” at, fo wird: jedermann es für wahrfcheinticher halten, baf Plato feinen Schälern auch‘ in biefer Wiſſenſchaft Untereicht er⸗ theilte, weil Be fd genau mit Philoſophie zufammenhing, und er beinahe ber größte Mathematiker feiner Zeit war. Die Platoniſche Schule Hatte auch darin mit ber Py⸗ thagoräifchen einige Aehnlichkeit, daß mit bee Bildung des Verſtandes auch Beredelung bes Herzens vereiniget war. Yoragoras hatte zu dieſem Endzweck eine Act von Or⸗ densverbindung eingefuͤhret, welche ben Mitgliedern eine‘ ſtrenge Beobachtung von getwiffen Regeln auferlegte, nud durch vie Suberdiuatwn und Disclplin, welche davon za) Epiftol. VII. —E —B— ZI. 6. TR — } — 50 — babon"ungertrennlich war, bekam er eine Art von NRegle⸗ rungsgewalt. Dieſe Einrichtung nahm Plato nicht af, fondern befolgte dabei eine ganz andere Maxime. O fich die Mine und dad Anſehen eines Negenten zu geben; der nur zu befehlen braucht, füchte er feine Freunde im Anſehung ihres moralifchen Charakter auszubilden, und. ihre Sehler zu verbeſſern, indem er auf eine Art,. welche mit dem angebohrnen Rechte auf individuelle Freiheit ver⸗ sräglich war, durch Vorftellungen, Ermahnungen und durch fein eigenes Beifpiel -auf-ihre Denk⸗ und Hanb- lungsweiſe einwirkte '*). Durch folche Mittel brachte. er den Speufippus, ber in.feiner Jugend den ſchluͤpfri⸗ gen Weg ber Ausfchtweifungen betreten hatte, zu beſſern⸗ Sefinnungen zuruͤck. Die fcharfen Ermahnungen und Bew ſtrafungen feiner Eltern waren: fruchtlos geweſen, aber Plato erweckte durch feine fanfte Behandlung und ſein ganz entgegengeſeztes Betragen das Gefuͤhl ber Scham, umb den Borfaß der Beflerung ”). . Nachdem Plato einige Jahre lang mit bielem Stube me gelehret, und fich mit. der Bildung vieler Juͤnglinge, welche ſich cheild dem Studium. der Philoſophie, theils dem gefchäftigen Leben widmeten, beſchaͤftiget Hatte: fo erfolgte in Sicilien eine Begebenheit, welche auf einmal: Die Ausficht zu einem neuen aber fchon laͤngſt gemünfche ten Wirkungskreiſe eroͤfnete. Als Dionyfius ber. erftere sefterben. war, (Dlyınpiad, 103, 2.) und fein Sohn Dionpfius der zweite von dem Throne Befig genommen . hatte, fo glaubte Dio, es wäre ber glückliche Zeitpunfe gekommen, daß Syracus und ganz Sicilien in den wüne . ſchenswerthen Zuftand der Ruhe, Gicherheit uud ber. Freiheit geſezt werden könnte, wenn nur In bem jungen Regenten das ſittliche Gefuͤbl und Liche zur Weisheit er⸗ , wachte, 14) Epiftol. 11, ©. Epiftol. VII, &. 143. ©. 106,108. 15) Plutarch. de difcrimine.enwietret Mul. G. 31. ih ma | — ®. 491. u El ) » f wachte, und er den Entſchluß faſſen wollte, lieber ale König unter dem Anfehen der Seſetze, als nach:biofer Willkuͤhr zu regieren. Plato ſchien ihm ber einzige Mann zu fein, der durch feinen Geift und € harafter im Stande fei, in dem Dionyflus eine fo große und wichtige WBeränderung herborzubringen. Es konnte ihm niche ſchwer fallen, den Dionpflus zu beſtimmen, daß er. den Plate an feinen Hof berief, weil ihm als einem fehr ehr⸗ geigigen jungen Mann ber Umgang mit bem größten Philoſophen feiner Zeit nothwendig ale etwas fehr ſchmeichelhaftes vorkommen mußte. Dionyſtus empfand auch wirklich das Beduͤrfnis einer ſorgfaͤltigen Erzie- hung, worin er von feinem Vater gänzlich vernachlaͤſſi⸗ get worden war, und ben Mangel von Kenntniffen, ohne welche ein Regent Fein Regent ober doch ein fehr ungluͤck⸗ licher Mann fein muß, wovon er ein Beifpiel an feinem Bater gehabt hatte. Aus biefen Urſachen rief er ben Plato auf eine fehr ehrenvolle Art an feinen Hof. Zu gleicher Zeit fchrieb anch Die einen Brief an denfelben, . worin er 23 an feinen Vorflellungen fehlen ließ, welche fein Gemuͤth beſtimmen konnten, den Ruf anzunehmen. Er ſtellte die Sache ald. einen Dienft dar, welchen die Freundſchaft heifche. : Menfchenpflicht verpflichte ſchon Dazu, einem jungen Fürften mit Rath und Belehrung an Die Hand zu gehen; Jezt fei der günftigfte Zeitpunfe ge⸗ dommen, um dasjenige zu realifiren, was er über die beſte Staatsverfaffung nachgedacht habe Fest koͤnne ohne Blutvergieffung und ohne gemaltfame Mittel auf Dem Weg der Leberrebung eine Revolution in der Regie⸗ rungsart, in Der. Denk⸗ und Handelsweiſe aller Sicilia» zer gu Etande gebracht toerden, welche mit den Foderun⸗ gen der Vernunft und ben Bebilrfniffen ber menfchlichen Natur harmoniſch Äbereinfinnite"). Obgleich dieſer OD2*, Antrag 260) Kpiltel VII. S. 99, 100. — ER O9 mm - Antrag ben Beſtrebungen des Plato hoͤchſt angenmfien war, indem er theild die Achtung der Weisheit unter deu Menfchen zu befördern, theils fein‘ Ideal eines Staates fo viel ald möglich zu realiſiren wuͤnſchte, fo fand ex doch fo viel Bedeniliches babei, daß er bie Sache lauge Zeit von mancherlei Seiten erwog, ohne fich entſchlieffen zu koͤnnen. Worzüglichtvar ihm dor ber Jugend det Dionyfius bange; er verfprach ſich feine Feſtigkeit in feinen Entſchluͤſſen, Feine Selbfikänbigfeit; er ſahe bie Moglichkeit ein, daß er, wie es bei Yünglingen zu ges ſchehen pfleget, ſchnell von andern und entgegengeſetten Begehrungen hingeriſſen werden koͤnͤte. Doch die Yes trachtung, daß Dio ſchon kin männliches Alter erreicht Habe, und Seftigfeit des Charakters beſitze; der Vorwurß den er-fich ſelbſt machte, def ee nur immer ſpeculire, und nicht durch Handeln den Menſchen nuͤzlich zu wer⸗ den ſuche; Endlich die Ueberzeugung, daß es Pflicht fuͤr ihn ſei, feinem Freund Dio in dieſer kritiſchen Lage bike zuſtehen, und ihn nicht aus Gemaͤchlichkeit ober allge großer Bedenklichkeit zu verlaſſen, ale dieſt Vorſtellun; gen beſtimmten ihn feine blühende Schule u verlaſſen, und nach Eicilien zu reifen”). Diefes find.bie wahren Deranlaffungen und Bewegungsgruͤnde, nach Dem tige nen Geftänbwiß des Plato, und bem Zeuguiß des Pln« tarchs, und ich finde feinen Brand, fie fuͤr falfch u bala ten, und dag um fo weniger, weil. auch die uͤbrigen Schriftſteller da der Hauptfache uͤbereintimmen und nur in einigen Nebenſachen abweichen "), Sie ſagen air aus, daß Plato vom Diouyflus an feinen Hof gerufen, worden fei, aber fie geben nicht einerlei Abſicht an. 1 Lipulejna. 17) Epiftol. VII, & 99 105. Bpift. II, &. 77. Plutar- chus Dion. 8.96%, 963, philolophandum efle cum prin- cipibu⸗ 1.11, G. 779. ne 18) Apuleius, ©. 368. Cornel, Nepos in Dione. Diogem. IT, aı. Olympiodor, ©. 347, Aslisaug, IV, 18. Spukejus fagt, er habe bie Landesgeſetze von Gicillen ſich befanne machen wollen. Es ift nicht unwahrſcheinlich, Mb Plate dieſes wirklich gethau babe, aber es kann nicht Die Urfache. fein, warum Dienpfins ibn kommen lich. Nach bern Diogenes fam Plate, wie es fcheint, angerufen, und bat fich einm Ort aus, wo er bag “deal feiner Republik realiſiren koͤnnte. Zugleich, fezt eben die» ſer Schriftſteller hinzu, ſoll er dem Dio und Theodates nicht ohne Lebensgefahr den hohen Sreiheitsfinn und deu fi gegen defpotifche Regierung eingefidße haben, wel- in ber Folge den Dionpfus vom Throne ſtuͤrzten. Das teste iR wahr, aber has erſte falſch. Kein Schrifts ſteller ſagt etfwas daven, außer Athenaͤus, and welchem Diogenes vielleicht dieſe Sage ſchoͤpfte, der es dem Plato ſehr übel nimmt, daß er aus ungebuͤhrlichen Stol; feine igne Republif und Geſchgebung wirklich zu machen ſuchte ꝰ). Gs kommt mir fehr wahrſcheinlich vor, daß die ganze Nachricht and siner mißverſtandenen Stelle des Plato herruͤhret, wo er ſaget, er haͤtte den Ruf des Dio⸗ uphns für ı eine fehr günftige Gelegenheit angefehen, um dacenige in der Erfahrung wirklich zu machen, was er Aber Regierung und Geſetzgebung in ber Idee nachges bacs habe”). Diefe Stelle mußte nothwendig alle Diejenigen, welche den Geift and Siam feiner erhabenen Ypeale wicht erreiche hatten, irre führen, daß ſie fich einbil- beten, ed fei von ber Realiſtrung der Republik die Rede, melche Doch nur das Vehikel feinen Ieale war. Uebri⸗ gend verdienet Diogenes hier um fo weniger Aufmerk⸗ ſamkeit, da er ſich in dieſer ganzen Erzählung einer uns gbaublichen Nachlaͤſſigkeit ſchuldig gemacht, and bie Fol-⸗ ge der Vegebenheiten fo ſehr verworfen hat, daß er in bie aweite Reiſe ſezt, was lange hernach auf der britten D 3 geſche⸗ 19 Achenzeus, 1, XI. ©. ae) Epiftol, VL, ©. 10o1. geſchehen iſt. Doch es if Zeit, daß wir den Erfolg ber Reiſe erzählen. Nachdem Plato dem Heraclides Honticus bie nf ficht über die Academie und das Lehramt aufgetragen‘ hatte, reißte er mit dem Speufippus nach Sicilien ab”), und wurde vom Dionyfius auf eine fehr ehrembolle Are’ empfangen”). Seine Anfunft wurde von ganz Sich lien als ein Feſt gefeiert, indem fich jeberman die gluͤck lichten Veränderungen für dieſe Inſel verfprach, und: nur die einzige Betrachtung, daß Plato von Achen war, welches vor nicht langer Zeit einen Plan entworfen hatte,’ Sicilien um feine Freiheit zu bringen, verminderte in ef« was die allgemeine Freude. In der That waren auch die Bemühungen des Plato und fein Einfluß auf das Gemüth des Dionyfius von fo gutem Erfolg, daß mat Die wwichtigften Solgen erwarten konnte. Er fing damit an, daß er in dem Dionyſtus Empfänglichkeit für das Vergnügen, welches Geiftesbefchäftigung gemähret, zu erwecken, und feinen Geift durch Mathematik für bie Philofophie vorzubereiten fuchte. Diefes Verfahren des Plato giebt und ein guͤnſtiges Zeugniß von feiner Klug⸗ beit und von feiner Einficht in den Charakter des Dio⸗ nyſius. Er war nicht leer an guten Fähigfeitein, wie⸗ wohl fie in dem beſtaͤndigen Rauſch des Vergnuͤgens ungebildet geblieben waren, und befaß vielen Ehrgeitz. Plato oͤfnete alſo dieſem einen unfhäblichen Spielraum, in welchem zugleich ſein Verſtand genug Anlaß und An⸗ trieb zur Ausbildung fand, um hernach deſto thaͤtiger an Veredelung bed Herzens durch die Eultur der Ver⸗ nunft zu arbeiten. Dionyflus fand fehr vielen Seſchmack an bem Stubium der Mathematik, und ergab fich dem⸗ ſelben mit einer Are von Leidenſchaft. Dieſem Beiſpiel folgte 21) Suidas ; in Heraclides Epiſtol. I. 733. 22) Plinius Hiſt. N. Vi. 30. Aelian. V. H. iv, 18. — — folgte der ganze Hof, und das ganze Schloß wurde nun wut Sand befdubs. An den Tafeln berrfchte Erugalitde und in dem aͤußern Betragen Befcheibenheit. Dionyſius gab ſchon durch.eine auffallnde Handlung: zu erkennen, wie fehr er ſich ſchaͤme ein Tyran und Defpor gu fein *). Dieſe Aenderungen in ber Denfungsart und bem Betra⸗ gen des jungen Fürften waren zu fihtbar und weit aus⸗ fehend, als daß die eine Hofparthie, welche dem Dion eatgegen arbeitete, die Gefahr nicht hätte bemerfen follen, weiche ihrem Einfluß und ihrer Gewalt ein traurige Ende drohete. ie fühlte fich zu ſchwach, um dem Anſehen des Plato und Dio Abbruch zu thun, und ſahe ſich ge⸗ noͤthiget einen Mann an ihre Spitze zu ſtellen, der durch feine Berebfamfeit das geſunkene Gleichgewicht wieder herſtellen konnte. Dieſer Mann war Philiſtus (der auch zutveilen Philiſtides genennt wird), ein berühmter Ge⸗ ſchichtſchreiber, welchen Dionyſtus der erſte aus Eieilien vertrieben haste. : Dionyſius der Zweite ließ ſich von feinen Syofleuten leicht bereden, biefen Philiſtus wieder an feinen Hof zu rufen. Hier trat er an die Spitze dee Segenparthie, um den ſchwankenden Thron des Tyran⸗ nen zu ſtuͤtzen, und was er bem Vater geweſen war, das wurde er dem Sohn, ein eifriger Diener des Defpotig- mu Durch Kabalen und Ränfe, in denen er ein Meifter wey, beachte er Dio In den Verdacht, daß er ımter dem Schein, für die Ausbildung bes Fuͤrſten bebacht zu fein, ſelbſt nach dem Throne firebe. Dionyfius ſcheint von Anfange feiner Regierung in die Gefiunung.des Dio ein Mißtrauen gefege zu haben, wel⸗ ches Blato, fo viel er ich auch Mähe gab, niche Beben fonnte. Die Folge von diefen Sintriguen war, daf Die mit Hinterlif auf ein Schifchen gebracht und an der Küfte von Italien augsgefeze wurde. Dieſes gefchab - D4 nach 23) Flatatch. Dion. ©9652: " — 356 un nach eintm breimonatlichen Aufenthalt des Yinte MB dem Hofe. Alle Freunde des Dio geriethen über biefe amerwartete Begebenheit in Beſtuͤrzung, und jeder be⸗ fuͤrchtete von dem argwoͤhniſchen Dionyſtus kein galwfle geres Schickſal. Es ging auch einmal ein Geruͤcht in Eyracus, als wenn Plato der Urheber von allen dieſes Unruhen hingerichtet worden wäre. Der Antheil. wel⸗ chen die Freunde bed Dio an feinem Schickſal nahmen; bie Bewegungen, bie im der Stadt vorgingen, da bie Unzufriebenen num nichts geringere als eine gäuzliche Mevolution erwarteten, ſchienen dem. Dionpflud fo be⸗ denklich zu fein, daß er ſehr fchlimme Kolgen für ſich be⸗ fürchten mußte. Un ihnen vorzubeugen, nahm er eine. - Fehr freundliche Mine gegen Dions Freunde, vorzuͤglich gegen Plato an, und bat diefen fehr angelegentlich, bei ihm zu bleiben. Aber zugleich traf er ſoiche Anſtalten, daß er auch, wenn er niche wollte, da zu bleiben ge⸗ zwungen war. Denn er logierte ihn in das Schloß, wo niemand ohne fein Vorwiſſen aus oder eingehen konnte. Sogleich verbreitete ſich in Syracus die Mede, daß Plate und Dionys noch niemals ſo gute Freunde geweſen ſeien als jezt. Mer bei dem aͤußern Schein ſtehen blieb, fonute auch nicht enber® urthellm. Denn Dienys ſchloß fi immer weht an ben Philoſophen an, sub ſchien an feinem Umgang immer mehr Wergugggen zu em⸗ pfinden. Gein Ehegeig konnte es nicht vertragen, daß Nato ven Dion höher ſchaͤzte, und diefem einen hoͤhern Bang in feiner Freundſchaft eingeräumt hatte Bon bies fee Stelle wollte er jenen verdrängen, und fich.aufbrins gen: und hätte es Plato ohne Verlegung feiner Grund» ſaͤtze thun können, fo wuͤrde er ihm gerne dieſen Verluſt mit der oberfien Miniſterſtelle vergücet Gaben. ber Plato behauptete Rambhaft feine Wire. Er wärbe nicht angeftanden haben, ihm einem gleichen Brad feiner Sreundfchaft und Achtung zusufichen, wenn er ihn durch wahre Eiche und Meigung zur Peloſophie ſeinem * ralter — 92 — sakter haͤtte naͤhern, oder ihm eine gleichgeſtimmte Den⸗ Iungsart beibriagen Finnen. Dieſes war ber Zweck ſei⸗ wer Neid geweſen, und daran arbeisste er unaufhoͤrlich, abgleich, feuchtiad. Drum Dionys war in biefem Punkte fehr zuruͤckhaltend and mißtranifch. Philiſtus und fein | Yuhang harten ihm einen unausläfchlichen Argwohn ein⸗ geftößet, ald menu Binto nur darum fo ehe daran arm heite, bamit eu zerſtreuet unb ton ben Regentenſorgen ubgejogen werde, mittlerweile Dion ſich bee Regierung &.mächtigen wuͤrde ). Plato drang enblich ernftlich anf feine Abreiſt. Dienpfiys war unserbeffen in einem Krieg verwicheit werben, und ließ ſich daher bereitwii ger finden, Ihm bie Einwilligung dazu gu gehen, bach mußte ihm Plato zuvor verfprechen, daß er, fo bald es Deiebe geworden ſei, zuruͤckkommen wellte. Plato ver⸗ ſtand fich auch dazu — denn was hätte Ihm die Weige⸗ zung geholfen — aber doch muster der Bediugung, daß auch Dion zugleich in fein Vaterland zuruckkommen dürfe ”). Plato reißte alſo nach Athen zuruͤck; Speu⸗ ſtppus blieb aber noch, wie es ſcheint, In Syracus "). Vorher hatte cr gewiſſe politiſche Verbindungen und Ver⸗ haͤltniſſe zwiſchen dem Dionys, Archytas und anbern Spihagerdern geſtiftet, welche hernach auf feine folgen⸗ ben Schickſale großen Einfluß hatten ). In Regie zungegefihäfte mifchte ſich Plato nur fehr. wenig ein, und zwar bauptfächlich aus Dem Grunde, weil er vorausſah, daß feine Plane doch nicht ausgeführt werben wuͤrden. Hera kam uoch ber Umſtand, daß vorzüglich nach der Berbannung des Die fein Einfluß weit geringer war als vorher, und bie Gegenparthie war gar zu gerne ale Ds Schritte 4) Piutsrch.L c Epif. VII. ©. 112. 25) Epiftola VII. ©, 103-106. epil, IL ©. 77, 76 Pie — 964. 36) Epiftol. II. @ 27) Epiflol VIL © 123,125. Fila. Dion &.@ — 60 — ner nebſt andern Freunben bed Dion, welche einige ab⸗ geriſſene Bruchſtuͤcke der Platoniſchen Philofophie gehoͤ⸗ et hatten, ließen ſich oft mit dem Dionyfius in Unter⸗ sedung- über philoſophiſche Gegenſtaͤnde ein, indem fie vorausſezten, er fei in der Platonifchen Philoſophie gaͤnz⸗ lich eingeweihet. Diefſes fehmeichelte giwar dem Fürften, aber er ſchaͤmte ſich auch nicht wenig, daß er alle Augens Blicke ſeine Unwiſſenheit verrathen mußte ”). Sein ge kraͤnkter Stolz ließ ihm Feine Rube, big er von neuem ‚ alle Mittel verfachte, um ben Plato zu gewinnen, daß er noch einmal anfeinen Hof komme. Man darf hiers Bei nicht vergeffen, daß nicht ſowohl das Verlangen nach Geiſteskultur, als Stolz, ber fich verachtet glaubte, und bie Hofnung das Uebergewicht in der Freunbfchaft des Plate, welches Dio behauptet hatte, ſich zu ver- fihaffen, bie Zriebfeber war, welche Dionys leitete; denn hieraus und ans der Schwaͤche des Dionyſtus, ber fich von ambern beherrſchen ließ, läßt fich ber Erfolg der erften und zweiten Neife vollkommen begreiflich machen. Dionyfius ſchickte alfo nun zum brittenmal ein dreiruberiged Schiff au den Plato, mit einem Echreiben, morin er ihn fehr dringend bat, zu Ihm zu fomımen, und unter dieſer Bebingung ig Unfehuug des Dio alles ver. ſprach, waß Plate nur wuͤnſchen würde. Zugleich la⸗ men viele Sreunde des Die und Plato aus Sicilien mit, welche ben Plaso zus ber. Reiſe bewegen mußten. Sogar Bette Dienpfind, um nichts unverſucht zu laſſen, den Archytas und andere Pythagoraͤer in Bewegung geſezt; auch fie mußten den Plalo burch Ihre Beiefe beſtuͤrmen. Auch in Athen fehlte es nicht an Anregung; feine Freun⸗ de, vorsäglich Dion, ber deshalb von feiner Battin und Schweſter ausdruͤckliche Aufträge befam, alle drangen in Ihn, fich dazu zu entfchliefen. So vich Bitten ir 35) Bpik VI. ©, 124. Plutuch. e. — GE , — Auffoderungen, die Freundſchaft gegen ben Dio umd. bie Pythagoraͤer, ber Wunfch, den Dio mit dem Dionyſtus wieber auszuſoͤhnen, und wo meglich, ben legten zu bil⸗ ben, alles dieſes zuſammengenommen beſtimmte ihn. ende lich, dieſe zweite Reife auzutteten, ob-er ſich gleich keinen ’ gar zu glädlichen Erfolg verfprach ) Bei ſeiner Ankunft freuete ſich jeber Patriot in Sir tilien, und hofte, Plato würde biefesmal über den Phili⸗ us, und bie Philoſophie über ben Deſpotismus ben Sieg davon fragen ”). Wein ber Erfolg entfprach Diefen algemeinen Wünfchen nicht. Fuͤr das erſte hielt es Plato für nothwendig, ben Diennfing auf bie Probe za fielen, ob fein Beſtreben nach philsfophifchen Kenner _ niſſen wirflich fo groß fei, ale es ihm war vorgeftellee worden. Als er daher eine Unterrebung mit ihm aus elite, und igm die Wuͤrde, aber auch die Schwierigkei⸗ ten der Philoſophie darſtellte, und einige Säge aus der hoͤhern Philoſophie vortrug, überzeugte fich Plato ſo⸗ gleich; daß fein Streben nach Kenntniſſen nicht rein und. üche fei, fendern von Stolz und Ehrgeig und Eigenliche herruͤhre, daher er auch feine Unwiſſenheit nicht geſtehen wollte, ſeudern ſich das Anſehen gab, als wiſſe er (chen. alles. Plato ſtand daher auch von dieſem Unternehmen gan mad gar ab *). Vielmehr fing er nun feine Unter⸗ benblungen des Die wegen an, und verlangte, u er. ihn 2 Era. en. Ep. VIL @. 1a «1 Plstarch- 3) Puterch. le 38) Epift. VII. ©. 137, 129. Plato * Dionvñu⸗ habe Yemeiı, wie vr :gehäret habe, eine Sérift aufgefegt, und Darin das Gehoͤrte für feine eigns ——* ansgegeben. Soch⸗ fei ihm dab Zuverlaͤigere daven nicht befannt. Epik. VII. S. op. Uns biefem unb dem ‚weiten ‚Briefe erheliet fa diel, daß Vlato dem: Dionyfins einige Säge au! ſeiare gchtimen Philoſophie uitgetheilet hatte. Et mar aber dem Philoſophen nach feiner Denkungtart ſehr vn gene — 6 — beun er wohnte in den Schloßgaͤrten, wo niemand ehur Erlaubniß aus oder eingehen konnte — Plato aber ſich nach Freiheit ſehnte. Uebrigens bildeten ſich die Sicilianer ein, fie wären gute Freunde; denn beide nk deckten nicht allein keinem Menſchen ihre beiberfeitiged Verhaͤltniß, fondern. Dionyſius gab ſich auch noch jegf alle erfinnfiche Muͤhe, ben Philoſophen durch Gefaͤllig⸗ keiten und. Eichfofungen zu gervinnen, und von Dipnd , Freundſchaft abzuziehen. - Unterdeſſen entfland unter ‚ben Miethfoldaten, welchen Dionyſius den Sofd verrins gern wollte, ein. Aufruhr, ber nicht anders geſtillt werben konnte, als daß ihnen Dionyſius alles was fie yerfange sen, und noch mehr verwiligee. Ein ausgeſprengtes Gerücht gab den Heratlides, einen Freund bed Die, ale Urheber deſſelben au, und noͤthigte Denfelben, fich zu ver⸗ ‚bergen ober flüchtig au werben. Ein anderer Freund des Die, Theodyotes, ging zum Dienyfius, bat. ige, ey möchte ale Verfolgung: gegen benfelben einſtellen; ee hoffe, daß ex fich ficken und vertheidigen werde, wenn ee Sicherheit für feine Perſon erhalte. Dionyſins ver * es im Beiſein des Plato, hielt aber fein Wort nicht: Plato that Vorſtellungen, allein fie wurden ver⸗ ächtlich zuruͤckgewieſen. Denn Dionyfius glaubte nur ganz gewiß entdeckt zu haben, daſſ Plato voͤllig mit der Hauthie des Div einverſtanden ſei. Jezt mußte er aus dem Schloßgarten zu dem Archedemus zieben, weil bie Hofdamen einen geheimen Gottesdienſt in dem Sarten onzuſtellen hatten. Nachdem ce burch eine Unterrebung mit dem Theodotes ſich den Zorn des Fuͤrſten von einen neuen Seite pugezogen hatte, bekam er ſeine Wahnung unter ben Miethſoldaten, die ihm nicht gut warun Denn es war ausgeſpreugt woeden, Plato babe den Dionyſius bereden wollen, ‚seine Leibwache abzudanken, welches auch wohl vorher geſchehen fein konnte. AUS: endlich Plato hoͤrte, daß einige Soldasen ſich vorgenom⸗ men bacen, ih zu ermocden, fo ſchob er an den Archytas Acrchytas, : in welcher Fritifchen Lage er ſich befſade Dieſer ſchickte unter dem Vorwande einer Öffentlichen Mingelegenbeit einen gewiſſen Yamiscug ab, welcher von dem Sürften die Erlaubniß auswirkte, daß Plato abrei- fen durfte. Dionpfius war doch ſo guͤtig, daß er die Keifes koſten hergab ). Plutarch fagt, Archyta® habe ſelbſt an den Dionyſius geſchrieben, und Diogenes bat auch wirklich einen Brief diefed Inhalts in feine Lebensbes fchreibung des Archytas eingerückt. Davon erwaͤhnet aber Dlato nichts"). Plato landete auf der Rück reife in Elid, und fam eben an, als bie Diympifchen Spiele gefeiert wurden. Als er hier feinen Freund Dio antraf, fo erzählte er ihm feine Schickſale, und den Ver folg feiner Reife. Dio erflärte fogleich, daB er den Ty⸗ rannen wegen ber ungerechten und treulofen Behand lung, ‚deren er fich gegen ihu und den Plato ſchuldig ge» macht, züchtigen werde. An diefer Unternehmung wollte Plato aber feinen Theil nehmen, und zwar aus verfchies denen Urfachen. Er ſei ſchon zu alt, fagte er; Dio habe ihn gleichfam wider Willen in bie Sreundfchaft des Dio⸗ nyſtus gezogen, die er auch jezt noch ehren wolle, zu⸗ mahl da Dionyſtus doch noch fo viel Achtung gegen Ihn gehabt habe, daß er ihn den moͤrderiſchen Anfchlägn feiner Feinde nicht preiß gegeben habe; Er wolle voͤllig neutral bleiben, um vielleicht noch eine Ausſoͤhnung gwifchen ihnen vermitteln zu koͤnnen“). Nach feiner | Zuruͤck⸗ ‚39 Diefe Nachrichten ſindet man Pi, U, ©. 80, PR Epiftol. VII, &. 1373148. Plutarch, Dio. ©. 365 966. 40) Dione. ©. 966. | 41) EpiftoL VII. ©. 149. Plutarchus Dio ©. 67. Ich mung hier noch einige unrichtige Angaben son einigen Schrifte eltern anführen, damit man an einigen Beifpielen fehen ” 7 Tann wie unperldffig u die nenern Schriftſieller find. So ſagt 4. B. Apulejus, Plate ? babe wirklich ben Dis * — 66 — Zuruͤckkunft hat Plato noch einmal au den Dionyftus geſchrieben. — Dieß iſt der dritte unter ben’ vorhan⸗ denen — darin er ſich gegen allerlei Beeldumbungen vertheidiget. | Ich Hoffe, meine Leſer werben mich entſchuldigen⸗ daß ich etwas weitlaͤufig in Beſchreibung dieſer zwei Reiſen geweſen bin. Es ſind die einzigen etwas zuſam⸗ menhaͤngenden Bruchſtuͤcke ſeines Lebens, und fie ſiub deſto ſchaͤtzbarer, weil wir ohne dieſe faſt gar nichts von feinem Charakter, Betragen, und Maximen wiſſen wuͤr⸗ den. Sein Aufenthalt. und fein Betragen an dem Hofe des Dionyſi us, verurfachte ihm ſchon bei feinen Lebzei⸗ sen mancherlei Vorwürfe und unbillige Urtheile, welche neuere Gelehrte theils wiederholet, theils mit noch an» dern vermehret haben, daß fein. Charafter oft in ein ſehr aweideutiges Licht geſezt worden iſt. Ohne dieſe Nach⸗ richten wuͤrden wir zwar immer noch Urſache haben, dieſe Urtheile zu verwerfen, weil ſein ganzes Leben ſo viele Beiſpiele von falſchen oder doch nur halbwahren Erzaͤhlungen, Erdichtungen und einſeitigen oder fluͤchti⸗ gen Beurtheilungen aufſtellet; aber die Quelle und die Urſachen derſelben und dag ſicherſte Mittel fie zu prüfen wuͤrde ung faft. gänzlich fehlen. Ich will nur einige ‚von ben Vorwürfen, melche ihm feine Tadler machen, ! S \ an fü bs + “ . » ’ I . ® dem Dionufius ausgeföhnet, und bie Erlaubniß audgensick, dag er nad) Sjeilien zuruͤckkommen dürfte. S. 368. Nach der zweiten Neifa fast Olompisdor, mar Did feine” gan⸗ gen Vermoͤgens betaubt und in Verhaft genominen worden. Dionyſius verſprach ihm die Freiheit unter ver Bediugung, daß er den Plato bewegte, zum zweitenmal an feinen Hof gu kommen. Dieſes war alſq nach dem Olympiodor der Bived feiner dritten Reife. & 383. Diogenes. Laertias 11, a1, 22. fezt die Lebensgefahr des Alato. nach feiner sn 3 möglichen Nachidffigfeit in.aie weite Deife :. 2 — 67 — anführen, und unterſuchen, ob fie. ſich wirklich mit ſichern Gründen rechtfertigen laffen. Man tadelt alfo erftlich an ihm, daß er die Spracufanifchen „Zafeln der Frugalitaͤt und Mäßigfeit vorgezogen habe *). Diefe Befchuldigung findet fich in einem Brief, deſſen Verfaſ⸗ fer ungemwiß ift, und kann deswegen fchon für unbedeu⸗ tend gehalten werben. Allein fie widerfpricht auch offen- bar dem Charakter des Plato, und der Thatfache, daß er wirklich auf einige Zeit Frugalitaͤt an dem Hof zu Syracus einführte ). Plato, fagt man ferner, war nicht frei von dem unebelen Streben nach der Gunſt der Großen, einer Haupttriebfeber feiner Sicilienifchen Rei⸗ fen. Dber vieleicht wollte er fich auch durch Fuͤrſten⸗ dienft bereichern **). Allein die Gefchichte feiner Reifen, und fein Detragen an dem Hofe, feine Standhaftigfeit in ber Sreundfchaft des Dio widerlegen die erfle Anklage ſo vollkommen, daß ich fein Wort mehr binzuzufegen brauche. Scheinbarer ift der zweite Vorwurf, zumal wenn man bie Aechtheit bed breischnten Briefes annimmt. Um diefe Sache gebdrig beurtheilen zu koͤnnen, müßte wohl vor allen Dingen aufgemacht fein, welches Vers mögen Plato damals befaß, und in welchem Verhaͤltniß er mit dem Dionnflus fland: Es iſt wahrfcheinlich, daß fein väserliche® Erbtheil zwar nicht groß aber doch auch nicht unbeträchtlidy getwefen iſt. MWehn feine Reifen einen Theil davon verzehret hatten,. fo erfeste doch der vom Dio oder Annicarid gefchenfte Garten ben, Abgang wieder. Man fann alfo annehmen, daß Plato fo viel Vermögen befaß, daß er bei feiner Frugalitde und Maͤ⸗ ßigkeit bequem und unabhängig leben konnte. - Wir leſen nicht, daß er um einen gewiſſen Lohn gelehrt — E 2 wel 43) Epiſt. I, Xennphontis. a Plutarch. Dione, ©. 963. Meiners veſchichte der ſeaſchatten ater B. ©. 3: Ds ⸗ welches er auch an den Sophiften fo fehr tadelt. Aber demungeachtet kann man mit gufem Grunde annehmen, daß feine Schüler und Freunde ihm die Erfaubniß gaben, ſich ihres Vermögens zu bedienen, wenn und wie er wollte, und daß er im Notbfall Gebrauch davon mach« te”). Dan kann ferner vorausfegen, daß Dionyſius, der alle mögliche Mittel, wodurch er den Plato an feis nen Hof ziehen fonnte, mit einer Art von Ehrgeig auf fuchte, nicht unterlaffen haben wird, von dem großen Vermoͤgen, das Ihm zu Gebote fand, Gebrauch zu mas chen, und aus der zulezt angeführten Stelle läßt es fich ganz ficher fchließen, daß ihns Dionyfius wirklich ben Unbefchränften Gebrauch feines Vermögens angebothen babe. Geſetzt nun auch, der Brief ſei aͤcht, welches ich noch nicht behaupten will, ſo betraͤgt doch nur die ganze Summe, die er vom Dionyſius nach der zweiten Reiſe bekommen hätte, 56 Minen (nach unſerm Gelde ohnge⸗ | (abe 1193 rthl.) eine Summe, die weder mit andern ummen, welche Dionyſius fonft verfchentte, im Ver aͤltniß ſtehet, noch auch eine niederträchtige Gewinnt. cht von Eeiten bed Plato beweiſet. Denn Plato bes hielt von allem dieſem Selde nicht dag geringfte für fich, . fonderh wendete es theils zu Werfen der Wohlchätigfeit, theils zu andern nothwendigen und ſtandesmaͤßigen Aus⸗ gaben an. Hiermit laſſen ſich einige Anekdoten, die man beim Plutarch und Diogenes findet, ſehr wohl ver⸗ einigen, nach welchen Plato Fein Geſchenk an Gelde, ſondern nur einige Buͤcher vom Dionyſius annahm *). Wenn 460) Fpiſtol. xi11l, ©. 173, 174. Aus der leiten Stelle er⸗ hellet, daß Plate mit Hülfe feiner Freunde und Schuͤler ‚ feine Anverwandtinnen auszuftatten pflegte, wenn ihre Dd- ter oder Mütter geſtorben waren. Es war dieſes Sitte bei a den Athenienſern. 46) Plutatrch. Dion. &. 965. Diogen, 1. tı. . 69 — Mena Dioryſtus zuweilen die Freundſchaft gegen den Vlato aus ben Augen ſezte, und ihm ben Arm des Deſpo⸗ sen fühlen ließ, fo wiederfuhr ihm, tie einige meinen, nichts als was er verfchuldet hatte, inbem er unter ber Maske eined Freundes mit dem Dio einen Plan entwor⸗ - fen hatte, den Dionyfius vom Throne gu flogen. - Dieſe Befchuldigung fcheint mir aber hoͤchſt ungerecht gu fein, Die Feinde des Div und Plato, und der guten Sache fuͤhrten dieſe Sprache, um dem Fuͤrſten Mißtrauen ein⸗ zufloͤßen, und die Staatsreform, die ſie qus Privatab⸗ ſichten haßten, zu verhindern “). Plato war im Aus fange immer offen und freimüthig, tadelte mit Borfiche tigfeit was zu tadeln war, gab ihm mehrmahls den Rath, als Kinig über freie Unterehanen zu regieren, und nur dann, als die Verläumdungen feiner Gegner Sehoͤr fanden, wurde er guräckhaltender, und riß ſich fo viel er konnte von ben Berhältniffen mit dem Suürften los, SBäre fein Herz einer folchen Tuͤcke fähig gewefen, fo würde er gewiß ganz anders gehandelt und durch Schmeichelei, Gefäligkeit unp zuvorkommendes Wefen den Dionpfiuß ficher gemacht haben. Als die Uneinig⸗ £eit zwifchen Dio und Dionpfius in eine offenbare Fehde ausbrach, nahm er, der ſo ſehr gekraͤnkt worden war, keinen Antheil daran, ſondern ſuchte noch immer Brieden zu fliften. Er war immer fell und unerfchütterlich in feinen Srundfägen, und handelte gegen Dio und Diony» fius nad) den nämlichen Warimen *). Er war gegen beide gerecht, aber einen größern Grab ber Achtuug war ee dem wuͤrdigern fchulbig. Mit mehr Grund koͤnnte man vielleicht einen ge⸗ wiſſen Stolz und Ehrgeig für Fehler feines Charakters € 3 halten 47) Epiftol. VII, ©. ıra.. 4%) Plutarch. de difcrimine amici et adulat. S. se % — 10 — Kalten. Zwar waren biefe Leidenfchaften nicht die uns umſchraͤnkten Beherrfchen feines Herzens; er adhtett Tu⸗ gend und Mechtfchaffenheit und ndchft diefen bie Eigen» fchaften. eines gebildeten und freiwirkenden Geiſtes über alles: allein, es leuchtet boch aus allen feinen Hand» Iungen das Beftreben vor, diefe Eigenfchaften vor dem Publicum zu zeigen; er weiß es, daß er dieſe Eigenfchaf« ten bes Geiſtes und Herzens befiget, und leget auf dies ſes Bewußtſein einen zu großen Werth. Es ſcheint ale wenn er mit einem gewiſſen Wohlgefallen ben Dionyſtus auf den Ruf aufmerffam mache, welchen er damals er worben hatte, ber ihm ben erfien Rang unter allen Philos ſophen der damaligen Zeit einrdumte*). Nicht ohne eine Art von Erhebung fagt er von fich felbft, er fei nur Deswegen in feinen Augen groß, weil er nur allein feiner Vernunft folge”). Er hegt von fich als Schriftſteller eine fo hohe Meinung, daß er behauptet, alles mag er gefchrieben habe, fei ohne Fehler und Tadel”. Es if möglich, daß das Unfehen, die Achtung, das Lob und der Beifall, welche ihm von allen Seiten begegneten, diefe ſtolze Selbſtgefaͤlligkeit hervorbrachten, welche den Werth ſeiner Eigenſchaften ſehr vermindern muß, wenn fie ihm, wie aus dem Angefuͤhrten zu erhellen ſcheint, wirflich angebangen hat. Allein, wenn ich auch wieder Bedenke, daß mir bie Nachrichten von feinem thätigen Leben viel zu mangelhaft und luͤckenhaft find, fo fcheine es mir doch etwas zu gewagt zu fein, aus biefen einzel nen Aeufferungen feinen Charakter beflimmen zu wollen. Denn «8 iſt ſehr wahrſcheinlich, daß ihn gewiſſe Ruͤckſichten und Verhaͤltniſſe gleichſam noͤthigten, auf eine ſolche Art von fich zu ſprechen. Einige Sarifier (2 49) Epiftol. II, G. 67. 50) Epiftol. II, &. 64. $ı)Epiftol. VII, G. 130, x in 7 — ber haben in einigen. feiner Handlungen und: Gebdanken | anverfennbare Spuren einer neidifchen.und bämifchen: Semuͤthsart zn finden geglaubt. Nur daraus, ſagen fie, läßt es fich begreifen, warum er die größten Staats⸗ männer mit fo wenig Schonung tabelt, alle Philoſophen, welche vor ihm gelebt Hatten, nur wiberleget, und gleich“ fon in Triumph aufführet; und mit feinem feiner Mike. ſchuͤler freundfchaftlich lebet ). Ueber fein Verhaͤltnißg mit den Sokratikern habe ich mich ſchon oben erklaͤret. Wie man aber aus jenen Thatſachen dieſe Folgerung babe sichen koͤnnen, kann ich wirklich nicht begreifen. Sreiheit zu denken und feine Gedanken mittheilen zu koͤn⸗ nen iſt ein allgemeines Necht, welches feinem Menfchen zum Verbrechen gemacht werben barf. - Es ift einleuch« tend, daß: Plato nichee anders that als von dieſem Rechte Gebtauch zu machen, wenn er über bie Handlun⸗ gen uud Meinumgen der Verftorbenen fein freies Urtheil faͤllte. Geſezt auch, daß dieſes zuweilen zu hart, oder. ungerecht ſei, fo iſt ed nicht ein Fehler ſeines Herzens ſondern ein Irrthum ſeines Verſtandes, welcher auch allezeit in der Einſeitigkeit eines Urtheiles gefunden wird. ESs iſt wahr, Plato tadelt viele von den verſtorbenen Phi⸗ loſophen und andern berühmten Männern, aber nicht ale; er ſagt nicht allein Bdfes, fondern auch Gutes von ihnen. cine liberale Denfungsart, und fein Wille allen Gerechtigkeit widerfahren zu laffen, jeden für bad. gelten zu laſſen, was er gelten kann, erhellet vorzüglich aus feinen Urtheilen über die Sophiften. Ob cr gleich ſehr oft ihre Grundfäge und Marimen misbilliget; fo verſagt er ihnen doch dag Lob nicht, daß fie meiſtentheils fähige Köpfe waren, und einen großen Schatz von E 4 Kennt⸗ 32) Diogen. III, 26. DionyJ. Epiſtol ad Pompeium. Ariſti- des Oratio II. Platonica. Meiners Geſchichte der M. ater B. ©. 637. “ — 72 — Eenntniſſen befaßen. Hier darf man auch nicht ben Um⸗ ſtand uͤberſehen, daß wenn er Meinungen eines Zeitge⸗ noſſen widerlegen will, er den Mann niemals mit ſeinem Nahmen anfuͤhret. Nicht weniger unbillig iſt ein Vorwurf, der ihm von aͤltern Schriftftelleen und noch neulich von Pleffing iſt gemacht worden, daß er aus flolzer Eigenliebe nur allein feine Meinungen für Wahrheit und ade andere WVorſtellungsarten für Irrthuͤmer gehalten; daß er aus blinder Anhänglichkeit an dem orthoboren Syſtem ber Myſterienreligion ale anders denkende, vorzüglich aber den Demofrit und die Sophiften gehaßt, verfolgt,und in feinen Schriften auf eine ganz unwuͤrdige Weife behan- delt habe”). Diefe Berchuldigung fichet ober fällt zum heil mit einer Nachricht, bie man beim Diogenes findet. Plato, berichtef” er aus dem Arifiorenug, ging in dem Haſſe gegen Democritus fo weit, baß er alle, Schriften von ihm, bie er nur in feine Gewalt bekom⸗ men fonnte, verbrennen wollte, und er wuͤrde ed auch wirklich gethan Haben, woferne nicht Kleiniad und Amy⸗ daß, zwei Pythagoraͤer, vorgeſtellet hätten, daß fie ſchon in fo vielen Händen fein, ald daß er fie vertilgen koͤnne „Aus eben der Urfache babe er bed Democritug nicht ein⸗ nial Erwähnung gethan “). Ariſtoxenus wird fonft für einen genauen und suverläffigen Scriftfeer gehalten, ich zweifele aber, ob er dieſes Lob durch feine Schrift, aweuruporsunare iceeına, in welcher diefe Nach⸗ richt fiehet, verdienet babe, weil er barin blog ben Sammler macht. Doch dem fei tie ihm wolle, fo ſie⸗ bet biefe Erzählung einem Maͤhrchen fo ähnlich, daß fie auch ohne andere Gegengruͤnde ihre Glaubwuͤrdigkeit verlie⸗ 53) Meffing Menmonium. Zweiter Band. ©. “5. Digg. ‚ 25. _ .. " $4) Diogen. IX, 4e. \ — 30, verlieren müßte. Dena warum fellte er den Demotri⸗ tus allein mit einem folchen Haſſe verfolgt haben? War⸗ um gerade biefe Schriften verbrennen? Es gab welche, bie viel freiere Gedanken enthielten, z. B. diejenigen, melche aus der Feder des Gorgias und Protagoras ger floſſen waren. enn Plato in irgend einem Punkte Urfache hatte $ Democtit unzufrieden gu fein, fo fonnte es “ nicht® anders fein, als daß er ſich blog allein auf Phy⸗ ff, oder die Erklärung ber NRaturerfcheinungen aus Nas tururſachen einſchraͤnkte. Nun erbellet aber ang feinen Schriften, daß er dieſe Unterſuchung gar nicht verwirft, fondern vielmehr gegen den Supernaturalismus der da⸗ maliger. Zeit emipfichlet, und gegen den Vorwurf, al ob fie unvermeidlidygur Gotteslaͤugnung führe, in Schug ahnumt ”). Wie ſtimmt mit diefer Denfungsart- dad Betragen Äberein, wovon jene Anekdote ein Beifpiel ent⸗ balten fol?! — Der Umfland, daß Plafo niemals bei Demofritus mit einem Worte gebenft, fcheint freilich ung etwas. befonderg zu fein,ba wir und nad) Erfindung ver Buchdrucerfunft beinahe alle Werke bed gelehrten Fleißes verfchaffen koͤnnen. Allein bei ben Alten, zumal zu Platos Zeiten war es gewiß ein ſeltnes Glück, bie vorzuͤglichſten Werke des Geiſtes sufammenzubringen, Vielleicht iſt hierin eine Urſache zu ſuchen, warum Plato ein tiefes Stillſchweigen in Anſehung bed Demokritus beobachtet, und mehrere koͤnnen mitgewirkt haben, die uns gänzlich unbekannt find. Was die Sophiſten bes trift, fo babe ich ſchon vorher bemiefen, daß Plato nicht ungerecht gegen ihre Verdienſte und Talente war. Herz Pleſſing beruft fich außerdem noch auf eine Stelle ig Es Ä dem 7 Arokogier ©. 42, 54 de legib. VIL ste. ö, 397. - 7 bem zehnten Buche feiner Geſetze, wo Plato die Todes⸗ und Gefaͤngnißſtrafe für diejenigen. feſtſetzet, welche das Daſein Gottes, oder ſeine moraliſchen Eigenſchaften daͤugnen. Ohne den Werth oder Unwerth dieſer Aeuſſe⸗ rungen zu beleuchten, begnuͤge ich mich damit, die An⸗ merkung zu machen, daß man die Denkungsart und Handlungsweiſe des Plato nach Aeuſſerungen, die i Buche vorkommen, am wenigſten beſtimmen ſoll fie ein Ideal einer Staatsverfaſſung enthalten, das in der Erfahrung nicht angetroffen tourde' Und wenn man auch dieſes einräumen follte, fo müßte man boch das Urtheil des Pleſſings über den Charakter des Plato, in fo fern es Folgerung aus. diefee Stelle fein fol, für uͤbereilet Halten, weil fich bei genauerer Unterfuchung - findet, daß Plato nicht fowohl GSotteslaͤugnung ale Eittenlofigkeit beftraft wiffen will. — Wie endlich ein Mann, wie Pleffing, der die Schriften des Plato nicht nur gelefen, fondern auch ſtudieret hat, fich fo weit in feinem Urtheile verirren konnte, baß er dieſem Philoſo⸗ phen eine bigotte Denfungsart, eine blinde Anhängliche feit an bie VBolfsreligion anfinnen konnte, ſcheint mie nicht viel weniger ald ein Näthfel zu fein, da man faft in allen feinen Schriften unläugbare Beweife findet, daß er bie Irrthuͤmer feiner Neligion fehr heile eingefehen hatte, und nicht die ganze Religion, wie fle damals war, fondern bie von ihren Grundirrthuͤmern gereinigte mit fo viel Wärme des Herzen vertheidigte. Ihm war gar nichts an den befondern Beſtimmungen ber Neligion, modurch fie verunftaltet worden war, gelegen, aber bie Grundmahrbeiten derfelßen, ohne welche fie nicht einmal denfbar fein würde, und ben Zufammenhang berfelben mit Gittlichfeit betrachtete er mie Recht als folche Ueber⸗ zeugungen, welche jedem Menſchen von gefunden Ver⸗ flande und Kerzen theuer und werth fein müffen = 3 — Es iſt eine auffallende ment wird an dem Leitfaden gewiſſer logiſchen Megeln fortgeführet, welche fonft beim Renophon nicht vorfoms "men, auch Sokrates mahrfcheinlich noch nicht ‚deutlich _ auseinander gefege hatte. Hierzu kommt noch die Gleich⸗ heit des Styles, und ein Gedanke, den ich allein ſchon fuͤr entſcheidend halte. Sokrates ſucht nehmlich in die⸗ ſem Geſpraͤche den Alcibiades zu uͤberzeugen, daß er ſein vorhabendes Opfer fo lange auffchieben muͤſſe, big er richtigere Begriffe von bem, mas gut und boͤſe fei, er Tanget habe. Zenophon aber war ein großer Freunb von. den aͤußern Religionshandlungen, und biele ſehr viel auf das Dpfern %. Auch die Ironie, mit welcher der Vater ber Dichter gegeißele wird, gehöre zu ben uw verfennbaren Charafteren der Platoniſchen Schriften. Bon dem Hipparchus fpricht Welten etwas zwel⸗ felhaft, aber auch wie gewöhnlich, ohme auch nur mit einem Worte einen Grund anzngeben ’). "Aber ich glau⸗ be, ter nur einiges Eritifche Gefühl beſizt, und bie Sprache und. Behandlungsart des Plato Fennet, wirb gewiß keinen Anftand nehmen, auch biefem Dialog feine Stelle unter den Achten zu laffen. Die Bächer von der Republik werben zwar allge mein fuͤr dcht gehalten, aber zwei alte Schriftſteller tre⸗ .. ten beim Diogenes auf, und behaupten, daß Plato in dies fen einen offenbaren gelchrten Diebftahf begangen habe > Mriftorenus und Phavorinus berichten nchnrlich, bee größte Theil ferner Republik babe. in einem Buche bei Protagoras geflanden, welches den Titel ayruroyına fühte te. Ob nun gleich der erfiere Schriftfteller fonft wegen Yeiner Zuverläßigfeit gelobee wird, To fehlet es doch die⸗ ſem Saktum fo fehe an Innerer Moglichkeit, daß feik Nahme allein demſelben keinen biſtoriſchen Werth ver⸗ ſchaffen 6) Diogenes, II, 56. 7) Aelianus, V. H. VIII, 4. 8) Diogen. II, 37, 37. m - 1 fhaffın kann. Wer fann es glauben, daB Plato ein Buch, worauf er feine meifte Zeit gewendet hat, woran noch die Lebhaftigfeit des Intereſſes, und bie Anſtren⸗ "gung bes Geifted, durch welche ed erzeugt wurde, ſicht⸗ bar ift, auf eine folche Art gefchrieben oder vielmehr ab» geſchrieben Haben könne. Er, ber aus Ehrgeig feige Gedichte verbrannte, weil fie den Homerifchen nicht gleich famen, ſollte feinen fchriftftellerifchen Ruhm, durch einen offenbaren Raub, der gar nicht verborgen bleiben _ fonnte, fo leichtſi inuig auf das Spiel geſezt haben? Denk Diefe arrıaeyına de Protagoras, worin er feine Geſchick⸗ Iichfeit, von jeber. Kunſt pro und contra zu disputiren, zeigte, waren ja damals in vielen Händen, und Plato führet fie ſelbſt an”). ‘Wäre es nur einigermaßen wahr⸗ fcheinlich, daß er bei einem Gegenflande, welcher feinen philofophifchen Geiſt am laͤngſten und innigften befchäftle ‚get bat, einer fo armſeligen Nochhülfe bedurft habe, um ein Buch mit Gedanfen auszufüllen, fe würde man Doch viel eher auf eine andere Schrift des Protagorag, weldye auch den Titel von der Republik führte, ale auf diefe wrwoyına rathen müffen. Aber dann mürbe mal eben fo wenig begreifen können, mie cin ſolcher Mann dazu gefommen fei,. aus den Schriften eines Sophiften, den er fo oft beſtreitet, den Inhalt eines feiner Haupt⸗ werke woͤrtlich zu entichnen. Liegt diefer Nachricht ei⸗ nige Wahrheit zum Grunde, fo glaube ich, dürfte mar am wenigſten irren, wenn man annähme, daß Plato in dieſem Werke viele Behauptungen des Protagorag be⸗ ſtritten habe. Wenn man dann ferner die Nachlaͤſſigkeit und Gebankenloſigkeit ſo vieler Schriftſteller und Com⸗ pilatoren bedenket, fo läßt es ſich gar gut begreifen, mie dieſes Zaftum verdrehet und verfälfcht werben konnte, Bern Plato wirklich dem Protagoras zum Theil ausge⸗ ſchrieben hätte, fo waͤre gar nicht abzufehen, an Hi 9) Sophifta, st B. &. 222. t wu 93 m rifioteles im feiner Politik die befondern Meinungen, ‚welche im Platous Republik vorfommen, immer unter feinem Nahen angeführet, und nicht cin einzigesmal die etgentliche Quelle angezeigt haͤtte. Die zwoͤlf Buͤcher der Geſetze werden einſtimmig fuͤr aͤcht gehalten, aber nicht ſo der Anhang derſelben, Epinomis. Elnige hielten, nach dem Zeugniß des Dio⸗ genes) den Philippus Opuntius, dem wir die Erhal⸗ tung jener Buͤcher zu verdanken haben, für den Verfaffer deſſelben. Hiermit ſtimmt Suidas auͤberein, nennt aber auf eine ſonderbate Art den Verfaſſer Philoſophus, von dern er auch mehrere Schriften anfuͤhret “). Es iſt aber hoͤchſt wahrſcheinlich, daß dieſer Nahme verfaͤlſcht, und kein anderer als Philippus if. Wenn es wahr iſt, maß Nicomachus von Geraſon ſagt, daß dieſer Anhang nicht nur Epinomis, ſondern auch Philoſophus genennt wor⸗ den ſei, fo laͤßt ſich einigermaßen begreifen, wie Euidaß daraus einen eignen Nahmen eines Philoſophen machen, und ihn für den Verfaſſer dieſer kleinen Abhandfung hal. ten Eonnte ') enter Phitipp hatte nehmlich nicht nur die Abhandlung von den Geſetzen abgeſehrieben, ſondern fie auch in drelzehen Buͤcher abgetheilet. Dem dreizehen⸗ ‘ten gab er einen beſondern Nabamk, nehmdlich Epinomis, "oder Philoſophus. Daraus Täße ed fich nun erfiären, boie aus Nachlaͤßigkeit oder einer andern Irrthum bie einung entſtehen konnte, daß Philippus, und durch einen doppelten Fehler, Philoſophus ber Urhebet von bieſer 10) Diogen. III, 37. wın ve Darıy, or bAneneg ö Oruvrıog ruc vouug TlAaranog mereypahır, drras av nen. Tara ns . vw Erweusda Gasıv inkı, x 27) Suidas v. Suassegne, dg wc Tu Hiarave vomug dnkAdv 10 ws Prfam ıB. voyag Iy auıng nencdavaı Aryeral, 12) Arichmetic, 1. I, ©. 6. Traray de ıuı TAU Tu rerar denaru Tv vonsv, Orep. Te QıAosodov ıygagun, oT Aur WepIcnore, moranın det av HirMBöRer Aral. — 33 — diefer Kleinen Abhandlung ſei. Vielleicht werben aber ei⸗ nige glauben, daß der Styl und Ausführung dieſer Sehrift, der Mangel an Zuſammenhang uud Ordnungg, und die hoͤchſt mangelhafte Aufidfung des Problems, . weiches im Eingange anfgeſtellet wird, wobei der Leſer, der mit der Republik des Plato bekannt iſt, weit mehr erwarten muß als er findet, daß alles dieſes, ſage ich, jene Meinung vielmehr beftätige ald widerlege. Allein ich ſinde eben darin einen Grund mehr, biefe Schrift für aͤcht Platonifch anzufehen. Denn ed war bie lezte feiner. fhriftficHerifchen Arbeiten, welche bie Spuren des hohen Alters nur zu deutlich an fish trägee. Sie eutbiele viel» leicht zum Theil nur hingemorfene Gedanken, deren Aus⸗ führung und Verarbeitung der Tod verhinderte. Diefe, Bermuthung befommt dadurch in meinen Augen voch mehr Gewicht, weil der Vortrag fehr ungleich if, und Der Anfang ber Schrift wirklich zu größeren Erwartun⸗ gen berechtiget, als man bernach erfüllet ſiehet. Wir gehen zu einer Hauptſchrift ber Dlatonifchen Philoſophie, ich meine ben Timaͤus, über, welche fo viel Oxreitigfeiten veraulaßt, und in neuern Zeiten die Kritik ſehr Gefchäftiget bat. Niemand beſtreitet zwar ihre Aechtheit; aber darüber find bie Gelehrten uneinig, ob nicht Plato den Stoff dieſes Werles aus einem andern eutiehnet, oder gar einen gelehrten Raub begangen babe. Es ift befannt, daß der Pythagoraͤiſche Philoſoph Tie maͤus von Loeri ein Werk vom Abwlichen Inhalt, yon der Natur gefchrieben hat, aus biefem poll Plato den In⸗ halt feines Timaͤus genommen haben-”). Die kleine Schrift non ber Weltfeele, welche dem Timaͤus beigefe get. wird, und meiftensheild unter den Werken bes Plato befimdlich iR wird von einigen für jenes —— andern a3) Celinn IN, 17. Diogen. VIII, 85. Iamblichius ad Ni- eomachi Arithmet. Proelus Gyneſius. andern hingegen für ein unaͤchtes Werk gehalten "): Aber obgleich diefer, Streit bisher von den gelehrteſten Maͤnnern mit allem Aufwande der Gelehrſamkeit und des Scharffinnes ift geführet worden, fo find doch die Fragen: ob die Abhandlung über die Weltſeele ächt oder unäht; ob fie dad Driginal oder eine Abfchrift und Auszug aus dem Vlatonifchen Timaͤus fei, noch nicht "mit der Evidenz abgehandelt worden, daß ein Unpar⸗ theiiſcher fich ohne weitere Bedenklichkeit für die eine ‚oder andere Beantwortung erflären Edimte. Die Ente fiheidung des Streites iſt alſo noch nicht gefunden; gleichwohl ift fie für die Gefchichte der Platonifchen Phi» Iofophie keinesweges gleichgültig. Ich wage es daher, auch einen Beitrag zu liefern, um mo nicht die Sache ſelbſt zu enefcheiden, doch einige Schritte der Aufflärung näher zu bringen, aber mit derjenigen Surchtfamfeit, welche die Betrachtung, daß eine Unterfuchung, welche durch die Bemühungen fo vieler Maͤnner noch nicht auge gemacht ift, vieleicht nie voͤllig aufgefläret werden wird, nothwendig erzeugen muß. | Da Hr. Barbdili der newefte Schriftfteller ift, wel⸗ cher die Nechtheit diefer Schrift mit großem Eifer be» hauptet hat, fo wollen wir zuerft feine Gründe anhören, _ und unterſuchen, in wie fern fie etwas entfcheiden. Es ift nicht nur augenſcheinlich, fagt er, daß beide Schrifa ten, die des Plato und des Timduß, einerlei Materie bes handeln, auch oft einerlei Worte gebrauchen, ſondern auch, 40) Die Aechtheit behaupten Galeus praefati. Opufcul. my⸗ thol. Tiedemann in Griechenlands erſten ——— Bardili in den Epochen der philoſophiſchen Viegriffe: Gegentheil aber: Meiners Philoſophiſche Bibliothek, * 1. G. 102. Hiſtoria doctrinae de vero deo ©. 312. Ges ſchichte der Wiffenfchaften, 1 Th. S. 569. Tiedemann im argumentis dialog. Platon. und in Geiſt ber ſpelulativen Philsſophie 1ſter B. — 95 — auch; daß des erſtern Timaͤus eine bloße Paraphraſe von ber Schrift des Iegtern, und alſo dieſe die Urſchrift iſt. Er ſchließt dieſes aus dem eigenthuͤmlichen Geiſte des Alterthumes, der in dieſer Schrift herrſchet, welcher aber nicht ſo wohl mit Worten beſchrieben, als durch eignes Gefuͤhl empfunden werden muß. Gleich die Ueberſchrift, ſagt er, fuͤhret ein unverkennbares Merkmal des Alter⸗ thums bei ſich. Sie faͤngt mit dem Nahmen des Ver⸗ faſſers und ſeines Vaterlandes an, und der Verfaſſer ſpricht immer ſo in der dritten Derfon, wie wir dies beim Ocellus und Alcmdon finden ”). Wenn auch diefe Ber merfung richtig iſt, was beweiſet fie? Konnte nicht ein neneter Schriftfieller eben diefe Gewohnheit wiffen, und fie nachahmen, wenn er einem alten Schriftfteller feine Arbeit unterfchieben wollte? Hr. Bardili hat aber dabei einen wichtigen Unterfchied überfehen. Ocellus fänge in ber britten Berfon an, gehet aber gleich zur erſten über. Der B. von der Schrift Über die Weltfeele aber ſpricht nicht ald Verfaſſer, fondern nur als Referent. riuæaios ñ aoxęoß Tram sda’ vo aırıag Miu Tav Cukzayren u.f.f. Nachdem er. in der Folge dag «ganoch einigemal wieberhohlet, dann gehet er erfi zur dDogmatifchen Form über. Der zweite Grund, worauf Barbili die Aechtheit des Timaäus ſtuͤtzet iſt der: Timaͤus nennt noch mit dem alten Worte genınuv, was Plato mit dem neuern gewoͤhn⸗ lichern seudeo» bezeichnet. Allein diefe Bemerkung bes weiſet nichts, weil fie ungegründet if. Das Wort sgu9gog fommt ſowohl bei aͤltern, als Hasınuv bei neuern Schriftſtellern vor"). Drittens, Timaͤus nennt bie Welt nie ein zwev, welches beim Plato fo oft vorkommt. Sollte denn ein Ausſchreiber gerade fo einen Hauptbegrif ausgee 19) Diogen. VIII. #3. 16) So fommt beim Homer, um beibiefem fchen gu bleiben, Bas Wort weudges oft vor, .. BlLu.v. 30. nv 38 @d. 8, v. 93. 165. 4 v. 163.196, audgelaffen baben, um den ſich alles Srchet? — Bene auch nicht der Rahme, fo kommt Boch die Sache von, wenn Timaͤus ſagt: Die Welt hat nicht die äußern Glied⸗ maßen befommen, welche andere lebende Wehen haben. Das ift mit andern Worten doch eben fo viel als die Welt ift ein zwor, weiches auch noch mehr daraus erhel⸗ ‘ jet, daß er dem Univerfum einen Koͤrper und eine Seele beileget ). Viertens. Der Locrier fpricht fehr aufge» Märt von ber Anwendbarkeit ber falſchen Borftelungen, von der Seelenwanderung und ben Strafen nach dem Tode, zum Nutzen ded Staates, eben fo wie ber feine Critias in feinem Gedichte; aber PB lato unterlaͤßt es weislich dieſe Gedanken des Locriſchen Staatsmannes in der Schule gu Athen auf feine Art auslumahlen. — Es ift wahr, Plato trägt die. Lehre von der Seelenwan⸗ derung in dem populären Sinne und ohne jenen Zuſatz vor. Allein was folgt baraus ? Etwa, daß jene Schrift ber Text, und Plato der Kommentator fei? Ich fehe niche ein, worauf jene Solgerung fich gründen fol. Fünftens. In Phnfit und Aftronomie verräth Timaͤus viel geſun⸗ dere Begriffe als Plato, der, indem er die furgen Säße des erftern weiter ausführen mil, faſt immer in Eindis ſche Traͤumereien verfällt. Der Verfaſſer ſtuͤtzet feine Behauptung auf folgende Gruͤnde: Die ausfuͤhrliche Darſtellung der Urſachen, warum das Univerſum keine aͤußern Gliedmaßen wie der thieriſche Koͤrper bebürfe; die Bildung der Koͤrper durch Daͤmonen; die vernuͤnf⸗ tige Erklaͤrung des Timaͤus von dem Athemhohlen, die Plato mit ſeichten Zuſaͤtzen durchwaͤſſerte; ber Unfinn endlich, welchen Blato über das Zeugungsgeſchaͤfte vor⸗ bringt, wovon Timaͤus kein Wort ſaget. In dieſen Punkten alſo fol ſich die Ueberlegenpeit des Simdne Erkl 7) Timaeus Lecrus ı0ter ©. bes Plato. &.7,9. Wann er G. 6. ſagt, Gott habe die Welt gebildet, dva’ XVXR ro na Aoyınov, If das was auders · als Zwar ? | 1 — „7 | Erfläruüg der Matur, unb die Unwiſſrcchelt bed Mato zeigen. Wir wollen fehen. Wenn alſo Plaͤto, für das erſte, einen Gliederban In dem Unverſum für entbehrlich hielt, weil es ein- Ganzes ausmache, außerdem nichts mehr ſei, fo ſindet ſich das nehmliche Raͤſvnmement bei ein Paar Werten andentet, Plato hingegen es ausfähr- ‚licher zergliebert; jeuer auf bie runde Seſtalt und glatte Oberflaͤche, dieſer auf die Totalitaͤt ſich berufet'®). Hier ſehe ich alfo keinen Unſinn. — Die Bildung der thie⸗ riſchen Körper durch Überfinuliche Weſen, findet ſich im Dem einen Timaͤus fo gut als bei dem andern, aber mit dem Unterſchiede, daß Mate ausdruͤcklich Roc Untere goͤtter nennt, weiche dieſe Bildang verrichtet haben, Ser Locrier hingegen, eine Quer anremsum, wobei mat wicht weiß, was ſuan denken fol. — Das Athemho⸗ den wird von beiden auf einerlei Weiſe erfläret, aber bie wäßerigten Rifpaneneend, welche Barbili erwaͤhnet, finde ich nicht, abgerechnet, daß der. Mangel au phyfiologis ſchen Kenntniſſen eine, beutlichere Befchreibung der Dis gane, welche zum Athemholen noͤthig find, nicht verſtat⸗ tete. Das find die Zufäge, von denen Barbili ſpricht. Auch weiß ich nicht, was Plato für Unfinn über das Zeugungsgefchäfte geſchwatzt haben fol, außer daß «x in Verbindung bes Zeugungstriebes mit der Seelenwan⸗ derung eine Art von präfabilirtee Harmonie aufſtellet. Das das aſtrouomiſche Syſtem betrift, fo ift es in bei⸗ den voͤllig einerlei, aber bei dem Locrier IR es deutlichetẽ . amdeinauder geſezt. Aus weichen Gruͤnden ſich das ers Flären lafſe, werden wir hernach fehen. | I Sectttzt aber, man finde das wirklich alles fo, toie es Bardisi behauptet, ſo wuͤrde man doch ſchwerlich daraus das Zeitalter der einen ober andern Schrift beſtimmen koͤn⸗ .58) Tinen Dixon ©, 910. Times. Locrus. G. 3. * | n vo. nen. Man fanu freilich nicht laͤugnen, daß oft auf richtige Einſichten von einer Sache irrigere Vorſtellun⸗ gen folgten, aber es geſchah doch meiſtentheils nur dann, wenn bie Aeltern aus dunkeln Bewußtſein richtiger Grundſaͤtze etwas behauptet hatten, die Denker der fol⸗ genden Zeit aber, eben dadurch, daß ſie ſich nach Gruͤn⸗ den umſahen, welche ſie bei ihren Vorgaͤngern nicht fan⸗ den, zu Irrthuͤmern verleitet wurden. Aber bei einem Manne wie Plato, der ſo viel Liebe zur Wahrheit, ſo viel innern Beruf zum. Nachdenken, fe viele richtige Grunb⸗ fäge beſaß, ift ed doch nicht fo Leicht zu glauben, daß cr unrichtigere Kenntniffe gegen richtigere vertauſcht haben follte, die er doch in einem Buche, welches er erklären wollte, vor Augen hatte. Die Erfahrung, auf welche fich Hr: Bar bili berufet, iR in dieſem Fall hoͤchſtens eine Möglichkeit, woraus das Verhältniß Beier Schriften, und die Yecht- heit ber einen nicht ausgemacht werben kann, bevor jene Möglichkeit nicht zur Wirklichkeit erhoben worden iſt. . * Sch fehe nur einen einzigen Weg, tvelcher vielleicht . etwas führen kann, ich meine eine forgfältige Verglei⸗ chung beider Schriften. Vielleicht laͤßt fich dann, wenn die Achnlichfeiten und Verſchiedenheiten aufgefucht more den find, ihr gegenfeitiges Verhältniß um fo eher beſtim⸗ men. Aus biefem Grunde bitte ich folgende Unterſu⸗ Kung zu benrtheilen. In Unfehung des Gegenftandes, der Hauptgedan⸗ fen und ber Ordnung überhaupt ſtimmen beide Werke dollfommen mit einander überein. Demungeachtet ftößt man auf mancherlei Abweichungen und Verſchiedenhei⸗ sen, welche theils bie ganze Schrift betreffen, theils zur befondere Echrfäge und einzelne Gebanfen angehen. Zus _ erſt bemerft man zuweilen Verſetzungen der Materien. Der Locrier traͤgt z. B. die Eintheilung der Dinge in vere, achyra und vowe; gleich in der Einleitung vor, . welche in dem Platonifchen Timaͤus in der Mitte vor fonm — 99 — kommt. Die Lehre vom Weltideal, von ben Elementen, welche ald Berbinbungsmittel ber Materie dienen, von den Verhaͤltniſſen der Elemente zu einander, hat in dem ifchen Timaͤus eine andere Stelle als beim Rocrier. . —⸗z Man findet bei dem Locrier einige Zuſaͤtze, die in dem Timaͤus des Plato fehlen. Hieher gehoͤret dasjenige, was er vom Planeten Juno ſaget, ber gemei⸗ se Mann nenne ihn auch Venus und Phosporus, weil er keine Kenntniß von der Aftronomie habe. In ver⸗ ſchiedener Ruͤckſicht heiße eben derſelbe Planet sicwagen, au und querasc. In dem Timdus finder ſich das .. nicht, aber wohl in dem Epinomis. (gter B. ©. 264, 265). Es fommen noch mehrere Zufäge aus der Aſtro⸗ nomie vor. Berner gehdret auch noch hieher, was ber . Locrier von den vier Karbinaltugenden; von ben untere irdifchen Strafen, ale Befierungsmittel, wenn andere Borftellungen nichts fruchten ; von dem jonifchen|Diche ter als Erfinder ber Strafen im Tobtenreiche; von dem Einfluß der Bhilofophie auf Tugend und Gluͤckſeligkeit faget. Drittens. Der Locrier hat nicht nur Zufäge, fondern übergehet auch vieles mit Stillfehweigen, was man in bem Platonifchen Zimdus findet. Man vermiße unter andern bie Darftelung der Kolgen, welche Plata aus ber Bereinigung der unfterblichen Seele mit ber Or⸗ ganifation ableitet; Die Rede bes oberften Gottes, in wel cher er die Bildung der finnlichen Natur bes Menfchen ben Untergöttern aufträget; bie ausführliche Angabe von den Zahlverhältuiffen der Weltfeele; die ausführliche Aue gabe der Eigenfchaften ber Körper melche fich auf bie Ausdehnung und Geſtalt begichen (qualitates primariae); Die Lchre von der Bewegung und Veränderung. In der Echre vom menfchlichen Körper find viele Theile nicht befchrieben, und bie Krankheiten find weit fürger abge⸗ handelt. Viertens. Manche Begriffe werden von bem Locrier viel beſtimmter und beuslicher angegeben, einige aber auch durch einen But verfälfcht. So wide ii 2 , —— 100 en ‘das, was Plato einen ayızwos 1ndeos nenmt (Timaeus ©, 349.) von einem analogifehen Schluffe S. 5. Wenn er aber das Objekt, welches Plato durch die Nahmen roxoc xxęn bezeichnet, auch vr nennet, fo macht dr eines Theils den Begrif durch ein befannteres Merkmal deut⸗ “Sicher, verfälfcht Ihn aber auch zugleich, indem vr nicht gerade das enthaͤlt, was Plato durch den Inhalt bes sowoe bezeichnen wollte. Endlich iſt dad noch ein bes trächtlicher Interfchied, daß bei dem Locrier nicht fo dicke Wieberhohlungen und Augfchmweifingen vorfommen ; daß die Darftelung der ganzen Naturlehre viel zuſammen⸗ hängender, lichtvoller und flarer ift, als fe in dem Ti⸗ maͤus des Plato vorkommet. Außer dieſen allgemeinen Merfchiebenbeiten, will Ich noch die beträchtlichften Abweichungen, welche dag Einzelne betreffen, angeben, fo viel ich beren habe be» merfen können. 1) Die Materie, fagt der Locrier, ge hoͤret zu der veraͤnderlichen Natur, (rue vu Jarıeu Quesae. S. 4.) Plato aber glaubte, daß ihr auch in gewiſſer Muͤckſicht das entgegengefeßte Prädikat vo rare jukom⸗ 'me. ©. 344. 2) Das Beharrliche im Raume nen Plato iden, xun, rorc. ©. 348, 349, 350. Der Locrier braucht diefe Benennungen von ber Materie, (dr) und fege noch hinzu, fie nennen es fo (weosaye- gevorrı ds rav Ua Tewov xaı Zwgav ©. 4.) fum offenbaren Beweis, daß dieſe Ausdruͤcke ſchon etwas bekanntes wa⸗ ren. 3) Der Locrier nenne die Welt era und movoyary ohne weitere Gründe anzugeben, welche man aber bei ‘dem Plato finde. 4) Er fagt, die Melt in ber Idee ‘ fei deos voyra wayrerye, Die Welt in ber Erſcheinung dgos vun aıdurav. ©. 7., welches man beim Plato in fo bes -flimmten Ausdrücken nicht finde. 3) Die vier Ele mente fichen nach Platos Meinung in einem folchen Verhaͤltniß, daß fie eine Proportio diskreta ausmachen, ©. 307, 308. ber Locrier hat nur brei Proportional- glieder, alſo auch uur eine flätige Proportion. ©. 7, $. 6) Pla * — IdI — 6). Slato wine juuri Veſtandtheile der Weitfeck au, u apepısyd varav 'DDET vw vs Tayr wen, zweitens —2* sep wear DDEE sw Tu Sureps oem. ©. 316. Der Bocvier nimmt zwar auch wei Beſandtheile an rar ans- ge und zuv ep open, Serbindet aber damit zwei Säle ep zu vuırs MED eur zu Jarıga insg. Dieſe beiden Kräfte neunt er die Principe ber Beyegung. ©. 9. 7): Die Zahlenverhältniffe der Weltfeele giebt Plato be⸗ ſtimmt au, bet Locrier aber nur die Zahl und Summe ber Glieder. ©. 9, 10. 8) Die Bewegung ber. Him welöfdrper baſtimmt der Locrier genauer qls Plato. Dez aͤußerſte ‚Kreis ‚der. Fixſterne, ſagt er, hewegt ſich vom Morgen gegen Abend ;. ‚ber Kreis der Planeten hingegen von Abend gegen Morgen. Das iſt aber offenbar eine ausfuͤhrlichere Erfläsung der. Worte des Plato G. 315. nara TavaeTın jv MAMNIE wpOHsTafer ımwa: wur yuniun, - 9) Plato fags,- die Erde ſei unter allen Elementen das db fe. 323. Der becrier füge noch bie Urſache His weil die uͤbrigen Elemense ohne Erde nicht beſtehen koͤn⸗ um. ©. 13. Er behauptet auch von ber Erbe, daß fie . gleichſam in der Luft ſchwimme. Dies finder ſich zwar wicht. in dem. Timaͤus des Plato, aber wohl in dem Phaͤ⸗ de, S. 264. 10) Die Lehre von den Triangeln, aus weichen bie Natur jedes einzelnen Elementẽ abgeleitet wird, iſt bei dem Locrier S. 14, 15. ausfuͤhrlicher, be⸗ flimumster wub dentlicher als bei dem Plato. S.254, 255. 11) Die Proportionen ber Elemente trägt der Kocrier jweimal vor ©. 7. und ©. 16; das anberrmal aber dentlicher und ausführlicher und mit dem Plato über einfiimmendber. 12) Die Anwendung der Arten von Sriangel zur Estlärung ben Elemente if bei dem Plato ausführlicher als bei dem Timaͤus. ©. 357 eg. 13) . Die zwei Arten des Fluͤſſi igen erfläret Plato weitlaͤufiger ©. 363. ber Locrier kuͤrzer, nennt aber von jeder Battımg Arten. ©. 17. Hier kommt auch eine befon«, se Art von Eiſen, soym vor. 14) Bei .bem Locrien. rn — G 3 ©. 17. — 102 — S. 17. kommt dad Wort unen vor, anſtatt wupuäuryum oder «aa, welches Plato niemals fo gebrauchet. 15) Die Bildung der fterblichen Seelen läßt Plato von den Un⸗ tergöttern auf ven Befehl und nad) dem Muſter ber ober» ſten Sottheit; der Locrier aber von der Yves arromri geſchehen. S. 17. 16). Die fierblichen thierifchen We⸗ fen, Zua nennt-ber Locrier auch «pauscıa S. 17. ein Aus» druck, der bei dem Plato nicht vorfommt. 17) Die Seele 'hat zwei Beſtandtheile, das Ayızav umb wroyor; Jenes iſt aus vue ravru Quaamc, bieſes aus rus ru drum Yen genommen. ©. 18. So beutlich und beſtimmt kommt' das bei dem Ylato nicht vor. 18) Das Wort syn S. 18. ſcheint neueren Urſprungs zu fein, wie sys- novzov. 19) Bei dem Locrier iſt bag Ruͤckenmark das Be⸗ haͤltniß des Zeugungsſtoffes und des Saamens, aus wel⸗ chem er in andere Theile verbreitet wird. &. 13. Plato fagt zwar eben diefed &. 394,395, aber fehr dunkel. 20) Das Wort rind. kommt &. 19. bei dem Eocrier in einer befondern Bedeutung vor, nehmlich für Apper- ception, welche in bem Plato nicht gefunden wird. 21) Plato widerleget die Meinung, als wenn es zwei ver⸗ ſchiedene Gegenden, Unten und Oben in ber Welt gebe. ©. 371. ber Locrier erfläret S. 20. biefe Begriffe, ohne fich in die Sache ſelbſt einzulaffen. 22) Die Erfldrung ber "Urfachen- vom Achemhohlen macht Plato S. 410. durch die Erſcheinungen ded Magnets und ded Slektrums, ber Locrier aber burch Beifpiele vom Euripus, Schroͤpf⸗ Köpfen und Elektrum anfchaulih. S. 23. 23) Die Vollkommenheit des Menſchen befihreibt Plato mehr im Allgemeinen, als Harmonie des Leibes und der Seele ©. 426. der Locrier mehr den einzelnen Theilen nach. ©. 26,27. Auf diefe Verſchiebenheit gruͤndet fich auch ihre Heiberfeitige Lehre von der Vervollkommung und Beſſerung des Menſchen. 24) Der Locrier fagt, am Schluffe, Gott Habe die Regierung ber Welt der Neme- ße nebſt den ſtrafenden Erdengeiſtern den: wzrapvaucıe Yen ⸗ — 103 — Sms aufgetragen, wodon man bei bem Plato nichts us ben - Beinerfungen, welche ich biß hieher ge⸗ mache habe, siehe ich, fülgende Refultate. Wei Ber Leber einftimmung beider Schriften ki Anfehung des Inhalts, Drönung und einzelnen Lehrſaͤtze laͤßt ſich nichts anders denken, als daß die Schrift des Loeriers entweder ber Zayt, welchen Plato in feinem Timaͤus fommentirte; ober ein Auszug if, toelchen ein dentender Kopf aus dem Pla⸗ toniſchen Timaͤns machte. Nun fommt ed darauf an, welche von beiden Meinungen mehr Brände fuͤr ſich Habe, und das laͤßt ſich Iticht beantworten. Die Verſchieben⸗ beiten und Abweichengen, welche ſich vorgefunden haben, in Verbindung mit einigen andern hiſtoriſchen Zeugniſſen, ſtimmen ſo oſſenbar fuͤr die lezte Meinung, daß ich mir ſchmeichele, alle unpartheilſche Leſer werben ihr beitreten. Denn erſtlich kommen in ber Schrift von deu Weltſeele Sihren vor, welche nach dem Bericht gültiger Schrift⸗ ſteller Plato zuerſt erfunden hat. - Hieher gehoͤret vor⸗ zäglich der Lehrſatz, DaB das Beharrliche im Raume (weiche er roros, zug ud era nennet) das Subjekt aller Beraͤnderungen fi. Nicht allein Ariſtoteles fondern and) Plutarch derſichern einſtimmig, daß Plato der Er⸗ finder dieſes Satzes I”). Ferner gehoͤret bicher die Lehre von dem Empiriſchen Urfprunge der Zeit. Ariſto⸗ teles ſaget ausdruͤcklich, alle Philoſophen ſtimmen darin mit einander uͤberein, daß die Zeit nicht entſtanden ſei, .— 64 nur 19) Ariftotel. Phyficor. Avic. IV, a. Alle Philoſophen, ſagt er, Rimmen darin überein,‘ dad voroc etwas fei; Nur - Slate mar der erſte, der einen Verſuch wagte, zu beſtim⸗ men, was roxoe ſei. Simplicius, S. 125, 126. Plutarch. Ae oraculor. defeftu & 414. ner Anyuan di Aryorray drı TlAarewv Fo Taıg yevapavasc TRIETHEil ÜROREIREVO TOHLEN efeuge; 6 vun dA ua Dune wuAdst, mA REHAARZE Ba yıyarım awıgun Tac PrAnesYEH. - 0 un. 104 — u | mer Plato behauntet dies”). Sin derfelbe behauptet. auch, daß Plato guerft über die Entftehung der Elemente ſpeculirt habe. da genent..ı, 2. Es iſt wahr, man koͤnnte hier noch den Einwurf machen, daß ohngrachter: Plato für den Erfinder biefer Säge gehalten werde, es doch fehr maͤglich feir. daß er. fie zuerſt aus der Schrift. des Timaͤus genommem habe: allein er wird Durch das Folgende hinlaͤnglich widerleget werden. Zweitens, bie. Lehre von den Ideen, welche in diefer Schrift vorfomme,, fuͤbret augenſcheinlich den Charalter ber Platoniſchen abe nicht der Pythqgoraͤiſchen Philoſophie au ſich Denn obſchon bie Zahlen der Pythagoraͤer Aehnlichkeit mit den ben haben, fo. hetrachteten ſie dieſe Philoſd⸗ phen doch als den Dingemn inbaͤrirend, waͤhrend ſie Plate von ihnen abſonderte“). Die Pythagoraͤer machten die Zapf len] zu dem —— der Dinge, Blate aber nicht}. Drittens. Plato-nermmaaneite bie Zahlen der Pythagoraͤer in Ideen. Es fire daber nicht wehl zu begreifen, daß in: biefee Schrift, wenn fie-von eimem Pythagoraͤer her⸗ ruͤhrte, ſo wenig, ja noch weit menigee, als in dem Matanifchen Timuͤns nen her Zahlenlehre vorkemmt. Vielleicht wird mancher dagegen ſagen, Adieſe Schrift enthalte keine exoteriſche, ſondern efoterifihe Philoſo⸗ phie, wobei die Zahlen als Vehlkel von gaheimgehaltenen Lehren entbehrlich wer. Das erſte pagegihen, welches der Inhalt der Schrife-sollfommen befkätigen fo iſt doch dieſe Schwirnigfeie Im geringſten nicht gahbben. Denn Ariſtoteles behauptet, daß die Zahlenlehren nicht zur exoteriſchen, ſondern eſoteriſchen Philoſophie gehoͤret habe, und damit ſtimmt der Sci dieſer Philoſophie voſl⸗ Fommen überein. Bon dem Eeatralfeier und den gehen : Yin 20) Ariftatel. Pie. VI. r. Simplieius, ©, 265. edit. 32) ‚Aritterel. Meraphyf. 1,6. Xi, 4 . 83) Ariftotel. Metaphyf. 5:6. Plata Sophifte, ©. 259, —⸗ +05 HSinmelskoͤrpern, welche die Pyrhagocaer behaupteten, finder man auch nichts in dieſer Schrift. Doch baraus allein laͤßt fich die Aechtheit oder Mudchtbeit derfeißen: nicht eutfcheiden, weit es moͤglich Hi, daß Timdus iw Diefen Punkten vor fainer Schalbe abweichen Tonne: Gicht es aber noch andere Gründe, um biefe Streitfache auszumachen, tor. wicklich ber Bat Hi, fo koͤnnen Me durch biefen Umßand noch mehr an Grwicht und Stärke gewinnen. Mitrtens: Es Finden: ſich in dieſer Schrift Begriffe und Acccdruͤcke, weiche vled neuer als Timänd wur Platons Zautalter ſind. So iſt der · Ausdruck day Mir Materie nach befhimmcen Zeugniffen neuer als Plato, au wahe ſcheinlich von Ariſtoreles erfunden ") gIn dem Plato tomm dees Wort · zum wenigſten in bieſet⸗ Bedeutung nicht vor. Eben dieſes gilt auch von bed . Mort summer, Hufacht auch fynunm. ‚Einige Schrift eler behaugren. auch, vieleicht mickt.ohhe Grund, bofh das Wort zoom, weicheg auch ie dieſer Sphrift vore Sanıms, zuerſt von dem Pinto ‚in der. Bedeutung «ine Elements gebraucht worden fi ’*) Fuͤuftens. Der Ver⸗ koffer dieſer Schrift giebt in einigen ‚Stellen deutlich ps erfennen, daß er weder Ticraͤus ſelbſt fer, noch in fir -frühen Zeiten gelebt habe. Denn gleich zu Amfange fpricht er nicht in der erften Perſon von fich, fonderm trägt die Gedanken des Timaͤus als Neferent vor, - Die Degriffe von Idee und von ca, giebt er als von andern behauptete und laͤngſt bekaunte an ”). Sechſtens. Eim plicius, der, wie es ſcheint, das Original vom Timaͤus vor ſich hatte, unterfcheidet den: Achsen Timaͤus, und 85 vn a Plucarchus, l.c, Sumplicius in Asiftotel. Bay * Stmplichu, l: 'e. - Diogen. IMs 24. * a5) Timaeus Locr. S. 4. raurev yae Tı ray lea Ayıcdar vu naı vonıcde:, Ebendaſ. zeoenyogworrı ds rav VAay vowav ua zuen. ©, 80. Kane äs uuı- mager Taırey Yairı, — 106 — a‘ ms som Plata perſonificirten Zimänd. Plato, fagt.er, u gehet zwar ben nehmlichen Gang ald Timdus, in ben Unterfuchungen über die Matur,-aber er bat alles ‚mie mehr Klarheit und Deutlichkeit entwickelt”). Ich glau⸗ be, diefes find Gründe genug um darzuthun, ba bie Schrift von der Weltfeele weber vom Timaͤus noch ven einem andern Pbilofophen vor dem Plato. geſchrieben ifl,. fogbern ven einem viel fpätern Verfaſſer, ber ben Ti⸗ mäus des Plato in ein Kompenbium- sufammendrängte, herruͤhret. Und wen laffen ſich fehe viele wen ben obi⸗ gen Berfchiebenheiten 5, B. daß Gedanken aus andern Platoniſchen Schriften torfommei, hbaß in einzelne Theilen bie Ordnung etwas verändert If, daß bie ange Darfellung mehr Klarheit und Demlichfeit hat u. fe ww Pr natürlich erklaͤren. Eine gan; andere Krage aber iſt es, ob Plato nicht geirftich ben Inhalt bes Kimaͤus zum wenigſten zum Theil aus einer Pythagoraͤiſchen Schrift genommen babe; ba fo viele alte Schriftſteller dieſes behaupten, ſo muß ſie freilich hejahet werden. Nur waͤre zu wuͤnſchen, daß Die Schrtiftſteller auch einſtimmig die Schrift neunten, welche den Stoff zum Timaͤus bergab. * Die dreizehen Briefe, welche wir noch vom plats haben, finb zuerſt von Herrn Meiners in Anſpruch ge⸗ nommen worden, obgleich bie Alten, fo viel wir aus thren Schriften wiffen, nicht im geringſten an der Aecht⸗ heit derſelben zweifelten. Die Gründe, worauf dieſer berühmte Kritiker feine Behauptung ſtuͤtzet, find meiſten⸗ cheils nur dunkele Stellen, und andere hiſtoriſche Schwierigkeiten, toelche aber meiner Meinung nach theils Burch die Ofnterpretation gehoben werden koͤnnen, theils ichs von ber Urt find, daß man ihrentwegen einen gan⸗ gen Brief für unaͤcht zu erklären genoͤthiget waͤre. 3 26) Simplicius ia Phyſic. Ariftor. ©. a ! . Ich ſchon An einem anbern Drte diefe Gründe beleuchtet Habe, und nach wiederhohltem Nachdenken fein andere Re⸗ ſultat habe finden koͤnnen, fofann ich mich der Kürze wegen auf die Schrift: Lehre und Meinungen ber Sofratifer Aber Unfterblichkeie berufen. Serhiewerbeich meine Mei⸗ nung zuruͤcknehmen, fo balb ich durch Gruͤnde von dem Gegentheil überzeugt werde. Bis dahin aber-halte ich die Briefe für ächt, nicht allein auß dem Grunde; weil bie Einwuͤrfe dagegen nicht beiveifen, was fie beweiſen ſoll⸗ ten, ſondern auch weil ich die Aechtheit derſelben durch⸗ unmittelbare Brände wahrſcheinlich zu machen im Stan⸗ de bin. Die Ausführung derſelben gehoͤret hieher. Erſtlich werden biefe Briefe von den Aiten für aͤcht aherfatint. - Diogenes’ führt fie alle breisthen an, ohne den geringſten Wink u geben, daß irgend tin Kritiker einen Zweifel: Aber bie Aechtheit des einen ober andern gehabt Habe. Selbſt Thraſyllusließ fe für-ächte Beicfe des Plato geiten ”’) EB iſt aber ga benterfen, daß Diogenes den erſten unter den noch vorhandenen, wie Billig, nicht mit unter die Platoniſchen rechnet, weil er Beh Dio zum Berfaffer bat. Dagegen erwaͤhnet er vier Briefe an den Dionyſtus, von welchen nur breie uͤbrig find, und einen an Ariſtodemus. Alſo wären zwei ver⸗ lohren gegangen, wenn nicht ber zehente an ben Ariſto⸗ darus, der nehmliche IR, welchen Diogenes an den Are ſtodem betitelt. — Eine Stelle des Dionyſtus von Ha⸗ licarnaß kann auch für einen Beweis ber Aechtheit zum wenigſten von einigen gelten“). Cr ſagt, man koͤnne Die Briefe des Plato für eine Art von Volksreden anſe⸗ hen, welches fehr gut auf den ſtebenten und achten paßt. Man findet auch einige Stellen bei alten —— welche 47). Diogen. 1, 61 42) Dionyf. Halic. de dmirabili vi dieendi in Demofthe- ne, edit. Oxan. ©. 289. duusyogım de ws‘ u u ri *⸗ Tag tnoaac Psreraı duunyogias KMAtly. / —. 104 — welche für. bie Aechtheit bee einzelnen Briefe ſprechen, indem ſie einige Gedanken aus denſelben citiren. Ich vill dieſe Stellen nach der Ordnung der Briefe zuſam⸗ * menſtellen. Den zweiten Brief alſo führet an Aglianus V. H. XI, 25. Ariftides Orat. IL Platonita. Stobgens . ©. 42. ©. 191. Athenaeus, am Ende feines Werkes, Inltanus, Orat. Tu arardıuruc wwyag. DEN dritten Sto⸗ baeus, S. 148, 506. den vierten Plutasch. de ar mine.amici ©. 69. de vita Dionis &. 961, 981. baeus, ©. ‚318. den fünften Cicezo ad Diverl. I, “ ben fiebenten führet Plutarch ſehr oft im deben des. Die an. Cicero. ad Diyerl. x, 9. Tufgul. Qu. Y. 35. Ans Sides Orat. I. Platonica. Stobasus, S. 59. dan ˖achten Asifiid. Orat. I und II, Platon. Stobaeus, ©. 280, 3224 327. ben. neunten Cicero Officior. 1, 7. de Finib: LI, 134. Stobagus,, ©. 302, ben breigehenten Plurazchus Diene, S. 966. de vitioſo pudore, S. 533. de ira eo- hibenda.: Es fehlen alfo nur noch Beweisſtellen für den fechfien,. zehenten, eilften und zwoͤlften, welche aber doch vielleicht noch gefunden werben koͤunen. Es iſt auffallend, daß gerade diejenigen, deren Aechtheit Sera Meiners beſtritten hat, durch die angeführten Stellen für Platoniſch erfannt worden find. Nicht allein aͤußere fondern auch innere Grund⸗ . fprechen offenbar für die Aecheheit derſeiben Mer Pas toniſche Schriften geleſen bat, wirb auch hier feine Sprache, Ausdrüde und Werhuggen twiebes- Anden, fe verſchieben auch übrigen®: der Briefſtyl fein map Es kommen fo viele umfiändliche Nachrichten aus dem Pri⸗ vatleben des Dionyſius, feinem Verhaͤltniſſen und Be⸗ fragen gegen ben Plato, ſeinem ganzen Charakter ner; und alles dieſes ift mit fo vielen Fleinen Umftänden ver⸗ webt, daß niemand anders als ein Mann, der Augenzeuge von dem allen war, ber DVerfaffer von denſelben fein kann. Erdacht Einen die Erzaͤhlungen nicht fein, denn ihnen iſt das Gepräge ber Hiftorifhen Wahrhelt allzu kennt⸗ x j — 109 — kenntlich aufgedruͤckt. Plutarch, ber in dem Leben des Dio fehe viele vom biefen Thatfachen erzählen, bemer- fet nur ein einzigedmal eine Abweichung anderer Hiſto⸗ ‚rifer von einem Bericht des Plate. Die Urtheile Über den Charakter bes Athenienfifchen Volkes, über Ihre Mes gierungdform und Staatsveränderungen zeugen ven ei⸗ nem ſcharfen Beobachter, der die Sachen in ber Kühe Perrachten konnte *), Eben das gilt auch von dem Urs theil über Sokrates. Von noch größerem Gewichte find bie einzelnen Nachrichten von Platos Leben, Den⸗ kungsart, / Geſinnungen, dem Gang der: Entwickelung ſeines Geiſtes und ſeiner Philoſophie; ſie ſind Selbſtge⸗ ſtaͤndniſſe, deren Urheber Fein unbefangener Leſer verlen ⸗ nen kann. Die Philoſophiſchen Lehrſaͤtze, welche hin und wieder eingeſtreuet werden, find keine andern, als welche fih in feinen andern Schriften wieder finden, und ß⸗ werden immer fo erfläret und angewendet, ald nur der- —* konnte, der die Reſultate ſeines eigenen Denkens ihnen niedergeleget hatte. Kurz alle Briefe haben ini Ganzen und einzelnen Theilen fo viel Selbſtſtaͤndigkeit, Banterfeit und Perfönlichkeit, daß wir fie feinem andern Schriftſteller mit einigem Scheine brilegen koͤnnen. Auf der andern Seite laͤßt ſich fehr wenig filr Die Möglichkeit, daß fie untergefchoben fein Edunten, fagen: Der Ton, die Manier, ber Geiſt, der in ihnen athmet, iſt Natur, nicht Kunſt und erfünftelte Aehnlichkeit. Wären fe eine Arbeit eines fpätern Schriftſtellers, fo würde er / saoif DH 306h bemerke hier noch eine etwas abweicheude Nachricht von den dreißig Tyrannen. Plato fagt, es wurde eine Re⸗ sierung von eilf Perſonen für die Stadt, und gehen für . den Hafen niebergefäit s die breifig aber hatten die obere Oteatögewalt in Händen. Epift. VII. ©. 93, 94. Plus tarch in dem Leben des Lufanders ©. 441. erwähnt ande den dreißig noch die schen Regierungsrärhe füs den "Hafen. Hewi dafür geſorgt haben, daß wir nicht bier und de auf dunfele und rächfelhafte Stellen, und auf hiſtoriſche ‚Schwierigfeiten oder unaufldsliche Probleme traͤfen, weıl er für das Publikum fchreiben mußte. In dem Falle war aber Plato nicht, der fchrieb nur für biefenis gen Perfonen, an welche die Briefe gerichtet find. Allein, wird man vielleicht fagen, finden fich ſolche Schwierig⸗ keiten nicht auch in folchen Briefen, beren Unächtheit entfchieben iſt 5. B. in denen ber Sokratiker? Wie koͤn⸗ nen. fie alfo bier ein Zeugniß für die Aechtheit ablegen ? Ich gebe das Faftum zu, Iäugne aber die Folge wegen Verſchiedenheit des Gegenſtandes. Jene Briefe entbeh« ren nicht nur aller der innern und aͤußern Gruͤnde und Empfehlungen, ſondern tragen auch allzu deutliche Merk⸗ male der Unaͤchtheit an ſich, als daß man von ihnen ir⸗ gend eine Anwendung auf dieſe machen koͤnnte. Und dann ſind die Schwierigkeiten in jenen von ganz anderer Beſchaffenheit als in dieſen. Dort rühren fie offenbar von einer großen Unkunde der Gefchichte und Chronolo⸗ gie ber, Hier trift man feinen einzigen von diefen Fehlern an. Endlich laͤßt ſich auch nicht die geringfle Abfiche denken, warum irgend ein Schriftfteller diefe Briefe uns tergeichoben baben follte. Denn man könnte ihn weder unter die Freunde noch Feinde des Plato zählen, und haͤtte er die Abficht gehabt, den Plato zu befchuldigen oder zu vertheidigen, (vorzüglich was feinen Aufenthalt in Sicilien betrift) fo würde er gewiß feiner Schrift eine andere Sorm gegeben haben. Bloße Nachahmungsͤſucht kann ich mir ‚bei einem folchen Manne, ber fo viele gute Eigenfchaften bed Ders ſtandes und Herzens offenbaret, nicht denken.” Mar darf auch nur die Briefe aufmerffam lefen, um wahrzu⸗ nehmen, daß fie feine Nachahmungen find, und ber Der faffer feine fremde, fondern nur feine eigne Role fpielet. Ehe ich weiter gehe, muß ich noch eine Bemerfung Aber den dreischenten Brief machen. Plato empfichlee in * — 111 — in demſelben dem Diennfius einen gewiſſen Helieon, und lobet ihn als einen braven Mann. Doch, ſezt er noch hinzu, ich weiß, daß ich von einem Menſchen, das iſt, von einem fehr veraͤnderlichen Weſen ſchreibe ”). Plu— tarch, ber dieſe Stelle anfuͤhret, giebt und die Nachricht, baf fie am Ende des Briefes gefianden habe ’”). Iſt diefed wahr, fo koͤnnte wohl die andere Hälfte deffelben mmaͤcht fein. Oder find etwa durch Nachläffigfeit‘ der Abfchreiber zwei Driefe in einen sufammengefchmolsen? Dieſes ſcheint mir aus dem Grunde wahrſcheinlicher, Plutarch an einem andern Orte eine Stelle aus der jweiten Hälfte chtieret ”). Und dann hätten wir audh gerade fo viel Briefe an den Dionyfins, als Diogenes angiebt. In dem fechften Briefe find gegen das Ende einige Worte von neuerer Hand eingefchoben tworden, welche Gelegenheit gegeben haben, daß man ben ganzen Brief für undcht und vom einem Chriften untergefchoben hielt. Unter denjenigen Dialogen, welche gewoͤhnlich un⸗ ter die unaͤchten gezaͤhlet werden, iſt nur einer, welcher aller Wahrſcheinlichkeit nach eine Stelle unter den aͤchten verdienet, nehmlich Clitopho. Serranus bat ihn, ich weiß nicht, ans welchen Gruͤnden, dieſer Stelle für uns würdig erfläret, und ihm find alle mie befannten Ausga⸗ ben gefolget. Allein die Alten hielten ihn einftimmig für eine dchte Platonifche Arbeit, und einige legten ihm fo großen Werth bei, daß fie mic ihm die kektuͤre der Ir lichen 29) Epiftol XII, ©. ı7r. 30) Plutarchus de vitiofo pudore. ©. 33. 31) Plutarch. Dione, ©. 966. dc w Yun d mare admnde ’ ‘. zu Ta Asmvı Wepl BayTav GvETUXe, YEadsı Wpos ToV TUparı@y BrITOAWM, FT MeV ara —* wadıy, AUTO da ruro Movov Yılla Puaay cxrrve⸗ Genluckr, oe —W Ari Bepi TE rö- 16: ausıu, mas @pedea dyAog FU ZmAszaıy, 8 TUTO AYer. GG ıfepyasarrc, MBpiftel. XII, ©. 176. dichen: Schriften des Pate anfingaic”). Obgleich dat, Was wir fest unter diefem Titel haben, nur ein Brach⸗ Rick zu fein fcheint, fo fichet man doch fo viel, daß das Banze ein intereffanted Stuck muß geweien fein, indem es bie Uetheile enthaͤlt, weiche die damaligen Menſchen Über die Lehrmethode des Sofrates und ihren Nutzen und Anwendung fäleten.. Mermuthlich. machte Sokrates Rechtfertigung ben verlohren gegangenen Theil aus. Der Verluſt dieſes Dieleges iſt um ſo mehr zu be⸗ dauern, ba bie Bearbeitung dieſes Gegenſtandes gewiß wichtige Materialien für bie Geſchichte der Sokratiſchen und Platoniſchen Philoſophie wird enthalten haben. | Die Definitionen, weiche gewoͤhnlich unter den nu⸗ ächten Schriften ſtehen, kann ich. hier nicht mit Stil. ſchweigen uͤbergehen, weil fie bei der Sicarbeitung ber Platoniſchen Philofophte nicht unwichtig find. Deus da Plato in den meiſten Dialogen nicht feine Saͤtze auf ftellet, fondern nur andere Meinungen und Begriffe de ſtreitet, ſo kann es nicht anders als augenehm fein, in dieſer kleinen Schrift die Hauptbegriffe ſeiner Philoſophie beiſammen zu finden. Aber freilich muͤßte es vor allen Dingen ausgemacht ſein, ob dieſe Sammlung von De⸗ finitionen nicht von einem neuern Schriftſteller herruͤhre. Zum Unglück ift diefe Frage ſehr problematiſch, ſeit dem Herr Meiners ſich Muͤhe gegeben hat zu beweiſen, daß die ganze Sammlung wegen einiger nicht Platoniſchen Definitionen ſehr verdächtig fei. Unterdeffen wenn diefeg r von einigen erweislich ift, fo kann der Geſchichts⸗ *— noch immer von den uͤbrigen einen, freilich vor⸗ fichtigen Gebrauch machen. Allein, wenn man einige offenbare Schreibfehler abrechnet, fo laffen fich die au» gefochtenen Definitionen noch immer rechtfertigen. Odb dieſe Definitionen von dem Plato ſelbſt aufgefezt worden, iſt eine Frage, welche wegen Rargtl an Nach⸗ x nf richten 32) — un, “a. . — 13 — richten nicht leicht zu beantworten iſt, zum wenigſten nicht anders als aus der Schrift ſelbſt beantwortet werden kann. Indem man nun findet, daß von einer Sache ſehr verſchiedene Erklaͤrungen gegeben werden; daß fir nicht einmal zuſammengeſtellt find ; daß Defini⸗ tionen vorfommen, welche von Plato oft beftritten wer⸗ den: fo kann man wohl nicht ohne Grund annehmen, daß diefe Sammlang nicht ben Plato, fonbern einen an⸗ dern Mann zum Verfaſſer babe. Denn Plato wiirde fie getoiß mit etwas befferer Drbnüung gemacht und feine von ihm beftriscenen aufgenommen haben. Hoͤchſt wahre ſcheinlich ift dieſe Schrift auf folgende Art entfianden. Es fchrieb ein Mann, gleichviel wer er fei, die Definis tiongg, die er in den Plafonifchen Schriften gelefen, und fo wie:er fie gefunden hatte, anf, unbefünmert, ob fie vom Blato angenommen torden waren, oder nicht. Hieraus mußte freilich eine Sammlung ohne Plan und Ordnung -entfiehen,- wie die gegenwärtige iſt. Unteres deffen fo unvollkommen fle auch geratben tft, fo ann 6hr doch aller Nutzen beider Gefchichte der Platonifchen Philoſophie nicht abgefprochen. worden, teil die meiſten mit der Platonifchen Philofopbie Übereiuftimmen, und manche die Werkmale der Begriffe deutlicher angeben, als es in den Platonifchen Schriften geſchehen if. Wenn auch eds nige vorfommen follten, welche fich mit feiner Autorität bes ſtaͤtigen ließen, fo darf und dag nicht befremden, weil, wie Bafb gezcigt werden foll, nicht alle Blatonifche Schriften mehr vorhanden find. Aber bedauern muß man, daß dieſe Sammlung fo unvollſtaͤndig ift, indem fehr viele von den twichtigften Begriffen gang und gar fehlen; 06 durch Nachläffigkeit des Verfertigers oder durch ein un« guͤnſtiges Schickſal, kann nicht entfchieden werben. Nach Diogenes Bericht ?) hatte Speufip eine Schrift dee: verfertiget. Ob das was wir haben, diefe Schrift gang, oder zum wenigſten ein Stüd bavon fel, getrane | ich 33) Dingen. IV, 4. 9 ⸗ ! ‘ J — 114 — ich mie weder zu behaupten noch zu laͤugnen, weil ung alle Nachrichten von der Beſchaffenheit derſelben fehlen. Wenn einige verlohren gegangene Schriften von Blato noch vorhanden wären, fo wuͤrden fie vielleicht uͤber ſeine ganze Philoſophie und uͤber viele verwickelte Fragen nicht ‚wenig Licht verbreiten. So ermäßnet Ari⸗ ſtoteles feine aygapa doyuara *), Doch iſt es ungewiß, ob diefes wirflich eine Schrift geweſen ift, oder ob Ari» floteles nur diejenigen Lchrfäge verficher/ welche Plato in feiner Academie mimdlich vortrug Aber fo viel ſcheint wahrfcheinlich zu fein, daß fie feine efoterifche Philoſophie ausmachten. Wüßten wir nur mehreres von dem Inhalte derfelben. Noch: ein Werk: citieree Ariftoteles, welches verlohren gegangen iſt, neßgilich Jungen”). Bon welchen Inhalte e8 gewefen fei, laͤßt ſich nicht beſtimmen, aber aus dem Umſtande, daß Plato in demſelben nur drei Elemente annahm, kann man mit Grunde folgern, daß es auch ein eſoteriſches Werk war. Diogenes hat noch ein Fragment aus einer uns unbe⸗ kannten Schrift des Ariſtoteles aufbehalten, in welchem einige Platoniſche Eintheilungen vorkommen. Ob dieſes Fragment aͤcht ſei, iſt eine Frage, welche nicht leicht ent⸗ ſchieden werden kann. Unterdeſſen, da Diogenes noch einige Schriften angiebt, in welchen Ariſtoteles Auszüge aus Blatonifchen Schriften gemacht bat, und gderſchiedene Bücher genannt werden, welche iuugsesıs bee titelt waren, fo iſt es zum wenigſten nicht unwahrſchein⸗ lich, daß Ariftoteleß auch die Platonifchen Eintheilungen u sefammee haben fönne Dazu kommt noch, daß biefe 34) Ariftotel Phyficoe NZ 2. fagt ev Tus Asyonmös aygn- Qu: doyuae 35) Ariftotel. de generat. et corrupt. TI, 3. xas dı rem Aue vorrac, Acmeg Dilaren ev Tas Stagıeesı. 36) 3. B. Ta on van vous zu Iliaranec, Ta 0X Tyc woAıreinc. Simplicius in libr. Ariftotelis de anıma, ©. 76. sag Di« MtoQing voy Asysı, Ta z0gı TE. ayadu urn un 75 TiAare- vos — 115 — dieſe Eintheilungen meiſtencheils durch die noch vorhan. denen Platoniſchen Schriften vollkommene Beſtaͤtigung erhalten. Die uͤbrigen, bei denen man die Ueberein⸗ ſtimmung nicht unmittelbar zeigen kann, haben alſo zum wenigſten eine Vermuthung für ſich, indem fie aus der. lohren gegangenen Schriften entlehnt fein koͤnnen. Aus dem Grunde halte ich den Gebrauch biefer Eintheilungen für zuläffig, der über manche Begriffe nicht felten viel Licht verbreiten wird. \ Obgleich ein guͤnſtigerer Zufall über bie Erhaltung ber Platonifchen Werke ſcheint gewacht zu haben als über. die Ariftotelifchen, fo giebt. es doch einige Werke, welche nur ſtuͤckweiſe auf ung gefommen find. Dahin sehöret Philebus, Minos, Eritias und Elitophon. In andern fommen ziemlich deutliche Spuren von Luͤcken vor. In dem erfien Alcibiades &, 165. fehlen cinige Saͤtze, welche beim Stobaͤus gefunden werden, und Sextus Empiricus citieret eine Stelle aus dem Timaͤus, welche weder in dieſem noch einem andern Dialog ge⸗ funden wird, (aduerfus Mathematic. VII. &, 39 1.) Zweiter Abſchnitt. | | Ueber die Zeitfolge der Platonifchen Schriften. E⸗ iſt bei keinem Schriftſteller gleichguͤſtig, ob man die Zeit angeben kann, wenn er dieſe oder jene Schrift verfertiger hat, am allerwenigſten aber beim H 2 Plato „es MYayeygaun ewmseuc, © ax Iron var ve Ivdays- gerug na TAaremag weg vun array dohag. j \ j i — 116 — Plato. Wenn man einen einzelnen Dialog oder ein andered Werk als ein für fich beffehendes Ganze Liefer, (6 fommt zwar fo diel nicht darauf an, ob man die Zeit der Verfertigung wiſſe oder nicht. Allein wenn einer bie Abſicht Hat, fie alle zu fudieren, und zwar die Abficht, um feine eigentlichen Ucherzeugungen zu erfahren, ober fein Verdienft als Philvfoph fchägen zu koͤnnen, oder dem Gang der Ausbildung ſeines Geiftes nachzufpüren, fd bar diefe Unterfuchung wegen ihres Einfluffes mehr zu bedeuten. Es kommen zum Beifpiel mancherlei ‘Bes hauptungen vor, welche einander wirklich oder feheinbar widerfprechen; manche Satze werden ganz anders be⸗ ſtimmet, oder erſcheinen in einem ganz andern Geſichts⸗ punkte, mit mehr Klarheit und Deutlichkeit; der Grund . davon fann theild in einem reifern Nachdenken, theils auch in andern Umſtaͤnden und Beranlaffungen liegen, welches aber uicht beftimme werben fann, wenn nicht die Zeitfolge der Schriften ausgemacht iſt. .Sdo wichtig aber auch diefe Unterfuchung für bie Slatonifche Philofophie fein mag, fo viele Schwitrigfels sen treten ber Ausführung in den Weg, weil es in den meiften Sällen an Datis fehlet, morauf die Nachfar⸗ ſchung fih ftügen könnte. Denn in fehr wenigen Dia⸗ lögen werben einige Winfe über die Zeit der Abfaffung gegeben, in den meiſten fehlen fie gänzlich; und bei an- dern Echriftftellern findet man nur wenig Belehrung darüber. Unferdeſſen wollen wir dieſe Nachrichten ſammlen und f Ben, wie weit fie ung nebſt einigen andern Huͤlfsmitteln führer werden. Daß bie Unterſuchung nicht erſchoͤpfend ſein, und das Reſultat in den meiſten Faͤllen nur Wahrſcheinlichkeiten enthalten koͤnne, begrei⸗ fen die Leſer von ſelbſt. es iſt eine gewoͤhnliche Meinung, daß Plato ſchon iu der Zain, da er Sokratis Schuͤler war, einige Dalo⸗ gen Sud 117 Brit gen geſcheieben Habe"). Obgleich bieſe Nachricht weder burch viele noch durch wichtige Zeugniſſe beſtaͤtiget wor⸗ ben kann, fo halte ich fie doch Fr gegruͤndet, weil id nere Wahrſcheinlichkeit das erſetzet, was hr an dußerW Gründen abgebet: Als Plato mit feinem Lehrer bekannt wurde, wer er zwanzig Jahr alt, ein Yıngling von muntern und köhaften Seiſte, und einer ſehr ſeurigen Einbiduigs⸗ fraft; er beſaß viel Empfaͤnglichkeit für geiſtige Verguuͤ⸗ sungen, und eine ſtarke Neigung zu ſchriftſtelleraſchen Berhäftigungen. Es iſt Daher gar nicht waheſcheinlich, baß dieſe Neigung auf einmal erſtickt worden fi, indem fein Geiſt anf andere Segenſtaͤnde getichtet wurde. IE Gegentheil kann man mit Grund vorausſetzen, baß bis Nenheit Der Gegenſtaͤnbe, und bie neue Form der Eins kleidung, worauf ihn der Umgang mit dem Sokrates fuͤhr⸗ te, deſto ſtaͤrker muͤſſe gereist haben, je mehr er ih von allen andern Gegenſtaͤnden und Beſchaͤftignugen Iced riſſen hatte. Man kann alfo mit Grund annehmen, daß ‚einige Dialogen vor dem Tode bed Sokrates geſchrieben worden find. Aber welche Dialogen gehoͤren unter diefe Maffe? Die angeführten Schriftfkeller, Denen auch nenere Beinen ten, nennen ausdruͤckich ben Phadrus und Lyſts. In⸗ dem fie ben Phäbrus als fine allererſte Schrift auszeich⸗ nen, berufen fie ſich auf das Urtheil mehrerer Kriciker, welche ans dem Inhalt und der Schreibart die Jugend des Berfaffers ſchkoſſen. UAllein dieſer Grund mag wohl feine ſtrenge Kritif aufhalten. - Denn was den Inhalt betrift, fo iſt ed noch zweifelhaft, ob die Schilderung bee liche gerade für dem: Hauptgegenſtand gehalten werben darf, indem Plats Hier wie in andern mehrere Zweckt 93 | ver⸗ 1) Diogen. III, 35, 38: Olympiodorus, ©. 324. In Au⸗ ferans bes Zone ſtimmt auch der ungenannts Biograph N ⸗ \ verbindet. Aber geſetzt, es ſei dem alſo, fo kan daraus noch nicht gefolgert werden, daß der Verfaſſer dieſen Dialogen in feiner Jugend geſchrieben habe, weil man ſonſt mit eben dem Rechte das Spmpoflum fir eine früs here Arbeit halten müßte, davon doch das Gegentheil er⸗ wiefen werben kann. Die Schreibart giebt eben fo we⸗ wig ein ficheres Merkmal ab. Die eine Hälfte ift Freilich in der hoͤchſten Begeifteruug gefchrieben, und verraͤth eine aufferorbentlich feurige und fchwelgerifche Phantafle, - wie fie nur in einem jugendlichen Kopfe zu fein pflegt. Aber bei dem allen bemerkt man doch immer, daß fie von einer andern Kraft gleichfam an · dem Zügel geleitet wird, In der zweiten Hälfte lege fich der Ungeflim ber Dhan« tafie, die Begeifterung verſchwindet, und macht einem ruhigen und Falten Raͤſonnement Play. Könnte man Daher wicht mit eben dem Rechte, als jene Kritiker auß de; dithyrambiſchen Schreibart, welche im erften Theile herſchet, auf die Jugend des Verfaffers fchloffen, aus ber Faltblutigen Unterrebung, welche darauf folget, ver⸗ mutthen, daß diefe Schrift weit fpdter fei aufgefegt wor⸗ den? Zum mwenigften bleibt doch Immer unentfchieben, ob jene Begeifterung eine abfichtlofe Folge oder gleichfam Entladung der überladenen Phantafie, oder. eine beabſich⸗ tige Nachbildung und nachgeahmte Schwärmerei "fein fol. Es laſſen fich vielmehr aus dem Phaͤdrus ſelbſt einige nicht umbebeutende Gründe für die ſpaͤtere Verfer- _ tigung beffelben angeben. Phäbrus ſagt umter andern: - Sokrates verfiche fich fehr gut darauf, Mythen auf Aegypten und aus jedem andern Bande zu erdichten ). Sokrates hatte nehmlich eine Kabel von Gott Theut er⸗· zähle. Das führer nun ganz natäzlich darauf, daß Plato wohl fchon in Aegypten geweſen war, ald er die⸗ ſen Dialogen rad Diefe Bolgerung fcheint das Ende deſſelben æ) Phaedrus, oter B. ©. 381, — 119 — deßelben noch mehr zu beſtaͤtigen. Sokrates ſucht hier mit vielen ſcheinbaren Gründen darzuthun, daß ein Denker ſeine eignen Ueberzeugungen nicht frei und ohne Zuruͤckhaltung dem Papier anvertrauen koͤnne, indem er allezeit Gefahr laufe, mißverſtanden zu werden, und da⸗ durch ſich und die Wahrheit in unangenehme Verhaͤlt⸗ niſſe zu ſetzen. Dieſes Raͤſonnement wird in dem ſie⸗ benten Briefe weiter ausgefuͤhret, wozu ihm die Nach⸗ richt, als wenn Dionyſius etwas aus feiner. innern Phi⸗ loſophie bekannt gemacht habe, Gelegenheit giebt. Hier⸗ aus wird es zum wenigſten wahrſcheinlich, daß er da⸗ mals, als er jene Gedanken niederſchrieb, ſchon einige Schriften herausgegeben hatte, welche ibm von den Or⸗ thodoxen manchen Verdruß zugogen. Mit mehr Grunde kann man behaupte, daß Eyfig eine feiner frühern Schriften fei, welche er noch bei So⸗ kratis Leben verfertigt hat. Außer jenen Zcugniffen flimmt auch der Inhalt und die Ausführung fehr gut damit gufammen. Die Beranlaffung fcheint in einem Faktum zu liegen, welches ihm den Stoff zu diefem Dia» logen gab. Sokrates räfonniret zwar nicht ganz in ſei⸗ ner gewoͤhnlichen Manier, aber er darf doch auch nichts behaupten, und annehmen, welches dem Plato eigen. thuͤmlich angehörte. Allen wahrfcheinlich war Lyſts⸗ nicht die Einzige Schrift, welche er in dieſem Zeitraume gefchrieben hat. Ehe ich aber die übrigen, welche in biefe Klaffe gehoͤren, nach Vermuthungen beftinnme, muß, ich vorher diejenigen angeben, von welchen fich bie Zeit der Verfertigung zuverlaͤßiger erweifen laͤßt. Daß die Apologie, Crito und Phaͤdo nach So⸗ krates Tode, oder die zwei erſten Schriften unmittelbar vor demſelben geſchrieben find, leuchtet ſchon aus dem Inhalte derſelben ein. Eben dieſes gilt auch von dem Theaͤ⸗ tek. Die Zeit der Unterredung faͤllt in die lezten Lebens⸗ sage des Sokrates, als er ſchon angeflaget war. Aber 4 ' Plato nun 1290 am. plato hat fe fd nach dem Tode des Sokrates, beffen ee auch erwähnet, aufgefebt, vielleicht gu der Zeit, da in Megara beim Euclides fich aufbielt ). Die zwei Dialogen, Sophifte und Politicus find als Fortſetzungen des Theaͤtets anzufehen und wuͤſſen daher ebenfalls nach dem Tode des Sofrates verfertiget fein *)._ Außerdem kommt in dem Politicus noch ein ſehr hernorſtechendes Merkmal vor. Sokrates nehmlich tadelt in: einer beiſſenden Satyre diejenigen Maximen und die Verfahrungsart ber Athenienſer, durch weiche er war gezwungen worden, den Giftbecher zu trinken ). Vielleicht fann. man aus dem. Umfande, daß er etwas von der Staatsverfaſſung der Aegyptier erzählet, (Ss 74.) nicht ohne Grund die Zeit ber Berfertigung nach feiner Aegyptiſchen Reife feben. Da Kallicles in dem Gorgias dem Sofrates den Kath giebt, an flatt immer zu philofopbieren, lieber die Kunft der Beredfſamkeit zu Iernen, Damit er, wenn er einmal vor Gericht angeflagt werde, ſich vertheidigen koͤnne, und nicht unfchuldig verurtheilet werde; da Sokrates eingeftehet, daß er fiy in dem Falle durch Feine Bered⸗ famfeit zu helfen wiffe, amd es werde ihm alsdann nicht anders mitgefpielet werden, als einem Arzte, welcher von einem Koche bei unverfländigen Knaben: verflagt wurde, daß er. ihnen bittere Arznei gegeben habe: So laͤßt ſich daraus guberläßig folgern, daß auch dieſer Dialog zu denjenigen gehdret, welche nach des Sokrates Hinrichtung find gefchrieben worden. Dazu fommt noch ber Umſtand, daß Sofrates fogar fchon die weſentlichen Klagpunfte, weldye man gegen ihn wirklich angebracht bat, febe beutlich angiebt *). Aus 3) Theseter, ater ©. ©. 49 und 195. f Sophift ater B. S 200. Politicus, He B. S. 4 ö Georgi, ater B. ©. 6, 161, 162. nn. ab ——n Uns einen aͤhnlichen Gruube u; Meno amter biefe Elaſſe von. Dialogen gezählet werben. Anytus raͤh dem Sofrates twohlmeinenh an, mehr Behutſam⸗ keit zu gebrauchen, menn er von dieſem ober jenem Athen nienfer fein Urtheil fage, weil man in feiner Stadt fo leicht ald in Achen Menſchen beleidigen inne. Anytus, erwiedert Sokrates, fcheint mir aufgebracht zu fein, weil we. glaubt, ich habe jene Männer aus Boshelt verlaͤnm⸗ bet, und weil er fich. ſelbſt zu jenen Männern rechnet, Uber ganz gewiß bat er feinen deutlichen Begrif von dem, was es heiße, von andern Leuten Boſes ſagen ). Die Schilderung von dem Charakter des Anytus If nichts als Satyre, wozu fein Betragen gegen den So⸗ krates die erſte Beranlaffung gegeben bat. Eben dafelbft wird eines reichen! Thebaners bes Ismenias erwähnen. Wenn diefer, wie ed nach afler Wahrfcheinlichkeit vermms - tbet werben fann, der nehmliche ift, von dem Plutarch erzaͤhlet, daß er von den Herfchfüchtigen Lacedaͤmoniern nach der Beſetzung des Schloſſes Cadmea hingerichtet worden fei, fo hätte man einigen Grund anzunehmen, daß diefee Dialog um bie hundertfte Diympiade oder noch vorher gefchrichen ſei ). Da in dem Dienerenus de8 Thebanifchen Krieges erwaͤhnt wird, und’ auf andere Begebenheiten, welche in diefem Zeitraum vorfielen, an⸗ gefpichet wicd, fo muß Birf Schriſt u bie.102 Dip piade verfertiget fein. Fꝓb t tim Diefe Zeit oder auch noch twas fruͤher ſcheint aud) Plato das Sympofium gefihriehen zu haben, Denn er gedenkt der Begebenheit, da bie Mautineer von den Lacedaͤmoniern gezwungen warben, ihre Stadt zu ver⸗ laſſen, welche in die 98fle Diympiade fie’). Uns 25 . ba 7) Meno, ater B. ©. 379. ©. 369, 373, 390. 8) Ebendaf. &. 369. Piutarch. Pelopidas, ©. 280. 9) Sympofium, ıoter 9. ©. 208. Wolfs Einleitung iu “ ’ - 48 . m ı3 [- 1 un“ der Het, wie dieſer Sache Erwähnung gefchichee, kann man fchließen, daß fie noch im frifchen Andenken war. Alſo iR das Sympoſium bald nachher verfertiget wor⸗ ben, wenn nicht Plato etwa biefen Umſtand bei einer wiederholten Durchfiche hinzugefegt bat. Aber fo viel. . ift doch mahrfeheinlich, daß die Zeit der Berfertigung . diefer Schrift auch) in dem Ball, daß man bie legte Mei⸗ hung annehmen follte, nicht meit über die acht: und neus zigſte Diymplade hinaus zufetzen iſt. WVon dem Parmenides kann man mil Grund an⸗ nehmen, daß er nach Sokrates Tode geſchrieben worden if. Kephalus läßt ſich von dem Antiphon einem Halb⸗ bruder des Plato die Unterredung, welche Sokrates mit dem Parmenides und Zeno gehalten haben ſoll, wieder erzaͤhlen. Von dieſem Antiphon, ſagt er, daß er bei ſtiner erſten Reiſe nach Athen ſehr jung geweſen; bis zur zweiten Reiſe aber eine, lange Zeit verfloſſen ſei). Das Sterbejahr des Ariſto kann man aber nicht weiter als hoͤchſtens bis an das zwanzigſte Jahr des Plato zuruͤck ſetzen, woraus folgt, daß Antipho, welchen Perilempe mit der Perictione zeugte, damals als Sokrates den Giftbecher trank, kaum mehr als ein Kind kann gewe⸗ ſen ſein. Die Buͤcher von der Republik und Deu @efepn find . bie Testen Arbeiten bes Plato. Hiervon haben wir aus⸗ druͤckliche Zeugniffe "). Wenn man damit die Nachricht verbindet, welche ung Ariſtoteles niet, baf bie Geſetze tiach der Republik gefchrieben find *), fo nmäffen bie fege ten Schriften des Plato fo auf einander gefolger fein: Nepublif n Kritiag, Timdus, von den Geſetzen, Epi⸗ nomis. Nach 10) Parmenides, soter B. ©. 71 11) Diogen. IIk 37- 12) Ariſtotel. Politicor. II, 6. — Zee 123 — Nach dem, was ich bisher geſagt habe, ſcheint mir folgende Zeitfolge aller vorhandenen Schriften bie wahre fcheinlichfte zu fein. In den acht Jahren, welche e& Gofratis Schüler war, ſchrieb Plato den Lyfis, Laches, Charmided, Hipparchus, Yon, die zwei Hippias, Ei thydem und Protagoras. In allen diefen Dialogen iR Die Abficht, theild bie Menſchen zur Erfenntniß ihrer Un⸗ wiſſenheit zu bringen, theild die übertricbenen Verſpre⸗ shungen,. ben aufgehläheten Stolz, und die übertriebene Selbſtgefaͤlligkeit der Sophiſten lächerlich zu machen. Henn man bedenkt, daß Plato in den Sophiften, wel⸗ her nad) Sokratis Tode gefchrieben if, fich die Frage aufwirft: Was if eigentlich der Sophiſt; welches ift ber Charakter, welcher ihn ven allen anbern auszeichnet, fa wird man es gewiß fehr wahrfcheinlich finden, daß er zu⸗ vor den Verſuch gemacht haben werde, einzelne Männer - Diefer Art gu ſchildern, che er auf den Gedanken kam. gu unterfuchen, worin die Sophiftif überhaupt befiche: Er that in diefen Dialogen weiter nichte, als daß er bie Manier feines Lehrers, aber freilich mit vieler Kuufl und vielen Ligenthümlichkeiten feines philofopbifchen . Geiſtes nachahmte. Seine eignen philofophifchen Ideen fchimmern war durch das Ganze durch, aber fic bleiben Doch immer in einiger Entfernung, ‚gleichfam im Hinter“ - grunde zuruͤck. Vielleicht gehoͤren unter dieſe Klaſſe außer den genannten noch Theages, Eraſtaͤ, und bie bei⸗ den Alcibiades, und Kratylus. - Wenn ber erfie Alcibia- des toirklich unter dieſen Dialogen feine Stelle befoummen - muß, worüber ich noch ungewiß bin, fo iſt er doch wahre fcheinlich einer non den fpätern, weil bie Idee von einer seinen Sittenichre ſchon etwas deutlicher hervorblickt. — Nach dem Tode Sofrates folgten unmittelbar Eutyphre, Die Apologie, Erito, Phädo, und Meno. Er widmet, Diefe Schriften zum Theil bem Andenfen feines gr oßen kehrers, feiner Vertheidigung gegen unverſchuldete An gen, und der Darſtellung des Charakters ſeiner Geg x ‚ — 124 — Es iſt waheſcheinlich, daß dieſe Dialogen zunaͤchlt nach dem Tode did Sokrates gefchrieben find, teil ba der Anwille Äber das unmürdige Schickſal feines Freundes ain lebhafſten fein mußte. Eine mittelbare Urfache von der Verurtheilung des Soktates lag in derjenigen Bes redfamfeit, deren fich feine Feinde bedienten, durch mel: che aber Sokrates feine Unſchuld nicht vertheibigen wollte Dies war die VBeranlaffung zu Platos Gorgias. Hier⸗ Hauf folgen diejenigen Dialogen, worin er ohne ale N benzwecke wiſſenſchaftliche Gegenſtaͤnde unterfuchen, nehmlich Theaͤtet, Sophiſta, Politicus, PNhilebus und Parmenides. Die vier legten ind wahrſcheinlich entweder Während oder nach feinen Meifen gefchrieben. Hieher gehoͤren auch fein Sympofium und Phaͤbrus, wodurch Plato wahrſcheinlich außer andern Nebenzwecken, feine Setgenoſſen von einem herrſchenden Laſter heilen, und ihre Empfindungen veredeln wollte, und Menerenud Bir Reihe feiner Echriften befchliefen, wie wir ſchon ge tiör! aͤben, die Republik, Kritias, Timaͤus, bie Geſetze pinomis. In ſeinen ſpaͤtern Schriften traͤgt ee feine philoſophiſchen Ideen mit weniger Zuruͤckhaltung vor, und ſpricht von Gegenſtaͤnden der Religion mit ‚mehr Unbefangenheit. So aͤnußert ſich zum Beiſpiel it den Kratylus und Philebus eine gewiſſe Aengſtlichkeit, wenn er auf die Goͤtter ber Volksreligion zu ſprechen Some”. In den Buͤchern von der Republik und den Geſetzen ruͤgt er dagegen bie Irrthuͤner und Vorurtheile ber Bolksreligton mit mehr Freiheit, und in dem Timaͤus ni er unter dem Schleier der Ironie Über die Bielgoͤt "Ein politifches Problem war, wie wir in feinem * geſehen haben, das Band, welches feinen Geiſt fü Ft an Philoſophie feſſelte. Die Reſultate ſeines Nach⸗ 1, 23) Cratylus, 3tee B. ©. 279, a81. Philebus, 4ter 8. S. 210, 233. Y I) ' . — 325 7, ' . denkens über dieſen Gegenſtand werben in ſeinen foiherg Schriften nur angedeutet, und auch das nicht fehr oft; in den fpätern ga machen fie gerade den Haupt⸗ inpalt aus. uns ae | Dritter Abſchnitt. Betrachtungen über feine Schriften, in To fern ſie die Hanptquelle feiner Philoſophie ſind. De Schriften des Plato koͤnnen aus einem ſehr ver⸗ ſchiedenen Gefichtspunkte betrachtet werden, aus dem aͤſthetiſchen und philoſophiſchen. Die Betrachtung derſelben in der erſtern Ruͤckſicht, welche ſchon viele Kri⸗ tiker der aͤltern und neuern Zeiten beſchaͤftiget hat. gehet uns hier nichts an, da wir ſie blos als Produkte ſeines philoſophiſchen Geiſtes anfehen, ans denen der Stolf und Inhalt ſeines philofophifchen Lehrgebaͤudes genom⸗ men werben muß. Wir unterfuchen hier nur die beſon⸗ dern Eigenthümlichkeiten feiner Schriften, welche nicht nur anf die Einficht und Erflärang derfelden, ſondern auch vorzüglich auf die Bearbeitung feiner Philofophie Einfluß haben. Dieſe Eigenthuͤmlichkeiten betreffen eines Theils die Form feiner Schriften, theils die Art, wie Plato feine philofophifchen Bebanfen in Worte eine kleidete.“ Wir unterfuchen die Urſachen, dus welchen jene Eigenthuͤmlichkeiten begreiflich werden, und ziehen endlich daraus in dem folgenden Abfchnitt bie Regeln, welche bei dem philofophifchen Gebrauch feiner Schriften. beobachtet werden muͤſſeun. a Plato wählte für bie meiſten Schriften die Form des Dialogee ; ex ſpricht nicht ſelbſt, ſondern laͤßt ans dere \ dere Perſonen auftreten, welche fich über eine Materie umterreden; den Anfang ber Unterredung fnüpft er mei» ſtentheils an ein Zaftum an; er gie Hen unterredenden Perſonen einen beſtimmt gezeichneten Charafter, nach welchen fie nicht allein fprechen, fondern auch handeln, fo daß der Dialog und als eine Begebenheit vorkommt, weldye vor unfern Augen und Ohren wirklich gefchichet, ober ale ein philofophifches Drama. Es ift unftreitig, daß diefe Form für die Darftelung der Wahrheiten, für die Entwickelung ber Begriffe und Säge, für die Wider» Segung der Eintwürfe, und überhaupt für die Hervor⸗ bringung ber Uebergengung große Vortheile gewähref. Aber auf der andern Seite kann man auch nicht laͤug⸗ nen, daß ber Gang der Iinterfuchung eben dadurch etwa meitläufig und zumellen langweilig wird; daß fle oft Gelegenheit giebt, von dem Gegenſtande abzuſchweifen, daß fie den Eefers ber ich nicht völlig in den Standpunkt des Schriftfiellerd und in die Lage ber unterredenden Perſonen zu verfeßen weiß, oft verhindert, den eigentli» chen Gegenſtand von dem Zufälligen abzufonbern, den zechten Geſichtspunkt zu faffen und die eigentlichen Re⸗ ſultate za finden. Warum mählte Plato gerade diefe Form, welche zwar von verfchiedenen Seiten ein man⸗ nichfaftige® Vergnügen verfchaft, aber eben ſo oft dafs felbe wiederum ſtoͤhret, indem fie den Beift in dem ruhigen Kortgang der Betrachtung aufhält? Wählte er fic mie Abſicht, oder drang fie ſich durch ihre Verwandtſchaft mit ſeinem Geiſte von ſelbſt auf? Ob wir gleich weder im frinen Schriften, noch in andern Denkmaͤlern beſtimmte Data finden, woraus dieſe Fragen beantwortet werben Aönnen ; fo laffen fich doch, wenn man fich in feine Yage Hineindenfet, einige Bründe entdecken, welche über dieſen Punkt einiges Licht geben Finnen. Seine Befanntfchaft ‚ mit Dichtern vorgäglich von der dramatifchen Battung, feine fruͤhere Befchäftigung mit Werfen diefer Art, muß⸗ ten nothwendig eine gewiſſe Stimmung und Richtung, - ’ j in in feinem ſehr lebhaften Geiſte hervorbrinzen, welche auch da noch fortdauerte, da er von der dramatiſchen Poeſie auf immer Abſchied genommen hatte. Mit die⸗ fer Dispofition kam er in den Umgang mit dem Sokra⸗ te, ber fich felten anders als durch Fragen und Antwor⸗ ten mit feinen Sreunden unterhielt, und wenn er fich mis den Sophiſten einließ, allezeit «8 ausdrücklich zur Be⸗ bingung machte, daß fie ihm zur Rebe fichen mußten. Es iſt daher leicht gu begreifen, baß ihm biefe Sofrati» (che Methode fehr gefallen mußte, weil fie der Stim- - - mung feines Geiſtes fo fehr angemeffen war. Da bie Sachen, welche er hörte, die Gegenſtaͤnde ber Unterre⸗ dungen den Reitz ber Neuheit hatten, fo fing er an, die⸗ felben fchriftlich zu behandlen, und behielt‘ die Art dee Einfleidung zwar bei, aber gab ihr doch auch manche Eigenheiten, bie fie in Sokrates Unterrebuugen nicht hatte. Er behandelte fie nehmlich wie einen diamati⸗ fen Stoff. Daher rühret die Berfchiebenheit, welche man zroifchen den fofratifchen Unterrebungen bei dem Renophon Und bem Plato wahrnimmt. Zu dieſer Ur« fache gefeliten fich noch andere binze. So mie Sofra» tes in feinen Unterrebungen mehr bie Abfıcht hatte, bie Begriffe anderer zu entwickeln, als feine eignen vorzu⸗ tragen, fo ahmte auch dieſes Plato nach, und konnte dazu keine fchicklichere Form als die dinlogifche finden. dls er angefangen hatte die wiffenfchaftliche Philoſophie gu ſeinem angelegendften Gegenſtande zu machen, fand er eine fo große Anzahl von falfchen, ſchwankenden, und unbeſtimmten Begriffen, daß er vor der Hand nichts weiter zu thun fand, als diefe nach ihrer wahren Be⸗ fchaffenheit darzuftellen, ihre Untauglichkeit zu einem: philoſophiſchen Lehrgebaͤnde zu zeigen, und dadurch das Beduͤrfniß von philoſophiſchen, d. h. beſtimmten Begrif⸗ fen vor Augen zu legen. Dieſes konnte er auf keine beſ⸗ ſere Art thun, als wenn er von einer Perſon einen ſol⸗ hen Begrif sure, und von anbern -bejweifen Fa be ſtrei - on beſtreiten Meß, indem dadurch bie Mängel des Vegriffes ſowohl in die Augen fielen, als die damals gewoͤhnliche Art zu disputiren offenbar wurde, welche eben ſo ſchwan⸗ kend war als die Begriffe. Nachdem er in der Folge ſich nicht mehr damit begnuͤgte, ſondern auch die Reſul⸗ tate ſeines eignen Nachdenkens der Welt mittheilen woll⸗ te, behielt er die dialogiſche Form, woran ſich fein Geiſt einmal gewoͤhnt hatte, bei, weil er ſich einen andern Vortheil dadurch verſchafte. Der Fortgang ſeines Nach⸗ denkens fuͤhrte ihn oft auf ſolche Gegenſtaͤnde, woruͤber bie verworrendſten und irrigſten Vorſtellungsarten herſch⸗ ten, weiche aber durch ihr Alter, durch ihren Zuſammen⸗ Bang mit heiligen Wahrheiten, durch den Schuß ber Prieſter und des Staates ein ſolches ehrwuͤrdiges Anfes ben erhalten hatten, daß fie fir ein unverletzbares Ei⸗ genthum der Menfchheit galten. Er fühlte die Pflicht und den innern Beruf, fo viel an ihm war, feine Zeitge⸗ noffen aufzuklaͤren, allein auf der andern Seite erblickte er auch diejenigen Gefahren, welche unvermeiblich Damit verknüpft waren, und mählte daher die dialogifche Form, durch welche er Wahrheiten fagen fonnte, ohne fich vers antwortlich gu machen. Diefes find, wie mir duͤnkt, bie Sanpturfahen, warum Plato feinen Schriften dieſe Form gab. Vielleicht aber wirkten noch andere Gründe mit, die fich jegt nicht mehr entbecken laſſen. Aus den angeführten Gründen läßt ſich vermutben, baf bie Schriften feiner efoterifchen Philoſophie in einer andern Form gefchrieben geweſen find. Mit dieſem dußern Gewande feiner Sqhriften ſtehen einige andere Eigenthuͤmlichkeiten in Verbindung, welche wir nun näher betrachten muͤſſen. Aus dem, was vor ' her gefagt worden iſt, folgt ſchon dieſes, daß Plato nicht Die Abſicht hatte, fein Gedankenſyſtem voͤllig klar und rein darzuſtellen. Es iſt dieſes keine Vorausſetzung, die auf Teinen Gruͤnden beruhet, ſondern eine Wahrheit, weiche nicht nur durch die Setanntſchaft mit ſeinen Schriften und Schriften, fondern auch durch fein eignes Bekenntuiß volle Beftätigung erhält. . Diejenigen, ſagt er, welche etwas über meine Philofopbie gefchrieben haben, als wenn fie meine innere. wahrhafte Ueberzeugung wußten, die haben nach. meinem" Urtheil gar feine Kenntuiß das von‘). Ein gründlicher Mann kann feine innere Ueber⸗ zeugung über wichtige Gegenſtaͤnde nicht in fchriftlichen Denfmälern der Welt. übengeben, wofern er ſich und die Wahrheit nicht verhaßt machen, und in BVerlegenheit ſetzen wid. Sie bleibt in feinem Kopfe in ficherer Ver⸗ wahrung verfchfefien ‘). Plate war auf gewiſſe Wahr beiten gekommen, für welche ex fo viel Achtung hatte, baß er fie dem ganzen Publikum nicht befanne machen wollte. Denn er glaubte, daß nur wenige Männer im Stande wären den Sinn berfelben zu faſſen, und ihre Gründe einzuſehen; bie uͤbrigen würden fie nur verſpotten und verlachen, einige wuͤrben fie nur. halb verfichen, und nur dazu brauchen, um ihren Stolz und Eigenduͤnkel zu befriebigen; vielleicht fönnten fie. auch bei dem großen Saufen gar ſchaͤdlich werden ’). Damit ich biefe befon⸗ bere Desskungdart und die Gruͤnde welche ihn dazu bes Rimmten, beſtimmter darftellen koͤnne, wird es ndthig ſein, eine Stelle aus dem Phaͤdrus einzuruͤcken, worin er ſich ausfuͤhrlich uͤber dieſen Punkt erklaͤret. Sokrates. Doc, das fei genug von der Theorie ber Beredfamfeit. Aber noch etwas müffen wir über bie Biwechmäßigfeit und Unzweckmaͤßtgkeit der Schrift ſtellerei ſagen, und wie Schriften nach moralifchen Zwe⸗ den eingerichtet fein muͤſſen. Weißt du, wie man auf eine Bote wohigefaͤllige Art fchreiben und handeln ſoll? Phaͤdrus. Nein. . Aber du wirft es wohl wiſſen. So⸗ Skate. Zum wenigften kann ich Dir eine Sage ber. Atem - Ä erzaͤh⸗ 1) Epiltol. VII, &. 19. 2) Epiftol. VII. & 136: | . 3) Epiftel. 13. G. 71,72. Epiftol. VIE @. 109, 130. J erzählen, deren Wahrheit diefe wiſſen maͤgen. Haͤtten | wir felbft fie entdeckt, würden wir ung alsdann noch um Denfchenmeinungen befümmern? Phädrus. Die Fra⸗ ge beautwortet fich ſelbſt. Aber was wollteſt du erzaͤh⸗ len? Sokrates. Ich habe alſo gehoͤret, es ſei in der Gecgend von Neuerate in Aegypten cine alte Gottheit ges toefen mit Nahmen heut, welcher der Ibis geheiliget war. Diefer Gott erfand, wie man fagt, die Zahlen und die Kechenfunft, die Geometrie und Aſtronomie, das Bret⸗ und Wiürfelfpiel, und endlich auch die Buchſtaben. Zu derfelben Zeit war Thamus Koͤnig Äber ganz Aegyp⸗ gen, und refidirte in der großen Stadt des obern Landes in Sheben, wo ber Gott Ammon verehret wurde. heut reifete alfo zu dem Koͤnig, zeigte ihm die efundenen Künfte, und verlangte, daß fie allen Aegpptiern mitge⸗ heilt werden follten. Als er nun auf Verlangen des Koͤniges die Nüblichkeit jeder derfelben erflärte, lobte und tabelte der König bald dieſes bald jenes. Es wuͤr⸗ de zu weitläufig fein, alles, was ber einefür und der ame dere gegen bie Brauchbarkeit dieſer Künfte fagte, bier zu wiederhohlen. Diefe Erfindung aber, fagte heut, ald «8 an die Buchftaben kam, wird bie Aegyptier einfichtd« voller machen, und ihre Gedächtuißtraft ſtaͤrken. Es ift eine wahre Univerſalmedicin für das Gedaͤchtniß und den Berftand. D Jieber erfindrifcher Theut, antwortete der König, es iſt nicht die Sache eined und des nehmlichen Man⸗ nes, Künfte zu erfinden, und den Mugen oder Schaden zu bee sechnen, welchen der Gebrauch und die Ausübung dere felben verurfachen fann. Du haft aus vÄterlicher Vor⸗ liebe gegen die Früchte deines Geiſtes dieſer Erfindung eine Wirkung beigeleget, welche fie gar nicht hervorbrine gen kann. Sie thut vielmehr das Gegentheil, fie wirb das Gedaͤchtnißvermoͤgen ſchwaͤchen, weil die Lernenden es nun nicht mehr zu üben brauchen. Indem fie fich ‚auf die äußern Zeichen verlaffen, werben fie fich nun nicht: mehr fo viele Muͤhe geben, die Suchen in ihren Ver Verſtand zu faffen. Deine Erfindung iſt alfs fein Huͤlfs⸗ mittel des Gedächtniffes, fondern der Miedererinnerung. Dm Schiller gewähreft du niche Wahrheit, fondern den Schein der Erkenntniß. Sie werden nun viele Sachen Iefen, ohne gehörige Anweiſung, und ſich ges lehrt duͤnken, wenn fie auch eben fo unmiffend und une behuͤlflich fein follten ale der große Haufen. Der Stolz wird fie unerträglich machen. Cie werden nicht wahre, fordern nur Scheingelehrte werden. Phaͤdrus. So⸗ krates, du waͤreſt wohl fähig folche aͤgyptiſche Mythen und Sagen aus allen Ländern zu erbichten. Sokrates. Die Prieſter in dem Jupiterstempel zu Dodona fagen, die erfien mantifchen Worte wären aus einer Eiche hervor⸗ sefommen. Unſere alten Vorfahren, welche freilich nicht fo klug waren als die neuern, waren in der Einfalt ihres Herzens damit zufrieden, daß fie aus Bäumen und Fels fm Stimmen hörten, wenn fie ihnen nur bie Wahrheit serfimbigten. .: Dir aber if es vielleicht wicht einerlei, wer und welcher Landsmann etwas faget, und du fragfe nicht allein darnach, ob fich die Sache fo oder anders bderhaͤlt. Phaͤdrus. Dicfen Berweis verdiente ich. Ich gebe demjTihebaner in Anfehung der Echreibekunft Recht. Sokrates. Derjenige iſt alſo doch wohl ſehr einfaͤltig, der ſich einbilder, eine Biffenkchaft koͤnne in den todten Buch⸗ ſtaben nöcdergeleget, oder aus denfelben erlernet werden, gerade als wenn in den Echriften etwas Ausgemachtes und Inerfchütterliches anzutreffen wäre; er verſtehet den Ausſpruch des Ammon nicht, indem er bie geſchriebenen Worte noch für etwas mehreres als für bloße Mittel hält, wodurch fich derjenige, welcher. die Kenntniffe ſchon beſizt, den Inhalt einer Schrift wieder in bag Gedaͤcht⸗ niß bringe. Phaͤdrus. Du haft Recht. Sokrates. Deun, mein Eieber, du wirſt eine auffallende Achnlichkeit zwifchen der Bildhauer» und der Schreibfunft bemerfen. Die Kinder jener fichen da, als wenn fie lebten; thut aber einer eine Frage an fie, fo ſtehtt ihnen das Schwei⸗ oo — J 2 gen gen fehr gut an. Nicht anders iſt es mit ben geſchrie⸗ henen Worten. Sie ſcheinen immer etwas Großes far gen zu wollen, wenn aber einer zu ſeiner Belehrung Fragen an fie thus, um ben eigentlichen Sinn zü erfahren, fo geben ſie immer nug das nehmliche fiumme Zeichen von fich. Sind Die Worte einmal geſchrieben, fo durchlaufen ſit alle Kreiſo fowohl desjenien Publikums, weichen fie werRchen, als desjenigen, welches fie nicht faften Sann. ' Die. Worte verfichen es nicht, mit wem fie ſprechen oder nicht ſpre «en follen. Der Sinn, der in den Worten liegt, mirk ohue feine Schuld verdrehet und gekraͤnkt; er kann ch wicht Helfen, nicht vertheidigen; er beharf alezeit die Nachhuͤlfe ſeines Vaters. Phaͤdrus. Das iſt unſtreitig fehr wahr. Sokrates. Run laß und aber. einen an» bern Sinn und Geiſt der Worte, ben dchten Studer von jenem beirächten, und fehen, wie et entſtehet und wie vertreflicher unh kraftböller ei: ald jener ift. Phaͤdrus. Welchen, und weiches iſt ſeine Cutfichungsare? Sokra⸗ des. Derjenige, welcher durch die Wiſſenſchaft in bie See des Dentenben gefchrieben wird, der. ſach ſelbſt ver ⸗ tzzeidigen kann; und. zu reden und zu ſchweigen weiß, wenn und vor wem er ſoll. Phaͤdrus. Nennſt du etwa die Gedanken deſſen, ber ſich derſelben bewußt iſt, eine lebendige und beſeelte Rede, deſſen Schatten bie Worte ind? Sokrates. Ganz recht. Was meinſt bu, wuͤrde wohl ein verſtaͤndiger Landmann, wenn er für feine. Aflanzangen Sorge trägt, daß ſie ihm einſt Srüchte tra⸗ gen, wuͤrde der wohl in Sommer in bie Gärten des Adonis ſaͤen, una ſich freuen, wein DR Gelder ſchon in acht Tagen grün geworden waͤren; über wuͤrde er ſo atwas nicht vielmehr zum Spaß und Vergnuͤgen thund Ware es ihin Aber ui ſeinen Feldbau ein Ernſt, fo tere An er. doch wehl nach den: Rageln ber Feldbaukunſt beit- GSaamen in ſein gehdriges Land ſaͤen, und ſehr froh ſein, wenn en nur in: beim achten Monate die Fruͤchte davon einaͤrndten Könnte: Phaͤdrus. Dieſes wuͤrde er zu fein | nem — 133 — am Nutzen jenes zum Vergmuͤgen thun. Sokracch. Därfen wir wohl behaupten, daß derjenige, welcher die Wiffenſchuft Bun dem, mas Gerecht, Sitetlich und Gut AR,.sefist, nicht eben fo verſtaͤndig ober weniger ſorgſam Für fear auszuſaende Fruͤcheals der Lanbmann fein muͤſſe? HPhaͤdrus. Gewiß nicht. Sokrates. Wenn es ihm alſo em Ernſt iſt, wird rr gewiß den Sanmen dieſer FNenncnäiſſe nicht auf Waſſer ausſtrouen, ober, welches ‚gleich viel iſt, ſte mit der Dinte durch bie Feder in Worte tegen. Denn eer kann weder ſelbſt die Wahrhet if befriedigende Weile ausdruͤcken, noch Ihnen Yırraf Worte nachhelfen. Phaͤdrus. Das Mm zr freilich Richt. Sofrases, Er wird alfo die Bären mr zu ſemem Vergnuͤgen bepflanzen, ober feine @ebatıfen ſchrift lich auffegn, um fi) und allen, die auf ben pem We⸗ ge Erkennteniß ſuchen, Fiir das Alter der Bergeffenhels vielfache Erinnerungsmittel zu verfchäffen; wird fich Treuen , wenn er feine zarten Kinder aufwachfen Sicher. Beam andere Menſchen andern Opielereim nachgehen, and fiih in Guſtmaͤlern 'wfrifchen, dann wird er lieber jenen ein geiftigered Spiel vorgehen. Phaͤdrus. Du bringſt eine ſehr edele Beluftigung in "die Seſellſchaft ei» ner viel niedrigern, wenn id) mir Zinn "Mann denke, der, indem er vom der Gerechtigkeit und andern derglei⸗ chen Gegenſtaͤnden Mythen fehreibt, Vergnuͤgen an ‘det Thaͤtigkeit des Geiſtes ſndet. Gokrates. So iſt eb freilich, mein lieber Phaͤdrus. Unterdeſſen giebt es eine noch weit edebere und ſchaͤtzbarere Beſchaͤftigung mit bie ſen Geg enſtaͤnden, wenn nehmlich jemand, der Faͤhig⸗ keit dazu beſttzt, nach den Regeln des Denkens Gedan⸗ ken nie der Wiſſenſchaft in feine Seele pflanzet, welche ſich ſelbſte und ihrem Pflanzer beiſtehen können, nicht un⸗ fruchtbar find, ſondern den Keim kuͤnftiger Fruͤchte ſelbſt in ſith enthalten, woraus wiederum neue von anderer Ast entſtehen — und dieſe Zeugungskraft gehet ind un⸗ endliche fort — welche den, der ſie hat, ‚fo gluͤcklich $3 ” machen machen Finnen, als die menfchliche Natur nur Immer zuiäßt. —— Wie weit herrlicher iſt dieſes vor jenem. Sokrates. Nachdem wir daruͤber einverſtau⸗ den ſind, koͤnnen wir nun entſcheiden. Phaͤdrus. Woruͤber? Sokrates. lieber den Tadel der Reden des Lyſias, und überhaupt Über die Beurtheilung der ſchrift⸗ fiellerifchen Arbeiten, fie mögen nach den Regeln der Kunſt verfertiget fein, ober nicht. Denn worauf die Schriftftellerifche Kunſt beruher, haben wir, tie ich glau⸗ be, Hinlänglich erklaͤrtt Phaͤdrus. Mir zum wenigſten ſchien es fo. Unterdeſſen mwiederhohle mir doch die -Hauptmomente *). Go lange einer nicht die Wahrheit ‚ besjenigen, worüber er denket ober fchreibet, einfehen, und ben Segenitand in einen allgemeinen Begriff faffen, den⸗ felben in feine Merkmale nud Arten zergliedern kann, ſo fange er die allgemeine und -inbividuelle Natur bed Ges muͤthes nicht Eennet, und daraus die für jede Art des Gemuͤthes fchickliche Rede beſtimmet: fo lange wird er nicht im Stande fein, feinen Vortrag, er mag uͤbrigens auf Belehrung ober Ucberredung ahzielen, nach den Res geln der Kunft einzurichten. Phaͤdrus. Diefes ift im vorhergehenden befriedigend abgehandelt worden. So⸗ krates. Wie verhält fih aber nun Schicklichkeit unb Unfchicklichkeit, Lob und Tadel aus anderer Ruͤckſicht; wie müffen diefe Urtheile befchaffen fein, und wenn fin» den fie ſtatt? Vielleicht laͤßt ſich dieſes ſchon aus den vorher gefundenen Reſultaten beſtimmen. Phaͤdrus. Wie denn? Sokrates. Wenn Lyſtas oder jeder andere Schriftfieler, der zu feinem eigenen oder zum oͤffentli⸗ hen Gebrauche Geſetze auffest, oder ein. anderes politis ſches Werk verfertiget, zu viel auf feine Deutlichfeit unb Beflimmts 4) IE Gabe die Worte war de Örspuyaer ua wos dem Pha- drus, and nicht dem Soßrated, wie es in dem Texte ges — beigeleget, well es der Zuſammenhaug offeubar odert. 4 — 135 — J Beſtimmtheit rechnet, fo verdient er Tadel, er mag num wirklich getadelt werben oder nicht. Denn Edjein und Wahrheit, Traum und Wirklichkeit in den Urtheilen über- Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, über das Gute und Boͤſe fann in der That dem Tadel nicht entgehen, wenn es ach ein ganzes Bolf lobte. Phaͤdrus. Ich ſtimmr bir bei. Sokrates. Wer aber von der Nothwenbigfeit uͤberzengt ift, daß in jeder Schrift viel Zufäliges und blos auf Beluftigung absielendes vorfommen müffe, und daß fein Vortrag, weder ein mündlicher noch fchriftlichen, weder ein profaifcher noch metrifcher, großes Nachden⸗· fen und vorgügliche Aufmerffamfeit verdiene, um fich daraus zu belehren, fo wie die Gedichte ohne Beurthei⸗ lung, ohne den Zweck der Belehrung zur bloßen Ueber» redbung und Illuſion beflamiret werben; wer fich über: zeugt, daß fie, auch die beften nicht ausgenommen, bloß zur Wiedererinnerung beitimmt find; wer damit die Ein» fiht verbindet, daß nur in ben Gedanfenreihen, welche mit dem Verſtande gefaßt, zur Belehrung vorgetragen, md eigentlich in bie Seele gefchrieben werben, daR nur in diefen Urtheilen über Gerechtigfeit, Sittlichkeit und das Gute nur allein Evidenz, Volfommenheit und dag Sfntereffante angetroffen werde; wer Kiefe Gedankenreihen für feine Achten Kinder Hält, nehmlich zuerſt diejenigen, welche er ſelbſt erfunden hat, zweitens, die Bruͤder und Enkel von dieſen, welche in andern Seelen gruͤndlich ge⸗ pflanzt worden find, ohne auf die uͤbrigen einen vorzuͤg⸗ lichen Werth zu ſetzen: Wer diefed thut, fage ich, der moͤchte wohl ein folcher Mann fein, als ich und bu zu fein wuͤnſchen. Phädrus. Ich zum menigften wuͤnſchtr fehr, ein folcher zu fein. Sokrates. Doc, wir haben num fchon genug Scherz über diefe Materie getrieben. Gehe du aber Hin, und fage dem Lyſias, daß wir beide an die Muſenquelle gegangen ‚find, und daſelbſt gewiſſe Worte gehoͤret haben, welche nicht. allein ihm, fondern auch dem Homer und ben andern Dichtern mie und ohne 34 Gefang — 136 — Geſang, auch dem Solon und dem ganzen Heere politi⸗ ſcher Schriftſteller, die Weiſung geben, daß, wenn ſie bie Wahrheit von den Gegenſtaͤnden ihrer Schriften eingeſe⸗ hen haben, wenn ſie den Inhalt derſelben pruͤfen und vertheidigen, und ſo treflich davon ſprechen koͤnnen, daß ihre Schriften vor ihren muͤndlichen Eroͤrterungen völlig in Schatten gefest werden: daß fie aledann feinen Bei⸗ mahnen von der Schriftftellerklaffe, zu weicher fie gehoͤ⸗ sen, fondern einen glängendern von dem Gegenftanbe ihres Forfchungsgeiftes verdienen. Phaͤdrus. Wels hen? Sofrates. Sie Weife ju nennen fcheise mir zu viel zu fein, denn dieſes Prädicat kommt nur allen bee Sottheit zu. Aber der Rahme eines Philofophen, oder ein anderer diefer Art mochte wohl fehicklicher und fir fie paffender feln. Phädrus. So denfe ih auch. Ser krates. Diejenigen aber, welche nichts befferd haben, als was fie in ihren Schriften binterkaffen, was fie bald ſo bald anders fellen, an einander reihen ober trennen, diefe fannft bu mit gutem Gewiſſen Dicheer, Rebart, oder politifche Schriftfieler nennen °). - Die Hauptgedanken, welche in diefer Stelle enthal⸗ ten ſind, laſſen ſich auf folgende Saͤtze zuruͤckfuͤhren. 1) Das Aufbewahren der Gedanken in einer Schrift⸗ ſprache befoͤrdert ſo wenig die Wirkſamkeit des Verſtan⸗ bes, als fie dad Gedächeniß ſtaͤrket. Ihr Zweck iſt num, dem Gedaͤchtniß zu Huͤlfe zu kommen, und das Vergeſ⸗ ſen des Gedachten zu verhindern. 2) Die Buchſtaben find nur’ ſtumme Zeichen; der Sinn, der Wortverſtand, iſt der Geiſt, der in ihnen lebet. Aber auch dieſer, in ſo fern er in Worte ausgedruͤckt wird, iſt ſprachlos, und immer dem Mikverſtehen ausgeſezt; er iſt nur das Nach⸗ bild desjenigen, der ſich nur in dem Geiſte des Denken⸗ den befindet. 3) Es iſt nicht moͤglich, ſich voöͤllig be⸗ ſtimmt und deutlich auszudruͤcken. 4) Jeder Denker, 5) Phaedrus, ste B. S. 374: 389. 107 — dem es am Wahrheit ga thun iſt, findet immer an feine Vorſtellungen zu aͤndern und zu beſſern. Hat er ſie ein⸗ mal in Schriften niedergeleget, ſo iſt es nicht mehr moͤg⸗ lich, feine beſſere Borftelungen-in Umlauf gu bringen, und feine unreifern gu zernichten. 5) Die Schriften circulis ren in allen Kreifen bes leſenden Bublicums, und nicht allein in denjenigen, für welche fie beſtimmt find. 6) In jeder Schrift kommt viel zufälligen, blos -zum Vergnuͤ⸗ zen abzweckender, Stoff vor, welcher von dem übrigen wicht getrennt worden kaun. Aus diefen meiſtentheils wichtigen Sägen ſchließt · nun Plato, dafl ein philoſophi⸗ ſcher Schriftſteller, den die Wahrheit intereſſtret, feine voͤllige reine Ueberzengung in Scheiften weder mirtheilen konne noch dürfe, und' daß man daher in feinem ſchrift⸗ Achen Auffap das vollſtaͤndige beutlich ausgeführte Ges dankenſyſtem eined Denkers fuchen muͤſſe — Folgerun⸗ gen, welche offenbar uͤbertrieben ſind, und in den Vor⸗ derſaͤtzen nur zum Theil liegen. Unterdeſſen ſcheint es doch in ber That, als wenn es ſeine ˖eignen Grundſaͤtze geweſen wären, die er bei Verfertigung ſeiner Schriften Beſtaͤndig vor Augen hatte. Zum wenigſten ſtimmt ihre innere und aͤußere Einrichtung vollkommen mit ſeinen eignen Ausſagen überein, wenn man die ſpaͤtern Arbei⸗ a ausnimmit, in weichen fein Gedankenſyſtem etwas mehr als in den · uͤbrigen durchzuſchimmern ſcheint. Ein anderer Umſtand, welcher für die Wahrheit dieſer Aeuſ⸗ ſerungen ſpricht, iſt ver, daß er eine geboppelte Philoſo⸗ bie Hatte, eine aͤußere und innere ober geheime, und naf es fuͤr die legtere auch befondere Schriften gab. Was bie. Urſachen anbetrift,: welche ihn dazu bes wogen, und die Abfiche, welche er eureichen wollte, fo Hat er ſich in den angeführten Stellen audführlich dar⸗ über erfläret. "Aber die Haupfurfachen, von denen er bier ſchweiget, lagen doch vorzüglich in gewiſſen Zeite nad Drtumftänden. Das große Publikum hielt Plato durchaus für unfähig, in feine Philofoppie eingeweihet 935. iu w- 7385 = gu werden, teil es der dazu nöthigen Kählgfekten und Huülfgmittel entbehret, und allzu fleif an feinem Glau⸗ Gen und Vorurtheilen haͤnget. Wenn ſolche Wahrheiten Merfonen mitgetheilet werden, welche für diefelben feinen Einn und Smpfänglichfeit haben, fo ftiften fie nicht nur teinen Nutzen, fondern vielmehr Schaden; bie einen fafe ſeen fie nur halb, oder mißverſtehen verdrehen und verfaͤl⸗ ſchen fie gänzlich; die andern, welche fich kluͤger duͤnken, verlachen und verfpotten fie, oder werben durch dem . "Schein von Erfenntmiß aufgeblafen und ſtolz ). Zwei⸗ ‘tens. Die freie Unterfuchung und Befanntmachung ber Mahrheit war mit vielen Kränkungen und Gefahren ver⸗ knuͤpft. Das Volk hielt, damit ich nur einige Beifbiele anführe, diejenigen, welche bie Natur unterfuchten,. für Arheiften, und beflrafte die Prüfung ber Gefege und "Einrichtungen bed Staates als ein Majeftätsuerbre hen’). Es iſt gar wohl moͤglich, daß Plato diefe Fol⸗ gerungen nicht allein aus fremden Erfahrungen, wovon die Beifpiele eben nicht ſelten waren, fondern auch aus feiner eignen gezogen hatte, und daß ihm mancherlei Anfechtungen zugeftoßen waren, ob wir gleich in der Gefchichte feinen ausdruͤcklichen Beweis dafür aufwei⸗ fen fönnen. Wenn bie Unefdote, welche ich in dem Le⸗ ben des Plato aus dem Themiftiug erzählee habe, wahr ‘fein follte, fo würde fie zum april dieſe Wuthmaßung beſtaͤtigen. Einige Schriftſteller der Geſchchte der Philoſophie, als Brucker und Burant, geben noch eine andere Urſache von diefer Zurückhaltung an. Er huͤllte nehmlich deswegen ‚feine Philoſophie in das Helldunkele, und gab füch bie Weine, als wenn er fehr wichtige Seheimniffe für fich behalte; damit ihn das Volk deſto mehr bewundern und anſtaunen ſoute. 6) Epiſtol. VII, G. 130, 136. | 7) Apologia. ®&. 34,42. Philebus, ater B. ©. 324. Ti- maeus. &. 303. Epift. VII. ©. 130, R J 139 — fol. Allein da man kein underdaͤchtiges Zaugnißt und kein Faktum für die Beſtaͤtigung diefer Muthmaßung an⸗ geben Fan, jene Urfachen hingegen die Sache vollkom⸗ men begreiffich machen, fo finde ich feinen Grund, da» son Gebrauch; zu machen, um fo mehr, da Blato verfl hert, er mürbe es für die fchönfte Handlung feines La bens Halten, wenn er bie Wenſchen über bie Natur bätse beichren koͤnnen ®). Hieraus laffen fich folgende Berchaffenbeiten feiner Schriften erfläsen. In den meiften Dialogen beftreitet und wiberleget er fremde Meinungen, ohne feine eigue Ueberzeugung vorzutragen. In dem Thedtetz. B. ſtellt ge mancheriei falſche Begriffe von der Wiſſenſchaft auf, ohne feinen eignen anzugeben. — Er beftreitet aber aicht nur faft-befiändig andere Behaupfumgen, ſondern er bekennt fich auch faſt eben fo oft zu dem Gfeptickde ume.. Sein Glanbensbefenntniß iſt, er wiſſe nichts, er Habe nicht die geringfte Erkenntniß von irgend einer Gar che ; er forfche immer, ohne weiter als. zu dem Bewuß fein gu kommen, Daß er noch nichts roiffe, und je länger er feine Unterfuchumgen fortfeße, defto weniger erbliche er das Ziel, wo fie aufhoͤren mäßten. — Es kommen Behauptungen über einerlei Segenftand vor, welche ein⸗ ander entweder offenbar widerſprechen, oder fich doch nicht vereinigen laſſen. In dem Protagoras fcheint es, als: wenn er das Gute und -Angenehme für einerlei altes in dem Gorgias wird dieſes befleitten ”), In dem Prom tagoras ift Sittlichkeit nichts anders als Klugheit, ober die Kunſt der Stückfeligkeit, welche durch Rechnen und Abwaͤgen die angenehmften Empfindiingen beflimmet unb waͤhlet, die unangenehmen aber entfernet; in dem Gors gias handelt er von einer ganz andern Sittlichfeit, welche nicht 3) Epiftol. VII, ©. ı zo. 9) Protagoras; zer B. ©: a7ı, Gorgias, ater B ©. 108 212, ⸗ — 140 — nicht das Angenchibe,; ſondern bus Gate gm * ande hat. In dem Kratylus ſcheint er die Dreinuup u beguͤnſtigen, als wenn durch aͤußere Reinigunomittel auch das Innere der Seele gebeſſert werde, welche er Fehr lebhaft beſtreitet“). In dem Hippias ſagt ev, die⸗ jenigen Menſchen, welche mit Abſicht und Ueberlegung lägen, betruͤgen, und Schaden zufuͤgen, waͤren denjenl⸗ gen vorzuziehen, welche eben dqs ohne Beſonnenheit , thären. Zuweilen aber, fat. er hinzu, behaupte er das Gegentheil "). Wenn eine Handlung gute Kolgen Has, Fagt er irgendwo, fo iſt ſte gut. Damit ſtreitet aber in anderer Sag, daß man gut ohne Nücficht auf ale Fol⸗ zen handeln muͤſſe ). — Man trift zuweilen quf ſol⸗ he Säge, welche auf ſolchen Vorausſetzungen beruhen, welche er nicht annahm. Die Meinung, daß als in einem beſtaͤndigen Zluffe von Veraͤnderungen fei, beſtrei⸗ tet er beftändig,. und Doch definiert er bie Weisheit alt das Bermdgen dem Fluſſe von Veranderungen folgen zu koͤnnen ). —Zuweilen erkennet er gewiſſe Graͤnzen der Unterſuchung, und uͤberſchreitet ſte doch. In dem Aratylus ſucht er die Aehnlichkeit ud Uebereinſtimmung der Worte mit den begeichneten Gegenſtaͤnden gu entwb ckeln, und ben Inhalt bed Begriffes, welchen ‚bie erſten Sprachbilber in Worte gelegt harten, zu erforfchem » Aber er’ fühlet endlich, daß dieſe Fragen außer ver Orden ge einer medglichen Beantwortung liegen. GSleichwohl aiſt er ſehr verſchwenderiſch mit ſolchen Wortſorſchun⸗ sn"). In allen Platoniſchen Schriften fonımen ſehr pie Bufäge ber ſpielenden yab.bichtenben Phantafie vor, woraif - j \ . @ 0) Cratylus, zter B. S. 274 . 1i1) Hippias, 3ter B. ©. aı7. 12) Gorgias, ©. sı. 23) 'Cretylus, «8.079, 273. 14) Cratylus, ©. 261. \ ee oft ſelbſt durch einen hingeworfenen Wihf anfmerffans macht. Dahin gehören unter andern duch feine Bilber, Vergleichungen, Allegorien, und Mpiben; welche er helle ſchon gebildet fand, und nur in feine Schriften verwebte; theils ſelbſt erſt zufammenfeste- und dichtete. In den meiſten Faͤhen waren es wahrſcheinlich nur einige Vorſtellungen, welche cr aus Volksſaͤgen, aus ber Volts⸗ religich, aus: Dichtern nicht allein der Griechen, ſon⸗ dern auch anderer Voͤlker nahm, und baraus ein Gan⸗ ges machte: Zuweilen giebt er ſelbſt vurch einen Wink zu-verfichen, daß dieſe Mythen von ihm erſonnen find”). Daß er diefe Epiſoden für nothwendig hielt, haben wir” oben in dev Stelle des Phaͤdrus aus feinem eignen Mun⸗ be gehoͤret. Warum aber das, wird man fragen? Pla⸗ to miſchte fie deswegen ‚ch, um nicht allein den Verſtand, ſonbern auch bie Phantafie feiner 2efer zu befchäftigen;- theils um über gereiffe Fragen, welche die Einbildungs⸗ fraft auf die Bahn briugt, etwas zu fagen, oder viel⸗ mehr feine Vermuthungen vorzubringen, ba fich davon nichts wiſſen laͤßt; theils bie Reſultate ſeines Denkens durch Huͤlfe einer erdichteten Geſchichte, oder eines ſinn ⸗ lichen Bildes anſchaulicher su: machen. Dieſe freie Art des Voͤrtrages erlaubte er fich in denen Schriften, wel⸗ che er für bag große Publicum beſtimmt hatte; In jenen, mo: er feine eforerifche Philoſophie entwickelte, fehlten, wie man aus tiner Stelle fchließen kann, wahrfcheinlich ale * Zufaͤtze der Poanfafte, ober wie er ſie felbft nennt, Spielereien) Die Rh, welche bei dem Plato vorkommen, laſſen fich in drei Klaſſen abtheilen. In einigen träge- er Vermuchungen vor dber Dinge, bie anfer dem Kreiſe des menschlichen Wiſſens liegen, 3 3. über ben Zuftand nad) 25) Gorgias. ©. ı0r. Charmides, ster ®. 6. ı19, Phee- drus, ©. 381. 26) Phaedrus, ®@. 334. os. | %.w — 142 — nach dem Tobe. Dieſe machen meiſtentheils einen Mus hepunkt für den angeſtrengten Verſtand aus; daher kommen ſie gewoͤhnlich am Ende eines Dialoges vor, wenn er die Ueberzeugung eines Satzes durch Grunde auf allerlei Wegen verſucht hat, um dem Geiſte durch das Spiel der Einbildungskraft eine Erhohlung zu ver⸗ ſchaffen. Andere hingegen enthalten eine anſchauliche Darſtellung deſſen, was er ſonſt aus Gruͤnden zu bewei⸗ ſen ſucht. So ſtellt er die Lehre, daß die menſchlichen Handlungen aus einer gedoppelten Quelle, aus einem vr nünftigen und einem finnlichen Triebe entfpringen, in dem 2 bon zivei Pferden und dem Fubrmanne vor”). Zuweilen kommen Mythen vor zufammengefege ter da vor, z. V. der am Eubde bed zehenten Buches der. Republik, wo er zeigen will, daß bie Tugend in dieſem und jenem Leben von. den feligften Folgen begleitet wer» de, und gu diefem zweck Vermuthungen über ben Zuſtand nad) dem Tode vortraͤgt. Er gehöret daher beiden Ar⸗ sen gemeinſchaftlich an. Eine dritte Art von Mythen machen diejenigen aus, welche nur den Zweck haben, bie folgende Unterſuchung einguleiten, wozu ver Mythe im; dem Politicus von dem goldnen oder Saturnifchen Zeit: alter gehoͤret. Plato macht einen großen Unterſchied zwifchen einem Räfonnement und einem Mythen, wie aus dem Gegenfaß von aoyes und ‚ds; und aus andern beurlichen Erklärungen erhefet ”). Der Mythe ſelbſt galt ihm für Feine Wahrheit, nur die Idee, bie zum Grunde lag, und gleichfam die Regel für die bidende Einbildungsfraft war, ob er gleich zuweilen fich die Miene giebt, als wenn er alles für eine ausgemachte Sa⸗ che halte. Aber auch alsdann Hirßen unvermerkt * 17) Phaedrus. ©. 320 18) Phaedo. ©. 238, 239. Gorgias. ©. 163, 170. —** S. c80. Protagoras. G. 109. Politicus. cter B. ©. ag, fel und. Bebenflichfeiten ein, welche Minen erſten Glau⸗ ben wankend machen . Wahrſcheinlich hatte Plato bei allen feinen Schrif⸗ ten ſich den Zweck vorgeſett, feine Zeitgenoſſen für das; erſte nur auf Wahrheiten aufmerffam zu machen, welche mit der Beftimmung des Menfchen übers haupt zuſammenhaͤngen; ihren Verftand auf diefe, allgemeinen und nothwendigen Kenntniffe zu rich⸗ ten; die Beſchaffenheit der bis dahin gewoͤhnlichen Vorſtellungsarten und Marimen ins Licht zu ſetzen; das Beduͤrfniß richtigerer Begriffe und feſterer Meberzeugungen darzulegen; den Glauben an bisher fett geglaubte Traditionen und Wahrheiten niche völlig zu erſchuͤttern, puren nur wanfend zu ma⸗ en, und ihn an den Berichtshof der Vernunft zu weifen; den Verſtand zu gewöhnen, anftatt auf? Auctoritäten zu bauen, nach Gründen zu forſchen. Seine Denfungsart, feine Zwecke, das Publifum, für, welches er feine Schriften beftimmte, bie Beſchaffenheit! derſelben, nebſt vielen Folgerungen aus dem, was ich geſagt habe, alles diefes ſcheint mir auf dieſes wichtige Reſultat hinzuleiten. Wir sehen nun: m ben Eigenheiten fort, welche in ber Sprache und dem Styl der Blatonifchen Schriften: wahrgenommen werben: Das farafkeriffifche Zeichen aller noch fo verfehiebenen Schriften iſt eine geryiſſe Shlex- Lebhaftigkeit, Feuer und Stärfe, Richtigkeit in dem Ausdruck, Feinheit in den Wendungen; Anmuth in ‚dent. Glicderbau. Seine lebhafte zafche und- gebildete Eine. bildungsfraft, fein Wig, Laune und Ironie, feine Bele⸗ ſenheit, fein guter Ton haben fie mit allem demjenigen reichlich ausgrfiattet, was gefallen fann. Seine Sprache ’ 19) Peliticus. ©. 28, 29. eonfer. ©. 33, 36 — 14 — MR ein odees reich verziertes aber 106 nicht uͤberlade⸗ nes Gewand, in welches ſeine Darſtellungskunſt die nyaktenGedanken kleidete. Doch mie unterſuchen bier ſeine Sprache nicht in aͤſthetiſcher, ſondern logiſcher Ruͤckſicht, als Ausdruck feiner Gedanken, und in fo fern, fie Einfluß auf feine Philoſophie hatte ie Menge von Bildern, Tropen, Gemaͤhl⸗ den und ——— melde er theils aus Beduͤrfniß, theils zur Berfinnlihung feiner Gedanken braucht, bringt-oft die entgegengefezte Wirkung hervor, daß fie die Sache. mehr: verdunfele als aufklärer. Die, Degriffe nennt er zum Beifpiele das Unfichtbare, be: Augen verborgene, das Göttliche, das Anfterhliche (aoga-. vor, ouası normdsc, Faıov, adavazov)" >) Die Ideen bee zeichnet er mit den Werten, das Unförperliche, unfichte, bare aller Seftalt. beraubte Ding (weuuarog aexyuurırag,, avaoyc wein) ). Die Vorftellungen nennt er abgedrurfte Formen und Bilder euzyaa”). Jede Veraͤnderung heißt noch Bewegung, und das Veraͤnderliche an den aͤußern Gegenſtaͤnden wird mit dem Bilde des Bewegens, ſo wie das Beharrliche an ihnen mit dem des Stehens bezeichnet *). Wenn er fagen will, daß bie ſinnlichen Vorſtellungen beſtaͤndig in dem Bewußtſein wechſeln, ſo veigleicht er die: Seele mit einem latnundenen bin und ber wankenden und taumelnden Menſchen“). Um die Er⸗ fahrung, daß einige: Menfehen mehr Empfänglichfeit zum Auffaſſen des Skoffes haben, andere hingegen bie Worfirl- Längen Beffer behalten und erneuern, anſchaulich zu machen, waͤhlt er dag Bild: einer twächfernen Maffe, in welche fich bie Vorſtellungen gleichſam abdruͤcken, und welche bald zu | weich so) Phaedo,.&..194, 18$, 190. .Thesetet, str B. ©. 76: sı; Phaedrus, ©. 322. 22) Fheactet, ©. 161, 162, #3) Theaetet. 24) Phaedo, ©, ıgr. * bald zu hart, bald m bichte baid zu lecker bald rein bald unrein iſt *). In allen ſeinen Schriften kommt eine große Menge von ſolchen Ausdruͤcken vor. Die Urfache dieſer bildlichen Sprache iſt erſtlich fein Be ſtreben alles Elar und anfchaulich. zu machen, wozu in . ſeiner fo lebhaften und. feurigen Einbildungskraft, theils der erſte Reiz, theils der Stoff anzutreffen war. Zwei⸗ tens aber ſind dieſe Ausdruͤcke auch nicht allezeit abſicht⸗ lich gewaͤhlte Zeichen, ſondern der Mangel an beſtimm⸗ ten Wortzeichen noͤthigte ihn dieſe zu Huͤlfe zu nehmen. Drittens kann und muß man annehmen, daß er nicht allegeit im Stande war feine Begriffe beſtimmt in Zeichen zu faffen, und allen Stoff, an welchem fie heraus. gebik- det worben waren, abzutrennen ımb wegzulaſſen. In⸗ dem er 5. B. die zwei Beſtandtheile bes menfchlichen Ross ſtellungsvermoͤgen (welches er zum Weſen ber Seele u machte) beren ber eine ben Stoff empfängt, der andere die Form an demfelben hervorbringet, mit Worten bes geichnen will, wählet er dazu die Worte nıusy und ans gerus uns, das Theilbare und Untheilbare Wefen; Aue drücke welche von dem Stoffe hergenommıen find, an wel⸗ chem er die Begriffe von ber Empfänglichfeit und Selbſt⸗ thätigkeit des Borftelunggvermdgens abftrahierte. Wer in dem Worte uses eine Spur von Materialismus fin⸗ den wollte, der wuͤrde fich ‚alfo ſehr täufchen, wie weiter unten gezeigt werben ſoll ). Zweitens. Seinem Vortrage fehlt es oft an Deutlichkeit, Beſtimmtheit und Praͤciſion. Vieſe Ausdruͤcke, womit er philoſophiſche Begriffe bezeichnet, find dieldeutig, ſchwankend und unbeſtimmt; viele Worte / hatten dieſe Fehler in dem gemeinen Sprachge⸗ Brauche, und er hilft ihnen nicht allezeit durch Beſtin⸗ mung ber Begriffe nad; nicht felten vermehret er die Biel- 25) Theactet, ©. 161. a6) Timseus, G. 312. | [4 — 146 — Bieldeutigkeit der. Ausbruͤcke durch den Gehrauch, ber er von ihnen macht. Diefe Befchaffenheit der: Sprache . mußte nothwendig einen nachtheiligen Einfluß auf dit Entwickelung feiner Ideen haben, Unbeſtimmtheit in ſei⸗ nen Saͤtzen, Luͤcken und Mangel an Zuſammenhang in ſteinen Schluͤſſen und Ideenreihen zur Folge haben, und ‚feine Raͤſonnemens in Schatten und Dunkelheit ſetzen, ‚welches dem Ausleger fehr oft aͤußerſt beſchwerlich wird. — Plato erkannte die Nothwendigkeit, die Zeichen der Gedanken genau zu beſtimmen, und ihre Bedeutung zu ‚firiren, wenn Philofophie firh der Korm einer Wiſſen⸗ ſchaft nähern folle; er begriff ſehr gut, daß es für bie PHilofophie Feine Synonymen geben inne und dürfe, . und daf, wenn man eine Sache mit mehreren Worten bezeichne, man den eigentlichen Begriff noch nicht gefun» den habe”). Nach diefen richtigen Grundſaͤtzen fuchte er auch, fo viel an ihm war, die Sprache durch mehrere -Deutlichkeit der Begriffe zum philofophifchen Gebrauch auszubilden. Wenn er aber gleichwohl dieſes nicht buchgäugig that, fondern eine große Menge von Wor- ten in feinem Vortrage gebrauchte, welche aͤußerſt ſchwan⸗ Tend und unbeſtimmt waren, fo fragt es fich, aus wels hen Urfachen kann und muß biefe Erfcheinung erfläret werben? Einmal mar die Sprache noch gar wenig zu ‚einem philoſophiſchen Vortrage geeignet. Durch bie Dichter, Redner und Gefchichtfchreiber war fie zwar be» reichert worden; durch die mancherlei Geiſteswerke und durch die Kultur der hoͤhern Klaflen, harte ſie ihr! Ge⸗ fchmeibigkeit, Annehmlichkeit, Feinheit, Stärke und -. Würde erlanget; kurz fie war zur kultivierten Sprache des Umgangs und der Empfindung getvorden. Uber bie beſondern Eigenfchaften, woburd fie za einem Drgan des bichtigen Denkens erhaben wird, fehlten ihr faſt durch⸗ 87) Sophifte, ater ».6 256, 231, Thereres, ©. 139 — 147 — durchgaͤngig. Vor dem Plato hatten noch wenig Den⸗ ker ihre philoſophiſchen Gedanken in die Sprache niederge⸗ leget, und die Wenigen nicht gar viel zur Beſtimmung der Sprache beigetragen. Die Bemuͤhungen der Sophiſten, welche ſich eigentlich zuerſt mit dieſer Sprachumformung beſchaͤftiget hatten, waren nicht ſehr fruchtbar und gluͤck⸗ lich geweſen, weil ſie nicht von wahrem Intereſſe fuͤr die Wiſſenſchaft und dem philoſophiſchen Geiſte geleitet und be⸗ trieben wurden, und daher in Spitzfindigkeiten, in Wort⸗ klauberei ausarteten *). Der liebenswuͤrdige Lehrer des Plato ſuchte nicht ſowohl die Philoſophie als Wiſſen⸗ ſchaft und die Sprache umzuformen als auf die Den⸗ kungsart feiner Zeitgenoffen zu wuͤrken. Plato fand da⸗ her die Sprache in einem fuͤr Philoſophie ziemlich unbe⸗ huͤlflichen Zuſtande, welchen vr allein durch feinen philo⸗ ſophiſchen Kopf nicht abaͤndern konnte. Er brach die Bahn, und beſtimmte den Sprachgebrauch durch Ent⸗ wickelung der Begriffe, ſo viel er konnte; aber er konnte nicht alles thun, ſondern ließ ſeinem Schuͤler dem Ariſto⸗ teles noch ein großes Feld zur Bearbeitung zuruͤck. So entwickelt er 5. B. drei Bedeutungen des Wortes Aoyoc, Da es für bie Sprache für einen ausführlichen Begriff, umd für das Unterfcheibungsmerfmal genonimen wird; allein wie viele Bedeutungen fann man außer diefen nicht DON Aoyog aufzählen )? Eben fo iſt es mit ——X Hoc Und ars. Dieſes iſt wahrſcheinlich auch die Urſache, daß er mit einem und demſelben Worte oft ein Vermoͤgen des Gemuͤthes und die Wirkung deſſelben anzeiget, 3. B. ayec, dokn. Wie denn auch bei ung in dem gemeinen Sprachgebrauche beides mit einander verwechſelt wird’). Zweitens. Dft giebt Plato den Worten eine andere Bes 8 a deu⸗ 28) Theaetet, ©. 139. Protagoras, zter B. ©. 139. 29) Theaetet, ©. 186, 187, 190. — 30) Phaedo, ©. 150, 203, 1600, 231,226. Dies find nur einige wenige Beifpiele von Aoyos aus einem einzigen Dialog. ) — 14$- — . dentung „als fie in der gemeinen Sprache feiner Zeit hatten, ohne biefe Verſchiedenheit allegeit anzuzeigen, weil fie einerlei Gegenftand begeichneten, aber mit dem Unterfchiede, daß Plato ſich ihn unter andern Prädicaten dachte. 3:3. Lrxx bedeutete in der Sprache ded Vol⸗ kes jede Bewegungskraft, teil ed nach einer falfchen Analogie ſchloß, alles was fich bewege, müffe auch bes feelgt fein. Plato behält diefe Bedeutung bei, ohne des⸗ fatgen die Bewegungskraͤfte für feelenartig zu halten. Drittens. Plato kam durch die Richtung ſeines philoſo⸗ npifchen Geiſtes auf viele Gegenftändt, welche entweder noch gar nicht in Unterfuchung genommen, oder doch nicht aus dem Geſichtspunkt Wetrachtet worden waren. Es konnte daher nicht fehlen, daß nicht die Reichhaltig⸗ keit ſeines Geiſtes unter der Armuth der Sprache erlie⸗ gen mußte. Zwar half ihm auch hier ſeine Einbildungs⸗ kraft, indem ſie ihm theils neue Woͤrter bilden half, theils durch Analogie und Bilder darſtellte, was er ge⸗ dacht hatte. Allein es iſt keine leichte Sache, einen neuen Sedanfen, für den in der Sprache noch fein Zei⸗ chen vorhanden if, fo genau und praͤtis Därzuftellen, ale er dem Bewußtſein vorſchwebet. Fuͤr den Erfinder if auch ein unsollfommenes Zeichen binlänglich; aber die Lefer verbinden entweder nicht die nehmlichen Merkmale damit, oder fie faffen zu viel oder zu wenig Beſtimmun⸗ gen jufammen. Und mie leicht moͤglich ift ed, daß eine - felche neue Wortbildung Nebenbegriffe veranlaßt, melche der erſte Denker entfernt wiſſen wollte? Viertens. Die Regeln des Denkens waren noch nicht entwickelt, und. die Wiſſenſchaft Bed Vorſtellungsvermoͤgens noch in dunkeler Entfernung. Der Mangel diefer Kenutniſſe mußte nothwendig einen großeh Einfluß anf alle philo⸗ fophifche Untterfuchungen haben, und jederh Denker, der entweder dieſe Arbeit felbft vornahm, oder ohne dieſt Era drttiung über einen Gegenſtand hachdachte, fehr beſchwer⸗ liche Hinderniſſe in den Weg legen. Dieſe Urſache nebſt ber — 19 — "ber Beſchaffenheit der Sprache waren unfleeitig. bie Hauptſchwierigkeiten, welche ein Echriftfteller, der ſich deutlich und beſtimmt ausdruͤcken wollte, zu uͤberwinden hatte. Wenn Ariſtoteles ſo große Vorzüge i in Anfehung feines philofophifchen Vortrages vor dem Plato hat, fh {ft ed großtensheild dem Umſtande guzufchreiben, daß ee die Sprache mehr bearbeitet, und Die meiſten Regeln der Denfens burch feinen Lehrer entwickelt fand. Fuͤnftens rühren auch viele Eigenheiten feined Vortrages son dir Form und Einrichtung feiner Schriften ber. In feinen Dialogen läßt er oft den Faden der Interfiichung fallen, ebe der Leſer noch völlig befriediget iſt; er verfolge eife . andere Sedanfenreihe, die noch nicht genug vorbereitit iſt; er entwickelt feine Begriffe und Schläffe nicht voll ſtaͤndig, fondern führer fie nur bis zu einem gewiffen Punkt fort. Daher fehlet es oft feinen Sägen an De⸗ flimmtheit und Deutlichkeit, und feinen Schlüffen an Zuſammenhange. Endlich muͤſſen hierher auch noch manche Zeit⸗ und Ortumſtaͤnde gerechnet werden, welche auf die Entwickelung der Philoſophie, auf ihren Vortrag und auf die philoſophiſche Sprache Einfluß hatten. Plato iſt oft dunkel, weil er nicht deutlich fein durfte, wenn er ſich nicht Verfolgungen von den Anhaͤngern der herrſchenden Religion zuziehen wollte. Es It genug, wenn ich nar ein Beiſpiel anfuͤhre, and welchem man die Nichtigfeit biefer Behauptung einfehen fann. Der große Haufe hielt die Himmelskoͤrper für Gottheiten, und verfolgte diejenigen, welche Muthmaßungen über bie . phyſiſche Befthaffenheit derſelben anzuftellen wagten, wie aus dem Leben des Anaxagoras bekannt iſt. Dieſe In⸗ toleranz noͤthigte unſern Philoſophen zuweilen in der — des Volkes zu reden, und ihre Meinungen zu den feinigen zu machen, wiewohl er ganz anders geredet haben würde, wenn Ihm dad Recht ber Denffreiheit zu Statten gefommen wäre. Dieſes wird klar, wenn man bie Stellen de logib. 2 X. ©. 69.95. Epinomis ©. 256253. 83 aufs s — 148: —. dentung, als fie im der gemeinen Sprache feiner Zeit hatten, ohne dieſe Verſchiedenheit allegeit anzuzeigen, weil fie einerlei Gegenfland bezeichneten, aber mit dem Unterſchiede, daß Plato fich ihn unter andern Prädicaten “ Dachte. Z. B. vorn bebeutete in der Sprache des Bol kes jede Bewegungskraft, weil ed nach einer falfchen Analggie ſchloß, alles was fich bewege, müffe auch bes feelst fein. Plato behält diefe Bedeutung bei, ohne des⸗ megen die Bemegungsfräfte für feelenartig gu halten. Drittens. Plato fam durch die Richtung ſeines philofo- npifchen Geiſtes auf viele Gegenſtaͤnde, welche entweder noch gar nicht in Unterſuchung genommen, oder doch nicht aus dem Geſichtspunkt betrachtet worden waren. Es könnte baher nicht fehlen, daß nicht die Reichhaltig⸗ keit feines Geiſtes unter der Armuth der. Sprache erlie⸗ gen mußte. Zwar half ihm auch hier feine Einbildungs⸗ kraft, indem fie ihm theils neue Woͤrter bilden half, theils durch Analogie und Bilder darſtellte, was er ge⸗ dacht hatte. Allein es iſt keine leichte Sache, einen neuen Gedanken, fü den in ber Sprache noch fein Zei⸗ chen vorhanden if, fo genau und praͤcis Bärzuftellen, als er dem Bewußtſein vorſchwebet. Kür den Erfinder iſt auch ein unsollfommenes Zeichen binlänglich; aber die Lefer verbinden entweder nicht die nehrhlichen Merkmale damit, oder fie faffen su diel oder zu wenig Beſtimmun⸗ gen jufammten. Und mie leicht moͤglich ift ed, daß eine . felche neue Wortbildung Nebenbtgriffe veranlafit, welche . dee erſte Denker entfernt wiſſen wollte? Viertens. Die Regeln des Denkens waren hoch Nicht entwickelt, ‚und. die Wiffenfchaft des Vorſtellungsvermogens noch in dunfeler Entfernung. Der Mangel dieſer Kenutniſſe mußte nothwendig einen großeh Einfluß Auf alle philo⸗ ſophiſche Unterfuchungen ‚haben, und jeden Denker, ber entweder biefe Arbeit felbft vornahm, oder ohne diefe Er⸗ drretung über einen Gegenftand hachdachte, fehr beſchwer⸗ liche dinderniſſe in ben Weg legen. Dieſe Urſache nebſt der — 19 — der Beſchaffenheit der Sprache waren unſtreitig bie SHauptfchwierigfeiten, welche ein Schriftſteller, der ſich deutlich und beſtimmt ausdrücken wollte, zu uͤberwinden hatte. Wenn Ariſtoteles ſo große Vorzüge i in Anfebung feines philofophifchen Vortrages vor dem Plato hat, fh iſt es groͤßtentheils dem Umſtande guzufchreiben, baf ee bie Sprache mehr bearbeitet, und bie meiften Regeln der Denkens durch feinen Lehrer entwickelt fand. Fuͤnftens rühren auch viele Eigenheiten ſeines Vortrages von dir Form und Einrichtung feiner Schriften her. In feinen Dialogen läßt er oft den Faden der Unterſuchung fallen, ehe ber Leſer noch voͤllig befriediget iſt; er verfolge eine _ andere Gedankenreihe, die noch nicht genug vorbereitit iſt; er entwickelt feine Begriffe und Schläffe wicht voll - ſtaͤndig, fondern führer fie nur bis zu einem gewiſſen Punkt fort. Daher fehlet es oft feinen Sägen an Be⸗ ſtimmtheit und Deutlichkeit, und feinen Schlüffen an Zuſammenhange. Endlich mäÄffen hierher auch moch manche Zeit- und Drtumftände gerechnet werden, welche auf die Entwichelung der Philoſophie, auf ihren Vortrag und auf die philofophifche Strache Einfluß hatten. Plato iſt oft bunfel, meil er nicht deutlich fein durfte, mern er fich nicht Verfolgungen von ben Anhängern der berrfchenden Religion zuziehen wolle. Es Mi genug, wenn ich nur ein Beifpiel anführe, and weichen man die Richtigkeit diefer Behauptung einfehen fann. Der große Haufe hielt die Himmelskoͤrper für Gottheiten, und verfolgte diejenigen, welche Musbmaßungen über bie - phnfifche Beſchaffenheit derſelben anzuftellen wagten, tübe aus dem. Leben des Anaxagoras bekannt if. Dieſe In⸗ tolerauz noͤthigte unſern Philoſophen zuweilen in ber Sprache des Volkes zu reden, und ihre Meinungen zu den feinigen zu nrachen, wiewohl er ganz anders geredet haben würde, wenn ihm dad Recht der Denffreiheit zu Statten gefommen wäre. Diefes wird Elar, wenn man bie Stellen de legib. X. S. 69. 95. Epinomis &, 256-253. | 8 3 auf⸗ ® — 150 — ‚ aufmerkfam erwaͤget. Erftlich fcheint es, als wenn er gerabegu behaupte, bie Himmelskoͤrper wären Götter, wie es das Bolt glaubter aber unbemerkt drehet und wendet er den Gebanfen dahin, man müfle eine Urfache von der Ordnung und Negelmäßigfeit annehmen, welche an dem Himmel wahrgenommen merbe; biefe Urfache (welche er Seele nennt) könne fomohl in jenem einzelnen | „Hinmmelskoͤrper als außer bemfelben fein, um dieſe Wir- fungen bervorzubringen. Zulezt fagt er ausdrücklich, eind von beiden koͤnne man mit Grund annchmen, ent weber, daß fie felbft Gottheiten, oder ihre Bildniffe feien, d. h. daß fie bie Sottheit nach ihren Vdeen gebildet habe. Es giebt benfende Männer, welche aus ber Form und Schreibart, welche in den Platonifchen Schriften wirklich angetroffen wird, den Schluß ziehen, daß Plato mehr Dichter als Philoſoph geweſen fei, daß dag Ueber⸗ gewicht feiner Einbildungskraft über feine Vernunft es ihm beinahe unmdglich gemacht habe, fich von finnlichen und concreten Borftellungen zu abftrakten zu erheben, bie Merkmale des Vorgefellten zu zergliedern, in Begriffe zuſammen zu faffen, und mit Deutlichfeit und Präcifion auszudrücken. Allein, außer dem, daß es nur wenige Schriften giebt, in welchen die Gewalt ber Einbildungs⸗ Sraft den nüchternen Forſchungsgeiſt zu übermältigen, und gleihfam in ihrem Strom mit fortzureißen fcheint; und baß es in jeber Schrift lichte und helle Stellen giebt, in welchen feine Denftraft eben fo ſehr hervorleuchtet, als in andern feine Phantafie: fo fcheinen fie an bie Schwierigkeiten, mit welchen bie erften pbilofophifchen Verſuche zu Eämpfen hatten, an die ben freien Gebrauch der Geiſtesthaͤtigkeit wenig beförberndenZeitumftände nicht gebache zu haben. Plato Fannte zum wenigſten die Be» dingungen und Erfoderniffe der Philoſophie; dieſes und ſein raſtloſes Beſtreben nach ſeinem Vermoͤgen bei allen Schwierigleiten und Hinderniſſen die Rechte der Ver⸗ nunft — 151 — nunft geltend zu machen, verſchaft ihm ſchon allein eine ehrenvolle Stelle In der Verſammlung der Philo⸗ ſophen — — De ——— — Vierter Abſchnitt. Regeln welche bei dem Gebrauch ſeiner Schrif⸗ ten beobachtet werden muͤſſen. De in den Platoniſchen Schriften viele Schwierig» feiten und Dunfelheiten angetroffen werben, ba Stellen vorfommen, welche äußerft unverftändlich ſchei⸗ nen, andere welche verfchiedene Erklärungen zsulaffen, ja, welche mit andern nicht vereinbar find: fo müffen vor allen Dingen Regeln fefigefege werben, nach welchen ber eigentlihe Sinn der Worte und Ausdrücke für fich und im Zufammenhange gefunden werden fann. Aus dem, was ich in dem vorhergehenden Abfchnitte ausge» führet babe, folgt fchon fa viel, daß die allgemeinen Kegeln einer gefunden Nuslegungsfunft bei dem Plato nicht zureichend find, fondern noch andere mit ihnen vers Kunden werden müflen, welche auf die Eigenthümlichkeie ten feinee Schriften befondere Rückfiht nehmen, und daher auch durch aufmerffames Studium derfelben allein gefunden werden Finnen . Vielleicht wird manchem dieſe Arbeit ale aberfluͤſ⸗ fig oder entbehrlich vorkommen; denn es hat berühmte Maͤnner gegeben, welche glaubten, Plato habe ſelbſt kein feſtes Gedankenſyſtem gehabt, und nicht ſelten Ge⸗ danken niedergeſchrieben, welche ihm eben ſo unverſtaͤnd⸗ lich waren, als ſie den neuern Forſchern unerklaͤrbar find. „Unter folchen günftigen Umftänden, fagt einer ur 7 Ze der -— — —— — 152 — } „der berüßmseften neuern Schriffteller ), Hätte Plate „and; bei weniger glänzenden Gaben, als er wirklich „befaß, ein großer Mann werden müffen: allen um „ale eingefammelte wahre und falfche, menigftens ſehr Tverworrene und fich toiderfprechende Kenneniffe aus „einander zu fegen, zu ordnen, aufzuflären, und in eine „jufammenhängende Kette deutlicher Begriffe zu verbin« „den, dazu hatte’ die Borfehung- ihn noch nicht beſtim⸗ „met, auch nicht mit den erfoberlichen Geiſteskraͤften „ausgerüftet, —- Plato hatte für dad Maaß feiner „Kräfte zu viel geſammlet, ald daß er die mühfam zu⸗ „fammengefuchten Kenntniffe anderer hätte überfehen, „burchdenfen und verarbeiten können: beſonders da bie „Gedanken der meiften feiner Vorgänger roh, unentwi« „ckelt, verwirret oder verwirrend waren. Hierzu kam „noch, daß er zu viel und zu fruͤh ſchrieb, Früher, als „er fein eignes kleines Syſtem aufgebanet, eine jede „Materie in Zufammenhange mit allen angrängenden „ragen überdacht harte, und mit ſich ſelbſt über feine „eigne Meinung recht einig getoorden war. Aus biefer „Ueberlabung mit zerfireuender Gelehrſamkeit und feiner „fruͤhzeitigen Schriftftellerei muß man ſichs erflärin, „daß Plato niemals gu einem zufammenhängendem Sy⸗ „item feiner Gedanken gelangte, bie ans Ende feined Le „bens felbft niche genau mußte, mas er behaupten obet vertverfen fofte, und nicht felten in verfehiebenen „Schriften in offenbare Widerfprüche fiel; daß wir end» „lich in fernen Räfonnemens feinen verbindenden Faden „wahrnehmen, und noch viel weniger genau beſfimmen „koͤnnen, wo er von zweifelnder Ungemwißheit in dogma⸗ „tiſches Entſcheiden uͤbergehet. — Dunkelheit der „Sprache konnte Plato durchaus nicht vermeiden, weil - „er Über Materien zu ſchreiben wagte, die tr von andern unent⸗ 1) Meiners vermiſchte Schriften. iſter B. ©. 15, 1 ng. „rmentwickelt ererbt Hatte, und felbft aus einander zu - „vickeln ſich nicht die Mühe nehmen wollte. Sein „Parmenides vorzüglich, viele Stellen feines Phaͤdrus, „Zimäus, Phaͤdo, und felbft feine Republik: find durch⸗ „aus unverftändlich, und belohnen dem Lefer die darauf " „getvandte Mühe nicht. Dunkelheit und Verworrenheit „in Begriffen, ziehen ganz natürlich Weitſchweifigkeit, „und bei Diännern von lebhafter Phantafle dichterifche „Berzieringen und prachtvolle Bilderſprache nach fich.“* Mer diefe Darſtellung für bie richtige hält, und dieſe Marimen billiget, der muß "freilich über feden Ver⸗ fach, die Dunkelheiten, welche in dem Plato vorkommen, anfzuflären, lächlen, und ihm im Voraus alles Gluͤck \abfprechen. len unter fehr vielen richtigen Bemer⸗ tungen kommen auch manche nur halb wahre wor; die» Urfachen ugn der Dunkelheit feiner Sprache hat Mei⸗ ners nur einfeltig angegeben, und viele wichtige, welche wuf ein ganz anderes Nefultat führen, uͤberſehen. Die Behauptungen, daß Plato ich nicht habe die Mühe nehmen wollen, viele Säge zur Deutlichkeit zu erheben ; Haß er ſelbſt Kein feſtſtehendes Syſtem gehabt, und viele Stellen niedergefchrieben habe, bei weichen er ſelbſt nicht gedacht habe, entfprechen nicht den eignen Bekennt- niffen des -Plato, flimmen nicht mit dem größten Sheile feiner Schriften überein, und führen auf eine Maxime, welche für die Erflärung eines Schriftſtellers, zumal eis nes philofophifchen, ſchlechterdings nicht tauglich If. Denn wenn man wit folchen Vorausſetzungen an bie Leftüre eines Buches gehet, fo findet die Bequemlichkeit nur allzuviel Nahrung und Vorfehub, daß man entwe⸗ der alle ſchwere Stellen als unerklaͤrbar ſagleich auf die Seite leget, oder Widerfbrüche entdeckt zu haben glaubt, welche durch eine forgfältigere Rachforfchung verſchwun⸗ den fein wuͤrden. Ss if} vielmehr nothwendig anzuneh« men, daß der Schrifefteller oder der Philoſoph einem vernuͤnftigen und zum wenigſten denkbaren Sinn mis 8s le | — 154 — feinen Worten babe ausdrücken tollen, der auch durch die Anwendung ‚der gehdrigen Mittel entdeckt werben fönne, und das fo lange, bis ale mögliche Verfuche er» fchöpft find. Bei dem Plato ift dieſe Maxime eine deſto unerläffigere Pflicht für den Bearbeiter feiner Schriften und Philoſophie, je mehr für die Kritik, philologifche Erklärung und Aufbellung feintd Syſtems durch bie Phi loſophie, noch) zu thun übrig if. — Giebt es alfo Kegeln, welche, aus feinen Schriften abftrahieret, etwas dazu beitragen, Schwierigkeiten zu heben, Dunfelheiten aufzuklären, Widerfprüche beisulegen, ſo dürfen, fie wohl nicht für entbehrlich gehalten werden. | Die vorgüglichfte Regel beſtehet barin, bag man » die Gedanfen von ihrer Einfleidung und ihrem dußern, Geœwande abfondere. Beide gehören freilich zuſammen, indem fie in Vereinigung erft einen beflimmten Gedanken darftellen. Aber dennoch ift ihre Trennung und Untere ſcheidung ehen fo wenig uumdylich, al8 in einer Vorſtel⸗ Jung die Unterfcheibung ber Form und des Stoffes. Diefe Regel darf deſto weniger bei dem Plato vernach⸗ Iäffiget werben, weil er felbft an einigen Orten auf den Unterfchled bed Inhalte und ber Einfleibung feiner Ges danken aufmerkfam macht. Aber unter welchen Bedin⸗ gungen ift biefe Unterfcheibung möglich ? Zuerſt iR nothwendig, daß man in jeder eingelnen Schrift den Hauptgedanken und den Zweck berfelben, worauf fich alle einzelne Theile und Glieder des Ganzen beziehen, auffuche, und in einen vollftändigen Begriff faſſe. Diefe Arbeit muß in jebem Fleinerem Abſchnitt wiederhohlet werben, oder vielmehr aus Biefen einzelnen Zergliederungen muß fich der Hauptgedante ergeben. Zus weilen zeichnet er den Hauptgedanken felbft aus, wie j. B. in dem Thedtet, Sophifte, Politicus; aber chen fo „ft unterläßt er dieſes. In jenem Gale, muß man oo. feine — 155 — feine Aufmerkſamkeit barauf richten, ob er ihn vollſtaͤndig, praͤcis und beſtimmt angegeben habe. Denn nicht ſelten befindet man ſich in dem Falle, daß man ihm gleichſam nachhelfen muß, indem er ſich nicht ſo ausdruͤckte, als die Idee, welche ihm vorfſchwebte, erfoderte. Sn ſehr vielen Dialogen verbindet er zwei oder mehrere Zwecke mit einander, da aksdann einer durch den andern ber flimmt und mobifieirest wird. 3. 8. in dem Meno iſt zwar der Gegenftand feier Unterfuchung die Srage: ob die Tugend ohne felbftthätige Bildung entftche, und ob fie durch Unterricht wie andere Kenntniffe mitges theilet werde; aber außer dieſem ſucht er noch ale Nebenzweck die Denfungsart des Anytus barzuftellen, und feinen Haß gegen den Sokrates zu erklaͤren. Diefe Nebenabſicht macht, daß er feinen Gegenſtand auf eine andere Art abbandelt, als er. fonft gethan haben würde; daß er befondere Beifpiele waͤhlet, und bei ‚einigen Nebengedanfen länger verweilet. In fehr vie fen iſt außer der Unterfuchung des Gegenflanbes noch die Abfiche, Regeln des Denkens zu entwickeln") — Wenn man alddann die ganze Reihe von Borftelum gen verfolgt, durch welche er einen Begriff beſtimmen ober einen Sag ausführen wollte; wenn man bie Verbins dung ımb das Verhältniß. derfelben, mit dem Hauptges danken benserfet, und davon alles abfondert; was er zur Erläuterung, zur Berfinnlichung feiner Gedanken, ober zum Behuf anderer zufälliger Zwecke hinzufilgte; fo hat man für das erfle Die mefenslichen Gedankenreihen von den zufälligen gefehieben, und diejenige Duelle beſtimmt, woraus die eigentlichen Materialien feiner Bhilofophie genommen werden mäffen. Weil diefe Regeln nicht alles zeit bei der Entwickelung ber Blatonifchen Philoſopheme find befolget worden, fo will ich noch durch ein Beiſpiel jeigen, 2) Politicus. ©. 64, | Sn En 156 . up geigen, ‚wie leicht man ohne folche leitende Grundſaͤtze irre geführt werden kann, daß man biefem Philoſophen Behauptungen anſinnet, an welche er nicht gedacht hat. Wenn er die Moͤglichkeit von der Zuſammenreihung der Vorſtellungen und von der verſchiedenen Art den: Stoff aufzunehmen, in einem Bilde anfchaulich darftellen will, fo fagt er; Dan ftelle fich vor, es fei in der Seele eine waͤchſerne Tafel, welche in Anfehung ber Groͤße, Rein- beit, Weichheit vieler Grade .und Zufammenfegungen fähig feis in diefe follen fich die Vorſtellungen gleichfam abdruͤcken. Diefe Wachstafel findet er in dem Homeri⸗ ſchen xsaę ruc yuxus wieder, als Anſpielung auf das xugos ). Hieraus ſtellt Herr Schul; (Diſputatio de ideis Platonis. ©. 19.) folgende Säge als Platoniſch auf: Der Sig und das Behaͤltniß ber burch die Sinne erlangten Vor ſtellungen iſt der Sig der fterblichen Seele, nehmlich bie Bruft und die Leber. Die vernünftige Seele, welche im Gehirne fich hefindet, wirkt auf dieſe Theile, wenn fie etwas wahrnehmen will. Timaeus. ©. 386, 387. Die Leber ift einer wächfernen Tafel gleich, wie ſich Plato bie Sache vorftchte, in melche ſich die Bilder von allen Ge⸗ genftänden der Vorſtellungen abbrüden. Theaet. ©. 154. — Allein, nur bie unterlaffene Iinterfcheibung dee Gedankens von ber Einkleidung, die Berwechfelung des Wefentlichen mit dem- Zufälligen konnte den Verfaſſer irce führen, daß er ben Plato fo etwas behaupten läßt. Plato fagt nicht, die Sinnlichkeit iſt eine waͤchſerne Ta fel, noch. vielmeniger fie bat ihren Sig ia der Bruſt und Beber ; fondern nur, man fielle ſich diefelbe unter einer foldyen Tafel vor, um es fich Hegreiflich gun machen, daß einige Vorftellungen (ober vielmehr Staff von Borftel- Inngen) inniger und reiner aufgefaßt, und beſer erhalten werden als bei andern. Bei 3) Theaeter. S. 154, 161. — 17 — Bei den zufälligen. Gedankenreihen Hi bie Bezie⸗ hung auf einen wefentlichen Gedanken in Betrachtung zu siehen, nehmlich basienige was dr erläutern oder vera . finmlichen will. Den Vorſtellungen und ihrer Zuſam⸗ menfegung giebt Plato ſelbſt keinen andern Werth, als daß er fie ga dieſem Zweck brauchbar fand. Daher find ſte oft nur problemätifdye Vorſtellungsarten, oft gehören fie ſelbſt ganz und gar nicht zu feier Philoſophie. So muß bei einem Mythen unterſchieden werden, 1) der Gegenſtand, 2) die Vorſtellungen welche auf denſelben bezogen werden, 3) das Verdaͤltniß bed Gegenſtandes zu andern Saͤtzen, und die Verbindung mit gewiſſen Zwecken. Das Zweite niacht den Mythen ſelbſt aus und iſt nur etwas zufaͤlliges, ein Spiel der Phantafie *)..” Ale Sein der Gegenſtand kann durch die Beziehung auf noth⸗ wendige Zwecke bei Vernunft, ein wichtiger Gegenſtand fuͤr die Philoſophie ſein. die Begriffe anlanger, fo muß man die Merkmale derfelben moͤglichſt zu beftimmen und zu firiren fachen. Diefes feßet voraus, dag man alle Fälle, wel⸗ che vorkommen, und Alle Stellen, in welchen fie gebraucht Werden, zufammenfielle, mit einander bergleiche, und daraus die Merkmale des Begriffe abſtrahire, wie ich an einem andern Orte mit ben Begriffen sarrov und ire- wor gethan habe. Die Bemerkung der Ausdrüde, welche zur Bezeichnung des nehmlichen Begriffes, ober’ des entgegengefezten gebraucht werden, bat faft imwer den Vortheil, daß Man ein Merfmal mehr, welches ent» weder in die Einheit aufgenommen, ‚oder aud berfelben ausgefchloffen worden ift, erfennet. Diefe Arbeit ift uns deſto nöthiger, weil er in dein meiften Faͤllen nicht beſtim⸗ Met, was für Merfmale er fich in dem Begriffe dachte, theils weil er ſich des Begriffs, den er mis dem Zeichen: dere \ 4) Politicus, 6er B. G. 28. — 158 — . verknüpfte, bewußt war, theils weil bie Zerglicderung nicht in das Unendliche fortgefezt werben konnte. Unter diefen ausgezeichneten Stellen kommt doch zuweilen eine vor, welche die Bedeutung eines Wortes, und den Ju⸗ balt eines Begriffes viel Elärer und beſtimmter angicht,- und dadurch auf alle übrigen viel Kicht verbreitet. Iu dem Begriff ayadtor in dem Philebus Haben einige Ausleger vorzüglich Ficin die Gottheit zu finden geglaubt, welche: auch wirklich zumeilen mit diefem Nahmen bezeichnet wird, Allein, daß dieſes Wort diefe Bedeutung in dem Philebus nicht Habe, konnte eine einzige Stelle, wo er fagt, er wolle unterfuchen, weicher Zuſtand des Ges - muͤthes (öfc, diaſsecic) das Gute fei, sum Ueberfluß bes lehren’). — Nicht wenig Schwierigkeit, macht beim Plato der Umſtand, daß fo ſehr vielerlei und oft nicht mit einander übereinftimmende Erklärungen von dem nehmli⸗ chen Gegenftande gefunden werden, von welchen man fich faum einbilden faun, daß fie fich in einem Kopf haben jufammen vertragen koͤnnen. Wenn biefe Verfchieben« heit in Begriffen nicht au einem verfchiebenen Geſichts⸗ punck, oder auß einen größern ober Eleinern Grade der Einficht, welche fich nach feinem verfchiedenen Alter änderte, erfläret werden kann, fo bleibt noch ein Aus⸗ weg übrig, welchen er felbft erdfnet bat. Er hatte eine andere Art, eine Sache zu definieren, wenn er mit So⸗ phiften zu thun hatte, eine andere, wenn er fich mit Steunden, melde ernftlich nach Wahrheit forfchten, un« gerredete. Im erſten Falle war es ihm genug, wenn er nur ein entfernteres Merkmal angegeben hatte; it dem lezten befolgte er die Kegeln des Denfens pünftlis der. Ein auffallendes Beifpiel giebt er davon in einer geboppelten Definition von der Figur °) Hieraus kann man mit gutem Grunbe ſchließen, * man in einigen Dialo⸗ 5) Philebus, 4ter B. ©. 299. 6) Meno, ©. 338, 339, 341. .t — 159 — fi \ Dialogen feine andern Definitionen als von ber erſtern Art ober vielmehr Befchreibungen eriwarten dürfe,‘ wenn es fich aus fichern Merkmalen ergiebt, daß er in denſel⸗ ben une die Abficht hatte, andere Behauptungen zu bee reiten; und man darf ficher annehmen, daß die richtie gere Erklärung, welche in feinen Schriften vorfommt, auch in feinen Augen den Vorzug vor ben andern bes bauptete. Nicht felten iſt man in dem Fall, daß man. den Plato nadhhelfen muß, weil ihm ein Begriff mit ge wien Merkmalen vorfchmebse, ben er entweder nicht volltommen gergliebern, ober auch nicht beſtimmt genug mit Worten bezeichnen fonnte. £ Bei den Sägen und Schlüffen müffen die Begriffe des Subjekts und Prädicats genau beſtimmt werden, um die Verbindung, dm Zuſammenhang und die Herleitung derfelben auffuchen zu koͤnnen. Zumeilen bemerkt man eine Schlußfolge, welche aus den Borderfägen nicht völlig zu folgen feheinet. In diefen Yale wird‘ man allegeit einige Drämiffen, die nicht ausdrücklich angege⸗ ben ober eine Beflimmung, welche ſtillſchweigend bei ei« nem Begriffe mit verflanden. wurde, entdecken, bie er vorausſezte, weil fie in feinem Bewußtſein ungertrennlich mit feinen DBegriffer verfnüpfet waren. Ein Beiſpiel davon findet fih in den Schren und Meinungen ber Sokratiker über Unfterblichteit 78, 83. Die Unter: ſcheidung zwifchen dem Satze, ber beiwiefen werben _ follte, und zwiſchen ben Gründen, aus welchen er abge» deitet wird, iſt von großer Wichtigkeit in ber Platonifchen Philoſophie. Jene Säge find oft fehr wahre und richtiv ge Säge, welche für die Menfchheit das wichtigfte In⸗ tereffe haben ; aber fie folgen nicht aud den angegebenen. Gruͤnden, oder diefe bedürfen felbft wieder eines Bewei⸗ fe, und beruhen zum Theil auffalfchen Vorausſetzungen. Es find alsdann Verſuche der Vernunft, welche da⸗ mals erſt mit mehr Selbſtthaͤtigkeit und in einem groͤßern Umfange die großen Aufgaben, bie fie ſelbſt erſt erzeuget, aufzu⸗ — 160 XX aufzuloͤſen ſich beſtrebte, um Gruͤnde für bie unentbehr⸗ lichſten Ueberzeugungen aufzuſuchen, bei welchen fie aus angel der erfien Grundfäge und Unkunde ihrer eignen Wirkungsart nur zu oft fich mit unzulänglichen ober “auch falfchen Gruͤnden begnügen mußte. In dieſen Fällen, welche fo oft in ber Dhilofophie der Religion und in der prafeifchen Philoſophie vorkommen, muß man fich genau In!die Lage des Deukers verſetzen, der zuerſt dad Bebürfnik des menfchlichen Geiſtes nach allgemeinguͤlti⸗ gen Gruͤnden empfand, und nach feinem Vermögen dem⸗ ſelben abzuhelfen ſuchte; man muß feine Grundfäge ſtu⸗ dieren, den Grad und Umfang feiner entwickelten Reune " niffe unterfuchen, die Richtung feines Geiſtes ausforſchen, um den Gang, welchen bie räfonnirende Vernunft auf den von ihm eräfneten und vorgezeichneten Wegen ging, gehoͤrig verfolgen zu können. — Nicht weniger wich tig ift die Unterfcheidung der Säge nach ihrem verſchie⸗ denen Werthe und Dergeienifke ju einer Wiffenfchaft der Bhilofopbie, ob fie auf bifforifchen oder vernuͤufti⸗ gen Gründen beruhen; ob fie für firenge erwiefene ober nur wahrfcheinliche oder proßblematifche Säge erklaͤret werben. Hierdurch fallen ſchon viele fcheinbare Wider fprüche, und viele Vorwuͤrfe, welche gegen feine Philoſo⸗ phie gemacht worben find, hinweg. j Wenn Behauptungen vorfonmen, welche mit ein ander flreiten, fo muͤſſen folgende Megeln beobachtet werden. Bor allen Dingen iſt die Unterfuchung noth⸗ menbig, ob beide Behauptungen zur Platoniſchen Phis loſophie gehören, oder ob einer von den Sägen unter Diejenigen gercchnet werben müffen, welche Plato nur einſtweilen annahm, oder feinem Gcaner einräumte, um andern Behauptungen zu miberflreiten, welches vorgäge lich in denjenigen Dialogen flatt finder, wo er fremde Meinungen beftreitet, cenfiret, ober eine verfehrte Me⸗ thode im Dieputieren durch ein Beifpiel darſtellen wi. — Gehören aber beibe in den Umfang feiner Philofophie, dann 8 dann muß man nachforfchen, ob er fie nicht etwa in verfchiedener Bedeutung genommen, oder aus verfchie- denen Geſichtspunkten betrachtet, oder ob er nicht endlich die Quantität der Saͤtze auf verfchiedene Weiſe Beftimmet habe. Ich will diefes durch einige Beiſpiele erläutern. Sokrates lehrte, Tugend koͤnne nicht gelche ret werden, um den Stolz der Sophiften zu bemüthigen, weiche ſich anmaßten Tugend wie andere Kenntniffe zu lehren, oder vielmehr einzufldßen. Plato flimmt darin mit feinem Lehrer überein, und macht’ mit ihm oft ges meinfchaftliche Sache. Unterdeſſen £adele er doch auch die entgegengefezte Meinung, als eine Behauptung, wel⸗ che alles moralifche Intereſſe gegen fich babe’). Dies fer Widerfpruch hebt fich durch eine andere Stelle, in welcher er den verfchiebenen Gefichtepunfe beftimmer, nach welchem beide Säge, aber in verſchiedener Ruͤckſicht, für wahr und falfch angefehen werden können. Tugend ift die durch Vernunft beflimmte Handlungsweife. Zus gend Ichren heißt die Vernunft zu den unbedingten Zwe⸗ den der Sittlichkeit in Thaͤtigkeit ſetzen und ausbilden, aber nicht die Tugend als eine Kenntniß eingieffen, oder - die Handlungsteife felbft hervorbringen 9. Die Mei⸗ nung, daß alles in einem beftändigen Fluſſe fei, beftreis tet Plato zwar; aber in dem Thedtet ſcheint er fie ſelbſt zu billigen. Diefes klaͤret fich in dem Sophiſta auf, mo er bie beiden entgegenftehenden Vorftellungsarten ein⸗ fchränfet, und damit vereinbar machet ’)., — Noth⸗ wendig ift ferner auch die Beurtheilung ber Saͤtze nach ihrem Werthe und Berhältniffe zur Wiffenfchaft, bie Unterfcheibung der erweisbaren von ben wahrfcheinlichen und problematifchen ; die Abfonderung der Hauptfſaͤtze von den damit verbundenen Nebenvorfiellungen, oder von 7) de republic. VI. 7ier &. ©. 77,78 | 8) de republic. VII. S 135, 136. 9) Sophifts, ©. 259 266, ‘ — 162 — bon ben als moͤglich angenommenen Gründen derſelben. Wenn die Widerſpruͤche nur die lezten betreffen, ſo ſind fie nur zufaͤllig, und nur verſchiedene Vorſtellungsarten von einer Sache, die an ſich problematifch if. Hieher gehoͤret die Praͤexiſtens der Seelen und bie Reminiscens als Hypotheſe von ber Möglichkeit ber ideen, bie vers fchiebenen Börftellungsarten von dem Zuflande nach dem Tode. — Endlich laſſen ſich auch zumeilen die Wider, ſpruͤche dadurch heben, wenn mar bie frühere oder ſpaͤ⸗ tere Behauptung ausfindig machen kaunn, wozu die Zeit . folge der Schriften des Plato dienen fann. Eine der wichtigften Pflichten, welche bem Bear⸗ beiter der Platonifchen Philofophie oblieget, beftehet ‚ darin, fich die moͤglichſt volftändige Kenntniß von deni Zuftande der Menfchheit, der. Religion und Philoſophie, und ing beſondere auch von der Verfaſſung des attiſchen Staates zu verfchaffen. Denn Plato nimmt fchr oft befondere Ruͤckſicht auf diefe Thatſachen. In ihnen laffen fich viele Gründe finden, woraus fich die befondere Rich⸗ sung. feines Geiles, und manche Eigenthümlichkeiten feiner Schriften und Philoſophie aufklären. . Hiermit muß die volfkändige Erforfchung derjehigen Begebenheis sen; Umſtaͤnde, berrfchende Urtheile und Maximen, felt- ftehende Verfaffungen, verbunden werben, welche au den freien Vortrag feiner Grdanfen einen entfcheibenden Einfluß hatten, fie mögen nun religidfer oder politifcher Befchaffenheit fein: Ich Habe fchon einigemal Gelegen⸗ heit gehabt zu zeigen, von welchen wichtigen Folgen die vollſtaͤndige Auffuchung diefer-Tharfachen aud) ſchon für die Erklärung feiner Sehriften iſt, und kann mich daher darauf berufen, wenn ich das Verhältnig derfelben au bie Bearbeitung feiner Philofophie bemerkbar machen wi. Mit diefen Vorfenntniffen ausgeruͤſtet, kann mart mie mehr Leichtigkeit noch tine Arbeit vornehmen, Welche ‚ "wegen ihrer Verwickelung mit manchen großen Schwies , . rigkei/ ’ — 163. — rigkeiten verknuͤpft iſt, nehmlich die Abſonderung ber Platoniſchen Philoſophie, ſowohl dem Stoffe als der Form nach, von andern aͤltern Philoſophien; — eine Arbeit, wel⸗ che unentbehrlich iſt, wenn man den Gang der Entwickelung u Fortſchritte des menfchlichen Geiſtes richtig ſchaͤtzen will. Es iſt keinem Zweifel unterworfen, daß Plato ſeine Vorgaͤnger benuzt, Materialien aus ihren kleinen Syſtemen genommen habe, und oft auf ihren Wegen weiter vorgegangen ſei. Allein dieſes iſt noch nicht ges ung; man mil auch beſtimmt wiſſen, worin dieſer ent⸗ lehnte Stoff beſtanden habe, welcher dem Plato eigen⸗ thuͤmlich augehoͤre, und in wie fern die Bearbeitung und die Form neu und von ber der vorhergehenden Denker ver⸗ ſchieden ſei. Diefe Scheidung foll endlich nicht nach Butbefinden oder einem willfühslichen Maßftabe, ſon⸗ bern nach beſtimmten und fichern Regeln geſchehen. Wenn wir von ber vorhergehenden Periode voll« ftändigere mehr sufammenhängende und zuverläßigere Nachrichten haͤtten, wenn nicht fo vieleDenfmäler des philo⸗ fopbifchen Geiftes verlohren gegangen wären, ſo würde dieſe Arbeit weniger verwickelt und weit leichter fein; fie würde weiter nichts als cine vollftändige und genaue Vergleichung erfodern. Da aber- die meiften Data zur Einfiht in die ältere Philofophie fehlen, fo Bleibe weiter fein Mittel übrig, ald aus der Platonifchen Philofophie bie ältere zu erforfchen und nach ihrem Werthe zu beur⸗ theilen. . Wenn man nehmlich nach den angegebenen Negeln dag Zufälige von dem Wefentlichen getrennt hat, fo muß man aus diefem Stoffe durch mannichfaltige - Bearbeitung die Zwecke, die allgemeinften Geſichtspunkte und bie erfien Grundfäge feiner Philofophie zu-erforfchen - fuchen, tongu er felbft niche wenig Winke und Auffchlüffe giebt; hiermit endlich bie ausgemachten Thatfachen von dem Zuftand der Menfchheit, der Religion und Philoſo⸗ phie verbinden, um Biefemigen Gruͤnde zu entdecken, wel che feinen philofophifchen Geifte Die befondere Richtung . Ua geben geben konnten. Wenn biefed geſchehen iſt; fo wird es doch einigermaßen möglich fein, die eigenthümliche Sorm feiner Philoſophie zu beftimmen, und die neuen Gegen- de der menfchlichen Erkenntniß anzugeben, welche vom / ihm zuerſt, oder mehr als fonft gefchehen war, Bearbeiter werden mußten. E8 kann nicht fehlen, daß nicht hier- durch verſchiedene Geſichtspunkte beitimmt werden follten, ans welchen feine Philoſophie mit den noch vorhandenen Materialien und Nachrichten von der ältern Philoſophie serglichen werden kann, um das Eigenthuͤmliche und Verſchiedene in beiden zu erfennen Es verſtehet fih von ſelbſt, daß die Winke, die Nachrichtei und Beurs theilungen der vorhergehenden philofophifchen Verfuche, welche fich bei dem Mato ſowohl als vorzuͤglich bei dem Ariſtoteles finden, benuzt werden müflen, doch Aber mit den erfoderlichen Cautelen. Denn Plato hat oft in die Darſtellung frember Philoſophaͤmenen eigne Zuſaͤtze hin⸗ zugefuͤgt; die vorkommenden Vorſtellungen entwickelt und zu einer Deutlichkeit erhoben, welche ihnen bis da⸗ her gefehlet hatte; die Behauptungen fuͤhrt er nicht allein an, ſondern ſtuͤzt fie duf Gruͤnde, deren fie bis dahin entbehret hatten. Es iſt daher oft noͤthig, die Behaup⸗ tung, welche ben aͤltern Philoſophen, und bie Darſtel⸗ lung, welche den Blato ängehöret, zu unterfcheiden. Dieſes find die vorzuͤglichſten Negeln, welche die Eigenshärklichkeiten ber Sprache und Schriften, und bie Art des Vortrags, mir jum wenigſten nothwendig zu machen fcheinen, nud die ich für unentbehrliche Bedin⸗ gungen halte, wenn die Darftellung feiner Philoſophie ihrein Gegenſtande und dem Zwecke einer ſolchen Bear⸗ Beitug nur einigermaßen entſprechen fol. Sie werben daher au bei ber Ausführung meines Planes zum ®: unde liegen. — Dritter u Li Allgemeine Betrachtungen über - feine Philoſophie. Pre man die Blasonifhe Philoſophie nach ihrem ganzen Umfange darfiellen Fann, iſt es nothwendig, einige vorläufige Unterfuchungen über den Zweck, Form, Eharafter und Quellen, nebft den Unterſcheidungs⸗ merfmalen, wodurch fie fi) vor andern Philofophien augseichnet, anzuftellen, damit Die Abfonderung, Zuſam⸗ menftellung und Ordnung feiner Sedanfen nach gewiſſen leitenden Grundfägen gefchehen koͤnne. Es finden fid) zwar in feinen Schriften genug Data, aus welchen - der Geift feiner Philofophie abftrahiret werden Kann: allein ſie ind zerſtreut, nicht immer deutlich angegeben, oft nur durch Winfe angedeutet, meiftentheild nur hin⸗ gerorfen, nicht big zu ber vollſtaͤndigen Gedankenreihe entwickelt. So lange ald die einzelnen Zuge richt ges ſammlet, aus ihrer befondern Verbindung herausgeho⸗ ben, unter einem allgemeinen Geſichtspunkt zuſammenge⸗ ſtellt ſind, ſo lange befindet man ſich in Anfehung der Platoniſchen Schriften faft in dem nehmlichen Galle, als ein NReifender in einer umbefannten Gegend ohne Weg- roeifer. Iwar fommen Dialogen vor, in welchen mar: fich mit leichterer Mühe zu recht finden kann: aber auch viele, die entweder ganz ober zung Theil ohne keitende Ideen unverftändlich bleiben muͤſſen. Selbſt jene Winke, Arufferungen und Erklärungen‘ über den Zweck feiner Bhilofophie, bekommen erfi dadurch ihren vollen Sinn, und gewähren bem Denfer den ungehinderten Ueberblick, wenn fie vereiniget werben. Fuͤr die Bearbeitung feinen 24 Philo a Bötfofopbie find aber diefe leitenden Brineipe ganz unent⸗ © Sehrlich, wenn man nicht blos eine Sammlung von Meinungen ‚nach getoiffen Fächern und Titeln — bie freilich ohme-jene meglich ift,aber auch nicht einmal voll⸗ fommene Harmonie und Zufammenftimmung leiſten kann — fondern eine nach Gründen dargeſtellte Entwicke⸗ lung des menſchlichen Geiftes in der verfuchten Auf- loͤſung der wichtigften Probleme, wozu das innere Beduͤrfniß des Geiftes hinführte, und äußere Bege⸗ benheiten Veranlaſſung gaben, unter jenem Titel er⸗ wartet. Denn bie unterſuchungen über dieſen oder jenen Gegenſtand ber Philofophie, welche in den Platoniſchen Dialogen vorfonmen, find nicht zufammenhängend, has ben oft durch befondere 2wecke eine individuelle Form und Befchaffeubeit; ihre Entſtehung, ihr Intereſſe, Beziehung auf andere Unterfuchungen, und die Art ihrer Ausfuͤhrung bleiben meiftentheild unbefannt; die äußeren Beranlaffungen werden nicht allegeit angegeben ;- der Ges ſichtspunkt des Denkers, feine Grundfäge und leifenben Ideen, von welchen die Ausführung und Behandlung beſtimmt wird, werden meiſtentheils nicht mit dargeſtel⸗ Ist, weil fe feine ganze Gedankenreihe begleitesen, und oft nur einen unfichtbaren Faden abgaben, an und durch welchem feine Gedanken zufammenhiengen. Die Zwecke der einzeluen Mnterfuchiggen, ja eines jeden Dialoges find oder fcheinen oft fpeciel oder gar individuell zu fein; aber fie Hängen untereinander zufammen, und werden von einem böhern Zwecke beſtimmt, der ihnen allen zum Grunde liegt, aber pielleicht eben deswegen nicht auge drüdlidy angezeigt. worden if. Sn jeder Philoſaphie, welche de Vortheiles entbeh⸗ ret, daß fie von beſtimmten und allgemeingältigen Srundſaͤtzen ausgehen kaun, weil le erſtlich dieſes Be⸗ duͤrfniß bemerket, und demſelben durch Aufſuchung dere ſelben abzuhelfen ſuchet, muß ſehr viel von dem voraus⸗ oeſe het erben, was dem Bewußtſein war vorſchwebet, aber — 169 — aber noch nicht im Begriffe zufannmeigefaßt ober in mertmale zergliedert worden if. Die Summe diefeg - Borausgefezten nimmt in dem Grabe zu, je weiter Die _ Verſuche der cäfonnirenden Vernunft von der Entdeckung bet oberften Grundſaͤtze noch abſtehen. Die Zolge dar non if nothwendig diefe, daß ein Mangel an Deutliche feit und an Zufammenhange bemerkt wird, der nur allein dadurch gehoben werden kann, daß dieſes Worausges fezte aus den poclisgenden Raͤſonnemens entwicelt . - und vollfländig angegeben werde, Ä Enndlich, wenn «8 zur richtigen Darſtellung eines pbiloſophiſchen Syſtemes fhlechterdings erfoderlich if, daß man ſich in die ganze Sage und Degfungsart ſei⸗ nes Urhebers zu verfeßen wife, und davon nebft ber Wiſſenſchaft des Vorſtellungsvermoͤgens der gluͤckliche Erfolg einer ſolchen hiſtoriſchen Arbeit am meiſten ab⸗ haͤngt; ſo muß die Unterſuchung des Zwecks, der Form und ber Urſachen, welche dieſe beſtimmten, Bei jeder hi⸗ ſtoriſchen Bearbeitung einer Philoſophie von ſehr wich⸗ tigen Einfluß ſein, weil dieſe Kenntniſſe es erſt moͤglich machen, ſich an die Stelle des Denkers zu verſetzen, und mit ihm aus dem nehmlichen Geſichtspunkte die Gegen⸗ ſtaͤnde anzuſehen. Wir beſchaͤftigen uns alſo in dieſem Theile mit dieſen allgemeinen Betrachtungen, welche zur beſtimmten Kenntniß feiner Philoſophie unentbehrlich ind, und ſu⸗ chen erſtlich den Zweck derſelben auf. Ich verſtehe darunter nicht allein den Zweck, welchen ſich Plato bei feinem Philoſophieren vorſezte, ſondern auch ben Eins Ruß auf ben Zuſtand der Menfchheit, melchen er von der Philofophie erwartete, und durch biefelbe wirflich zu machen firebte. Hiermit flehen die Begebenheiten und Umftände der Menfchheit in Verbindung, welche die Ver⸗ anlaffung zu diefen Ideen gaben, und feinen Geiſte die beſtimmte Richtung mittheilten, wodurch feine Philoſo . ts | pi: — 150 — phie ihren eigenthuͤmlichen Charakter erhielt. In dem zweiten Abſchnitt werden wir die Form feiner Philoſo⸗ phie, oder den Begriff, Umfang, Eintheilung, Ers kenntnißquelle und die erften Grundfäße derfelben, aus dem Stöffe, "welchen ein forogfäktiges Nachdenken Aber feine Schriften und die Nefulsate des erſtern Ab» ſchnittes barreichen Finnen, darftelen. Für den dritten Abſchnitt beſtimme ich endlich die Unterſuchung über die Quellen, woraus einzelne Theile oder Lehrfige der Nlatonifchen Philofophie entlehnt find, und über.bie Farakteriftifchen Merfmale,.modurc) fich diefe Philo⸗ fophie von den vorhergehenden auszeichnete. Wenn bie Sefchichte der Philofophie die Veränderungen, welche dieſe Wiffenfchaft des beflimmten nothwendigen Zufame menhangs der Dinge erfahren hat, volftändig erzählen muß, fo gehoͤret auch mit in ihren Umfang, daß der Einfluß der vorbergehenden phllofophifchen Verſuche auf die nachfolgenden beſtimmt angegeben werde, in fo fern ein Philofoph die Bemühungen der vorhergehenden Denker benuzte, weiter verfolgte, erweiterte, berichtigte, pervollkommete; durch fie auf neue Unterfuchungen ges Igifet oder auf andere Wege gefuͤhret wurde; durch fie veranlaße einen Theil der Wiffenfchaft aus einem neuen Sefichtspunft betrachtete, oder ihm mehr Deutlichfeie und Zufammenhang ertheilte. Wenn .diefe Boberung auch in dieſem Falle gehörig befriediget werden fell, fo muß eine Vergleihung der Platoniſchen Philoſophie mie ben ältern Syſtemen angeftellt werben, wodurch ſich das Eigenthuͤmliche, welches fle vor jenen voraus hat, aber auch das Gemeinfame und Uehnliche, woburch fie fich an jene anfchließt, von einander unterfcheiben und beur⸗ theilen läßt. K \ = Erfter Erfer Abfchnitt. Beratung über den Zweck der Platoniſchen Pit ophie. re Betrachtung gehdrig anſtellen und ausführen zu können, mäffen wir zuvor über die Art und Reife einig werben, wie ſich der Zweck, welchen ſich Plato bei feinem Philoſophieren vorſezte, entdecken laſſe. In feinen Schriften finden ſich zwar viele und mancherlei, bald deutlichere bald dunkelere Aeußerungen daruͤber, allen es iſt doch nicht hinreichend, fie zu ſaummlen und zuſammenzuſtellen, weil fie mit vielen: andern Kenntniſe fen in Verbindung ſtehen, welche fie nicht allezeit unmits telbar enfhakten, fonderh nur vorausſegen. Es wir weiter unten mit: voͤlltger Evidenz ergeben, daß Plato bei- feinem Philoſophieren beſtaͤndige Ruͤckſicht auf den Zuſtand der Menfchheit in feinem Zeitalter nahm, oder vielmehr, daß er vor demfelben ausging. - Bir müffen alfo für das erſte ung in die Lage des Plato verfegen, und feinen Standpunft wählen, d. h. wie mäffen durch die Zuſammenſtellung derjenigen Thatſachen, aus wel⸗ chen fich der Zuftand ber Menfchheit, in fo fern er einen Philoſophen Intereffiren fann und muß, und aus den eignen Beftändniffen dieſes Bhilofophen, denjenigen Ge⸗ ſichtspunkt kennen fernen, aus welchem er den Zuſtand, den Grad der Rultur und die Bebärfniffe der Menſchheit betrachtete, und auf die Mittel Hedacht war, wodurch Die Kultur auf denjenigen Grab gefest werben fonnte, welchen er als Menfchenfreund für wuͤnſchenswerth, und als Philoſoph für nothwendig achtet. Diefe Thatſa⸗ hen find alſo von doppelter Art; einige betreffen den Zuſtand — 1102 — Zuftand der Meuſchheit, andere ben Einfluß diefer Um⸗ ftände und Begebenheiten auf feinen Geift. Die legten ers fahren wir nur allein aus feinen Schriften; die erften werden zwar auch einem großen Theile nach aus ihnen erfannt, aber doch nicht allein aus dieſer Quelle. Die vielen Bemerkungen über dieſe Gegenſtaͤnde, welche in feinen Schriften gefunden werden, koͤnnen noch mit vie Ien andern, die bie Gefchichte jener Zeiten und, die gleich⸗ geitigen Schriftfieller z. B. Kenophon, Iſokrates, und Ariſtoteles aufbewahret haben, vermehrt werben, In® fie muͤſſen es, wenn wie uns ein allgemeines Gemaͤdlbe bvon jenen-Zeiten und ihrem Einfluß auf die Platoniſche Philoſophie machen wollen. Dieſe Schilderung betrift zwar zunaͤchſt nur einen kleinen Theil der Menſchheit, Die Bewohner des attiſchen Staates, auf welche jene Schriftſteller unmittelbar Ruͤckſicht nahmen: allein da fie ſolche Veränderungen, Lagen und Verhaͤltniſſe betref⸗ fen, weiche auf jede Mation aber gu verſchiedenen Zeiten paſſen; da ihre Urfachen und Quellen in dem menfchlig hen Geifte liegen, welcher unter den nehmlichen Nmfiäws den auf einerlei Art Einflüffe erleidet und auf fie zuriick, ‚wirft: fo kann es nicht ſchwer fallen, jenes Gemaͤhlde Durch Weglaſſung des Individuellen und Veſondern all⸗ gemein zu: machen, Drei Hauptbetrachtungen werben biefen Abfchnitt ausmachen. Erſtlich bie Betrachtung bed Zuſtandes der Menfchheit in biefem Zeitalter; Zweitens, Unterſu⸗ chung über den Zuſtand und Befchaffenheit der damaligen Philoſophie; Drittens, der Einfluß von allem biefem auf den Geiſt und bag Herz unferd Philoſophen. — 873 ——. 1. Zuftend der Menſchheit, Cu) Setrates und Plato lebten zu einer Zeit, welche durch eine allgemeine Erfchürterung und Umwälzung aller Einrichtungen und Verfaſſungen, beinahe in gang Griechenland diefe Periode zu einer der merkwuͤr⸗ bigften in der griechiſchen Grfchichte machte. Die Ber änderungen der Staatsverfaffungen; das Emporfoms men und Steigen, das Ballen und Sinken ber Staaten; Kriege und Eroberungen, find zwar Begebenheiten, wel⸗ che durd) ihre weitausſehenden Solgen oft ein großes Anſehen beformmen. Uber bier intereffiren fie ung nicht ſowohl als politifche Eräugniffe, als vielmehr die Urſa⸗ chen und Quellen, aus welchen fie entfprangen, weil fie‘ durch ihre Triebfedern und Marimen den Zuftand der Menfchheit in den bürgerlichen Geſellſchaften kenntlich machen; teil fie ung auf eine. allgemeine Urfache hinfuͤh⸗ ren, aus welcher dag Streben und Widerſtreben in allen Verhaͤltniſſen des gefehfchaftlichen Lebens Begreiflich wird. Der Arhenienfifche Staat hatte von feinem erften Entſtehen an mancherlei Veränderung in dem Staatsſy⸗ ſtem erlitten, einige mit Einwilligung aller Staat&bürger, anbere gegen den Willen des einen Thelled. Die von Solon gemachte Einrichtung, "daß die ganze Staatsge⸗ walt in den Händen des Volkes, aber unter ber Leitung eines Senats fein follte, dauerte nicht lange, weil bie Reichern und der größere aͤrmere Theil des Volkes bald ‚in zwei Parthieen fich erennten, von welchen die eine die andere vom allen Antheil au der Verwaltung ber oͤffent⸗ lichen — 174 — lichen Angelegenheiten ausſchließen, bie zweite aber bie Vormundſchaft des hoͤhern ‚Standes nicht anerkennen wollte. Diefe® Streben und Entgegenwirfen, wel ches die größten Unruhen zur Folge hatte, war zu kei⸗ ner Zeit fo ſichtbar und auffallend gewefen, als zu den Zeiten bes Sokrates und. des Plato '). ’ Die Gefege, welche die sinfichtsnollen zur Erhal⸗ kung der guten Ordnung entwarfen, und das ganze Volk genehmiget hatte, waren anfänglich von kleiner Anzahl und fehr einfach, aber fie wurden ſehr genau he⸗ folget. Die Sanktion durch den Willen des ganzen Staates; die einfache Lebensweiſe; die Einfalt in den Sitten; bie Ungewohnung an Arbeit und Sehorfam ger. gen die Gefeßes die durch die Erziehung fortgepflangte Vaterlandsliebe, alles dieſes gab ihnen Anſehen und Einfluß in die Handlungen). Sobald aber der Wohl - Rand und der Reichthum des Staates’ zunahm; der Hang zun Vergnügen und Bequemlichkeiten ftärfer und allgemeiner wurde; der Luxus einriß;, die Beduͤrfniſſe bes menfchlichen Lebens ſich vermehrten und bie Jnduſtrie befoͤrderten; mehrere und ſtaͤrkere Leidenſchaften, 5 B. Ehrgeitz und Eigennutz hervor traten; die Verhaͤltniſſe des menſchlichen Lebens vielfaͤltiger und verwickelter wurden: alsdann waren jene Geſete nicht mehr in Stande, die ganze Summe von ſo vielen, verſchiedenen und ſo gewaltſam an einander reibenden Kraͤften im Gleichgewichte zu erhalten. Man mußte die Anzahl der Geſetze immer vermehren, mehrere Handlungen verbieten, neue Strafen erfinden, um das Anſehen der Alten zu ſtuͤtzen: allein, alles dieſes waren nur vergebliche Ver⸗ ſuche, die raſtloſe Thaͤtigkeit ſo vieler Koͤpfe in den Schranken zu leiten. Ihre eigne Schwaͤche verminderte ihre 1) Ifdcrätes Areopagiticus edit. Bafılienf. 1565. %. ©. 1737, 1 141. a) Iſocrates, I. c. © 137. ihre Gllegten, und dag hin und her ſchwaukende In⸗ tereſſe der Parthien zerſtoͤhrte wechſelsweiſe ihren Ein⸗ fluß“). In fruͤhern Zeiten unterwarf ſich jeder willig den Gefetzen, zu welchen er ſeine Stimme mit gegeben hatte; jeder betrachtete ſich als einen Theil der geſetzge⸗ benden Gewalt, ohne auf der andern Seite zu vergeffen; daß er nicht weniger ein Unterthan des allgemeinen Wil⸗ lens ſei. In der Folge ging dieſe einfache Denkungs⸗ art verlohren. Der Ehrgeitz, Geſetzgeber ſein zu bürfen, und der Dünfel, fee geben zu innen, blieb in feine Kraft; aber die Gefinnung, den Gefegen Gehorfam zu leiften, ging verlohren. Niemand wollte gehörchen, aber jeder befchlen *). , Diefed war zum Theil eine Folge von dem ſchwan⸗ fenden und falfchen Begriffe, den man fich von bürgers licher Freiheit machte. In aͤltern Zeiten dachte man fi ſchon gluͤcklich in dem Beſitze derjenigen Freiheit, vermoͤge deren jeder, ohne einen Alleinherſcher oder auf⸗ gedrungenen Regenten anerkennen zu muͤſſen, unter dem Schutze der Geſetze ſeines Eigenthums genießen, und an ber Verwaltung der Öffentlichen Angelegenheiten einen allgemeinen Antheil nehmen durfte. Spaͤterhin erwei⸗ terte man ben Umfang der Freiheit, und befreiete fie eis genmaͤchtig von allen Einfchränfungen, wodurch fie ges fegmäßig wird; man feste an die Stelle der Vernunft feine Willkuͤhr, und an die Stelle der Gefeke fein eignes Intereſſe. Ehedem mar freiheit ber Antipode von will⸗ kuͤhrlicher Gewalt, jest fogar von. den Gefigen felbft, Kurz Freiheit artete in Ungebundenheit, Zuͤgelloſigkeit und Anarchie aus’). Aber auch die Erifteng zweier Parthieen hatte Saul an der fo großen Ausdehnung 3) Ifoctates Areopag- @. ı ” 134. - 4) HMocrates Areopag. ©. 127, 13t. Xenoph, Memor. Soc. 111, 4, 15 ſeq. . }) Mocrates-Areop. ©. 137: der — 176 — der Freiheit. Denn die hereſchende feste allezeit ihre Freiheit mit barin, die entgegengefezte zu unterdruͤcken und unter ihre Willkuͤhr zu zwingen. In ſpaͤtern Zeiten hatten die Athenienfer nur ein gemeinſchaftliches Intereſſe, den Wohlſtand ihres Staa» - tes; nur ein Geiſt beſeelte ſie, und lebte in allen ihren Handlüngen, Vaterlandsliebe. Bei dieſem allgemei⸗ nen Beſtreben ordnete der Buͤrger ſein eignes Intereſſe dem allgemeinen Beſten unter. Jezt ging diefer oͤffent⸗ liche GSeift verlohren. Die Reichen machten in dem Staatt einen eignen Staat aus, ber fein befonderes In⸗ fereffe hatte, feine eignen Maximen befolgte. Die Arc men waren wieder ein eigner Staat für fih. Beide wirkten und ftrebten einander entgegen. Jezt Horte der allgemeine Rahmen Vaterland auf, und behielt nur in dem Hergen einiger guten Bürger feine volle Gültigfeit. Jede Darthie ſezte ihre Wünfche, Begierden, Abfichten, ihre Angelegenheiten, ihr Intereſſe an die Stelle deſſelben eigenmächtig bin °). Der Inhalt aller Veränderungen, welche in bem . Staate vorgingen, war Bedruͤckung von Seiten der Mächtigern, und Bedruͤckt werben von Seiten ber Schwaͤchern. Gerechtigkeit und Gewalt waren in Streit, worin bie legte meiftentheild fiegte. Eben dieſes Ge⸗ mälde findet fich auch in dem Verhaͤltniſſe der Staa- ten gegen einander wieder. Die unzähligen Befehdun⸗ gen und Kriege, wodurch fich alle freie Staaten unter einander nach und nach aufrieben, rührten blog von der Herrfchfucht und dem Eroberungsgeifte her. Das phyſt⸗ fche Geſetz des Stärfern trat an bie Stelle des Geſetzes der vernünftigen Wefen. Sreihelt war ein Necht, das jeder Staat für fich foderte, ohne es dem andern einzu⸗ gefteben ; Freiheit galt uur da, -wo das Necht des Staͤr⸗ fern durch eine‘ größere Macs in Schranken gehalten wur⸗ 6) Loerates Areopagit. ©. 141. wurde ”). Saft alle griechifche Staaten handelten fo; daß man nicht anders urtheilen kann, als daß Re zur Freiheit noch nicht reif waren. Nicht allein in den Sfentlichen- Angelegenheiten und politifchen Berhältniffen, fondern auch in dem haͤusli⸗ chen Leben, und in- dem Betragen gegen einzelne Mit⸗ bürger hatten fich die Marimen und Srundfäge geänbere. . Einfachheit und Srugalität herfchte in den dltern Zeiten; bag Leben war faft eine beftändige Arbeit, welche nur allgemeine und befondere Feſttage unterbrachen. Die Begüterten brachten ihre meifte Zeit auf dem Laube in nüglicher Thätigfeit für fich und die ihrigen zu. Die Heichen gaben ben Armen durch Arbeit und Beſtellungen binlänglicdy Gelegenheit, ihren Unterhalt zu 'getoinnen. Die Armen achteten das Eigenthum der andern, und fuchten nur durch Gebrauch ihrer Kräfte oder Geſchick⸗ lichkeiten ihren Unterhalt zu verdienen. Jeder Mitbuͤr⸗ ger hielt den andern für feines Gleichen, lebte mit ihm in ruhiger Eintracht, that feine Gefchäfte, und mifchte fich in feine fremden Sachen, außer wenn es feine Buͤr⸗ gerpflicht erheifchte . Dieſes Gemählde des häuslichen Lebens verlohr ſich bald nach den Perfifchen Kriegen. Von der einen &eite wurden bie Kunſte des Vergnuͤgens vervielfaͤltiget und erweitert, mehr geſucht, geſchaͤzt und belohnt; nuͤtz⸗ liche Kuͤnſte und Manufakturen waren in voller Thaͤtig⸗ keit, um die Beduͤrfniſſe und Bequemlichkeiten des Lebens herbeizuſchaffen. Dieſe vermehrten ſich immer mehr, aber die Arbeitſamkeit und Induſtrie hielt nicht gleichen Schritt mit ihnen. Der Hang nad) Genuß und Ber. -· gnügen, aber zugleich Semächlichkeit und Schen vor Arbeit, bemächtigte fich-der Reichen und Armen, bie nun darin 7) Xenophon Memorabil. Socr. III, 4, 15 ſeq. Thucydid. v1, 8. V, 89. Alcıbiad. l, ©. A 8) Ifocrates Areopagitic. gr 37° — 178° — barin ihr hoͤchſtes Gut ſezten, und durch alle Mitsel, erlaubte und unerlaubte, ’e8 zu erreichen fuchten. Die einen.wollten ihr Vermögen auf Unkoſten anderer vers mehren; die andern die Mittel zum Vergnügen von ih. ven Mitbürgern erobern. Hieraus entfiand jenes bes ftändige Streben und Entgegenftreben zwifchen beiden, - Darthieen, welches endlich dem Staate den lintergang be⸗ reitete. Während der eine Theil der Natton auf nichts als auf Dervielfältigung und Erhöhung des Genuſſes bedacht war, bemächtigte fi) des andern ein unruhigeg Streben | nad) Ehre, Anfehen, Macht, Einfluß und Ruhm’). Diefe Schilderung koͤnnte leicht noch weiter ausge» führet werden. Allein nach unferm Zweck find diefe Thatſachen ſchon hinreichend, um zu bemerken, daß der Geiſt dieſes Zeitalters in einem unruhigen Streben und Wirken, in einer raſtloſen Thaͤtigkeit ohne Leitung von ſichern und feſten Maximen beſtand. Die Maximen, welche befolget wurden, waren ſo beſchaffen, daß ſie einander ſelbſt zernichteten und wechſelsweiſe aufhoben. Das Recht des Staͤrkern lieferte den Unterdruͤcker ſelbſt in die Haͤnde der Unterdruͤckten, ſo bald ihre Macht uͤber⸗ wiegender wurde. Diejenigen, welche ihr hoͤchſtes Gut in dem Genuß ſezten, konnten dieſes oft nicht anders erreichen, als daß ſie den andern die Mittel, ihre Triebe zu befriedigen, gewaltſam entzogen. Die Menſchen handelten oft nach ganz entgegengeſezten Maximen, ſie ſchwankten von der einen zur andern, ohne einen feſten Beſtimmungsgrund ihrer Handlungen zu finden. Bald nüchtern und mäßig, bald ſchwelgend; bald unthätig und träge, bald unternehmend und arbeitfam ohne bes Rimmten 3weck; bald tolerant gegen gewiſſe Meinungen. und Handlungen, bald intolerant und verfolgend "). - Um 9) Iſoerates Arcopag. ©. 138, 141, 143. Scholiaftes- ad, Thucydid. Il, 40, edit. Bipont. str B. S. 384 .1o) Plato de legib. VII. ©. 33% nn -= 11 — u Um bdiefen Beift eines Zeitalter Ka feinem ganzen Umfange näher fennen zu lernen, müffen wir auch die Beränderungen, welche damals Religion und Moralität . betrafen, nebſt ihren Urfachen und Beranlaffungen bes trachten. Und wenn wir finden, daß auch diefe Felder. nicht weniger zerrüftet waren, als das häusliche Leben, und die bürgerlichen Verhältniffe, fo werben wir auf: bie gemeinfchaftlidhe Duelle zuruͤckkommen, aus welchen jene Beränderungen fich vollſtaͤndig begreifen laſſen. | Die Religion, d. h. der Inbegriff von Ueberzeu⸗ gungen, Neigungen und Handlungen, welche fich auf das Dafein einen Gottheit und den Glauben eines fünfe tiger Lebens begichen, berubete bie in diefe Periode hin⸗ ein auf. Ueberlieferungen, Sagen, Mythen, Dichtungen und überhaupt auf Hifforifchen Begebenheiten, welche durch ihr Alterthum geheiliget, durch die Verbindung mit der bürgerlichen Verfaſſung befeftiget, durch ein in⸗ neres dunfeled Gefühl beglaubiget waren, und fich mit dem ganzen Gedankenſyſtem der Menſchen verwebt hat« ten. Die Priefter, welche in ben Jugendjahren der Menfchheit, als Vorfteher der Menſchen und Freunde der Goͤtter mit faft abergläubifcher Verehrung angebetek wurden, hatten fie gelehret; die Gefeßgeber hatten fie zur Grundlage der Staatsverfaffung und Gefeßgebung. gemacht; fie erbten vom Vater auf feine Soͤhne fort; von der früheften Jugend an, wurden fie durch Erzie⸗ hung und Beifpiele gelehree und eingefloͤßt. Ob fie gleich dem äußern Scheine nach auf dußern Gründen bes rubeten, fo befamen fie boch durch Erziehung und Anges wohnung eine Art von Algemeingültigfeit, und wurden ein Theil der allgemeinen Denfungsart. Diefe Ueberzeugung von dem Dafein Gottes und Unfterblichfeit aus bloßen hiſtoriſchen Gründen fann und Darf nicht ewig dauern, fie iſt nur die Vorſtellungsart des Kindheitsalters der Menfchheit. Wenn biefer Glaube durch die Zweifel an-die Thatfachen, worauf er berubel, mM 2 wan⸗ — — 1 180 due. wanfend gemacht worden. ifl, dann wird die Vernunft: durch das Intereſſe, welches fie an biefer Ueberzeugung . ‚nimmt, gendthiget, Gründe von anderer Art aus ihrem eignem Vermoͤgen aufsuftellen. - Diefe Veraͤnderung are aͤugnete fich in dieſen Zeiten, Nicht allein Gelehrte, ſondern auch denkende Köpfe aus allen Klaffen fanden an den hiftsrifchen Quellen die fer Ueberzeugungen fo viel Unbegreifliches, Ungereimtes, fo viel Spuren eines menſchlichen, durch die Einbil« dungskraft entſtellten, Urſprunges, daß fie dieſelben fuͤr falſch; die Idee einer Gottheit für Täufchung und die Hofnung der Unfterblichfeit. für eine Chimäre er- Härten"): Die Urſachen und die Folgen diefer Veraͤnde⸗ tung verdienen eine nähere Unterfuchung: Die Haupt urſache, daß bieſer Glaube erſchuͤttert wurde, lag in der fortſchreitenden Kultur des Verſtandes. Die Veran⸗ iaſſungen und Befoͤrderungsmittei der Thaͤtigkeit des Geiſtes waren vervielfaͤltiget, und der Wirkungskreis des Verſtandes weit ausgebreiteter, als in den vorigen Zeiten. Nachdem die Menſchen ihre hoͤhern Geiſteskraͤfte zur Be⸗ friedigung ihrer Beduͤrfniſſe, zur Bequemlichkeit und Annehmlichkeit des Lebens und vorzuͤglich in den Werken der fchoͤnen Kuͤnſte Auf. mannichfaltige Weiſe angewen⸗ det und geuͤbt hatten, wurde es ihnen zum Beduͤrfniß, auch diejenigen Gegenſtaͤnde unter das Gebiet des Ver⸗ ſtandes zu ziehen, von welchen Gewohnheit und blinder Glaube das Nachdenken und den Forſchungsgeiſt eine Zeitlang zurück gehalten hatten. Sie füchten fich jezt von dem Grund ihres Glaubens in religioͤſen Gegenflän- ben Rechenſchaft zu geben, und fanden feinen andern, als das Fuͤrwahrhalten derjenigen Thatfächen, welche bisher ohne Prüfung angenommen worden waren. Es waren nur Menfchen, weiche um fich das Unbegreifliche zu 11) Plate de legik..X. G-73. Phacdo. ©. 138. ⸗ U] 181 (amt , 2 ‚fa erklaͤren, das Daſein Gottes und die Fortdauet der Seelen geglaubt hatten; Menſchen waren es, die ſich beſtrebt hatten, dieſen Glauben allgemein zu machen. Der Verſtand befriedigte ſich jezt nicht mehr mit dieſen men ſchlichen Zeugniſſen, er verlangte Höhere Beglaubi⸗ simgsgründe ”). Zweitens. Die Wunder der Natur, welche ehedem die Menfchen veranlaßt hatten, etwas Ueberfinnliches anzunehmen, wirkten, nachdem fie durch wiederhohlte Erfahrungen zu alltaͤglichen Begebenheiten geworden waren, jezt nicht mehr ſo unwiderſtehlich auf das Gemuͤth. Der Verſtand fand alles begreiflicher, und wartete vergebens auf neue Offenbarungen ber Gottheit. Die Götter wirkten Feine Wunder mehr, goril die Kenntniß der Natur umd Erfahrung zugenom⸗ men hatten, und die Menfchen den Erfolg ber Begeben- heiten uud ihre Schickfale mehr als fonft ihrer Klugheit and ihren Einfichten zufchrieben. Gerade da, two bie Menfchen bie unmittelbare Offenbarung bed Dafeing ei⸗ ner Gottheit am febnlichften münfchten, in Beſtrafung der Boͤſen und Belohnung der Guten, fanden fie fich in ihrer Erwartung am meiften betrogen ”). Drittene. Das ganze Religionsfuften, welches nad) und nach in uncultivierten Zeiten entfianden war, machte ein übel ufammenhängendes Ganze aus, Da ber Begriff der Gottheit feine meiſten Beflimmungen aus dem Stoffe ber Erfahrungund Dichtung erhalten hatte, fo wiberfprachen Diefe denjenigen Eigenfchaften, welche ein dunkeles Ge⸗ fühl mit demſelben verlnuͤvfte. Man mußte ſich Bor “ M3 sie 12) Plato de republica VI. S. 223. + de sıor (Je) ru xæ⸗ BTIHENBUEZI, 0% aAX0FEY Tor EUPug IREV N. anyxomper, 4 08 TE . vr Aoyın xa⸗ K Ani Yirsadoyı avtwy TOT. 13) Plato de legib. X. &. 97. Xenoph. Memor. Socr. L I 9, 15. Thucydides 11, c. 53. Auf diefe Art entſtand der Atheismus bes Diagorge. Sextus Empisic, aduerf.. Mathematic. IX, 53; 4 J als ein gerechteß ober fittliches Weſen denken; bie Dich« „ter fiellten aber ihre Goͤtter ald.beftechlich durch. Gaben und Opfer leiche zu verfähnende, nach. einem finnlichen Intereſſe handelnde Weſen vor; fie befangen fie als gütig und doch auch ale neldifch, ale ewig und doch ale er⸗ zeugt. Diefe groben. und finnlichen Vorftelungen mußten nothwendig bei zunehmender. Geiftesfultur mie . ber unveränderlichen Idee der Vernunft in offenbaren Widerſpruch erfcheinen, und alle Ueberzeugungsgruͤnde vom Dafein Gottes, wie fie damals fein fonnten, ver daͤchtig machen. Schon das ganze Gewebe von Vor⸗ flelungen und Dichtungen, in welchen die Religions⸗ Wahrheiten eingeflochten waren, mußten nothwendig Durch ihre wundervollen Ungereimtheiten einmal den Un⸗ ‚glauben herbeiführen '*). Viertens. Da jede Nation und jede Stadt ihre befondern Schuß» und National gottheiten hatte, fo war bie Religion mit dem Staats⸗ intereſſe innigſt vereiniget. Es war daher eine natürlis ‚che Folge, daß das Intereſſe der Religion fallen mußte, fo bald der oͤffentliche Geiſt abnahm, und Pa⸗ triotismus nicht bie herrſchende Triebfeder blieb. Fuͤnf⸗ tens. Es entſtanden zweierlei Parthieen in Anſehung der Religionsangelegenheit. Die einen hingen mit blin⸗ der Anhaͤnglichkeit an dem alten; Religionsſyſtem; die andern wollten fiih vom Aberglauben Ioßreißen, unb verwarfen zugleich alle Religionsmwahrbeiten. Bei die fen äußerte fich Gleichgültigkeit oder Verachtung gegen bie Religion, um aufgeflärt zu fcheinen; bei jenem Reli⸗ giongeifer und blinder Glaube ohne Verftandesfultur, oder Gutherzigfeig mit Einfalt. Das Keiben diefer Par⸗ thien mußte das Nachdenken und. den Sorfchungggeift ‚noch mehr aufreizen. Sechſtens. Daß der Einfluß der Meligion auf die Sittlichkeit der Handlurgn ſehr 14) Plato de legib. & G. 6,74 — 183 — "tehe vermindert war, und das Intereſſe, ice bie Menfchen an der GSittlichfeit neymen, ohne ſich ber Gründe derfelben bewußt zu fein, wicht weniger ale bie Ueberzeugung der Religionswahrheiten, wankte, befoͤr⸗ derte auf der einen Seite das freie Denken über bie Gründe des religisfen Glaubens, aber auf der andern ’ ‚ auch den Unglauben. Go fehr auch die Religion fian« lich war, fo gebot fie doch Kegalität der Handlungen, um den Zorn der Bdtter abzuwenden, und ihre Gunſt zu erlangen. Diefe Triebfeder wirkte aber megen der zwei⸗ ten lirfache weit ſchwaͤcher, als in den vorigen Zeiten, und viele religidfe Vorftelungen, 3. B. von der Verſoͤhn⸗ lichkeit der Sctter durch Außere Handlungen hinderten ſchon von ſelbſt ihren Einfluß. Die Religion gedot gute Hanblungen wegen der guten Folgen; Sittlichfeit mar der Stückfeligkeit untergeordent. Daher fehlten ihe alle Antriebe zur innern Veredelung des menfchlichen Her send. Hierdurch verlohr fich nach und nach bei denken⸗ den Köpfen die Achtung gegen Neligton; fie ging in Bleichgiltigfeit oder gar Verachtung über. lm glück ſelig gu fein, d. h. um Ihre Triebe gu befriedigen, glaub» ten die Menfchen des Beiftandes einer Sortheit um fo mehr entbehren zu koͤnnen, je mehr fie jenen Beitrag. Bucch ihre eignen @infichten und durch Klugheit meinten. erfeten zu koͤnnen. Nachdem alfo das lockere Band zweifchen Religion und Moralitdt, welches beide bisher verbunden hatte, noch mehr aufgeldfet war, fo tagte der menfchliche Geift auch leichter einen freien Blick über - das ganze Gebäude zu werfen ; aber weil er noch feine in- nen Gruͤnde entdecken Fonnte, fo mußte es ihm gang grundlos erfcheinen. Die freie Prüfung beförderte den Unglauben. Die Ausbreitung bes Unglaubens war alſo eigent⸗ lich Die Mae von der uͤberhand nehmenden Kultur des Geiftes, der fich.jegt nicht mehr mit dem Anfchen ‚und äußern Zeugniffen begnügte, fonbern nach ſolchen Gruͤn⸗ M 4 den u 184 — den Mte, welche ihm ſichere Ueberzeugung gewaͤhren koͤnnten; eine Folge von der freiern Wirkſamkeit der Vernunft, welche „uich ſolche Gegenſtaͤnde in ihr Gebiet zog, die ein blinder Glaube bisher gegen ihre Finwire fung verfchloffen hatte. Mer Beruf zum Denken fühlte, überzeugte fich gar bald, daß die Gründe feiner bisheri⸗ gen Ueberzeugungen gay feine Prüfung aushalten koͤnn⸗ ten; daß fie ihr Dafein den menfchlichen Beranftaltuns gen der Prieſter und Gefeßgeber, und ihre Gültigkeit der Reichtaläubigkeit der Menfchen, die ſich von jenen blindlings leiten ließen, zu verdanken hätten ' ’). Daher eührte die Erfchütterung auf dem Felde der Religion; Daher der Zmeifel und der Unglaube. Und weil Religion und Mipralität auf einerlei Gründen beruheten, oder vielmehr die Sittlichfeit der Handlungen auf Religion gegründet war, fo mußte mit dem Ueberhandnehmen des theoretifchen Unglaubeng, ‚auch Reagellofigfeit und Unſitt⸗ lichfeie in dem Praftifchen auggebreiteter werden. Man konnte ſich die Verbindlichkeit gewiffer praftifchen Negelu nicht anders erflären, als daß man fie aus dem Willen der Götter herfeitete, welche aus Willtühr gemiffe Hand» kungen geboten, andere verboten, und mit diefen Stra fen, mit jenen Belohnungen verbunden hatten‘). De das Dafein diefer Goͤtter für grundlog gehalten wurde, fo fielen auch ihre Borfchriften über den Haufen, melche um fo mehr ald unrechtmäßig aufgedrungene Gebote laͤſtig wurden, jemehr der Zwang, der mit ihrer. Befol⸗ gung verfnüpft if, für Stimme der Natur galt. Während alfo. bei einem Theile der Nation durch größere TIhäsigkeit des Verſtandes eine Stüge der reli gioͤſen Ueberzeugungen nach der andern über den Haufen “fiel, blieb der andere, bei weitem der größere, aus Ge maͤchlich⸗ 15) Plato de legib. X. ©. 74276. 8 16) de legib. VII, S. 417. X. 68. 113-115. Thucydid. » 33. .. — 185 — maͤchlichkeit und Stumpfheit des Verſtandes bei ſeinen angewoͤhnten und angeerbten religisfen Vorſtellungck ſtehen. Jener uͤberließ ſich dem Unglauben, dieſer dem Aberglauben. Der Einfluß des leztern brachte an⸗ dere nicht weniger ſchaͤdliche Folgen fuͤr Sittlichkeit her⸗ dor als der erſtere. Das ganze Intereſſe der Religion berubete auf gewiſſen bunfel gefühlten Beduͤrfniſſen der menſchlichen Natur, etwas anzunehmen, wodurd das Streben des finnlichen Triebes nach Gluͤckſeligkeit unter der Bedingung und im Verhaͤltniſſe mit Sittlichfeit voll⸗ tommen befriediger merden koͤnnte. Aber der finnliche Trieb wirkte ſtaͤrker als der vernünftige, die Geſetze der Bermunft zu realifiren. Jener forach laut und drang mit Ungeftüm auf Befriedigung, während die Stimme ber legten ſich meiſtentheils nur in leifen Abmahnungen hoͤ⸗ ren ließ, welche bei Beruhigung der Leidenfchaften erſt vernehmlich wurden. - Man mußte fi auch feinen Grund von der Stimme. des dunfeln moralifchen Ge fühle anzugeben, und bielt fie aus Täufchung für die Einwirkung eines fremden Wefend. Die Menfchen wur- Den alfo früher und befier mit dem Intereſſe des finnli- hen Triebes befannt, ale mit ben Boderungen und dem Zweck des morelifchen Gefühle. Aus diefen Urfachen . wurde Gluͤckſeligkeit das hoͤchſte Gut des Lebens, und der Grund ihrer Religion. — Der Inhalt der Reli⸗ gion beruhete auf Diefen Saͤtzen. Die Goͤtter find mäch tige Weſen, welche die Störblichen mit Fluch und Segen, wie es ihnen beliebt, uͤberſchuͤtten koͤnnen. Man muß ihnen alfo dimen, d. 5. dasjenige thun, was ihnen ges fält, und dasjenige unterlaſſen, was ihnen zuwider iſt. Ihre Willkuͤhr iſt die Richtſchnur unſers Betragens; fie iſt der Grund unſerer Gluͤckſeligkeit, ſo wie unſers Elends. Ionen dienen heißt Tugend. und Gerechtigkeit"), Ihre M 5 Will⸗ 17) Eutyphro. ©. 14, 31. « ı 64 Willkuͤhr wird durch Feine Geſetze, die unveränberlich find, beſtimmt (es fei denn von dem Fatum) fondern fie, die feine Gefehe anerfennet, und alle Geſetze aufhebet, iſt für die Sterblichen dag oberfle Geſetz. Was fie das - einemal willführlich geboten haben, koͤnnen fie bag an⸗ Veremal eben fo willkuͤhrlich wieder aufheben. Durch Geſchenke, Dpfer und andere Gefäligfeiten von den Menfchen, können ſie beftimmt werden, von ihren Fo⸗ derungen abzuftchen, und ihren Unmwillen über bie Ueber» tretung ihres Willens fahren zu laffen. Kurz die Goͤt⸗ ter find eben fo willkuͤhrliche Gefeßgeber ale beftechliche Richter der Handlungen; ſie find feine Heiligen Mes fen’). — Da die Wilführ der Götter für den ober sten Beflimmungsgrund ber 'menfchlichen Handlungen angefehen wurde, fo mußte es auch Menfchen geben, Durch) welche die Gdtter ihren Willen offenbarten. Die Priefter, welche von den dlteften Zeiten ber in beſon⸗ derm Nufe der Heiligkeit geftanden, und durch ihre Ein⸗ fichten, die die Unwiſſendheit für Gefchenfe und Offenba⸗ rungen der Gdtter hielt, ein mehr als menfchliches An⸗ fehen erhalten hatten, wurden alfo die Berfündiger und Ausleger des goͤttlichen Willens, : und die fichtbaren Stellvertreter der Götter. Ihnen war dad Meche zu fluchen und zu fegnen, zu belohnen und zu beftrafen, an⸗ vertrauet worden; ihnen allein waren die Mittel und Mege befannt, wodurch bie Gunſt der Götter erlanget, und ihr Zorn abgewendet werden mußte. Die Prieſter befanden ſich bei diefer Macht, welche ihnen der Aber- glaube in die Hände gefpielet hatte, fehr wohl; das In⸗ ‚tereffe ihres Ehrgeiges und Eigennutzes erfoderte eg, daß fie, foviel an ihnen lag. die Abhängigfeie und Un« mündigfeit der Menfchen ewig zu machen fuchten, und fich der Aufffirung mit aller Gewalt entgegenfezten. ' Eie‘ 18) Alcibiad II, ©. 99. de republic. 1 ®. 221. de legib. X. ©. 66, 109 > 112. — 1187 * Sie erwelterten chre wilſfkuͤhrliche Gewalt zulezt ſo weit, daß fie nicht Diener, ſondern Beherrſcher der Goͤtter wurden, indem fie ſich anmaßten, die Goͤtter zu zwingen, den Menſchen Fluch und Segen nach ihrem Willen aus⸗ zutheilen. Ihre Herrſchaft erſtreckte ſich nicht allein über die Lebendigen, ſondern auch uͤber die Todten. Denn -auf fie kam es an, ob fie in den Tartarus verſtoßen, oder in die Einfäifchen Zelder verſezt merden ſollten ”).: Eine folche Religion fann unter einer folchen bier» archifchen Gewalt feinen günftigen Einfluß auf die Ge⸗ ſfinnungen haben Weit entfernt, bie fittliche Triebfe⸗ der zu erwecken, gu beleben, und zu verflärfen, mache fie es fogar unmoͤglich, den Buchftaben dee Sittengefeges äußerer Folgen wegen zu erfüllen, weil fie den Willen einer willführlichen Gewalt der Götter und Priefter. untere wirft. Die konnte nicht anderg fein, auch wenn die Menfchen in den Göttergefchichten nicht Anreig und Ente : fchuldigung genug gefunden hätten, alle ihre Begierden mit Aufopferung aller andern Ruͤckſichten zu befriedi⸗ ‚gen *). Die moraliſchen Wahrheiten hatten mit der Re⸗ ligion gleiches Schickſal; ſie wurden bezweifelt, verwor⸗ fen und durch falſche Maximen verdrängt, weil ihr Grund nicht erkannt war. Die Gefuͤhle, Begriffe und Urtheile, welche ihren Grund in der praktiſchen Vernunft Haben, waren den Menſchen ein unerklaͤrbares Geheim⸗ niß, 06 fie gleich ihre Wirklichkeit in ihrem eignen Bes mußtfein, in ben Urtheilen anderer Menſchen über freie Sandlungen, in dem Lob und Tadel, Billigung unb Mißbilligung derfelben unmibderleglich fanden. Da man in den frühen zeiten, wo Geiſteskultur noch weic zuruͤck war, 19) de republica, II, ©. 220) 221. delegib. X, 67- 20) de republica, II, ©. 221, 222. 111, 265, 266 de legib. xl, ©. 176, — 188 — , w war; alles was unerflärbar und unbegreiflich. iſt, für ‚Einfluß und Wirkung einer Gottheit hält, fo erflärge ‚mar auch die dunfeln Ausſpruͤche ver praftifchen Ver⸗ nunft für Eingebungen ober Dffenbarungen eines goͤttli⸗ hen Willens, Die Dichter, Priefter, Geſttzgeber, und alle diejenigen Männer, welche burch ihre Talente, Kenntniſſe und Anfehen auf ihre Zeitgenoffen wirkten, ‚glaubten theils ſelbſt diefe göttliche Eingebung, theils benusten fie dieſe abergläubifchen Worftelungen der Menſchen, um ihren gemeinnüßigen Anftalten und Eins richtungen mehreren Eingang und eine längere Dauer geben zu koͤnnen. Alle bürgerliche Geſetze, alle ſittliche Vorſchriften wurden dadurch in eine Art von Abhaͤngig⸗ feit von der Religion gefegt, indem fie entweder ſelbſt Gebots ber Goͤtter waren, oder bach ihre Sanftion durch diefelben erhielten. Co bald ber menfchliche Geift anfing freier zu denken, fo bald unterfuchte 'er auch den Grund, die Berbindlichkeit und die Quelle derjenigen Regeln, web che er bie dahin aus Inſtinkt befolget hatte. Da er noch nicht auf fein inneres Bewußtſein zu refleftiren ger wohnt war, fo fand er ihren Grund nicht in der ver- nänftigen Natur des Menfchen, fondern nur in dußern Shatfachen und Einrichtungen. Die moralifchen Vor⸗ fchriften erfchienen ihm nun ale Befehle der Götter, de ren Dafein er verivarf, oder als Willensmeinungen der Geſetzgeber, die dem Beſten der Gefellfchaft das Wohl der einzelnen aufgeopfert hatten, oder endlich ald Mari« men, welche burch Erziehung und Angemöhnung in die allgemeine Denfart eined Volkes übergegangen ton» ren”). Alle die hiftorifchen Gründe, worauf ſich der Glau⸗ be geftügt hatte, thaten jest ben denkenden Köpfen keine u Genuͤge; aı) ra dınaıa u Pure @Arz voue wıuaı. "IT heaetet. G. 112. Gorgias, ©. 79, 81. de legıb. X, ©. 76 Genuͤge; fie wollten nicht mehr glauben, fondern wiſſen, und darin festen fie ihren Vorzug vor dem unterſten Menſchenklaſſen. Der Antheit, welchen die VNernunft an’ jenen Thatfachen und Einrichtungen gehabt hatte, wur⸗ de verfannt; die Einfchränfung, welche die gefchriebenen: und ungefchriebenen Gefege an dem finnlichen Triebe ausübten, und bei Widerſtand, ben dieſe jenen entgegen»: fegte, galt für die Stimme der Natur, welche fich durch willkuͤhrliche Gebote nicht unterdrücken laſſe ). Hieraus entſtand alſo ganz natuͤrlich ein Bezweifeln und Verwerfen der ſittlichen Ueberzeugungen. Nachdem alſo die Gruͤnde der Sittlichkeit der Handlungen umgeftoßen waren, folgte eine gaͤnzliche Geſetzloſigkeit und Anarchie in allem dem, was das Thun und Laſſen der Menſchen betrift )). Die Men⸗ ſchen, welche ihre Wuͤrde verkannten, gaben ihre mora⸗ liſche Freiheit auf, und unterwarfen ſich der Nothwen⸗ digkeit der phyſiſchen Welt. Die uneingeſchraͤnkte Be⸗ friedigung ihrer ſinnlichen Triebe wurde der oberſte Be⸗ ſtimmungsgrund der Handlungen, und die durch den Trieb und das Maas der Kraͤfte beſtimmte Moͤglichkeit der Befriedigung (das Recht des Staͤrkern) das oberſte Menfchenrecht *). Gieb und verſchaf dir allen moͤg⸗ lichen Genuß; brauche andere Menſchen als Mit⸗ tel zu Erreichung deiner Abfichten; zwinge fie dir zu dienen und zu froͤhnen. Du darfſt alles wollen, was du kannſt. Alles iſt gut, was mit den Trie⸗ ben der finnlichen Natur und ihrer uneingeſchraͤnk⸗ ten Befriedigung übereinftimmer. Diefes war der inhalt ihrer Grundfäge, welche auf einen groben Eigen⸗ nuß. 38) Goigiad, ©. St. | 23) Plato de republica. VIIL @. 217- 219. Fpiſtol. VI. ©. 96. Ifocrat. Areopagit. ©. 137. 34) Gorgias, ©. do, 90, 98, 99. de republic. 1. G. 120, 169. de kegib. 1V. ©. 180: 132, de legib X. ©: 76. — 190 —. nutz hinfuͤhrten. Die Denfungsart des größern Hau⸗ fens, welcher die Religion und die poſitiven Geſetze gel⸗ ten ließ, beruhete auf ſolchen Grundſaͤtzen, welche am Ende die nehmlichen Folgen herbeifuͤhrten. Denn die poſttiven Geſetze geboten nur Handlungen, welche mit dem Buchſtaben der Vorſchriften uͤbereinſtimmten (Lega⸗ litaͤt) Die Triebfeder zu Befolgung derſelben war Ge⸗ horſam gegen den Willen der Goͤtter. Die Religion aber ſtuͤzte ſich auf das Princip ber eignen Gluͤckſeligkeit, welches, wenn es nicht einem hoͤhern untergeordnet wird, nur eigennuͤtzige Geſinnungen hervorbringen kann *). Die Erziehungsart, welche die damals vorhan⸗ denen moraliſchen und religioͤſen Kenntniſſe verbreitete und befeſtigte, Hatte eben fo große Veraͤnderungen erlit⸗ ten. Da Moral und Religion auf keinen andern Gruͤn⸗ den beruhete als auf hiſtoriſchen und. cinem dunkeln in» nern Gefühle, fo bing ihr Dafein und Wirffamfeit ein⸗ zig von dem Umſtande ab, daß blinder "Glaube und Ge⸗ horſam fortdauerten, und dag fittlicdye Gefühl durch Fein . anderes Intereſſe irre geleitet, durch keine enfgegengefez> ten Raͤſonnemens geflöhret wurde. Diefen Zweck zu be⸗ fördern, war die alte Ersiehungsart eingerichtet. Aus gewoͤhnung an die eingeführten Eitten und Gewohnhei⸗ ten, Einflößung einer einfachen und lautern Denfunge art; Bildung des Charafterd mehr durch Beifpiele ale durch Lehren; vorzüglich aber die Marime, alles zu glauben, was die Vorfahren angenommen hatten, und. fich Feine Abweichung von ihren Einrichtungen zůu erlau⸗ ben; dies machte das MWefentliche derfelben aus *). Kurz vor den Zeiten des Sokrates befam fie eine andere Geſtalt. Beredſamkeit, die Seele der demokratiſchen Staaten, wurde zu einer Kunſt gemacht, und ale das Mittel a5) Plato de republ. I, ©. 22r. de legib, X, &. 66, 109« :ıde. Aleibiad. 11. ©. 99. | a6) Plato de legib. IV, ©. tıı, de legib. VII, &. 330. — 191 N Mittel, fich Anfehen und Ehrenſtellen zu verfchaffen, über alles gefchägt. Die Kultur des Geiſtes ging von der Bearbeitung der ſchoͤnen Künfte aus, und verbreitete, fi immer weiter. Dieſe und andere Kenntniffe wurden jegt der Tugend gelehret, und Ausbildung des Verſtan⸗ des wurde zum vorzuͤglichſten Zweck gemacht. Die So⸗ phiften und andere Gelehrte, welche häufig nach Athen famen, verdienten fich durch Mittheilung ihrer Kenntniſſe und burch Unterricht der jugend, ſehr große Summen. Aber je mehr Sorgfalt auf die Bildung des Verfiandes gewendet wurde, befto nachläffiger und forglofer betrieb man die Veredelung des Charafterd. Aus Verfennung höherer Principe wählte man die Slückfeligkeit oder die Erreichung anderer Zwecke bes Lebens zu dem Maaßſtabe, wach welchem ber Werth der Kenntmiffe beflimme und der ganze Charakter gebildet wurde. Die Soppiften lehrten zum Behuf der politifchen Beredfamkeit die Kunft, alles zu vertheidigen, alles zu beſtreiten eine Geſchicklichkeit, welche in den hoͤhern Ständen dorzuͤglich geſchaͤzt wurde. Hierdurch verbreitete ſich Freiheit im Denken, das Be⸗ duͤrfniß der eignen Unterſuchung und Pruͤfung wurde ge⸗ naͤhret, die Anhaͤnglichkeit an alten Vorſtellungsarten verlohr ſich, and die Gewohnheit ohne Selbſtdenken zu glauben, was die Vorfahren geglaubt hatten, ver⸗ ſchwand. Aber hiermit war auch der Hauptgrund der. Religion und Moral untergraben, dan die Stelle: des Aberglaubens trat Unglauben, Religioſi taͤt verlohr ſich in Sefeglofigkeit-”). Bon allen Seiten in allen Segenftänden, worauf wir unſere Aufmerkſamkeit richten, werden wir eine gro». Bere Wirkſamkeit des Verſtandes gewahr. Der menſch⸗ liche Geiſt fing nach und nach an die Feſſeln zu zerbre⸗ chen, welche ihm Gewohnheit, Stumpfſinn, die Politik, und 47) Theages, ©. 7. Crito. S. 117. Apologia Socratis, G. de republica-II, ©. 247. de, republica VI, ©. t. % r \ ’ = 192 — und das Intereſſe der Driefter angelegt hatten. Die ge wöhnlichen Sründe feiner unentbehrlichften Ueberzeugun⸗ gerrthaten ihm Fein Genuͤge, er fand Feine andern, wel⸗ he ihm Beruhigung geben fonnten; er verwarf alfo mit einemmale die Borftelungsarten, bie Regeln und Vor⸗ fchriften, welche das ganze Alterthum für heilig gehalten hatte. In dem erften überrafchenden Gefühl der Frei⸗ heit gernichtete er alle Abhängigfeit von hoͤhern Geſetzen — er wurde zuͤgelloß; mißtrauifch gegen fich gemacht, glaubte er gar nichts, um nichts ohne Grund fich auf- dringen zu Faffen. Die Religion, religidfe Gebraͤuche und Sefelifchaften *); der Staat, das Vaterland, Ge⸗ ſetze und dffentliche Einrichtungen, furz alled, was ſonſt in dem heiligſten und ehrwuͤrdigſten Anfehen geftanden hatte, wurde jet ein Segenftand der Sleichgültigfeit, der . Verachtung und bes Spotted. — Aber während: in dem einen Theil der Nation diefe Weränderung vorging, fehlummerte der menfchliche Geiſt noch In dem großen, - Haufen inUnthätigfeit fort, hing er noch an feinen alten abergldubifchen Borftelungsarten, ging er noch an dem Gängelbande der Politif und der Priefterfchaft. Bei diefer Berfchiedenheit der Denfungsart, waren die Maris men für das praftifche Leben faſt einerle® Beide er Tannten kein anderes Gefeß als das der Einnlichkeit, ein uneingeſchraͤnktes Streben nach Befriedigung de eigen- nuͤtzigen Triebes. Aus dieſen Urfachen laffen fich alle Erfcheinungen in den Verhältniffen der menfchlichen Se» - ſellſchaft, welche wir berühret haben, vollkommen ber greifen. Sie laffen fich auf zwei Haupturfachen zurück führen: Mangel an richtigen und unerfchärterlichen Gründen für die unentbehrlichften Ucberzeugungen der Menfchheit; und größere freiere, aber zugleich geſetzloſere Wirkſamkeit des menfchlichen Geiſtes. IL 28) Selbſt die Eleufinifchen Myſterien nicht ausgenommen, wo⸗ von ThucydidesL VI. c. 28. ein aufſallendes Beifpiel erzaͤhlet. Zuſtand der Philofophie tie (en een De Philoſophie ging von einem Punkte aus, von wel⸗ chem an fie einen langen Weg zu geben hatte, Big ſie an Ihr eigentliche® Ziel gelangte. Sie fing mit Speculatio⸗ nen über. die Welt und die Grundurſachen der dußern Erfcheinungen an, umd. legte fich erſt ſpaͤt diejenigen Fra⸗ gen vor, melche für fie eigentlich beſtimmt And; Wel⸗ ches find die Gründe von den unentbehrlichften Ueber⸗ jeugungen, von den Pflichten, Rechten und Erwar⸗ tungen der Menfchheit. Uitterdeffen war jener Gang freilich undermeidlich, und felbft durch die Natur des Vorſtellungsvermogens beflimmte. Die erften Gegen Hände, welche den Forſchungsgeiſt auf ſich zogen, wa ven die Erfcheinungen des dußern Sinnes, der Zuſam⸗ menhang und die Ableitung berfelden aus einem oberften runde, d. h. aus einem oder mehreren Grundelemen⸗ ten. Um diefed auszumachen, wendeten bie erften phi⸗ loſophiſchen Köpfe ale ihren Wis und Scharffinn, den ganzen Borrach von eignen und fremden Erfahrungen, Beobachtungen an; fie geriethen auf vielerlei Vermu⸗ thungen, Analogien und Hypotheſen, welche fie mit aller der Ueberrebungsfraft vorzutragen pflegten, derer fe und ihre Erfinaungen föhig waren. Es gingen hiereud verfihiedene Syſteme hervor, welche weiter nichts als deu Gegenſtand gemein hatten, und ob. fie gleich alle von einem Sage ausgingen: Aus Nichts wird nichts, dennoch fehr verfchiebene, oft wi⸗ berfprechende Reſultate daraus herleiteten. Gie fanben bald Anbdager, bald deſgus. welche durch * De muhun⸗ gg * muͤhungen, das eine Philofophem zu widerlegen, ober bag andere geltend zu machen, immer mehr Streitigkei⸗ ten veranlaßten, ohne fie beilegen zu Finnen. Diefe ganze Periode war nur eine Schule, eine Voruͤbung für die Philofophie. Sie mußte bei ihren - ‚ erften Verfuchen .alled dasjenige entbehren, welches zur gründlichen Erdrterung eines Begriffes, zur Aufſtellung von Brundfägen und Herlekung der Zolgefäge, und zum bündigen Beweiſe erfodert wird. Sie konnte hod) keinen Gebrauch den beſtimmten Begriffen, und bon eis gem Srundfaße machen, der fie bei Ihrem Forſchen hätte leiten fönnen. Zwar gingen alle ihre Epeculatiönen von einem Gefeß bed Verftanded aus, welches zu allem was efchiehet eine Urfache, und zu allem, was ift, einen rund Aufzufuchen gebietst; aber dieſes Geſetz lenkte fie anfänglich nur nach einer Dunkeln Bewußtſein auf ihre Speculationen Hin, und fonnte erft nach einigen Arbei⸗ sen des Derfiandes in eine, boch noch unbeſtimmte, Hormel ausgedrückt werden.. Die erften Denker befolg- ten die urfprünglichen Geſetze des Verſtandes, ohne fit zu fennen, und bie Kegeln des Denkens zum Behuf ber teiffenfchaftlichen Erkenntniß waren noch nicht gefuns den, in Begriffe gefaßt, und zu einem Ganzen geordnet worden. Die Philofopheme diefer Perlode, die Beftreis tung und Bertheibigung berfelben gaben die Veranlaffung und Aufforderung, diefe Regeln aufzuſuchen, und erleich⸗ terten ihre Entdeckung, indem fie der forfchende Verſtand ſchon an feinen Produkten vorfand. u So unnuͤtz alfo auch die erften Sperulätionen waren; weil fie Gegenftände betrafen, welche außer den Grenzen des menfchlichen Wiſſens liegen, fo unehtbehrlich ware Me voch zur wiffenfchaftlichen Kultus ber Philoſophie, theils weil die räfonnirende Vernunft von feinen andern ansgehen Fonnte, theils weil ihre Folgen von fo wichti⸗ gem Einfluß waren. Eine Menge von. Begriffen wurde ' gebile nam 195. m. | gebildee und bearbeitet, daß fie zu Materlalin für die . geübtere Philoſophie dienen fonnten; der Weg gu vielem ꝓhiloſophiſchen Wiffenfchaften wurde gebahnet ; eine wiſ⸗ fenfchaftlichere Form zum Beduͤrfniß gemacht und vorbes zeitet.. Endlich war auch ſelbſt die Vielheit und Unver⸗ träglichfeit der Philofopheme eine neue Schule für den - pbilofophirenden Verſtand, worin er viele fruchtbare Belchrungen und Entdeckungen machen mußte In ‚ manchen philofophifchen Lehrgebaͤuden wurden aus Bes griffen Kolgerungen gezogen, welche ber Erfahrung ofs fenbar widerfprachen, z.B. in dem Eleatifchen, es giebt feine Veränderung. Hierdurch wurde ber Unterſchieb zwiſchen zwei verfchiebenen Erfenntnißquellen zuerſt be⸗ merkbar gemacht, aber auch bie erſte Veranlaffung zu dem Sfepticismus gegeben. Die Benierfung, baf bie rafonnirenbe Vernunft über einerlei Gegenſtand fo fehr entgegengefegte Behauptungen aufgeftellet habe, be⸗ . förderte eben bdiefelbe Denfungsert, alled zu bezweifeln, nichts zu behaupten, daß es Keine gemiffe Erkenntniß gebe. Man hätte denken follen, daß die Bemerkung ber Widerfprüche in den entgegengefesten Syſtemen viele mehr die Vernunft hätte noͤthigen müffen, die Duelle derfelben aufsufuchen, und durch die Entdeckung ber Schler, welche ihnen allen zum Grunde lagen, fich in ben. Stand zu fegen, das ihnen allen gemeinfchaftliche Wahre beraugzußeben, und ein allgemeingeltendes Syſtem aufl* zufielien. Allein che dieſes gefchehen fonnie, mußten jeue Syſteme felbft um ihr Anfehen gefommen fein, und dieſes war die Folge von dem Skepticismus und ber Sophiſtik. | Der Mangel an beſtimmten Grundfägen, die Wi⸗ berfpräche, welche fich in den Meinungen, Handlungen und Maximen ber Menſchen fanden, der Geiſt des Zwei⸗ feld und die Meinung, daß fich nichts erfennen laſſe, mußte nothiwendig bei Männern von vielen, Kenutniſſen, Gelehrſamkeit und Veredſamkeit, wenn fie ſelbſt von kei⸗ m a new — 196 — nen Brimdſaͤtzen bei Ihren Denken geleitet wurden, dieje⸗ nige Kunſt herdorbriugen, weiche unter dem Nahmen der Sophiſtik ſo beruͤhmt worden iſt. Sie war ein ſonderbar Geutiſch von Dogmatismus und Skeptitis⸗ mus. Wenn es ausgemacht if, ſchloſſen fie, daß es keine Erkenntniß und feine ſtreuge Wiſſenſchaft giebt, ſo bat Feine Vorſtellungsart, Hein Sag, kein Schluß vor Beni entgegengeſezten etwas voraus; fü iſt eine Behaup⸗ tung fo gut wahr oder falſch, als diejenige, welche ihr entgegenſteht. Es kommt nur darauf an, daß man ber einen durch ſcheinbare Gruͤnde eine ſcheinbare Guͤl⸗ ugkeit gebe, fo iſt fie wahr, und bie entgegengeſezte falſch, und fo auch im, umgekehrten Falle. Die Kuuſt, jeden Satz durch Schein und Blendwerke geltend zu ma⸗ chen, Aber Auch durch die nehnlichen Mittel zu beſtrei den, war bie Sophiſtik. Dieſe Männer fühlten keiu teines Intereſſe fie wilfenfehafeliche Kultur; bie Bildung Ye Geiſtes dienkte ihnen nur zur Vefriedigung ihres igennutzes, Ehrgeitzes und ihren Ruhmſucht. Auch derfehlten ſie ihre Abſichten nicht. Da ihre Kunſt die⸗ ſenige Berebfanikeit, welche in Beh Freiſtaaten für uuent⸗ dehrlich gehalten wurde, gu unterſtuͤtzen, ja zur hoͤchſten Vollkommenheit zu Bringen verſprach; da ihre Denkungs⸗ art mit berjenigen uͤbereinſtimmte, welche ſich in den hoͤhern. Klaſſen des Volkes ausbreitete, fo konnte es nicht fehlen, daß fie nicht für Die groͤßten Gelebrten, äber gar für die Beſitzer Der erdabenften Weisheit gehal⸗ ten wurden. Ihnen tourbe bie Erziehung der edelſten Jaͤnglinge Abergegeben; fie verdienten ſich dabei Ehre, Ruhm, und die anfehnlichften Summen. So wie ihre Kuafb Aus dem Mängel don beſtimmten und allgemeinguͤltigen Grundfähen für das Wiſſen und Handeln entſprungen war, fo trug fe ach das meiſte bei, die Verwirrung in ben Wiſſenſchaften und bie Seſetlofigkeit im dem Han⸗ dein zu befördern und zu erhalten. J | Waͤh⸗ yanıı 1 97 use . Während daß die Philolobhie ben Weg bee Spe ⸗ eulation verfolgte, und fi auf demfelben ans Mangel ber Borerfeuntniffe und aller leitenden Principe entzweiete, waren bie wichtigſten Angelegenheiten der Menfih- it ohne ihren Einfluß, ohne ihre Leitung dem bloßen U uͤberlaſſen. Wenn fie die wichtigſten Dieuſte, welche die Menſchheit erwartete, damals nicht leiftetn fo war es nicht ihre Schuid, ſondern eine unvermeidliche Folge von dem Gang ber Kultur. Well die Ueberzen⸗ gungen von dem Dafein eines Gottes, von der Fort- Dauer ber Seelen, und von ben Pflichsen dieſes Lebens, fo weit dieſe Kenntniffe nach dem damaligen Grabe des Kultur unentbehrlich waren, auf hiſtoriſchen Gründen berußeten, bie durch Mitwirkung eines lebhaften aber bunfeln Innern Gefuͤhles eine fo flarfe Ueberzeugungs⸗ kraft Hei ſich führten, ald Bernunftgründe, die noch nicht moglich waren, jenen Menfchen wicht hätten ge⸗ währen können, fa fählte der menfhliche Derftand auch feinen Beruf, ben Grund diefer Wahrheiten, welche ſo Har und evident waren, gu unterſuchen. Diefed war eine von ben Mrfachen, welche ben Gang der Philofophie befikmmten, Daß fie von Spetulationen über ben Brunb der dußeen Erfcheinungen anfing. ° Die Wunder ber Natur, bie Beränderungen der Körper reisten zur Er⸗ forſchung des unbekannten rundes, von dem fie abhin⸗ gen; aber bie Erfeheinuugen bes Innern Sinnes waren ſchon ans Taͤuſchung auf einen Kußern Grund überge wegen, Das Gefühl von der Verbindlichteit gewiſſer Handlungen, der Glaube an dad Daſein Gottes und Die Hofnung der Wufterblichfeit waren die Folgen von den Offenbarungen eines umbelannsen Weſens, welches aber durch die Offenbarung ſeines Willens aufhörte un bekannt gu fein. Die Shantafle war unablaͤßig befchäß - tiget gervefen, dieſes nicht erfennbare Weſen durch Eigenſchaften zu beſtimmen, weiche in ber Erfahrungs⸗ welt vorkamen, and es fo weit gu verſinulichen, daß es en⸗ RN 3 , . M Menſchen menſchlich fich vorftellen fonnten. Durch Er⸗ ziehung, Gewohnheit, religioͤſe und politiſche Ein⸗ richtungen, welche mit dieſen Vorſtellungsarten genau zufammenhingen, wurde fle innig mit der ganzen Den⸗ fungdart einer Nation verwebet. Go Tange alfo diefe Debergeugungsgrüände ihre volle Gültigkeit behielten, fehlte ed an Beruf und Auffoderung für die Vernunft, ihre Thaͤtigkeit auf dieſe Gegenſtaͤnde zu richten. Die Prieſter und Dichter, durch deren Mund die Goͤtter ihren Millen zuerſt den Sterblichen funb gethan hatten, blie⸗ ben immer in dem Vorrechte, die Geheimmiffe bed Him⸗ meld gu bewahren. Das Anfehen, die Ehre und Wuͤr⸗ de, welche fie mie den Göttern theilten, die Eigenliche, die Erften der Menfchen zu fein; ber große Einfluß auf den größten Theil der Menfchen: alles dies wirkte mit zu ſtarkem Reitz auf das Gemüth der Priefter, - um nicht .. bie Herrfchaft über die Köpfe und die Gewiffen ber Men⸗ chen, welche ihnen die Schwachheit und keichtgläubig- keit derfelben gutwillig in die Hände fpielte, su behaupten und foviel, ale möglich war, zu befeſtigen. Gie fuchten daher der Bernunft jeden Blick in das Gebiet bed Glau⸗ bens zu vermehren, fie in beftändiger Unabhängigkeit zu erhalten, um bie ewigen Bormünber ihrer Unmuͤndigkeit zu fein. Sie, die fich allein im Beflg der göttlichen Of⸗ fenbarungen bünften, machten e8 derBernunft zu einem Verbrechen, über die Natur und die Gegenſtaͤnde der Religion freie Unterfuchungen anzuftellen, und brauchten den Arm ber Obrigkeit, um es mit dem Tobe zu beſtra⸗ fen ). Aus diefen innern und "dußern Hinderniſſen laͤßties fich fehr gut begreifen, warum die Vernunft und ihre Stellvertreterin, die Bhilofophie, fo langfame Kork ſchritte in dem Gebiete der "Religion und Moral machte. ' Die 29) Plato Politic. ©. 126. Apologia, S. 44, 54. de legib. vn, ®&, 337. de Jegib. x &.77. de Jegib. All, 239, 23%. .— 199 —— Die Philoſophie hatte aber aller Schwierigkeiten ungeachtet angefangen über die Grundwahrheiten ver Religion nachzuforfchen. Sie nahm das Dafein Gottes und ‚die Wirklichfeig eines künftigen Lebend auf Treu und Glauben der hiſtoriſchen Ueberzeugungsgruͤnde und aus innerni Beduͤrfniß an, ohne die Gültigkeit derfelben in Zweifel zu ziehen, ſuchte hingegen nur das Wefen Got⸗ tes und der Seele und den Zuſtand nach dem Tode iu beftimmen. fein ſelbſt die Art, wie fie diefe Probleme - aufzuldfen verfuchte, verwickelte fie in MWiderfprüche mie den Ausfprüchen des gemeinen Menſchenverſtandes, und führte endlich durch die Mitwirkung anderer Urfachen den Unglauben herbei. Das Bewußtſein hatte zwar fehr Bald die Unterſcheidung des Vorftellenden von allen vor⸗ geſtellten Gegenſtaͤnden gelehret, aber ber Grund berfel« ben mußte fo lange unentdekt bleiben, als die Geſetze des Vorſtellens durch vollſtaͤndige Entwicklung des Vor⸗ ſtellungsvermogens nicht erkannt waren. Es war daher unvermeidlich, daß die Philoſophen, als fie das Weſen Der Seele erforſchen wollten, daſſelbe für bloße Materie hielten, weil fie mit der Speculation über die Grundur⸗ fachen der Materie am meiften befchäftiget, die Praͤdikate der Körper durch die Anfchauung vie bekannter, als die Praͤdikate des unbekannten Subjekts des innern Sinnes waren. Die einen hielten baher die Seele für Luft, an⸗ dere fir Wafler, andere für Feuer, andere nur für ein Aeccidens der thierichen Organifation, welche ihren Grund in dem Blut oder in dem Gehirn habe. Auf eben biefe - - Weiſe wurde das Wehen der Gostheit bald für biofe balb für jene Materie gehalten ”). Die Uneinigfeit ber Phi⸗ loſophen in der Beſtimmung bed. Weſens der. Gottheit unb dee Seele, dor Widerſtreit diefer Behauptungen mit den Ideen der Vernunft, bie Empoͤrung des moralifchen N 4 Gefuͤhls, >), Phardn, 6: is, Geatylus, ©. 339, 290.: de legib- X . 80, XII, 229, 230. Epinomis, 8.297. . , | \ — 1200 — Gefaͤhls, worauf alles Intereſſe dieſer Ideen bernhete, gegen dieſes materialiſtiſche Syſtem, brachten endlich eine Gleichguͤltigkeit gegen dieſelben herbei, welche fie gegen bie immer ſtaͤrker werdenden Zweifel über die Rea⸗ Utaͤt derſelben, nicht mehr zu fchägen vermochte. Obgleich einige Philoſophen wuͤrdigere Begriffe von der Gottheit und verfeinerte Vorſtellungen von dem Zuſtande nach dem Tode lehrten und verbreiteten, ſo ‚waren fie doch noch nicht von allen Schlacken der Phan⸗ £afie gereiniget. Allein auch die beffern Begriffe fanden Feine fichere Stuͤtze, welche fic Hätte feft halten koͤnnen, fo lange der fefte unerfchüsterliche Grand von den relle gisfen und moralifchen Wahrheiten nicht entdeft, und in dieſer Beſchaffenheit anerfannt war. Diefes war noch nicht gefchehen. Daher gab es noch Feine Philoſophie der Religion, welche Aberglauben und Unglauben mit gluͤcklichem Erfolge zuruͤckhalten, oder auch nur beſtrei⸗ ten konnte ). Uns eben dieſen Urſachen fehlte es an einer Philo⸗ fophie der Moral. Weil nehmlich bie moraliſchen Vor⸗ ſchriften als Befehle des gottlichen Willens angeſehen und als folche lauge Zeig befolget wurden, fo hielten ſich bie ꝓhiloſophirenden Koͤpfe deſto mehr an dieſen Grund, weil fe mit Speculationen zu ſehr beſchaͤftiget waren. 8 fehlte an Beranlaffung und dußern Aufforberungen, : am nach dem eigenilichen Grunde der Sittlichkeit zu for⸗ ſchen, tb bie Vernunft war gu dieſen Unterſuchungen nvoch nicht genug vorbereitet and geuͤbt. Denn bie Goran ber Vernunft, weiche das Sittliche in den Handlungen beſtimmt, konnte und mußte vor einigen tiefern Blicken anf das Vorſtellungsvermaͤgen fich zwar in dem unent⸗ wickelten moraliſchen Gefuͤhle dußern konnte aber nicht in zu) 8. 8. Neinholde one ie die suchte ‚Yyitsfephie. Erſter Baub — . 307 — | In beutlichere Begriffe gerglichert werden. Was baber in biefer Periode zum Beften der Moral als Wiffenfchaft geſchah, fchränte ſich groͤßtentheils auf einige Beſtim⸗ mungen moraliſcher Begriffe ein). Die Pyhthagoraͤi ſche Schule felbft, fo diele trefliche Maͤnner fie auch durch ihr afcetifches Inſtitut bildete, hat fich Boch fein weiteres Verdienft, als ich eben angegeben had, in die⸗ ſem Fache erworben. Die Sophiſten, welche bald durch kaugnung aller | Allgemeingültigen in der menfchlichen Grkenntniß, bald Durch dreuften Dogmatismus als Viel» oder Alleswiſſer glänzen wollten, sogen auch die Moral und Religion in Das Gebiet ihrer anmaßenden Wiffenfchaft. Allein da weder der Erkenntnißgrund diefer Uehergengungen ent⸗ deckt, noch richtige Grundfäße aufgeſtellt waren, fo konuten fie, hie von feinem reinen Intereffe für bie wiſ⸗ fentfchaftliche Kultur, und Veredelung der Menſchheit geleitet wurden, gun Beſten einer wiſſenſchaftlichen Phi⸗ loſophie der Religion und Moral nichts beitragen, außer daß fie das Beduͤrfniß und die Nothwendigkeit derſelben ‚om guten Köpfen zu flärkerer Ueberzeugung brachten. Denn fie laͤugneten eutweber die Srundmahrheiten der Moral und Religion, oder fie nahmen die damals herr⸗ ſcheuden Meinungen und Marimen des Volkes an, gar ben ihnen durch ihre verführifche Beredſamkeit den Schein von Wahrheit, und befseberten bednrch die une Attlichen Deutungsarten ”). Durch bie in Freiſtaaten fo gefihägte Beredſamkeit bekamen fic einen entfcheibenden Einfluß auf bie Erziehung und den gangen Charakter des Wolkes, welcher für die Fittliche Bildung ber Wenfchheit %o nachtheitig wurde, ats er Auf ber andern Seite bie wiſſenſchaftliche Kultur der Philaſophie beſchleunigte. Oenn je mehr bie orundge. welche mit Sittlichleit RS ſtreiten 32) Ariſtotel. uIıws peyara. 1, 1. 33) Sophiſta. ©. 234. de remiblic. VI. ©. 87. I. - u — a402 — flreiten, | entwickelt, beſtimmt und verallgemeinert, je mehr ſie mit aller Staͤrke der Beredſamkeit vorgetragen wurden, deſto offenbarer wurde der Unterſchied zwiſchen ihnen und den entgegengeſezten beſſern Ueberzeugungen; deſto lauter und ſtaͤrker widerſprach ihnen ein unerklaͤr. bares inneres Gefühl; deſto ſtaͤrker wurde die Auffode rung fuͤr Maͤnner von geſundem Menſchenverſtande und reinem Herzen, an der Veredelung und Verbeſſerung des menſchlichen Geſchlechtes zu arbeiten. Der erſte, welcher der verdorbenen Denkungsart ſeines Zeitalters entgegen arbeitete, war Sokrates. Sein guter ſchlichter Verſtand, fein reines Gefühl für alles Gute und Schoͤne, feine lautere ſittliche Gefinnung gaben ihm den Beruf. zum Lehrer der. Menſchheit. Mit einem Eifer, mit einer Uneigennuͤtzigkeit, welche ihm Die Achtung aller Zeiten fichert, fuchte er die Ersichung zu verbeffern, und fittlichere Grundfäge zu verbreiten; er beftrebte fich in feinen Mitbürgern bag fittliche Gefühl zu entwickeln und zu flärfen, und ihnen in ihrem eignen- Bewußtſein die Duelle aller Borfchriften freier Handlun⸗ gen ihre hoͤchſte Beſtimmung und Würde zu zeigen. Von diefer Seite erzeigte Sokrates ber Menfchheit. und mit- telbarer: Weife auch ber Bhilofophie ben michtigften Dienſt. Indem er in einem Zeitalter, wo kalte Specu⸗ lation, Berninftelei, und Schufgelehrfamteit, Unglanbe und Überglaube, die größten Verwirrungen anrichteten, wo Vergnügen und, Genuß über Sittlichkeis und Klug. beit, über Weisheit gefchägt wurden, anf einmal ganz neue Anfichten eröfnete, einen bisher verbunfelten Weg zur Veredelung der Drenfchheit entdekte, den menfchlis hen Geiſt auf neue Gegenſtaͤnde richtete, twelche feiner Beachtung geither entgangen waren. Durch: die Art und Weife, wie er bie firtlichen Ueberzeugungen zu ent⸗ wickeln pflegte, machte er auf eine Duelle und einen Bene der moralifchen Erkenntniß aufmerkfam, melcher. ber Philofoppie eben ir nen als überrafchend fein mußte. Er -_ — 903 — Er gab sum PVeranlaffung zu einer Reform und Re . volution der Philoſophie; aber weiter erfireckt fich fein : Berbienft um fie ald Wiffenfchaft nicht. Sein Beſtre⸗ ben war nicht eigentlich auf die twiffenfchaftliche Kultur derſelben, fondern auf die fittliehe Erziehung und Bil dung der Menfchen gerichtet; er wollte die moraliſchen Begriffe nicht aus einem Grundſatz ableiten, und in eiu Syſtem ordnen, fondern fie aus dem Bewukßtfein eines jebeu einzelnen Menſchen entwickeln, und ſie zu ihren eignen Ueberzeugungen machen; nicht die Wiſſenſchaft der Moral, ſondern ihre Anwendung zur Erziehung und Bildung war fein Hauptgeſchaͤfte. Wiewohl er zu dieſen wichtigen Fortſchritten in der Philoſophie die naͤchſte Veranlaſſung gab, fo lag doch die Bearbeitung der Philofephie. als Wiffenfchaft außer feinem Wirkungs⸗ freife. Sein Geiſt war zu voll mit den dringenden Be - dürfniffen der fittlichen Kultur, als daß er noch auf ek was anders hätte denken Finnen. E6 fcheint auch, ale wenn Sokrates gar feinen andern Begriff von der Philo⸗ ſophie gehabt habe, als daß fie praftifch fei, oder in ber Anwendung gewiſſer Lchrfäße zum Beſten der Menſchheit beſtehe. Denn aus den Denkwuͤrdigkeiten Renophons fichet man, daß er das Brauchbare und Nuͤtzliche als den einzigen Maasſtab zur Beurtheilung bed Werthes der Wiffenfchaften betrachtete *), Die Beſchaffenheit der Philofophie Bis auf feine Zeiten konnte freilich, eini⸗ germaßen diefed. Urtheil veranlaffen und rechtfertigen allein es ift dach auf der andern Seite eben fo einleuch« tend, baß er nicht fo geurtheilet haben würde, wenn fein ganzer Sinn nicht auf das Praktiſche gerichtet ge⸗ weſen waͤre. Weil der menſchliche Geiſt eine Zeitlang in Speeulationen fich verlohren hatte, von benen un⸗ mittelbar Fein Nutzen abzufehen war, fo fehräntte er den⸗ | | ſelben 34) Xenophon, M. S. I, 1,9. 1 ı7. IV,7. rn — 204 — ſelben äinſritig anf diefenigen Kennkniſſe ein, welche bie Pflichten der Menſchheit und nuͤtzliche Thaͤtigkeiten be⸗ treffen, oder welche auf das tbaͤtige Leben einen nähern Einfiuß Haben. Nach dieſer Denkungsart iſt es ſehr moͤglich, daß er jede andere Philoſephie als unmuͤtz ver⸗ warf, welche nicht praktiſch iſt, d. h. in der Anwendung ihrer Lehrſaͤtze beſtehet, auch ſelbſt diejenige nicht ſehr ſchaͤzte, welche fich mit der Unterſuchung ber. Gründe | . mb fnftematifcheren Anordnung der praftifchen Begriffe befchäftigte. Hieraus laͤßt es fich erflären, warum Sokrates nichts geſchrieben hat, und warum einige So⸗ kratiker eine Abneigung vor ber wiſſenſchaftlichern Poren der Philoſophie äußerten. Be viel ift sum wenigſten . ausgemacht, daß Sokrates die Philofophie einfeitig nur - auf das Praftifche einfchräntte, und gu Ihrer wiffenfchaft- lichen Bearbeitung felsft nichts beigetragen hat "). " 35) I kann bien nicht unbenserkt laſſen, daß biefes Raͤſon⸗ nement durch dad Geſpraͤch Klitophen fehr. viel Befdtis aung erhaͤlt. Klitophon behauptet hier uam Eokrater, daß er in fo weit ein vortreflicher Lehrer fei, im fo fern er die Men⸗ ſchen durch feine Eräftigen Ermahnungen auf ihre Beſtim⸗ , mung aufmerkſam mache, und Die Liebe zum Guten und das Betreben zur Tugend zu erwecken und zu ſtaͤrken im Stan⸗ de ſei. Allein er laſſe ed auch nur allein bei Ermabunngen ‚bewenden; bekimme wicht, mas Tugend fei, und worin ihe Zweck beftehe, und zeige nicht bie Mittel an, durch weiche man jur Tugend gelangen koͤnne. Der Tadel mag etwas übertrieden fein — denn In einzelnen Menſchen eutwickelte er feailich auch Die firtlichen Begrife — aber im Näge- mieinen ſcheint doch bie Thatſache gegründet zu fein. Ga mehrerer Beſtaͤtigung dieut noch Ariſtoteles nImm 77 I, 1. wmv Eudyu I, 5. und Cicero de Ora- rore 1, 47» ur w. Einfluß dieſer Thatſachen auf den Geiſt des Plato. lato hatte als er u ahllofopbinen anfing, diejenigen Thatſachen, welche ſich auf den Zuſtand der Menſch⸗ heit und der bürgerlichen Kultur in dem Athenienfi ſchen und andern ihm bekannten Staaten beziehen, 4 q ſtaͤndig vor Augen; fie waren gleichſam bie Data, denen er ausging. Es ift daher jur vollſtaͤnd Kenntniß feiner Philöfophie fehr michtig, den Geſichts⸗ punkt, ans welchem er dieſe Thatfachen betrachtete, und den Einfluß, welchen fie auf fein Philofophieren hat gen, naͤher kennen zu lernen. Gluͤcklicherweiſe bat er ſelbſt dieſe Unterfuchung durch einige Geſtaͤndniſſe in dem ſtehenten Briefe um vieles erleichtert. | Die Beobachtung ber verderbten Sitten, ber einge⸗ ziffenen Uebel und Unordnungen in ber bärgerlichen Ge⸗ ſeliſchaft, ber Zerrättungen. in deu Staaten, welche ihn von der politifchen Laufbahn zurückgehalten hatten, reiste feinen Geiſt unaufhaltſam zur Erforfchung der Urſa⸗ en Dieter Hebel Der Menfchheit, u9d ber Mirtel, wo» Durch ihnen abgeholfen werden koͤnnte. Lin fortgeſeztes Hachdenken führte endlich bie Ueberzeugung herbei, dab wicht allein der Achenienfifche, ſondern auch ale ihm bes £aunt gewordenen Staaten einer Reformation bebürften, weiche nicht etwa dieſen oder jenen Theil verbeſſerte, fonvern fi über das ganze Staatsgebaͤude erſtrekte, weil die Gefeße, die Sitten und die durch Erzlehung fertgepflangsen fittlichen und religidfen Ueberzeugungen theils ihre Lauterkeit, theils ihren Einfluß berloheen . ZZ dhaͤtten — — hätten ). Zulezt ergab ſich aus allen dieſen Untkerſu⸗ chungen dieſes Reſultat: daß ohne Philoſophie dieſe Reformation nicht möglich fei, daß die Uebel der Menſch⸗ heit niemals aufhoͤren würden, bevor durch die Philo⸗ fophie.die Grundfaͤtze des Rechts und Unrechts, für ' einzelne Menfchen und für ganze Staaten entwicele und feftgefest wären ’”). Plato glaubte alfo die Ur⸗ ‚fahe von den Unordnumgen und Zerrüttungen der menfchlichen Gefelifchaft im dem Mangel an beftimmten Srundfägen der Pflichten und Nechte, und an feflen Ueberzeugungsgruͤnden für die moraliſchen und religigfen Mahrheiten zu finden. Zwar faget er von den lezten chts ausdrücklich, aber es liege doch mit in dem Wor⸗ % Da biefes die moralifhen und religidfen Ueber⸗ Nugungen bedeutet, welche auf dem unentwickelten Ge⸗ „ fühle beruhen, und den gefchriebenen oder. pofitiven Ge⸗ fegen entgegengefest find, fo Fann man ficher annehmen, daß er in der Befchaffenheit der Religion nicht weniger als in der Beſchaffenheit der fittlichen Ueberzeugungen die Urſache von den Uebeln der Menſchheit ſuchte *). Das einzige Mittel, wodurch die Menſchheit von dieſen Uebeln befreit werden kann, iſt die fichere Erkenntniß der wahren Gründe der Sittlichfeit, woraus fich die Dflichten und Nechte ber Inenfchen an fich und in ihren ' geſell⸗ 36) Epiftol. VII, G. 96. ra Tu vr vom yanupara na ıdg ‚UspIsıgero, za eradıöu Jaruasev öeov. 37) Ebenbaf. S. 96, 97. Asyıv Te wayuacdıy, wranmın vom .e SıAosodıar, ds a8 raurnę ısı Ta TE Kokırıza Ina nal ta Tan dtv Kara narıdav kaxav UV WB Ayfeıv TA Abm denxna yarıı, Ten avn vo Tu DrAosoduvrav ogdug ya’ nat WANIUE Yıvos at apkag MAdy Tas Holıtıkac, m TU Tun da VRSSUOV Ta SV TRIG WOARCL "EX Tivac.Roipax FEAR Drrag GAge ‚eo@ueg. Werglihen de republica, V, ©. 53, 53. VL S. 76, ig _ | 36) de legib. VII, ©. 330, 331. Xeuophon M. S. IV, 4, 19. re u 207 — geſellſchaftlichen Verhaͤltniſſen ableiten laſſen. Dieje- | nige Wiflenfhaft, welche dieſe Erkenntniß zum Ge⸗ genftande hat, ift Philoſophie. Eine Dhilofophie, weiche dieſen erhabenen Dienft der Menſchheit leiften konnte, war ihm noch nicht befannt. Es iſt alſo eben - ſo viel, als wenn er geſagt haͤtte, alle unordnungen und Zerruͤttungen dee menſchlichen Seſellſchaft rühren von dem Mangel einer richtigen Philoſophie her. Wenn man den Zuſtand der Menſchheit, den Gang der Kultur und die Beſchaffenheit ber damaligen Philo⸗ ſophie mit einem aufmerkſamen Blick betrachtet, ſo muß man geſtehen, daß Plato vollkommen Recht hatte. Der Mangel an beſtimmten Grundſaͤtzen fuͤr die Pflichten und Rechte, der Mangel gültiger Gründe für die Religion, das Verkennen der wahren Gruͤnde biefer. Ueberzeugun⸗ gen ift eben fo augenſcheinlich, als die Laͤugnung und’ Besweifelung dieſer Wahrheiten, wofuͤr ſich doch dag Herz in jedem Gutgeſinnten zum voraus erklaͤret; als die Entſtehung und Verbreitung ſolcher Grundfaͤtze, wo⸗ gegen fich ein innerlicheg damals noch nicht entwickeltes Gefühl empoͤrete. NE diefed war eine unmittelbare Folge von der’ Befchaffenheit ber bis dahin gegoltenen Gründe der Religion und Moral, und dem Unvermoͤgen der nach Erkenntniß ringenden Vernunft, die wahren - Gruͤnde zu entdecken. Diefe Unterfuchung war jest das dringendſte Bedürfnig,und zum Wohlftande der gefammten Menfchheit unentbehrlich. Das Intereſſe für Wahrheit ittlichkeit, wo es durch den Aberglauben nicht uns terjocht und durch den einreißenden Unglauben nicht ver- drängt war, foberte jeden denfenden Kopf unwiderſteh⸗ lich auf, mit fich über diefe Angelegenheit einig zu werben, und wo möglich, nuch alle Menſchen darin zu verſtaͤn⸗ digen. Dieſes iſt ber gemeinſchaftliche Geſichtspunkt, von welchem Sokrates und Plato in ihrem Philofephieren audeinden; obgleich Kreide nicht auf einerlei Wege diefe Unge⸗ U m Angelegenheit der Menfchheit zu berichtigen fuchten. Jener fchränfte füch barauf ein, die ſittlichen Ueberzeugun⸗ gen durch Entwicelung und Bildung ber praftifchen Urtheilskraft bei einzelnen Menfchen zur Anwendung in dem wirklichen Leben zu beleben und zu beftärfen, diefer beſtrebte füch die fittlichen Wahrheiten zum Behuf der Wiffenfchaft zu entwicheln und zu ordnen. Die Ur⸗ fache von dieſem verfchiebenen Wege lag nicht allein in der Neigung des Plato zur Gehtedbefchäftigung und zum Yhilofophieren, melche durch mancherlei Umſtaͤnde genähret und beſtimmt wurde, (man ſehe fein Leben) fondern auch darin, daß er die Nothwendigkeit erfannse, dieſe Begenftände, welche nur in Ideen beftchen (zeuuera) durch beftimmte Formeln oder deutliche Begriffe aufzu⸗ ſtellen, damit fie von jeden Menfchen,. als Regeln feines Lebens befolget werben koͤmten ”). Er hielt diefe Ueber⸗ geugungen für zu wichtig, als daß cr nicht für feinen Theil den Verfuch hätte machen follen, fie nach ihren objektiven Gründen, abgefondert von allem konkreten and fubjcktiven, in ein ſyſtematiſches Ganze zu ver- Inipfen. Die Allgemeinheit umd Nothwendigkeit, wo⸗ mit fich Diefe Ueberzeugungen ankuͤndigten, mußten noth⸗ wendig einen fo tiefdenkenden Mann, als Plato war, darauf führen, ben Grund berfelben gu erforfchen, und ' die Innern Angelegenheiten der Menfchheit machten diefe Unterfuchungen für fein Herz zum heiligen Gefchäfte. Don der Pbilofophie ber Brlichten ud echte ber Menſchen verſprach fig Plato die wichtigſten und aus⸗ gebrei⸗ 39) Politieus, ©. 64 65. ve S’av Heyırs wen na Fee raroic UK a9 Mudmiay Kö Spas Tuc AvIgatug Hıeyacuoy evapyuc, u ösıxdarroc Tuv Tu Turdvanern Yuzı G Ruropusvag BEOTÄyERGA, Eos TEv MIcIudiem. Tıya WETSMPUOTTEN, IKavg TAyowesı. 310 ösı UrAerar, Aoyov suite dnvarer nun duvas - was dıfacdeı. Tu yag araumra, maAATE Cırm Ki we deye porgı, wire de uden vazug daran. — 209 — gebreiteſten Solgen für die Menſchheit in allen ihren Angelegenheiten und Verhaͤltniſſen. Dann, glaubte er, wuͤrde die Menſchheit glückfelig fein, und von den druͤ⸗ ckenſten Uebeln befreiet werden, wenn bie Srundfäge der Moral, welche bie Philofophie auffuchen muͤſſe, all⸗ gemein anerfanne und befolget würden. Die einzige Bes dingung aber, unter welcher fie zu allgemeingeltenden Maximen werben fdnnten, fchien ihm nur diefe zu fein, wenn wahre Philofophen die Angelegenheiten der Menfchen beforgten, d. 5. regierten, oder Die Regen⸗ ten anfingen, wahrhaftig zu pbilofophieren. Dieſer erhabene Sedanfe ift vielfältig mißverfianden, und bem großen Dann als ein lächerlicher Irrthum angerechnet worden. Allein die größten Selbſtdenker überzeugen fich . innmer mehr davon, daß Plato hiermit eine Wahrheit gefagt bat, welche immer einleuchtenber werden muß, je mehr die Philofopbie an Einfluß gewinne, und bie Vernunft in ihre Nechte eingefezt wird. Dieſes Selbfl- geſtaͤndniß zeigt ung auf einmal den Gefichtspunft, von welchen bie philofophifchen Unterfuchungen bed Plato ausgingen, und aus toelchen fie betrachtet werden muͤſ⸗ fen, wenn fie richtig beurthellet werben folln. Zwar würden wir auch ohne biefen Brief, aus feinen übrigen Schriften eben diefed Reſultat ziehen koͤnnen. Allein fo klar und beftimmt al8 an biefem Drts hat er fich nie auge - gebrückt. Unterbeffen wollen wir dieſem Nefultate auch - von diefer Seite mehr Ueberzeugungskraft geben, daß wir die Belege aus feinen übrigen Schriften zuſammen⸗ fielen. moralifchen Welt fei nirgend anders als in ber Sinne lichfeit gu fuchen, in fo fern fie nicht Durch andere Ge⸗ fege eingefchränft werde. Die Selbſtliebe, wenn fie bie Schranken Übertritt, iſt die Duelle aller Sünden. Der Menfch, der blos nach den Antrieben feiner Sinnlichkeit handelt, ohne höhere Geſetze anzuerkennen, handelt nicht 8. beſſer I. Plato glaubte, der Grund aller Uebel der - — 210 — \ beſſer als das Thier. Zwiſchen den Trieben und Nei⸗ gungen der Sinnlichkeit iſt ein ewiger Zank und Streit Wenn daher Menſchen weiter kein Intereſſe kennen als ihre Sinnlichkeit zu befriedigen, ſo fehlt es an Einheit, Harmonie und Geſetzmaͤßigkeit der Handlungen, und es herrſcht ein beſtaͤndiger Aufruhr und Krieg unter ih⸗ nen ꝰ). II. Das einige Gegenmittel gegen alle dieſe Uebel iſt die Thaͤtigkeit des Verſtandes und der Vernunft. Der Menſch wird durch mannichfaltig verſchiedene ſinn⸗ liche Triebfedern in Bewegung geſezt; die Vernunft aber gebietet, ihr allein zu folgen. Sie ſchreibt Geſetze vor, welche durchgaͤngig als Richtſchnur der Handlungen be⸗ folget werden muͤſſen. Sie beſtimmet die oberſte Regel fuͤr die Handlungen, und den hoͤchſten Maaßſtab fuͤr alle Kenntniſſe und Wiſſenſchaften, und bringt dadurch die noch ſo ſehr entgegengeſezten Beſtrebungen in Einheit und Harmonie. Die ſittlichen Geſetze geben das ſtaͤrkſte Vereinigungsband für die menſchliche Geſellſchaft ab; ohne fie wird der Menſch von aͤußern Triebfedern auf einem ffärmifchen Deere ohne Steuermann berumgetrie ben *). II. Man muß alfo feine Begierden einfchränfen und beherfchen, nicht durch ein anderes finnliches In⸗ tereffe, fondern durch die Gefeße der Vernunft felbft. Darin befteht der Werth und die Beſtimmung des Men⸗ ſchen *). J IV. Um gluͤckſelig gu fein, muß man die Geſetze ber Dernunft befolgen. Es giebt alfo getoiffe allgemeine | Bedin- 40) de legib. IX. ©. 4%. de republic. IX. G. 267 s 269, Gorgias, &. 7678, 123 » 125. de republica VIII, &. 217. de legib. V. ©. 213, Phaedo, ©. 150, 188. 190. 41) de legib. I, ©. 44, 45. Aleibiad. II. ©. 93, 94. Poli» ticus, ©. 61, 103, 114, 115. Tiheaetes. ©. 117 121. 42) Phacdo, 6. 145. 149, 188. de republica VI, G. 103, 104, de legibus I, &. 445346. " — art — Bebingungen der Stäcfigtei welche die Philoſophie aufſuchen muß *). V. Der Enttweck der Philoſophie iſt die wiſſen⸗ ſchaftliche Erkenntniß der Geſetze der Vernunft, oder der Sittlichkeit ). Eine ſolche Wiſſenſchaft iſt ein Beduͤrfniß der Menſchheit. Denn die meiſten Menſchen ‚find über dag, was Recht und Gut iſt, nichts weniger als einig; ſie urtheilen auf eine ganz entgegengefeste Weiſe über diefe Gegenftände, und das aus Mangel eines hochſten allgemeinen Begriffes, welcher allen con⸗ freten zum Grunde liege ). In diefen wichtigen Wahre beiten zeige fich eine große Unwiſſendheit bei den Men⸗ fchen. Sie fennen entweder die Grundfäge ihres hun und Laſſens nicht, oder fie erfegen den Mangel ihrer Kenntniß mit falfchen Begriffen oder mit dem Dünfel einer ſchon errungenen Erkenntniß. Hieraus fließen ale ihre Fehler und Vergehungen. Die Philoſophie ſoll alſo theils das Blendwerk einer eingebildeten Wiſſen⸗ ſchaft aufdecken, um die Menſchen nach wahrer Beleh⸗ tung und Aufklaͤrung begierig zw machen; theils ihrer Unwiſſendheit durch die Aufſtellung richtiger Grundfäge über ihre Pflichten und Rechte zu Hülfe kommen, und - fie zur Selbferfenntuiß Führen ”) Die Philofophie fol die verwirrten und unbeutlichen Urtheile über ſitt⸗ liche Segenftände im deutliche aufldfen, und die Grunde begeiffe der Sittlichkeit aufſuchen ”). Die Wichtigkeit und das Intereſſe biefer Gegenftände erfodert deſtomehr eine wiffenfchaftliche Bearbeitung durch beſtimmte Bes . D 2 griffe 43) Theater, & 117. Meno, ©. 364 « 366. 44) Phaedo, ©. 145. de republica VII. ©, 163. v. ©. 57, 53. 45) Alcibiad. I, ©. 20, 48,49. Mines, ©. 13, 132. So phifta, ©. 231. * Alcibiad. I, ©. 33, 34, 66. Sophiſta, ©. 222 feq- 47) Thecaetet, ©. 117. de republica, V. ©. 53, 64166, VI, ©. 70, 81,32. VII, ©, 167. — 212 AM ® griffe und Formeln, je weniger ihnen der Vortheil zu Starten kommt, daß die äußere Anfchauung auf fie, als etwas Beharrliches hinweiſet *).. - Hier komme alfo das nehmliche Nefultat wieder zum Vorfchein, und es erhellet daraus, daß Plato die Begründung einer wiſſenſchaftlichen Moral, welche er die Wilfenfchaft des Guten oder des Boͤſen nennet, für den michtigften und oberften Zweck der Phllofopbie hielt. Hingegen fchloß er auch das Intereſſe der theoretifhen Erfenntniß nicht von: dem Intereſſe der "praftifchen Vernunft aus, fondern vereinigte Beide fo, daß er das erftere dem zweiten unterorbnete. Er ver⸗ mied alfo ben Fehler, in welchen Sokrates gerathen tar, daß er den hoͤchſten Zweck der Vernunft gu dem ein⸗ . zigen machte, und den menfchlichen Geift durch einfeitige Grenzbeſtimmung einſchraͤnkte. Außer dem innern Bea ruf und der Neigung des Plato gu Speculationen und Un⸗ terfuchungen aller Art; außer feinem gebildeten und mit mannjchfaltigen Kenntniffen genäßetem Geifte, beguͤn⸗ ſtigte ſelbſt die Anerkennung des oberſten Zweckes die Erweiterung des Gebietes der Philoſophie. Er war uͤberzeugt, daß die praktiſche Philoſophie nur durch die Befolgung der Geſetze des Denkens zur Wiſſenſchaft erhaben werden koͤnne. Sie feste alſo ſchon die Et- kenntniß dieſer Geſetze voraus. Nun waren aber dieſe Geſetze noch nicht gefunden, d. h. das Verfahren des Verſtandes und der Vernunft beim Denken war noch nicht auf beſtimmte Regeln und Formeln gebracht wor⸗ den, ob ſie gleich einzelne Denker immer mehr oder we⸗ niger befolgt hatten *). Hieraus erfannte alſo Plato die Nothwendigkeit einer Wiſſenſchaft für die Regeln des Denfens, und fehäzte fie ald diejenige, welche für "alle 48) Politicus. G. 64, 65. - 49) Sophifte, ©, 304. Politicus, ©. 62, 63. Philebus, Ö 220, — 213 —. alle Philoſophie die Form beſtimmt *). Zuelene. Alles mas zum Denken Stoff und Anleitung giebt, trägt zur Kultur und Bildung des menfchlichen Gei⸗ fied, und dadurch unmittelbar "oder mittelbar zur Ense , wickelung des Wernunftvermögens bei, wodurch Sittlichkeit befördert wird”). Aus diefem Geſichts⸗ punfte £onnte er feine Kunſt, Feine Wiffenfchaft, woran der menfchliche Geift feine Kräfte äußert, verwerfen, er mußte fie alle als Geiftesbefchäftigungen gelten laffen- Alles Vorſtellbare, alles was durch Worftelungen moͤg⸗ lich if, war ihm ein Gegenfland des Wiſſenswuͤrdigen, aber in ungleichem Grabe, welchen das Verhaͤltniß zur praftifchen Philofophie beſtiumt ). Aus dieſem Grunde ſchloß er die theoretiſchen Theile nicht aus dem Um⸗ fange der Philoſophie aus. Drittens. Einige Theile der fpeculativen Vernunft erſchienen ihm in einem noch nähern Verhaͤltniſſe and Zuſammenhange mit der Prakti⸗ ſchen. z. B. die Wiſſenſchaft von der theologifchen Idee, die Lehre von der Unſterblichkeit. Die ganze Morallehre beruhete auf der Selbſtkenntniß des menſchlichen Geiſtes, und fuͤhrte daher auf die Unter⸗ ſuchung der gangen Natur deſſelben ). Obgleich die Vernunft bis auf feine Zeiten mehr ‚m Behuf ihres eheoretifchen als praktifchen Intereſſes gethan hatte, ſo war doch der Zuſtand der ſpeculativen Phbiloſophie nicht ſehr einladend, wie wie oben gezeigt haben. Aus ben Streitigkeiten der Philoſophen unter einander, aus den entgegengeſezten und wiecſtrcite O 3 50) Sophiſta, ©. 274, 275. Politie. e 63. Phileb. ©. a18, 219. 51) Philebus, ©. 313, 344, 91. de republic. VI, ©. 71, "0.243 feg. $3) Politicus, ©. 103. Charmides, S. 1500152. de republ. V. S. 56. 5 s3) N Alcibiad. 1, ©. 65. de republica IV,. G. 37: feq. [4 w- 214 — Melnungen ſchloß Plato, daß man noch weit vom ber Erkenntniß dieſer Gegenſtaͤnde entfernt ſei, und daß es ber Philoſophie noch an denjenigen Bedingungen fehle, auf welchen die Möglichkeit einer Wiſſenſchaft bes zuhe 9%. Aus dieſem Grunde entfernte er fich auch von dem Skeptieismus, welcher fchon damals durch die So⸗ phiften fich allgemein ausbreitete. Er glaubte, daß es noch feine allgemeingeltenden Grundfäge für die Philoſo⸗ phie gebe, Fonnte aber eben deswegen die Möglichkeit einer Erkenntniß nicht bezweifeln. Vielmehr beftrebte er ſich durch Auffuchung und Feſtſtellung folcher Gruͤnde, welche feinen Beweis weiter vorausfegen, oder Princi⸗ pien, die Philofophie auf eine wiffenfchaftliche Form zu Bringen, ihe von Sinnen mehr Deftand, von Außen mehr Wuͤrde und Anſehen zu geben ”). | Alles Denken und Philoſophieren des Plato sing alfo von einem Punkte aus, und zlte auf einen Punfe ab. Er fuchte die praftifchen Erfenntniffe in ein ganzes fuftematifch geordnetes Ganze zu bringen, - oder der praftifchen Philofophie ſyſtematiſche Form zu geben, und der mannichfaltigen Verbindung wegen, auch der theoretifchen Philofophie eben diefen Dienſt zu erzeigen. Ob er fich gleich diefem erhabenen Ziele nur in großer Entfernung nähern konnte, weil der menfchliche Geiſt zu diefer wichtigen Befchäftigung noch ange nicht genug geübt und vorbereitet war, weil bie Bedingungen ber Aufidfung der theoretifchen ſowohl als ber praftifchen Aufgaben noch nicht in Ihrer Reinheit und Vollſtaͤndigkeit entdeckt waren ; fo Haben feine philoſo⸗ phifchen Bemühungen boch dag Verdienft, daß fie den Zweck, die Sorm und Bebingungen ber Moglichkeit der Dhilofophie auf eine befriedigendere Weife, als bis dahin sefchehen war, in ihr gehoͤriges Licht festen, und zur Reali⸗ 54) Sophifta, S. 231. Minos, ©. 131, 133. 55) Meno, ©. 361. Sophifts, S 266. Kealifirung ber Philoſophie nach feiner Idee viele ſchaͤtz⸗ bare Beiträge lieferten. Geine Verbienfte um bie Phi- Iofophie laſſen ſich unter folgende Geſichtspunkte flellen: ı) er beſtimmte zuerſt den Begriff, den Umfang, die Theis le der Philopſophie und ihre Verbindung unter einander. 2) Er dachte zuerſt über bie Form der Philofophie nad. 3) Die erſten analytiſchen Verſuche über das Vorſtellen und Denken über die praftifche Philoſophie. 4) Er bearbeitete einzelne Theile der Philoſophie, ent⸗ wickelte manche neue Begriffe und Säge. 5) Die Cen⸗ für über ältere Philoſopheme. Ehe ich diefen Abfchnitt berlaſſe, muß ich noch etwas uͤber eine Stelle ſagen, worin Plato dem Scheine nach, der Philoſophie einen andern Zweck beilegt, und noch einige abmeichende Erklärungen neuerer Gelehrten über biefen Gegenſtand beurtheilen. In dem Phäbo ſagt Plato, der Zweck der Philofophie beftche darin, daß man fterden ferne, ober die Seele von dem Körper abfon= dere und frenne”). So fchmärmerifch auch biefer Ausdruck lautet, fo bat er Ihn doch nicht fo verſtauden. Wenn man die Hülle des bildlichen Ausdeuckes abſon⸗ dert, fo bleibt nur die Selbftbeherrfchung als ber eigen⸗ thümliche Zweck der Philofophie übrig, worauf feine weitere Erfldrung ſelbſt hinfuͤhret. Der wahre Philo- ſoph feger feine hoͤchſte Beſtimmung in ber Tugend; biefe beftchet aber. in der Beherrſchung der Begierden, nicht um eines andern finnlichen Sfntereffes twegen, fondern aus Achtung gegen die Vernunft und um ber Bernunft wegen *). Ein Philoſoph muß fich fehr viel mit dem abftratten Denken befchäftigen. Diefes kann er aber nicht, wo er nicht Herr über feine Sinnlichkeit, ift, und ſich von allen äußern Gegenftänden Iosreißen fann. Das Etudium der Weisheit verträgt fich nicht mit ber Herr» D4 ſchaft 56) Phacdo, ©. 145. $7) Phacdo, ©. 146, 155.157. u 216 — 7 ſchaft der Sinnlichkeit ). Das Streben nach ſelbſt⸗ thaͤtiger Wirkſamkeit der Vernunft und Unabhaͤngigkeit von dem uͤberwaͤltigenden Einfluſſe der ifinnlichen Triebe, nennt er im uneigentlichen Sinn, Trennung der Seele don bem Körper, und bag Beſtreben zum Sterben. Es ſcheint zwar, als wenn die Meinung, daß die Sinnlichkeit die erſte Quelle aller Irrthuͤmer ſei, und der Verſtand bei dem Denken und Forſchen nach Wahrheit der. Mitwirkung des ſinnlichen Vorſtellungsvermoͤgens ganz entbehren koͤnne, indem dieſes die Wirkſamkeit des Verſtandes nur hindere und einſchraͤnke, allen dieſen Gedanken zum Grunde liege, und daß dieſe Grundfäge gerade zu auf jene Schwärmereien führen mußten, welche nach Chriſti Geburt unter dem Namen des Neuplatonie- mus fo nachtheilig für die Kultur der Drenfchheit gemorben find. Allein wenn auch bier und da Stellen vorfom- men, welche einer folchen Auslegung fähig find, fo fin- den fich doch auch andere,. welche von richtigeren Einfich- sen zeugen. Man würde daher aus einem gedoppelten Grunde Unrecht thun, wenn man fo-einfeitig den Zweck ber Platonifchen Philofophie beftimmen wollte; einmal, weil jene Vorftelungsart auf bildlichen und metaphori« ſchen Ausdrücken berubet, ba deutlichere und beftimmtere Erflärungen vorfommen; zweitens, weil der Phaͤdon einer von den früßeren Dialogen ift. -Alfo muß man nach vernünftigen Foderungen eins von beiden anneh⸗ men: entweder Plato hatte wirklich in feinen frühern Jahren jene ſchwaͤrmeriſche Vorſtellung von dem Zwecke der Philsſophie, berichtigte fie aber in der Zolge durch reifere Ginfichten; oder wenn bad nicht ift, fo hat er ſich in dem Phaͤdon nicht deutlich und beſtimmt genug ausgedrückt. Es fei nun ber eine ober der andere Fall wirklich, fo fließt doch einerlei Folge daraus, daß man den 58) Phaede, &: 412. ° 517 — ben Zweck feiner Philoſophie nicht nach jenen unbeutli- ' chen Sebanfen, fonbern nach ben beftiimmteren und beut« lichern erklaͤren muͤſſe. Es iſt zwar nicht leicht zu entſcheiben, in welchem von beiden Faͤllen Plato ſich befunden habe, weil die angefuͤhrte Stelle in dem Phaͤdo einer doppelten Ausle⸗ sung fähig iſt. Unterdeſſen wenn man fie mit mehreren im Phddon vorfommenden Parallelftellen vergleicht, fo bekommt ber zweite gedenfbare Kal ein Uebergewicht von Wahrſcheinlichkeit, welche auf der Seite bes zweiten fich niche befinde. Denn I) nicht bie Sinnlichkeit felbft, fondern bie Herrfchaft derfelben über den; vernünftigen Trieb wird für bie Duelle aller Unfittlichfeit, und für ein Hinderniß des Selbſtdenkens ausgegeben. Diefes nennt et apeoevy TU Euuaroc *). 2) Er haͤlt nicht jede Befrie⸗ digung des ſinnlichen Triebes fuͤr unerlaubt, ſondern aur die uneingeſchraͤnkte mit Vernachlaͤſſigung höherer Zwecke. Man ſoll dem Koͤrper nicht mehr geben, als was ihm nothwendig iſt “). 3) Jener uneingeſchraͤnkte Einfluß der Sinnlichkeit hindert in fo fern das ſelbſt⸗ thätige Denken, als er das hoͤhere Streben nach Geiſtes⸗ kultur unterdruͤckt. Der Sinnliche Menfch kennt Fein anderes Gut als den Genuß, welchen er durch ben Koͤr⸗ per erhält, ex kennt keine andere Wahrheit, als die Em» pfindung. Der Philoſoph will aber das Unveränderliche und Allgemeine erforfchen; er muß alfo aus einer andern Duelle als der Sinnlichkeit ſchoͤpfen“). 4) Plato Ichre nicht, daß die Philofophie die Sinnlichkeit (wenn «8 möglich wäre) zerſtoͤren und unterdrücken müffe, fondern fie beruhige und Gefänftige nur die finnlichen Triebe, folge der Vernunft, unterfeche das Wahre und —* Ds . er⸗ 59) Phaedo, G. 152. 60) Phaedo, ©. 188, 189, 146, 147. 6) Phaedo, ©, 148, 149, 188 » 19% de republica VII, G. 136, — 218 N— —* anderliche⸗ und ſetze darin die Beſtimmung des kebens 9— Dieſe Stelle zeigt offenbar, daß es in den uͤbrigen Seel len an Deutlichkeit des Ausdruckes fehler. | Es iſt nur noch ein ‚einziger Punkt, welcher mit dieſer Erflärungsart fich nicht gut zu vertragen ſcheint, nehmlich die Meinung, daß die Seelen. in einem vorher« gehenden Leben reine Intelligenzen geweſen, und durch viele Grade der Ausbildung in einem künftigen Zuſtand wieder werden koͤnnen und follen, Allein jenes ift nun eine doktrinale Hypotheſe in der Platoniſchen Bhilofophie, und dieſes nicht über alle Zweifel erhoben. In der Folge . werde ich Gelegenheit haben, den Betweid davon zu fuͤh⸗ ren. Sch bemerfe nur jezt einfttveilen fo viel, daß in dem Timaͤus die Seelen in eine nothiwendige Verbindung mit den Koͤrpern gefege werden; daß nad) eben dieſem Buche die Beflimmung des Menfchen darin beftehet, die Beglerden und Gefühle der Sintlichkeit durch Vernunft zu beberrfihen; und endlich, daß eine mit den Soderuns ‚gen der vernünftigen, und ben Beduͤrfniſſen der finnli« hen Natur übereinftimmende Diät der Seele und de Koͤrpers gelehret wird *). Die Vergleichung des Phaͤdo mit dem fechften Buche des Republik, wo er ebeufalls von den Kennzeichen und der Handlungsweiſe eined Phi⸗ Iofophen handelt, wird biefes Reſultat noch mehr beftär« fen. Es zeigt fich daraus ganz deutlich, daß jene an⸗ ſtoͤßigen Ausdruͤcke in dem Phaͤdo nur Lebertreibungen find. Es iſt aber nicht zu Idugnen, daß ihm zumeilen Ausdruͤcke entfallen, welche aus der falfchen Meinung herzufließen fcheinen, daß die Verbindung der Seele mit dem Korper eine wefentliche Einfhränfung des Geis ſtes, als des eigentlichen Menfchen, und daher ein Uebel fi ). Allein.auch diefe Stellen find im Verhaͤlt⸗ n 62) Phacdo, ©. 191. ’ ‚63) Timaeus,, ©, 336, 426433. 64) Phacdo, ©. 150. dic au TO ENLEM EIMREU, Ka Euuwspee- Mary u ak yuzy HETR TU TOTU NM, niß gu jenen nur fparfam, und koͤnnen deswegen nichs fuͤr die eigentliche Meinung des Plato gelten. Er wuͤrde ſich vielleicht beſtimmter ausgedruͤckt haben, wenn er uͤber das Verhaͤltniß der Sinnlichkeit zu dem Verſtande, und der Organiſation zum Geiſte feſtere Begriffe gehabt haͤtte. Allein wenn er auch glaubte, daß der Geiſt ab⸗ geſondert von der Organiſation oder auch ſelbſt von der Sinnlichkeit das Weſen der Menſchheit ausmache, ſo hat dieſer Irrthum doch weiter keinen Einfluß auf den Zweck der Philoſophie, den Menſchen ihre Beſtimmung zu lehren, welche in der Selbſtthaͤtigkeit und freien. Ein- fehränfung des finnlichen Triebes' befiche. Den Menfch befise Bernunft und Sinnlichkeit; diefe lezte ruͤhre her, woher fie wolle, fo muß doch er fie durch Vernunft, und um vernünftig zu fein, einfchränfen. Eben diefe Trennung der Seele von dem Korper nennt auch Plato eine Neinigung °). Diefer Aug« drucd bat durch feine Unbeſtimmtheit manchen Sorfcher feiner Philofophie zu unrichtigen Refultaten verleitet. So hat zum Beiſpiel Pleſſing zu beweiſen gefucht, daß: der Zweck der Philofophie nach dem Plato in der. Toͤd⸗ tung des Fleiſches beſtehe; daß fie bie Verbindung ber Seele mit dem Körper aufhebe, und den Menfchen zur Anſchauung der unfichtbaren, unveränderlichen und un⸗ materiellen Subſtanzen db. h. ber Ideen erhebe, durch deren Befchauung er in einem vorigen Zuſtande glückfelig geweſen fei; daß fie burch jene Trennung bie Spuren jener Anfchauung erneuere, und dadurch ben Menfchen in den Befig der verlohrnen Seeligfeit wieder einſetze “). Allein diefe Darftellung thut Fein Genuͤge, und ift aus verſchiedenen Urfachen fehlerhaft. Erftlich verläßt fie die 65) Phaedo, ©. 1352. 66) Memnsniun, Zweiter B. S. 337. In den meiften Punk⸗ ten Rimemt auch Schulge mit ihm überein de fummo fe- cundum Platonem Phälofophise fine. Helmitadis 1789. 3 x - — 120, — bie bilbliche Sprache nicht, in welche Plato feine Ideen eingefleidee hatte. Es ift aber mehr um den Juhalt als die Einfleidung zu thun, zumal bei dem Plato, wel⸗ cher in manchen Fällen fo ſehr die bildfiche Sprache Licht. Der Ausleger muß alsdann dem Bhilofophen nachhelfen, und darf e8 um fo mehr, wenn es fich ausweifet, daß er in einer andern Stelle das Bild felbft Durch deutlichere Begriffe aufgefläret bat, wie hier wirflich der Fall ift. Zweitens. Pleſſiag bemüher fich dadurch eine Aehnlich⸗ Feit zwiſchen den Myſterien und ber Platonifchen Philo⸗ fophie darzuthun, welche doch in der That nicht zu den⸗ Ten iſt. Sch übergehe jest die fonderbare Erklärung von ben Ideen, worüber ich mich weiter unten tweitläufig er⸗ Fären werde. Was alfo erfilich ben Begriff der Reini⸗ gung anlangt, fo erklärt ihn Plato felbft auf eine philo⸗ fophifche feine Schwaͤrmerei beguͤnſtigende Weiſe ”). Reinigung heißt die Abfonderung bed Uneblern von dem Edlern. Sie iſt im Anfehung des Gegenfiandes von zweierlei Art, eine Eörperliche und geiſtige. Die koͤrper⸗ liche verebelt und vervollkommt den Körper durch aͤußer⸗ liche und innerliche Mittel. Von ihr ift die geiftige voͤl⸗ Lig verfchieden. Sie veredelt die Seele durch Abfonde- rung alles desienigen, was fie unvoßfommen macht. Die Unvollfommenheiten der Seele laſſen fich in zwei Klaffen eintheilen. Das Mannichfaltige, was zur Seele gehört, (Vernunft, Begehrungsvermögen, Urtheile, Gefühle, Begierden) iſt entweder in Streit und Aufruhr gegen einander, oder es fehle nur Harmonie, Einfiimmung und Zweckmaͤßigkeit; Jenes können wir Krankheit der Seele, (voros) dieſes Unvolfommenheit ober Fehler (ziexes) nennen. Die Krankheit ber Seele ift Unfitt« tichfeit 5. DB. Ungerechtigkeit, Unmdßigfeit, welche Durch Dieeiplin geheilet wird (morasıny oder Zum.) Die Fehler oder 6) Theaeter. ©. 220, 228, \ ü — — 221 — oder Maͤngel der Seele beruhen auf Unwiſſendheit, welche von gedoppelter Art iſt. Man iſt entweder blos unwiſſend, oder es geſellt ſich doch ber Duͤnkel hinzu, ‚daß man die Kenutniß und Einficht habe (muatın.) Jene Art der Unvollkommenheit wird durch Unterricht (diöacxz- un), dieſe durch Cenſur (vuderıuy Oder säsyxec) verbeſſert. Wenn alfo darin der Zweck der Philoſophie beſtehet, fo iſt er niche verfchieden von dem, welchen wir oben nach andern Stellen angegeben haben. Plato bediente fich eines damals fehr getsähnlichen Ausdruckes, wodurch die fittliche Kultur aber freilich nach rohen, unentwickel⸗ ten Begriffen bezeichnet wurde. Neinigung war ein Dies ſtandtheil jeder Religion, und auch der Myſterien, welche aber nur in körperlichen Abtoafchungen, Befprengungen und andern Außerlichen Gerimonien beſtand, wodurch, ' wie man glaubte, auch bie Seele gereiniget, d. h. gott⸗ gefälig gemacht würde ). Er begeichnet daher mie dem nemlichen Worte nicht. cben den Sinn, wie dag fehr Häufig bei ihm der Fall ift, und feste an die Stelle eines rohen unebelen Begriffes einen ebein und entwickelten. Daher fagt er, die Stifter der Myſterien foheinen feine fchlechten Männer geweſen zu fein; fie ahndeten, tie wir dünft, fchon damals, daß Gerechtigkeit, Maͤßigkeit amd jede Tugend in einer Reinigung beftehe, und behaup⸗ teten Anınach, daß jeder Menfch, der gereinigt iſt, in je» neni Leben der Gluͤckſeligkeit theilhaftig werben wird. Der gereinigte iſt aber meiner Meinung nad) der . wahre Philofoph ”). Hieraus folgt nun keinesweges, Daß Plato der Bhilofophie und ben Myſterien einerlei Zwed beilegte, fondern vielmehr biefed, daß er ben Zwed der Myſterien vorſtellte, wie er gefunden philoſo⸗ phifchen Begriffen nach fein folte. / Herr 68) Cratylus, ©. 273, 274. de republica II, ©. 221. 69) Phaedo, ©. 157. N — — 222 — Herr Eberhard glaubt, der Zweck der Platoniſchen Philoſophie ſei kein anderer geweſen als, dem gemeinen Weſen tugendhafte, wohlthaͤtige und weiſe Staats⸗ buͤrger, Obrigkeiten und Rathgeber zu bilden, er ift uͤberzeugt, daß man vermittelft dieſes Zweckes ale feine Dialogen, wie man mil, in ein analytifches oder fontherifches Syſtem ordnen koͤnne). ‚Sch zweifele im zeringſten nicht, daß dieſes wirklich ein Zweck der Pla⸗ toniſchen Philoſophie wars abet es iſt nicht der vollſtaͤn⸗ dige, viel weniger ber Zweck feines Philoſophierens. Mach den Betrachtungen, welche ich bisher angeſtellt babe, follte freilich die Philoſophie die Menfchen über ihre Pflichten und Nechte beichren, über ihre wichtigſten Angelegenheiten, Sittlichfeit und Keligion, Aufklärung verfchaffen — Bied war ber Punkt, von welchem er ausging — aber fie folte nicht weniger die oberfien und allgemeinften Gründe des Denfeng, und bie allge: meinften Prädikate der denkbaren Gegenflände entwickeln; ‚fie befaßte das Gebiet der theoretifchen und praftifchett Vernunft. : Nur allein durch diefen Zweck läßt fich eine Verbindung unter feinen Dialogen bemerfen. Eine Phi⸗ Iofophie, welche diefer Idee entfprochen hätte, fand Pla- £o noch nicht: Daher beftrebte er ſich nach dem Maaß feiner Kräfte, fie wirklich zu machen. Und dag war ber Zweck feines Bhilofophierens. Die Urfache, warum Herr Eberhard nicht auf eben dieſes Refultat kam, liegt, wie mir bünft, bauptfächlicy darin, daß er den Gang, welchen der philefophifche Geift des Plato nahm, nebſt ver Beichaffenheit und dem Einfluffe ber Zeitumftände anf denfelben überfehen, und den Zweck der Sofratifchen und Platonifchen Philofophie nicht genug unterfchieben bat. Seiner Meinung nach find beide in Abfiche ihres Zweckes 70) Bon bem Zweck der Philoſophie des Sokrates und ber Platoniſchen Mythen, in feinen neuen vermijſchten Schrif⸗ ten. Halle 1788. 9. ©. 358 ſeq. RI . 823 — Zweckes einerlei, und Plato ging’von feinem Lehrer nut darin ab, daß er die allgemeinen Begriffe und Definitio⸗ nen von den Dingen abſonderte, welches Sokrates nicht thut. Aus der gegenwaͤrtigen Darſtellung aber zeigt es ſich augenſcheinlich, daß ihre Zwecke eben ſo verſchieden waren, als ihre Gefichtspunkte, imd daß daraus die Philoſophie beider Männer eine eigenthämliche Befchafe _ fenheit befommen mußte. Doch davon werde ich weiter unten mehr zu fagen haben. Zweiter Abſchnitt. Ueber den Begriff, Umfang, Eintheilung und Sorm feiner Philoſophie. haben ift die Schilderung, welche Plako don einem ächten Philefophen entwirft. Es ift ein deal, welches, wenn man einige frembe hinzugefommene Züge abſondert, alles enthält, tvad die Würde, Ahtung-und Bewunderung ber menfchlichen Natur ausmacht. Der Philoſoph, ſagt er, lieber und ſchaͤtzet unaufhoͤrlich dies fenige Wiffenfchaft, welche dag Unveränderliche, Beharr- Siche, keinem Wechfel unterworfene zum Gegenftande Hat; er liebt fie in ihrem ganzen Umfange; er achtet nicht allein die großen und edelern Theile, ſondern wuͤr⸗ diget auch bie Fleineru und weniger edeln. Sein ganzes Streben gehet auf Erkenntniß der Wahrheit, daher iſt er ein Feind von aller Luͤge und Falſchheit. Wenn bie Begierden auf einen Gegenftand mit einer gewiffen Stär- fe und Lebhaftigkeit, gerichtet find, fo werden alle an⸗ dere geſchwaͤcht und verdunkelt, weil ſie alle gleichſam nur — 24 — \ nur jenem einem Kanale zuftedömen. Der einige Stre bungspunkt des Philofophen iſt die Unterfuchung der erhabenfien Wahrheiten, daher ſucht und ſchmeckt er mehr das innere reine Bergnügen des Geiſtes, als Sin- nesluſt. Er if daher enthaltfam und von allem Eigen» nuß entfernt: Denn er kennt noch Höhere Beftrebungen, als diejenigen, zu deren Befriedigung der Befig äußerer Güter ald Mittel dienee Kleinheit des Geiſtes und des Charakters fann nicht in einem Gemüthe wohnen, wel» ches die allgemeine Verbindung der Dinge und der ver⸗ nünftigen Wefen vor Augen hat. Der Philoſoph betrachtet das Selbftftändige, mag über allen Wechfel der Zeit erhaben If, und ermeitere daher feine Blicke Über das gegenwärtige Leben hinaus. Der Zeitraum des menſchlichen Lebens erfcheint ihm da» ber als etwas Unbetraͤchtliches, und er fürchtet den Tod nicht. Da er Here feiner Leidenſchaften ift, ohne Hab⸗ fucht, ohne niebrige Denfungsart, ohne Anmaßung und Furcht, fo fann er wicht ungerecht ober ungefellig fein. Kenn andere Menfchen nach dem Genuß von einzelnen Gegenſtaͤnden fireben, und Vergnügen an Toͤnen ober Sarben finden, fo erhebt er. fich von ber Anfchauung bee einzelnen Gegenftände zu den allgemeinen Begriffen von dem Schönen und Guten, und findet in den Denken diefer Gegenftände die Nahrung feines Geifted. Wenn die Menfchen über das Mein und Dein fireiten, und über die Verlegung ihrer Rechte in einzelnen Fällen Ela» gen, fo gehet er von diefen concreten Faͤllen gu der Unter fuchung übers was ift überhaupt und fchlechterdingg Hecht und Unrecht, und wodurch unterfcheiden fie fich son einander?. Die Frage, ob ein König gluͤckſelig ſei, der große Schäße befiget, richtet feine Aufmerkſamkeit auf die Unterfuchung ber Frage: Was Megierung fei? Borin die Gluͤckſeligkeit oder ihr Gegentheil befiche? Welches die Bedingungen fein, das eine zu erlangen, und das andere zu euferuen? == = Die gewoͤhnlichſten Vor⸗ Sorfähe ciunzeluer Menschen, bie ESadtneuigkeiten, unb. 1906 fonfk wie Neugierbe bed großen Haufens reizet, ent gehet feier Bemerkung; denn er ift nur. bem keibe nach an. einem, Oxte gegentodrtig; ihm. kuͤmmert das nich. mas wor felsen Fuͤßen liege, ba feine Seele, wie Pindar font, die. ganze Erbe und den Himmel ausmißt, und bad; Wefen ‚aller Dinge unsfpannet. Ev.ift daher in ben Gachen be: gemeinen Lebens fremde, unb wenn er über. ſolche Gnpeußände ſpricht, fo wird er als ein. tinfältiger außgrladt. Wenn er. zum Beifpiel die Gluͤckſeligkeit eines Typenunen lobpreiſen hoͤret, fo ſtellt er ſich einen wohlhabaden Hirten vor, welcher viel milkt, nur frei⸗ lich aber: bein ſo gedultiges und zahmes Thier als ber Hr. Wenn man einen ruͤhmet, daß er zehn tauſend Margen ober noch mehr beſitzet, fo duͤnkt ihm, der an dan Umſfang ber ganzen Erde denket, das nur eine Klei⸗ nhgfeis zu fein. Wird einer wegen ſeines Adels geruͤhmt, daß ex ſteben reiche Vorfahren herzaͤhlen, ober fein Su _ ſchlecht is gesaber aufficigenber Linie vom Hercules oder- als eine Nichtswuͤrdigkeit vor, weil, er weiß, daß jeder Menſch viele taufenb Vorfahren, unter welchen reiche: und arm, Konige und Privatperſonen find, annehmen Haus Dei ſolchen Urtheilen wird er von den einem as. «in finlger, . von, ben andere als ein unwiſſender Meugch-autgelacht, weil er das, was vor feinen Fuͤßen ift, nicht. Iigunet, ober fich in dem Einzelnen, Ind ividuel⸗ len unh-Rentreten nicht zu benehemen weiß). — An⸗ bare Menfchen haben mur huchſtens Meinungen oon dem, mas gut, ſchaͤn umb. recht iſt; fie koͤnnen die Ideale ders ſelben nicht von deu einzelnen Gegenſtaͤnden unterſchei⸗ ben, nicht mit denfelben vergleichen. Der Philoſoph ſtrebt; aber nach der Beraunfterfenneniß diefer —* fi ı) de republica V. —J :V& ©. 70,74. Theaetet. G. JI6 >» 10%: p Smphitrun ableiten koͤnne, fo kommt ihm dieſer Stolz “ — DS ı — 926: — ⸗ fest, uab beurtheilet nach dieſen alle einzelnen gegebe⸗ nen Gegenſtaͤnde. Daher lebt er gleichſam wachend, da die andern ihr Leben nur hintraͤumen“). Wenn eis. mem folchen Manne die Geſetzgebung oder Megierung ei⸗ ned Staates aufgetragen würde, wenn er das Goͤttli⸗ de und das Menfchliche genau kennte, und das Lezte nach den Idealen bes ‚Erften zu beflinumen unb einzurich⸗ ten ſuchte: dann wuͤrde bie bärgerliche Geſellſchaft ihrer - Bollfommenheit entgegen 'eilen, und die Menfchheit bie, größte mögliche Sluͤckſeligkeit erreichen ’). Der Phils⸗ ſoph nach diefem Gemälde ift, wie der Weiſe der Gtoie ſchen Schule, ein Ideal; ein Wegen, bei dem bie theore⸗ tiſche und praftifche Vernunft in ihrer größten Vollkom⸗ menbeit. und Harmonie vorhanden ift; bei dem Wiſſen und Handeln Eines iſt. Es iſt ein Ideal, dem ſich ein Menſch nur nähern, welches er aber nicht erreichen kann. Dasienige Wefen, welches diefem deal in ber größten Reinheit entfpricht, iſt der Weile (eogoe), «6 iſt, wenn es perſonificirt wird, das hoͤchſte Weſen, die Gottheit. Der Philoſoph ſuchet biefed Ideal zu realifiren, er ſtre⸗ bet nach dieſer Volllommenheit ). Der Inbegrif dere jenigen Erkenntniß, welche er aus inniger Liebe zu ihr zu erreichen ſuchet, iſt Philoſophie objektive; das In⸗ tereſſe und die Thaͤtigkeit der Vernunft in Beziehung auf dieſelbe ift Philoſophie fubjefeive genommen. Doch tie müffen nun beflimmter den Begrif angeben, wel⸗ chen fi) Plato von der: Philofophie gebildet Hatte. - „. Da dieſes Wort durch bie Entwickelung des Bes grifs noch feine beſtimmte Bebeutung erhalten hatte, fo tourde e8 in fehr weiter Bedeutung von jeder Keuntniß, Kunſt und Geſchicklichkeit gebraucher, welche nicht unter bie gemeinen gehörte, 5 DB. bie Beredſamkeit, bie Dicht: " kunſt 2%) de republic. V. S. 48, $9. 3) de republica VI. G. 1035-1296: 4) Sympofium, S. s32. Phaedr. ©. 386 N 17 — tank n, Hieraus entſtanden zwei falſche Begriffe, wel⸗ che Plato beſtreitet. Erſtlich Philoſophie iſt nichts an⸗ ders als Polymathie oder Vielwiſſerei, das Streben nach vielen und mannichfaltigen oder vielmehr nach allen Kenntniffen ohne Auswahl und Unterſchied. Allein gleichwie die Geſundheit des Körperd weder durch zu wenige, noch durch zu viele Arbeiten beförbert und erhal ten wird, fondern mur eine beflimmte Art und ein gewiſ⸗ fer Brad zu biefem Zweck beförberlich ift: fo ift auch die . Sammlung von allen Kenntniffen ohne Auswahl und Mobifleirung: dem Wohlſtande der Seele mehr fchäblich als nüglih. Man kann noch fragen, weiche Kenntniſſe, and in welchen Grade find fie ben Zwecken der Geiſtes⸗ kultur zuträglich °)2 Zweitens. Philoſophie beſtehet in der Erwerbung der ſchoͤnſten und zuträglichfien Kennt⸗ niſſe, durch welche fich einer den größten Ruhm verdienen fann, d. h. wodurch er die Einficht in alle, oder wenn das nicht möglich If, in die meiſten und geachteſten Kuͤn⸗ ſte erlangt. Diefe Künfte find diejenigen, welche freigen bohrnen Menfchen angemeffen-find, mehr im Denten als im mechanifchen Fertigkeiten beſtehen. Es iſt nicht noͤ⸗ thig, daß der Philoſoph ale und jede Kuͤnſte vollk ommen inne habe, ſondern es iſt genug, wenn er mit den Kuͤnſt⸗ bern über ihre Kunſt forechen und fein Urtheil fällen kann. — Wenn Philofophie weiter nichts iſt, als biefe oberflaͤchliche Kenntniß der Künfte, fo ift fie gang unnuͤtz. Denn wenn ed anf die Aumendung und den Gebrauch . einer Kunft anfomme, fo mußte ein folder Vielwiſſer dem Kuͤnſtler weit nachftehen. Philofophie muß, wenn fie etwas wirkliches iſt, etwas ganz anders ſein, in fo fern fie einen viel erhabenern Zweck, als irgend «ine Kunſt, beabſichtiget, welcher auf. den Menfchen ſelbſt p 2 und ) Hocrsces Panogyricus, ©. 61. Diogaes Leere 2,2% 6) Amatores, ©. 3a ſeq. or — 2138 — und: voezͤglich auf die Sia unb Diecplin feines Gei⸗ AB uud Sharafter& gehet ’) Yhäefppbie iR eine Wiltmphaft, aber nicht jede Miſſenſchaft iſt PYhileſophie. Wiſſenſchaft if ein höher . tr. ein Sattungsbegrif⸗ Philoſophie nur eine Yet . Da lato fa viel wir wiſſen, der erſte iſt, welcher dieſen für. die Philaſophie fo wichtigen Begrif in Betrachtung gezogen hat, und ee bad Houptmerkmal in der Defini⸗ sion der, Philoſophie iß, fo werden wir feinen Ideengang pn. genau als möglich verfolgen maäffen, um die Merkmale se. finben, ans, welchen er den Begriff der Pbiloſophi aaſammengeſezt hat. Das Wort Wiſſenſchaft —— iſt in der weiteken 2 gleichbedeutend mit. Kunſt (rex⸗vv). Beibe werben ſehr oft bei dem Plato für einander. geſezt. Es Bedeutet demnach den Jubegrif von gersiffen.shronstifchen oder praftifchen Kenntniſſtu. weiche füch auf. einen Ge⸗ genfiand beziehen. Der Zweck der Wiffenfchaften in die⸗ fer Bedentung if entweder die Herbeiſchaffung nnd Bear⸗ Keitung derjenigen Dinge, welche zus Erhaltung ober Bequemlichkeit des Lebens. gehören ; oder. die Ersichung und Bildung der. Jugend; oder endlich bie Befriedigung, der geiffigen Beduͤrfnifſe, oder die Erkenntniß fejbft °,. .Jede Kunſt ober Wiſſenſchaft hat einen, Begen- Band, womit fir fich befchäftiges, und von dem fie ſelbſt verfchieben If, 4. B. die Baukunſt, die Erbauumg eined Daufes; die Rechenkunſt, die Bielbeit des Gleichen oder Ungleichen. Der Gegenftand if theils ein Werlk (ueyer) d. h. etwas Sichtbares, welches durch die Kunſt hernor⸗ gebracht wird, oder ein Körper, welcher vorher nicht: war; theils etwas won alım Koͤrperlichen. ———— 7) Amatores, ©. 36 ſeq. ⁊ de republica VII. ©. 1 166. 9) Phil us, us, ©: 299. “ 10) Charmides, ©. 133. — 229 — be Knnſt oder Wiſſenſchaft beabſchtiget einer ·Zweck Pinto erfodert aber, daB der Zweck auf etwas Guces ger richtet ſei. Er kann von gedoppelter Art fein, eneweder das Diſte (die Vollkommenheit‘) des Rätpers oper Di Vollkomenheit ver Seele”). Jede Kunſt and endlich vernäitfeng fein, d. h. fie muß einen vernänftigen Grund ungebeis von den, O8 Me iber einen Gegenſtand behaup vet, ober an ihm / vornimmt; dat Mannichfaͤltige ihres ts TEE uuter Regeln geordnet ſein. Diefes kann meht vhne Eiaſicht und Kenntniß in die Matur thres Satans geſchehen. Wie fchlieft daher jehe. Einpie rie (ner pre) au, d. h. in Verfahren nach dunkeln Börfirkiutigen ohne deutlicheẽ Bewuhtſein Dom Regeln und Buafen”). Diefes Anbibie allgemeinen Srſoderniſſe aller Kuͤnſte und Wiffenfchaffen in ver weltern Bedeu⸗ ang. Ste werden bon’ ben Piato auf verſchiedene Art eingethenlet Die Känfte unterſcheiden fi‘ nehilich guteft ih Satehring des Gegenſtander. Ihr Geyenſtand ift ent⸗ wine enoas, das entſtehet und vergehet, und uͤberd quupt veruderlich iſt, z. B. "Alle Erſcheinungen, alles was In unſteer —*— Erfahrung vorkommt. Dabei Vehoͤren Ye mechaniſchen Käufe, die ÜROf, ‚die Mediein, He Ackerbaufunſt/ di Arlegẽewiſſenſchaft, ſtibſt ‘die Aupirie ſthe Phyſtt wellhe die Gegenſtaͤnde des äußern Sinnes be⸗ rachter, in ſo fern fie eutſtehen, uund wie ſte wirken und leiden — oder etwas Bleibendes, unveraͤnderliches, Seharrliihed- (vo ns ku ara vu aura deworde er)’ * Zweitens, in Anfehling der wiſſe dien Form. Eiutge Rad ine wiſſtuſchaftltchen ommeichett en⸗ ꝓfditglich, andere nur in einem geringern Grade. Jene nennt er reine, dieſe unreine Künfte (nadnem,, — | ter rr) Corges, ©. „9, 119,053. 12) Gorgias, ©. 35, 37, 41, 117. Philebias, S. 29. 13) Phädbus, ©. 306, * Unter im rechnet er die Neithmetit, ehlund unbd uͤber⸗ haupt die mathematiſchen Wiſſenſchaſten; unter dieſe die uͤbrigen, welche wir oben genennt haben. Sie haben bald mehrern bald wenigern Antheil an dem Mathemati⸗ ſchen; die Muſik giebt cin Beiſpiel von dieſen, die Bau⸗ kunſt von jenen. Trennt man ven ihnen dieſen Antheil, ſo bleibt nur etwas Unvollkommenes noch 'uͤbrig, was auf Empfindung, Wahrnehmung und Analogie beru⸗ het *). Drittens, in Auſehung der Behandlung ih⸗ res Gegenſtandes theilen ſich bie Kuͤnſte in theoretiſche und prattifche, Jene beſchaͤftigen ſich mit Erkenntuiß, dieſe mit der Wirklichmachung dee Gegenſtaͤnde. (yrarı- ua, wenurua,) Plato fchränft aber den Begrif der praktiſchen Wiſſonſchaften ae auf bie Qerorbringung eines Werkes (eyov). ein '). In engerer Bedeutung · werben Kinfie von deu Wiſſenſchaften unterſchieden, 1) durch ihre Behandlung, ‚fie find praktiſch, 2) durch den Mangel oder geringern Grad von wiſſenſchaftlicher Form *). Die Wiſſen ſchaften im Gegenſatz der Kuͤnſie find eheoretifch, fie ber ſchaͤftigen fich mit der Erkenntniß; fie find zweitens einer Krengen wiffenfchaftlichen: Form empfaͤnglich. Dieſer “engere Begriff von Wiſſenſchaft liege bei der Philoſophie zum Grunde, und biefen muͤſſen wir. weiter gerglicbern. Die meiſten Merkmale, aus: welchen er zuſammen gefeßt iſt, ſind ſchon oben bei der Einsheilung der Kuͤnſte vor⸗ gekommen. Jede Wiſenſchaft iR eine Erfenntnif m, Die Erkenntniß eines Gegenflandes iſt das Bezogenwerden der Vorſtellung auf denſelben, wodurch er von anbern — unmntfer⸗ 14) Philebus, G. 299, 300. 15) Policicus, ©. 7. Gorgias, ©. ır. 16) Philebus, ©. 299. Epinemis, © 239 feq. de republ. VI, ©. 16. #7) Politicus, ©. 7- de republica V. 1% o⸗ 63. — 231 ——f anterſchieben wird '".. Wenn mehrere verſchledene Vor⸗ fiellungen auf einen Gegenſtand bejogen werben, fo kann man nicht behaupten, daß man eine Erfenntnif von dem⸗ ſelben befige, indem es nothwendig iſt, Daß eine ober bie ander: yon biefen Vorſtellungen nicht bemfelben Gegen⸗ Rande angehäret, auch moglich ift, daß fie alle faͤlſchlich auf ihn bejogen werden. ”).. Daher muͤſſen hie Vorſtel⸗ ‚lungen wahr fein, fie müffen fih.anf den Gegenſtand he⸗ jieben, und zwar fo, daß ſie denſelben von allen anbern unterſcheiden. Dieſes iR aber wicht cher maglich, als bis alle Merkmale, weiche dem Gegenſtande eigenthuͤmlich find, und wodurch er ich von allen andern Gegenſtaͤn⸗ * in läßt, zum Bemußrfehe gebracht worden > u” In jeber Erkenntniß werden mit dem Gegenſtarde diejenigen Vorſtellungen verbunden, welche: ihm als Merkmale zukommen. ‚Gne Vorſtellung mit ber. andern verbinken Heißt, uetheileg.”).: Keine, Erkenntuiß kann . baber ohne Urtheile (d054) fein, aber ein Urtheil iſt noch -$eine Erkenntniß. Denn die Urtheile Sonnen chen fo wohl falſch, als wahr fein: . Wenn man vhne ſich eims Grundes bewußt zu fein urtheilet, fo hat. man:nur eine ‚ Meinung, welche veraͤnderlich und wanbelbar.fein Kann. Auch die richkigften Meinungen find nur Blinhs fie find .sben das, was blinde Wegweiſer, weiche und auf den richtigen Weg fishren, ob fie gleich den ‚richtigen eben fo wenig. als den falfchen Fennen ”) Za dem Urtheil muß alfo noch etwas hinzufommen, wodurch es erfl Er⸗ kenntniß wird, und dieſes ift bie Herleitung aus einem ‘ Srnude (Aaron arruc), wodurch fie erſt Feſtigkeit oder 4 Unwau⸗ 16) Thesetet. S. 198, 192, 193. 19) Sophifta, &. 231. Alsibiades I. ©. 0. >. Minen, e. Ki 20) Politicus, ©. 63. ". . a1). Sophifta, ©. 296. 22) Meno, ©. 383 - 386. - de ‚republica. VI, & 1. v Unwandelbarkait erlangen”). Dieter Grund If nichts anders als ber allgemeine Begrif, weicher die niedern Begriffe unter fich begreift, oder vielmehr das aligemei« ne Mertmal, welches aller benen Gegenſtaͤnden zukommt, welche unter jenem Begriffe fliehen. So lange man incht den allgemeinen Begriff von einem Gegenftande geſunden . hat, fo lange iſt es auch umvermeidlich, daß man in den tus ereten Begriffen und Urtheilen hin und her ſchtocniken, einen ronereten Fall Bald unter dieſes bald unter jenes Urtheil ſubſumiren, d. h. nur meinen muß. Die Mies ſchen muͤſſen ſo lange in ihten Urtheilen aber das, wis in ben einzelnen Fallen recht ober unrecht AR, ſchwanken und undiakg ‚fein, als der allgemeine oberfie Begkif von ber Gerechtigkeit noch nicht gefunden iſt *). Alſo gehb⸗ ven zu her Ekemitniß +) Begriffe, 2) Be, 3) Prin⸗ eipe, ober ſolche Güte, welche die Syntheſis der Wr- ſtellungen in Ben Sägen beſtiumen. Und ba es hoͤhete und niebere Printipe giebt, fo. man in ber Erkernt⸗ niß auf einen oberſten Gruud zu konimen fuchen, veicher leinen andern hoͤhern voraubſezt. Die Erfindung de ſealben iſt die Sranze des Erkennbarin, und le erhebt bie Erkenntniß zur Wiſſeuſchaft, in dem ſtrengſten Siune ). MWiſſenſchaft iſt Ekenntniß aus dem oberſten Vrincip Cexr⸗) und fege bie Zergliederung eines allgemeinen Be⸗ griffes An ſeine Merkmale und Arten vordus, um Die Verbindung ber Borftelungen in dem Urtheilen nach dein allgemtinen Begriffe oder Princip vollſtaͤndig beftiniimen gu koͤnnen . | 5 . Um din vollſtaͤndigen Begrif von Wiffenfehaft, Wie ee in der Platoniſchen Philoſophie beſtimmt worden 23) Meno, ©. 385. 24) de reßublic. V. 64, 65, 57, 98. | | 25) de republica VI. ©. 124. de republica VII, ©. 265, 6 166, 26) Sophifte, ©, 274, w75. Pollüicus, ©, 63. ! — 473 m Voch 'genaner Tennch zu lernen, maͤſſen wir udch den Gegenſtand unterſuchtn, welchen er zu einer Wiffenfehaft Höhe. Meinung und Wiſſenſchaft find von einander weſentlich verſchleden. Eine Meinung iſt mancherlkri Wirdnbtrungen aucheſegt, die Wiſſeuſchaft underaider Uch; jene, kann falſch ſein, und widerlegt werden, dieſe iſt allzeit wahr und unwiderlegbar. Much durch den Grad vom Deutlichtete und Coiden; (wagirun) unterſchei⸗ Vet ſich die Weſenſchaft von der Mehnung -”). Dieſes -füßret ganz natürlich; auf der Schluß, daß der Gegen⸗ Rand der einem von dem Gegenflande der :anbern verſchie⸗ Ben fein muͤſſe. Dee Gegenſtand der Wiſſruſchaft IR das Beharrliche, Underaͤnderliche, was keinem Wechfel der Beſtimungen verſchieden Hl (ro der nn warn drug urn); das Mbfolüte (70 m) ober dab Weſen eines Din⸗ ges (un). Das heßt, das Aligemeine, das durch Ver⸗ wine gedachte, nicht Onpfindbareiiew) 9. Der Ge⸗ geuftand der Meinung iſt das Veränderliche, was bald fo, bdaid anders IM, werhſelt/ vn einem Dinge entſtehet md wieder vergehet, mas durch die Sinnlichkeit ud den Verſtand zugleich vorgeſtellt (angeſchauet) title. "(udyrn). Es iſt zwar etwas Witkliches, aberweil ks nicht behnerlich If; ſo kann mun eben fo wenig ſagek, es iR, als es If nicht; es ſtehet zwiſchon dem, was r nicht iſt, und dem Abſoluten mitten inne Cr ar ia o)”). Durch bie Sinnlichktit entſtehen Vorſtelungen vBoan Unzelnen "Objekten imb ihren Veruͤndereingen,“ In welchen niches Bleibendes angetroffen wird. Der Vir⸗ Kand verbindet den Stoff diefer Vorſtcaungen, und er⸗ . #5 denußt 2) de republica V. G. —* Ue republica VI. G.⁊aʒ. de republica VII. ©. 4 38) Timaeus, ©. 348. ie ep V- ©. 60, 69. de re- publica VII, @. 166. Theset. & 9) Timacus, ©. 348. de via 6.%:6 Theser. . 24t — ⸗22 — zeugt dadurch Bigeiff, welche auf die Bepenfidnde r ‚zogen werben. Asch in diefen kommt noch nicht Unver- aͤnderliches vor, in fo fern der Stoff derfelben etwas ift, das an:ben Objekten wechſelt. Um das Weraͤnder⸗ liche von bem Unveraͤnderlichen zu rennen, muß ber Ber- ſtand nur dasjenige verbinden, was nicht wechſelt, oder :in allem Wechſel bleibt, d. &. ‚die unveränbderlichen Be⸗ ſtimmungen, unten welchen tin Gegenſtand nicht auge⸗ ſchauet, nur gebacht wird ") Die veraͤnderlichen Be⸗ ſtimmungen nennt tt ro wu, die unveraͤnderlichen ve =”). Indem alfo der, Verſtand nur die, unveraͤnderli⸗ cchen Beftimmungen-sufammenfaßt, in Begriffe vereiniges, und auf einen Gegenſtand heſiehet, fo entſtehet dadurch ‚der Begrif eines Objektes, welches nicht angeſchauet, ſondern nur gedacht wird, mit lauter Beſtimmungen ge» dacht wird, welche in der Zeit nicht wechſeln. Diefe durch die Yermmft deukbaren, abſoluten Gegenſtaͤnde und ihre Beſtinmmungen, ſtud die vorn, Welche Plato für. die eigentlichen Gegenſtaͤnde ber Wiſſenſchaft hielt. Die Urſache davon iſt leicht einzuſehen. Analy⸗ ſis iſt nur moͤglich, wo eine Syntheſis vorgegangen ie Was ber Verſtand verbunden bat, das kaun er auch mie⸗ der aufloͤſen und in ſeine Merkmale zergliedern. Hierin beſtand aber, wie wir vorher geſehen haben, das Wiſſen, ‚und die Wiſſenſchaft in einer vollendeten Analyſts, d. h. anus einem Begrif, der keinen hoͤhern uͤber ſich erkennet, das IR, aus: einem Princip,. welches nur eine Idee ſein kann. Aus eben dem Grunde wird das , und das ‚or ua, un en, von den Gegenſtaͤuden der Wiſſenſchaft auge geſchloſſen. Was durch den Verſtand verbunden wor⸗ den ift, das hat auch eben dadurch Realität; ob eine ob⸗ jektide ober nur Subjeftine, wird hier noch nicht eutſchie⸗ den. Das Nichts, was gang und gar nicht ift, If 30) Theseretr, ©. 141.14 31) Epiſtol. VII. G. 132, 133% — 935 — webet ein Gegenſtand der Sinne, noch des Verſtanbes; weil aller zu verbindende Stoff fehlet, ſo iſt kein einziges ꝝoſitives Urtheil von ihm möglich °). . Dasjenige am Erſcheinungen, was nur durch bie Cmpfigbung gegeben wird, beruhet auf der Form ber Zeit, iſt veraͤnderlich. Die anſchaulichen Präbicate werben daher bald. in deu Begrif des Objektes aufgenommen, bald davon auge gefchtoffen, bald .fo Bald andere mit demſelben verbun⸗ ven (m za: un cd). Ihre Syntheſis beruhet auf ber Er⸗ fahrung, daher hamen fie nicht als Merkmale aus ei⸗ en Begrif abgeleitet werden ”). Dieſes ber Ge⸗ genftand ver Wiffenfehaft, wird auch Dad Wahre (nıa- 2) geneunt ). Wahrheit iſt die Nebereinkimmung eies Praͤdicates wit femem Subjekte, beruhet alſo ‘auf einem Urcheil, kann nur gehacht- werden ). Daher leuchtet Die Pdentitaͤt des Denkbaren und baden, nk dem Wahn ein.. Da der Gegenſtaud der Wiſſenſchaft gan; verſchie⸗ den iſt von dem Gegenſtende der Meinung, fs muß man auch, um die Mäslinhächs ber einen und Ber andern zu er⸗ Hären, ein zweiſaches Vermoͤgen anuehmen, weiche er ruht dem Nahmen ewicun UND Dog begeichnet ”°). Plato ‚uuterfcheidet das ſtunliche Vorſtellungsvernroͤgen und Vas Denkvermoͤgen, Verſtand und Vernunft (doka, voncie). Die Pernunft iſt ihm aber das eigentliche Vermogen der Wiſſenſchaft, weil fie allein nach dem Unbedingten ‚ober Abſoluten ſtrebet, ba der Berftand Hingegen ri de Bevingten vo bleibet MM), Weber dieſe Einthei⸗ lung 3% vepublica V. e 59, 60, 63, 6. Sophie, e 2434 ER Fr republic. V. & 63,6. 34) Philebus, ©. 306. . 35) Sophifts, ©. 294, 295. . 37) de ‚epublica VI. ®. 125. de ie roh. VI. G. 166, J — 136 — Iung werben mehtere Erläuterungen in bem erſten Seite der Platoniſchen Philoſophie uwrfommen. See Kınif und Wiffenfchaft wird ber Idee nach als chwus Ganzes, VBoliſtaͤndiges, Unveraͤnderliches und unwidertegtares betrachtet ). Alſo piſammen: Wiſſenſchaft imſtremgſten Otnne ft ‚die foftematifche Erkenntniß dus Abfolliten, (Urderunden Achen, Unbebingsen) aus Vernunftbegrifftn, in weiterer Bedeutung iſt ſie die Erkenntuiß bed Unvet aͤnderlichen nicht aus unbedingten Gruͤnden dee Bernunft, ſondern aus a VDingten des Verſtandes (Iusin)”). Hiermit Habkır wie anch deu vegrif der Philo ſophie gtfuinben; denn Wiffen ſhuft Im ſtrengſten Sinne und Philoſophie iſt eins ). Die vollſtaͤndige Aualyſis und Syntheſts eines Begtiffec, Vber die voltſtaͤndige Entwickelang Anee Begriſſes im Neine Merkmale und untern: Begriffe, das Aufſttixen won niedern zu hoͤhern Begriffen und bie Herleitung beor o⸗ »fondern aus bem Allgemeinen Beilit Denken, "uud bie Wiſſenſchaft, welche die Regeln davon entwickelt, iſt dhe Denkwiſſenſchaft XXX& Die iſt die reinſte und Arengſte Wiſſenſchaft, und ber unveränderlichiie Charaͤl⸗ ter bes Philoſophen *). Wiſſenſchaft iſt die Jorm ber Mhiloſophie und im fo fern mit ihr einerlei; dem Wine Anterſcheidet Hierin bie Borm und ben Stoff ver Hhikofe- sphifhen Wiſſenſchaften noch nicht genug. Wen aräh Dee Begeif ber Philoſophie noch licht beſtimut genug IR, m hat ſich doch Plato dutch Bas Wahre, welches er cine Hält, and vorzuͤglich Kirch die Auczelchnung dei Form Derfelben, ein unftreitiged Verdienſt um alle nachfolgende Arbeiten der Denker und um bie Phlloſophie a er⸗ 38) de republica I, ©. 17, ri. ‚ de republica V. ©“. 39) de republica VI, ©. 165. ' 40) Definitiones, ©. 295. 41) Philebus, ®. 220, 303. Politicds, ©, 63. Söpkifta, ©, 274, 375. Werepublic v1, G. 165, 166, — 1377 — werben. Nachdem in dieſem Begriffe. die weſtutliche Form der Philoſophie aufgeſtellt worden war, fo wurde jenen ahile ſophiſchen Kopfe fein Geſchaͤft, die Wiſſenſchaft bes Vothwendigen und Abſoluten im Gauzen oben einzel⸗ nen Theilen zu hearbeiten, außerordentlich erleichtert, weil er den. Begrif als einen Kompaß anſehen konnte, welcher ihn bei feinen Unrerſuchungen leitete. Plaeto druͤckt ſich in Anſehung des Begrifs der Vhiloſophie nicht immer anf dieſe Art aus, weil er fein fleng wiſſenſchaftliches Buch über die Philoſephie fchriehn und fiine Gedanken oft in eine bildliche Siprache einklei⸗ dete. Ale verſchiedenen Ausdrücke laſſen ſich aber ſehr leicht auf jenen Begrif zuruͤckfüͤhren. Die Philoſophie, fagt er einmal, iſt ber Uebergang ber Seele aug einem dunkeln verfinfietten Tage in; einen hellem, in welchem men dad, was ift, erkennen fan”). Er vergleichet uehrulich den Zuſtaud eines Menſchen, der ohne Erkeunt⸗ wiß vorziglich der Betlichen Gegenſtaͤnde beftändig von: ſchwankenden Meinungen. berumgetrieben. wird, mit ei⸗ mu Schlafe oder Traunsee”). Die Philoſophie nerbueiz set Durch die Deutliche Entwicktlung her. Ideen gleichfam Tag über die dunkelſten Gegenßaͤnde, fit iſt das innere Neht des Geiſtes. — Pbiloſophie iſt die Richtung best @elften Seiflespbermoͤgens auf.bie Betrachtung des Beſten in der Natur N). Das edelſte Vermoͤgen des Menſchen if die. Vernunft, bas Goͤttliche in. uns; das Beſte in ber: Dass. if. die Gottheit, das vollkommſte Weſen, die abe ſalate Urſecht der. Welt. — Sie if endlich die Bildung, Der. Seele durch bie Vernunft, und in fo fern dieſe die Reuntniß der Vermögen und Kräfte ber Seele voraus- fegt, 42) de republica VII, ©. 141. Yuxuc wegiayayı u wugreer- vog Trap Hyäggag Tu wer zugn: ammeder. 43) de republica V. ©. 53, 59. 3— VII. ©, 163. awmaye,g va Bairıra.w TEE TO TE REITE, 0 Tag Di Spar. . — 238 — fest, diefe Erkenntniß ſelbſt, vorzuͤglich des ebelſten Ver⸗ moͤgens, der Vernunft, und das iſt Selöfterfennniß*). Wir kennen nichts vortreflicheres als die Vernunft In ihrem theoretifchen und prafcifchen Gebrauche, und das Urbild derſelben die Gottheit. Sie iſt das oberfie Ber: mögen, welchem alles übrige als Mittel und Werkjeug untertoorfen id; fie macht ben vorzuͤglichſten Theil unfer® Selbſt aus. Durch die Erkenntniß diefes Vermögens werben wir erft in Stand gefest, uns ſelbſt Feunen gu lernen, unfere Unvollkommenheiten und Vollkommenhei⸗ sen einzufehen, und uns zweckmaͤßig auszubilden. Da die Phitofophie die Wiſſenſchaft in den fireng» ſten Sinne ift, fo bat fie auch eben den Gegenfland, nehmlich das durch. Vernunft benfbare, Abfolute und Unveraͤnderliche. Diefes Abſolute ift graͤnzenlos, auffeine Zeit eingefchränft; es begreift alle Weſen *). Hieraus entfpringt der Begrif von einem abſoluten Ganzen, einer Zotalitdt oder Univerſum. Daher nennt er den Gegen⸗ ſtand der Philoſophie auch ve inev nus way Sur ra na are Jenene 7, Das legte beziehet ch wahrſcheinlich auf die Gefege der Sittlichleit, woburdh die Menfchen, als vernünftige Wefen, zu einem Reiche ber Freiheit vereinigee werben *). Unter bem erfien kann man die Natur vers fieben, welche von ber Gottheit durch die Einheit des Zweckes zu einem barmonirenden Ganzen eingerichtee worden iſt *). — : Die Philofophte beſchaͤftiget fich mit dem Allgemeinen. - Sie unterfucht nicht, was dieſer oder jener Mrenfch fei, .fendern was der Menſch Aber» wre . . haupt 45) Definit. &. 498. awınarsıa Jura mera Anya 0094. Al- cıbiad. I. ©. 54, 65, 66. 46) de republica VI, &.73. Iwwgıa warreg zemu, wur de weine. : x 47) Ebendaſ. Otan vergleihe damit Ariftocles bei dem Eufe- bus Praeparat. Euangelic. X1. 3. 48) Politicus, &. 114, 115. de republice I. G. 198, 199. 49) Timaeus, ©. 336, 337, 385. N — 239 un‘ | Banpt kei, und was ihm vermoͤge dieſer Natur gu thun and zu leiden zukomme. Sie eroͤrtert nicht bad Recht and Unrecht in einzelnen Faͤllen, ſondern uͤberhaupt, was Gerechtigkeit und Ungerechtigleit ſei, und die Merkmale; wodurch ſich das eine-von dem andern und allen übrigen anterfcheidet. Ob biefer oder jener Menſch gluͤckfelig Ri, zehet ihr nichts an, aber bie Unlerſuchung uͤber die menſchliche Gluͤckſeligkeit üͤüberhaupt, worin fie beſtehe, ‚ and wie ſie erlanget werde ). — Die wichtigſten Ge⸗ genſtaͤnde der Philoſophie find die zcuuars.. Bei einigen Dingen laſſen fich ihre Merkmale fehr leicht durch bie Anfchauung ohne Zergliederung eines Begriffes finden. Denfenigen, welcher Kenntniß von einem dieſer Gegen» fände verlanget, kann man unmittelbar auf benfelben derweiſen. Nicht fo ift es bei den wichtigften und wuͤr⸗ Digfien Gegenſtaͤnben. Es giebt von Ihnen Fein voͤllig eutfprechendes Bild oder Abdruck für die Menfchen, keine Anſchauung, welche ben Fragenden und Forſchenden bee friedigende Erfenntniß geben koͤnnte. Sie koͤnnen nur einzig und allein durch Das Denfen (durch bie Entwicke⸗ Jung ber Begriffe) deutlich gemacht werden ”). Sie find Aberhaupt dadjenige, was den Innern Erſcheinungen, vor⸗ zäglich den moralifchen, zum Grunde liegt, die Seele mie Ihren Kräften und Wirkungen *). Diefe aeuuaru, twebe- che auch unter bean Rahmen audy und wogura vorkonte men, find alfo nichts anders als die beufbaren Gegen» ſtaͤnde, melche von denen ber äußern Anſchauuns unter⸗ ſchieden werden rent 30) Theattet ©. 117.220, 51) Politicus, &. 84, 65. rec d’av Kyımeig Bor Mai Tınıara- Ta un es sıdanroy uöey wpoc Trug dpmmur ugyaspevov svap- us, 5 dugderroc, vr Tu wurdavenenn Von 0 Auropereg BNORANGUGMI, WERE Tay — XVV Ina; winpucs. - 52) Sophiſta, ©. 261. 53) Phaedo, ©. #79, 130. Theaetet. & 76. Sophifte, G. 361. ‘ — 240 — Hieraus läßt ſich ber Umfang feiner Phileſophae beſtimmen. Die Graͤnze der Denfbarkeit beſtimmt auch die Graͤnze derſelhen. Alles was ein Gegenſtand für de, Berftand und bie Vernunft ifl, gehoͤret in ben Umfang der; Platoniſchen Philofophie. Da er den Begriff derſel⸗ hen in der Unterfischung und ſyſtematiſchen Ausfuͤhrung des Abſoluten oder Unbedingten feste, fo würde ex. ing Stande geweſen fein, ihr ganzes Gebiet mit vollſtaͤndi⸗ ger Bezeichnung ihrer. Grängen zu beftinmen, tvenn en den Inhalt des reinen Verſtandes deutlich erlannt hätte, welcher ber Vernunft ihren Stoff darbietet. Aber chen deswegen, weil ihm biefe Einficht fehlte, konnte er zwar die Graͤnzen der Philoſophie, weiche das Abfolue denk⸗ bare beſtimmet, aber nicht: dag, tung innerhalb den Grit“ gen lieget, ober ihr Gebiet abzeichnen. Unterdeſſen war doch dieſe Graͤnzbeſtimmung ein Gewinn für bie Philoſo⸗ phie. Das Feld, welches innerhalb denſelben einge⸗ ſchloſſen war, wurde von ihm und des folgenden Phuͤe⸗ ſfephen immer mehr angebauet und fultivieret, big bie ‚ Seitifche Philoſophie dad ganze Gebiet volpdudig ausge⸗ meſſen hat. Aus dem angeführten Grunde darf man and feine vollſtaͤndige Fintheilung der Yhllofophie von dem Plato erwarten. Wenn man den Berichten altee Schriftfickien glauben darf, fo fonberte Plato noch nicht einmal das Beld der formalen, der theoretifchen und praftifchen Phi⸗ loſophie von einender ab, fonbern Arifloteled und Zeno⸗ krates nahmen zuerſt diefe Scheibung ver ’*). Diefe Bemerkung hat in fo fern feine Richtigkeit, daß man in ben Platonifchen Schriften Feine ſolche firenge Abſonde⸗ rung bisfer Theile der Philofophie wahrnimmt, ald man bei dem Ariſtoteles findet, ob fich gleich Plato mit Unter ſuchungen aus allen biefen Sheilen beſchaͤftigte. Da aber $4). Sextug Rpitic. aduerꝭ Mathemasic VI, 16: | ) aber alle feine Schriften gewiffermaffen al® eroterifihe " angefehen werden Finnen, fo Bleibt es noch immer un. ausgemacht, ob er nicht in dem mündlichen Vortrage ber Philoſophie ihre Theile abgefondert, und wiſſentſchaftli⸗ cher behandelt habe, als es in feinen Schriften gefchehen HM. Es ſchrint mit fogar wahrſcheinlich, baß er bie Lehrfäge der Philofophie nach der Berfchiebenheit der Gegenſtaͤnde in befondere Faͤcher georbnet Babe, und zwar aus folgenden Gründen. Erſtlich kommen auch in feinen Schriften fihon deutliche Spuren von der wife ſeuſchaftlichen Trennung ber Theile der Yhilofophie vor, wie ich hernach weitldufiger zeigen merbe. eitens. Der Gang ber wiſſenſchaftlichen Kultur der Philoſophie leitete ſchon ganz natuͤrlich auf die Unterſcheldung der drei Theile. Vor Sokrqtes war die Phlloſephie faſt durchaus ſpeculativiſch; Sokrates lenkte den Unterſu⸗ chungsgeiſt auf das Praktiſche, Plato endlich fing puerſt an die Geſche des Denkens zu erforſchen). Judem ex alſo die ſpeculative und praktiſche Philoſophie mit einem neuen Zweige bereicherte, fo war es eine natuͤrliche Folge, Daß er das ganze wiſſenſchaftliche Gebiet der Philoſophit in drei große Abtheilungen ſcheiden mußte. Es gehoͤr⸗ fe dazu ein fo geringer Grad von Scharffinn, daß ich mir feine Urfache denken fann, warum feinem philofos ' phiſchen Geiſte fo etwas entgangen fein ſollte. Drittens. Der Umſtand, daß zwei Schüler von ihm zu gleichen Zeit biefe Abfonberung wirklich vornahmen, fcheint mie der obigen Bermuthung noch mehr Gewicht zu geben. - Ariſtoteles wuͤrde zwar auch für fich verudge feines Ihflensap uſchen Kopfes auf biefe Einthetlung geführt worden - kin. Wein wenn ein Maun wie Kenofrated, der an philofophifchens Beifte dem Ariftoteles fo weit nachſtehet, sbenfalis. den Inhalt ber Philoſophie Im drei Theile ab⸗ fondert 4 55) Diogenes Laert, III, u — 242 — ſondert, wie Sextus berichtet ‚, fo-fann ich mir dieſen Umſtand nur dadurch erflären,. daß ihnen beiden ihr ge⸗ meinfchaftlicher Lehrer vorgegangen war. Endlich ha⸗ ben wir auch ein ausdruͤckliches Zeugniß für biefe Bes - hauptung, von dem Ariſtocles, einem peripatetifchen Dhilofophen des zweiten Jahrhunderts *). Ich geftche gerne, daß jeber non den angeführten Gründe allein betrachtet, noch mancherlei Einwendungen zuläßt, und ‚einen ‚großen Grad von Waprfcheinlichkeit giebt; aber ſammenhang und die Verbindung aller dreie gießt de ermuthung ein fo großes Gericht, daß fie für eine hiſtoriſche Wahrſcheinlichkeit gelten kann. Zejt will ich nun die hiſtoriſchen Belege aus feinen Schriften beibringen, aus welchen erhellet, daß er wahre ſcheinlich die Philoſophle in drei Theile abgetheilet habe. Da ſeine Unterſuchungen zuerſt und vorzüglich auf die Entdeckung eines Princips der Sittlichkeit abzielten, wie ich in dem erſten Abſchnitt gezeigt habe, fo war ed wohl ſehr natürlich, daß er alle die Fragen und die Mefultate, welche fi) auf diefen Gegenfland bezogen, zuſammen⸗ ſtellte und in ein Ganses. brachte, d. h. als eine eigne phifofophifche Wiſſenſchaft behandelte, zumal da biefer Theil der Philofophie das größte Intereſſe für ihn hatte, und ihn fein ganzes Leben’ beſchaͤftigte. Nun finden wir aud) wieflich die praftifche Philoſophie unter einem eig« nen Rahmen’ und ale eine befondere Wiſſenſchaft bezeich⸗ flet. Er nennt fie am gemößntichften die Wiſſenſchaft des Beften (orıruun vu Bear) 7), die Wiffenfchaft bes Guten und Boͤſen (J awıruun weg To eyader zaı vo na ao”); Praftifche Vernunft oder Erkenntniß ber Geſche der Praktiſchen Vernunft, —XRX und win ſchlecht⸗ 6) Bufebius ; Braeparee Buangel X 3 57) Alcibiad. II. ©. 90, ↄ1. 58) Charmid. ©. 151, 315% - —— * — 77 — ſchlechthin *), Weisheit was). Sie iſt Die Wiſſen⸗ ſchaft von dem, was geſchehen und nicht geſchehen ſoll *); die Wiſſenſchaſt von dem Rechthandein oder ber ſittlichen Handlungsweiſe ); die Wiſſenſchaft, welche uns den hoͤchſten Zweck lehret ); ober welche unterrichtet, tie die Menſchen beſchaffen fein muͤſſen, wornach fie ſtreben ſollen, und wie fie dieſes realifiren Können ); eine Wiffenfchaft, weiche Einheit, Ord⸗ nung und Uebereinſtimmung in alle Wirkungen ber Seele, in alle Handlungen und Neben der Menſchen Bringet °); die Wiſſenſchaft ber menfchlichen Gluͤck⸗ feligkeit °°); die Wiſſenſchaft von der Kultur und Ausbildung der Seele ”). Alle diefe verfchiedenen Nahmen und Erklaͤrungen beziehen ſich auf einen einzigen Segenftand, auf eine Wiffenfchaft, melche bie hoͤchſten Geſetze der Handlungen und den oberfien Zweck für bie Beſtrebungen zum Gegenſtande hat; alſo bag Abfolute In dem Praftifchen. Diefe-Wifenfchaft erhält man dadurch, daß man bie reinen und’ höchften Begriffe Hon dem, was gut, ſchoͤn und fittlich iſt, auffuchet, au Ihrem Grunde ableitet, und burch die analytiſche und ſyn⸗ shetifche Entwidelung ihre mannichfaltige Anwendung geiget ®). Ans biefer Darſtellung ergiebt ſich augen» fcheinlich, daß Plato die praftifche Philoſophie als einen " Da beſon⸗ LE} ! % . 59) Defnyigiones, 6, 288. 60) Thesererug, ©. 122. 61) Definition. _©. 298. diadsee un” iv namenir Ds mu . " rıov zaı rı wedarre. Alcıbiädes II. ©. $t. “ 62) 3 arıa vw ogdee wrarrın. Etchydemus. ©. 46. 6) Kerhydenms. ©. 4. wi ehuzarann vo wen aM enden: vurp, 6 wo. . F 64) Getgias, G. 39, ı87. Alcibiad. 1, 34. 65) Gorgias, ©. 123.126. 66) Charmides, ©. 150, 151. . 62) Gasgies, ©. 118. Aleibindes, 1. ©. 55, 36. 68) de republica VII, 167. de epublica V. & 37. 58, 64 \ / beſondern Sei von den bcigen abfonderte, und ale eine eigne Wiffenfchaft &rarbeltere. j Die ganze peaktifche Philoſophie faßt er auch unter dem Nahnien aorrıny jufamımen, und verfichet Darunter . bie Wiffenfchaft, welche das Beſte der Seele, d. h. bie ‚ firtliche Kultur zum Gegenflande Hat. Die Beſtim⸗ mung dee Gefehe und Regeln bes Handelns, md die Dischpin, ober Die Möthigung der Seele durch Strafmittel zu dei verlaſſenen Bahn ber Sittlichkeit zu⸗ räctzufehren, find ihre beiden Theile. Jene neunt er yauoferixg, Biefe Imaiosuny. Sie entſprechen dem, was win Ethit umd Asceritf nennen ”). Der Nahme vorrmg iſt miche gut gewählt, weil man barıstter eigentlich die Binmwendung der Geſetze der Bernunft auf die Regierung eines Staates, alſo einm Theil der angetvandten Mo» ral verfichet. Es wird daher auch bald in einem weit⸗ läufigern, balb in einem engern Sinne genommen, und begreift in jene Falle Die reine Moral, in biefem aber die Anwendung berfelben auf bie buͤrgerliche Geſell ſchaftꝰ). Denn Plato glaubte, daß in allen Berhält- niſſen, .die nehmlichen unveränderlichen moralifchen Grundbegriffe ſtatt finden, und daß bie Sercchtigfeit in ber Reglerung eines Staates, und die Rechtſchaffenheit eines einzelnen Menſchen nach einerlei Grundſaͤtzen beur⸗ theilet werde. Von dieſer Wiffenſchaft des Guten oder Beften muß eine andere, die Wiffenfchaft des Guten (arm ru ay29u) fehr wohl unterfchieden werben, welche Bois Ppeculativer Art iſt. Die Vernunft ſtrebt nach dem Un⸗ bedingten; dieſes zu erkennen, iſt der Zweck der Philoſo⸗ phie als Wiſſenſchaft in dem ſtrengſten Sinne. Der Verſtand forſcht bei jeder Wirkung, nach einer Urſache, welche 69) Gorgias, ©. 40. 70) Dehnit. S. 293. #odrıny —* nur un Oruager- ei BRICHEE Bot Öunaavunge BU MEAN — 245 — welche wieder eine andere Urſache vorangfejt; bie Ver⸗ uunft denkt ſich aber eine abſolute Urſache, welche, ohne bedingt zu fein, die Bedingung von allem andern iſt, um, das Geschäft des Nerftandes zu vollenden. Die Ver numft if die Duelle der Erkenntniß und der Sittlichkeit, des edelſten, welches wir Zeunen und beügen. Aber: woher die Vernunft in dem Menſchen? Sin der ganzen Natur bemerkt man Ordnung, Megelmäßigfeit und: Zweckmaͤßigkeit, welche wie nur von einem Vernunft⸗ weſen ableiten fernen. Woher diefe, da fie feine Folge von ber menſchlichen Bernunft Tein fann? Die Vernunft: wird alfo auf ein Wefen geleitet, welches ber oberfte Grund von der Vernunft in dem Menſchen und der Bere. nunftmäßigfeit in der Natur iſt. Dieſes Weſen nennt, nun Plato das (hoͤchſte) Gut ri ayadır ; es ift bie erſte Urfache, welche feine weiter vorausſezt. Die höchfte Wiſſenſchaft iR es, durch Begriffe zur Erkeuntniß Dice ſes Weſens hinauf, und von demfelben gu dem Bedingten berabpufigen ”). Da biefed MWefen Fein anderes als. die Gottheit IR, die Urfache von allem Guten und Zweck. mäßigen, was in der Welt angetroffen wird, fo ift dieſe eben angeführte Wiffenfchaft unfere Metaphyſik, deren Bestes Ziel Die Theologie if, Je nachdem die Vernunft _ entweder von dem Bedingten zu dem Unbediugten hinauf, - ober von ber oberften Bedingung zu dem Bedingten ber» abfeiget, entfichen zwei Wiffenfchaften, nebmlich in je⸗ nem Falle die Wiſſenſchaft der erften abfoluten Ur- ſache, in diefem die seleologifche Welcbesrachtung in Berhältnif der oberſten Sutelligenzs von ber leztern machte er einen Verſuch in dem Timaͤus. 23° Die 71) de republica VI. @. 112-124. VII. G. 133. ha urxe-⸗ TU MVUrOdETH Wr TYP TU TRITOG EX a, Ayajzsvo: aurue, warlv BU EXDOUEVOG rν EREIYNE ELOENEN, Ura; 084 TEAUTW sarafßamyı. ©, 124. — 56 — Die erſte Wiſſenſchaft nenne Plato die allerhoͤchfte Miſſenſchaft, indem fie das Feld des Intelligiblen bes graͤnzt, worin ihm Ariſtoteles, der fie sog: nennt, hei⸗ ſtimmet ”®). Die Betrachtung der Natur, als Inbegrif aller Erfcheinungen, kann auf eine geboppelte Art und aus ei⸗ nem zweifachen Geſichtspunkte angeftelle' werben, in fo fern es zweierlei Urfachen giebt, Natururfachen und Endurſachen. Die erften find bedingt, fie wirken mit Naturnothwendigkeit, ohne an ſich bie Kauffalität einer Bernunft vorauszuſetzen; biefe beruhen auf ber Kauffa- Utaͤt einer Vernunft, welche nach Zwecken handelt. Jene nennt Plate die erfien Urfachen ober bad Gdttliche, dieſe Die zweiten Urfachen (nehmlich dem ange nach) oder auch das Nothivendige ”). Ye nachdem man nach den Natururſachen ober den Endurſachen der Erfcheinungen in der Welt forfchet, entfichen baraus zwei verfchiedene Wiffenfchaften, welche Plato mit feinem hefondern Nah⸗ men benennet hat, fie entfprechen aber unferer Phnfif und ber Teleologie. Die erſte hielt Plato, wie es fcheint, für feine firenge Wiffenfchaft. Denn fie muf etwas Ge⸗ gebenes; annehmen, und als Princip brauchen, welches es body nicht ift, weil niemanb angeben fann, was Feuer, Waffer u. f. m. eigentlich fel; und dann befchäfe tiget fie ſich mit Erfcheinungen, bie beftändig mechfeln ’*). Indem er bemerkte, wie fehr verfchieden die Altern Phy⸗ fifer die Exfcheinungen erflärt hatten, fo glaubte ex, baß ſich auf dem Wege der Vernunft vieheicht mehr Ge⸗ | ' wißheit 72) de republica VI. ©. 119, 120 de republic. VI, ©. 233, 167. Ariftotel. Echicor. Accom. VI, 7. Metaphy- ſic. UI, L. . 75) Temacus, ©. 337. vo ds ws ums erıryuye sgaryy ayayay Tac TnG auhpovas Pussakc mirıng wegwrac eralumnın. sem ds Ur’ Mrv ev nivuneen, drsen 3’ af avayaıc KUyEaN ie _ yyerraı, devreguc woyssov. ©. 336, 339, 385. 74) Tinmeus, ©. 340. Philebus, G. 305, 306. — 247 — | wißheit finden laffe, als auf dem Wege des Verſtandes und ſuchte die Natur von einer erſten verſtaͤndigen Ur⸗ ſache nach Zwecken abzuleiten *), Sokrates war ihm ſchon in der Betrachtung der Natur nach Endzwecken vorgegangen; er verfolgte dieſen Weg weiter, und berei⸗ cherte die Philoſophie mit einer neuen Wiſſenſchaft. In Anfehung des Gegenſtandes, womit fich- bie Phyſiologie beſchaͤftiget, theilt fie ſich in zwei Haupt⸗ zweige. Man unterſuchet nehmlich entweder die Natur der lebenden empfindenden und vernuͤnftigen Weſen — ſychologie, oder die unbelebte todte Natur — Phy⸗ k. Aber keine von beiden kann vollſtaͤndig uph befriedi⸗ gend abgehandelt werden, ohne die andere mit zu Huͤlfe zu nehmen. Alſo ſetzen beide eine Wiſſenſchaft von F Natur überhaupt, als einem Ganzen voraus 7). ift alfo ſehr mwahrfcheinlish, daB Plato die —* | von ber Metaphyſik unterfchieden, jene in die allgemeine - Phyſiologie, diefe aber wiederum in die Pfychologie und Phyſik und zwar aus einem geboppelten Sefichtspunfte, ans teleologifchen und phnfifchen Grundſaͤtzen eingetheie let babe, wenn er fie auch gleich nicht alle mit gleichem Intereſſe bearbeitet hat. Am klaͤrſten zeigt ſich das obige Reſultat im Anſe hung des dritten Theiles der Philoſophie, der Logik, oder wie ſie Plato nennt, Dialektik. Keine Wiſſenſchaft kann dieſer entbehren, weil jebe derſelben die Gruͤnde von etwas durch deutliche Entwickelung und Herleitung der Begriffe aus einem hoͤchſten Begriffe angeben muß. Die Unentbehrlichkeit der Begriffe, erkennen, nicht er⸗ kennen, wiſſen, nicht wiſſen, welche in jeder Unterſu⸗ chung vorkommen, machte ihn zuerſt auf die Nothwen⸗ digkeit einer deutlichen Entwickelung dieſer Begriffe auf⸗ Q4 merkſam 75) Phaedo, S. 231+ 224. 76) Phaedrus, ©. 370 372. ’ —248 —. wrerkſam ”). Ohne Verbindung ber Vorſtellungen in ein Bemußtfein iſt Feine Sprache, Fein Urtheilen und Denten, und alfo auch größtentheild Keine Philofophie möglich. Weil aber eben ſowohl Vorſtellungen zuſam⸗ mengefaßt werden können, welche zuſammen gehören, als welche nicht zuſammen gehören, wodurch eine Rede, ein Urtheil wahr ober falfch werden kann, ſo iſt biejenige Wiſſenſchaft von dem größten Werth, welche bie Moͤg⸗ lichkeit und Nothwendigkeit der Verbindung ber Vor⸗ ſtellungen zeigt — und diefeß iſt die Dialektik ”*). Sie lehret aus dem Gemeinfamen mehrerer Vorſtellungen - allgemeine oder Sattungsbegriffe, und aus dem Bere ſchiedenen Begriffe von ben Arte Bilden; fle zeiget, wie ein Begrif mit. dem andern sufammenhänge, oder von bemfelben getrennt werden, und wie man etwas aus hoͤhern Begriffen ableiten,d. h. einen Grund angeben müffe”). Eie IR alſo die Wiffenfchaft des Denkens, jeder wiſſentſchaftli⸗ chen Sprache, (diareysda:) und ber Form aller Wiffenfchaf- ten’”). Plato verfichert, daß die älsern Philofophen bie Res geln von der Bildung der allgemeinen Begriffeund der Ein theilungen noch nicht deutlich erfannt haben"). Alſo iſt Plato eigentlich der erfte Philoſoph, der die formale Phi⸗ Iofophie ober bie Logik mwiffenfchaftlicher Bearbeitet hat; ohne ihn würde wahrſcheinlich Ariſtoteles nicht in Stande geweſen fein, fie ihrer Vollendung fo nahe zu bringen. Plato zeichnete alfo brei Wiſſenſchaften aus, welche er für die wichtigfien, erhabenſten und er U u kt. 77) Theaetet. ©, 166. 78) Sophifte. ©, 374, 238. U 79) Sophiſta. ©, 274, 275. ra neuem dnasa Jvraraı xa.öRy (4, Ikupıvam nara yivac amıracdeı. de republica VI, ©. 165,167. Phileb. ©. sı9, 220. Politicus, @. 63, 80) Philebus, ©, 303, 304. Phaedo, ©. 214. Charmides, S.. 142, 143, 147. x 8) Sophifia, ©. 304. Philebus, ©. 220. Politicus, ©. ı 6> — 449 — haͤut. Die eine befchlftiger ſich mit dem Denken, die: andere mit der Erkenntniß ber Gegenftänbe, vorzüglich des allerhoͤchſten Weſens; bie dritte mit dem Hanbeln.. Alle dreie find ber ſtrengſten twiffenfchaftlichen Form fän. big; alle dreie ſind Wirkungen ber Vernunft, welche.‘ das Abfoluse und Unbedingte in allen brei verfchiedenen Rücfichten ſuchet, nehmlich abfolute Brumdfäge des, Denfens, ein abfolutes Welen in dem ganzen Um⸗ fang des Erfennens, abfelute Grundregeln für das Folglich ſtellte er durch die drei Wiffenfchafe ten die wichtigften Probleme ber Philefophie auf, und erwarb fich ein Verdienſt um biefelbe, welches nur durch das, fie befriedigend aufgeldßt zu haben, uͤberwogen werden. konnte, wenn er auch felbft zu dieſer Aufloͤſung ‚gar r beigetragen haben ſollte. — Es iR noch die Frage zu beantworten übrig: Welche Verbindung und Zufannumbang unter diefen drei Theilen Plato angenommen babe? An fich find fie (dem durch das Vernunftvermoͤgen, welches fie aufgegen ben Hatte, und allein gu Stande bringt, unter einanber verbunden. Aber ed gicht noch eine andere Verbindung, Die Moral if die allerwichtigſte und für jeden Menſchen unentbehrlichſte Wiſſtuſchaft. Die Begriffe und Urtheile son dem was gut, Ättlich und gerecht if, haben keinen Gegenfiand, welcher durch aͤußere Anſchauung erkannt würbe, ſondern fie beziehen ſich auf etwas blos Geiſti⸗ ges, Ideales (vaa⸗o). Es iſt daher von den wich⸗ tigſten Folgen fuͤr die Menſchheit, daß ſie zu dentlichen Begriffen erhoben und durch vollſtaͤndige Beſtimmung ib ner Merkmale von allen andern unterſchieden werden, oder mit andern Worten, daß man ſie unter Principien in eine Wiſſenſchaft zuſammenfaſſe "). Keine Wiffenfchaft iſt aber möglich, ohne Kenntniß der Geſetze des Denen b. h. D 5 Dialet 22) —E 64, 65. Dialeftil. Die Verbindung dieſer Wilfenfchaft mit ber Moral iſt alfo einleuchtnd. — Zweitens bie Moral ſtellt ein deal von moralifcher Vollkommenheit auf, welches in Feiner wirklichen Erfahrung angetroffen wird, und die menfchliche Natur weit überfleiget. Die Ver⸗ nunft 'aber enthält auch eine Idee von einem Weſen, welches dem Ideale vollkommen entſpricht — ber Gottheit. Das Beſtreben ber Menſchen, immer ſittlicher zu werden, wozu ſie durch ihre Vernunft verpflichtet find, iſt alfg eigentlich ein Streben, der Gottheit aͤhn⸗ lich zu werden ®). Die Moral fezt alfo die Wiffen⸗ ſchaft von: ber Idee der Gottheit voraus. Ohne biefe iſt nicht einmal eine volftändige Erfenntniß von ber Sittlichkeit möglich, indem durch jene Wiffenfchaft bie Sittlichkeit erſt als das hoͤchſte Gut erfcheine *. Der Gedanke, daß die Menſchen eine vollkommene Sittlich⸗ keit in dieſem Leben nicht erreichen koͤnnen, gu welcher fie - doch unbedingt verpflichtet find, nöthigte bie Vernunft, ein kuͤnftiges Leben anzunehmen, und bie Unfterblichfelt, welche mie dem Intereſſe ber Sittlichfelt in einem deutli chern Zuſammenhang, als bis dahin, erfchien, durch objektive Gründe zu beweiſen ®). Hierdurch wurde bie Phyſiologie in Verbindung mit der Moral gefezt, welche Dlato noch durch ein andered Band verfnüpfte. Die Betrachtung ber Natur außer ung leitet auf die Nach⸗ forfchung eine® Principg der Ordnung und Regelmaͤßig⸗ keit, ober bee Gottheit Hin, in ihr liegt alfo der erfte Ynreis und Veranlaffung zur Philoſophie ). Die Bes merfung bed regelmäßigen Ganges ber Natur und ihrer Zweckmaͤßigkeit hat auch vielfältigen Einfluß auf bie ' geiftige " 93) Thesetet. ©, 121, ras. 84) .de republica VI. G. 113, 114. 85) Phaedo, ©. 150,152, 184, 190, 192. Epinomis, G. .337, 27% 86) Timaeus, ©. 338. — 451 — N - geiftige und fittliche Bildung des Menfchen, wenn er ſich beſtrebt, feine Gedanken und Handlungen nach jenem Mufter in voßfommene Harmonie und gefegmäßigen Zus fammenhang zu bringen 9). Die Sittenlehre ift alſo die höchfte Wiffenfchaft; um ihrer willen find alle andere nothwendig; fie iſt das Band, welches fie alle mit ſich und unter einander verbindet. Eben fo wie die Vernunft durch Geſetzmaͤßigkeit oder Sittlichkeit alle Borftelungen, Gefühle, Beftrebungen und Hand» lungen der Menfchen in zweckmaͤßige Harmonie und Eins heit bringet, eben fo vereiniget fie durch die Beziehung auf Sittlichkeit, und ihr großes Intereſſe alle Wiſſen⸗ ſchaften und Zweige der Kenntniffe in ein geordnetes Ganze 9. | | | Die mathematifchen Wiffenfchaften ſchloß Pla⸗ 10, Wie wir oben gegeigt haben, aus dem Umfange ber Philoſophie aus, und zwar aus einem gedoppelten Grun _ de; Erfilich, weil fie der Anſchauung nicht entbehren Finnen, da hingegen die philofophifchen Wiffenfchaften durch Begriffe zu Stande gebracht werben. runter fcheibet hier aber eine dußere und imere Anfchauung, 3. 3. von einem Cirkel, Quadrat, Durchmeffer. Jene giebt nur das Bild, jene enchält das Schema, welches Durch jenes dargeftelle wird. — Cine Unterfcheidung, welche durch die Entdeckung der Formen der Sinnlichkeit ihre vollkommene Beftdtigung erhalten hat”). Zwei⸗ end, es fehlee dieſen Miffenfchaften an einem oberſten Princip, ohne welches ‚fie auf twiffenfchaftliche Erkennt⸗ niß im firengften Sinne feinen Anſpruch machen können. Die Mathematiker nehmen. die Begriffe von Gleih und Ungleich 27) Timaeus, ©. 338, 432, 433. | Ä 88) Gorgias, ©. 76+78, 123-137. Politicus, &. 103 «106. yavım dsıv srırgersvucav agxu Zunaasa vu army. Als cibiades 1]. &: 89» 94. | 9) de sepublica VJ, &. 123. Epiftola VI, &. 131. . N ‘ Ungleich, Figuren, Winkels u. f. to. an, ohne fie weiter zu erklären, yob entwickeln aus biefen eine ganze Reihe von Solgefägen ). Go mußte freilich ber Philoſoph uxtheilen, ber noch feinen Begeif von der Form ber: . Sinnlichkeit und ber reinen Anfchanung hatte, von wel⸗ chen der Verfiand ben. Stoff zu jenen Begriffen erhält. — Aber widerfpricht ſich nicht Plato ſelbſt, wenn er an einem andern Drte behauptet, bie Künfte befämen nur burch bie Verbindung mit Mathematik eine wiſſen⸗ ſchaftliche Form? Muß nicht Mathematik dem zu Folge ſelbſt Wiſſenſchaft fein? dafür Hält fe auch Plato, aber nur in einem gewiſſen Sinne in fo fern fie in einer Reihe von Schlüffen beſtehet, welche durch gewiſſe Grund⸗ Begriffe Infanımenbang befommt, if die Mathematik voiftenfchaftlich; in fo ferne aber die Grundbegriffe ſelbſt Heine weitere Entwickelung ihrer Merkmale zulaſſen, de⸗ ven fie doch bedürfen, fehlt ihr das vorzäglichfte Erfoder- wiß einer Wiffenfchaft, ein Princip. Wenn alfo gleich die mathematifchen Wiſſenſchaf⸗ sen felbf feinen Theil der Philoſophie ausmachen, fo ſte⸗ ben fie doch mit derfelben in einem fehr genauen Zufam- menhange, und machen gleichfam die Propädeutif des - Philoſophen aus. Sie werben felbft durch die Thaͤtig⸗ Seit des Verſtandes, einer Art des Denkens, zu Stande gebracht, uud erhalten dadurch eine Art von Verwandt⸗ ſchaft mit der Philofophie, welche auf Bernunft, einer andern Art de Denkens, beruhet. Sie befdrdern ferner auch das Denken in einem-boben Grade durch die Ucbung des Verſtandes und burch maunichfaltigen Anlaß zu neuen Unterfachungen”). _ Wegen biefer Verbindung und dei. Einfluffes auf die Bildung bes: philofophifchen Seiſtes, welchen Plato von ben mathematifchen Wilfen- ſchaften erwartete, wird ed an biefem Drte nicht un» v zweck⸗ 90) de republica VI. ©. 122. 9ı) de sepublica VII. 6 161, 163. ©. 141. J zweckmaͤßig fein, fo kurz als möglich anzugeben, was Plato von dem Begrif, Inhalt, Behandlung und Ein⸗ fiuß jeder derſelben im Beſonderen geſagt hat. \ Die Arithmerif it die Wilfenfchaft des Gleichen und Ungleichen, wie viel jedes ift, d. h. bie Wiſſenſchafe, die Summe bed Eimartigen (der Zahl) an fich oder in Verhaͤltniß zu beſtimmen *). Gemeine Beute zählen bir Einheiten von fehr verſchiedenen (konkreten) Dingen, ale zwei Heere, zwei Thiere. In ber wiſſenſchaftlichen Wlato nennt fie auch Die philofophifche) wird alles kon⸗ krete abgeſondert, fie beſtimmt nur die Viekheit des Ein⸗ artigen, Mannichfaltigen ( Schemdte der Größe) ohne Nuͤckſtcht auf das Mannichfaltige, welches zuſammenge⸗ foßt wird, zu nehmen. Es giebt alfo eine gemeine und eine wiffenfchaftliche Arichmetit ). Sie if entweder rein, oder angewandt auf Flaͤchen, und die Geſchwin⸗ Bigfeit der Beroegung *). Ihr Nuten in dem gemeinen Beben, in allen Geſchaͤften und Kuͤnſten iſt augenſcheintich Wenn fie aber nicht allein zu Zwecken des gemeinen Le⸗ bene, als des Gewerbes, fondern auch um ihrer ſelbſt willen als Wiffenfchaft geübt wird, fo hat fie einen eine ſchiebenen Einfluß auf die Bildung ded Geiſtes. Denn fle uͤbt den Verſtand, indem fit ihm zu großen Anſtrem gungen in dem Denken anreigt. Daher kommen auch Diejenigen, weiche von Ratur Aulagen und F dazu beſttzen, in allen andern Wiſſenſchaften leichtere und beſſer fort. Sie gewoͤhnt den Geiſt, fich über das Sinnliche zu erheben, und von allem Sontreten zu abe flrahiren, — denn felbft eine Einheit kann nur gedacht nicht angefehanet werden, — und iſt in fo fern eins Voruͤbung zum m phlleſephieren £ 2 Dit 93) Protagoras, ©. 182. Görgis, ©. 12, 18, 19, 93) Philebus, ©. 301. _ ' 94) Politicus, ©. 93, 94. . 95) de republ. VII. G. 143: 151. Bpimomis, @. 245, 270,073, Die Geometrie if bie Wiffeufchaft, die Groͤße in den Graͤnzen ber Ausdehnung (des Raum erfüllenden, sıpau) d. h. in den Figuren zu beflimmen. Sie bat es nicht mit Dingen zu than, welche entſtehen und vergeben, {andern der Gegenſtand, deffen Erkenntniß fie ifl, iſt et⸗ was Inveränberliches (etwas inneres, deſſen Grund uud Beſchaffenheit aber Platv noch nicht beſtimmt genug erkennen konnte). Deswegen fchärft fie nicht weniger ale die Arithmetik die Fertigkeit zum Denfen, und reise ben menfchlichen Geiſt feinen Blick aufwaͤrts zu richten, und nicht blos au bem Sinulichen zu fleben. Zur Betrache tung der Natur find beide Wiffenfchaften unentbehrlich. Viele Künfte und Geſchaͤfte koͤnnen Ihrer nicht encbehren. Damit aber-die Seametrie jene wohlthaͤtige Wirkungen ‚auf die Bildung des Geiſtes aͤußere, muß fie aud reinem Intereſſe und wiſſenſchaftlich getrieben werden. - Denn 18. giebt auch eine gemeine, mechanifche Geometrie (Feld⸗ meſſung). Plato bediente fich ihrer vorzüglich bay, um den Sag „der Menſch nimmt fein Wiffen aus fich felbR, "aber es giebt gewiffe nicht empiriſche Erfenntnifie, an⸗ chaulich zu beweiſen ). | » Den Uebergang von der Geometrie sur Aſtronomie ſollte die Wiftenfehaft von Ausmeflung der Körper ‚(Stereometeie) machen, allein fie var, wie Plato fagt, noch nicht erfunden ”). Die Aftronomie betrachtet - Körper, in fo fern fie in Bewegung find, aber nicht mit Den Augen des Koͤrpers fondern des Verſtandes. Gig erforſcht nicht bie ſcheinbare Groͤße und Bewegung, ſon⸗ dern die wirkliche nad) allen ihren Verhaͤltniſſen und Bes siehungen auf, Ordnung und Harnionie, welches nicht anders als durch Schlüffe und den Gebrauch der Arithe ‚meit und Geomerrie gefchehen Fann. Die Beobachtung | ber 96) Meno, ©, 339. de legibus VIk, ©. 385. .Epinomiz, ©. 270. de republica VII. ©. 151,134 1: 92) de,reppblica VII, „©. 155- .ı ) — 255 — der ſchonſten Oidanung und Harmonie des Himmels fuͤhret unmittelbar zu der Idee einer hoͤchſten Vernunft, als Urbeberin derfelben. Wenn bie Aftronomie auf die: fe Weife und zu biefem. Zweck fiubieret wird, fo erhebt fie den Geiſt von dem Irdiſchen zum Himmliſchen, d. h. fie uͤbt und ſtaͤrkt die Thaͤtigkeit ber Vernunft ”*) Die Bewegung giebt auch Stoff zu 8* andern Wiſſenſchaften, 5. 3. zur Muſik und Harmonik. Sie ift die Miffenfchaft von den Verhaͤltniſſen der Töne in Anfehung der Zeit und der Bewegung. Wenn fie eine wiſſenſchaftliche Form bekommen fol, fo muß fie nicht ‚blog die Ver haͤltniſſe, welche in den hoͤrbaren Toͤnen und Attorden angetroffen werben, zählen und meſſen, wie bisher gefchehen ift, fondern alles dieſes nur als Stoff zu ber Unterfuchung : welche Verhaͤltniſſe find. harmonilchy welche nicht, und welches iſt der Grund dabon, auſehen und behandeln. In dieſer Geſtalt wird ſie zur Unter⸗ —* des Schoͤnen und Guten von großem Nutze ein Platos umfaſſender Geiſt leuchtet aus biefen Aeuße⸗ zungen unwiderſorechlich hervor. Er beobachtete fchz richtig den Einfluß diefer Wiffenfchaften auf die Bele⸗ bung, Uebung und Staͤrkung des denfenden Seife, aber er bemerkte auch eben fo ſcharfſinnig, daß, ine dem fie das Denkvermoͤgen bilden, fie eben diefelbt wohlthaͤtige Wirfung guräckerhalten, und zu Geiſtes werken geformet werden. Daher weiſt er ſie immer auf das Vorſtellungsvermoͤgen, als ihren Urſprung, und Die einzige Quelle ihrer Vervollkommung zurüd. Ed . wuͤrde lächerlich fein, fagt er, menn ein Geometer geo⸗ .metrifche Siguren, welche von einem berühmten Künfiler gemahlt oder ausgearbeitet find, nicht ‚etwa F Kun "98)- de republica VI, ©. 156.139. Epinomis, ©. 270. | de legib. XII. ©. 229. 99) de republica VII, &. 160, 161. Philebus, & 309, 3W# ! — 256 chen. Kunſtwerke loben, ſonbern auch mit aller Aufmerkſam⸗ keit betrachten wollte, um, was Gleichheit und die Zahl⸗ verhaͤltuiſſe an ſich ſeien, von ihnen zu lernen ). Sei es auch, daß der Irrthum, als wenn‘ wir durch das Denken dem Weſen der Dinge an ſich näher kommen koͤnnten, bier feine Rolle mitfpielet, fo iſt er doch dadurch mohlthätig geworden, daß er auf bie wahre Duelle aller reinen Erkenntniß aufmerkfam gemacht bat. Jezt iſt es Zeit, noch einen allgemeinen Blick auf feine Philoſophie zu werfen, um ihre Fotm und eigen« thuͤmlichen Charakter fennen zu lernen. Wir haben ge- jeigt, daß fle nach ber Idee, welche ſich Plato von ihr gebildet Hatte, Vernunftwiſſenſchaft fein fol, d. 5. Er⸗ Tenntniß aus Princhpien, daß ihr Gegenſtand das Unbe⸗ dingte, Unveränderfiche, Nothwendige fel, und daß ſte ihr ſyſtematiſches Gebaͤnde nur durch Befolgung der Ge⸗ ſetze des Denkens gu Stande bringen koͤnne. Wir finden bieſe Merkmale vielleicht auch bei dem dorhergegangenen Philoſophien, aber bemerken auch einen betraͤchtlichen Unterſchied. Die Vernunft hatte von jeher nach einer ſolchen Wiffenfchaft geſtrebt, und die ältern Philoſophen hatten alle ihre Bemuͤhungen auf dieſen Punkt gerichtet, weil fie durch das unaufhaltbare Streben der in ihnen wirkenden Vernunft dad Beduͤrfniß derſelben empfanden. Allein fie konnten ſich ſelbſt nicht eigentlich ſtrenge Re⸗ chenſchaft geben, was dieſe Wiſſenſchaft fei, worin fle beftche, was fie für einen Zweck babe und wie fle zu Stande zu bringen ſei. Ihr Geiſt arbeitete mehr nach einem bunfeln Gefühle, als nach deutlichen Begriffen, nach einem Ziele, ohne beutliches Bewußtſein deffelben, ohne beſtimmte Negeln bed Verfahrene. Da Plato, fo viel wir wiſſen, der erfle war, ber burch einen mehr ent« wickelten Begrif von der Philofophie ihr den Weg vor⸗ De elchnete, 100) tde republica VII, ©. 158. - — 4597 — zeichnete, welcher fie zu ihrem Ziele führen ſollte, fo if feine Philoſophie auch die erfie, welche nach deutlich ge⸗ dachten Grundfägen verfuhr, oder eine Methode bes folgte. : Und biefes ift ber erſte eigenthuͤmliche Charakter berfelben. “ Die Philoſophie fol’ das Unveränberliche und Nothwendige erfennen. Die befondere Art und Weife, durch welche, wie Plato überjeuge war, fie nur allein dieſes allgemeine Probſem aufldfen Einnte, macht das ztvelte charakteriſtiſche Merkmal derfelden aus. Er hatte ſich überzeugt; daß diefe Erkenntniß aus Feiner andern‘ "QDuchke als aus der unſers Bewußtſeins abgeleitet werden Könnt, und daß alſo dag Unverdnderliche in ung ſelbſt aufgeſucht werden müfe. Da die Behauptungen ber’ Weiſen fo verſchieden, fo entgegengeſezt und widerſpre⸗ chend wären, fo ſchloß er daraus, daf'nian über ſolche GSegenftaͤnde noch nichts mwiffe. Denn das Wiffen ſchließe ame Uneinigfeit aus. Auf diefe Bemerkung hatten viele‘ Sophiſten ihren Skepticismus geſtuͤzt. Wenn es feine: Wiſſenſchaft giebt, ſo kann man von einem Gegenſtand auch nichts Gewiſſes ausmachen. Daraus folgt alſo, daß eine Behauptung nicht weniger wahr iſt, als die ihr entgegengeftzte. Ueberhaupt glaubten einige, fel jede Unterſtichung, es ſei uͤber welchen Gegenftand «8 immer wolle, unnißgich. Denn wiffe nian etwas von bemfel» bin, fo-fei Die Unterfuchutig-überfläffig; wiſſe man aber nichts, fo fei fie nicht möglich. Gegen biefe Behauptung, mir welcher die Moͤglichkeit aller Philoſophle verſchwand, ſtich zu? derwahten, ſahe Plato nur ein einziges Mittel, Daß Ya aehmlich annehme, daß es eine angebohrne Er⸗ fersatnif gebe, welche jeder aus ſich ſelbſt ſchoͤpfen koͤnne, odrr daß’ bi reine. Bogriffe und Saͤtze gebe, welche von’ der Erfahrung unabhängig fein. Denn alsdann bebürfe es nur einer dußern Beranlafung, damit bie Seele fich diefe Begriffe und Saͤtze zum Bewußtſein bringe, und nur einer Reflexion auf ſich felbR, um fle in dieſer Eigen * 2 fihafe ſchaft zu erfennen. Der Unterfuchungsgeift werde durch ‚nichts mehr aufgemuntert, als durch die Meglichkeit, fichere Erfenntnißgründe und zwar in ſich ſelbſt zu fin» den) j Auf der andern Seite überzeugte ihn ein unwider⸗ fiehliches Gefühl, daß «8 eine Erkenntniß und Wiffen- fchaft geben muͤſſe. Die Uebergeugung fittlich zu hans deln, kündigte fich mit einer folchen Nothwendigkeit an, daß fie durch Feine Einwendung, durch feine Vernuͤnftelei unterdrüft werden koͤnnte. Diefe einzige Wahrheit welche unerſchuͤtterlich ſtehen bleibe, wenn auch alled übrige, was für wahr gegolten hat, widerleget werben follte, iſt Buͤrge dafür, daß es eine gewiſſe Erkenntniß und Wiſſenſchaft geben muͤſſe). Die ganze Mathe matik gab ihn merfwürdige Beifpiele von ganz evidenten Saͤtzen, welche jeder ohne Belehrung aus feinem eignen — entwickeln koͤnne“). Wie viel lag wicht im inte einzigen Beobachtung von ber Art, wie viel Stof zu den wichtigſten Unterfuchungen, wie viel Auffchluß über bie Natur des Erkenntnißvermoͤgens? Ob er gleich Die wichtigen Reſultate, twelche fich daran herleiten lies fen, noch nicht ahnden, viel weniger felbft verfolgen fonnte, fo machte ihn doch das Nachdenken über dieſes Kaftum auf ein Vermögen in uns aufmerffam, woraus alle Vorſtellungen und Erkenntniſſe zulezt entſpringen, und worin die Gruͤnde aller Ueberzeugung und Gewißheit angetroffen werden muͤſſen. Plato gewann alſo dadurch einen ganz neuen Ge⸗ ſichtspunkt fuͤr alle ſeine Forſchungen, und uͤberhaupt fuͤr alle Aufgaben der Philoſophie. Er wollte nicht von den Gegenſtaͤnden erfahren, was ſie an ſich ſind, ſon⸗ dern in dem Vorſtellendem die Merkmale finden, unter | ‚welchen för) Meno, ©. 349: 351, 361, « 103) Gorgias, ©. 172. 103) Meno, ©. 353. 360. — 259 — welchen ſie vorgeſtellt werden muͤſſen. Er wollte nicht unkerſuchen, was die Dinge an ſich, ſendern mas. fie für ine, für das Vorſtellende find. Diefes war un. freitig der richtige Sefichtspunft für die Philoſophie, aber er wurde Dadurch wieder verfälfche, daß Plato nicht zwi⸗ ſchen dem Dinge, In fo fern es vorgeſtellt wird, dem Bor geftelten und dem Dinge, das nicht vorgeſtellt werden kann, dem Dinge an fich, unterſchied, und nach der da« mahligen Lage der Dinge, nicht unterfcheiden fonnte. Woher e8 aber kam, daß fich Plato biefen Ge⸗ ſichtspunkt wählte, iſt eben nicht ſchwer zu begreifen. Bern man fragt, was iſt ein Ding, fo will man weiter nichts wiſſen, als die Merkmale, welche man mit eineng Subjekte verbindet, oder verbinden muß. Die Berbin« dung eines Merkmals mit feinem Subjekt if ein Urtheil. Durch Urtheile, und in wie fern Urtheile aus Begriffen beftchen, durch Begriffe beftimmen wir die Frage: mag ein Ding fe. Die Vorftellungen, welche aus dem finn« lichen Stoffe erzeugt werden, geben feine unveränders lichen Merkmale von den Gegenftänden ab, weil fie, in fo fern fie angefchauet werden, in ihren Beſtimmungen immer wechſeln. Durch finnliche Vorſtellungen und aus ihnen erzeugte Begriffe Fann man alfo nicht die Frage: was ein Ding fei, beantworten, fondern nur was ed in einer beflimmten Zeit fei. Nun enthält aber jene Frage unſtreitig eine höhere Anforderung, nehmlich die Bes FKimmung ber Merkmale, toelche einem Dinge nicht in einer belichigen Zeit, fonderh unveraͤnderlich zukommen. Wenn alfo über das Wefen der Dinge etwas ausge⸗ macht werden. fol, fo muß es eine andere Art von Bes griffen geben, welche nicht auf Erfahrung (zum wenige - Ken ihrem Inhalte nach) beruhen. Und diefe giebt es wirklich, nehmilich die angebornen, welche fich in jeber Seele urfprünglich finden. Ohne fie läßt fich fein Ge⸗ genſtand Denken, und ſie kommen jebem derſelben unver⸗ aͤnderlich zu. Werden dleſe reinen Begriffe mit einem R2 Gegen⸗ ⁊ J = 28 = Gegenſtande vi bunden, fo.begt ip under taun , digen Feier A —F — DI keinem Wechſej a wird er ale cin om chen kr: 9% acht; in eigentliches eij oder Billa a *. nr ing, * Fra da hingegen, wenn eß mit dep. “ en bprgefefit wird, welche aus der Anfhayung « ? erden, ald.Crfcheia au m" wu [ ” mag if „nicht iſt) vorgeficlieh u dieſe Art laun ngn au) big Philoſophie ich, mehr Hofn fg machen, ihren. Bine, das limogrändere, lishe zu. erfennen, mis einem gläclgheen Erfolg, zu er-, zeichen. Ihre Ungerfürgun: r n fo leichter einen, guten Fortgang weil fi ir. es ven Dingen, fon, dern mit den Begriffen, vond ‚tan, ‚Bat, Die, ſes ſcheint mir der beingaſ zů ſein, welcher in allen ſeinen Unterfuchung toird,, Im, fo H \ gender Stelle wird, man i uutlich entdedtn · „da ich durch die, mißfunge x 1% nicht, FR AAZeſchrett wurde, bie Dinge ] n N ſo gio übte , „ich, ich müßte mich nur ai baß eg.n) He asbein fo ergebe, tie deren, Sonne bekeiner , „Verfinfterung by, bgchfen, "Drnn ı wenn, fie fie nicht, dag, Bild der Sonne 1m al x,ober ſouſt etwas beiracheem nfondetn in die Sonne | fe (sk. hlisten,, fo ee fie iuu· „weilen den Gebrauch, der Augen... Eben diefed (chmebte . „auch meinen. BSfmuůthe von an, 0 “ir in 204) In dem eerie Baer: mulu. amupen Ta 0vra Euren, Nah Diefer Letart if das folgente Beifpiel ga snafiedd- a nn pe 5 ekte felbk zw betrachten, m e er “ mödjte eben [4 don ihnen seh hen, Fo der mit fernen Augen ii die@&enne fpauet. Ich giaube Naher, - dab mann un are | Teen ehe, — in die aau sehen: dl “ Ken ıtelller Seete h —5 liſt zar verfinkirg 2 sierben, wenn ich ineine pda Telop auf bie Br „richtete e „Re Yielchfäm Ritt jedeim Sinne‘ ni delaften ANuchte. Bas Belle alfo, glaubte ich, toäre, ibenn ich „welte Ziftäihe wi dem Denten 4 üb ih ben Ber srl In nee it ber Dinge zu erfor ’ Wergteilhng A biedeich auf B —* hain pafnd. Deu kai E — are daß Berjet i : „näch Ihren Veg Serifin Behad, e Eh , Ztrachte, did derſenige we er die Dſchauet. Died it mein Cats. „tbeldjer mir don jtdem Dinge der , zfege ich allegeit zum Grunde, Li w MR „Begriffe überein zu ſtimmen ſcheint bas nehme ich € als eiwas Wahres und Wirkliched ah '”)., \ Da alfe, wit Plato glaubte, dad Wefen der Dig mit durch Begriffe, und vorzüglich Durch bie reiheh, an⸗ . gebotrieh, rennt werben laun und ber Berftanib Aber, hãupt, vorzüglich abet die Verhunft, das Ber ſgen iſt; bie Wahrhlit obtr das ob jettlive Geih der bſeite zu erkennen, ſo iſt ſeine PHilofoppie. intelleftlie und zwat veih intellettuel, ABer doch if einer Einfehränr. Ang. Bender uriterfättbet j jebe Vorftellung don bein egenftaitde, worauf fie — — toird. Bi Vertunft· Begriffe werden murt auch adf eintn Glgen and bejgen, unwd er wird dadurch erkannt (das Ding an ſich). Allein der Begtif iſt daher doch auch nicht das Ding an ſich ſelbſt, fondern nur. das, wvoburch er ertannt wird. Hierdurch gewann ſeine vblvſoeh dem Vortheil, daß fE vor dem Idealismus bewahret blieb, Indeih er die Dinge moht zu bloen Vorflelungen; machte... Er, hob deswegeii auch den Unterfchied zwiſchen förperlichen uud unförperlichen Dingen nicht auf, fondern verteidigte 83 : ihn 105). Phaedo, ©. 225, 226, ” ⸗ = 262 — hHn vielmehr gegen das materialiſtiſche und ſpiritnaliſti ſche Syſtem ). Zweitens behauptete cr auch nicht, daß der Vernunftbegrif das Weſen eines Dinges voll⸗ ſtaͤndig und vollfommen enthalte, ſondern nur, daß er fich demſelben am meiften und in der nächfien Entfernung nähere '”). Diefes folgte ſchon aus der Unterfcheibung zwiſchen den Begrif und bem Gegenſtande. Und dann erfennet die Vernunft nur dag Unveränderliche, welches nur allein dag Erfennbare ausmacht. Auf biefe Art wurde das Erfennen mit dem Den- Jen vermwechfelt, und dad Denfvermögen trat an bie Stelle und in die Rechte de Erfenntnißvermögens. Der Sag des Widerfpruchs wurde ber erfte Grundſatz nicht allein des Denfeng, fondern auch des Erkennens“). Der oberfte Sa feiner Philofophie laͤßt fich fo ausdruͤ⸗ den: Die Dinge an ſich werden durch den reinen - Berftand und Vernunft erkannt; durch die Sinn- lichkeit und den empirifhen Verſtand flellen wir ans nur Erfcheinungen vor. Die weitere Ausfuͤh⸗ zung babon fest die Begriffe von dem Vorſtellungsver⸗ ‚mögen voraus, und wird baber erft in bem zweiten Ban⸗ De vorfommn. Hieraus läßt fich ber alte Streit entfcheiden, ob Die PlatoniſchẽPhiloſophie dogmatiſch oder ſkeptiſch fi”). Sie ift unſtreitig dogmatiſch, und mußte es fein, weil fie fich auf den Sag ſtuͤtzet: bie Dinge an ſich find 306) Epiftel. vo, ©. 137, 132. Diefes ik es, wenn Arie - Msteleb faget, Plate babe die Ideen von ben Dingen ges rennt, wesen feiner größern Kenntniß ber logiſchen Befege. Methaphyfic. r, 6. ro av wu vo av naı vuc apıdung wage vs KERYBATR women na u cwep di Tlvdayepssı x: y Ten way sıaaywyy dm ray av vos Aoyoıs eysıro exslıw. XI], 4 207) Epiftol. VII, S. 131, 132. 209) Sextus Empiric, Hypotypof. Pyrrhos. 1, 33. Cicero Acad. Qu. IV, 5, 23- — 463 — | , find erkennbar durch Bas Vernunftvermoͤgen. Cie iſt es in dem beſtimmteſten Sinne des Wortes, weil fiedie Erfennbarfeit der Dinge an fich, ohne vorgängige Kricif des Vernunftvermoͤgens in dem metaphufifchen Gebrau⸗ he, annimmt und behaupte. Deswegen iſt aber . nicht alles, was In den Plasonifchen Schriften vorkommt, bogmatifch in der Bedeutung, baf er es für wirkliche Erfenntniß der Dinge 'affertorifch behauptet Habe. Denn Plato war zum Theil zu befcheiden, als daß er alle Säge, die für ihn ſubjektive Wahrheit hatten, auch fogleich all» gemeingültig haͤtte Halten follen. Er war voͤllig davon überzeugt, daß «8 dis Bernugft endlich einmal in Anſe⸗ bung der Gründe ber nothwendigſten Uebergengungen zur . Gewißheit bringen werde, hielt es aber auf ber andern Seite auch für möglich, ja für unvermeidlich, daß ſich die ſubjektive Vernunft eines jeden Menſchen in Anfehung ber Erfenntnißgründe irren und täufchen finne. Aus diefens Grunde munterte ew auch feine Schüler zur wie derholten Prüfung derjenigen Säge auf, aus weichen en _ einen Beweis abgeleitet hatte auch wenn fie von ihnen Übergeugt wären; warnte fie aber auch vor bem Fehler, welcher beider Prüfung der Wahrheiten, unb dem For⸗ ſchen nad) ihren Gründen das Gemuͤth fo leicht über fchleiche, daß man alle Schuld von der fehlgefchlagenen Erwartung auf die Beſchaffenheit ber Ueberzeugungen fehiebe, an ber Möglichkeit einer Erfenntniß zweifele, und zulezt ſelbſti das Vernunftvermoͤgen zu haften an⸗ fange ). u | \ Es iſt noch eine andere Urſache, welche und verbie set, alle Behauptungen, welche in feinen Schrifttn vor» dommin, für feine eignen bogmatifchen Lehrfäge zu hal⸗ ten. Einen großen Theil derfelben nimmt die Darſtel⸗ ſtellung und Widerlegung frember Meinungen ein; in feinen Widerlegungen werfährt er oft ffeptifch, er fest _ N 4 einer 110) Phacdo, ©. .205, 206, 243. ' — 264 zu einer Behauptung eine ambere entgegen, ohne bie eine oder die andere anzunehmen. Ueberhaupt treffen wir in feinen Schriften nicht feine vollſtaͤndige Philoſophie an, fondern nur Bruchſtuͤcke aus derfelben, und auch biefe wicht rein, fonderu mit vielem Zufaͤlligen vermifcht, und nach beſondern Ruͤckſichten auf Zeitumftände modificiret. Wir koͤnnen, nad) dem was in bem zweiten Theile dar⸗ "Über gefagt worben if, nicht anders fchließen, als daß wiir aus denfelben nur feine eroterifche Philoſaphie fen, wen. lernen. Es wird hier Der Drt feine eigige Worte über eine eſoteriſche Philoſophle zu fagen, fo viel ch daruͤbe nach einigen menigen Dasgg. vermuchen laͤßt. Daß er ein gemifleß philofophifdhed Sollem Hacke, welches er nur wenigen vertrauten Schülern wmittheilte, und das feine eigentlichen Ueberzeugungen enthielt, iſt ſchon aus den oben angeführten Btellen aus deyt zwei⸗ Sen und fiebenten Briefe Bar. Hierzu kommen noch) eis nige Stellen des Ariftoteled, deren wir oben erwaͤhnt heben. ©. 114. Den Inhalt Finnen wir nur muth⸗ waßlich beſtimmen. Aus dem zweiten Briefe erfahren wir fo viel, daß einelinterfuchung über die Hunıc vu weorw einen Theil der geheimen Philoſophie ausmachte. Dee Erſte it mahrfcheinlich das Weſen ber Wefen, bee pberſte Grund alles Denktbaren, deſſen Erfruntniß er ig dem ſechſten Buche ber Republik für bie oberſte Wien ſchaft hie. Da er an bie Frage von dem Weſen bee Sottheit gleigh bie Srage über ven Uefprung des Uebels anfüget, fo Läßt fich daraus fchließen, baß die geheime Vhiloſophie das Verhaͤltniß der Gottheit pur Belt unter» ſucht Habe. Ariſtoteles fähret einige Echrfäge von Dem Raume ober dem beharrlichen Subflrat ber Materie, und deu Elementen an. Alſo war fir wahrfcheinlich eine Me⸗ taphyfit oder Dusologie, eine Lehre über das Wefen der Dinge, und ihrem Zufammenbang aus Principien. Noch mehr Beſtaͤtigung erhälg dieſes durch eine Stelle des Simplichus, welche wir ©. ı 14 augefähret Po ] — a — Nach Vem Numenius bei dem Euſebinß enthielt die „ae . Heime Phllafophie auch feine Ucberzeugungen von ber Religion, welche nit dem -aberglänbiichen Religionsſp⸗ Kem des Volkes in Widerfprud) ſtanden. cn Nrifie sılas verfichert, daß late unterfucht habe, ob man ik «ua Jintafudhung ben Principien ang, oder zu Princi⸗ pien fort gehen müffe, fo kann man mit gusen Grunde gunehgun, paß ‚fing efgterifche Philoſophie ſich auch mit der formalen Philofophie befchäftiget habe"). Es ift mie daher wahrfcheinlich, daß er nicht weniger auch) von ber praftifchen Philofophie, um welcher willen doch die ganze Philofophle mar, und folglich von allen dreien Theilen derfelben in feinen efoterifchen Vorträgen oder Schriften gehandelt Habe, Fuͤr diefe Vermuthung ſcheint mir auch ein Fragment des Ariftocled, welches Euſebius erhalten bat zu fprechen"”). „Plato, fagt er, über: „ieugte fi, daß es nur eine und die nehniliche Wiffens „ſchaft fei, welche von den göttlichen und menſchlichen „Dingen handelte. Er theilte fie aber zuerft in drei „Theile. Ein Theil befchäftige ſich mit der Unterfas „hung über die Natur des Univerfums (Metaphyſik der „Natur) der zweite mit den menfchlichen Dingen (Prafs „tifche Philofophie) der dritte mit den Gefeken des Dem „kens (Logitk). Da der Menfch ein Theil des Uniher⸗ R5 i ſums . 2x) Ariftotel. Nieomach. 1, 4. su yap xaı Illaren wrogsı na 5 use, woregov ano TE mgXem ya Tag apyac sry ı 213) Eufebius Praeperer. Buangelic: XI, 3. Term Karo naravoyeac, dc um pm Tıc 4 ray Jay mau aIgerıven swıry- un, wewroc Isis, xas ady, vv Hav TIva TEL TG TU WAYTOG \ Qurenc ana TERYUATEIEV“ Tyv ds map Tay ayIpnmıray" TEITUW ds rap weugı Tue Aoyuc yEın da un duvasdaı Ta avSgerıva zar- dem yuar, oı au Ta Isa por 0pI9ııy. Man kann das mit vergleichen Phaedrus, &. 371. und de republica VI, - ©. 73. warrwrarov yag au epıngeroyın Yuxy MIAAUCH Tu (AU nm NaYrOg ası negeyacdas, Juni va na aYIgWENE — 266 — „ſums ſei, fo koͤme ber zweite Shell nicht erbentlich-abe , - „gehandelt merben, che. der erfte bearbeites ſei.“ Diefe Eintheilung der Philoſophie Haben wir zwar auch in ſei⸗ nen Schriften gefunden, aber fo beſtimmt und Flar kommt fie doch nicht vor. Es iſt alfo wahrfcheinlich, daß Ariftockes fie aus feiner eſoteriſchen Poilofopkje ge⸗ nommen hat. Man kann alſo annehmen, daß die eſoteriſche Phi⸗ loſophie ſein eigentliches philoſophiſches Syſtem in einer wiſſenſchaftlichern Form und Verbindung enthielt; daß in ſeinen Schriften viele Lehrſaͤtze derſelben wieder vor⸗ kommen, die aber doch nur einzelne abgeriſſene Stuͤcke find, denen oft der Zuſammenhang fehlet, und mit an⸗ dern Beftimmungen vorgetragen find, als fie in feinem - eigentlichen Spftem hatten, wie aus zwei Stellen des Ariſtoteles deutlich erhellt”). Sie Finnen nur da⸗ durch einige Verbindung erhalten, wenn man fie nach dem Zweck und dem oberfien Grundſatz, worüber wie doch aus feinen Schriften einige Kenntniß erlangen, verbindet und gnordnet. Dieſes wird eined von unſern “ Hauptgefchäften in ber Darfielung der Platonifchen Philoſophie ausmachen. , ı13) Ariftotel, Phyficor. IV, 2. de‘ generation et & orrupeio- ne II, 3 Dritter - 267 — Dritter Abſchnitt. Von den Quellen der Platoniſchen Philoſophie oder dem Verhaͤltniß derſelben zu den vorher⸗ gehenden philoſophiſchen Syſtemen. nn es ausgemacht iſt, daß alle Philoſophen, welche je ſelbſt gedacht haben, durch gewiſſe Zeitumſtaͤn⸗ de, durch herſchende Vorſtellungsarten und Maximen, Bald mehr bald weniger beſtimmt worben ſind, gewiſſe Gegenſtaͤnde in Unterſuchung zu nehmen; daß dieſe Fakta auch ſogar auch ben Geiſt des Denkers und auf die Art . iner Unterfahung mannichfaltigen Einfluß gehabt ha» ben: fo muß man unflreitig annehmen, daß die Plato⸗ niſche Philoſophie in einer Art von Verbindung und Verhaͤltniß mit ben vorhergehenden philoſophiſchen Ver⸗ fachen geftanden habt. Dieh if eine ausgemachte Sa⸗ che in- der Gefchichte der Philofophie. Allein über die Beſtimmung des Verhaͤltniſſes finde ich von den früheften Zeiten bis in bie neuern nur verworrene Begriffe, und wenige Berfische, mit gruͤndlicher Kenntniß und Wuͤrdi⸗ gutig der Philoſophie des Plato beſtimmt anzugeben, was er empfangen und was er ſelbſt zu feinem Syſtem hinzu⸗ getban habe. Man behauptete immer, daß Dlato einen Theil feines Syſtems aus ber Pythagoraͤiſchen und Elea⸗ tifchen, einen andern aus ber Heräclitifchen, und einen Dritten endlich aus der Sofratifchen genommen babe, - nd man Fieß ihm oft weiter fein Verdienſt, ale dieſe Drei Arten von Philoſophemen vereiniget zu haben '). Allein 1) Apuleius de Philofophia Socratis ©. 367. Dosen Laert. 111, $. Brucker Hiſtor. Crit. Pnllofopb. L ©. 6 665; j — 165 3 “ Allein fo wahr es auf der einen Seite iſt, daB die Pla⸗ tonifche Dhildfophie mit Den drei genannten eine gewiſſe Achnlichkeit Hat, eben fo gewiß ift es, daR fie fich eben fo fehr von allen diefen unterfcheibet. Es iſt daher nicht indglich, dag Verhaͤltniß dleſer Syſteme richtig zu beur⸗ cheilen, wenn man nur auf die Aehnlichkeit, tiicht aber zugleich auf bie Verſchiebenheit derſelben Ruͤckſicht nimmt. Mir werben alfo in dieſem Abſchnitte eine allge⸗ meine Betrachtung uͤber das Verhaͤltniß der Platoni⸗ ſchen Philoſophie zu den vorhergehenden Verſuchel dir philoſophiſchen Koͤpfe anſtellen. Die Beſtinmmung bee jenigen kehrſaͤtze, welche Platd von andern entweder uns veraͤndert angenommen, oder veraͤndert, writet ausdre fuͤhrt, entwickelt und aus Gruͤnden hergeleitet hat, ge⸗ hoͤrt nicht hieher, ſondern in die Darſtellung ſeiner Phi⸗ loſophie. Wenn dieſe Scheidung aber zuverlaͤßig ſein ſoll, ſo muß eine Vergleichung dieſer Syſteme uͤberhaupt vorausgehen, welche die Aehnlichkeit und Verſchledenheit im Allgemeinen augiebt. Damit wir aber wicht einſeitig oder nach Bloßen ſubjektiven Vorftellungsarten entfcheis den, muͤſſen wir einige Data, welche und alte Schrift ſteller angegeben haben, zum Srunde legen, und aus bie fen die Aehnlichkeit und Berfchicdenheit der Syſteme her⸗ leiten. Wir werden ‚dadurch in ben Stand gefezt wer⸗ ze zulezt einige allgunteine oenchcopratuꝛ angeben; 665. Meiners Geſchichte der Wiſſenſchaften zter B. S. 698. Die beiden leiten Schriftſteller betrachten die Plato⸗ niſche Philoſophie als ein Aggregat von derſchiedenen nicht vertraͤglichen ja’ ſogar widerſprechenden Soſtemru. Here Diedemann laͤßt dam Piato mehr Gerechtigkeit vieberſch⸗ ven. Geiſt der ſpeculativen Philoſophie ater B. ©. 65,66. In feinen argumentis dialogorum Platonis hat er zuerſt angefangen bei einzelnen Yehrfägen den Scheidepunkt zu bes merken, dis afıweichen Sie verberaeffänben Denker gekom⸗ men, und Aber nelchen Plate himauegegangen A ur ⸗ ans-malden.die Matoniſche Philoſoxhſe mit allen ver⸗ hergehenden Philoſophezmen verglichen werden kann. Wir fangen mit den Pythagoraiſchen Philoſo⸗ phie an. Aus ihr und der Elegtiſchen ſall Piato feine Metaphyſik genomm en haben. Vei dem erſten Anblickt erſcheinet auch eine fe gepße Aebnlicht eit zwiſchen beiden« . Daß man geneigt Wird, dieſc Behqupeumg fuͤr voͤllig gea gründe zu halten. Die Pyshagordifche ESchele forfebte. nach einem oberſten Grunde, aus welchem das Weſen und der Zuſammenhang der Dingereeikätgt. werben: tguntt, Ihre Kanntniſicin den · mathematiſchen Wiſſen⸗ ſchaften ugd die ſich jihnen aufbringende Bemerlkung, dafßß mir nichts alg lauter Verhaͤftniſſe an den aͤußern Gegen⸗ faͤnden erkennen kaͤnnen, führte fie: wahrſcheinlich auf: dag berühmte Zahlenſyſtem, woraus ſie die ganze Natur erflärten... Plato glazubte dieſes aus einem Syſtem von: Vernunfthegtiffen oder Idten thus zu innen. Das Zahlen ſyſtem der Puthagoraͤer und das Idetuſyſtem des⸗ Mato ſchanen/ aheg nick Sehr: von ainander unterſchie⸗ den zu ſein. In Deines wieb das Ginnkiche aus etwas Ueberfinnlichen erklaͤret, „bern. min duͤrfen wir auche Die Abweichungen. bejder van; einauder niche überfchen, :s welcha Ariſtattles any, baſti ‚aus: tinanber ‚gefegt -hatın Die Patoniſche Deilefapbis. Folgte.der. Pythogerdiſchen, abet ha: TR ‚Die Mihagoraͤer fagr;; tens Air, Dinge wären eine Nachahmung ber Zahlen; Plato Hingegen behauptete, die Dinge nähmen nur Theil an · den Zahlen: Jene lehrten. dit Dinge tokien did Zah⸗ len ſeldſt Plato aber trennte fie von finnlichen Gegen⸗ ſtaͤnden er ſejt Me außer denſelben. Paco, beſtimmte für, big maibematicchen Dinge (reinen. Anſchauungen) einen. mittlern. Platz zyaifchen den finnlichen Gegenſtaͤn⸗ Den (oder vieimehr wen empiriſchen Anfehattttigen‘) und dem Idern, indem fie ſich von jenen dadurch unterſchie⸗ bei, vaß ſte ewig hd ungeränderlic, von dieſen. aber, daß es mehrere Inpliche Rinzkisflunarn eines und aexſel- ben — ben Art gebe. Won jedem Dinge giebt es nur eine Idee An ſtatt ihrer unbeſtimmten Einheit feste er die Dyas, und mit ihrem Unbeſtimmten vertauſchte er das zu Gro⸗ BE und zu Kleine. Zu allen dieſen Veränderungen bes ſtimmte ihn feine größere Einficht in die Gefege bed Den- kens, welche jenen noch mangelte ’). Aus biefer Dar⸗ ſtellung ergiede ih 1), daß Plato die Pythagordiſchen Zahlenbegriffe von den Ideen unterfchied. Daher fichet auch Ariſtoteles die Ideenlehre als eine eigne Erfin- bung des Plato an. 2) Die Zahlen ber Pythagoraͤer find die Begriffe, welche aus den reinen Anfchauungen bed Raumes und der Zeit.erjenge werden. Die Ideen find aber die Vernunftbegriffe. 3) Daher iſt das Py⸗ thagoräifche Syſtem mathemarifch metaphufifch, das Platoniſche aber logiſch metaphyſiſch. 4) Plato Ben - trachtete bie Jbeen und Zahlen als Vorſtellungen in ung, welche aber ung angebornen waren. Hierdurch konnte ‚ ee fie von den Dingen felbft unterſcheiben. Die Pytha⸗ gorder bupoftaftrten ihre Zahlen; Plato erklärte nur aus den uns angebornen reinen Begriffen, ſowohl den mathematiſchen als ben: rationalen bie Dinge. Und Hierdurch zeigt ſich ein ganz verſchiedener Geſtchtspunkt, aus welchem Pluto und jene Männer ihre metaphyfifchen Unterfuchungen einleiteten. Diefe gingen von den Ob⸗ jeften der Vorſtellungen, dieſer hingegen von Bem’Bor« 4) Ariitoteles Mersphyfie. 1,6. erw da rag nıpnueae &ı- . Agodıas # TlAaranag eweyivareo TenyuarEın, TR Lv MEAAM Tor: Ivdayogeuis turon any dusa, Ta ds ua: odım van rm Tan IrkAmam atusa BiAosodım, = — 10.86 avtı ra aru- BR "7 dvoc dvadz wonsat, ro⸗ de xrrpov ER UEYaAS RE fie xp0, TR’ udn. nanerı d peu Tuc apıInuc wäpz Ta arcdyre, 64.3’ agı)ung ra: Qasıy era sa WERYRATR, nes Tu Mage Marına nerafv Turn u rıßuan. vu Ko uw mo Fr, nm Tug ap Iuug KRpR Ta KORYUSTE Foyear, Nas JM ee 7 NvI9a- , _Yageıcı, Kar yran day sıdayayy, dım um‘. roc Aryas ywere aurben de yap wperege Barııuag a neruze. ' ' wor * — 271 — ſtellungsvermogen aus. Und hleſes iſt auch wirllich der Gang der Kultur ber raͤſonnirenden Vernunft, weicht von dem Bewußtſein der Gegeuſtaͤnde, auf das Bewußt⸗ fein der Vorſtellungen und von dieſem endlich auf das: Selbſtbewußtſtin gelelter wird. Es erhellet endlich andy daraus, das feln Geſichtspunkt weit umfaffender war. Er fand das erſte Princip dee Pythagoraͤer fr unzurei⸗ chend, und nahm ihrer zwei an, die Einheit und das Mannichfaltige gerabe nach ber dunkel geahndeten Be⸗ fihaffenheie ber Merkmale ber Vorſtellung. Hieraus entferingen fehr twefentliche Unterfchiebe zwiſchen ihren beiden metaphyſiſchen Syſtemen. Dieſe Berfchiedenheit betrift nur einige Punkte dieſes Syſtems. Wären mır einige Denkmaͤhler ihrer Philofophie auf und gefommen,: bereg Aechtheit unbezweifelt wäre, ſo wuͤrde dielleicht noch ein betraͤchtlicher Abſtand zwiſchen beiden in Anſe⸗ hung des Formalen bemerket werden. Ariſtoteles macht ſelbſt durch einen Wink darauf aufmerkſam. Ohne der Ehre dieſer Denker za nahe gu treten, und ohne im ge⸗ einpften ihrer Bewunderung etwas zu entziehen, Tann man doch wohl nicht umhin anzunchmen, daß ſie, fo gut fie auch ihre Tiehanptungen auf Gründe geſtuͤzt hatten, : dennoch nicht im. Stande sparen, ihre Begriffe fo une? ſtaͤndig gu entwickeln umd ihre Schluͤſſe ſo bündig an eins ' ander zu reihen, als. c8.dem menfchlichen Derfkanbe,: nach fo vielen vorangegangenen Verſuchen, ein Jahre hundert ſpaͤter möglich war. Wenn man alſo fragt, in weichem Verhaͤltniß bie. Pothagerdifche Pheloſophie zur Platonikhen ſtehe f0 ergiebt fi and dem Borhingefagten ‚folgendes Refultat. Die Pythagoraͤiſche Philofophie hat unftreitig auf den pbilofophifchen Geift des Plato und feine Philoſophie mannichfaltigen Einfluß gehabt. Wahrfcheinlich gab fie ihm die erfte Beranlaffung zu metaphyſiſchen Unterfuchun⸗ gen, ſie ſtellte ihm das erſte Beiſpiel einer metaphpfiſchen Erklaͤrung ber Natur vor, aus Vai cr gewiß fe Ä Ä n — 1272 — hernen fonute Sle half ihm auf bie Spur von veitienf: metaphyſtſchen Begriſſen, fo mie ed bie ſokratiſche im dem Moͤraliſchen thut. Plato nahm and ihr fehr vie⸗ len Stoff, weichen er in fein Syſtem veriwihte. Dieſes will wahrſcheinlich Ariftoteleß mit den Worten fagen:- Die Platoniſche Philoſophie folgte in vielen Stuͤcken der Pythagoraͤiſchen. Aber daraus folge ganz und gar nicht, daß Plato cin bloßer Schüler der Pythagoraͤer, ober ein Nachbeter war. Sein Gefichsspunfe umd fein‘ Ideengang iſt vriginal: Er harte ſich eine eigne Aufiche verſchaft, zu welcher ihm die Pothagordifche Philoſophie hvychſtens Veranlaſſung gegeben bat, Sein Syſtem gehoret ihm an: Um dieſes ausgifuͤhren, vahm er zwar mancherlei Stoff aus dieſer Philoſophie, wie aus an⸗ : bern; aber er-werarbeitete: ihn auch erſt und bildete ihn⸗ aus, daß er zu dem Ganzen ſeines Gebaͤudes paßte. Dieſe Ansbitbung beſtand in einer mehrern Entwickelung der Begriffe, in Auffuchung hoͤherer Gründe, in einer andern Berbinbung: und Anorbnung. Wir. haben geſehen, daß Neifiesches.dem Plato bier Ginfiitrung ber Ideen in-die Phliofophie als fein Eigen⸗ thum beileget, und: nichts ſtimmt fe ſehr mit dem Geiſten feinen Philoſophie uͤberein als dieſe Ausſage. Bei bemi Diogenes findet ſich aber ein Fragment des Aleimus, in moelchem er uuferi:anbern auch die Lehre von den Idern undi don "ber Veraͤnderlichkeit ter Erſcheinungen in dems: Dichter Epicharmus findet, und daher behaupiet, daß Mato dieſt Pet Som biefens Dichter angenemmen babe’). Mein nad) Hemd, was wir geſagt⸗ haben, muß dieſe Be⸗ hanptung ſchon dverdaͤchtig borkomaren.“ Ban besivels- feit uͤberhanpt bie Aechtheit dieſer Fragwmente bes Ein. chaunns. Und wemnn fie nuch aͤcht fein ſollten, fo ſindet mar: in ihnen nieht Spuren von dei Minung einer all⸗ gemeinen: Varanderhichten aller Dinge, als von den Sem: » Diogewer Kuck. ET ! — 273 — Ideen. Dieſes ſtimmt auch mit einer Stelle des Mate. überein, wo er diefen Dichter als einen Anhänger ber, Yeraclitifchen Philofophie anführet *). Wir verbinden hiermit fogleich das Eleatiſhe Syſtem. Dieſe Philoſophie, welche durch den außer⸗ ordentlichen Tiefſinn, und Buͤndigkeit ber Schluͤſſe auch jezt noch die Bewunderung verdient, war eigentlich nur eine metaphyfiſche Unterſuchung über das unveraͤnder⸗ liche Sein, oder das Beharrliche (v). Dieſer Begrif von dem Einen Unveraͤnderlichen, oder der Subſtanz, wird bier nicht als ein Begrif der auf einen Gegenſtand | angewendet werden kann, ſondern ſelbſt als ein gedach⸗ ter Segenftand betrachtet; das denfbare Sein wirb mid der Wirklichfeit vermechfelt, und der Begrif hypoſtaſirt! Es exiſtirt nur Eins, und dieß Eins iſt das Univerfum. — Auch Plato forfchte wie bie @leatifchen Philoſophen nach dem Uriveränderlichen, aber er kam auf ein gang anderes Nefultat. Nach dem erften Grundſatz feiner Philoſophie erkennen wir die Dinge durch Begriffe. Die Begriffe können aber auf verſchiedene Gegenſtaͤnde ange wendet werden, d. h. fie find nur Formen bes Denkens. Der Begrif der Wirklichkeit laͤßt ſich z. B. mie der Bes wegung und der Ruhe, mit Einem und vielen Subjeften Drreinigen. Diefer logiſchmetaphyſiſcher Gefichtspunft bewahrte ihn alfo vor dem Fehler des Philofophen von Elea. Der Bearif einer unveränderlichen Subſtanz führte denſelben auf den Begrif des Allumfaſſenden, des vergätterten Univerfums, oder der zur Natur ges ‚machten Gottheit. Plato hingegen gelangte durch den Begrif der unbedingten Urfache zu bem Begrif ber Gott beit, welche er daher auch don allem Bedingten, ber Welt Mterſchied. Diefes erfoderte nicht nur bie En i e 4) Thesetetus. ©. 70, iab. — 274 — tereſſe der praktiſchen Vernunft, welchem jenes unter⸗ geordnet war. — Bei dieſer Verſchiedenheit ber Sy⸗ ſteme darf man nicht erwarten, daß er einige Lehrſaͤtze von den Eleatikern entlehnet habe. Einige Saͤtze, welche in beiden vorkommen, ſind Grundſaͤtze des Verſtandes und alles Denkens, welche kein Philoſoph von bem an⸗ dern borgen darf, wenn er nicht aufhoͤren will, Philo⸗ ſoph zu ſein. Es wuͤrde daher laͤcherlich ſein, wenn man z. B. bin Grundſatz der Kauſſalitaͤt, aus Nichts wird Nichts, deſſen beide bei ihrem Philoſophiren nicht entbehren konnten, darum fuͤr einen entlehnten Satz halten wollte, weil ihn die Eleatiker früher gebraucht haben. . Wenn Plate, wie einige Schriftfieher geglaubt haben, fein Syſtem zum. Theil aus dem Eleatifchen ge= nommen hätte, fo müßte ſich dieſes am erſten in Anſe⸗ bung der Parmenidifchen. Philofophie ausweiſen. Den diefen Mann fchäzte Plato wegen feines tiefen For⸗ fchungsgeiftes aufierorbentlidy hoch, und ge ſcheint ihn weit über alle aͤltere Philoſophen zu ſetzen ). Nun fine bet fich aber von dem gerade das Gegentheil, indem ex einen Hauptſatz feines Syſtems nicht nur nicht annimmt, fondern fogar aus dem Gegentheil einen eignen Lehrſatz feiner Philoſophie bildet. Ei hatte behauptet, nur dag oy ſei wirklich, das un or fei ganz und gar nichts Wirkli⸗ ches, und man duͤrfe gar nicht weiter nachgruͤbeln, was es ſei. In Anſehung des Erſten tadelt Plato, daß er ‚den Begrif von dem ov nicht beſtimmt babe. In Anfchung bes Zweiten giebt er dem Parmenides Recht, wenn er darun⸗ „ter einen leeren Begrif, dem gar Fein Gegenſtand entfpreche, ‚verflanden habe⸗ So etwas fei ganz ungedenfbar. Wenn „aber, wie Plato annimmt, das Etwas fei, das mit pofiti« fein $) Thesetet. ©. 137. Spphifte, G. 203. heit ſeines ſpeculativen Syſtems, fondern auch bad In ” - “ — 110. ven Praͤdicaten gedacht werde, fo muͤſſe das o baßfenige ſein, was mit negativen Praͤdicaten vorgeſtellt werde. In dieſem Falle ſei das legte nicht dag Gegentheil von dem Er⸗ ſten, ſondern nur etwas Verſchiedenes, ein Merkmal, wel⸗ ches dem einem Subjekte angehoͤre, und dem andern abge⸗ ſprochen werde, und in dieſer Ruͤckficht habe dag Eine fo gut Realität als das Andere. Plato betrachtete alfp das un ⸗ micht als Ding, ſondern ald einen Begrif, ivelches auch fein logiſchmetaphyſiſcher Gefichtspunft foderte. ). Wiewohl nun Plato nichts aus dem Eleatiſchen Syſteme nehmen konnte, in dem Sinne nehmlich, in welchem es die angefuͤhrten Schriftſteller verſtehen, und wenn er wirklich einigen Stoͤf daraus entlehnte, ihn zur erſt nach Erfoderniß ſeines eignen Lehrgebaͤudes umbil⸗ ben mußte, wodurch er ſelbſt fein Eigenthum wurde: fo kann man aber auch nicht Iäugnen, daß diefe Philoſo⸗ ꝓhie, wie die Pythagoraͤiſche, großen Einfluß auf die Bildung feines Syſtems gehabt habe. Die Aufführung eines folchen metaphpfifchen Gebäudes aus einem einzi⸗ gen Begrif fonnte nicht anders ale Ichrreich für ihn fein, ba er bie Idee davon ebenfalls nur auf eine andere Art, nach dem Bebürfniß der. praftifchen Vernunft augführen wollte. Sie führte ihn durch Nachdenfen nicht weniger als die Pythagoraͤiſche auf die Bemerkung von gewifien - überfinnlichen Begriffen. Durch bie weitere Verfolgung dieſes Gedankens, durch die Nachforfchung Über den Ur⸗ fprung berfelben, flellte fich ihm auf einmal fein ganzes Intellektualſyſtem dar. Die Dunfelheiten und Schwie⸗ zigfeiten biefer Philofophle machten ihn auf das Bebürfe niß einer größern Deutlichkeit durch logiſche Beftimmung und Zergliedberung ber Begriffe aufmerffam. Plato ‚machte alfo wirklich Gebrauch von der Eleatifchen Phi⸗ lofophie, aber einen philofophifchen; ex benuzte bie vor 0.82 her⸗ ©) Sopbifte. ©. 240 faq. 84, 2 — 270 hergehenden Verſuche der ütlonnirenden Bernunft, abe als Stlbſtdenker. Heraclits Lehrgebaͤude beruhete ganz auf Mater rialismus. Nichts exiſtirt nach ihm ald die Marerie, Die aber voh zweierlei Are ift, grobe und feine. DR feinefte burchdringt alles, fie iſt das wirkende Princip. Hieraus folgerte er die Veraͤnderlichkeit aller Dinge Dieſen Lchrfag, glaubt man, habe Plats von bem Ho rachtus angenommen, aber auf twelche Art; ift noch nicht unterſucht worden. In feiner frühen Jugend hatte er biefe Philoſophie von dem Kratylus gehöre, aber fie Fonnte, wie es fcheint, feinem Kopfe Feine Befriedigung geben, und fie führte ihn endlich auf feine Ideenlehre ). Wahrſcheinlich bemerkte er etwas Wahres in der Be hauptung, daß alles flieſſe, welches aber zu allgemein ausgedruͤckt und daher noch nicht gehoͤrig beſtimmit ſei. Sollte dieſe Behauptung in dieſer Allgemeinheit gelten, fo konnte Feine Erkenntuiß irgend eines Gegenſtandes ſtatt finden. Dieſes empoͤrte ſeinen zu Speculationen hinſtrebenden Kopf, und reiste ihn zur Unkerſuchung über den wahren Sinn und Umfang jener Behauptung. Sein fortgefegtes Nachdenken führte endlich) die Unter ſcheidung zwiſchen den Exfcheinungen, in fo fern fie bes harrlich find, und in fo fern ſte wechſeln, zwiſchen den finnlichen Vorftelungen, welche auf das Einzelne gehen, und den Begriffen, weiche das Ag: ‚meint, die Arten und Sartungen zum Gegenftande Baben *). Hierdurch Fonnte er niche nur den innern Streit feines Kopfes beilegen, for» dern ſich auch einen Grund von dem Wahren und Falſchen angeben, welches in dem Heraclitiſchen ©pftem enthalten war. Ban diefer Seite that ihm diefe Philofophie einen großen Dienſt, indem ſte ihn durch ihre Einftitigfeit auf a die 2) Ariftoteles Metaphyſicor. 1, (. XTI, 4. 6) Aiſtotel. Meraph icon 1, & Tine, ©. 348. die Entdeckung fchr wichtiger Säge binkeitete. Allein man. kann nicht fagen, baf er die Heraclitifche Lchre von dem allgemeinen Fhuffeder Dinge angenommen, oder gar von dem Heraclitus entlehnt habe, weil er fie erfilich näher be flimmen mußte, ehe fie in fen Syſtem paßte. Es ſtreitet dagegen auchnoch ein anderer Srund. Heraclit hatte feine Behauptungen in ein folches Dunkel gehüllet, daß Plate, Ariſtoteles und alle andere Schriftfteller über feine Unver⸗ ſtaͤndlichkeit flagen *). Er haste daher auch die Brünbe feiner Behauptung, die feinem Semuͤthe vielleicht nur dunkel vorfchmwebten, nicht mit deutlichen Begriffen aus⸗ gefuͤhret. Unterdeſſen fand dieſe doch viele Anhänger, unter welchen ber Sophiſt, Protagoras der beruͤhmteſte iſt. Aber auch dieſer hatte ſie angenommen, ohne ihr neue Gründe gu geben, ober bie Heraclitiſchen mehr zu entwickeln. In dieſer Geſtalt fand Plato, wie er felber verſichert, diefe Lehre, mehr als eine Meinung (Mc) als auf Brände gefüste Behauptung, Er nahm ſich nach feinem eignen Ausdruck diefes Hilflofen Waifen au, und führse zuerſt die ſcharffinnigſten Beweife und Gegen. gründe gegen die möglichen Suwuͤrfe aus ). Alfo hat Diefe Behauptung dem Plato chen fo viel, ja vielleicht „noch mehr zu verdanken, als dem Spradlit. Bon biefer Seite kann er daher auch nicht eis ein Kompilator au. gefehen werben. Wir gehen zu der Sokratiſchen Philoſophe über. In einer andern Schrift Habe ich dag Reſultat von meinem Nachbenfen Aßer die Verſchiedenhet der Pla⸗ toniſchen und Sofratifchen Philoſophie weitlaͤufig vor⸗ getragen. Weder die Beurtheilung denkender Gelehr⸗ 6 3 ten, 9) Thesetet, ©. 129. Ariftorel. Rheton, nl, 5. Diogeaa IX, 6 N I — — ©. y7/ wo. | ten, noch die twiederholte Gelbftpräfung meiner Gründe : Bat mir big hieher Urfache gegeben, meine Ueberzeugung zu ändern. Sch werde daher mit Verweiſung auf jene ausführlichere Abhandlung nur überhaupt von dem Ver⸗ haͤltniß dieſer beiden Philoſophien handeln. Das lebhafte aber dunkle Bewußtſein von All. hen Urtheilen, Begriffen und Gefühlen war bie Duelle, woraus die ganze Sofratifche Bhilofophie entfproß, war der Grund, worauf fie fich flüzte. Sein ganzes Beſtre⸗ ben war auf die Erweckung, Ausbildung und Belebung Diefer Uebergeugungen, in andern Menfchen gerichtet. Er trug fie nicht als eigne ſubjektive Wahrheiten, auch nicht als kehrſaͤtze vor, die auf objektiven Gruͤnden beruhen, ſondern er philoſophirte ſie gleichſam aus jedem menſch⸗ lichen Herzen heraus. Denn er feste voraus, daß fie jeder Menſch in ſich ſelbſt antreffen muͤſſe, wovon ihn ſein inniges Gefuͤhl uͤberzeugte. Er philoſophierte alſo nicht fuͤr die Schule, ſondern fuͤr das Leben. Seine Moral beſtand in den Ausſpruͤchen ſeines geſunden Men⸗ ſchenverſtandes und feines für alles Schöne und Gute lebhaft empfindenden Herzens, welche ſich ihm bei ein, zelnen Beranlaffungen und Unterredungen darſtellten, und aus Megeln, welche auf konkrete Faͤlle angepaßt waren. Er fing zwar zuerſt an, die allgemeinen Bes griffe von moraliſchen Gegenftänden zu entwickeln, allein weil er Immer nur individuelle Beifpiele 5. B. von Tu⸗ ‚genden sum Grunde legte, und aus ihnen die Merkmale ableitete, fo behielten auch feine Erklärungen immer et⸗ was Individuelles, und Schwankendes. Seine Abfiche war dabei, nur den Verſtand auf Begriffe zu leiten, - welche in dem wirflichen Leben ald Regeln brauchbar fein koͤnnten, nicht aber Begriffe für die wiſſenſchaftliche Mo⸗ ral zu bilden; er betrachtete bie moralifchen Gegenſtaͤnde In Konfreto, in der Anwendung 2 nicht in Abſtrakto. Nach ⸗⸗ — 279 — Nach einem oberfien Grunde ber Sittlichkeit forſchte er nicht, denn der lag in dem unentwickelten Bewußtſein derſelben, und bei feinem Erziehungsgeſchaͤfte legte er jedem Thatfachen vor, und ließ ihn aus denfelben Folge⸗ "rungen ziehen, twelche für fein Bewußtfein Klar waren. Bin daffelbe fchloffen fich auch gerne andere Seſinnungen und Hebergeugungen z. B. von ber Slückfeligkeit, der ins nern Ruhe des Gewiſſens, der Religion an. | plato hatte einen andern Entzwec und einen an Kern Sefichtspunft ald Sofrated. Seine Neigung zu Speeulationen, die fich ſchon zeige, als er noch Schüler bes Sofrated war, reiste ihn unaufhoͤrlich zur Erfor⸗ fung der Gründe der Sittlichkeit. Dem Sofrates verdanfte er wahrfcheinlich feine.moralifche Bildung, und fein Intereſſe für alles, was auf Sittlichfeit Beziehung bat. Diefed lebhafte Gefühl murde fein Führer in ſei⸗ nen Unterfuchungen über die Hflichten und ihre Gründe, hielt ihn von Verirrungen ab, und zeigte ihm in feinem Innern die Quelle, woraus feine Wißbegierde Nah. rung erhalten fonnte — Aus gewiſſen Thatfachen, die wir im erften Abfchnitt angeneben haben, uͤberzeugte er ſich, daß es eine Philoſophie für die Pflichten der M. geben müffe, und daß fie die wichtigfte und unente behrlichſte Wiffenfchaft fi"). Diefe nach feinen Kraͤf⸗ gen zu Stande zu bringen, war fein großer Entzweck. Zu den Ende unterfuchte er bie mwichtigften philoſophi⸗ ſchen Begriffe, z. B. von dem Guten, yon den Zugen- den, um auf ihre Srundbegriffe zu kommen, welche allen konkreten Begriffen und Urtheilen zum Grunde liegen. Much bier blieb er feinem logifchen metaphpfifchen Gr fichtöpunfte getreu. Bei dem Nachdenfen über den "Grund der. fittlichen Begriffe machte er manche Ent 84 beifun« su) Bpiftol. VI, ©. 97. . - . “ — 2 go — ' deckungen über die Natur bes Vorſtellens und des Begeh⸗ rens, über den Unterfihleb bed vernünftigen und unver⸗ nuͤnftigen Theiles der Seele”). Die Morallchre des Plate unterfchied fich haupt⸗ fächlich durch die Entdeckung eines Grundes aller ſittli⸗ hen Frfenntniß, fo. wie aller theoretifchen, nehmlich der, Vernunft. Indem er aus biefer alle Begriffe, die ih auf die Sittlichfeie hegiehen, ableitete, konnte er fie all⸗ gemeiner, und durch die Abfonderung des Konfreten, reiner ausdraͤcken. Sie befamen dadurch mehr Zuſam⸗ menhang und Harmonie unter einander. . Plato legte dadurch den Grund zu einer wiſſenſchaftlichen Moral. Indem durch feine Höheren Abſtraktionen ein hoͤheres und reineres Ideal von Sittlichkeit hervor ging, zeigte ſich auch das Beduͤrfniß der Vernunft, zum Behuf der⸗ ſelben die Wahrheiten der Religion auf feſte Ueberzen⸗ gungsgruͤnde zu ſtuͤtzen. Daher denn feine Verſuche einer metaphyſiſchen Demonftration berfelben. Sokrates (cyränkte allelinterfuchungen bed menſch⸗ chen Geiſtes auf das Nägliche oder Brauchbare für das Praktiſche Leben (morunter bie fittliche Erkenntniß ‚ben erfien Ylag einnahm) ein, und verwarf alle Specu- lation, weil.er fie als unnuͤtz oder gar irreligidß betrache tete. Da aber Plato die Duelle aller Erkenntniß ſowohl ‚In bem Theoretifchen als in dem Praftifchen, in einen ges meinſchaftlichen Vermögen ber Vernunft entdeckte, fo fonnte er, ohne dee Vernunft zu widerſprechen, nicht ‚daß. eine Intereſſe dem andern aufopfern, fondern er⸗ Härte fich für beide. Daher machte er den erfien Vera füch die Speculation mit der praftifchen Vernunft, bie Moral mit der Religion burch 'metapbpfifche Beweis⸗ grände zu vereinigen. | Sokra⸗ 10) Ariſtotel. nIınav meyar. I, r. — 283 Sofrates hatte dem Plato die nädhfle Veranlaffuug zu ſeiner ganzen Philoſophie gegeben. Denn die Bezie⸗ hung auf Sittlichkeit war, wie wir oben geſehen haben, das Band, welches alle drei Theile der Philoſophie qu einander knuͤpfte. Sobald Plato das Beduͤrfniß einer wiſſenſchaftlichen Bearbeitung der Moral, und die Be⸗ dingungen derſelben, lebhaft dachte, ſo bald ſtellte ſich ſeinem Bewußtſein auch die Nothwendigkeit einer Theo⸗ tie des Denkens (als des einzigen Erfenntnißvermdgene) bar, womit hernach die Wiſſenſchaft der erfennbaren Din⸗ ge von felbft fich aufbrang. Gofrates harte ibm alfo tigentlich das große Thema feiner Philoſophie zur Bear⸗ String aufgegeben, wiewohl er jur Ausfuͤhrung deſſel⸗ ben unmittelbar nichts beigetragen hat. Die Idee einer ſolchen Philofopbie, der Plan und bie Ausführung ge⸗ hoͤret dem Plato als Eigenthum an. | Unterbeffen kann man nicht Idugnen, daß plato vielen Stof aus der Sokratiſchen Philoſophie in feine Schriften verwebet hat, aber doch auf eine Art, welche einen felbfidenfenden Kopf verräth. In feinen frügern Dialogen, in welchen zum Theil nur noch entferntere Spuren feiner eignen been vorkommen, bearbeitete ex mwahrfcheinlich Gegenftände, wozu ihm bie Sokratiſche Philoſophie unmittelbar Veranlaffung gegeben hatte, Sie handeln nehmlich von den menfchlichen Dingen, über welche Sofrates einzig und allen philofophierte, Daher‘ kommt «8, daß fie mit den Unterrebinigen feines kehrers viel Aehnlichkeit haben, welche und Kenephön hauptſaͤchlich aufbewahret hat. In allen dieſen wird Seine Behauptung aufgeſtellet, ſondern bie Ausführung und Beſtreitung fremder Behauptungen macht faſt den gangen Inhalt aus. Ueber jede der vier Karbdinaltugen⸗ den, werden verfchiebene Definitionen angegeben und ge⸗ prüft, aber. feine thut dem Forſchungszeiſte: and bem S5 Scharf⸗ N En 232 = Scharffinne bes Plato Genuͤge, weil fie zu enge oder gu weit waren, und das allgemeine Merkmal, welches ſie zu Arten eines Geſchlechts machten, nicht enthielten. :Das Hauptrefultat, auf welches diefe Schriften hinfuͤh⸗ ren, ift diefed. Die volftändige Erfenntniß der fittlichen Gegenſtaͤnde iſt für jeden Menfchen unentbehrlich, aber ‚es ift noch Feine Wifferfchaft vorhanden, welche bie mo⸗ zalifchen Begriffe und Urtheile aus ihrem Grund abgele- - ‚tet bat. Hierdurch zeigte Plato, wie ich mir die Sache - vorftelle, den Punkt an, auf welchen fein philofophifches Nachdenken gerichtet tvar, nach einem hoͤhern Brunde -zu forfchen, aus welchem fich die fittlichen Erfennt- niffe ‚ableiten ließen. Die Erfldrungen, Begriffe und Mefultate, welche Sofrateg gefunden haste, waren alfo nur bie Veranlaffungen gu weiterm Denfen, fie waren die Materialien, welche er unter höhere Regeln und Srundfäge zu orduen ſuchte. In diefen Dialogen fom- "men aber auch noch andere Gedanken vor, welche von feinen Streben’ nad) Erfennmiß aus Drineipien zeugen, durch welche fich feine Philofophie von der Sofratifchen unterfcheibet, 5. 3. feine Ideen von einer Logik, die fich . (don in feinem Charmides dußern, Je mehr dieſe in feinem fpdtern Schriften zum Vorſchein fommen, befto mehr Verſchiedenheit offenbaret fich zwiſchen dieſen bei- . den Männern, deſto mehr verllert ſich die Aehnlichkeit, ‚welche durch die Einheit bed Gegenflandes in feinen fruͤhern Werfen entflanden. war. Wenn wir alfo das Verhaͤltniß der Ylatonifchen Philoſophie zu den dltern Philoſophemen nach allgemei⸗ nen Geſichtspunkten beſtimmen wollen, fo muͤſſen wir den Inhalt und die Form derſelben unterſcheiden. Die Form oder der. Zuſammenhang durch Gruͤnde, ber Grab ‚der Entwickelung ber Begriffe, die Art und Weiſe fie ; 3 einem Ganzen, die Veſchaffenheit ber Principien, nor Is - - aus hoͤhern abzuleiten, die Anordnung nach Principien — 283 — Aberhaupt die ganze Bearbeitung des Steffes ja einem Syſtem if, ob fie gleich durch Die vielen vorhergegangs⸗ nen Verfuche der Philofophen veraulaßt werben iſt, den⸗ noch eigenes Werf feines Geiſtes. Daher laſſen ſich von Biefer Seite auch bie meiften Unterfcheibungepunfte wahr» nehmen. Erftlich. Jeder von den vorher gegangenen Philoſophen arbeitete entweder nur für die Speculation oder für dag praftifche Leben. Daher‘ ihre Einfeitigfeit und Befchränttheit. -Die Plasonifche Philoſophie ums faßte das Intereſſe ber fpeculativen und praftifchen Bess nunft. Zweitens. Auf dem Wege der Speenlation waren verfchiedene : philofophifche Syſteme hervorge⸗ gangen, welche durch den eimfeitigen Geſichtspunkt ihrer Urheber, einander widerſprachen. In dem einem wird nur der Materie, in bem andern nur den been Wirflich“‘ keit zugefprochen; nach bem einem wirb Mirkliche für. veräuberlich, in bem andern für um derlich ee⸗ Häret. Hier wird nur eine Subſtanz behauptet, und de Merkmal in ber Unveraͤnderlichkeit geſucht, dort: wird bas Daſein mehrerer angenommen, welche ſich durch ihre Veraͤnderlichkeit offenbaren. Plato vereinigte alle dieſe ver⸗ ſchiedenen Ruͤckſichten in feiner Philoſophie, indem re beſtimmte, in wie fern die Dinge als veraͤnderlich oder unveraͤnderlich gedacht werben. Drittens. Die aͤltern Philoſophen gingen von den Dingen, Plats von Begrif⸗ fen aus. Viertens. In den aͤltern Philoſophien war durchgaͤngig ein Mangel von Deutlichkeit und Beſtim⸗ mung der Begriffe, weil ſie noch nicht die Geſetze des Denkens zum deutlichen Bewußtſein gebracht hatten. Plato erſezte dieſen Mangel durch den erſten Verſuch einer Logik. Fuͤnftens. Die fruͤhern Syſteme entbehr⸗ sen des Vortheiles, daß fie von beſtimmten Principien, oder auch nur beſtimmten Begriffen von der Philoſophie andgehen konnten. Plato verſchafte fich den Srbraud) derſthen durch einen Begrif non Philſophie. In * | © In Nuſchung des Inhalts benuzte Plato freilich die Produkte des philoſophiſchen Geiſtes, welche vor ihm vxrſchienen waren, inbem er vielerlei Lehrſaͤtze aus bem Syſtemen annahm, und in fein eignes einverleibte. Aber vr bewies ſich auch dabei als einen denkenden Kopf, der wach entlehnten Behauptungen eine eigne Bildung und Vorm mistbeile. Dieſes konnte auch nicht anders fein, wenn er ſich ein eignes Syſtem entworfen hatte, woran nicht 'gegroeifelt werben kann. Er mußte die Materia- ien welche ibm die Denkmaͤler des menfchlichen Verſtan⸗ des barboten, meiſtentheils erſt nach dem Zweck und Er⸗ foderniß ſeines Syſtems verarbeiten, eutwickeln, an ein⸗ ander reihen, wenn ſie zu einem Ganzen tauglich fein ſollten, durch welche Verarbeitung fie fein erworbenes Eigenthum werden. Dieſe Materialien aber machen ‚nicht ben ganzen Inhalt feiner Philoſophie aus. Da er den Umfa VDhiloſophie ſo anfehnlich erweiterte, ein ‚ganz neues Vebict hinzuſezte, wo ihm bie Arbeiten ber fohhern Denker nicht: zu Statten famen ; da er von einem neuen Geſtchtspunkt ausging, und nach tignen Brund- - «fägen Tome Unterfuchungen .einleitete, fo fonnte es nicht :fehlen, daß er ih bie Materialien zu feinem vorhaben» den Bau groͤßtentheils felbſt auffizchen und herbeifchaffen ‚mußte. Dieſe nebſt der Borm feiner Philoſophie machen ‚fein urfprängliches Eigenthum aus, , Wenn nun diefes feine Richtigkeit hat, fo laͤßt fich ſowohl die eine Behauptung, daß die Platoniſche Philo⸗ ſophie nur ein Aggregat von drei verſchiedenen Syſte⸗ "men; als auch die andere; daß fie bie aͤlteſte Philoſophie ‚des menſchlichen Verftandes fei, in Anfehung ihres Ur« ſprungs erklären und in Anfehung Ihrer Wahrheit beur⸗ . teilen. C., . Diejenigen, weiche bie erſte Behauptung annehmen, baden ihr Augenmerk mit auf bie:-Waterialien und ben Inhalt — DE — Inhalt der Platonifchen Philoſophie gerichtet. Sie fanden, daß Plate der erſte: gelehrte Philpſoph war, "bet die Behauptungen ſeiner Vorgaͤnger kennet, und oft ausbrůcklich anführek. *: In ſeinen Schriften: trafen fie Materialien aus allen Philoſophren, vorzuͤglich den bei vben genannten, wieder ah, und bemerkten das Beſtreben des Philoſophen, verſchiedene entgegengeſezte Syſtenie mit Anander zu vereinigen. Sle entbeckten maucherlaei Ewer pruͤche, und nicht wohl vereinbare Behauptuugen Weiche-fie aus der Vermiſchung verſchiedener ungleichar⸗ tiger’ Syſteme ertlaͤrten. Indem Re nan‘ auf die Form . Feiner Philoſsphie keine Ruͤckſicht nehmen, ber Verbin⸗ dung der einzelnen Satze durch Grundſaͤtze nicht nach⸗ MPuͤren, koͤnnen fie freilich keine Einheit eirtdechen, und muͤſſen feine Philoſophle Für einen ungluͤcklichen np halten, unvereinbare Syſteine zuſammenzuſetzen. As aber nicht abzuſrhen, wie Plaro ſich bieſe 24 nigung ur" ald als: moöͤglich habe denken konne, ohne die Beziehung: der eigenen Theile Auf ein Prineip wahrsuimehnien, oder tike- et moch eine Stelle unter beit Phils ſophen verdiene, wenn er fie ohne eiue folche Eite heit der dee, 8:5. Uhbhllofophifdh verbunden hatte. Diefe Vorſtellungsart iſt n eingeſcht aͤutt und einfeitis und daher falfch. On. Die andere Sehen. deren —E Be theidiger Herr Pleſſing Ak, hat ben nchudiichen Febler. Er glaubte darthun zu kuͤnnen, daß hie denn Griechen Avwohl als die Anuslaͤnder, von deren Scheolegie wir. eini⸗ ge Keontniß haben, ſaſt ein und ebendaſſelbe Syſtem gehaht haben, welches Plato in ſpaͤtern Zeiten oͤffentlich und welches er von den Alten angenommes hat ⸗ Nicht allein in den vorhergehenden — ſchen 13) Memnonlum Zoeltet Sand. ®&, 290, 291: - fehen Syſtewen findet er biefe Identitaͤt, fondern erſtrekt Re:anch fogar auf die Religionsſyſteme der Voͤlker, vor güglich dasjenige, welches in den Myſterien herſchend war. Es gieht allerdings eine Jehnlichkeit und Bezie⸗ hung. unten-diefen. Syſtemen, welche den Inhalt betrift, aber. ;auch..eine Verſchiedenheit, welche aus ber Form der Blatonifchen Philoſophie entſpringt. Die älter Nhiloſophen ſuchten die nehmlichen Probleme auftuloͤſen, welche den Gegenſtand der Platoniſchen Philoſophie aus⸗ machen: aber fie betrachteten fie nur einſeitig. Sle forſchten nach dem lezten Grunde der Entſtehung und der Natur der Welt, fo weit fie dieſelbe kaunten, nehm⸗ lich der phyſiſchen, ſie ſuchten den Grund in dem In⸗ Begrif der phyſiſchen Welt. Ihre Syſteme waren ma⸗ deriqliſtiſch· Plate forſchte nach dem Princip alles Denke Haren, aus intelligibelen Principien. Eben fo verſchit⸗ den war. die Beſchaffenheit ihrer Syſteme in Anfehung der wiflenfboftlichen Behandlung, Wie Fonnte ein Mann von fo großem Scharffinn und Geſehrfamkeit Diele beprächsliche- Differenz überfehen? Er aßegorifing ‚seftlich Platoniſchen Gina in jene materialiſtiſchen Sy⸗ ſteme hinein, und findet alsbann ‚freilich, was er ſelbſt ‚binsingetragen. hatte, und wunhert fich, tie Ariſtoteles ben Sinn dieſer Syſteme fo grob habe entſtellen konnen. Allein Ariftoteled und Plato, ber fie aus chen demfelben Schhröpuntte:betrachret, Haben ganz unfreitig Recht“). Geſezt e8 faͤnde ſich auch diefe Aehnlichkeit wirklich, Tb kann doch die Vexrſchiedenheit in der wiſſenſchaftlichen Behandlnng, die gewiß wicht unbetraͤchtlich iſt, nicht gelaͤugnet werden. — Jedwedes Religionsſyſtem be⸗ ruhet auf ben Ueberzeugungen von Gottes, Daſein und einem Fünftigen Stand ber Belohnung. Auch die Pla⸗ ' . tonifche 14) Sophie, ©. 253, 29, 260, > tdniſche Philoſophie Hat Ihr Religionsſyſtem, wourch fie eine gewiſſe Beziehung auf bag’ Religtensfpftem aller Volker dekommt. Allein was dort aus hiſtoriſchen Gründen geglaubt wird, das machte Plato zu einen Frage ber theorerifchen Vernunft, wodurch fie ſich wie⸗ ber von jedem dopulaͤren Religionsſyſtem unterſcheidet. Diefe Unterſcheidung vernachlaͤffegte Pleſſing, trug die fpeculative Theologie des Plato mit allem dem, was mi ihre zuſammenhaͤngt, in jene hinein, und leſtete dun and hiefen jene wieder ab. Dieſes Verſehen laͤßt fich einiger-- maßen dadurch entfhuldigen, daß Plato ſelbſt durch ei⸗ nige Stellen Veranlaſſung zu der Verwechſelung ſeiner Philoſophie mit der Myſterienreligion gegeben hat, wie⸗ wohl er auch wieder durch andere dafuͤr ſorgte, daß man ihn nicht mißverſtehen konnte. Weil er den Zweck bet Myſterien nach feinen eignen Veen. erklärt, oder viel⸗ mehr beſtimmt, mas er fein ſollte, als was er iſt, ® Schret nun Plefling die Sache um, unp glaubt, feine Phl⸗ lofophie.und die kehren der Dipfterien waͤren einerfei ges weßſen, weil fie auf einerlei Zwecken beruhet hätten ”). Die richtige Erflörung. dieſer Stelle ‚miberfpricht aber nicht nur felbft dtefer Behauptung, fordern auch viele Andere Stelien beweiſen augenfcheinlich, daß Plato bie Myſterien nach einem andern Maafftabe beurtheilte '”). Wenn endlich biefe Identitaͤt toirkiich "Ratt- gefintden hätte, fo mußte man annehmen, baß bie Prieſter ber Myſterien nicht allein gewiſſe Saͤtze vorgetragen, ſondern fie auch deutlich entwickelt und aus Vernnnfgruͤnden ab⸗ geleitet haͤtten, welches aber ſchon an ſich nicht wahr⸗ ſcheinlich iſt, und mit vielen Stellen in Widerſpruch ſtehet. So verſichert Plutarch, daß der Hierophant die 15) Phaedo, ©. 187. 16) Politic. &. 74. de republica ©. aı$, 220. Epiſtol. Vu, ©. 113. Cratylus, ©. 289, 298. ‘ — 238 ‚a We: geheime Lehre vorgetragen habe, ohne einm Gennd -auguführen, woraus Glaube oder Ueberzeugung haͤtte entfichen koͤnnen ). Cicero, ber doch ein Eingeweiheter war, behauptet, daß Plato die Ueberzeugung von der dertdauer der ‚Seelen zuerſt aus Gruͤnden hergeleitet habe*). Wenn nun in den Myſterien nicht einmal für bie Hofnung der Unſterblichkeit Ueberzengungsgruͤnde Rab gelehret sagrben, fo kann man es noch: weit weniger von andern Gegenſtaͤnden erwarten, 7 Surf. man muß die Eigenthuͤmlichkeiten und beit Beift der Platoniſchen Philoſophie gänzlich verkennen, oͤder ſie willkuͤhrlich in die aͤltern Syſteme uͤbertragen; man muß den ausdruͤcklichen Urtheilen des Plato und bes Ariftoteleg widerſprechen, wenn man ſie entweder fuͤr ein Aggregat bon vielen zuſammengetragenen Saͤtzen, oder fuͤr ein blos gelerntes ober angenommenes Syſtem —* will. Das Gegentheil davon wird ſich, wie wie Hoffen, noch beſſer in der folgenden Barfakung diefee Philoſophie ſelbſt zeigen. ' 27) Plutarclius:de oraculor deſecu t. 1t. G. 422. raur "0b weg TUR MUIOARYUYTOE ynuov rexναα, RAIaERE-&U TR Aeri uns guys, under awodufn 78 Aoya Kuda wıSıy S8ie : Qagovrac. \ Br Tufculap. Qu. 1, 17. Ende .des erſten Bandes. METIEEIE RE EEE HERNE. alu Druckfehlerr. Belle 3 Anapilihes vunß helben Auarilides. 3 — 11 Stratocikas — Gtratsclei. — — z13 Iſarclens — Iſarchus. — — Neanthae — Neanthes. — — 16 kvodorue — Diogenes. 6 — 13 VPyrilampas — Pyrilampes. 7 — 7 Schiefblicke — Schariblicke. 10 — 4 war — wer — — »is würde — wurde. ı3 lezte 3. ſtunde — fand. 13 — 4 vom Ende Ariſtopenn⸗ — Axiſtoxenus. — — 3 — Taeresra — Tanagra. 19 — ar iſt Hercnies aus Verſehen zweimal gefait. — — 3 vom Ende marıcnea — YERVIERR. 2 7° — 10 — dab — dei. 2 — 3 — andere — anderen. 37 — 3 Metanebi — Nectanebo. 44 — 13 Aeginaten — Aegineten. 45 nuten in ber Anmerkung vuduje — zudıde. 532 in den Anmerl. 3.3 L — tom. 67 — 23 Ammisarid — Anniceris. vs — 20 Lodomas — Laodamas. 93 Anmerk. 9, 4 dumm — dam. 93 Anmerf. 3. = Gynelius — Synelus. 9 — 10 Eicmagog — ‚dewegoc. — — IE Duos — PRsPope. 102 — 1 Fapmdaryıa u wagadtıyis. 183 Kam. 2. ı minh nach Phylic. das Avic. weggeſtt. ‚werben. 105 — 18 says — TOXH. 2107 — 37 Ariſtodarus — Ariſtoborus. 213 — 3 vom Ende Schri — Schrift. — — lazjte Belle getra — getraue. 122 — ao Perilempes — Vyrilampes. 123 vorleste 3. Ya, — Aukla⸗ — late 3, Beg — Gegner- 136. ı7 und Leſer muß ‚Ratt ; ein, gehen. 129 — 4. mußten — müßten. 133 — 5 vom, Ende Burant — Burnet. 146 lezte Z wichtigen — richtigen. v 163 — 23 herſchende — herſchenden — — 34 feſtſtehende — feſiſtehenden. 164 — 3 Gegende — Gegenden 174 2 entwarfen — entworfen. Einige Einige Zaſaͤtzt. | er. Nach dem Zengniſſe w Suidas in den Worte wyadu davor waren bie ayenda doyuara. wirklich eine Echrift, aber nicht des Plato, fondern des Ariſtoteles. dr wugır' ayadın RıBasov evrafag Agısorsiyc, Tas wygapus Tu Tllaruvo; dofas eu TayTe KaTaraTreı, xaı MeRvaTas TU OWTRYLETOG Agırereink, — ve woure weg "Vor (1,0) swoeuadn auro wagı —B Wonit Philoponus uͤbereinſtimut Commentarius in Phyfic. Ariltot. rac avyeaque ewusıae Tu Tlaaruvor wurec 6 Apısorsäye wuhryeniyaro. Allein es ſcheint nicht wahrſcheinlich, daß va ayen- 9a Joykara und Tag: Bırosopıac eine und die nehmliche Schrift fein kdͤune. Denn warum führte es Ariſtoteles nicht unter dem eigentlihen Titel an? Die Urt wie er der sygaye, erwaͤhnet, zeigt offenbar, dag es ein Auffas von dem Plato und nicht vom ibm fein kann. AArov ds reoxov, fagt er, sus va Any vo Hıra- AUMTINEN ni 8V Toig Aryolsvarc aygaPpoıs doyuası. Ebendaf. Die Schrift valceca führet Ariſtoteles auch de partib. animal. ı, aan. Daß dieſes wirklich eine Schrift vom Plato war, erbellet unmiderforechlich aus dem breischnten Briefe Des Plato, 190 er an den Dionyfius fchreibt: zus yo vo, rur. auto 'mapasnsvalu, ray Te Iludayopeıav vıuza a0 xaı Tan diti- ern, ©. ı7ı. Die meiften Ausleger Gaben dieſes von einer Werfon verftanden, vom welcher hernach Plato fpricht nehmlidh dem Helicon. Cornarius glaubte, die Stelle fei verderbt, und wollte daher ſuppliren rar duzionesm eursıgov. Dieſes ift aber nicht noͤthig, wenn man annimmt, baf Plato von einer Schrift zebet, von welcher er einen Theil dem Dionpfius uͤberſchicket. Aus dieſer Stelle kaͤun man auch fließen, daß Plato ein Bert über die Pythagordiſche Philoſophie aufgefegt hat, deſſen Verluſt zu bedauern iR. Sdo wie Plato in einem beſondern Dialog Unterſuchungen anſtellte, über ben Begrif und Charakter eines Sophiſten uub eines Volititers, eben fo hatte er auch eine beſondere Schrift der Entwidelung bes Begriis von dem Philoſephen behlmmt. Po- iticus, ©. 3, 4. Sophifta, ©. 201. aog Ob er biefed Vor⸗ Haben nicht ausgeführet, uber ob dieſer Dialog verlohren gegan⸗ un Kann and Dangel an alien Nachrichten nicht ausgemacht » , \ s 1J m u Matoniſchen Ppilofophie Withelm Gottlich Tennemann. | | Zweiter Band, line mol oo Reipgig bei Johaua Kiäbrefius Barth 1754 .. J Dorrede ! E, 5 He erfie Band von dieſem Werke iſt zwar mit viel Nachſicht beurtheilet und nicht ohne Beifall aufgenommen worden, daß der Verfaſſer, wenn er auch nur ein wenig Eigenliebe beſtzt, leicht verlei⸗ set werden koͤnnte, darin eine Aufmunterung zu. ähnlichen Arbeiten, und eine Art von Vorbedeutung für die gute Aufnahme deu zweiten zu finden. Als Sein die Arbeit in beiden Bänden ift fo fehr von eins ander unterfchieden, daß er ſich von dem Beifall, den der erſte erhielt, nichts für die Aufnahme deg zweiten verfprechen darf, wenn er fich nicht des Feh⸗ lers fchuldig machen will,“ der fo oft bei Waͤtern und Müttern angetroffen wird, daß fie an ihren Kindern nichts als lauter Vollkommenheiten gewahr werden. Deier erſte Band enthielt die Einleitung zu dee Philoſophie des Plate; in dem zweiten wird dee Anfang gemacht, das Lehrgebaͤude jenes Philofo- phen ſelbſt, nad) dem dort entworfenen Plane, zit bearbeiten und darzufellen. Der Plan hat indem a We⸗ a iv Weſentlichen Beifall bei Kennern erhalten,‘ fo viel ich aus der Seipziger und Göttinger Zeitung (mehrere Mezenfionen find bis hicher noch nicht erfehienen), und aus einigen Privatstirtheilen ſchließen kann. Nur eine einzige Bedenklichkeit wurde, wo ich nicht irre, in der Goͤttingiſchen Rezenſion geäußert, über die Möglichkeit, die Platoniſche Philofophie in einem Syſtem darzuftellen, weil es dem Mezenfenten noch zweifelhaft ſchien, ob auch Plato überhaupt ein Syſtem gehabt habe. Ich fehe mich alfo genoͤ⸗ thiget, über diefen Punkt noch Einiges zu fagen. Ob in den Schriften des Plato ein Syftem, das iſt, ein Ganzes von Grund» Schr = und Folge: Sir gen enthalten fei, Fann Feine Frage fein. Allein wenn gleich diefes nur ein Enthufiaft behaupten koͤnnte, fo iſt doch dadurch die Vermuthung noch nicht wie derlegt, daß er demungeachtet ein philofophifches Syſtem gehabt habe; wiewohl er aus gewiffen Urs fachen nicht für gut fand, daffelbe nach feinem gans zen Inhalte und Zufammenhange fchriftlih bes kannt zu machen. Diefe Wermuthung erhält durch die Thatfachen, welche ich in dem erften Bande aufs geftellt habe , Feinen geringen Grad von Kiftorifcher Gewißheit. Wenn man damit noch folgende Gründe verbindet, daß er von einigen Theilen ber Philofos phie, von denen nur Bragmente in feinen Schriften vorkommen, die Begriffe, Grundfäge und Metho⸗ de angiebt, wie z. B. von der Logik und Metaphy⸗ ff, Sophiſta G. 224. de Republies VI. G. 124.5 - * ⸗ baß er auf wichtige Eroͤrterungen aufmerkfam macht, welche er dem ganzen Publicum nicht mit⸗ theilen wollte, weil er ſie der Faſſungskraft deſſelben nicht für angemeffen hielt, oder auch aus andern Gründen, de Republica VI. ©. 164. Timaeus ©. 352. und 318.5 wenn man, fage ich, dieſe Gründe zu den fon angeführten Tharfachen und Zeugniffen Binzufüger: fofann man wohl den Step: ticismus „nicht fo weit treiben, um noch daran zu zweifeln, daß Plato ein eignes Syſtem der Phi⸗ loſophie für fi) oder feine vertrauten Schüler ent⸗ worfen hatte. Ich bin zwar überzeugt, daß der genannte Negenfent, wenn er wirklich diefer Mei⸗ nung war, wichtige Gründe müfle dazu gehabt ha⸗ ben; wünfchte aber zugleich, daß es ihm moͤchte ger fallen haben , Fieber dieſe Gruͤnde oder einige davon. anzuführen, als die Sache auf den doch immer miß⸗ lichen Erfolg meines Unternehmens, diefes Syſtem aufzuftellen, berußen gu Laffen. Es würde mie auch jezt noch ein wichtiges Geſchenk fein, wenn dies fer wirdige Mann mir fchriftlich feine Gründe mit: theilen wollte. Aber vieleicht. bezweifelte der Hr. Rezenſent nicht dieß, fondern, ob es möglich fei, das Platos nifche Syſtem aus den vorhandenen Materialien wieder herzuftellen. Hier ließe fich freifich die Sache am beſten durch eine Probe entſcheiden. Ich habe in der Vorrede zum erften Bande fowohl die Grün de angegeben, aus welchen ich diefe ſyſtematiſche Be⸗ | “3 arbei⸗ \ va arbeitung bee Platoniſchen Philoſophie für moͤglich halte, als auch den Plan gezeichnet, nach welchem ich fie wirflich verfuchen würde. Es ift aber viel⸗ feiche nicht ungwerfmäßig, wenn ich hier noch eini⸗ ges darüber fage,! um einige Mißverſtaͤndniſſe zu Be ‚1.1.77: — Man kann die Platoniſche Philoſophie, ſo wie jede andere, ſyſtematiſch a priori darſtellen, wenn ‚man das Eigenthümliche derfelben in beſtimmte Sors _ “ meln faßt, und was in demfelbgg enthalten iſt, vollfkändig entwickelt. Auf diefem Wege kann es fi) treffen, daß ein fcharffinniger Denker ein Sy» ftem viel fyftematifcher und bündiger, mit mehr Be⸗ ſtimmtheit und Klarheit herſtellet, als es ſich in dem Kopfe ſeines Erfinders gebildet hatte. Das Syſtem, das auf dieſe Art hervorgehet, iſt gleich⸗ ſam die Idee von dem, was es eigentlich ſein ſollte, was aber ſelten der Idee angemeſſen gefunden wird. Dieſe Methode lag außer dem Wege, welchen ich mir vorgezeichnet hatte. Meine Abſicht war, ſo viel als moͤglich feinen Schritt als nur in Geſellſchaft des Plato zu thun, oder mit andern Worten, die wirklich vorhandenen Dlaterialien der Platonifchen Philofophie zu ſammlen und zu einem Ganzen zu bes arbeiten. Zu diefem Endzweck war es nothwendig, daß ic) mir eine Ordnung wählen mußte, um bie eifzelnen Behauptungen unter gewiſſe Abſchnitte orbnen, dieſe wieder in einen Zufammenhang unter einander, fo wie bie einzelnen Saͤtze in jedem Ab⸗ J ſchnitte viix ſchnitte in Verbindung bringen zu koͤnnen. Die Anordnung zum Ganzen gehört nun zwar eigentlich wicht den Plato anz allein da fich Die einzelnen Saͤ⸗ ke dem größten Theile nach aus einem oberften Grundſatze herleiten Laffen,, da in dem Ganzen nur ein Gefichtspunft herrfcht -(daß die Vernunft bie eigentliche Quelle der Erkenntniß if), da Plate - auch zuweilen felbft den Zuſammenhang zwiſchen einzelnen Sägen angegeben har, den ich auch beider Darftelung zu befolgen fuchte, fo kann fie-auf der andern Seite auch nicht ganz für beliebig und will- Führlich angefehen werden. Nach diefem Plane würde es ynzweckmaͤßig gewefen fein, wenn ich die Süden ausgefüllt, Be⸗ griffe berichtiget und die einzelnen Saͤtze näher ver⸗ bunden hätte, als fie es in den Quellen der Plato⸗ nifhen Philofophie find. Denn ich Hätte als: dann das Platonifche Syſtem nicht dargeſtelt, wie_ es in den Schriften des Plato vorhanden ift, fon- bern wie es a priori gedacht der Idee nach ſein ſollte. Man finder in diefem zweiten Bande eine The⸗ orie des Vorſtellens, Denkens und Erkennens. Ich habe dadurch nicht ſagen wollen, daß Plato wirklich dieſe Theorien erfunden habe, weil ich das nicht ohne Partheilichkeit fuͤr den Plato und ohne Ungerechtigkeit gegen Philoſophen unſerer Zeit haͤtte ſagen koͤnnen. Denn obgleich Plato vielleicht der erfie tar, der die Idee und das Bedärfnig einer 4. ſol⸗ ⁊ vos folden Wiſſenſchaft fi) deutlicher dachte, und auch wohl das Beftreben hatte, fie zu Hefern,, fo Bat er hoch. nichts mehr als Beuchftäde und Deitsäge Ida zu geliefert. Inſofern ich aber dieſe Materialien, doch nicht ohne Ordnung, wie fie ſich etwa bei- der $eftüre darbiefen, den Leſern vorlegen wollte und. konnte, ſondern fie.in einer natürlichen Verbindung, darſtellen mußte, fo nennte ich das eine Theorie, indem. ich dadurch den Bezirk eines geoßen Feldes bezeichnete, innerhalb welchem Plato nur bier und da einige kleine Städe zu hebauen anfing, Ich ſchmeichle mir daher, daß ſich Niemand 1 dag, Wort Theorie flogen wird. Die. Ideen find das Fundament der Plato⸗ niſchen Philoſophie, und ih wuͤnſchte daher fo gluͤck⸗ lich geweſen zu fein, den Ideengang des Philoſo⸗ phen richtig getroffen, alles was er daruͤber dachte, treu und vollſtaͤndig geſagt, und mit den gehoͤrigen Gruͤnden unterſtuͤzt zu haben. Habe ich dieſe Ah⸗ ſicht nicht erreicht, ſo wird man doch, wie ich hof⸗ fe, meinen Verſuch in Ruͤckſicht der Schwierigkei⸗ ten diefer Unterſuchung, welche noch durch die ent⸗ gegengefezten Geſichtspunkte und ſehr abweichenden Erklaͤrungen älterer und neuerer Gelehrten ver⸗ mehrt werden, mit Nachſicht beurtheilen. Wenn auch dieſer Verſuch noch unvollkommen iſt, ſo darf ich mir doch vielleicht, ohne die- Beſcheidenheit zu verlegen, fehmeicheln, daß er einige Beiträge zur. Deigung ber Streitigkeiten, welche die Ideen in. der * der gelehrten Welt veranlaßt haben, enthalte, und . Manches wohl von einer neuen Seite und in einer nenen Anficht darſtelle, in welcher es noch nicht fo iſt gefehen worden. Und ſo werden vielleicht gründ« lichere Forſcher der Geſchichte der Philofophie Vers anlaflung befommen, die Sache endlich einmal für allemal zu entfcheiden. Ich fehe mich genoͤthiget, Bier eines Gegners zu. gedenken, ber von Seiten feines Eharafters und feiner. Einficheert, von denen fich noch vielefchäßbare Früchte fr die Platoniſche Philoſophie erwarten laſſen, Hochachtung und Aufmerkſamkeit verdient. Es iſt Here Dammann in Helmſtaͤdt, der zwei akademiſche Streitſchriften uͤber den Begriff des Plato von dem Vorſtellungsvermoͤgen geſchrieben bat, in welchen er einige Behauptungen über dieſen deil der Platoniſchen Philoſophie, die ich in den ehren ber Sokratiker über Unſterblichkeit der Seele, und in einer Abhandlung in Herrn Borns Magazin vorge⸗ fragen hatte, beftreitet, aber das auf eine Ifolche Art, für welche jeder Schriftſteller feinem Gegner’ verbunden fein muß. Es ift ihm um nichts als um die Wahrheit zu thun, welche ich mit nicht gerine germ Eifer ſuche. Hr. Dammann widerleget in ber zweiten Disputation die Gruͤnde, die ich in den Leh⸗ ven der Sofratifer gegen die Subftanzialitäe der Sr mehr hingeworfen als ausgefuͤhrt hatte, und 5 bes .- beruft fich auf drei Stellen in den Schriften des Plato, welche, ohne den Worten Gewalt anzu» thun, nicht anders koͤnnten erklaͤrt werden, als wenn man annaͤhme, daß die Ideen Subſtanzen find. Ob ich gleich nicht gefunden habe, was mich nöthigen koͤnnte, meine Erflärungsart aufzugeben; obgleich auch jene drei Stellen aus dem, was ich gefagt habe, fehr natürlich fich erflären laſſen, fo will ich doch dabei noch etwas verweilen, weil ich Hrn. Dammanns Schrift, als ich die Abhandlung über die Ideen fchrieb, noch nicht kannte, und das . Her Feine Ruͤckſicht darauf nehmen konnte. Die erfte Stelle Philebus &. 216. ſeq. iſt unten, wie ich glaube, fo erflärt worden, daß kein Zweifel mehr über den Sinn berfelben ſtatt finden kann. Plato flellt die drei Gragen auf, wel⸗ che in Ruͤckſicht der Ideen möglich find: Giebt es wirklich Ideen,” was find fies und wie laͤßt ſich der Zufammenbang zwifchen ifnen und den concre⸗ sen Dingen, die unter ihnen fliehen, deuten? Die erſte Frage wird fo ausgedruͤckt: Giebt es Etwas, das ſich gegen die concreten Dinge verhaͤlt, wie Eins zu Vielem? Unter dieſen Einheiten (uorades, dyadıs), wie fie Plato nennt, kann nichts an⸗ ‚ bers verſtanden werben, als die Gattungsbegriffe, wie fih aus dem Erfolg der Unterfuchung bei dem Mlato klar ergiebt. Zweitens fragt es ſich, wie 0 man — Zu. non cn ſih diefe Einheiten oder Ideen denken muͤſſe, ſo daß ſie ohne allen Wechſel unveraͤnderlich und doch wirklich find. Dieſe Frage kann fo ent⸗ ſchieden werden, daß fie entweder in unzählige Wis ‚berfprüche verwickelt, oder alle Schwierigkeiten vermeidet. Es frage fih nun, welche Erflärungse art nach Platos Meinung diefen Vortheil auf is ver Seite hat. Wenn man den Parmenides gele fen hat, fo kann man nicht anders entfcheiden, als Plato hielt, die, nach welcher die Ideen keine Sub⸗ - tanzen find, für diejenige, welche mit fi) und ans dern Wahrheiten einhellig iſt. Unterdeffen, kann ‚man erwiedern, glaubt doc) Plato, daß den Ideen Realitaͤt zukomme. Realitaͤt kommt ihnen ohne Streit zu, aber auch außer dem Vorſtellungsver⸗ moͤgen? Sie haben logiſche Realitaͤt, als Begrif⸗ fe, und objektive, inſofern ſie die Bedingungen des Weſens der konkreten Dinge find. In dem goͤttlichen Verſtand ſind ſie urſpruͤnglich, als For⸗ men ‚der Dinge, nach welchem dieſe gebildet. find; fie enthalten in diefer Ruͤckſicht das objektive Wefen der Dinge, welches in einem Begriff vorgeſtellt das Ding an fi if. In den menfchlichen Vers _ ftand find fie durch die Gottheit gelegt; in diefer Ruaͤckficht find fie die oberfien Principe der Erkennt⸗ ni. Nur unter der Bedingung, daß fie als Bes griffe, die das Weſen der Dinge (die Gattungs⸗ merfmale) enthalten, iſt Die Borftefung von ei⸗ sem Dinge an fi moͤglich. Denn diefes muß ale . unver⸗ | “ | rir | unveraͤnderlich gedacht werden. Es läßt fih aber nichts Umveränderliches denfen, als das Weſen. Die zweite Stelle deRepub. X. ©. 234.286. hat gar feine Schwierigkeit. Von jeder Gattung, fagt Plato, giebt es viele einzelne Dinge, Indivi⸗ dua, aber auch Etiwag, welches dag Gemeinfihaft- Eiche enthaͤlt, welches wir allen Individuen beilegen. (Plato fagt nurwopea, aber verftchet darunter auch Aoyos den Inhalt des Wortes, oder den Inbegriff der Merfmale eines Dinges. Denn Fein Wort iſt ohne Inhalt.) Diefes Etwas find die Ideen. So giebt es viele Tiſche und Betten, aber nur eine Idee, ein Gattungsbegriff. Der Kuͤnſtler nimmt die⸗e fe Idee zum Ideal, . er bildet nach ihr wirkliche Tiſche und Betten, aber. die Idee bildet er nicht. — Er macht nicht das Bette uͤberhaupt (d. h. den Gat⸗ tungsbegriff, die Idee, ſondern nur ein Bette, wel⸗ ches nicht ſelbſt das Bette an ſich iſt, ſondern nur demſelben entſpricht ). — Ich fehe .hier Feine Schwierigkeit, wenn nicht etwa darin, daß Plato ſagt, der Kuͤnſtler mache die Idee nicht ſelbſt, und das Produkt des Kuͤnſtlers ſei nicht das Ding an ſich. Beide Punkte laſſen ſich ohne die Subſtanzi⸗ alitaͤt der Ideen befriedigend erklaͤren. Der Kuͤnft⸗ | ler ) S. 28 Süd ανννÑν u ars era SÄSYERE or u To nd won Ödy Gau una, dası —X arıa Ay ra, sAeyav Yap’ Ouxuv, 0 4 o ir⸗ ua æv TO av za" ala Tı Tante olav Ta er, den xIIE ber arbeitet nach der dee, die er ni ke hervorbringt. Denn die Ideen als ſynthetiſche Begriffe ließ Plato, weil er die Funktion der Vernunft noch nicht deutlich entwickelt hatte, der Seele von der Gottheit gegeben werden, es ſei entweder unmittelbar oder mittelbar | vermoͤge der Vernunft. Daher wird auch Sott S. 287. 288. der Urheber der Ideen genannt. Zwei⸗ tens der Inbegriff der Merkmale, die in der Idee enthalten ſind, iſt das Weſen der Dinge, welches, wenn es als ein Objekt gedacht wird, in der Plato⸗ niſchen Philoſophie das Ding an ſich heißt. Und es iſt nicht ſchwer, die Entſtehungsart dieſes Be⸗ griffes aufzuſuchen. Wenn wir fragen, was iſt ein Tiſch uͤberhaupt, nicht der oder jener, ſo nennen wir die Merkmale, die allen Tiſchen zukommen. Wir denken uns alſo wuͤrklich ein Objekt durch den Gattungsbegriff. Wenn nun Plato dieſes Objekt mit dem Ding an ſich verwechſelte, ſo war es eine nothwendige Folge, daß der Kuͤnſtler nicht den Tiſch überhaupt, als Ding an ſich (a), ſondern nur ein Individuum, welches aber unter der Gatz sung fichet, diefen oder jenen Tiſch hervqrbringe. In der dritten Stelle, Cratylus S. 347. finde Ich nicht dag Geringfte, was als ein Grund für die entgegengefezte ErFlärung angefehen werden fönnte, Daher ift es wohl überflüßig, noch etwas darüber au ſegen. | Zu - zıvr Zu bem in der Vorrede zum erfich Bande ges lieferten Verzeichniß der Schriften, welche Plato und ſeine Philoſophie betreffen, muß ich einige Zu⸗ ſaͤtze hinzufuͤgen, welche ich der Guͤtigkeit eines ſchaͤtzbaren Freundes zu verdanken habe. J. Ueber Platos Leben b) S. XXVI. Corſini Diſſertatio de natali die Platonis, eitsque aetate et itineribus in Gori 'Symbolis lieterariis c. VI, n. Ueber Plato als Schriftſteller ©. XXVIH. Ioh. Fr. Hiller Commentetio de dicendi generc Platoniss Wittemberg 1763. IH. Ueber Platos Philoſophie b) © XXVOIL. Foxii Morzilli Commentarius in Platonis de Republica LX. Bufilese 1556. fol. Ebendefielben Commentarius in Platonis Phaedonem, Balı- leae 1556. fol. Antonio Conti Illuftrazione del Parmenide di Platone cos ‚una differtazione preliminare. Venetiis 1743. 4. IV. Weber einzelne Marerin ©. XXKL Aug. Magu: Kraft de notione philofophise in Platonis Koaras, Lipfise 1786 - Magn. Dan. Omeifii Diſputatio de illo Platonis efiaro, Philofophia eft meditatio mortin Altdorf. 1688. 8. io. Chiliani Sprembergeri Oratio de praeftantia er vri: litare artis dialecticae, deque definitione eiusdem Plata® nica. Witemberg 1598. 8. Die vortreffliche Abhandlung Reinholds über bie rationale Pſochdlogie des Plate in Dem erſten Bande feiner Briefe über . . bie - ’ xv hie Kantifche wbloſepbie ©. 303. und 323. L ſchon alls gemein bekannt. Io. Fr. Damman Diſſertatio I. et II. de humanaefentiendi er cogitandi facultatis natura ex mente Platonis. Helm- ftadii 1792. 4. Libe Differtatio: Platonis fententia de natura animi Goet- ungae. - ., lo. Andr. } Burtftedt . Progr. de Platonicorum Reminikce> te 1761. 4. Chriftiani Garve Progr. Legendorim Philofophorum v vo terum praccepta nonnulla et exemplum. Lipfiae 1770. 4; - Das Refultat,. welches ich aus der Verglei⸗ chung des Plaͤtoniſchen Timaͤus mit der Abhandlung von der Weltſeele unter dem Mahmen des Timaͤus von $ocri gezogen babe, daß die Teste nach dem Pla⸗ to gefihrieben, und ein Auszug aus dem Timäus des Plato fei, werde ich bei einer andern Gelegenheit durch einige andere Gründe beftätigen, durch welche ſich auch vieleicht der Verfaffer wird entdecken laſen. Das Uebrige von der theoretiſchen nebſt der prak⸗ tiſchen Philoſophie hoffe ich in dem dritten Band vollſtaͤndig abhandeln zu koͤnnen. Je weiter ich in dem Syſtem fortruͤcke, deſto kuͤrzer werde ich mich faſſen koͤnnen. Uebrigens wuͤnſche ich dieſem und dem folgenden Bande eben fo viel Veifall, als das _ Pa \ 4 — —— —X | Publikum dein erften geſchenkt hats Aber noch mehr wuͤnſche ih, daß das ganze Werk eine Luͤcke In der Litteratur der Philofophie ausfüllen, und dadurch der günftigen Aufnahme nicht ganz unmwürdig befunden werden möge. legen ber Druckfehler, welche fih - bei meiner Entfernung vom Druckorte vielleicht einges feplichen haben, ,. muß ich um Verzeihunz bitten, Jena im September 1793. \ Wilhelm Gottlieb: Tennemann Inhait. Spftem » ee | Platonifhen Philofophie, Erfier Theil, 2 Syftem | - der Platoniſchen Philoſophie. — — — Erſter Theil. | Theorie bes Vorſtellens, Denkens unb Erkennens. “ . \ ie Philoſophie des Plato hatte, nach den Srunblis nien , toelche wir in dem erflen Bande gegeichnet haben, das Eigene, daßfie burch mehrere Entwicklung . und Beſtimmung ber Begriffe und firengered Raͤſonne⸗ ‚mens bie großen Sragen, deren Aufldfung das Gefchäft ‚der räfonnirenden Vernunft ausmacht, zu erdrtern ſuch⸗ te. Sie gieng nicht nach dem Beifpiel der vorhergehen⸗ ben Philoſophen von ben Gegenftänben, fondern von ben Vorſtellungen aus, durch welche jene gedacht werben. Durch diefen Bang, welchen bie räfonnirende Philoſo⸗ phie durch die Bemühungen eines Plato nahm, wurde jezt ein gang neuer Zweig ber Philofophie an dag Licht hervor gezogen, auf welchen bie aͤltern Philofophen, die mie den Gegenſtaͤnden zu ſehr befchäftiget waren, nur felten ihre gange Aufmerffamfeit gerichtet hatten, nehmlich das Vorſtellungsvermoͤgen. Wir müffen alfo zuerft diejenl⸗ gen Entdeckungen darzuſtellen ſuchen, welche Plato in dieſem Theile der Philoſophie machte, weil ſie gerade den Spauptfchläffel zu feiner ganzen Philoſophie enthal⸗ ten, und uns am beften belehren, aus welchem Geſichts⸗ punfte er die Gegenftände, welche zur Philofophie gehdr ren, anfah, auf welche Weife er fie behandelte, und 42 ‚behane * Behandeln zu muͤſſen glaubte, um bie Erlenntniß derſel⸗ ben zur Wiffenfchaft zu erheben. Da fchon die Beobachtung ded Innern Sinned, we⸗ gen der Neichhaltigfeit des Stoffes, ber beſondern Bes fehaffenheit deſſelben, und den großen Schwierigkeiten, welche mit der beabfichteten Wahrnehmung biefer Ges genftände verfnüpft find, das Gefchäft des Verftandes hei Bearbeitung der empirifchen Pſychologie fo fehr er. ſchweret, daß fie nad) fo vielen falfchen Abwegen nur erft fürzlich auf. den richtigen Weg eingeleitet ift; da, nachdem fo viele Jahrhunderte hindurch an den Mate» rialien dieſer MWiffenfchaft geſammlet worden, dennoch der Beobachtungsgeift nicht nur mit einer Nachlefe hin⸗ länglich befchäftiget if, fondern auch noch ganz unbe kannte Gegenden bes menfchlichen Gemüthes antriftz fo darf man bier von bem erften Berfuche,- weichen Plato in diefens Felde machte, keine Bolftändigfeit und Voll-⸗ fommenheit erwarten. Er brach tur größtentheild die Bahn, bemerkte nur einige der auffallendften Erſcheinun⸗ gen des menfchlichen Gemuͤths, zerglicherte fie bis zu ei» nem gewiſſen Grad der Deutlichkeit, und konnte bei aller "Sorgfalt der Unterſuchung doch nicht große Fehler ver- meiden. .. Und wenn fich num Plato fogar an das vielleicht fchrierigfie Unternehmen der ganzen Philofophie wagt, die Zergliederung des Erfenntnißvermdgend, welches der Zieffinn des koͤnigsbergiſchen Philoſophen zuerſt vol. ſtaͤndig ausgemefien bat: fo müffen wir dem athenienfl- fchen Philofophen die größte Nachficht nicht verfagen, wenn er nicht gang die Tiefen dieſes Gegenſtandes er- gründete, fondern ihm vielmehr Dank wiſſen, baß er fich durch die Schwierigfeiten nicht abfchredten Heß, um durch feine Bemühungen bie räfonnirende Vernunft eine Strecke Weges weiter zu führen, als fie bisher. gegan⸗ gen war. Bean au ER Be Wenn man fi in das Zeitalter des Plato und an feine Stelle Hin verfest, fo wird man um fo geneigter fein, dieſe billige Denkungsart gegen biefen Philoſophen zu beobachten, je mehr man die Schwierigkeiten und Hinderniſſe eines ſolchen Unternehmens uͤberdenkt. Der gemeine Menſchenverſtand hatte zwar ſchon manche Ge⸗ genſtaͤnde des innern Sinnes beobachtet, und durch die Sprache bezeichnet. Allein dieſer Schatz von Erfahrun⸗ gen war dem Geſchaͤfte der Zergliederung mehr hinder⸗ lich als foͤrderlich. Die Mannigfaltigkeit des Stoffes war dadurch vermehrt, und die Unterſcheidung und Ord⸗ nung deſſelben erfchmert ; die Bedeutung der Worte war unbeſtimmt und fchwanfend, und machte den Gebrauch der Wahrnehmungen eben fo unficher und fchmanfend. Als Plato das Erkenntnißvermoͤgen zu unferfuchen an« fing, hatte fchon der Streit über das Vermögen oder ' Unvermögen bed Derftandes begonnen, Dogmatifer und Skeptiker ſtritten mit einander über die Frage: ob fich überhaupt etwas erfennen laffe; und einige behaupteten, es laſſe fich nichts erkennen, während andere. jede Bor» ſtellung fchon für Erfenneniß hielten. Doch diefe Streitig⸗ keiten, welche von ben entgegen gefezten Parthien zur, ' Hand genommen und entfchieden wurden, noch ehe-man anterfscht hatte, was Erfennen fei, konnten nur dazu dienen, die Sache noch dunkler und verwirrter zumachen. Wenn ein Denfer, ber fein Nachdenken diefer Unterſu⸗ chung widmete, für die eine pber andere Meinung Par⸗ thie nahm, oder auch nur eine Vorliebe hatte, fo war * fein Gefichtspunft verrückt, und fein Blick nicht rein und unbefangen genug, um nur allein in dem Bewußtſeyn, der einzig reinen Quelle, zu finden, was er fuchte Zus dieſen äußern Hinderniffen kamen noch einige, welche in dem Gegenſtande felbft ihren Grund haben. Es war nicht leicht möglich, daß der erfte Zerglieberer des Vor⸗ ſtellungsvermoͤgens in feinen Erdrterungen fo weit kam, daß er die Merkmale bie auf die einfachfien, bie fich = 13 nicht — 6 — nicht weiter aufloͤſen laſſen, verfolgte; er blieb alſo bei den naͤchſten ſtehen, die ihre vollkommene Beſtimmung erſt von den Begriffen der legten erwarteten. Die vollſtaͤn- dige Erkenntniß aller Merfmale und Unterfchiede der Vor⸗ fielungen und der Geſetze bes Vorftellend war vor ber solftändigen Zergliedberung des gefanımten Vorſtellungs⸗ vermögens nicht möglich. In diefem Fall befanden ſich - aber alle Denfer bis auf Kant. Sie konnten nich anders als. mit einzelnen Vermögen anfangen, bie fie nach ihrem befonbern Zweck und- dem’ Grade ihres ſyſte⸗ matifchen Geiſtes entdeckten. Hieraus läßt fich auch bie Erfcheinung erklären, daß bis auf ben Koͤnigsbergiſchen Philofophen fein Denker aus der Naturbes Vorſtellungs⸗ vermoͤgens bie Sefege von bem Gebrauch und Antweh- bung des Erkenntnißvermoͤgens und ihren Graͤnzen ent bedte, fondern Immer bald dem einen Bermögen, mit Beeinträchtigung bed andern, bald zu Biel bald zu Wenig einrdumte. Wenn ein Philofoph der Beruunft oder der Sinnlichkeit den Hauptantheil an der Erkenntniß zu⸗ fprach , fo mar es natürlich, daß feine Unterfuchungen einfeitig waren, und die Erörterung des andern Vermoͤ⸗ gend vernachläffiget wurde. Der Zuftand ber damaligen Philofophie beſtimmte den Plato, bag Erkenntnißvermoͤgen gu unterſuchen. Es - War ein Zeitbebürfniß, ba die Möglichkeit einer Erkennt- niß ſchon in Anfpruch genommen worden war. Nur al⸗ kein in dieſer Hinficht und zu biefem Zwecke eroͤrterte er Bad Vorſtellungsvermoͤgen, inſoweit er in bemfelben bie Bedingungen ber Erfenntniß zu finden glaubte. Da er aus einem Mißverſtaͤndniß, welches weiter unten erfläre werden fol, dad Denken mit dem Erkennen veriwechfelte: fo . befamen auch die Negelm des Denfens, welche nur bie Form, nicht den Inhalt der Erfenntniß beſtimmen, eine ganz andere Dignität; und bie Dialeftif, die Wiſſen⸗ ſchaft derfelben, wurde ein Organon des Verſtandes. Aus dieſen Gruͤnden werden wir in dieſem Theile alled, was / was Plato über das gefammte Erkenntnißverwaͤgen ges dacht bat, im drei Abfchnitten vortragen, und in dem erften feine Theorie bes Vorſtellens; in dem zweiten, feine Theorie des Erkennens; in bem dritten, feine Theosie des Denkens, oder feine Logik, abhandeln. Erfter Abſchnitt. Theorie des Vorſtellen«. DU gleich Plato nicht die Abficht hatte, und nach dem damaligen Grad ber Kultur der räfonniren» ' den Vernunft nicht Haben konnte, eine volftäudige Eva srterung des Vorftelungsvermdgens zur Hand, zu neh⸗ men, fo konnte es doch nicht fehlen, daß er durch feine. Unterfuchungen über das Vermögen der Erfenntniß nicht mannichfaltige Entdeckungen über das Vorftellen ſollte gemacht haben. Hieraus ergiebt ſich ſchon fo dich, daß er feine vollftändige Theorie zu Stande gebracht hat. Sie befchäftiger fich mehr mit dem Einzelnen und Beſon- dern, als mit dem Allgemeinen; er'unterfucht mehr dis einzelnen Arten der Vorſtellungen, als den Gattungsbe⸗ griff, Vorſtellung; er giebt mehr die Merkmale einzelner Arten der Vorſtellungen, als der Vorſtellung uͤberhaupt an. Der Grund davon iſt ſehr begreiflich. Die Hauptunterſuchung in dieſem Theile der Platoniſchen Philoſophie war die Stage: Was if und worin beſtehet das Erkennen? Diefe Frage Eonnte nur auf die Art bes antwortet werben, daß er diejenigen Vermoͤgen, welche er jur Erkenntniß für noͤthig hielt, fo weit entwickelte, als es damals möglich war. Die Methode, die er zu dieſen Unterfuchungen ats wendete, mar bie einzig richtige, die Analyfig. Um N4 fich I | Publikum dem erften gefchenke hat; Aber noch mehr wuͤnſche ih, daß das ganze Werk eine Luͤcke In der itteratur der Philoſophie ausfüllen, und dadurch der günſtigen Aufnahme nicht ganz unwuͤrdig befunden werben möge, Wegen ber Druckfehler, welche fi - bei meiner Entfernung vom Druckorte vielleicht einge⸗ ſchlichen haben, muß ich um Verzeihund Bitten, Jena im September 1793. \ Wilhelm Gottlieh Tennemann Inhalt. Syfltem Platonifhen Philofophie Erfier Theil, . | Sy t em | - der .Platonifhen: Philoſophie. — — — Erſter Theil. 2* Theorie bes Vorſtellens, Denkens und Erkennens. — — —— — gie Philoſophie des Plato hatte, nad) den Grundlis nien, welche wir in dem erſten Bande gezeichnet haben, das Eigene, daßfie burch mehrere Entwickelung and Beſtimmung der Begriffe und firengeres Raͤſonne⸗ ment bie großen Fragen, deren Aufloͤſung das Geſchaͤft der raͤſonnirenden Vernunft ausmacht, zu eroͤrtern ſuch⸗ te. Sie gieng nicht nach dem Beiſpiel vorhergehen⸗ den Philoſophen von den Gegenſtaͤnden, ſondern von den Vorſtellungen aus, durch welche jene gedacht werden. Durch dieſen Bang, welchen bie raͤſonnirende Philoſo⸗ phie durch die Bemuͤhungen eines Plato nahm, wurde jezt ein ganz neuer Zweig der Philoſophie an das Licht hervor gezogen, auf welchen die aͤltern Philoſophen, die mit den Gegenſtaͤnden zu ſehr beſchaͤftiget waren, nur ſelten iͤhre ganze Aufmerkſamkeit gerichtet hatten, nehmlich das Vorſtellungẽsbermoͤgen. Wir muͤſſen alſo zuerſt diejeni⸗ gen Entdeckungen darzuſtellen ſuchen, welche Plato in dieſem Theile der Philoſophie machte, weil ſie gerade den Hauptſchluͤſſel zu ſeiner ganzen Philoſophie enthal⸗ ten, und uns am beſten belehren, aus welchem Geſichts⸗ punfte er die Segenſtaͤnde, welche zur Philoſophie geho⸗ rn, anſah, auf welche Weife er fie behandelte, und 42 behan⸗ * behandeln zu muͤſſen glaubte, um bie Erkenntniß berfels ben zur Wiſſenſchaft zu erheben. Da fchon die Beobachtung des Innern Sinnes, we⸗ gen ber Reichhaltigfeit ded Stoffes, der befondern Bes fchaffenheit deffelben, und. den großen Schwierigkeiten, welche mit der ;beabfichteten Wahrnehmung diefer Ge⸗ genftände verknüpft find, das Gefchäft des Verfiandes bei Bearbeitung der empirifchen Pſychologie fo fehr er⸗ ſchweret, daß fie nach fo vielen falfchen Abwegen nur erft kürzlich auf. den tichtigen Weg eingeleitet iſt; da, nachdem fo viele Jahrhunderte hindurch an den Mate rialien diefer Wiffenfchaft geſammlet worden, dennoch der Beobachtungsgeiſt nicht nur mit einer Nachlefe bin laͤnglich befchäftiget ift, fondern auch noch ganz unbe kannte Gegenden des menfchlichen Gemuͤthes antrift; fo ‚darf man hier von bem erften Verſuche, weichen Plato in diefem Felde machte, keine Volftändigfeit und Voll⸗ , fommenbeit erwarten. Er brach nur groͤßtentheils bie Bahn, bemerkte nur einige der auffallendften Erfcheinun- gen des menfchlichen Gemuͤths, zerglieberte fie bis zu ei⸗ nem gewiſſen Grad der Deutlidhfeit, und Eonnte bei aller "Sorgfalt der Unterſuchung doc) nicht große Fehler ver- meiden. . ‘ Und wenn fich num Plato fogar an das vielleicht ſchwierigſte Unternehmen der ganzen Philofophie wagt, die Zergliederung des Erkenntnißvermoͤgens, welches der Zieffinn des koͤnigsbergiſchen Philofophen zuerſt voll⸗ ſtaͤndig ausgemefien hat: fo muͤſſen wir dem athenienfl- {chen Philoſophen die größte Nachficht nicht verfagen, wenn er nicht gang die Tiefen dieſes Gegenſtandes er- gründete, fondern ihm vielmehr Danf wien, daß er. fi) durch die Schwierigfeiten nicht abfchredten ließ, um durch feine Bemühungen bie räfonnirende Vernunft eine Strecke Weges weiter zu führen, als fie bisher. gegan⸗ gen war. Bean — 5 — Wenn man fich in das Zeitalter des Plato und an feine Stelle Hin verfest, fo wird man um fo geneigter fein, dieſe billige Denfungeart gegen biefen Philoſophen zu beobachten, je mehr man die Schwierigkeiten und Hinderniſſe eines ſolchen Unternehmens uͤberdenkt. Der gemeine Menſchenverſtand hatte zwar ſchon manche Ge⸗ geuſtaͤnde des innern Sinnes beobachtet, und durch die Sprache bezeichnet. Allein dieſer Schatz von Erfahrun⸗ gen war dem Geſchaͤfte der Zergliederung mehr hinder⸗ lich als foͤrderlich. Die Mannigfaltigkeit des Stoffes war dadurch vermehrt, und die Unterſcheidung und Ord⸗ nung deſſelben erſchwert; die Bedentung der Worte war unbeſtimmt und ſchwankend, und machte den Gebrauch det Wahrnehmungen eben ſo unſicher und ſchwankend. Als Plato das Erkenntnißvermoͤgen zu unterſuchen an⸗ fing, hatte ſchon ber Streit über das Vermoͤgen oder Unvermögen bes Derftandes Begonnen, Dogmatiker und Skeptiker fritten mit einander über die Srage: ob fich überhaupt etwas erkennen lafle; und einige behaupteten, es laſſe fich nichts erfennen, während andere. jede Bor» ſtellung fchon für Erfenneniß hielten. Doch diefe Streitig⸗ keiten, welche von den entgegen gefesten Parthien zur Hand genommen uud entfchieden wurden, noch ehe man anterfucht hatte, was Erfennen fei, fonnren nur dazu dienen, die Sache noch dunkler und verwirrter zu machen. Wenn ein Denfer, ber fein Nachdenken diefer Unterfüs hung widmete, für die eine pber anbere Meinung Par thie nahm, oder auch nur eine Vorliebe hatte, fo war ſein Gefichtspunft verrückt, und fein Blick nicht rein und unbefangen genug, um nur allein in dem Beroußtfenn, der einzig reinen Quelle, zu finden, was er ſuchte. Zu dieſen äußern Hinderniſſen famen noch einige, welche in dem Gegenſtande felbft ihren Grund haben. Es war nicht leicht möglich, daß ber erſte Zerglieberer des Vor⸗ ſtellungsvermoͤgens in feinen Eroͤrterungen fo weit fam, daß er die Merkmale bis auf die einfachfien, bie fich oo: 13 niche — 6 — nicht weiter aufloͤſen laſſen, verfolgte; er blieb alſo bei den nächften fichen, die ihre vollkommene Beſtimmung erft von den Begriffen der legten erwarteten. Die volftäus dige Erfenntniß aller Merkmale und Unterfchiebe.der Bor ſtellungen und der Geſetze bes Vorſtellens war vor der vollſtaͤndigen Zergliederung ded gefammten Vorſtellungs⸗ vermögens nicht möglich. In diefem Gall befanden ſich - aber alle Denter bis auf Kant. Sie konnten nicht anders ald. mit einzelnen Vermoͤgen anfangen, bie fie nach ihrem befonbern Zweck und-dem' Grabe ihres ſyſte⸗ matifchen Geiſtes entdeckten. Hieraus läßt fich auch bie Erfcheinung erklären, daß bis auf ben Koͤnigsbergiſchen Dhilofophen Fein Denker aus ber Natur bed Vorſtellungs⸗ vermoͤgeus die Geſetze von dem Gebrauch und Antveh- dung des Erkenntnißvermoͤgens und ihren Graͤnzen ent- . bedite, fondern immer bald dem einen Vermögen, mit Beeinträchtigung des andern, bald zu Biel bald zu Wenig einrdumte. Wenn ein Philofoph ber Vernunft oder ber Sinnlichkeit den Hauptantheil an der Erfennmiß zu⸗ fprach , fo mar ed natürlich, daß feine Unserfuchungen einfeitig waren, und die Erdrterung des andern Vermoͤ⸗ gend vernachläffiget wurde. Der Zuftand der damaligen Philoſophie beſtimmte ben Plato, bad Erkenntnißvermoͤgen gu unterfuchen. Es . War ein Zeitbeduͤrfniß ‚ da die Möglichkeit einer Erkennt niß fchon in Anfpruch genommen worden war. Nur al⸗ kein in dieſer Hinfiche und zu dieſem Zwecke erdrterte er bad Vorfielungsvermdgen,, inſoweit er in demfelben bie Bedingungen der Erfenntniß zu finden glaubte. Da er aus einem Mißverſtaͤndniß, welches weiter unten erflärt ‚werden fol, da8 Denken mit bem Erkennen vertwechfelte: fo Befamen auch bie Regeln des Denkens, welche nur bie Form, nicht den Inhalt der Erkenntniß beſtimmen, eine ganz andere Dignitaͤt; und die Dialektik, die Wiſſen⸗ ſchaft derſelben, wurde ein Organon des Verſtandes. Aus dieſen Gruͤnden werden wir in dieſem Theile alles, was 7 — | was Plato über das geformte Erkenntnißverwaͤgen ge . dacht hat, in drei Abfchnitten vortragen, und in dem erften feine Theorie des Vorſtellens; in dent zweiten, feine Theorie bes Erkennens; in dem dritten, feine Theosie des Denkens, ober feine Logif, abhandeln. Erſter Abſchnitt. Theorie des Vorſtellen«. > . . j) DU gleich Plato nicht die Abfücht hatte, und nach bem damaligen Grad der Kultur der räfonnirene ' den Vernunft nicht haben konnte, eine vollſtaͤndige Eva Arterung bed Vorſtellungsvbermoͤgens zur Hand gu neh⸗ men, fo konnte ed doch nicht fehlen, daß er durch feine Unterfuchungen über das. Vermoͤgen der Erfenntniß nicht mannichfaltige Entdeetungen über dad Vorftellen foßte gemacht haben. Hieraus ergiebt ſich ſchon fo viel, daß er keine vollftändige Theorie zu Stande gebracht hat. Sie befchäftiger fich mehr mit bem Einzelnen und Befon« - dern, als mit dem Allgemeinen; er’ unterfucht mehr bie einzelnen Arten der Vorſtellungen, als den. Gattungsbe⸗ griff, Vorſtellung; er giebt mehr die Merkmale einzelner Arten der Vorſtellungen, als der Vorſtellung uͤberhaupt an. Der Grund davon iſt ſehr begreiflich. Die Hauptunterſuchung in dieſem Theile der Platoniſchen Philoſophie war die Stage: Was iſt und worin beſtehet das Erkennen? Diefe Frage Eonnte nur auf die Art bes antwortet werden, daß er diejenigen Vermögen, welche er jur Erkenntniß für noͤthig hielt, fo weit entwickelte, als es damals möglich war. Die Methode, die er zu dieſen Unterfuchungen aus wendete, mar bie einzig richtige, die Analyſis. Um Ä 14 fich — 8 — fich Rechenſchaft geben gu koͤnnen, was Erkennen ſei, muß fchon ausgemacht fein, was unter Erkenntniß zu ver⸗ ſtehen iſt ). Dieſes fegt aber eine Zergliederung des Begriffs voraus, wodurch die Merfmale gefunden wer- ben, unter welchen man ihn benfen muß. Plato glaubte alfo, daß fih nur durch die Entwicklung der Vorſtel⸗ ungen, welche aus «einem Vermoͤgen entfpringen, bie Bedingungen entdecken laffen, unter welchen die beſtimmte Moͤglichkeit, d. h. das Vermögen biefer Vorftelungen gedacht werden kann. Sp richtig aber auch nun dieſes Ver⸗ fahren an fich ſelbſt ift; fo war es doch allein nicht im Stande, feine Unterfuchungen vor dflen Irrungen und Mißverftändniffen gu fichern; und es fonnte ihn nicht auf den richtigen Begriff von dem Erfennen bringen, fo lange diefe Zerglieberung nicht bis an die Graͤnzen der Vorſtellbarkeit fortgeſezt wurde. In diefer Unvollſtaͤu⸗ digkeit und dem eingewurzelten Mißverſtaͤndniſſe, daß die Dinge an ſich erkeunbar ſeien, liegt, wie fich weiter unten ergeben wird, der Grund, daß Plato das Denfen mit dem Erkennen verwechſelte, und die Vernunft für das eigentliche Erkenntnißvermoͤgen hielt. Es erhellet hieraus, daß Plato bey dieſen Unterſu⸗ chungen von einem richtigen Geſichtspunkt ausging. Mas bis dahin ſo ſchwer geweſen war, die Praͤbicate des innern Sinnes von denen des aͤußern zu trennen, das vermied Plato gluͤcklich. Daher leitete er auch die Moͤg⸗ lichkeit des Empfindens und Denkens von keiner verbor⸗ genen Eigenſchaft oder einem materiellen Stoffe der Seele ab, und er verwarf alle Erklaͤrungen dieſer Art als un⸗ zureichend. Ob es das Blut, ſagt er in der Perſon des Sokrates, ober Feuer oder Luft ſei, was in uns benfe, ober ob das Gehirn ung finnliche Vorſtellungen uͤberlie⸗ r a) Theaetet. ster B. ©. 165,166, ewurn un avadıs dexca AxXERXXXXVCEXXCXEEEXVX — — - fere, aus dieſen Uetheile und Berdeenifvorfeflungen entſtehen, und daraus endlich, wenn fie Feſtigkeit erlan⸗ gen, Erkenntniß werde, dieſe und andere dergleichen Fragen intereſſſren mic, nicht, weil ich für fie ganz und gar untauglich bin *).* Die ditern Bhilofophen dachten fi) das Subjekt des Innern Sinnes ald Materie, bie entweder mit bem Körper einerlei ober von demfelben verfchieden, aber doch mit demfelben verbunden fei. Hieraus erklärten fle die ihnen auffallendfien Erfcheinuns gen und Veränderungen des Gemuͤthes. Plato aber forfchte nicht fowohl nach dem. Entfichen, als vielmehr nad) den Merkmalen, moraus fie beftehen, und leitete bie Borfiellungen nach dieſen erfannten Merkmalen theils aus dem Vermögen des unbefannten Subjekts in Ver⸗ bindung mit der Drganifatien, theild aus dem Vermde gen deffelben allein ab, Diefe Veränderung des Gefichtspunkts betraf nicht allein die Piychologie , fondern überhaupt die Philoſo⸗ pbie. Diefe war bei den dlteften Philoſophen meiſten⸗ theils materialiſtiſch. Woraus ift alles entflanden, war bie Nanptfrage, und die Principe, woraus fie alles ablelteten, Materie, die Elemente der Koͤrperwelt, ober verkörperte Formen bee Anfchauung und Begriffe bes Verſtandes, menn ich nich fo ausbrückn darf, Die Hauptfrage hingegen bei dem Plato warı Woraud bee ſtet alle; welches find die Merkmale, unter welchen eine Sache gedacht und vorgeſtellt werden mußd Die aͤltern A philo⸗ 8) Phaeda 1. B. &, 218. za worsenn Ta alua er 6 pe- vuusy nd RyE, N TO TUR" TUT Key Wüsv, 0 de SYKeQmieKE 51V 0 Tag nıcdyene wagızun Tu axuım na Öpav uaı ocdemi- veodas’ un Tora ds Yıyyorra run na dokn’ an ds MEvunue um: Sofng Außueys Ta yerktın, xara Taure yıyyasdar anıcyr yuv —.mersuruv Uruc aut EÜoER EEE TAYTEN Tr ERE aſuxc unas de vder xeſa- 4 10 — Philoſophen machten die Eigenſchaften und Elemente dev Dinge zu Principien, woraus fie alles qbleiteten; Plato die Borflellungen der Dinge. Kurz Plato hatte den logis fchen Sefihtspunft, der aber hernach durch den Irr⸗ thum, ale koͤnne man durch gewwiſſe Vorftellungen das Weſen der Dinge an ſich erkennen, metaphyſiſch wurde. Plato ſchloß erſt von dem, was bie Reflexion über den innern Sinn lehret, auf das Subjekt deſſelben, un⸗ ter melchem er überhaupt nichts anders verſtand, als den Inbegriff von gewiffen Bermdgen und Kräften. Die Vermoͤgen unb Kräfte unterfchied er nach den Wirfun- gen, die einander entgegengefegt find, oder fich nicht aus einem Brincip ableiten laffen. So bemerkte er drei Ars ten von Wirkungen, die zwar alle der Seele zugefehrie ben werben, oder boch nicht aus einem gemeinfchaftlichen Grunde gbgeleitet werden koͤnnen, nehmlich Vorſtellungen, . Gefühle und Begehrungen ; und unterfchied drei Vermoͤ⸗ . gen und Kräfte, welche ben Grund von der Moͤglichkeit und Wirklichkeit derfelben enthalten. Wir haben egjest nur mit dem erften derſelben zu ehun, und verfparen bie Darfiellung der Gedanfen des Plato über die beiden übrigen auf die Pſychologie. Diefe Betrachtungsart des Dlato giebt ung einen Wink von der Methode, welche wir bei Entwickelung feinee Theorie des Vorſtellens zu befolgen haben. So wie er von ben Wirfungen auf das Vermögen und bie Kraft ſchloß, fo werden wir bier guerft feine Rehrfäße über die Vorſtellungen vortragen, und bann unterfuchen, was er ſich unter dem Vorſtellungs⸗ vermögen gedacht habe. Bir werben alfo erſt die allge meinen Merkmale angeben, welche Plato von den Vor⸗ ſtellungen überhaupt angiebt ; zweitens die befondern Ar- ten und Unterfcheidungen betrachten, nach welchen er bie Vorſtellungen eintheilte; drittens über den Stoff und Form der Vorſtellungen nach Platod Bhilofophie Unter - füchungen anſtellen, und endlich Platos Begriffe von dem Vorſtellungsvermoͤgen darſtellen. Erſtes Erfies Kapitel Allgemeine Merkwale der Vorfiellungen- ir finden bei dem Plato feinen Begriff, ber bie ur⸗ fprünglichen Merfmale, welche jeder Vorſtellung als Vorſtellung zukommen, zufammen faßte, und duch die Sprache ausdruͤckte. Man fucht fogar vergebens nach einen Worte, welches den Gattungsbe⸗ sriff von Borftelung bezeichnet. Die Sprache, welche‘ big auf Plato noch fehr unvollfommen in Anfehung der genau beftimmten Bedeutung der Worte war, bot eine ziemliche Anzahl von Worten dar, welche befondere Ars sen des Vorftellungen beeichneten, und doch für den Sattungsbegriff gebrauche wurden. Hieher gehdren bie Wortes aIyeıs, dokn, awısyun, Aoyog, dsauız; eben diefelben, das erfie ausgenommen, kommen!bei dem Plato in diefer allgemeinen Bedeutung vor, bie ihnen aus dem Sprachgebrauch neben der beſtimmten Bedeutung blieb, welche ihnen Plato durch Entwickelung des bee zeichneten Gegenſtandes angewieſen hatte. Außer diefen braucht er das Wort nardaven zuweilen in der Bedeutung für Vorſtellen überhaupt *). Vermuthlich liegt darin eine dunfle Ahndung von dem, was bei dem Vorſtellen vorgehet, womit das Lernen infofern eine Aehnlichkeit bat, daß bier ein Stoff gegeben wird, den das Gemüth aufnimmt, und auf eine getoiffe Weife bearbeitet. Der Mangel eines fo wefentlichen für die Philoſophie fo unentbebrlichen Begriffes läßt fich fehr Teicht und na» türlich erflären. Die Entdeckung deffelben fezt die Ent wichelung ber befondern Arten von Vorſtellungen voraus, um de republ. IV. ta B. S. 360 IX. sta B. G. a58. ⸗ um file das erfie die Merkmale zu finben, wodurch fie fi) von einander unterfcheiden. Außer dieſen muß bei jeder Vorſtellung noch ein gemeinfames Merkmal vorhan⸗ ben fein, wodurch eben jede befonidere Art unter dad Ge⸗ ſchlecht Vorſtellung uͤberhaupt gehoͤret; und dieſes kann nur durch die Reflerion uͤber das Bewußtſein, welches bei jedem Vorſtellen vorhanden ſein muß, aufgefunden werden. Das erſte hatte Plato einigermaßen gethan, aber der Zutritt zu der reinen Quelle des Bewußtſeins war noch nicht gebahnt genug. Hauptſaͤchlich kam es auf die Unterſcheidung zwiſchen der Form und dem Stoffe der Vorſtellungen an, eine Unterſcheidung, die fuͤr jene Zeiten noch zu fein, und wozu der philoſophiſche Geiſt noch nicht vorbereitet war. Ob nun gleich der beſtimmte und vollſtaͤndige Begriff von Vorſtellung uͤberhaupt damals vielleicht noch nicht moͤglich war, ſo finden ſich doch einige zerſtreuete Be⸗ merkungen und Beobachtungen uͤber das, was bei jeder Vorſtellung in dem Bewußtſein vorgehet, aus welchen durch fortgeſezte Aufmerkſamkeit und Zergliederung der Gattungsbegriff leicht Hätte zuſammengeſezt werden fonts nen, wenn damals das Bebuͤrfniß dieſes Begriffes fo einleuchtend gengefen wäre, ale es sum Gluͤck für bie Philoſophie zu unfern Zeiten if. Es liegt ung jest ob, diefe einzelnen Bemerkungen von andern philofophifchen Gedanken zu trennen und sufammenzuftellen. Mer eine Vorftellung bat, muß ſich etwas vorſtel⸗ len; denn ſonſt wuͤrde er fich nichtg vorftellen; d. 5. er wuͤrde gar keine Vorftelung haben '). Diefer Sag leuchtet unmittelbar. ein; wer über bad, was im Bes wußtſein bei dem Vorſtellen vorgehet, nachdenfet, iſt auch fogleich von der Evidenz deſſelben ÜAberzeugt. Det Eat bedurfte alfo feines Beweiſes. Plato zeigt F du 1) Thesetet. ater B. ©, 148, 249. vV under dokacım Terapawav uds dofacın _ * durch einige Beyſpiele, daß fich dieſer Sag fewohl auf bie Borftelungen der Sinnlichkeit als des Verſtandes bes ziehet. Man Fann nicht anfchauen, man fann nicht den» Sen, ohne etwas zu denken und anzufchautn. Hieraus folgert Plato, daB in jeder Vorftellung Etwas Reales ift, ober etwas, daß fich auf ein Ob» jekt begichet, (1 7, a). Wenn man borftellet, ſo ſtellt man ficy ein Etwas vor, und das ift etwas Reales (m) ). Das or heißt bier ſodiel ale überhaupt alles, mag vorgeftellt wird, und infofern zum wenigften fubjeftive Realitaͤt hat. An einen andern Dete ſchließt er aber ums gefehre daraus, daß die Vorftelung aufein Objekt bes zogen wird, daß fie etwas Objektives enthalten mäffe; denn wenn in ihr nicht etwas Objektives vorfommt, fo wird durch fie nicht ein Etwas, fondern Nichts vor: neſtellt. Diefes gile ſowohl von den finnlichen ald den gebachten Vorfielungen ). Daß mit jeder Vorſteliung ein Bewußtfein verbunden iſt, war ein Faktum, das ſich jedem Beobachter von ſelbſt aufdringet; und es waͤre eine Are von Wunder, wenn ſie dem Plato enkgangen waͤre. Man findet zwar dieſes Faktum in ſeiner Allgemeinheit und mit beſtimmten Worten ausgedruͤckt nicht in ſeinen Schriften erwaͤhnt, aber doch einzelne Bemerkungen und Aeußerungen, aus welchen ſo viel erhellet, daß es ihm nicht unbekannt ge⸗ blieben war. Ich will jezt nicht ber beiden vorigen Saͤtze erwähnen, melche nur aus dem Bewußtſein ge⸗ ſchoͤpft werden konnten, noch auch darauf dringen, daß mit 2) Ebendaf, F apa dv de *⸗ dem, er öpr 6 Ye Inlm, un TI; 3) de republic. V. te B. ©. 62,63. .ux —XRXXX 7) vı Gags vuv dofays yoloe vamy Jokacım ev, dofucım 3 mio; = aa ya rı Jotalu ö dofadınm — arım are ul ya, ug dv ti, aa under, ogderer’ av wgaemyegıvore. mit dem Bewußtſein des Vorgeftellten auch bag Bewußi⸗ fein des Vorſtellenden ungertrennlich verfnäpft iſt; denn es wäre doch möglich, daß er das Faktum nicht in deut⸗ liche Begriffe aufgeldßt Hätte. Aber folgende Bemerfun- gen gehören hieher. Für jede finnliche Vorftelung er⸗ fodert er, außer der Veränderung in den Drganen, eine gewiſſe Thaͤtigkeit der Seele oder des Vorſtellenden, wo⸗ burch erſt die Vorſtellung moͤglich wird. Sobald beides ſowohl der Eindruck als die Thaͤtigkeit des Vorſtellenden zuſammentreffen, fo iſt ſich die Seele etwas bewußt *). Bewußtſein und Vorſtellung ſind alſo in ungertrennlichen Zuſammenhange. Ob er gleich diefes nur von ben ſinn⸗ dichen Vorftelungen ausbrücklich ſaget, fo gilt es doch von jeder Vorſtellung. Daher heißt jede Vorſte Aung eærirvun DON ensaudaı, ſich bewußt fein 5). Jede Vorſtellung iſt von dem Objekte, worauf fie ſich beziehet, verfchieden. Wir haben zum Beifpiel eine Anfchauung vom Eirfel und auch eihen Begriff; aber weder das Eine noch das Andere iſt der Cirkel felbft °). Man muß daher die Vorftelung, das Bon ftellende, und das Vorgeſtellte unterſcheiden. (def, Bofalıv, Iokadeumor.) '). Aus diefen einzelnen Bemerkungen iſt fo viel Elar, daß die Beziehung der Vorftellung auf das Objekt unb Subjeft, und bie Unterſcheidung berfelßen von beiden als Merkmale der Vorftellung auch dem Plato überhaupt nicht unbefannt war. So gewiß diefes if, fo unldugbar IR es aber auch auf der andern Seite, daß er biefe Merkmale nicht in einen Begriff vereinigte, und dann ben Srund von ber geboppelten Beziehung und Unterfcheie dung noch nicht entdeckt ‚hatte. Weil es endlich noch fh 4) Philebus 4ter B. S. 254, 255. | 3) Phaedo ıfler B. S. 166. Philebus ©. Jar, 6) Epift. VII. 11ter B. S. 131. Cratylus ter B. ©. 286. 7) Philebus 4ter B. ©, 261, 262. | — 15 — feinen beutlichen Begriff von diefen Merkmalen gab, twelcher endlich auf die Unterfcheidung ‚ber Sorm und des Stoffes würde geführet haben :, fo fehlte ed ber Plato⸗ nifchen Pbilofophie an dem unentbehrlichften Begriffe, der Vorſtellung, wodurch der Begriff von dem eigentli- chen Eharafter und den Bedingungen der Erkenntniß ſehr fchwanfend bleiben mußte. Uebrigens fcheint ed, als wenn Plato den unent⸗ wickelten Begriff Vorftellung in einer fo weiten Beden⸗ tung genommen habe, daß er auch Gefuͤhle und Begeh⸗ rungen unter bemfelben begriff. Zum mwenigften nennt ce die Gefühle der Luft und Unluft an einem Drte sziısyuag, weil fie Segenftände des Bewußtſeins find.*). Sn die fem Sinne wären Vorſtellungen alle Beränderungen,. welche im Berwußtfein vorgehen, oder die mit Vorſtel⸗ Jungen ald Folgen (Begehrungen) und als begleitende - Veränderungen (Gefühle) im Zuſammenhange ſtehen. Daher die Verbindung zwiſchen dem Vorſtellungs⸗, Di gehruuss- und Gefuͤhlvermoͤgen. Zweites Kapitel. Bon den Arten ber Vorſtellungen. (4 bgleich ber Unterſchied zwifchen ben Vorſtellungen der Sinnlichkeit und bes Verſtandes, als eine Thatſache, welche auf einem Klaren aber unenttwickelten Bewußtſein beruhet, fihon lange zuvor war bemerkt worden, € ehe bie ehfonnisenbde Vernunft biefen Ünterfchieb aus 8) Ebend. ©. 320, 321. wepwrie Tone, ac Yerac sYınay, mASTUc Öpieapevaı, nalapız — AAX " — 16 — aus deutlichen Begriffen herzuleiten ſuchte, fo fehlte eß doch bis auf den Plato an deutlicher Einſicht in den Un⸗ terſchied beider Arten, und an Erkenntniß der Merkmale, wodurch beide als unterſchleden gedacht werden. Daher kam es, daß auch die beſten Denker, z. B. Parmenides, Verſtand und Sinnlichkeit verwechſelten, oder doch nicht ‚genug von einander abfonderten ). ES war dahet jein kleines Verdienſt um die Philoſophie, daß Plato zuerſt uͤber dieſe Unterſcheidung nachdachte, und einige Merkmale, wodurch ſie der Verſtand von einander trennt, entwickelte, wenn er auch nicht im Stande war, eine voͤllig befriedigende Erklärung zu geben. Einige Vorſtellungen entftehen durch die Orga⸗ niſation, das heißt, fie werden dem Seele durch die Sinne zugeführet, andere erhält fie durch ſich felbft, oder mit andern Worten, einige find finnlich, andere nicht finnlich. Die finnlichen unterfcheiden ſich von den leztern dadurch, daß jene vermittelſt gewiſſer Organe des Koͤrpers entſtehen, und daher jederzeit auf Etwas außer der Seele befindliches, das Organ, bezogen werben, 4. B. die Farben auf das Auge, die Tune auf das Gehoͤr; bei den egtern findet diefe Beziehung nicht flatt *). Dies ſes Merkmal iſt unzureichend, weil es feinen wefentlichen Unterſchied angiebt. Es paßt nur auf die Vorſtellun⸗ gen des äußern Sinnes; die bed innern werden dadurch nicht 3) Deihoertt behauptete, Verſtand ſei von Ginnlichkeit nicht verſchieden, inſofern beides in dem Dermögen, afficirt in werden, heſtehe. Empedocles und Parmenides glaubten, das Dentvermögen Andere fich durch jede dußere Veraͤnde⸗ rung des Koͤrrers; und nach einer Stelle, die Ariſtoteles ans führet, fcheint es, als wenn ber tiefdenkende Varmenides die Urfache des Denkens gam in ber Zufammenferung ber .Wͤrperlichen Organe geſeit habe. Ariftot. Meraphyf. IV, 5. 8) Theaet. ater B. ©. 140. Miena nur Zuem, xaı xuoa ums yarısa, 3 dv asdarg apk U Tu EmunTtos Inurn auch x x mn 17 J nicht son ben nicht ſinnlichen Vorſtellungen unterſchieden Iweitens unterſcheidet Plate beide Arten der Vorſiellung dadurch, daß er die ſinnlichen durch die vereint⸗ Wirkſamkeit des Koͤrpers und der Seele, die nicht ſinnlichen allein durch die Wirkſamkeit der Seele ent⸗ ſtehen läßt 3). Ohne genauere Unterſcheidung zwiſchen dem Stoff und ber Form der Vorſtellungen koͤnnen beibe Arten. duech dieſes Merkmal nicht unterfchieben merken. Die Vorſtellungen des innern Sinmes mußten auf dieſe Weiſe zu den nicht finnlichen gezaͤhlet werden, weil bien bie Wahrne hmung feine gemeinfchaftliche Wirkung des Körpers und der Seele unmittelbar lehret. ¶ Befrledigender ift das folgende interfcheibungdimerfe mal, welches von ber Verſchiedenheit der. Gegenſtaͤnd⸗ beider Arten der Vorſtellungen hergenommen iſt. Durch die Sinnlichkeit ſtellen wir ung das Einzelne, Indi⸗ viduelle, durch den Verſtand das Gemeinſame und Allgenieine vor 4) Die Vorflelungen, wodurch dem Gemithedagjenige vorgehalten wird, mas zwei ver⸗ ſchiedene oder alle Gegenſtaͤrbe gemein haben, Ldımas darch feinen Sinn geliefert werden. Denn bie Gegen⸗ ſtaͤnde dee einen Sinnes And von denen bed andern ver⸗ ſchieden, 4. B. Farben, Toͤne. Es giebt aber Yorker kungen, auf welche wir die Gegenſtaͤnde van zwei verſchis⸗ denen Sinnen beziehen. Die Quellen von dioſen verſchis denen Vorſtell ungen faun nicht eine unb bie uchmliche ie put die erſtern entfpringen aus Ber Owmnlichteit, bit nbei⸗ 9 Ebend. ©. 143,143. Tu ji —8* —— wen, ra ds; In Tuyru dwperec dovanımy. confet. Pirllebus ©. 254,255. ' 4) Thesee. G. 141. 9 de dia Imec Inc ee, on man - one am wo ewı Turaıs Iyicı Co, ro usw vuwvcnalın ng vo Yudorı, d.vor dg wre weg: dur; Tur0R Far W08 —XX runs We av aich averas 7. nn dungaz oe en” . Ä 8 — 18 — zweiten aus dem Verſtande — So richtig auch dieſe unterſcheidung an ſich iſt, ſo fehlte es doch noch an einer Ertlaͤrung von der beſtimmten Art und Weiſe, wie dieſe zwei Arten von Vorſtellungen aus dieſen verſchiedenen Quellen entſpringen. Diet. Unterfachung wuͤrde auf ein⸗ wal ein unerwartetes Licht über die Natur des verſtaͤn⸗ digen und finwlichen Vorſtellungsvermoͤgens verbreitet, und bie. swefentliche Berfehiedenheit ſowohl, als. den un⸗ zertrennlichen Zufammenbang. zwiſchen beiden entdeckt haben. Wie wenig bie bloße Bemerkung des Unterfchies bdes zwiſchen dem Vorftellungen der Sinnlichkeit und des Werſtandes zureichend war, bie richtige Vorſtellungsart Aber die Natur dieſer beiden Vermoͤgen einzuleiten, leuch⸗ et daraus ein, dag Ariſtoteles, fo ſehr er auch auf die Unterſcheidung zwiſchen dem Denken und Empfinden dringet, denmoch die Vorftellungen bon dem Allgemeinen, am Verſtande gegeben werben läßt, und daher‘ durch . Seinen leidenden Verſtand das thaͤtige Borfiefungsver- mögen. mit dem Leidenden wieder verwechfel: Daß .bie Vorſtellungen, wodurch das Einzelne, Indivibuelle vor⸗ geſtellt witd, von denen verſchleden find, welche dad All⸗ gemeine vorſtellen; daß die erſtern der Sinnlichkeit, die zweiten dem Verſtande angehoͤrenz ſo weit war Plate in.der Unterſuchung des Vorſtellungsvermoͤgens gekom⸗ men, ohne den Grund dieſes Unterſchiedes aus der Na⸗ tur der Sinnlichkeit und des Verſtandes erklaͤret zu has ben. Ariſtoteles wagte Ach an. biefe Erklaͤruug/ und nahm, daß ich mich fo ausdrücke, eine gedoppelte Ne ceptivitaͤt an, eine ſinnliche und eine verftändige ; dieſer wurden die Vorſtellungen des Allgemeinen, . jener bie finnlichen Vorſtellungen gegeben. *. Auch dadurch ſind die Vorſtellungen der Sinnlichkeit don denen bed Verſtandes unterſchieden, Daß die lez⸗ tern zu Praͤdicaten in dem Urtheilen dienen. Durch die erfiern erſcheint uns ein Gegenſtand; durch die zweiten beſtimmen wir das objektive Sein deſſelben; bie-unliche . J Vor ⸗ — 19 — Vorſtellung iſt uur Bewußtfein der Vetaͤnderung . ber Seele durch einen Gegenſtand; der Begriff iſt die Ben Rellung dee Dbjeftes dieſer Veränderung 9. Es ſcheint zwar, als wenn Plato in dieſer Stelle nur diejenigen Begriffe verſtanden habe, die nicht empiriſch ſind, durch welche, wie er meinte, die Dinge an ſich erkannt werden. Allein wenn man einige folgende Stel⸗ len damit vergleichet, ſo wird ed klar, Daß er durch jer nes Merkmal nicht weniger bie empirifchen Begriffe als die nicht empirifchen von den finnlichen Vorſtellungen . abfondern wollte. In den Vorfiellungen, fagt er, wel⸗ che durch das Afficireiwerden entſtehen, ift Feine Wahr beit, ſondern nur in den Vorftellungen, welche gedacht werden, oder in dem Denken über diedinfchauungen und Empfindungen *). Er unterfsheider alfo ;die Vorſtel⸗ lungen, welche durch Afficiertwerden entfichen er nennt fie wudnuara, auedyene, und diejenigen, welche ‚durch die Verbindung bed Mannichfaltigen berfelben - erzengt werden, ober die Begriffe, die er mit dem Nas men avaroyıepara UND evareysenuc bejeichnet ”). Leber haupt wird Durch die Sinnlichkeit gar Fein eigentliches Objekt vorgeftellt, nur allein der Verſtand erkennet das Weſen der Dinge, das heißt, die Objekte. Dieſes ver⸗ ſtehet Plato allgemein nicht allein von ben uͤberſinnli⸗ chen, fondern auch von den finnlichen Gegenfländen *). Es erhellt Hieraus, daß Plato die Entſtehungsart der finnlichen Vorſtellungen und ber Begriffe aus verfchiebe- wu Auellon und auf eine andere Urt erflärte; ob er Ba gleich 5) Theser. ©. 141, ‚Phaedo, ©. 171. ’ 6) Theaet. G. 143. um bei rc wa frunen, wi au PR gan ov de Te weg anınan deAliyıajg. 7) Ebend. vu wege Tray MUMMYIEHRTE Kos TE —* — | j *) Phaedo . ©, 149, 149. . 4 4 — 209 ih gleich den lezten gebenfbaren Grund des Unterſchiedes noch nicht gefunden hatte. I Endlich unterſcheiden ſich auch die ſtnnlichen Vorſtel⸗ Inngen von ben Begriffen durch den Grad der Klarheit and Deutlichkeit. Durch die Sinnlichkeit wird ein Srannichfaktiged vorgeſtellt, aber es wird nicht unter fehieden, die Beſtandtheile werden nicht getrennt und in beſondere Vorſtellungen zafarnmengefaßt ; bie Vorſtellumg iſt verworren. Durd) das Denfen wird das Manmnich⸗ faitige ber Anſchauungen getrennt, abgefondert, und zu Gefonbern Vorſtellungen verbunden. Dieſe Vorſtellun⸗ werden von einander unterſchieden, bas beißt, fit ſind deutlich *). | - Diefes find die Merfmale, woburd; Plato bie Vor⸗ ſtelungen der Sinnlichkeit und bed Verftandes unterfchieb. Der rifonnirende Verfiand konnte freilich noch nicht die weſentlichen Unterſchiede, welche in der Form dir Sinn uchteit und des Denfeng gegruͤndet find, entdecken; es⸗ war vielmehr undermeidlich, daß er bei dem Beduͤrfniß Aner Unterſcheidung, welche durch ihr eignes Beſtreben und durch die damalige Lage ber Philoſophie fe drin⸗ gend worden war, die naͤchſten und auffallendſten Unter⸗ fſcheihuugemerkmale, welche nicht ſelten unvollſtaͤndig und einſeitig waren, ergriff, um das Mannichfaltige der Vorſtellungen unter beſtimmte Gattungen und Arten zu ordiren. le angegebenen Merkmale reichen noch nicht Sin, um alle Vorftellungen der Sinnlichkeit von alten MWorfellangen des Verſtandes gu unterfehelden, teil fl auf dem Wege der Analyfts nicht die legten, d. h., nicht Ä aus 8) de republic.. VII. zter B. ©. 147.. noya u Jene mas aungev dupa, Gaysy, MAN. U Kexugiektvev, MAG EUyKeXu- yavov ri — da du Tv TUTE Cadyeıay, keya av as umge 9 yoyınıc yarynauIn ıBarn, U SUyKuxunsva, aA Jıörpreiisvn, Tun» zıov u any. Dieſes gilt von den Sinnen Überhaupt. Phaede. ©. 147.148 u ! ' — 21. —— aus dem ten benfbaren Grunde, and ber Im Bermußsfein beſtimmten Form der GSinnlichkeit und des Denkens ab⸗ geleitet ſind. Der Weg zu der richtigen Theorie konnte nur durch einſeitige und unvollſtaͤndige Entwickelungen pebabnt werben. | Ehe ich weiter gebe, muß Ich noch einige Weerimale anführen, wodurch Plato eine beſondere Art von Begrif. fen ſowohl von ben Übrigen Begriffen als non. den ſinn⸗ fichen Vorſtellungen unterfehieb, Einige Vorſiellun⸗ gen ſind von der Art, daß ihnen ein Gegenſtand in der Erfahrung vollkommen entſpricht; da hingegen andere fo heſchaffen find, daß ihnen Fein angemeffener Begenftand in der Wahrnehmung gegeben werden kann. 9). Es find überhaupt theild diejenigen Des geiffe, welche feinen Gegenſtand in ber aͤußern Wahr⸗ nehmung (nichts Ausgedehntes) haben, fondern dereg Objekt nur in dem Bewußtſein beſtimmt iſt, welche Plato zu nenn nennt, und von denen feine Anſchauung (su) möglich iſt, 4. DB. von bem Guten, Schönen, Gerechten 10); theil® diejenigen, von welchen zwar eine Anſchauung möglich if, aber die dem Begriffe nicht völlig entfpricht, z. B. Cirkel. Wenn men auch noch fo genan eine Cirkellinie zeichnet, ſo ſtehet die Zeichnung doch noch ſehr weit von dem ab, was man unter dem Cirkel ſich denket; dieſes Bild kann veraͤndert und zer⸗ nichtet werden, waͤhrend daß ber eigentliche Eirfel: feine von biefen. Veränderungen leidet ı 1) Mir nenneg 3 jivar 9) Phaedo G. 168-171, 148, 149. 20) Politicus 6ter B. ©. 64. ro Fa Keyısorc un: Nas THMTETOIG ux asıy sıdaAov ulev reoc Tu avIguruc ugyaeue- vov wapyuc, v —B mv Tu wuvdavonsvu Juxyv 0 Bi- A0SVOG ATETANGMEN: , EXX ruv, Inayac wiyenen. Confer. Phaedo 17. . 12) Epißol, VII., te 8. 6,131. — d2 — zwar verſchiedene Gegenſtaͤnde gleich, z. B.Baͤume, Steine; aber dieſe find auch in anderer Ruͤckficht nicht gleich. Es finder ſich unter allen äußern Dingen keines, welches abfolut gleich it; d. 5. fo, daß es in feiner Ruͤckſicht ungleich fein kann. Alfo enthält diefer Begriff "etwas u das nicht fo in der Wahrnehmung vorkommt.“) Diefer Unterfchieb wird vorzüglich durch die Uns veränderlichfeif und abfolnte Einheit beſtimmt, welche einigen vorgeſtellten Gegenſtaͤnden fehlet, mit an⸗ dern hingegen ungertrennlich verfnäpft iſt. Der Gegen« fand von tinigen Vorftellungen iſt das Unveraͤnderliche, das weder anfängt noch aufhoͤret zu fein; das weder et⸗ was anders in fi aufnimmt (abfolut Eins iſt), noch als Prädicat eines andern Dinges wechſelt. Audere Vorſtellungen haben das Veraͤnderliche zum Gegen⸗ ſtande, was immer anders jiſt, an einem Subjekte ent ſtehet und vergehet. Dieſes find die Vorſtellungen, wel ⸗ che aus der Sinnlichkeit entſtehen, entweder unmittelbar Anſchauungen und Empfindungen (a3ueuc) , ober mittels bar Begriffe und Urtheile (204). Jenes find die Vorſtel⸗ lungen der Vernunft, Vernunftbegriffe ”). Die Bes merfung biefe® Unterſchiedes, welcher dem Scharffinn des Plato nicht entgehen’ konnte, beſtimmte ihn,. ein finnliches und ein vernünftiges Vorſtellungsvermoͤgen anzunehmen , in welchen er den Grund biefer Merfmale und diefer Unterfcheidung fuchte. Ich kann biefes, - fo wie die wichtigen Solgen, welche daraus fuͤr die ganze f la⸗ 12) Phaedo ©. 168 — 171, - ’ 13) Timeeus str B. ©. 348- .ÖRSAOYATEOV EV Eiyay Tanne rauvra ax —XRX —XX us Saure _ sıgdaxopavov @AIg aAA0dEy, UTE MUTO sıc MAA0 zus 1er; nOpN- woy da nu ar avaIyrev, ruro d dy voysis IÄNXEY AWO One, 70 08 dumvunev, dus re suene, —E —XXC varxrov, widoenuevov ası, Yıylolsyov 87 TIYE Term, Ka WAAN ‚uneıdev aroAAueyov, dofy ner’ yuednaeng super. ton- ferac. Gratylus zter B. ©. 345, 346. , um) entgegen "*) me , 2 — platoniſche Philoſophie entſpringen; noch nicht ausfuͤhr⸗ lich darſtellen. Hier Habe ich nur die ſaͤmmtlichen Um terſcheidungsmerkmale der Vorſtellungen, fo vie ihres Plato entdeckt Hatte, zuſammen geftellt, mm bie Data zu ſammlen, aus welchen die Hatonifche Lehre non bex Sinnlighfeit, dem Berftande und ber Vernunſt erklaͤret werden muß. Plato theilte alſo die Vorſtellungen ein in ſinnliche und nicht ſinnliche. Man kann fle in ben Geiſte der Platoniſchen Philofophie fo erklären: Die finnlihen Vorſtellungen find diejenigen, deren Stoff durch Ver» äuberung bed Gemuͤthes gegeben wird. Der Stoff bleibt entweder unverändert, fo wie er gegeheg worden, ober er wird non dem Verſtande gebildet umWPbearbeiter. In jenem Fall find es Anfchauungen und Empfindungen ;. in beulzweiten, empirifche Begriffe und Urtheile. Die Vorſtellungen, deren Stoff nicht durch Veränderung des Gemuͤthes gegeben wird, find bie nicht finnlichen, bie Degriffe ber. Bernunft. Die innlichen Vorſtellungen bes ‚ziehen fich auf einen Gegenftand, bes mancherlei. Wech» fel unterwerfen iſt; er wird durch die erfie Artangefchaut, durch die zweite gedacht. Die Richtfinnlichen fleßen ei⸗ neu Gegenſtand vor, ber von allem Ainnlichen Stoffe eutblößt, Feiner Veränderung empfänglich, und baber in diefer Sigenfchaft nicht wahrgenommen werden kann. Es giebt aber noch einen andern Gefichtspunft, aus welchem Plato die erapisifchen Begriffe von den Anſchau⸗ "ungen und Empfindungen abfendert, unb fie mit ben Begriffen der Vernunft unter eine Klaffe zählet: nehm⸗ lich die Thätigfeit des Verſtandes, ber Antheil ber Denkkraft, welcher beiden gemeinfchaftlich ift.: Daher fest er das Empfinden (sıctavseda,) dem Denken (dof«- 34 est 14) Theaet. ©. 144. alas da rocurev yo weomıßynagen , ürt u Erren ame or agduenı TEraguzm, ar av era rn 0 "7 See mäln wir dieſe Arken noch Vorſtellungen ewan ndher unterſuchen. Indem wir alles, was Plato daruͤber gedacht hat, auffachen ımb zuſammenſtellen, werben wir zugleich. die vorhergegangene Darfichung von ben allge meinften Unteefcheibungsmenfnalen ber Vorſtellungen theils mehr erläutern, theils durch nene Gruͤnde beſtaͤtigen | 4 yo u “ L “ vBorhellanmen er Omiätee. Die Merkmale, welche HUlato von den fhtnlichen Vor⸗ ſtellungen angegeben Hat, finbnicht beſtimmt genug, um biefe Art von degandern vollfommen abzufondern; und es fehlt überhaupt at einem aud dem Bewußtſein gefchöpfe ten und Deutlich entwickelten Charakter der Ginnlichkeit. Ein ben Hauptſtellen, wo er von den ſinnlichen Vorſtel⸗ fangen bamdelt, fcheine es, als wenn er nur allein bie jenigen verftanden habe, deren Stoff durch Ufficiertwer- . den von Außen auf dem Wege der fünf Sinne gegeben wird. Urtterbeffen darf man faum annehmen, bag Plate feine andern Empfindungen ale der fünf nern Sinne gekannt habe; und es finden fich vielmehr Stellen, aub welchen man ſchließen muß, daß ihm noch andere Arten der Empfindiingen befannt waren. So ſagt er zum Beifpiel: „Wenn bu die Tugend der Maͤßigkeit befitzſt, fo mußt din auch über fie urtheilen können. Denn wenn fle in dein Gemuͤthe ft, fo muß fie auch nothwendig eine “ innere Empftindung von ſich ‘geben, woraus der Begriff von ihr entfiehee“ 7). Hier iſt es doch Flar, daß er | | Ä auch werarı, &, Timor ax Hi buxus Gray wuru nad’ ar . WERYuRTIUNTE RELL TR OUT, - ruro Ye umrıtag — Sofaftın. 15) Charmides ster B. S. 118.. dyrov yapı drı u wor mp- Er Fahdporumg, sXs6 Ti wagı auınc dafalım. avayın Yap WE SVERaV RUTNY TEE VETIU, UCINEI TIVE MERKEN: «t ‚se IE xv Tıs 001 wUgi run. dı Te ası un dam vı dan @erCeumy, auch innere Ennpftibungen annahm. Und daB maß er amehmen, da er durch daß Bewußtſein genoͤthiget, ein Affieiertwerden võn Innen nicht laͤngnen fonnte. Daß dad Gemuͤth durch fich ſelbſt, das heißt, durch Vorſtel⸗ gen, Begriffe und Urteil, und vorjuͤglich in praktiſcher Ruͤckſicht durch die Thaͤtigkeit der Vernunft verändert werde, daß daraus Fehr viele Sefuͤhle entſtehen, war eine Thatſache, bie auch ſchon dem gemeinen Verſtande einleuchten mußte *). Der Begriff, unter welchem ſich Plato die finnlihen Vorſtellungen dachte, paßt dahet nur auf einige, nicht auf alle; er it zu enge. Wie laͤßt ſich das erklaͤren, da er doch, wie es ſcheint, nicht al⸗ lein Vorſtellungen des aͤußern, ſondern auch des innern Sinnes kannte? Wenn man bedenkt, daß der voll⸗ ſtaͤnbige beſtimmte Begriff von der Sinnlichkeit nicht möglich iſt, bepor man den Unterſchied zwiſchen Stoff und Form ber Vorſtellungen deutlich eingefeben hats daß der Begriff des Plato davon vor biefer Eutdeckung ſehr unvollſtaͤndig und mangelhaft fein mnffe: fo wird mon es fehr begreiflich finden, wenn feine angegebenen Merkmale nur auf eine Art von Vorſtellungen, nehmlich die bed Außern Siunes, paßten. Hierzu kommt noch der Umſtand, daß die Innern Anfchauungen und Empfin« dungen erfi durch die äußern veranlaßt werben; daß die leztern mehr Klarheit befigen, und fich leichter beobach⸗ sen laffen; daf dag Wort Sinn, wsduew, burch den Sprachgebrauch die äußere Bedingung ber Sinnlichkeit, Die Drgamifation bezeichnete, und ‚baher aug einem da- mals vielleicht, unvermeiblichen DVerfehen bie dußern Bedingungen nicht von den innern unterfehieden, und zufaͤllige Merkmale als twefentliche in den Begriff aufge B5 nom» 16) Philebus G. uys mb aıı. van u Dam vor aug- Aurora adeswer seta: de nm Tuv Wrrdgerivre, wur vupgwer JIeedm 3’ ar na vor eyrumeras % Wide)’ rn vor Operuven, auru en Hg. ' / — — —— v „ww -16 — nemmen wurben, wodurch er nothwendig verfaͤlſcht werden mußte. Plato trennte zwar die Organiſation ge⸗ wiſſermaßen von dem Vermögen. der. Sinnlichkeit, und betrachtete die fünf Sintle nur als Kandle, auf und durch welche dem Gemuͤthe von Außen Vorſtellungen zu⸗ geführet werben. Uber chen deswegen, weil er bie Des ganiſation für eine Bedingung der Sinnlichkeit über. Haupt, obgleich nur für eine äußere, hielt, ‚und noch nicht den Unterſchied zwiſchen dem dußern und innern . Sinn erkannt hatte, . mußte die Sinnlichkeit ded einen helles ihrer Vorfielungen beraubt werden, da er daß, was zu den dußern Bedingungen bed dußern Sinnes ges bört, überhaupt in deu Begriff von Sinnlichkeit aufge nommen hatte. Diefer Sehler trift aber nur den allge gemeinen. Begeiff von finnlichen Vorftellungen ; denn wir werden gleich in der Folge fehen, daß Vorfichungen des Innern Sinnes nur nicht unter diefem Nahmen vorfoms men, tie fich auch aus den oben angeführten Gchanfen fhon erwarten läßt. . Mas bie Entftehungsart diefer finnlichen Vorſtellun⸗ lungen betrift,, fo erfordert'er dazu eine Veraͤnderung des Körpers und der Seele. Wenn eine Veränderung in dem Korper entfteher, fo wird fie entweder big zu dem Eis des Bewußtſeins fortgepflanzt, oder fie verſchwin⸗ det wieder , ehe fie bahin gelanget. In dem erften Fall entſtehet ein Bewußtſein ber Veränderung ; bie Seele wird ſelbſt verändert, und dag Produkt von diefer gemein- schaftlichen Beränderung iſt die finnliche Vorftellung. In dem zweiten Galle entſtehet Fein Bermußtfein, feine Bor. - ſtellung; die Seele bleibt ohne Ruͤhrung (araichueia) 7). | | In ıy) Philebus G. 254. sc zwy mie vo enun Humv dxarere Kalyuaruv va kn, 7 Ta Onkarınnracheweiirn, wen ums vu buzuv Iskerden, arady uns eusarrn! va dad. ap- beiv uyra, xy Ta dezeg euepe arıdarra slim TE np Rei vo. % In dieſer Ruͤckſicht unterfcheibet er bie empfinbenden und 'empfindungslofen Theile des Körpers. Jene find‘ diejes nigen, Die fehr beweglich ind, eine Bewegung leicht aufs nehmen, und ben angrängenden heilen mittheilen, big fie an den Sit bed Bewußtſeins kommen, und dem vor⸗ ftelienden Subjekte die Eindrücke von dem tolrfenden Ger . genflande verfündigen. Empfindungslofe Theile find aber diejenigen , bie unbemweglich find, zwar Durch Bewe⸗ gung verändert werden, aber fo, daß die benachbarten Theile nicht dadurch in Bewegung gefejt werben. Hier tann kein Bewußtfein ber Veränderung ‚ tene Empfin⸗ dung erfolgen ). Diie Veraͤnderung in bem Körper, ober der Eindruck, welcher vor einer Empfindung vorhergehen muß, fest eine Urfache voraus, die in den Dingen auffer ung liege. Plato ſtellt fich diefe Einwirkung unter dem Bilde des Schreibens vor, und vergleicht dabei die Seele mit eis nem Buche. Die Gegenftände, von welchen bie Eins drücke zur Seele gelangen, fchreiben, vermittelft ber Empfindung und des Gedaͤchtniſſes, in die Seele dis Empfindungen, woraus hernach empirifche Urtheile ge⸗ bildet werden. Bon der Art und Weife, wie fie einges fchrieben werben, ob fie wahr oder falſch find, hänge die Wahrheit und bie balſchheit des Urtheiles ab ”) Ze Der vov —— G. 255. ru de wu dv wadsı rev box zu ve Cup Xen YıYvopsvev, Norm neu niveichu, Tavıyy B aut zımeiv.ovenmluv acYygıv, Un awo TEORU 9Iyye ar. 18) Timaeus gter B. ©. 375. To Ya nara Quer euren, dran na Penxv wader suwımwry un aure, dınköus: nung "wein irsen drapeic, Tayrıv auseynlensns expınte iav awı zo Ppeupov 1dorra, efayyury Tu Temeavree vw duvapır. 19) Phileb. ©. 265. x run vuıc au9usseı Euummrucn uı6 Tavrov, nun weg Tayra arı a waduuara, Qmiverraı nei axadov olov Ypadem Iumı ev Ta Quxan' Tore Adyuc" nu Örav ev mAy9u yenıy Fure vo wudunn, doku TE aryduc _ zu og ‚Der Sinn biefer Stelle ift nicht fehr veufkäublich - ausge» druͤckt, und man kann aus Ihe nicht begreifen, was Plato unter dem Schreiber in ung ober in der Seele verftanben habe, von dem hernach die Rebe if. Die Dinge außer und können ed nicht fin; deun er ſagt, biefer Schreiber fei in und. Und doch iſt aus biefer und ‚ben oben angeführten Stellen fo viel Elar, daß die Auf fern Segenftände die Eindrücke liefern, woraus finnliche . Vorftelungen werben. Sollte etwa Plato ein eignes Vermögen verfianden haben, welches durch das Auf- faſſen der Eindrücke eigentlich erfi den innern Sinn mit Vorftelungen verfichet? Es fcheint in der That, ale wenn Plato fo etwas im Sinne gehabt Habe, mern man mit ber vorigen eine andere Stelle nezgleicht, wo er, das Behalten ber Vorftellungen zu erklären, ſich gleichfam eine wächferne Maſſe in dem innern Sinne porftelles. Wenn wir, ſagt er, etwas von dem, was wir gehoͤrt, geſehen oder gedacht haben, behalten wollen: ſo druͤcken wir es gleich⸗ ſam in dieſer waͤchſernen Maſſe wie einen Siegelring aß, ‚indem wir ed den Sinnen und ben Denkvermoͤgen üben ' geben. Was wir auf diefe Art abgedruckt haben, bag Haben wir im Gedbächtniß und im Bewußtſein, fo lange das Bild davon bauer. Was nicht abgedruckt ober wieder ausgeldfcht wird, davon haben wir fein Bewußt⸗ fein, und vergeffen es wieder ”) Wenn wir bie bild» | | liche zu Moysı am‘ awru Euußsurusen, arudac pr ypv Yauspaıgı Jev- u I brav FOLwroc wa Ay YRAHSTEUE YERQY, T avarrıa vos maydegıy meh. | ‚:20) Theset. G. 154, 155. Auge varıy aure Quusy amas rue su Musuv uysgac Minuosurge mas 6 KUT0,.6, Tu av Aue . Ayfepev pryjsousueas av av bmj82V 4 RSUSMHEN, U AUTOS BVvoy- GB, ÜREXDYrEC MUTE TR acdugees Xu womit, BETT wur )as Jumemee JanTurssn , GUMELE EISHARIVORSUEG, ZU 6 KEv Av ONKEYH s Mynovevä Ta Ka SEITaE dA, Aus MV HIg Te 6 dmrov aseu" orav du efnrsıpdg, 4 Ku Ha TE Yswıras Eykayı- wu, eWIArAyeda: TE Ras N wisacdar .g * I — 29 — liche Einkleidung im dieſer Stelle uͤberſehen, Yo bleibt doch ſo viel als Hauptgedanke uͤbrig, daß es ein Ver⸗ moͤgen des Gemuͤthes gebe, die Eindruͤcke, die von Außen gegeben worden, aufzufafſen, und gleich⸗ fam in dem Gemuͤthe nachzubilden, und daß hiervon das Bewußtſein, das Behalten und die Wiedererinne rung der Vorſtellungen abhaͤnge. Hierin ſcheint auch diejenige Veraͤnderung oder Thaͤtigkeit der Seele (xoaere) gu liegen, welche er als nothwendige Bedingung jeder finnlichen Vorſtellung betrachtet, wie wir oben ge⸗ ſehen haben. Ich bemerke hier noch, Haß er einen Un⸗ gerfchied zwiſchen dent Auffaſſen einer Empfindung unb eines Gebdankens anzunehmen ſcheint, welchen er durch . Die Worte Yrezovree avre vis micdyersi zur vv AUG drückt; od er gleich vielleicht ſelbſt wicht im Stande war, dieſen Unterſchied deutlich zu denuken. Die Eindruͤcke, welche den Stoff ber ſtunlichen Bow ſtellungen ausmachen, nenne er Sumnaıc, wudee, wald naræ Die finnfiche Vorſtellung wird auf ein Objekt und ein Subjekt bezogen (ſte ik rnec und rm). Den Grund von diefer Beziehung achte ſich vielleicht Plats in der Entfiehungsart derfeiben, indem er fie durch vereinte BBirkfantei der Seele und des Körpers entſtehen laͤßt 6). 6 Die Eindruͤcke, welche die dukern Gegenſtͤnde lie⸗ fern, gelangen auf verſchiedenen Wegen oder Kanalen zur Seele. Die bekannteſten derfeiben find bie fünf Simnorgane. Yedes derfelben iſt ein Vehiknlum, wos burch ſich andere Gegmflände, oder von einer at) de republic. VI. ter. &.70,77. Philebus G. 254 255. Theaet. G. 128. swipı ds ve wuger Inte wnden sd ey dı audyaeıs uaı ds nat Tavıa Deka Yıravran 'sı®$) Toeiel. ©. us. IN _ — 30 — Seite, dem vorſtellenden Subjekte offenbaren. Das Ce ſicht iſt z. B. derjenige Sinn, der dutch die Augen die KFarben, und das Gehoͤr derjenige Sinn, der durch bie Ohren die Toͤne, der Seele darſtelletn). Was durch ben einen Stun empfunden wird, ift nur ein Gegenſtand für diefen, und fann durch einen andern nicht vorgeſtellt werden ”). Die Eindruͤcke, welche von den aͤußern Gegenſtaͤn⸗ den herruͤhren, werden in dem Gemuͤthe aufgenommen, und gleichſam nachgebildet. Die Vorſtellungen, welche daraus entſtehen, find die Bilder (eur) der vorge⸗ ſtellten Gegenſtaͤnde *). Dieſe A entſprechen dem, was wir Anſchauungen nennen; nur daß Plato ſie fuͤr Bilder der Gegenſtaͤnde hielt, doch nicht der Dinge an ſich, ſondern nur der Dinge, in ſo fern ſie erſcheinen. Ich werde die Gruͤnde von dieſer Vorſtellungsart erſt dann entwickeln koͤnnen, wenn ich auf Platos Theorie des Erfennens komme. B Henn die Eindrücke aufgenommen werben, und ans ihnen Empfindungen und Anſchauungen gebildet werben, Bleiben in dem Gemuͤthe gewiſſe Spurenzuräd (owaım vu uchyeum). Diefe Sann das Gemuͤth wieder hervor⸗ eufen, und die Bilder ober Uinfchauungen von ben Ges genftänden erneuern, huch wenn fle nichtmehr gegenwaͤr⸗ tig find. Dieſe ernenerten finnlichen Borftellungen nenne er suovsc, Zejeupıgera umDd eupuu, teil fie gleichſam Kopien, Nachbildungen der erſtern (sduaa) find, Man ſchauet die Bilder der Gegenſtaͤnde nicht außer fondern in fih.an. Gs fcheint, ald wenn Plato ein eigned Ver⸗ mögen augenonmen. habe, wevon diefe Erneuerung und Biedererinnerung der Anſchauungen und Empfindungen u abhängt, - ss) Minos Ser. ©. 125. 23) Thezet. ©. 140. 24) Epiſtol. VII. @. 131. Policicus @&.64. Theaet.@. 155. j mer 35 um abtaͤngt, aub neies er after dem ſinnlichen Bilde ei⸗ nes Mahlers (Zuvemgee) vorfeit”). Die Erneuerung der ſinnlichen Vorſtelungen nennt er auauıueıs, Wieder⸗ seinnerumg ; doch macht dieſes nicht den Ba alt ves Begriffes aus, welchen dieſes Wort bezeichnet” Die Erhaltung der SBeränderung, welche durch . Eindrüce in ber Seele gemacht worden if, oder das Sortdauern der finnlicpen Vorſtellungen, IR das Gedaͤcht· niß (maus) “). Es ſcheint, als wenn Plato das Gedaͤchtniß zu ſehr einſchraͤnke, indem er es nur allein in dem Behalten der ‚ Kunlichen Borflelungen beſtehen läßt. Die Urſache von bieſer engen Erklaͤrung des Gedaͤchtniſſes liegt, wie mir ſcheint, darin, daß er dieſen Begriff nur zum Behuf ſei⸗ ner Theorie von ben angenehmen und unangenehmen Ente pfindungen, die er in dem Philebus vortraͤgt, entwi⸗ kelte. Nach andern Stellen iſt ihm das Gedaͤchtniß das Behaften aller Vorſtellungen, der finnlichen ſowohl als der nichtſinnlichen *). "Die Möglichkeit des Gedaͤcht⸗ niffes beruhet Darauf, daß alle Borfielungen Spuren . In dem Gemuͤthe zuruͤcklaſſen, welche gleichfam bie Ko⸗ pieen derfelben find. Diefe Spuren ‚beißen umıuem, er: Hei, SINOVSE, TUTO, AROTURRMATE, ERHÄYEE 8). - Nach dem, was ich hier angeführt habe, bürfte mar faſt ſchließen, daß Plato eine Art von innerer Re⸗ ceptivität gekannt habez. denn der uimmt ein· eignes Vermoͤgen an, wodurch die ESpuren, oder in ſeiner Sprache, bie Moor: veröorkellungen un) er ee 25) Theaer. ©. 161, 156, 158,189, 160. ve oma ku ONusIov areduc Ty ornsıg oe. Philebus © 366. 36) Philebus G. 155. 27) Philebus S. 155. ewrafit'rge aIyerat. .28) Theaet. ©. 134, 2 161,94. vun ers dv eunde ms dv aedere 29) Theaet G. 155, 164 156, 258, l \ % — 32 — ten werben. Das vorſtellende Suhjekt kopieret die Cut, pfindungen, Anfchauungen. und Begriffe ab, sad drückt fie gleichfem in einem Behaͤltniß ab, bad er zuuerıee nennt ?°). Das thätige Vorſeellungapermoͤgen affieiexes bie Receptivitaͤt von innen, wuͤrde ſich vieleicht Plate weniger Bilplich in unferet Sprache ausgehehske haben, Das Behaͤltniß der Veorftellungen ſtellt er: ſich als eine wächferne.Maffe nor (nero mene), EP if und thig, zu erinnern, daß dieſes nicht woͤrtlich zu verſtehen iſt, wenn auch Plato ſelbſt nicht einen deutlichen Winf gegeben Hätte, wie er. verſtanden, fein wolle. Er der⸗ Kongt wur, man folle «8 einſtweilen ald Tine‘ Hypotheſe annehmen, wodutch ee feine Gedauken uͤber bie Mdgs Hichfeit falfcher Borfiellungen und Urtheile anſchaulicher machen Eduns ). Auch dürfte bie Behauptvng eines bhekannten Gelehrten aus dieſem Grunde ſchon ihre Hauptſtaͤtze verllehren, weun er aus Bergleihug einiger Stellen im Theaͤtet und ben Timaͤus folgert, Plato habe fich wirklich die Receptinitaͤt, dasſenige, worin die Vor⸗ ſtellnugen der Sinnlichkeit. gleichfam. niebergrleger wer; den, als eine wächferne Tafel: vorgeſtellt, und die Leber für ven Sitz derſelben gehalten.” ).. Allein außerbem, daß er dieſes Bild nur zu der Abfücht wählte, um feine Gedanken aufihaulicher zu machen; fo finden fich noch pwiſchen dieſer Receptivitaͤt, ober wie man es ſonſt neu⸗ nen will, und. dem Analogon herfelhien in der Leber fo viel Verſchiebenheiten, daß man nur aus Uebeneilung beide für einerlei· halten kann. Denn Pinto ſtehet bie keber nicht als den Sig der Vorſtellungen überhaupt und ihrer er nap N nach⸗ 30) Theaet. E.rsurdiree % 31) Theset. G. 154. Mie % Por aoy⸗ Maxæ, av Tan Vox a Eu year axplilte .- W : 33) ‘Schulz: Dispustig .deiideig Pleeonis &. 29. Die Stellen, worauf er feine Behauptung fügt, find Theneter. ©. 154, 155. Timatas WO 398, 391: .. — 34 — mua eblabenu Spuren an, ſondern glaubte nur, daß fie gewiſſe Einwirfungendurch das Denken erhal &, wadurch fir ber Vernunft das Geſchaͤft der Be⸗ fihrärtung der Begierden und Leidenſchaften erleich⸗ ger. Se. Schul; muͤßte denn darin einigen Grund für feine Betzauntung finden, daß Plato bie Leber für den Gig ber Juſpiration und Waphrfagung Hält, walche Vorſtelung aber mehr Scherz und part ols eigene ieberiegung zu fein ſcheinet. „Dach es ift hier wicht der Hrt, dieß weiter aus einander zu feben: _ Se wie die Empfänglichkeit für die Eindruͤcke und BVerfichungen ver Sinnlichkeit leicht und Rast ift, fon bie binserlaffenen Spuren auch ſtark und bauerhaftz daher rührt bie Beichtigteit und Treue des Gedaͤchtniſſes Yan Gegentheil, wenn die Empfaͤnglichteit fchwach if entſtehen nur leiſe Derährumgen, die Einbruͤce find zu matt und prrgduglih; daher ein ſchwaches, langſames und unsre Gedachtuiß ”). u . Die Wiedererinnerung beſtehet darin; daß bie Vor⸗ Bellungen, melche das Bemdsh ehemals gehabt hat, wie⸗ der hervorgerufen und nen beicht werden. Des Grund ihrer Wihglichkeit befichet darin, daß bon ben Vorſtellun⸗ gen Spuren web Ginbräce Sbrig bleisen *) Eigene. Ich iR ditſes vur Erneuerung der Vorſtellungen. Die Wicbererinuerung iſt nur daun euſt mdglih, wenn bie Spur einer Boufielluug (in ber Einbildungsfraft) vor⸗ bandar id, und die nehmliche Vorſtellung burch neues Offitiontuenden von Außen entfichet ”). Die Ertieuse nung der Vorſtulungen (sure) fann aber auf ein gebop⸗ 3 Nacet. S. 16022. 6 3IM Thesetet. ©. 155. 35) Thęeaęt. G. 133. 0 Asıov dnzrigu amsıoy amehue og : ug ol —XEXXXXC/ vo dauruo 1786 iva x. ⸗v U — 7 R . u 34 —* gedoppelte Weiſe geſchehen einmal durch die Seele felbſt, zweitens durch die Verbindung der Vorſtellun⸗ n unter einander. In dem erſten Falle erweckt dis Seele durch fid) und in ſich ſelbſt diejenigen Vorſtellun⸗ gen, welche durch das Afftriertwerden von Außen durch den Körper entftanden find. Zuweilen aber rneuert die Seele durch ſich ſelbſt nicht die Vorſtellung, ſondern das Bewußtſein derſelben. Auch dieſes Erneuern des Scwußtſeins des Vorgeſtellten iſt Wiedererinntrung (waunen) “). Plato erklaͤret ſich nicht weiter üben den Grund dieſes Vermoͤgens des vorſtellenden Subſjekts. Aber es iſt wahrſcheinlich, daß er ſich vie Moͤglichtelt deſſelben in eben dem Vermögen gedacht habe, von web⸗ chem überhaupt das Auffaffen imd Nachbilden ber Bor» ſtellungen abhängt, welches er, wie wir oben gefehen " Gaben, figdrlich den Gchreiber und Mahler der See nennte: Eben daburch, daß das Gemuͤth einen Stoff empfangen und verbunden hat, welcher durch Eintoit⸗ fung eines Gegenſtandes gegeben worden, kaan es chen denfelben, ohne Gegenwart des Gegenſtandes, fich ſelbſt geben und zur Vorſtelluug verbinden. J Zweitens werden die Vorſtellungen durch die Ver⸗ bindung, welche fle unter einander haben, auf folgende Weiſe erneuert. Wenn wir einen Gegenſtand ſehen, hoͤ⸗ ren, 'und nicht allein ihn erkennen, fonbern auch noch dadurch eine andere Vorſtellung bekommen, deren Gegen⸗ ſtand nicht gegenwaͤrtig iſt, den wir aber eben barch dieſt Vorſtellung uns vergegenwaͤrtigen; ober mit audern orten, wenn eine Empfindung oder Anſchaͤuung eint inma⸗ 36) Philebus G. 255. —EEEECXEIXXXX CK 742 ræur ayıu TE CHMETR RUTY 60V davrg Prı URATE Otte Aupßayg s Tore arapıryansedas wu Aryopev -— nu (ev Nas drav wroisenen jyinv are aıcäyerne ‘ut’ Au" undunuren, aufs TRUTpD avamoryey wu ayrı m davıy‘ m vers ——— werig " Imaginarifche Vorſtellung von einem andern ehenſtande erwecket ”)., Vorzuͤglich beifie dieſe Erneuerung dann ‚uraeis, wenn die Vorſtellung durch die Länge der Zeit oder aus Mangel des Ueberdenkens in Vergefienbeit ae kommen iſt *). Die Vorſtellungen, welche auf dieſe Weiſe erneuert werden, ſind bald aͤhnlich denjenigen Vorſtellungen und Gegenſtaͤnden, durch welchefle erweckt werben, bald unaͤhnlich “). Das Gemablde des Sim⸗ mias erneuert die Vorſtellung des Simmlas ſelbſt. Zu⸗ weilen erinnert aber der Aublick deſſelben an den Cebes. Wenn der Liebhaber das Kleid oder die Leier ſeines geliebten Gegenſtendes ſtehet, ſo ſtellt ſich auch das Bild son feiner Geliebten dar. Hier findet ſich die erſte Spur son ber Aſſociation der Vorfielungen. Plato bemerkte guerſt das Faktum; Ariſtoteles fand durch weiteres Nach⸗ denken die Geſetze von dieſer Unreihung ber. Vorſtellun⸗ gen. In einem beſondern, ber platoniſchen Philoſophie eignen Sinne, heißt arapıneıs Die Erweckung und ‘Bes (ebung ber angebornen Begriffe durch Hülfe ber empi⸗ rifchen Vorſtelungen. Hiervon werde Ich au einem andern Orte handeln. ‚Man erblikt alfo bier die Lehre von ber Phantafle, dem Gedaͤchtniß und der Afforlation der Vorfielungen zwar nicht vollſtaͤndig entwickelt, aber doch in einem Heinen Abriſſe. Die mehreften Yeobachtungen und Er Örterungen, welche wir angeführt haben, find die Früchte von dem eignen Nachdenken des Plato; nur weniges verdankt er hier feinen Dorgängern. Und wenn fie auch nicht . 3%) Phaedo ©, 166. iv rg ri drum y dan u auusnc u Tora ware ucdyst AuPan.n HN HOYOV ante Yın , MAAS na ‚Frog wer Way yarrıy en. wir Ari, Mp5 UX TUT \ Sms Aryaiav , br avepmuadn & vu — 38) phacdo S. 163. * 39) Phasdo @.ı07. | 2 — 6 — "nich alle völlig wahr und beſtimmt find, wenn i6nen ‚auch gleich noch der Zuſammenhang fehlet, fo verdienen fie doch, als die erſten Strahlen ber anbrechenden: More genroͤthe, alle Aufmerkfamkeit, und find durch die Win⸗ fe, die fie enthalten, und die weitern Unterfudyungen, zu welchen fie Veranlaffung gaben, wichtig geworden. Mit jeder finnlichen Vorſtellung iſt em Fuͤrwahrhal⸗ . ten verknuͤpft. Man haͤlt he für wahr, daß fie fihauf "einen wirküchen Gegenſtaud beziehen, und daß er durch fie vorgeſtellt werde. Indem aber dieſes Fuͤrwahrhalten auf keinen gedachten Gründen beruhet, ſondern nur eine Folge des Gefuͤhls iſt⸗ nee er dieſe Ueberzeugung einen Siauben (mi) Slanbe iſt nehmlich Ueberzengung ‚ohne Gründe. Die Empfindung wird aus biefem Grunde unvernänftig (aroyss) genenmt, weil die Vernunft das Vermögen iſt, wodurch allein Gruͤnde erbannt werden ). u Workeltungen bed Terfandel- ” So wie bie Borfellungen der Siunlichfeit and einem Stoffe entfichen , der durch gemeinfchaftliche Veraͤnde⸗ zung des Körpers und der Seele gegeben wird: fo ent» fichen einige anbere Borftellungen durch die Thaͤtigkeit de8 Verfiandes; wir nennen fie daher Vorftellungen des Verſtandes überhaupt, oder Begriff. Sie theiten fich abee wiederum in zwei Klaffen, indem einige obgleich durch die Thätigfeit des Verſtandes doch aus dem nehm⸗ lichen Stoffe erzeugt werden, woraus Empfindungen und Unfchauungen entfiehen, andere aber einen andern 40) de republica VII. ↄter B. &. 166. Gorgias 4ter ©. S. 20, sırıs ww ra udn. Theret. ©. 128. Timaeus ©, 303: — 37 — Entſtehungsgrund haben. Wie wollen die erſten, welche bei dem Plato unter dem Rahmen deka:. vorkommen, Ver Ranbesbegriffe, oder empirifche Begriffe, jene aber vor- eis, ewısyun, Begriffe ber Bergunft nennen. Da dieſe Thätigkeit, teovon die Bilmmg und Bearbeitung dieſer Begriffe abhängt, Denken beißt, Anfazın, welches dem Afficiertwerden und Enpfinden (auꝰarieꝰac) entgegenge⸗ fest iſt, fo muͤſſen wir vor allen Dingen unterfüchen, wie ich Plato das Denfen dachte. . Die Handlung des Denkens ſtellt fh Plato als ein inneres Sprechen der Seele vor. Wenn die Seele dentt, ſo redet fie mit fich felbft, fie. beantwortet fich ihre Bragen; fie bejahet und verneinet *). Er knuͤpfte feine Unterfuchungen bier an ben Sprachgebrauch an. Eben das Wort, weiches im Bricchifchen Sprechen heiße. (dareyerdur), bedeutet andy Denken. Diefe Achwlichkeit zwiſchen per Sprache und dem Denken, welche in noch. vielen andern Worten audgehrikcht war, mußte noth⸗ wenbig jedem Denker, ber.über die Wirkungen des Ver⸗ ſtandes nachdachte,. auffallend werden, und. ihn auffo- bern, den Grund diefed Sprachgebrauch aufzuſuchen. Wenn glei Plato, indem er yon der Sproche ausging, verleitet wurde, das Denken durch Ausdruͤcke zu erklaͤren, welche, als Wirkungen des Denkens, das Denken ſchon voranoſttzen: fo leiftete doch chen dieſelbe auf ber an⸗ dern Seite ben, wichtigen Dienft, daß fie ihm auf die \ .&3 . Spur 4) Theset, ©. ısı. ee - 10a dv eur zuge dr u aux Uefeexeras; wg: Avay qnouy, 6 Yıuy sıdas ce amejmveun. ruro yag ho maRAMeraı ga Javauery» ux arın ven Amrsyscdaı, ayıy darııy seitusa zus ImeigiNe- gyunur; nl Guemuga non 4 Deren. ray de Ananas, ure ‚Renlkıregav, sıre säurager eneibaen, To ara nö Gy Ras en Iiencysdofes raum zdapgeauruc. as’ aya To. Sofalen As- um nur. nu Tv dokau AUYOv SupniLayey u HEYTO vęæ am acy, ws Aue WÄRE EYE TEE UTEN or m 3% — Spur Half, einige Merkmale su finden, wodurch ſſch das Denken aͤußert, und dadurch dem richtigen Begriffe naͤ⸗ her zu kommen. Der Begriff, das Denken iſt inneres Sprechen der Seele mir ſich ſelbſt, iſt mehr der beſtimm⸗ bare, als der beſtimmte Begriff, der, nach ſeiner ei⸗ genen Aeußerung, nur einſtweilen die Stelle des leztern vertreten fol. Die Sprache iſt Wirkung, iſt gleich⸗ ſam der hoͤrbare Ausdruck des Denkens; in und an ihr muͤſſen ſich auch daher die inmern Merkmale, woraus das Denken beſtehet, wieder finden laſſen 9). Die Sprache beſtehet aus Nenn » und Zeitwoͤrtern. Die legtern bezeichnen die Begriffe von Handlungen, Wirkungen; die erſtern die Subjekte derfelben: Wenn beide mit einander verbunden werden, ober. eine Hand⸗ fung (ein Prädicat) als verfrüpft mit einem Subjekte vorgeſtellt wird, fo iſt das eine Rede. Die Rede ift alfo nichts anders als ein Urteil mit Worten: ausge⸗ drück, und Bejahung oder Verneinung iſt bamis unzer⸗ trennlich verknuͤpft *). Alſo iſt auch das Denken über haupt fo viel als Urtheilen, oder Vorſteluugen mit einander. verknuͤpfen (ende, evarımıy, vum), ). Das vorſtellende Subjekt ſucht badurch ein Objekt in Anſehung feiner Prädicate zu beſtimmen, oder auszu⸗ machen, was es fei oder wicht fei *). Diefes Denken beige überhaupt Inder und darsyseden Hier bemerkt aber 442) Cratylus zter B. ©, 296. Thou. G. 190. Aryes damorag ev gay derie slarey. 43) Sophilta ster %. ©. 393, 296. 44) Sophiits &. 296. 45) Phaede ©, 149. dr drs para ar ry one ... dnarev, kere run hen wagnrıdepevec v vu dmrveudas, uure mAiyy aıcäyuem sQAnsy MiOEEV HETE Tu AByıakl, MAN au- ey nnd’ duty sAınena TE Savarg Xpmssve; , avre.uud avre Blmgrves (unser Iwıylıga Super -vav aysar. — 32 — PR Mate einen fehr feinen Unterfchieb, - gleich aus Mangel einer philofophifchen ae ni ſehr deutlich angegeben. if. Denten Heißt nehmlich ſowahl die vorhergehende und das wirkliche Urtheilen vorbe⸗ reitende Handlung des Verſtandes, als bie wirkliche Handlung, die bei dem Urtheilen vor ſich gehet. In Sem erſten Falle wird noch nicht geurtheilet, es iſt noch peoblematiſch, was für ein Peddisat mit dem Subjekte verbunden. werden foll; ber Verſtaud ſucht jest vorerſt wur bie Data auf, aud weichen das Urtheil beſtimmt werden muß. In dem leztern Fall wird beſtimmt, ent⸗ weder poſitis ober. negativ geurtheilet. Jene Art des Denkens nennt er dmwousda, Diefed defacım +). Wahr⸗ ſcheinlich ahndete Plato etwas von dem Unterfchiebe wi⸗ ſchen analytiſchen und ſynthetiſchen Urtheilen, inbem.ers wach einer andern Stelle, den Unterſchied zwiſchen Aveo umd defr darin beſtehen läßt, baß das legte Urtheil eine Vollendung bed: erſtern (Auwaae) iſt, wodurch das Präbicat Wirklich dem Subjekte beigelegt oder abgefprochen wird, weiches in dem Urtheil, das er Ammm. nennt, nachniht geſchiehet. In diefem wird ein Präbicat mit einem Sub⸗ jekt verbunden oder zuſammen gedacht, aber beides wird nicht in beſondern Vorſtellungen unterſchireden. Wenn aber das, was der Verſtatid verbunden hat, entwickelt, das Mannichfaltige, welches jenes Urtheil enthielt, zus fammengefaßt, und ia dem deutlichen: Bewußtſein mit dem Subjefte verbunden (gasır),. und was dadurch aus⸗ geſchloſſen iſt, davon getrennt seird (wueganıc). ſo «te ſtehet eig aualytiſches Urtheil Are "). Durch bie fols genden Bemerkungen wird dieſes nad) mehr era bes kommen. F € 4 . Die s . These: ©. ası. die verdis angefuͤhrte Stele A) Sophifte ©. 296, drav uv rure (Oacıc ua arogaen) ” —8 nern Jiavoay yymerau Kera — * dei EX Ö, Cı meeeunye are; den, inſofern Ger Begriff badjenige IR, woburch ber Gegenſtand vorgeftellt wird... Als Wirfungen, welche nur allein in einen denkenden Subjekte ihren Grund ha⸗ ben koͤnnen, beziehen fie fich: auf das vorſtellende Subjekt. Daber unterfcheibet: er due, dufazee, fe Sure). In jedem Begeiffe ift Einheit und Vielheit and . Kalten. Einheit,- denn was der Verſtand zuſammenge⸗ faßt bat, it Eins; was fich nicht vereinigen läfit, go Hört infoferme auch nicht gu einem Begriffe. Vielheit, uaſofern etwas in bie Einheit bes. Begriffe aufgenommen %:°S. :* Der Unterfchied. und der Zuſammenhaug des Beoffs und der Form als nothwendiger Beſtandtheile bee Begriffe konnte der Beobachtung nicht verborgen bleiben; Bei jeder Zergliederung eines. Begriffes dringen fie ſich ber Semerkung auf.: . Allein bie Auftoͤſung bed Begriffs in feine legten Beftanbtheile zu. vollenden,.. unb biefe Merk⸗ male ſelbſt unter beſtimmten Begriffen zu benfen, das gelang ber. raͤſonnirenden Vernunft erft ein paar tauſend FJahr ſpaͤter. Unterbeffen war bach] durch dieſe Bemer⸗ kung der Weg zu einer ganzen Wiſſenſchaft ges » Sahne, wenn fie auch noch nicht fo fruchtbar an Folgen war, 'als fie. es. durch beſtimmtere Begriffe und Ausdrücke wurde Diefe Einheit und Vielheit, welche auf ben Inhalt der Begriffe gehet, if von einer andern Viel⸗ % 0 Theset. G. iq9. derepublica V. G. 62,6J3. Parme-. nides:.ıöter B. ©: 83. dr inasoy ati Tan yoyfinra v voyen de ulevoct AU alareı unsv. Aria rmect Sophia ©. “...236, Phaedo &,:a26. Philebus ©. a6wa62. - 39) Philebus GS. ät5. wer ude ru romda, dar nz inuen gg piiy ren Kae Firm ra Mey warraruura ro de BNSIVO sus BsofssAoyNOsseVoc, SASYXH —XX Tara demæyxa vas Gay. Parmenides ©. 76,77. Sophia G. 16% es oe heit verſchieben, welche ich auf die Beziehung des Be⸗ Zeiffs auf Objekte grundet. Ein Begriff enthält das Gemeinfame und Allgemeine, das heißt dasjenige, was in mehrern Vorſtellungen 'gemeinfchaftlich vor Sommt ?*). Ein Begriff kommt alfo als Merkmal in, zielen andern, weiche unter ihm ſtehen, vor, und ex wird als ein Begriff unter dem andern ſtehen, ‚oder weicher in vielen anbern enthalten if, als Eins und Vieles gedacht !). Hieruͤber erklaͤrt fich Plato fo: „Als les, was je iſt gebacht worden, und was noch gedacht wird, wird durch. die Begriffe ald Eine. und Vieles vorgeſtellt. Es iſt dieſes ein Faktum, welches jegfnicht angefangen bat, auch uie aufhören wird. Denn ed if, wie es mir fcheint, ein ewiges und unpveraͤnderliches Merkmal unferer Begriffe "*).” Es ift wahrfcheinlich, daß Plato dieſe Eigeufchaft ber Begriffe! guerfl, deutlicher, all . bie aͤltern Deuter, beobachtet habe; und dieſe Erfindung fegte ihn erft in den Stand, ben Grund zu Der wiſſen⸗ fehaftlichen Logik, im Gegenfag ‚ber Sophiſtik, zu le⸗ gen: Er erfaunte die Wichtigfeit biefer - Entdeckung und ihren großen Einfluß auf die ganze Philoſophie. Denn wenn e6-feine allgemeinen Begriffe giebt, wenn fie nicht sit andern in Verbindung ſtehen, welche ihren Umfang ausmachen: fo iſt gar fein Denken , oder‘ pielausgt: fein yhilofophiſches Wiſſen möglich W 5 Theret. G. 141, " * 55 Sophia ©. 273. "Philebus G. 217.. Poliieu ater V. e. 217..Qapın zo —— u wor, Uno ir —W vnveneva wegırpaxun warry nad" dnarev- Tv Asyonıyııy EI NO TRAU Ko YUV, x⸗x Ture UTI UN TAavoHTa wor sur nefare vv 2X 008 ro raurov, Ws 8na Gamers, vorm Ya ausruv adararev TI nay ayıgav wades vun. 59) Parmenides soter B. ©. 89,99. \ — 44 — Da ed Begriffe giebt, welche einen Umfang haben, qheh., deren Merkmale in andern Vorſtellungen vorkom⸗ men, fo giebt es eine gewiſſe Berbindung und Zuſammen⸗ bang der Begriffe unter einander. Einige Begriffe ſind von ber Art, daß fie fich mis allen andern. verbinden laſ⸗ fen; andere nur mit gewifſen Artin von Begriffen. Durch diefe Berbindung ber Begriffe (mmrIeex 5 women) Wenur allein das Denken, Philoſophiren und die Sprache moͤglich. Diejenige Wiſſenſchaft, welche die Geſetze und Bedingungen diefer Verbindung zum Gegenſtande hat, A die Dialektik ober Logik. ). VDe Begriffe, mit welchen ſich ae Denfen beſchaͤftiget. ‚And von zweierlei Art; inſofern die Gegenſtaͤnde, welche durch ſte vorgeſtellt werden, von zweierlei Art find. Einige beziehen ſich auf einen Gegenſtand, der durch’ eins lichkeit gegeben if, andere auf ein wicht finnliches Objrkt. Die Begriffe. der erſtern Art entſtehen aus ehem durch die Sinnlichkeit gegebenen Stoffe, und werden daher mit den Empfindungen und Anſchauungen auf einerlei Geo genftand bezogen. Er nennt ben Stoff, auf welchem fie ergeugt werden , bald bie finnlichen Vorſtellungen [eisduen), bald die durch die Eindruͤcke herdorgebrachten - Veränderungen des Gemuͤthes (kadnuara, waere) — SS gehoͤrt daher zur Erzeugung derſelben ſowohl Bere ſtand (deta), als Sinnlichkeit (zf2ue:;) ; und’ mas fauu fagen, ein ſolcher Begriff ſei das Produkt dee Siunlich⸗ keit und des Verſtandes. Plato nenne biefe Begriffe gerranaz ©). Wenn das, was in dieſen Begriffen zu» ſummengefaßt worden, in kinre Begriffe zerlegt wird; wenn die einzelnen Merkmale, welche in ben Begriff aufs genommen foorden, wieder von neuem sufanmengefaßt 60) Sophifte S. 274, 276, 288. " 61) Philebus ©. 265. Theaet. S. 143, 128. Towagov nase raſoc, ek av Pr —RX eu * zara zavracdofu yıyverse. 62) Sophifte S. 29%. euniukrkuöindeug zig Slun — * Fa BE nnd ai dem Dbjehte verbunden twerben: fo entſtehen daraus Urtheile, und zwar empiriſche, At. Wenn wir einen Menſchen, z. DB. ben Theaͤtet, mis hervorra⸗ genden Augen und einer gebogenen Naſe ſehen, ſo faſſen wir alles das, was wir auſchauen, in eine Vorſtellung zpuſammen: und wir haben ben Begriff von Theaͤtet. Wenn wir ſagen, Theaͤtet iſt ein Menſch, der nicht al⸗ fein einen Mund, Augen, Naſe, ſondern auch eine ges ' bogene Rafe und hervorſtehende Augen u. f. m. hat, fe - urtheilen wir”). Ale Merkmale, welche in dieſem Urtheil dem GSegenſtande ausfchließend beigeleget werden, muͤſſen aus der Wahrnehmung genommen fein; der Gegenſtand muß den Stoff bdazu der Sinnlichkeit gegeben haben. Alles, was ic, auf den Gegenstand unmittelbar begichet, es ſei um eine Empfindung ‚oder eine Sebaͤchtnißoorſtellung, faßt der Verſtand zuſammen, um den Begriff von dem Dbjefte za erzeugen *). Außer ben Vorſtellungen, welche durch das Affieiertwerber von dem Gegenſtande entſtanden ſinb, kommt iu dieſem Urtheile nach cin Be⸗ griff vor,. welcher * dieſe Weiſe nicht ergenge iſt, nehmitch der Menfch ). Hieria liegt wahrſcheinlich/ ber Grund, Warum Plato einen empiriſchen Begrif (fvenem) aus einem Werheil imd ber Empfindung be ſtehen laͤßt; und er ſtellte ich bie Sache viecheicht fo var. Dir Simlichteit uuch Stoff gegeben werben, moraus VBorftellungen entſtehen; der Verſtand faßt das Maunich⸗ faltige derſelden in Einheit zuſaunnen, oder ug erzeugt einen Begriff, und ſubſumirt ihn unter einen hebera De griff; er 'uetheiler. Slate drückt fh miche immer befkkamet ͤber biefe Entfichungsart ber empiriſchen Begriffe umb Ustheile auk | Wenn . 63) Theæet. G. 191,193. Philebus ©, 264 64) Theset. G. 193, Philebus ©: 265, 65) Thea. Ei: ' - — 46 — Wenn man bie ſchon einigemal angefuͤhrte Stelle ‚bes Philebus S. 265 lieſt, fo kann man kaum auders bew fen, als Plato laſſe fie der Sinnlichkeit gegeben werhen, fo wie Ariſtoteles einen leidenden Werftand annahm, bem De Vorfielungen des Algemeinen gegeben wuͤrden. Denn er fagt, bie Gegeuſtaͤnde, anf welche fich die ſinn⸗ lichen Vorftellungen. beziehen, ſchreiben, vermittelft ber Empfindung und des Gedächtniffes, gleichſam in bie Seele die Urthelle; wenn fie richtig fchreiben, fo entſte⸗ ben daraus richtige, wahre Urtheile. Allein fo faun er nicht gedacht Haben. Denn erſtlich iſt ber Schreiber, wie er fich bildlich ausdrückt, nicht außer, ſondern is und. Alſo müßten nicht bie Gegenftände, fonbern bie Empfindung und das Gedaͤchtniß die Begriffe und Ur⸗ theile liefern. Zweitens läßt ſich auch biefe Vorausſe⸗ Kung, bie allein noch uͤbrig bleibt, mit dem nicht vereini⸗ gen, was er ſonſt mit deutlichen Worten über die Ent ſtehungsart diefer Begriffe ſagt, daß nehmlich nicht als fein die Empfindungen, fonbern auch bie empiriſchen Begriffe aus ben Eindrücken entſtehen °). Wuͤrden fie alfo Heide ſchon Durch das Affickertwerben gegeben, fo wäre nicht abzufeben, wie auf eine und die nehmliche Weiſe giweierlei Borftelungen entfichen ſollten, bie er doch ihrem Weſen nach unterfcheidet; und es wäre fein Merkmal gebenfbar , wodurch fie von einander abgefon- dert werben Edırmten. Wir koͤnnen daher nichts anders annehmen, als daß er ſowohl die Empfindungen als bie empiriſchen Begriffe aus einerlei Duelle abgeleitet, aber die leztern von den erſtern durch den größern Antheil des Werftandes an ben leztern unterfehiehen, und in ber an geführten Stelle nur fo viel hat fagen tollen, die Ob⸗ jette liefern den Stoff, aus welchem ber Verſtand Be griffe Gilde. Ich füge hier noch eine Gtele an, aus - . . i j wel» 6) Theset. e 228. ©. das Citat (6:) . . | wider bieſe Bebaupkung, daB: Mato nicht allein einen gegebenen Stoff, ſondern auch eine beſtimmte Wirkſam⸗ keit des Verſtandes zur Erzeugung ber empirifchen Ber griffe erfodert, deutlich erhellet, ob er gleich ſich etwas bildlich ausdrückt. Sie befindet fich in bem Timdus, wo er einen Ueberblick von alten verfchiedenen Vermoͤgen des Gemuͤthes giebt, weiche zum Borfieken und Erken⸗ wen : erfoberlich . find. Wahre empirifche Urtheile und Uebergeugungen ensfiehen , fagt er, mean ein Begriff, der das Wehnliche zuſammenfaßt, aus finnlichem Stoffe erzeugt wird, und bie Neceptivitde ordentlich beſchaffen iſt, daß fie bie Eindruͤcke der Segenſtande bis in das Innere des Gemuͤthes liefert ). Ungeachtet hier eilhge duntle Ausdruͤcke vorkommen, die ich hier noch nicht er⸗ flären fann, fo wird man dody den angebeutsten Sinn nicht leicht verfennen koͤnnen. Er erfodert einen Bei⸗ ag des Verſtandes, reichen er mit aeyse begeichnets es ift ein Begriff, welcher dad Gemeinfame und Achnlihe mehrerer Vorſtellungen zuſammenfaßt; aber zweiten® auch einen Beitrag der Einnlichkeit, indem fie bem Ge⸗ muͤthe den Stoff geben muß, aue weichen hernach der Begriff erzeugt wird. Maan wird hieraus leicht eine andere etwas dunkle Stelle ertlären koͤnnen. Nachdem er geſagt hatte, daß, wenn wirklich geurtheilet, wenn ein Praͤdicat mit einem ‚Subjekt verbunden, ober von demſelben getreunt wird, und dieſes Ustheilen in der Gerle ſelbſt vorgehet, oder durch den bloßen Verſtand beftimen: iſt, dieſes Urtheil deta 67) Timeus ©. 316. Aoyoc de d xurn rayra Tüster aid "7 myayalavof, agei Ta JaTıpov av no Supı do GubTov, EU Sp Ni« yausıvo dB’ duru Qepaaos avıv GFoyyu zayzus, drar pie wsg: TE ycduram yıyarran u 6.JaTapu nunAoc egXoc 1vs,u8 fæucav aurvu vu vuxur Imre dofus ag wırun Yoyvarrıy Peſtoa ey arndsic. I — 4 — deka ſei, im Gegenſatz des Urcheus, welches er —E nennt, fo fährt er fort: Wenn aber’ dieſes nicht durch . Be Seele ſelbſt, ſondern burch bir „‚unliche Vorſtelluug beſtimmt wird, fo iſt es guranın N. In den emp riſchen Urtheilen wird nebmli der Stoff durch bie Sinnlichkeit gegeben, und von ben Stoffe mirb bag Urtheil befimmt. Dee Verſtand faßt bad. Mannichſal⸗ fige der Anschauung unser einen Begriff zuſammen; «= iſt daher auch an die Sinnlichkete gebunden. Daher if ein folcher Zugriff und ein ſolches Urtheil das gemein» fchaftliche Produkt der Sinulichkeit ober der Empfin- bung und bed Verſtaudes, wie er fich im Folgen⸗ ben dentlicher ausdrückt. Aubers iſt dad Berfehren de Verſtandes, wenn er nur allein Begriffe verbiadet ober trennet, wo te nicht am bie Siunlichkeit gebunden iR. Blato hat Hier das Wort deſn niche in ber gewobnlichen engern, ſondern in. bee weitern Bedeutung genemmen, und er verſtehet darunter nicht ein empiriſches Urtheil, fonbern ein analytiſches uͤberhaupe im logiſchen Sinne. Dagegen tritt dad Wort garrasın in bie Stelle ber ger woͤhnlichen Bedeutung bes erflern ein. Da diefe Begriffe aus einem Stoffe erzeugt werben, welchen die Sinnlichkeit liefert, fo werben- fie mie den Unfihauungen auf eben denfelben Gegenſtand bezogen. Daher Heifien fe bie empfinbbaren und ſichtbaren Ge genflänbe, mewwa, dgura ). Gichtbar ift Überhaupt fo viel, als was «dia Gegenſtand ber Empfindung iR, was durch die Sinne vorgeſtelt wird ) eier . 6%) Saphile &, a96. ve 8 irav mu uud dur wre du ÜUESAE wagy Tım Te Tourev av wadeg, mg’ dev Te egdue tuvtem drages vı wage dartakıcı. 69) Phasdo G. 179. Timseus &, 308. 90) Timaeus &: 304. Phaedo €, m. de repubfien VI. G. 116, 117. on. =9- Gegenſtaͤnde heißen auch ra or R Jarıpa, ro ærucov, Ausdruͤcke, deren eigehtliche Bedeutung erſt im Folgen⸗ den entwickelt werden kann. Die Beſchaͤftigung des Verſtandes mit dieſen empi⸗ riſchen Begriffen und ihren Gegenſtaͤnden, oder das Den⸗ Pen derſelben, kommt bei dem Plato unter verſchiedenen Ausdruͤcken vor, wodurch er den Unterſchied zwiſchen dem Stoff und der Bearbeitung des Verſtandes zwar an⸗ deutet, aber doch nicht ſo beſtimmt angiebt, daß die Worte nicht auf mancherleiunrichtige Vorſtellungen verleiten koͤnn⸗ een. Hierher gehoͤren z. B. die Ausdruͤcke: durch oder mit Dem Korper betrachten ( dm, HITS TE GUMATOG Exomeıv), durch die Vermoͤgen des Koͤrpers betrachten (da Tav rueauaTog Ievauımy exorıw), durch die Sinne betrachten ( da Ta ads; Jıacdaı, dım Ta emuarog Yaueew)”), In diefen Aus⸗ druͤcken wird die Natur und Beſchaffenheit bald der Sinnlichkeit, bald des Denkens verkannt; bie Organi⸗ fation wird zur-Sinnlichkeit geniacht, und dag. Ans fchauen mit dem Denfen verwechfelt. Aber obgleich die Worte diefe falfche Vorſtellungsart begünftigen, fo gfaube ich doch nicht, daß Plato eben fo irrig dachte, als er fi) unrichtig musgedrüct hat. Die Seele denkt mit oder durch den Korper, heißt nichts anders, ale ſie verbindet den Stoff, der ihr durch den ‚Körper, oder noch beſtimmter, durch die Sinne geliefert wird. Plato unterſchied freilich die Irganifation nicht beftimmt genug von der Sinnlich⸗ keit, aber er verwechſelte fie doch nicht ganz mit eine ander. , Das Wort Iezedas bedeutet freilich eigentlich feben, anfchauen; aber außer diefer Bedeutung wird es auch für denken, nachdenken, betrachten gebraucht"). Wenn "n) Phaedo ©. 148, 149,189. Thesetet. ©.142. Phaedo G. 180. ruro yap in To Ca Tu Euuaroc, Te du mchnesus exorsy 7, 72) Bon vielen Stellen wit ich nur einige anführen ; wo - Isaedn nicht auſchauen belle kann. Politicus ©. 26. Te Kenn man ben Plato besiegen tadeln muß, baßer ſich nicht beſtimmter ausgedrückt hat, fo fällt ein beträchte ficher Theil des Tadels auf die Befchaffenheit der Sprache zurück, welche faft noch fein einziges durch Deutlichkeit der Begriffe beſtimmtes Wort aufzumeifen hatte. Wir gehen jezt zu der zweiten Art der Begriffe fort, welche fich von den erſtern dadurch unterfcheiden, daß fie nicht aus einem finnlichen Stoffe erzeugt werben. ‚Die empirifchen Begriffe beziehen ſich auf einen ‚Begen- ſtand, der angefchauet wird (miIurov, dgurev), weil fie aus dem Stoffe entfliehen, welcher durch ihn gegeben wird. Diefe hingegen können fich nicht fo auf einen Ge⸗ genftand der Wahrnehmung beziehen; ihr Gegenftand iſt nicht dag Anfchauliche, fondern das Denkbare (vorro ). Jene Begriffe ind daher ein Produkt der Sinnlichkeit und des Verſtandes; diefe find Erzeugniffe des bloßen Denkens. Das Vermoͤgen diefer Begriffe iſt bag hoͤhere Ä WVrcer⸗ vo du Tuv vousmv wäyrun Jıadogov Ku To Tav Basılsay Jenen- uı3a. Cratylus ©. 299. rı Jay an wors. Zyumdss, Iea- ea. Theaet. ©. 74. vor ds weuren Burysouede Ieneneday auræ E06 avra, Tı wor ayıy, & diavasusda, Toragov sfr @- . AuAaıg evudavaı, u wi drusıw. Sophifta S. 440. vsrerepx zov sopısw Jersov, uds vr wu dvvapıy IeacaeIy eapewe. Daher läßt es fich erflären, daß bie abgeleiteten Wörter Huueswund Isweın, wiedsaeden von Denken, Unterfachen, Erörtern gebraucht werden. Durch den Sprachgebrauch, dem es an befiimmten Degriffen fehlte, . waren diefe Wörter ſchwankend und vieldeutig geworden. Plate brauchte ſte da⸗ her bald in ber einen balb in ber andern Bedeutung. Bei⸗ ſpiele von der Art find umählig, 4. B. Impew un Xp luæruv x Luke und ex rav Aoyay Yung de republ. X. S. 295. Eben dies gilt von den Wörtern dee, dem. So fagt er von der Idee der Gottheit: uoyıc para, de re- publ. VIL S. 133. da er doch fo oft behauptet, bie Ideen ſeien aogarn. — 51 — Verſtandesvermoͤgen (roneie), jüm Unterfihleb des nievern, des empirifchen Verſtandes (2054). Auf dieſe Begriffe leitete den Plato die Analyſe der empirifchen Begriffe, und bie Reflexion über das Ver⸗ bältniß der allgemeinen Begriffe zu den Arten und Indi⸗ viduen. Durch die Entwickelung eines empiriſchen Be⸗ griffes, z. B. des Theaͤtets, kam er auf Merkmale, 2* din Gegenſtande nicht allein zukommen, ſon⸗ bern die er mit andern ‚gemein bat, nehmlich Meuſch, und er unterfchied diefe von andern, twelche den Theaͤtet von andern Menfchen unterfcheiben, dadurch, Daß er die legten von der Wahrnehmung ableitete ”°). Es giebt alfo viele Gegenſtaͤnde, welche unter einem allgemeinen Begriff fiehen, und biefer IE in den Borflelungen von den Arten und den Individuen enthalten. Diefe Ver⸗ bindung eines und des nehmlichen Begriffes mit vielen Vorſtellungen iſt die Urſache, daß biefe und ihre Ge⸗ genſtaͤnde einerlei Benennung haben, oder mit andern Worten, daß fie unter einem Gattungsbegriff ſtehen ’*). . Wenn man daher fragt, warum den Individuen oder den Arten ein Merkmal zufomme, oder nicht; fo darf man ben Grund nicht in dem niebern, fondern in dem obern Begriffe fuchen. Es ift nicht genug, wenn man fagt, der Gegenſtand ift ſchoͤn, wegen dieſer Barbe oder Geſtalt — denn bier dringt ſich wieder die nehmliche Frage auf, warum iſt diefe Geſtalt, diefe Farbe (chin? — * fondern ed muß einen Begriff von der Schönheit geben, welcher feinen hoͤhern vorausfezt, und in ihm muß der Grund liegen, warum allen andern Dingen bag Prädicat | ber Schönheit beigelegt wird ”°). | D 2 Die 73) Theset. ©. 192. | - 44) Phaedo ©. 28. Parmenides ©. 80. dexus sus eıda arte una, av vade Mila HITRANUÄSIENTE Tac ERMYOLERG —XX 75) Phaedo G. 227. Die Merkmale, unter welchen fih Plato diefe Bes geiffe und bie ihnen entfprechenden Gegenſtaͤnde dach⸗ . te, Taffen ſich aus dieſem Sefichtspunft leicht auffinden und erflären. Da fie die hoͤchſten Gattungsbegriffe find, welche alle Arten und Individuen derfelben Gat- tung begreifen, fo enthalten fie. das Allgemeine, tel ches allen Gegenſtaͤnden, die ihren Umfang ausmachen, zukommt 7). In eben dieſer Eigenſchaft beſtimmen ſie den Inhalt der unter ihnen enthaltenen Vorſtellungen Sie find gleichſam die Form, unter welcher dag Man⸗ nichfältige derfelben gedacht wird, das heißt, die Be dingung ber Einheit, vermöge deren das Mannichfal- tige, welches unter fie gehört, zuſammengefaßt, unter . Begriffen vorgeftellt wird. Nur vermdge eines zum Grunde liegenden Gattungsbegriffs iſt es moͤglich, Ay Segenftand ſchoͤn, Hut, gleich u. f. w. zu nennen Deswegen werben fie and) Urfachen genennt, weil ee nehmlich die unter der Gattung enthaltenen Vorflelungen beſtimmen *). Da diefe Begriffe die Form find, durch welche Die Begriffe von den Arten’ und Individuen der- felben Battung beſtimmt werben, fo muͤſſen fie ald das Beſtimmende eher gedacht werden, als bad Beſtimmbare, Die concreten Borftelungen; denn dieſe fegen jene allegeit voraus, und find nur durch jene möglih 7). Sie verhalten fih alfo zu den concreten Borftelungen wie ur⸗ fprüngliche Begriffe zu den abgeleiteten. Sie können daher nicht einerlei Urfprung mit biefen haben. Die concreten (emplrifchen) Begriffe erhalten ihren Stoff durch 76) Theaet. G. 141. 77) Phaedo ©. 170, 171. weo yap vu apkasdaı Suse beæev axusıy, wa Tamm asctavsedas, vu ads wu slnDerag BWITWENV AUTS TE 155 dr TE eν —5— Ta IR TA SIE- Yysınviea ansich avcissıy. 7$) Phaedo ©. 227, 228. 79) Phaedo &, 170, 171. x — 53 — ⁊ durch die Sinnlichkeit; die allgemeinen Begriffe koͤnnen daher nicht aus der Sinnlichkeit entſtanden ſein, wie jene *). Sie find alſo nicht ſinnliche Begriffe. Un⸗ geachtet ihres überfinnlichen Urfprunge werden fie durch Annliche Vorfielungen erweckt und zum Bewußtſein ge⸗ bracht *). Aus dem allgemeinen Geſetz der Vorſtellungen, daß durch ſte Etwas, ein Objekt, vorgeſtellt wird, folget, daß auch dieſe uͤberſinnlichen Begriffe einen Gegenſtand haben muͤſſen. Es kann aber dieſer nicht etwas ſein, was in der Wahrnehmung vorkommt; denn ſie entſtehen nicht, wie die empiriſchen Begriffe, deren Stoff durch das Afficiertwerden der Sinnlichkeit gegeben wird. Sie beſtimmen den durch die Sinnlichkeit gegebenen Stoff; und find die Urfache, daß er in Einheit des Begriffe zu⸗ ſammengefaßt werden kann. Durch fle wird daher nichte Ginnliches, fondern Etwas Ueberfinnliches vorgeſtellt. Hieraus laffen fich folgende Merfmale und Eigenfkhaften erklaͤren. Der Begenftand biefer Begriffe kann nicht geſehen werben; er ift Etwas Unſichtbares (asıdıs, aa sro) *). Was hier in Anſehung eine Sinnes gefagt wird, das gilt von allen uͤbrigen, wie ſich Plato kurz vorher erklaͤrt hat: der Gegenſtand kann nicht ange⸗ ſchauet werden. Daher erklaͤrt er das Gegentheil, das Sichtbare uͤberhaupt als Etwas, welches auf das Ge⸗ D 3. N muͤth 80) Theaet. G. 140- 142. 21) Phaedo ©; 170. uu arrodev "eure vr, unde dar værey Sivay Ewonenis. MAN 4 08, TU ulm u Alseday, 4 En Tivoc AAſS Tv ascdaesav. 82) Phaedo ©, 179. uxur vum mer wigr ala, Ku Ta MAG KıcIysseıv aıc9ere? , Buv TE NAT TRUTR EILOVTMV. UN ( asıv bru wor’ au 'arın eriaßee 4 Typ Te Jarıns Aryıaum" "02 sry weıda|ra|Trauarıa zog ux Ögarıy. . ® 2 t f ! j — 54 — muͤth Eindruͤcke macht, was einen Stoff giebt ). — Der Gegenftand der überfinnlichen Begriffe heißt daher auch Etwas Unförperliches (aeouarov) in ber bei dem Plato gewoͤhnlichen Bedeutung, da Körper überhaupt dag aus einem materiellen Stoffe Zufammengefeste, das Unkoͤrperliche hingegen das Gegentheil, was nicht mar teriell ft, bedeutet °*). Es findet fich daher in ber Wahrnehmung fein Bild (eur), Eein Gegenfland, auf ben man hinweiſen und fagen Eönnte: das ift der Gegen- ftand des Begriffs **b). Da diefe Gegenſtaͤnde nicht an» ſchaulich find, fo find fie nur etwas Denkbares "). Ju diefee Nückficht wird ihnen auch Veraͤnderlichkeit abge fprochen. Allee, was Segenfland der Sinne if, buch . die Empfindung wahrgenommen wird, techfelt beſtaͤn⸗ big in feinen Befchaffenheiten; es verliert Beftimmungen und befommt an beeen Stelle wieder andere. Das durch die Vernunft beſtimmte, Denkbare iſt dagegen immer un⸗ veraͤuderlich °°). Diefe Eigenfchaft.beruhet darauf, daß biefe Begriffe die Form ber durch bie Sinne wahrnehm⸗ baren veränberlichen Dinge enthalten, ‘welche felbft nie⸗ mals mechfelt; fie kommt allen Gegenſtaͤnden zu, welche unser biefem Begriffe fteben, und macht bad mefentliche Merfmal aus, durch welches fie unter die Gattung ge⸗ rech⸗ 23) Sophifte S. 259. & wagızu wpocBeryv zu erapyy Tıyan Phaedrus ıoter B. ©. 322. AXęakaroc ve Kay asxyun- FITOC X Avadyc HIE. 84 Sophiſta ©. 259. Politicus 6. 64. 84 b) Politicus G. 64,5 5. res 3’ av meyıros ue: Kay Tıkiara- vos um 'erıv udmAov WÖRY wRoG TUG audgamuc sipyaeavov wapyuc, u Asıyderroe wundaveuave vor 5 Burepe- öXVEE uva wien. " 85) Phaedo &, 182, 185. Sophifta ©. 259. 36) Phaedo ©. 178, 180,179. aulo nad’ dure denvructare Tara ex, x Uörwere udauy uöaunc MAAmEm wis wöszuru. rechnet werben fann. Sie enthalten eine abfolute Ein. beit, und es können feine andern Merfmale aufgenom- men werden, als die in dem Begriffe enthalten find. Aber es koͤnnen auch Feine von diefen Merfmalen ausgeſchloſ⸗ fen werden, wenn nicht der Begriff gernichtet werden ſoll. Daher wird durch diefe Begriffe ein unveränberlicher Gegenſtand beſtimmt, während an den concreten Din gen ale Beftimmungen wechfeln ”). Daher befomme - der Segenfland biefer Begriffe, folgende Benennungen: das Unvergängliche, Unfterbliche (adnvarı); das was zu allen Zeiten ift, das Beharrliche (au ev, orınov, Ba . Base), das linzertrennliche (adrarırov) ; das Nichtzufant- mengefeste (atusderon) ; e⸗ Untheilhare (Apseısov); dag Göttliche (ro Ye) %). Die legte Benennung rührt. daher, weil Gott alg ein unveränderliches Wefen gedacht wird. | Das Verhaͤltniß diefer Begriffe zu den unter denſel⸗ ben enthaltenen Arten und Individuen iſt wie bad Be ſtimmende gu dem Beftimmbaren, ober tie bie Form zu den Stoffe. Die Form enthält dad Wehen (vera), das iſt, das Unveränderliche, das nicht mechfelt, das bei allem Wechfel bleibt, und allen fonft noch fo verfchiche- nen Dingen, bie unfer dem Begriffe ſtehen, unveraͤn⸗ derlich zukommt *2). Der Begriff heißt in diefer a ficht das Einartige, nee (povasıder, drauv) ° * 87) Timseus ©. 348. rexzre ravrea uxev doc, ayavınrev xy avursdgov, urs eis dawro aicdexonsvov aare mAredev, LTE avro sıc aaro zo ın. Timaeus ©, 301. 83) Phaedo &, 178, 181, 182,190. Theset. ©. 183, 184. Timseus ©. 301, 348. 89) Phaedo ©, 148, 149, 171,178. a si ueıa „je Anyev Idouov TU ame, Na ERMTOVTEE Ray BROKLIVOHSIE > sorsow Scaurac me oxuı xarm Traum y Mer’ are. ©. 379. ‘Y90) Phaedo. G. 179. y ası avruv dnmrov, 6 85: Kovasıdac 0% auro nad dure SsaUTnc NATE TEUTR 6%X81, nm WÖSHOTE U . daun uns arsmen wdeniav wlexeru. Theact. ©. 57- x Der Begriff, der dad Weſen ber unter einer Gattung ‚enthaltenen Dinge in fich begreift, kann nur ein einziger fein. Denn wären ed mehrere, fo würde noch ein hoͤ⸗ - berer Begriff moglich) fein, ber dag in jenen Gemein» fchaftliche zufammen faßte. Im diefem Fall würde ber legte der Gattungsbegriff fein, der die Form der Arten und der Individuen beftimmte *). Aber diejenigen Dis ge, welche durch die Form beſtimmt werben, Ednnen Diele fein. Daher heißt der Begriff, ber die Form der Arten und Individuen beftimme, und ber durch diefen Begriff aedachte Gegenftand, das Kine (ro &v, auch ivadse und wovadee), und diejenigen Dinge, welche durch die Form beſtimmt werben, die Vielen, ra zorra ”). Dieſe Vielen beißen auch garıya, teil fie außer der Form, welche allen zukommt, noch befondere Merkmale enthal⸗ ten möffen, durch welche fie fich von einander unterfcheie den ). Diele Dinge haben, ungeachtet ihrer Verſchie⸗ benheit, doch diefed mit einander. gemein, daß fie einer⸗ lei Form befigen, wodurch fie Objekte eines und des nebhmlichen Gattungsbegriffd werden. Dieoberften Gat⸗ tungsbegriffe find, als die Formen der übrigen. Dinge, gleihfam die Mufter (magadııyuara), nach welchen diefe gebildet find, und fie heißen daher auch Nachbildungen (nmare) ) Wie ed aber mini fei, daß die von Ä ben 91) derepubl. X, ©, a97, i 92) Philebus ©. 216. Phaedo &, 179, de republ. v1. ©. 116, ne auro dy narev neu auto ayador, nu re wu WavraN, rors dc worin arıapev, Farlıy avxar ıdaav nıav dæaru, dc ag uayc, Tıdevrac,d asıy dnarov XXXXX 93) Philebus ©. 217. Tors us —X guv sic dv Tora dewarım avarırrav ng Iimpsgıcav. Die Bes ‚ nennung wossıra if dieſem gleichgeltend. Theset. ©, 57. ZOAIE Ölöme na FUXıÄR ayrı drin. - 9) Timaeus®. 302, Parmenid. ©. 84, TR KV Hy TaUTE, desıg wupadeıynara dsavau Tu Que Ta TRAM Teure "vos x Eiyvey ÖHDIMLRTE. = 7 — den Begriffen berſchiedeuen Dinge einerlei Form haben, welche durch den Gattungsbegriff beſtimmt ift, wie fich Plato diefe Theilnahme und Gemeinfchaft (xuvavın, zag- „ea ) erklärt babe ‚werden wir weiter unten und in der Metaphyſik erklären, -Diefe Begriffe, welche mir jest nach. ihren auffab Iendfien Merkmalen und Benennungen kennen gelernt has ben, find feine empirifchen Begriffe, wie wir fchon ge fehen Haben. Denn da ihnen fein Gegenfand in der Wahrnehmung vollfongmen entfpricht, da fir vielmehr erft das Gedachtwerden berfelben moͤglich machen, ſo koͤnnen ſie aus keinem Stoffe entſtanden ſein, den die Sinnlichkeit liefert. Daher iſt auch ihr Inhalt rein und abgeſondert von allem empiriſchen Stoffe (zadagoı, ur sen); und er kann unabhängig von der Erfahrung entwickelt werben. Hieraus läßt fich die Deutlichkeit derſelben, und die Evidenz der aug ihnen gezogenen Urs theile erklären °*). Sie Finnen daher nicht auf eben die . Art entfichen, als die empirifchen Begriffe, welche ein Produft der Sinnlichkeit und bed Verſtandes find. Wie entfichen fie aber fonft? Da wir dieſe Frage jejt noch nicht befriedigend beantworten Finnen, teil die. Gründe, - woraus fie entfchieden werden muß, in das Gebiet der Platoniſchen Metaphyſik gehören, fo werben wir fie nur fo weit erörtern, als fie fih aus dem Vorſtellungsver⸗ mögen erklären läßt, ohne in fein. hyperphyſiſches Sy⸗ fiem auszufchweifen. Wenn es nicht finnliche Vorſtellungen giebt, fomuß es auch ein Vermögen geben, in welchem fie ihren Grund haben; und diefed Vermögen muß.von ber Sinnlichkeit ganz verfchieden fein. Diefee ift überhaupt dag höhere D5 Ä Vers 94) Philebus ©, 299-306, üs 4 agı nee se)’ jun re, Ta Beßuev xy To xadaeor eu arydec, u 0 du A0yY089 aAy- xęenmres, WELL TO MIKA NRTR TE AUT NERUTOE MUKTOTETE xev. m 5 — Verſtandesvermoͤgen, ber reine Verſtand und bie reine Vernunft. Dieſem find fie ſchon urfprünglicy mitge- . geben; fie werden nicht erworben, auch nicht gezeugt aus irgend einem Stoffe, fondern fie find ſchon gebilbet in dem Vermögen des reinen Verſtandes und der reinen Vernunft anzutreffen. Sie Finnen zwar in dem Be⸗ mußtfein verdunfelt werden, aber nicht ganz verſchwin⸗ den. Die äußern Gegenflände der Wahrnehmung we⸗ cken fie wieber auf *). Hier haben wir zwar nicht den “ Worten, aber dem Inhalte nach das Syſtem von den angebornen Begriffen, welches durch den großen Leibnig feine Vollendung erbiel. Es frage fich bier, wie Plato auf diefe Vorſtellungsart gefommen ifl, und aufmwelchen Gründen fie beruhet — eine Srage, die für die ganze Platoniſche Philofophie von größter Wichtigkeit if. Der Hauptgrund liegt in der Priorität der reinen, d.h. der - Gattungdbegriffe, welche feiner Vorſtellung nach zur Er» geugung ber concreten Begriffe nothiuendig war. Kein Begriff von einer Art, Fein Begriff von einem Indivi⸗ duum ift ohne den Begriff der Gattung moͤglich, Denn die Sattungsbegriffe beffimmen bie Borm, bie Einheit, auf welche das Mannichfaltige der Anfchauungen bezo⸗ gen werden muß, um es in einen Begriff zuſammen zu faſſen, und den Gegenſtand nach einer Regel zu beur⸗ sheilen ”%). Wenn wir einen Begriff vom einem einzel» nen Dinge bilden, fo urtheilen wir, und: beziehen ben Gegenſtand auf einen allgemeinen Begriff, welchem ber Gegenſtand nicht gang vollkommen entſpricht. In ben Urtheilen: dieſer Gegenſtand iſt ſchoͤn, gut, oder iſt ei⸗ nem andern gleich, wird der Gegenſtand von dem Be⸗ geiffe, 95) Phaedo &; 168 -ıyr. %) Phaedo ©.170. eo yap ru nrtaedeı duac dpgv y anu- zu ng 7 MArn cdavsedag, TuXem ade wu HANDoTaE SRITy- Ku avrou TU ıd) ö, Tr, 8 — Tu IR TV au6- —XEXCXCX — s9 — griffe, der mit ihm verknuͤpft iſt, unterſchieden. Der Gegenſtand erſchoͤpft nicht dem Umfang des Begriffes; er kann verändert werden, feine Beſtimmungen koͤnnen wechfeln, fie fönnen dem Begriffe widerfprechen, obne baß dieſe Beränberungen den Begriff treffen. Er if &ins und bleibt unwandelbar. Wenn wir daher ur⸗ sbeilen, biefer Gegenſtand iſt fchon, fo fagen wir nicht, er ift das Schöne, fondern er it Etwas Schönes, b. b. einer von den vielen Gegenfländen , welche durch den Begriff der Schoͤnheit beftimme toerden ). Aus diefen Gruͤnden folgt, daß dieſe Begriffe 1) nicht aus ber Sinnlichkeit entfliehen Finnen; 2) daß fie bei der Erzeu⸗ gung der empieifchen Begriffe nothwendig find, und dar ber der Zeit nach vor jenen vorbergehen müffen. Sie müffen älter fein alg jebe Wahrnehmung und als jeber Verftan- besgebrauch in Eoncreto. ie find alfo unsf angeboren. Wenn es angeborne. Begriffe giebt, welche nicht aus ber Sinnlichkeit entfianden find, fo müffen fie auch aus dem Bewußtſein ohne Huͤlfe ber Erfahrung. entwie .. + delt werben koͤnnen. Es iſt dies zugleich eine Folge und eine] Beftätigung der Behauptung, daß ed angeborne Begriffe giebt. Und fo finder es fich wirklich. . Durch gefchickte Fragen kann man in jedem Menfchen Begriffe, Urtheile und Erkenntniffe entwickeln, deren er fich vor⸗ - ber nie bemußt war, und die ihm weder durch Erfahrung noch durch Unterricht mitgetheilt worden find. Das wäre unmoͤglich, wenn fie nicht fchon vorher in dem Verſtandes vermoͤgen gebildet, obgleich ohne Bewußtſein vorhanden wären. Denn fie werden nicht in bag Ge⸗ muͤth hineingelegt, fondern and bemfelben gleichfam herausgehohlet. Ein auffallendes Beifpieldavon finden wir in den mathematiſchen Wiſſenſchaften, vorzuͤglich in der 97) Phaedo ©. 170. arıe per Iu un ya av einen da Een, OT WErTE Ta 8 TC ucIngseıy nun TE ageyeru ruꝰ dem un nm auru wiurıpa sn ©. 171. . der Geometrie. Ein Ungelehrter kann aus fich die ganze Wiſſenſchaft der Geometrie, von der er in feinem Leben nichts gehört hat, fchöpfen, wenn ihm ein Denker nur durch Fragen die Entwickelung der Begriffe erleichtert”*). Ein Beifpiel Davon, welches und Plato in feinem Me- non gegeben hat, wollen wir hier augheben, um biefen Lehrſatz feiner Philofephie, und die Methode, deren er fich, bediente, um die angebornen Begriffe zu entwickeln, anſchaulicher darzuſtellen. Nachdem Sokrates behauptet hatte, daß ales Er» lernen Wiedererinnerung fei, fo fodert Meno hiervon einen Beweis. Um ihm zu willfahren, bittet ihn So frateß, einen feiner Sklaven berzurufen. Hierauf bes ginnet folgendes Gefpräch. Sokrates. Iſt er ein Grieche, und ſpricht er griechiſch? Meno. Allerdings, denn er iſt in meinem Hauſe ge⸗ bohren. Sokr. Nun ſo gieb Achtung, um dich zu uͤberzeugen, ob er etwas von mir lernet, oder ob er ſich blos wieder entſinnet. Meno. Ich werde es thun. Soft. (zeichnet ein Quadrat) zum Sklaven. Sage mir, weiße du, daß das ein Quadrat iſt? _ Sflave. Ja. Sofr. Ein Quadrat iſt alfo eine Gläche, ‚ bie vier gleiche Einien bat? ° Sklave. Nicht anders. Sokrates: 98) Meno 4ter B. &.350-352, 354,356, 359,360. Phaedo ©. 165,166. örı sgaurmpevlı el avdenzor, Emv TIc name ’ Wurg, auvroi Asyuı WaYTE GSX. KM TO UN STUYXavEy auroie ERISyUN BVUea nu O6Ioc Aoyac, ux av ol T' HE Tu- TE WO. ATUTE BAYTIE ETI TE ÖAYPRHHRTERYE, 4 AAO TE vur TONTay, evraula GADISaTa)narıyogu , ori ruro druc ex. — 61 — Sokr. Sind dieſe wei Linien, welche das Quadrat in zwei gleiche Theile; ſerſchueiden, n nicht auch einander gleich? *) Sklave. Ja. Sokr. Kannſt du dir diefe glache groͤßer oder kleiner denken? Sklave. Warum nicht? | Soft. Geſezt alfo, diefe Seite fei zwei Fuß lang, und diefe eben fo lang, wie viel Zuß müßte die ganze Flaͤche enthalten? Weberbenfe die Sachefo. Wenn diefe Seite zwei Fuß, dieſe aber nur einen enthielt, müßte die Flaͤche nicht einmal zwei Zuß in fich fafien? Sklave. Ja. | Sokr. Da aber jebe von den beiben Geiten zwei Zut lang iſt, ſo muß die Slaͤche zweimal zwei J enthalten. Sklave. So iſt es. Sokr. Wie viel Fuß faßt alſo dieſer Raum in ih? Sklave, Biere. Sokr. Könnte nicht eine andere Flaͤche gezeichnet wer⸗ ben, die noch einmal fo groß, übrigens aber Dies fer inſoweit ähnlich if, daß alle ihre Einien, wie bei diefer, gleich Mund? . Sklave. 2) State vebet hier nicht won den Diadonallinien, fondern von ‚den Linien, die von einer Seite des Quadrats ME andern geisgen werben. und die Figur in zwei gleiche Hälfs ten zerſchneiden. Man ſtelle fih folgende Zeichnung vor- . U) UT “ — 652 — Sklave. Unſtreitig. Sokr. Wie viel Fuß wird ſie halten? Sklave. Acht. | Sokr. Denke nach. Bon wie viel Fuß wird jebe Linie diefer Fläche fein? Jede Linie diefer Flaͤche da iſt zwei Fuß lang. Wie lang wird alfo jede Linie der noch einmal fo großen Fläche fein? Sklave. Es ift klar, daß fie das Gedoppelte von biefer fein muß. Sokr Du ſieheſt, Meno, daß ich ihm keinen Unterricht gebe, ſondern nur frage. Und doch glaubt er jezt zu wiſſen, aus welcher Linie das achtfuͤßige Qua⸗ drat entſtehet. Meinſt bu nicht? Meno. Ja, es duͤnkt mir. Sokr. Weiß er's aber ſchon? Meno. Nein. Sokr. Ich werde in der Folge diejenigen Vorſtellungen in fein Bewußtſein zurück rufen, deren er ſich er» inneralmuß, (gum Sklaven) Du behaupteftalfe, man befomme eine noch einmal fo große Fläche, wenn man biefe Linie verboppelt? Die Fir gur fol nicht etwa. auf der einen Seite lang, auf ber andern kurz, fondern ale Linien müflen einan- der gleich fein. Die Flaͤche fol dad Geboppelte von bdiefer fein, alfo acht Fuß enthalten. Dies ift unfere Aufgabe. Denfe nun nach, ob bu von biefer verboppelten Linie biefe Figur erhalten wirft? Sklave. Ich ſollte es meinen. Sokr. Wir verdoppeln dieſe Linie, wenn wir hier eine eben ſo große anſetzen. Sklave. Richtig. Soft. Wenn wir von vier ſolchen eine Flaͤche einſchlieſ⸗ fen , fo entſtehet deiner Meinung nach das acht- füßige Duabrar? Sklave. Ja. Soft. x — 6 3 — Sokr. Gut, wir wollen dieſe Figur zeichnen. Iſt dieß das Quadrat, welches wir verlangen? Sklave. Ohne Zweifel. Sokr. Nun ſind aber in demſelben vier Linien, deren jede fo groß if, als dieſe von vier Fuß Sklave. Du haſt Recht. Sokr. Wie groß iſt alſo das Quadrat! Iſt es nicht viermal fo groß als dieſes? J Sklave. Nothwendig. Sokr. Iſt es alſo dad Gedoppelte yon bieſer Figur? Sklave. Nein. | Eofr. In. welchem Verhaͤltniß ſtehet es alfo? Sklave. Es ift das DVierfache. Sokr. Aus der verboppelten Linie entfichet alfo nicht eine doppelt, fonbern viermal fo große Flaͤche, Sklave. Du haſt Recht, Sokr. Denn viermal vier iſt ſechzehn. Nicht wahr? Sklave. Nicht anders. Sokr. Bon welcher Einie entficher denn aber das acht» füßige Duadrat? Nicht wahr, aus dieſer wird ein viermal fo großes? Sklave. Ja. Soft. Das vierfüßige.aber aus biefer, bie bie nälfe von jener iſt? Eflave. Ja. Soft. But. IR das achtfüßige Duabrat nicht das doppelte von biefem ‚ und bie Hälfte von diefem? . Sklave. Unftreitig. Sokr. Muß es alfo nicht aus einer Linie entſtehen, bie größer ale diefe, und Eleiner ale biefe iſt? Eflave. Mir fcheint es fo. Sokr. Recht fo. Antworte nur immer, was dir fcheint, Sage mir alfos Iſt nicht diefe Linie zwei, dieſe aber vier Fuß lang? Save, Ja. Sorr. — 64 — Sokr. Alſo muß die Linie des achtfüßigen Quadrats größer ale die zweifuoͤßige, und Eleiner ale de vier⸗ fuͤßige Linie ſein. Sklave. Das muß ſie. Sokr. Kannſt du nicht beſtinuut Tagen, wie groß fie fein muß? Sklave. Dreifüßig. Soft. Um diefe zu.befommen, wollen wir bie Linie vom erfien Quadrat und die Hälfte bazu nehmen. Denn das find zwei Fuß, und die Hälfte ift ein Fuß. Und fo auch auf der andern Seite. Wir Haben alſo die Fläche, welche du wollteſt. Sklave. Sie iſt es. | Soft. Wenn nun hier drei Fuß, und. bier eben fo wid find, fo enthält die ganze Flaͤche breimal drei Fuß. Sklave. Es ſcheint fo. Sokr. Wie viel macht drei mal drei? ESklave. Neune. Sokr. Wie viel mußte aber das gebgppelte Quadrat | baden? Sklave. Acht Fuß. Soft. Alſo entftchet bag achtfuͤßige Quadrat auch nicht aus einer dreifuͤßigen Linie. Sklave. €8 iſt unmoͤglich. Sokr. Alſo von welcher ſonſt? Wenn du nicht zaͤhlen wollt, fo zeige ſie mir mit dem Finger. Sklave. Das weiß ich beim Jupiter nicht. Sokr. Sieheſt du nun, Meno, wie weit dieſer Menſch ſchon in der Wiedererinnerung gekommen iſt. An⸗ faͤnglich wußte er nicht, wie er es auch jezt noch nicht weiß, wie groß die Linie eines achtfuͤßigen Quabdrats fein muß; aber er meinte es erkannt zu haben, und antwortete entſcheidend, ohne ſich zu bes denken, als wenn er es wüßte. Jezt fühlt er die Schwie⸗ rigkeit, und iſt frei vom Wahne, es erlanut zu haben. Meno. Es iſt die Wahrheit. Sokr. b — — — — \ Sofr. Iſt das nicht beſſer für ihn, in Anfehung der Sache, die ernicht weiß? | Meno. Sch denke wohl. " Sokr. War es ihm etwa fehädlih, daß wir ihn in Verlegenheit festen, und ihn, wie der zitterfifch thut, krampfhaft erſthuͤtterten? Meno. Das wohl nicht. Sokr. Wir haben ihm vielmehr, wie es ſcheint, einen großen Dienſt gethan, daß wir ihm die Aufloͤſung ber Aufgabe moͤglich gemacht haben. Denn jezt, da er ed nicht weiß, wirb ergernnachforfchen. Vor⸗ ber hätte er wohl oft und gegen viele Menfchen bes bauptet, eine verdoppelte Figur müßte auch ver⸗ doppelte Binien Haben, Und hätte ſich noch damit viel gewußt. Meno. Das iſt wohl moͤglich. Sokr. Glaubſt du wohl, daß er nur den Willen hatte haben koͤnnen, zu unterſuchen, oder zu lernen, was er, wie er ſich faͤlſchlich einbildete, ſchon wußte, ehe er in Verlegenheit kam; oder ehe er uͤberzeugt wurde, daß es ihm an dieſer Erkennt⸗ niß fehle, und den Wunſch fühlte, fie gu erlangen? Meno. Das glaube ich nicht. Sokr. Diefer frampfhafte Echlas war alſo ein wahres Gluͤck fuͤr ihn. Meno. Nach meiner Einſicht. Sokr. Er wird ſich nun von der Unwiſſenheit befreien, und durch Huͤlfe meiner Fragen die Aufloͤſung fin⸗ den, ohne daß ich ihn belehre. Gieb Achtung, wenn ich bitten Darf, ob ich nicht, anſtatt Ihn zu - imterrichten, vielmehr nur feine eignen Urtheile burch Sragen herauslocke. (Zu dem Sklaven) Iſt das nicht ein bierfüßiges Quadrat? Haſt du es begriffen? Slave. I, € j Erf, — 66 — Sokr. Koͤnnen wir nicht ein anderes Quadrat von glei⸗ her Groͤße an des erſten Stelle ſetzen? Sklave. Warum nicht? Sokr. und noch ein drittes, welches jedem der beiden gleich iſt? Sklave. Ja. | Sokr. Nun fönnen wir auch ben leeren Kaum in dieſem Mintel ausfüllen *). | Sklave. Unftreitig. 0 | Sokr. Alle diefe vier Quadrate find einander gleich. Slave. Nicht anders. ESokr. In welchem Verhaͤltniß ſtehet nun dieſe ganze Figur zu dem erſten Quadrate? Sklave. Sie iſt viermal fo groß. Sofr. Wir wollten aber ein Quadrat, das nur doppelt ſo groß waͤre. Entfinnft du dich noch? Sflave. a. Sofr. Laß uns eine Linie aus dem einen Winfel zu bem - andern ziehen, welche jedes von biefen vier Qua⸗ draten in zwei gleiche Haͤlften zerſchneidet. Sklave. Es ſei. u | Sokr. Es eniftehen alfo dieſe vier gleiche Linien, welche diefe Flaͤche einfchließen **). Sklave. Ya vier gleiche Linien. | Sofr. »,.**) Um dieſes auſchaulicher zu machen, wollen wir bie —— EEE U ’ Si. Denfe num nad), wie groß dieſe Fläche iſt. Sflave, Das weiß ich nicht. Sotr. Jede diefer Linien ſchneidet von der innern Häce dieſer vier Quadrate die Hälfte ab. Iſt es niche fo? Sklave. Ja. Sofr. Wie viel find alfo fie Ranmet in diefem (großen Duadrat? ) Sklave. Biere. Sofr. Wie viel aber in dieſem (kleinern)? Sklave, Nur zwei. Soft. Wie verhält fich Vier zu Zwei? Sklave. Wie das Gedoppelte.e Eofr. Wie viel Fuß enthält alfo dieſes Quadrat? Sklave. Acht Fuß. Sokr. Von welcher Linie wird es gezeichnet? Sklave. Von dieſer. Sokr. Alſo von der, welche in dem vierfuͤßigen Dun: drate aus einem Winful jum andern gezogen iſt? Sflave. Ja. Sokr. Die Gelehrten nennen diefe den Diameter (Dia- gonallinie). Alſo entſtehet nach deinem Urtheil, das gedoppelte Quadrat aus der Diagonallinie? Sklave. Allerdings. Soft. Was duͤnkt dir, Meno, hat dieſer Sklave etwas anders geantwortet, als er ſelbſt urtheilte? Meno. Nicht anders. Soft. Bor einigen Augenblicken wußte er aber nicht Davon. Meno. Ganz richtig. Soft. Waren diefe Begriffe und Saͤtze fchon in feiner‘ Seele anzutreffen oder nicht ? Meno. Unftreitig das erſte. Sofr. Alfo finden fich auch bei einem unwiffenden Mens ſchen richtige Begriffe und Urtheilg über Gegens , flände, von denen er nichts weiß? Meno. Es fcheint fo. € a Sokr. ’ % > Sokr. Sie find jest in deinen Sklaven aufgeregt wor⸗ ben, ob fie ihm gleich noch tie ein Traum vor⸗ fommen. Wenn man ihn aber mehrmals über eınerlei Säche befragen wird, fo kannſt du ficher glauben, er wird es zulezt zur ſtrengſten Wiſſen⸗ ſchaft bringen: Mens. Es iſt moͤglich. Sokr. Durch bloßes Fragen, ohne Unterricht, wird er die Wiſſenſchaft erlangen, indem er fie aus fi ſelbſt ſchoͤpft. 2 DE ‘ . i R : Es fragt fich hier, welche Begriffe Plato für ange boren bielt, und welches Merkmal er annahın, um fie von den empirifchen zu unterſcheiden? Wir haben fchon oben gefehen, daß bie Nligemeinheit und bie Unmoͤglich⸗ feit, ſie unmittelbar aus der Sinnlichkeit zu erflären,, deu Sharafter von ben reinen angebornen Begriffen ausmachte. Hierdurch unterſcheiden ſich die Begriffe der Vernunft zwar von den Anſchauungen und Verſtandes begriffen; aber die rei⸗ nen Begriffe werben von den empirifchen nicht ſtrenge genug . abgefondert, weil die Merkmale nicht beſtimmt genug find, und die Unterfcheidung zwifchen Form und Stoff der Begriffe noch im Dunfeln lag, Daher kommt es, daß Plato alle Sattungsbegriffe, die zwar Begriffe der Vernunft, aber doch empirifchen Urfprungs find, zu den angebornen und reinen Begriffen rechnet. Er verfuhr dabei Immer confequent ; denn feine Merkmale von den angebornen Begriffen trafen auch bier alle um befto eher gu, weil fie eigentlich von biefen Begriffen abſtrahirt waren. Es fcheint zwar, als wenn Plato biefen Lchrfag ſei⸗ ner Philofophie in einem fo großen Umfange genommen babe, daß alle ımd jede Vorſtellung mit Bewußtſein nichts anders aͤls eine Wiebererinnerung fei, und daß fein Menfch eine neue * Berfelung, befomme; fondern fi ſich nur der ehemals gehabten, aber vergeßnen, durch Huͤlfe der Wahrnehmung wieder belebten und er—⸗ weckten Vorſtellungen bewußt werde. Dieſes ſcheint nicht nur die Behauptung zu beſtaͤtigen, alles Lernen ſei Miedererinnerung '), fondern auch folgende Stelle: „Da bie Eeele unfterblich iſt, vielmals fchon Körper be⸗ „wohnt, und alle Dinge auf diefer Erbe, in dem Todten⸗ „reiche und in der gangen Natur betrachtet bat, fo bat fie ſchon alle mögliche Kenntniſſe erworben. Es lift da» ber kein Wunder, wenn fie fich, deſſen, was fie von der „Tugend und andern Dingen fchon vorher wußte, wie⸗ nder erinnert. Denn, weil bie ganze Natur verwandt- „und einftimmig it, und bie Seele ſchon alles er- „kannt bat, fo ift ed gar nicht unmoͤglich, baß 'bie „Seele, wenn fie nur eine Erfenntniß ind Bemußtfein surüdufet, (welches man unter bem Lernen verfichet) „alles andere von felbft erfinbe, wenn einer nur thaͤtig if, und das Nachbenken aus Trägheit nicht fcheuet “ "). Allein in dieſem umfaffenden Sinne hat Plato feinen „Lehrfat nicht verflanden. Nicht die Anfchauungen und Empfindungen werben dem Gemuͤthe durch die Wieder⸗ erinnerung von neuen bargeftelt, fonbern nur biejeni- gen, welche mis jenen in Verbindung leben, und nicht , € 3 au 1) Phaedo ©, 165. Meno ©. 342, 2) Meno S. 351. ray ) yuxy alavarıs Ta ven zaı wor- Annıc Yeymyın ya dmgaxum na um evdade za Tu av Kdov SRI WATTE XOYMaTas un ag db, TI u Heuadunev. ass ver Iauumsov Xu Tip GGETHE Mas wagı MAAmv olayrs sivaı MUTaV wuaucdrven dys xuı wgorsgev ywısaro, dire Yap ruc Qu Gens draays evyyaug ueys nu Hauadynuag Tuyc WuXxus &- ware, üuder nurus dv over avapvucdevra (d dy kadneıv ARAUGIY aYdgmTOL) FT MAAS MAYER MUTEN MYgugliyy AMY TIGE. — ders yazı u amenauy Curav — 79 — aus ber Sinnlichkeit entſtanden find ’). Zweitens nimmt auch Plato das Wort kadues, in einem ſehr ein⸗ geſchraͤnkten Sinne, für die Erkenntniß aus Begrif- “ fen )⸗- Daher heiße der Sag: alles Erlernen ift nur MWiedererinnerung,eigentlich fo ‚viel: Alles was ber Menſch weiß, und zwar aus Begriffen a priori un« abhängig von Erfahrung weiß, das .weiß er aus. ber MWiedererinnerung. Uebrigens muß man wohl bemerfen, daß Plato dieſe Erflärungsart von der Moglichkeit dieſer Begriffe nichts - weniger als für einen fireng erwiefenen Sag hielt. Sie war in feinen Augen nur eine Hypotheſe, ‚die ihm alte nehmlich fchien, weil fie fowohl an fich gedenfbar war, ald auch das Faktum, daß es nichtfinnliche Begriffe giebt, einigermaßen erflärte. Er ließ fie nur deswegen gelten, weil es überfinnliche Begriffe giebt, bie nicht empirifch abgeleitet werden können, und weil er nad) feinen Einfihten feine anbere Erflärungsare finden fonnte. Die Hypotheſe fchien ihm annchmlich zu fein, weil fiefich aufeinen erweisbaren Sag gründete, daß es nehmlich Begriffe giebt, ‚die nicht aus der Sinnlich⸗ feit entflanden find *. Ob nun gleich diefee Sag nur Hypothefe ift, fo wurde er doch durch den philofophifchen Geift des Plato fehr Fruchsbar an Folgen, und befam einen entfcheibenden Einfluß auf feine ganze Philofophie. Da fie die Wiffenfchaft Ber Dinge an fih- iſt, inſofern fie aus reinen Begriffen erkannt werben, fo fand er » durch 3) de republ, VII. &. 157. sa rı re = ru audruv Fı ewıxuey uavdavsıy , ure KaIsv av Tore Oykı MUTeV. ETIEN- Rav Yaß ux SXEIV TaAV Taten. _ 4) Meno ©. 361. Phaedo ©. 210. 5 de wıgı rue avapıny- Gun; war uaduceac Aoyac du uwedscene afınc aredıtaedn ur. seendy yap zu Uruc äumv eva y Yu, na wen u ' enua adıneadaı, dewse RUTyc arıv usa axuen ryleru- vonsay rov ru 6 rn — 711 — durch. Hälfe diefer Hypotheſe einen denkbaren Grund von ber Möglichkeit diefer Erfenntniß, tie wir in der Metaphpfit zeigen werden. Er brauchte fie auch als, eine Schugtwehr gegen eine Behauptung einiger ffeptifchen Sophiften, wodurch fie den Unterfuchungsgeift gänzlich unterdruͤckten, indem fie fagten, es ſei unmoͤglich, etwas Nuu unterſuchen; denn wenn man, den Gegenſtand ſchon wiſſe, fo ſei die Unterſuchung überflüßig, und wenn man ihn nicht wife, unmoglich. Die angebornen Begriffe find vor dem Selbftdenfen dunfel und unentwickelt; fie entwickeln und zum Bewußtſein bringen, heißt unterfu- hen, das einzige Mittel, Wiſſenſchaft und Erkenntniß zu erlangen °). Diefe angebornen hören nicht der Sinnlichkeit, fon :ftande an. Denn die Sinnlichkeit e durch das Afficiertwerden, und t che daraus entſtehen, find gerade das. Gegentheil von den angebor⸗ nen. Ss ſcheint, als wenn Plato den Inbegriff von dieſen Begriffen sus und @eousıs nenne. Aus folgenden Gründen wird dieſes wahrfcheinlih. Erſtlich fagt % die Wahrheit werde durch die Vernunft (re) erfannt*). Unter Wahrheit. verfichet aber Plato das objektive Sein, die Prädisate, welche den Dingen an ſich zufommen ; und diefe werden eben durch die angebornen Begriffe er⸗ Tanne. Zweitens. Er giebt zwei Quellen oder Vermoͤ⸗ gen für die Erfenntniß an, Erfahrung und Vernunft (surugia, geanes) ?). Die Erfahrung begreift alſo alle €4 Vor⸗ 5) Meno S. 350, 351. 6) de republ. VI, &. 119. . 7) de republica 1X. S. 260. ruı xey uenuedas ra nerrera aaauc ngöyesedar me un umge TE nu Qeovyanı xas Aryay Durch Aoyoe wird hier Feine befoudere Erkenntnifs quelle verſtanden, ſondern mur das analvtiſche Vermögen des Verſtandes, die VWorkelungen ber Sinnlichkeit und ber seinen Morftellungen, bie empirifchen Urfprungs find; bie reine Vernunft, alle nicht finnliche, die angebornen. Da die angebornen Begriffe nicht auf die Art geges ben werden, tie die finnlichen, fo koͤnnen fie auch nicht durch Empfänglichfeit, fondern durch Selbfithätigfeit des Gemuͤthes entwickelt und zum Bewußtſein gebracht werden, b. 5. durch das Denken. Denn weil fie ſchon . in dem Vermoͤgen des Verftandes gebildet, wiewohl ohne Bewußtſein angetroffen werden, fo fommen fie nur allein durch die Thätigfeit des Verſtandes zum Vorſchein. Es wird ihn fein Stoff von Außen gegeben, den er ver. ‚ binden muß, fondern er findet ihn fchon in ſich felbfl, und erzeugt baraus durch feine Thätigkeit Begriffe. Hier⸗ aus wird man die Ausdrücke, wodurch Plato diefe Art bes Denkens bezeichnet, von felbft verſtehen: durch und mit der Seele felbft unterfuchen ober betrachten (zury vu ‚Yuza Isev); die Seele betrachtet unabhängig von andern durch ſich ſelbſt (zury %. Kuryc Yuzu erıcyorei); durch uns ſelbſt erkennen (3 sum ausm yvaras) ; bie Seele denkt die Dinge an ſich durch fich felbft (voyen auıy zu” duryv aure | xaꝰ' duro ra ovrav); rein benfen und erfennen (z=Iagwe yyayaı, udvas): Auch die Wörter Anyıdesdaı, Qeovam, vom, diareyseda: werden im engern Sinne gebraucht, um die⸗ ſes Denken anzuzeigen. Alle diefe Ausdrücke geben bad Reſultat: Reines Denken heißt, ohne finnlichen Stoff Degriffe ‚seinen Vernunft auf deutliche Begriffe zuruͤcktufuͤhren. Das ber fagt er &. 260, die Acyas wären das Organen, wodurch genrtheilet würde. Ungeachtet mancher Verfchiebenheiten findet man doch, was biefen Punkt betrifft, eine gewifle Uebereinſtimmung zwifchen ber Philoſophie des Plate und bes Ariſtoteles. Denn auch biefer fiehet ben »us ald den Inbe⸗ griff von ben hoͤchſten Begriffen an, von denen fich weiter fein Grund angeben läßt. Man vergleiche Eth- Nicom. 1. VI. c. 6,8. und X, 7. Begriffe erzeugen, und zu einem Ganzen verbinben min, Die deutlichen Begriffe und Urtheile, in welche die angebornen Begriffe aufgeldfet werden, heißen uͤberhaupt Ayyoı 9), Der Verſtand kann diefe reinen Begriffe auf eine ge⸗ doppelte Art bearbeiten. Er gehet von ihnen entweber zu den Folgen, oder zu den Principen über. In dem erſten Falle werden diefe Begriffe ald Principe gebacht oder. vorausgeſezt; alled, was fi aus ihnen ergiebt, wird mit Huͤlfe der Anfchauung -(oder ber Konftruftion der Begriffe) entwickelt. Ein Ganzes diefer Erfenntniffe giebt zwar reine, aber feine firenge Wiffenfchaft, weil es an einem Princip fehlt. Plato nennt fie duavoa, toele ches man eine Wiffenfchaft dee reinen Verſtandes uͤber⸗ fegen koͤnnte. Die Mathematif macht ihr Gebiet aus '*). Sin dem zweiten Fall betrachtet ber Berfiand die Voraus⸗ fegungen nicht ale Principe, fondern ald eben fo viele Bedingungen, um bag zu erfennen, was nichtd weiter vorausſezt, d. 5. die oberften Principe, das Unbedingte, Abſolute, und leitet fodann alled aus diefen Principen ab; alles dieſes gefchiehet durch Begriffe, ohne die Ans ſchauung zu Hülfe zu nehmen, Ein Ganzes diefer Er« kenntniſſe ift dem Plato firenge Wiffenfchaft (ericuuv) E55 ober $) Phaedo ©. 147,148, 151,152,189. Theset. ©. 148, . Phaedo ©. 148. ärav uarnsa aury xa9’ durm Yıyıyran Buen xXasmeıy Te quim, zu NaJoeov Övrarey Ey KUIVETUNE aurę und areas, epeyaraı ru qvrec. Philebus ©. 303, 304. de Republ, VI. &, 124, VII. ©&. 163. 9) de republ, IX, G. 261. 20) de republica VI. G. 133, vor rors ruydeen (voyrec) oe uunogı Xpmissyn yuxu, Guyrev vaynagırıy se Urodıcenn, un em’ apxuw wogevonem, mar ex ruaurıw. G. 125. L. VII. ©. 166, oder Wiſſenſchaft der reinen Vernunft "). Denn eben darin beſtehet der weſentliche Charafter ber Vernunft, daß fie das, wad in aller Rückficht Einerlei und Unver- änderlich ift, (das Abſolute) denket ”).. Don biefen reinen angebornen Begriffen unterfchei- bet Plato zwei Arten, die mathematiſchen und die Be⸗ griffe der reinen Vernunft. Die mathematiſchen ha⸗ ben mit den letztern dieſes gemein, daß ſie rein und an⸗ geboren, und deswegen ewig und unveraͤnderlich find, fo mie die Gegenftände, die dadurch gedacht Merden; ‚fie unterfcheiben fih aber wiederum dadurch, daß es von einem Gegenſtand mehrere vollfommen ähnliche Begriffe giebt ; oder mit andern Worten ein mathematifcher Des griff, 3. 3. Eirfel, enthälteine Syntheſis des Mannich- faltigen, die mehrmals rein dargeſtellt oder konſtruiret werden fann, unb es wird durch ihn eineunendliche Zahl von Gegenfländen beſtimmt, welche vollfommen ähnlich find. Durch) einen Bernunftbegriff (305) hingegen wird nur ein einziger Gegenftand beſtimmt ”). Es wareine ſehr wichtige Entdedung, welche Plato hier machte, daß die mathematifchen und die Begriffe der reinen Ver⸗ nunft nicht fi unlichen Urſprungs find, und daß fie ſich durch ıı) de zepublica VI. ©. 122. vo dau dreeov To er’ apxım avuwoderov, eE Umolseswe ınea, Nm MvsU Tan wigı axııve sınovay, avras usa di aurav Tyv usdodoy Terug. ©. 124. 1. VII. ©. 166. ı2) Sophifta ©. 366. 13) Ariftotel. Metaphyf. I,6. ar R vara Ta axcdıra ng Ta tıöy, TR HAINHATILE Tay meayuarav svası Oycı Melafu, Iınpagavra Tav av ycdyrav, To. aldın Xu RUYyTa dv Tun TE BIÖRYs TR TR KEV KOAX arıa Öucız eıyy. To du idee surc iv Enasov zevor. Anſtatt der geisöhnlichen Lesart Je: babe ich Aue: gefeit. Denn Arifioteles redet bier, mie der ganze Zufammenhang lehret, von bes Philoſophie des Plato, nicht der Ppthagoraͤer. . n durch die Vielheit und Einzelheit, wenn ich mich fo ausdrücken darf, unterfcheiden, ein Unterfchied, welcher durch die kritiſche Philoſophie erfl feine beſtimmte Bedeu⸗ tung erhalten hat, und aus feinen einzigan Grunde, dem Vorftellungsvermögen, abgeleitet worden if. Ob er über den Grund dieſes Unterfchieded nachgedacht, und ob er zur Erklärung deſſelben zwei verfchiedene Bermögen angenommen habe, davon finder fich feine ausdrückliche und beftimmte Aeußerung. Aber mwahrfcheinlich ift es, daß er die mathematifchen Begriffe bem Bermögen, wel⸗ ches er davora nennt, die andern aber dem vuc, der] Ver⸗ nunft beigeleget babe. Aug folgenden Gründen glaube ich diefeg folgern zu fönnen. Aravom iſt in der oben an« geführten Bedeutung die reine Erfenntniß ober Wiffen« fchaft bes Bedingten; ewısnun die reine Wiſſenſchaft des Unbedingten. Die mathematifchen Begriffe find von ber Art, daß durch fie eine unendliche Zahl von Gegenſtaͤn⸗ den beftimmt werden, welche vollkommen ähnlich find, weil fie Berbindungen des Mannichfaltigen der reinen Anfchauung find. In dieſem Umftande fcheine eben Plato das Bedingtſein der mathematiſchen Begriffe ge fest zu haben. Das Unbebingte kann nur einzig fein, es ift die einzige Bedingung ded Bedingten. Dieſes . wird nur bei dem Denfen der Vernunft angetroffen, wo ein einziger Begriff der Gattung die gemeinfchaftlichen Merkmale der Arten und Individuen, oder in ber Pla⸗ tonifchen Sprache, das Weſen enthält. Die mathema⸗ tiſchen Begriffe find die Wirfungen ber probuftiven Ein- bildungsfraft. Ihr Stoff iſt dad Mannichfaltige der Formen der Sinnlichkeit, welches unendlich if. Die Verbindung beffelben burch ben Verſtand ift die Bedin⸗ gung ber Einheit diefer Vorftelungen. Daher find die Produkte felbft bedingt; da hingegen bie Bernunftbegriffe («:34) die Formen , die Verbindungsarten bed Mannich ‚ faltigen der Begriffe, und in diefer Eigenfchaft felbft un. Bedingt find. . a Dieſe 7 — Diefe reinen Begriffe ber Vernunft, welche bad Une veraͤnderliche, Abfolute und Nothwendige enthalten, die oberftien Gattungsbegriffe aller Dinge, ‚find die Ideen, welche in der Platonifchen Philofopbie ſchon deswegen .. von der größten Wichtigkeit ind, weil fie die Grundlage son feinem ganzen philofophifchen Gebäude ausmachen. Und von der Zeit an, ba die Platonifche Philoſophie bekannt wurde, bie auf unfere Zeiten, waren fie immer cin Segenftand der Unterfuchunden und der Streitigkei⸗ ten. Die Srage, ob es Ideen gebe, was fie feien, mas fſich Plato unter ihnen gedacht habe, befchäftigte eine fo große Anzahl von Dentern und Gelehrten. daß fie auch im dieſer Rückficht Aufmerkfamfeie verdienen. Verſchie⸗ . bene einander entgegengefeste Erklärungsarten find von Zeit zu Zeit bekannt gemacht worden; fie fanden Verthei⸗ diger und Befreiter, aber noch Feine bat den einſtimmi⸗ sen Beifall aller Denker erhalten. Das ift, wie ich glaube, Beweiſes genug, daß bie Ideenlehre noch nicht von allen Eeiten betrachtet und unterfucht morben ift; daß noch viele Dunkelheiten und Schwierigfeiten wegzu⸗ räumen find; daß es verfchiebene Geſichtspunkte giebt, aus welchen fie betrachtet werben Tann, und daß es noch nicht ausgemacht iſt, welches der wahre und richtige von dem Plato gewaͤhlte ift. Kurz es iſt einleuchtend, daß eine vollftändige Unterfuchung über die Ideen des Plato durch alle bisherige Arbeiten der Denker und Ge⸗ lehrten noch keinesweges überflüßig oder entbehrlich ge- macht worden ift. 0 | Die Menge von Schriften, welche über biefen Ge⸗ genſtand ber Platonifchen Philoſophie zum Vorfchein ge - " Sommen find; bie Verfchiedenbeit von Wegen, welche berufene und unberufene Ausleger gewählt haben, um die Ideen zu erflären, und bie Dunfelbeit, welche fie umhuͤllet, aufzuhellen, kann nur dazu biemen, bie Echmierigkeiten gu vermehren, und den einzigen wahren Gefichtspunkt aus den Augen zu ruͤcken. Es iſt möglich, _ daß — 7 — daß jebe von den derſchiedenen Erklaͤrungsarten einige Gruͤnde fuͤr ſich hat, daß ſie aber neben dem Wahren, das ſie enthaͤlt, einen ſtarken Zuſatz von Falſchen bar; ja es iſt mehr als möglich, indem man auf dieſe Are nur allein einen befriedigenden Grund, von der Verfchie- benheit der Erklärungen angeben kann. Allein fo lange, es nur Allein diefe entgegengefeten Erklaͤrungsartemgiebt, ſo lange iſt es durch ſie allein nicht moͤglich, das Wahre auszumitteln, und den Scheidepunkt zu treffen, wo bie ‘eine anfängt, richtig oder unrichtig zu werden. Denn jede derfelben iſt auf Gründe geftüzt, welche aus ber Platoniſchen Philofopbie hergenommen find ; und bie Stellen, auf welche man fich beruft, merden von dem einen anf diefe, bon dem andern wieder auf eine ändere Weiſe erkläre. Melche Gründe und Auslegungen die ächten und richtigen find, laͤßt fich durch keine ber ent⸗ gegengefesten Erklärungen beſtimmen. | Diefe Gründe beſtimmten mich bei ber Unterfuchung über die Ideen des Plato meinen eignen Weg zu wählen, ohne mich durch die NucTche auf die bisherigen Erklaͤ⸗ rungen verleiten zu laffen, einen zu ergreifen, der für. mich ein Abweg werden koͤnnte. Das allerficherffe Wit tel ift, dacht’ ich, feinem andern Führer ald dem Plato zu folgen, und aus feinen Schriften den Stoff ju der folgenden Theorie der Ideen zu nehmen. Laͤßt fih auf diefem Wege allein ausmachen, mas er unter been ge dacht, und mie er fich diefelben vorgeſtellt hat, ſo wird biefe Darftelung der Ideenlehre nicht allein bie gegrün« dete Vermuthung für fich haben, daß fie die einzige rich⸗ tige ift, fondern auch zu einem ſichern Maßflabe dienen, um das Wahre und Salfche in allen andern Ertlaͤrungs⸗ arten zu pruͤfen und zu unterſcheiden. Ich glaube dieſen einzigen richtigen Weg getroffen zu haben. In wiefern ich mich in dieſer Meberzeugung nicht getäufcht habe, wird dus Urtheil meiner Lefer und fompetenter Richter entfcheiben,, wenn fie mit mir inder . .. fol» a — — — — — no folgenden Abhandlung, zu welcher ich mir durch bie vor⸗ bergehenbe Unterfuchung den. Weg gebahnt habe, ben nehmlichen Weg zurückgelegt haben. Wenn er einigen zu langwierig oder zu mühfam feheinen follte, fo darfich auf der andern Seite hoffen, daß man die Wichtigfeie bed Gegenſtandes und die Schwierigkeit der Unterfuchung, die durch mehrere verfuchte Wege verwickelter geworden ift, ‚nicht aus der Acht laffen wird. Vieleicht wird auch dag Reſultat, welches fich auf feinem andern Wege fo ficher aus⸗ mitteln ließ, die Lefer mit der Länge deffelben ausſoͤhnen. Ueber die Ideen des Plate, Die Ideen haben bei dem Dlato einen boppelten Cha» zafter, einen logifchen und einen metaphyſiſchen. Aug, dem erften betrachtet find fie die Principe oder Grundfäge der Wiffenfchaft; aus dem zweiten die Principe der Dinge ſelbſt. Sie müffen alfo aus einem doppelten Ge⸗ fichtspunfte betrachtet werden. Es giebt eine Verſchie⸗ denheit, aber auch einen Zufammenbang swifchen beiden Gefichtspunften. Aus der: Vernachläßigung ber Ruͤck⸗ ficht auf einen oder den andern von.biefen Geſichtspunk⸗ ten, oder auf ihre beſtimmtes Verbältniß, laſſen fich alle abpoeichende Erklärungen befriedigend ableiten. Dieſes wird der Hauptgegenfland diefer Abhandlung fein. Alles komme bier darauf an, daß wir den geboppel- ten Sefichtspunft des Plato fo beſtimmt als moͤglich faſ⸗ fen, und daß mir diefe Kenneni aus den zuverlaͤßigſten Quellen, daß heißt, aus feinen eignen Schriften neh⸗ men. Und dajzu finden wir auch in der That fo viel : Data, ale wir verlangen koͤnnen, wenn wir nur Die sechte Methode wählen, um fie aufjufuchen und fie gu benugen. Zu diefen Materialien rechne ich folgendes. In dem: Soppiften entwirft Plato bie Srundlinie von zwei entge= sengefesten Syſtemen, dem Materialiſtiſchen und Spiri⸗ ctua⸗ * — 79 — tualiſtiſchen. Die Anhaͤnger von dem erſten behaupte⸗ ten, ‚alle exiſtirende Dinge ſeien nur Körper, die legten, es gebe nichts als Noumena (au), ober die Dinge ſeien nur infofern wirklich, als fie gedacht werden. Beide Sy⸗ ſteme verwirft Plato, und er erwähnt eines dritten, wel⸗ ches von beiben verſchieben, das was in beiden wahr iſt, enthalte'*). Er giebt uns von diefem dritten feine charakteriſtiſchen Merkmale an, ob er gleich durch Winke zu verfichen giebt, daß es in feinen Augen das einsig richtige ſei. Hieraus folgt, daß es ſchon vor bem Plato eine Philoſophie gab, welche mit ſeiner darin uͤberein⸗ ſtimmte, daß fie alles aus Ideen herleitete; aber auf der andern Seite auch wiederum von derſelben unterſchie⸗ dei war. Dutch die Auffindung dieſer Aehnlichkeiten und Verfchiedenheiten muß es fich ergeben, in welchem Sinne Plato die Ideen nahm, und in wiefern er fle zum Sundament feiner ganzen Philofophie machte. Zweitens. In dem Bhilebus fagt er über bie Ideen im Allgemeinen etwas, wiewohl fehr kurz. Er deutet durch Winfe auf verfchiedene Erklärungsarten von ben Einen und Vielen, ober Theorien über das Ver⸗ haͤltniß des Sinnlichen zu dem Ueberfinnlichen, und fagt, nur eine von dieſen fei die sichtige, die von allen Seiten mit fich felbft einſtimmig, alles befriedigend erfläre, ba hingegen die andern mit unzähligen Ungereimtheiten und Schmwierigkeiten zu fämpfen hätten. Welches diefe ver fchiedenen Theorien find, und worin dag Eigenthünliche der Einen beſtehet, wird nicht weiter beſtimmt. Dieſe Frage läßt fich vieleicht aus feinem. Parmenides beant⸗ worten, in welchen er verfchiebene Borfielungsarten über die Ideen anführet, und bie Widerfprüche und Schwierigkeiten, welche bei ihnen möglich find, darſtel⸗ lt. Es muß, fage ich, aus der Vergleichung bie . fer Stellen in dem Philebus und Parmenides entfchieben wer⸗ 14) Sophiſta ©. 259-266, Theset, & 77. -. — . so —“ werden, welche Theorie von den Ideen Plato als die richtige annahm, und was er ſich eigentlich unser ben Ideen dachte, und von welchem Gefichtspunfte er and ging ; oder es läßt fich dieſes gar nicht ausmachen. Dies fer Weg verfpricht ung ſchon qus dem Umſtande die ge füchten Reſultate, weil er def einzige ift, welchen noch Bein Forſcher der Platonifchen Philoſophie verſucht hat. Um diefe Vergleichung defto ficherer anftelen zu koͤnnen, wollen wir erſt den Plato felbft fprechen laſſen, ‚und die Data’aus dem Philebus ſowohl ald aus dem Par⸗ menides fammien. In bem Philebus wird die Frage unterfücht, worin. das hoͤchſte Gut beſtehe, ob in einem Gefuͤhl der Luft oder in dem Denken. Da es aber mehrere Arten des Vergnuͤgens und des Denkens giebt, welche ihrer Verſchiedenheiten un⸗ geachtet, doch alle unter einem hoͤchſten Geſchlecht ſtehen, fo fübret dieſes den Plato auf einen ſchon lange bekannten aß, welcher lange Zeit, ‚vorzüglich damals, viel Auf⸗ fehen gemacht batte, nehmlich Eins ſet Vieles, und Wieles fei Eins ?), Sokrates, Wir wollm ung durch degenfeitige Erflärun gen über einen Gag vereinigen. _ Protarchus. Ueber twelchen ? Soft. Es ift ein Sag, welcher einige Menſchen zuwei⸗ ie nie oder ohne Willen in bie größte Verlegenheit . FBF Du mußt dich deutlicher erklären. Sokr. Ein Sat, ber fehr wunderbar flingt, auf ben wir in unferer Unterfuchung von felbft floßen wer⸗ den, nehmlich, Eins fei Vieles, und Vieles fet Eins. Eine Behauptung, die fich leicht beftreitem. läßt, man nehme dad eine oder bad andere an. - * Protarchus. Meinſt du etwa diejenigen, welche behaup⸗ ten, ich Protarchus fei von Ratur ein Subjekt, und 15) Pbilebus @. aı5 eg — 13:1 2* und viele einanber enttzegengeſegte Subjekte, . B der große und kleine, dir ſthwere und leichte Sokraͤtes. Nein. Denn was m da ſagſt, iſt das be⸗ tkannteſte umnd ‚begteiftichfte vonn den wundervollen Seheimuiſſen des Eins Hard bes Vitlen. Alle Denker ſtaͤd auch ſthon beinahe ohne Ausnahme darin uͤbereingekommen, daß jentr Satz im diefeus Sinne, kludifch und allzuplatt ſei, als daß er bei dern Denter Schwietigkeiten erregen, ober Aufmerkſamkeit berbienen ſollte. Es macht fich auch feiner einer Lächerlichfeit ſchulbig, wenn er bie Glieder eines Menfchen aufzaͤhlet, und feine Bes ſtandtheile in einzelne Vorſtellumgen aufldfet, und alles dieſes wieber in die Einheit des Objefted dereiniget, und faget, daB iſt jeher Menſch. Es ift keine Ungereimtheit, wenn er in biefem Sinne behanptet, Eins if Vieles, und das Viele ift w wiedernur Eins. 5 J Protarchus. Was iſt es denn ſonſt, welches in Rüde ſicht dieſes Satzes, wie bis ſagſt, noch nicht ſo bekannt, und woruber inan noch wicht fo allge⸗ mein einverftanden iſt? . Softates. Wenn einer nicht‘ von entfichenben And vergänglichen Dingen, wie wir jego thaten, bie Einheit behauptet; denn bier wird fie sugeftanden, und fie if feinem Streit unterworfen. Im Ge⸗ gentheil, wenn eimer einen Menſchen, einen Och⸗ fen, en Schoͤnks, ein Gutes zu erhärten ſachet; dieſe Einheiten, ſate Id , machen dem Dinter zu fchaffen; Bier erheben fich —— und Zwei⸗ fel uͤber verſchiedene moͤgliche Bo elungdarten. Protarch. In mirfen? » —. Sokrates. Einmal ob man die wirkliche Realitaͤt diefer Einheiten annehmen muß. Zweitens wie diefelben gedacht gem muͤſſen, da * o - \ — 55 — hun nd diefer Einheiten immer die nehmliche, unver⸗ anderlich, weder eines Entſtehens noch eines Aufhörens fähig ift, und doch dabei-etwas Meales fein fol. Endlich wie man fich diefe Einheit in den Individuen, die entſtehen und der Zahl nach unendlich find, denken foll; ob jede Einheit in jenen zertheilt und dadurch zur Vielheit werde, oder ob fie..als ein Ganzes anper fich geſezt ſei, welches leztere fo unmög- lich ſcheint, als etwas, daß nehmlich Ein und eben daffelbe in dem Einen zugleich und in den ‚Vielen Indieiduum fei.”).:. Diefes.if es, nicht jened, welches in alle moͤgliche Schwierigkeiten verwickelt, wenn es nicht gehoͤrig beſtimmt wird, durch genaue Beſtimmung hingegen die groͤßte Einhelligkeit verſpricht. | | Protarchus. Wir werden uns alſo wohl zuerſt damit beſchaͤftigen muͤſſen, dieſes Aaus zumachen. Sokrates. So denke ich zum wenigfien._ Wovon wer⸗ den wir aber in dieſer fo ficittigen, fo mannigfal⸗ . tigen Zweifeln ausgeſezten Sache ausgehen muͤſ⸗ „ſen? Vielleicht von dem Gedanken? Protarchus. Don welchem? j Sokrates. Wir behaupten, ba. bie Einheit und : Vielheit ‚(des unter einem Begriff enthaltenen . '®) "I. , ..... Dbjefte) Hr. Hofrath Schuͤtz, der burch feinen kritiſchen Scharffiun und Gelehrſamkeit ſo viele Steulen in dem Plate glüctich werbeffert hat, behauptet in einen Brpgramm (Jena 1791. Lectionum Platonirarum Partic. JIL), daß bier nicht von dreien, fondern nur don zweien Problemen die Rede fei: ob nehmlich · diefe Einheiten Realitaͤt haben, und pweitens wie fie in den Individnen find. "Seiner Ucberzeugung nach find aber wirklich die Probleme ausbrätich angegeben, eb, was und wie fie in den Individuen find ; und ber Text ums rerſcheidet dieſe Drei verſchiedenen Fragen hinlaͤnglich durch die Vartikeln wguTov, sıra, Kera di turo, dag man die erſte und zweite nicht im eine vereinigen dann - 2 — 3 —— Odbjekte) bei allen Produkten des Verſtanbes, bei allem was gedacht worden und noch gedacht wird, . jederjeit anzutreffen if. Es iſt dag cin Saftum) welches nicht etwa einmal in der Zeit angefangen bat, oder aufhoͤren wird; ſondern es ift eine ewi⸗ ge unveraͤnderliche Eigenſchaft des Denkens und der Produkte des Verſtandes in uns: - Ein Yüngling, der fie zuerſt wahrnimmt, freut. ſich daruͤber, als Über einen gefundenen Schatz von Weisheit, und vor innigem Entzuͤcken nimmt er begierig an allen Unterſuchungen Theil. Baldb richtet er ſeine Aufmerkſamkeit auf Individuen, und bringt ſie unter Einheit, bald entwickelt er die Einheit wieder in die. Vielheit der Individuen, Hierdurch ſezt er fich ſelbſt zuerſt am meiften in Verlegenheit; dann aber auch alle, die ihm nahe fommen. : Und dabei fchont er weber feines Baterd noch feiner Mutter, noch der übrigen Zuhoͤrer, und überhaupt feines Menfchen; auch fogar dem Aus: länder wuͤrde es nicht beffer ‚gehen, wenn er nur einen Dollmetfcher haͤtte. Protarchus. Gicheft dur nicht, Sokrates, die große Anzahl von Juͤnglingen, welche hier find? Fuͤrch⸗ teſt du nicht, von. ihnen zugleich mit dem Phi⸗ lebus angegriffen zu werden, wenn bu ihrer fü ſpotteſt? Unterdeſſen (denn wir haben bich vers flanden) mwünfchen wir die den guten Willen, und die Möglichkeit zu-geigen , wenn es eine giebt, dies ſer Schwierigkeit aus zuweichen, ohne ung In bie Iinterfuchung einzulaſſen, oder einen beffern Weg. ausfindig gu machen, der ung zu unſerm Ziele fuͤh⸗ ren kann. Mit moͤglichſter Aufmerkſamkeit wer; den wir die nachdenken. Sokrates. In der That es iſt ber einjige und der beſte Weg, der-fich hier denken läßt; Ich liebte ihn im⸗ mer wish ‚, ob er mich gleich ſchon oft im 52 Stiche Stiche gelaſſen, und bie gehofte Auflöfung und Belehrung nicht gewaͤhret hat. Protarchus. Sage uns nur, worin beſtehet dieſe Methode ? Eofrates. Mit Worten iſt fie leicht zu befchreiben, aber fle anzuwenden koſtet viel Mühe; beun alles, was auf Wiſſenſchaft Unfpeuch niacht, iſt durch fie entdeckt werben. Ich bitte mir beine Aufmerk⸗ famfeit aus, Protarchus. Nur heraus damit. Sokrates. Sie if, wie es fcheinet, ein Geſchenk ber Goͤtter an bie Drenfchen. Wo fie nicht etwa ein Prometheus zugleich mit bem glänzenbften Lichte. ihnen entwendet bat. Unſere beffern Verfahren, die mit den Soͤttern In näherer Verbindung twaren, haben uns zum wenigſten diefe Trabition hinterlaſ⸗ fen, daß alles, was man nur je als exiſtirenb ‚denken tan, aus Einem und Vielen beſtehe, und daß mie dieſen Unendlichkeit und Begraͤnzung we⸗ fentlich verbunden ſei. Aus dieſer Weltbildung folge alſo, daß wir bei jeder Unterſuchung won je⸗ - dem Objekte eine Idee auffchen ntäffen; denn fie müffe in dem Begriff deſſelben gefunden werden. Wehr diefe gefunden fei, fo muͤſſe man unterſu⸗ chen, oDinicht etwa givei ober drei ober eine andere Seflimame Anzahl von been wngettoffen erde. Auf diefe Art mudffe auch jebe von dieſen Ideen (son dieſen Einheiten) unterſucht werben, bis man das urſpruͤngliche Eins erkannt, und nicht nur eingeſehen habe, daß es Eins und unendliche Vielheit fei, ſondern auch beſtiennt, wie viel Ar⸗ ten es enthalte. Man dürfe nicht cher bie Idee des Unendlichen auf Bie Individuen anwenden, bis man bie Anzahl von möglichen Arten zwiſchen dem Unendlichen und bee Einheit begriffen babe; dann erſt ſei «6 malt die Ider des Einen bis zu ! — 85 — au Dee unendlichen Zahl der Individuen zu verfol⸗ gen. Dieß iſt die beſtimmte Art und Weiſe, die uns die Goͤtter gegeben haben, etwas zu unterſuchen, zu lernen und zu lehren. Die Weiſen aber unſerer Zeig ſind zu eilfertig und kurs, um ben urfprünglichen Gattungsbegriff, gleich viel welchen, zu bekommen ")., und geben ſogleich zu ben Jubloibuen über, ohne bie in der Mitte befindlichen Begriffe von ben Arten erkannt zu ha» ben. Hier finb bie Graͤnjen ber logifchen und ſo⸗ phiftifchen Methode zu bieputiren. Protarchus. Einiges habe ich verfianden; vieles aber bedarf für mich noch eine faßlichere Auffldrung. Sokrates. in Beiſpiel aus ber Srammatif, die du gelernt haft, wird es bir deutlicher machen. Protarchus. Wie? Sofratis. Es giebt bei allen Menſchen eine unendliche Anzahl von Sprachlauten, alle haben aber daß gemein, daß fie ein Bautfind, ber durch den Mund hervorgebracht wird. (Es giebt nur eine Gattung) 5 So iſt es. | Sofrates. Uber nicht deswegen, weil mir miffen, daß die Sprachlaute ber Zahl nach unendlich, noch daß ſte Eins ind, erhalten wir Wiſenſchaft und Kunde der Grammatik, ſondern nat dadurch, daß wir bie Arten der Zahl und ber Beſchaffenheit nach erkennen. | Protarchus. Sehr wahr. Sobkrates. Auf eben Die Weife entſtehet bie Wiffen- ſchaft der Tine in der Muß. - Protarchnus Wie? | 53 Se *y Nach Hrn. Hofrath Schuͤt Verbefferung, weicher hebt: ol da vov run aydeuruv eode: dv av brus u TuXaeis * worin urror um Beaxurigay Keseı Tw dseyroc- — 16 — Sokrates. Auch in Ibiefer Wiſenſchaf giebt es mur ‚einen Ton Protarchus. Es kann nicht andere fein. Sofrates. Er ift aber bald tief, bald hoch, bald ges miſcht. Richt wahr? | Protarchus. Ja. Sokrates. Die unwiſſenheit in dieſen Elementen wuͤr⸗ “de dich zwar ganz und gar untauglich zu dieſer Miffenfchaft machen; aber wenn bu fit weißt, fo haft du noch feine wiſſenſchaftliche Kenntniß ber Muſik. Protarchus. Du haſt Recht. Sokrates. Aber dann, wenn du beſtimmt erfenuefl; welche Intervallen (Arten) der Stimme es giebt in Ainfehung ber Tiefe und Hoͤhe, und zwar mie viel und von telcher Befchaffenheit; wenn du die Graͤnzen biefer Arten erfenneft, und was für Ver⸗ bindungen daraus entfichen (welche unfere Vor⸗ fahren Harmonien genannt haben), wenn bu, fage ich, dag alles in deutliche Begriffe gefaßt haft, dann erlangft du eine wiſſenſchaftliche Erkenutniß von biefen fo wie von allen andern Gegenſtaͤnden Die Kenntniß ber Individuen und der Vielheit als fein macht dich zu keinem Denfer, und benimmt deinen Kenntniſſen allen Werch; denn «8 fehlt bie alsdann an deutlichen und: beflimmten Begrif⸗ fin. — Ehe wir die Nefultate vorlegen, welche fich and dies fer Etele ergeben, molen wir noch gleich das zweite Stuͤck aus dem Parmenides überfegen. Zeno hatte im einer Geſellſchaft, in melcher fich unter andern Parme⸗ nides und Sokrates befand, "eine philofophifche Abhand⸗ Iung vorgelefen, in welcher er zu bemeifen fuchte, es fei nicht moͤglich, daß mehrere Subſtanzen (varra) exi- flirten. "Sofrares ließ ſich noch en einmal den Hauptge⸗ "Dans - > « . * 87 danken des sangen Aufſatzes ſagen, und nun n begann folgende Unterrebung “. Gefrates. Du behaupteſt alfo, Zeno, wenn es meh⸗ rere Subflanzen gehe, fo müßten fie ſowohl aͤhn⸗ lich als unaͤhnlich fein. Das fei aber unmoͤglich. Dean weder das Undbnliche könne äynlich, noch das Achnliche unähnlich fein. Iſt das deine Be baupftung? Zend. Ja. Ä Sokrates. Alſo folgerft bis, wenn «8 widerſprechend it, daß das Unähnliche Ähnlich, oder bad Achn liche unaͤhnlich fei, fo könne es unmöglich viele Subftangen geben. Das ift alfo bes Zweck und der Gegenſtand deiner Abhandlungen, burch al« Ie mögliche Gründe bie Realität vieler Subſtan⸗ zen zu beftreiten ?_ Jede deiner Abhandlungen lie fert davon einen andern, Grund. Und bus bift über zeugt, fo viele verfchiedene Gründe gegen diefe - Realität aufgeftelt gu haben, - ald bu Schriften verfertiget haſt. Sind das beine Gedanken, oder babe ich dich nicht recht verſtanden? Zeno. Nein Du Haft den Sinn der ganzen Schrift ſehr treffend gefaßt. Sokrates Ich ſehe wohl, lieber harmenides, baß unfer Zeno bier nicht allein durch alle moͤgliche Sreundfchaftserweifungen,, .fondern auch durch diefe Schrift deine Gunſt gewinnen will. Er hatte dabei zwar eben den Plan und wech, als bu bei deinem Werke, meil ec aber eine andere Darſtellung waͤhl⸗ te, fo wollte er uns täufchen und glaubend ma- chen, er handele von etwas ganz andern. Denn du behaupteſt in deinen Gedichten, bag Univer⸗ fm fei Eins, und leiteſt das Reſultat mit viel 4 Scharf 16) Parmenides ©. 71-90. gene. — gg — Scharffinn aus vielen Gruͤnden ab, Zeno aber behauptet, es gebe nicht viele Subſtanzen, und fuͤhret zu dem Ende ſehr viele und maͤchtige Gruͤn⸗ de auf. Indem alſo dir eine ſagt, es exiſtirt nur Eins, der andere, es exiſtiret nicht Vieles, und zwar fo, daß es fcheint, Feiner habe das nehm⸗ liche fagen wollen, fo muß man far benfen, ihr habt beide eure Schrift nicht für folche Leſer, ale wir find, berechnet. Du haſt zwar echt, Sokrates; aber bie Ab⸗ ſicht meiner Abhandlung haſt du doch nicht ganz richtig gefaßt, fo unverdroſſen und ſcharfblickend bu auch ber Spur der Gedanken, nach Art ber Spartanifchen Windſpiele nachgeheſt. Einmal vergißeſt du, daß dieſe Schrift nicht deswegen in einem ſo hohen Tone ſpricht, um den Inhalt der Gedanken vor den Menſchen zu verbergen, als wann fie fo etwas Großes im Schilde fuͤhrten. Was du fageft, ift nur eine zufällige Folge. In der That ift fie aber eine Vertheidigung der Par⸗ menibifchen Behauptung, daß nur Eing erifliret, und gegen biejenigen gerichtet, toelche meinen Freund besiegen lächerlich machen, als wenn aus jenem Sage viele Ungereimtheiten und Wis derfpräche folgten. Hier werben fie pi baarer Muͤnze und mit Jntereſſen bezahlet. Der Zweck der Abhandlung iſt, zu zeigen, daß aus ber Bor- ausſetzung, es eriftiren viele Subſtanzen, weit mehrere und größere Ungereimtheiten folgen, als aus ber, nur eine Subſtanz eriflire, wenn man die Sache mit aller Strenge erdrtert. In meiner Jugend feste ich diefe Abhaudlung auf, weil ich Vergnuͤgen an Streitigkeiten fand, und fie wurde "mir ohne mein Wiſſen entwendet. Es ſtand alfo nicht einmal bei mir, zu uͤberlegen, ob ich ſie be⸗ lannt machen ſollte ober nicht. Dieſe Thatſachen | waren — 89 — waren dir nicht bekannt, und du glaubteſt des⸗ halb, ich habe ſie in meinem Alter aus Stolz und Anmaßung geſchrieben. Uebrigens haſt du die Sache nicht uͤbel getroffen. Sokrates. Ich bin mit deiner Erklaͤrung zufrieden, und uͤherzeugt, daß die Umſtaͤnde wirklich fo find. Mir aber? Biſt du nicht überzeugt, daß es einen Begriff an und fuͤr ſich (einen abſtrakten) giebt non Bert; mund Aehnlichkeit, und hon dem Gegen⸗ theil, was Unaͤbnlichkeit iſt? Daß ich und dia und alle andere Dinge, welche wir die Wielen, (ze zera, die fontreten Dinge) nennen, an diefen 1. Joy verſchiedenen Begriffen Antheil nehmen? Daß - diejenigen Dinge, welche an ber Aehnlichkeit unb Undbnlichkeit Antheil nehmen, eben dadurch, und im fo ferne fie Theil nehmen, aͤhnlich und unaͤhn⸗ lich werben, und info fern fie an beiden Theik haben , beides ſowohl aͤhnlich als unaͤhnlich ind; daß es enblich Sein Wunder, fein Widerſpruch iſt, wenn ein und das nehmliche Ding durch die Theile nahme an zwei entgegengeſezten Begriffen, aͤhn⸗ lich und unaͤhnlich iſt? Feeilich wäre es etwas Abentheuerliches, wenn jemand behauptete, das an ſich Aehnliche werde unaͤhnlich, ober das an BL Unaͤhnliche koͤnnte aͤhnlich fein: aber zu be⸗ haupten, daß einem und dem nehmlichen Dinge, In fo fern es am zwei entgegen geſezten Begriffen Theil nimmt, auch Heide Bräbicate zufonumen, das fcheing mir feine Ungereimtheit zu fein. Gben ſo hürfen wir ed uns nicht befremden laſſen, wenn Semand alle Dinge für Eins, in fo fern fie an dem Begriff des Einen, und für Vieles erklärt, in fo fern fie an bem Begriff der Vielheit Iheik nehmen; aber hefrembend würde es fein, das Eins an fih für Vielheit, und bie Vielheit an Üch für Einheit zu * Und ſo iſt es mit allen | 5 ' Din. — 90 — Dingen. Es ift ungereimt, anzunehmen, baß in den Gattungen und Arten fuͤr ſich betrachtet, die entgegen geſezten Merkmale enthalten ſind. Duͤrfen wir es aber alsiein Wunder anſtaunen, wenn ꝓemand behaup⸗ tet: Ich ſei Eins und Vieles? Das leztere nehmlich in der Ruͤckſicht, info fern die Theile der linken Seite verfchirben find von denen ber rechten, das Vordere nicht das Hintere, und das Obere nicht dag Untere iſt — das heift es, wenn man fagt, ich babe an ber Vielheit Theil! — Eins aber bin ich, wird er fagen, in fo fern von den Sieben, aus welchen dieſe Geſellſchaft beſte⸗ bet, ich Einer bin, ein Menfh, und alfo an ei» ner Einheit Theil babe Er hat alfo in beiben Ruͤckſichten ganz Recht. -: Wenn alfo Jemand biefe und andere Dinge, 5. 3. Steine, Bäume Eine und Vieles nennet, fo togden wir fagen, er tie Fläret fie für Eins und Vieles, nicht aber, baß en . daB Eind zum Dielen, und das Viele zu dem Ei⸗ nen mache; und wir müffengefichen, daß er nicht® Abentheuerliches behauptet, fondern etwas, mas “ale Menfchen eingeftchen. Sollte aber Jemand biefe Begriffe, deren ich jeße erwähnte, 5. ®. Aehnlichkeit, Unähnlichfeit, Einheit, Vielheit, Ruhe, Bewegung u. ſ. f. von allem andern abſon⸗ dern (fie abſtrakt denken), und es für möglich . halten, fie an und für fich mit einander zu ver⸗ binden, und den einen ale iu dem andern enthals ten, absufondern; fo würde ich ihn in ber That . ald einen Wundermann anflaunn. Du bafk zwar, lieber Zeno, meiner Meinung nach, deine - Behauptung mit aller möglichen Kraft und Stärke abgehandelt; unterdefien würde es mir doch weit mehr Vergnügen machen, wenn ein Denfer zeigen konnte, wie diefe Schwieriafelt, bie ihr an den Segenſtaͤnden ber Erfahrung dargeſtellt habt, auch t / \ — 91 — auch in den abſtrakten Begriffen, "an ben blos denkbaren Gegenſtaͤnden anzutreffen fei.- "). - Parmenides. Es ift unmöglich, dich, lieber Sokra-· tes, nicht zu bewundern und hochzufchägen, we⸗ gen deines rafllofen Beſtrebens zum Selbſtdenken und zum Rachforfchen. Doch fage mir, »5 das beine eiane Unterſcheidung IR, daß bu bie abſtrak⸗ ten Gattungsbegriffe und biejenigen Gegenſtaͤnde, welche an ihnen Theil haben, abſonderſt, und ob du glaubft, daß die Achnlichfeit an fih, an der noir Theil haben, Etwas fei, fo tie bie Einheit, Vielheit und die übrigen Begriffe? Sofrates. Mir feheint es wirklich fo. Parmenides. Nimmſt du dieſes auch von dem Begriff der Gerechtigkeit, Sittlichkeit u. f. wm. an? Sokrates. Ya. | Parmenides. Glaubſt du ferner, daß es einen abge fonderten Begriff von der Menfchheit, menſchli⸗ chen Befchaffenheiten, ferner vom Feuer und Wafe fer gebe? | ©ofrates. In Anfehung diefer Begriffe bin ich ſehr oft zweifelhaft geweſen, ob es von ihnen auch ſo, wie 17) Zeno hatte jeigen wollen, es ſei unmöglich, mehrere Sub⸗ Ranzen anzunehmen, weil fonft ſolgte, fie müßten dhnlich und undbnlich fein, welches gu denken ein Widerſpruch fei. Sein Raͤſonnement ging, mie wir aus diefer Stelle fchlief fen koͤnnen, auf die Dinge in conereto, vicht in abſtrakto. Sokrates wuͤnſcht daher den Verſuch zu machen, ob dies - fe Widerſpruͤche dann noch Matt finden, wenn nıqn die bios denkbaren Dinge, oder bie abſtrakten Begriffe und ihre Gegenſtaͤnde denke, d. h. ob ſich in dem Inhalte der gbRrakten Begriffe noch entgegen gefeite Merkmale fine den laffen, wodurch es möglich fei, dem durch fie be- ſtimmten Gegenſtande entgegengefeite Prädicate beijulegen. Dieſe Frage und ihre Entſcheidung war von großem Einfluſ auf feine Ideenlehre. — ) — 98, a wie von jenen, abgeſonderte Gattungsbegriffe giebt. J | Parnienides. Wie? Biſt du auch etwa unſchluͤßig, ob man von Haar, Koth, Schmug u. b. gl. nichts⸗ mwürbigen und edelbaften Dingen einen abgefonder- - ten Begriff und ein überfinuliched Obſelt anneh⸗ men muͤſſe, welches von bem Erfepeinungen ver · ſchieden ſei? Soebrates. Nein. Hier glaube ich, biefe Dinge find nur das, wad Re den Sinnen erfcheinm. Einen von Ihnen verſchiedenen Gegenſtand anzunehmen, möchte vielleicht ungereimt fein. Unterbeffen machte mir boch zuweilen her Gehanke su ſchaffen, ob es mit diefen Dingen nicht ber nehmliche Gall fei als mit jenen; aber wenn ich bei ihm etwas verweilte, fo befürchtete ih, in ein unverſtaͤndliches Ges ſchwaͤtz zu fallen. Ich verließ ihn alfo, und (chräntte mein Nachbenfen blos quf jene oben er⸗ waͤhnten Gegenſtaͤnde ein. Parmenides. Lieber Sokrates, du biſt noch ein Au⸗ faͤnger, und noch nicht völlig in die Philoſophit eingeweiht, twelches aber gewiß noch einft geſche⸗ ben wird, dann nehmlich, wenn bu feinen Yon dieſen Begriffen ald unwuͤrdig verachten wirſt. Jezt aber nimmt du wegen beiner Jugend noch zu ſehr Nückficht auf die Urtheile de großen Hau⸗ fens. — Doch fage mir, nimmſt bu gewiſſe Dinge (Noumena) an, durch beren Wittheilung bie au- bern Dinge eine gleiche Benennung befommen, 5. 2. Ein au fih) Achnliched, wodurch alle andern Dinge ähnlich; eine Groͤße an fich, wodurch alle andern Dinge groß; eine Schönheit und Gerech⸗ tigfeit an ſich, wodurch alle andern Dinge fehdn und gerecht werben. Sokrates. Sa der That fo benfe ich. Par⸗ — 33 — Parmenides. Wird der urſpruͤngliche Begriff ganz oder zum Theil an die theilnehmenden Dinge mitge⸗ theiltd Ober laͤßt ſich außer dieſem noch eine andere Mittheilung denken? Sokrates. Wie waͤre das moͤglich? Parmenides. Iſt alſo ber Gattungsbegriff, ber nur Eine iſt, in jedem der Dielen (konkreten Dinge) ganz?! Oder wie? Gofrates. - Warum foßte daB nicht möglich fein, uns befchadet ber. Einheit? Parmenides. Gin und das Nehmliche iſt alfo in den Vielen, bie von ihm derſchieden find. Und fo wäre denn dad Eine auch außer ſich eziſtirend. Sokrates. Das fann nicht fin. So iſt „ B. ein Tag ein und das Nehmliche vielmals nach einan⸗ ber, und doch kann man nicht ſagen, daß ein Tag außer ſich ſelbſt waͤre. Auf dieſe Weiſe kann auch ein und berſelbe Gattungsbegriff zugleich In allen ein | fein. Parmenides. Ich fehe wohl, Sokrates, du willſt gerne das identiſche Eins zugleich vielmal ſetzen. Es iſt eben fo, als wenn du viele Menfchen mit einem Segeltuche bedeckteſt, und dam ſagteſt, je⸗ ber einzeine werde von dem ganjen Tuche bedeckt. Willſt du nicht ſo etwas font Eofrates. Bielleicht. Darmenides. Iſt nun aber das Segeltuch aber Kom, den es bedeckt, ganz, ober nur ein heil. defſelbend? Sofrates. Nur ein Theil. Partmenides. &o müßten alfo die Gattungsbegriffe theilbar fein; die theilnehmenden Dinge hätten nur einen Theil bekommen, und fie wären nicht mehr gang In jeden Ynbloibuum, fondern mar Ihe weiſe. Sokrates. So ſcheinet «6 freilich, | Mar: — 94 — Parmenides. Allein willſt du in der That behaupten, der Gattungsbegriff werde zertheilet, und ſei doch noch Eins? Sokrates. Keinesweges. Parmenides. Bedenke nur, ob es nicht ungekeimt iſt, die Groͤße ſelbſt zu theilen, und zu behaupten, daß jedes von den concreten großen Dingen groß ſei durch einen Theil der Groͤße, der ber Feiner iſt, als die Groͤße ſelbſt? Sokrates. Unftreitig- Darmenides. Oder wie kann Etwas, das rinen Cheil \ der Gleichheit befommt, noch einem andern gleich fein, ba der Theil des Gleichen Fleiner ift, ald dag Selbfigleiche ? Sokrates: Das ik unmoͤglich. ‚ Darmenides. Jeder von ung muß einen Seil d dei Kleinheit empfangen haben, Die Kleinheit felbft aber müßte größer als dieſer Theil von ihm fein. Tun müßte aber das Ganze, zu welchem biefer abgeſonderte Theil wieder hinzugeſezt wird, klei⸗ ner nicht groͤßer werden, als zuvor. Sokrates. Sp etwas iſt gar nicht moͤglich. Parmenides. Welche beſtimmte Art der Mittheilung der Ideen laͤßt ſich ſonſt noch denken, da fie weder als Ganze noch als Theile möglich iſt? Sokrates. Dieſes zu beſtimmen ſcheint fein leichtes nternthmen gu fein. Parmenides. Wie denkſt dur aber darüber? Sofrates. Worüber ? PDarmenides. Aus dun Grunde uimmft bit, wie es ſcheint, von jedem Dinge eine Idee an. Wenn bu viele große Dinge betrachteſt, fo duͤnkt bir, muͤſſe es eine Idee (Gattungsbegriff) geben, unter welcher alle jene enthalten find, und von welcher Aus man biefe betrachte. Daraus ſchließt du, das Große an ſich ſei nur Eins, — | Ä Sofras Sokrates. Darin haft du ganz Recht. Parmenides, Wenn nun aber das Gemüt dieſes Eine Große, uud die Äbrigen Grdßen unser einem Ger ſichtspunkt betrachtet, muß nicht nothwendig eine noch hoͤhere Groͤße angenommen werden, durch welche dieſe als groß erſcheinen? Sokrates. Es ſcheint fo. Parmenides. Wir kommen alſo auf eine noch andere Art von Größe außer dem Großen an fich felbR und ben durch dieſes beſtimmten Größen; und uͤber die⸗ ſes noch zu einer andern Größe, wodurch jene Dinge groß find. Und fo weiter ind Unenbliche, Und fo bekommſt du nicht eine Gatıung, fondern eine unendliche Zahl. Sofrates Allein follte nicht jede diefer Gattun⸗ gen nur ein Vernunftbegriff (vorne) und nirgend anders vorhanden fein, als in dem. Gemüthe. Denn wenn es fo ift, fo läßt es fich erklären, wie jede Gattung nur Eins ift, und alle bie Schwierigkeiten, ‚welche du vorher auffuͤhr⸗ seft, würden nicht mehr treffend fein. Parmenides. Es fe. Wir wollen annehmen, jede Gattung ſei nur ein Vernunftbegriff. Hat der Begriff aber keinen Gegenſtand. Sokrates. Das iſt nicht gedeukbar. Parmenides. Er hat alſo einen Gegenſtand? Sokrates. Ja. Parmenides. Einen wirklichen ober nicht mirticen: Sofrates. Einen wirklichen. Marmenides. Iſt er nicht das Eine, was an allen jenen gemeinfchaftlich augetroffen wird, und wel⸗ ches der Begriff denft, kurz eine Idee? Sokrates. Ja. Parmenides. Iſt das nicht die Gattung, was als Eins gedacht wird, und beharrlich unveraͤnderlich an allen immass daſſelbe iſt? Sokra⸗ ⸗ — 96 — Sokraͤtes. Nothwendig. a Parmenides. Wie aber? Scheint dir nicht daraus nothwendig zu folgen, daß die andern Dinge, welche, wie bu ſagſt, an den Ideen Theil nehmen, entweder aus Begriffen beſtehen und denkende We⸗ fen find, oder zwar Begriffe find, aber nicht denkend Sokrates. Auch dieſes finder nicht ſtatt. Ich denke mir die Sache ſo. Die Ideen find in der Natur wirklich als Zormen (Mufter, Vorbilder, wages divuaræ). Alle andern Dinge find ihisen aͤhnlich, und Nachbildungen. Die Mitthellung der Ideen beſtehet in nicht® andern, als darin, daß die Dinge ihnen nachgebildet werben, | Parmenides. Wenn nut etwas der Idee aͤhnlich iſt, muß diefe nicht wiederum dein Nachgebildeten aͤhn⸗ lich fein, In fo fern fie nachgebildet ET Oder iſt es moͤglich, daß das Achnliche dem Achnlichen uicht 11). we Sofrares. Das iſt unmoͤglich. Parmenides. Muß nicht dad Aehuliche nothwendig unter die nehmliche Gattung gehdren, als dasje⸗ nige, dem es ähnlich HR Sofrates, Nothwendig. J Parmenides. FR nicht dasjenige, woran bie ähnlichen ‚Dinge Theil haben, und wodurch fie ähnlich. find, bie Battung des Aehnlichen? | Sofrates. Allerdings, Parmenides. Alſo Akt Son bunden, entlächtr iſt es unmöglich, daß Eewas der Ibee des Aehnlichen, ober diefe einem andern Dinge aͤhnlich iſt; ober wenn es möglich ift, fo muß es über bieſe Idee noch eine andere geben, nid über dieſe wieder eine andere. Wir kommen alfo auf eine Reihe, die ind Unendliche fortgehet. Es erwaͤchſt immer eine | u neut — 97 — neue Idee, wenn fie ber N biefie unter fich begreift, ähnlich fein fol, Sokrates. So iſt es in der That. Parmenides. Die übrigen Dinge nehmen alſo nicht durch die Veraͤhnlichung Theil an den Ideen, fone - dern es muß etwas anders fein,. was dieſe Theile nahme beſtimmt. | Sofrates. Es fcheint fr. “ | Parmenides. Du fichek alfo, was für Schtsierigfeis "ten daraus entfliehen, wenn man annimmt, daß j die Ideen wirkliche, für ſich beſtehende Dinge find, ‚Sofrates. Ich fehe ed nur zu wohl . Parmenides. Gleichwohl haben wir die orößte Saw rigkeit noch nicht berühren. . I Sokrates. Wie meinſt du das? Parmenides. Unter ſehr vielen Schwierigkeiten iſt dieſe die wichtigſte. Es iſt unmoͤgllch, denjenigen zu soiberlegen, der behauptet, dieſe Ideen, wie wie fie jegt beftimme haben, könnten nicht erfannt wer⸗ den. Es muͤßte denn fein, baß derjenige, ber ihm dieſe Behauptung fireitig machen mollte, vice Kenntniffe und Faͤhigkeiten befäße, und feinen Gegner Schritt vor Schritt, auch beiden am wei⸗ teften angelegten Einwärfen, folgen koͤnnte; Sonſt wird der, der behauptet, fie feien fein Gegenſtand ' der Erkenntniß, nicht überzeugt werden koͤnnen. Sofrates. ie verficheft du das? Darmenides. Ich glaube, bu undjeber, ber annimmt, daß es ein fuͤr ſich beſtehendes, abgeſondertes We⸗ ſen von jedem Dinge giebt, wird auch eingeſtehen, daß dieſes Weſen nicht bei uns iſt j. So Os 38) In dem Tert aehet: uudenıav (veıv), aurur sıaı av Ya ‚pr. Den Worten nach ſcheint Plate su ſagen, das Wefen ber Dinge, d. i. die been find nicht in uns. Aber der Einn IR eigentlich der: a o Gegenfände, — a — 98 — Sokrates. Wie waͤre es ſouſt noch abgefondert ? Parmenides. Deine Folgerung ift fehr richtig. Die Ideen nun, welche nur in Rückficht auf fich ſelbſt find, was fle find, haben auch nur ein in dieſer Ruͤckſicht auf ſich ſelbſt beſtimmtes Weſen, aber nicht in Ruͤckficht auf die bei uns befindlichen Din⸗ ge, man mag fie Nachbilbungen (drompara, ober wie ſonſt immer) von denjenigen Dingen nennen, durch deren Sheilnahme wis bie Dinge nach dem was fie find‘ (nach ihren Präbdicaten) beflimmen. Yuf der andern Seite find diejenigen Dinge, bie bei ung find (Erfcheinungen) dag, was fie find, nur in Verhaͤltniß zu ſich ſelbſt, nicht zu den Ideen; fie ſtehen nicht mit dieſen, ſondern nur mit fich ſelbſt in Verhaͤltniß. Sokrates. Das verſteh ich noch nicht recht. Parmenides. Wir wollen uns zum Beiſpiel einen Herrn und einen Sklaven vorſtellen, die beide nur im Verhaͤltniß zu einander gedacht werden koͤnnen. Nun ift aber der Sflave nicht ‚ein Sklave bes Herrn an ſich (der nur gebacht wird) noch ber. Herr ein Herr des eigentlichen Sklaven an ſich (des gedenfbaren) ; fondern Beides find Menfchen (anſchauliche Weſen). DieHerrfehaft an fich (mie fie gedacht wird) fichet in Beziehung mit der Knechtſchaft an fih und: fo umgekehrt and): die Knechtſchaft mit der Herrfchaft an ſich. Allein bie Dinge bei und haben feine Beziehung auf jene (die Dinge an fi) noch biefe auf die Dinge bei ung; ihre Praͤdicate unb Verhaͤltniſſe laffen fich nur dur die Ideen vorgeelt werden, find nicht bei uns, b. 5. in unferer Sinnenwelt. Diefe Bedeutung des. Wortes sv, die auch fonft nicht ungewöhnlich ik, beſtaͤtiget ſich da⸗ Durch, daß er gleich, Darauf anflatt om nun, rm war ET ſagt. ©. 86. nuiur in Verhaͤltniß anf ſich felbft denken. Iſt die dag jetz verſtaͤndlich? | Sokrates. Ya. Ä Parmenides. Eben fo iſt ber Brgenftand ber Wiſſen⸗ ſchaft an fi, das was wirklich an ſich ſelbſt iſt (das Ding an ſich). ofrates. Unfeiig Fer Siebe befondere Art von Wiſſenſchaft hat nur die einzelnen beſtimmten Arten von Dingen udum Gegenſtande. ' Nicht wahr? Sofrates. . Ya. Parmenides: Daraus folgt alfo, daß die Wiſſnſchaft bei uns nicht die Wahrheit (das objektive Sein) an ſich, und jede Art der Wiſſenſchaft bei uns nur die Arten der Dinse bei uns zum Segenſtande dat. Sokrates. Eine nothwendige Folge. Parmenides. Die Ideen (Dinge an ſich) haben wir, nach deinem eigenen Geſtaͤndniß, nicht, und es iſt unmbglich, daß fie bei ung fein koͤnnen. Sokrates. Es ift unmoͤglich. | Parmenides, Dasjenige, as. bie Dinge eigentlich find, dad Gattungswefen (Fern) wird aber nur . burch.bie eigewtliche Wiſſenſchaft an fich erfannt. Sofrates. Ya. - Parmenides. Dicke Wiſaſchat Seflgen wir aber nicht: Sofrates. Rein: Parmenides. Wir erkennen alſo auch f feines von den Dingen an fih (von ben Gattungen), denn es fehlet ung die Wiſſenſchaft dazu. Sofrates. So fcheint ee: Ä Darmenides. Das Schöne imd bad Gute an ſich r alfo für ung nicht erfennbar; und überhaupt nicht# von dem, was wir unter Ideen und benfen; SEotrate⸗ Es ſcheint, du haſt Recht. & 2 Par⸗ m 100 —⸗ Parmenides. Noch weit mehr aber bat dieſtẽ d be⸗ deuten. Sokrates. Was? Parmenides. Du wirſt doch wohl einraͤnmen, def, wenn es eine Wiffenfchaft an fich giebt, ſie weit volfommener ift, als pie bei ung angetroffen wird, fo wie auch die Schönheit und alled andere ? Sokrates. Ganz recht. Parmenides. Wenn ſich daher ein Weſen denken * | . welches diefe hoͤchſte und vollkommenſte Wiffenfchaft beſttzt, fo iſt es kein anderes als die Gottheit. Sofrates. Das tft nothwendig. Parmenides. Iſt es nun möglich, daß Bor durdy dieſe Wiffenfchaft die Dinge bei ung erkennet? Sokrates. Warum follte es nicht moͤglich fein? Paormenides. Ich denke nicht. Denn haben wir ung nicht fchon eingeffanden, Daß jene been (die Dinge an ſich) feine Beziehung auf die Dinge bei und, und biefe nicht auf jene haben, ſondern beide nur unter einander in Beziehung und Verhaͤltniß fteben ? Ä Sokrates. Es iſt wahr, wir haben bag eingeſtanden. Parmenides. Wenn alſo bei Gott dieſe Herrſchaft und J dieſe Wiſſenſchaft in dem ſtrengſten Sinne iſt, fo folgt, daß weder jene über uns herrſcht, noch biefe und, und was bei ung iſt, erfennet. Unſere Hertſchaft bat nicht über jene Dinge zu. gebieten, und wir erkennen durd) umfere Wiſſenſchaft nichts Göttliche. Aber auß eben dem Grunde, find auch die Goͤtter nicht unfere Negenten, und erfennen nichts von den menſchlichen Dingen, in ſo fern Be Goͤtter find. Sofrates. Allein diefe Behauptung welche Gott bie Erfenneniß abfpricht, heine bo ſehr ungereimt au fein. "Her. — 101 — Barnes. Unterdeſſen folgen boch dieſe unb andere Schwierigkeiten mehr aus dem Syſtem, welches die Gattungsbegriffe zu den Dingen an ſich macht, mb von jedem Dinge eine für ſich beſtehende Sat⸗ : tung annimmt. Es iſt natuͤrlich, daß derjenige, der fie hoͤret, ſich uͤberzeuget, daß es entweder keine Ideen giebt, oder wenn er auch dieß einge⸗ ſtehet, daß fie der menſchlichen Natur nicht erfenne ·· bar ſind. Und wer das behauptet, ſcheint ſtarke Gründe für ſich zu haben, bie beinahe unwiderleg⸗ bar find. Es erfodert einen fehr Tchasffinnigen Verſtand, um einzufehen, daß ed von jedem Din, ge einen Gattungsbesriff und ein für fich beſtehen⸗ des Weſen giebt. Aber es gehoͤrt noch weit mehr dazu, um biefes Syſtem nicht allein zu erfinden, ſondern auch von allen Seiten zu prüfen, und g8 auch zur Iebergeugung eines Andern gu machen. Gofrates, Das rdume ich dir fehr gerne ein. ‚Denn es iſt meine innige Ueberzengung. Parmenides. uUnterdeſſen, wenn jemand aus Ruͤckſicht auf dieſe jezt erwaͤhnten und andere Schwierigkei⸗ ten nicht eingeſtehen wollte, daß es von jedem Dinge einen Gattungsbegriff gebe, der ſeine Form beſtimme, oder daß von allen Dingen keine un⸗ veraͤnderliche Idee wirklich ſei, ſo wuͤrde er in größter Verlegenheit fein, wohin er feinen Ver⸗ fand richten ſollte; und fo wuͤrde er die Moͤglich⸗ feit einer miffenfchaftlichen Erkenntniß gang und gar umſtoßen. Diefer Grund fcheint dich auch am vorzuͤglichſten beſtimmt zu haben, dieſes Syſtem anzunehmen. Sokrates. Darin haſt du ganz Recht. 83 Diefes f — 702 — Diefes m bie zwei merkwaͤrdigen Stelen, aus welchen wir Platos eigentlichen Geſichtspunkt und feine Vorſtellungsart über die Ideen ableiten muͤſſen. Mir werden fle bier nur allein in biefer Mückficht betrachten, ob fie gleich noch vielen andern Stoff zu unterfuchungen enthalten *). Das erſte Reſultat, welches fi and der Bergleichung beider Stellen ergiebt, iſt dieſes. Die Vorſtellungsart von den been, welche in dem Barmenides angenommen wird, fann nicht diejenige fein, Welche Plato für die richtige hielt. Denn in ber Stelle aus dem “Demo ſagt er, es gebe eine Theorie über die Wirklichkeit, das Wer fen und die Verbindung der Ideen mit den concrefen Dingen, welche alle Widerſpruͤche und Imgereimeheiten entferne, und. die ein: mie fich vollkommen ſeinhelliges Syſtem gewaͤhre. Die Ideen aber, wie fie Parmenides fi) denke, enthalten eine Menge von Einwuͤrfen und ' Schwierigkeiten, welche Plato für fo wichtig boit, def ſie ihm unwiderlegbar ſcheinen. Zwel⸗ 19) ei, am nur eins aupfuͤhren, werkwuͤrdig, daß in der Stelle des Parmenides fa alle die Einwürfe, zum we uigken den Grundlinien nach, vorkommen, welche Ariſtote⸗ les den Ideen entgegen ſezt. Alſo kannte fie Plato ſchon, und er hatte fie von feiner Theorie entfernt. Wie * alſo fein Schüler die Ideen in dem Sinne beſtreiten, welchem. fie Plate nicht anna? Wäre das nicht ein ke Ges Spiegelgefecht ? Und folite Arikoteles feinen Lehrer mit denjenigen Waffen angreifen, welche Ihm diefer nicht etwa binlegte, fondern in die Hände gab? Oder Areites ' Ariſtoteles nicht fo wohl gegen den Plato, als gegen andere gleicheitige und nachfolgende Philoſophen, welche die Ideen in einem gang andern Sinne nahmen, als Plate hatte, z. B. gegen den Speuſippus, der bad Pothneordie ſche Syſtem wit dem Platoniſchen vereinigen wollte? Wenn diefe Vorautſetzung richtig waͤre, koͤnnte dann nicht darae⸗ thau werden, daß Ariftoteles gewiffermagen mit dem Platg in Ynfehuns der Ideen uͤbereinſtimme? — 1093 — N 'Dyeitend. Die obige Stelle des Parmenides, bie | ale Einleitung zu dem ˖ ganzen Geſpraͤch angefehen werden kann, ſcheint von dem Plato dazu beſtimmt geweſen zu ſein, um den Sag in dem Meno, daß alle Vorſtellungs⸗ anten-über.die Ideen, eine einzige ausgenommen, in die größten: Widerſpruͤche und Ungereimtheiten verwickeln, weiten auszuführen. : Wir koͤnnen alfo-hieraus unmittels bar diejenigen Vorfieluugsarten kennen lernen, welche Plato als unſtatthaft entferne wiſſen ‚wollte, und mit⸗ telbhar durch die Trennung berfelben „ feine eigne Theorie auffinden. Dieſes laͤßt fich dadurch ' beiverkftelligen, - wenn wir die Einwuͤrfe gegen die Ideenlehre, welche Plato für gegründet halt, ale eben fo viele Vorſtellungs⸗ arten anfehen; welche er wirklich ven feiner Theorie ansgefchloffen-battes / und in den Beantwortungen ber Einwuͤrfe diejenigen: Gedanken heraus heben, wodurch er den Schwierigkeiten auszuweichen glaubte: Sch muß. Bier noch etwas über einen beſondern Umſtand erinnern. Es ſcheint bei. dem, erſten Anblick fehr fonberbar, daß. Plato wicht auf denjenigen. Borftelungen beftchet, wo⸗ darch, wie er: glaubte, die Einwuͤrfe widerleget werden konnten, ſondern fie une andeutet, und fogleich wieder fahren laͤßt, als waͤren es nur fluͤchtige voruͤbergehende Eiafaͤlle. Und es ſcheint, als wenn er noch gar nicht. mit fich-felbft über die beſtimmte Bedeutung der Ideen einig geweſen ſei, woher 18 benn fomme, daß er fich son Parmenives von einer Vorſtellungsart zur andern: Senreißen laͤßt. — Wenn Plato hier die Abficht gehabt haͤtte, feine ‚eigrie. Theorie gegen mögliche Einwuͤrfe zu sertheidigen, fo wärbe Bch fein Verfahren in dieſer Dis⸗ putation gar nicht erklären laſſen. Allein da nicht dich fein Zweck war, fonbern bie Darfiellung bee Schwierig⸗ keiten, welche mit andern von der feinigen verfchiebenen Borftelungsarten unzertrennlich verknüpft find, fo kounte er zwar feine eigne Theorie in bloßen Winken an⸗ 64 deu⸗ v — :106 — Die erſte Frage, giebt es Ideen,baͤngt von der . &ntfcheidung ber zweiten ab, wad ſind fe} Da aber bie zweite problematiſcher iſt als bie: erſte, indem Plate feſt überzeugt. war, daß es Ideen, gebe, hingegen ihr Weſen nicht fo leicht beſtunmt werden kaun, ſo muͤſſen wir mit ber Eroͤrterung ber erſten aufangen. Wir ſetzen dabei deu Begriff von den PMeen, der im ber Folge er⸗ wieſen werben wird, voraus: Die Ideen ſind die all⸗ gemeinen oder die Sattungrbegriffe, und die dadurch vorgeſtellten Dinge an: ſich. DODie Ideen koͤnnen aus einem giboppeisen Gefichts punkt angeſehen: werben, als eine Hypotheſe und als ein Lehrſatz, der ſich aus Gründen ableiten laͤft. Su ber erftern Rückficht werden die Ideen unerwieſen zur Erklaͤ⸗ „ tung gewiffer Erfcheinungen und‘ Faltä angenommen. Hier kommt alles daralf- -at, daß ſie nicht allein an“ fich gedenkbar“ Tb, 'S:fonöern- ach dasjenige, war auß’ißnen erklärt werben! ſoll, befriedigend erFlären, und daß aus Ihnen feine Ungereiditheiten und Widber⸗ ſpruͤche folgen. Dieſe Uliterſuchnng nf wWir einſtwei⸗ len ausſetzen, bis wir die drei Fragen entſchieden und gezeigt haben, in welchem Sinne ſie Plato verſtanden hat. Hier haben wir es vornehmlich mit denjenigen Gründen gu thun, welche dem Plato bie Annahme der Ideen noth⸗ wendig zu machen fchienen. Der Hauptgrund, worauf fich alles ftügt, iſt ders Ohne Ideen iſt nicht nur Feine Wiſſenſchaft und wiſſenſchaftliche Erfenutuiß möglich, fondern auch felbft bie Wirkſamkeit des Verfiandes, ober das Denken, iſt ohne fie garnicht gedenkbar. Wir befl- gen nur dann Wiffenfchaft von einem Gegenftande, wenn wir das Beſondere und Individuelle aus dem Allgemei⸗ nen ableiten, das heifit , wenn wir den Gattungsbegriff und. die heftimmten Arten defjelben ‚erfenuen, Don ber Mufif Haben wir z. B. eine wiffenfchaftlighe Erfenntniß, wenn wir ben allgemeinen Begeiff von den Toͤnen, ber die gemeinfchaftlichen Werkmale der Arten und Indivi⸗ duen, / u ae 207 — duen; Hübtie Begriffe von den Arten dekſelben, welche die 'genseinfchaftlichen Merkmale der ndieiduen:. aus⸗ druͤcken, kennen. : Durch den: Gattungsbegriff erkennt man, wie ulls einzelne Toͤne unter ein Geſchlecht gehoͤren, duvch die Meta, auf. tote. vitlerlei Weiſe er anf Iudivi⸗ duen aagewendet werben tanz -- Das: erfie beſimmt den, Inhalt, das zweite ben Umfang des Begriffe... Das will der Satz ‚ia. ber, Platoniſchen Philoſophie ſagen: Eins iV Viles and Wieles ft’ Ein. Die Indiole duen gehören durc’ihre gönieinfchaftlichen Drerfmale'um« ter ein Geſchlecht, und ein Sattungsbegriff bekommt burch die seite Arten, Weiche ia ihm egthalten find, Anwendung auf Indididuen, bie eine unbeſtimmte Viel⸗ heit enthalten, und bäher'ra wor, re arsıga Oder auch daß arııgov Heiße. ) Wenn alfo bie Ideen die Sat⸗ Bungöbegriffe bedeuten/ ſo ift ohne fit feine Wiſſenſchaft uph Irgenfd Riem’ Gegenlanbe meglich. © "=. . EEE ſchon ein urſpruͤngliches Geſetz bed’ Verſtan · des, worauf alles Denken beruhet, daß man bad Man⸗ vichfaftige der Indivlduen auf Einheit, und die Einheit auf Vielheit zuruͤckfuͤhre, oder mit audern Worten, zu ber Mannichfaltigkeit ber einzelnen Gegenſtaͤnde einen Sattungsbegriff, und zu der Einheit deffelben eine Man⸗ nichfaltigkeit ber. Airten.und Unferarten auffuche ). Es iſt dieſes ein Faktum des menfchlichen Gemuͤthes, welches, inſofern es in der Natur deſſelhen gegruͤndet iſt, weder angefangen hat, noch je aufhoͤren wird. Daher ente. . halten felbft die Begriffe Einheit und Vielheit, inforern, die Merfmale in Einheit aufgenommen werden, bie fich auf viele Gegenftände beziehen. Denfen iſt fo viel als den Inhalt und den Umfang bes Begriffes beſtimmen, bie Merkmale auffuchen, welche den Juhalt ausmachen, en ER und 33) Philebug G. 219 ſeq. Parmenides. ©. 89: ge 33) Philehus ©. 217. * und die Gegenſtaͤnde angeben, auf welche Rei bepe⸗ ben 5‘ bie Segenflände ſelbſt von dem Begriff unterſchei-· den, und die Verbindung gwiſchen beiten. deutlich er» kennen. ) Daher iſt es nicht möglich gu denken, wenn es koine algemeinen Bedriffe giebt, d. h. ſolcht, weiche ſich· auf mehrere Orgenkände: berichen/ en - ausmachen. eu BITTEN > . Dad Denten laßt Rh quch ſe er we Vir⸗ ftellung eines Objektes unter einen Kegriff fübfünieen, oder urtheilen, und Urtheilen iſt nichte anders als das Verpäliniß, die Verbindui zmifchen Iwei Begriffen be⸗ ſtimmen. Wenn: daher —— nicht ‚Herbunden oder nicht berbindbar ſind, ſo ft . fein urthellen and fein Denken möglich, Die wirkliche oder mögliche Verbindung ber Begriffe berubet.aber. baranf, daß. die Hegriffe der - Quantität nach verfchjeden find , ‚ober daß es allgemeine Begriffe giebt, bie einen Umfang haben, tn welchem an⸗ dere wiebere enthalten Rind." Die unter Begtiffe laffen fh nicht deutlich ohne den obern oder allgemeinen den. fen. Man kann zum Beifpiel nicht beſtimmen, was ene befondere Art der Wiſſenſchaft iſt, wenn man nicht weiß, worin das Weſen der Wiſſenſchaft Überhaupt beſtehet. Bad dem obern Begriff zufomme oder widerfpricht, das komnit auch zu, oder toiderfpricht den niedern, welche feinen Umfang ausmachen. Daher enthäfe der allgemeine Begriff die Regel von den unter ihm enthaltenen Begriffen, db. 5. er beftimmt den Grund, warum volr,"umd die Negel, nach welcher wir andere unter ihm fafumien 2 | all, 24) de neplabl.V. @: Sad ravamrın Yaras, dyamanc ri * aævro KuA0Y, Roy Bvvmievac umfogiv xy Zuro noy Ta anlıyd HITIIWTE, Kay STE TA HETEXOVTA, AUTO, TE MUFO, TR HIT axovra vvuſtevoc rap 7 wage au nu uroc donsı en Ayri — ruru us Try dıavaıı , üg Yarmenayr0c, yaum oder QYasuıv gras . allgemeinen Begriff von ben beſendern, und ie: Unten von dem Battungshegeiff aufſuchen, bad heißt unterfe chen, in wie fern die Begriffe miteinander in Verbindung ſtehen. Ufo ohne allgemeine, ‚oder Gattungsbegriffe, das heißt ohne Ideen, iſt weder Das Denken, noch die Dialektik, weiche die Wiffenfehaft ber Regeln des Des kens. iſt, möglich, und ohne diefe. i feine andere Wiſſen⸗ ſchaft gebentbar ). So unentbehrlich die Ideen zu allem wiſſufchaft⸗ lichen Gebrauch der Vernunft und um Denken uͤberhaupt find, eben fo norhwendig find fie. zur Erkenntniß. Sie enthalten die Bedingungen einer gewiſſen Art von Erkenntniß, nehmlid der Dinge an fih, welche eigentlich Erkenntniß im ferengen Sinne heißt. Die fee Hauptſatz berunet auf folgenden Momenten. Wir erkennen einen -Gegenkand, wenn wie fein objeftived Sein beſtimmen. Dieſes geſchiehet durch ein Urcheil, im dem wir ein Prädicat mis einem Subjefte verbinden. Wie - fubfumiren aledenn einen Gegenſtand unter einen Begriff, 3.2. eine Blume unter den Begriff Schönheit, und far | gen dann, die Blume iſt ſchoͤn. So urtheilet auch der gemeine Verftand, ohne fich um die Gründe dieſer Ur⸗ theile zu bekümmern. Uber die räfonnirende Vernunft kann fich diefer Trage nicht enthalten; fie will den rund son dieſem Verfahren des Berftandes willen. Aus ber Erfahrung ober Wahrnehmung laͤht fich Fein befriedigen ber Grund angeben, dieſe frage zu beantworten. Wenn man fagt: dieſer Gegenſtand ift ſchoͤn wegen feiner Far⸗ be, ober wegen feiner Geftalt, fo erneuert fich immer wieder bie Frage, warum ift diefe fchdn. Der Grund der Schönheit ann nicht in diefen Befchaffenheiten ſelbſt liegen; denn eine Barbe oder Geftalt kann eben ſo gut va als ſchoͤn fein." Aber eben fo wenig laͤßt er F 25) Theaetet. & 57,53. Pliaedo @.226; 236. —* ©. 274,275. de republic. x, ®. 209027. t \ dem Gegeuſtande, bem bie Schoͤnheit beigeleget wird, aufſuchen; denn eben daſſeibe Ding, das wir jetzt für ſchoͤn erkennen, erſtheint ein andermal als haͤßlich). Es iſt alſo einleuchtend, daß in dem Felde der Er⸗ fahrung keine befriebigende Antwort Auf die Frage gefun⸗ den werden kann was der Grund von biefen Urtheilen, oder dleſer Verbindung eines Praͤdicats mit einem be⸗ ſtimmten Subjekte ſei. Er muß in etwas liegen, das von allen Gegenſtaͤnden in conereto verſchieben iſt. Und fo etwas finden wir wirklich in unſerm Vorſtellungsder⸗ moͤgen ſelbſt. Won allem, was ſich denken läßt, giebt es einen Begriff, welcher bie unveraͤnderlichen, allgemei· ‚nen Merkmale aller derjenigen Gegenftände.enthält, wel che unter bem Begriffe ſtehen, und mit Ihm gleichen Nahmen führen. Diefer Begriff ſetzt zu feiner. Erklaͤ⸗ rung nichte weiter voraus, denn Über ihn giebt es kei⸗ nen Begriff weiters aber ale Gegenſtaͤnde, bie unter Ihm fichen, feten Ihn voraus. Wenn man feagt, warum ift dieſer Gegenſtand ſchoͤn, fo fann man antworten, weil an ihm die Merkmale fich finden, toeldhe der Begriff: von der Schoͤnheit an fih enthält. Aber die Frage: warum iſt das fchön, was durch biefen Begriff beſtimmt wird, hat keinen Sinn mehr. Durch einer folchen Begriff oder Idee find wir alfo in den Stand geſetzt, Die Frage zu beantworten, warum ein Prädicat mit ei⸗ nem beftinnmten Gegenſtande verbunden wird ”), Die Idee enthält die allgemeinen, unveraͤnderli⸗ chen und nothwendigen Merkmale von allen Gegenftän- den; r Phaedo. &.227,22%. Hippiusmaior. fer. S. ar: ſeq. de sepublica V; ©. 64. 47) Phaedo ©. 247, 1?9. Parmenides S, 82, 85. öres For arrz ueyziz dofy eo siveu, Kia Tıcıanc doxıı dan dury uvoq enı wayız ıdayTı, 89av sv To neya syy era. derepubl: VI. & 16. de legibus XII, 222,226. x — LIT — den, bie unter dem Begriff ſtehen. Die Gegenſtaͤnde ſelbſt koͤnnen wechſeln, Beſtimmungen verlieren und an⸗ dere dagegen bekommen. Ein ſchoͤner Gegenſtand kann haͤßlich werden, ja er kann ſo gar ſelbſt aufhoͤren zu fein, und ein anderer an feiner Stelle. entſtehen. Während dieſes beſtaͤndigen Wechſels bleibt doch immer die Idee ‚ber Schoͤnheit unveraͤnderlich⸗ Sie iſt die Regel, nach welcher Bir jeden Segenfiand als ſchoͤn beurtheilen, und wir koͤnnten nicht durch ſie urtheilen, wenn ſie ſich ſelbſt veraͤnderte. Denn wenn wir verſchiedene Gegenſtaͤnde für ſchoͤn Halten, fo legen wir ihnen einerlei Praͤdicat Bei, welches nicht geſchehen koͤnnte, wenn ſich der Begriff der Schönheit an ſich aͤnderte. Wir find uns auch der ‚Einheit des Begriffed bewußt; die Merkmale Hefielben find nothwendig, weil mit Veränderung eines Merkma⸗ les der Begriff ſelbſt zernichtet würde *). Wenn alle Dinge im beſtaͤndiger Veraͤnderung finds wenn keine Beſtimmung oder Eigenſchaft beharrlich iſt, ſondern jede alle Augenblicke wechſelt, ſo iſt gar keine Erkenntniß moͤglich. Denn man kann alsbann kei⸗ nem Dinge ein beſtimmtes Sein oder eine Eigenſchaft beilegen; während man das Urtheil ausfagte, wuͤrde es Ach ſchon veraͤndert Haben, und nicht mehr derſelbe Ge⸗ genſtand fein. Wenn alles in der Natur veränderlich if, fo it fein Urtheil, keine Definition und Erklärung eines Dinges möglich, und damit wird alle Erkenntniß aufgehoben. Diefe Unmoͤglichkeit findet aber nur dann flast, wenn bie Veränberlichkeit der Dinge allgemein ift, wenn fie ſich nicht allein auf die Objekte, fondern auch aufdie Vorſtellungen des erfennenden Subjekts erſtrecket. Die Bebingungen ber Möglichkeit der Erkenntniß find alfo die Identitaͤt der Gegenſtaͤnde, welche, und die Identi⸗ tät des Erkenutnißvermoͤgens, durch welches fie erfannt were s8) Phaedo.@. 79, Timaeus @. 348. Cratylua €. 345, 346. ' ‘ ! m II — werben. Beide Bebingungen twerben durch die Ideen ‚ erfüßlet, iudem fie ſelbſt unveränderliche Begriffe find, und einen Gegenftand vorſtellen, welcher ohne allen Wechſel if. Nur in Mückficht auf diefe ift es moͤg⸗ lich, von einem veränberlichen Dinge zu ſagene es iſt etwas ꝰ). Wenn wir dieſe Gebanlen mit einander leichen, ſo ergiebt ſich folgendes Reſultat. Das Veraͤnderliche ‚und Zufällige laͤßt ſich ohne das Abſolute und Not wendige nicht denken und alfo auch nicht erkennen. Nenn; es alfo eine Erfenntniß giebt, fo muß ed auch etwas Abſolutes und Nothwenbiges geben. Daß wir und Gegenftände vorſtellen, unb fie denken, ift eine unwi⸗ derfprechliche Thatſache; es folgt alfo nothwendig, daß das Abſolute und Unveraͤnderliche, ohne welches bat Vorſtellen und Denken der Segenſtaͤnde nicht moͤalich wäre, vorhanden fein muß. Da nun unser den Ideen das Abfoluse gebacht wird, fo erhellet ihre Nothwen⸗ digfeit, weil ohne fie keine Erkenntniß fein würde. “ - Diefes iſt der logifche Geſichtspunkt des Plats. Er ging von dem Begriff der Wiffenfchaft umb ‚der Em fenntniß aus, und fchloß aus der nothwendigen Bedin- gung derſelben, einer abfoluten und nothwendigen Einheit des Veränderlichen und Beflimmbaren, aufdae wirkliche Dafein derfelben. Zur Wiſſenſchaft iſt erfoderlich die Ableitung des Mannichfaltigen einer Erkenntniß aus ci- nem Drincip, das felbft feiner weitern Ableitung bedarf. Die wiſſenſchaftliche Erfenntniß der Gegenſtaͤnde erfodert nicht weniger Principia, aus denen das DBefondere und Bedingte abgeleitet werben kann. Diefes leiften nun bie Ideen in beiden Ruͤckſichten. Als die afgemeinfien Be⸗ geiffe, welche alle andere unter ſich haben, da fie unter feinem andern flchen, find fie zu ben Priucipien ber if, 29) Ariſtot Metaphyl. XiL. Cratylas e. . de legib. XII. ©. 222. 7 u, I — 113 — Wiſfenſchaft uͤberhaupt tauglich, und als die oberfät Gattungsbegriffe der Dinge außer ung, muͤſſen fie als bie Srundfäge der Erkenntniß derfelben angefchen wer, ben. Die. Annahme der Ideen iſt jezt nur noch probles. matiſch und bedingt, Unter ber Borausfegung nebmlich, baß es eine Wiffenfehaft und Erfenntniß. giebt... Da aber die Borausfegung aufhört, eine blöße Hypotheſe au fein; da sam wenigſten bie menſchliche Vernunft dar⸗ nach ringt, und fie wirklich zu machen ſucht, wobei die Moglichkeit ſchon vorauggefege wird: fo befomme die problematifche Nothwendigkeit der Ideen eine affertorifche GSewißheit. Es giebt Ideen, denn fonft würbe Feine Wiſſenſchaft und Erfenntniß toirflich fein. Wenn man nım einen Beweis fir dieſe Behaups tung fobert, daß Plato dieſen Togifchen Gefichtspunft, und zwar vorzüglich, vor Augen hatte, fo darf man nur einige Stellen, die wir fchom üÜberfest haben, - .e« trachten, und es wird dann nicht der geringfte Zweifel uͤbrig bleiben. Go fagt Parmenides unterandern, So⸗ krates (oder Plato vielmehr) fcheine das für den Haupt⸗ grund der Ideen anzufehen, daß, wenn man feine Ideen annimmt, alles wiffenfchaftliche Denken unmedglich fel, Sokrates bejahet es, nicht als eine Vermnthung, fone been als Wahrheit “). Much bie Stelle fpriche lauf dafuͤr, wenn Parmenided ſagt, Sokrates fei aus dem runde von den Ideen überzeugt, weil es nur durch eis nen Begriff von der Größe möglich ſei, von vielen Ges gen⸗ 30) Pstmenides ©, 89,90. Ara kivron, ü da ya, a Zungaric, au ug aha SÄN Tv even sim, 0 warn vi. dy vev uns aA Tunvra awoßishar ,‘ un ds ögisıras uıdoc FT, Vxarı, ude oxreı reader vv dimvoay dfn, au say ıdıay Tan brav‘ dass Try wur ir ren’ ad ra ww ru Sasyscdhen divanıy warrawacı IapIıen. ra roreru dev ur ier dorsızuag BRAD chain. = -Arydy Aryaı, Yayan 9 — 114 En —** ga urtheilen, fie ſeien groß Di Grund fchien dem Plato auch fo wichtig za fein, daß ihn am deſſen willen alle Schhiolerigfeiten und fdheinbare Un⸗ gereinstheiten nicht beſtiinmen fonnten, einen Gab auf zugeben, der alle Wiffenfhaft und @rfennrniß begruͤn⸗ Dete; fohbern er war übergetigt, daß er auf eine ſolche Weiſe erflärt und Beflimmt tverden koͤnne und muͤſſe, weiche ein mit fi und andern eBahrpeiten de Sollfommun übereinftimmendes Syſtem gewaͤhre. Der Grund, welcher den Plato noͤthigte, Ideen anzunehmen, erſtreckt ſich ſowohl auf das Gebiet ber ſpeculativen als der praktiſchen Vernunft. Gs iſt nicht allein nothwendig, um bie ſittlichen oder unſittlichen Handlungen der Menfchen zu beurtheilen, und fie für Bag zu erkennen, was fie find, daß der Verſtand eine feſte unabänderliche Negel habe, bie ihn bei diefem Ur» gheilen leitet; fondern es muß auch ein inneres Princiy da fein, wodurch die Handlungen ihre moralifche Bes ſchaffenheit erlangen. Was bie Regel gu Beuriheilung der Handlungen betrifft, fo kann fie Fein Begriff ſein, der aus einem von Außen gegebenen Stoffe entfichel. Denn die Urtheiles dieſe oder jene Handlung iftgut, ſittlich, tugendhaft u: ſ. w. fegen Immer die Frage vorauds war⸗ um find fie «8? ' In dem dußern Handlungen ſeibſt (if ‚sem Materiale) ift fein Merfmal anzutreffen, durch welches die ſittlichen von den unfittlichen könnten unter. ſchieden werden. Hierzu kommtt noch dieſes: ba wir viele individuelle Handlungen unter eine Klaſſe, z. B. Gut, Sie, Sittlich, Unfittlich, bringen, fo muß es ei⸗ nen allgemeinen Begriff geben, der das Praͤdicat in allen beſon⸗ 3:) Parmenides ©, 20. Omæs oe au mu rarade dv Sunny u dee Hucdaı ua, dran zerX area paynır defy cu ram HM vie ıoug due den dvra una, wu unen Bar, ddr da 70 Koya ds one. 15 — befosibermirtheilen biefer Art beſtimmet). Dieter Begeiff) ber bie Merkmale enthält, welche allen Arten undeinzeinen Handlungen, bie unter ihm begriffen find, zukommen, oder ber Gattungsbegriff kann nicht aus der Erfahrung fein; denn ihm tntfpricht kein Gegenſtand der Erfahrung voll; fominen,; und er matht bie Erfahrung er möglich: Diefe moraliſchen Begriffe muͤſſen überfinnliche, reine Be⸗ griffe fein, welches auch ſchon daraus erhellet, daß man fidunabhängig von jeber Erfahrung aus dem Bewußt⸗ fein jebes Menſchen entwickeln kann; welches nicht ges ſchehen koͤnnte, wenn fie nicht in einem Vermögen der Seele a priori vorhanden wären ”). - | | Aber nicht allein zur Beurtheilung der Handlungen in Anſehung ihrer mordlifchen Beſchaffenheit, ſondern auch ſelbſt zum ſittlich Handeln iſt ein inneres Princip nothwendig: Denn die Sittlichkeit beſtehet in der Un: terordnung aller Maximen und Handlungen, die ſech auf die Sinnlichkeit beziehen, unter das eigent⸗ lich Menſchliche oder vielmehr Görtliche in dem Menſchen, ober mit andern Worten, in dem durch⸗ gängigen Beſtimmtwerden durch die Vernunft, uni der. Vernunft willen. Die Handlungen und Maximen bsfommen.nur um dieſes Berhältnifiee willen bie Be; nrunang von fittlichen oder unferlichen *), Site H 4 Hau⸗ "33) de tepublic, VI. &. 46. Eutypliro 1%. G. 11,1}. Phaedo S. ır1. rn 33) Merle 351: Gorgias 4%. ©. 54,56. Plikedo izk: Theaetet. 6.142, _ '34) de sepublic, IX. ©, 276. Aus, du deo,ce ndgumg; parrer da ıauc Fa ven de dam Fa Iuerndi walvrz rue 06- rer. de republ. IV. 3, VI, ©. 373, 174 de legib. L; . Ber B. G. 45. mr yag Auen Ö Acyeg dan ir Ak Zi . —XRX “Na undauy —XX —* > —XRE Haug axace veugon dxasıv. Thor 9° ad win Fu Anyızma aan ei. ale — 116 — Hanbeln iſt alſo nur baburch möglich, daß man die in ber Vernunft beſtimmten Begriffe von ber Sistlichfeit — welches die Ideen find — zu ben Beſtimmungsgruͤnden aller Handlungen macht, und ihnen alle andere Ruͤck⸗ ſichten unterorbnet. Durch diefe bee ber Sittlichkeit wird ber hoͤchſte Zweck fuͤr den Menſchen beſtimmt, welcher nur ein einziger ſein kann. Wenn der Menſch ‚biefen immer vor Augen hat, und um ſeinet willen als - "Yen handelt, fo.ift er ein guter, fittlicher Menſch, und beingt dadurch in alle ſeine Handlungen und Maximen eine Einheit und Harmonie, welche ohne diefe Ideen nicht möglich wäre *). ‚Diefes find die Gründe, welche den Plato beſtimm⸗ ten, Feen anzunehmen. Sie laufen ae darauf hin⸗ ans, daß fie zu allem Gebrauch ber. Vernunft, ſowohl theoretiſchen ald ;praftifchen, ummtbehrlich nothwendig find. Man findet och einen andern Beweisgrund fuͤr die Nothweadigkeit bei dern, weicher unmittelbar aus der Natur des Vorſtellungsrermoͤgens genommen if, Er lautet fo: Wenn die Begviffe und Urtheile des empi⸗ eifchen Berftandes und bie der Bernunft von einander verfchieden find, fo giebt es Gegenſtaͤnde an fih, bie nicht empfunden, nur allein durch die Vernunft gedacht werden können; find fie aber einerlei, fo giebt es feine andern Gegenftände, als bie wir Durch die dußern Sinne wahrnehmen, d. h. Edrperliche. Nun aber find die bei⸗ den Arten von Borftellungen verfchieden, Denn es find zwei Arten von beſonderer Befchaffenbeit, indem bie Borftelungen der Vernunft auf Gründen beruhen, die eine fefte unerſchuͤtterliche Ueberzengung gewähren, bie Vorſtellungen des empiriſchen Verſtandes hingegen (ober , die innlichen): auf feine Vernunftgruͤnde geftüge eine Bloß wahrfcheinlihe Evidenz (Glauben) begruͤuden, die no ch 35) delegib. XII. ater B. ©, 2er. de republica Ill: ©, 290,291. de republica IV. ©, 350, L — 117 — noch aufierbent ſehr wandelbar if. Ed muß alſo anch ˖ Gegenſtaͤnde an ſich geben, die nur durch die Vernunft⸗ Begriffe gedacht, nicht empfunden werden fönnen °°). Diefes Räfonnement gründet fich- anf ein an fich' richtis ges aber von dem Plato mißverſtandenes Geſetz des Bor ſtellungsvermoͤgens, dieſes nehmlich, daß durch jede Vorſtellung ein Gegenſtand vorgeſtellt wird. Er untere ſcheidet nehmlich nicht den a priori und ben empiriſch "gegebenen Stoff der Borftelungen; da burch ben legteen ein Gegenſtand, der von allen Vorſtellungen und ben Bormen des Vorſtellungsdermoͤgens verfchieden iſt, ein Gegenſtand in dem firensiten Sinne, durch den erſtern aber nur die in dem Vorſtellungsbermoͤgen gegränbeten VFormen der Vorftelungen vorgeſtelet werden. Es If unftreitig wahr, daß durch die Begriffe der Wernunft ein Gegenſtand vorgeftellt wird; aber ohne bie objektive und fubjeftive Realität unterfchieden zu haben, kann man nicht behaupten, daß jener auch außer und Neafität Habe, Kurz, Plato- Hatte dieſen Unterſchied überfehen, "und fchloß weiter, daß die Gegenſtaͤnde der Vernunftbe⸗ griffe ganz anders befchaffen fen muͤſſen, als diejenigen find, welche wir durch die finnlichen Worftelungen ken⸗ nen, weil die Vorſtellungen ber Sinnlichkeit und der Bernunft fo fehr von einander abweichen. in Gegen» ſtand, fo mie er durch die innlichleit vorgeftelle wirb, ift veränderlich und einem beftändigen Wechfel auegeſchtů u N 3 | „” Timaeus &. 347. u nv vus ums Bofa aaydug ara Bun yım, warraraeıy uwaına!' aura Tayra, ayaıcdyura UP su, ug vonkeva koyav sd’ mc Tıaı Dawıray, Joa arydyc vo dadegorro uydev, wurd öwoen av diæ TU Euros wichava- #9u , Jarsov Beßasorara. due du Asursov nen, ders Xuie YEYOvaTOY»y AVOROSE TE EXETOV. TO UV Yap auruv dus Jıda- 6, v0 8 vwo wudus Hu eyyryverm. xrel, asıpera ' ryIus Aoyu“ To dt, aAyEn Na Ta HE anıvyTar weten, v de, nerams⸗ro. _ sı — da er hingegen durch bie Vernunft nach feinen unveraͤu⸗ derlichen Merkmalen vorgeſtellt wirn. Aus der Derän- herlichfeit und dem Widerſtreite der finnlichen Vorficlun- gen fchloß ex, daß wie durch fie nicht ben eigentlichen Gegenſtand, wie er an ſich iſt, erkeunen, fonbern nur wie er uns erſcheinet. Sie ſind gleichſam nur Abbildungen in dem Spiegel unſerer Sinnlichkeit, welche ungeachtet der Einheit und Identitaͤt des Objekts doch eine unend⸗ liche Mannichfaltigkeit zulaffen. Hingegen die Unveraͤu⸗ berlichkeit der Bernunftbegriffe fuͤhrt dahin, anzunehmen, daß der durch fie vorgeſtellte Gegenſtand ber eigentliche Gegenſtand iſt, ſo wie er an fih ‚unabhängig von allem peränderlichen Farben ber. Sinnlichkeit gebacht wird. Es folgt alfo Hieraus, daß bie Ideen nichte wei⸗ ter find als die Veruunftbegriffe oder Sattungsbegriffe, und die dadurch vorgeftellten Gegenſtaͤnde, welche Plato für die Dinge an fich hielt. Und Hierdurch ift die oben gegebene Erklärung von den Ideen gerechtfersiget. Der Sinnlichkeit ſprach Plato bad Nermdgen ab, bie Dinge gu erkennen , wie fie an ſich find, weil diefee Erkennt⸗ niß der Charakter der Unveraͤnderlichkeit, Unwandelbar⸗ keit und Beſtaͤndigkeit mangelte. Diefe Merkmale fanb er in den Vorftellungen ber Vernunft, und er hielt bie Vernunft deswegen für has eigentliche Erkenntnißver⸗ mögen. Daher fagt er, bie Vorſtellung der Bernnnft fei zwar nicht das Objekt felbft, aber fie komme ihm doch em naͤchſten; d. h. die Merkmale ber Vernunftbegriffe entfprechen den Merkmalen bes Gegenflandes am mei⸗ fen. Es iſt nicht ſchwer zu erklären , wie Plato auf dieſes Syſtem kam. Die meiften Philoſophen vor ihm hatten den Grundfag angenommen, bie Dinge feien bad, was fle und durch die Sinne erfcheinen,, nehmlich Din ge, welche in einem unaufhoͤrlichen Wechfel von Beſlim⸗ mungen find. Sie machten, wie Plato fehr gut erin- next, efne ſubjektive Beschaffenheit ihres Vorſtellens zum göjektiven Weſen der Dinge ſelbſt; bie Dinge, alanbten | . fe \ Gr, mößten fich unaufbdrlich verändern, weil ihre Vor⸗ ftellungen von den Gegenſtaͤnden niemals biefelben wa⸗ sen 7). Diefe Behauptung mwiderfprach nun manchen Uaren Ausfprüchen ber Vernunft, die Durch dag Bes mußtfein für das unveränderliche Sein der Gegenſtaͤnde zu fprechen fchien. Wenn fich bie Gegenſtaͤnde alle Aus genblicke veraͤndern, wie iſt ed möglich, fic doch immer unter einen Begriff zu ordnen? Es if ein Geſetz der Vernunft, einem Segenflande, ungeachtet feiner Veraͤnde⸗ rungen, Einheit und daher auch Unveraͤnderlichkeit bei zulegen, etwas Beharrliches zu denken, was bei allem Bere baffelbe bleibe, und an dem bad Veränberliche nur vorgehen kann. Die Behauptung, baß bie Dinge alles das ſind, was fie un erfcheinen , fireitet mit dem erften Gefeb ded Denkens, vermöge deſſen einem Gegen⸗ ftande nicht zwei —I Prädicate beigelegt wer⸗ den koͤnnen, welches aber unvermeidlich geſchehen muß, wenn wir bie Dinge an fich durch die Anſchauungen und Empfindungen erfennen. Durch eben biefelbe Behaup⸗ tung: teird die Vernunft ihrer ſchoͤnſten Erkenntniß bee raubt, nebmlich der praftifchen Wahrheiten, welche nicht durch bie Sinnlichkeit, fondern nur allein durch die Vernunft erfaunt werben. Kurz, bad Beränberliche kann nicht den Charakter des Weſens der Dinge an Rich fein , fondern bie Unveraͤnderlichkeit. Nun erkennen wie das Beränderliche durch bie Sinne und ben empirifchen Verſtand, das Unveraͤnderliche aber durch die Vernunft. Alſo erfennen wir nur alten busch hie Vernunft bie Din⸗ ge, role fie an fich ſelbſt find. Die Worfielungen ber Vernunft, das ift die Sattungsbegriffe oder Ideen, find alfo die Vorftelungen von ben Dingen an fidh ; bie durch diepiben beftimmten (bie gedachten) Gegenſtaͤnde find die Dinge an fich elek. 24 Sie » Cratylus u B. S. 286, — 12320 — Hieraus laſſen ſich nun alle die Eigenheiten erflä von, welche Plato den Ideen beileget. Sie find eigent⸗ Jich Merkmale von den Begriffen der Vernunft, werben aber auch auf bie baburd) vorgefteliten Gegenſtaͤnde uͤber⸗ getragen. Die Idee iſt der hoͤchſte Gattungsbegriff, d. h. bie Einheit der Merkmale, welche allen: Gegenſtaͤnden elnes Geſchlechts zukommen. Es glebt alſo nur einen ſolchen Begriff, und allen Individuen eines Geſchlechts liegt nur ein Ding an ſich zum Grunde So manuichfaltig auch die Unzahl der Judividuen ift, welche wir Menfchen nennen, fo baben fie boch alle gewiſſe gemeinſame Merk male an fich, durch bie ed möglich ift, fie alle unter ein Geſchlecht zu zählen. Durch diefe Merkmale find fie alle Menfchen, burch die andern, Die ihnen noch zufemmen, find fe Menfchen von biefer Art. Der Gastungsbegrif, bie pre, befaßt Diefe Merkmale zufammen, er euthaͤlt alſo die eigentlichen mefentlichen Eharaktere der Menſchheit. Der durch fie beſtimmte Gegenſtand iſt ber eigentliche Menſch, ber Menſch an fih *). Alſo ik nicht das In⸗ bisiduum eined Gattungsbegriffs, fondern der durch ben Gattungsbegriff beſtinumte Segeuftand ‚, bie Idee das Ding an ſich (avro iur) ). Die Dinge an ſich koͤnnen nicht angeſchaut, und gedacht werden. Denn die Ideen, durch welche die Dinge am ſich vorgeſtellt werben, ſind Begriffe, wel⸗ che dio allgemeinen und weſentlichen Merkmale aller der⸗ jenigen Gegenſtaͤnde enthalten, welche unter der Gattung euthalten find. Das Allgemeine laͤßt ſich aber nur dem ten, durch die Sinne erfahren wis bingegen nur das Einpelne ) | Ds 38) de republ. X. ©. a5. V. & 97,58, 39) de sepubl. V. S. 6. 40) de republica VI. &, 116. saxrapıy d4 Opacdaı dam, - voredg Du ra Pau, dance vanıdg mais Opacdy I ur Timaeus G. 246. Phaedo @& 175. * 22T — Die Shen und die durch fie beſtimmten Gegen⸗ Kande ſind unveraͤnderlich. Denn fie find die Inbegriffe vqn ben weſentlichen Merkmalen, die als das nothwen⸗ dige Sein der Dinge gedacht werden, und. daher ſelbſi nicht ändern Finnen. Der. durch fie beſtimmte Gegen⸗ Rand if von. allem. unabhaͤngig; er iſt nur duch ſich | Felbſt beſfimmt. Die Ideen und ihre Gegenſtaͤnde find von allen denen im Raume befindlichen Dingen verfchid« den, welche allein dem ÜBechfel unterworfen. find *). Da die Ideen feine Begenflände des dußern Sin» nes find, : fo werden ihnen auch alle Praͤdicate, bie fich auf - dußere Anfchauungen beziehen, abgefprochen. Sie find unfdrperlich,, ohne Farbe und Geſtalt und ahne Ausdeh⸗ nung *). Sie find einfach, nicht zufammengefegt, daher auch nicht theilbar und aufldgbar Diefed mug im Gegenſatz ‚ber förperlichen Gegenſtaͤnde berfianden werden. Dieſe EinfachHeit fchließt nicht an ih ein Mannichfaltiges aus, fondern nur ein außer einander befindliched Mannichfals Sige, unter ber Form des äußern Sinnes. Die bee kann aus Merfmalen beſtehen, die fich unterfcheiben laſ⸗ fen; aber fie machen zufammengenommen em Ganzes . aus vongauz anderer Art als ein ausgedehutes Banze *), Eie entfichen und vergehen nicht. Sie find ohne alle - MBeränderung , und koͤnnen dad Gegentheil von dem nicht werben, was fie ſind ). An ſich find bie Ideen Eins heiten: (asadıc, novadsc) nicht allein deswegen, weil fie 25 nume⸗ 41) Timaeus G. 348,301. Phaedo e. 178, 236 Cra tylus ©. 345. 43) Phacdrus ioter B. G. 322. y yan axevuaærot Ta nem. GEXNHATITOE Xu avayıy wem lovrux ueu Vuxas nußsemre para Juary vo xeurau derepubl. V. ©. 65. .43) Plaedo @, 190, 192,190. Timaeus ©, 348. 44) Timaeun ©. 348. Phaedo 173,236, Timaeus 301, 302. . DI - J um 129 — ã 29 numerifche Sinheit als Gattungsbegriffe befien, ſon⸗ len conereten Dingen deſſelben Geſchlechts zukommen muß, und wodurch fe unter ein Geſchlecht gehoͤren. Dei ber ik das Eine % ober: Einheit die obtrfie‘ Gattung, unter weicher alle Ideen leben; die Vielheit nu ward, (auch awugov) die Gattung der Materie und alled: Stoſt fe8, worauf ſich Ideen bestehen, durch deren Bereinis gung gonna Dinge, Judividnen (ze | entſto ben * ie kommen endlich auf. die dritte Brageı Wie ik dad Verhaͤltniß zwiſchen den been und ben concresen Dingen? Hieräber druͤckt er ſich ſo aus. Es giebt pon allen Dingen einen Gattungsbegriff und ein Gattungs⸗ weſen (Ding an fih), und alle andere Dinge befommen ihre Präbicate durch die Mittheilung der Ideen. Wenn es 3. 3. außer ber eigentlichen Urſchoͤnheit noch etwas Schönes giebt, fo If ed nur deswegen fchdn, weil es an der Urſchoͤnheit Theil Hat ober nimmt. Die Urſchoͤnheit iſt die Urfäche von der Schönheit in allen andern von ihr Berfchtedenen Dingen, man mag fidh dieſes Verhaͤltniß als Gegenwart ober als wirkliche Theilnahme⸗ oder wie man fonft will, erklaͤren 9) Diefes Verhaͤltniß IR vom doppelter Wet, logiſch und metaphyſtſch. In ber logifchen Bedeutung verbal sen na bie been zu ben unsern Begriffen, an der nd 4$) Philebus ©, 316. Arıftoreles ‚Metphyfic. l. c. 6 re yag sıdy vu Tı ssıyamrın vom aAlAcıt, Tai T adsgı To dv. 46) Phaedo ©. 227. Gaaraı ver Her, otre arıy alone ZEN æuro re warn, ude u ev —R na en, y Nor⸗ nerıya enune 78 ware - rm de drug mas arız- vuc u 008 euydisc exe wg IuRUTY, TI ux MA E zum ayıe ERADV , 2 SNEIvE TU REAU TE TRLUEIE, BITE KOE- uæ, UIFE öæv Qu na dmac MERcyeVeLuEg" u Yaparırura hiexze- erSonats ar drı Tu aan νra Tu NEAR YIYVETms ngAM. Grumb zu dem Gegrundeten. Was in bem allgemeimin Begriff enthalten iff, das. gilt auch non allen Objekten, welche zur Sphäre deffelben gehören. Nach den Gefeg zen des Denkens iſt die menfchliche Veruunft, um ben Erkenntniſſen Vollſtaͤndigkeit, Einheit und SGruͤndlichkeit zu geben, genoͤthiget, alles unter Geſchlechtsbegriffe zu ſubſumiren. In dieſer Ruͤckſicht find die Ideen ober bie Gattungsbegriffe, weil fie die hoͤchſten find, die Gruͤnde von der geſammten Sphaͤre einer Erkenntniß, in ſo fern fie gedacht wird; denn in ihren Merkmalen muß dee Srund zu finden fein, warum ein Objekt unter den Ber griff gehoͤre oder nicht gehöre, warum ihm das Praͤbicat beigelegt oder abgeforachen werde *). Von biefer San hat die Ideenlehre Feine Schwierigkeit. . Die größten Schwierigkeiten, bie von jeher ve Platoniſche Philofophie in Dunfeipelt gehoͤllet haben, be⸗ jreffen das metaphnftfche Verhaͤltniß ber Ideen. Nicht zufrieden, daß die dern in dem logiſchen Gebrauche die hoͤchſten Principe für dag Denen find, ſuchte Plate noch uͤberdies Gründe, woraus er fich Befriedigend exe flären könnte, daß die Individuen eines Gattungsbegrif⸗ fes unter demfelben ſtehen, oder woher es komme, daß ihnen qllen die Merkmale des Gattungsbegriffes zukom⸗ men. Die Ideen oder die in dem Gattungsbegriff ent⸗ haltenen Merkmale hielt er fuͤr das Weſen aller ‚Dinge, worauf der Begriff angewendet wird; fe waren die Der griffe ber reinen Vernunft, nicht aus Erfahrung ge⸗ woͤpft; und doch kamen fie gewiſſermaßen in den Ge⸗ genftänden wieder vor. Der Menſch an ſich If eine Idee; und dach muͤffen bie mefentlichen Merkmale ber Menſchheit, bie fe enthaͤlt, im allen Individuen von . Men m de legib. xl. s. 2 a w —— —* —* weg: ruur yıyyorre, 4 To mer Mıav Jan 96 Tor weriev nor un Iwarn mas Mer; — 124. — Menſchen angetroffen werben, fonft wären fle feine Men⸗ Shen, und gehoͤrten nicht in die Sphäre bed Gattungs⸗ begriffes. Plato waͤhlte fich eine Hypothefe, um biefed Ver⸗ haͤltniß der Ideen zu den. conereten Dingen zu erflären, und befolate darin die Marime, daß, wenn etwas von einer Seite ausgemacht iſt, bie Vernunft berechtiger iſt, zur völligen Erklärung ine Hypotheſe fo lange anzu⸗ nehmen, bis Ihe Streben nach Einficht völlig befriedi⸗ getift 49). Und ba er einmal angefarigen hatte, das Sinuliche aus dem Leberfinnlichen zu erklären, fo blieb er auch’ dem Gange feiner Vernunft bei Abfaffung dies fer Hypotheſe getreu. Er glaubte bie Gruͤnde der Sin- nenwelt in ben ideen, dern Inbegriff der Verſtandes⸗ welt, ‚gefunden u haben; Hier und nirgend andere duͤrfte er die Urfache von ber Zufammenflimmung ber Dinge, bie in der Erfahrung vorfonmen, mit den Ten, ſuchen. Und welches Mefen konnte die Ber nunft für vermdgend halten, als das abfolutefte, von welchem fle fo gerne den Grund alles Erklaͤrbaren abs leitet; dasjenige Weſen, welche die Vernunft als die hoͤchſte Vernunft fich denfen muß, und bag fie, ihrem Beduͤrfniſſe gemäß, durchgängige Harmonie. und Ein- helligkeit zu fuchen, mit dem Vermögen, diefe Harmoa nie wirklich zumachen, ausitattet, um. von ihm ihr eignes Vermögen wieder. zur Lehen zu nehmen. — Das Weſentliche biefer Hypotbeſe kommt darauf hinaus. Gott gab der Seele die Denkfraft, Verſtand und Vernunft und den Dingen Wahrheit; Hier durch iſt er der Urheber des Seins und der Erfennt« niß —8 u) *), Das heißt: Gott bildete Die Natur 42) de republ. VI. ©. 11. TUre Tonw Te Try Ay WapIer Tag Yoywecnonas, wa Te Yıyvactarrı 0 dumapme erebdon, vv vu ayadu dam Hudı cu, jur 3 arıruug yanı na: arudeınc, als yermacnspmuc Mer du vu. confer. p: 130. derepubl, ViL -p. 133. Philebus G. a219. N —⸗125 — wam nach, gewiſſen Vernunftbegriffen, Ideen, wodurch er dem Mannichfaltigen (wur, Materie, Unbeſtimm⸗ baren) eine Form gab. Die Vernunft iſt dad Vermo⸗ gen ber Ideen, ober der mwefenslichen Formen. aller Dine ge, welches Gott dem Menfchen gegeben. Wir Finnen alfo vermittelſt unferer Ideen die urfprünglichen Jormen ertennen, welche Gott den Dingen gegeben, ober nach welchen er.fie gebildet hat. Und daher kommt «6, daß die Äußere Natur mis unfern Ideen uͤbereinſtimmt, ober ihnen angemefien if, ob ihnen gleich Fein Gegenſtand vollfommen entfpricht. Daher laͤßt es ſich erflären, daß wir durch die Ideen, ob fie gleich unabhaͤugig von ber Erfahrung find, doch bie Dinge erfennen, wie fie an ſich find. Da ihn einmal ber Bang feines Raͤſonnements anf die Idee eines die Welt bildenden Weſens geführt hatte eines Weſens, welches bie reinfte und hoͤchſte Bernunft ſelbſt war, ſo war es voͤllig conſequent gedacht, daß er annahm, dieſes Weſen muͤſſe bei der Weltbildung nach gewiſſen Vorſtellungen und Regeln der Vernunft han» deln, die an ſich die hoͤchſten alle andere unter ſich ha⸗ ben, und bie alſo Ideen find. Die Gottheit nimmt fie aus fich ſelbſt, fie find die Vorſtellungen der hoͤchſten Vernunft. Diefe urfprünglichen Vorſtellungen, nach welchen Bott .die Welt bildete, ſind alfo fein Muſter, und in Verbindung machen fie bie intelligibile Welt aus, die nicht entſtanden ift, fondern ewig in den göttlichen Verſtande eriflirte, während die fichebare einmal in der Zeit entſtand ). Daß diefe Ideen nichts anders find,: als die urfprünglichen Vorſtellungen ber Gottheit, erhellet bieraus, ‚daß er fagt: Bott iR das vollkommenſte We⸗ fen, und er wollte alles fich ſelbſt fo ähnlich machen, als une 45) Timaens ©. ‚3017-303. —* 34 Yeyımlaner, wpoc ro IX ax⸗e⸗ (magn- dayum) deönpugyuyran . Een 126 Bu “ar möglich ). Alſo iſt dad Mufter, weiches Gore ih Ber fihhtbaren Welt darzuſtellen fuchte, in Gott ſeibſt, es find die Jdeen; die zum Weſen der göttlichen Intelii- gen; gehoͤren; es iſt alsdann einerlei, ob man fagt, Gott - füchte die Welt feinen Ideen, oder. fich felbft abalich zu machen. Die Vernunft in ben endlichen Weſen iſt ebenfalls ein Sefchent der Gottheit. Sie theilte ihnen nehmlich das Vermögen der Idren mit, welche an fich uefpräng- ich nur ale Anlagen in der Seele erithalten find, dan aber durch Betrachtung ber dußern Natur zum klaren und deutlichen Bewußtſein erweckt werben. Denn biefe Ideen, bie jeber menfihlichen Vernunft tbefeutlich find; find eben diefelben Ideen, nach welchen die Gottheit dag elta einrichtete. Fi dieſem Sinne heißt Gott ber Urheber oder Erzeuger dee Fre. Er gab. ber Sede Don jebem Dinge ober von einet Art ber Dinge nur eine Idee (ben Gattunssbegriff );. denn wenn er ihr zwei oder mehrere mitgetheile hätte; ſo wuͤrde über beibe noch ein Begriff fein, bet bie gemeinfamen Merfmale beider zuſammenfaßte; dann wären biefe die Arten und jener bie Gattung, und dieſer nicht jene, die Idee *). Es laͤßt fich alfo daͤraus begreifen, wie eine Idee dielen Individnen einer Art zum Grunde liegt. Denn Gott bildete fie alle nach einer und derſelben Idee. Die Idee ih Bott iſt bag eigentliche Weſen der Dinge, denn durch ſte werden die Dinge, was ſie find; durch bie menſchliche Vernunft wird das Weſen ber Dinge erkaunt, wenn durch die Betrachtung der concketen Dinge bie Idee, weiche $0) Timseus 6. 308. eark bin wide opuaid Iimeedei zugamıyeıa air. Man vergleiche kach Tim. &. 306 31) de republ. VI. G. 119,120, de republ. X. S 236 28}. ss v0 —8 zoneus ’ zum ww 3 aradaven: de smuraı u av augerigm 10 ud 0777 ua u ad LEI EBETTATE —X nz al don: weicht die Gottheit ber Vernunft mitgetheilet hat, anf. gewedt und zum Bewußtſein gebracht wird. Das in der. göttlichen Idee beflimmte Wefen iſt das Ding an Ach, welches alfe auch mittelbar durch bie menfchliche Bernunft erfannt wird. Hieraus bekommt bie Stelle Licht, wo er fagt: die Vernunft (nehmlich in ihren Bes griffen, ben: Jocen) komme bem wahren Wefen der Din» ge am nächften ”). Denn die Idee der Gottheit ift die urfprüngliche Vorfiellung des Dinges, wodurch es ſelbſt feine Bildung bekommt; die Ideen der Menſchen find son dem goͤttlichen Verſtande abgeleitet und fie entſpre⸗ chen dem Weſen der Dinge nur mittelbar und im zweiten Grade. Endlich iR daraus klar, wie jedes Ding Eins und Vieles iſt; Eins nehmlich in Anſehung der Idee, die nur einzig if; Vieles, in Anfehung der pieien con⸗ treten Dinge) weiche nach ber Idee find gebilet worden. Ich kann bier nicht unbemerkt laſſen/ daß bie ganze Lehre von den Ideen ſich auf bie Verſchiedeyheit und den nothwendigen Zuſammenhaug der Beſtandtheile alles Vorſtellens und Erkennens gruͤndet, nehmlich Viel⸗ heit oder Mannich faltigkeit ‚ und Einheit. Plato nennt fie auch das Unbeſtimmte (Beſtimmbare) zwuger, und das Beſtimmende, die Form, Graͤnze, (ware) ) Es fragt ſich hier noch, welche Realitaͤt Plato den Ideen beitgelegt habe.‘ Diefe Frage iſt deswẽgen wich⸗ tig, weil einige Erklaͤrer der Platoniſchen Philoſophie daraus, daß er fie arr=, wirkliche Dinge nennt, und ih⸗ nen werav beilegt, folgerten, daß er fie allein für Subs flanzen und wirkliche Dinge gehalten, und bie Eriftenz allen andern Dingen abgefprochen habe. Diefe Vorſtel⸗ Inngearten werben unten widerlest werben. Ich je delt 20) Rpiftol, VII. ©. 132, 93) Philebus .&, 217,219, 233. — 128 — dele bier nur davon, wie fich Plats die Wealltät ber Ideen gedacht hat. Die Ideen find wirklich, fie haben Realirat, weil fie Begriffe des menſchlichen und göttlichen Verſtan⸗ bed find, und zwar nothiwendige, in dem Wefen dei Verſtandes felbft gegründete Begriffe. Alles was ge⸗ dacht wird, iſt etwas Reales (v); Etwas, das keine Realitaͤt hat, ein Nichts iſt, laͤßt ſich gar nicht denfen. *) Sie find nothwendige Begriffe, ohne welche ber Verſtand gar nichts denken kann. Deſto größer iſt ihre Realitaͤt im logiſchen Sinne. Die Ideen enthalten aber auch zugleich bie Born , das Weſen aller Dinge in der fihtbaren Welt; fie wärben das nicht fein, was fie find, wenn ſie es nicht burch die Ideen waͤren. Daher ihre Realität im metaphyſiſchen Sinne, als Grund Des objektiven Seine der Dinge. In fo fern fie etwas Gedachtes find, haben fie lo⸗ gifche Realität, die aber Plato mit der objeftiven Nealitde vertwechfelt. Denn bad Merkmal eines wirklichen nothwen⸗ digen Seins iſt die Unveränderlichfeit und Beharrlichkeit, ein Merkmal, welches aufdas Denfen und die Gegenſtaͤnde beffelben, : bie reinen Begriffe, und pas denen zum Grunde liegt, am vorzuͤglichſten paßt °*b). Jeder Begriff muß fih auf ein Objekt beziehen, foelcher durch den Begriff vorgeftellt wird. Die Objekte, worauf ſich bie Ideen besichen, find die Sormen, bie bie Gottheit den Denkvermoͤgen felbft eingedruͤckt hat, and welche gleichfam bie Kopien von den goͤttlichen Bes griffen ſind. Eile beziehen fich affo auf etwas Wirkliches in dem Realſten Weſen. Es Er Theaeter. &. 148, 1. 54 b) de republ. IX. &. 267. ra Tu an due bxeueher af ndavaru, na —R KR æuro rocurey Ov naı IV TUT YJıyvousver, —*X evas 601 donti, u To —WB oocu a bryrs, SM AUTO TOIstor xν ww TONTe Yıyınadon) — 129 u Es laße ſich alſo nicht ldugnen, daß ihnen Plata Mealität zuerkannt hat; Ihnen kommt ein reales Sein #8, aber nicht außer einem Verflande, Sie baben Rea⸗ Ität, aber nur Durch einen Verſtand, ber fie denkt, und. befien Formen fie ausmachen. ' Doch es iſt Zeit, daß mir num auch bie Einwuͤrfe und Zweifel, welche Plato ſelbſt und Atiſtoteles gegen dieſes Syſtem vorbringen, kennen lernen, fle werden dazu dienen, die Erklaͤrung, die wir davon gegeben ha⸗ ben, zu beſtaͤtigen. Fuͤr das erſte war Sokrates, oder vielmehr Plato, der den Sokrates zu feinem Repraͤſen⸗ tanten in dem Parmenides gemacht hat, barüber zwei⸗ felhaft , ob dieſe Ideenlehre allgemein fi, ob fich die Ideen Über alles erſtrecken, was fich benfen: laͤßt, oder ob fie einen beſtimmten eingeſchraͤnkten Umfang haben. Daß es eine Idee von der Schoͤnheit, Sittlichkeit, dem Guten u. ſ. w. gebe, ſchlen ihm ausgemacht zu fein, Aber ungewiß war er, ob auch von dem Menſchen, dem Feuer, dem Waſſer u. f- wm. eine der, d. h. eine don ben contreten Dingen unabhängige Form vorhanden ſei. Endlich hielt er es für bedenklich, Ideen von Haa⸗ ren, Koth, und dergleichen niedrigen Dingen anzuneh⸗ men. Er befuͤrchtete, man moͤchte es ungereintt finden, wenn man behauptete, es gebe außer dieſen Dingen in soncreto noch eine beſondere Form oder ein Ding an ſich. Er behauptete daher, dieſe Dinge wären das wirklich, was fie uns durch die finnliche Vorſtellung find, ‚und er ſchraͤnkte die Ideen nur auf die für die Menfchheit as gemein wichtigen Gegenſtaͤnde ein 8. Parmenides ſagt hierauf: Sokrates fei noch ein Neuling und noch nicht ganz mit ber philoſophiſchen Denkungsart bekannt; denn ſonſt wuͤrde er nicht ſo ſeht auf die Meinungen des Volkes achten, und darnach den 45) Parmenides G. 79, 80: N den Werth oder Unwerth der «Dinge beſtimmen y. G iſt ſehr wahrſcheinlich, daß dieſes ein Einwurf war, der dem Plato von einigen gegen ſeine Philoſophie gemacht wurde, und er weißt ihn daher in der Perſon des Par⸗ menides als unphiloſophiſch ab. Denn aus andern Stellen feiner Schriften wiſſen wir, daß er die Ideen nicht allein von moralifchen Gegenſtaͤnden, fondern auch von hpfifchen, gelten lich, und das aus chen demfelben Grunde, weil die Vernunft und ber Verſtand wei vom einander verſchiedene Vermoͤgen find ”,. Wenn man hedenkt, daß die ‚Joten viele Gegner und Vertheidiger fanden, die aber die Ideen in einem verfchiebeneg Sinne nahmen, welches weiter unten Veſtaͤtigung erhalten wird; ſo kann diefer Eintourf ſowohl den erſtern als den lejtern feinen Urſprung verdanken. Die meiſten und betraͤchtlichſten Einwuͤrfe und Zweifel betreffen die Nittheilung der Ideen, oder ihr Verhaͤltniß zu den toucreten Dingen. Alle Gegengruͤnde dieſer Art, wie ſie im Parmenides vorkommen, ſtuͤtzen fich auf den Gedanken, daß fle wirkliche außer dem Ge⸗ muͤth exiſtirende Dinge find. In fo fern fie nun dee Mealgrund von dem Weſen der Dinge fein follen, fo. läßt fich Freilich Feine andere Weife der Mittheilung den⸗ fen, als eine reale Verbindung entweder der ganzett Spore, oder eines Theiles derfelben, 'mit ben toncreten Dingen. Diefe Einwuͤrfe können nicht anders entkraͤf⸗ tet werden ; als wenn bie Ideen nicht‘ für reale Dinge in dieſem Sinne genommeh werden. Und Bas thatauch Plato. Ale diefe Schwierigfeiten verfchminden, ſagt ey wenn Di Ideen nur Bernunftbegrife And, bie nur ia se Parmeniden 6 * 37) Timaeus ©. 347. u um vs mu Sofa —* ur Ivo Yıımı KRrTaRKEın dire Ka)" KUTR TAUTE, araudara .r 4. peν, udy vous haerer, rn R R de 131 ie An der Seele vorhanden find. Die contrefen Dinge ſind wur Kopieen ober Nachbildungen von den Ideen, und du Mittheilung derſelben beſtehet nur in der Aehnlichkeit oder Veraͤhulichung derſelben ). Allein wenn es Begriffe der Vernunft find, ſo muͤſſen ſie doch einen Gegenſtand haben. Dieſer iſt das Bemeinſame, mas in allen Individuen und Arten einer Gattung vorkommt. Wenn man nun behauptet, daB biefe an der Idee Theil haben, ſo inuß man auch anneh⸗ men, daß alle Dinge aus Vernunftbegriffen beftchen, fie Indgen denken, oder nicht denken. Gin Gebänfe, der bie erften Gründe ber Monadologie in ſich enthaͤlt. — Diefe Bolgerungen , fagt Plato, haben feinen Grund. Ich ſtelle mir die Sache fo vor. Die Ideen find gleich. km! die Vorbilder und bie Sfr dir Natur. Wenn bie inge nach Vernunftbegriffen gebildet werden, fo folgt daraus gar nicht," daß fie felbft Vernunftbegriffe ſein müßten ”) Man flehet dlfo, wie Plato alle diefe Ein⸗ wuͤrfe dadurch abmweifet, Haß er die Ideen in einem au⸗ dern Einine nimmt, nehmlich für Vernunftbegriffe, mie wir das oben weitiäufiger erklaͤrt häͤben. Es kommen zwar noch einige Gegengruͤnbe vor, die Plato nicht ſo wie bie übrigen widerleget, fondern fie vielmehr gelten ließ, es fei, daß er ihre Aufloͤſung für unmoͤglich hielt, dder daß er ſich dainit jezt nicht beſchaͤftigen wollte. Allein koͤnnen doch, eben fo wie die übrigen, durch die Be⸗ Rimmuig des Sinne der Ideen widerleget werden. Die⸗ Re fee 38) Parmenides ©. 83. Arız uy ron ul Suarer rvrav ij vonn, zu —Xx ron syyıyyıcdar @r109ı wu due xr Uru yad av iv va eratir ag m AR Ai ET rasxon a vv 3 sAeyero. 59) Ebendaf. &. 84. Ta de uöy savsa, Mara dsavaı Ty Sven Ta de am, TUTOG SOınivar, na stval Spompara. ua Snedıfig Ävrytaz array Yıyradar var alt TN.MAAy TR — 132 — er Umſtand, und der, daß Plato wirklich mweimal dark diefen Begriff Einwuͤrfe entfernet, ift, wie mie duͤnkt, ein ficherer Aufſchluß über feine Ideenphiloſophije. hm waren bie Ideen nichts anders ald die reinen Begrif⸗ fe dee Vernunft, und zwar urſpruͤnglich ber goͤttli⸗ chen, aus welcher die menfchlichen reinen Vernnuftbe⸗ geiffe abſtammten; buch Pe wurden bie Dinge an ſich vorgeftelt. Das durch fie beftimmte Objekt iſt das Ding an ſich, aber nur wie es vorgeſtellt wird; es iſt das Reale, aber nicht außer der Vorſtellung, ſondern in wie fern es vorgeſtellt wird; das Reale, wie es ohne die Bedingung des aͤußern und innern Ginnes gebacht wird. Hiermit ſtimmt fein ganzes Syſtem überein, und vorzüglich der ganze Plan des Parmenides. Wie es aber kam, daß er nicht alle Eigwuͤrfe und Zweifel. widerlegte, " welche gegen die Ideen aufgeſtellt wurden, daß er fein Syſtem von den Ideen nicht vollſtaͤndiger entwickelte, ſondern nur ein paarmal durch Fingerzeige andeutete, und das in einem Dialog, der die Ideen eigentlich zum Gegenſtande Hatte, das kommt daher, daß er hier nur Die Abfiche hatte, zu zeigen, daß die Theorie von dem Ideen dußerft verwickelt fei; daß fle ohne genaue Be⸗ ſtimmung mit vielen Schwierigkeiten und Zweifeln zu Yämpfen habe; daß, ungeachtet aller Schwierigkeiten, ber mienfchliche Verſtand durch feine eignen Geſetze gendihiget iR, ‚eine Theorie über das Eins und dad Viele anzunche men, teil fonft das wiffenfchaftlihe Denfen ganz une möglich iſt *); daß es wirklich eine Theorie giebt, die sit fich felbft und ben Geſetzen bed Verſtandes einſtim⸗ nig 60) Parmenides &. 39. Arm mern, u du ya du au m eddsı EIÖN Tv OvTav Erna, IE Tayın TR I vw ua MAIS roiavrn awoßishac, puds ögımraı uudas drag dnate, vie ödes sap vuyv Biayasav ıf0ı, m av ıdaay Tumoren dnuse up æur v ae cuag, Ru urn au Barıyısdar Ivvapıy Karte» eac⸗ hapdeper. ru vuuru Mer wv peı Bonus nm HRAARYV 6- Iucdm-. m! 133 — mig ih, In dem Philebus wird dieſes Reſultat nur ganz kurz angebeutet; der Parmenides hat bie Abſicht, es deutlicher vor Augen zu legen. Doch wir kehren zu den übrigen Einwuͤrfen im Parmenides zuräcd, Wenn wir auch annehmen, daß dis Ideen die Vor⸗ Bilder ber Ideen find, denen die Dinge nachgebildet find, fo iR alfo zwiſchen beiden eine Aehnlichkeit. Dinge, welche ähnlich find, muͤſſen unter einem Geſchlecht fichen. Alfo muß es einnach hoͤheres Befchlecht geben,unter welchem bie Ideen und bie nach ihnen gebildeten Segenſtaͤnde ſtehen. Und ſo Ing Unendliche fort . Diefer Einwurf fällt nach Pla⸗ tos Bemerkung weg, wenn man annimmt, daß die Ideen nur Begriffe ber Vernunft find, welche nur in der Seele Subſtſtenz haben *), Die: größte Schwierigkeit gegen bie Ideen beſtehet darin, daß, wenn auch ihm Mealitde zugegeben wird, doch ihre Erkeunbarkeit gar fehr in Zweifel su gichen IM. Denn wer vermöge der Ideen antimmt, daß es ein don je⸗ dem Dinge absefonderted unabhaͤngiges Weſen (vum) giebt, muß auch eingeftehen, daß es nicht in unferer m um, (Belt angetroffen werde. Die Dinge an ich, beten Ge⸗ genkände bie Idern And, chen nur in Verbindung und Belebung unter ſich, aber nicht mit ben Dingen un⸗ forer Welt, ihren Nachbilbern; fo wie dieſe nur mic ich fell in Beziehung ſtehen, aber nicht.mit den Ideen. Die Wiſ⸗ ſenſchaft an ch hat bad Ding an ſich zum Gegenſtande, und Die Arten beffelben geben verſchiebene Zweige ber Miffenfchaft an fich. Die menfthliche Wiffenfchaft und ihre Arten bat es mur mit ben Dingen, wie fie in unſerer Welt angetroffen werben, und ihren verfchiebenen Arten zu thun. Das Ding an ſich unb bie verfchichenen Are sen befielben legen außer unferer Welt; fie ſind baber auch fein Gegenſtand einer menfchlichen Wiſſenſchaft ) Die er) Parmenides ©. 44. ’ De 63) Ebendaf. ©. 83. 3 Ebendeſ. ©. 15-17: wer 134 — Diefer Eluwurf gruͤndet ſich wiederum auf die Vbrſtebe lung, daß bie Ideen oder vielmehr ihre Gegenſtaͤnde nicht allein Dinge an ſich find, welches Plato nicht laͤugnete, fondern auch außer dem Vorſtellungsvermoͤgen exiſtiren, welches er nicht annahm. Die burch. bie Ideen beſtimm⸗ ten Gegenſtaͤnde find die Dinge an ſich, aber fie. haben fein anderes Dafein, als nur in der Vernunft. Cie machen bie Berfiandeswelt auß; aber diefe if urfprüng« lich in Gottes Berftand, und, in wie ferne wir der Jdeem . . der Gottheit theilhaftig find, im unferm Vorſtellungs⸗ vermögen. Dit Erfennmiß ber Dinge an fich If alfe. nicht unmoͤglich. Wir erkennen aber dadurch nicht Et⸗ was außer uns, fondern Etwas in uns. Der Sag, daß es an einem beflimmten Zufammenhange-unter ben Ideen und den Dingen unferer Welt fehle, wirb durch die Platonifche Theorie aus feiner Philoſophie ausge fhloffen. Denn nad) derfelben And bie Ideen der Grunh von bem Sein und der Erfennbarfeit ber Dinge. Aug eben dieſen Praͤmiſſen wird, als Einwendung gegen bie Ideen, gefolgert, daß, wenn wir annehmen, daß Gott die volllommenſte Erkinntniß beige, bie Dinge unferer Welt doch nicht für ihn erkeunbar find, weil die been und die Erfcheinungen in gar feiner Verbindung fieben °%, Da bier eben die Sruͤnde And, als bei dem vorigen Einwurfe, fo ergiebt fich ihre Widerlegung Don ſelbſt aus dem Borhingefagten. | Wir wollen jezt noch etwas bei bes Stagiriten Urtheile über die. Ideen verweilen. Diejenigen, welche Die Ideen für Subflangen anfehen, berufen fich haupt⸗ fächlich mit auf Ariſtoteles Erklärungen gegen bie Ideen Ein Mann, fagen fie, von einem folchen Scharffinn, der ſelbſt aus Platos Munde fein Syſtem gehoͤrt hatte, muß es am beſten wiſſen, in welchem Sinne ſein Lehrer Die Ideen nahm. Allein fo richtig dieſes auch au ſich un aM 64) Parmenides ©. 23,19. “ w- 135 — WM. fo darf man doch auch auf ber andern Seite nicht die Echwierigfeiten überfchen, welche dieſer Unterfuchung im Wege ſtehen. Dasjenige Buch, in welchem das Meiſte von den Ideen vorlommt, bie Metaphyſik, iſt aͤußerſt verdorben anf und‘ gekemmen, welches ſchon daraus ethellet, daß das ſtebente Kapitel in bem erſten, und das vierte und fuͤnfte in’ dem zwoͤlften Buche groͤß⸗ tentheils Wort für Wort gleichlautend ſind. Da es ſich aber nicht denken LÄRt, daß cin fo gruͤndlicher Philo⸗ ſoph ich ſeibſt in eben demſelben Werte ſollte abgeſchrieben haben, fo iſt es hochſt wahrſcheinlich, daß die Meta« phyſtk des Ariſtoteles, wie wir fie befigen, ‚eng Samm⸗ lang von mehrern Eompilationen entweder aus den Ari⸗ ſtoteliſchen Schriften ſelbſt, oder aus neuern Schriftſtel⸗ Jern if, Und wenn wir auch dieſen Umſtand wicht in Nechnung bringen wollen, ſo iſt doch aus einigen Stel⸗ Im, klar, daB es zu Nriffgerle iten ſchon mehr ald eine Meinung über das Weſen ber gi deen gab, welche Ariſto⸗ teles beſtreitet, ohne allejeit mit beſtimmten Worten zu ſagen, gegen welche ſeine Einwuͤrfe gerichtet find. Denn, wie er fich, erfläret, hatte die Ideenlehre, nach denf Sinne der erſten Erfinder, nichts mit den Zahlen der Pe - - thagoraͤer zu thun °). An einem andern Orte fagt ers die Hneinigfeit ber Vertheibiger der Zahlen ald Principe iR ein, Beweis von ihrer Srundlofigkeit. Einige machen die mathematiſchen Zahlen allein gu Preincipen der Ein nenweſen, weil fie die Schwierigkeiten einſehen, welche mit den Ideen verknuͤpft find. Andere machten beide Die Ideen und die Zahlen zu Principen, weil ſie die Mög Jichfeit nicht begriffen, 'toie noch Zahlen fein koͤnntem 94 | wenn " 65) Ariſtat. Metsphyf. XII, 4. map: du rar dem mgurev au» vrunara Ta ıdlıay Bekav erıexsmtın, uud EOWATTUgaN wege Tv apıduny Qua, MAX ag UreAaßen eE apa el mem zu var ıdıng Dyearıae u. — 136 we, weun bie Ween nur allein Principe fein ſollten. Derje⸗ nige aber, ber die Ideen zuerſt annahm, treunte aus guten ‚Gründen. die Ideen und die Zahlen ). Noch deutlicher erhellet dleß aus bem erfien Kapitel des zwölf. ten Buche, wa er fast; daß einige bie Zahlen, an⸗ dere die Idten für die. nicht finnlichen Dinge und Die Principe der Erſcheinungen gehalten; einige: bie Zahlen. und. bie Ideen file einerlei, andere für ver⸗ fchieden gehalten haben. Aus biefen Stellen, verbunben mit andern Nachrichten, srgicht ich, baf die Pythago⸗ raͤer die Zahlen, Plato aber die Ideen für die oberften Principe nahm; der leztere unterfchied feine Ideen vom den Zahlen, ſeine erfien. Nachfolger in ber Akademie aber fuchten fie mit einander zu vereinigen. . Die Einwuͤufe und Widerlegungen bes Stagiriten — wenn anders diefe Bücher wirklich, und zwar indes Form, tie wir fie haben, von ihm herrüßren — find gegen alle diefe Meinungen von ben Ideen gerichtet, ohne daß allegeit der Gefichtspunft und die beſtimmte Bedeu⸗ tung angezeigt wird, in welcher fle genommen werben, Hieraus entſtehet natürlich Verwirrung und Dunkelheit, aus welcher nicht leicht die eigenthuͤmliche Meinung des Plato von den uͤbrigen abgeſondert werden kann, zumal ba auch Plato ſchon verſchiedener Erklaͤrungen, und Bes ſtimmungen der Ideen erwaͤhnt. Hierzu kommt noch ein Umſtand, welcher dieſe Unterſuchung gar ſehr erſchwe⸗ ret. Ariſtoteles, oder wer ſonſt der Verfaſſer fein mag, ſtellt einige Gegengruͤnde auf, aus welchen man nicht anders als ſchließen kann, daß er den Plato entweder nicht verſtanden hat, oder nicht verſtehen wollte. Von dieſer Art iſt, wenn er ſagt; es ſei ein leeres Gewaͤſch, wenn man behaupte, die Ideen ſeien die Muſter und Bormen der Dinge. Denn, fragt er, was wirft denn nach « Ibid. XII, ⁊. — 137 — nach den Ideen? ) Eine Frage, welche eine sänzlichke u Unfunde des Platonifchen Syſtems voraus ſejt. Es iſt wahr, alle Sinwuͤrfe gehen darauf hinaut daß bie Idern abgefondette Weſen find, und Ariſtoteles ſagt mit anedruͤcklichen Worten, daß Plato bie Ideen getreunt, ober von bin eimpirifchen Gegenſtaͤnden abge ſondert, eben dadurch aber auch alle bie Einwärfe und Schwierigkeiten verurſacht habe, welche gegen die Ideen möglich waren *). Aber dadurch iſt woch nicht beſtimmt angegeben, daß Plato die Ideen auch hypoſtaſirt habe; Denn das Trennen lann in einem doppelten Sinne ge nommen werben, in einem logifchen und in einem; metu⸗ phyſtſchen; ba in dem erftern Sinnen fo viel heißt, als bie Ideen find Begriffe, welche a priori in dem Vernunft vermdgen find, es feilnun an Ach ober durch Mitthei⸗ lung einer hoͤhern Snteligen. In dem leztern abes exiſtiren fie als objeltiv reale Weſen, außer dem goͤttli⸗ hen und menſchlichen Veruunftuermägen. Alles dieſes dat Ariſtoteles unbeſtimmt gelaſſen. Der eigentliche Scheidepunkt, mo Ariſtoteles und Plato von einandes ſich entfernen, betrift die Frage über ben Urſprung bes Gattungebegriffe, oder de Algemeinen. Nach bem Ariſtoteles entfpringen fie aus der Erfahrung bucch Abe ſtraktion; Plato hielt fie fie reine Begriffe, .. bie ſchon a priori in dem Vorſtelungevermoͤgen angetroffen wer⸗ ben. Das iſt es nun, was Uriſtoteles das Treunenben ' 35 Ideen 67) Metephyſ. I. e. 7. m ds Aryun, napmiuyuare. ara (avrac) BvR a⸗ HETOXEN UOROU T' MANE) SENBASYEN. AfL ng WITaßegnc Asya wergtiung‘ , Te yag Ur vo SEYRüonwerufen . was ıdıng gwoßäene. Metaphyf. Xi, 5. 68) Meraphyf. XI], 9, au mer yap vum uaßesu, um erg „ Iwıruum Außen, wo ds XKupıdiv, mu Tay dummen dexegxey weg mac dag er een nenut, und das fegt nicht. nothwendig tue Hypes flafirung voraus *). . Ungeachtet ed nun mit der Metaphyſtk des Ariſte teles dieſe Bewandniß hat, ſo finden wir dach auch darin manchen wichtigen Beitrag zu der Ideenlehre, weichen ung einiges; Kicht über biefen Theil der Platoniſchen Phi⸗ Iofophie gewaͤhret. Wir wollen hier die vorzuͤglichſten Data sufammenfielien, Plato forſchte mit be Sofran - nach dem. Allgemeinen, nach. dem was allen Dingen einer Battung gemeinſam iſt. Diefe® fand er aber nicht in den Gegenſtaͤnden der Sinne. Denn die allgemeinen Begriffe Definitionen, dpi) Paſſen nicht auf die Era ſcheinungen, welche in beſtaͤndigem Wechſel find. Diefe Dinge Goder die allgemeinen Begriffe) neunte er bie Ideen. Ale Dinge aufer dieſen find die finnlichen, wel« che durch jene beſtimmt werden. :. Denn durch die Sheil« wahmean den Ideen bekommen piele Dinge gleiche Benen⸗ nung mit denfelben. Hierin weicht er von den Pytha⸗ goräern blos den Worten nach ab. Denn. dieſe ſagen, bie Dinge fein Nachahmungen der Zahlen; Plato aber, eine bloße Theilnahme an: hen Zahlen. Was fie aber unter ber Nachahmung und Theilnahme verfianden, Haben fie‘ uneroͤrtert gelaſſen. Außerdem fest er noch gwifchen die finnlichen Dinge und die Ideen die matches matifchen Weſen, welche ſich von dem Sinnlichen da« Kurch, daß fie ewig und unveraͤnderlich; von den Ideen aber, daß ihrer viele einander dbnlich find, unterſchei⸗ Den. . Denn jede Idee iſt am fich nur Eins. — Da die Idee bie Principe ber Dinge find, fo hielt er auch ihre Beſtandtheile Für die Slemente-der Dinge In Ruͤckſicht auf den Stoff fei das Große und Kleine dag Princip; in Anſthung ˖ des Weſens aber (der Form, una) daB Eine. Denn ans jenen feien durch die Theilnehmung wed Eins wie formelien-Jahlen (db. 5. bie metaphyſtſchen Einheiten) Denn das Eins ſei das Weſen Cucım) | wel⸗ . 49) Asiftor. de anima If, 4, = 139 «m welches von dem Dinge an fich Ce) nicht verfchleben fei ”). Uebrigens ſtimmte ex mit den Pythagoraͤern auch darin überein, daß er die Zahlen für die Principe . ger andern Dinge hielt, Die eigne hat er, baß er anftatt des Unendlichen, als einer Einheit, eine Dyasanı nahm, ‚und das Nuenbliche aus dem Großen und Klei⸗ zen beſtehen ließ, Außerdem fester auch bie Zahlen aufe fer der Sinnenwelt, habingegen bie Pythagoraͤer fie für bie Dinge ſelbſt Hielem. ”). Plato nahm alſo nur zwei Principe an, ein formel« les, welches das Weſen der Dinge beſtimmt, und ein materielle für den Stoff derſelben, Die Ideen finb die Urfachen von bem Weſen aller andern Dinge: das Princip aber der Ideen iſt bie Einheit. Der ihnen zum Grunde liegende Stoff it die Dyas, das Große und Kleine, in Anfehung deren die Ideen von den finulichen Dingen, die Einheit aber von den Ideen präbdiciret wird "). Diejenigen Philoſophen, welche bie Ideen zuerſt auffiellten, haben zuedſt etwas deutlicher won dem Weſen der Dinge gehandelt. Denn fie halten bie been, und was in ihnen enthalten ift, nicht für bie Materie in ben finnlichen Dingen, auch nicht für das Princip der Bewegung (vielmehr fir daß Princip der Unverdudere lichkeit und Beharrlichleit); ſondern fie kehaupten, daß his 70) Ich Iefe Hier mit einer Meinen Veränderung re merrus ya dv de una eva, anfattov. Denn nach bem erfien Capi⸗ tel ded zweyten Buches behaupteten die Pothagorder und Plate, das iv und ov fei einerki. ’ 71) Ariſtot. Metaphyf. 1. c.6. 23) Ariſtot. Motaph. 1,6. Ivan ausm am: May MEXSNNSYOR TU TOTER TI ET N TY RATE TUI VAN. 7 VRR UÖHTU TLETIE wrın rar ame, var! cıdaeı za dv war tie Yuan dire pen, nad’ sc Ta uly, ra kev arı ru aic9yrun. vo d’ dv u res aidegı Arzıran OTE ÄUTy dugaası TE HER Ray TA Unger 10 — bie open jedem Dinge fein Weſen geben, wine % ſelbſt von dem ins bekommen ”). Wir koͤnnen Hieraus beſtimmen, Inwiefern Plate der Erfinder der Ideen iſt oder nicht if. Plato ermähnes fchen zwei verfchiebener philofophifchen Syſteme; Nach dem einen waren nur Korper wirkliche Dinge; nad) bem andern erifirten bloß udy, Vorſtellungen. Es fragt ich, was Plato unter dem Ausdruck du verſtan⸗ ‚ ben habe? Da das andere Syſtem dem erfleen, dem Materiallemus entgegen gefest I, fo darf man daran ſchon ſchließen, daß die su das Gegentheil von den koͤrperli⸗ hen oder materielles Dingen find, und alſo unkoͤrperliche geiſtige Weſen bedeuten. Das eine Syſtem erklaͤrte ſich fuͤr den außern Sinn, und hielt die Gegenſtaͤnde im Maume allein für wirklich exiſtirende Dinge, wie die mel ſten Philoſophen vor Ihm gethan hatten. Das andere entgegengeſezte kann alfo kein anderes fein, als welches für die Gegenſtaͤnde des innern Sinnes, ober bie Bor fellungen, bad ausſchließende Präbicat ber Erifienz in Anfpruc nimmt "9. Das eine Soten häelt die Din⸗ ge, inſofern fie angeſchauet werden‘, für bie Din⸗ ge an fih, und die in der ——— vor⸗ fommenden Prädisate für das Weſen derſelben; bier burh ſprach es alen, nicht im Raume erkennba⸗ ren Dingen und Praͤdicaten die Nealiedt ab. Das gweyte hielt die Dinge, in wiefern fie gebacht in | e y3) Ibid. vo de us w una us vw ve, anpac may wiss wwolidune, para V el ra udy um Ta w u; udıqı vıdarr Ayueo. ursyug 6 dA vers ade ze sody na TE 0 vos uber, u’ de renden rw app eu zutun Ymafll- ‚ya Örsrnpfuruen‘ wumBaE Val, Array MmArET um TU 0 uemug sv Gaaır, BAAR TO Ti ya Tıvou ÄnmTE Tu aANE TR ug wagızaran var d ailagı, va dr 70 Sophiltg ©. ‚259,260. Deren für die Dinge’anfich, und die in der Form der Vernuuft beſtimmten Prädicate für das Wefen berfelben, wodurch alle Praͤdicate des aͤußern Sinned, 5 B. Bewegung, Beränderung aufgehoben wurden. Diefes lezte Syſtem kann fein anderes als das Eleatiſche fein; benn bie Py⸗ thagorder laͤugneten die Bewegung keinesweges. Plate war mit beiden unzufrieden. Und fein Syſtem War ver mittelſt der Ideen darauf angelegt, das Irrige in beiden gu enıfernen, und das Wahre zu vereinigen, Die Ideen waren bie eigentlichen Dinge an fich oder die Formen und bie Prädicare derfelben, die finnlichen, ober bie Erſchei⸗ nungen, waren die durch die Ideen beſtimmte Materie. Die Dinge an ſich werden durch die Vernunft erkannt, die Erfcheinungen durch die Sinnlichkeit. - Veiben wurde baburch Mealität zugefpröchen. Dasjenige, was Plate bier us uennt, find alſo Vorftellungen der Bernunft, aber hypoſtaftrt, und daher Feinedweges bie Platon⸗ ſchen Ideen. Nach einer ſehr gewoͤhnlichen Meinung behauptet mar, daf die Ideen Des Plato und bie Zahlen ber Py⸗ thagorder nicht weſentlich, ſondern nur dem Namen nach verſchieden find. Allein da Ariſtoteles oder mer ſonſt der Verf. des erſten Buches der Metaphyſtk it, die Ideen als eine eigene Erfindung des Plato anſiehet Wr da ebeñderſelbe, toie wir oben bemerkt haben, ausdruͤck⸗ lich fagt, daB Plato feine Ideen von den Zahlen unter“ ſchieden habe; da er bie Zahlen nicht ald Principe, ſon⸗ dern vielmehr als von den Ideen abgeleitet und beſtimmt betrachtete ): fo muͤſſen bie Ideen nothwendig von ' den 95) Ariftotel. Metaphyf. 1.1. e. 6. nn u dr mn a npıdyunc wagn va wedywarii wünien, fun me deweg ai Tiuder Wopuıdı, zur dran sılar ubayayy ; dm Tr av von MYus "Hure eis, 76) Ibid, e& anemav Yag u murn naht der Ta udn one vu önn | ' — 142 — den Zaͤhlen verſchieden ſein. Wir haben ſchon in be erſten Bande ©. 270. die Unterſcheidungsmerkmale dans veſtellt. | | Es ift in ber Unterſuchung über bie Ideen des Plato noch ein Punkt übrig, nehmlich bie Widerlegung derjenigen Erflärung der Ideen, vermdge deren fie Sub⸗ fangen fein ſollen. Die Cchwierigfeiten in diefer Cache ruhren hauptfächlic daher, daB Plato fich über dieſen Punkt nicht deutlich und beſtimmt erfläret hat, wodurch es den Neupfatonifetn möglich wurde, ihre Schwaͤrme⸗ seien in Platonifche Ausdrücke einzufleiden, Neuere Gelehrte, vorzüglich Pleffing, fanden es aus chen dem Grunde leicht, durch Ihren Scharffinn und Gelchrfam- keit, diejenigen Stellen, welche bavon hanbeln, fo zu trflären, daß Plato ſich ausdruͤcklich für die Subſtan zialitaͤt der Ideen erfläret zu haben fehlen. Die Gelehr⸗ famfelt, der Scharffinn, die Weitläufigfeit, womit bee leztere alle mögliche Gründe zur Beſtaͤtigung feiner Be⸗ hauptung aufführet, müffen nothwendig jeden Nichtler⸗ ner ber Platoniſchen Philoſophie in Erſtaunen ſetzen; Aind die Vermukhung abdringen, daß man Ihr unmoͤg⸗ lich etwas entgegenfegen koͤnne. Aber auf ber andern Seite ift es auch nicht zu Iäugnen, baß dadurch die ei⸗ gentliche Aufklärung der Sache mehr erfehmeret ale er leichtert worden iſt. Man fichet {ed der ganzen Erfid tung an, daß fie erzwungen iſt, und der große Aufwand son Kunſt, womit Begriffe und Ausdruͤcke fd lange ge brehet werben, bis fie zu der Erflärung, die nicht Ne fültat, föndern vorher aufgefaßte Meinung iſt, yaflen muß mehr dazu dienen, fie verdächtig zu machen, als zu empfehlen. Es iſt nicht möglich, bie Gründe, 1 mit er feine Behauptung unterſtuͤzt, einzeln und Schritt vor Schritt zu prüfen, nicht als wenn es an ſich groß? Mühe foftete, Das Ungegründete und Gezwungene feine Erklaͤrungen ju beiweifen, ſondern weil man ein eigents Duch daruͤber ſchreiben müßte Es iſt ſchou ge we — 143 * wenn ich dieſe Erfläruugsart überhaupt prüfe, amd ich ge, daß fie unmoͤglich Platonifch fein kann. Es iſt mir bei ben Streitigkeiten, welche darüber geführt worden find, immer auffallend geweſen, Daß mar nicht zuvor einen Punft auszumachen fuchte, auf ben alles ankommt; nehmlich die Beflimmung einiger Haupt⸗ begriffe und Hauptfragen. Man ſtreitet daruͤber, ob Plato die Ideen für Subſtanzen gehalten vder nichts und es iſt noch nicht ausgemacht, was Plato für einen Begriff von ber Subftanz hatte, ober mit dem von ben Vertheidigetrn der Subftanzialität der Ideen ange» aonmenen Äberrinflimme oder nicht, oder ob er übers haupt nur den Begriff von Subſtanz mit einiger Be⸗ Rimmtheit entwickelt Babe. Zweitens man ſchließt aus den Ausdrücken uesz, anaı, u, welche den been beigelegt werben, daß ihnen Plato eine Subſiſtenz beigelegt Habe, wie fie nur den Subſtanzen zufommt, ohne daß die Bebeusung diefen Worte, dem platoniſchen Siſtem gemäß, beſtimmt worben iſt. Aus der Unterlaſſung einer fo nothwenbigen Unter⸗ ſuchung if es mir nur allein erflärbar, mie Pleffing. eine Behauptung von dem göttlichen Verſtande aufftellen Eonnte, welche mit feinem Ideenſpſteme in gerabem Mia berfpruche ſtehet. Hier ift die Stelle: „Die Erfenut« „uiß und Gedanken ded menfchlichen Verſtandes beftchri „in Bildern, in Vorſtellungen von ben Objekten, nicht „in.den Objekten ſelbſt: der Verſtand und feine Vorſtel⸗ „lungen find alfo von ben Objekten bed Gedachten, der Exiſtenz nad) verfchiedenund getrennt. Das Erkennen „und die Vorſtellungen felbft aber find vom Verſtande nujertrennlich, und gehoͤren zum Weſen deſſelben. Da „uun aber bie Erkenntniß des goͤttlichen we nicht aus „Bildern und eigentlichen Vorſtellungen, ber Art und „Weiſe gemaͤß, wie fie im menfchlichen Berftande gedacht „werben, beſteht, fondern das Denken beffelben ein un« „mittelbare: Wirken ifi, und jedes Erkennen umd jeder edagle. nicht bloß leere Vorſtellung dis Mbjelts, ſon⸗ dern — 144 — - „dern yuglelch das Objekt ſeibſt ift, fo mußten Die An⸗ „bänger des metaphpfifhen Syſtems, den göttlichen rer, bie don ihm gedachten und gugleich vernrfachten „Gegenſtaͤnde gewiſſermaßen ſelbſt fein laſſen; weil nehm⸗ „lich das Denken zum Weſen des Verſtandes gehoͤrt, und „nicht von ihm getrennt fein kann, fo exiſtirt ber goͤtt⸗ „liche vun — ba er zugleich die Borfiellungen und ihre „Objekte fElbfE unfaße — mit dieſen Objekten von Ewigkeit ber vereinigt, und ſtellt file, als Inhalt feis „nes Denkens, unmittelbar ſelbſt vor. Indem der vu „alſo erkennt und denkt, erkennt und denkt er fich ſelbſt, „weil fein Denken feine frembe Gegenflände, fondern . „lauter Nefaltate aus ihm felbft find: Anſchauen, Den⸗ „ten, und das dazu gehörende Objekt, find unmittelbar „aus feinem Wefen hervorgehende Wirkungen: Mithin „fann er nur fich felbft denfen und erfennen. Es fin- „det alfo eine ewige Vereinigung bed we mit bee intelli⸗ „giblen Materie flatt, welche er von Ewigkeit mit ſei⸗ „nem Lichte — fo wie das Licht ber Sonne, die Mate zrie dieſer Erdenwelt — bucchfirdmt, feine Sornien, "„d.4 feine Gedanken I6r mittheilt, und dadurch wuͤrkliche „Dinge aus ihr’ hervorbringt. Denken und Erkennen iſt alſo „bei dem goͤttlichen ver fo viel als Erzeugen und Hervorbrin⸗ „gen. Beides iſt Eine, mithin das Erkennen und Den- „fen deſſelben, eine unmittelbar wirkende Kraft, welche „durch ihr Denfen and Erfenuen, zugleich den Juhalt „befielden, das Erfennte und Gedachte ſelbſt, von Ewig⸗ „keit ber hervorbringt, und dadurch das immer fortge- „teste Daſein deffelben von Ewigkeit her verurſacht — „Die von Ewigkeit von dem göctlichen re auöfieds „menden Gedanken, welche ih als Formen in „die intelligible Materie druͤcken, und in derſelben als „Subflangen exiſtiren, find suneva, welche Plato Ideen „nennt. Sie werden durch das wuͤrkende Anſchauen „unb Denken des vus twürkliche Objekte, d. i. das Ans vveſchete und Gedachte ſelbſt. Mus dieſer * — — — — — 13 ee nennt fie nlato ueıag, orræ, Qua voura, deve —R B- | „erdeypa.t 7) — Wie koͤnnen dent bie Ideen Sub⸗ ſtanzen fein, bie unabhängig von dem goͤttlichen Ver⸗ Rande exiſtiren, wenn ſie die. Gedanken des göttlichen Verſtandes find? Iſt das nicht die nehmliche Erklaͤ⸗ kung, bie er tolderlegen will, nur mit dem Unterfchiebe; daß ber Yöttliche Verſtand von ber Gottheit getrennt und bupoftafirt, und die eine Unbegreiflichkeit mie einer neuen gepaart wird? j Der Hauptgrund, warum Pleſſing ben Ideen Subftanzialität beileget, berußet Darauf: Plato legt ih⸗ nen bie Praͤdicate sera, und, o» bei, womit, wie dieſer Schriftſteller behauptet, Plato allegeit Subſtanzen be zeichnet ”Y. Allein es ift nicht nur unerwiefen, fondern auch falfch, daß biefe Ausdruͤcke nur allein in diefer Be⸗ Deutung vorfommen. ie haben eine dreifache Beden⸗ tung. Erſtens bedeuten fle fo viel ald das Kein, bie . ſubjektive und objektive Realität, das Erifticen und das Gebachtwerden ”). Zweitens bedeuten fie ein Subjekt, Bas nicht Prädicat eines andern fein kann, eine Sub⸗ flanz. Drittend, den Inbegriff von Präbdicaten, bie zum Begriff eines Objektes wefentlich gehdren , die das Weſen beffelben ausmachen, und in Anfehung deren jedes Ding unseränberlich ift * Dieſe Bedeutungen fäbt au 47) Verſuche pur Auficun der Philoſophle des alteſten Al⸗ erthums. 1 * ©. 33 333 78) Ebendaſ. ©. 117, 118, 119, 123. 79) Sophifte ©, 268. zu: adıday aurin (imesot —XXX węysoe vo TUE UELI KOlveıRV » EXEXVEIEIXC S. 265, ro nıvupiavor Iy Ay gti EEYXuenTeov de ovras Timaeus ©. 349. 80) Cratylus 3.8. ©. 312. u 7 avre rure Fundus dy- sro dnası Tyv urav yanpıpımdı uaı GuAraPRK, ag un ar du* Bas dunsor 6 mm. Ehendaf. ©. 339. Sophifts ©. a63. de republ. 111, G. 248. — — — 16 — auch Ariſtoteles in feiner Metapbyfif an *). Wenn nun Pleffing feine Erklärung von den Ideen Hanptfüch lich darauf gründet, daß Plato unter ze, ewä, ev nı hrs als Subſtanz und Subſtanzialitaͤt verfiche, 'fo faͤut ſchon die Haupiſtuͤtze dieſes Gebäudes zu Hoden. Der Begriff von der Subſtanz wurde erſt durch den Ariſtoteles entwickelt und beſtimmt. Plato giebt Feine beftinnmte Erklärung darüber, und man fann daher nur aus Vergleihung vieler Stellen mit dem Hauptgrund» ſatze feiner Philofophie folgern, mas er fich unter Sub⸗ ſtanz gedacht habe. Mir werden meiter unten in der Metaphyſik zeigen, daß er das Ding an fih, oder das Weſen derfelben , die Idee eines jeden Dinges, inſofern fie die unveränderlichen Merkmale enthaͤlt, welche jedem Begriffe von einem Individuum zum Grunde liegen, darunter verſtanden habe, ohne fie doch ſo zu bypoſtafi⸗ ven , daß die Idee eine Eriftenz außer dem Vorſtellungs⸗ vermögen in fih ſchloß. Ich Fam bier die Beweiſe dieſer Behauptung nicht weitlaͤufig darftellen, weil fie in die. Metaphyſik gehoͤrt. Unterdeffen will ich nur vorläufig dieſes anführen. Diejenigen, welche die Sub⸗ ſtanzialitaͤt der Ideen behaupten, koͤnnen unmdglich in . den iSeift der Platonifchen Philofophie, oder ded Spiri⸗ tualismus, eingedrungen fein, da fie den Ideen eine Bedeutung geben,- die nicht nur mit dem Spiritnalige müs unverträglich, fondern aud) der ausdruͤcklichen Er⸗ lärung des Plato mwiderfpricht: ' Plato unterfheibet uebmlich , wie befannt, drei Arten von Dingen ",. Die eine Art enthält die Ideen, bie zweite die Erfcheinungen, Die.dritte den Dre, Materie, oder die Subjefte Der Dre oder das Subjekt iſt dagjenige, an welchem die Bere änderungen, bie durch die Sinne wahrgenommen wer⸗ den, vorgehen. Die Veraͤnderungen, die an dieſen vor⸗ sı,; Timaeus ©. 348. vorgehen, find die Eiſcheinungen ‚ welche baher immer in etwas (einem Orte) befindlich ſein muͤſſen. Die Ideen ſind dieſe Veraͤnderungen, in ſo ſern ſie gedacht werden. Denn eine Veraͤnderung oder Praͤdicat, in ſo fern es durch die Sinnlichkeit wahrgenommen wird, fegtallegeit etwas aafolutes voraud, welches eben die Idee enthält, Nach diefer Darftelung können die Ideen ſchon nicht | Subſtanzen fein, Indem Sinne, wie fie Pleffing nimmt, weil fie irgenbwo, in einem Raume, außer dem Vorſtel⸗ fenden fein müßten, welches nur auf die Veraͤnderun⸗ gen oder Erſcheinungen paßt. Nachdem Plato diefe Eintheilung vorgetragen; fo erklärt er ſich über diefe Sache noch deutlicher und Beflimmter. Der Ort, bas . Ding im Raume, wird ‚ fagt et, durch dinen unaͤchten Vernunftſchluß erkannt, d. h. durch einen Schluß, der nicht allgemein, ſondern nur in einer gewiſſen Bedeu⸗ tung wahr iſt. Man behauptet nehmlich die Nothwen⸗ digkeit, daß alles, was iſt, irgend an einem Orte feh und einen Raum einnehme, und was nirgends weder auf der Erde noch im Himmel ſei, das ſei gar Nichts. Nur das Bild (die Erſcheinung) muß immer in Etwas fe,n, weil das, woran ſie vorkommt, nicht ihr ange⸗ hoͤrt, ſondern allezeit das Bild eines andern iſt. Nach der richtigen Vernunft find zwei Objekte, inſofern fle dem Begriff nach verfchieden find, zugleich Eins und Zwei, ohne daß eins in dem andern iſt 7) Kann man 8 2 ſich 23) Ebendaſ. S. 348,349. reror Pau yaclre ν zu .. gas aes Pdogav u wagaxeusvon, ddgay du wagexov, ‘ea u. veveniv TREIV, aure de HET’ avascIyueınc AnTev, Aoyıquy Tav⸗ ... wen Koyıs wisov. wgoG 0 d6 was ueex auu⸗ Baexovrec, „N Gası νναανον vu Wu, TO oν deay, syTıyı TO- Eu KA KATEXOV Kugav Tıya Tode uyTs av yo Ayre su nat upavoy, udas sıyas. ravra dewarra, ua va Veray mderta ndı dıpı Tuv avavov ns arydng Dusıy Vraryuen Une TaUTUS Tue wugufeng u dvvareı Yıyvonsda syeg- - > -# . AT — r R 4 - \ o — 14 — fich wohl deutlicher erfläcen? Der Grundfagt allek, was eriftire, muß an einem Drte fein, wird nurauf die Erfcheinungen eingefchränkt. Denn wenn er allgemein gelten follte, fo würde daraus folgen, daß nichts als Körper exiſtirten. Man vergleiche Sophifta S. 259: Diefes war-aber mit dem Platoniſchen Dualismus niche vereinbar, vermoͤge deffen körperliche und unkoͤrperliche Gegenſtaͤnde gleichen Antheil an der Realitaͤt hatten. Wenn die Ideen Subftanzen find, ſo muͤſſen fie irgend» wo an einem Drte fein. Dann find fie aber koͤrperlich, und ein Gegenftand der Anſchauung und Empfindung, weiches den Merfmalen, bie Plato von ben Ideen au⸗ giebt, geradeju widerſpricht. Es iſt gleichviel, wo der Det ſei, den fie einnehmen, ob er diefe Erbe, ober ein anderer Himmelskoͤrper ſei, der viel feiner if, als ums fer Planet; die Kolgerungen werden dadurch In nicht geändert. | rt Man kann hier aber einwenden, Plato rebe ſelbſt von einem Felde der Wahrheit, von einem uͤberhimmli⸗ ſchen Orte, Mmo’die Ideen anzutreffen fein ſollen e), Allein diefe Ausdrücke muͤſſen, zumal in dem Phaͤdrus, allegoriſch erflärt werden, weil die ganze Belchreibung von der Seele eine fortgeſezte Allegorie iſt. Iu bem 6ten und 7ten Buche der Kepublif bedenter bad Wort Tores Zn BE nichts eyagdevrse Suogıkonmen 7’ arndag Adytın, ig sırovı fit, R8- wig ud’ ause vure ag’ I yayavın, daurac tn, Frage da road au Gegery Garracun, dm Tayra av dtspm wesuuneı To Yıy- , verdeu » —XX apucyerug ayraxgeusmy, 9 juder TErnpuead aurav sivoy. vu da vie ovrı Bendoss 3 3 angıfuäg Aoyeg“ de dmg av. rı, vo ev aAlo 1, To ds mA, uderıpey 8y udt« vety more yeyımmany, dv Kun zaurev na de Yanısscder. Dan vergleiche auch Sympolium c.29. 83) Phaedrus X B. ©, 328, 323, 324 de republic., VI. Inms, ian VII, 132 | . Tu \ “ — 749 — nichts anders als den Inbegriff von Gegenſtaͤnden, fo wohl der ſinnlichen (aedure;) als der blos gedenkbaren C(reiroc), und dieſer Ausdruck iſt eben fo wohl zu entſchul⸗ digen, als wenn wir von einer Verſtandeswelt reden. Der Ausdruck zowo; fommt übrigens noch mehreremale bei dem Plato in einer folchen Bedeutung pör, daß man ihn ohne die größte Ungereimtheit nicht woͤrtlich nehmen fann. Ich führe unten einige von diefen Stellen an "*). Wir müffen noch einen Grund prüfen, aus wel- ehem Schulze (de ideis Platonis ©. Ie) vorgäglich bie - Subftanzialitdt dee Ideen folge. Das Schöne an fh, ſagt er, kann nicht angeſchauet werben, wie ein Geſicht, oder wie bie Hände, noch wie ſonſt etwas Koͤr⸗ perliches ; es iſt auch Fein bloßes Wort, noch ein! Wiſſen⸗ fchaft *). So erklärt er bie unten flehenden Worte, und fchließt daraus, daß ihnen Plato nicht eine ſubjek⸗ tive Realität, als bloßen Begriffen, fondern eine obs jeftioe, als außer der Vorſtellung eziftirenden Dingen . beigelegt habe. Allein aus dem Zufammenhange ergicht fich eine andere Erflärung, Plato hatte vorher gezeigt, poie man zur Erkenntniß der urfpränglichen Schoͤnheit ſich erheben koͤnne; nehmlich durch Betrachtung einzel ner ſchoͤner ſichtbarer Gegenſtaͤnde muͤſſe der Geiſt ge⸗ woͤhut werden, bag Schoͤne, welches allen Gegenſtaͤnden | K3 | der 84) Sophifte ©, ay5. d un (ea) uzsddguoxuv 416 —— ru Axꝶ orroę ÖROrEwmoTyTa, Teißy Tpscamroneves ayınc IM TE exorauey Tu TOR zaravoyamı Xaremos — d de ye —XX FU ru oroc as dia Aoyıgpay weoswsuevon cdsa, dm TO Auie- gg auruk zugute, wönpuc auwarıg etdun. Ebendaf. S, 246. us avogor d gogırya Tore naradeduns Verglichen G. 237. . 89) Sympohum c. 29. u} gu davrucdyesras auro To naiey alou EeesnF TI, BOS Xuisıc, Wis @AR0 uiov, X Ouka KR” exer Ude vis Anyoca do TE awısmun. " . / ber Art gemein ift, zu umfaffen. Mon biefer Betrach⸗ fung müffe er von einer Wiffenfchaft zur andern überge ben, damit der Geſichtskreis des Geiſtes nicht verenget werde, menn er fich ſclaviſch an den Genuß einer einji- gen gewoͤhne, fondern damit er alles Schoͤne auf dem großeh Selde der Wiffenfchaften und Kenntniffe kennen lerne. Durch diefe Uebungen geftärft und erweitert, ſei man im Stande, eine Wiffenfchaft zu faffen, welche das Schöne felbft zum Gegenſtande habe. Er beflimmt bar auf, worin dieſes Schöne beftehe, welches allen andern fchönen Gegenftänden zum Grunde lieget, und babe von allen denfelben unterfchieben if, Aug dem Grunde, fagt er, kann e8 weder ein burch die äußere Anfchauung wahrgenommener Gegenftand, noch auch irgend ein Produft des Beiftes fein. Man kann eben fo wenig ſa⸗ gen, dieſes Geficht, fei ed auch bag fchönfte, als diefe Rede, oder dieſe Wiſſenſchaft, ift die Schönheit ſelbſt. Es giebt eine Idee won dem Schönen, das von allen Gegenftänden abgefondert iſt, aber ihnen allen zum Grunde liege. Die Idee iſt unfteeitig ein Begriff, aber der Gegenfland befielben, das Schöne, ift fein Begriff: Wir wollen jest noch einige Gruͤnde aus dem Plato darſtellen, aus welchen fi bie Grundlofigfeit ber Ideen · Subſtanzen darthun laͤßt. Nachdem er bag ma terialiſtiſche und das ſpiritualiſtiſche Syſtem angefuͤhrt hatte, ſo ſucht er die Falſchheit des erſtern auf folgende Weiſe zu beweiſen. Man muß eingeſtehen, ſagt er, daß es beſeelte Weſen giebt, und daß alſo die Seele etwas wirkliches iſt. Nun find aber einige Seelen gereccht (fittlich), andere ungerecht, einige weiſe, andere unweiſe. . Beides, find und werden fie nur durch den Belig oder bie Gegenwart ber Gerechtigfelt und Weisheit. Diele müffen aber doc) etwas fein, da fie vorhanden fein und fehlen Ednnen. Da alfo Gerechtigkeit, Weisheit und bie übrigen Tugenden und ihr Begentheil etwas Wirkli⸗ ches iſt, und auch die Seele, in twelcher jene vorhanden find ' find, fo frage ich fie, ob fie diefe Objekte für Achtkar oder unfichtbar halten? *%) Plato behzupret alfo in: Diefer Stelle, daß Gerechtigkeit, Weisheit und ale Tu- genden unfichtbare Objekte find. Das Unfichtbarfein : ser bie Unkoͤrperlichkeit find die Prädicate, unter welchen er die Ideen vorſtellt ”,, Sind es denn nun aber Sub- flanzen? Wie koͤnnen fit denn in der Secle, oder mie fönnen in einer Subſtanz mehrere fen? Man fiehet alfo, daß er jedem Objekte, infofern ed gedacht wird, Realitaͤt beileget, aber darum feine fubftangielle, Eben diefe Wahrheit fpringt in die Augen, wenn man ben Sat gergliedert, daß der Verfiand, Weisheit, Wiſſenſchaft nur in einer Seele fein Finnen *). Den da es von allen Dingen eine Idee geben muß, ſo müßte, nach dem Sinn des Pleſſing, der Berftand Hetrenntund abgefondert von allen andern Dingen exiſtiren. Sonft waͤre er feine Subſtanz. Wie fann er aber eine Sub» flanz fein, wenn er, tie Plato behauptet, nothwendig & der Seele, dag heißt, in einem Subjekte fein muß? ann er dann noch etwas anders fein, als cin Prädicat, ein Vermoͤgen, ober eine Kraft diefes Subjekts? Plato bat fich Hier fo ftarf ausgedrückt, und den Sag ohne alle Einfchränfung aufarftelt, daß gar feine Einwendung ober Ausflucht moͤglich if. 84 | Ehen 86) Suphifta ©. 26T. Leyc w Inemso@vng nu dewingsus 0 TUC GAAyG ROSTUC, KA TRY EVAYTIaV, DM Öy Ka WUXuc, 8V Tavræ syyıyaraı, Korigov Ögarın nu KAT ae Qaeı TI æurur 4 TEVTE MORTE} , 87) Timaeus ©. 348. Politicus S. 65. 89) Philebus ©. 248. eoQıa uw na vus avsv Vuxyc un m zors yaısdıw. Timaeus ©. 305,336 und 316. vus m= Zuuy re = vuru dee dTav oa) ayyıyyasloy, av KOT vie aure MA mA yuXw ey. Ta HmrA0U y T' Ban tucsen. 8 — , 152 — Eben dieſe Ungereimtheit wuͤrde in der Stelle lie⸗ gen, wo er ſagt: So viel Ideen der göttliche Verſtand in dem, was ein Thier iſt, unterfcheidet, eben fo viele Arten derfelben wollte er wirklich machen”). Denn, weil das Zuov felbft eine Idee iſt, fo müßte eine Idee andere Ideen oder eine Subflanz andere Subſtanzen enthalten, Welches gewiß feinen vernünftigen Siun giebt. Ueberhaupt wäre es Fein fehr philofophifches Sy⸗ flem, wenn man bie Ideen in biefem Sinne nehmen wollte, und es erfodett eine ungeheure Einbildungsfraft, fich vorzuftellen, daß das Gute, Schöne, Tugend, Ge rechtigkeit, das Große und Kleine, das Gleiche und lin gleiche, ferner dad Wefen, das Sein, bie Eriftenz und fo fort Subftangen fein foflen, die nicht etwa an und in einem andern Dinge, beffen Symbol oder Schema fie fein fönuten, fondern unabhängig, abfolut und für ſich eriftiren ſollen. Subflangen, die das Allgemeine der Arten und Individuen enthalten, ‘und doch ſelbſt Indi⸗ viduen find. Alſo ein Triangel, dee die gemeinfgmen Merkmale der recht « fchief-und ſpitzwinklichten Triangch in ſich ſchließt, ſubſiſtirend als Individuum, und doch weder ein recht⸗ noch ſchief⸗ noch ſpitzwinklichter Trian gel iſt? Dieſes Syſtem widerſpricht auch noch anben Grundſaͤtzen der Platoniſchen Philoſophie. Plato ſtellt die Ideen als unveraͤnderlich und ewig auf; nach Pleſ⸗ fing find fie entſtanden, und dennoch ewig. Aber Plato behauptet, daß beide Präpicate, einander ausfchlide fen *). Peffing nimmt bei Widerlegung der entgegen geſezten Theorie.immer als ausgemacht an, baß Plata dem Sinnenwefen alle Ezifteug und Realitaͤt abgefprecn R a e 39) Timaeus ©, 322. reg wu vugevusae dans au dar lu olas va aveımı non oamı, nuFopg, TURuTaG nu Togayıa: DIT yoydy dev yon Tols eyen. . 90) Timseus G. 399-302, 317, 1139 348, ee 153 — Habe *). Und doch ſollen fie durch die Mittheilung ber allerrealſten Dinge entſtanden ſein. Wenn alſo jene: Behauptung wahr iſt, fo kann auch durch die Mitthei⸗ Iung der Ideen nichts entfiehen, weil basjenige, dem fie mitgetheilt werden ſollen, feine Mealität beſizt. Gleichwohl handelt er von dieſer Verbindung ale von eie ner realen Vereinigung. Es ift auch ganz falſch, daß Plato den Sinnenweſen alle Realität abgefprochen habe, Das Gegentheil erbellet klar aus ber Widerlegung dee Spiritualismus in dem Sophiften, und aus ber Stelle, mo er faget, daß die Eriftenz Realität ua ein Prädicat fe, welches fih mit Ruhe und Bewegung vereinigen fe”). | wm Ein Syſtem, beffen Grundſatz an fich ungeheuer, und durch nichts als erfünftelee und eijpiunsene Ertlde "rungen aus den Platonifchen Schrifterf Beglaubiget wer⸗ ben faun; ein Syſtem, das felbft bei einem Hauptpunfte dem Grundfaße ungetreu wird; ein Syſtem, woruͤber fi) Plato gar nicht beſtimmt erklärt Hat, welches aber durch viele Behauptungen umgeftoßen wird; ein folche® Gpftem kann nicht wahr fein, Wir hoffen, unpare theiifche Eefer werden ich davon noch mehr überzeugen, wenn fie das Spflem, welches wir in der Folge aus dem Plato felbft ungezwungen herleiten wollen, mit jenen verglichen und gefunden haben werden, daß es von jenen Sehlern frei, Einheit und Zufammensang mit fi und der ganzen Platonifchen Philoſophie gemährer. Die Ideen find alfo nichts anders, als bie Ver⸗ nunftbegriffe, welche Blato für rein und unabhängig son der Erfahrung bielt; und bie dadurch beflimmten Segenftände find die Dinge an ſich, welche allen Erfah⸗ gungsgegenftänden zum Grunde liegen. 85 Drit⸗ 91) Verſuche zur Aufklaͤrung. ©. 147 f 22) Sophiſta S. 262,263, 268, — 154 — | Drittes Kapitel ueber den Begriff des Plato vom Vorſtellungevermoͤgen. Ungeachtet: Plato noch nicht fo glücklich geweſen war, die zwei Sormen der Borftellungen, die auch bie urfprünglichen Beſtandtheile verfeiben ausmachen, zuer- fernen, und-fie nach beſtimmten Merfmalen zu unten fcheiden, fo finden fih doch einige Spuren, wie wir oben bemerkten, daß er fle in einiger Ferne mahrgenom« men, und fie bei feinem Philoſophiren, obgleich nicht als Formen ber Borftelungen, gebraucht hat. Einheit und Vielheit oder Mannichfaltigfeit, welche unzertrenn⸗ Jiche Merkmale der Begriffe find *), machen wirklich die Grundlage feiner ganzen Philoſophie aus, und fie find das Fundament der Eintheilung des Vorſtellungsvermö⸗ gens in das finnfihe und vernänftige, Die Unterfcheis dung bdiefer beiden Arten bee Vorſtellens, und die Ent⸗ wickelung ihrer naͤhern Merkmale, iſt auch das Einzige, was der Philofoph der Academie über das Vorftellunge. vermoͤgen gedacht hat. Bevor bie einzelnen Arten des Vorftellend noch nicht unterfucht waren, war es nicht möglih, über den Begriff und die Merf- ‚male des Vorfiellungsvermdgens üherhaupt nachzu⸗ denfen, und bie Merfmale, bie beiden Arien des Vorſtellens gemeinichaftlich find, Fonnten nicht eher zer gliebert werden, bis die befonbern Cigenfchaften beider erörtert waren, Das hoͤchſte Gefchlecht der Ideen oder.der Ber nunftbeariffe ift Einheit, und diefe ift alfo der Charafter, welcher allen Vernunftbegriffen gemeinſam iſt )y. Die seen enthalten die oherſten Geſchlechtsmerkmale, 8* wel⸗ 1) Philebus G. 217. a) Ariſtoteles Metaph. I. c. 6. ra yap aıdy ru rı em arg Teig MAAIIG , TU S niösgi TO dv * welchen alle Arten und Individuen eines Geſchlechts ſte⸗ hen. Weil diefelden allgemein find und für die ganze Sphaͤre eines Begriffs gelten, fo ift es möglich, fie uns ter ein Geſchlecht zugählen. Alle Begenftände, welchen gemeinfame Merkmale zufommen, werden in bem Ges fihtöpunkt der Vernunft für Eins oder identifch angeſe⸗ hen. Die Vernunft iſt alſo das Vermoͤgen der Einheit, und ſie beſtimmt durch die Ideen, ihre Begriffe, die Ein⸗ heit in allen Gegenſtaͤnden, welche ſie denkt. Das hoͤchſte Geſchlecht der finnlichen Vorſtellungen iſt die Vielheit, Mannichfaltigkeit. Denn durch ſie er⸗ fahren wir das Einzelne, das Verſchiedene, welches ohne Mannichfaltigfeit nicht fein fann ?). Die Man« nichfaltigfeie und Unendlichkeit betrachtet er ausdrücklich als die Form der Gefühle uud Empfindungen, 3.3. von Hitze und Kälte, Luſt und Unluft *). Diefe Eintheilung gründet fi) zum Theil auf feine tranfcendentalen Srundfäge von Bilbung der Welt, aber diefe beziehen ſich wieder auf die, wiewohl nicht deutlich twahrgenommene Unterfcheidung der Formen der Vorftele lungen, Einheit und Vielheit. Eben fo wie der Etoff hei den Vorſtellungen dem Gemüthe gegeben wird, an welchem es die Zorm, die ihm eigentbümlich angehoͤret, hervorbringt: eben fo realifirce Gott an der Materie ber Melt, die er nicht hervorbringt, fondern als fhon vor⸗ handen nimmt, die Gormen ber Dinge, welches feine Begriffe find, und bildete aus beiden die Dinge, welche die Welt ausmachen °). Da die Vorſtellungen ber Sinnlichkeit und der Vernunft durch ihre Merkmale ganz von einander vers. fchieben find, fo ift auch dag Vorftellungsvermdgen von zweierlei Art, ein finnliche® und ein vernünftiges, welche er 3) Thezer. ©. 141. 4) Philebus ©. 234,235. $) Philebus &. 233, 234,240, 241, ' — 156 — er auch mit ber Benennung, das Unvernuͤnftige und Vernuͤnftige ber Seele bezeichnet °), Fuͤr beide zuſam mengenommen gab es noch feine Benennung, aus bem natürlichen Grunde, meil die beiden gemeinfamen Merf: male noch nicht in einem Begriff gufammengefaßt waren. Er unterfcheidet e8 von den andern Vermoͤgen nur durch ben Nusbrud, das, modurd wir efwas lernen, d Bardavopner '), Das finnliche Vorſtellungsbermoͤgen bat Plato bei weitem nicht fo aufmerkſam unterfucht, ale dad ver⸗ nünftige, welches fich einigermaßen aus ber Beſchaffen⸗ heit feiner Philoſophie, daß fie intelektuel ift, erklären läßt. Auch war ber richtige beſtimmte Begriff von ber Sinnlichkeit nicht möglich, . weil die _urfprünglichen Mertmale der Vorſtellung überhaupt ſowohl, als die befondern ber finnlichen Vorſtellung noch nicht erkannt . „Waren. Er gieng von der Reflexion über die fünf Sinne aus. Wir ſtellen und Gegenftände durch das Auge, dab Ohr u. ſ. w. vor, und nennen alle diefe Vorſtellungen Empfindungen und Anſchauungen wine. Alſo muͤſ⸗ ſen ſie doch alle etwas Gemeinſchaftliches haben, und ein Vermoͤgen vorausſetzen, durch welches ſie entſtehen. Und das iſt das Empfindungsvermoͤgen, die Sinnlich⸗ keit, ber Sinn, ucduere "). Plato war alſo fo weit gekom⸗ men, daß er bie Sinnlichkeit nicht allein von dem Ver⸗ fiande, fondern auch von der Drganifation unterfchieb. Er erfobert zwar zur Erzeugung der finnlichen Vorſtel⸗ lungen auch einen Beitrag vom Körper, aber auch, und | zwar 6) de republic. x. ©, 3%. 7) de republ, IX. &. 258, 260. %) Theaetet. G. 139. danor yap a u wer Twıc er duch dere er dugning Inwarg, wic9yaric eynadyırn, MArR u 0a av Tıya ıdsav, sıra yuxuv., urs 6 du xaAın , warın TavTd Terre u da vuruu oloy eoyaıpı aıs9avpueta den axdura: u’ — zwar vorgliglich die Mitwirkung der Seele, ober des ch gentlichen finnlichen Vorſtellungsvermoͤgens“). Viel⸗ Teicht laͤßt fi) der Antheil der Drganifation und ver Seele beflimmter angeben, wenn wir die wenigen Aeufs fecungen darüber, die fich bei dem Plato vorfinden, zu⸗ fammenitelen. Die empfindlichen und beweglichen Theile des Koͤr⸗ pers theilen auch eine leiſe Ruͤhrung den benachbarten Theilen mit, indem ſie dieſelben auf die nehmliche Weiſe afficiren, bis dieſe Eindruͤcke zu dem Sitz der Seele (ro Hemer) gelangen, und gleichſam die Wirkung bes ‘Afficirenden verfündigen. Die weniger beweglichen und feften Theile werben nur allein affıciret, ohne daß fie dent Eindruck auf andere Theile Übertragen. Die Veraͤnde⸗ rung bleibt bei Ihnen fiehen, und das Subjekt erhält feine Empfindung "). Die Gegenftände, welche auf das Gemuͤth wirken, druͤcken gleichfam Bilder von fich ab. (möwsa, exuayua) "). Die Begenflände afficiten es gentlich zuerſt nur koͤrperliche Theile; dieſe Eindruͤcke beißen wednuara; wenn fie dann vonder Seele aufgenom⸗ men werden, fo entfliehen eigentlich erſt die Bilder, oder Abbildungen der Dinge. Bildlich ſtellt ſich Plato dieſes fo vor. . Er denfe fich gleichfam einen Schreiber , wel cher bie Eindrücke abeopiere und fie in das Gemuͤth fchreie bes und je nachdem der Schreiber richtig ober fall) ſchreibet, entficben daraus wahre oder falfche Vorſtel⸗ lungen und Urtheile. Es fragt fih, was Plate unter dieſem Schreiber verflanten babe? Nichts/ anders als die Receptiditaͤt, welche ben Stoff der Vorſtellungen aufnimmt und aufbetwahret, oder wie er fagtt, das Gedaͤchtniß, welches mie dem Ginne vereiniget IR, Das Gedaͤchtniß iſt aber das Vermögen, dis Vorſtellun⸗ 9) Philebus @. 254,235, 30) Timaeus ©. 375. 33) Theset. ©. 165,164, 154, 136. / — iss — hen auf ubewahren; folglich -ift der Sinn adyerc, 1ie das Wort hier genommen wird, nichts andere, als Das Vermögen, die Vorſtellungen, oder richtiger, die Ein⸗ drücke von Außen aufsuuchmen ny. Man kann hieraus ſchließen, daß Plato den Koͤrper bei Erzeugung der ſinn⸗ lichen Vorſtellungen nur als Vehikel oder Werkzeug be⸗ trachtet, durch welches die Eindrücke und Abbildungen der äußern Gegenſtaͤnde an die Neceptivität des Gcmüs thes gelangen. In dem Gemuͤthe gehet die eigentliche Veraͤnderung vor, durch weiche ein Eindtuck zur Vor⸗ ſtellung gemacht wird, und ohne dieſe iſt das Gemuͤth vorſtellungs⸗ und enipfindungslos ”). Das ſinnliche Vorſtellungsvermoͤgen iſt alſo das Vermoͤgen, die durch den Koͤrper oder die Organiſation bis zur Seele gelan⸗ genden Eindruͤcke aufzunehmen, und daraus finnliche Vorſtellungen, bie er Bilder nenne‘, (etxovec, sıdwrz, en- paysız, enasıa) ju erjeugen '*), oder mit andern Wor⸗ ten, es iſt das Vermögen, vermittelt bed Körpers affie cirt gu werden; denn eine finnliche Vorftelluhg ift die ' doppelte und gemeinfchaftliche Beränderung dee Koͤrpers und der Seele '"*b). Nach diefen Begriffen (heine es, ald wenn Plate die Sinnlichfeit blos auf das Vermögen des dußern Sinnes eingefchräuft Habe: Man kann freilich nicht anders als fo denfen, wenn man nur allein die beſtimm⸗ ten und deutlichen Aeußerungen darüber vor Augen bat: = Unters 2) Philebus S. a65, 255. 13) Philebus &. 255. oͤrar aradyc av ( dumm ) ae) TU ONLY TRY TE EHKRTOG, FI vuy Aydyy Ras, aıc9y- Fiavy EROVOKAC. 14) de republic. X. ®&. 304. 14b) Philebus &, 255. se du wade vw , Verzie ha yo Fmpanenvg Yeyvonsvayı. Keiry zog Kıvkicdoy, TauTüv TUV RUE wonaduy aısducıv, un ano reema HIeyya an tinterdeffen finden fich doch auch einige Gedanken, welche er nur im Vorbeigehen dußert, woraus erhellet, daß er auch Kenntniß von dem. innern Sinn hatte. Man kann diefed fchon daraus fchliehen, daß, er eine gedop⸗ pelte Kenntniß von ber Seele annimmt, eine empirifche, wie wir ſie durch die Sinnlichkeit fennen, und eine reis ne, inmieferne wir fie blos denken ”). Aber noch mehr, . er kennet ein Afficirtwerden von Innen, wenn das Denke vermögen auf die Sinnlichkeit wirfet, und dadurch eine finnliche Borftelung, ein Bild von dem Gedanfen erzeu⸗ get *). Da er endlich außer den Vorftelungen der aͤuſ⸗ fern Sinne, außer den Empfindungen der Luft. und Uns - luft, noch mehrerer finnlichen Vorftelungen gebenfel, - toelche Feine befondere Benennung. haben, fo fann man sicht anders , ald fchließen, er. müfe auch innere finn« liche Borftelungen gefannt, und die Einnlichfeit niche allein auf den äußern Sinn eingefchränft haben ”). Da - aber die Borftelungen des dußern Sinnes befannt und unter Klaffen gebracht waren, welches bei denen des in⸗ nern Sinnes noch nicht gefchehen war; da «8 an bem Merkmal. der Sinnlichkeit überhaupt, und des innern und äußern beſonders gebrach: fo kam es, baßerfeinen = Begriff 15) de republ.X. ©. 316,317. 16) Theaetet. &. 154, 155, Jade ray eure Bupıv sıvoy Tye zuv Mucav uereog Myyposinyc » Roy 86 TUT0, dr Burye Baus HYUBOVEUY ou 5 .v av sdjLev ) RRURMEV, Y ayTO Byvoh“- GAHEV, UheZeırıc aUTE Taıc MISIyEseı Kai OVHORIE, MOTD- wucdun Aczıg daxsvrmy UyKun SVORKMTOLEVEL, Ku 6 ey wu nuayy, KYyMOYSUev TE Roy ORISaSdeu: Eng u BUy TO &- ÖmAcv MUTE. 37) Theset.-&. 77. al ev ur mıc9yese ra Tode juv exuem gyus«ra, aeg Ta nas ano mas 05poHsre, nu νννα Ta ng naustic, x Mdoveı Ya öy nu Aus, op sm dunm Ku Doßes MurAufevog" N AA, AEIGRYTO KEY l AYSYUHO, FAMAy- Ip, di nYoR@chHErm. — Iso — — Begriff verengete, und den Innern Stu bon ber Sinn uchkeit ausgufchließen ſchien. Die Sinnlichkeit wird unter dem Bilde einer waͤch⸗ fernen Tafel vorgeſtellt, worin die Eindruͤcke von ben Gegenftänden abgedruckt, und die Borftelungen aufbes wahret werden *). Man würde ſich aber fehr irren, wenn man glauben follte, es fei bad was andere, als Bildliche Vorſtellung/ wofuͤr fie Plato ſelbſt nur aus⸗ giebt. | Die Form der Sinnlichkeit, infofern Re den Stoff zu Vorſtellungen empfängt, die Vielheit oder Mannich⸗ faltigkeit, war dem Plato nicht ganz entgangen; nur daß er fie mehr als einen Beflandtheil der Gegenſtaͤnde ber Sinnlichkeit, als in ber Eigenſchaft der Form der Receptivitaͤt erkannte. Hierin iſt eben der Grund ent⸗ halten, waͤrum er beider Weltbildung eine urſpruͤngliche Materie annahm, die nicht entſtanden, und durch bie Gottheit nach den Ideen gebildet wurde; er feßt ihr We⸗ fen in bem Großen und Kleinen, - oder vielmehr, tie wir unten fehe werben; in ber unbeflimmeen Viel⸗ beit ”). Aus diefem Grunde fichet er die Unendlichkeit (des Grades) als die Form der Empfindungen at, vet⸗ möge deren fein Brad ,der Eleinfte noch ber größte iR, und bie Vielheit in Anfehung der ausgedehnten Größe ale ‚bie Form der dußern Anfchauungen ”) Weil aber Plato die Sinnlichkeit nur auf die Vorftelung des Ver⸗ änberlichen und Wandelbaren einſchraͤnkke, worin er auch Recht that, infoferne er fich blog empiriſche Anſchauun⸗ gen dabei dachte, wär es ihm nicht möglich, in dem ; Vermögen der Sinnlichkeit etdas Beſtaͤndiges und Blei⸗ bendes wahrzunehmen. Und daher kommt es, daß et bie 18) Theset. &. 15. | 29) Ariltotel Metaphyf. I. c. & Philebus S. 233 m ‚ 20) Phileb. ©. 334.345 de republ X. ©. 3. VI 345,147. das Denkvermögen begreift zwei Vermoden in ſi fi ben 1 — bi mathematiſcheũ Begriffe und Saͤte aus dem Beil Rande, oder vielmehr einem eignen Berflantesvermögen äbleitete. | Dutch) die Sinnlichkeit wird nie allein dad Ein⸗ jelne, Veraͤnberliche und Wandelbare vorgeſtellt, das dem Gemuͤthe vermoͤg bee Eindtuͤcke auf förperliche Organe gegeben wird "): Beni ihati alle bie bisher atigeführten Merkmale von ber Sinnlichkeit zuſammen⸗ faßt, fo erhalten si fotgenden Vegriff: Das ſinnliche Vorſtel — geh iſt das Vermoͤgen vermoͤge der durch Förperliche Organe hervorgebraͤchten Eine druͤcke und Veraͤnberungen das Eutzelne, Beſon⸗ dere und Veraͤnderliche wahrzunehmen.So muſ⸗ few tie es zum wenigſen dem Platoniſchan Syſtem ge⸗ maͤß 5 — bett die noch nicht geſchehene Unter⸗ ſcheidung en Form nd Gioff der Vorſtellungen hinderte ger H zu beuterkei; Daß durch die Ginnlichteie hiches weiter als der Stoff gu Vorſtellutigen gellefere wied; er überfah den Antheil der —— an den wirklichen finnlichen Vorſtellungen, burch welche ber ge gebene Stoff erſt zur Vprfiellung erhoben wirß Denn ob. er gleich auch eine gewiſſe Thätigfels des Börftellunges vermogens Bei dieſen Vorſtellungen auzuurbmen fcheint, z. B. wenn er das ſinuliche Böhftellungsveriidgen mit aindill Schreiber vergleichet, ſo findet ſich boch hicht ein beſtimmter Begriff Bande in feinen Gi riften. Inſoſerne es alſo am deutlichen Beſtinmuugen fehlt; thut man ihm im der That nicht Untecht, wenn Inge: behauptet, er Habe der Receptinitaͤt nicht ben Geoff, ſondern Vorſtel⸗ jungen gegeberi werben laſſen. Das verftändige Vorfiellimgenermögen über . er⸗ 221) Republ x. S. 298,299. These. e. 141. Timaeud . 308, 302. | R: I \ — 163 / Berftand und bie Vernunft, (Have Hub ateacx obet suc). Wir haben in dem zweiten Kapitel, gezeigt, daß . Plato die Vorfielungen des Verſtandes in weiterer Bes deutung in bie des Verſtandes im engerer Bebeutung und die der Vernunft eintheilte. Da die Begriffe des Verſtandes, welche fich auf Mathematik bezichen, weder aus derjSinn⸗ lichkeit noch aus der Vernunft abgeleitet werden koͤnnen, ſo iſt es wahrſcheinlich, daß er fuͤr ſie ein eignes Ver⸗ mögen angenommen hat. Denn dieſe Vorſtellungen ent halten etwas Allgemeines, was aus ber Sinnlichteit nicht entſpringen kann; fie ſind nothwendig und under⸗ Anderlich, welches die ſinnlichen Vorſtellungen nicht ſiub. Auch das Faktum, daß ſie aus dem Bewußtſein ohne voerhergegangene Erfahrung entwickelt werden koͤnnen, ſtreitet mit dem empiriſchen Urfpeunge. Sie muͤſſen al⸗ ſo, wie die Ideen, angebohren ſein, und in dem Ver⸗ ſtandesdermoͤgen unabhaͤngig von Erfahrung vorhanden ſein. Aber auf der andern Seite koͤnnen ſie, wegen ihrer ſpeciſtſchen Verſchiedenheit von den Ideen, nicht zu dem kehmlichen Vermoͤgen gehoͤren. Welches aber dieſes Vermoͤgen ſei, daruͤber hat er, wie es ſcheint, keine weitere Unterſuchung angeſtellt. Die Eintheilung des Verſtandesvermoͤgens in Verſtand und Vernunft, Inavese, 'Serrneit, beziehet ſich nicht auf den Urſprung dieſer Vor⸗ flellungen, ſondern auf die Bearbeitung derſelben. Ben hier aber eine Analogie ſtatt finden darf, fo iſt ed wahr⸗ ſcheinlich, daß er den Inbegriff von ben mathematiſchen Begriffen für den leidenden Verſtand (wenn Ich tine Be nennung von bem Ariſtoteles bier brauchen darf), und Bad Vermögen, durch welches -fle entwickelt werben, Fe den thätigen Verſtand gehnften Habe. Er dachte Sich auf eben die Art eine boppelte Vernunft, wie wir gleich hernach fehen werden. Aus eben benfelben Gründen leitete ce die Ideen aus einem eignen Bermögen ab, In welchen fie unab⸗ boaͤngis ‚v y = 13 — bängig don aller Erfahrung anzutreffen wären, und durch wirkliches Denfen zum klären und deutlichen Bea wußtſein entwickelt wurden. Dia die Merkmale ber Ibeen, ‚ tie wir’ fie oben dargeſtellt haben, ber Ableitung berſel⸗ ben aus der Erfahrung miderfprachen, fo mar er gende fhiget, ein eignes von der Einnlichfeit verfchiedened Vermögen für fle anzunehmen, und dieſes war bie Ver⸗ nunft, vue, Hgerseic. Plato aber war noch nicht ſo weit in der Zergliederung des Vernunftvermoͤgens gekommen, daß er in den Formen deſſelben die Moͤglichkelt und den Grund der Ideen entdeckt hätte, und daher ließ er Re dem Vernunftvermoͤgen gegebein fein: Dadurch fand ee zugleich eine Hypotheſe zu Erflärung des Faktums, mie die Ideen⸗Principe jur Erfenntniß det Dinge, welche in Ber Erfahrungswelt vorkommen, fein Finnen. Die Gottheit hatte der Vernunft die Ideen mitgetheilt, wel⸗ che bie urſpruͤnglichen Begriffe waren, wornach fie bie Sinnenwelt gebildet hatte. Sie find alſo angebohren, nicht in dem Verflande, daß man ihrer unmittelbar von ber Geburt an deutlich bewußt fei, ſondern, daß fle aus dem Innern, zwar durch düßere Veranlaſſung, dber boch unabhängig von der Sinnlichkeit enttoickelt und ins Bewußtſein gebracht werden koͤnnen. Die Jdeen num; infofern fie mehr die Anlägen, als wirkliche Begriffe ängebohren find, machen dad Vernunftvermögen aus); gleichfam die leidende Vernunft, welche ber thätig wir⸗ fenden Vernunft ben Etoff darreichet, - ans weichem fie deutliche Begriffe bilder und in Zufammenhang bringet. Die Wahrheit diefer Säge erhellet aus folgenden Gruͤn⸗ ben: Plato ſagt: Gott iſt die Urſache von der Vernunft und der Wahrheit "): Inter Wahrheit wird dad ob⸗ | 22 jefs a2) de repubi. VII. e. 133. Fi wyude den = warm dur oſur va Roy uns) aırın, av TE centn Guc ka ToB Zara xceir TEnuen" U TE TR Voyta; Arte Kuga art das na Lı’777777209 ui 164 ann jektive Weſen ber Dinge nerfianden, bie Form, welche ihnen die Gottheit gab. Die Vernunft ift nicht bie thaͤ⸗ ige Bernunft, fordern das Vermögen, welches bie Ideen in fich begreift, durch welche dad Wefen der Dinge erfannt wird ), Bor der Geburt haben die Menfchen alle die Begriffe erhalteri, welche nothwendig und allgemein And, und Sie Megel enthalten, nach welcher empirifche Gegenftände unter jene Begriffe fübflimiret werden, Seit den Anfang unferer gegenwärfigen Eriftenz find wir und diefer Vorfielungen nicht Bemußt, big fie durch die An⸗ ſchauung äußerer Gegenſtaͤnde aus der Vetgeſſenheit wie Ber hervorgezoͤgen werden *). Sie ihüffen alfo als hioße Anlagen in dem Vernunftvetmbogeil enthalten fein: Wenn man bie Stelle aus dem Phdbs und der Kepublif mit einander vergleichet, fd ergiebt ich, daß der Inbe⸗ griff der.Vernunftbegriffe und der vud gleichbedentend find. Die Vernunft ift alfe dad Vermoͤgen, in welchem die alle gemeinen und nothwendigen Begriffe unentwickelt ange roffen werben. Die andere Bedeutung, daß sus bie ſelbſt⸗ thätige Vernunft, die Denftraft bedeutet, erbellet aus fol- genden Stellen, Die Verriunft, dag felbft beſtimmende Vetniegen der Seele denket allein das unkoͤrperliche und auͤnſiniliche Wefen *). Dieſe Weſen find die allgemei⸗ | one 23) "Dan vergleiche mit Ber eben angeführten Stelle folgende de republica VI. 119.120, Aus Diefer erhellet, dad aryIera fe.siel als vera if, unbsuchas Vermoͤgen das Wefen ber Dinge au erfennen, Diefes ik überbaust das Berutägen zu denken, und der Jubegriff Ber Vernunftbegriffe. Die Mäg- lichkeit des Dentend ruͤhret von Gore Ber, nicht das wirk⸗ liche Denkens dent Diefes erfodert die ſelbſithäͤtize Anwen⸗ dung ber Kernunfl. 24) Phaedo ©. 171. 172. 25) Phaedrus X. B. ©. 322,345. dj Yu axewnarec wu muy BEXNRATISCH na avapnd NEM eyTang nen Yuxns nußseverue novx Seary vor Aaron: — 165 — ‚nen Merkmale der Dinge, welche durch die Ideen be⸗ ſtimmt werden. Die Erkenntniß derſelben wird durch die Vernunft bewerkſtelliget, indem ſie ben Stoff, den fie aus fich felbft nimmt, bearbeitet, und ihn auf deutliche Begriffe zuruͤckfuͤhret. — Die Handlung ber Vernunft, das Denken (veypıc) bat zu ihrem Gegenſtande bie unver⸗ Änderlichen, nochwendigen Dinge, die Ideen *). Hier kommt alfo bie Vernunft in zwiefacher Gebrutung vor, als das Vermögen, in welchem bie Ideen, als zu bear⸗ beitender Stoff, sorfommen, und ale das Bermögen, welches den Stoff bearbeitet. Dieſe Thaͤtigkeit ber Bere ‚nunft nennt Plato auch mit dem Nahmen geoues. Man wird daher Teicht-den Sinn bed Gates verfichens bie Seele befchäftiget fich hei dem reinen Denfen mit ſich ſelbſt; fie unterſucht in ſich und aus fich ſelbſt, abge gen von aller Gemeinſchaft der Sinnlichkeit, und er ent⸗ haͤlt alſo auch eine Beſtaͤtigung des Vorhingeſagten Diefe drei Vermoͤgen, Sinnlichkeit, reiner Verſtand, und reine Vernunft ſind die einzigen Duchen, woraus dir Seele den Stoff zu ihren Vorſtellungen und Erkennt⸗ niffen erhält. Denn alle Vorſtellungen begreffen entwe⸗ der, äußere Gegenftände, oder die reinen Anfchauungen “(Größen und Zahlen) ober reine Begriffe. Der Stoff ju den erfiern wird ber Sinnlichkeit von Außen gegeben; der Stoff zu ber zweiten und dritten Art iſt in dem, Ver⸗ mögen des Verſtandes und der Vernunft enthalten. Tim hfich von ber Wahrheit: ditſes Satzes zu überzeugen, muß man bemerfen, daß: Plato hie Sinnlichkeit als Quelſe der Vorftellungen auch Erfahrung nennt, und den reinen Verſtand und die reine Vernunft als cin Vermögen zu⸗ fanımenfaßt, weil fie ui beide reine Borfellungen 36) Timaeus ©. 348. ‘ 37) Phaedo ©. 121. Thezeter. &. 143. .aurn 8 aurns 4 Juzy Tu naıya os Gawveras weg ravrur EWIENOREW. ' F \ — — 166 — ſieferti 93. Nun ſagt er: jedes Ding koͤnne nur auf brei verſchiedenen Wegen beurtheilet werden, aus Erfah⸗ zung, aus Vernunft, und durch Begriffe und Urthei⸗ Je *). Die Begriffe und Urtheile aeyn bedeuten hier Fein eignes Vermoͤgen des Vorftellend, woraus etwas erkanut werben koͤnnte; ſondern fie find nur das Drganon, wo⸗ burch geurtheilet wird. Alſo bleiben nur zwei Vermögen übrig, aus welchen der Stoff zu Vorftellungen und zu den Urtheilen, wodurch etwas beurtheilet wird, gewon⸗ ven wird, das if die Sinnlichkeit der Erfahrung und dad Denkvermoͤgen. Doc an einem Orte feheint 8; als wenn sr außer den genannten noch ein anderes Binnliches Vermögen angenommen habe. Indem er nehm⸗ Lich das Sinnliche in wirkliche Naturgegenſtaͤnde und des zen bloße Nachbildungen und Schatten, das Intelli⸗ gible aber in das unbedingt Denkhare eintheilet, ‚fo fcheint es, ald wenn er auch für jeden von biefen vier Gegen- . fänden audy ein beſonderes Vermögen, wodurch er vor⸗ geſtellt werde, angebe, nehmlich zırıc, umasın, varcıc, daxvoia ). : Allein weiter unten führet er biefe viere auf zwei Vermögen zurück, bas Denkverndgen voyere und das Finnliche Vorſtellungsvermoͤgen deka). Jene Fintheilung "Hetrift auch eigentlich nicht ale Vorſtellungsvermoͤgen, ſon⸗ Dern die Gegenſtaͤnde deffelben und die Art des Vorſtel⸗ Imd. Wir fielen und einen Gegenſtand vor, eutweder wie ererfcheint, oder wie er gebacht wird; in jenem Fall, entweder als einen wirklichen Gegenſtand, oder als ein "Bild deſſelben; im dieſem, entweder als einen abſoluten, ober s8) de republ. VII- ©. 166. Gorgias IV. B. G. 117. Philebus ©. 29. 39) de republ. IX. &, 260. vn zen xerechas Ta uEANvTE manucngihyeschar; ag’ ug auwegın Ta nu Dramen nu Yu iz 30) de republic. VI. ©. 121 ſeq. 125, an) derepubl. VI. 6, j I — 167 — oder als einen bedingten Gegenſtand. Die nae iſt ba- her die Vorſtellung, wodurch wir gtwas einem Gegen Rand ähnliches wahrnehmen, und beruhet aufdemfelden Vermögen, ald zırıs, oder bie Vorſtellung von einem wirklichen Naturobjekte. Die Sinnlichkeit und das Dentvermoͤgen And alfe die Grundvermoͤgen, aus welchen aller Stoff zu Vor Rellungen herruͤhret. Durch die Sinnlichkeit entftehen, wie ſich Plato ausdrückt, weil er noch nicht zwiſchen der Sorm und dem Stoffe ber Vorſtellungen unterſchieden hatte, die empiriſchen Vorſtellungen; aus dem Denk⸗ vermaͤgen die reinen. Die übrigen Vermdgen des Ges muͤthes enthalten die Bedingungen der Erhaltung, Er⸗ neuerung und Bearbeitung ber aus jenen beiden Quellen erzeugten Vorſtellungen. Da ich ſchon in dem zwei⸗ sen Kapitel etwas davon beruͤhret Habe, fo werde ich hier alles zuſammen faffen ‚um die Ucherficht zu er⸗ leichtern. Durch var Gedaͤchtniß werden bie Vorftelfungen, fotwohl die der Sinnlichkeit, als bie des Verſtandes, er» halten und aufbewahret. Um fich die Moglichkeit des Behaltens zu erflären, ſtellt fich Plato das Gedaͤchtnifß „bildlich ala ein gewiſſes Behaͤliniß der Vorſtellungen, ober als eine waͤchſerne Maffe vor, in welcher die Vor⸗ ſtellungen Spuren hinterlaffen. So lange als diefe Spus ren fortdbauern, und nicht ausgeloͤſcht werben, find die Vor ſteliungen in dem Gedaͤchtniß. Die Dauer der Bor fieflungen haͤngt von dem Grade des Empfindens und von ber Staͤrke und Lebhaftigkeit des empfangenden Vers moͤgens ab. Je lebhafter, inniger und ſtaͤrker diefes aufnimmt, je ſtaͤrker der Eindruck iſt, deſto dauerhafter find die Spuren, welche die Vorſtellungen hinterlaſſen. Se ſchwaͤcher der Eindruck ift, und je mafter die Recepti⸗ pität, deſto ſchwerer laffen ſiq die Vorſtellungen erhal. u tn x m 1 fiefeen ). Nun fagt er: jedes Ding koͤnne nur auf brei verfchiedenen Wegen beurtheilet werden, aus Erfahe zung, aus Nernunft, umd durch Degriffe und Urthel« Je *). Die Begriffe und Urtheile aeys bedeuten hier fein eignes Vermoͤgen des Vorftellend, woraus etwas erfanne werder koͤnnte; ſondern fie find nur dag Organen, 109% hurch geurtheilee wird. Alſo bleibennur zwei Vermoͤgen übrig, aus welchen der Stoff zu Vorflellungen und zu den Urtheilen, wodurch etwas beurtheilet wird, gewon⸗ ven wird, das iſt die Sinnlichkeit ber Erfahrung und dad Denkvermoͤgen. Doch an einem Orte ſcheint es, als wenn er außer den genannten noch ein anderes ſinnliches Vermögen angenommen babe. Indem er nehm⸗ Lich das Sinnliche in wirkliche Naturgegenftände und des zen bloße Nachbildungen und Schatten, das Intelli⸗ gible aber in das unbedingt Denkhare eintheilet, ‚fo fcheint e6, ald wenn er auch für jeden von dieſen vier Gegen, . Ränden audy ein beſonderes Vermoͤgen, wodurch er dor⸗ geſtellt werde, angebe, nehmlich wırıc, ummeıg, varsıc, deaævoia ). Allein weiter unten fuͤhret er dieſe viere auf zwei Vermögen zuruͤck, das Denkvermaͤgen voyere und das finnliche Vorſtellungsvermoͤgen Jet« "). Jene Fintheilung betrift auch eigentlich nicht die Vorſtellungsvermoͤgen, ſon⸗ "dern die Gegenſtaͤnde deſſelben und die Art des Vorſtel⸗ dens. Wir ſtellen und einen Gegenſtand vor, euntweder wie er erſcheint, oder wie er gedacht wird; in jenem Sal, entweder als einen wirklichen Gegenſtand, oder als ein Bild deſſelben; in dieſem, entweder als einen abſoluten, |); s8) de republ. VII. ©. 166. :Gargias IV. B. G. 117. Philebus ©. 29. 39) de republ. IX. &, 260. vw x wenn; Ta UERATR gurmc nghugschan; ag’ un SuwegıE Ta un Pgamesı nu ATi 30) de republic. VI. ©. ıatfeg. 125, 21) de republ. VII. &, 166, — — nder als einen bedingten Gegenſtand. Die suracın iſt ba⸗ her die Vorſtellung, wodurch wir gtwas einem Gegen⸗ ſtand ähnliches wahrnehmen, und beruhet auf demſelben Vermoͤgen, als mırıs, oder bie Vorſtellung von einem | wirklichen Natürobjekte, Die Sinnlichkeit und das Denkvermoͤgen And alfe die Brundvermögen, aus welchen aller Stoff zu Vor fellungen herruͤhret. Durch bie Sinnlichkeit entſtehen. wie ſich Plato ausdruͤckt, weil er noch nicht zwiſchen der Form und dem Stoffe der Vorſtellungen unterſchieden hatte, die empiriſchen Vorſtellungen; aus dem Denk: vermdgen die reinen. Die übrigen Vermdgen des Ger muͤthes enthalten bie Bedingungen der Erhaltung, Er neuerung und Bearbeitung ber aus jenen beiden Quellen erzeugten Vorſtellungen. Da ich ſchon in dem zwei⸗ sen Kapitel etwas davon beruͤhret habe, fo werde ich hier alles zuſammen faſſen, um die Ueberficht zu er⸗ leichtern. Durch bat GSedachmiß werden bie Vorſtellungen, fotvohl die der Sinnlichkeit, als bie des Verſtandes, er⸗ halten und aufbetuahret. Um fich die Moͤglichkeit des Schaltens zu erflären, ſtellt fich Plato das Gedaͤchtniß „bildlich ala ein gewiſſes Behältuiß ber Vorſtellungen, oder als eine waͤchſerne Maffe vor, in welcher die Bor ſtellungen Spuren hinterlaffen. So lange als biefe Spus ren fortdauern, und nicht ausgeloͤſcht werben, find Die Morftellungen in bem Gedaͤchtniß. Die Dauer der Vor fieflungen haͤngt von dem Grade des Empfindens und von der Staͤrke und Lebhaftigkeit des empfangenden Ver⸗ mögen® ab. Je lebhafter, inniger und ſtaͤrker diefes aufnimmt, je ſtaͤrker der Eindruck iſt, deſto dauerhafter find die Spuren, welche bie Vorſtellungen hinterlafen. Je ſchwaͤcher der Eindruck if, und je matter Die Recepti⸗ vitaͤt, defto ſchwerer laffen ſiq die Vorſtellungen erhal. 7 ven — — 168 im, m und delo leichter verlieren fie ſich aus bem Senf Kin ®) Die Wiehererinnerung weuueis iR bag Termögen, pie ſchon gehabten Vorftelungen wieder zu erneuern, toleg ber in das Bewußtſein zuruͤckzuruſen. Diefe Erneuerung der Vorſtellungen fann enttoeder vermittelſt einer andern Vorſtellung gefcheben, welche der Seele: gegenwaͤrtig if, oder unabhängig von allen Borftelungen durch bie Seele ſelbſt. ya dem erſtern Fall muͤſſen die Vorfellung sn, welche einander erwecken ſollen, in Verbindung ſte⸗ ben. Go wird bei dem Anblick rings Freundes bie Bore fiellung eines andern, ber mit hiefem in Verbindung ſte⸗ het, in dem Semuͤth erneuert; fo grinnert ein Gemaͤhlde an das Original; fo erweckt jede Sache , rorlche fich auf den geliebten Begenfanb besichet, bie Vorſtellung deſſel⸗ Ben”), Durch Unfchauungen amd Empfindungen wer« den nicht nur andere finnliche Worftellungen erneuert, fonbern quch Vorſtellungen des Dean in das Bee ibvußtſein gebracht, Wenn wir 4.3. zwei Gegenſtaͤnde anſchauen, fo denken wir auch gugleich daß fie aͤhnlich oder unaͤhnſich, gleich oder ungleich And. Die Vorſtel⸗ Jungen von der Aehnlichkeit und ‚Gleichheit find Begriffe, welche nicht aus der Sinnlichkeit entftanden,, fonderu a priori in dem Denfvermögen enthalten find *). Dick Wiedererweckung beruhet wie bei dem vorigen Falle auf eig nem gewiſſen Zufammenbang ber Vorſtellungen. Die Dinge in der Welt find nach gewiffen Ideen gebildet, welche urſpruͤnglich in den göttlichen Verſtand, durch Mitthei⸗ lung der Gottheit aber in dem Denkvermoͤgen angetrofe fen werden. Daher laͤßt fih die Moͤglichkeit begreifen, warum die Vorſtellung eines jeden Gegenſtandes * * Philch- ©, 155. Thezer. ©. 15 155, 10.9. 33) Phacda ©, 166, 167. 30 Phacdo ©. 1fa, i70. — 169 — flelluigen hervorrufet, welche eines hoͤhern Urfprungd ale ans der Sinnlichkeit find, Wir Finnen dag Urtheil: bieſer Gegenſtand ift einem andern gleich oder aͤbulich, richt anders zu Stande bringen, als durch einen reinen Begriff der Vernunft, ber bie Megel enthält, nach wel cher biefe Prädicate in dem Subjekte beſtimmt werben. Es laͤßt ſich alfo daraus erkennen, wie durch Wahrneh⸗ mung, Beobachtung und jedes empirfche Aptheil reine Begriffe. in pas Bewußtſein zuraͤckgerufen und cutwickelt werden koͤnnen. Dieſes iſt tie beſondere Bedeutung, welche bad Wort ananuns iu der Platoniſchen Philoſo⸗ pbie erhalten hat. — In einem anbdern Sinne bedeutet graurueıe das Vermégen der. Seele, durch ſich Felbft ohne Vermittelung einer von Außen gegebenen Veranlaſſung Vorſtellungen wieder hervor zurufen ”). Dort war es pie Affeciation der Vorſtelungen, bie Verbindung einer gegenwärtigen Empfindung und Anſchauung mie einer andern ehemald gehabten Borfelung, wodurch big Er⸗ neuerung berfelben geſchah. Hier iſt es die Seele ſelbſt, welche dad Vermögen beſtzt, aus fich ſelbſt das Bewußt⸗ fein der Vorſtellungen wieder zu eruenern. Ob fie das ohne allg Affociation koͤnne, ob fie eine abſolute Selbſt⸗ macht uͤber ihre Vorſtellungen beſttze, daruͤber ſcheint Plato nicht nachgedacht zu Haben. Mur fo viel dürfte man and einer Steße fließen, daß er die Woͤg⸗ lichkeit von dieſer Wiedererneutrung auf bie Spu⸗ gen, welche bie Vorkeliuugen in dem Gebdaͤchtnißz zu⸗ ruͤck laffen, gegründet Habe, Die Seele ſucht die⸗ fe Spuren wieder aufjuregen „ ober bie — (sung), tie er fie nennt, wieder zu beleben, Pelle dadurch die were ſelbſt wieber her, Sir 5 lich 59 Philebus G. 255. dray uers mu swumros eruexa wei} G vous TaUur avıu ra 'TORRTOE MUT4 8 daury or KENOR rarepfang, TOTE mrnjurnenscdeg mu ACyapn. ed — 1778 — lich nennt Plato dieſes Vermoͤgen den: Mahler bes Sek #) Die Shätigkelt, welche an der Wied ererneuerung der Vorſtellungen Antheil hat, gehoͤrt nicht der Sinn⸗ lichkeit, ſondern dem Verſtande, dem thaͤtigen Vorſtel⸗ lungsvermoͤgen an. Dieſes folgt ſchon aus dem Begriff der Sinnlichkeit, welche nur die Gindruͤcke aufnimmt, und ſich blos leidend verhaͤlt. Zum Beweiſe dient auch der Sprachgebrauch, welcher fuͤr die Aufmerkſamkeit, oder der felbfichärigen Richtung des Gemuͤthes zur Er⸗ zeugung, Hervorrufung und Bearbeitung. einer Vorſtel⸗ lung, den nehmlichen Ausdruck beflimmt hat, wodurch fie die Selbſtthaͤtigkeit des Vorſtellens, die Vernuuft be⸗ teichnet ”). Plato betrachtet alle Bearbeitung ber Vorſtellun⸗ gen ſowohl zum miffenfchaftlichen Gebrauch, als auch zu andern Zwecken, ober überhaupt alle Bearbeitung ber urfpränglichen Vorſtellungen ber Sinnlichkeit: und bed Verfiandes, als Verrichtungen des chätigen Vorſtel⸗ . lungsvermoͤgens bes Verſtandes, bie wegen ber Ver⸗ ſchiedenheit des Stoffes und der Bearbeitung und Bil⸗ dung unter verſchiedenen Benennungen vorkommen **). Mir muͤfſen dieſe Verrichtungen jezt naͤher kennen lernen. Der Verſtand äußert ſich überhaupt durch Begriffe und Urtheile. Jeder Begriff iſt aber ſchon ein unentwi⸗ ckeltes Urtheil. Beide Funktionen beruhen daher auf einem und ebendemſelben Vermoͤgen. Dies beſtaͤtiget "Auch der Sprachgebrauch. Eben die Ausdruͤcke, wo⸗ Durch ein Begriff bezeichnet wird, bebeuten auch Urthei⸗ be, 3. B. davom, defa, a0yoc; und eben biefe werben auch 36) Philebus ©. 265,266. Luyaayer . de nein ro⸗ YEauı BATISYWV » Tan. Asyanavan anlevag av ry YuXy Taten Yonpı- . 37) vo wgonıxen. Thezetet. ©. 97.169. 38) Timseus ©. 316 . , ı — 17 I — auch fär das Dermogen diefer Funktionen gebraucht. Der Berftand urtheilt entweder fo, daß cr fein Urtheil unter eine allgemeine Kegel fubfumirt, oder nicht. See nes Bermögen iR die Vernunft, dieſes der Verſtand im ber engern Bedeutung. Der Verfiand iſt das Vermögen zu urtheilen, ober das Mannichfaltige gegebener Vorſtellungen in einen Be⸗ griff zu pereinigen, (eurroyıdedar; Evaroyickoe) ”), Die vor dem wirklichen Urtheilen vorbergehenve Thaͤtigkeit des Verſtandes, wodurch das Urtheilen vorbereitet wird, beißt dıavanıcdar; bag toirfliche Urtheilen Sofagew ”). Der Verftand faßt enttveber den durch die Sinnlichkeit gegebeiten Stoff in Begriffe zufammen, oder dag in deni - Vermoͤgen des Verſtandes und der Vernunft vorhandene Mannichfaltige. Durch jene Thätigfeit entfichen An⸗ ſchauungen und empirifhe Urtheile, durch Diefe reine Be⸗ ariffe, Säge und Wiſſenſchaft. Jenes iſt dad empiri⸗ ſche oder angewandte, dieſes das reine Denken *). Wenn der Verſtand das in einer Empfindung gege⸗ bene Mannichfaltige verbindet, fo entfilhet eine An⸗ ſchauung (Gevrasıa), Plato nennt fie auch asueı. Sie ift alfo das gemeinfchaftliche Produkt des Verſtandes und ber Sinnlichkeit *). Weim der Berfiand das Mannich⸗ faltige ber Anfchanungen jergliebert, und die daraus erzeugten Vorftelungen mit dem Objeft der Anfıhauung verbindet, fo werden empirifche Urtheile, Jokes, gebildet ®), Diefe in Worte ausgebräct, find es Saͤtze, aa *). Die Wahrheit dieſer Vorftelungen und Ürcheile beruhet Darauf ‚ daß bie Sinnlichkeit ordentlich beſchaffen iſt, und die Eindruͤcke, fo mie fie ihr gegeben werden, auf - alnamae, 39) Theaetet. ®&, 143. Ä 40) Theietet. ©. 151. Sophifta ©. 296. .. 48) Timaeus ©. 316. Philebus ©. 305., 43) Sophifta €. 296. | 43) Theaetet. ©. 128. 14}. ” 44) Sophifte, ©. 296. Philebus © 25. — 17232 — nimmt. Es begleitet ſie dann eine Ueberzengung, wele che, weil fie durch Feine Gruͤnde der Vernunft, ſondern nur durch die Eindrücke beſtimmt ift, Kur Glaube (wr«) Heiße *). Die empirifchen Urtheile ‚find nicht moͤglich ohne einen Beytrag ber yeinen Vernunft. Denn in jebeng empirifchen Begriff von einem Gegenſtande iſt der Gate tungsbegriff enchalten, welcher bie gemeinſchaftlichen Merkmale (vo aenor) enthält. In her Anſchauung kom⸗ men dieſe Mertmale quch vor, weil jeder Gegenſtand der Natur nach Ideen gebildet iſt, wodurch ber Gattungs⸗ begriff ihm gleichſam mitgetheilt wurde. Aber dieſer Begriff wird in ber Anſchannng nicht unterfchieben. So⸗ bald aber ber Verſtand dieſe Vorſtellung zerglledert, ſo unterfäheldet er auch ben Sattungsbegriff. So enthaͤlt die Vorſtellung Theatet außer ben übrigen Merkmalen auch ben Begriff Menſch; und wenn fie entwickelt wird, fo entſtehet folgendes urtheil: Theaͤtet iſt ein Menſch, der fo gebil⸗ det, fo befchaffen ift iſt Der reine Verſtanh verbindet den Stoff, welcher in dem Vermoͤgen bed Verſtandes enthalten ift. Hieraus entſtehen die mathematifchen Begriffe. Vorzuͤglich bes (chäftiget er fich mit ber Entwicelung umb Bearbeitung Diefer Begriffe. Indemer bag in ihnen enthaltene Man⸗ nichfaltige zergliedert, befondere Begriffe barays bildet, Folgeſaͤtze daraus ziehet, und alle dieſe Säge in ein Gan⸗ "8 anordnet, ſo entſtehet daraus ein Analogon vom ſtrenger Wiſſenſchaft. Die reinen Begriffe des Verſtan⸗ des werden als Grundbegriffe gebraucht, bie Feiner wei⸗ gern Zerglieberung bedurfen, und der Verſtand forſcht bier nicht nach dem Princip des Bebingten, fondeen fpü- ret nur den Kolgen der Bedingung nach. . Der Verfiank iſt alfo das Vermögen, das Bebingte zu ber Bebinguug zu ſuchen, bas Vermögen von den Gruͤnden —— | 6) Timseus ©. 316. 40) Theater, ©, 19. fortzugehen, das Mannichfaltige in: einem ‚gegeßench | Begriffe zu gerglichern. Weil ed aber bier nicht um eis Princip zu thun ift, fondern ein Begriff oder ein Grand als unbedingt angenommen ind voranggefezt wird, o6 er gleich unter hoͤhern Bedingungen flehen kunn, fo gicht ein Ganzes. foldher Begriffe und Säge feine eigentliche Wiſſenſchaft, foudern nur elü Analogon derfelben, wel⸗ che Plato mit dem nehmlichen Worte das bejeichnel, womit ir das Vermoͤgen benennet 5. Der reine Verſtand Nehet wiſchen dem empiriſchen uud der Vernunft mitten Inne; der einpiriſche (det⸗/ hat das durch die Sinne ge ebene, der reine Verſtand (dumvem) das durch ben Ver⸗ land gegebene Meine, Nichtſinnliche, aber Bedingte; die Vernunft (wi) das durch bie Betnunft gegebene Reine, Ricgefinnliche, Umbedingte zum Gegenſtande *). VBie Vernunft Hleiget von den Bedingungen auf zu der Bevingeng/ die nichts weiter vorausſezt; fie forſcht nad) einem abfoluren Prindp, und leitet dann von bie ſem altes Bebingte ab. Sie ſezt alſo durch das Princip alten weitern Forſchen Grenzen, und giebt allen Erkennt stiffen die vollkommſte Einheit unb Harmonie. Ihr Begenſtaub iſt das Abſolute unb Unbedinate, welches nichts weiter vorausſezt; ibre Wirkung if Wiſſenſchaft in dem firengfien Sinne H. Die Ideen find bie buch» Ken Begriffe, die alle unter fich enthalten, aber feinen Aer fich! daͤben; Me finb-in-fo fern die Principe alles Tirifchlichen Wiſſens; fle Mind die eigentlichen Gegen⸗ | fände, 1) deikepublica Vf: G. 133,124. 20) Ibid. ©. 129. : de uerufu er defen va vu FT have som. Timaeus ©. 348.- 49) de Republica Vi. @. 122. ve 9’ irn ve en’ an "7 weroderw ı£ vnedseun men (don), um avıy way wage EREIVO UInOYmY MUTO HIdEyı di auTan.Fav melden warnt: ©. 124, 125. -, — 174 — fände,- mit welchen ſich bie Vernunft, als Thaͤtigkeit, beſchaͤftiget ). Durch die Aufſuchung und Entwicke⸗ lung dieſer Begriffe kann alſo die Vernunft ihr Streben nach Vollendung und ſyſtematiſcher Unordnung ihrer Er⸗ kenntniſſe befriedigen, Er Die Bernunft hat eine doppelte Funktion. Sie Pelgt entweder von dem Bedingten auf zu hoͤhern Bebin- ‚gungen, bie fie die Sphäre ihrer Erkenntniß durch das Anbedingte vollendet hat; ober fie feigt von dem Abſo⸗ futen bernicder ju dem Bedingten ”). In jenem Kal fuche fie die Ideen ald bie Prineipien alles Wiſſens auf, und entwickelt fit. Jeber bedingte Sab iſt bier. gleichſam eine Stufe, auf welcher ſich die Vernunft bis zu dem Unbedingten erhebet, und eine Vorausſetzung, die ſie immer höher aufzuſteigen nöthigee. In biefent, leitet fie ſyſtematiſch aus dem Prindp ab, was dadurch bes ſtimmt wird. Ein Syſtem von Begriffen und Urtheilen unter einem. Princip iſt Wiſſenſchaft, und zwar reine, wenn es reine Säge, empiriſche, wenn es Saͤtze des empiriſchen Verſtandes ſind. Die Ableitung aus dem Princip geſchiehet durch Schluͤſſe (avαοα). Die Ver⸗ nunfe ſubſumiret unter die allgemeinen Begriffe. als alle gemeine Megeln die Säge, und beſtimmet dadurch die Berbindung und den Zuſammenhang derſelben. Hier⸗ durch werden die Säße erſt fixirt; fie bekommen Feſtig⸗ keit und eine unwandelbare Evidenz, die ſich auf deutlich u erfannse 45) Timaeus ©. 348: 51) de Republica VI. G. 134. eb von dran le © Güuyum Fa vunru Aryevkamerune, S merag d Asyor derer vu vu Jıarsyacdey dvyausı Tue Fwodswec waruuävec, wi. Rexat; ara ra diri Gwodeeng, ulv inıpaeaıt Te wai dyunt, Im pexei TE auuwederu amı um ru. wavTOc aeXuv.I > Ahaumeg wur» Wahr au mxoueväg Turm Butiing eXoued, vrac mw vsAsvurur ara a - 4 175 ar. arkaͤnnte Gründe ſtuͤt *2). Mus dieſen Urfachen nennt Plato die Vernunft auch das Vermoͤgen zu ſchließen (aopısım ) und bad Vermögen der Miffenfchaft (umr- u) ) I on -- Da bie Ideen bie Begriffe don den Dingen an ſich find, und fle nur-allein die Bernunft erfennet, fo iſt fie daher auch bad Vermögen, dag Ding an fich zu erfen- nen, infofeen es ift, d b. infofern es nichts weiter als das Ding an fih it 9: - . Durch bie Erkenntniß ber Dinge an ſich, ode welches eben ſo vielift, durch die Ideen iſt es der Vernunft erſt moglich etwas gu erkennen. :Denn erfennen beißt den Gattungsbegriff von einem Dinge, und die unter ihm enthaltenen Segenftände deutlich. ‚erfennen, und beide von einander unterſcheiden *). Das Gemeinſchaftliche der. Verrichtungen des Bern ſtandes und der Vernunft beſtehet in der Vergleichung der Vorkellungen, wodurch die Achnlichkeie und Ver⸗ Achiedenheit abgeſondert wird. Der Verſtand bemerket das Aehnliche in mehrern Vorſtellungen, faßt es zuſam⸗ men, und bilder daraus Begriffe und Saͤtze. Die Be Ä | nunft -. 53) Sophifta S. 575. Meno ©. 385. des u weine aid uıer (defas); Fe mw vıc aytag Oyay aerınc Asyızaa. Tara darın arauınon. Diefe Gründe find die ideen, welche, neil fig nach Platos Vorausfepung, die Seele ſchon in einem aus. “ dern Leben ſich vorgeſtellt hat, nur Wiedererinnerungen ſind, wenn fie durch Abſtraktion wieber heruorgetufen werden. 43) de Republica VI. & 367,37t. de RepubliaV. G. ci. 34) de Republica V. G. 62: army war Yl zu ii ra a. Te 09 yryas eds aygaı. 39) de Republic. V. &, 59, Nvapevoc —XRRXX Ra: xvro To NæAer HAI TU ENEIYE HETEXTR, NM BTETE HETELONTA, auro; UTE AVTO, TR KITIKEVTR Nyspırıg — ruru un Tw har Jar AR YıyyngRarrag Yranıy ar ogdng' Dareve‘ — 176 — Hunft kann nicht den Zuſammenhang zwiſchen Ccipert beſtimmen, fie kann nicht.einen nieder Begriff: unser ei⸗ wen hoͤhern begreifen, ohne Vergleichung in Aufthaug der Identitaͤt und Verſchiedenbeit, AÄehnlichteit und Um Ahnuchkeit. Das Refultat der Vergleichung iſt die Ver⸗ Bindung ober Brennung :ber Vorſtellungen ). Wir můuffen jezt noch etwas über das Verhaͤltniß und den Zufammenhang bei Sinnlichkeit und des Denke vermögens reden. Beide Vermoͤgen find burch ihre Ras dur und durch die Verſchiedenheit der Gegenſtaͤnde vor einauder unterſchieben, tote wir oben gefehen haben; Much berierkt Plato tioch einen Uuterſchied in Aufehung der Entwickelung. Die Ginulichkeit ik beiden Menſchen / ſo Bald als fie gebohren find, vorhanden; dad Dinken aber kommt Diel fpäter zum Vorſchein ; und Entwickelt ſach ame durch lange Erfahtiiüg und viel Uebung "). Ungeachtet alle? dieſer Beiſchiedenheiten finder ſich eine gewiſſe Verbindeng zwifchen beiden: Erſtlich beide Ders moͤgen gehoren einem Subſekt aut; wodurch fd und die davon abhaͤngenden Vorflelluiiigen in Verbiubung kom⸗ men *). Zweitens die Entwickelimg bes Denkverm⸗ gens iſt vier vermittelſt Ber Sinnlichkeit möglich. Dieſe liefert dem Verſtande den Stoff; den er bearbeitet, und durch did Thaͤtigkeit bed Beeſtandes werden bie keinen Begriffe, die Ideen, jur deutlichen Bernufßsfchd entwi⸗ ‚delt: Dieſes gehet auf folgende Weiſe zu. Ber Bere ſtand erzeugt aus dend durch die Stund gegeben Stoffe Begriffe und Urtheile / er vergleiche mehrere von aͤhnlicher Urt; faßt das Gemeinſchaftliche ir einen Begriff: Hier⸗ durch wird der Gattungsbegriff, welcher in der Vernunft unentwickelt Liege, entwickelt; uib zıltti beiictichdn Bewußßt⸗ ſein erhaben. Zum Beifpield dient ber; urſpruͤngliche 46) Timaeus &.jı6. Phulebus G. 217,218. 97) Theaetet. ©. 143. 32) de Republic. V. ©, 30. 4 Vegeiff von der Schoͤnheit ”). Es iſt wahrſcheinlich, daß Plato bei Erzeugung ber empitiſchen Begriffe und Säge eine Mitwirkung der noch nicht entwickelten Ber unnftbegriffe annahm, indem fle die Regel enthalten, nach twelcher der Verftand das Aehnliche verbinde ) So würde alfo das Denfvermögen durch bie Vearbei- tung bes finnlichen Stoffes: nach den ihm eigenthimlis chen Formen, biefes felbft bewußt, und faßte fie in Be⸗ griffe auf. | Die Sinnlichfeit iſt alfo zu der Entwickelung der reinen Begriffe norhtvendig, weil fie dem Verſtande den erſten Stoff liefert,, an welchem er feine Thaͤtigkeit aͤuſ⸗ fern fann. Wenn aber das Denfen einmal in Gang ge⸗ bracht ift, fo entließ Plato, mie es feheint, die Sinn lichkeit ihrer Dieuſte, und glaubte, die Vernunft koͤnne ohne Ihre Mitwirkung reine Erfenntniß und Wiffenfchaft zu Stande bringen. Dieſes fam daher, daß es ihman bem beſtimten Beariffe von der Sinnlichkeit ale Vermögen, den Stoff zu Vorftelungen zu empfangen, "fehlte, und daß er daher die aͤußere Receptivitdt nicht von der Innern unter⸗ ſchied. Bei dem reinen Denken darf nichts empiriſches mit eingemiſcht werben. aber die Spontaneitaͤt kann nicht ohne die Receptivitaͤt wirkſam ſeyn. Wenn daher Plato bei ſeiner Behauptung, die Vernunft muͤſſe ſich bei ihrem Denken von aller Gemeinſchaft mit dem Koͤr⸗ per und ben Sinnen losmachen, das Erſtere verſtand, fe hatte er umfireitig Recht, ierte fich aber, menn er dag leztere fagen wollte °), Welchen Sinn aber jene Bes x baups 59) Sympofium S. 345. 60) Phaedo ©, 170. ses Yag tu wpfacdaı june dgav 4 arssıy, naı T ara aıcdavadaı, Tuxam ade FE HAndoTa ETISHUNV auru TE IE, 0,78 UTIy 5 0 EHEAAOH Ta ar Ta ı BEINEERV 1ER ENHIEE ‚Avoidtiv. %:) Phaedo ©. 147. 189. 5 — 178 — hauptung eigentlich hat, iſt nicht leicht auszumachen, weil es an einem beſtimmten Begriff der Sinnlichkeit fehlet. Wenn man bei den Worten ſtehen bleibt, fo will er nur bei ber Beſchaͤftigung der reinen Vernunft alle empirifche Vorftelungen entfernt roiffen, und das Streben nad) Erkenntniß ber Wahrheit durch fein ſinnli⸗ ches Intereſſe ſchwaͤchen oder verrücken laſſen. Aber auf der andern Seite kommen auch Stellen vor, mo er bie Einnlichkeit blos allein auf den dußern Sinn, auf das Vermögen durch Eindrücke von Außen zu Borftelun- gen zu gelangen, einfchränfer; wo er von einem Denfs vermögen fpricht, das nicht allein von einem finnlichen Vermögen nicht abhängig, fondern auch bei dem wirk⸗ lichen Denken, feines Beitrags ber Sinnlichkeit bebärfe _ tig iſt 9) Es ift wahr, daß er ber Seele das Vermoͤ⸗ gen des Denkens unabhängig von aller Sinnlichkeit nicht in biefer Welt, ſondern in einem andern Zuftand, in dem ſie vor diefem Leben gewefen ift, und in den ſie nach dem Tode wieder kommen kann, zufchreibt °). Aber eben daraus folgt doch unflreitig, daß er noch feinen beſtimm⸗ ten Begriff von der Sinnlichkeit, die zu allem Vorſtellen unentbehrlich ift, hatte, und daraus läßt es füch ertide ren, daß er fich-in feinen Aeußerungen über diefe Segen» fände nicht gleich blieb. Das Afficiertmerden von In⸗ ner war ihm nicht ganz unbefannt geblieben, wie wir oben gezeigt haben; aber er hatte dieſes nicht in den Be⸗ griff von der Sinnlichkeit aufgenommen,, und dadurch den Begriff zu enge gemacht. Wenn er alfo bas Affi- ciertwerden von Außen von dem reinen Denfen ausſchloß, mie es nothwendig ift, fo wurde natürlich bei dem Den- fen alle Sinnlichkeit ausgefchloffen, und ein Vermoͤgen des Vorſtellens, die Empfänglichkeit, geläugnet. Diefer Irrthum war um fo leichter, da er. dem Verſtand und der 62) Phaedo ©. 151. 154, 173. _ 63) Phaedo ibid. > v oo — 179 — der Vernunft die reinen Begriffe gegeben fein ließ, welche alfo dierdfonnirende Vernunft fchon verftand, und nur zu entwickeln brauchte. Wie diefe Begriffe in dem Denk verindgen vorfommen, ob fie ale Anlagen oder beffer Formen des Berfiandes und der Vernunft, oder als an⸗ gebotne Vorſtellungen muͤſſen gedacht werden, dag hatte Plato noch nicht unterfucht. Er blieb bei der Entdeckung fiehen, daß die Sattungsbegriffe nicht aus ber Sinnlichkeit entftehen, fondern bem Denfvermdgen angehören, und daß aus ihnen die räfonnirende Vernunft bie erſten Gründe aller Wiſſenſchaft und Erfenntniß entwickelt, ohne über die wei⸗ tern Bedingungen bdiefer Bearbeitung Unterſuchung an⸗ zuſtellen. Zweiter Abſchnitt. Theorie des Erkeunend. D wir den Hauptinhalt dieſes Abſchnitts aus beit Theätet nehmen müffen, der aber von der Wiß . ſenſchaft (swısnuns) handelt, fo miüffen wir gleich im Vor⸗ aus erinnern, daß das Wiſſen und das Erkennen bei dem Plato gleichbedeutende Ausdrücke find. Die Gruͤnde von der Vermechfelung zweier fo wichtiger Begriffe wer⸗ den fih am Schluffe diefer Abhandlung entdecken laſſen. Jezt Führe ich nur einftweilen einige Stellen an, wor⸗ auß die Identitaͤt der Worte yyasıc und awıryug erhellet ). Plato erkannte die Wichtigkeit dieſes Begriffes. Denn da alles Denken und Unterſuchen auf Erkenntniß und Wiſſenſchaft abzielet, ſo iſt es ſo gar unmoͤglich ordent⸗ lich gu denken, wenn man ſich ſelbſt noch keine Rechen⸗ ſchaft von dieſem Begriff geben kann. Wenn man da her dem Philoſophen die Ania aufleget, nur aus deut⸗ li⸗ 4) Charmides V. 8. 6: 132, de republic. V. © 85: v1. ©.113: — 180 — lichen Begriffen gu phllofophiren und ſich aller unentwi⸗ ckelten und unbeſtimmten zu enthalten, fo koͤnnte er gar nicht philofophiren, fo lange er noch nicht über bie Be⸗ geiffe von Wiffen und Erfennen mit fich ſelbſt einig iſt ). So unentbehrlich diefer Begriff aber iſt, fo ſchwer iſt es auf der andern Seite, vollkommen deutlich zu erfläcen, was das Wiffen und Erkennen ſei. Viele Denker waren, wie Dlato verfichert, grau geworben, che fic den Begriff durch ihr Nachdenken gefunden hatten ’), Es war Das bet auch nogh feine Erflärung vorhanden, welche einen fo denfenden Kopf, wie Plato, hätte befriedigen koͤnnen, und der oben genannte Dialog befchäftiget fih mehr da⸗ mit , bie falfchen Begriffe von ber Erfenntniß zu. wider⸗ legen, als den richtigen aufzuftellen. Eine folche Kritik iſt zwar nicht zureichend, um zu erflären, was dad Er⸗ kennen fet, indem fie mehr zeigt, was ed nicht ift; aber doch iſt fie auch darum fchon verdienftlich, daß fie den Wunſch nad) befferer Belehrung erwecket, und den For⸗ ſchungsgeiſt befoͤrdert )). Wir werden alfo bier dem Plato folgen, und mit ihm erſtlich betrachten, worin die Erkenntniß nicht beſtehe, um dann mit Vergleichung anderer Stellen ſeinen eignen Begriff aufzuſuchen. In dem Theaͤtet werden nicht weniger als vier Er⸗ klaͤrungen von der Erkenntniß vorgetragen, welche Plato als falſch verwirft. Nach der einen war Erkennen fo viel. ale Anfchauen und Empfinden; nach der zroriten, fo viel als Urtheilen; nach der dritten, fo viel als Er« fenntmiß Haben; und emblich nach der vierten, aus Gründen urtheilen. Die erfte Erklärung, welche jebe finnliche Vorſtel⸗ lung zur Erkenntniß machte, gründete fi) zum Theil auf eine 2) Theaeter. ©, 166, 178. 3) Theaetet. ©, 178. 4) Theaet, ©, 144, 145. — 11 — eine hoͤchſt mangelhafte Kenntniß von dem Vorſtellungs⸗ vermoͤgen, theils auf ein beſonderes phyfiologiſches oder metaphyſiſches Syſtem. Die groͤßten Denker hatten bie Unterſcheidungsmerkmale zwiſchen den Vorſtellungen der Sinnlichkeit und des Verſtandes noch nicht deutlich entwickelt, ſondern ſie hielten beide, als Arten einer Gattung, für einerlei )). Der Verſtand war nicht vom dem Empfindungsvermoͤgen unterſchieden worden — eine Behauptung, welche Helvetius mit fo diel Scharf⸗ finn ausgefuͤhret hat — daher konnten ſte dem Verſtan⸗ be bei ver Erkenntniß keinen beſondern Antheil und Bei⸗ trag anweiſen. | Die Klarheit ber finnlichen Borftellungen und bee dadurch vorgeſtellten Gegenſtaͤnbe, verbunden mit bem Mangel eier Unterfcheibung gwifchen ber Vorſtellung und dem Vorgeftchten, erzeugte natürlich die Meinung, daß durch diefe Vorſtellungen die Dinge an fich vorge⸗ ſtellt würden. Und weil dieſe Vorſtellungen ummittelbar auf ein Dbjeft bezogen werben, fo mar ber Irrthum fehr verzeihlich, die anfchauliche Erfenntniß für bie einzige mögliche, und die Sinnenweſen für bie einzigen erfenn- baren Gegenſtaͤnde zu halten. Eine Folge von beiden Vorſtellungsarten war die Behauptung, daß alles fich verändere, ober wie es damals hieß, daß alles fließe. Denn ein Gegenſtand erfchien' bald mit biefen bald mit andern Befchaffenheiten, und weder derfelbe Menſch noch mehrere Menfchen erhielten von einem und demſelben Ges genſtand einerlei Eindruͤcke *). Nach jenen Grundfägen war es alſo ganz richtig geſchloſſen, daß jeder Gegen⸗ ſtand das iſt, was er jedem erſcheint, und daß es nichts Beharrliches, Unveraͤnderliches und Abſolutes giebt, ſonbern alle unſere Erfenntmiß nur Beziehungen und MR 3 Bere 9) Ariftotel.!Metaphyt. fiII, $. 6) Theaer. ©. 72,73. — 132 — Verhaͤltniſſe auf Die empfindenden Weſen zum Gegen⸗ flande hat. Dieſes Syſtem, wozu Protagorag durch feine Behauptung, daß der Menſch dag Maaß aller Dinge fei, den erften Grund gelegt, das Plato aber wahrfcheinlich etwas mehr entwickelt hatte, beftebet aus folgenden Sägen. 1. Außer der Koͤrperwelt if nichts. Esgiebt nur Körper und deren Prädicate, Bewegung und Meränderung. 11. Es giebt zwei Arsen der Veränderung. Die eine entfpringt aus dem Bermögen zu wirfen; andere aus dem DBermögen zu leiden. JIL Aus Verbindung von beiden entſtehet die ſinn⸗ liche Vorſtellung (arte), und das finnlich - BVorgeftellte (a dur.) Die Gegenftände affıciren das Gemuͤth, fie wirken; bag Gemuͤth empfängt die Eindrüde, es leidet. .-Die Empfangung des Gegebenen if die Empfindung, finnliche Vorſtellung: das Gegebene von dem Gemuͤth aufgenommene iſt das Vorgeftellte; dasjenige, morauf dieſes be zogen wird, der vorgeftellte Gegenſtand. w. Die finnliche Vorftellung entſtehet nur allein durch Vereinigung beider Veränderungen. So entſtehet 5. ©. eine Anfchanung durch bag Geſicht, wenn ein Segenſtand auf das Auge wirkt, und bie ſes afficieret wird ”). - NV. Jedes Ding iſt nur etwas für die Menſchen, in fo fern er vorgeftellt wird, und es wird nur vorgeftelle durch die Vereinigung von et⸗ was Wirfendem und $eidendem, d.h. durch Ver⸗ änderung. Was rin Ding durch VBeränberung erfcheint, das iſt es für den, dem es erfcheint. VI. Wenn 7) Theaeee. S. 1610 ”„ u 183, — En Ze 5 Wenn das Gemuͤth, das Leidende, verändert ird, fo muß der Gegenftand anders erfchel- nen, wenn er auch an fi nicht verändert würde. v1 Jede Erfenntniß ift alfo das Reſultat aus dem Verhaͤltniß der Gegenſtaͤnde zum Ge⸗ muͤth, und des Gemuͤthes zu den Gegenſtaͤn⸗ den. vum Die Erkenntniß iſt daher nur ſubjektiv. Jeder Menfch erkennt nur, was ein Ding für ihn, d. h. für feine Empfindung il. Wie ihm aber auch ein Gegenſtand erfcheine, dad if für ihn ber Gegenſtand. Und fo bei jebem andern Menfchen. Der Menfch iR alfo das Maaf oder ber Richten _ alier Dinge, wie ſich Protagoras ausdruͤckte. DR. Jede Veränderung des Verhältniffes veräns dert auch den Inhalt der Erkenntniß. Umge⸗ kehrt gile auch der Schluß von der Erkenntniß auf die Veränderung des Gegenſtandes. Wenn ich bie Zahl Sechs neben Vier feße, fo if jene grde fer; neben zwälf aber Fleiner. Dieß läßtfichoßne Beränderung nicht benfen. Denn größer kann nicht werden ohne Zunahme, noch keiner ohne Abnahme °). „x Wir erkennen nichtz Abſolutes, nur Rela⸗ tionen. In Abficht der Veränderungen If dieſes von ſelbſt klar. Geſezt aber auch, wir naͤhmen die Seharrlichen Eigenfchaften, oder das Weſen der Dinge wahr, fo erfennen wir fie boch nicht am und für fich, fondern allegeit in Verbindung und Verhaͤltniß mit etwas anderm ). M 4 Gegen ) Theaster. ©. 71—73. 9) Thesetet, G. 86, 17. 7 Gegen dieſe Theorie, in fo fern fie die Entſtehung der finnlichen Vorſtellungen betrifft, bat Plato fell gar Beine Einwendung gemacht, es ſei nun, daß fie in den Hauptſaͤtzen auch die feinige war, ober, daß er es nicht für nöthig hielt, fie von diefer Seite gu widerlegen, Sein Hauptaugenmerk war auf den Sa& gerichtet, daß Empfindung und Anfchauung Erfenumiß fei; dieſen konnte er nicht zugeben, ohne feine ganze Philofophie zu jernichten. Denn wie fann mit der Behauptung, daß alles in fletem Wechfel fei, die Annahme eine® unabaͤn⸗ derlichen Geſetzes der Sittlichkeit und eines oberfien Zwecks für alle Menſchen beſtehen? ) Und wenn wir auch jest von dieſen überfinnlichen Gegenftänden abſttahiren, fo giebt ed doch noch mehrere Seiten, von welchen bie obige Theorie als falfch und un. zulaͤſſig erſcheint. Man nimme an,. daf in Träumen, in !franfheiten und im Wahufinne bie Empfindungen nicht fo wahr find, als in dem wuchenden und gefunden Zuftaude Weit gefehlt, daß die Vorſtellungen in dieſen Zuftänden wahr fein follten, fo haben fie oft gar feine objektive Realitaͤt. Mach feiner Theorie iſt es fchlech- terding® unmöglich ,. diefe (objektiv) falſchen Vorſtel⸗ lungen von den (objektiv) wahren zu unterfcheiden, . Meberhaupt gebe es gar fein Merkmal, wodurch das Wachen und das Träumen unterfchieden werben Ednnte, Denn indem Traume folgen bie Vorſtellungen eben fo auf einander, wie im Wachen. Es wäre alfo möglich, daß wir, bie wir jegt über etwas räfonniren, dieſes im Traume thd- een, und um nichts munderbarer, ald wenn man im Zraume Träume erzähle. Da nun bie Zeit, welche wir verfehlafen, beinahe derjenigen gleich ift, da wir mas een, fo muß das Gemuͤth nothwendig in Widerſtreit mie fich gerathen, welchen Vorſtellungen fie objektive Realitaͤt beilegen fol. In Anfehung ber Krankheiten und 19) Theaeter- G. At. — 255 2 und bed Wahnfſinns iſt zwar bie Zeit ungleich. Allein wer will nach der Laͤnge oder Kuͤrze der Zeit die Wahr⸗ beit der Vorftelungen-beftimmen? Der erſte Fehler der Theorie beftchet alfo darin, daß fie die Unterſcheidung zwiſchen (objektiv) wahren Worſtellungen und Ein: dildungen unmöglich macht ). Dieſes Raͤſonnement entfcheidet die Sache nodh- nicht. Die Vertheidiger der Behauptung, daß jede finn- liche Vorſtellung auch Erfenntniß fei, können fich noch immer gegen biefe Kolgerungen verwahren. Weit ent fernt, die Wahrheit der Vorſtellungen in dem Traume ober Wahnfinne zu läugnen, fo können fie diefelbe viel mehr als eine Folge aus ihrem Grundſatze annehmen. Sie fagen fo: Ein Menfch, ber frank iſt oder ſchlaͤft, iſt in einem andern Zuſtande, als wenn er geſund ober wachen iſt. Die Dinge müffen alfo in dem einen Zuftande ganz anders anf Menfchen wirken als in dem andern; die Vorfelungen muͤſſen verfchieden fein, ob fie gleich in beiden Zuftänden wahr ind. Der Wein ſchmeckt dem Gefunden füße, bem Kranken aber bitter. Denn bad Subjekt iſt verändert; bie Verbindung zwi - ſchen beiden Hat fich geändert; daher befommt. bad Ob⸗ jekt eine andere Befchaffenheit und das Subjekt eine an⸗ dere Empfindung. Hierbei leider bie Wahrheit und Rea⸗ litaͤt der Vorſtellungen gar nichte. Denn was mich afe ficieret, dag it fürmich, und iſt es für mich nur allein; denn ich empfinde «8, Jede Empfindung iſt ein Theil von meinem Sein und Weſen ).. Plato widerleget dieſes Näfonnement nicht unmit⸗ telbar, ſondern er ſtellt dagegen mehrere Widerfprüche auf, welche fih aus dem Hanptfabe ergeben. ; Wenn ed wahr ift, daß allein die Sinnlichkeit das Erkenntniß⸗ Rs | ver⸗ ı7) Theaerer. S. 211 —33. 12) Theaetet. &. 83387. —. 186 — vermögen ausmacht, fo muß man zugeben, daß bieun- vernünftigen Thiere eben fo viel Anfprüche auf Erfennt niß und Wiffenfchaft machen Finnen, als die Menſchen und felbft die Goͤtter. So befibe fein Menſch mehr Kenntniffe und Einfichten, fa bat feiner mehr Verſtand und Beurtheilungsfraft;. fo darf keiner bed andern Bow eftelungen prüfen und beurtheilen; fo if die Logik, die ſich bamit vorzüglich beichäftiget, das thoͤrigtſte Untere nehmen ). Wichtiger als biefe Einwuͤrfe welche nur apogo⸗ giſch find, find diejenigen, welche aus der Beſchaffen⸗ heit der ſinnlichen Vorſtellungen ſelbſt herfließen. Wenn man behauptet, daß die finnliche Vorſtellung von ber Erfenntniß nicht verfchieben ift, fo muß man auch an⸗ nehmen, baß wir bie Sprache der Ausländer, welche wir nicht verfiehen, wiflen, wenn wir ihre unverfiänd- lichen Töne hoͤren, oder bie Sprachzeichen lefen. Doch dage⸗ gen läßt fich noch erwiedern, daß wir non einer Sprache nur daß erkennen, was wir durch dag Auge oder Ohr empfinden, nemlich die Sprachzeichen und Sprachtöne, nicht aber ihren Inhalt. Mon den erften erfennen wir Ihre Geſtalt und Farbe; vom den legten ihre Höhe und Tiefe '*). Wenn einer etwas angeſchauet und empfunden hat, und die Vorftelung erhält fich in dem Gedaͤchtniß, Ifo fann man fragen, ob die Wiedererinnerung auch Er- kenntniß fei oder nicht: Wird die Frage bejahet, fo iſt die obige Erklärung zu enge; wird fie verneinet, fo folgte ein Widerfpruch, daß einer, ber etwas weiß, (fich bee wußt ift) es nicht weif. Und wenn ein Menfch mic dem einen Auge etwas ſiehet, oder welches eben fo viel if, erfennet, und. das andere verfchließt, fo wuͤrde baraus der ungereimte Cap folgen, es fei möglich, dienemliche Sade 13) Theaeter. ©. 89. 90. 14) Theaetet. G. 93. “ Sache zu erkennen, und zur nemlichen Zeit nicht zu er⸗ fennen. Die Ungereimtheit jener Behauptung leuchtet noch mehr ein, wenn man fragt, ob es möglich fei, die nemliche Eache fcharf ober bloͤde, in der Nähe ober in ber Gerne, lebhaft oder ſchwach, zu wiſſen und zu er⸗ kennen ”). - Plato laͤßt Hier die Sache noch nicht ruhen, fonbern fucht alled auf, um bie Behauptung, bie er widerlegen will, zu rechtfertigen, damit die Widerlegung deſto gruͤndlicher ausfalle. Empfinden und ſich erinnern, laͤßt er den Protagoras antworten, iſt nicht einerlei; der Zuſtand des Subjekts wird alfo anders, wenn es empfindet und wenn es eine Gedaͤchtnißvorſtellung hat. .Man darf zwar ohne Bedenken einraͤumen, daß ein . Menfch zu gleicher Zeit denſelben Gegenſtand erkennet und nicht erfennet. Wem aber vor diefer Behauptung bange iR, der muß nur nit eingeſtehen, baß das veränderte Subjeft in eben demfelben Zuftande ift, in welchem es mar, ehe es verändert wurde. Die Hauptfäge, welche toiderleget werben müßten, find: daß nicht jeder Menſch feine eignen Sinne habe; baß nicht dem, der eine Em⸗ pfindung hat, bie Sache foober anders erfcheine; oder, - wenn ben Dingen ein objeftives Sein beigelegt werben fol, ob nicht derjenige, dem fie erfcheinen, dieſes. bes flimmen muͤſſe. — Durch die Behauptung, daß bie Empfindung Erkenntnifß fei, wird nicht jeber Unterfchied unter den Menfchen aufgehoben, fondern vielmehr be wiefen. Denn eben darin find die Menfchen unserfchieben, daß jedem die Dinge anders erfcheinen. Eben fo wenig wird dadurch geläugnet, daß einige Drenfchen weiſer und einſichtsvoller find al& bie andern. Ein Weifer ift nem» lich nicht derjenige, ber wahrere Vorftellungen bat, fon- dern derjenige, ber machen kann, baß bag wirkliche oder feheinbare Boͤſe wirklich beſſer werde oder fcheine. Dem Frans 15) Theretet. S. 4— 4 DU, . — — -. X U U) 1] - 188 Kranken ſchmeckt das bitter, was dem Gefunden fühle fcheint. Beide Vorſtellungen find wahr, denn feiner. fann. das nicht Wirflicye ober ihn nicht afficierende em⸗ pfinden. Aber der Imterfchied finder ſtatt, daß der Kranfe in einem verborbeuen Zuftande empfindet, wel⸗ chem feine Vorſtellungen gemäß find. Der Arzt kaun nur machen, daß er fich in einem beſſern Zuſtande vor» fielle, und darum iſt er weile. Eben fo bewirken bie „Weiſen und bie Redner, daß den Staaten bag Gute an⸗ flatt des Boͤſen recht ſcheine. Aber fo lange eine Regie» rung etwas für Recht und Gut hält, fo lange iſt es das für dieſe Regierung "). Um Diefe Behauptung grändlich zu widerlegen, fo müffen wir die Sache noch genauer unterfuchen. — Wenn Protagoras behauptet, daß für jeden das wirfe lich fei, was ihm erfcheinet, fo muß biefes von allen Menfchen und allen Vorſtellungen gelten. Sie müffen alle objeftio wahr fein, und in fo fern iſt Feiner weiſer. Allein die Menfchen Handeln diefem Syſtem ganz entge⸗ gen’, wenn fie eingeftchen, daß bei ihnen Wiſſen und Nichtwiſſen angetroffen werde, daß zudem erftern richtige Begriffe, zu dem zweiten falfche Begriffe gehoͤren. Pro⸗ tagoras mag nun feine Behauptung ober biefe entgegen⸗ ſtehende für wahr anerkennen, fo fällt fein Spftem über den Haufen. Thut er das lezte, fo geſtehet er, daß nicht alle Vorſtellungen wahr find; ergreift er bie erſte Parthie, fo widerſpricht ihm der größte Theil der Men⸗ fhen, deren Urtheil nach feinem eigenen Syſtem gültig iſt. Vor allen Dingen muß jedem Menſchen das allge- meine Recht, bes andern feine Vorſtellungen und Urtheile gu beurtheilen, unangetaſtet bleiben '”). Wollte man auch zugeben, daß bie Vorſtellungen von der Gerechtigkeit, Heiligkeit, Schönheit, Haͤßlich⸗ | keit, 16) Theaetet. G. 99—ı02. 17) Theretet. G. 107 - 110 vo, — 1 89 — keit, die ſich die Menſchen nur je machen moͤgen, wabr find, fo, wird doch niemand behaupten koͤnnen, daß, was den Menſchen nuͤtzlich ſcheinet, dieſes auch deshalb nuͤtzlich ſein muͤſſe. Denn die Erfahrung lehret/ daß ſich die Regierungen in den Geſetzen, welche auf das Beſte der Staaten abzielten, ſehr oft geirret Haben. Und. ba die Geſetze auch das Fünftige Gute zum Gegenftand haben, fo fragt es ſich, ob der Menfch ein Kriterium von dem, was gefchehen wird, befige. Wach Protagos ras Syſtem müßte dieſes Kriterium die Empfindung und Borftelung von dem KRünftigen fein, d. h. es müßte des⸗ wegen gefcheben, weil er meint, es werde gefcheben. Allein esrift offenbar, mie trüglich alle dieſe Vorſtellun⸗ gen find. Oft haben die Menfchen in biefem Punkte entgegengefeßte Vorflellungen ; 5. B. der Arzt glaubt, ber Datient werde Fein Fieber befommen, der Patiene aber ſtellt fich das Gegentheil vor. Was wirb da ges ſchehen? Wird der Parient das Fieber etwa bekommen und nicht befommen? In vielen Zälen weiß auch ber Kunftverftändige viel richtiger gu urtheilen, als ber Laie. Diefe Gruͤnde und vorzuͤglich der obige, daß Protagoras alle und jede Empfindungen der Menfchen zu Nichtern Äber die Wahrheit der Empfindungen macht, find ent⸗ fcheidend, und widerlegen bie Behauptung, daß jede Empfindung Erkenntniß ſei, unmiberlegbar "*). Allein fo lange ed noch dahin ſteht, ob nicht im Anfehung des jedesmaligen Eindrucks, welcher den Stoff zu den Anfchanungen und Urtheilen enthält, die finnlichen Vorfiellungen (objektive) Wahrheit enthal⸗ sen, fo ift auch diefed ganze Gebdude, welches alle Erfenntniß von den Einnen ableitet, noch nicht umge - ſtoßen 7) Plato ſtellt hier ein wichtiges Problem auf, 18) Theaetet. ©, 112. 124—137. 19) Theaet. ©. 128. 12 ds vo wage ixasp wudor, af av al assIyesıs ua al ara Taurag dofms Yıyyarras ARÄMUTE- gor sry, wclun RAydars. R auf; von welchem; wie er fehr gut tinfah, bie eigenes liche Entfcheidung ber Streitfrage abbing. Im Bor hergehenden hatte er gegeigt, daß die Behauptung, jebe moͤgliche Erfenntniß gehöre ausfchließend den Sinnen an, auf lauter Widerfprüche und Ungereimtheiten führe. Jezt kommt er der Unterfuchung näher, indem er bie Frage aufwirft, ob nicht die finnlihen Vorſtellungen deswegen objeftive Mealitäf haben, "weil fie aus Eindrücden entfichen, welche die Objekte der An- ſchauung unmittelbar liefern. Dieſe grage beantwor« tet cr aber nicht in ihrem ganzen Umfange, fondern nur in Ruͤckſicht auf dad Heraclitifche und Protageräifche Syſtem von der allgemeinen Beränderlichkeit aller Dinge. Nach biefem giebt es Feine andere Erfenntmiß als durch bie inne; wir erfennen durch fie die Dingen fich, aber fie find weiter nichts als Veränderungen, oder dad Pros buft aus ber Veränderung des Objekts und Subjekts, aus ihrer Wechfelmirfung. Plato mwiderleget diefes Sy⸗ ſtem dadurch, daß er zeigt, daß, "wenn weiter nichts als dag Veraͤnderliche exiſtirt, es gar keine Erkenntniß giebt, weil dieſe die Vorſtellung der Dinge an ſich iſt, bei denen keine Veraͤnderung angetroffen wird. Heraclitus und feine Anhänger behaupten eine alle- gemeine Veraͤnderlichkeit aler Dinge. Du ed nun zwei Arten von Veränderung giebt (wma), bie eine Der änderung bed Orts, Bewegung, (seeıpoga); Die zweite Veränderung der Aualität (arromen): fo müffen fie, um eonfequent zu fein, die Beränderung aller Dinge in beis den Mückfichten behaupten. Jedes Ding wird im Raus me bewegt, und feinen @igenfchaften nach verändert: So muß ſich alfp auch ein weißes Objekt ändern, daß es nicht mehr dem Auge weiß erfcheinet, fondern in eine andere Farbe übergehet. Diefes folgt aus jenem Syſtem. Dann ift ed aber auch nicht möglich, es unter einen 5% flimmten Merfmal vorzuſtellen. Da «8 im beſtaͤndigen Wechſel fr fo ift es fo wenig weiß ale etwas ander®: Eben % Imuman 191 — Eben fo iſt «8 mis der Anſchauung und Empfindung. Das Sehen und Hören verändert fich beſtaͤndig; man kann es alfo fo wenig Sehen als Nichtfehen, Hoͤren und Nichthoͤren nennen. Iſt num die Anfchauung und Ems» pfindung Erfenntnig, fo ift auch eben fo gus Richter» kenntniß, wenn die Sinne immer verändert werden. Siebe Antwort auf eine Frage, fie falle aus, mie fiewill, bejahendb oder verneinend, iſt fo gut wahr ober falfch, als die andere. Doch mwiberfpricht auch fchon der Ges brauch ded Worts fo diefem Syſtem; denn es druͤckt etwas Beharrliches aus. Man müßte fich- licher dee Ausdrucks, auf Feine Weiſe, bedienen, wenn man es in dem unbeflimmten Sinne nimmt”). Aug diefen Un terfuchungen ergiebt fich das Kefultat, daß aus ber Sinnlichkeit allein, nad) der angenommeren Sppothefe von einem allgemeinen Wechſel aller Dinge, keine Er kenntniß entföringen kann. . Zulezt widerlegt Plato dieſe Theorie auch aus ber Natur des Vorſtellungsvermoͤgens. Diejenigen, welche behaupten, daß die Sinnlichkeit allein das Erfenntniß- vermögen ausmache, muͤſſen nothwendig annehmen, Daß es Fein anderes Vermoͤgen des Vorſtellens gebe. Wenn baber gezeigt werben kann, daß es noch ein andes res Vermoͤgen giebt, das von der Sinnlichkeit vollig verſchleden ift, fo iſt auch die Erklärung von ber Erfennt- niß falſch. Durch die Einnlichkeit fielen wir ung dag inzelne vor. Aeußere Bedingungen derfelben find bie fünf Einne ; fie find eben fo-viele Kandle, durch welche die Sinnlichkeit einen Stoff zu Vorftellungen erhält. Dar her beziehet das Gemuͤth alle Empfindungen und An⸗ fehauungen, die es auf diefem Wege erhält, auf den Körper (oder vielmehr auf ein Örgan, vermittelſt deffen es afficiert wird). . Jeder Sinn hat nur kine Art von Gegen⸗ 20) Thæaetet. ©, t28- 137. Sesenftänden, welche durch einen andern nicht wahrge⸗ nommen werben Finnen; ſo nehmen wir durch, dag Auge Karben, durch das Gehoͤr Tone wahr. Wenn wir alfo Borftellungen haben, die ſich auf beide beziehen, oder toenn wir über beide denken, fo koͤnnen diefe Vorſtelun⸗ gen weder durch das einen noch durch den andern Sinn entſtanden fein. Go denfen wir erſtlich, daß beides die Zöne und die Zarben etwas find; zweitens daß fe beibe jedes mit fich felbft identifh, von dem andern aber verfchieden find; drittens, daß fie alſo zwei Objekte find. Diefe Begriffe von Einheit, Einerleiheit, Acht lichfeit und fo weiter find alfo nicht aus der Sinnlichs ‚ feit genommen. Welches auch noch daraus erheflet, daß wir diefe Vorftellungen auf feinen Sinn und Or⸗ gar, durch deffen Vermittelung fie in die Seele gekom⸗ nen twären, besichen Finnen. Sie werden vielmebe von der Seele felbft, unabhängig von aller Organifation, erzeugt. Diefe Vorftelungen unterfcheiben fich von bes uen der Sinnlichkeit dadurch, daß fie die gemeinfchaft« lichen Merkmale mehrerer Vorftellungen enthalten, und daß fie dazu dienen, ein Ding zu beflimmen, mas «8 ift, und nicht iſt. Die Sinnlichkeit fann das Erkenntnißvermoͤgen nicht ausmachen, Denn welches Bermögen weder We⸗ fen noch Wahrheit ertennet (welches ohne Begriffe nicht geichehen kann), das giebt auch feine Erfenntniß ober Wiſſenſchaft. Nun erfennen wir durch finnliche Vor⸗ ſtellungen weder das Eine noch dag Andere (den Grund Davon hat Plato nicht angegeben; aber er liege ſchon in den Begriffen von Sinnlichkeit und dem Verſtan⸗ de. Nur der Verſtand urtheilet durch Begriffe, und nur durch Urtheile ift das Welen und die Wahre beit, oder das objektive Sein beftimmbar). Alſo fann das Weſen und die Wahrheit nur durch die Thaͤtigkeit des Verſtandes, durch das Denken erfaunt wer⸗ — 193 — werben ). Durch dieſe Unterſuchung haben wir war woch 8 ben Begriff von ber Erkenntniß gefunden, der doch den Weg in Beflimmung beffelben gebahnt, ins dem wir gezeigt haben, daß er aus dem Vermoͤgen der Sinnlichkeit nicht abgeleitet werben kann. Hierdurch ift ber zweite Begriff von Wiſſenſchaft vorbereitet. Das. Vorſtellen durch die Sinnlichkeit iſt nicht Erfenntniß, alſo wird es das Urtheilen durch den Berſtand fein. Erkenntniß iſt ein Urtheil (2ka) ”). - Dieſer Begriff iſt dem Plato noch nicht befriedigend. Denn wenn dieſer Begriff wahr fein ſollte, fo wuͤrde es boch nur aufein wahres Urtheil paffen. Die Erklärung Mm alfo zu weit. Zweitens. Diefer Begriff fejt fchon den beftimmten Begriff von Wahrheit voraus, der einer der ſchwierigſten in der ganzen Philofophie ift, und nicht eher ausgemacht werden fann, als bie der Begriff von Erfenntniß gefunden ift ”). Won den Unterfuchungen > über die Wahrheit und Kalfchheit der Urtheile werden wir unten in dem dritten Abſchnitt Rechenſchaft geben. Drittens. Auch ein wahres Urtheil ift noch von der Er- kenntniß und Wiſſenſchaft verſchieden, welches am beften ans ben Wirkungen der Beredfamfeit erhellet. Die Red⸗ ner bringen bei den Nichtern Ueberzeugungen von bee Mirklichfeit einer Begebenheit, ober bem Urheber einer That hervor, nach welchen fie eine Rechtsfrage entſchei⸗ ben. Wenn diefe Ueberzeugungen wahr find, fo urthei⸗ Ien die Richter nach der Wahrheit. Aber Haben fie des⸗ wegen auch Erkenntniß oder Wiffenfchaft von dem, was fie nicht gefehen ‚ was fie nur aus Zeugniffen ken⸗ nen? *) Noch 21) Theaet. ©. 139 —14. 23) Theaetet. ©. 145. 23) Theaetet. ©. 146—166. a4) Theaet. ©. 174, 175. N Noch weniger befriedigend If} die Dritte Ceflärung: Erkennen fei fo viel ats Erfenntniß haben oder befigen (eisyum xy, wrucdaı). Eine Erfenntniß baben und eine Erkenntniß befigen bedeutet nicht einerlei Sache. Man beſizt eine Erkenntniß, wenn ſie in dem Gemuͤthe auch nur als Anlage (dvvauıs) vorhanden iſt, ohne Bewußtſein und ohne Anwendung derfeiben. Wan hat eine Erkenntuiß, wenn man fich ihrer bewußt ift, und fie anwendet. Den Sehler diefer Definition,. baß der Ausdruck awırumu nicht beftimme if, und nad) einer Bedeutung fo gar das be deutet, was erklärt werden fol, läßt Paso. ungerügt; er verwirft fie aus zwei audern Gründen. Eıftlich läßt ſich daraus bie Möglichkeit der falſchen Vorkellungen - ımicht erklären, welche durch Erfenntniß eined Gegenflan- des ansgefchloffen werden. Zweytens enthält bie Er- -Härung fein Merfmal, um die falfchen Vorſtellungen von den wahren zu unterfcheiden ”). Wir halten ung dabei nicht länger auf, weil e8 mit ber Theorie von der Mahrheit und Kalfchheit der Vorfiellungen tuſammen- haͤngt. Mehr Aufmerkſamkeit verdienet die vierte Erklaͤ⸗ sung: Erkenntniß iſt ein wahres Urtheil aus Gruͤn⸗ den (armdus def mern ). Der Platoniſche Begriff von der Erkenntniß iſt von dieſem den Worten nach wenig ober gar nicht verfchieben, wie wir in ber Folge zeigen werben. Unterbeflen ba ber Ausdruck von aeyac fo dieldeutig im Griechifchen if, und der Begriff von einen Grunde noch fo wenig beflimmt war, fo if es fein Runder, daß Plato bier faft mit denſelben Worten einen Begeiff von Erfennmiß aufſtellte, welchen er mit dem Geiſte feiner Philoſophie nicht vereinbarlic, fand. - Aus dieſem Grunde müffen wir dem Gange der Unterfuchung um fo genauer nachgeben, meil er uns auf die Spur brin⸗ ’ a5) Theaeret. ©. 1 26) Theseter. ©. 176. ‘ „. — — md u " une 1995 — bringen wird, das Eigenthuͤmliche der Platoniſchen Theorie von dem Erkennen zu entdecken. Nach dem jezt angefuͤhrten Begriff werden alle Vorſtellungen und Urtheile, welche aus keinem Grund ‚abgeleitet ſind, aus dem Inbegriff einer Erkenntniß aus⸗ geſchloſſen. Alles, wovon man keinen Grund angeben kann, iſt kein Gegenſtand der Erkenntniß. Die Elemen⸗ te, erſten Beſtandtheile, allet Dinge koͤnnen aus keinem Grunde abgeleitet. werden, denn fie find einfach. Dan kann fie nur mit einem Worte bezeichnen, aber mit. feinem andern pofltiven ober negativen Brädicate denken. Denn ba diefe Prädicate, 5. B. Identitaͤt, Verſchiedenheit, Ein- heit u. d. 98. diefen nicht allein, fondern allen andern Dingen gufommen, fo denlt man durch fie nicht, was die Flemente an fich find, fondern was fie mit andern - * Dingen gemein haben. Sie find alfo nicht erfenubar, fondern konnen nur empfunden und mit Morten bejeich- net toerden. Alles übrige beftehet aus ihnen, es täße fih alfo von den Elementen ableiten und erfennen, fo wie die Worte und Sylben erfennbar find, aber nicht. die Elementarlaute, aus denen fie beflchen. : Wer alfo eine richtige Vorſtellung von etwas hat, ohne fich eines Grundes bewußt zu fein, der ſtellt ſich etwas Wahres vor; aber er hat keine Erkenntniß, bis er im Stande iſt, von dem, was er ſich vorſtellt, Rechenſchaft zu ge⸗ ben ). An dieſer Theorie findet Plato nur den einzigen Satz nicht befriedigend, daß die Gründe der Erkenntuiß ſelbſt nicht erfennbar fein ſollen. Die Riückficht, melche der Urheber derfelben auf bie Srundlaute, Sylben und Worte genommen hatte, giebt ihm Anlaß, feine Zweifel dagegen zu entwickeln. Wenn man fragt, was ift die erſte Sylbe von Sofrated, So, fo fann man antwor⸗ ten: Smd O. Diefe beyden Laute find der Grund 9 N 2 | von 47) Theaetet. ©. 176, 177: ’ ‘ - -- > — 196 — ' von ber Sylbe. Aber man kann nicht weiter fragm, was iſt das &, oder was ift ber rund beffelben? Denn von einem Elemente giebt es nicht weiter ein Element. In ſo meit hat alfo biefe Theorie Wahrheit, in fo fern es über die legten Gründe Feine weitern Gründe giebt. Hingegen iſt es nicht gründlich erwiefen, daß die erſten Elemente nicht erkennbar find, ba doch das aus ihnen abgeleitete, die Spiben, erfennbar iſt. Zwei Faͤlle laſ⸗ fen fich hier nur denken. Entweder ift Die Sylbe nichts anders, als die Elemente, die fie ausmachen, ober fie ift die Form der Beflandeheile *). Iſt das erſte, fo müffen notwendig bie einfachen Laute eben fo gut erfennbar fein, als die Splbe; denn fonft koͤnnte man die Sylbe nicht erkennen, da fie nichts anders if, als bie einfachen Srunblaute. Wir wol‘ alfo den gweiten Fall fegen, daß die Sylbe etwas am ders als ihre, Beſtandtheile ft, die Form des Zuſam⸗ mengefesten, die felbft aus feinen Theilen beſtehet, fon bern eine untheilbare Einheit iſt. Denn wollte man at nehmen, daß fie Theile hätte, fo wäre fie ein Ganjes, welches mit ber Totalitäe der Theile identiſch if. Dann iſt aber die Sylbe eben fo wenig erfennbar, als bie Ele mente, aus denen fie beſteht, und zwar aus dem nemli chen Grunde, weil bei beiden Einfachheit, Abmefenheit ‚aller Zufammenfegung vorfommt. Nach beiden Voraus⸗ ſetzungen ift alfo der Sas falſch, daß die Elemente nicht erkennbar find. Es laͤßt lie vielmehr im Gegentheil el⸗ a8) Theacter. &. 178,179. Oegr Ay, muy evaraßın werten Aryokev Ta MUPaTsEa TOXEım; Hy Kay Tıva ıdaay yeyanaıl! eursdern ausm; Dieſe Bedeutung des Wertes «de ſtimmt mit den übrigen Bedeutungen ſehr gut zuſammer, 4. B. die Geſichtsbildung. Selbſt die, daß ed die oberhin Bernunftbegriffe bezeichnet, gehoͤret bicher, indem fieniätt als die Jorm des gebachten Mannichfaltigen fürb- — 197 — erweiſen, daß fie ‚noch leichter und klaͤrer zu erfennen find, als dag, mas von ihnen abgeleitet if. Denn wenn man 5. B. Lefen lernet, fo thut man nichts, ald daß man die einzelnen elementarifchen Laute und Schriffe zeichen der Sprache durch das Geſicht und das Gehoͤr unterfcheiden lernet, bamit man durch ihre Verbindung nicht verwirrt werde. Eben fo iſt es inber Muſik. Wenn man baher von biefen Faͤllen auf alle andere ſchließen darf, ſo ſind die erſten Gruͤnde einer jeden Erkennt⸗ niß weit. deutlicher und evidenter, als das aus ihnen abgeleitete *). So ſpitzfindig auch zum Theil dieſe Widerlegung iſt, fo kann man doch in ber Hauptſache nicht anders, ale dem Plato Recht geben, daß, wo es um eine teiffenfchaftliche Erkenntniß fu thun ift, worauf Auch vorzüglich fein Augenmerf gerichtet iſt, es ein erfle Princip geben muͤſſe, welches durch feine Deutlichkeit amd Evidenz Die ganze Reihe von Behr- und Folgeſaͤtzen zu einem Ganzen verbindet, und wo dag Prineip fein Gegenſtand des Wiſſens iſt, auch dag Abgeleitete es nicht ſein kann. Dieſer Satz hat einen großen Einfluß auf ſeine Metaphyſik gehabt, wie wir unten ſehen werden. Hierdurch glaubt aber Plato den oben aufgeſtellten Begriff von der Erkenntniß noch nicht widerleget zu ha⸗ ben, ſondern haͤlt ihn einer noch ſchaͤrfern Prüfung . werth. Da alles auf das Merkmal anfommt, welches durch dad Wort aoyos ausgedrückt ift, fo fuchter erfi die _ verfchiebenen Bedeutungen deffelben feſtzuſetzen, welches bis auffeine Zeit fo wenig gefchehen war. Drei Bedeutun⸗ gen find «8, welche, wie er glaubt, dieſes Wort hier haben kann. Erſtlich kann es bedeuten den Ausdruck der Ge⸗ danken durch Worte, oder das Vermoͤgen, ſeine Vor⸗ ſtellungen in der Sprache darzuſtellen. Allein das Ver⸗ J N3 moͤgen 29) Theaetet. GS. 179—186. — 113 — mögen dazu beſtzt jeder, ber nicht von Geburt tanf ober ſtumm if. Eine wahre Vorftelung wird aber ba durch, daß fie in Worten dargelegt wird, keine Erkennt. niß oder Wiffenfchaft *).. 0 Zweitens bedeutet es vielleichtodas Vermoͤgen, auf eine Frage durch Zergliederung zu antworten, d. h. den inhalt eines Begriffs deutlich zu entwickeln, und die ent haltenen Merkmale anzugeben, oder von dem Beſondern zu dem Allgemeinen fortzugehen (dm sam dog em ra dr). Auch diefes Merkmal. ift nicht befriedigend, weil es das, wodurch ſich Erkenntniß und Wiffenfchaft von allen andern unterfcheidet, nicht zu erkennen giebt. Dem es ift leicht möglich, daß einer bei dieſer Zerglieberlng Merkmale angiebt, welche nicht dem Gegenſtande, ſon⸗ bern einem andern zugehoͤren. Die Erkenntniß muß - aber einen Grund enthalten, aus welchen bie einzigen wahren Merkmale einer Sache fih ergeben ”). Drittens kann aoyee fo vielfein als das Merkmal, woburch fich ein Gegenſtand von andern unterſchei⸗ dee ”). Wenn mans. DB. faget, die Sonne ifl der leuchtendſte Körper von allen, bie ſich um die Erbe bewe⸗ gen. Wenn biefes Merfmal nicht binzufommt, ſo ſtellt man fich keinen beſtimmten Gegenftand, fondern nur das Allgemeine, We Gattumg vor. So beſtuͤnde alle bie Erkenntuiß darin, daB man nach richtigen Vorſtel fungen das Unterſcheidungsmerkmal eines Gegenſtandes (differentiam fpecificam) fich vorſtellt. Wenn man nun biefen Begriff näher unterſuchet, fo ergiebt ſich das Re fültat, daß er fo wenig als bie vorigen eine vollſtaͤndige Erflärung von Erkenntniß if. Denn wenn ich an wahre Vorfielung von einem Menfchen, } A Kt t 30) Theset. ©. 186, 31) Theaetet. ©. 187—r90. 33) Theaeter. ©. 190. re x rı eyuue un, g tun warıuy Jupıpeı ve eeury9e. ’ ) Lim 299. — Theaͤtet, Babe, und ich ſtelle mir zugleich die Unterſchei⸗ dungsmerkmale deſſelben vor, ſo habe ich von ihm eine Er⸗ keuntniß; wo nicht, fo babe ich eine bloße (ſubjektive) Borftellung. — Allein wenn man von ben Unterfcheie dungsmerkmalen abfirahiret, fo habe ich keine Vorſtel⸗ Jang von einem Individuum einer Gattung, fondern nur von der Gattung. Menn ich fage, Theaͤtet iſt ein Menfch, der Augen, Munb und Nafe hat, fo paflen dieſe Vorſtellungen eben fo gut auf ben Theätet als auf den Theodor und jeden andern Menfchen. Um mir ein Sudividuum vorzuftelen, muͤſſen anßer ben Gattunge« merkmalen auch feine individuellen Merkmale in bie Vor⸗ fiellung aufgenommen werben, um e8 von allen andern ga unterfcheiden. Durch jenen Begriff IR alfo noch nicht das Merkmal gefunden, wodurch fich eine bloße Vorſtel⸗ Inng. von der Erfenntniß und Wiſſenſchaft unterſcheidet. Iſt der Sinn jener Definition aber der, daß man das Unterſcheidende eines Dinge nicht allein vorftelen, ſon⸗ dern auch erfennen fol, fo ift es ein Eirfel, und bie "Definition würbe fo lauten: bie Erkenntniß iR die Vor⸗ ſtellung eines Gegenſtandes mit der Erlenntniß ſeiner Unterſcheidungsmerkmale Dies iſt die Kritik der damals gangbaren Begriffe uͤber das Weſen des Erkennens, die Plato in der Abſicht anſtellte, um den richtigern Begriff vorzubereiten und einzuleiten. ' So ausführlich und beſtimmt aber, als er die in feinen Augen unvollkommenen Erflärungen beur⸗ theilte, hat er an keinem Orte ſeine eigne Theorie von dem Erkennen vorgetragen, ſondern nur einige einzelne Säge und Winke, und das meiſtentheils nur im Bore beigeben, hingelegt. Unterdeffen koͤnnen wir dach aus diefem Wenigen, in Verbindung mit ben Refultaten, bie is aus der Widerlegung jener Begriffe ergeben, Na4 dieſe 33) Theaetet. ©. i90 - 194. —. 200 — dieſe Theorie dem weſentlichſten Iabalee nach wieder darſtellen. Aus der obigen Kritit fließen folgende Reſultate. Die Sinnlichkeit giebt Feine Erkenntniß, d. p. feine Vorftellungen von dem Weſen der Dinge an fih. Die .. finnlihen Borftelungen find nicht dazu geeignet, weil ſie nur dag Individuelle, Veraͤnderliche und Wechfelnde an ben Dingen zum Gegenftand haben. Zweitens. Der Begriff der Erfenntnig muß auf dem Gebiet des Verſtandes geſucht werden. Aber weder ein bloßes Urtheil, noch ein analytiſches deutliches Urtheil, noch ein Urtbeil, das die Unterfcheidungsmerkmale eines Ge genftandes angiebt, Fann für Erkenntuiß gehalten wer« ben, weil hierdurch das weſentliche Merkmal noch “wicht angegeben wirb, welches Erkenntniß von andern Dorftelungen unterfcheibel; und weil alle Urtheile Er⸗ fenntniß voraugfegen, um ihre Wahrbeit ober Galfhheit zu prüfen. Drittens. Jede Erfennenig muß ein Merkmal enthalten, wodurch fogleich beſtimmt wird, was dem Dinge zukommt, ober lzukommen fann, oder mit andern Worten, fie muß ein Kriterium abgeben um die Wahrheit oder Balfchheit der Vorſtellungen von einem Dinge entfheiden zu Finnen. Viertens. Gie muß das Beharrliche, Unveränderliche, d.h. das Al gemeine zum Gegenftand haben °*). Fuͤnftens. Gi muß in einem Vermoͤgen gegründet fein,. welches nad einem beftimmten, einförmigen Geſet verfaͤhret, deſſen Form alſo Einheit iſt Das Hauptmerfmal ber Erkenntniß iſt dies: die Vorftellung „welche Erfenntniß fein fol, muß fih auf einen beftimmten Gegenftand besiehen, und die Borftelung muß beftimmt fein, bamit fie auf einm beſtimmten Gegenftand bezogen werden Fönne — | | Denn 34) Crarylus ©. 346. 3) Cratylus ©. 346. gen — 201 ' [) Denn wenn man: eine Vorſtellung bald auf dieſen bald atıf einen andern Gegenſtand beziehet, oder wenn man ei⸗ nem Gegenſtand bald dieſes bald bag entgegengefezte Praͤdicat beileget, ſo iſt nicht abzuſehen, wie man ſagen koͤnne, man babe eine Erkenntniß von Etwas’). Da⸗ mit alfo eine Vorſtellung auf einen beſtimmten Gegenfland bezogen werden Eönne, muß ein Grund da fein, welcher ‚macht, daß fie nur auf diefen und feinen andern © genſtand besogen werbe. Das zweite Merkmal, wodurch Ettenncriß von bloßen Urtheilen unterſchieden wird, iſt alſo die Ablei⸗ tung ‚von einem Grunde. Wenn man ein Urtheil ‚von einem Grunde ableiten ober unter denfelben ſubſu⸗ miren kann (welches allezeit durch einen Vernunftſchluß iehet; daher nennt auch Plato den Grund arıaz 2o- gıcuos), fo erhebt man dag Urtheil zu einer wiſſenſchaft⸗ lichen Erkenntniß ”). Man fichet alfo ſchon aus biefer Beſtimmung, daß Plato die Erkenntniß und die Wiſſen⸗ ſchaft fuͤr einerlei gehalten hat; und es laͤßt ſich leicht begreifen, wie es kam, daß Plato beide Begriffe mit einander verwechſelte. Da die Unmoͤglichkeit des Beſtre⸗ bens der ſich ſelbſt verkennenden Vernunft, die Dinge, wie ſie an ſich ſind, zu erkennen, noch nicht geahndet wur⸗ de, noch weniger aus Principien erwieſen war, ſo war es natuͤrlich, die Philoſophie, die Repraͤſentantin der Vernunft, dieſes Geſchaͤft uͤbernehmen mußte, ein Syſtem der Erkenntniß der Dinge an ſich zu Stande zu bringen. N5 Es 1a) Theaetet. ©, 188. sereew — —XRXX hruv éruur, dray To auro Tora ker Tu auTu dony avıe nı- von) rore de drugs’ u REı ÖTAV TE auru rore HeV IT wors ds drueav dofsly; 37) Meno ©. 385. doku u worrd afım u. due av Tıe æurac Syey aırınc Anyısum - szudav ds Isdunı, wenTov HEY ERISUg YOYYOVTag , EWEITES FROYILLÖLe ' „ I 38) Cratylus S. 23€. — 502 — Es ſchien ausgemacht zu fein, daß die finulich vorge ſtellten Objekte nicht die Dinge an fich fein Finnen; weil ‘fie den Merfmalen von einem Ding an fich nicht entſpre⸗ Hm. Wenn ein Ding vorgeftelle werben foll, wie es an fih ift, fo muß es in feiner Totalitaͤt und Unverän- derlichkeit vorgeftellt werden; denn fein Weſen ändert ſich nicht. Ein Segenftand der finulichen Wahrnehmung wechſelt nicht nue immer in feinen Beſtimmungen, fon- dern afficiert auch die Sinnlichkeit nicht auf bie nemliche Weiſe. Es kann alfo nicht das Ding anfich fein, oder man müßte annehmen, daß es mwiderfprechende Veſtim⸗ mungen in fich vereinige, daß es zu gleicher Zeit den el⸗ nen fo, den andern fo afficieren fdune, welches aber dem erfien Sefeg des Denkens widerſpricht * ). Es blieb alſo für bie raͤſonnirende Vernunft nichts übrig, als die Gegenſtaͤnde, in fo fern fie angefchauet werben, für Er fheinungen, und die durch die Vernunft gedachten Objekte - für die Dinge an fich zu halten. Um fich dieſelben vorzuſiel⸗ len, muß aus dem Inbegriff derſelben alles, was indb - viduel und veränberlich if, ausgeſchloſſen, und nur dad in die Einheit des Objekts aufgenommen werden, was nicht wechfelt, was macht, daß ein Individuum unter eine Klaffe gerechnet werden fann. Der Inbegriff vr den Merkmalen, die allen Individuen zukommen , alſo nicht wechſeln, if der Gattungsbegriff. Alſo ift dad durch den Battungsbegriff beſtimmte und vorgeftellte Ob⸗ jekt dad Ding an ih. Das Ding an fich kann nur ge gedacht, nicht angefchauet werden; bag Denfen if ſo viel als Erkennen; Vernunft iſt dag eigentliche Erkennt nißvermdgen ; die Geſetze der Vernunft, die nur von te gulativem Gebrauch fing, um Einheit und Harmonie In das Ganze einer Erfenntniß zu bringen, werden confüe tutiv zur Beftimmung ber Dinge an fich gebraucht. N . | t les dies Hänge sufammen, und fließt aus dem Begriff ei⸗ nes Dinges an fi, als Noumenon. Um die Merkmale des Begriffs von einer Erkennt⸗ niß zu finden, muͤſſen tolr ‚die Merkmale, welche Plato mit dem Begriff eined rundes verband, auffuchen. Henn ber Grund eine Erfennmiß begründen fol, fo muß er ſelbſt erfennbar fein. Denn wie follte das aus einem urterfannten Orunde abgeleitete erfennbar fein? ©. oben ”). Die Gründe der Erkenntniß muͤſſen abſolut und unbedingt fein, fo daß fie von feinem andern abge leitet find ).Von bieſer Art aber find die Ideen, wie wir oben gefehen haben, bie bie Sattungsmerfmale von den unter ihnen enthaltenen Gegenſtaͤnden in fich faffen, d. 5. die nothwendigen, allgemeinen und deswe⸗ gen unveränderlichen Merkmale dieſer Gegenſtaͤnde; die Battungsbegriffe, melche zu allgemeinen Megeln dienen, unter benen andere Dbjelte ſubſumiret werden, die alfa "den Grund von den Prädicaten enthalten, welche dem Arten und Individuen beigeleget werden, bei denen es ſich aber nach feinem weitern Grunde fragen läßt, weil ſie die Gattungsbegriffe find. Wenn man 5. 3. nach dem ober» fien Merkmal fragt, warum etwas gut iſt, fo findet man feine befriedigende Antwort, fo lange man fie in irgend einem concreten Dinge fuchet, bis man ben reinen abftraften Begriff von dem, was an fi gut iſt, gefaßt babe. Ueber diefen Begriff hinaus kann man nicht ges” ben, und fragen, warum das dadurch gebachte Obſekt gut fei; aber wohl läßt es fich aus ihm erklären, war⸗ um ale anbert Objekte gut find *). Ich 39) de republie. VII. &. 165. ver apxı uev d un udn, Te acvru ds um vor merafu «Ed ug ads Eyuwswäkkreugs TIc Kye xæm 7 ramurwv dnersym were art Verein; 40) de republ. VII. ©. 165,166. VI. &.122. 124. 41) de republic. V. ©. 64 66. .ı " — 204 — Ich glaube, dieſe Eutwickelung bes Platoniſchen Begriffs von;den erſten Gründen! der Erkenntniß iſt fo einleuchtend, und haͤngt mit feiner Theorie von ben Ideen | ſo genau gufammen, daß fie mir feines meitern Beweiſes gu bedürfen ſcheint. Doch in dem Fall ihn wirklich jes mand vermiſſen ſollte, fo Finnen wir dieſe Darſtellung auch mit Bründen aus dem Plato felbft rechtfertigen. Die Ideen find die Begriffe, welche, wie Plato dachte, angeboren oder. der Seele mitgegeben find, und die fie ‚ durch die Wiedererinnerung (avapıyes) ind Bewußtſein zuruͤckrufet. Nun fagt Plato weiter: die Gründe, unter welche bie Urtheile vermoͤge eines Schluffes ſubſumiret werden, um Erkermetniffe gu werden, find nichts anders als Wiedererinnerungen (avapınaı), das beißt, di wieder ing Bewußtfein zurücgerufenen Ideen ) So wird auch das Denken der Ideen, als reiner abfoluter Begriffe, ale das Fundament aller Erfenntniß angefe ben ”). on \ Der Gegenſtand der Erfenntniß ift das Lnverän- derliche, Mochwendige, was zum Begriff eines Ge genftandes weſentlich gehöret (ev, vo aandec, erw), Ich "muß bier auf den erfien Band ©. 233 vermeifen, wo id) bei Deftimmung dee Begriffs der Wiffenfchaft allıd ge fagt babe, was bieher gehoͤret. Obgleich Plato mit allee Macht die Behauptung derjenigen beſtritt, welche die Sinnlichkeit ganz alein | Ä jum 43) Meno S. 385. des METER afızı en, dag ayrıc 0° Tag Öyay aurıng Aoyıcıa. Turo darıy avapıısıc. Man ver⸗ gleiche damit die Parallelſtelle Phaedrus ©. 326. dusyag auvoom0v Euvsevay zur s1ö06 ABYOLEVOVs 88 TOAARv ı0v axdy- Geav sc dv Aoyızum Evvamgupsvay. TUTO 8’ asıy avapıaaız nun“ vo, & #07’ sıderijumm Hluxy evumopsuduen Jen um ung“ ıluea, & vor suvay Ganıy, ua aviunbaea 06 To 076 07. 43) Definitiones S. 295. voyess aexy swiryuni t — 1205 — zum Erkenntnißvermoͤgen machten, fo ſchloß er fle doch auf der andern Seite nicht ganz von allen Aittheil an der Erkenntniß aus. Man kann vielmehr aus einigen Stellen mit ziemlicher Gewißheit folgern, daß er zwei Arten von Erfenntniß, eine reine und empirifche, annahm. Denn erftlich kommen bie Ausdrücke, Erfenntniß des Vers änderlichen, der entfiehenden und vergebenden Dinge, oder Erfenntniß aus dem Stoffe, ben bie Sinne liefern, und die Erfenntniß des Abfoluten, der unveränderlichen Dinge, nicht allein ausdruͤcklich vor **), fondern er fage auch, die Wiffenfchaften (welches mit Erfenntniß einerlei ift) Härten zum Gegenftande theils die entfichenden und vergebenden Dinge, theils die nicht entfiehenden und vergehenden, fondern umveränderlichen Dinge *). So erfordert er zur Erlangung einer Erkenntniß nicht allein die Zergliederung ber Ausdrücke und der dadurch bezeich« , neten Begriffe, fonbern auch ber Anfchauungen, um durch DBergleichung das Gemeinſame und Bebarrliche zu entdecken *). Einige Begriffe, fo mie fie Plato von der Erkenntniß und Wiffenfchaft aufſtellt, Taffen ſich nicht anders erflären, als wenn man annimmt, daß er ſie auf zwei verfchiebene Arten von Erfenntniß bezog. Wenn er fast, Erkenntniß fei eim Urtheil mit dem “Bes außen feines rundes, To paßt diefes nicht auf die Ideen und die Erfenntniß berfelben, weil fie die Begriffe don dem Abfoluten und Unbedingten find, bie feine wei⸗ tere 44) de Republica vn. ©, 192. 153. 5 vs æui OVTOR Yueı, j Tu zors vı yryvoumu naı amoAruivu Yyasıc. Theaetet. ©. 159%, qj Yınaıc ara pw aucduem. '45) Rhilebus ©, 311. as swısyun du swrenuns dmgages. 4 ev, emi Ta Yıyvoanın un mreAiunem aroßlszuen, ü 06 eri Ta KANTE YIYvonsın HUHTE AROÄAUHEIR ) ETW sauna da nm e avruc vra a8. 46). Epiftol. VI. ©. 135. 8 tere Bedingung zulaſſen. Am einem andern Orte ſagt er, die Erkenntniß ſei die analytiſche und ſynthetiſche Deut⸗ lichkeit eines Gattungs Begriffs ”). Diefes ſtimmt wiederum nicht mit ber Erkenntniß eines empiriſchen Ob⸗ jekts überein. Vielleicht wird dieß denjenigen befremdend vorkommen, welche uͤberzeugt ſind, daß Plato alle Vorſtellungen der Sinnlichkeit für bloße Taͤuſchungen und ganz untaugkich zu jeder Erfenmtniß gehalten habe. Allein Plato war weit entfernt, fie für bloßen Schein zu halten; und er Fonnte das nicht behaupten, ohne bem Fundament feiner ganzen Philofophie , den Ideen, welche bie Formen ber in der Sinnenwelt vorfommenden Dinge waren, ju wi⸗ derfprechen. Wie hätte er die Betrachtung empirifcher Gegenſtaͤnde empfehlen koͤnnen, ale eine Vorbereitung zur hoͤhern Erkenntniß, und als einen Weg, auf-mwelchem man die Ideen burch Abftraftion entwickeln Ednne? Plato kann alfo nicht geradezu die Wahrheit der finnlichen Vor⸗ fielungen längnen. Alles was er gegen bie Sinnlichkeit . faget, kommt auf zwei Punkte zuruͤck. Die Sinnlids keit erkennet Feine Wahrheit ‚ Indem bie Wahrheit nur buch ein Urtpeil es fei bejahend oder verneinend, ge⸗ dacht wird *). Seitens, durch die Sinnlichkeit m fennen wir nicht das Ding an fih, was es feinem um seränberlichen Weſen nach ift, fordern nur Erfcheinun . gen mit vielen zufaͤlligen Befchaffenheiten und Verhaͤlt⸗ niſſen, die, weil ſie nicht in dem Weſen der Dinge ge⸗ gruͤndet ſind, veraͤnderlich und in einem beſtaͤndigen Wech⸗ ſel find 9), Es kann alſo hieraus fein Einwurf gegen die Behauptung aufgeſtellt werden, daß Plato zwei Arten W von 47) Sophiſta G. 275. vure Prem, N rs nommen daara 8 VETa RM dry uy, dangıvev war yayac, swısagder. 48) Definitiones €. 293. armdıa, dir; ıv naraparu 1m amsündsı. 49) de Republic. V, ©. 64 NT — \ son Erfeantniß angenommen habe, eine reine und tine. empiriſche, von welchen bie erfte bie Dinge, wie fie an fih find, die andere die Dinge, wie fie erfcheinen, zum Gegenftande habe. Wir muͤſſen jezt dieſe etwas naͤher betrachten. Die reine Erkenntniß hat die Dinge an ſich sum Gegenſtande. Die Ding: an fich find in der Platoniſchen Philofophie, die unter der Form ber Vernunft, d. 6. durch eine Idee vorgefiellten Gegenſtaͤnde. Die Idee iſt die Form aller der Dinge, die unter eine Gattung gehoͤren, welche mit Ausſchließung aller zufälligen Merk⸗ male nur die wefentlichen unveränderlichen Merfmale oder . dad Wefen derfelben enthält, alſo dasjenige, was in jeber Art und Individuum eiuer Gattung nothwendig angetrofe . fen werden nınf. Die Idee, als Form und Muſter, nach weicher Sort die Dinge bildete, ift dad Ding an - fih, welches alfonur allein durch die Vernunft, ale In⸗ begriff der von Gott ber Seele mitgetheilten Ideen, et» fannt werden kann. (Man febe den Abfchnitt von ben Ideen). Die Erkenntniß ber Dinge an ſich iſt bie voll⸗ Rändige und beutliche Entwicklung ber in einer Idee oder Gattungsbegriff enthaleenen Merkmale und Beßim⸗ mung ber Geaenflände, auf welche fich der Gattungsbe⸗ griff beziehet ). Da der Btoff dieſer Erkenntniß in dem Vermoͤgen der Vernunft vorhanden, oder ihr angeboren, und von allem Empiriſchen abgeſondert iſt, fo Heißt ſie die reine Erkenntnift. Sie gewaͤhret eine feſte, unwan⸗ delbare und gewiſſe Ueberzeugung, weil der GSegenſtand derſelben unver aͤnderlich, nothwendig, und in der Ver ⸗ nunft gegruͤndet iR”) Im ſtrengſten Sinne iſt dieſe auch 50) Sophifta S. 275. sure Fern, V rs nurmay dunna dv- væras, u Ömu N > JnpIVEIV NETE YEvoc, EwIsade. 51) Philebus. rıp ewısyuuv weg: TE 07 nu evrac nm vo naTn TRUTOV RE REQUNEE WaYTnc Symye aııy Yyucdaı Suntarrag Üwerc vu nu GInpev TeseneTnTas, Haute MiydsTarıy um yıneı. Gorgias ©. 30. Timaeus ©. 347, 348. x — 205 — . auch bie einzige Erkenntniß, weil fie nur allein ein wirkliches * Objekt zum Gegenflanb hat, und von einem abſoluten Begriff entfpringt. Das erfie Merfmalfehlt ber mathema⸗ “tifchen Erkenntniß. Die marhematifchen Begriffemt- enthalten feine folchen Merkmale, deren Inbegriff das Weſen eines Dinges ausmachte, fondern nur die For⸗ men der Dinge, in fo fern fie in der Materie, 6.6. im Raume, dargeftellt werden follen. Daher wird durch diefe Begriffe fein Ding an fich, oder. fein unser änderliches abfolute® Subjekt, fondern nur Etwas: von einem Subjekt oder ein Praͤdicat eines in der Sinnen welt dargeftellten Dinges vorgeftelt ”). Man wird diefe Behauptung durch aufmetkſame Betrachtung über den Timaͤus beftätiget finden. Die Begriffe von den Eigen» ‚fchaften des Raumes werden nur dann erſt zur Anwendung - gebracht, da bie Materie gebildet und geformt werden fol, um den dußern Unriß der Körper gu beflimmen. Man Fönnte daher die Ideen die Formen des Unkoͤr⸗ perlichen, die matheniatifchen Begriffe Die Formen des Körperlichen, nennen. Die legten ſtellen alſo fein Ding an fih vor, fondern-nur bie Form der nach ihnen zu bildenden Materie. Es ſcheint zwar aus einigen Stellen, als wenn Plato der Mathematik den Rang einer Wiſſenſchaft und damit auch einer Erkenntniß ſtreitig machen wolle ”) Allein es ift nicht glaublich, daß ein Plato, der ſonſt das Studium der Mathematik fo außerordentlich hoch ſchaͤzte, fie der wiffenfchaftlichen Form nicht empfänglich ſollte gehalten haben. Plato kann von der Mathematil in den angeführten Stellen nicht überhaupt gefprochen nn haben, $2) deRepublica VII. ©. 165. a) ds Asımas (Texas) 8 Tu 0705 Tı dhdeı sriraußavaeda, Yanpergıay vo x. TE vaury deoumac. 43) de RepublicaVI. © 123,125. VII. ©. 165. = 29 — haben, fondern nur von der, zwar wiſſen ſchaftlichen— aber doch nicht durch die Analyſis vollendeten Wiſſen⸗ ſchaft, wie ſie damals unter den Griechen war. Er un⸗ terſcheidet anderswo die gemeine, mechaniſche, und die philoſophiſche Mathematik, welche auch andern Kuͤnſten nur allein eine wiſſenſchaftliche Form zu geben im Stande fei ). Selbſt da, wo erfie des Anſpruchs auf Erkennt⸗ niß zu berauben ſcheint, ſezt er doch hinzu, daß die ma⸗ thematiſchen Gegenſtaͤnde erkennbar ſeien, wenn man ihr Princip gefunden Habe ”). Dies Princip faun aber nichts anders fein, ale die Definition von den erſten Srundbegriffen, welche die damaligen Mathematiker oh⸗ ne Erklärung gebrauchten, mehr um die Reſultate als nm die toiffenfchaftliche Begründung derſelben bekuͤm⸗ mert. Und das iſt es chen, was Plato tadeln wollte’‘). $4) Philebus &. 299, w# du mis xupereymun dıaveyda- Kav FERMTE, 8 TO KEV SWITYNNG abram KMÄAOY SXOHEVOV, TE 00 drro — racur TE TEXIV Ay TIE aQIIuyTInyy XmEıCy» Xu METENTINUV Ras SETINUU SG EWG Era, DAVAOY TE KATE- Asızonsvoy Inasyc av yıyyeorre. ©. 301-303, $5) de republ. VI. &. 125. da ds ve um em’ ax avai- Hovras axnorsiv, MAX af Uwedsesnn, yoyux seXeıv Kapı RUTm doxuss F01, x Tor voyrav ovrov Kara apxuc.. Ich babe bier voyros durch erkennbar überfest, weil vonros das durch Ver⸗ - amnft Dentbare dem Plate fo viel iſt als erkennbar. Der « Aufammenbang mit dem Vorhergehenden erfodert auch die⸗ ſen und keinen andern Sinn. 56) Ich muß hier eine Steule in dem eiſten Bande ©. ası; und 11. B. &. 73 — M. berichtigen, mo id) sefagt hatte, Plato habe die Mathematik deswegen aus dem Gebiet der Philoſoohie ausgefchteffen, meil es ihr an einem oberen Vrincip fehle. Wenn es möglich ik, daß die unentwickel⸗ ten Srundbegrife der Mathematik auf deutliche und bes kimmte Begriffe zuräcgeführt werben können, fo Tann es ihr auch an denjenigen Principien nicht fehlen, welche Vlato au einer wiſſenſchaftlichen Erkenntniß erfo derte. Es liegt, wie ich glaube, am Tage, daß er dieſes nicht allein proble⸗ DD. matiſch, Da die Mathematik bie Formen der Dinge, in fo fern fie in der Sinnlichkeit dargeſtellt werden, zum Gegenſtand Hat; da diefe Formen beſtimmt, d.b- un» veränderlich und nothwendig ind ; da die Vorftellungen, die fich darauf beziehen, beſtimmt find: fo muß fienach den oben angegebenen Merkmalen Erkenntniß fein. Plato Hielt alfo bie Mathematik auch für Erkenntniß, ‚und zwar reine, fo wiedie ber Ideen. Aber doch beſtimmt er für fie nur den zweiten Rang, aus der eben angefuͤhr⸗ ten Urfache; und betrachtete fie als Vorbereitung für die Philoſophie, als der erfieni Erfenntniß a priori bem ange nach. Denn zwiſchen der philoſophiſchen Er- kenntniß unb ber mathematifchen iſt dieſer Unterfchled, baß jene aus bloßen Begriffen zu Stande gebracht wird, denen ganz unb gar nichts Empiriſches beigemifcht iſt; diefe aber kann fich nicht aller Anfchauungen enthalten. Nicht nur daß der Geometer bie mathematifchen Fign⸗ ren geichnen muß, um fie zu meſſen, ſondern auch daß den Begriffen ſelbſt eine reine Anſchauung (Schema) anhaͤngt. Daher iſt die mathematiſche Kenntniß nicht ſo deutlich als die philoſophiſche 7). In der empiriſchen Erkenntniß werden empiri⸗ ſche Vorſtellungen auf einen Erfahrungsgegenſtand bezogen: Durch die Sinnlichkeit werben zwar diefe em pirifchen Vorftelungen dem Subjefte gegeben, aber fie iſt deswegen das finnliche Erfennmißvermdgen nicht | | ſelbſt. matiſch, ſondern auch aſſertoriſch gedacht bat. Unterdegen bleibt doch immer uoch ein betraͤchtlicher Unterſchied zwiſchen Mathematik und Philoſophie, welchen Plato freilich noch nicht beſtimmt und dentlich genng angeben konnte. 57) de Republica VI. G. 123. vrodsese: 3° avayanlouene ur Xeuadaı weg Tuv Oyruaıv aurus ux U AOXUV rem as u dvvapsıyy Fam Uzodıneuy avarıya außanııy, eımegı de EmHENIV AUTOS TOIG URO Tav Rare Arızasdursi, Kay ENSEVOR —XRECES — ſelbſt. Denn durch die Sinnlichkeit erfahren wir nur die Veränderungen ber finnlichen Objekte, und durch biefe Vorftellungen werben wir nie ein beſtimmtes Objekt denken, auf telchen fie begogen werben Ednnten; der - Verſtand muß noch der Sinnlichkeit einen Beitrag lite fern, wenn empirifche Erlenntnig zu Stande kommen ſoll. ⸗* Der Verſtand muß nemlich die ſtunlichen Borfit lungen zur objektiven Einheit verbinden, bie daraus ent⸗ . Baltenen Begriffe als Prädicate mit dem Subjefte ver⸗ binden. Wenn man die Merkmale eines empirifchen Begriffs mit andern derſelben Gattung vergleiche, fo fann man dad Mannichfaltige diefer Borftelangen auf Einheit zurückführen, und dadurch den Gattungsbegriff erhalten, welcher das Ding an fich repräfentiret.- Das ‚Durch den Sattungsbegriff beflimmte Ding, im Naume GPlato fagt, aneinem Orte) vorgeftellt, ift dad Ding an fi, in wie ferne es erfcheinet. Die Beziehung der em⸗ pirifchen Vorftellungen auf das im Raume beftimmte Ding iſt die empicifche Erkenntniß *). Um einen empi« rifchen Gegenſtand gu erfennen, muß alfo die Sinnlich» feit ſowohl als der Verſtand und bie Vernunft. einen Beitrag liefern. Die Sinnlichkeie muß erfilich einen Ainnlichen Stoff, oder Anfchauungen und Empfindungen geben, aus welchen ber Verftand Begriffe erzeuget, und fie als Prädicate mit dem Subjeft verbindet. Das Sub⸗ jeft aber wird vom der Vernunft gebacht, nenlich Her | O 2 59) Theretet. S. 143. de legib. XII. ©. 225. 226. vn æęoc inasa axpev öyusieyev Te ns buimns, Ey jovav da wog "a worn Biwın dvvarır um, weoc ds To iv ewuryacdan vvævas TE nu YvovTa, weos sueıvo aurrafacde: 'warre Euve- gurra — ag ur angıßasıgav anne Jersoy — m To weoc Km deav ON TV WOAAMV ME RYOOIY dære⸗ unm Ras. - Timaeus ©, 348, — 0212 Be * den Gattungsbegriff, nur daß dieſer mit einem miate— riellen Stoffe verbunden als im Raume befindlich vorge⸗ ſtellt wird ). Der Gegenſtand der empiriſchen Erkenntniß iſt das Ding, ‚in wie ferne es erſcheinet. Denn als Ding an fich ift es durch den Gattungsbegriff beſtimmt, und wird durch bie bloße Vernunft erkannt. Als concretes Ding wird es vermittelt der Sinnlichkeit vorgeftellt, indem wir die Befchaffenheiten und Verhaͤltniſſe, welche wir wahrnehmen, mit demfelben verbinden, und alfo andere Prädicate mit demfelben vereinigen, als in dem bloßen Begriff des Gegenftandes enthalten find. Dieſe Beſtim⸗ mungen wechfeln beftändig an dem Subjekte, während das Subjeft umveränderlich bleibt. , Dan kann daher | Feine berfelben dem Subjefte-ald objektives. Gein heilt gen, „ben weil fie wechſeln, wenn man füch nicht laͤcher⸗ lich machen will; - und man erfennt dadurch nicht, wit das Ding ift, on fi), fondern wie eg erfcheint ) Der Grad der Ueberzeugung iſt bei der empirifchen Erfenntmiß nicht fo ſtark als bei der reinen. Da wi bur 9) Timaeus ©. 316. Aoyos d nara Tavrev aryduc yrrısı“ wage: Te Jarsgov my, Ku Weg To TaUTEY — ray um map 70 aæuduroy Yoyınzaı, nas d vu Jaragn Kunde Pr: Tr To wasay avsa Typ yuxyv Jayytıy , dolas aa wısuc yıyıara BsPpassı neu arude. . 60) Timaeus ©, 343. ww de eyyryvouea inasa arım ' " Qavracırım, am WRAV OXsıdev ameAiurm, javov Insve MI WEOERYopEvEN, Tu TE TUTEKUTE TOÜR TERCXEAENEE FTOHETU vo ds, ÖmosovBv Ti, JepKov'y Asynoy, m was öraiy Tv DET Tiny, zo wavd’ den en Furay, Kydev ENsive @y urn naMın Daher iR ein empiriſcher Gegenſtand ovna: unor. Das erfe, in wie fern die anſchaulichen Praͤdicate mit dem erfcheinen den Ding verbunden, bas zweite, in fo fern fie von dem felben wegen ihrer Veraͤuderlichkeit ausgeſchloſſen werden de republica V. G. 6765. — 213 — durch fie nicht das Ding an ſich, ſondern bie verſchiede⸗ nen Arten, Beichaffenheiten und Verhaͤltniſſe erfennen, unter welchen e8 als Erfcheinung exiſtiret, und ba wir den Stoff zu diefen Beftimmungen durch die Sinnlichkeit cmpfangen, obne daß man einen weitern. Grund davon angeben fann, fo ift die eberiengung nur ein feſter uner⸗ | ſchůtterlicher Glaube e). | Das Erkennen fezt din Bermögen vorand, in welchem die Möglichkeit deſſelben gegrüuber iſt. In dent ſtrengſten Sinne ift nur allein die Bernunft das Ers Eenntnißvermögen. Denn durch diefelbe wird nur al⸗ kein das Ding, in fo fern es iſt, d. i. was unveraͤnder ⸗ lich und nothwendig zum Begriff eines Dinges gehoͤrt, bas abfolut Denfbare , und zwar nach einer allgemeinen nothwendigen Megel gedacht. Daher iſt auch fie allein untruͤglich, und gewaͤhret eine unerfchütterliche Gemißz beit umd Wahrheit. Daß die Bernunft biefes Vermoͤ⸗ gen iſt, erhellet aus fehr vielen Stellen, wo dad Erken⸗ nen als das eigenthünsliche Produkt der Bernunft anges geben wird ). Sie iſt aber auch nur das einzige Er- fenntnißvermögen in dem Sinne, weil ber Stoff und bie Form der Erfennmiß nirgend anders als in bemfelben Vermoͤgen gegründet if: Die Vernunft ſezt nichts an⸗ bered voraus, fie iſt fich ſelbſt zureichend. Die empis riſche Erkenntniß ift feine Wirkung eines beſondern Vermoͤgens, fondern das Probufs von allen Vermoͤgen des vorfellenden Subjekt. . 83 | Drit⸗ 61) Timaeus ©. 316. 62) de Republica V. @.62. VI. G. 119. 166. Philebus G. 243. 298, — — 214 — Dritter Abſchnitt. Theorie des Denkens, \ bgleich Ariſtoteles der eigentliche Water ber Logif ur als Miffenfchaft it, fo beſtehet doch fein Haupt⸗ ‚Herdienft uur barin, daß er den mannichfaltigen Stoff derſelben, welchen andere Denfer vor ihm fchon bearbei- tet hatten, in eitie foftematifche Form brachte. Keinen Bat er darin mehr gu danken gehabt, ale. feinem Lehrer, bem Plato. Denn nicht zu gebenfen, daß es ſehr wahr⸗ ſſcheinlich it, daß Plato ſchon eine Act von Logik gelehrt Habe, fo findet ſich auch fchon In feinen Schriften ein fo reichlicher Nachlaß von kogifchen Regeln, die er nur bei Gelegenheit einftreuet, daß man wohl fiehet, wie dem Biriftoteled fein ſyſtematiſches Geſchaͤft dadurch iſt erleich⸗ tert worden. | " Bir finden in den Platonifchen Schriften zwar kei⸗ ae ſyſtematiſche Anordnung von den Iogifchen Regeln, aber doch die Grundzüge derfelben, welche ſchon in dem - Begriff von der Logik enthalten ſind. Unfer Gefchäft bes fichet In dieſem Abfchmitt alfo barin,. daß wir bie logifchen Degriffe und Regeln, in fo fern fie ausdrücklich von dem Plato angeführt werben, nach der Drbnung zuſammen⸗ fielen, welche in dem Grundbegriff von ber Logik ange . deutet il. Wir wuͤrden zwar biefem Abfchnitt mehr Musführlichkeit geben Binnen, wenn wir nicht bloß die Regeln, welche Plato ausdruͤcklich angeführt, ſondern auch diejenigen, welche er bei feinen Unterfuchungen bes folget Hat, aufnehmen wollten. . Denn aus jeden Dia⸗ logen laffen fich eine Menge von logifalifchen Regeln ent wickeln, fo fehr fie auch der Philoſoph durch das aͤſthe⸗ tifche Gewand verdeckt, oder, daß ich fo fage, uͤberkleidet Hat, wie ans dem Derfuche des Heren Engels (Verſuch . einer Methode, die Vernunftlehre aus Platonifchen - Dialogen zu entwickeln) Tattfam erhellt. Allein is on | ſchli ' — 200 — ſchließe hier alle dieſe Reſultate aus, weil ich blos dar⸗ zuſtellen habe, was Plato fuͤr die wiſſenſchaftliche Aus⸗ bildung der Logik geleiſtet hat, in wie fern wir das aus feinen Schriften wiſſen koͤnnen, wenn es auch noch fo wahrfcheinlich wäre, daß er noch mehr geleiſtet habe.: Denn bavon Iäßt ſich doch nicht mit Gewißheit und im Detail Rechenfchaft geben. Von dieſer Megel werden wir und nur dann eine Ausnahme erlauben, wenn das Sanze des Syſtems unvollſtaͤndig bleiben würbe, wenn wir nicht eine Hegel oder Grundſatz aufnehmen wollten, die nicht ausdruͤcklich vorkommen, aber doch richtige Rs fultate aus feinem Philoſophiren find. Die Logik ober Dialektik hat bei dem Plato nicht einerlei Umfang. In der weitern Bedeutung begreift ſie die ganze reine tranſcendentale Philoſophie, welche das Weſen und ben Zuſammenhang ber Dinge aà priori aus bloßen Begriffen zum Gegenſtande hat '). In einem engern Sinne iſt die Dialektik die Wiſſenſchaft von den Regeln des Denkens, als Organons der Vernunfter⸗ kenntniß. Da Plato, wie wir in dem zweiten Abſchnitt gezeigt haben, das Denken mit. bem Erkennen verwech⸗ ſelte, und die Erkenntniß der Dinge an ſich durch bie Begriffe der Vernunft für möglich hielt, fo läßt es ſich daraus begreifen, wie er bie wiſſenſchaftliche Erfenntniß der Dinge an fih und der Geſetze des Denkens sufammenfaflen . und mit dem Namen einer Wiffenfchaft benennen konnte. ir handeln jest nur von ber Logik in ber zweiten Be⸗ beutung. Doc, müffen wir gleich zum Voraus bemer« fen, daß alle Regeln des Dentens bei dem Plato niche allein einen formellen, fondern auch einen objektiven Ge⸗ | brauch haben, zur Beflimmung ber pradicatt der Dinge an ni. D4 Die N) de republic. VII. ©. 163. Philebus ©. 3%. — 216 — Die Logik hieß bei den Alten Dialektik, teil die gewoͤhnlichſte Form für den Vortrag philofoppifcher Un⸗ terfuchungen Die der Unterredung war. Sie war alfodie Wiſſenſchaft vonden Regeln vernünftig gu fragen und zu . antworten, ober wenn man bie Ausdrücke allgemeiner nimmt, zu unterfuchen und gu entfcheiden "). Die Dialeftif if in der weiteren Bebeutung bie Wiſſenſchaft von dem Ding an fich, in fo fern.es iſt, in fo fern es nicht wechfelt. Dieſes wird nur allein durch die Vernunft erkanut; burch die Gattungsbegeiffe, welche Bad, was bei allen Dingen nothmendig zum Weſen ge» hoͤret, beftimnen. Bei diefer Erfenntniß fommt alfo alles auf die Berbinbung und den Zuſammenhang der Bee griffe an, weil nur allein durch fle die Praͤdicate ber Dinge erfannt werben. Denn die Vorfiellung eines Dinges gefchiehet nur baburch, daß man mit demfelben eine andere Vorſtellung verbinde. Ohne Verbindung ber Vorftellungen iſt niche einmal eine Sprache möglich, und ohne diefe laͤßt fich Feine Dhilofophie denfen. Es Können in Anfehung dieſer Verbindung überhaupt brei Faͤlle gedacht werden. Entweder laſſen ſich alle Begriffe mit einander verbinden, oder gar Feine, oder fie laſſen fih zum Theil verbinden, zum Theil nicht. Der erfle und zweite Fall ift offenbar falſch, denn ‚nach demerften koͤnnten ſich auch widerſprechende Begriffe verbinden laſ⸗ fen; nach dem zweiten aber wäre es unmdglich, etwas zu deuken ober zu erfennen. Alſo bleibt nur der dritte Fall übrig, daß zwar eine Verbindung unter Begriffen flatt findet, aber nur fo, daß fich einige verbinden, andere aber nicht verbinden! lafen: Es muß alfo Befete ger ben, welche den Zufammenhang der Begriffe beftimmen, und es iſt ‚eine Wiſſenſchaft noͤthig, welche biefe Geſehe unterſuche °). N Hierau⸗ a) de republ. VII. ©. 168. Cratylus ©, 243. 3) Sophiſta ©. 271 -275. 288, I Hieraus ergiebt fich ber fruchtbare Platonifche Res geiff von ber Logik: Sie if die Wiffenfchaft aus “Bes griffen die (mögliche und nothwendige) Wereinbars keit und Verbindung der Begriffe und mittelbar der Dinge zu erfennen' *). Die Verbindung der Begriffe ift ein Urtheil; die Subſumtion unter einen allgemeinen Begriff ift ein Schluß; Berbindung der Vorftellimgen durch Hülfe der Worte it Sprache; bie Zuſammenſtim⸗ mung bee Begriffe Wahrheit, Mangel berfelben Falſch⸗ beit. Hieraus ergiebt fich alfo der Inhalt dieſes Ab⸗ ſchnitts. Wir handeln nemlich erſtens von den logiſchen Geſetzen, 2) von Begriffen, 3) von Saͤten, 4) von Schläffen, 5) von Eintheilungen und Definitionen, 6) von Beweiſen, 7) von Wahrheit und Falfıhheit, 8) von logifhen Methoden. Ju dem Anhange werben wir noch Platos Sprachlehre vortragen, unb von der So⸗ phiftit handeln. Der Sat der Gedenkbarkeit und des Grundes find bie beiden Geſetze, auf welchen die ganze Logik bes ruhet. Plato hat fie zwar in Feiner: befondern Formel D5 aus⸗ 9 vrhime 274. TOusTayeuy dınsgeıcdar, nu Jura rayroy udes dripoy Iente UNTs dragev ov Taurov, av u Tg Buarswruue Iyaokav ewiryuye nm. ©. 275. rure 2’ sw, ir nor» yarv Ixus Ivvaraı neu ORy Hs ÄMKEIVEV KOTE Yavoc, um. zuc9en. ©. 274. mp’ u HET’ ErITUUmE Tıros avayaaıov du zu Aeyav wopsvschn Tov aedaıc HaAA0ıra daıkeıy, ma weieg FUUDevEI Tay Yaray, Kai FOR MAIyAR U dRxXeren. Hiermit Iaffen ſich einige andere Erklaͤrungen von der Logik leicht vereinigen. Sie iſt die Wiffenfhaft, durch weiche mar Szände von feinen Behauptungen angieht. (Aoyor dsderu zus Asußavse. de republic, VI. G. ı62. 167, b. h. I "=. Möglicgkeit oder Nothwendigkeit ber Begriffe. Cie Wiſſenſchaft, durch weiche wir Die Wahrheit ober Zatfehheit ber Vorfiellungen prüfen. Theaetet. Gr 90; \ \ — 218 — ansgedruͤckt, aber doch ausdtuͤcklich als bie Fundamente des logiſchen Gebrauchs der Vernunft und ſeiner ganzen Philoſophie angegeben. Ich lege, ſagt er, von jedem Dinge denjenigen Begriff zum Grunde, welcher mir ber fichtigfte ſcheint; was mit biefem uͤbereinſtimmt, mas fich mit demſelben zufammen benfen läßt, das halte ich fuͤr wahr, und mas fich nicht vereinigen Idße, für falſch ). Das hoͤchſte Geſetz für die Logik iſt alfo das Geſetz der Gedenkbarkeit: was fich zuſammen denken baͤßt, iſt wahr, welches, verneinend ausgedruͤckt, ber Satz des Widerſpruchs heißt. Auf dieſe Weiſe muß die Wahrheit ſowohl der einzelnen Begriffe, als auch ihrer Verbindungen oder ber Urtheile erkaunt werden. Das Mamichfaltige jedes Begriffs muß fo beſchaffen fein, Daß es fich durch den Verſtand verbinden laͤßt. Daher enthält jeder Begriff Einheit des Mannichfaltigen °). Wenn Begriffe mit einander verbunden werben, mie in Urtheilen, fo darf der eine nichts enthalten, was bem andern widerſpricht. So laffen fich mit einem Subjefte nicht roßderfprechende Praͤdicate verbinden; ein geſunder Menfch kann nicht frank fein; das Gute kann nicht böfe, die Schönheit nicht Häßlich fein 7). Ein Eaß, aus dem ungereimte oder widerſprechende Folger herflieſ⸗ fen, if felſch: 4. B. Erlenatniß iſt Empfindung *). Die 9 Phaedo ©. 226. u umodeusvoe dxasore Aoyav, dv au np SPPWLEVESATEV Hvay, & av av 10ı dan Turm evnpersıye vluns wc aryıdy ovra — A Say ugs oc un aAndy- 6) Philebus ©, aı7. 7) Gorgias &, 106. Theaetet. ©, 151. map du, 0 WAOT' Burag wen CunyTav, dr warTee KRAAOY Te vos unAer wiexen 001, u vo adınov dmaıay, u xaı (Te waren ned " Aiov) exowsi, TOT’ EREXUINEne CunuTev wurde, dc wu roc aAAer To ÄTspon dTse ETIV, 4 war TANTE. 8) Theaetet. ©. 95. Phaedo ©. 213. 230, — 2319 — Die Gebenkbarkeit iſt alſo fo wie bad Gegentheil berſel⸗ ben, der Widerſpruch, von gedoppelter Art, abſolute und relative, in ſo fern das Mannichfaltige eines Be⸗ griffs, eines urtheils, mit ſich ſeibſt oder mit andern aͤbereinſtimnt °). Ob nun gleich die Gedenkbarkeit das erſte Geſetz des Denkens und die erſte Bedingung jeder Wahrheit iſt, ſo reicht es doch nicht zu, um Wahrheit zu begruͤnden. Wenn man einen Begriff oder einen Satz zum Grunde legt, fo faun man zwar, vermoͤge bis Satzes vom Win berfpruch, alle Folgerungen und mit bemfelben verfnüpfte Säge beurtheiten, ob fie mit dem ſelben uͤbereinſtimmen oder nicht, und in fo ferne ihre Wahrheit prüfm. Al kein es ift noch eine andere Frage, ob ber Grundbegriff . oder Grundſatz wahr ift, welche durch die bloße Gedenk- barfeit noch nicht entfchieben iſt Wennman mit einem Grundbegriff ober Grundſatz zufrieden ift, fo fann bag Raifonnement über diefen Gegenftand nad) dem Grund⸗ ſatz des Widerſpruchs feinen guten Sortgang haben; iſt bad aber der Ball nicht, fo muß man fih nach andern Gründen umfehen, um den erfien Brunbfag zu be⸗ gruͤnden ”). Hier tritt alfo ber Grundſatz bes Grundes ein, nach welchem die Vernunft vorſchreibt, nichts ohne Grund anzunehmen, fuͤr jede Behauptung einen Grund aufzuſuchen, bis das Streben nach Einſicht befriediget iſt ”) Daher befomme jeder Sag feine wiſ⸗ ſen⸗ 9) Cratyhıs ©. 343, 344. dım rıvas mau uy erı weogdonge av vavıa (rasıra) uadııv; npa d MAAU TU, yurep Srkac Yanıy Imaioraroyd'ariyimv YEHIEY EUYYIvH E91 NAIRUTR di MUTEVE 10) Phaedo -&. 130, 11) Phaedo ©, 130. swedy de sung aurus (Urodssuc) Isoı eu Iılevar Aoyov, Senuruc au äsdemg, arııv au Imedse UnoSsuess, srie var aundıy Rerrızy Danmeıra, dns es vu ‚ daavoi ter. — 220 — ſenſchaftliche Korm, obarch er Erkenneniß begründet, erſt durch die Ableitung von einem Grunde (arrızc Anyıc- mc) "). Allein da das Forſchen nad) Gründen niche ins unendliche fortgeben fann, fo mußman zulezt auf fol che Begriffe und Säge fommen, welche feines Grundes bedürfen, aber auch Feines empfänglich find. on der Art find die Begriffe der Vernunft, die Ideen, welche die hoͤchſten Sefchlechtsmerfmale von dem Wefen der Gat⸗ tung vollſtaͤndig enthalten, und daher aus feinem hoͤ⸗ Gern Grund abgeleitet werben koͤnnen, da hingegen alle nuter ihnen begriffene Arten und Individuen durch fie bes ſtimmt in ihnen gegründet find. Sie find daher bie boͤchſten abfoluten Brände 'ber ganzen menfchlichen Er⸗ kenntniß, die weiter feinen Grund voraus fegen, weil fie dad Abſolute und Unbedingte zum Gegenftande ba- ben ”). Wenn die Vernunft einen folchen oberften Be⸗ griff feinem Umfang und Inhalte nach entwickelt, fo begründet fie eine wiſſenſchaftliche Erfenntniß von dem Segenftande”*). Fragt man nach dem Grunde, warum Plato dieſe Ideen fuͤr die hoͤchſten Gruͤnde aller menſchli⸗ chen Erfeanmiß hielt, ſo kann man darauf antworten: die Allgemeinheit und Nothwendigkeit waren ihm die zu⸗ verlaͤſſigen Merkmale von ihrer Tauglichkeit zu den ober⸗ ſten Principien. Die Begriffe machen dem Inhalt aller Urtheile, Schluͤffe und überhaupt alles Denkens aus. Die Merk⸗ J male, 12) Meno S. 385. 13) de Republic. VI. ©.. 125. . 14) Sophifta S. 275. un öys rare Buweroc Pe PS ıdsav dın morAy, Evoc IRHSH KEIKEVE Xupich FAYTy ÜaTerzus- vv Inavas Iimic9averai, Hu WOAaE ETspuc MAAylar, une wunc sfudev wogtuxeusvas, na juav au. &' Brmv moAAv au dv Zuvumeavıı » nu WOAAnG Xupız wawey dmpichsung. Tare darın 1: TR KONEURV dα ÖupmTac, Na GEN MN) ÜmpıVErn mare yo, emısacdar — 221 — male, unter welchen man fich einen Begriff denken muß, bat Plato nicht ſowohl entwickelt ald voraus geſezt. Doc kann man annehmen, daß Plato den Begriff für die Einheit des vorgeftellen Mannichfaltigen gehal⸗ ten habe ”). Wir haben ſchon oben davon gehandelt, wie auch von dem Unterſchiede groifchen reinen und empi⸗ zifchen Begriffen., Die Begriffe enthalten ein Mannich⸗ faltiges, dies macht ihren Inhalt aus; fie bezichen ſich auf ein Objekt, dies beſtimmt ihren Umfang. Was biefe linterfcheibung betrifft, fo kommt bei dem. Plate zwar die Sache vor, aber nicht die Ausdruͤcke, außer Adaß das Wort xonamıa ben Umfang bedeutet ”). Die Begriffe werden, in Anſehung der Quantität, dem Umfange nach eingetheile in individuelle und Ge fehlechtsbeariffe, (Aoyos ru noms, Tu inarı 1). Ge⸗ ſchlechtsbegriffe ſind diejenigen, welche Merkmale ent⸗ halten, die ſich auf mehrere Gegenſtaͤnde; individuelle, welche ch nur auf einen einzelnen Gegenſtand beziehen. Geſchlechts begriffe Beziehen fich entweder auf mehrere Grgenftände, ober auf ;alle, die zu dem Umfange eines Begriffe gehören. Es giebt Begriffe, unter welchen alle Gegenſtaͤnde ſtehen, info fern fle gebacht werden, deren Umfang alfo allgemein ift, 5. B. bie Begriffe der Iden⸗ titaͤt, des logifchen Seins (Tavrev, v). Alle wirkliche Dinge ſtehen unter dem Begriff ber Wirklichkeit (usw). Die Beziehung der Begriffe anf Objekte, welche unter jene gehoͤren, ober ber Umfang, beißt Bei dem Plato Gemeinſchaft (wm) ") . Der Inbegriff aller Ge⸗ . gen⸗ m ©. ↄben ©. 43, 43- ' - 16) Sophifta ©. 275. Philebus ©. 215. 17) Thesetet. ©. 190. 141. ' 18) Sophifts ©. 376. dr’ ww dy ru ner dm van Yan sine» Asyıyray zomuveıv edarsıy arAyR0ıG , Ta da He NEE TE HERE AM ey, ra Ken worin, Ta de za: dm wars, wöey Karu8 zug wanı enseuvgusvm. Phaedo @,228. Auch ucdıie Phasdo G. 237. Sophifta II, ago, XX 222 — genſtaͤnde, welche unter einem Begriffe enthalten finb, heißt v0 ann, mabrfcheinlih, weil fie ald ei⸗ ae durch feine Zahl beſtimmte Anzahl gebacht werden, in welcher Bedeutung auch der Ausdruck ru wern ges braucht wird} -oder weil ſie ald etwas Beſtimmbares wie Materie gedacht werben, welches erſt durch die Bes ziehung unter die Gefchlechtsbegriffe beſtimmt wird *) ‘Der Begriff, welcher einen Umfang bat, heißt das Eine, , weil er als Gattungsbegeiff nur einer it, und weil er macht, daß alle niedrige unter einer Gattung fiehen, und in fo fern Eines find °*), Alle niedrige Begriffe, welche unter einem obern ſtehen, haben etwas Gemeinſames und etwas Verſchie⸗ Ddenes. Um bed Gemeinſamen wegen Reben fie unter dem Battungsbegriff, durch das Verſchiedene finb fie unb ihre Objekte von ber Sattung verfchiedben.. Wenn man die gemeinfamen Merfmale, vie allen Begriffen einer Gattung gemeinfchaftlich find, zufammen faßt, fo bes kommt man den Gattun Ber (ya); und wenn man die Merkmale, wodurch fic ſich unter einander ums gerfcheiben,, auf Begriffe zuruͤckfuͤhrt, fo bilden fi Be⸗ geiffe von Arten (edcc) "). Die Begriffe von Arten, 9 welche 19) Philebus ©. a19, 220. s15,'a16. 220, deu per "dee 07: mu mn dm TU SOKETOG INGA, xy awagal au wiyler“ de republica X. ©, 284. Auch waudes- Philebus ®. 222. 26) Philebus ©. 219,220. ar) Politicus ©. 63. dee, Gruner EXC —XXX Inpeenc sly wacac, Oel wi ı tlyeınunry. var dan SRvToönmag ampooTyTar, IT wAudeen oddusı, mg denarev uıyoy ducarunsvov TaYSCIA, WEIT KV CUNTAvTE TE GINEM BVTaE MInc næruroc sefac, Yarıc TVo ueıg wegßa- Zurea. Plato bleibt fich aber in dem Gebrauch der Ausdruͤcke yava; und ades micht gleich; er bebient ſich balb bes einen bald des andern, um Battung ober Art anuzeigen. — 2233 — welche die Sphäre eines allgemeinen Begrifg einteilen und erfchöpfen, beißen agısuo, mahrfcheinlich, weil fiedie Merk - male des Geſchlechts und die Geſchlechtsunterſchiede, d. h. in der Platoniſchen Sprache, Einheit und Vielheit enthalten, ober weil man durch fie die unendliche Anzahl der Indi⸗ viduen befimmes. Sie beißen auch va uerafu, nen, teil fie groifchen den Battungsbegeiffen und den Individuen in der Mitte liegen *). Was von dem Gattungsbegriff gilt, das gilt auch von den Arten, aber nicht umgekehrt. Die Mertmale, welche in dem Gattungebiguff Vergnügen enthalten find, muͤſſen allen Arten zutommen. Wenn - aber mit einer ober einigen Arten das Prädicat „gut“ verknuͤpft it, fo folge e8 wicht, daß daffelbe auch auf alle Arten oder den Gattungebegriff paffen muß ”). Zurcht und Schaam verhalten fih, mis Gattung und Urt. Man kann baher fagen: wo Schaam iſt, da iſt auch Furcht; aber nicht umgekehrt, wo Furcht ift, de. iſt Schaam "*). | Wenn die Unterfuchung von ben Individuen zu dem Allgemtinen, ober von dem Allgemeinen zu den In⸗ dividuen ausgeht, fo duͤrfen bie mittlern Begriffe, die Arten, nicht aus ber Acht gelaſſen werben, wenn man logiſch richtig denken wil. Denn font wird man for. wohl die gemeinfamen Merkmale als bie Unterſcheidungs⸗ merfmale nicht vollſtaͤndig zuſammen faſſen, wodurch Verwechſelung und Verwirrung nothwendig entſtehen muß. a2) Philebus G. 219. "nexgwse ay vo nur’ mexuc Sy, uy 634 dv ua BOAAS na mm 851, JVOy 1öy TiG, MAR u dran. Tuv ds Tu aweıgn day TpOc To HAndoe Hu zpacdegut, WON ay TI Toy agıduev AUT TaEITE narıög, TO HETRaU TER WEB TE RATE dvik, Politicus S. 14. 33) Philebus ©, ari, aıa. 24) Eutyphro 1. B. ©. 26. * — — 224 — muß. Dieſe Vernachlaſfizens iſt bie Quelle von So⸗ phiſtereien *). In Anſehung des Inhalts find bie Begriffe ver ſchieden, in fo fern fie entweder, das Weſen eines Din⸗ ges, oder nur Beſchaffenheiten deffelben zum Gegen. fiande Haben (ro ov, ro rı, ro wor). Das Weſen iſt der Inbegriff von Merkmalen, welche zum Begriff eines Dinges nothwendig gehoͤren, ohne welche ein Ding die⸗ fer Art gar nicht gedacht werben kann, die alſo bei allen Dingen ‚der Are vortommen. Befchaffenheiten ſind . Merkmale, welche nicht in dem Begriff des Dinged ent⸗ halten find, fondern wo andersher mit Demfelben verbun⸗ den find, 3. B. das Mannichfaltige eines concreten Din⸗ ges, welches die Wahrnehmung lehret *). Diefe Bes fchaffenheiten taffen fich nur alsdann erft deutlich benfen, wenn. man den Gattungsbegriff entwickelt hat, oder wie fi) Plato ausdrüdt, wenn man dag Wefen (usa) Def felben erfannt hat *5. Zu dben leztern Begriffen gehoͤren auch diejenigen, ‚ welche ein Verhaͤltniß zum Inhalte haben, d. i. ein Merkmal, das einem Begriff nur in Anſehung eines an⸗ bern beigelegt werden faun, 5. 3. Größer, Kleine "9. Diefen Verhältnißbegriffen liegt ein abſoluter Begriff - zum Grunde, bier nemlich der von einer Groͤße. In ‚Binfehung deren fann man zwei Begenflänbe vergleichen, und beflimmen, ob die Erde bes einen größer oder Fleiner iſt. Da diefeß entgegenigefezte Begriffe find, fo muß ber eine Gegenſtand größer fein, wenn ber andere £leiner iſt 45) Philebus &, 230. 26) Epiftol. VII. S. 13%, 133. . 27) Meno @. 362. 2%) Diogenes III, 109, Tav ds wen rı Aryızvan, dem wgocdesras vıvog deumverac , oley To kaılıy Tıvoc, xy vo Jar- FOV TIyag X TU RRAAY N TE TORVTE. de Republica IV. ©. 36. iR, und umgekehrt, und wenn dem einen In Ruͤckſicht des andern eine Beflimmung beigelegt wird, fo muß fe auch dem andern zukommen; 5. ©. wenn ber eine viel größer fR, ſo muß der andere viel Heiner fein ”), . Die Merkmale der Begriffe in Ruͤckſicht auf ihre Qualitaͤt find von dem Wato kaum berühree worden, außer was davon in der Lehre von ben Erklärungen vor⸗ kommt. ‘Deutlich ift ein Begriff, wenn der, Verfiand das in einem Begriff zufamıtten gefaßte Mannichfaltige zergliebert,, um ihn hadurch von andern zu unterfcheis den. Wenn man ;. B. fich bewußt wird, wodurch der Begriff ver Größe von bem ber Klarheit verfchieden iſt, fo daß, man Beide unterfcheiden kann, fo find beide Be⸗ griffe deutlich *). In Anſehung Her Relation find bie Begriffe entweder identiſch oder verſchieden (raurom irıgn) Einerlei, in fo fern fie einerlei Merkmale enthalten; verſchieden, in fo fern fie nicht eben biefelben Merkmale in fich begreis fen ”). So find zwei Tugenden, in fo fern fle Tu⸗ gend find, einerlei und identiſch. Die verfchiedenen Ar⸗ ten von Vergnügen müffen, in fo fern fie unser eine Gattung gehören, einerlei fein ”). Uber Bewegung ‚ und 49) Phaedo &, 233. de Republica IV. &. 364. 30) de Republica VI. G. 146, 147. u apa dv inaragen, au- Goreea ds dvo, raye dvo nexmpicuee yoga, U Yap AV aXa- gisa ya dvo evosi, SAN dv. Ais de Tuv TUTE CROWERv, (üü- Yas au na GINGE | Voyaie UURYHacIn ıdur, U EWYNoXuie ra Impicuare. 31) Hipparchys 5.9. G. 265. ame anı Tı ayadıy va ug nuXov — ag" UV HaAdav TI AUFay agı TO Äragn Tu ETIEE Ei FO; y CHROME Try Ya CrTıa 0509 mudersen, na TavTy Yd ulev Jansen To Ärspov Tu Frauen, nam 70 qıriov nn, MAÄH y ro uev aurev ayadav , To da nase. 33) Philebus ©. aıı, 212, — — 226 — und Ruhe, Wirklichkeit und Identitaͤt find verſchledent SBegriffe, meil in dem einen andere. Merkmale enthalten find, als in dem andern 2. Ein Begriff oder ein Ob⸗ jekt kann daher in verſchiedener Beziehung einerlei und verſchieden fein **). _ Die verſchiedenen Begriffe find entweder blos ver: ſchieden, oder auch entgegengefejt (eerız). Üntge gengefezte Begriffe ſind diejenigen, welche in einem Eub⸗ jekt einander ausſchließen, oder nicht zugleich mit einem Subjekt verbunden werden koͤnnen, 3. Seſundheit ünd Krankheit, Schwarz und Weiß. Wenn ein Menſch ge fund iſt, fo iſt er nicht krank; ein Körper, der (chmark iſt, iſt nicht zugleich weiß 3. Zwiſchen entgegengefer ten Begriffen iſt fein Mittleres. Daher fchlieht einer den andern aus **). Einem Begriff iſt immer nur ein Begriff entgegen geſezt. Diefe Behauptung, melcheeim große Rolle in der Platoniſchen Philoſophie ſpielet, I | auf keinen Grund geftägt, vielleicht, teil die Wahrheit derſelben fo einleuchtend ift, daß fie Ihm Feines Veweiled Kebürftig fehlen 7). Won entgegengefegten (contih dictörifchen) Begriffen muß einer einem Objekte note "wendig zufommen. Ein Menfch muß entwedet Franl oder geſund fein *). | ir 35) Soßhile ©. 3. 34) Philebus, Sophifta, Hipparchus Lc. -. 35) Philebus &..aıı. Gorgiss G. 106. ag’ u. sing bar Tin E51 TAUTH MAAYABIEH MYEYRY weg airruv IX, dh Hpı vyısıag uxu nu vorm. u vun pn iu wu dyıamaı ra in eh dl, a A are üysal Ti mm yosy. 36) Alcibiades I. ©. 78. | 37) Alcibiadesll. @.78. Piotagoras &. 13ı, 38) Alcibiades IL G. 77. = 17 = Sur Bildung ber Begriffe gebort Überhaupt bie Wirkungsart des Verſtandes, welche ſich durch Ver⸗ Binden und Trennen aͤuert. Der Verſtand verbindet bad Aehnliche und Gemeinſame des Vorgeſtellten,/ unb inbern er damit fortfaͤhret, gelangt er zu Gattungsbe⸗ griffen; er treunt von dem Gemeinſamen das an den un⸗ ter einem Gattungsbegriff enthaltenen Vorſtellungen befindliche Verſchiedene, faßt von dieſen ih eine Vorſtellung zuſammen, mag ſich vereinigen läßt, und bilder daraus niedere Begriffe von Arten *). Die Aufloͤſung in bes ſondere Borficlungen, ober bie Zerglieberung des vont Verſtande in einem Begeiff verbundenen Mannichfalti⸗ gen, iſt das Fundament der Definitionen und Eintheis Iungen, von twelchen bie logifche Nichtigkeit eines RE founemenes vorzüglich abhängt. . Deun che man ben Zufammenbang eines Objekts mit andern Begriffen beſtim⸗ men fann, muß mar vorher bie Merkmale und bem Um⸗ fang des Begriffs von dem Objekte wiſſen ). Die Definition (öpos, Aoyıc, auensier‘) heißt ben Inhalt eines Begriffs, 5: B. des Citkels angeben, ober die. Merkmale einer Cache (ageyüa) beutlich denken . Dieſes gefchiehet dadurch, daß man von einem Dinge die Battung und den Unterfchied darſtellet (yevot, dus 9496) ”). Dehn die Gattung enthaͤlt bie gemeinfamen 92 Merk⸗ »” Policies G. cz. (S. Oben ic) micha ©. a7; 4) Meno ©. 568. Sophift G. 304. u % alı —*— Hug: 70 Kaayıa avre Harrıe dıkrcyear u Vuvank eay dus opsAoysıcIe Zupıd Adyık 4r) Epiftola VII. ©. 131. 30 yap er Tui dixaran wi ve. adov ıco) adazev warn Aoyas di eri ananu, ürap Sgoyyi- “ A0v ng wegudsges era day nimäog. Sophiſta S. 204. 43) Definitiones G. 296. öpes; Auyoc du Bmpopde nd yaluk evysuieroi. Man findet diefe Erfidrung ausdroͤcklich nicht in — 228 — Merkmale, welche allen Arten und Individuen eines Ge ſchlechts zukommen; und der Unterfchieb begreift diejeni⸗ gem Merfmale, twelche einem Dinge befouders zulommen, und es von andern berfelben Gattung unterſcheiden. Beide sufammen machen: den-voifländigen Begritf des Dinges aus ). | Ä . Sehterhaft werben bie Definitionen dadurch, wen man einen Begriff durch ein anderes ſynonymes Bart ober einen andern undeutlichen Begriff erklaͤren wi; z. 3. wenn man ſagt: bie Zarbe iſt das Empfinbbare, bem Ge⸗ ficht Proportionirte, was aus ben Geſtalten ausfle bt; ober die Figur IR das, mas bie Farbe eines Dinges beglei⸗ tet ). Den dadurch erfährt man nichts von dem Spalte einen. Begriffs, und man kommt in der Einficht einer Sache um feinen Schritt weiter. Ein anderer Feh⸗ ler beſtehet darin, wenn man in bie Zerglisberung bee Merfmale eines. Begriffs den Begriff ſelbſt wieder hincin . bringt, ber erklaͤrt werden fol, es fei nun der Gattungs⸗ begeiff oder ‚eine Ark deſſelben. 3.8. bie Tugend fei das. Vermögen, fein Beſtes zu beſorgen mit Gerechtigkeit. Denn ba bie Gerechtigkeit eine Art von Tugend if, fo fu ben eigentlichen Schriften bed Blato. Aber ich halte fie dennoch für Acht, weil Plate bie Begriffe von Gattung und Unterfchieb nicht nur gefunden hatte, fonbern auch Anwen⸗ dung davon iu Erklärungen machte. Zum Beweis des erſten faͤhre ich nur eine einige Stelle an. Philebus S. ara. aıs. a XYUE OXNKRTI RATE TaUEOV yaraı ar ası man (ya ru de Kagn Tosæ nagıgı ayra, TR IV SETLrnem ajayÄsıc, vw de Ömpogoryra sxovra up wu ruygersi. confer.Polit. ©. ‚63. Theagter. &. 190-193. | 43) de legib. XII. G. aaa. 226. 44) Gorgias ©. 93. Meng & 347. em yag xeon amepeeg —A aya Funpasene um wıturc. ©, 338: Xmun ET Gun irn | | zu u 7 ui WW m —.- BR -. Ri = Zum WE u ıMdkRNn WW ⸗ a Bedarf es wieder der nemlichen Erfldruüg. Man gehe in einem gemächlichen Zirkel herum *). Plato nennt bergleichen Erflärungen tragiſche Antworten. (veayıny dronpreg) ” ®). ' Die logiſche Eintheilung beſtehet darin, vaß mar die Begriffe beſtimut und aufzdhlet, welche unter einem Gattungsbegriff ſtehen, oder wie fih Plate ee, welche an einer Idee Theil Shen ") Das heiße m unferer Eprache, ben Umfang eines Begriffs beſtimmen. Um biefe® auf eine befriedigende und vollſtaͤndige Art than za fännen, muß man ben Gattungsbegeiff zam Grunde legen, bie Merkmale deſſelben beſtimmen, und zwar fo, daf bie von den Grundbegriff abgeleiteten Web griffe einander ausſchließen (Dichoctomie, Zumusıcd:, raue dıza). Auf diefe Welle kann man am Kıherficn ben Umfang eined Begriffs vollſtaͤndig Seftimmen * Ran ma in der Eintheilung Arten (ade) aufzählen, b. ix Begriffe, die weben den Gattungsmerkmalen eihen Ua terfchieb oder nähere Beſtimmung derſelben enthalten. Daher unterſcheidet Plato bie Art von einem Thell 9 3 (ud . 45) Meno ©. 346. apıry un lv vun Tayadı .un Secdeı nera Imunwerg. ©. 347. 46) Meno ©. 341. 47) Sophifte S. 270. Te wars yon ——9 — os re ræuro aloe drug Ayneacdn, fire drapiv ev Tara — uw d ye roro Juvargc Ipatvs Hımv edsav dm wOrAmnE Avag Unasu naiu Xmgig, warn äntrerapevgv Inc Imichaverug, zu MOAAnE drapme mAAyAmy , dwo Ming sfudev wegingopenuc, um pmv au 3: BAv worAAuv av ävı Fuge mas ze xueıc wayıy Jimpisusvag. Philebus ©. zı9, | 48) Politicus ©. 14. pay engev pop dy weor woArm x peyarn agagupıv, unds möuc up" AM ro Mıpac, Gum udoe axern. — ©. 15. amd de wu na makAy nur ad um dixa Yaeoır ww. Philebus ©. a19. wm 323579 — (idee — uarcc). Ein Theil ift ein Begriff dan einer Anpafl von Individuen, welche zwar unter einem Gattungsbe⸗ griff. fiehen, aber noch viele Achnlichkeiten und Verſchie⸗ benheiten enthalten, wodurch fie unter andern Arten fie Ken. Wenn man z. B. bie Gattung Menſchen in Grie⸗ chen und Nichtgriechen (Barpagcı) eintheilen wollte. Zwi⸗ (chen Art und Theil ift alfo der Unterfchleb. Jebe Art ft anch ein Theil, indem fie einen Theil der Sphäre ei⸗ ned Begriffs ausmacht ; aber ein Theilift Eeine Art "h). Wenn man nicht Arten, fondern Theile angiebt, ſo be⸗ sehet man den Sehler, daß man won der Gattung gleich auf Individuen überfpringt, ohne die dazwiſchen liegen ben Arten zu bemerken *). Um alle Fehler gu verme den, muß man von dem Gattungsbegriff ausgeben, und Summer die nächfien Arten beſtimmen. Diefer Weg if zwar etwas weitläufig und beſchwerlich; aber er gemäß zet auch Sicherheit gegen Fehler, und leitet auf na Ibveen ). Obgleich Plato die Eintheilgng in Arten, die Ach einander ausſchließen (Dichotomie), als bie ſicherſe Art empfiehlt, fo bemerkt ee doch, daß fie nicht allıgat anwendbar fei, fondern man müffe fich oft am Gtattte “ .: Arten 48b) Policicus ©, 14-16. udet un drary ru, nu mn AYaynaiov aUr0 aıvaı vu mwewynaree dry mag av aber Aynm | napoe de, wedog, wdonn avayın.-Diato nimmt aber das Wertt -pegac und wegsev nicht Immer in biefer beftjmmten Bebet tung, ſondern er braucht es auch für mudogs 4,8. Pole ®. 112. Sophifte S. 225. 211. 49) Philebus ©. 219. 220. _ 50) Philebus G. 219. nuxgı zug av ze nur! apa dv pa in I um worin un AWEIEM 851, LOVOV ıöy Tik, GAS ut fun | vay de Tu awugu ıdauv wos To wAygsE ig wech, SIR wre upıd0y RUTU mayTa zarıdy , Tov uerafu TE az! | zu naı ru dvop. Politicus G. 14. dıa kecuv ds zeharsseen 1 PP qroyrac ug (mdden sbas Er Ti FOOSTerZane. — 231 — Arten mit bloßen Theilen Sefriebigen I, Meine. ſcheint das Fundament diefer Eintheilung ſelbſt noch nicht vollſtaͤndig erfannt gu haben, weil feine Einthellungen zwar entgegengefests , aber nicht immer kontradiktoriſch - entgegengefegte Begriffe liefern. Man kann z. B. feine Eintheiluiigen von den Künften Sophifa G. 206. und Peliticus: &. 6 feq. nachfehen. ' Wenn ein durch bie Theilung erzeugter Begriff von neuem eingetheilt wird (Subdiviſion), ſo neunt das Plate bie Eintheilung in die Lange (war vurnss)ı bie erſte Eine teilung aber in die Breite (nara waurıe) ). Die Aue ficht einer auf ein Blatt niebergefchriehbenen Einthtilung veranlaßte wahrſcheinlich diefe Beneunung, da noch keine der Sache angenseffenere befaunt war. Das Beiſpiel, welches beim Plato von biefen zwei Arten der Einthei⸗ lung vorkommt, iſt dieſes. Kunſt iſt dad Vermoͤgen, Urſache von etwas zu ſeyn, was vorher nicht war. Kunſt iſt entweder dad Vermoͤgen — un — die Naturprodukte, 5.2. ober durch Zufammenfe Steine; Pflanzen, Thiere gung derfelben etwas here hervorzubringen. bvorgubringen. Goͤttliche Kunſt. Menſchliche Kunſt. vo Iuıov TUE wOnrInns _ FO BUÄLEEIEY TUC FOINTIRHE entioeder oder nur wirflihe Schein der⸗ wirkliche fuͤr den Schein . Dinge, 4.2. ſelben, z. B. ſich beſtehen⸗ derſelben, z. ‚ein Haus Semaͤlde ‚be Dinge B. Schat ⸗) ten, Traum⸗ —XXX —XXX bilber —XRE 94 ‚Die 5 1) Politicus ©. 67. . 53) Sophiſta G. 390. N In | + "2323 — Die Begriffe machen den Inhalt ber Urtheile aus: Memlich die Verbindung der Begriffe, wodurch ein Ding beftimme wird, ift ein Urtheil (dete) ‚duch Borte ausgedrückt, ein Satz (am) ”). Wictele und jede Begriffe, wenn fie auch nach einander vorge⸗ Kelle werben, geben eine Verbindung an die Hand, j ©. Die Reihe von Begriffen, Loͤwe, Hirſch, Pferd, oder Ge⸗ Sen, Laufen, Schlafen. Denn es fehlt an einem Dans de, das fie zuſammen bil. Nur dann ‚erfi, wenn man einen Begriff von ber erftern Art mit einem von der zweiten vereiniget, entſtehet ein Begriff ). Rum be zeichnen die erften Begriffe wirkende oder fir fich bee hende Dinge (ovra, zearrova), in unſerer Sprache Sub⸗ jefte, die zweiten aber Wirfungen (weukes) ober Praͤ⸗ dicate. Alſo durch die Verbindung eines Praͤdicates mit ‚ einen Subjefte wird ein Urtheil ergeuge. Es wird im demſelben ein Ding ober Subjeft beſtimmt, ober etwas von demſelben ausgeſagt, z. B. der Menſch lernet, The aͤtet ſchlaͤft *). Alſo kann man ſagen, ein Urtheil iſt eine ſolche Verbindung der Begriffe (evumaouy, ewdsek)r wodurch ein Subjekt beflimmt wird, ober in fo fern fie durch Worte ausgedrüdt wird, die Verbindung ber Nenn » und Zeitwärter ). zu $3) Sophilta &. 296. ua uw ev Aoyeıc Ya nur cu u — aoacu va zu Hoden: = dray ey Ture av buzy zara-Ivuaı . Syyryvurog nern eryges wiuv Sofne, zus dr Ti worum avre. — ©. 293. u dyrp wAsynarı Turn To a © Ieykanıde. 54) Sophifta ©. 292, 293. 55) Sophifta ©. 293. durss yag (x ewurrnn) mög mu vers weg: Tay OYTus 4 Yeyvansvn ,,y Yıyovaray, u [Ara zul UN Ovonadeı je0vov, MANN Ta RILMIE AUUTÄIREE TE ENNATE Ts svonacı. ©. 292. 56). Sophiſta Ebendaſ. A Zu einem Ursheil gehdet nothwendig ein Mubjeft; weiches durch das Urtheil bekimme wird (er zero), und ein Praͤdicat, welches das Subjekt beſtimmt ”). Zur Benennung biefer Begriffe des Subjekts und des Praͤdi⸗ cats fommen weiter feine befondern Ausdruͤcke vor, aufe fer daß bag Prädicat zuweilen sudo: und — genennt wird °*). Durch das Praͤdicat wird das Subjekt beſtimmt. Dieſes kann auf geboppelte Art geſchehen: einmal da» durch, daß es mit dem Subjefte verbunden, zweitens dadurch, daß. es von demfelben ausgefchloffen wird. Daher find alle Urtheile entweder bejahend oder vernei⸗ nend. Jedwedes Ding fann ſowohl an fid als in Bes schung und Verhaͤltniß mit jebem andern Dinge oder - Begriffe betrachtet werben, um bie Bellimmungen, bie ihm an fich and in Verhaͤltuiß mit andern zufommen, zu finden. Was mit ihm verbunden werden kann, wird ihm beigelegt; was nicht mit ihm verbunden werben fann, wird von. ibm ausgefchloffen. Jenes find feine pofitiven, dieſes feine negativen Praͤdicate. Wach jes nen ift er Etwas (m), nach biefen iſt er etwas nicht (uno) 7). Das Fundament der affirntativen und ne gativen Urtheile ift die durch das Geſetz des Denkens bes ſtimmte Möglichkeit der Berbindung ber Begriffe unter einander, ohne welche gar nichts gedacht werben koͤnnte. 5 Da sy) Sophifta S. 295. mudewoe yı av, u’ av Aoyag uy rorag“ au aredwalsı Ye, IT Ta MÖUVETAY WI, A0Y0V OVEag undevos sıvay Ayav u 58) Philebus &. 217. Sophifte ©. 272. : 59) Sophifte ©. 353, newa warn yap fh Saranı Yesıc, E voga zuopyuloterg va evrog, dates un ov weise” uf Zune wma $y mura Tavın, druzum vr opdac uni? ur war rs uerıxas Tu erroc, as va sau rn. ©. 282:296- Then FE acer. G. 151 — 234 — Da F num ohne Wierſoruch nicht alle und jede Begrüfe mit einander verbinden laffen, fo koͤnnen alſo einige mit einander verbunden, andere müflen bon einander getrennt werben, d. b. es giebt bejahenbe und verneinende Ur⸗ theile. Diefe Verbindung und das Gegentheil dabor wird durch die Gefege des Denkens beſtimmt. Go läßt fi Bervegung und Ruhe nicht vereinigen; wir fagen alfo: Bewegung iſt nicht Ruhe. ine wirkliche Bewe⸗ gung läßt fich nicht denken, ohne den Begriff ber Rea Vieät ; fie ift aber die Realitaͤt nicht ſelbſt. Daher ent fichen die beiden Saͤtze; Bewegung iſt etwas Reales; Bewegung iſt nicht bie Realität. (unge ovzug vun . BfIy Na OU, BWSRTER TU OYTOG Herezeı) Ehen dieſes IR auch das Fundament der Wahrheit der Säge. Ein Sag iR wahr, wenn das Prädikat dem Eubjefte zukommt oder zufommen kaͤnn, wenn es ſich zuſammen benfen läßt; falfch, wenn es bem Subjekt wicht zufonuht ober nicht zukommen kann; ober wenndas, was vom Subjekte getrennt IR (Harıgv) benfelben bei gelegt wird, 5. 3. ein Menſch fliege. . Diefes mache Di formelle Befchaffenheit der Säge and en. Das eigentliche Geſchaͤft ber Logik Gefiehet darin, - Die Regeln von der nothwendigen, möglichen unb un moͤglichen Verbindung ber Begriffe gu einen Urtheile pe . entwickeln: *). - Obgleich nun Plato diefes erkannt hat⸗ te, fo finden wir Doch nur einige Regeln diefer Art auf brücklich angegeben, ba fich doch weit mehrere fchon and den Merkmalen und Eintfeilungen ber Begriffe erhebn 60) Sophiſta S. 274 feq, 278. alt. 61) Sophifte ©, 294. 205. ua werev vera auren (Asyen) em der. = Asyıı ds kuruv 6 pw aruduc: TE ara a 85 Fi ua ô de da darlan, drgarın rm - ug u org age Bei #2) Sophia . ere — | _ — 235 — die Bei ihm vorkommen, «8 fei num, daß er in der Aua⸗ - Iyfe dieſer Regeln nicht weiter ging, ober daß er unter« ließ, fie in Worten als befondere Regeln aufzuftellen, fo wie er alles, was auf Logif Beziehung hat, nur neben» bei und gelegentlich anführet. Hieher gehören folgende Regeln. Von zwei kontradictoriſch entgegen gefezten Begriffen kommt einem Subjekte nur einer, aber - nothwendig zu, z. B. ein Menfch muß franf ober gefund fein. Aber von mehreren unter dem Begriff enthal⸗ tenen kommt zwar einer dem Subjekt zu, aber nicht nochmendig, & ©. wenn ein Menfch frank iſt, fo iſt es nicht nothwendig, daß er das Fieber habe *). Einem Subjekte kommen nicht zwei wiberfprechende Präs dicate zu. Nur ift dabei zu bemerfen, daß die Prädi- cate in einerlei Bedeutung und Beziehung genommen wer⸗ den müffen. In den Sägen; die Bewegung iſt (mit ſich) identiſch, und die Bewegung iſt nicht Identitaͤt, kommt zwar ein und der nemliche Begriff „Identitaͤt“ vor; aber demungeachtet find beide Säge nicht wiberfprechend, meil der Begriff in verfchiebener Bebeutung genommen wirb. In dem erften Sage wird der Bewegung Identitaͤt bei⸗ gelegt, in fofern fie mic fich ſelbſt verglichen wird, und er bedeutet alfo nichts weiter als: Bewegung iſt — Bewe⸗ gung.’ Der andere Gag aber enthält dieſen Gedanken: bie Bewegung und Identitaͤt find ben Begriffe nach verfchies ben *) In fo fern die Wirkungen eines Dinges al feine Prädicare anzufehen find, muß man alfo hoc Ä | a 43) Alcibiades II. ©. 77-779. 44) Sophifte S. 230. rm num dy vayrıv Tann ar Mm vavrov, ÖMSMOYETE nn u Buexegavreen. u Yang drav ume- uer nUENU MUTev Ka un CmUrer, djÜEE pwuaun. MDR dmerav un varın., dia vw yedsfrı raure wgec ar, Urn Aeyener, dvav de nu Tawren ds Tv Nana au Jarspss *e „_ W wrenuggeng revru, ↄyovv un ππο RAN iren· — 236 — ein Ding kann nicht zugleich in einerlei Beziehung und Verhaͤltniß auf dieſe Art und die entgegenge⸗ ſezte wirken und leiden, z. 3. ſich bewegen. Denn wenn es fich beweget, fo kann es nicht ruhen; und wenn es ruhet, ſo kann es nicht in Bewegung ſein. Es iſt aber kein Widerſpruch, daß ein Menſch ſtehet, und Kopf und Haͤnde beweget; denn es iſt nicht einerlel Subjekt. Eben fo kann man fagen, eine Cirkelflaͤche bewege ſich und ruhe gugleih. Denn der Mittelpunkt wird Hier mit etwas anderm als in einer geraben Binie gebacht, don welchem der Mittelpunkt nicht abweichet, d. h. in Kuhe iſt, während die Peripherie von jedem andern angenom⸗ menen Standpunkt abweichet, und in Bewegung if ”) Wenn alfo einem Subjekte zwei entgegen ges ſezte Prädicate beigelegt werden, fo muß j wenn es fein Widerfpruch fein fol, das Subjekt oder Prädicat in gewiſſen Beziehungen verfchieden fein. Wenn man alfo fagt, ein Menfch ift ein Sclav vonfid, fo wäre das ohne diefe Unterfcheidung ein Widerſpruch. Denn da in diefen Urtheilen nur ein einziges Objekt des Verhaͤltniſſes ik, fo folgte, daß ein und eben daſſelbe Subjekt Herr und Sclav von ſich wäre, welches wider: forechend iſt. Man muß daher indem Subjekt zweierld Vermögen, die Menfchheit und Thierheit, das Beſſere und das Schlechtere unterfcheiden. Alsdaun hat bad Urtheil feine Nichtigkeit *). | , Bon 65) Republica IV. &, 360. duiev er: rayrev 7’ avayıın zur EV N WACXEUV KATE TAUTOV YE NEE WEOC TRUTEV un eJeiysn dns. TE 00V WU HUPKRURE EV MUT TRUTE YIYvopivin ‚used, dri u raue m, am wis. G 361. . 6) Repubtic. IV. ©. 349. ru a nparre daseg ya. . yap dnwru agurrwe wa Arten deu ae deru m um © dere, urrun drug yap dene Tara wort — 137 = Bon der Syllogiſtik finden wir beibem Plato nichts als einige Begriffe von den Schlüffen. Und gleichwohl fiebet man aus vielen Stellen feiner Schriften, -daf die Schlüffe und ihr Gebrauch nicht allein dem Plato, fon bern auch den Sophiſten befaunt waren. Sein Euthydem enthälteine ganze Reihe von Sophiſtereien und Trugfchlüße fen, die ex zmar nicht durch Aufdeckung des Togifcheg Fehlers miberleget, aber doch mit baarer Münze zurück giebt. Nun follte man doc, benfen, die Sehler hätten fi einem fo ſcharffinnigen Manne von felbft entdecken müflen, welche dann in Kegeln zu verwandeln deſto leich⸗ ter war, ba ihm bas Weſentliche eines Schluſſes nicht unbekannt war. Und dennoch findet fih davon eben fo wenig eine Spur in feinen Schriften, als von den Res geln für die disjunktiven und hypothetiſchen Schluͤſſe, auf welche er- bock nicht felten fein ganzes Raͤſonnement gründet °). Dam komme noch das ausdrückliche Zeug« niß des Ariſtoteles, daß bis auf ihn die Theorie ber Gchläffe entweder gar nicht, oder nicht vollſtaͤndig ſei bearbeitet worden. Unterdefien kann doch aus biefer Stelle nicht gefolgert werden, daß die Denker vor ihm bie Regeln ber Schläffe gar nicht unterſucht Haben. Und fo kann man es immer für wahrſcheinlich halfen, daß fich der philofophifche Geiſt des Plate auch mit dieſem Theil der Logik befchäftiger habe, wenn gleich in feinen Schriften nichts davon zu finden if. Denn aus einer Stelle IE es zum wenigen einlenchtend, daß er bei wei⸗ tem 67) Um nur ein Paar Seifsile anzufäpren, fo gruͤndet ſich in dent Meno die Unterſuchung, ob die Tugend gelehrt werden koͤnne, auf den Schluß: wenn bie Tugend eine Wiſſenſchaft iR, fo kann fie gelehrt werden. In dem So⸗ »biha kommt S. 370,271. felgender Schluß vor: Es lafe fen fich entweder alle Begriffe verbinden ober Feine, ober einige laffen ſich verbinden, andere nit. | nich 438 le . D- ' tem nicht alles in feine’ Schriften aufnahm, was er ube bie Regeln bed Denkens gedacht hatte **). Ein Schluß ift die Ableitung eines Satzes dus . nem Örunde (arac aoyuuer). Die Ideen find der Grund aller Säge, d. h. bie der Vernunft angebornen Gattungsbegriffe, die die Seele baber nicht aus einem äußern Stoffe bildet, ſonbern beren fie ſich nut wieder bewußt wird (avauıyen). Wenn die Säge aus einem ſolchen allgemeinen Begriff abgeleitet, oder unter ihn fabfumirt werden, fd befommen fie Zuſammenhang "(stpog), Beftigfeit, wiſſenſchaftliche Form unb dadurch Gewißheit *) Sie find dem Philvoſophen unentbehr⸗ lich, wenn er bie Dinge an fich erkennen wil ”"). Dies fe$ muß man von dem ſynthetiſchen Verfahren der Ver⸗ nunft verfichen, woman aus ben oberſten Gruͤnden Lehr⸗ und Folgeſaͤtze ableitet, um einer Erkenntniß wiffen- ſchaftliche Form zu geben. Denn um bie oberfien Bes dingungen ber Erfenntuiß gu finden, koͤnnen die Schluͤſſe nicht gebraucht werben, wohl aber, um das durch Re Beſtimmte zu erfennen. Wenn ein Hberfaß in einen Sehluſt aut in einem gewiſſen Umfang wahr iſt, aber von allen Objekten ohne Unterſcheidung feiner eigentlichen Sphäre gebraucht wich; h nennt das Plate einen unoͤchten Schluß (der 2- nn vAchoẽ 6) Arithotels. Sophifiese .Elench, c. 34. Men vergleiche” auch den erſten G. d. Spfems d. Platon. Philoſ. ©. 265. de Republicaa VII. ©. 164. 167 69) Meno ©, 385. deu al are udeaau afuy ver; 977 —XE —X Gr Aöyıckn. vuro Hari Kiauyydıc, 6 ap vos woocdev Au Ausroyuru. uweıdav de Icdudı, Kearen as Irıcyuy Yıyvertan BESTE korel. wi dk ravra öy I» Rınragov ehızalug eßIue Sons uer_Rag Unpepes decke emirunt deꝰme Jokes. 70) Sophifta ©. 475. 5 # ya girsiopok iu ru wiegen Aa —XXXXXXXX — 239 — ꝓienoe). Ein Beiſpiel davon if, mer man fo fchließes Alles, was Etwas iR, muß Irgendwo, an einem Orte fein ; bie Ideen (Dinge an fich) find Etwas; alfo muͤſ⸗ fen die Ideen an einem Drte fein. Einen Raum einneh⸗ men iſt fein Präbicat aller Dinge, fondern nur der Era ſcheinungen, welche, da fie an ſich nichts Beſtehendes And, nothwendig etwas haben muͤſſen, in dem fle erſchei⸗ nen, d. h. einen Ort. Bon ben Dinger an ſich gilt das nicht. Der obige Sag allgemein ausgedruͤckt iſt alſo falſch *). Weil der Oberſatz nur der Quan uat nach 1) Timdeus G. 349. vorres de ku yalod a Ho rad zuge — uvre ler‘ aunuc9yeng autor, Anyıslp min oda Kork Kırova ‚Irgec o da u auugeroruen PAssovrss, u Gaplı way) BU FU, TO 0 ER. EV Tıvi TORE Kay NATEXOV Kuga Tınac‘ Sud unten yy, mars wu nur’ ujavov, udev ar. . Diele Steile ik eine von den dunkeln, weiche, ben Erfidserü ber —— — Philoſorhie von jeher viel zu ſchaffen gemacht bhaben. Es kommt alles anf ben Gchichispunft au; je nachdem man diefen faßt, iR fie dunkel oder Far. Nach inferer Erkidrung bat fie gar keine Schmwierigfeiti und doch iR dieſe Die einzige, die in den Znſammenhang diefer Stelle und zu bemi ‚Ganzen feiner Philsfophie Just. Es ik bie einzige Erklaͤrung, weiche Plato felbß durch die folgende Sebankenreihe ald Die einzig mögliche, das ik wahre, befd- tiget hat. Es bedurfte nur eiuet genauen Ermdguug und Wersleichung des Zuſammenhangs der ganzen Stelle, ul Die Bedeutung bes Aoyıznes veJociu finden. Des auffallondet if ed, daß man fie überfehen konnte. u der Abhaudinng von der Welsfeele, weiche Timaͤns beigelegt wird, fit det fich fchon eine falfche Erfläruns. Ein unachter Schluß fei nemılich derjenige, wo man nicht unmittelbar auf dad Sein eines Dinges, fondern nur analögifh fhliehe. (©. 5 in? dan, Aoyızyım voge Ta uyme nur’ sudumgsar voic’er, ara'nar' avaneyım . Sier if aber won keiner Analogie, fondern von dem Oberſatze eines Schluffes die Rede mel - ſe lautet: Alles, was Etwas iR, if an einem Orte. er Dammakin, bed eine ſchaͤtzbare Abhandlung von dem Vorkellungsvernösen näch dem m Blatonifoen Desriff ge⸗ ſchricben hat, (Diſſertatio de humanze efetrienal F * van — 240 m nach falfch ift, uͤbrigens aber feine Richtigkeit bat, fo ſcheint Plato einen folhen Schluß nicht einen falſchen, ſondern nur unaͤchten zu nennen, Die Vernunft fodert von jedem Sage, ber nicht an fich edident iſt, einen Grund, und daher muß jedes Urtheil unter ein hoͤheres, allgemeineres untergeordnet werden. Dieſes macht bie Natur eines Beweifes aus. Beweis im ſtrengen Sinne (arodntıc) iſt ein Sat, der die Wahrheit eines andern aus allgemeinern Sägen oder aus ſchon erfannten Wahrheiten herleitet. Die Herleitung geſchiehet vermittelſt ver Schluͤſſe). Wenn Die Wahrheit des niedern Satzes fo beſtimmt wich, doß er nicht anderd gedacht werben kann, fo iſt es fogifche Gewißheit oder Nothwendigkeit (way) ”).. Dies | | | . ſes tandi facultatis natura ex mente Platonis, Sectio I. Flelm- ftadii 1792. &.25.) glaubt, unter Aoyıciaoc vodoc werde eine befondere Art des Vorſtellungsvermoͤgens verſtanden, nem⸗ lich %avoa, deffen Gegenſtand die mathematiſchen Borkeituu«- gen find. Da Plato bie bee, das Anſchauliche und das Subjeft (Dre, Raum, Materie) unterfcheibet, umb für die beiden erken befondere Vermögen annimmt, fe glaubte er, muͤſſe aud) das, mas Mato Ort nennt, durch ein bes fonderes Vermögen vorgefhtellt werden. Allein wen bie fer Grundſatz gelten foitte, ſo wuͤrde man bie Arten des Vorſtellungsvermoͤgens ohne Noth vervielfäitigen, unb umge nur ein einziges Beifplel anmuführen,, für eacia Republic. VI. S. 121 —25. ein beſonderes Vermögen annehmen mäffen- Hierzu komme noch dieſekt. Wenn Platko unter dem Aoyıs- os wirklich nichts anders als bad Vermögen Java Here fanden Hätte, wie follte man das Prädicat vo9oc erPlären, welches dach nothwendig eine fehterhafte Anwendung beden⸗ ten muß. Nach der Vorfkellungsart ded Herrn Danıman m wäre aber dieſes Vermoͤgen bier in feiner Sphaͤre, da, wie er meint, reroc, xuea, nichts anders iſt, als der Raum, und das in ihm befindliche. 73) Definitiones ©. 296. awsöufıe, Ayo evAroyırına arıfe Inc’ Aeyoc supavırnag dım weoywacKouENVv. 73) Phaeda ©. 174. Theactet. ©. 109, 110 Pr Wort bejeichnet alexit das erhält wiſchen eb nem Sage und feinem Brunde Dad, woraus etwas abgeleitet wird, iſt entweder nur wahrfchrinlich, oder gewiß und ausgemacht (uwodug nern sınorog - d3’ iroßesuue afın arodekacdaı) ’*). Unter einem Beweiſe von ber lez⸗ zern Art verfiand Plato die Herleitung eines Satzes aus bem Begriff des Objekts, wenn 5. B. aus ber Einfach⸗ [4 heit als einem Mertmal der Seele, . ihre Unfterblichteit . gefolgert wird, oder aus einem andern erwieſenen Saße. Ein Beifpiel von einem Beweiſe der leztern Art iſt fols gender. Es iſt erwieſen, daß ed Begriffe giebt, welche wir durch feine Abſtraktion in biefem Leben erlangen Können, die alfo angeboren find. Wir find uns aber derſelben gleich nach der Gehurt nicht bewußt; fie wer⸗ den nur durch die Entwichelung des Geiſtes bei äußeren Veranlaſſungen ins Bewußtſein gebracht. Das Denken biefer Begriffe ift alfo eine Art von Wiedererinnerung. Denn die beiden Praͤmiſſen waren in der Platonifchen Philoſophie erwieten, und aus ihnen folgte der Schluß⸗ fa unmittelbar ”°). Wenn etwas gründlich ermiefen werben foll, fo muß vor allen Dingen bas Subjekt nach feinen Merkma⸗ den beftimme werden, damit erbelle, ob das, was er» wiefen werden fol, fchon in dem Begriff von dem Sub» jekt enthalten ift, oder ob es fich mit demſelben vereini⸗ gen läßt. 3.8. die Frage: laͤßt fih Tugend Ichren oder lernen, laͤßt fidy weder bejahen noch verneinen, wenn man nicht weiß, was Tugend ift °). Ein wahr⸗ ſcheinlicher Beweis gründet fih nicht auf Einficht des Objekts, oder auf einen deutlichen‘ Begriff beifelben, fondern nur auf Achnlichteit und Vergleichung 7 jekte. 74) Phaedo e. 210. 75) Phaedo ®, 210. 174. 26) Meno €. 363. — 442 — tete. Hieher gehört der aus der Aehulichkelt der Har⸗ monie mit ber Seele gefuͤhrte Beweis, daß die Seelt ſterblich ſei. Iſt die Aehnlichkeit nur ſcheinbar, oder verſchwindet fie bei ſchaͤrferer Unterſuchung, fo iſt ber Be⸗ weis falſch, weil der Grund nichtig war 7). Bei Beweiſen und Widerlegungen gelten Zeugniffe nichts, und wenn die Zeugen noch ſo angeſehen und zahlreich waͤren; denn dadurch wird weder Wahrheit wi⸗ derlegt, noch etwas Falſches erwieſen. Wahre gruͤnd⸗ liche Ueberzeugung iſt nur eine Folge von Gruͤnden, durch welche die Wahrheit oder Falſchheit eines Praͤdicats eroͤr⸗ tertwird ). | Bon den logifchen Merhoden. Nach dem Nrifios teled unterfuchte Plate die Frage: ob man von dem Principien aus, oder zu ben Principien fortgehen, dv. h. ob man bie analytifche oder fonebetifche Methode anwenden ſolle ”). Da aber Plato beide empfiehlt, fo kann der Gegenſtand feiner Unterfachung nicht darin bes ‚ fanden haben, ob eine; von beiden, fondern, mo jebe von beiden’ anzumenben fei. Das Mefultat findet ſich noch in feinen Schriften. Um die Principien zu finden, muß man von niedrigen Begriffen und Sägen zu immer allgemeinern auffteigen, bisman zu folchen, die unter feinem andern Begriff ſtehen, d. 5. zu Grundfägen, gelangt. Wenn man aber das Ganze ‚einer Erfenntniß fnftematifch ordnen, d. h. eine Wiflenfhaft zu Stande bringen will,. fo muß man von dem Princip ausgehen und alles Mannichfaltige ‚unter daffelbe ordnen. Dort verfähre man analytiſch nach dem Grundfag des Grundes, hier ſynthetiſch nach | Dem 77) Phaedo S. 209 feq. 78) Gorgias ©. 55. 56. 79) Ariftotel. Nicomach. I,1V. ‚ev yap za: d TIaasam sage TUTO nMI SCYTEI, TÖTIEOV ARTE Tav REXUY N IWITRG RX STE 4 de. . Bu " — 2493 . — dem Grundfaz bed Widerfpruche ). Einige Schrift⸗ ſteller berichten, daß Plato ber Erfinder der analytiſchen Methode fei, daß er fie einem gewiſſen Leodamas gelehrt babe, der vermittelft derfelben viele Entdeckungen in ber Mathematik machte "). Es iſt aber wahrfcheinlich, daß er nicht diefe allein, ſondern auch die funchetifche erfun« ‚den hat, da ‚er der erfle mar, ber über den Begriff, Umfang, Form und Methode der Philofophie abfichtlis her nachdachte, ald vor ihm gefchehen war. . Ueberhaupt läßt fich eine geboppelte Weiſe denfen, ‚wie man Gegenftände unterfuchen fann; einmal vermit⸗ sei der Worte, wodurch fie bezeichnet werden, zweitens durch die Betrachtung der Dinge ſelbſt. Es herrfchte nemlich damals bei einigen Dhilofophen die Meinung, als wenn In ben Worten dad Weſen der Dinge ausge druͤckt fei, und fie dehnten diefe Behauptung fogar big auf die Sprachlaute aus, welche, wie fie meinten, den Dingen an fich entfprächen. Der ficherfie Weg, fihdie Kenntniß der Dinae zu verfchaffen, beſtand alfo nah Diefen darin, die Worte zu udiren und fie grammatifch zu betrachten. Plato erinnert aber dagegen, daß dieſer Weg zu keiner fichern und zuverlaͤſſigen Erkenntniß fühs re, indem es an fich gar wohl moͤglich fei, daß die Er⸗ finder der Sprache fich in Anſehung der zu bezeichnenden Sache geirrt, und ihnen Figenfchaften beigelegt haben, Die ihnen nicht zufommen. Menn auch diefer Weg zue Erfennmiß nıdglich fei, fo gebe e8 doch noch einen an- dern, der jenem weit vorzuziehen fei, nemlich den, wenn man die Dinge felbft, nicht ihre Zeichen betrachte. Un⸗ ser dieſen Dingen verfichet Plato die Begriffe von D 2 | b> 80) Republica VI. &. 194. Phaedo ©. 226. a3o. - 81) Diogen. Laert. 111,24. sus wpwuroe rovzara ruv avaly- en TuS Qurussnc TpOroV sıoyyyearo Asmdanayrı ru @asıy. und Kaſaubons Anmerkung zu dieſer Stelle. ao } N 7 ı 7 — Objekten, durch welche, wie er glaubte, man dem Weſen der Dinge am naͤchſten fommen koͤnne. Die Be trachtung der Dinge beftehet aber darin, daß man den inhalt des Begriffes von einem Objekte entwickelt, und unterfucht, was mit demfelben vereinbar iſt oder nicht. Dieſes iſt alfo nicht von ber analtyiſchen und fontheti- fchen Methode verfchieden ). Zuweilen entſtehet die Frage, ob ein gewiſſes Praͤ dicat mit einem Subjekte ſich vereinigen laſſe oder nicht, ehe man ſich des Begriffes von dem Subjekte deutlich be⸗ wußt iſt. Dann iſt eine Hypotheſe nothwendig. Man fest die Bedingung voraus, unter welcher das Praͤdicat bem Subfefte zufommen fann, und unterfucht, ob fie bei dem Subjefte anzutreffen iſt (sE ünodeseme noweudar). ES ÄR zum Beifpiel die Frage, ob die Tugend koͤnne gelehrt werden oder nicht, aber man fann noch Feine Erflärung von derfelben geben. Zuboͤrderſt iſt zu unterfuchen, mie etwas befchaffen ſeyn muß, menn es gelehrt werden fol. Es ift offenbar, daß nur das jenige gelehrt werden kann, was eine Wiſſenſchaft, oder ein Gegenſtand bes Wiſſens (erısuun) If. Nun muß ausgemacht werben, ob bie Tugend fo etwas iſt, ob ihr dieſes Merkmal zukommt ). Der Zweck der Logik iſt, Wahrheit zu finden, und ſte von ber Falſchheit zu unterſcheiden. Die Logik Ge ſtimmt nur die logiſche Wahrheit, d. h. Ueber einſtim⸗ mung mit ben Geſetzen bed Denkens; die objektive ober reale liegt ganz und gar außer Ihrem Gebiete, obgleich die logifche die erfte Bedingung der realen iſt. Da aber dieſe beiden 82) Cratylus &, 237-244, e 343. da Tıvag aA ur er weocdonge av Tavrs. (Ta ovra) uaday! ag’ 3 anru mu, m Vera uıne; Ya zug dınserarey, di ailyiar Ya, my Coy- veru ası au avıa d1 arte. Man vergleiche damis Phaede ©. 226. wo er ſich deutlicher daruͤber erllari hat. | u) Meno ©, 368, 363. — 245 — N \ . beiden Begriffe noch nicht unterfchieden waren ſo iſt es | fein Wunder, daß Plato auch bie reale Wahrheit in dag Gebiet der Logif zog, und fie nicht nur für einen Kanon bed Denkens, fondern auch für ein Drganon ber Er fenntniß hielt; ein Irrthum, der nicht allein aus dem allgemeinen Mißverfländnig der bamaligen Philofophie, die Erfenmtniß der Dinge an ſich fei nicht unmeglich, fondern auch aus dem Mangel von vollfiändig entwi⸗ ckelten Begriffen von Erfenntniß, Wahrheit und Irrthum fich erflären läßt. Vor dem Plato maren alle diefe Der griffe noch in Dunkelheit gehuͤllt; er beſtrebte fih, fe aufzuflären, aber es war nicht ‚ndglich, die ganze Wol⸗ fe von Nebel zu zerſtreuen, Die fich um fle herum gela« gert hatte. Es koſtete unſerm Philofophen viel Mühe, einen Begriff von der Wahrheit zu finden, melchem ber Begriff von der Zalfchheit richtig entgegengefezt war und aus dem die Möglichkeit der Falſchheit fich erflären ließ. Denn der menfchliche Verſtand ift durch feine eignen Ges fege beftimme, Wahrheit zu denken. Wie laͤßt es fich alfo begreifen, daß er fich irret, Unwahrheit auffaßt, denkt, aber nicht nach feinen eignen Geſetzen? Es kommt bier auf einen Begriff vom Denfen an, aus wel⸗ chem das falfche und richtige Denken, als Arten, herges leitet werden kann, fo daß auch bey der Falſchheit noch immer ein Denken ftart finde. Dieß ift der Gefichte- punkt, and welchem Plato Wahrheit und Falſchheit un. terſuchte *9. Wahrheit, und folglich auch Falſchheit läßt fich nur denken vermittelſt eines Urtheils, oder ſie iſt ein Praͤdicat, das nur an einem Urtheile, ſowohl bejahen⸗ den als verneinenden, gedacht werden kann *). Da Q3— ein 24) Theaeter. ®&. 146.. 85) Definition. ©. 293. armdua, dk w xaragacı nu arodars- ‘ — 26 — ein Urtheil in ber Verbinduug eines Praͤdicats mit einem Eubjefte befichet, fo fann man überhaupt fagen, das Urtheil ift wahr, wenn es die Prädicate mit dem Sub⸗ jefte verbinder, die ihm zukommen, und diejenigen aus⸗ fchließet, die ihm nicht zufommen. Aber dieſes erfodert eine' noch nähere Erklärung, vorzüglich. mas die Falſch⸗ beit eines Urtheils und bie Entſtehung derfelben betrifft, von welcher berſchiedene falſche Vorſtellungsarten moͤg⸗ lich ſind. 1) Da ſich etwas bewußt ſein und nicht bewußt fein (söwa) einander kontradiktoriſch entgegengefegt iſt, fo wollen wir unterfuchen, ob fich auf diefe Art die Wahrheit und Zalfchheit ber Urtheile erklären laͤßt. Menn ciner urtheilet, fo nrebeileter en:moeder von etwas. bas er weiß (ſich bewußt if) oder nihe weiß. Es if aber unmoͤglich, eine und die nemliche Sache zu wiffen, wenn man fie nicht weiß, oder fie nicht gu wiſſen, wenn man fie weiß. Dagjenige, mas ein Menfch nicht weiß, kann er alfo nicht für etwas anders halten, wovon ce eben fo wenig eine Vorftelung bat; 5. B. fennet er me der den Sokrates noch den Theätet, kann er weder ben Sokrates für den Theätet, noch biefen für jenen halten. Er kann auch nicht dag, tag er weiß, für daffelbe halten, mag er nicht weiß, noch bagfenige, mas er nicht weiß, für dad, was er weiß, Hieraus läßt fi) alfo die Moglichkeit eines falfchen Urcheil® nicht einfehen °°). 11.) Vielleicht laͤßt fich der Begriff eines falfchen Urs theil8 im &egenfaß bes wahren aus dem Gegenfag bes Nichtrealen und Mealen finden, wenn man fagt, ein falſches Urtheil iſt dasjenige, welches von einem Dinge etwas nicht Meales ausſagt. (Ira un ovra wg aͤrvu⸗ —8——— Nun iſt ed aber unmoͤglich, das Nicht⸗ reale 85) Theaetet. G. 146, 147. wvayıy rev deialorra, defacıım ya rı oda, u Ay ade. ⸗ — 17 — reale (un ov, was nicht Etwas, fondern Nichts IE) zu denfen, fomoht an ſich, als an einem twirflichen Dinge. Denn wer Nichts denft, der denft auch gar nicht. Zu jedem Denten, fo wie zu jedem Vorftellen, gehdrt ein Obs jeft, das alfo ein Etwas (») if. Ein falfches Ur⸗ theil kann alfo nicht darin beſtehen ”). Plato erkläre ' zwar die Kalfchheit des Urtheilg zum Theil mit aus dem Begriff des Nichtrealen (u ov); aber dann legt er dem Ausdrucke einen andern Begriff unter, wie wir her⸗ nach fehen werden. 1m.) Ein falfches Ureheil It dann, wenn man daß | Eine an die Stelle des Andern fest, einen Begriff für einen andern hält, oder Verwechſelung der Begriffe und Objefte mit einander (amodokıs, drsgodofen, ande Zuv, srsgedokenv). In dieſem Falle denkt einer immer et⸗ was, obgleich nicht richtig, und daher faͤllt die Unmoͤg⸗ lichkeit, die in der vorhergehenden Erklaͤrung anzutref⸗ fen war, hinweg. Um die Wahrheit dieſes Begriffes zu pruͤfen, muͤſſen wir zwei Faͤlle unterſcheiden. Man denkt ſich in dem angenommenen Falle entweder beide Begriffe oder Objekte, oder nur das eine. Denken iſt ſo viel als urtheilen, d. h. ausſagen, ein Objekt ſei das, oder ſei das nicht. In dem erſten Falle heißt es ſoviel, als die Seele ſagt ſich ſelbſt, das eine Objekt iſt nicht das Objekt A—A, z. B. das Schoͤne iſt haͤßlich (nicht ſchoͤn), Gerechtigkeit iſt Ungerechtigkeit. Allein das iſt ein vollkommener Widerſpruch, deſſen fi ſich kein Menſch ſchuldig macht. Auch im Traume oder im Wahnſinne ſtellt ſich kein Menſch vor, daß ein Ochſe ein Pferd, oder Eins Zwey iſt. Wenn alſo die Verwechſelung der 24 Be⸗ | 87) Theaetet. ©. 149. ae u u rayry eneareov 6 Öuruum KATa.TO ultvog un mn OHÖEVeM OVTaLı RAAN KETE TO Bivaf MM Bu — nu TO mYIguzav Toy ou Soäneni s STE Kap TV 0- vn Tu, usa avro nad’ dere. — 248 — Begriffe darin beſteht, daß man ſich zweier verfchichenen Vorſtellungen bewußt iſt, und die eine für die andere hält, fo iſt ſie eine Unmoͤglichkeit. Der andere Fall ik ober eben fo unmdalich, daß. nemiih ein Menſch Bewußtſein von einer Borftellung babe, und fie für ei⸗ 'ne andere halte, beren_er nicht bewußt iſt. Demn dad wäre fo viel ald, ſich etwas vorftellen, was er fih niche vorſtellt *°).. Wir müffen alfo auch diefe Erklaͤ⸗ rung von einem falfchen Urcheile verwerfen. IV. Vielleicht läßt ſich der Begriff eines falfchen Urtheils finden, wenn mir den Sat, daß man etwas, was man nicht weiß, nicht für etwas anders hals ‘ten fönne, dag man weiß, noch genauer beflimmen. Denn es ift eine Erklärung davon moͤglich, bie feine Miderfpräche in fich enthält, welche auch dad Faktum nothwendig macht, daß wir zumellen einen Menſchen in der Entfernung fehen, den wir für einen Bekannten hal ‚ten, ob wis syn gleich nicht kennen. Diefe Erklärung bernhet auf folgenden Sägen. Der Menfd) kann das, was er noch nicht weiß, lernen, und zwar immer Eine nach dem Andern. In dem Gedaͤchtniß werben die Bor, ſtellungen aufbewahret, und fie müffen daher gleichfam eine Spur oder Kopie von ſich zurücklaffen, wodurch fe ſowohl I rebauern als auch wieder erneuert woerdem Wenn tsirı : etwas vorgeſtellt haben, nnd es bleibt davon eine Kopie in dem innern Sinne zurück, fo erin⸗ nern wir uns und find uns des Gegenſtandes bewußt, wir wiffen ihn. Iſt feine Kopie zuruͤckgeblieben, fo iſt fein Erinnern und fein Wiffen möglich, (Unter dem Wiſßen (exicachat, idea) verſtehet hier Plato nicht das Bewußtſein überhaupt, inſoſern es von jeder Vorſtellung unzer⸗ 88) Theaetet. &, 149153. arrodefen vα em Jevdr 40 usv aıau dofay, ETaU TIETI TRY OYTWv, mAAO au TaT OyTavarTe arrafauevoc, zu Image Gy ana —- dran ri, as Frign za UN 06 exıına Tg Kavarg vıdschey. 7 ungererennlich iſt, ‘fondern von dem Bewußtſein einer Rorfielung, es fei der Sinnlichfeit oder des Verſtan⸗ des, welche fehr Ichhaft und ſtark aufgefaßt iſt, deren Gegenfiand wir nicht anfıhauen ; er verfichet dad Vor⸗ fielen eined Gegenſtandes durch die Einbildungsfraft oder bag Gedaͤchtniß, den wir ehemals unmittelbar vor⸗ geftelit Haben, ober auch das bloße Denken eines Ges genfiande® (Iumvencdar. confer. Theiet. &. 163). Ein Gegenftand, den wir wiflen, Fann zugleich anges ſchauet werden oder nit. Es ik möglich, daß wir einen Gegenſtand, den wir nicht wiſſen, anſchauen; es it aber auch denfhar, daß wir ihn nicht anfchauen ). Nach diefen Vorausſetzungen laſſen ſich bie Säle be⸗ ſtimmen, too man etwas, dad man weiß, für etwas anders halten oder nicht halten fann, das man auch weiß. Unmdglich iſt ed, zwei Gegenflänte gu verwech⸗ feln, bie wir blog miffeh, ohne Anfchauung; einen Ge⸗ genftand, den mir bloß wiſſen, mit einem, ben wie nicht toiffen noch anſchauen; zwei Gegenftände, bie wir nicht wiffen; Einen Gegenſtand, den wir nicht wiflen, mit einem, den wir wiffen; Zwei Gegenftände, die wir bloß anfchauen; Einen Begenfland, ben wir blog anfchauen,mit einem, ben wir nicht anfchauen ; Zwei Gegenftände,diewie nicht anfchauen; Einen Begenftand, ben wir nicht anſchau⸗ en, mit einem, ben wir anfchauen; Zwei Gegenftände, bie wir wiſſen und anſchauen, wenn bie Vorſtellung der Eine bildungskraft (das Bild, eyusıov) Elar und lebhaft iſt; Einen Gegenftand, den wir wiffen und anfchauen, mit einem, ben man blo® weiß oder blos anfchauet; Zwei Gegenflände, die man weder weiß noch anfchauet; Einen Q5 Gegen⸗ 89) Thesetet. G. 154. su 0 AV au αν HuyLovsusm vun suısacdnn, dacavayy To mdnAov aut. dray ds afa- Aso9y,> y un elon TE Yaryırey ensuyyuns amıAtAncdg TE Kg Nu emısecd ©. 157, ws un dla u dar αα de, aulaedtae ⸗ — | 250 — Gegenſtand, den man weder weiß noch empfindet, mit einem, den man nicht weiß, oder nicht anſchauet. Nur in folgenden Faͤllen iſt daher dieſe Verwechſelung moͤg⸗ lich: Wenn man einen Gegenſtand, den man weiß, fuͤr einen andern haͤlt, den man weiß und empfindet, oder ben man'nicht empfindet, aber weiß, ober wenn man einen Segenftand, den man denkt und anfchaut , für tie nen andern hält, ben man empfinde und benft ). Daß Reſultat ift: die Verwechſelung ber Vorſtellungen . amd der Gegenſtaͤnde, oder ein falſches Urtheil if nur in ‚dem Kreife unfers wirklichen Denfend und Empfin⸗ dens 90) Theretet. ©. 155, 156. In dieſer Stelle ſcheint mir der Text an einigen Orten verdorben gu fein. S. 156. zu arı ya av dv 01da ar aıdaverey. — Grammatik und Zus fanmenhang erfodern ö 0:3s. Am Ende heißt ed: m ck dev, omIyvey aus, erg arta unoy av mös xas m0dar- wu” 4 ou (u osdav, Mıcdayaray ds’ y Av ade was aucdarerun uv aıdev av mar aıdavırıyg. Die Worte in dem Testen Gate find eine. bloße Wiederholung des erfiern, und alfo ohne Be deutung. Der Fehler wirb noch auffallender durch die Bier derholung einerlei Worte in einem und demfelben Gate. Ich leſe daher u a cds za: audaverıq, avasder av zum ax Yavaras. Dieſe Lefeart wird durch ben Zuſammenhanz und dasjenige, was Plate ©. 158. 159. fagt, vollkommen beftdtiget. Es fcheint zwar ein Wiberfprud) zu fein, wen Plato einen und. den nemlichen Kal, einen @egenfand, den man empfindet und denkt, für einen andern zu halten, den man auch empfindet und denket, unter die möglichen und unmoͤglichen Fälle telnet. Aber der Widerſpruch hoͤrt auf, wenn man den Unterf&ied nicht überfiehet, weh chen er bei den einen Falle fefifest. Wenn bie Borkellum von Gegenſtaͤnden, die man vorden angefchauet bat, ned klar und lebhaft, aber noch nicht aus dem Bemußtfein rer⸗ ſchwunden ih, fo iR es nicht möglich, bei wiederholter An fhauung die Gegenfände mit einander u verweclde. Ganz anders verhält ſich die Sache, wenn bie. Bebingans weggelaffen wird. — 251 — dens moͤglich. Da wo wir weder etwas denken noch empfinden, da finder fein falſches Urtheil ſtatt ). Die Entſtehung des falfchen Urtheils gehet Hier fo zu. jemand, ber den Theaͤtet und Theodor fennet, und von beiden das Bild in feiner Einbildunggfraft hat, erblichet beide in einer Entfernung, daß er fie nicht un« !erfcheiben kann; jezt will er bie Vorftelung ber. Einbil⸗ Bungsfrafe mit der Anfchauung verbinden, An den Ge genftand mieder anzuerkennen, aber er thut ed verkehrt, und verbindet die eine Vorſtellung mit der andern An« ſchauung; verbindet die Vorftelung von dem Theätet mit der Anfchauung des Theodors, und ſo umgekehrt; er urtbeilet falſch. Die Wahrheit der Urtheile beſtehet alſo darin, wenn die Anſchauung und die andern Votſtellungen (der Einbildungstraft ‚des Verftandes) mit dem Ges genftande, auf welchen fie ſich unmittelbar bezichen, verbunden, und die Falfchheit beftcher darin, wenn fic mit einem andern Gegenftand ‚, auf den fie fi nicht beziehen, verbunden und incine objektive Bor- ftellung vereiniget werden ). Die Falſchheit findet alfo nur bei der Verbindung des Verflandes mit der Sinnlichkeit fatt, wenn man einen angefchauten Ger genftand denfet, ober ein gedachtes Objekt anſchaut u‘ iefe 91) Theaetet. &, 160. weg: Av av u ode Tic Hude yedere rarore, UN 05V, WdE Exay, Kre bvdecſu urs drug Sofa weg: da Av zum Ta naı aıchavens9a, 8v MUToic Turoe ze er waı dArrrerm y Ike, Vavduc na aAyIus Yeropavae 93) Theaerer. ©. 160. xaravrınpu yav as nat Te avdu Ta omsiæ CUvayucı (da) KZCTUFAUATR MR TUE, MAINE sic miayıa Is uaı @xora, Vavduc. 93) Theaeter. ©. 163. eueuuas deudy sofav, 6T1 Bra sur wic9nasaıv 853 TO0S aAAyAac, YTE 89 Tas dmvarıc, MAX Wu vy ewaysı aıcdyesuc weos dıavosay. . — 252 — Dieſe Erklaͤrung iſt zu enge. Denn auch bei dem bloßen, abſtrakten Denken iſt der Irrthum nicht ausge⸗ ſchloffen. Wenn einer 7 und 5 in eine Zahl vereinigen fol, fo gefchiehet es oft, daß er nicht zwoͤlfe, fondern eilf alg die Summe anfichet. Bei größern Zahlen ein ſolcher Irrthum noch viel leichter ju begehen. . Und doch find die Zahlbegriffe Feine empirifchen Begriffe, fondern ſchon a priori in feinem Bewußtſein. Cr urtheilt alfo, daß etwas, was er weiß, etwas anders ſei, was er ebenfalls weiß, welches nach der obigen Erflärung une möglich fein mußte 9), V. Mir ‘wollen ung vorftellen, m der Seele fei ein Behaͤltniß der Vorſtellungen und Erfenatniffe, welches anfaͤnglich leer it, aber hernach, fo gie man Keuntniffe einfammiet, angefüht twird.. Wenn einer alfo etwas lernet, oder eine Erkenntniß, Vorſtellung von etwas erhält, fo verfchließe er fie gleichfam in dieſem Behälte niß. Er beſtzt eine Erfenntniß, und man faßt, er weiß das, wovon er die Vorſtellung hat (ewısasda). Wenn er fie aber wiederum auffaßt, um Gebrauch davon zu machen, fo bat er bie Vorftelung oder Erkenntniß (az) Man fann fich dieß durch folgended Bei⸗ fpiel deutlicher‘ machen. Wenn jemand bie Rechen» kunſt gelernt hat, fo Befist er die Borfielung von allen Zahlen und Zahlengrößen; wenn er nun mirflich gähler, fo ruft er jene Borftelungen wieder hervor, er gebraucht fie, und das nennt man Vorſtellungen (Bewußtſein) haben. (Man fehe oben den Abſchnitt von der Erkennt⸗ niß). Durch diefe Vorſtellung ift fo viel gc.vonnen, daß man jur Erklärung eines falfchen Urtheild nicht noͤthig bat, zu fagen, man wiſſe nicht, was man weil. Den wenn man eine Vorftelung beſizt, aber ohne fie zu ha⸗ ben (ohne fie wirklich vorzuftellen), fo ift es möglich, wenn man fie wieder auffucht, um fie gu haben, daß man 9) Theaeter. &.163—165.. man eine andere an ihrer ſtatt ergreifet, 3. 3. die Bor fielung von Eilf anftatt der Zwoͤlfe. Und dann um sheilet man falfch. Allein ed laͤßt fich boch nicht füglich denfen, daß da in der Seele die Vorftellung und Er⸗ ‚ kenntniß von etwas iſt, eine Verwechſelung mit einer andern Vorfielung' vorgeben ſollte. Denn man fönnte .. fonft mit chen dem Recht fagen, die Unmiffenheit mache, daß man ertenne, und die Blindheit, daß man ſehe. Mollte man fagen, in dem Bewußtſein wären nicht ale . kein Vorſtellungen, wodurch erfannt wird (sziryuav), fondern auch Worftelungen , bie feine! Srfenntniffe find _ * daverısynoewaı), unb ein falfches Urtheil beſtehe darin, daß man eine von dieſen anſtatt jener ergreife, ſo iſt da⸗ mit noch gar nichts gewonnen. Denn wer ſich irrt, glaubt zum wenigſten nicht, daß er irrt; er unterſchei⸗ det alſo nicht zwiſchen Vorſtellungen, die keine Erlennt⸗ niſſe, und denen, welche Erkenntniſſe find. Es dringen fich hier wieder folgende Fragen auf: Unterſcheidet der⸗ jenige, der falſch urtheilet, beide Arten Vorſtellungen, und verwechſelt ſie doch? oder hat er von beiden keine deutliche Vorſtellung, oder nur von der einen, und ur⸗ theilet doch, die eine ſei die andere? Oder fol man über dieſe wieder hoͤhere Vorſtellungen annehmen, welche verdunkelt find, wenn er dieſe verwechſelt? 7). Es if nicht noͤthig, uns bei der Pruͤfting dieſer verſchiedenen Vorſtellungsarten zu verweilen, oder die Richtigkeit der Gründe zu unterſuchen, wodurch fie widerlegt werden fon. Denn was bie erfien anlangt, fo weiß man . nicht, 06 fie von dem Plato herruͤhren, oder ob fienicht vielmehr Begriffe einiger feiner Zeitgenoffen waren, wo⸗ durch fie die Möglichkeit und die Merkmale eines falfchen Urtheils zu erflären fuchten. In der lezten Ruͤckſicht if es ſchon genug, fle mit den Gründen, warum fie Plato nicht annahm, angezeigt zu haben. Sollten ſie aber | wbirk⸗ 95) Theaetet: @. 166-173. | u 24 — wirklich feine eignen Erflärungsarten von dem Begrig ‚ und.der Entfiehungjeines Irrthums fein, fo waren fie doch nichts anders als Verfuche, die er felbft nicht be⸗ friedigend fand, daher er auch, wie ſich in der Folge jeigen wird; einen andern logifch richtigern Begriffaufe ſtellte. Daß einige der vorher angeführten Begriffe aus feinem Kopfe entfprungen find, iſt wahrfcheinlih, da er mit aller. Macht fich beftrebte, einen Begriff davon zu ‚ finden, der mit andern und fich ſelbſt einſtimmig vod« re °). Auf der andern Seite giebt er ſelbſt einen Wink, daß bie Erflärungsart,. bie wir unter VI) angefuͤhrt Has ben, einem andern ale dem Plato angehoͤret ””). Der Blatonifche Begriff iſt blos allein aus dem erſten Gele des Denfens genommen. Ein jedes Ob- jeft kann duch Merkmale beſtimmt werden, Die ihm beigelegt, odervon ihm getrennt merden. Durch dieſe wird er negativ, durch jene pofitiv beſtimmt; durch diefe wird angegeben, was das Objekt nicht iſt (u or); durch jene, was es iſt (⸗). Wenn dasjenige, was dem Objekte beigelegt wird, ihm zufommt, und " dasjenige, was von ihm gefrennt wird, von ihm wirklich verfchieden ift, fo denfen wir Wahrheit, in dem entgegengefezten Falle Unmwahrheit. Unwahr⸗ heit ift alfo, wenn wir die Dierfmale, die einem Objekte zufommen (ar=), ihm abfprechen (ale mu era anfeben), und die ihm nicht angehören Wr ovre) ihm beilegen (als or= betrachten) °°). Folgsrungen. j Wahre 96) Theaetet. ©, 146. 97) Theaeter. G. 166. 98) Sophiftea ©. 295. Asysı ds auruv 'ö navy mAyIus (Asyec) va wra de ers wu eu, dd dy Jene, Iren Tv vren? væ UNOYTR RE N OvTa Asylı. _ wu: du CE Anyoksıa Kavre Yarıpa de va aurn, zu N era a6 Oyra, zarranaen, ug aobxev, —X ende ax ve ENMETEU Yeyvoutıy. Na 0V0- Aaræv sruc re un —RXR Yıyyasdas a Wevhre · — 125 — Wahrheit und Falſchheit kann nur mit und an einem Urtheile gedacht werden. Zweitens ed wird durch ein falſches Urtheil keinesweges etwas gedacht, was ganz und gar nichts iſt (mu), denn das iſt ein Wider⸗ fpruch, und darum mar bie zweite Erklärung falfch. (Oben I.) Das un ov, daß bei einem falfchen Urtbeile vorkommt, iſt nicht dem Realen (cv) entgegengefest, fonderni nur von demfelben verfchieden, und es wird in demfelben von einem Objekte nicht etwas ausgefagt, dag gar feine Realität hat, oder fich gar nicht denfen läßt, fondern etwas Denfbares (nv), das dem Objekte aber nicht zukommt, von demfelben getrennt wird, "und in Anfehung deffen dag Objekt ald etwas Anderes (un eo) gedacht werden muß ”) Drittens bad Weſen der Wahrheit und Salfchheit beruhet auf der Vereinbar⸗ feit oder Nicht⸗Vereinbarkeit eines Prädicats mie . einem Subjekte. Daburch merben bie ‚übrigen eben angeführten Erklärungen berichtiget und er⸗ gaͤnzt. So läßt es fich denfen, daß wir zwei Vorſtel⸗ Iungen im Bemwußtfein haben, bie wir mit einatte der verbinden, ohne daß fie einander zukommen, weil wir bad Verhaͤltniß beider zu einander nicht unter⸗ ſucht haben. Es fragt ſich hier, woraus und wornach fol Wahr⸗ heit beurtheilet werden? Da es eine gedoppelte Er⸗ kenntniß giebt, eine empiriſche und reine, ſo muß die⸗ fe Frage fo beantwortet werden. Der Stoff der empiche fchen Erfenntniß wird aus Wahrnehmungen ober aus Erfahrung, der Stoff der reinen aber aus den Ideen oder aus dem Wernunftvermögen genommen. Die Wahrheit der Vorſtellungen, welche fi) auf Gegen» ‚ ftände der Sinnlichkeit, d. h. > efbeinungen begin ben 99) Sophifta @&.282. cweru To un u Asyuuım, us sr 4 MYsnay TE 0506, MAN d’rogoy Meyer. Gem, wird alfo aus der Erfahrung Couesgen), die Wahrheit derjenigenhingegen, die ſich auf reine, übers finnliche Objekte der Vernunft beziehen, aus der MWernunft beurrheilet. Beides gefchiehet aber durch Begriffe und Urfheile (Aeyaı); biefe find alfo in der als ten philofophifchen Sprache das Eriterium, wodurch geurtheilet wird b). Was alfo mit einem aus ber ‚ Erfahrung abgeleiseten Begriffe von einem Objekte und deffen Merkmalen übereinflimmet, ift wahr, was dem- felben mwiberftreitet, iſt falfch; und was einem Bernunfte begriffe son einem Dinge an ſich gemäß ift, iftwahr. mas demfelben widerfreites,ift falfch. — Es iſt daher dem Geiſt ber Blatonifchen Philoſophie entgegen, wenn einige Ge ſchichtſchreiber der Philoſophie "behaupten, Plato habe ber Erfahrung alle Wahrheit abgefprochen, und die Sin. ne durchaus fürtrüglich gehalten. Das legte behauptet er zwar an mehrern Orten, aber ba ſezt er die finnliche Er⸗ fenntniß der vernünftigen entgegen, und erklaͤrt die erſte im Gegenfag mit ber legten für falſch, welches aber nicht® anders ift, als durch bie Anfchauung erfennen wir fein Ding an ſich. Uebrigens macht Plato auch einen Unterfchieb zroifchen Anfchanungen und Empfindungen, und der Bearbeitung (Verbindung) herfelben durch dem Derfiand, worunter er eigentlich Erfahrung muß ver» fanden haben (wiewohl das Wort suraieın auch noch in nem andern. Sinne verfommt für dad Verfahren ohne fefte, beſtimmte Grundfäge. Gorgias ©. 35,37,41, 117.) Nur Erfahrung in diefem Sinne war eine Quelle der Wahrheit, nemlich für Die Wahrheit der Er⸗ ſchei⸗ \ ‚9 b) Republica IX. G. 361. vi zen nemechu ra neAreıra “arms neiducectu: ME’ Ux BwEIBLE Te xy Dperugts ug Au- Yo; 4 Turav axov av rıs Bsirıev senruew; ©, 262. dım Ayay wu Sonny dan npivecdey = Acyoı de TUra mise 'og- yayı,. Conferatur Albini Ifagoge in Platonis, Dogması Cap. IV. — 127 — ſcheinungen e). Diefes Räfonnemene wird auch auſ⸗ ferdem durch feine Ideenlehre, und den dftern Gebrauch ber Induktion, mo er aus befondern Erfahrungsfägen Grundfäge abzichet, beftdtigt. Bei adftraften Begriffen ift Irrthum nicht fo Leicht möglich, wenn man fie nur deutlich entwickelt hat. Kor⸗ tradiktoriſch entgegengefeste verbindet fein Menfch, wenn fie auch nicht entwickelt find, weil der Widerfpruch offen- Bar iſt. Daß das Schöne nicht haͤßlich, das Häßlis che nicht ſchoͤn, daß Gerechtigkeit nicht Ungerechtig⸗ keit und Ungerechtigkeit nicht Gerechtigkeit iſt, leuch⸗ tet ſogleich ein, auch wenn man von ben Merkmalen die⸗ fer Begriffe keine deutliche Vorſtellung hat: Denn Schoͤn- Beit fei ma fie wolle, fo kann fie nicht das Gegentheil Kin 9. - Mo aber die Uebereinfiimmung und Nicht uͤbereinſtimmung nicht unmittelbar -eingefehen werben kann, da ˖iſt Wahrheit und Falſchheit nicht anders zu beurtheilen, als durch Entwickelung der Merkmale der Begriffe, weil man ſonſt leicht Merkmale, die einen Begriffe nicht gufommen, verbinden, oder mwefentliche . von. Ihm trennen kann. Beiſpiele davon kommen in vielen Dialogen vor. " Die Undeutlichkeit und Unbeflimmtheit der Gat⸗ tungebegriffe muß nothwendig viele falfche Urtheile bei Beurtheilung der concreten Dinge zur Folge haben. Wenn der Gattungsbegriff nicht deutlich ift, fo kann man nicht wiſſen, ob ein Gegenſtand unter denfelben gehöre oder nicht; und die Urtheilskraft ift alfo in Gefahr, falſch zu fubfumiren. Wenn z.B. die Menfchen nicht wiſſen, j was 99c) Theaetet. G. 143. vum apa Tas waduuncım un av EEITUUN, 09 ÜE TR MIR EREIVEEV @vAAoyicke. UECIAG yar 77 wAnduacs syvravda ev, ms na, dvvarıv ayasdarı, ansı BE. " ainarer. 100) Theaetet. S. ı51, 152. ’ R - ‘ | "lan 258 " amade was Sittlichfeit und Gerechtigkeit an füch ME, fo koͤnnen . fie auch nicht beurtheilen, was in einem einzelnen Falle Ktelich und gerecht iſt. Urtheilen fie aber dennoch, fo find fiein Gefahr, anf mannichfaltige Weife gu irren ) Ein merkwuͤrdiges Beifpiel komme in dem Eutyphro vor, wo diefer nach unrichtigen Religionsbegriffen e8 für eiue religioͤſe Handlung bielt, feinen Vater gerichtlich anzu $lagen, daß er einen Zagelöhner, ber einen Mitarbeiter in der Trunkenheit ermorbet hatte, in ein Gefänguiß that, und aus Bernachläffigung fterben lieh. Aus dem Begriff des Plato folget, daß, da Unwahr⸗ beit in einem Urtheile beſtehet, dag dem Verftande ange — hoͤret, die Sinne inſofern davon ausgeſchloſſen find, als Renichturcheilen. Unterdeſſen ſchließet ſte doch Plate auch nicht ganz von Verurfachung und DWeranlaffung des Irrthums aus, Diefer Einfluß iſt anderd aufdie empirifche, anders auf die reine Erfenntniß. In Unfehung der erfien. kann Irrthum entſtehen, wenn die Sinne nicht gehoͤrig beſchaffen ſind, daß ſie dem Verſtande einen fehlerhaften Stoff liefern. Oder wenn der Gegenſtand in zu großer Entfernung von dem vor ſtellenden Subjekt if. Jemand ſiehet z. B. in einer Ente fernung unter einem Baume Etwas, ohne unterſcheiden zu koͤnnen, was es if. Er wagt es unterdeſſen doch, daruͤber zu urtheilen, und ſagt, es iſt ein Menſch Wenn er näher kommt, fo finder ed ſich, daß es fen Menſch, fondern eine Statue war; es war alfo ein fal⸗ fehes Urtheil ). Plato bat in dieſem Falle die Entf hungsart biefed falfchen Urtheils richtig angegeben, und ben Antheil der Sinnlichkeit und bed Verſtandes gehörig unterſchieden, welches er aber nicht allezeit thut. Auch durch die Media entfliehen Irrthuͤmer. Ein und ber nemliche Segenftand erfcheint in verſchiedener " Ente 2) de Republica V. ©. 64. 2) Phulebus ©. 264, 265. 1) — 129 — Entfernung bald größer, bald kleineß Ein Tifch giebt, je nachdem wir ihn.von biefer oder jener Seite anfeben,. eine andere Anficht. Huch in dem Waſſer wird der Yn« blid eines Gegenftandes wegen Brechung ber Strahlen verändert. Das Verwahrungsmittel gegen ' biefen Schein iſt der Verſtand vermittelſt des Meſſens, Zaͤhlens, Waͤgens u. ſ. w. der Gegenflände‘). Die Sinnlichkeit kann Irrthum veranlaſſen fuͤr die reine Erkenntniß, indem die Klarheit und Lebhaftigkeit ber ſinnlichen Vorſtellungen die Taͤuſchung beranlaßr, daß die Gegenſtaͤnde, wie wir fie anſchauen, auch wirk⸗ lich die Dinge an ſich ſind Dieſer Irrthum wird ver⸗ mieden, wenn wir bemerken, daß wir durch die Sinn⸗ lichkeit die Dinge nur anſchauen, wie fie ung erfcheinen (Hawvousa), und daß ir, wie fie an fich find, nur durch bie Vernunft denken Finnen *). Die Sinnlichkeit Hinderg außerdem noch oft bag Beſtreben nad) Erfenneniß, wenn fie durch ihre Staͤrke die Menſchen sur Begehrung des Angenehmen, des Sinnengenuffes reizet. Bey jeder Erkenntniß der Wahrheit muß das Denkvermoͤgen wirk⸗ ſam ſein; dieß iſt aber nur unter der Bedingung moͤglich, wenn zwiſchen dieſem und ber: Sinnlichkeit ein Proportio. nirtes Verhaͤltniß last finder, fo daß keins weder zu ſtark noch) zu ſchwach iſt ). | 3) Republ. X. ©. 288. 269. age. 299. Protagorss ©, i8x. Timaeus S 336. . 4) Phaedo ©. 147. 148. 180. 181. Republica X. G. A88. 289, Any, save m FARYIS RUTy Ik, gav Te zur. arrızpv, yormwv, nu rı haßıpı aury Saure y dan nv udev, Quweras de nireR war Tara —XX 5) Phacdo ©. 189. Timaeus ©. 331. 330. Rs Ben . — 260 — ga der Sprache. ir verbinden mit der Logik bie Unterſuchung über bie Sprache, die Plato zuerft aus einem philofophifrhen Befichtspuntte anſtellte, nicht ald wenn fie eigentlich in den Umfang ber reinen Logik gehoͤrte, wiewohl fie inden meiften Lehrbuͤchern der Logik eine. Stelle gefunden hat, fondern als Anhang, der zur Logik gehört, weil darium von der Bezeichnung der Gedanken mit Worten, und Bon der Wahrheit der Sprachzeichen die Rebe ifl. Bor dem Blato fingen die Sophiften an, Unterfuchungen über die Sprache anzuftellen, und unter ihnen machte ſich Prodicus vorzüglich dadurch berühmt. Er ertheilte dar⸗ ya Unterricht für den Preis von einer bis zu funfiig Drachnien °). Allein feine Unterfuchungen fcheinen mehr grammatifalifchen als philofophifchen Inhalts geweſen su fein, und, wie man aus einigen Stellen bed Plato ſchließen kann, die Beſtimmung der Bedeutung borzüg« kich aͤhnlicher und verwandter Worte zum Zweck gehabt gu baben.”). Hingegen wird dem Plato von alten Schriftſtellern faſt einſtimmig die Ehre gelaſſen, daß er der erſte war, der die Sprache mit philoſophiſchem Geiſte zu unterſuchen anfieng, wenn fie gleich den Endzweck und ben Wert biefer Forſchungen nicht aus dem richtigften Geſichts⸗ punkte beurtpeilten ) Der Hauptgegenfland, auf welchen | Plato 6) Cratylus ©. azr. 2) Charmides ©, 128. Laches G. 200. Aus dieſen Steles muß vieleicht das erklaͤrt werden, was Plato an einen 08 dern Drte vom Probiens fagt: Hurhydemus ©. 17. . wenron vae, ec uo TIgodınog, Tags OVoKaTmv OEIoTETK HET Yuv Ie. - 8) Diogenes Laertius IIl,25. Dionyfius Halicarnafl. se sudueug ovonarev c. ı6. Aber beide ſetzen, wie es ſcheint/ Das Hauptverdienſt des Kratyſus in der etymologifchen; Un⸗ terfuchung der Wortes und Menage in feinen Aumerkungens um Diogenes S. 149 fagt: Pletonis in Cratylo funt fere omnia pfeudertyma, pace tant viri lieest dixiffe. Allein Plate war weit * eins — Ye" Plato feine Yufınerffamkeit richtete, iſt bie Frage, ob die Bezeichnung der Dinge durch Worte willkuͤhrlich oder natuͤrlich If; und fie macht den Inhalt des Dialoge Kras tylus aus. Ehe wir aber.die Erdrterung diefer Frage . vor ung nehmen, müffen wir noch einige Begriffe voraus ſchicken. Die Sprache (aoyee) iſt bie Verbindung der Worte (Nenn » und Zeitwoͤrter) zur Bezeichnung und Darſtel⸗ lung der Gedanken oder Urtheile ). So wie durch Ur; theile die Beſtimmung eines Subjekts durch ein Praͤdicat, d. h. der Zuſammenhang der Dinge gedacht wird; fo bezeichnet bie Rede oder Sprache diefen Zuſammenhang. In diefer Ruͤckſicht kann die Sprache, ſo wie das Urtheil, wahr ober falſch fein; und ſie wird nach eben ben Re geln beurtheilet, als die logifche Wahrheit überhaupt. ' Die Sprache beftehet aus Worten, die Worte gus Sylben, und die Sylben aus den einfachen Bauten oder Elementen (seo) ). Die Hauptarten berfelben find Nenn⸗ und Zeitwoͤrter (eenara, ęunæra). Durch de erfiern werden Subjefte, vor fich befichende Dinge; Durch: die legten, Wirkungen, und was nicht ohne Sub» jefte gedacht werden kann, bezeichnet. Die Worte find entweber von andern abgeleitet (7a Ursea), ‚ober hicht; bie- lezten heißen Stammtodrter (v2 venta) "). | N 3 . Die feine Ableitungen van Stammwoͤrtern für gründlich zu hal⸗ ten, daß er fie vielmehr als Epielerei betrachtet, moburd) er die Sophiſten, bie auf ſolchen Wortkram fehr ſtolßz tha⸗ ten, lächerlich macht. Ich will jest nur auf einige Stellen verweifen, woraus biefe Abficht ziemlich deutlich hervor leuch⸗ tet. S. 256. 2601. 276. 279. 280. Es ift außerdem duch gar nicht erweiſlich, daß dieſe Etymologien von ihm herkuͤhren: vielmehr giebt er S. 291 deutlich genug zu verſtehen, daß fie ans dern, wahrſcheinlich den Eutyphro und Probicus angehorten. 9) Sophiſta S 296. 293—295. Dehnit. ©. 296. 10) Cratylus ©. 234. Thæeaetet. ©. 178. 179. 11) Sophifte S. 292. Definitiones &. 296. Ovona, dıa- Autos asunderog deemeorın TE TE xara Fug Using näryyo- £%- . — 362 — Die Worte haben den Zweck, Objekte zu bezeichnen, von einander zu unterfcheiden, und dadurch die Den ſchen mit ihnen befannt zu machen. Das, was durch die Worte bezeichnet wird, das Objekt, iſt der Inhalt (aoyac), der fich auf einen Begriff muß zuruͤckfuͤhren laf ſen. Wenn ein Wort feinen Inhalt bat, fo iſt es kein Wort, ſondern nur ein bloßer Laut oder Schal "). Je des Wort begiehet fich daher, fo wie jeder Begriff, und jedes Urtheil auf ein Objekt, welches dadurch bejeichnet wird ). Diefe Beziehung fann auf geboppelte Art ge dacht werben. Die Worte beziehen ſich nemlich auf bie Dinge, die fie bezeichnen, entweder blos als Zeichen, oder als Bild und Kopie. In dem erfien Kalle findet nicht nothwendig eine Aehnlichkeit zwiſchen dem Zeichen und Bezeichneten ſtatt, die Worte find willkuͤhrlich (den, ewdnnyg, susroyıg). Durch Verabredung und Ein⸗ verftändniß gelten fie als Zeichen von dem Etwas, wo⸗ mit fie felbft keine Achnlichfeit Haben. Die war Hits mogenes Behaupfung. Ä In dem zweiten Falle find die Worte den bezeichne⸗ ten Dingen ähnlich; die Merkmale, melche das Wr fen des Bezrichneten ausmachen , find in das Wort ge legt; fie find alfo Durch das Weſen der Dinge beftimmt, nicht willführlich, fondern natürlich (000.). Died behauptete Kratylus. Die Wahrheit oder Nichtigkeit (dedorue) eines Worte beſtehet darin, wenn es basje nige wirklich bezeichnet, was es bezeichnen fol. De Orund der Wahrheit iſt alfo nach ber erſten Behaup⸗ tung Ouueve na wuveoe vu u naß' davre Anyopmu, Ovepa i vier offenbar ein Fehler; es muß en heißen, oder eh if eine Lüde im Text. 13) Cratylus ©, 239. ©, 332. Jlagwarıac apm dveia TE wveunra Asyaraı, Sophifte S. 256, xaraysaasıy amrelsyude wu Ayorroc de uw um vi, (su) Any un au 128 \ Epiftol. VII. ©. 131. 13) Cratylus ©. 325. tung, Verabredung und Einverſtaͤndniß; nach | der‘ zweiten, die Natur *). Dieſe Behauptun- gen werden von dem Plato in dem Kratylus unter⸗ ſucht, und es wird ſich an dem Ende berſel⸗ ben zeigen, daß er weder die eine nech die andere ohne Einſchraͤnkung billigte 1. Wenn man eine burchgäugige Willkuͤhrlichkeit der Worte annimmt, ſo muß man auch behaupten, daß es gleichviel iſt, wie man eine Sache benennet. Man kann alfo das, was man in der Sprache des Publikums Menſch nennet, fuͤr ſeinen Gebrauch Pferd, und ein Pferd Menſch nennen. Deun jede Sache hat alsdann diejenige Benennung, die einer ihr geben will. Allein dieſe Behauptung kaun nicht wahr ſein, weil dadurch alle Wahrheit der Spra⸗ che aufgehoben wird. Es kann nicht gelaͤugnet werden, daß ein Satz falſch ober wahr fein muß, je nachdem er fich Über die Dinge ausdruͤckt, fo tie fie find oder nicht find. Wenn aber die Säge wahr oder falſch, ſind, ſo muͤſſen es auch die ein⸗ zelnen Worte fein . HL. Wenn bie Bedeutung der Worte durchgängig will⸗ führlich fein fol, fo müßte es auch das Wefen der Dinge fein, fo etwa wie Protagorag behauptet, daß jedes Ding nur das iſt, was es erfcheint, da es für mich ein ganz andere® Welen haben kann, als für einen andern, oder, wie Euthydem mein- te, jedem Dinge kaͤmen alte mögliche, gedenkba⸗ re Praͤdicate in einer und berfelben Zeit zu. Wenn es fo wäre, fo ftünde es in eines jeden Wil« führe, mit welchem Worte er jede Sache bes R 4 ü zeich⸗ 14) Cratylus &. 230-232. 85 Cratylus ©. 233. 234. — 204 — zeichnen wollte. Allein dieſe Behaupfungen Rab falſch. 1II. Es folgt alſo daraus, daß jedes Ding ein be ſtimmtes Wefen bat, welches fich niche nach der fubjeftiven Vorſtellung dieſes oder jenes verändert. Die Dinge richten fich alfo nicht nach der Bors ſtellung von ihnen, .fondern vielmehr die Vor⸗ ftellungen muͤſſen fich nach den Dingen richten, wenn fie wahr fein follen. So mie die vor ſich beftehenden Dinge durch ihr Weſen, unabhängig beftimmt find, fo find esauch die MWirfungen und - Handlungen. Sie gefchehen nicht nach unfern Vorftelungen, ſondern nad) ihrer Natur. Wir koͤnnen 5. B. nicht jede beliebige Sache mit jedem beliebigen Werkzeuge gerfchneiden, fondern nur diejenige, nach beren Natur es moglich iſt, und mit dem Werkzenge, welches diefe Wirkung hervorbrin⸗ gen kann. Nun iſt aber das Reden, Nennen, ein Objekt bezeichnen, auch eine Handlung, die alſo auch ihr objektives Weſen haben muß, wodurch das | * Mittel beftimmt wird, dos wir dazu wählen muͤſ⸗ j ' ſen. Es iſt alfo nicht ganz willführlich, mag, wie und ducch welches Zeichen wir etmag benennen wollen ”). IV. Jedes Wort ift zu betrachten als ein Werkzeug als ein Mittel zu etwas. Der Zweck ifk die Be⸗ nennung der Dinge und die Unterſcheidung des We⸗ ſens derfelben. Wenn man annimmt, daß bie Worte nur willführlich find, und durch ihre Feſt⸗ feßung und Anorbnung gelten, fo maß ſich doch ber Gefeggeber oder Urheber der Worte nach der Natur Desjenigen richten, twad er in Worten aus⸗ | drücken will, fo wie der Verfereiger jedes Inſtru⸗ ments 16) Ebendaſ. S. 234 —276, . u Ebendaf ©. 236 238. g ments die Befchaffenheis des Objekts und ber Bin kung vor Augen haben muß, wenn «8 brauchbar und tauglich fein fol. Es iſt alfo nothwendig, baf derjenige, ber ein MBort macht, das Wefen (b. h. den Begriff, Aeu) des Objefte in das Wort - amd deſſen Veſtandtheile Iegen muß, obgleich es nicht nothwendig ift, daß er gu Bezeichnung einer und berfelben Sache einerlei Wortlaute nehmen ‚ muß. Zu einerlei Zweck koͤnnen verfchiedene Mit⸗ - sel dienen, fo wie ein Schmid einerlei Inſtrumeut aus verfchiebenem Eifen machen fann. Die Wort- bilder koͤnnen alfo einerlei Sache in verfchledenen Sprachen auf verfchiedene Weife austräden *). Nun fragt es ſich, wer fol die Worte in Anfehung ihrer Tauglichfeit, ihrer Zwecke beurtheilen. Bel ans bern Werfzeugen thut das nicht der Verfertiger, fondern der Rünftier, der fie braucht. So iſt es auch bei den. orten. Der Beurtheiler derfelben iſt der Denker, bee Gebrauch von ihnen macht. Es erhellet Hieraus, daß es nicht bie Sache jedes Menfchen iſt, Worte zu bilden, und daß fie nicht will. führlich find, fondern daß man beirihrer Bildung auf dag Wehen eines Dinges fehen muß, welches eigeuslich die durch die Natur beſtimmte Benennung bed Dinges ift, deren Nachbildung die Worte find "). Dlato betrachtet alfo bie Worte aus dem logifchen Geſichtspunkt; aber man muß wohl bemerfen, was er R 5 | für 18) Ciatylus G. 339243. ag’ w Eas To inase Qusa wede> Kog OveuaTov vomoSergv suuvev sic TUCPIoyyYuc Nas Tag GUAAMn Bac ds: wıracdaı rıJavaı. 19) Ebendaf. G. 243,244. a xıvöuvsun u wayra dyunipyov „OVOKATEN Eivaı MAAM Movov EREIOV TOY MrToßAstortE 86 vo TR - Qusas 0v008 09 Änare, um Övvajisvoy MUru To Ye H1d0G Tr Sera⸗ us TE Ta YERHHATa na Tag CvMaÄRL, 2 — 266 — für einen Begriff mit einem Worte verband. Er dver⸗ fiand , wie aus ben zulezt angezogenen Stellen er hellet, nicht das Wort als bloßes Zeichen, fendern zugleich mit das Bezeichnete, den Begriff des Ob⸗ jekts. Wir werden weiter unten darthun, daß er bie orte als bloße Zeichen betrachtet, und getrennt von dem Bejeichneten ſelbſt für willkuͤhrlich hielt. Er ſtreitet alſo nicht dagegen, ſondern gegen die Behauptung, daß nicht allein die Worte als Zeichen, ſondern auch die Merkmale, unter welchen man ein Objekt ſich vorſtellet, willkuͤhrlich ſind. Inſofern nun die Zeichen der Gedan⸗ ken durch die Merkmale eines Objekts beſtimmt werden, und ſich nach dieſen richten muͤſſen, inſoſern iſt ſein Raͤſonnement wahr. Dieß iſt auch Alles, was er gegen des Hermoge ned Behauptung durchzuſetzen ſucht. Da aber dieſet nun weiter gehet, und verlangt, daß er ſeine Behaup⸗ tung durch Thatſachen beweiſen, ober von feinem Gruud⸗ fat Anwendung auf die griechifche Sprache machen fol, fo läßt Plato den Sofrates ben Verſuch machen, ob fih nicht von ber Benennung der Helden, Gdtter, Elements, Zugenden, Vermögen bes vorſtellenden Subjekts u. ſ. w objektive Brände angeben kaffen. Die. ganze Unterfi Kung beſtehet in lauter Ableitungen der Wörter aus Stammwoͤrtern, bie größtentheild weithergeholt, ge⸗ zwungen find , und mehr ein Spiel des Witzes als ein Beſchaͤftigung des Verſtandes fcheinen. Bei diefer Aus⸗ füßrung liege das Heraclitifche Syſtem von einer burds gängigen VBeränderlichkeit ber Dinge zum Grunde *) Da er nun zulezt auf gewiffe Stammworte kommt, aus denen alle übrige abgeleitet werden, fo wirft er bie Brage auf, worin bie (objektive) Wahrheit der Stamm worte befiebe._ Die Wahrheit der Worte beftchet über haupt darin, daß fie das Ding nach feinen Weſen 7 ei 20) Cratylus &,244—308. er 26; — zeichnen. Die abgeleiteten thun das durch die Stamm⸗ worte, von denen fie abgeleitet find. Aber wie laͤßt ſich die objektive Wahrheit der erſten nicht abgeleiteten denken? Die Frage wird ſo beantwortet. Wenn wir keine Spra⸗ che haͤtten, und doch einem andern Objekte darſtellen wollten, ſo wuͤrden wir es wie die Stummen machen, und Haͤnde, Kopf und die uͤbrigen Theile des Koͤrpers zur Bezeichnung der Dinge brauchen. Wenn wir aber Sprachorgane und Sprachfaͤhigkeit vorausſetzen, und au⸗ nehmen, daß bie Bezeichnung ber Dinge durch bie Sprache gefchehen fol, fo müffen wir fagen, ein Wort fei die Bezeichnung eines Dinges durch die Stimme, infofern fie eine Sache nachahmet ). Allein auf diefe Weiſe würde man fich nicht richtig aude . gedrückt haben. Denn es wuͤrde folgen, daß das Nach machen ded Tons und der Stimme des Schafe sder des Hahnes fo viel wäre, als dieſe Thiere nennen, oder fie durch die Sprache bezeichnen, welches doch falfch if. Das Wort muß Nachahmung des Objekts fein, aber nicht jede Nachahmung ift ein Wort. Wenn bie bil« denden Künfte bie Geflalt und Farbe, welche einem Din⸗ ge eigen find, oder die Muſil ihren Ton darſtellet, ſo iſt es Nachahmung; aber daraus entſtehet noch fein Wort. Sol es diefed werden, fo muß das Eigenthuͤmliche jeder Sache (das Wefen) durch die Spiben und Buch flaben eines Worte ausgedrückt werden. In dieſer Ruͤckſicht nicht es felbft von dem Laut, Tone, Stimme,. Farbe, Geſtalt, Worte, weil alle dieſe Dinge auch ihr beſtimmtes Weſen haben *) Um ar) Cratylus ©. zır. Oovu ”ag’ asıv, de game, Kımpm Date vg exneıva, © pillsıza) Has ovepadıı 6 Mınupevoe ry Qany ö an KIRyTaL, 22) Ebend. S. 313. sic avre ruro — duvaıre —* BS- ypaparı Ta nay wvrAnßaıs mg un Ky dyAcs Inarov dw; Um nun auf biefem Wege die objektive Wahrheit ‘der Stammwöorter begreiflich gu machen, muß man bie Norte in ihre Beftandeheile, in Spiben, und diefe in bie einzelnen Laute aufldfen, und ihren tefentlidhen Cha⸗ rafter zur Bezeichnung von Etwas (Svsauıc) feſtſetzen ). Dlato macht einen Verſuch, biefe Idee auszufuͤhren. Er nimmt an, das R fei zur Bezeichnung jeder Bewegung tauglich; das Jota dräcde das Zeine und Kleine aus; dasE das Sanfte und Sellnde; das diene zum Zeichen des Großen; das » zum Zeichen bes fangen u.f. mw. "*). Diefer Gedanke von dem Fundament der Sprache war ‚ für den Plato feine audgemachte Wahrheit. Er legt im ber Folge ſelbſt das Bekenntniß ab, baß er vonallebem, was er geſagt habe, nichts als ertwiefen behaupten wol⸗ le *). Alles, was er von der Bedeutung ber einfachen —* ſagt, iſt nur problematiſch, und beziehet ſich auf die Hypotheſe, daß die Worte, als Zeichen betrachtet, durch die Natur der Dinge beſtimmt ſind, welche aber Plato in ihrem ganzen Umfange nicht gelten laſſen konn⸗ te, indem fie allenfalls nur auf Gegenſtaͤnde der aͤußern Anfchauung paßt. Sie ſcheint, fagt er feld, unge reimt und abenthenerlich zu fein, ob fie gleich nothwen⸗ Dig it, um yon der Wahrheit der Stammwoͤrter (unter ber Vorausſetzung nehmlich, daß diefe, fo wie bie abge⸗ keiteten,, objettive Wahrheit Haben) Nechenfchaft. zu ges ben *). Nothwenbig iſt fie, weil der Grund der abge keiteten Worte nur in den Stammworten zn ſuchen ifl, und wenn man don diefen nichte weiß, von ben abge- leiteten noch weniger etwas wiſſen kann. Wenn man | | alfo a3) Ebendaf. &. 313. 24) Ebendaf. ©. 317—319. 5) Ebendaf. S. 321. 36) Cratylus G. 315. yaroım um um Yavaıdar, Yonınzan ra⸗ — raradvaæ — Sumg de avayriı u yap dxopev Turn Bearıov —X HSV WIR: MAUIRLaG TRY ROHTan OveuaTar. _ — 469 — alfo von den Stammworten Grund angeben will, fo kann man ihn nur in der Debereinflimmung der Beſtand⸗ theile derfeiben mit ben Dingen, die fie bezeichnen, ſetzen. Der Nothwendigkeit, Grund von den Stammwoͤrtern zu geben, dadurch ausmeichen zu wollen, daßman ſagt, fie find von den Goͤttern erfunden, und müffen daher wahr fein; oder fie rühren von den Barbaren her, und find megen ihres Alterthums unerforfchlich, find leere Ausfluͤchte, und deswegen unftatthaft, weil baducch bie Moglichkeit, Die Wahrheit der abgeleiteten‘ auf Gruͤnde zu lügen, aufgehoben wird ”) Plato fodert alfo von dem Vertheidiger diefer Erflärungsart, daß er auch Sründe von den Stammwoͤrtern vorlegen fol, und da nur dieſes auf eine einzige Weife moglich, die Aufſtellung der Gründe in concreto und bie Ableitung aus biefen aber wenig befriedigend iſt, fo koͤnnen wir ſicher daraus fehließen, daß fie Plato nicht für die feinige anerfanne wiffen wollte. Dieſes Refultat wird noch einleuchtender werden , wenn wir vorher feine Gründe gegen bie andere Behauptung vernommen haben. Plato Hatte den Sokrates die Parthie des Kratylus gegen den Hermogened nehmen, und ihn behaupten laſ⸗ fen, daß die Worte nicht willführlich, fondern durch bie Natur der bezeichneten Gegenflände beſtimmt find. "Nachdem er ven Verfuch gemacht hatte, In einigen Bei⸗ fpielen die abgeleiteten und Stamm- Worte auf objektive Gründe zuruͤckzufuͤhren, fo wendet er fich zu dem Kraty⸗ Ing, mit dem er bis hieher gemeinfchaftliche Sache ge- macht hatte, und aͤußert Zweifel und Unruhe über feine behaupteren Säge. Nichts if fo gefährlich, fagt er, als von fich felbft aetäufcht zu werden. Um und gegen diefe Gefahr, die deſto größer ift, meil das, mas ung "täufcht, von uns ſelbſt unzertrennlich If, zu ar j muͤſſen 87) Cratylas ©. 316. — 270 — muͤſſen wir unfere Praͤmiſſen einer oͤftern Pruͤfnug unte» werfen, und, wie der Dichter ſagt, vorwaͤrts und hin⸗ terwaͤrts ſehen, d. h. die Gruͤnde und Folgen unterſu⸗ hen *). Dieſes Geſtaͤndniß wuͤrde Plato nicht gethan haben, wenn er von den im Vorhergehenden aufgeſtellten Sägen über die Sprache voͤllig überzeugt geweſen wäre, oder nicht die Graͤnze überfchritten hätte, welche er für die Sprachforfchung feftgefege hatte. Jezt ſtellt er eine £ritifche Unterſuchung über die Behauptung bed Kratylus an, worin zugleich eine Reviſion feiner vorhergehenden Behauptungen vorfommt. L Es wird eingeftanden, daß die Worte Feinen an dern Zweck haben, als der Belchrung (Iıdaszarız.), das ift, Objekte zn bezeichnen; es wird eingeflan- ben, daß es eine Kunft il, Worte gu bilden. Jezt entſteht bie Frage, ob ed mit dieſer Kunfl eben fo befchaffen ift, als mit andern, daß ee gute und fchlechte Kuͤnſtler giebt, daß alfo einige ihrer Produkte gut, andere fchlecht find. Kratylus entſcheidet biefe Frage verneinend, wie er auch thun mußte, wenn er feinem Grundſatze, daß alle Wor⸗ te durch die Natur beſtimmet find, fo daß alle Beimiſchung von Willkuͤhrlichen ausgeſchloſ⸗ ſen iſt, getreu bleiben wollte. Damit haͤngt nun eine andere Behauptung nothwendig zuſammen, dbasß es keine Falſchheit noch Irrthum weder in dem Denken noch in dem Reben gebe. Hierauf wird geantwortet: die Worte beziehen ſich auf etwas, auf ihren Gegenſtand. Aber beide find verſchieden, fo wie das Gemaͤlde etwas anders iſt, als das Objekt, deſſen Nachahmung es iſt. Nun iſt es aber gar wohl moͤglich, daß, wie bei Gemaͤlden jemand die Kopie nicht auf das Original beziehet, und a8) Craryhis G. 322. | — 1271 XCX und’ 3. B. meinet, das Gemälde eines Dianı ned ſei von einem Weibe und umgekehrt, fo auch ein Wort auf einen Gegenfland bezogen wird, "den ed nicht bezeichnen follte. In dieſem Fall ift "Die Beziehung falfch; und ba dieſes mit den zwei Arten von Wörtern, ben Nenn. und Zeitwdrtern, woraus die Sprache beftehet, gefcheben kann, fa iſt die Moglichkeit einer Falfchen Rede bewiefen"”). Aus der Bergleichung der Worte mit Gemaͤlden entdecke fit) noch eine andere Art von Möglichfeie einer Verfaͤl⸗ fung der Sprache. Ein Gemälde kann: treffend oder nicht treffend fein. Im erften Sale ftelle e8 gerade bie Geſtalt und die Zarbenmifchung wieder dar, welche dem Gegenſtande zufommt; in dem zweiten bat das Gemälde entweder einen Mangel oder Ueberfluß daran. Das legte Gemälde iſt noch immer ein Gemälde, wenn eg gleich nicht treffend if. So fann e8 auch mit den Worten fein. Mer ein Wort bilder, kann das Wefen, und gleichfam die Eharakterzüge eines Dinges volftändig ausdrücken; dann iſt es ein treffendes Wort, und er ein gefchickter Künftler. Aber es iſt auch moͤglich, daß er das Werfen nicht treffend ausdruͤcket, und daß entweder fremde Züge binzufommen , oder mefentliche ausgelaffen werden. Es bleibt dabei i immer ein Wort, aber es iſt feine getreue Kopie mehr ꝰ). Es laͤßt ſich hier der Einwurf machen, daß, fobald etwas zu dem Worte hinzukommt oder weggelaſſen wird, es aufhoͤret, daſſelbe Wort zu ſein; es wird ein anderes Wort, das ſich alfo auf einen andern Gegenſtand bezie⸗ 39) Cratylus ©. 322327: so) Ebend. ©. 327. 328. 4 dm ren ebMapen ve znı ypap- Karav TV NERV Toy KPAYHAFAN MWOLLIHUKEVG, MER U KAT Fev aurdv Aoyov av Kst maYra arodm Ta wponerTE, NuAy N Buy Tai; eav de epıkon BAANTE N wenig wurd, cn no Vemecra, nr db on — het. Allein diefer Einwurf paßt nur allein auf Zahlen (Größen). Durch Hinzufeßung oder Wegnahme.enife bet alfo Fogleich eine andere Zahl. Wo «8 aber auf Qualität, Befchaffenheiten ankommt, verhaͤlt ſich die Cache anderd. Im Gegentheil darf die Kopie, das Bild, von etwas nicht einmal alle Eigenthümlidhfeis ten in fich faffen, welche das Original ausmadın; weil das fonft Feine Kopie, fondern dag Original felbft fein. würde, mobei ale Unterſcheidung aufhoͤren müßte. Wenn alfo der Name vom Kratylus alles ent» bielte, was das Wefen des Kratylus ausmacht, fo wäre 'e8 fein Name mehr, fondern ein. zweiter Kratylüs. Hieraus folgt alfo, daß die Worte nicht alles das ent, halten dürfen, was in dem Objekte if; daß fie bald we⸗ niger bald mehr von den dem Objekte zukommenden Merkmalen (weosuxovra) in fi faffen ; daß fie in biefem Vamaͤltniſſe beffer oder fchlechter find; daß ein Wort noch immer das Dbjeke.begeichnet, fo lange nur der un beftimmechte Begriff deffelben in ibm anzutreffen ik (ins av Tunos ııy ru weamuarcc), EB erhellet aber auch daraus, daß man ein anderes Princip für die Wahrheit "ber Bezeichnung durch Worte fuchen muß "). 11. Plato zeiget nun, daß man nach diefen Grundſaͤ gen zuleze felbft auf die Behauptung des Hermoge⸗ nes gefiihrt werde, der legte Grund’ von ber Be⸗ Deutung der Worte fei Convenienz, weil man bit Uebereinftiimmung der Elemente in den. Stamm woͤrtern mit ber Natur der Dinge in concreto nicht jeigen fann. Wenn man z. B. annimmt, bad bedeute Bewegung unb Härte, das a aber das Sanfte und Weiche, fo fommen beide im bem Workte exiyedrye vor, wofür die Gretrienfer exnge eng fagen, wovon man feinen Grund. angeben | fans, . - 31) Crat ylus G. 329333. 27 — 273 — kann, außer bag man etwa ſagte, bag afeden falfcher Zufa in dem Worte. Allein auch diefed ” zugegeben, fo verftehen wir doch eben fo gut, was : das Wort bedeutet, als wenn es diefen Zuſatz nid;e hätte, fo wiewir die Eretrienfer verftchen, wenn fie exängorue für enangorns fagen. Allen gefchichee das nicht aus Gewohnheit? : Gewohnheit und Convenienz find dem Begriffe nach nicht verfchier den. Man will damit nichts anders fagen, als baß ein anderer bie nemliche Vorftelung babe, welche ich mit dem Ausdruck eines Wortes verbin. Dann iſt das Wort eine Bekanntmachung des Djce, eine Belehrung und Bezeichnung, bie Elemente des Worts mögen der bezeichneten Sache aͤhnlich ober undhnlich fein. Die Wahrheit der. Worte beftebet nach biefer Borflelungsart!nur dar« in, daß mit ihnen als bloßen Zeichen eine ge- toiffe Bedeutung allgemein verfnüpft wird; und der Grund von diefer allgemeinen Bebeutung (d.1. Wahrheit) iſt Comvenienz oder Uebereinkunft, die Bedeutung anzuerfennen, aber nicht Ues - bereinfiimmung mit der Sache, die begeichnet werden fol "). - "Das Refultat dieſet Prifung IR affo dieſts. Dan muß nothwendig der Gewohnheit oder Convenienz einen Ein 32) Cratylus G. 333 -335. «os de Arya, ua rı Impapn eye evrduuug; m @arr0 Tı Asyass TO adag, 4 0,Tı aym ra⸗ ruro XXECC uxeno, eu ds Yıracasıc, ÖTI exe dımvoupnı —— 21 d8 guro Uruc aXtı, TI AMo Y avrog caura wwvedu;, ara yıyvaras ogdorns TU Bvoharoc avyIuny, aru- du ya-lmrcı naı Ta GH x TR Qvoucıa Yeauparı, aIug va na ewduuus una. Ich bemerkte hier noch, daß in Den darauf folgenden Warten, wo ed helft: « 3’ irsumrıte nu ası vo doc auduny, der Text verborben is inan muß ° für von da leſen, oder Die Reason ganz wegſtreichen. - — 274 R Finfluß auf die Bildung und bie Bedeutung der Wortt einräumen. Ss iſt unmoͤglich, alles, was man beuft, mit Worten auszudrücken, welche bem Gegenſtande ent⸗ forechen. Wo follten 5. B. ale Worte herkommen, um alle Zahlengrößen auszudruͤcken? So annehmlich auch die Behauptuug iſt, daB alle Worte mit ber Natur über- einftinmen, fo ift boch das Verfahren mißlich, wenn . man mit aller Gewalt diefe Aehnlichkeit erzwingen wills. und man muß zulezt Doch gu dem fußjeftiven Grunde der Eonvenienz feine Zuflucht nehmen ). I. Das nemliche Reſultat verfucht nun Plato auf einem andern Wege darzuthun, indem er von dem Zweck der Sprache ausgehet. Bon beiden Par⸗ thien wird fo viel eingeftanden, daß die Worte bes Stimme find, uns zu belchren (dur) ' Die fed wird aber von ber einen Parthie anders erfläs vet, als von der andern. Kratylus verfichet das in dem Sinne, Haß, wer die Worte weiß und fen» nee, auch bie dadurch. bezeichneten Dinge weiß, daß bie Erfindung eines Worts auch die Erfindung ber Sache ſei; und daß es feine andere Methode gebe). etwas zu unserfuchen, zu Ichren, zu ler nen ®), Dagegen erhebt Plato folgende Einwuͤrfe. Erſtlich, wenn dieß die einzige Methode zu benfen und unterſuchen waͤre, fo wäre jeder Menfch der größten Gefahr , irre geführt zu werben, blos geſtellt. Denn. wenn bie Epragbilber bie Worte nach dee irtigen Vorfielung, welche ») Cntylur ©. 358. aacer u UV Ku AUTU apsck Mer, nara ro dvvaroy —* una FR ORTE Tarc weayaaeı “AR un ie æanꝰuc, vo Tu 'Eeoysmic, YAexen ui drıy ausry ve d- HoisTuros, avamnamı Ja 9 znı rm Poprızy Ture meer den, Ty ouvduny, 3) Ebendaf. ©. 337. Yılmenaıv up * donet, RES SUTOERUO dxauv enus, de MY va Weugra OrıTuree, ertadar a FM —XRX | ' — 175 ⸗ welche ſte von den Dingen hatten, bildeten, ſo muͤſſen ſte ans nothwendig zu dem nenillichen Irrthum verleiten, Man koͤnnte zwar darauf autworten, ber erſte Geſetzgeber ber Sprache habe fich nicht geirrt, und der gältigfte Be» weis davon fei dieß, daß bie ganze Sprache mit fich ſelbſt barmonifch übereinftimme. Alein bamit iſt nichts geſagt. Deun fein Hauptgebanfe konnte fich über alled erſtrecken ; ee konnte das Ganze’der Sprache demſelben anpaffen, ungeachtet der erſte Geſichtspunkt falſch war. Ein Sp» ſtem kann ohne Widerſpruch conſequent, und boch das bei falſch fein, wenn ba Fundament niche wahr if. Der Grundirrthum fann auch auf eine fo unmerkliche Art mit allen Worten verwebt fein, daß er nicht leicht gu entdecken iſt. Doch wir koͤnnen nicht einmal einräumen, daß die Sprache ſo harmoniſch ift, als wir angenommen haben. Es ſcheint ein Widerſtreit unser ben Worten zu fein, indem einige auf Veränberlichkeit, andere auf Be⸗ Barrlichfeit der Dinge hinweiſen ”). Oben hatte er die . etymologifche Ableitung einiger Worte nach dem Hera⸗ ditifchen Syſtem gegeben ı bier leitet er fie auf eine ans dere Art ad, welche auf ein bem Heraclitiſchen enfgegene geſeztes Syſtem führet. Plato hielt zwar keine von den⸗ ſtiben für gegruͤndet, aber doch konnte er fie als Hypo⸗ sbefen gebrauchen, um mit dem einen bogmatifchen Sys ſtem das andere zu befireiten; und er Fonnte das um ſo mehr, da die Gründe für und gegen bie eine und andere Diefer Erflärungsarten voͤllig gleich find. Es kaun alſo Keine angenommen, und feine vertvorfen werden ). Wenn wir annehmen, daß es Srefeßgeber ber Sprache gegeben hat, welche die Worte bildeten,fo kann man die Fra⸗ ge aufwerfen: Hatten ſte eine Erkenntniß von den Dingen, Welche fie in der Sprache bezeichneten, oder nicht? Nach dem Spſtem deg Kratylus muß man das Erſte annehmen. oo Ä S2 Da "35) Cratylus G. 337—339. 36) Ebendaſ. ©. 339. 349. 34. | ’ * | — 1276 - Da aber nach eben demſelben die Dinge aufelne einzige Art, nemlich durch die Worte, erfannt werden, fo konnten fie bie Dinge vor Erfindung der Worte auf feine Weiſe erkennen. Es bleibt noch def einzige Ausweg, daß man fagt, ein hoͤ⸗ heres Werfen, tin Dämon oder eine Gottheit, habe bie ‚Worte feſtgeſezt. Dagegen freitet aber ber Widerſtreit, der in der Sprache angetroffen wird °). ’ € ift alfo nothwendig, nicht bie Worte ſelbſt, fon dern etwas Anders zum Kriterium über die Wahrheit der. Worte, und zur Entfcheibung bed Widerſtreits im denſelben gu machen; unb bad muß Etwas fein, das ohne Worte "erkannt werden ann, das Weſen der Dinge , welches durch die Vernunft aus bloßen Begriffen erfennbar iſt. Geſezt auch, es gäbe noch eine Erkenntnißart, nemlich durch, Worte, fo wuͤrde doch jene immer einen großen Vorzug vor biefer behaupten, infofern die Worte, wie man voraudfest,. doch nichte anbers find als die Kopien der Dinge, beren Uebereinſtim⸗ mung man erft dann beurtheilen kann, wen man bie Dingeerfannt hat *). | " Dieß find die vorzuͤglichſten Gedanken des Plato über die Sprache. Seine vorzuͤglichſte Abſicht ſcheint die geweſen zn fein, den Sophiſten entgegen zu arbeiten, die die Philoſophie zu einem bloßen Wortfram berabftp ten, und ihre fpisfündigen Ableitungen und Erflärunges der Worte für wirkliche Erfenntniß der Dinge ausgabın. Diefe Abſicht erreichte er baburch, daß er die beiden vorjuͤglichſten Hypotheſen über die Wahrheit der orte einander entgegenfezte, und zeigte, daß keine vollkommen befriedigend fei._ Die Hauptfrage war: find die Wor⸗ te willführliche oder natürliche Zeichen? Eine Par thie erflärte ſich für Die erfte, und eine andere für di Ä . ame 37) Cratylus & 343. 38) Chendaf. ©. 34+ | . - weite Behauptung. Plato nahm bie Parthie der lezten gegen bie erfte, und ber erfien gegen die zweite, Wenn man nun aber fragt, für welches Reſultat ſich Plato erflärt habe, fo wird fich das leicht finden laſſen, wenn man auf folgende Punkte Ruͤckſicht nimmt. Daß die Worte ald bloße Zeichen nicht durch die Natur beftimme, oder doch zum Theil wilttührlich find, be⸗ bauptet Plato ſelbſt. Dad Wors Gerade und Krumm bat feine nothwendige Beziehung mit ber Dadurch bezeich⸗ neten Eigenſchaft. Man koͤnnte babır-dad, was wir “unter Gerade verſtehen, mit eben der Befugniß burch das Wort frumm ansdrüden, und umgekehrt ”), Wenn das feine Nichtigkeit hat, fo kann er die Behaup⸗ tung des Hermogenes nicht gerabezu und ohne Einfchrän- fung beftteiten, fonbern nur infofern Diefer den Sag: . die Worte find willführlich,, in einem zu großen Umfang nahm, und ihn auch zugleich von dem Inhalte der Wor- te, ben durch fie Begeichueten Dbjeften, verfland. Hermo⸗ \ genes behauptete eben das, mas Protagoras fagte, nur mit andern Worten. Dagegen richtet Plato nun haupt⸗ fächlich feine Einwürfe. Der Verfuch, eine objektive Uebereinſtimmung mit ben Obfelten aufzufuchen, iſt eine - Abſchweifung, und mehr ein Spiel des Miged, wodurch er den Dogmatismus ber Sophiften lächerlich zu machen fücht. Dieß wird aus den Ausdrücken: er fei von Eu- typhrons Weisheit begeiftert ; Eutyphrong Weisheit fei in Ihn übergegangen ; er feiäber feine uͤberſchwaͤnglichen Ein- \ fichten erſtaunt, u. f. w. einleuchtend *). Diefem zu Folge wird man das Refultat aufftellen muͤſſen: Plato behaup- tet die Willkuͤhrlichkeit der Worte als bloßer Zeichen der Vorſtellungen; aber er laͤugnet, daß der Inhalt der 53 Worte 39) Epiftola VII. S. 133. woua rı avram Dayev der vdsrı Peßasov eva, wwrveı Sudev, Ta wv SgoyyVvAn KBASHEVE, Ov- Iaz nina, 40) Crarylus ©. 256. 261. 343. . RR 278 a Worte willkuͤhrlich ſei. Der Myhalt iſt Der Begriff von dem Objekt, welches durch das Wort bezeichnet wird. Nun iſt es aber nicht gleichviel, wie und was fuͤr einen Begriff man ſich von einem Objekte machen will, ſondern er iſt durch die Natur des Objekts beſtimmt, und muß ſich nach derſelben richten. Die Sprache iR alfo mehr ein Inbegriff von Zeichen unferer Begriffe von den Dbjekten, als von den Objeften felbfl. Die Yes ſchaffenheit des Zeichens ſollte zwar durch ben Juhalt, oder den Begriff beſtimmt werden; allein weil das gar nicht oder doch nicht durchgaͤngig moͤglich iſt, ſo bleibt bier der Willkuͤhr vieles uͤberlaſſen. Inſofern Bat die Bedeutung eines Wortes nur ſubjektive Gültigkeit, welche aber an bie Stelle der objektiven tritt, wenn an⸗ dere eben diefe Bedeutung anerkennen, es fel and Ge⸗ wohnheit oder Einverſtaͤndnißß. Unterbeffen giebt es doch auch gewiſſe Geſetze für die Sprache, fo viel Einfluß ‚auch die Willkuͤhr dabei hat. So iſt ed ein Befeß,cdafl bie Benennung einer Gattung für alle Indivibuen ber» felben gelten muß, fo. lange fie den Charafter ber Bat tung an ſich tragen, Wir belegen 5.2. alle Jungen der Pferde mit demfelben Nahmen, menn fie wie Pferde geſtaltet find; ſonſt befommen fie bie Benennung vonder Gattung, mit der fie Achnlichfeit Haben *). Aber bie ſes ift mehr ein logiſches Gefeg für die Sprache, welches den Inhalt der Worte beerifft. Dlato betrachtete alfo die Sprache vorzüglich aus dem Iogifchen Sefichtspunft, und beachtete mehr die Be ziehung der Worte als Zeichen auf das Objekt (das For male), als die Bedeutung ded Zeichens als Zeichend (dad Materiale). Diefed war nach den rohen Verſuchen der erfie, der mit philofophifchem Beifte angeftellt wur⸗ be. Plate umfaßte dabei faft alle möglichen Seiten und Geſichtspunkte, welche für die philofopbifche Erracheh gr) Cratylus ©. 249-251. er -. 2 — Zn» — Dj a _ “nn — ur 1% ww a u rn vu. »e vv. X .- re gehören, und vera nlaßte baburch unftreitig die Auf merffamfeit mehrerer Denter, daß fie über dieſen Gegen ſtand weiter nachdachten. Es war aber dabei unberr meidlich, daß er nicht alled genau entwickeln, beſtimmen und entoͤrtern, nicht alles aus richtigen Gründen her⸗ leiten fonnte, und daß feine Philoſophie ber Sprache, ge gen das Syſtem, wozu fo viele Denfer nach ihm Bei träge lieferten, gehalten, nichts, als ein bloße: Ent wurf if. u In der Unterfuchung über bie Wahrheit ber Sprache beruͤhret auch Plato einigemal die Frage über den Ur- fprung berfelben. Ex denke fich die Sprache als das Merk einer Intelligenz, eine Verſtandes (darum). Dieſe Behauptung iſt aber zu einfeitig, wovon der Grund in dem logifchen Geſichtspunkt lieget, aus welchem er die Sprache nur als Bezeichnung des Gedachten betrach⸗ “tete, ohne daran zu denken, daß es auch Worte für Empfindungen und Gefühle giebt. Aber vorausge⸗ fest, daß bie Sprache bie Wirkung einer‘ Denffraft if, fo fragt. es fich weiter, ob bie göttliche Denkkraft oder die menfchliche die Urfache derfelben ſei. Ob er gleich dieſe Fragen nicht ausführlich unterfuchte, fo fann man Doch leicht einfehen, für welche Antwort er ſich wuͤrde er⸗ $läret haben. Die Ableitung ber Sprache von einer Gottheit fomme ihm vor wie die Mafchinerie in ben dra⸗ matifchen Werfen, wo eine Gottheit erfcheint, twenn der Knoten der Verwickelung nicht ander geldßt werben fann. Alſo dachte er fehr vernünftig, die Vernunft muͤſſe, meil fie dieſe Frage fich vorlege, auch darüber entfcheiden , fle müffe den Urfprung ber Sprache erklären, aber aus Gründen, die für fie begreiflich find *). Plato fannte den großen Einfluß der Sprache auf ale philofophifchen'Unterfuchungen. Aber wir finden nicht, doß er einen Verfuch gemacht Gabe, bie Degen S4 des 42) Cratylus ©. 296. 316. 343. +‘ — 280 — de Denfens auf die Sprache angumwenben, und darand "befonbere Regeln herzuleiten, um das Streben nad) Er- kenntniß und Wahrheit zu befördern, und Irrthum zu vermeiden... Es kommen nur einige Bemerkungen diefer Art vor. So wie jedes” Wort eine Bedeutung, einen Inhalt haben muß, wenn es nicht ein bloßer Schall fein fol, fo begeichnet jedes Wort auch nur einen Gegenftanb. Es gicht alfo feine Synonyme. Go lange man alfo eine und die nemliche Sache mit mehrern Worten ausdrüs det, fo kann man ficher fchließen, daß ber eigentliche Begriff derfelben noch nicht gefunden ik"). Es ir alfo gleich nochwendig, bie Begriffe zu erörtern, als die Bedeutung der Worte zu beflinmen, und Worte von einander zn unterfcheiden, die einander ähnlich find. Die Strenge und Genauigkeit im Denken wird dadurch befoͤr⸗ dert. Dieß ift eine unerlaßliche Pflicht in wiffenfchafte lichen Unterfuchungen, fo fehr es auch anderswo gegen den guten Gefchmad if, und Pedanterei verräch, wenn man die Worte nach ber größten Strengenimmt **). Bon ber Bopbikie. Der Philoſoph macht fich dieſes Nahmens durch rei» nes Streben nach Wahrheit wuͤrdig; er entfernt von fei- nen Unterfuchungen über das objektive Wefen der Dinge allen Einfluß der Leidenſchaften. Den Sophiften iſt es mehr um Anfehen, Ruhm, Ehre und Vortheile, ale Mahrheit zu thun. Sie fuchen mehr ju Blenden als zu belehren, mehr zu überreben als zu Überzeugen. Bei ih⸗ ren Unterfuchungen bemühen fie fich nicht, ben Begriff des Objekts zu erdrtern, und die Merkmale, die ihm ale ſolchem Objekte zukommen, zu beſimmen, fondern fie wols 43) Sophiſta ©. 256. 44) Thesetet. ©..139. 70 dr uuiser vv oveuarın be ui Punarev, xaı uy di anpıums aferalousvon, Ta mv worrM n Myayvag, MAAS HMAAOY TO TUTH avavrım arrwdeger de Ors avdyuaser, — 281 — wollen nur den Schein haben, als wenn ſie die Einſicht von allen Dingen haͤtten. Sie glauben im Stande zu ſein, alles zu behaupten, und alles zu widerlegen. Die⸗ ſes iſt wider die Regeln des Denkens; gleichwohl koͤnn⸗ ten ſie andern kein ſolches Blendwerk vormachen, wenn fie ihren Behauptungen nicht den Schein der Gruͤndlich⸗ keit zu geben müßten, welches wiederum nicht ohne logi⸗ ſche Kunſtgriffe geſchehen kann. Sie muͤſſen alſo eine Xogif haben, aber nur des Scheins, welche eine Aus⸗ artung der wahren Logik if. Ariſtoteles erwarb fich zur erſt diefed Verdienſt, diefe Logik des Scheind, vorzuͤg⸗ lich in den falfchen Schläffen, in ihrer Blaͤße darzuſtellen. Nato beguügte fich damit, einige Duellen von den for phiftifchen Schlüffen aufzudecken. . Die Hauptquelle der fophikifchen Behauptungen ift der Mangel an beftimmten Begriffen von Wahrheit und Salfchheit , welcher fich auf die unrichtige Vorſtel⸗ lung von bejahenden und verneinenden Urtheilen, und ber logifchen Mealitäs und Negation ((ov, uno) gruͤn⸗ bet. Parmenides behauptete, dad Nichts (un av) ſei ein Unding, meil er es nicht in dem logiſchen, ſondern objektiven Sinne nahm, da er unfreitig Recht hatte, well daß, was gar feine Realität bat, ſich durch fein Praͤdieat denken läßt. Es giebt aber auch eine logifche Negation, da man Etwas aus ber objektiven Einheif eined Dinges augfchließet, ig Anfehung deſſen biefe® Ding alfo Nichte iſt (gu ev). Diefe Iogifche Negation iſt das Sundament ber falfchen Urtheile, nicht bie reale. Die Sophiſten aber betrachteten die legte old den Grund ber Falſchheit. Da dieſe uun in der That nicht gebenfbar ift, fo Iäugneten fie ale Falſchheit. Es war ihnen uns möglich, unrichtig zu denken, weil man, ohne Etwas zu denfen‘, gar nicht denken kann, und alfobag Nicheürke liche (un or) ganz und gar wicht iſt u, S5 Indem 45) Sophiſta S. 240-286. 289. 297. _ Euthydem, ©, 30 - 36. Cratylus ©. *. Mn m ar — 282 — Indem alſo die Sophiſten behaupten, daß es keine Unwahrheit giebt, daß, was man ſich auch immer vor, ftelle ober denke, es immer Etwas iſt: fo gehen zwei fe phiſtiſche Formeln hervor, worauf ihr ganzes Blend⸗ werk beruhet: Jeder Menſch ſtellt ſich die Dinge vor, wie fie ihm ſind; und wie er ſich die Dinge vorſtel— let, ſo ſind ſie. Die war die Sophiftif des Protago ras. Alle Worftellungen und Begriffe laſſen fi mit einander vereinigen; denn es giebt Fein falfches urtheil, und daher kommen jedem Dinge alle mög: lichen Prädicate zu y oder Alles ift alles. Dieſes be⸗ Hauptete Euthydem *). Beide Formeln freiten wider den erften Srundfag der Logif, den Gab bed Widen fpruche " Der Hauptfehler, welchen die Sophiſteni in ihren Mäfonnement begehen, beftchet darin, daß fie unterlaf fen, den Begriff von dem Dbjekte, das fe beſchaͤftiget, genau und voilſtaͤndig zu beftimmen, und ihn von andern ju unterſcheiden. Daher fpringen fie von einem Batrungk begriff gleich auf die Individuen, und von dieſen aufder Gattungsbegriff über, ohne bie Merkmale anzugeben, die allen gemeinfchaftlich ober einem beſonders zukommen Daher wird es ihnen fo leicht, alles zu behaupten, und alles zu beftreiten *). Ober mit andern Worten: fr vernachläffigen den Gattungsbegriff und Die Unterſchei⸗ bungsmerfmale der Gattungen durch Definitionen um Eintheilungen gu beftimmen, Aus biefem doppelten Kehle leitet auch Ariſtoteles alle fophiftifche Trugſchluͤſſe ab- 46) Cretylus &.336. warı wevrz öko; ana: Asa ma Mb. 47) Tiheseret. &. 89.96. Sophilta €. 372. ) Prilehus ©. 220, ol de wv rus avdenrar ron iv mM, Ömu; av ruxmsı, nas KoAie Iarrov nas Peaxurspev wonseı ri dcorroc, nern ds Toby, arsspa vd Ta de usa ri ir Gy ol Hexe ympıraı FO, TE ÖMMASKTInE wahr NEL EOTEK dums meiste: mgas aäAyaus ruc Anyuc. Politicus ©. 62.65 on⸗ Syftem Der Platonifhen Philoſophie. Bweitee heit, Speenlatise Philofophie. >. D ‘ u — —— — — — —— \ Sey ſt e m der Platoniſchen Philoſophie. Zweiter Theil. Theöbrretiſche phileſophse. De Zweck von allen Zuruͤſtungen, welche die Logik anſtellt, iſt in der Platoniſchen Philoſophie kein anderer, als die Erkenntniß der Dinge an ſich aus Principieng daher fle auch Plato mit demſelben Na⸗ men Dialektik nennet). Dialektik Ik dad Organon der Wiffenfchaft der Dinge an fi, und bie Wiſſenſchaft ſelbſt. Ariſtoteles gab ihr ben Rahmen Metaphyſik, an⸗ ger welchem wir fie auch behandeln wollen, weil fie, was die Gegenftände, bie Zorm und das Ziel anlaugt, im Weſentlichen mit der Metaphyfik uͤbereinſtimmt, wie fie vor ber Kritik des Vernunftvermoͤgens fein fonnte. Bon dieſer Wiffenfchaft kommen verſchiedene Erfide rungen vor, bie dem Wefentlichen nach nicht verfchieben find. Sie Heißt die Wiſſenſchaft der Dinge, in fo fern fie es find, d.&: der Dinge an fich, ober der been”). Sie iſt zweitens die Wiffenfchaft von ven ähfannen | ange . %) de republ. VII. ©. 165. 163. 2) de republ. VII. ©. 165. auru ya dmasu wagı, Ser Änurev, un aary Tis Wixzlıeu jedodeg öde map wurrog Anuharkm. Sophiſta ©. 275. d Qiresapes ru Tu ovreg an din Anyıg ar wgeckuneven BAR. " | / hange der Dinge an fich, oder die Beſtimmung der Praͤdicate, die mit dem Begriff eines Dinges verbunden werben, und des Umfangs, in welchen fie mit ben Din- gen, die unter einem Gattungsbegriffe fliehen, in Verbin dung ſtehen Finnen ’). Sie ift drittens die Miffenfchaft der. Bedingungen aller Dinge, und der Bedingung die nichts weiter. vorausfegt, durch Begriffe, unab- ‚hängig von. Erfahrungsbegriffen ). Wenn man diefes sufammenfaßt, fo kann man fagen, die Meta⸗ phyſik ft die Wiffenfchaft von Sdeen als Bedinguns gen aller Dinge, und ihrem Zufammenhange unter einander. Die Sriechiſchen Philefoppen nennten bie Miffenfchaft von ben erften Gründen aller Dinge Weiss heit (eogsa). Unter dieſem Namen kommt fleauch bei dem Plate vor, wiewohl nicht fo oft als awırnug uUNd Iumrss- TI ). Dieſe Wiſſenſchaft wich blos durch Begriffe su Stande gebracht, und. zwar reine, mit Ansſchließung alles deſſen, was die Erfahrung lehret. Es iſt alfo eine seine Wiſſenſchaft a prieti*). Doch dasfman biefes nicht in dem firengftien Sinne nehmen, weil Plate die seinen Begriffe von ben empirifchen' nicht nady einem fichern Kriterium zu unterfcheiden wußte. Unter reinen Begrife -3) Sophifta G. 274 253. ““4) de republ. VI. ©. 122. > % au örspon do em ae ame - wolerev #E Unodeeemg Iudzı, xuı AveU Tv Rapı anzıyo aınaver, avrors sıdacı I avi Tnv edel wann. ©: 124. Re publ. VII. S. 163. 8) Ariſtoteles Metaphyſicor. I, 1. sodıa zug: ra wpern arrım xas Tas mexac. Lithieor. Nicomach. VI, 7. Epihomis G. 238. 273. 274. Definitiones ©. 295. oda, erisug muunedtros‘ SEUTUEN TE MB OITEV" UEITEUN JSMENTIRE FIG vu oyra Mira, J - 6) de repubi. Vi. ©. 122. 124. ders auciid eiarden " Wdsı wpooxgmusvor, MAI ass avro di avrın ng wre, - BR TEAUTE 5 MN. Phuilebus G. 395. 306 .. . . . 1 Begriffen (en, deu) derfichet er nur, mie wir oben bee merft haben, die Begriffe von Gattungen und Arten. Das lezte Ziel, worauf es diefe Wiffenfchaft anges legt bat, ift das Abfolute, oder dasjenige zu erfennen, in welchen die oberſten Bedingungen aller übrigen - Dinge. angetroffen werden”). Die abfoluten Bedin- gungen find entweder nur comparativ ober ſchlechthin die erften Bedingungen. Von jener Art find z. 3. alle Ideen, bie für bie unter ihnen ſtehenden Dinge Principe find, obgleich über fie noch ein höheres Princip ift; von biefer Arc ift nur allein die erſte bedingte Urfache aller Dinge. Das ift ber Punkt, wohin die Vernunft fonts ‚men muß, wenn fie Einheit und Harmonie in bie ganze ' Summe ihrer Erfenntmiß bringen, menn fie voͤllige Bes friedigung für füch finden fol, Die Theologie if alfo das Teste Ziel aller fpeculativifchen Unterfuchungen °). Dieſes erheifchet das fpeculative Intereſſe der Vernunft, mit welchem fich bad Bedürfniß der praftifchen verbindet, indem fie nur in Harmonie mit ber fpeculativen ein Sy⸗ ftem zu Stande bringen fann, welches der Natur und der Freiheit angemeſſen il. Die Probleme von Dafein Gottes, Unſterblichkeit und; Freiheit der Seele waren wigentlich durch bie praftifche Vernunft aufgegeben, tie man auch bei allen fpeculativifchen Unterfischungen des Pla⸗ to über biefe Sragen wahrnehmen kann; allein weil dad Ber» . mögen der fpeeulativen Vernunft noch nicht Fritifch un⸗ terfuchet war, fo war ed unpermeiblich, baß biefe bie Uufloͤſung verſuchen mußte d ie y) derepubl. VI. S. 120. Fu voyru, u were d Mayen dere. va, Tu 70 dunrsyacdeg Buvapıdı Tag Uredereıg wasupevoc vu aęxæt, aMa ru arrı Grodsesıc, alov swißacuc va xy Dopax' va Acxer Tu avtoderu ekı Ip Tu ware aDOn en. — vi ©. 16. | | u) de republ. VIL G. 163. 173. 133. w vo ywuıe rumermn vu ayaßı dem, Die Dlatonifche Metaphyſik berubet auf ben Gruub⸗ ſatze: Die Vernunft erfennet die Dinge, wie fie an fih find. - Die Ideen find die Begriffe von den Dingen an fih. Durch die Entwickelnng der Ideen erlangt man eine volftändige Erkenntniß des Wefend der Dinge. Die Einfiche in den Zuſammenhang der Dirige beruhet auf bie gebachte Nochmendigfeit der Verbindung unter Ideen. Das Gefchäfte der fpeculativen Vernunft iſt alſo von geboppelter Ark, nemlich theils ben Inhalt der ideen, Die für die Bernunfe fchon ein Marimum, ein Abfolu« tes enthalten, welched als Bedingung ber. concreten Dinge gedache.wird, zu zergliedern; theils nach dem Sag ded rundes diejenigen Ideen und, Bedingungen aufzuſuchen, welche vorausgefege werben, menu man ein beſtimmtes Ding oder alle denft. Die Srundfäge, nach) welchen die Wernunft in dieſem Spiteme verfährt, find dee Sag des Widerfpruchs und des rundes: Was fich widerfpricht oder was fich nicht denken laͤßt, das ift nicht 5; und was vorausgeſezt wird, um et⸗ - was denfen zu können, das iſt, das exiſtiret. Man ſagt gewoͤhnlich, Ariſtoteles fei der Water der Metaphyſik. Allein obne feinem Verdienſt, welches er fich, Durch eine deutlichere und ſyſtematiſchere Analyfe der metaphpfifchen Begriffe erworben hat, _ zu nabe zu treten, kann man body nicht anders, ale den Plato für den erften Vater der Metaphyſik halten. Er war es, der zuerſt den Begriff der Totalität, der Bedingungen, des Abfoluten deutlich entwickelte, und dadurch die Idee einer wiſſenſchaftlichen Metaphyfit moglich wachte, von melcher er auch den erfien Plan entwarf. Wäre es auch, daß Ariſtoteles der erfte geweſen, der ihn aupführte, fo iſt doch das Verdienft des Plato untwiderfprechlich und nicht gering gu ſchaͤtzen, daß er bie Hauptidee dieſer Wiſ⸗ fenfchaft erfand. Plato erwähnes einer doppelten Methode fir diefe Miffenfchaft, der analytifchen und Tune ’ Ä R — * _ — 289 — Nadh ber erftern fteiget die Vernunft von Bedingung gu Bedingungen fort, bis fie auf das Unbedingte fommt. Die zweite beftehet darin, daß fle von der oberften Bedingung, die nichts weiter vorausſezt, zu dem durch fie beitimmten Bedingten herabſteigt. In jener iſt die Theologie, die Wiſſenſchaft von ber abſolu⸗ sen Urſache das Lezte, in diefer aber dad Erſte). Hierin koͤnnen wie aber dem Philofophen nicht ganz folgen, weil er ung zu wenig Data gegeben hat, tie er nach beiden Methoden dieſes Syſtem anggeführet bat. Aus ben vorhandenen Schriften laͤßt fich zwar bei einigen Ideen, 4. B. der pfychologifchen und theologiſchen, ber, Weg auffpären, wie er auf diefelben fam; und bie Ben weile für das Dafein Gotte® und die Unfterblichfeit der Seele enthalten zum Iheil die Prämiffen dazu. Allein die ganze Reihe von Schlüffen, durch welche er von dem Pedingten zu den Bedingungen und von biefen wieder zuruͤck auf das Bedingte fortging, und das Syſtem Diefer vermeintlichen Erkenntniſſe ſelbſt ſuchen wir um⸗ fonft in feinen Schriften. Plato hat alfo entweder nur die Idee von dieſer Wiffenfchaft in der oben angeführ: ten Stelle angegeben, und fie nur zum Theil ausgeführt, oder die vollſtaͤndige und miffenfchaftliche Ausführung nicht für feine Schriften beftimmt. — Ich verweiſe bier auf die in dem erften Band S. 264. ff. angegebenen Shatfachen, aus welchen man wohl fchließen darf, daß er dieſe Wiffenfchaft, aber nur für feine efoterifche Phi⸗ Lofophie bearbeitet hat. Doch dem fei, wie ihm wolle, J fo 9) de republ. VI. @. 124. vo renvy dregov navdars ruyua'ru vorrs Avevrra HE ruro, avroc 5b Aoyos AFTETON, Ty ru dia» °® Asyec9ey Ivvapaı Tag Urodeweis Morspevoc ux aeXas, aA TR evrı vredenue, olov muıßacıs TE nu Öpnas‘ Iva Kaxpı Ts avroſaru m TWw Ta warrog meXuy mv, ahbmieng auruc, - WaAV av BXOMENOE TOy ansnıng OXOMEvem, NTEG- SE ed saraßany. - 8 = 290 ⸗ fo muͤſſen wir doch eine andere Auordnumg für die Dar fielußg feiner Metaphufit wählen. Wir werben fir in zwei heilen vortragen; in dem erſten bie allgemeine, und in dem zweiten bie befondere oder angewandte Me⸗ taphyfik. Der erfte Shell zerfaͤllt in zwei Abſchnitte Der erfte enthaͤlt die Entwickelung einiger metaphyb ſchen Begriffe. Der zweite ein Fragment ber Plats⸗ nifchen Metaphyſik, oder Philoſopheme über das Eins und Diele. Der zweite enthaͤlt die Anwendung bee metaphyſiſchen Begriffe auf befondere Arten von Dingen oder Objekten. Erſter Abſchnitt. Prädicate der Dinge an ſich. Zweiter Abſchnitt. Praͤdicate der Erſcheinm⸗ gen. Dritter Abſchnitt. Sematologie. Vierter Ab⸗ ſchnitt. Pſochologie. Fuͤnfter Abſchnitt. Kosmologk. Sechſter Abſchnitt. Theologie. Siebenter Abſchnitt. Teleologie, oder von den lezten Zwecken der Dinge. Wir koͤnnen zwar dieſe Ordnung als aͤcht platoniſch nicht verbuͤrgen; allein ſie hat den Vortheil, daß ſich bie einzelnen zerſtreueten Saͤtze auf dieſe Art am zwed—⸗ maͤßigſten zuſammen ſtellen laſſen. Wenn nur ſonſt die Darſtellung der metaphyſiſchen kehrſaͤtze treu iſt, fo kam man wohl, wie mich duͤnkt, gegen den Zweifel, ob ſie auch in ber von dem Plato gewählten Ordnung vorge &ragen find, gleichgültig fein. ö— G —— — —— — | Der Metapyhyfil Erfter Theil. Erfter Abſchnitt. Entwickelung einiger metaphufifchen Begriffe und Grunbfdse. De bie Metaphyſik die Wiſenſchaft der Dinge iſt, ſo wird die Entwickelung des Begriffs eines Din⸗ ges (o) nicht mit Unrecht an ber Spitze ſtehen. Weil aber dieſer Begriff ſehr vieldeutig iſt, ſo wollen wir erſt Die vorzuͤglichen Bedeutungen des Wortes o» aufzählen. Das Wort ov bedeutet a) überhaupt das Objeft eis ner Vorftellung, dad was vorgeſtellt und gedacht wird. In dem Sinne heißt ed: Feine Vorſtellung iſt ohne Ob⸗ jeft . Daher b) iſt es ſoviel als wahr, das was in riner Vorſtellung Beriehung auf ein Objekt hat, und demſelben entfpricht ). c) Ein Objekt, das in feinen Praͤdicaten unveränderlich if. Ein Objeft, das und Infoferne e8 als bloſes Dbjefe gedachte wird, nach den Praͤdicaten, die demſelven in allen Lagen und Verhaͤlt⸗ niſſen zukommen, oder daß in der dee gedachte Objekt. Daher bedeutet e8 auch foviel ald das Wefen eines Din ges). d) Ein Objekt, das in feinen Prädicaten wech⸗ felt; ein Objekt, inwiefern es nicht blos gedacht, fon- T 2 dern 1) Phaedo ©. 179. Sophiſta S. 243. Theaetet. ©. 148. 149. 8) Sophifte &. 295. Theaetet. G. 171. 3) Timaeus €. 301. 15 ro ov uev an, yeracn da ux cxor. wog TI TO yıyropavev may, ev de wöszere, Timaens G. 348. \ de \ — 292 — bern auch angeſchaut und alfo mit Merkmalen dorgeſtellt wird, die niche nothwendig zum Weſen ded Objekts ge⸗ hören, und daher veränderlich find ). e) Das Poſt⸗ tive im Gegenſatz des Megativen, oder der Inbegriff des Realen, welches ben Begriff eines Objekts aus⸗ macht’). f) Das Subjekt im Gegenfag feine Praͤdi⸗ cats (xaſoc) °). g) Das Beharrliche im Gegenſatz der wechſelnden Beftimmungen ’). bh). Das was objektive Realitaͤt außer der Vorftelung hat, etwas Exiſtiren⸗ des, und was mit dem Eriftirenden im Zufammenharige fiehet, 3.2. Wirfungen, Handlungen %. Das or if alfo überhaupt ein Ding, Objekt, welches nach den vier Klaffen der Kategorien beſtimmt gebacht wird. Das Gegentheil von cv IE dad u or. Diefed kommt in einer geboppelten Bedeutung vor, inwiefern es als dem «v fontrabiftorifch entgegengeſezt, ober nur ald et⸗ was von dem ov Berfchiebenes gebacht wird. In der erften Bedeutung ift es ein Unbing, das ſich nicht denken läge, Denn jedes Objekt if ein Inbegriff von Merkmalen, burch welche er vorgeftelle wird. Dieſe müffen bei dem Unbing gänzlich weggelaffen werben. Es fann mit bem- felben de republ. V. ©. . &0.fq. Laches V. 6. 188. warm uv rum rev avea⸗ WEHT, TI 0V W Wall TUT Ta vov ss. 4) Phaedo ©. 179. 190. Sophiſta ©. 266.. vw Sırnnogg une — ÜER AKITTE HR KERIVHIEVE TE OU TE NEU TE WEB, XXI Asyen, 5) Sophifta ©. 281.295. 6) Eutyphro ©. 24. umdwevs«, agerrenzevoc vo com, 3, % were 851, Tv Lv NeIav LO Guru u Rurscdaı Inineon, war ds vı waeı avruläsyın, d,rı werde vure re dam, de Asıc9ey Une warren ven Ian 5, Tı de u, zum sewc. 7) Timaeus ©. 343. 8) Spphifte ©. 206. war önıg ar u wgerapov ri wu, vom Us NEL ayoı, FO KV ayayTa Kelv, To de wyoumer ae- dar mu Days. 450 - ſelben nicht ein einiges pofitives Pellieat verbunden werden. Es kann alſo durch keine andere als negative Praͤdicate vorgeſtelit werden, es bleibt in Gedanken Nichts übrig. Was ſich nicht denken laͤßt, das exiſtirt auch nicht ?). In der zweiten Bedeutung iſt das zu ev nicht dem kontradiktoriſch entgegengefest, fonbern nur etwas von demfelben Berfchiebenes, und bedeutet nur ein Ding, bag _ in Ruͤckſicht auf ein anderes nicht das nemliche IR. Dies fer Begriff bedarf noch einer Erklärung, welche buch eine nähere Erflärung des o erſt eingeleisee werben muß. Unter einem Dinge verſtehen wir ben Inbegriff von Merkmalen, die ihm zukommen, und durch welche wir es vorſtellen. Bei einem Menſchen ſtellen wir uns KFarbe, Geſtalt, Größe, Tugenden und Laſter vorz Merkmale, die wir in ſeine objektive Einheit zuſam⸗ men faſſen. In dieſer Ruͤckſicht ift jedes Ding Eins und Vieles. Vieles, in Ruͤckſicht auf bie Merkmale, bie wir zuſammen faſſen, wenn wir en Objekt benfen; Eins, weil dieſes Mannichfaltige in bie Einheit eines Objekts aufgenommen wird ). Der Inbegriff von biefen Praͤ⸗ dicasen macht das Wefen bes Obſekts ans; es find bie pofltiven Merkmale, in Anfehung deren bad Objekt iſt, bas Heißt beſtimmt wird, wie das Subjekt in einem be⸗ jahenden Urtheile. Indem aber ein Praͤdicat in das Ob⸗ jekt aufgenommen witd, wird dadurch das Gegentheil ausgeſchloſſen. Ein Objekt mit beſtimmten Praͤdicaten unterſcheidet ſich durch dieſelbe von andern Dingen. In⸗ dem es von alle dem, was es ſelbſt nicht if, untere S 3 den 9 Sophifta ©. 286. ©. 347. ray ri run axı vegan vun ofen. ©.243. vw uy ovrı' van ern under zexyıyvec9a dwarov. 30) Sophifts ©. 269. urus dv inasıv Urchrumo warıy avre woAAn naı wOAASG ovouası Asyogev. Parmenides ©. 76, 77. Philebus ©. 215. ‘den wird, benfen wir uns Merkmale, die von dem Ob⸗ jekte augsgefchloffen merden, und ausſagen, was bag Objekt nicht iſ. Dieſes find die negativen Präbicare. Die Bewegung iſt 3. B. mit fich ſelbſt verglichen, identiſch (raurov), aber fie ift nicht die Identitaͤt ſelbſt. In der erſten Ruͤckſtcht kommt die Jbentitädt der Bewegung gu, in ber andern wirb fie von ihre ausgeſchloſſen; wir bes ſtimmen in dem erften Salle die Bewegung pofltiv, im zweiten negativ "). Ein negatived Merkmal in Rüde ſicht auf das Objekt, von dem es ausgefchloffen wird, iſt nu or, und es heißt fo viel, als es ift nicht baffelbe Ob⸗ jet, es gehoͤret nicht mit in den Inbegriff feiner Merk. male. Mn fich aber hat das negative Merfmal fo gut Realitaͤt, als ein pofltives Merfmal; denn wenn «8 nicht etwas Reales wäre, fo koͤnnte man nicht® von denfelben praͤdiciten. Nur das Reale kann mit dem Realen vereiniget oder von demfelben ausgefchloffen wer⸗ den. Diefed mu cv flehet unter dem Gattungsbegriff des Verſchiedenen (erapov, Iarıgov), oder unter dem Grund⸗ ‘faß: ‚alles twas von einem Objekte verfchieden ift, wird, imfofern es verfchieden ift, von demfelben ausgefchloffen ). Ä Hieraus entfpringt der Grundfaß: Jedes Ding enthält eine Vielheit von pofitiven und eine Unend⸗ lichkeit von negativen Prädicaten, oder wie es Plate ausdruͤckt: Jedes Ding ift Vieles, und iſt unend- 25) Sophifte &. 276% ©. 280. u yap izorav rue aurıw (uivası) rauror ua ug Tavrov, dog eipyxane‘ MAr” Or Tav key raurev, dım To usdeeıv vauru weoc mer, ra Asyausı: Örav da uy raurer, dıa rw own au Iarapn, d' yv awoxmpılouny Tavıs, YEyoysm UK Extıya, MAX drape“ sa oda; mu Asyaraı warn u Tau, 12) Sophifta &. 222. ua 70 ev ag’ Am, Gearag erı a MAR, xæra rocaura UN STIV. ecuiva VE UN OV, EV EV MUTE EST, aTıonvra ds Toy MeıJlLv T'aME un sum au, ©. 253 — 256 195 — ch Vieles nicht ”). Der Grund, warum ben pofti— ven Praͤdicaten Vielheit, den negativen Unendlichkeit beigelegt wird, beftchet darin. Die Prädicate, unter: welchen ein Ding gedacht wird, laffen ſich beſtimmen. Da aber die negativen auf einer Dergleichung mit ati» bern Dingen, welche jenes Ding nicht find, beruhen, fo faun man nicht fagen, to biefe Vergleichung aufhoͤ⸗ sen. mie: J Das Wort vera (fo wie überhaupt ) hat beinahe bie nemliche Bedeutung als vr. Es zeigt ana) ein Ob⸗ jeft, etwas Meales, worauf ſich eine Vorſtellung be⸗ ziehet; ein Ding, fowohl ein veränderliches als unver⸗ änberliched. In der Testen Bedeutung iſt es fo viel, als die Idee eined Dinges *). b) Die Mealltät, das Praͤ⸗ dicat, welches jedem Dbjecte, jebem Dinge, infofern es if, zufomme ”). _c) Daher beveutet es das Weſen, oder den Inbegriff dee Merkmale eines Dinges, durch welche es das Ding il"). Daher auch bie Eriftenz eines Dinges ”). Jedes Ding ift entweder Eins oder Zwei ober Bieles. Jedem Ding kommt eine: Zahl zu *). T 4 Die 13) Sophifte ©. 285. zig: ixarer ran dv won Kor ası vom arım ds wind vo ug or. ©, 286. se To ov avapdıc- Buryrus av um am! weiss 00x 811° uw Tara Iy na” änasev ürm, uaı ZUuraven KOAEXU MOV 875, waAAaxy 8’ oum ess.. ©. 298. 14) Philebus S. 241. Phaedo ©. 178. ı79. Phaedrus ©. 322. de republ. VI. ©. 73. 25) Sophifta ©. 268. xa: awıdav aurun (tasımg xaı wıryasac) WEOE TU TUE qusıng nom, urac sIvas mersumac ajde- vera, , 26) Cratylus ©. 313, 17) Sophifta &. 206. . 18) Sophifta &. 442. avayıy rev rı Asyara, dv yırı A yan. Ävos yap du Te yarı ducuc aueov as. To,de vn, dvow” vo ds Tag, woAAm. T'heaeter. ©. 148. 149. — — — — —“ — 206. — Die Begriffe von Größe und Zahl ſind zwar Erf dem Plato reine Vegriffe, und ihre Anwendung auf Objekte tft eine Bedingung, unter melcher Objekte gedacht wers den. Allein wie eigerielich biefe Begriffe a priori gebildet werden, und worin ber Grund anzutreffen fei, daß fie fihh auf Objekte beziehen, das fonnte Plate nicht er» gründen. So viel fichet man, daß er die Zahlenbe⸗ griffe ald Sunftionen des Denkens betrachtete, inbems ber Verfiand ein Mannichfaltiged in objektive Eimbeit . zufammenfaßt. Daß durch den Berfiand Berbindung entitehet, und Einheit jeder Verbindung anhänget; daß die Einheit der Grund aller Zahlen ſei, das hatte fich Plato unfireitig deutlich gedacht ”). Aber dadurch war diefer Begriff noch nicht bis auf bie lezten Rerfmale gergtiebert. Der Begriff von Einheit wird von dem piato in ge⸗ boppelter Bedeutung gebraucht, quantitative und quali» tative, in-ber erfien zu Beſtimmung ber Einheit dee Ob⸗ jekis, in der zweiten der Qualitaͤt als Einfachheit, bir alle Theile ausſchließet. Jedes Ding muß als Eins und Vieles gedacht werden ”). _ Wenn wir uns ein Ding vorflellen, fo denfen wir ein Mannichfaltiges von Merfmalen und Praͤ⸗ dicaten, die aber gu einer Einheit derbunden find. In Anfehung der Verbindung kommt bemfelben quanti» tative Einheit, in Anfehung des Mannichfaltigen quali⸗ tative Vielheit zu. Da dieſes ein Grundgeſeh für den Werftand if, daher auch Plato zu jeden Urtheil und . Begriff " 19) Theaer. S. 241. wo er bad Eine and jebe Zebl unter die Verkandeshegriffe rechnet. ©. 143. de republ. VIE. ©. 146. 147. Philebus ©. 301. Epinomis ©. 347. Timaeus ©. 349. Parmenides ©. 77. 20) Parmenides ©. 76. udn arızav deusı, u dv dxaıra kw Pawsı vi, TB Merexun Tu dic, Ka TAUTE TAUTE, TOR vu æauduc æv Kerezan. Sort ©. 289. Begriff air) Einheit und Vielheit erfordert *): ſo kann auch keine Idee anders als Einheit des Vielen (eines Stoffes) gedacht werben ”). Jedes Ding bee aͤußern Anſchauung beſtehet aus einem Stoffe, Materie, und der Form, die damit verbunden worden, und die es zu einem Dinge machte. Die Ideen find aber reint Begriffe, und durch fie wird ein Gegenſtand vorgeſteilt, wie er blos gedacht wird, nach welchem aber alle kon⸗ erete Dinge find geformt worden. Ohne Vielheit d. h. Stoff laͤßt Ach aber fein Gegenſtand denken. Gleichwohl muß der Stoff ber been verfchieben fein von der Mate rie, die in der Außenwelt vorfommt; aber worin ber Unterfihted beftche, laͤßt fich aus Mangel an Rachriche sen nicht beſtimmen. Es ift bier noch eine Schwierigkeit übrig, die nicht leicht zu Heben iR. Wenn bie Idee auch einen Stuff baben muß, wie kann fie noch uuthellbar fein, welches doc) Plato als ein inneres Merkmal der Idee zu betruch⸗ ten ſcheint“)? Vielleicht LÄBR fich Sie Schwierigkeit Durch folgende Bemerkungen wegraͤumen. 1) Die Vielheit, die bei den een gebacht wird, iſt nur ber Stoff; . an welcher die Idee, die Einheit hervor gebracht if, oder an welcher die Einheit nur gebacht werben kann Die Einheit ift immer bad Wefentliche, und die Vielheit nur eine conditio fine qus non. 2) Wen man beim SBerichte des Arifkoteled, ober wer ſonſt Verfaſſer der Abhandlung von den untheilbaren Linien fi, Glauben beimeffen darf, fo nahm Plato Größen an, die unthell⸗ © 5 bar “ ar) Philebus.©, 217. 23) Ariftoreles Metaphyficor. I, 6. $avapıv 3° au an sıpyue- "vr, OTs dusiy asTıgıy 888 JEOvov NEXENMEVOE, TY rururıen an Tu mar Ey Öm, Tu Yu Tg wu dw Hrn wg marc, Te 0’ aduaı va dv, sm weh VAy a UmmNEILEM, ua)’ je va sdy, vu ev ewı vun aucduren, vo 8’ dv, ev Tac ulaeı Aeyıraı, ri wöry bung ur TO HEYR ER Te — 2* 23) Theaeter. S 183. 184. 198 — Bar find, z. 3. ein Ding (or) fei eine folche wntheil bare Groͤße *). Größe ift überhaupt Einheit des Bin Ien, bes Mannichfaltigen, wie das aus dem angefuͤhr⸗ ten Beifpiele klar iſt. Demnach würde das Biele in bem Begriff einer: Idee gedacht als etwas, das ſich in keine Theile weiter aufloͤſen läßt. Da es aber dennoch widerſprechend iſt, daß ein Mannichfaltiges ohne Theile gebachet werben ſoll, fo bleibt nichts uͤbrig, als 3) au zunehmen, daß Plato bad Mannichfaltige unterſchieden babe, infofern es nach und neben einander if, und das Mannichfaltige, infofern.es blos gebacht wird. In dem erſten Galle beftehes die Sache aus Theilen, ſie if zu⸗ fammengefest ; in dem zweiten beſtehet Die Sache nicht aus Sheilen, aber fie kann nicht ohne ein Mannichfaltiges, das heißt, ohne einen Stoff gebacht werden. Diet Diftinetion fommt zwar ausdruͤcklich nirgends vor; aber bie Eintheilung ber Dinge in untheilbare und theil bare”), und der Gebrauch der Ausdrücke von Theilen bei Dingen, bie doch. nach feinem Begriff untheilbar End, 52. Seele, fcheinen fie einigermaßen zu begrüm den. 4) Wann auch die Ideen einfach ſind, das heikl, aus feinen Theilen beſtehen, fo muͤſſen fie doch ſelbſt ſei⸗ nen Grundſaͤtzen gemäß, .erfennbar fein, das iſt fo vid, - fie muͤſſen ſich durch sinen Begriff deutlich denken laſſen In dem Begriff kommt alfo ein Mannichfaltiges vor, obgleich fie dadurch zu keinem Zufanınıengefezten wer den *). Es laͤßt fich uͤbrigens leicht erklären, warm Plato au bie Aufloͤſung dieſer Schwierigkeit nicht ge⸗ dacht bat, da er bie Ideen als bie Elemente aller Dinge “ad Erfennmiß betrachtete, aber sicht unterfischte, . . 24) Arifkoreles wo euurag ww el angı Komuparı naı Tl Tara avrıwanovris, alınıgera eworuv keyedy, dv na Te m u. une erıdw, re sa mas dv un: abnugerev, a49) Diogenes Lsert. I, ‚107. 26) Theaetee. ©, 185. 186. — ⸗29 — ſie von der Vernunft gebildet werben, ſonbern fie als fchon gebilbete Borftellungen in dem Bernunftvermägen annahm. - Ganz (dam) heißt etwas das alle Theile hat, aus denen es beftehet, wo nichts fehlt. Ale Theile zuſam⸗ men genommen find das AU (warra, vn). Das Ganze und das AU find Eins. Jede Zahl als Zahl iſt ein Ganzes; denn foviel Theile sufammengenommen werden, ſo groß iſt die Zahl ””). Was aus Theilen beſtehet, it zufammengefezt, und "daher auch theilbar (usgırov enderov). Was nicht aus Theilen beſtehet, iſt einfach, untheilbar, z. 3. bie Einheit, der Punkt, ein Baut (aueece after), Das Zuſam⸗ mengeſezte beſtehet entweder aus ähnlichen Theilen, wo das Ganze von dem Theile nur durch die Quantitaͤt verſchieden iſt, z. B. Waſſer, Gold (snoropsgsc), oder aus unähnlichen Theilen, wo die Theile nicht blos burch die Duantitäe von dem ‚Sangen verſchieden ſind, z. B. ein Haus —XREXXXXX Das Zufanmengefejte ift auflösbar; fo wie «8 zu⸗ fammengefezt worden, kann es auch wieder in feine Theile zerlegt werben. Und eben baher iſt es audı veraͤnderlich. Bei dem Einſachen findet das nicht Rats ). Ä Das Weſen eines Dinges (urn) beftehet in dem Inbegriff von Merfmalm, Beflimmungen, die einem Dinge zukommen ). Diefe Beftimmungen find entwe⸗ 27) Parmenides ©. 94: va dam, da nee nydev muy. Theaetet, ©. 182. 183. sreyoper des day nupy ” vo ve NE TR), TE TAvra HUN STu6. 28) Diogenes Laert. Ill, 107. Phacdo ©. ı 89) Phaedo ©. 178. 30), Phaedo ©. 149. Aeyw ds wog: wur, olev ueysduc wapı, Vyıniar , vers ,„ 200 vay anım ävs nr das Tg ueıas, Ü Teyxamı innen, . ' - sale J00 m " ver umnveraͤnderlich oder veränderlich ; jeme, bie deu Dinge beſtaͤndig (mefentlich) zufommen; dieſe, die dem Dinge nicht befländig (zufällig) zufommen. Durch jene IN das Ding das Ding (m) , durch biefe iſt ed ein Dim von diefer oder jener Beſchaffenheit (wur). Der Jade ‚griff von den unveränderlichen, wefentlichen Beſtimmun⸗ gen, bie zu dem Begriff eined Dinges als Ding gehe ven, iſt das Wein. Das Zufälige barf man nick ale toefentliche Beftimmung bed Dings felbft betrachten, wenn man fich nicht vieler Widerfprüche ſchuldig machen will”). Die Idee euthaͤlt die Gattungsmerkmale ber Dinge, b. 5. dieienigen Merkmale, die bei allen Dingen der Gattung nothwendig augetzoffen werben, ohne toelche fie nicht unter dieſe Gattung gehoͤren, d. h. nicht dieſe Dinge fein wuͤrden. fo iſt in der Idee ober in den Battungsbegriffen dad Wefen ber Dinge beftinuut, oder vielmehr die Idee iſt dad Weſen der Dinge ſelbſt. (Mau ſehe oben den erfien Abſchnitt des erfien Theiles.) Der deutliche Begriff, der diefe Merkmale sufammenfaßt, if son dem Weſen ſelbſt verfchieben, aber kommt bemfe- ben am nächften ”). . Die Idee enthält nemlich die Spw theſts eines Mannichfaltigen, welches die Analyſts jer- gliedert und. in eingelne Merkmale gufammenfaßit. De analptifche Begriff (Aoyoc), ber daraus entſtehet, bee het ſich auf den ſynthetiſchen; allein weil es ſchwer hält, den Inhalt vollfommen zu erfchöpfen, fo erfieint ber 31) Epiftol. VII. & 133. dvow eve, vu rs ovroc won Tıroc, U TO mem rı, reden Qurueus solar Verpoı vo mu Arrummis dnatev Tem verınfan zperene TI uxn Aayı va naı xar” spya axdueeen ereloyere, ve re Apyopzvov ums ÖHIKWWLLEVOV MOL WELEKOMEN INMTEV, MORE TI na memperkt spmmzädE: warus —— wur arlen. "Timsens ©. 343. Urwöy vuran uderers vn arm inarın Gmrasıs van, wow son als ev dran vuro uns un MAAS, May dsirgp@upevde, UN arExwwe wg MÜTON un er. 3») Epifola VIL ©. 131. 132. Phaedo ©. 226. - m 301 — analgrifche. Begriff. noch immer im einens gewiſſen Ab flanbe von dem fonthetifchen. Außerdem wird der anne Iptifche auf den ſynthetiſchen begogen, ber daher ald ein a ten wird, welches bei dem analptifchen ti Durch bie Abſonderung beffen, was an einem Dinge unveraͤnderlich und was veränderlich ift, bereitete Plato den Begriff von Subftanz vor, welchen fein Schuler Ariftotele® zuerſt deutlicher entwickelt bat. Aber in Concreto formt er auch fehon bei dem Plato vor, und iſt ſchon in dem Begriffe des e eined Dinge® enthalten. . Ein Ding, infofern es unveränderlich oder beharre lich ift in feinem Weſen, oder das unveränderliche Subjekt des Weſens, ale Inbegriffs feiner Praͤdi⸗ cate, ift die Subſtanz, ift das Ding an fih (m). Das Ding als Subftang beharrt bei allem Wech⸗ ſel feiner‘ Beſtimmungen. Es mwechfeln aber nur bie - zufälligen Beſtimmungen, das beißt, ſolche, die nicht zum Weſen deſſelben gehoͤren. Alſo ſeinem Weſen nach wechſelt das Ding nicht, und inſofern iſt es Sub» ſtanz (.) ”). Wenn man 5. B. aus Bold alle moͤgliche Formen, eine nach ber andern, bildete, fo fann man von jeder Form 5. B. Dreieck, Viereck, fagen, es iſt Gold; aber nicht es iſt ein Dreieck, weil diefe Form gleich im eine andere uͤbergehet. Diefe Formen find alfo bie Ac⸗ cidengen; das Beharrliche, der Stoff, iſt die Sub⸗ anz '*). Die Accldenzen find diejenigen Beftimmungen eines Dinges, welche mechfeln, das heiße, entfichen und | verge⸗ 33) Timacus G. 343. ev d de syyryvaunn dxasn rm Gar- ‘ valeras naı KaAv ensıIeV AEOAAUTEI, nuovor EnENO av WERTE- yopswen, TU TE TUTE NE TA TOÜE WEOKTEWEYUg HOMaTh Timaeus ©, 348. 349 34) Timaeus ©, 344 — 302 — vergehen. Daher nennt fie Plato sa Yıyvousre, Ya asıg ”). Accidens ift alfo ein Wechfel, eine Veränderung. Die Veränderung ift entweder Wechfel der Raumberhaͤlt⸗ wife, Bewegung (enveio, qoes, wegıgeen), oder Wechfel der Qualitaͤt und Quantität, Veraͤnderung im eugern Sinne (nei, armer). ). Das Ding, infofern es Subflang ift, veraͤndert ſich nicht ; esift beharrlich (beidem Plato, es ſtehet und bleibt, Isa, eva); infofeen es nicht ohne Accidenzen iſt, wirb es veraͤndert (beim Plato, es fließt, es wird beweget, wege, gem); ober vielmehr bie Accidenzen wechſeln, ‚gerändern fich an dem beharrenden Dinge ””). Es giebt alfo etwas Beharrliches. Beweis. Wenn ſich alles verändert, fo giebt es keine Erkenntniß. Denn wenn das Dbjekt in beſtaͤndigem Wechfel ift, fo kann man fein einziges Prädicat mit demfelben verbinden; und menn es Feine unveränderlichen Präbicate hat, ſo iſt es nicht moglich, ein Accidens mit bemfelben gu verbinden, in dem das Objekt nicht if. Eben dieſes Reſultat findet auch in Anfehung des erfennenden Subjekts Rate. Wenn der Aktus des Erfennens oder bie Erfenntniß felbft be⸗ ſtaͤndig wechfelt, fo iſt feine Erkenntniß möglich. Denn Vernunft laͤßt fich ohne etwas Abſolutes und Unveraͤn⸗ derliches und ohne unveraͤnderliche Geſetze wicht denken. Und ..35) de Republica V. ©. 29. Timaeus G. 348. Sopbiſta ©. 263. rw yassıv amors aM ıxım Gars, Definit. ©. 287. yore ua nic vorm. Der Charakter bes | eidens iR immer Werden, niemald Sein. Timaeus ©. z01. xaı TI 70 yryvalıvov ev, ww Su ulewore, Aecidenzen wer⸗ Den auch vadnnara und vady genennt. - Phaedo ©. 218. ‚de Republica V, ©. 29, Leg» X, 84. 36) Theastet. 8, 132. 133. .37) Theaeten ©. 130. 134..187. Timaeus ©. 349. vo „ .mwcÜurov, yarırav, wadoguuevar as, Yıyyonsey I TV FORM, aa way eredev awoAAuevov. Phaedo ©. 159. 160. 93% 233. Legib. X. G. 25. en dur a, irm key — 303 — J Und. ohne Vernunft iſt fein Erkennen moͤglich *) Zwei-· tens, wenn alles einem unaufhoͤrlichen Wechſel unter⸗ worfen iſt, ſo iſt jedes Urtheil von jedem Dinge wahr, ſo laſſen ſich jedem widerſprechende Praͤdicqte beilegen, 3. DB. dieß iſt weiß, dieß iſt ſchwarz, die weiße, Farbe iſt ſchwarz. Dieſes widerſpricht aber dem erſten Geſetz des Denkens. Man muß alſo annehmen, daß es bes barrliche Dinge giebt, die ein unveränderliches Weſen haben, an denen aber andere nicht wefentliche Beſtim⸗ mungen wechieln ”). Das Beharrliche ift aber nicht nur etwas Wirk: liches, fondern auch die Veränderung. Denn man muß einräumen, daß die Seele eine Erfenntnißfraft hat; in» fofern fie num erfennet, iſt fie thätig. Das Wefen den Dinge aber wird erfannt. Es gehet alfo eine Veraͤnde⸗ sung vor an dem Wefen,. welches doch unveränberlich if. Plato will überhaupt nur fo viel fagen, daß dem Wirken, Ihätigfein, nothwendig ein Leiden entgegenges ſezt if, und daß das Erkennen eine Thätigfeit der Ver⸗ nunft iſt, welche one Leiden nicht gedacht werden fan”). Man kann bier die Frage aufwerfen, ob piato die Ideen fuͤr Subſtanzen gehalten babe; denn er hat fich daruͤ⸗ 38) Crarylus ©. 343. 346. ne’ ur olov re mpecuten avro, ei ası imekeoxeras, TemTEvuE, Öri ensıvo ayıy, emura, ers rouron; 9 RYayKy, Aun Juv Aryoren, aA avro evdug yıyradnı noy sxıfuva, x uynerı Wracaxuw; Sophifte ©. 266. 70 xara raure um —— no weg vo wure, de Ks 001 xmpıc susıug yarııdar wer’ av; TI 8 avıv Term vun naoenc ovra; 39) Theaetet. 8. 136. rd Fr % acrxav ‚dem, 81 zur KIVE6= va, waoa wrong wapı ÖTU MUTIG MEOHBIYNTRI, Opeme 03 ana, üru Tv’ 1Xın Harms na α 40) Sophiſta ©. 264. a65. I u 304 anne darüber, wie wir oben gefagt haben, nicht erklaͤrt Henn er einen beſtimmten Begriff von der Subſtanzialitaͤt "gegeben hätte, fo würde biefe Frage feine Schwierigfeit Haben. In Ermangelung deffen muͤſſen wir bie Frage fo entfcheiden. Wenn er die Ideen für Subſtanzen hielt, fo verband er damit einen ganz andern Begriff, als wie darunter beufen. Wegen der Unveränberlichfeit legte er ihnen Subftanzialitaͤt bei, aber er verfiand fein Ob⸗ jett, das aufler dem Borfielungsoermdgen, dem menſch⸗ lichen und göttlichen, .eriftiret. In dieſem Galle muͤſſen wir fagen, daß es förperliche and unkoͤrperliche, ober denkbare vonra Subſtanzen unb von ben legten zwei Ars tengebe: Subftanzgen bie außer dem Vorſtellungsdermoͤgen eriftiren‘, und folche, die nicht außer demfelben eriftiren. Sind ader die Ideen feine Subftangen, fo giebt es nur zwei Arten, förperliche und denkbare, unförperliche, und bie Subflanzen find außer dem Vorſtellungsvermoͤgen eriftigende Objekte, denen ber Charakter det Unveraͤnder⸗ lichkeit und Beharrlichkeit zukommt. Diefes fcheint aber - mit dem Platonifchen Syſtem beſſer uͤbereinzuſtimmen. * Denn die Ideen find in metaphpfifcher Bedeutung, wie wir weiter unten geigen werben, nur bie Sormen (ware- daysara), nach welchen bie Dinge find gebildet worden, und fie find urfprünglich in dem göttlichen Verſtande. Sie enthalten als Sormen die weſentlichen Merkmale der Dinge, ‚und den Grund, daß ein Ding dieſes und Fein anderes ift; und durch fie und in ihnen wird das Ding vorgeſtellt, wie es an ſich (d. h. bier feiner Form, ſei⸗ nem Sattungsbegriff nah) if. Uber eben des⸗ wegen, weil fie bie Formen find, loͤnnen ſte nicht die Dinge feibft fein. Wenn aber auch die Ideen nicht ſelbſt Subflanzen find, fo find fie doch der Grund der Subftanzlalität der Dinge Denn eine Subftanz iſt ein in Abfiche feines Weſens unveraͤnderliches Ding; dad wird es aber nur vermoͤgt en —— — 55 — wermoͤge der Ideen ”). In ber Sinnenwelt kommt noch eine Bedingung der Subſtanzialitaͤt hinzu, wie wir in der Metaphyſik der koͤrperlichen Natur zeigen werben. Das Unveränderliche it nur ein Gegenftand ber Vernunft; das Veraͤnderliche hingegen des finnlis en Erfermenißvermögens. Die Subflanzen werben alfo durch die Vernunft, bie Accidenzen oder dad Der änderliche an dem Beharrlichen durch. das finnliche Er⸗ Senntnißnermdgen oder durch die Sinnlichkeit und den Verſtand erfannt *). | _ Geſetze der Veränderung, Wenn ein Ding verändert wird, fo muß es vorher nicht das gewe⸗ fen fein, was es wird, fondern das Gegentheil. Wenn etwas groß wird, fo muß es vorher klein geweſen fein; wenn es in Bewegung fommt, fo muß es vorher ‚in Muhe geweſen fen. Plato druͤckt dieſes fo aus: Aus dem Entgegengefezten wird das Entgegenges fezte, welches aber nichts weiter fagen will, als ein entgegengefejter Zufland folgt auf ben andern. Er er klaͤrt «8 hernach felbft dahin, daß bei einem Dinge (welches alfo beharren muß) entgegengefezte Zuftände auf einander folgen ”), Denn wenn «8 nicht mehr Daſſelbe Ding iR, fo kann man nicht fagen, daß es ver Andere worden; fondern es if ganz und gar nicht mehr , er⸗ 41) Ariſtoteles Metaphyficor. I, 6. urs yap de baν ron . achte va ey xaıra av Tor uidsem, ud" de avrauder vw acxxm TUE Nauseng yırousım ÜroAnußavusıy, Aaıyyaıas yap WTIMV MaAAov HA TE 80V npie mas Bat, MM rn ana; Ixasy vun ala va sy mapıyeras, vo DB’ edıcı vo... . 43) Timzeus ©. 302. 343, Be Phacdo GS. 161, warn Jru yıyısrnı Sf sayrın Ta sun vın seayuara. ©. 160, 233. 234. '44) de Legibus X. ©.84. x um suyugweuna mov aufaveras, ’ Jıangıvepeva de Hdwsı. Tore öra a nadesyumın dnarev dfıc Jmpery‘ un nevuens de ayıng, 3 aupersgn area, N — 306 — Veranderung fest alſo etwas Behacerliches ved aus. | | Der Uebergang. von dem Einen von dieſen Zu fländen zu dem Andern iſt nun eigentlich die Veraͤn⸗ ‚ berung (yarssıs).. Diefer Wechſel geſchiehet in der Zeit. Die Zeit allein macht es moͤglich, daß entgegenge⸗ ſezte Zuſtaͤnde ohne Widerſpruch mit einem Dinge verbunden werden koͤnnen. Denn in ber Zeit folgen fie auf einander. . Ein Wiberfpruch wäre ed, wenn fie zu einer und der nemlichen Zeit an demſelben waͤren, tod ches fich aber nicht denlen laͤßt *°). Zwifchen beiden entgegengefesten Zuſtaͤnden ift etwas Mittleres, nemlich der Uebergang. Es laͤßt ſich alſo ein doppelter Uebergang denken, von dem Einem zum Andern, und von dieſem zu jenem, z. B. von Zunth⸗ men zum Abnehmen, und don Abnehmen zum Jun men EN Man fann bier bie Frage aufwerfen: Bit gefchiehet diefer Uebergang, geſchiehet er nach undnad), fucceffive, oder urplößlich (in inftanti, etam)l Plato fcheint beibes zu behaupten. Denn einmal ſagt er: die Veränderung nehme ihren Anfang, gehe vet einen Grab zum anbern fort, bis fie twahrgenomme werbe ”). Nach einer andern Seele aber fagt er vun | 45) Parmenides &. 136. Ag’ ww rs uerıza, darenmm tr Ta un keraxäv; u Öre m MersXzuı, merken; ur en 1% Ev AM nem Xpovm Heraze, mu ale w Jerez, Nr vae MV HOvac TE RUTW KETIXE TE NOU u jaraxa. ©. 136 Protagoras &. 1$7. 158. 46) Phacdo ©. 161. | 47) Legib. X. &. 84. yıyyıras 94 warn ya, pa! an wados y. durev ic dworav nei Anßusn aufyv, sc wi vogav My ueraßacıy‘ u awo TaUruG sc Te wien" 1 Haxe: ver 2 duem, au’yeiv ex Tec wudivonnoe. % zermmthe in den Worten zus uexeı reun — einen Feqle iu den Tert. Denn es laͤßt fich kein Grund denken, warum die Gradation umz bis auf drei schen fell das Gegentheil aus folgendem Grunde: Wenn fich et⸗ was bewegt, fo fann ed, fo lange es in Bewegung ifl, wicht zu dem entgegengefezten Zuftande, zur Ruhe übers gehens und wenn etwas ruhet, fo Tann «8 nicht aus ber Ruhe zur Bewegung übergeben. Die Veränderung . Tann alfo nicht ſucceſſive in der Zeit, fondern fie mnf in einem Augenblick gefchehen *). — Die Veraͤnderung ift ein Wechfel von Bellimmungen ' eines Dinges, eine hebt an zu fein, und die andere hoͤrt auf. Es iſt alſo etwas das entſtehet. Alles was. entſtehet, ſezt eine Urſache voraus, in Auſehung deren ed Wirkung genannt wird (women, ya) 9 a), Einen Beweis von diefem Srundfag findet man bei dem Plato nicht. Wahrfcheinlich fehien er ihm Feine Bes weiſes bebürftig zu fein, weil er in der Natur des Ver⸗ ſtandes gegründet, von ſelbſt einleuchtet. Das Beduͤrf⸗ niß eines Beweiſes wird nur dann erſt dringend, wenn er als ein ſynthetiſcher Satz erkannt iſt. Der Begriff der Urſache kommt bei dem Plato in zweifacher Bebeutung vor. Ya der weitern Bedeutung iſt Urfache alles dasjenige, was als Grund von dem | Dafein eines Dinges gedacht wird. Dahin gehoͤrer die wirkende Urſache, der Stoff, woraus etwas ges macht wird, und die Form. (Die Idee (wuraduıyuz), nach welcher etwas gemacht wird #).) In diefer wei⸗ ‘ Ua tern 48) Parmenides ©, 138: uyapın ya au deaaı, deura; ers MeTnßarres, u3’ Ex TU Kınseng Kivapıyıc er neraßarisı* are 5 ekaı@yyc nury Que, arowsg Tıc syaadyıras , nerafu 2... NE MIUNERG TE xa SRH, 59 Now ulsv von. 49.) Philebus ©. 240. avaysmur, war vu yıyventen, dım rue amıay yıyyıda. Timaeus ©, 303. way ds au To yı= yropavov, Um’ am Tiveg af wyaryuge yıyvadaı warı yap alıyaroy Xupıc wer yarsam exe. ' 495) Plutarchus de phyficis philofophorum detretis I, 5. . Tan reine To arım, Ayeı ya, ‘vo ‘, 123 d, vun d. nugiorugen de Ayınas va da S, * — , 308 — zern Bebentung nimmt Plato Ruͤckſicht auf die Kaufalikt eines vernuͤnftigen Weſens, welches nie ohne Zweck oder Morficlung von dem, was geſchehen fol, wirket, und allezeit einen Stoff Haben muß, am dem fie etwas her⸗ vorbeingt- In der engern Bedeutung wird nur bie vir⸗ ende Urfache verfianden. Won diefer handeln wir hie. Bon den beiden übrigen Arten werben wir weiter unten gu reben haben. | oo. | " ' Die Urfache (ars, 2] zorsv) iſt basjenige, worauf etwas anders in der Megel folgt, oder dasjenige, wis "den Grund von dem Enrftehen eines andern enthält, Wirkung iſt dasjenige, was in der Regel auf ein An deres folge *). Mit dem Begriff der Urſache darfnicht basjenige verwechfelt werden, was die Wirkung befoͤr⸗ Bert, oder was eine Bedingung ift, ohne welche die Un Fache nicht wirken kann *). Zwiſchen der Urfache und Wirkung ift ein nothwendiges Verhaͤltniß. Mo ein Urfacheift, da muß auch eine Wirkung fein, und umgefebrt, und wie die Urfache wirft, fo muß auch dk Wirkung fein. Wenn bie Urfache aufhoͤrt, fo muß anf Die Wirkung aufhoͤren *) an 50) Sophifte ©. 294. Tlayemap warav edapey sm dena, ÄTIE au AITım yıyYuTal TO Jim MERTspov WE Ursger yıyYEdlı "Philebus ©. 240. ag ow Ayurzı uev vu'zaw an srl Que, TO de Kosmvusvov SunnoAeudsi yıyyonsav. — TR u worouv Nas TO arrıey, egfuc mv ar Asyozısvov dv. Die Ve⸗ sriffe von dan Vorberfein und Nachfolgen, m vagov, oͤrreo verſtand Plato ſor Eher iR dasjenige, We sone einen andern fein Tann , fpäter dasjenige, mad ch" einem andern wicht fein kann. Ariftorelis MetephyL IV. 11. 51) Philebus ©. 241. 2220 age, xas u rausov, ara Fit Kos vo douAsvev. 216 you ara, Phaedo ©. 224 ori aM HEV TE E51 TO army vo oyrı, ale Barıne, av u TI um on ay wor ug wre. Zuweilen faßt er alles datiert was mit einer Urſache gu einer Wirkung beiträgt, als Werts eng, Stoff, Miturfachen, kovamıa, Timaeus 336. 52) Gorgias ©. 65. Lyſu ©. 248. 04 ⸗ — 309 — Die Urſachen find von geboppelter Het, freie und phyfiſche. Die phyſiſchen wirken nicht anders, als daß fie von Etwas anderm in Thaͤtigkeit und Bewegung geſezt werden ; fie machen baber eine Reihe aus, in welcher jebe Urſache wieder beſtimmt von einer andern, b. i. ale Wirfing gedacht wird. Plato nennt biefe Urfachen und den Zufammenhang berfelben zumeilen avayın. Freie - Urfachen find diejenigen, bei welchen der Grund der Thaͤtigkeit nicht In andern, .fondern im ihnen felbft zu finden iſt. Eine ſolche Urfache iſt feine andere als bie Vernunft. Em vernünftiges Weſen handelt nur nach Vorſtellungen von dem Beſten, oder nach vernünfti» gen Zwecken (Endurfachen) ”). Die vernünftigen Ur⸗ fachen haben den erſten Rang , weil fie frei wirfen ; bie phnfifchen ben imeiten, weil fie bebingt wirfen *). Wenn es eine Reihe von Urſachen giebt, die von andern in Thaͤtigkeit geſezt werden (bedingt find), ſo muß es eine erſte (abſolute) Urſache geben, die in ihrem Wirken von nichts anderm beſtimmt iſt. Beweis. Wenn in einer Reihe alle Urſachen bedingt ind, ſo giebt es keinen Anſang in der Reihe, keine Urſache, die die Reihe beginnt. Sie laͤßt ſich alſo nur fo denken, daß wir eine erſte Urſache, die den Grund ihrer Wirk⸗ ſambkeit in fich ſelbſt hat, annehmen *). Eine ebfe- J N 3 ute 3)) Timaeus G. 337. von da vu wo memung agarıı vr vo; Ts supgovos Quec uq win wewrac ueradanın. dem | ds Um arm ev nweuueen,, dreen d’sE avayıyc nıvovıram yıyvorrm , dsurepag Tomren. ai du Kara Tavıa OPT) ASKTER SV RUPETEEn Ta TU MT ya, zug % den: era "vu xaau ua ayaday Ayieupye, nu den uemdeeaı Gfo- Dysstis TB TUXOV ETENTEN ÄNMTOTE deryaswraı. Phacdg G. 221 — 234 54) Timaeus loc. cit. 55) de Legib.X. ©. 86. dera drsgev are quν neraßuay, nu ruro, aA deren a, Ton ruuren ou su we s zeu- wov neraßurrev;, So weg, arav Ur’ MAAU Ton, zur’ any wors x — 310 — tute Urſeche, ‚ die feine Bedingung über ſich Bat, neunt Plato arxu, ein Princip. Die abfolute Urſache kann weder entfichen.noch vergehen. Denn wenn fie ent⸗ fanden ift, fo fest fie eine Urfache voraus, und dann ift e8 keine abfolute Urfache. Nicht untergehen kann fie, weil in diefem Fall weder fie noch das von ihr Abhaͤn⸗ gige Dafein befommen kann. Alles aber, was entſtehet, hat den Grund feines Dafeins in einer abfolnten Urſache. Wenn alſo diefe aufgehoben ift, fo twird auch alles aufs gehoben, mas entfiehet ° Dem Wirken ſtehet das Leiden (maezen) migegen. Ein Ding leidet, wenn ein anderes in baffelbe wirkt, und in demſelben eine Veränderung hervorbringt 7). Das Wirken und Leiden fegt ein Vermoͤgen voraus . Ciwaus). Ein Vermögen ift dasjenige, was dem Grund der Möglichkeit des Wirfens und Leidens enthält *). Die Vermögen find Fein Gegenſtand der . Anfchauung, daher fallen alle Praͤdicate des dußern ‚Sinne weg. Ste Finnen nur ‚gedacht und Burch die Urt des Wirkens unterfchieden werben ). | | Ya xore Ta HAAHUYTEN WERTOV alyarıv ‚var. ar Ivar apa aure dure nıyyaı Üragev arsıiay, Te 3’ ürsgev alla, um Urea dy XıRm uwı upie yyaray va uydews, Hay xy WIE TE ETC TG REG drang arm, rauv å 7u6 ar —XXXX 36) Phaedrus ©. 318. apxu anırev. ef px ee var TO yryvopsvov yıyyacdar, avıa de und‘ ek dic. u yap an TU BEXy yıyyaro, we mv eE apXyc yıyvarrc. — adınpde- ge, WeXuE Ya Iy MROASHENE, WVTE GUTY NOTE Mm TU, UTE wre se axumys yaycssa" erep se ngXüyc du va zarın yıyvadon, 37) Gorgias &, 65. rg ri wo, avayıy ve me ng won oxor vᷣnro TUTE TE WONvrOR. 58) Definit. &. 300. dwvawıe, d£ıc nad’ dv vo age Ievarer, de Republ, V. ©. 60. Sophiſta S. 262. 5), de Republ, V. &. 60, dvvapıms yap eye ure va zoom 0ER, UTE EXUER, urevı Te) Touren elev na BAM TOARE“ 7 20 * -T . In einem Vermoͤgen kann nicht der Grund zu der einen Wirkung und zu dem Gegentheil derſelben enthal⸗ ‚ten fein. Wo daher entgegengeſezte Wirkungen vorkom⸗ men, fo muͤſſen wie mehrere Vermögen annehmen °). Bon ber Möglichfeie findet man bei dem Plato feinen Begriff; aber eine Fleine Bekanntfchaft mit feinen E chriften und feiner Philofophle Ichret, daß er darunter im objeftiven Sinne bie Iogifche Möglichkeit verſtand, weil ihm die Bebingung verborgen war, unter welcher dieſer Begriff objeftive Bedeutung erhalten fann. Was fid) denfen laͤßt, das kann auch fein; und was fich nicht denfen laͤßt, Iogifch widerſpricht, das fann auch nicht fein. Wirklich ift, was ein Objekt einer Worftelung iſt. In dieſer Bedeutung begreift es alles, was objektive “und fubjeftive Realitaͤt hat, was nur gedacht und vorgeſtellt wird, und was auch außer der Vorſtel⸗ lung iſt ). Plato ſuchte nach einem Merkmal der Exi⸗ ſtenz, das auf alle Dinge, nicht blos auf Erſcheinungen, ſondern auch auf Dinge an ſich paßte. Allein er mar nicht ſo gluͤcklich, etwas zu finden, was in dieſem Um⸗ fange nicht moͤglich if. Die unzureichenden Merkmale find folgende. Erſtlich, mas nothwendig, d. h. durch die Vernunft gedacht wird, iſt wirflih ”). Dieſes paßt nicht auf die Erfcheinungen. Zweitens, was bad Vermögen zu wirfenund gu leiden hat, muß etwas Wirk⸗ liches fein. Diefed paßt nur auf Subflangen. Daher feine auch Plato geneigt, dad Weſen der Dinge, in⸗ y4 fofeen weoe d nwoßrezen, avım dıopılaju wage anawre,. va (10 aA vo, Ta Is arm. deu 8’ si; ansıyo evov Asa, er Ära ur u d awepyndere. 60) de republ. IV. ©. 360. 361. 6ı) Theseter. ©. 148. 149 62) Timaeus ©. 347. — — — — —— —— d — 312 nu ' ſofern fie nemlich gebacht werben, in dem Berinögen zu wirfen und zu leiden ‚zu fegen.. Allein Vermögen ift nur Möglichkeit, Kraft ift die Aeußerung, wodurch das Mögliche fich als etwas Wirkliches beweiſen muß”). An dem Raume fein, oder ihn erfüllen, hielt Plato für fein Praͤdicat aler Dinge, fondern nur ber Erſcheinun⸗ gen. Hierin konnte er alfo das Merkmal der Wirklich⸗ keit nicht fegen. Nun war aber die Form der Zeit noch übrig, welche Plato nicht für .eine Form ber Sinnfichkeit hielt, die blos für Erfcheinungen gilt, und daher von größerm Umfange ift, ald der Kaum, Es fcheint baher auch wirklich fo, als wenn er das in der Zeit fein für bad Merkmal der Eriftenz gehalten habe *%). Allein es läßt fich doch nicht geradezu behaupten, daß er den De griff der Exiſtenz fo und nicht anderd beſtimmt habe. Es Bleibe noch ein Weg übrig, auf welchen. ſich der Begriff leichter wird finden laſſen. So wie das Wort Sein nicht nur Exiſtenz und Dafein bedeutet, ſondern auch den Inbegriff won Merkmalen, die in ben Begriff eines Objekts zuſam⸗ mengefaßt werden, ober das Reale anzeiget, . fo wird auch dad Wort uva und vera in diefer geboppelten Be⸗ deutung gebraucht. ovam iſt Realität, ber Jubegriff des Mealen in einem Objekt, oder das Wefen und Exi⸗ ‚fenz. Ale Dinge merben das, was fie find, durch die Tbeilnahme an den Im, das Heißt dadurch, daß fie bie ı 6) Sophifta &. 263. Are da * xy —* wa nung Herov duvapıy. SITE 8ı6 vo wem Örapon driny, weßun, sırE IE TO wadeıv may GLINGOTETEV ÜFE TU PRUAMTaTU, KEY 55 = vov ıdanaf, FE TUTO BVTac Eva. &%) Timaeus ©. 349. Parmeniles ©. 104. ae re o⸗⸗ uodaı Hndevog asrexe Xgeva, re were yayınan, ur yıya- ” vo, ur m WoTe, UTEYW Yyyaam, TE TE, ur 857, ur iirra yore, are yındyeru, ur ern Bi ww Be’ 777. 78 vn HITREXE MANN NETR TETEN ”;. (d. i. ia ber Zeit ©. 137.) Die Präbifate, welche in der Idee enthalten find, oder mit einem Worte das beſtimmte Wefen erhalten. Wenn wir und alfo ein Objekt denken, mit dem bag Wefen vers. bunden worden ift, ſo fleflen wir ung ein wirkliches exie Rirendes Ding vor. Wirklichkeit ift alfo nichts an ders als die Realitaͤt, infofern fie als einem Dinge gegeben (d.h. nicht meher-in abftracto, fondern in conereto außer ber Vorſtellung) gedacht wird °). Diefer Begriff laͤßt ſich dadurch rechtfertigen, daß er mirklich alles Daſeyn der Dinge von dem Guten, b. h. Son ber Gottheit ableitet *%). Die Wirklichkeic beſtehet aifo in der Realitaͤt, die einem Dinge mitgerheilt wor . den if; und man fann fagen, bie Wirklichkeit in abfirer eto ift die Realität außer ber Yber oder Borfielung: Aus Biefem Begriff Laffen ſich aun auch die obigen Merfmalg ber Exiſtenz herleiten, zum wenigſten miberfprechen fig ihm nicht. . J Entſtehen Heiße Wirklichkeit bekommen; Werge⸗ hen Wirklichkeit verlieren ”). . Boom Begriff der Zeit. ANe Geſchichtſchreiber der Philoſophie behaupten, Plato fei der einzige Philofoph des Alterthums geweſen, 15. dee 65) Außer den oben angefäßrten Stellen führe ich bier nur noch einige an: Republica VI. ©. 120. res yoyvacze- HEvaig IN. KEvov TO Yoysacnıcdy Öwe Tu ayadn waguvon, MAR 0 TO BIVRE TE NUTEV URIEV ÜR” axlına auro wog- sıva. Parmenides ©. 105. 66) de Republica Vi. ©. 120. Unſere Erflärung bekomme auch dadurd) eine siene Befätigung , daB er die Dekade theile der Seele, die ihr Weſen auömahen, mit zen, das ik einen Objekt, verbinden läßt, wodurch die Seele erf ein wirklich erikirenbes Ding wich. Timacus €. 22. 67) Parmenides ®. 136. ra dy wem nerarnsußauı — yıydap 70 BEMAARTTET DEE mm EEOAAIAL- N — 314 — ber die Zeit habe entfichen- laffen, ba hingegen andere Philoſophen bie Ewigkeit derfelben behaupteten * Es ft wahr, man finder dieſes wirklich: den Worten nach in dem Timaͤus; allein es laͤßt fich leicht darthun, daß Plato diefes nur von der Zejt in einem getoiffen Sinne, und nicht überhaupt annehmen konnte: Denn für das erfte redet Plato nur von ber fucceffiven Reihe ber Tage - and Nächte, der Monate und Jahre, welche burch bie ‚ Bersegung ber Planeten beſtinnnt wird. In dieſer Nück« ficht muß die Platonifche Erklaͤrung der Zeit, fie fei das Maaß der Bewegung des Himmels, der Sonne und des Mondes, verftanden werden ®).: Allein dieſe Bedeu⸗ tung erfchöpft nicht ben Umfang bed Begriffe, In welchen: er bei dem Plato gebraucht wird. Er fpricht von Bors ſtellungen, die auf einander: folgen, von Veraͤnderun⸗ gen, wo ber eine Zufland anfängt zu fein, und dann ein anderer folgt, und bag zwar in ber Zeit. Er muß ale Die Zeit überhaupt als dasjenige gedacht haben, worin ‚etwas auf einander folge, wovon bie Folge der Tage, Monate u. f. w. nur eine Art, aber nicht die Gattung iR”). Zweitens. Die Zeit wird in dem Timdus nur als ein entfiandenes Bild des Aeons vorgeſtellt. Das Wort av aber bedeutet: ſelbſt ſchon Zeit, und zwar bie unendliche Zeit, bie feinen Anfang und fein Ende Hat; nur mie dem. Zufaß, daß in biefer unendlichen Zeit Din⸗ ge an fich find, die ohue ale Veränderung gebacht wer ⸗ 68) Ariftoteles Phyficor. IX. e. 1. Diogenes III,73- Pia- tarchus Phyficor. Decretor: I, 22. Stobaeus Eclog. 1. j e. 9. Timaeus &, 317. . 69) Definit. ©. 287. xeoves, WA uuyeu, Mereev Dopar. Plutarch. I. e. are uguru nes, daran ng Tu agp æevius 005. 90) Gorgias ©. 108. yux Aus ruro (Avrunmor Zaıpem) yıyverıy, NAT TO auroy TOR Mau Xpavav, SITE JuXuc are empare; Auicı,; Parmenides ©. 136, Thesetet. ©: 154- ben 7). Das Acou kann man fich als eine unendliche Dauer vorſtellen, in welcher ein Ding ohne Veränderung . aus einem Punkt in ben andern unaufhoͤrlich übergehet. Die erfchaffene (empirifehe) Zeit, das Bild jener, iſt eine unaufbhdrliche Reihe von Bewegungen und Veraͤn⸗ berungen, welche bie Planeten nach beftimmten unveraͤn⸗ Derlichen Perioden durchlaufen. Daher nenne er es ein bewegliches Bild ber ewigen Zeit. Es ift wahrfcheinlich, Haß diefes dem Beduͤrfniß fein Dafein zu danken Bat, welches die Sinnlichkeit noͤthiget, ein Bild anzunehmen, um an demfelben bie Srängenlofigfeit der Zeit anſchaulich zu machen. Diefes wird dadurch erreicht, daß man eine begrängte Reihe nimmt, dieman aber ind Unendliche Burchläuft. Ich glaube, man darf hieraus ohne Ueber⸗ eilung fließen, daß Plato nur bie empirifähe Zeit, nicht aber die unendliche Zeit hat entftehen laſſen. Hierdurch Hat Plato unſtreitig richtigere Begriffe über die Zeit vorbereitet, die wir auch bei dem Ariſtoteles ſchon finden. Einen beſtimmten Begriff ſucht man aber vergebens bei dem Plato, zum wenigſten in den vor uns liegenden Schriften, indem mit keinem Worte die Frage entſchiedben wird: mas denn eigentlich bie Zeit ft, ob etwas in dem Vorfiellungsvernidgen, ober etwas außer - demfelben, ob fie ein fubflflirendes ober inhaͤrirendes Ding 71) Timaeus ©. 317. nu u dans Quo (der Gattungsbe- griff eines lebenden Weſens) eruyzarıv von aumoc. mas TUTO av IN TO YEWNTO TRVTEANC KEOFATTEN , ux wu ÖVvaTen una S awıvebs KivyTrwv Ta aumvog wage XEXX Ka uęgarov, KOLtL, uevorreg wionog av vi, mar ’ ae) 77" GINYIOV EINEVa 5 TETOV OV dy YEOvey MVORANMILEN. Ariftoreles de Coelo J,9. To yag TiAo To waguuxe Tv 176 dnars Quuc Xeovov, 5 und tu xarz duo, mm dxası xenägren, Kara Tov aurev ds Aoyov Ko4 TE rarreę, WPAVE TIAOSKU TO ToV aura MEEBOV XPOvav Kor TUV MEESPIV RUPLIENOV TÄoc aıy ET, TO TU GBI BIVc BLANDUG TUV EREULAY, mare 777 due. Albini Ifagoge. c. 14. fr “ L} \ Ding fel, Nur zwei Behauptungen kann nian für Pla tonifch angeben. | | Erſtens. Die Zeit begieher fih nicht allein auf die Erfcheinungen, fondern auch auf die Dinge an ch; dahingegen fich der Raum blos auf Erfcheinungen eziehet. Daher nimmt auch Plato Accidenzen und Vers änderungen in dem Dinge an fih an ”). Alles Ewige, welches ein Merkmal der Dinge an fich if, ift in dem Platonifchen Syſteme, was zu aller Zeit iſt. Und dieß wird fogar auf bie Gottheit angewendet”). Man kann alfo daraus fchließen, daß bie Zeit eine Bedingung für alle. Dinge iſt. Zweitens. Inder Zeit iſt das Sein und das Wer⸗ den auf verfchlebene Weife beſtimmt. Sein heißt ein unveränderliches , allen Wechfel ausfihließendes Weſen haben. Inſofern das Sein einem Dinge zu⸗ kommt, durchläuft es unverändert eine Zeitfiele nach ber andern ohne Aufhdren;. und man fapn von einem " Dinge in jeder Zeitftele nur fagen , es ift, nicht es war eder wird fein. Werden beißt aber in der Zeit entſte⸗ ben; etwas fängt an und bdret auf. Dieſes kann nur von Veränderungen, Accidenzien gefagt werben. in Ding, welchem diefed Praͤdicat zufomme, iſt alſo in ber Zeit nur fo, baßan ihm in der einen Zeitftelle eine Be⸗ ſtimmung anfängt, die in der vorhergehenden nicht war, unb in der folgenden nicht fein wird. Ss ift alfo ih jedem Zeittheile anders; und man kaun nicht fagen, es iſt, weil die Seftimmungen mwechfeln, fondern es war, 72) de sepubl IX. S. a67. re vu as duon sxamer zur adayarıy nui MANFEING, NA MUTE TOT OV NS 0 TANTE YEYYoRSvoy, . 73) Definitiones ©, 287. aidıev ro zara zuıra Xpmer nn weoTegor av xai vov a Bseddagueven. x / ' & — 317 — / wir, ift getwefen und wird fein ’*). Dieſes ſtimnit T fehr gut mit den vorhin angegebenen Begriffen von dem Aeon und der ‚endlichen Zeit überein, Jenes iſt die un. endliche Reihe von der Dauer bed Beharrlichen, dieſe iſt die enbliche, aber ins Unendliche wiederholte Reihe der Beränderungen. | Alles das hat Plato nur mit wenigem beruͤhrt, da⸗ her auch manches dunkel iſt, und vielleicht auch bleiben wird. Das Ende der angeführten Stelle laͤßt aber dermuthen, daß er nicht den ganzen Inhalt feiner Spe- eulationen über bie ae feinen Schriften einverleiben wollte. Es find uns jezt noch einige Reflexionsbegriffe übrig, die aber in die Metaphyſik gehoͤren, weil Identitaͤt, Ver⸗ fehiedenheit u. ſ. w. in ber Platonifchen Philoſophie als Prädicate betrachtet werben, „welche ben Dingen: beiges legt werden. Es find Prädicate, weiche auf Vergleichung und Verhaͤltniſſen beruhen; Eigenſchaften, die einem Dinge nur im Ruͤckſicht eines andern beigelegt werden *). Dieſe Praͤdicate ſind: Identitaͤt, Verſchiedenheit, Aehn⸗ lichkeit, Unaͤhnlichkeit, Glelchheit, Ungleichheit. Identitaͤt, Einerleyheit (ravrov, raurerxc) kommt den Dingen zu, inſofern ſie eben denſelben Begriff, ( Merkmale); Verſchiedenheit (örseov, Iarıgor), infos fern fe nicht eben diefelben Dierfmale haben. Da dieſes 79, Timaeu⸗ ©. 317. ravra de warra mapoe Xeporu, naı Te, Ew, To T'esaı, Xoovs yıyavorag by, Qeperrsc Anydave- Kav amı ray aidıoy usıav, mr apdaic. Asyonev yap Iy oc m, 651 TE NEIL ESAI TU ÖE TO 8SI KOvOV, Kara Tov aAnIy Abyor, -WEOEWEEL. TO dB wu, 78, T ea, WE TV Xone Yırıchı wcav zesme Aryesdar, 78) Sophia ©. 278. rw or va nv, aura nad’ ausm, Ta de wgog mAra ası Aıyadaı, — ,318 — dieſes Verhältnißbegriffe find, ſo ſezt Identitaͤt fowobl als Verſchiedenheit zum wenigſten zwei Objekte voraus, welche verglichen werben ”). Gleichwohl ſagt man: Jedes Ding ift mit fich ſelbſt identiſch. (Diefe Schwie⸗ tigkeit laͤßt fich fo heben. Man ftellt füch bier ein Objekt durch einen fontherifchen und analytiſchen Begriff vor, zwiſchen beiden findet Identitaͤt ſtatt ).) Einheit und Identitaͤt find verſchieden. Deun Identitaͤt finder zwi⸗ ſchen verſchiedenen Objekten ſtatt, die alſo als verſchie⸗ bene Obijekte, wiewohl mit einerlei Praͤdicaten, gedacht werben 7). Aehnlichkeit (duoernc) kommt den Dingen zu, infos fern fie einerlei Prädicate, Beſtimmungen; Unähns lichkeit (wvonosorye), Infofern fie verſchiedene Praͤdicate und Beſtimmungen (-4900) haben ”). Gleichheit (vv) ik Identitaͤt des Maaßes; Uns aleichheit ift Verfchledenheit des Maaßes. Dinge ‚find alfo gleich), infofern bei ihnen einerlei Maaß (Quan⸗ titaͤt) ſtatt findet; ungleich, iInfofern dag Maaß verſchie⸗ den iſt, wo alfo das eine das Maaß mehr oder weniger _ mal m Das Ungleiche iſt entweder größer ober klei⸗ nee "Is . " Diefe® 76) Meno ©, 332. 333. 9 vavtoy wuyraxy wiss stm, envwig dyııa y, sarrs m aröpı, say Te su nam drang. Eury=- . phro ©. 11. Parmenides ©, 98. M- y7) Sophifta G. 277. 78) Parmenides ©. 99. 9x ümep vu dvoe Suse, arıy * xau TE TRUTE — ÖTI UN αν TUT yoryra TE Fi „de yıyvaraı; 79) de republ. IV, @.358. ap’ w, Sys raus am Ti: ago zu0 ltıclv TE NA GÄRTTOV, ayonosav TUyXavsı ov vayıy hi Tavrov ForoRyopevstas, y Onoser ; once, Parmenides ©. 100. ra rauro mu wire, dam. ©. 117. 80) Parmenides G. 101. sv mer ev, Tar aurem margin ru une, a a ic . — 39 — Diefes find die vorzäglichften ontologiſchen Praͤdi⸗ cafe, die bei dem Plato vorkommen. - Die Metaphpfif iſt die Wiffenfchaft von biefen Prädicaten, und dem Zus ſammenhang derfelben zu Beflimmung bes Wefeng ber Dinge. Die Hauptbebingung derſelben beftehet darin, Haß dieſes reine abgefonderte Begriffe find, die aber auf alle mdgliche Dinge angewendet werben Finnen, Denn Nur unter biefer Borausfegung kann die Vernunft mit fid) felbft einhellig fein. Man muß jedes Ding z. B ald Eins und Vieles denken, man fann ihm bie Präbicate der Aehnlichkeit und Unähnlichkeit beilegen. Wenn alfo die Einhelt fein reiner abgefonberter Begriff iſt, wenn fie hypoſtaſirt wird, wie biejenigen thun, welche bes haupten, alles iſt Eins; es exiſtirt nur bag Eins, fo kann es nicht als Vieles betrachtet werden. Denn das waͤre ein Widerſpruch. Dahingegen, wenn Einheit und Vielheit nur Begriffe find, fo laͤßt es Ach gar wohl den⸗ fen, wie ein und das nemliche Objekt ald Eins und Dies les gedacht. werben könne. Iſt die Bewegung Erifteng und Realitaͤt, fo giebt es nichts Beharrliches; ift dag Beharrliche bloß das Eriftirende, fo iſt die Bewegung ein Unding. Da dber- beides nach gefunden Menfchen« verftande in bie Meihe der erifticenden Dinge gehört, fo muß man den Begriff der Erifteng von allem Exiſtirenden trennen, und als abgefonvdert benfen. Dann läßterfih ſowohl mit der Ruhe als Bewegung verbinden ”) Im den 81) Parmenides G. 76. wie ya u dv arayın azedamı rıc, ra Kerıxam TU Srbc, nat TRUTR TaUTA, WOME, 70 TAT me Merexuv ar.’ db urn dv, ayse Turo wo awedufe,, nu au Ta #oAAa du dv, Ture ydy Iavumseumı. za mag Tv aA Av awavı8ly Uvausuc sıKav MITA TAGEN TE has my ν auroi ATIpaveı T' avarrıan TaUrm way Basxeın, akıov Jaunadın“ su da me dv rıc mwodufne ovra nu weAAG, TI Yaruasoı; G. 77. Sophiſta ©. 266. 67. uumem naı sa- en ap’ un WAVTWITara Asyaı MAANAOK, — Mg YA, — "Nas May eıyas ya Ömemg Gy: ajdoTıgu mura neu InaTıgr — On . — 320 — den Objekten muß freilich etwas fein, weswegen man ihnen dieſe Praͤdicate beilegen kann. Dieſes Haben fie dadurch erhalten, daß fie nach dieſen reinen Begriffen öder den Ideen find gebildet worden. Aber in keinem Objekte ift diefe Idee felbfl. Doch davon werben wir weiter unten zu handeln haben. | 09 Zweiter Abſchnitt. ‚ein Fragment der Platoniſchen Metaphufik, oder Philsſopheme über das Eine und Viele. j mars ift eind von den Geſpraͤchen des Pla⸗ 0, welches wegen ſeiner Dunkelheit von einigen ältern und neuern Auslegern mit einer Art von Ehrfurcht angeſtaunt wurde, weil fle es für dad Behaͤltniß der ‚ tiefften theologifchen Geheimniſſe betrachteten. Sie glaubten, daB Eine, weiches der Gegenſtand deſſelben iſt, fei dag erhabenfte Wefen, die Gottheit, und bie Dun⸗ kelheit des Dialogs fei eine Zolge von ber verborgenen Natur der Gottheit, von der es handele. Diefe Träus mereien einer erhijten Phantafe find durch die Bemů⸗ hungen derjenigen Männer (unter welchen Tiedemann obenan fichet) verſchwunden, die durch ihre Sprach⸗ kenntniſſe, geſunde Hermenevtif, unbefangenen Forſchungs⸗ geiſt und ihre nuͤchtetne Philoſophie im Stande waren, J dieſes Ga up mem nısude Asyem aberspe Xu ÜNETEREN, Üravamaseuyxgmepe; - wöapog.- AA ITavas Oyumme ASyan aura AutoTsEm Im, -- Manog, -- TEITOV EETIFALE TAUTATE wery vuxy —X& ac UX’ EXIVE TUV TE TadıU Na TI ne vuew map sXounm GvAMaßaev, x: amıdav mu weg TS TA HEIKE navenıny , ÜTRE CncH TEOTUEAG AHPETOER- — 329 — dieſes ſchaͤddare Denknal der griechlſchen Philofophie ' aus dem rechten Geſichtspunkt zu betrachten, Hierdurch iſt auf einmal die gange Wolke, die den Parmenides in eine Art don heiligem Dunkel huͤllte, jerfireuet, und mon fiehet num klar, daß er füch mit metaphyſtſchen Pros biemen beſchaͤftiget, nicht aber theologifche Geheimniffe vortraͤgt. | Die Philofophen vor bene Plato hatten aus Man? . gel eines abfraften Begriffes Bon dem &ein, Realitaͤt, Subſtanz und überhaupt eines Dinges oder Objefre maucherlei wiberfprechende Behauptungen über das 0b jektive Sein vorgetragen, @inige behaupteten, es eriftio ren nur Körper, ben Raum erfuͤllen ift das einzige Merk mal der Realitaͤt; andere hingegen erEldrten bie Körper für Schein, und hielten nur dag Gedachte für das Rea⸗ ie Die erſteren nahmen bald nur einen bald mehrere materielle Grundſtoffe an, aus welchen fie alle Körper entfichen ließen, und fie erklärten dag Reale bald für Beuer, bald für Luft, Gald für Waſſer, bald für Erde, oder für alles dieſes zuſammen genommen, Die Eleati⸗ Fer erblickten durch ihrenm Scharffinn den abſtrakten Be⸗ griff von dem Sein oder Realitaͤt zuerſt, aber noch in großer Ferne. Sie ſchloſſen foi Alles was iſt, iſt et⸗ was Reales, das NichtReale iſt nicht. Denn ein Ding, inſofern es iſt, iſt von einem andern, inſofern es iſt, nicht verſchieden. Alles, was iſt, iſt alfo, inſofern es iſt, Eins. Es giebt alſo nur ein Reales Gr ↄv“). Sie vermochten aber biefen abſtrakten Begriff, nicht feft zu halten, fie hypoſtaſtrten ibn, und dachten ſich (vorzuͤglich Parmenides) das Eine Reale als ine koͤrperliche Subſtanz. Das Univerſum in kugelrunder Geſtalt iſt das Reale, und dieſes Univerſum iſt Gott Alle dieſe Syſteme befriedigten den Plato nicht, Das Bewußtſein der Moralitaͤt und eine größere Des kanntſchaft mit den geifligen Wirkungen des Menfchen ſtanden im Widerfpruch mit dem Batetialisnius, Die a | Klar⸗ - % — 3823 bed 2 Maehelt-der ſtunlichen Erkenntniß widerſprach dem Spi⸗ ritualismus. Ueberzeugt von der Wirklichkeil des Ems fibelen und Intelligibelen konnte er den Charakter der Realitaͤt weder in dem Einen noch in dem andern ſetzen; fonbern er war gendthiget, das Reale in einem Vegrif zu denfen, unter dem beibes Tiehet. Hierdurch kam er auf den abftraften Begriff von Realitaͤt; ber von allem Realen (concreten) verfchleben ift, durch den alles mad IR (das Eoncrete) als real gedacht wird. Eben fo gieng es mit den Begriffen von Einheit und Bielhet, und allen andern. Diefe Begriffe, infofern fe von ab lem andern abgefondert (zwec), das iſt in abfrafto, jr gleich aber als Bedingungen der conereten Dinge gedacht werben, find feine Ideen '). Durch feine Analyfe des Begriffe eines Ding fan er anf den Satz, daß jedes Ding als Eins und Vieles muͤſſe gedacht werben, daß es nicht norhmendis fei, nur ein realed Ding anzunehmen, indem man mer sere Dinge ald Eins und Vieles denfen könne, dr nen ber Begriff der Realität zufomme,. Hiermit Rand das Eleatiſche Spftem im Widerſpruch. Plato untergoged daher einer firengern Prüfung. und zeigte erſtlich, daß des Nichtreale (um 0») nicht ganz undenfbar fei, zwar nid! als etwas, das ganz und gar nicht ift, aber doc als etwas, das von dem einen Realen verſchieden ſei; jet rend, wenn man fage, das Eine ift das Keale, ſo denß man fich ein Dbjeft, welchem Einheit und Nealität je fomme, beides feien alfo zwei verſchiedene Begriffe, nad alſo koͤnne dns Eine nicht ohne Vielheit (oder mehren Präbicate) gedacht werden; drittens, das Eine in kuge⸗ runder Geftalt werbe als ein Ganzes gedacht, das Gm ze aber ſei nicht ohne Theile, das Syſtem fei alfo ws derſprechend Denn wenn man auch bie Theile m | : ° ⁊ ) Sephiſte Saga — 5397 — Theile eines Ganzen denke, und alſo allen Theilen das Praͤditat der Einheit beilege, fo ſei boch deswegen dag Ganze, d. 5. alle Theile zuſammen genommen, nicht wirklich Find. Eins koͤnne nur gedacht werben ale et» was ohne Theile, ohne alles Mannichfaltige ). An dem Sophiſt, wo er fein Urtheil über bad Eleatiſche Syftemablegte, ſagt er, jedes Syſtem, indem entweder nur Eins oder nur Zwei reale Dinge angenonimen . würden, fei noch mit unzähligen andern Schwierigkeiten verwickelt, die er jegt nicht beruͤhren wolle ’)‘ -Diefe zu entwickeln, macht er in dem Parmenides zum Gegm ſtande. Dieſer Dialog beſtehet aus zwei Theilen, det Einleitung und ber eigentlichen Abhandlung über dad Eine und Biel. In ber Einleitung wird bie Veran⸗ laſſung zu dem Dialog erzähle. Parmenibes und Zeno waren, tie Plato fingirt, nach Athen gefommen. Gos krates wuͤnſchte Bekanntſchaft mit beiden Männern zu ma⸗ chen, und ging zu dem Pythodorus, wo fich beide auf hielten. Zend las ihnen eine Abhandlung vor, in ber .. er beiveifen wollte, baß es nicht viele reale Dinge ges " - ben könne, weil fonft daraus folgen wuͤrde, daß fie ähnlich und undhnlich fen müßten, welches ein Wider- - fpruch ſei. Dadurch fuchte er die Behauptung feined Lehrers, des Parmenides, Alles fei Eins, zu verthei⸗ digen. Man hatte aus dieſem Gage viele widerſpre⸗ chende und ungereimte Folgerungen entwickelt. Zend jeigte, det entgegengefegte Sag: Es find viele reale Dinge, ſei eben diefen und noch mehreren Widerſpruͤ⸗ & 2 chen 4) Sophifte &. as5s—äst. amupes I wärme Föyd alydug iv near Tav 0090 Aoyey wigicden. — werevdee vi vae ro or vv une mac, N TRAUBEN Ov Ca dv Pantreu, na wAsoın I Ta warna vos sta. 3) Sophifta ©. 158. za romey Kara jiugın kitsokitic drogta; dnarev Anhos Yavaırıy, va Te. ae due 1a, elta i⸗ over yo Asyartlı x — 337 — chen ausgeſezt ). Sokrates bemierkt hierauf, daß Achn⸗ Uchkeit und Unaͤhnlichkeit abſtrakte Begriffe find, welche auf Individuen und concrete Dinge angewendet werden, daß man Dinge ähnlich und unaͤhnlich nennt, inſofern ihnen beide Begriffe zukommen. Es iſt alfo kein Biber fpruch, wenn man ein und bad nemliche Ding aͤhnlich und unähnlich nennt; Widerſpruch aiſt nur dann, wenn man bie abflraften Begriffe mit einander verbindet, und fagt: das Achnliche au fich iſt unähnlich, und dad Un⸗ ähnliche an ſich ift ähnlich. Und eben fo fei es mit dm Begriffen Einheit und Vielheit "). Dieſes fuͤhret die Unterrebung natürlich auf die been, gegen welche Yarı menides viele Einwürfe macht. ublich räch er dem Sokrates noch mehr Uebung in der Logik an, und vor ziglich diefe, daß man jeden Sag und fein Gegentheil nicht nur an fih, fondern auch nach feinen Folgen be trachte. ME Probe einer folchen Uebung ſchlaͤgt ve die Unterſuchung über das Eine vor, welche in fol gende vier Fragen aufgeloͤßt wird. Was folgt, wet man annimmt, es iſt nicht nur ein Reales, (eine Sub flanz) oder ein folches reales Eins if nicher Wat folgt, wenn man annimmt, es giebt viele reale Dinge (viele Subflangen, zer), oder es giebt micht viel reale Dinge 92 Die Ubficht des Plato iſt, ben Parmenides durch ſich ſelbſt zu widerlegen. Den Beweis des Zeno, daß es nicht viele Subſtanzen geben koͤnne, widerlegte er durch ſeine Ideen. Bei dieſer Gelegenheit erwaͤhnt er einiget Einwuͤrfe, die gegen ſeine Ideenlehre waren gemacht worden. Wir haben ſchon oben davon gehandelt. Die eigentliche Behauptung des Parmenides wird num bahn) 4) Parmetides &.73—}. 5) Parmenides ©. 76, 79, 6) Parmenides ©. wog ° = um 325 — wiberlegt, daß tr zeigt 1) Wenn das Cine wirklich hypoſtaſirt wird, fo kann es gar nicht gedacht tverden, inſofern es als Eins, das alles Mannichfaltige aus» ſchließt, ſoll gedacht werden. 2) Soll es aber wirklich gedacht werden, ſo muß es durch Praͤdicate geſchehen. Und da kommen ihm widerſprechende Praͤdicate zu. 3) Wenn es viele reale Subſtanzen giebt, fo muͤſſen fie an der Einheit Theil nehmen, oder fie Haben ganz und gar feine Realitdt. 4) Es kommen ihnen entgegengefejte Praͤdicate zu, man mag Bag Eine als wirllich oder nice wirklich denken. Man darf in dieſem Dialog die einzelnen Saͤtze we⸗ ber für Parmenidiſch noch Platoniſch halten. Don Parmenides nahm Plato nur ben Hauptfag, und ent- wickelte daraus bie Zolgefäge nach den Principien feiner: Dhilofophie, indem er unterfichte, was für Begriffe mit dem Einen oder Vielen verbunden oder nicht vera bunden werben fönnen, in der Bedeutung, wie Par- menides fi) das Eins und Vieles bachte, d. als Sub⸗ ſtanzen, und zwar in dem Raume. Daher kommt z.B. die Behauptung: alles was iſt, muß irgendwo im Raus me ſein, welche nach der Platoniſchen Philoſophie falſch iſt. An die oben angedeuteten Saͤtze ſchließt Plato aus der Fuͤlle ſeines philoſophiſchen Geiſtes eine Menge von metaphyſiſchen Saͤtzen und Begriffen, durch welche ei⸗ | gentlich disfer Dialog Intereſſe auch für und erhält. In dieſer Ruͤckſicht hielt ich es nicht für ungmeckmäßig, wenn ich Die Ueberfegung bed Haupttheils defielden als einen Anhang auf den erfien Abſchnitt der Metaphyſik "folgen ließ. Da aber die dialogifche Form bier nichts wefente liches ift, fondern unbeſchadet des Inhalte wegfallen kann, fo habe ich mir Die Sreihelt genommen, die Une terfuchung in einem fortzuführen, ohne ſie durch die Une terredung unterbrechen gu laſſen, damit fie durch die im Dialog unvermeidlichen Wiederholungen nicht zu viel € 3 Raum N Kaum wegnaͤhme. Es iſt alfo eigentlich mehr ein Aus⸗ zug als eine Ueberſetzung zu nennen, s . I. Wenn es nur Eing (ein Reales) giebt, fo if in bemfelben Feine Vielheit. Folglich hat es Feine Theile und ift fein Ganzes. Denn ein Theil if nur ein Theil eines Ganzen, und ein Ganzes laͤßt ſich nicht anders den⸗ fen, als daß Fein Theil fehle» Ju beiden Faͤllen wäre alfo das Eins nicht ohne Theile, und alfo eine Viel⸗ + heit ). | > Wenn bag Eins feine Sheile bat, fo bat es weber einen Anfang (der Ausdehnung), noch ein Ende, noch eine Mitte Was einen Anfang und ein Ende bat, if begraͤnzt. Alſo if dag Eins graͤnzenlos (sro). Es muß alfo auch ohne Figur fein, denn es kann weder ges rade noch rund fein. Rund ift, wo die äußerften Punkte gleich weit von dem Mittelpunft abfichen; Gerade, wo der Mittelpunkt ben dußerfien Graͤnzen gegenüber if. Das Eins fann alfo weber gerade noch frumm, und muß alfo ohne Sigur fein ®). Das Eins kann in keinem Orte (Raume) fein, weder in fich felbit noch in einem andern. Daß legte nicht, denn da müßte es eingefchloffen fein, und das andere m vielen Punften berühren; nicht das erſte, denn da muͤßte es etwas Anders fein, infofern es fich einſchließt, und etwas Anders, inſofern es von ſich ein⸗ geſchloſſen wird ). Daraus folgt, daß das Eine weder Veraͤnderung leiden noch in Ruhe fein kann (zwecda, irarar). Die Veraͤnderung iſt von doppelter Art; Veränderung bee Dort, 7) Parmenides &. 94. - 8) Ebenbaf. ©. 95. 9) Ebendaſj. ©. 2 \ ner 327 — | Orts, und Veränderung ber Qualität. . Die Teste iſt von dem Eins augsgefchloffen, denn fonfl würde es nicht ‚mehr Eins fein. Die Veränderung des Orts, Bewe⸗ gung iſt von geboppelter Art. Es bewegt fi Etwas entweder fo, daß «8 feinen Dre nicht verläßt, kreisfoͤr⸗ mig, ober fo, daß es aus einem Ort in ben andern über» gehet. In dem erften Falle muß es auf feinem Mittels punkte ruhen, und Theile haben, welche fih um dem Mittelpunfe bewegen. Diefes findet alfo bei dem. Eins nicht flatt. In dem zweiten all wechſelt e8 feinen Dre (zugav, ausıpov), das heißt, es iſt jest an dieſem Orte, und iſt bernach an einem andern. Da aber das Eins an feinem Drte ift, fo kann ed an feinen kommen. Denn wenn es in dem einen Raume iſt, fo fann es noch nicht ih dem anbern fein, aber auch nicht ganz außer demſel⸗ ben, Indem es in benfelben übergehet. Diefes kann alfo nur bei einem gufammengefesten Dinge flatt finden, wo ‚einige Theile in dentfelben, und andere außer bemfelben Raume find. Das Eins kann ſich alfo nicht bewegen. Es ift alfo unbeweglich (zur). Da es aber in kei⸗ nem Drte ift, fo kann es auch nicht m einerki Orte fein. Es kann alfo nicht ruhen ). Bei dem Eins laͤßt fich meber Identitaͤt noch Vers ſchiedenheit, weder in Rückficht auf fich ſelbſt noch in Ruͤckſicht auf Etwas anderes benfen. Wäre ed mit el⸗ nem anbern identiſch, ober von fich felbft verfchjeden, ſo wäre es nicht mehr Eind. Da es Eins if, welhegalle Verſchiedenheit ausfchlicht, fo kann es auch nicht von einem andern Dinge. verfchieben fein (das Eins barf durch fein anderes Prädicat gedacht werden, als durch die Einheit). Mit ſich felbft kann es auch nicht identifch fein. Denn Einheit und Identitaͤt (rauroy) find ver⸗ fegiedene Präbdicate. . Wenn Identitaͤt vielen Dingen bei⸗ | 4 on gelegt 10) Parmenides ©. 96—98. F — 328 — gelegt wird, ſo muͤſſen es mehrere Objekte ſein, und nicht Eins. Dieſes wuͤrde aber nicht fein, wenn Identitaͤt und Einheit nicht verſchieden wären. Dem Einen kann alfo Identitaͤt nicht zufommıen, weil es ſonſt burd) ge | neues Praͤdicat, und alſo nicht als Eins gedacht wuͤr⸗ de "). Was Einerlei Präbicate bat (vavrev werde), if ahnlich: was verfchiedene Prädicate hat, if unähn - fih. Wenn alfo das Kind weder identifch noch ver⸗ fchieden: it fo kann es auch weder ähnlich noch uunaͤhn⸗ lich fein '9. Das Eins ift ſowohl fich felbft als einem andern Dinge weber gleich noch ungleich (av, aus). Gleich ift, was einerlei Maaß (Duantitdt) bat, ungleich, mas ein Eleinereß ober groͤßeres Maaß bat. Diefe Präbicate Laffen fich nicht ohne Theile und ohne Identitaͤt und Ver⸗ fchiedenheit denfen. Da biefe aber dem Eins nicht zu⸗ fommen, fe kann es auch eben fo wenig gleich als un gleich fein 9). Das Eins hat weder gleiche Dauer mit einen an bern, noch iſt es Alter ober jünger. Denn biefe 3% weiſe find nichts anders als Gleichheit und Ungleichheit der Zeit. Und da bdiefe dem Eins nicht zukommen, ſo koͤnnen ihm auch dieſe nicht beigelegt werben. Es kanr auch überhaupt nicht in der Zeit fein. Denn was is der Zeit it, muß immer älter, und wenn das, auch immer jünger werden. Denn das Alter iſt nicht an ders als der Gegenfaß (Aupogerw) ber Jugend. Ye dt ter alfo etwas wird. deſto jüngerer muß es geweſen ſein. Aber mpoleich kann es weber eine groͤßere noch kltinere Zeit er, ©. 98. 99. 100. AR ja ar und: (wenn Ihm ein Praͤdicat wukommt) zwei ru dv ur, ve iv man ar uαα werd, 4 8. 22) ©. 100. 23) ©. 100. 10%, t Zeit geweſen oder geworben fein, als es iſt (Plate meint bier die abfolute Dauer, die man ſich als eine Li nie vorſtellen kann, welche ein Ding nad) und nach burche laͤuft, undfo älter und jünger wird ; während dem bleibe aber die Dauer fich felbft immer gleich, wenn man ben Theil der Linie, den «8 durchlaufen hat, mit demjenigen zuſammenſezt, den ed noch durchlaufen wird). Da nun dieſes bei dem King nicht ſtatt findet, fo ift es auch ai in der Zeit '). Da es nicht in ber Zeit iſt, fo iſt es weder in. der gegenwärtigen, noch fünftigen, noch vergangenen Zeit, und man kann von ihm meberfagen, «8 ift, noch es war, noch es wird fein. Dieſes find die einzigen Zeitbebins gungen, unter welchen man das Dafein eined Dinges denken kann. Alſo bat bag Eins fein Dafein, feine. Mirklichkeit. Einem Dinge, das nicht ift, komme fein einziges Praͤdicat zu, alfo weder ein Nahme noch ein ob» jeftives Wefen, noch Erfennbarkeit, noch Vorſtellbar⸗ feit ”). u. Dieſes Nefultat ftreitet mit unferer Vorausſetzung? Henn unfere Frage war: was folgt, wenn das Eins iſt? Wir nehmen alfo'an: das Eins iſt. Diefes kann aber nicht anders gefcheben, als daß wir ihm das Praͤdicat ber Wirklichkeit, Eriſtenz (ue«) beilegen. Das Pra⸗ dicat der Wirklichkeit iſt aber verſchieden von der Einheit. Denn ſonſt wuͤrde der Satz, Eins iſt, ſo viel ſein, als Eins iſt Eins, *) | es Mir 14) 8 ı08. 103. 15) ©. 104, .) S}ıo5. unuv ua) uqre, Tu dvos sıyan, u raUro der ru dv u yap a uxug n cusνν Sea’ U av axaıvo Te iy Bnag peruge MA duo au u Asyan dv va en Sal dv, dr. — 330 — Mir denken ung alſo das Eins mit ber Exiſtenz als ein exiſtirendes Eins (v m), folglich als ein Gan⸗ zes, deſſen Theile Einheit und Wirklichkeit ind. (Un- ter Theilen verftchet Plato überhaupt Mannichfaltigfeie. Ein Praͤdikat mit den Subjekt verbunden ift alfo fchon ein Theil. Wenn die daraus abgeleiteten Folgeſaͤtze richtig gefchloffen fein füllen, fomuß man ein ausgebehne . 668 Sanze fich babei denken). Jeder Theil muß niche allein als Theil, fondern auch als Theil eines Ganzen betrachtet werden... Das Ganze ift Eins, das Theile bat, Jeder von den Theilen muß wieder ald ein Gan- zes betrachtet werden, dem Einheit und Wirklich⸗ keit zukommt, weil beide nad) ber Vorausfegung zu- fammen gehoͤren. Dieſes gehet ind Unendliche fe for. Das esiftirende Eins iſt alfo eine unend- ‚ liche Vielheit. Wenn wir aber das Eins ab⸗ gefondere von der Mirklichfeit in dem Verſtande (in der Idee) deuken, fo iſt es nicht Vieles, fondern - Eine: ”. - Einheit und Wirklichkeit. find verſchieden. Das Eins ift aber von der Wirklichfeit nicht dadurch, daß es Eing ift, noch die Wirklichkeit von dem Eins burch das Sein verfchieden, fondern dadurch daß jedes etwas an⸗ ‚ders ift, als das Andere. Berfchiedenheit if alfo niche identifch mit der Einheit und der Wirklichkeit. Einheit, irklichfeit, Verſchiedenheit ind alfo drei Dinge, und jedes derſelben it Eind. Wenn man zwei von biefen ver⸗ Bindet, und das dritte Eins hinzuſezt, fo ift bie Summe allezeit drei. Drei iſt eine ungerabe, zwei eine gerabe Zahl. Wo die Zahl Zwei iſt, fo iſt auch zweimal, benn Zwei iſt fo viel als zweimal Eins, und wo die Zahl Drei ift, da muß auch dreimal fein. Alſo muß anch ameimal zwei und drei, und dreimal drei und zwei fein. | Und 7) S. 109-107, — 331 „- Und fo fort. Wenn alfo das Eine iſt, fo muß ihm ehte Zahl zukommen; und wenn es eine Zahl iſt, fo iſt es Viel⸗ heit und unendliche Vielheit. Dem Eins und jedem der unendlichen Theile muß Wirklichkeit zukommen '*). Es giebt alfo eine Vielheit des Wirklichen (Realen, user). Es iſt nemlich fo vielmal, ale es Theile deffelben giebt. Nun muß aber jeber Theil auch wieder wirklich fein. Dies kann er nicht, wenn e8 nicht ein Theil ifl. Alfo kommt jedem Theile wieder Einheit zu. Das exiſti⸗ sende Eins kann aber nicht vielmal ein Ganzes fein, ſon⸗ bern nur einmal. Es iſt alfo ein Sanzes, das aus The len beſtehet (suusesusen). Es heſtehet aus chen fo viel Theilen ald dag Wirkliche (m), und bag Wirkliche aus eben fo viel Theilen al8 das Eind. Denn .bei jebent Theil werden die nemlichen Prädicate Einheit und Wirke lichkeit wieder angetroffen. Alfo befichet das Eins ſelbſt aus unendlichen Theilen. ’”). Diefed Eins, infofern ed ein Ganzes if, das aus Theilen beftehet, muß begränzt fein. Denn das Ganze enthält die Theile; was etwas anders enthält, iſt eine SGraͤnze. — Es muß einen Anfang, Ende und Mits telpunkt Haben, denn ohne dieſes laͤßt fich ein (ausge- dehntes) Ganze nicht denken. Dee Mittelpunft ifl von ben Graͤnzen gleich weit entfernt. Dem Eind muß alfo auch eine Figur, entweder eine gerabe oder krumme, ober aus Beiden gemifchte, zukommen 9 Wenn dieſes iſt, ſo muß es in ſich ſelbſt, und in einem Andern fein, Alle Theile find in dem Ganzen, außer demſelben iſt kein Theil. Das Ganze enthaͤlt alſo alle Theile. Alle Theile zuſammen machen das Ganze, das Eins aus; das Eins iſt die Summe aller Theile. Alſo iſt das Eine in dem Einen, in fish ſelbſt. — u da 18) &. 107 — 109. 19) ©. 110. zır, 20) ©. 15, — das Sanze Hk nicht in den Thellen, weber in einem noch in allen. - Wenn es aber nirgendswo ift, fo iſt ed gar nicht. Es muß alfo in irgend einem andern fein. Inſofern 48 alfo ein Ganzes iſt, iſt es in einem andern; infofern «8 gleich ift allen feinen Theilen, ift es in fich felbR ”")- Das Eins muß in Ruhe und in Bewegung fein. Was ruhet, iſt immer in bem nemlichen Drte. Das Eins ift aber'in fich ſelbſt, und zwar in dem Einen ımb nemlichen. Inſofern es aber nicht in dem Einen iſt, IR :<8 immer in einem anbern ; es ruhet alſo nicht, ſondern bewegt ſich *) Es muß mit ſich ſelbſt und andern identifch, und von ſich und andern verfchieden fein. Wenn wir ein Ding mit dem andern verglächen, fo muß es fich ver⸗ halten entweder als identifch, ober als verfchieden; ober wenn das. nicht ift, fo muß es fich entweder als heil zum Ganzen, ober als Ganzes zum Theil verhalten. (Sin Sag, der, two ich ihn andere verfiche, nicht rich- tig ausgedruͤckt it). Das Eins verhaͤlt fich zu fich ſelbſt weder wie ein Theil, ‚noch wie das Ganze, es iſt nicht von fich felbft verſchieden. Alſo iſt es mit ſich ſelbſt iden- tiſch. Zweitens ba es jugleich in ſich ſelbſt und in einem endern iſt, fo muß es von ſich ſelbſt verſchieden fein (d. i. in anderer Ruͤckſicht in ſich ſelbſt, in anderer in einen dndern fein). Drittend. Was nicht Eine ift, if von dem Eins verfchieden; und dag Eins ift alfo von allen andern Dingen, bie nicht Eins find, verfchieben. Viertens. Das Ydentifche und dag Berfchiedene find ein» ander entgegengefegt. Das Verfchiedene kann alfo nicht in dem Sdentifchen, und das Identiſche nicht in dem Verſchiebenen fen. Wenn alfo das Derfchiebene nie mals in dem Idenliſchen ift, fo ift kein Ding irgend eine Zeit in dem, worin das Verfchledene If; denn wenn es uur einige Zeit darin wäre, fo waͤre fo lange das Ver⸗ | ſchie⸗ 21) ©. 112. 113. 22) ©. 113. 114. ı — 333 — fchlebene in eben demſelhen. Da alſo das Verſchiedene niemals in eben demſelben iſt, ſo iſt es auch nicht in dem MWirklihen, : Folglich kann das Verſchiedene weder in dem Einen, noch in den von dem Einem verſchiedenen Dingen fein. Das Eine iſt alſo eben fo wenig von den entgegengefesten Dingen, als diefe von bem Einem durch die Verſchiedenheit (die in ihnen nicht iſt) verfchieben; und alle andere Dinge, die nicht Eins ſind, ſind aus demſel⸗ ben Grunde nicht verſchieden. — Die Dinge, die nicht Eins find, haben keinen Antheil an ber Einheit, denn ſonſt waͤren fie ſelbſt Eins. Es findet alſo bei ihnen feine Zahl (Einheit und Vielheit) ſtatt, fie find weder Theile des Einen, noch bag Eine ein Theil biefer Dinge: "Mach dem obigen Srundfag muß alfo dag Eins mit den; Dingen, die nicht Eins find, identiſch fein *). Das Eine ift ähnlich und unaͤhnlich fich ſelbſt und andern. Das Eins iſt von den andern, und die andern Dinge von dem Eine verfchieben, und zwar keins mehr noch weniger. Alfo auf ähnliche Weife (um), Alſo kommt ihnen einerlet Prädicat anf ähnliche Weife zu, fie - find ähnlich, — Identitaͤt und Verfchiedenheit kommen ſowohl dem Einen als den andern Dingen zu. Identi⸗ taͤt und Derfchiedenheit find einander entgegengefejt, fo wie Achnlichfeit and Unäpnlichkeit. Da fienm nach der Verſchiedenheit ähnlich waren, fo müffen fie nach der Identitaͤt undhnlic) fein. — Ein anderer Beweis. In⸗ fofern ihnen Identitaͤt zukommt, haben fie Feine andern Praͤdicate, alfo find flenicht unähnlich, alfo ähnlich ; info» fern ihnen Berfchiebenheit zukommt, haben fie verfchiedene Praͤdicate, alfo find fie nicht ähnlich, folglich unaͤhn⸗ ih. Da nun Identitaͤt fomohl dem Einem ald den an⸗ dern zukommt, ſo muͤſſen flein beiderlei Beziehungen aͤhn⸗ lich und unaͤhnlich fein ). 5 : UT 23) ©. 14-117. 04) ©. 17119, — — 434 — Das Eins muß ſich und andere Dinge betuͤhren, und wieder nicht beruͤhren. Denn es iſt in ſich ſelbſt und in andern, und berührt dort fich ſelbſt, und Hier die - - andern Dinge. Das Ztocite wird fo gefolgert. Daß, was ein anderes berühren foll, muß mic demfelben in eis mer Reihe liegen, und den. nächflen Raum von bem ein nehmen, im welchem bag zu Beruͤhrende iſt. Wenn dieſes auch bei dem Eins ſtatt finden fol, fo müßte es nicht Eins, fondern wenigſtens Zwei fein. Das fich ſelbſt beruͤhren und die Einheit widerfprechen alfo ein⸗ ander. — Wenn Berührung flaft finden fol, fo wmuͤſſen zum wenigſten zwei fein, bie einander berühren. Sind es dreie, fo giebt es zwei Beruͤhrungen. So viel es alſo Dinge giebt, fo viel giebt ed auch Berührungen weniger Eind. Da alfo die Dinge, die nicht Eine find, auch feinen Antheil an ber Einheit nach einer anderh Zahl baben, fo find fie auch mit dem Eins nicht zwei, und können alfo aud) das Eins nicht berühren 9). Das Eine ift fich und andern gleich und ungleich. Die Gleichheit und Ungleichheit, welche dem Einen oder dem Andern sufommt, ift Feine Solge von bein, daß bag Eins ing, oder die andern Dinge nicht Eins find, fon dern es muß ihnen außer dem entweder Gleichheit oder Ungleichheig zufommen.. Große und Kleinheit find zwei Begriffe und zwar Entgegengefeste. Wenn die Kleinheit alfo dem Einem zukommt, fo muß fle entweder in einem Theil, oder in dem Ganzen fein. Wenn das lezte, ſo iſt fie entweder in dem Ganzen gleich verbreitet — ober fie umfaßt das Ganze; in jenem Fall wäre bie Kleiuheit fish felbft gleich, in diefem groͤßer als fie ſelbſt iſt. Die fes ift alfo unmoͤglich. Aber fie faun auch nicht in den Kheilen fein, zum wenigſten nicht in allen, denn es folgte ebein dieſer Dherſpruch Es iſt alſo nichts klein als bie 35) G. 126-122. | , k — 335 — die Kleinheit ſelbſt, und nichts groß, als die Graͤße ſelbſt; Groͤßer und Kleiner fein findet nur zwiſchen dieſen beiden und ſonſt nirgends ſtatt. Da nun dem Einem und den andern Dingen weder Groͤße noch Kleinheit zukommen kann, fo find fie einander gleich. — Das Eins iſt in fich ſelbſt als dem Ganzen enthalten. Sinfofern das Eins ſich ſelbſt umſchließt, iſt ed größer; infofern ed umfchlofe fen wird, iſt eg Kleiner. Alſo if das Eins größer und kleiner. — Alles was if, muß irgendwo fein. Mas in einem if, If Heiner, als das, in bem es iſt. Da nun außer dem Einem und den andern Din« gen, dienicht Fine find, nichts ift, fo muß das Eins in den andern, und bie andern in bem Eins fein. In⸗ fofern alfo das Eing In ben Andern iſt, ift es Pleiner, und die Aridern größer; infofern bie Andern in dem Einem _ find, find fie Eleiner, und das Eins größer. Inſofern Etwas groͤßer iſt, enthaͤlt es mehrmal einerlei Maaß, und hat mehrere Theile; inſofern es kleiner iſt, hat es einerlei Maaß wenigermal, und hat wenigere Theile. Dies findet alſo auch bei bem Einem und ben andern Dingen ſtatt ”°). Das Eins IR in der Zeit, es wird älter und jünger, in Rüdficht auf ſich und andere Dinge: es wird im Gegentheil weder Alter noch jünger. Sein heiße Wirklichkeit in der Zeit beſitzen. Das Eine it alfo, in⸗ fofern es ift, in der Zeit. Die Zeit fließt aber. Was ‚ in ber Zeit iſt, wird alfo immer aͤlter, folglich muß es auch immer jünger geroefen fein. Zweitens. Das Aelter⸗ werben ift nicht anders midglich, als durch den Uebergang aus der vergangenen Zeit in bie künftige. Mitten inne Hegt bie gegenwärtige, welche bag Eins nicht übergeben kann. Wenn das Eins aber, in die gegenwärtige Zeit kommt, fo wirb ed nicht, ſondern es Ift nun, was es geworden if; ed wird alfo nicht, fondern es iſt aͤlter. Die gegenwärtige Zeit iſt unendlich Alſo muß das Eins X v„ᷣ—yue a6) G. 122137. Dr — 336 — “ohne Aufhoͤren aͤlter und jünger werden, und aͤlter umd juͤnger ſein. Das Werden und das Sein iſt der Zeit nach gleich (die kuͤnftige und die gegenwaͤrtige Zeit; find bei⸗ de gleich unendlich). Was immer eine gleiche Zeit bat, hat ein gleiches Alter, und wird folglich we⸗ der Älter noch jünger. - Drittens. Die von bem Eins verſchiedenen Dinge muͤſſen mehrere fein, denn wenn nur ein Verſchiedenes wäre, fo wäre es End. ES it alfo bei ihnen Vielheit und eine größere Zahl, ale bei dem Einem. Bei einer Zahl entfichet das Weni⸗ gere zuerfi, das Mehrere] ſpaͤter. (Zahl ik Syn⸗ theſis von Einheiten). Die Einheit entſtehet alfo zuerſt. Das Eins ift alfo eher gemefen als die andern Dinge, und ift alfo Alter als die übrigen. Viertens. Das Eins be ſtehet aus Theilen, und hat folglich Anfang, Mitte und Ende. Wenn das Eins entfianden ift, fo muß alfo zuerſt ber Anfang und bann zulezt dad Ende entflanben fein. Alle übrigen Dinge find als Theile des Einen anzufehen, Das Eine und Ganze entfichet alfo zulest, und iſt jün- ger als die übrigen Dinge. Fuͤnftens. Der Anfang und Bag Ende, fo mie jeder Theil, iſt als ein Theil, ale Eins zu betrachten. Das Eins entſtand alfo mit dem erſten, dem zweiten Theile, umb fo fort big an bag En» de; folglich hat es einerlei Alter mit allen Theilen, und es ift eben fo wenig als die Dinge, die nicht Eins find, älter’ober jünger. Fuͤnftens muͤſſen wie unterfischen, wie ſich dad Älter und jünger werben benfen läßt. Wenn etwas äfter ift, als ein anderes, fo fann es niche auf eben die Weiſe älter werden. Deiinmwennman gu unglei« chen Zeiten eine gleiche hinzuſezt, fo bleibt die Differeng - Immeridie nemliche. Dasjwas ik, wird alſo weder aͤlter noch jünger als das exiſtirende; fondern es iſt, und iſt aͤlter and jünger geweſen, wie es vom Anfange an war. Auf dieſe Weife entſtehet alfo das jünger und älter werben nicht. Es iſt bewieſen worden, daß das Eins älter if als Die andern Dinge, und daß biefe älter find er — 337 — Eins. Was aber aͤlter iſt, muß eine laͤngere Zeit gewe⸗ ſen ſein, als etwas anders. Wenn wir zu ungleichen Zeiten eine gleiche Zeit hinzuſetzen, ſo iſt die groͤßere Zeit von ber kleinern nicht um einen gleichen, ſondern um ei⸗ nen Eleinern Theil verfchleben. Die urforüngliche Diff - renz des Alters wird alfo nicht immer bie nemliche blei⸗ ben ,. fondern immer Fleiner werben. Wenn alfo etwas von einem.andern einen Eleinern Abſtand bem Alter nach jat, ale vorher, fo muß es fünger werden, und das ndere diter. Das was vorher Älter wurbe, wird num ünger, und bag jüngere aͤlter. Man darf nicht fagen, 8 ift, fondern nur, ed wird. Denn bag eine wird im⸗ ner diter , das andere immer jünger, ohne Stillſtand. Infofern alfo die Zeit⸗Differen; zwiſchen dem Eins und ven andern Dingen gleich iR, wird weder das eine noch a8 andere jünger oder älter; infofern aber die Differenz ngleich iſt, wird weder das Eine diter als die andern inge, und biefe Alter als dag Eine ”). Da nun das Eins in ber Zeit ift, fo iſt es und sar und wird fein. Es kommen ihm Präbdicate. zu nach ‚en drei Zeitverhaͤltniſſen. Es iſt ein möglicher Gegen⸗ kand der Vorſtellung, Empfinduns und Wiſſenſchaft UL Wenn das Eine die le Bräbicat hat, welche wit bis⸗ er angegeben haben, ſo muß es nothwendig Eins und zieles, und weder Eins noch Vieles und in der Zeit in. Wirklichkelt muß ihm zukommen, inſofern es Cins t, und Nichtwirklichkeit, inſofern es nicht Eins iſt. — s iſt aber unmoͤglich, Wirklichkeit nicht zu beſitzen, enn etwas wirklich in— oder Wirklichkeit zu haben, wenn 47) S. HR. -28) ®. 238. 136. A: 9 — wi 338 wie wenn etwas nicht wirklich iſt. Es muß alſo bie gu ve; fehiedenen Zeiten ſtatt finden; und folglich muß es jud ner Zeit Wirklichkeit befommen, d. h. entfichen, anfen gen zu fein, und zu einer andern Wirklichkeit verliere, d. 5. vergeben, aufhören zu fein. Das Eins und Bio les muß ulfo anfangen und aufhoͤren zu fein. Ben es nemlich Eins wird, ‘fo hoͤrt es auf Vieles zu fen; und wen ed Vieles wird, fo hoͤrt es auf, Eins zu ſen Wenn es Eins und Bieles wird, fo muß es pufanm gefegt unb aufgeloͤßt werden; es muß fermer aͤhalich ud undbnlich werden, wachſen und zunehmen und lad werben, aus der Ruhe in Bewegung, und and der % wegung in Ruhe übergehen. — (Die wiberfprechenbe Praͤdicate, die dem Eins beigelegt wurden, hoͤren u daun anf widerfprechend zu fein, tem man anninı, daß fie dem Eins zu verfchiebenen Zeiten zukommen ”} Wenn das Eins aus ber Bewegung in die Koh and aus ber Ruhe in bie Bewegung uͤbergehet, - fo fan es nicht in der Zeit fein. Denn es ift Beine Zeit, und - "her es ich weder bewegte noch ruhete. Ohne Veraͤnlo rung faun es aber aus dem einen Zuflande in din e⸗ dern nicht uͤbergehen. Wenn toird es num veraͤndell Wenn es In Bewegung ift, kann es, fo lange ebadik nicht in Ruhe übergehen, noch aus der Ruhe, ſo lank ed darin iſt, zur Bewegung. Wenn es fich alſo vrir dert, fo muß es urploͤtzlich geſchehen, das iR, in fit Beit, und es muß zwiſchen den beiden toechfeinden De Aimmungen, fidy weder bewegen noch ruhen, dad i feines von Beiden fein; dann ift es aber im Feiner 2% Da diefed von allem Wechfel eutgegengeſezter Beſtimum⸗ gen gilt, fo if das Eins, wenn es merhfelt, v der Eins noch Vieles, weder aͤhnlich noch imdhald weder ‚groß noch kleinz es wird nicht zuſa 2) G. 136, 13m ° | ⸗ Y 19 — d —— ® Im: Wir kommen bat zur weiten Frage: Was für Be fommen den Diagm gu, die nicht Eins fit; und zwar erſtens an fich, zweitens unter der Woraudfes tzung, daß das Eins fei *y. Wenn es von dem Eins verſchiedene Dinge giebt, jo iſt das Eins nicht dieſe Dinge. Aber fie muͤſſen doch einigermaßen an der Einheit Theil nehmen. Denn Re müffen, wenn fle nicht Eins fein ſollen, Theile has ben. Theile laſſen fi nur an einem Ganzen denken. Ein Theil kann niche ein Theil vieler Dinge fein, ſondern 'ined Banzen ; denn fonft wäre e&entweber von fich ſelbſt in Theil, ober aller Übrigen, welches unmoͤglich if, Da 8 alfo nicht der Theil eines vom ben vielen if, fo iſt es Iberhaupt fein Theil der Vielen; fondern es muß, wenn 8 ein Theil if, ein Subjekt, ein Eins fein, welches wir as Ganze nennen, und welches alle Theile in fich faßt, wicht anfgelößt; 06 waͤcht nicht und niumſ Pr on bem ed. ein Theil iſt. Wenn alfo die übrigen Dinge ' | eheile haben, fb muͤſſen fie mit dem Einen und Sanjen Berbindung haben *). Die von dem Eins verſchiedenen Dinge muͤſſen alſo in vollſtaͤndiges Ganze ſeiu, das aus Theilen beſtehet. Ulein jeder Theil muß wieder als Eins betrachtet wer⸗ en. Denn wenn wir ihn von ben andern trennen, ſo | 92 | den⸗ Denken wie Ihn als ein für ſich beſtehendes Ding, welches ‚ wife Eins if. Doch muß es nur an der Einheit Theü “ nehmen (die Einheit muß'ein Prädicat von ihm fein), ſonſt wäre es das Eins ſelbſt. Alſo haben das Ganz und jeder einzelne Theil Antheil an dem Einem . Dennoch müflen fir eine Vielheit fein Denn wenn fie nicht die Einheit, und auch nicht Mehr als Eins find, fo And ſie gar nichts. Sie muͤſſen ferner eine uns endliche Vielheit fein. Dean wenn wir von ihmen aud) das Kleinſte in Gedanken weguchmen, fo muß es doch, weil ed nicht Eins ift, eine Vielheit fen. Und das ga bet ind Unendliche fort. Die Natur diefes Ganzen und aller Theile ift alfo an fich eine unendliche Mannichfaltig⸗ keit. So bald fie aber init der Einheit verbunden ge dacht werden, als.cin Ganzes, als ein Theil, fo find Pe nicht mehr unendlich, Tondern begraͤnzt. Die ven dem Eins verfchiedenen ‚Dinge find alfo unenblich us endlich, ſowohl als Ganzes und ale Theile... Inſofen ſowohl das Ganze und die Theile unendlich und endlich Rund, find fie ähnlich, wegen Identitaͤt der Präbicate; infofern fie aber beides zugleich find, Mind fie unaͤhnlich wegen Verſchiedenheit der Praͤdicate. Sie find alfe m Ruͤckſicht auf fich und andere einander Ähnlich und un⸗ ahnlich, in Bewegung und Nuhe v. ir unterſuchen nun, welche Praͤdicate den vre dem Eins verſchiedenen Dingen zukommen, wenn das Eins iſt. Dieſe Dinge muͤſſen von dem Eins getrennt fein, und das Eins von ihnen: Denn etwas anferbie feu beiden giebt e# nicht. Eins und was nicht Eins ik, Begreift alles in ſich. Es bleibt alſo nichts Übrig, ia . , . . web 33) ©. 140. 141. 4) & 141 -143. wm B4E ww welchens entweber das Eins, oder bie ven ben Sus ver⸗ ſchiedenen Dinge fein koͤnnten. Sie find alfo niche im ei⸗ nem und demſelben, und folglich getrennt. Das Eins ‚ Im firengen Siune bat feine helle. Das Eins iſt alfo weder ganz nach feinen Theilen uoch in ben andern Din gen. Dieſe Gaben alfo ganz und gar feinen Theil an bem Einen, mweber als Theil noch Ganzes. Alſo iſt ſchlech⸗ terdings keine Einheit m den andern Dingen. Daraus folgt aber auch, daß fle auch nicht viele . Dinge fein koͤnnen; denn fonft wären fie Theile eines Ganzen. ie find alfo weder Einheit noch Vielheit, toeder ein Ganzes noch Theile. Es finder bei ihren kei- ne Zahl flatt. Sie find weder ähnlich noch unähnlich, weder identiſch noch verfchieben, weder in Bewegung noch in Ruhe, weder größer unch Feiner u. ff. Aiſo wenn bad Eins ik, fo iſt alles Eins, und es iſt nichts ſowohl in Ruͤckſicht auf ih, als auch im Kuͤckſicht auf andere (Wenn bad Eins hypoſtafirt wire, ſo iſt gat uichts) ). VI. Jezt wollen wir vorausſetzen, bag Eins ſei nicht (i Bu ss). Der Sag, das Eine if nicht, ift dieſem, das Nicht Eins iſt wicht, kontradiktoriſch entgegengefejt. Wir treunen bier nur das Praͤdicat ber Realität (Wirk⸗ lichkeit) von dem Eins, dem alſo außer dieſem doch noch andere Praͤbdieate zukommen koͤnnen. Denn wenn wir - Jagen, das Eins iſt wicht, fo ſagen wir noch immer et⸗ was, das fi benfen, und von andern unterſchei-⸗ ben läßt. Denkhbarkeit uns Unserfchiebenfein von an- hern muß ihm alfo zufommen, Man fann von ihn fa gen, es iſt dieſes, es iſt jenes, es bat dieſe Praͤdicate 93 uf \ 33) ©. 144— 146. u. 342 —X u. ſ. w. Denn ohne das wuͤrde man nicht Etwas, fon bern Nichts denten *) Wir müffen diefem Eind, von bem teir bie Reali⸗ tät (Wirklichkeit) getrennte Gaben; Unähnlichkeit in Anſehung anderer Dinge beilegen; denn biefe find nicht bas Eins; aber auch Aehnlichkeit mit ſich (Ab; dem wäre es fi) unähnlich, fo wäre es nicht Eind. — G iſt andern Dingen niche gleich, teil es biefen fon ‚ähnlich fein würde. In biefer Rückficht kommt ihm in gleichheit zu, aber in Ruͤckſicht auf fich Gleichheit ”) Ob wir gleich von biefem Eins bie Realität abge fondert haben, fo muß fie ihm doch gewiffermaßen auch zukommen. Denn wenn bie Praͤdicate, bie wir ihm bei⸗ gelegt haben, ihm in ber Wahrheit zukommen, fo if etwas Reales. Es muß ihm Realitaͤt abgeſprochen wet⸗ ben, damit es nicht wirklich ſei (gu er); und flemuß ihm Beigelege werben, damit es ſei das Nichtwirkliche. Eben fo muͤſſen wir von dem Realen (⸗) das Nichtreale ptaͤ diciren, damit es in der That das Reale ſei. Das Re ale ſtehet in Verbindung mit ber Realitaͤt, damit es e⸗ was Reales ſei (ru una: 0), und mit dem Gegentheil ber Mealität (mu ueme), damit ed nicht fei etwas Nicht reales (vu na u 0). Das Nichtreale ſtehet In Ber "Bindung mit dem Gegentheil der Realitaͤt, bamls es et⸗ was nicht Reales ſei; mit der Realitaͤt aber, damit es ſei das nicht Reale (vu sm vu He) das heißt, wir kin nen dad Negative nicht anders denfen, als durch Reali⸗ ‚tät, durch Praͤdicate, bie wir vom demfelben trennen”). | Da alfo das Eins ſowohl iſt als nicht if, ſo muß es fich verändern, ſo wie jebes Ding; bei welchem bat fo und nicht fo angetroffen wird (3 ar Ira ra na: mu örut 4). Es muß alfo von dem Richtſein zum Sein, und | von z3) are 3 ©. 148: 14% 33) ©. 130 — 143 — von dieſem zum Nichtſein uͤbergehen. — Bewegung iſt auch eine Art von Bewegung. Da es nun, inſofern es nicht iſt, auch an keinem Orte iſt, ſo kann es nicht aus einem Orte in ben andern übergehen. Es kann fich ‚auch nicht um fich ſelbſt bewegen, meil es in keinem, al» fo auch nicht in einerlei Drte if. Das Eins kann fich auch nicht verändern feiner Aualitdt nach, denn fonft wuͤrde es nicht mehr Ein fein. Dieſes gilt ſowohl von dem wirklichen als nicht wirklichen. Eind. Alſo komme biefem Eins Bewegung und das Begentheil, Ruhe zu. Inſofern es in Ruhe iſt, iſt es unveränderlich ; infos fern es aber in Bewegung iſt, veraͤnderlich. Inſo⸗ fern es veraͤnderlich iſt, fängt es an und hoͤrt auf zu fein; inſofern es unveraͤnderlich iſt, fängt es nicht am and hoͤrt nicht auf zu fein ). Wir müffen wieder zu unferer Vorausſetzung zuruͤck⸗ sehen, um dieſes Reſultat zu prüfen. Wir fragten nemlich, was daraus folge, wenn das Eins nicht iſt. Unter dem Nichtſein verfichen wir Abweſenheit der Wirklichkeit (vera). Heißt dad fo viel, als es iR in gewiſſer Ruͤckſicht, und ift in anderer nicht; ober heiße es fo viel, «8 if abfolut (avauc) nicht? Wenn wir es in dem lezten Sinne nehmen, fo kann «8 weder bie Wirklichkeit haben noch befommen noch verlichren, da wir fie von bemfelben ganz unb gar ausgefchloffen haben. Das Entfichen, Vergehen, Bewegung, Ruhe, Größe, Kleinheit, Aehnlichkeit, Unähnlichfeit, kurz alle Praͤdi⸗ cate fallen weg. Alſo ift es Kein moͤglicher Gegen⸗ fand des Vorſtellens, Denkens und Erkennens ). VII. Wir fragen endlich, wenn das Eins nicht iſt, was fuͤr Praͤdicate kommen den andern Dingen Dur 94 d 39) ©. 151 — 13% 4) ©. 153— 155. — 344 — bie nicht Ens find? Dia es andere Dinge (aid dad Eins) fen follen, fo muͤſſen fie auch verſchieden fein verfchieden alfo von Etwas. Uber weiches IR das Er was? Das Eins nicht , denm beffen Mirflichheit Haben wir aufgehoben. Alſo nrüfen fie von einander, und be Diefe abgefendert von ber Einheit, nichts anders als WVielheit ſind, der Wielheit mach verfchieben ſein. Jedes Aggregat derſelben (em) iſt eine umendliche Vielheit; es giebt fein Minimum, das nicht wieder eine ainenbliche Vielheit enthielte. Es werben alſo viele Ag⸗ gregate ſein, jedes derſelben wird eins ſcheinen, aber nicht fein, weil das Eins gang und gar nicht iſt. De von vielen Aggregaten jebes eins ſcheinet, ſo nuß ihnen auch eine ſcheinbare gerabe und ungerade Zahl gufomumen, Größe, Kleinheit, Gleichheit, alles iſt nur Schein. Eis Aggregat wird in Verhaͤltniß mis einem andern eime Gränge zu Haben ſcheinen; Aber Im Verhaͤltuiß gegen ſich Bat es weber Unfang, noch Mitte, noch Ende. Denn "nor dem Aufang laͤßt ſich noch immer ein anderer Au⸗ fang, nach dem Ende noch immer ein auberes Ende, und Dei dem Kleinſten noch immer cin kleineres denken, La man Feine Einheit (eine Vielheit durch Die Einheit verbunden) annehmen darf, Alles muß zertheilt und zerſtuͤckelt werden, weil man eine Vielheit ohne Einheit - (ch vorſtellen muß, Es mäffen zwar dieſem Vielen Praͤdicate beigelegt werben, aber bei näherer Betrach⸗ tung verfchwinden fie ald Schein. So muß das Bicke in der Entfernung als Eins (ein verbundenes Viele) er⸗ ſcheinen, in der Nähe muß es als eine Vielheit ohne Ein heit gedacht werden. So if es auch mit den Praͤdicaten, Begraͤnzung, Gränzenlofgfeit, Achnlichkeit, Unaͤhnlich⸗ keit, Ruhe und Bewegung, alles if nur Schein. *) Wir müffen noch einmal auf unfen festen Gag guruͤckgehen, und ſehen, wes fich für Kolgerungen Pr 41) ©. 15149. | — 3 ° . — — —— ME — Ui TUR — — Wir vum 1} —— ww m Wr m mu m Om 3 m — — — — — — — — 145 — “m, ucan das Eins nicht iſt Die von ben Eind sa fehlebenen Dinge find nicht Eind, aber auch nicht Vie⸗ ies Deum Vieles Ldßt fh ohne Einheit miche Denfen. , seohkchen Dingen, hie nicht ſiad, iſt gar keine Berbinbung möglich, und was nicht if, a auhı DIL vorgeiaik werden. Es If alfo ummdglich ſich vorgufulien, etwas von den Vielen ſei Eins, wann biefed ganz und gar auf- urhoben iſt; Folglich iſt es auch umuglich, daß fo etwas . als Eins ober ald Vieles erſcheine. Und ſo iſt es mi allen anbern Prädientee Hieraus folgt wich def, wenn das Eins nicht If, uͤberhaupt gar iſt. Das Reſultat aus unferer gangen —— iſt alſo dieß: ——— * es doch ſelbſt amb die andern ins find, —— auf al uf a onder, alles und iſt wieder alles wicht; (alle Praͤbi⸗ Bin, zu beweiſen, daß wenn alles nun Eins iſt —5 ſtaſirt) viele reale Dinge nicht: fein Yen, daß fich aber das Eins entischer gar nicht, ober nur usit widerſpre⸗ se iR das Meale. Siermit follte bie Behenptung bei Varmenides, es giebt nur eine Subſtanz, alles IA Eins, uub die ensgegenfichenbe Meinung, es iſt nur Vieled, wiberleget werden. Da aber Einkeit uud * u 95 a) a — 346 — nothwendig zum Denken gehört, und ohne fle gar nichts gedacht werben kann, fo bleibt nichts anders übrig, als anzunehmen, Einheit und Vielheit ind Begriffe, bie an ich in dem Vernunftvermoͤgen anzutreffen fiab, und ald Praͤdieate mit allen denkbaren Dingen verbuns ben werben können. Solche Begriffe von allem Konfre ten abgefonbert, waren bie Ideen. Es erhellet alfobar- aus, warum ber Titel diefed Dialogs Parmenides oder von den Ideen if. Wenn daher bieienigen, welche nuser Platos Ideen Subfanzen in dem Sinne, was wir und darunter denken, verfichen, den Inhalt und ben Zweck dieſes Geſpraͤchs erwogen haͤtten, fo haͤtten fie ihre Be hauptung zurücknehmen mäffen. Denn da Plato bier hauptſaͤchlich gegen die Hppoflaflrung der Ideen, Ein heit und Vielheit Rreitet, fo kann er unmeglich die Ideen ſelbſt hypoſtafirt ober geglaubt Haben, daß bie Ideen Ddieſe find, weiche fo, wie fie gedacht werben, außer der Vorſtellung erifliren. In Anſehung ber Ausfüßrung des Hauptgedan · kens muͤſſen wir noch einige Benierfungen machen. Man wird fich vielleicht wunbern, warum Plato den Gap, den er beweiſen wollte, auf biefe Art, d. h. faſt durch Lauter Trugfchläffe und Sopbiftereien bewieſen habe, ober vielmehr babe beweiſen mollen, ba fie nur ein Blendwerk vormachen, aber feine gründliche Ueberzeugung geibähren koͤnnen. Hierauf iſt aben gu antworten: erſtlich, ba boch nicht Tauser Sophismen die Grundlage des Bewei⸗ ſes audmachen, wenn man 5. B. bie Säge nimmt: Alle WBeraͤnderung iſt nur in ber Zeit; In ber Zeit können nur allein widerfprechende Prädicate mit einem Dinge ver bunden werben. Zweitens. Vieles, was nach der gegen⸗ mwärtigen Rultur nur für Sophifterei gehalten werben kann, fonnte ben Denfern, die noch fo wenig vorgear⸗ beitet fanden, in einem ganz andern Lichte erfcheinen. Drittens fommt noch dazu, . daß bas Thema, Alles if nur Eine, Alles iſt nur Vieles, von der Seite, von weh - ! — 3497 = welcher es Plato betrachtete, nur ein Gewebe von Wir derſpruͤchen und Soyhiftereien enthalten fann. Endlich ift es ſehr wahrfcheinlich, daß Plato Hier gugleich ein Gegenſtuͤck zu Zenos ſophiſtiſchem Saufelfpiel geben woll⸗ te. Zeno wollte, wie wir in der Einleitung erfahren, beweiſen, es koͤnne nicht viele Subſtanzen geben, weil ſie als ähnlich und zugleich als unaͤhnlich mußten gedacht werden. Er war es auch, der zuerſt die Dialektik er⸗ fand, das iſt, die Kunſt, Cheſis and Antitheſis mie ' gleichen Gründen durchzufegen ). Wir duͤrfen alfo wohl annehmen, daß Plato in dem Parmenides darthun woll⸗ te, daß auf eben die Art, wie Zeno dialektiſch bewies, daß die Vielen (ra wor) Ähnlich und unaͤhnlich ſind, eben diefe Folgerungen wahr fein mäflen, wenn man ale nimmt, es fei nur Eine. Wenn alſo auch gleich der größte Theil des Parme⸗ nides nichts anders als ein philofophifches Spielwerk und ein kuͤnſtliches Gewebe von Sophismen ift, fo bleibe es fomohl wegen ber Kunft, die baran fichtbar if, als auch wegen des für die Platonifche Philoſophie wichtis gen Zwedis, ein merkwuͤrdiges Dentwal der sriechifchen Philoſophie. 43) Phaedrus ©. 353. vor ev Eisarızov Tnraundyy Ayevre vun ua Fey, ss denen Yanııc9aı Tec anevovei, Ta ayıa —X “RI ævo⸗toa, Nik dv as WRAS MOayra TE MU Kai $ze0- nova. Unter dieſem Balsmebes dann, wie ſchon Hr. Tede⸗ mann gezeigt bat, Bein anderer als Bene gemeint fein. Tee ..