<36613945520018 <36613945520018 Bayer. Staatsbibliothek PLÄTONS WERK-:E :VoN I ı £ „F: SCHLEIERMACHER ERSTEN THEILES ERSTER BAND: BERLIN ı804' INDER .REALSCHULEUCHHANDLUNG hi I ä nAaN be REN a E 2 L Sr 7 &r VORERINNERUNG, D:e Grundsäze, nach denen diese Uebersezung gearbeitet ist, wird Je- der leicht erkennen; sie zu verthei- digen, würde theils überflüfsig sein, - theils "vergeblich. In Absicht aber ‚auf die Art, wie ihnen überhäupt oder im Einzelnen genügtworden ist, erwartet der Uebersezer mit Freuden die Belehrungen sachverständiger Kunstrichter, und wird, wasihn über- zeugt, nach Möglichkeit benuzen.. Andere Uebersezungen in neuere Sprachen hat er währender Arbeit nicht zur Hand gehabt. Von derein- Zigen deutschen, welche sich über » demganzen Platon erstrekt, konnte . er nachalterKenntnifs von ihrwenig ‚© nuzbares erwarten. Was aber die vorhandenen ‚Uebertragungen ein- zelner Gespräche betrifft, so dünkte ihn theils, der Uebersezer des gan- Bi zen Platon habe Verpflichtungen auf N sich, welche jene nicht anerkennen dürfen oder wollen, und um derent- ‚willen Manches, was sonst ein glük- licher Fund wäre, mufs zur Seite ge- legt werden, theils scheute er die Gefahr, durch Herübernahme bald dieses bald jenes Einzelnen sich un- vermerkt die Einheitund gleiche Hal- tung zu zerstören, die einem solchen Ganzen nothwendigsind. Sollte er ‚in Zukunft in. Beziehung anf einige wenige ausgezeichnete Versuche &i- ne Ausnahme machen, so wird es nicht ohne Anzeige geschehen. In Absicht auf die Leseart wird er ' da, wo er nur aus dem bekannten Vorrath, den Varianten der alten Ausgaben, den Muthmafsungen des Stephanus, der Uebersezung des Fi- cin, und den Eklogen des Cornar wählen durfte, nur in dem Falle be- sondere Anzeige machen, wenn er ‚nöthig findet, die Gründe seiner Wahl auseinanderzusezen, bei wirk- lich kritischen Bearbeitungen aber, deren sich einzelne Gespräche er- E Me iz Hi; | | Y freuen, sich auf diese beziehen. Ue=- ber seine eigenen Versuche zur Ver-. ı besserung des ’'lextes bittet er zu be- .. „merken, dafs er nur diejenigen anzei- - gen wird, welche einer wirklichen Einflufs auf die Uebersezung haben, - grammatische Kleinigkeiten aber, bei - denen dies nicht der Fall ist, hier gänzlich übergehen, so dafs in lezter Hinsicht die Uebersezung gar keinen kritischen Werth haben wird. Auf der andern Seite aber wird er als Ue- bersezer, der schlechthin für sein Be- dürfnifs Rath schaffen mufs, man- cher Vermuthung folgen, die er'als. Herausgeber nicht nur nicht in den. Textaufnehmen, sondern gar nicht oder nur mit grofser Schüchternheit erwähnen würde, Viel Verdienste haben: um. den Uebersezer seine Freunde1-G. L. Spalding. und L: F. - „Heindorfdurch Auffindung desRich- ‚ tügen und durch NRERUDE vor Mifs- griffen. "Die Einleitungen oo Anmerkun- gen machen Keinesweges Anspruch vi darauf, einen Commentar zu bilden, sondern jene sollen nur vornemlich. die innern und äufseren Verhältnisse der platonischen Gespräche so viel . nöthig auseinandersezen, diese sollen theils jene Ansichten im Einzelnen unterstüzen, theils dasjenige erläu- tern, was unkundigeren Lesern min- der verständlich sein möchte. Wenn die erstenunter den gröfseren Gesprä- ‚ chensich in jener Hinsicht einer viel- leicht zu ausführlichen Behandlung . erfreuen; so wird wohl in der Folge “ mehr Kürze können gewonnen wer- den, wenn die Leser erst als vertraut ‚ mit der Ansicht des Uebersezers und als ihr beipflichtend vorauszusezen sind. Die Zahlen am Rande bezeich- ‚nen die Seiten inStephanus Ausgabe des Platon, die auf gleicheWeisevon den Zweibrükker Herausgebern sind . beigefügt worden. | ‚Stolpe im April ı 804: 2 53 SCHLEIERMACHER. ERSTER « THEILES BAND. ‘ v UN “ . w 25 N) Er - EI LATON’SEG DEN 'THEILES ERSTER BAND. En ’ r ir nee . Nagy DIBLITHECA] RESIA EINLEITUNG iechischen Ausgaben der Werke das Pla- ton Di ei en denselben seineLebensbeschreibung - aus der bekannten Sammlung des Diogenes vor- anzusezen. Allein nur die unverständigste An- ' hänglichkeit an einen alten Gebrauch könnte ein so rohes, ohne alles Urtheil zusammenge- schriebenes Produkt der Uebertragung würdi- gen. Eine Sichtung aber’ dieser und der andern. alten Lebensbeschreibungen des Platon, vergli- chen mit dem, was sich sparsam und zerstreut - in andern Quellen findet, hat bereits Tenne- mann in dem Leben des Platon wor seinem Sy- stem der platonischen Philosophie angestellt; und da seitdem weder bedeutend tiefere Unter- suchungen bekannt gemacht worden sind, noch neue Thatsachen entdekt, welche gegründete A Hoffnung gäben, durch ihre Benuzung die an- - geführte Arbeit weit hinter sich zu lassen, so ist wolam. besten, solche Leser, welche hier- über unterrichtet zu seyn wünschen, dorthin zu verweisen. Ein mehreres ist auch um so we- niger nöthig, da niemand, der ein würdiger Leser der Schriften des Platon wäre, den Ge- ‚danken fassen kann, aus vielfach nacherzählten und entstellten Kleinigkeiten oder epigrammati- ‚schen Antworten, wären sie auch wahr, über die Gesinnungen des Mannes ein Licht anzün« + ke [| E den zu wollen, ” das seine Werke bestrahlen könnte, da vielmehr bei einem solchen Schrift- ‚steller der verständige Leser aus den Werken die Gesinnungen zu erkennen: unternimmt. Was aber die Begebenheiten seines Lebens betrifft, so scheinen gerade diejenigen genaueren Ver- hältnisse, aus deren Konntnils sich noch viel- leicht ein gründlicheres Verstehen manches Ein- zelnen in seinen Schriften entwickeln liefse, un- serer Nachforschung für immer so weit kin zu sein, dafs jede Vermuthung, ‚die jemand darüber beibringen wollte, ein Wagestück wäre, und dafs man sehr oft in seinen Schriften auf das bestimmteste anzeigen kann, wo sich eine Anspielung auf irgend ein persönliches Verhält- nils befindet, ohne dieses selbst errathen zu ‚können. Ja sogar über die bekannteren Vorfälle seinesLebens, seine merkwürdigen Reisen näm- lich, läfst sich so wenig genaues mit Gewifsheit ausmitteln, dafs wenig Gewinn daraus zu ma- chen ist für die Zeitbestimmung. und Anordnung seiner Schriften, und dafs man höchstens hie und da.den Ort wahrscheinlich machen kann, wo. jene die Reihe von diesen unterbrechen. Solche einzelne Vermuthungen also werden bes- ser dort unmittelbar vorgetragen, wo sie viel- leicht einiges Licht verbreiten können. g' Näher zum Zweke gehörig, wenn es nur ‘innerhalb der vorgestekten Grenzen möglich wäre, würde es allerdings sein, einiges beizu- “bringen über den wissenschaftlichen Zustand der Hellenen zu der Zeit, als Platon seine ‚Laufbahn betrat, über die Fortschritte der Spra- ‚che in Absicht auf die Bezeichnung philosophi- scher Ideen, über die damals vorhandenen Schriften dieser Art und den muthmafßslichen. Grad ihrer Verbreitung. Denn hier ist unstrei«. ER Fr "Koch vieles genauer, als bisher geschehen, aus-, einander zu sezen, und ganz aufs neue zu un- _ dem Kenner dieser Gegenstände nichts weniger ® "man doch bisher so gut als gar nicht gedacht etichungen im Zusammenhange zu verfol- - Er und Einzeles auch aus diesem Gebiete bleibt allenfalls, es sei nun als Erläuterung oder als wi- genommene, besser dem bestimmten Orte vor- behalten, auf welchen es sich bezieht. .Das . Allgemeine aber und Bekannte ist auch in den - — deutschen Berichterstattern über die Geschichte “ jenes Zeitraumes der Philosophie zwekmälsig ‚dargestellt, soweit es zur Vorbereitung auf das zu tappen, und den richtigen Gesichtspunkt zu q m Verständnis und ihrer Schäzung gleich von vorn herein gänzlich zu verfehlen. Denn siesind überall voll von offenbaren und verstek- # ie Beziehungen auf fast alles frühere und ichzeitige.‘ Und eben so auch, wer nicht von dürftigen Zustande der Sprache in ‚philoso- - phischer Hinsicht soviel Kenntnifs hat, dafs er ‚fühlt, wo und wie Platon durch sie beschränkt wird, und wo er sie selbst mühsam weiter bil- digsten Orten am meisten, nothwendig mifs- on der Philosophie des Platon selbst soll va absichtlich, wäre es auch noch so leicht - mit: wenigem abgethan, hier vorläufig i nichts ‚gesagt werden, indem der ganze I End« x tersuchen, ja vielleicht Fragen aufzuwerfen, die. ER ‚als gleichgültig sein können, und an welche. & hat. Allein das Neue und Zweifelhafte solcher: gen, würde diesem Orte nicht angemessen sein; _ R. Lesen der Platonischen Schriften überhaupt er ‚höchst nothwendig ist, um nicht im Finstern . E* dir wird ihn, und zwar an den merkwür- _ _ ‚derlegende Bedenklichkeit gegen das bisher an- . -. RER Ve zweck dieser neuen Darlegung seiner Werke da- hin geht, durch die unmittelbare genauere Kenntnifs derselben allein jedem eine eigne, sei es nun ganz neue oder wenigstens vollständigere Ansicht von des Mannes Geist und Lehre mög- lich zu machen. Welchem Endzwek ja nichts so sehr entgegenarbeiten würde, als ein Bestre- ben, dem Leser schon im Voraus irgend eine „Vorstellung einzuflöfsen. Wer also mit diesen. Werken bisher noch nicht unmittelbar bekannt gewesen, der lasse, was ihn fremde Berichte über ihren Inhalt und die daraus zu ziehenden ‘ Folgerungen gelehrt haben, unterdessen auf sei- nem Werthe beruhen, und suche es’zu verges- sen; wer aber aus eigner Kenntnifs derselben sich bereits ein Urtheil‘ gebildet hat, wird bald inne werden, in wiefern durch den Zusammen- hang, in welchem er diese Schriften hier darge- legt findet, auch seine Ansichten eine Abände- rung erleiden, oder wenigstens sich besser ver- knüpfen und mehr Umfang und Einheit gewin- nen; dadurch, dafs er den Platon auch als phi- losophischen Künstler genauer, als wohl bisher . geschehen ist, kennen lernt. Denn in vielfacher Hinsicht hat wohl unter allen, die es von jeher ' gegeben, kein Philosoph ein solches Recht ge- Koh; jene nur zu allgemeine Klage anzustim- men über das falsch oder gar nicht verstanden ‘ werden, als eben der unsrige. Die gröbsten zwar unter diesen Mifsverständnissen sind be- „sonders durch neuere, älles Dankes werthe Be- mühungen gröfstentheils gehoben; indessen wer Achtung giebt, wie obenhin oder mit vergeb- lich verstektem Gefühle der Unsicherheit auch die besten Erklärer über die Absichten einzelner Platorischer Werke reden, oder wie leicht und lose sie den Zusammenhang des Inhaltes mit der r Ru 2 u; BT Form im Einzelnen sowol als im Ganzen behan- deln, der wird Spuren genug finden, dafs auch bei allen besseren Ansichten ein vollständiges Verstehen noch nicht überall zum Grunde gele- gen: hat, und dafs dieses auch auf den Punkt noch nicht gebracht ist, auf den wir es mit un- . sern ereichenden Hülfsmitteln bringen könn- tem ‚So dafs jene Zufriedenheit etwas unreif zu sein ‚scheint, welche behauptet, wir könnten ‘den Platon jezt schon besser verstehen, als er sich selbst verstanden habe, und man sie belä- cheln kann, dafs sie den Platon, welcher auf das \ Bewulstsein des Niohtwideriet einen solchen Werth legt, so unplatonisch suchen will. Min- destens um eine Hälfte betrügt sie sich, um alles dasjenige nämlich, was in der Philosophie: ‚des Platon nur‘ dadkrch verstanden werden kann, dafs man die grolse Absichtlichkeit in der Zu- h _ sammensezung seiner Schriften gehörig zu wür- ® digen, "und soviel möglich zu ahnden weils, Und-in dieser Hinsicht besonders ist zu dem, was Andere auf andere Weise gethan haben, ein ‚Versuch, wie der gegenwärtige, ein nicht leicht ‚entbehrliches Ergänzungsstück, und mufs in dem Maafse, als er gelingt, auch beitragen, das Verständnifs des Platon weiter zu fördem; ER? . ches gewils einem jeden von selbst einleuchtet, Denn niemand wird in Abrede sein, dafs aufser - den allgemeinen Schwierigkeiten, die es hat, irgend einen Andern als. den Gleichgesinnten auf dem Gebiete der Philosophie gründlich zu ver- stehen, in Beziehung auf den Platon noch als eigenthümliche Ursach hinzukommt seine 'gänz-! liche Abweichung von den üblichen Formen der philosophischen Mittheilung. Von diesen giebt ‚es besonders zweie, in denen sich die gröfste hr Masse dessen, was Bi Philosophie heilt, FIEBER | wohlgefällt. Zuerst diejenige, welche dies ganze Gebiet in mehrere besondere Wissenschaf- ten eintheilt, und jedem von diesen bestimmten Theilen des Ganzen sein besonderes Werk wid- met, worin er aus Zimmern und Stockwerken grundrifsmäfsig aufgebaut wird, so dafs, wem nur das Gedächtnifs und die Finger nicht versa- gen, alles, ohne F ehler wenigstens, wenn-auch "nicht: ohne Mühe, nachmessen und nachzeich=- nen kann, woraus denn leicht die Meinung ent- steht, als sei es etwas, und als habe auch der Be- ‚trachtende es nachgebildet und verstanden. Denn so ‚schlecht begründet und auf Gerathe- wohl angelegt auch diese Gebäude öfters sind, so haben sie doch ein einnehmendes Ansehn von Festigkeit und Ordnung, und es. scheint leicht, nicht nur das Einzelne für: sich, sondern auch » im Zusammenhange mit den andern Theilen des Gebäudes zu verstehen, wozu der Urheber selbst durch unvermeidliche Rükweisungen deutliche Anleitung geben mufs’ Die zweite nicht selte- ner gebrauchte und nicht minder beliebte ist die - fragmentarische, welche ‘es nur mit einzelnen Untersuchungen zu thun hat, untl aus sölchen abgerissenen Stücken, von denen man schwer- lich sicher sein kann, :ob sie auch wirkliche Glieder sind, oder nur willkührlich. und wider- natürlich abgesondert, dennoch die Philosophie begreiflich machen will. Wiewol nun hier, der Nat: der Sache nach, . Ungründlichkeit und Unverständlichkeit recht einheimisch sind, weil man sich ja über den Mittelpunkt und den» Ort, #vo man steht, nicht verständiget hat, so ge- winnt doch auch diese Art einen Anschein von Leichtigkeit und Sicherheit dadurch, dafs sie ihr Ziel im: Voraus bestimmt, benennt, und in gerader Richtung darauf zu geht. So ist auch . re i Be CD AH eeE EEE AN - die ridtpische Kor köche ‚selten angewendet worden, und mancher hat sich den Ruhm. er- "an zu seyn, vielleicht noch sokratischer und. klarer, ‚der nichts aus der Erfindung zu machen Br st als dieses. ‘Wer nun durch die Hülfs- mittel, welche diese Methoden: darzubieten. - scheinen, verwöhnt ist, der mufs im Platon al- les wunderlich, und entweder leer oder geheim- . nilsvoll finden. Denn wiewol die Eintheilung 3 0 wenig fremde war, dafs man ihn vielmehr sermafsen als den ersten Urheber derselben ansehen kann; ‘so ist doch fast keine seiner ‚Schriften auf eine derselben besonders be- schränkt, sondern weil er ihre wesentliche Ein- ; . ‚heit, und ihr gemeinschaftliches Gesez für das ur H ea unter einander verschlungen. Wer aber deshalb auf der andern Seite seine Werke zu den fragmentarischen herabsezen will, ‚der ee sich doch immer verlegen finden üben den '35= welcher sich selten buch- ı müssen, der Mann scheine nicht die be- Er ia ri Platon ‚und ’seine eheihen die zwiefachen unrichtigen Urtheile, + welche fast von je her sind gefällt worden. Das . eine nämlich, dafs es vergeblich sei, in seine + Schriften irgreiid etwas Ganzes, ja auch nur die „ ersteri en einer sich selbst gleichen, und h alles hindurchgehenden philosophischen t und Lehre. aufzusuchen, vielmehr . derPhilosophie in verschiedene Disciplinen ihm rölsere hielt und dem vorzüglich nachstrebte, Ar askipddie verschiedenen Aufgaben überall man- _ ichen, ein glücklicher Nachahmer des Pla- _ ch'ausspricht, und wird insgeheim geste- ' u, 13 schwanke:alles darin, kaum irgend etwas stehe in fester Beziehung mit dem übrigen, vielmehr widerstreite häufig eines dem andern, weil er nämlich mehr ein übermüthiger Dialektiker sei, _ als ein folgerechter Philosoph, mehr begierig, Andre zu widerlegen, als fähig oder gesonnen, ein eignes wohlgegründetes Lehrgebäude aufzu- führen, und wo es ihm um den Schein eigner Behauptungen zu thun sei, da suche er die Be- standtheile bald aus dieser bald aus jener sonst bestrittenen Lehre zusammen. Dieses nun ist "nichts anderes, als ein verkleidetes Geständnifs des gänzlichen Nichtverstehens seiner Werke, und zwar vorzüglich um ihrer Form willen ,.wo- bei nur der Grund des Gefühles verkannt, und anstattihn in dem Beurtheilenden zu suchen, in das Beurtheilte gesezt wird. Es ist aber nicht nöthig,; diese geringschäzige Ansicht ausführ- lich zu würdigen, da sie’ selbst hinreichendes Zeugnils gegen sich ablegt. Denn indem sie über Widerspruch und Unzusammenhang klagt, beweiset sie doch nicht, dafs sie das Einzelne richtig aufgefafst habe; denn woher sonst jene veissderlichen Untersuchungen, unter welchen Personen Platon wenigstens über dies und jenes seine eigne Meinung vorgetragen? eine Frage, ‚welche voraussezt, sehe dialogische Form dei . nur eine ziemlich unnüze mehr verwirrende als aufklärende Umgebung der ganz gemeinen ‚Art seine Gedanken darzulegen, und welche also nur von einem, der den Platon gar nicht versteht, ann aufgeworfen werden. Diese Ansicht also gründet sich auf nichts und erklärt nichts, son- dern Jäfst die ganze Aufgabe übrig, und kann. ohne weiteres durch dier That widerlegt ; wer= den, in sofern es gelingt, diese Werke in einen. "Zusammenhang zu bringen, durch welchen 1: auch jedes einzelne mit den darin enthaltenen Lehren verständlich wird. Zu einem solchen Versuch wird die Aufmunterung auch von .die- ser Seite um so dringender, da die Meisten von * denen, welche ein so schlechtes Urtheil über ‚die Schriften des Platon fällen, sich doch einer men: Bewunderung des Mannes nicht er- . wehren können. Da wir aber von seiner Gröfse RN md; Treflichkeit keinen andern zeiglichen Be- ein als diese Schriften, so wollen beide ce zusammen stimmen, jenes Urtheil und er a: diese Bewunderung, und die lezte würde kaum y einen ‚anderen Gegenstand haben, als die an _ einen'nichtigen Inhalt verschwendeten Schön- ‚der Sprache und Dichtung, oder einzelne nannte schöne Stellen oder sittliche Sprüche ‚Grundsäze, welches alles einen sehr unter- » dneten, wo nicht gar zweifelhaften Werth et, so dafs, wenn sie'ungestört fortfah- ollen zu bewundern, sie selbst wünschen n, etwas mehreres an ihm zu finden, als er gefunden haben. Daher haben nun 'e. gröfstentheils mit eben so wenig richti- 5 insicht, aber mit inehr gutem Willen, aus einzelnen Aeulserungen des Platon st, theils auch aus einer weit verbreiteten berlieferung, die sich aus dem Alterthum er- hat, von einem Esoterischen und Exo- chen in der Philosophie, sich die Meinung det, als sei in den Schriften des Platon’seine Pige Hlidhe Weisheit gar nicht, oder nur in ge- en schwer inkeihrlenden Andeutungen ten... Dieser an sich ganz unbestimmte e denn sich in die mannichfaltigsten Ge- alten ausgebildet, und bald mehr bald: weni- 'hat man den Schriften des Platon von ihrem. "entzogen, und: dagegen seine wahre rn: Weisheit in geheimen Lehren gesucht, welche er diesen Schriften so gut als gar nicht anver- traut habe; ja grofse Erörterungen wurden an- _ gestellt, um zu bestimmen, welche Schriften des Platon exoterisch wären, und welche esote- risch, um zu wissen, wo noch am meisten eine Spur aufzusuchen wäre von seiner wahren ge- heimen Weisheit. ‚Abgerechnet also: diejenige Wahrheit, welche in dieser Behauptung liegt, in so fern das geheime und schwer zu findende nur beziehungsweise so ist, und es für irgend einen überall etwas geheimes und schwer zu fin- dendes geben kann, ist das Ganze nur ein Ge- webe von Mifsverständnissen und verwirrten Vorstellungen, welche erst müssen auseinander gewickelt werden. Denn jene Ideen von dem esoterischen und exoterischen ‚bedürfen einer‘ kritischen Sichtung, indem sie zu verschiedenen. Zeiten auch in ganz verschiedenen Bedeutungen vorkommen. Nämlich bei den ersten Pythago- reern ging dieser Unterschied so unmittelbar auf den Inhalt, dafs er Gegenstände bezeichnete, über welche sie sich aufserhalb der Grenzen ih- rer innigsten Verbindung nicht mittheilen woll- ten, und es ist zu vermuthen, dafs weit mehr ihr politischesSystem die Stelle des esoterischen ausfüllte, als ihre eben so unvollkommenen als unverdächtigen metaphysischen Spekulationen. Damals aber war auch die Philosophie mit poli- tischen Absichten und dieSchule mit einer prak- tischen Verbrüderung auf eine Art verbunden, die hernach unter den Hellenen gar nicht wieder Statt gefunden hat. Später hingegen bezeich- nete er nur dasjenige, was in dem populären’ Vortrage, zu dem sich nach der Vermischung der Sophisten mit den sokratischen Philosophen Einige herabliefsen, nicht konnte mitgetheilt 19 er laniäen, und ging also unmittelbar auf den Vor- erst auf den Inhalt, Zwischen diesen beiden Zeiten nun steht Platon mitten inne; aber in welchem Sinne von beiden man auch diese Be- auf Platonische Schriften und Philosophie, E um jede dadurch in zwei Theile zu theilen, an- _ wenden wollte, so entsteht nur Unsinn daraus. Bean die leztere Bedeutung können diejenigen, ‚welche eine solche Anwendung machen wollen, „ selbst nicht wählen, indem sie ja gestehen, dafs “ auch. die Schriften sämmtlich schwer verständ- ‚schwerste und geheimnifsvollste seiner Weisheit eben. so gut hätte anvertrauen gekonnt, als das e. Was aber die erste Bedeutung betrifft m Lehren seiner Philosophie, über welche er © Mbeichtlich aufser.dem inneren Kreise vertrauter reunde gar nicht oder nur in dunkeln Winken = habe, so mülste sie entweder ordentlich ‘ uptet werden und durchgeführt durch eine und der darauf. zieleriden,. wenn auch noch so leisen, Andeutungen, oder wenigstens in einem _ geringeren Grade bewiesen durch. irgend einige ‚geschichtliche Spuren. Darum sind unter allen Vertheidigern dieser Meinung die sogenannten ı-Platoniker noch immer am meisten zu lo- 1, als welche doch das erste wirklich versucht en Die Anderen aber möchten nichts aufzu- zeigen wissen. Denn wenn sie vom theosophi- ‘schen. Inhalt absehen, und dem Platon nicht etwa naturwissenschaftliche . Kenntnisse zu« schreiben wollen, die er nicht haben konnte, } elenen. seine Schriften noch überdies sogar ' widersprechen würden: so: dürften sie wohl s im Gebiete der Philosophie auffinden, , und nur mittelbar und um jenes willen lich sind, und also auch, dafs Platon ihnen das | zusammenhängende- Darlegung, solcher. Lehren. % — 4 — worüber nicht ein Urtheil entweder geradezu und deutlich, oder wenigstens den Gründen nachi in dimmch Schriften anzutreffen wäre. Und | diejenigen gar, welche den Unterschied desEso- terischen blofs auf den Streit gegen den Poly- theismus und die Volksreligion zurükführen, heben ihnin der That gänzlich auf, und machen ihn entweder zu einer rechtlichen Verwahrung, welche höchst unzureichend wäre, da Platons Grundsäze hierüber in seinen Schriften deutlich - genug zu lesen sind., so dafs man kaum glauben kann, seine Schüler hätten darüber noch ande- rer Belehrungen bedurft, deren Bekanntma- ehung er gescheut habe; oder zu einer kindi- schen Veranstaltung, welche sich daran ver-, gmügt, bei verschlossenen Thüren laut zu reden, was öffentlich zwar'aueh, aber nur ins Ohr durfte gesagt‘ werden. . Eben so wenig aber möchten wohl ächt' geschichtliche Spuren zu finden sein, welche diese Meinung unterstüz- ten. ' Denn wenn der Unterschied blofs auf den Inhalt geht, und die geheimen Lehren in den esoterischen ‘Schriften auf eben die Art sollen - enthalten sein, wie die gemeineren in den exo- terischen: so mülste doch das erste und unnach- lafslichte sein, auf irgend eine Art wahrschein- lich zu machen; dafs jene Schriften auf eine an- dere Weise wären bekannt gemacht worden, als diese, weil sonst die ganze Bemühung Direkt ewesen wäre; hieran aber scheint niemand ernstlich gedacht zu haben. Ferner'aber, wie sollte es wohl zugehen, dafs Aristoteles, dem es doch unstreitig um eihe wahre Beurtheilung der ‚wahren Philosophie des Platon‘zu thun war, und dem als einem vieljährigen inneren Schüler. desselben wohlnichts konnte verborgen bleiben, sich dehnoch niemals weder auf andere Quellen —_— 5b — beruft, nochl'ein geheimes Verständnifs ‘dieser 3 ' Hehrifecki zum Grunde zu legen scheint. Viel» - mehr ‘beruft er sich überall ganz unbefangen _ und einfach auf diese Schriften, und wo auch a, andere vielleicht‘ mündliche Belehrungen ange- führt werden, da enthalten diese: Anführungen keinesweges 'etwas in den anderen Schriften un- . erhörtes oder gänzlich von ihnen abweichendes, & Wenn also diese gar nicht oder nur zufolge'einer jeimen Auslegung die währe Liehre des Pla- ' tön enthielten; "wie hättewohl Aristöteles, zus ‘mal bei ‘der Art, "wie er seinen Liehrer bestrei- tet, 'den bittersten Vorwürfen von Seiten: .der . ächten Nachfolger: desselben entgehen 'könmen, wenner so wider besseres: Wissen: nur ‚gegen ı Schatten gefochtemw hätte. N . © Um’'nun diese Mifsverständnisse. Kor Ahze Ursache’recht anschaulich zu machen, und die- den, ‘welche darin verstriktisind,, ‚selbst ‚zum. Bewufstsein und Eingeständnifs zu bringen; ist "allerdings ein lobenswerthes Unternehmen; den philosophischen Inhalt aus den Platonischen Werken zerlegend herauszuarbeiten , und’ihn so eh und einzeln, seiner Umgebungen | Verbindungen entkleidet,, möglichst form» Basue zulegen. Denn wenn sie: so die 'e Ausbeute überiähen! können, und sich ur+ indlich überzeugen, sie sei wirklich ‘dorther nen: so werden sie wohl bekennen müs« auc ana eardehen 'und es sei vergeblich, über ‚einen "andern verlorenen 'Schaz: platonischer _ Weisheit‘ 'zu klagen oder zu träumen. Soviel « also kann auf diesem Wege erreicht werden, ‚ der falsche Verdacht gegen die Werke des verschwindet, und das Nichtverstehen \ 7 ee auch gewils, dafs’derjenige selbst, ‘der dieses “gründlich und vollständig ausführen will, auch ebenso. den Platon selbst mufs verstanden ha- - ben: eben so gewifs aber ist auch, dafs das Ver- stehen des Platon für andere dadurch weder er- leichtert noch gefördert wird, sondern dafs viel- mehr derjenige, der sich auch an die beste Dar- stellung dieser Art ausschliefsend halten wollte, leicht nur eine eingebildete Kenntnifs erlangen, von der wahren: Aber sich eben deshalb nur weiter ,entfernen'könnte. Denn; derjenige frei- lich mufs die. ganze Natur. eines Körpers genau \ kennen, der die einzelnen Gefälse oder Knochen desselben zum Behuf der Vergleichung mit ähn- lichen seines andern eben so: zerstükkelten aus- sondern will, welches eben doch der gründlich- ste Nuzen 'wäre,..den jenes philosophische Ge- schäft-gewähren könnte; diejenigen aber, wel- che sich diese Theile vorzeigen lassen; und die Vergleichung anstellen, werden dadurch zur Kemmtnifs der eigenthümlichen Natur. des Gan- zen doch nicht gelangen. So auch’ werden jene keinesweges die Philosophie des Platon kennen lernen; denn wenn irgendwo ‚so. ist in ihr Form und Inhalt unzertrennlich, ‚und jeder Saz nur an seinem Orte und in den Verbindungen und Begränzungen, wie ihn Platon aufgestellt, hat, recht zu verstehen. _Noch weniger aber'werden sie den Mann selbst begreifen, und: am wenig- ‚sten wird seine Absieht an ihnen erreicht wer- den, welche daraufging, nicht nur seinen eig- nen Sinn'Andern lebendig darzulegen, sondern eben dadurch: auch den ihrigen lebendig aufzu= regen und zu erheben. ’, Daher ist zu jener zer. legenden’ Darstellung „.'welche wir seit kurzem in’ 'einer die vorigen Versuche weit übertreflen- den Vollkommenheit besitzen, dieses ein noth- / wendiges wendiges Ergänzungsstük, dafs man die auch ohne Zerstükelung schon so, wie sie gewöhn- lich erscheinen, sehr kläglich durcheinander ge- - worfenen lieder nämlich nicht die einzelnen Bnimingen etwa, sondern die einzelnen Werke in ihren natürlichen Zusammenhang herstelle, = sie als immer vollständigere Darstellungen “ Ideen nach und nach entwikelt haben, u indem jedes Gespräch nicht nur als ein. Gänzes für sich, sondern auch in seinem Zu- samimenhange mit den übrigen begriffen wird, auch er selbst endlich als Philosoph und Künst- . der verstanden werde. E Wir Ob es aber einen solchen Zusammenhang siebt, und nicht vielleicht ein solches Unterneh- ‚men der Sache unangemessen und viel zu großs ist, um irgend gelingen zu können, das wird am besten aus der ersten Vorstellung erhellen, = uns Platon selbst von seinen Schwften und ‚Absichten erregt, und die wir ihn bald im ä dros werden vortragen hören. Ziemlich ge- rn ügig nämlich die Sache behandelnd klagt er, wie ungewils es immer bleibe bei der schrift- cher Mittheilung der Ideen, ob auch die Seele Lesers sie selbstthätg "nachgebildet und h also-in Wahrheit angeeignet habe, oder ob nur. mit dem scheinbaren Verskinrhuils der Fi und Buchstaben eine leere Einbildung gekommen sei, als wisse sie, was sie doch Hiche im sei es Thorheit, viel hierauf zu bauen, und rechter Verlafs sei nur auf den ® mündlichen lebendigen Unterricht. Das Schrei- ben aber müsse gewagt werden aufs Ungewisse, m ehr um 'deswillen,, was es für Aa Schrei- ıden und die schon Be ihm Wissenden sei, deswillen, was es werden könne für die nicht W issenden. Wer nun überlegen will, at. W. I. Th. I. Bd. [2] ki sa u te welches denn jener so hoch herausgehobene Vorzug des mündlichen Unterrichts sei, und -., worauf er beruhe,. der wird keinen andern fin- den als diesen, dafs hier der Lehrende in einer gegenwärtigen und lebendigen Wechselwirkung stehe mit dem Lernenden, und jeden Augenblik wissen könne, was dieser begriffen, und so der Thätigkeit seines Verstandes nachhelfen, wo-es fehlt; dafs aber dieser Vortheil wirklich erreicht werde, beruht, wie Jeder einsieht, auf der ' Form des Gesprächs, welche ein lebendiger‘Un- terricht nothwendig, haben mufs. Darauf auch bezieht sich, was Platon sagt, dafs der gespro- chenen Rede ihr Vater immer helfen könne und sie vertheidigen, nemlich nicht nur gegen die Einwürfe des anders meinenden, sondern auch gegen die Hartsinnigkeit des noch nicht wissen- den, die geschriebene aber habe keine Antwort auf irgend eine weiterg Frage. Woraus beiläau- fig schon erhellt, wie sehr derjenige jedes Recht verwirkt habe, auch nur ein Wort über den. . Platon zu reden, der den Gedanken fassen kann, - dieser könne sich wohl bei seinem inneren ‚ mündlichen Unterricht der sophistischen Me- thode bedient haben in langen Vorträgen, 'wel- . che doch ihm, seiner eigenen Aussage nach, von jenem Vorzuge sich am meisten zu entfer- nen scheint. Sondern aufalle Weise, nicht nur zufällig oder durch Angewöhnung und Ueberlie- ferung, sondern nothwendig und seiner Natur nach ist:seine Methode eine sokratische gewe- sen, und zwar, was die ununterbrochen fort- schreitende - Wechselwirkung und das tiefere . Eindringen in die Seele des Hörenden betrift, gewils der des Meisters so weit vorzuziehen, als det Schüler es ihm zuvorthat'in der bildenden | Dialektik sowohl, als im Reichthum und Um- u 283 R l der eignen Anschauting; Da nun ungeach» tet dieser Klagen Platon vön der ersten Männs rer an bis in das späteste Alter so vieles ge+ schrieben,hat: so ist offenbar, "er mufs gesucht haben, auch. die schriftliche Belehrung jener besseren so ähnlich zu, machen als möglich, und es mufs ihm damit auch gelungen’ sein. Denn . wenn wir auch nur an jene unmittelbare Absicht denken, dafs die Schrift für ihn’ und die Seini+ ‚ eine Erinnerung sein solle an die’ihneh ° schon geläufigen Ideen, so betrachtet Platomak les Denken so sehr als Selbstthätigkeit, dafs bei ihm eine Erinnerung an das imedrhenie von die- ser Art auch nothwendig eirie sein mufs’an die erste und ursprüngliche Art des Erwerbes. :Da- her schon um deswillen die dialogische Form,»als _ nothwendig zur Nachahmung jenes ursprünglis chen ‚gegenseitigen Mädheilenh, »auch seinen ‚Schriften eben so unentbehrlich und natürlich ist, "als seinem mündlichen Untetrichte, ' Indes- m erschöpft diese Form keinesweges das Ganze iner Methode, wie:sie denn gar oft gleichzei- W "und später. zu philosophischen Zweken ist wendet worden ohne’ eine Spur von dem Be ‚des Platon und von seinem grofsen Ver- standein der Art sie zu gebrauchen. Sondern ‚sch Fa seinem wirklichen Unterricht, noch ‚bringen, oder wenigstens in Beziehung auf hn besonders sich hüten mufste, dafs er nicht ii e ‚leere Einbildung des Wissens veranlassez eider Hinsicht mußs dieses ihm die Haupt- he gewesen sein, jede Untersuchung von An- a so zu führen und darauf zu* berechnet — 20. u zeugung der beabsichtigten Idee, oder dazu ge« zwungen werde, dals er sich dem Gefühle, nichts gefunden und nichts verstanden zu haben, . auf das allerbestinmmteste übergeben mufs. Hie- zunun wird erfordert, dafs das Eude der Unter- suchung nicht geradezu ausgesprochen -und wörtlich niedergelegt wird, welches Vielen, die sich gern beruhigen, wenn sie nur das Ende ha- ' ben, gar leicht zum Fallstrik gereichen.könnte, dafs die Seele aber in dieNothwendigkeit gesezt wird, res zu suchen, und aufden Weg geleitet, ‚wo sie es finden kann. . Das erste geschieht, in- dem sie über’ ihren Zustand des Nichtwissens zü so klarem Bewulfstsein gebracht wird, dafs sie unmöglich ‚gutwillig darin bleiben kann. Das andere, indem entweder aus Widersprüchen ein Räthsel geflochten wird, ‚zu welchem die beab- sichtigte Idee die einzig mögliche Lösung ist, ‚und: oft auf ganz fremdscheinende zufällige Art manche Andeutung hingeworfen, die nur derje- nige findet und versteht, der wirklich un selbstthätig sucht. Oder die eigentliche Unter- suchung wird mit einer andern, nicht wie mit einem Schleier, sondern wie mit einer ange- wachsenen Haut überkleidet, welche dem Un- aufmerksamen ‚ aber auch nur diesem, dasjenige verdekt, was eigentlich soll beobachtet oder ge- funden werden, dem Aufmerksamen aber nur noch den Sinn für den innern Zusammenhang schärft und läutert. Oder wo es auf die Darstel- "lung eines Ganzen ankommt, da wird dieses nur durch unzusammenhängende Striche angedeu- tet, die aber derjenige, dem die Gestalt schon im eigenen Sinne vorschwebt, leicht ergänzen und verbinden kann. Dieses ungefähr sind die Künste, a, welche es demPlaton fast mit Je= - dem gelingt, "entweder das zu erreichen, was Kae TREE: ni ‚er wünscht; oder wenigstens das zu vermeiden, was er fürchtet. Und so wäre dieses die einzige - Bedeutung, in welcher man hier von einem Eso- terischen und Exoterischen ‘reden könnte, so nämlich, dafs dieses nur eine Beschaffenheit des Lesers anzeigte, je nachdem er sich zu einem wahren Hörer des Inneren. erhebt oder nicht; oder soll es doch auf den Platon selbst bezogen werden, so kann man nur sagen, das unmittel- bare Lehren sei allein sein esoterisches Handeln gewesen, dasSchreiben aber nur sein exoterisches. Denn bei jenem konnte er allerdings, wenn er erst hinlänglich gewifs war, die Hörer seien ihm nach Wunsch gefolgt, auch seine Gedanken rein und vollständig aussprechen, und vielleicht auch die besonderen philosophischen Wissen- schaften, wenn sie erst ihren höheren Grund ‚und Zusammenhang in seinem Geiste gefafst hat- ten, auch gemeinschaftlich mit ilhmen, nach „einem gemeinschaftlich erzeugten Grundrifs re- äfsig ausführen. Da indessen auch in sei-- ken die Darstellung der Philosophie in demselben Sinne forpehnieitene ist von der er sten Aufregung der ursprünglichen und leiten- den Ideen bis zu einer wenn auch nicht vollen- deten Darstellung der besonderen Wissenschaf- ten: so, folgt das obige, vorausgesezt, dafs es eine natürliche Folge und eine nothwendige Be- ziehung dieser Gespräche auf einander geben - muls. Denn:weiter förtschreiten kann er doch > nicht in einem andern Gespräch, wenn er nicht _ die in einem früheren beabsichtigte Wirkung als reicht voraussezt, so dafs dasselbe; was als: Ende des einen ergänzt wird, auch mufs als An- ‚und Grund eines andern vorausgesezt wer= | Endete nun Platon in abgesonderte Dar» en. der einzelnen; philosophischen Wis- + En? 22 \ az u. senschaften, so: wäre vorauszusezen, dafs er auch jede für sich'nach und nach weiter ge- bracht habe, und man mülste zwei verschiedene Reihen von Gesprächen aufsuchen, eine' ethi- sche und eine physische. : Da er sie aber als ein verbundenes Ganzes darstellt, und es eben sein Eigenthümliches ist, sie überall als wesentlich verbunden und unzertrennlich zu denken, so sind auch die Zurüstungen zu ihnen eben so ver- eint und durch Betrachtung ihrer gemeinschaft- lichen Gründe und Geseze gemacht, und es giebt daher nicht mehrere unabhängig neben .einan- der fortlaufende Reihen platonischer Gespräche, "sondern nur eine einzige alles in sich befassende. Diese natürliche Folge nun wieder herzu- ‘stellen, *dies’ ist, wie Jeder sieht, eine Absicht, welche sich sehr weit entfernt von allen bisheri- gen Versuchen zur Anordnung der Platonischen Werke, als welche: theils nur auf leere Spiele- « reien hinauslaufen, theils ausgehn auf eine syste- matische Sonderung ' und zZ usammenstellung nach den hergebrachten Eintheilungen der Phi- losophie ,; theils auch nur hie und da einen An- saz nehmen, und nichts Ganzes im Auge haben. Die Zusammenstellung in Tetralogien,, welche uns Diogenes nach dem Thrasyllos aufbehalten hat, beruht offenbar blofs auf der beinahe dra- matischen Form dieser Gespräche, welche Ver- ‚ anlassung gab, sie eben so zu ordnen, wie die Werke der:tragischen Dichter sich nach der Ein-: richtung der Athenischen Feste von selbst ord- neten; und auch in dieser reinen Zufälligkeit ist sie so schlecht ‘gehalten und so unverständig ausgeführt, ‘dafs sich. meistentheils gar kein Grund einsehen läfst, warum sie im Einzelen gerade so ausgefallemist. Nicht einmal so weit ist die Aehnlichkeit durchgeführt, dafs, wie: “A Ä PERRTRI TR Be u 23 _ % jede dramatische Tetralogie mit einem Satyri+ kon endigte, so auch hier die Dialogen, in de- "nen die Ironie und die epideiktischePolemik am _ stärksten hervortritt, an die Schlufsstellen ver- theilt wären, vielmehr sind sie alle in zwei Te- . tralogien zusammengehäuft. Eben so wenig ist ‚auf die alte und schon an ‘sich höchst wahr- 'scheinliche Ueberlieferung Rüksicht - genam- men, dafs Platon schon als Schüler des Sokrates einige seiner Dialogen bekannt gemacht; denn wie unten sonst die, welche sich auf die Verurtheilung und den Tod des Sokrates bezie- hen, die steh, der Lysis aber und Phädros weit in die Mitte verwiesen sein? Die einzige ur eines verständigen Gedankens möchte viel« leicht die sein, dafs der Kleitophon vor den . Staat gestellt ist, als rechtfertigender Vebergang von den sogenannten untersuchenden und dem Gikicheine Nach skeptischen Dialogen zu den ainmittelbar unterrichtenden und darstellenden, wobei es fast lächerlich ist, dafs ein so zweifel- hafter Gegenstand sich rühmen kann, diesen einzigen Gedanken veranlafst zu haben. ' Ver- ständiger sind, wiewol sie von derselben Ver- gleichung ausgehen, die Trilogien des’ Aristo- phanes, wenigstens in sofern, dals er nicht die ıze Masse diesem Gedankenspiel unterwerfen 3 wollte, sondern nur da, wo Platon selbst eine 1 Verbindung deutlich genug angegeben hat, oder _ wo sie in einem äufseren Umstände liegt, eine % Trilogie 'construirt, alles übrige aber ungeord- net läafst. Indels können beide Vehsuche nur 2 beweisen, wie bald die wahre Ordnung der Pla- _ tonischen Werke bis auf wenige Spuren verlo- ı gegangen ist, und wie schlecht diejenige von Kritik, welche die Alöxkndrihischen achforscher anzuwenden verstanden, sich eignete, zu einer richtigen Anordnung philoso- ‚phischer Werke die Principien zu finden. Weni- ger äufserlich zwar, sonst aber um nichts besser, sind die bekannten dialektischen Eintheilungen, der Dialogen, die uns ebenfalls Diogenes ohne Anzeige ihres Urhebers aufbehalten, und deren Ausspruch über einen jeden die Ausgaben der Ueberschrift beizusezen pflegen, Auf den er- steh Anblik zwar scheint dieser Versuch gar nicht hieher zu gehören, da er mehr auf Sonde» zung ausgeht als auf Zusammenstellung, und solche; innere Merkmale bezeichnet, welche kei- ‚nen Anspruch darauf machen, den Exponenten jener natürlichen Reihe anzudeuten.. Allein die Haupteintheilung in untersuchende und un- terrichtende könnte, recht verstanden, aller- dings eine Anleitung geben, um das Fortschrei- ten der \Platonischen Gespräche "wenigstens im Grofsen zu bezeichnen, da doch jene nur vorbe- reitend sein können auf diese, als die darstellen» den. Wenn nur nicht die weitere Eintheilung ganz undialektisch, bei der einen nur nach der Form der Untersuchung, bei der andern nur nach dem Gegenstande gemacht wäre, und die lezte wiederum ganz unplatonisch. die Werke nach den verschiedenen philosophischen Wis- senschaften ordnete, so dafs selbst dasjenige zer» rissen wird, was Platon ausdrüklich zusammen- gefügt hat, wie den Sopbist und den Politikos, den Timäos und Kritias, anderer ganz ande Jicher Beurtheilungen im Einzelen nicht zu ge- denken. Demselben unplatonischen Grundsaz folgen auch die Syzygien des Serranus, welche also für die Anordnung des Platon völlig un brauchbar sind, und höchstens demjenigen, der sich über einzele Gegenstände von der Meinung des Platon unterzichten will, .als ein Register \ _— 3 — dienen können, um ihm nachzuweisen, . wo er die entscheidenden Stellen zu suchen hat, wie- - wol auch dieses bei der Einrichtung der Platoni- schen Schriften nur sehr mifslich und mangel-. haft sein kann. Aufser diesen nun. ist kaum _ noch etwas zu erwähnen, es mülste sein was der, Schotte Jakob Geddes versucht hat, und Eber- hard in seiner Abhandlung von den Mythen des Platon und dem Zwek: seiner Philosophie. Der erste würde gar nicht verdienen, dafs seiner. Meldung geshähe, wenn man ihm nicht hie und da grolse Verdienste zugeschrieben, ‚und gar ge-. fordert hätte, ein künftiger Uebersezer solle nach seinem Entwurf die Werke des Platon ord- . men. Dieses dürfte jedoch auch bei dem besten. - Willen unmöglich fallen. Denn die ganze Ent- ‚dekung des Mannes besteht.darin, dals gewisse. - Dialogen des Platon sich wechselseitig erläu- _ tern, und.aus dieser Veranlassung sagt er fast. über jeden einige höchst dürftige Zeilen, welche nichts so deutlich zeigen, als dafs er fast nir- gends der. -Absicht des Platon mit Verstande machgespürt hat. Doch wenn auch alles dieses, _ besser wäre ‚und die gröbsten Beweise von Un- »wissenheit: wie auch Mifsverständnisse einzel- mer Stellen gar nicht vorhanden, wie kann, wohl nach einer, wechselseitigen Erläuterung. eine Anordnung vorgenommen werden, oder welches umter dem wechselseitigen, und nach - welchem Gesez soll das erste sen? Was aber ' den Versuch von Eberhard betrifft, so geht er ‚daraufhin, alle Werke des Platon auf einen ge- meinschaftlichen Endzwek seiner Philosophie zurükzuführen, der aber aufser der Philosophie. selbst liest in der Bildung der vornehmen athe- nischen Jugend zu tugendhaften Bürgern. Hie- bei nun ist ohnerachtet des sehr klaren Vortrages y m — _— 26 — ER schwer zu entscheiden, ob dieser Zwek zu- gleich der Gründ gewesen sein soll zur Erfin- dung aller höheren Speculationen des Platon, welches doch gar zu abentheuerlich wäre zu be- haupten, und den Kreis abgerechnet, in dem es sich dreht, da ja die Philosophie erst bestimmen mufs, was die Tugend des Büirgers sei, auch ein viel zu untergeordneter Standpunkt für die Phi- losophie selbst. Soll aber die Meinung dahin gehen, dafs Platon seine Philosophie unabhän- gig von jedem besonderen Zwek erfunden habe, und diese schon müsse vorausgesezt werden, die Schriften aber sich auf jenen Endzwek beziehen sollten, und so- wären ausgearbeitet worden, wie dieser es unter den jedesmaligen Umständen erfordert hätte: so wäre dieses das stärkste, was jemals von ihrer exoterischen Beschaffenheit ge= sagt worden. Indels könnten dem zufolge die philosophischen Schriften des Platon nur eine pädagogische Reihe ausmachen, oder vielmehr eine polemische, in welcher wegen ihrer Bezie- hung auf äufsere Umstände und Ereignisse auch alles nur zufällig sein könnte, und so wäre sie, ähnlich genug einer Perlenschnur, nur eine willkührliche Zusammenreihung von Productio- nen, die aus ihrer organischen Stelle herausge- .rissen, auch bei dem gänzlichen Mifslingen jener Absıcht nur als ein zwekloser Schmuk anzuse- hen wären; nicht besser, als wenn Andere be- haupten, Platon habe nur aus Eitelkeit bald die-, ses bald jenes von seinem Wissen oder gegen das anderer Philosophen bekannt gemacht. Beial- len diesen Bemühungen also ist an die Herstel- Jung der natürlichen auf die fortschreitende Ent» wikelung der Philosophie sich beziehenden Reihe dieser Schriften noch gar nicht gedacht ‚worden, Einen ganz anderen Charakter aber FRER 277. — 2% i . alsalles bisherige hat der in TennemannsSystem . der platonischen Philosophie, wenigstens dort zuerst miteiniger Vollständigkeit angestellte Ver- such, die chronologische Folge der platonischen Gespräche aus mancherlei ihnen eingedrükten historischen Spuren zu entdeken; denn dieses ist ngs ein kritisches und re Geschichtsfor- ers, wie der Urheber jenes Werkes, ganz iges Bestreben. Zwar ist seine Absicht da- eniger darauf gerichtet gewesen, auf die- ee die wahre und wesentliche Beziehung - der Werke des Platon zu entdeken, sondern nur ‚im Allgemeinen die Zeiten zu unterscheiden, ' um micht in eine Darstellung der Philosophie des reifen und vollendeten Platon auch frühere N vollkommenheiten mit aufzunehmen. Alleın so wie zu jenem Unternehmen überhaupt das gegenwärtige ein nothwendiges Gegenstük ist, ‚so wäre ‘wiederum jene Methode, da sie ganz ‚auf äufseren Merkmalen beruht, ‘wenn sie nur ein angewendet werden könnte, und je- dem platonischen Gespräche seine Stelle zwi- ‚schen zwei’ anderen bestimmt anwiese, die na- ‚rürliche Probe zu der unsrigen ganz inneren. - Vollkommen freilich müfsten deshalb die Resul- date von beiden vielleicht doch nicht überein- stimmen, weil nämlich die äufsere Entstehung eines Werkes noch andern äufseren und zufälli- sn Bedingungen unterworfen ist, als seine in- mere Entwikelung, welche nur inneren und p“ _ nothwendigen folgt; woraus leicht kleine Ab- iL ‚weichungen Sutstehien können, so dafs, v was in- merlich eher vorhanden war, als ein anderes, Fr äufserlich später erscheint. - Mit gehöriger sicht aber auf diese Einwirkungen des Zufä - “welche sich doch einem außmerksamen Age schwerlich entziehen würden, wenn beide — 28 7 Reihen vollständig vorhanden wären, und ge- nau verglichen werden könnten, "müfsten doch beide durch herrschende Uebereinstimmung ihre Wahrheit gegenseitig am besten bestätigen. Al- lein man entdekt auf jenem Wege wenig be- stimmte Punkte, sondern für die meisten Ge- spräche nur ziemlich unbestimmte Grenzpunkte, zwischen welche sie fallen müssen, ja oft ist nur nach Einer Seite hin ein Aeufserstes gegeben. Nämlich derStrenge nach dürften sich die histo- rischen Spuren nicht über das Leben des Sokra- tes hmaus erstreken, in welches ja alle Gesprä- che fallen, mit Ausnahme der Geseze und der wenigen, die Platon durch Andere wieder er- zählen lafst, und: bei denen ihm also auch eine spätere Zeit zu Gebote stand, welchen Vortheil er aber auch nicht immer benuzt hat um uns eine genauere Spur zu hinterlassen. Nun geben: zwar die Anachronismen, die er sich hie und da- erlaubt, Hoflnung zu einigen mehreren ge= schichtlichen Angaben, so dafs man wünschen möchte, Platon hätte sich dieses Fehlers öfter schuldig gemacht; aber auch diese geringe Aus- beute wird sehr zweifelhaft durch die Betrach» tung, dafs manche von »diesen Thatsachen viel- leicht erst bei einer späteren Ueberarbeitung ih- ren Plaz gefunden, bei welcher sich Platon na- türlich nicht mehr so lebhaft in die wahre Zeit des Gesprächs versezte, und sich eher verleiten lassen konnte, sie regellos zu überspringen. Es äbe vielleicht noch mehr bis jezt noch unbe- nuzte Hülfsmittel für diese Methode. So könnte man das herrschende Ansehen des Sokrates, wel-- ches, wenn man die Gespräche in eine gewisse Reihe stellt, allmählich verschwindet, als einen Maafsstab ansehn für die Entfernung der Gesprä- ehe von der Zeit seines Lebens; oder auch die, / Wahl der übrigen Personen für ein Zeichen von ‚der Leebhaftigkeit des Antheils, den Platon an Athen und dem öffentlichen Leben daselbst nahm, und der ebenfalls sich mit der Zeit abge- stumpft hat. Allein alles dieses ist so vielen Ein- ‚schränkungen unterworfen, dafs jeder zuver- sichtliche Gebrauch davon verfänglicher sein möchte als erspriefslich, und keine'daraus ge- zogene Folgerung etwas entscheiden sondern nur einen geringen Zuwachs von Wahrschein- \ ‚lichkeit abgehen könnte.. So dafs durch diese Methode schwerlich mehr möchte zu errei- ‚chen sein, als wozu sie in jenem Werke mit äßrerther Mäfsigung, wenn auch vielleicht „ nicht immer nach richtigen Voraussezungen, ist. " angewendet worden. . Gewils wenigstens kann ‚dasjenige, was sich aus’der inneren Betrachtung ‚der platonischen Werke für ihren Zusammen- Katie ergiebt, aus jenen historischen Andeutun- echt benrthkilt oder widerlegt werden, da _ jenes Bestreben nur eine Folge und keinen Zeit« unkt bestimmt. Zu Hülfe aber müssen sie al- N ehe so viel möglich genommen wer den, um ‚doch einige Punkte zu gewinnen, durch welche "jene Folge'auch mit den äufseren Begebenheiten kann in Verbindung gebracht werden. ©. Will man nun aber die natürliche F olge der platonischen Werkexus der Unordnung, jn wel- ‚cher sie sich jezt befinden, wieder hersteller, so muls, wie es scheirit, nothwendig vorher entschieden sein, welche Schriften wirklich ‚des Platon sind, und welche nicht. Denn wie könnte sonst ein solcher Versuch mit einiger Si« R cherheit angestellt. werden, und wie müfste Ju Bere ehmehr; falls etwas fremdes unter die i + Werke des Platon gemischt wäre, auch das ächte ineinem ‚ganz falschen Lichte erscheinen‘ wenn > — 30 — 2 man erzwingen wollte, das unächte damit in Verbindung zu sezen? Oder sollte es erlaubt sein, die aufgestellte Forderung selbst zum. Maafsstabe zu machen, und etwas scharf und schneidend festzusezen, dafs, was sich in jenen Zusammenhang nicht hineinfüge; auch dem Platon nicht angehören könnte? Wohl schwer- lich möchte sich jemand finden, der dieses bil- ligte, und nicht einsähe, dafs es eine höchst einseitige Entscheidung wäre über eine nach ganz anderen Gründen zu beantwortende Frage, und.dafs eine aus Betrachtung der als platonisch vorausgesezten Werke entstandene Idee unmög- lich zugleich über die Richtigkeit der Voraus- sezung selbst absprechen könne. Vielmehr wer- den die Meisten die ganze Frage nicht erwarten über die Aechtheit der platonischen Schriften, sondern sie-für längst entschieden ansehen, bis auf unbedeutende Zweifel, welche nur ein Paar "Kleinigkeiten betreffen, von denen sehr gleich- "gültig sein kann, ob sie jemand’ aınimmt’oder verwirft. So nämlich werden alle diejenigen ur- theilen, die sich bei der längst verjährten Auto- rität unserer Sammlungen beruhigen. Diese stimmt freilich genau zusammen mit dem Ver-' zeichnifs des Thrasyllos im Diogenes, nur dafs „eine spätere Kritik unserer Sammlung. noch den "Kleitophon entrissen hat, "und dagegen jenem | Verzeichnifs die Worterklärungen fehlen, wel- ches also die einzigen zweifelhaften Gegenstände sein würden. Ja, wir haben ein noch besseres Zeugnifs für dieseSammlung, nämlich denschon genannten Grammatiker Aristophanes, dessen anordnendes Verzeichnils Diogenes auch vor Augen gehabt hat, und uns gewils nicht würde verschwiegen haben, dals es irgendwo von je- nem uhren Aber wie kann sich wohl eine | Re — 31 — gründliehe Kritik, wenn sie auch auf die Zweis - fel, welche das eigne Gefühl eingiebt, keine Rüksicht nehmen wollte, bei j jenen Autoritäten beruhigen? Denn nicht, zur, haben sich, mit ‚Ausnahme vielleicht weniger Dichter, in alle beträchtlichen aus dem Alterthum erhaltene Sammlungen von Werken einzeler Schriftsteller auch unächte Hervorbringungen eingeschlichen, " so.dals es ein Wunder wäre, wenn die des Pla- ton eine Ausnalıme machen’ sollten, da zumal die philosophische Litteratur den Fleils der Kri- tiker weniger beschäftiget hat. Sondern es tritt beim Platon noch der besöndere Umstand hin- zu, dessen Wichtigkeit in dieser Hinsicht man nicht recht erwogen zu haben:scheint, dafs näm- - - Jich schon jene Künstrichtr eine beträchtliche ° Menge kleiner. Gespräche, als dem Platon nicht örig, aus‘ der Sammlung, welche sie vor- fanden, herausgeworfen haben. Denn hieraus gehe doch offenbar hervor, dafs jene Dialogen " ihren Plaz unter den anderen Werken des Platon ‘damals schon eine geraume Zeit lang mufsten behauptet haben, weil ja sonst keine besonders ‚Operation der Kritik nöthig gewesen wäre, um, FE ähnen wieder zu enueilich, Und diese _ Usurpation wiederum hätte nicht erfolgen kön- S; nen, wenn man von der Unächtheit jener Ge- spräche Zeugnisse gehabt hätte, die sich noch aus den Zeiten der ächten Akademiker herschrie- ben, wie denn überhaupt, so lange Solche vor-, handen waren, welche die ächte platonische Ueberlieferung mit Eifer für die Sache verwahr- ten, sich nicht denken läfst, dafs dem Platon _ fremde Arbeit allgemein hätte können unterge= - schoben werden. Wonach also haben jene Kri- - tiker geurtheilt, als sie einige Dialogen annah- men und andere verwarfen? Wollte man sagen, a sie hätten über älle nicht verworfenen: sichere hinreichend alte Zeugnisse ihrer Anerkennung von den nächsten Zeitaltern gehabt: so ist ja das Stillschweigen der Zeitgenossen, .die für dn Fall einer künftigen Verwechselung nicht zu sor- gen pflegen, und zu jeder Anführung einer Ver- anlassung bedürfen, weder einzeln noch zusam- mengenommen eine Ursache zur Verwerfung, und s sie könnten also leicht unrecht verurtheilt haben. Ebenso könnten auch gegen die Zu- "länglichkeit der anıgewendeten Zeugnisse man- ‘cherlei Bedenklichkeiten erhoben werden, da schon mehrere Beispiele und noch neuerlich ge- lehrt haben, wie zeitig im Alterthum unterge- schobene Schriften selbst von Sprachkennern und Gelehrten in die Reihe der ächten aufge- nommen wurden. Haben sie aber mehr nach inneren Gründen geurtheilt, so giebt es für diese wenigstens keine Verjährung, sondern sie blei- ben errieuerter Prüfung jedes auch späteren Zeit- alters billig siterwörken Daher entsteht nun, zumal jedem Nleifsigen Leser des. Platon man- che Bedenklichkeiten gegen manches aufstofsen werden, die Frage, ob Jene nicht von einem zu beschränkten Gesichtspunkt bei ihrer Kritik aus- gegangen sind, oder ob sie vielleicht, richtige Grundsäze doch nicht in ihrer ganzen ‘Schärfe angewendet und also manches beibehalten ha- ben, das zum Verwerfen nicht minder geeignet ‚war. Zweierlei giebt diesem Zweifel noch be- sondere Nahrung. Zuerst, dafs die damals ver- worfenen Gespräche sich nicht alle von allen da- inals anerkannten ganz schneidend der Art nach. tinterscheiden, sondern, man sehe nun auf den Inhalt oder die Zusammensezung und Behand- Jungsart, einige sich emigen ziemlich nähern: Dann auch, dafs aus derselben Zeit, in welcher - jene jene, „Autoritäten TE anerkannt wurden, dennoch i in den bekannten Bedenklichkeiten ge- gen; die Erastä und den Hipparchos sich noch eine Wurzel von Zweifeln erhalten hat, welche vielleicht nur in besseren kritischen Be, ver- pflanzt werden dürfte, um noch merklich wei- ter sich zu verbreiten, und an vielen andern Or- ten auszuschlagen. Ist aber das Ansehen der Sammlung auf diese Art erschüttert, so wird je- “der, der nur mit einigem Sinn für solche Nach- “ forschungen begabt. ist, seingestehen müssen, - dafs nun der Strenge nach jedes einzelne Werk für sich aus eignen Gründen sich als platonisch bewähren mufs. Dieses nun kann doch zunächst auf keine andere Art geschehen, als wiederum. durch Zeugnisse, und mitRüksicht auf das Obige möchte sich zweifeln lassen, ob es für uns jezt "noch andere gültige Zeugnisse gebe, als die des ‘Aristoteles. ‚Indessen. treten auch bei diesen ‚mancherlei Bedenken ein, . theils wegen der veifelhaftigkeit mancher seinen Namen. tragen- ‚Schrift, da auch dieser Sammlung fremde Arbeiten beigemischt sind, theils wegen der ‚schlechten Beschaffenheit des ‚Textes, der weit . mehr mit Glossemen angefüllt zu sein scheint, als man bisher bemerkt hat, theils endlich we- gen seiner Art anzuführen, "indem er oft nur die en platonischer Dialogen nennt ohne den Verfasser, oder auch den Sokrates, wo ‚den Platon erwartet. Das philologische Ban aber, welches hier zuversichtlich ent- piden wollte, ob er den Platon im Sinn ge- oder nicht, und ob er ihm die genannten Gep äche zugeschrieben oder nicht, dieses mü ste sich zwar als in hohem Grade, geübt be- währt} haben, nicht nur im Allgemeinen, son- Plat, W. 1. Th. I. Bd. [5] w . ee ee dern auch besonders dafs es hier keinen Kreis beschreibe, und etwa das Urtheil über die An- führungen des Aristoteles auf ein früher gefälltes über die platonischen Schriften selbst gründe. Daher darf auch nicht jede nur beiläufig, und wie es nicht selten der Fall ist, fast überflüssig und zum Schmuk hingestellte Anführung in den Werken des Aristoteles als Beweis der Aechtheit eines platonischen Dialogen gelten. Das einzige nun was aus dieser Rathlosigkeit rettet, ist ein durch den gröfsten Theil der ächten Schriften des- Aristoteles sich hindurchziehendes System der Beurtheilung des Platon, dessen einzele Theile jeder bei einiger Uebung leicht unter- scheiden lernt. Wo wir also dieses mit Stellen : aus unsern platonischen Schriften oder auch nur mit Ideen beschäftiget finden, die in denselben deutlich enthalten sind, da können wir mit Si- cherheit schliefsen, dals Aristoteles diese Schrif- ten als platonische vor Angen gehabt habe, sollte er auch, wie bisweilen geschieht, die Schrift selbst nicht namhaft machen, sondern nur im Allgemeinen des Platon oder des Sokra- tes erwähnen. Dieses genauer auseinander zu sezen, würde weit über die Grenzen gegenwär- _ tiger Einleitung hinausführen, und um so unnö- thiger sein, da unter den Nichtkennern beider Werke die Zweifel wohl nicht stark genug sind » um es zu fodern, die Kenner aber schwerlich Einwendungen machen werden gegen dasResul- tat, dafs es uns auf diese Art an sicheren Bewei- sen für die Aechtheit der gröfsten und für den Sinn seiner Philosophie wichtigsten Werke des Platon nicht fehlen kann. Diese nun sind der kritische Grund, auf welchen jede weitere Un- tersuehung bauen muß, und in der That bedarf de _ sie eines besseren nicht, Denn die so beurkun- “ deten Gespräche bilden einen Stamm, von wel- ehem alle übrige nur Schöfslinge zu sein schei- onen, 'so dafs die Verwandtschaft mit jenen das } au Merkmal abgiebt, um über ihren Ursprung - zu entscheiden. Zugleich auch müssen’ für das x eiteGeschäft des Anordnens ebenfalls der Na- ur der Sache nach in jenen schon alle wesentli- ab ar Momente des allgemeinen Zusammenhan- ih ges gegeben sein. Denn natürlich mufste der _ erste Beurtheiler des platonischen Systems auch die wichtigsten Entwikelungen desselben ohne Ausnahme vorzüglich ins Auge fassen, und 'so en wir diese auch wirklich in den dürch ihn meisten beglaubigten Werken, Als solche; e in beider Hinsicht der Aechtheit sowohl s der Wichtigkeit die erste Rangordnung plato- e Werke ausmachen, zählen wir den Phä» ‚den Protagoras, den Parmenides, den “era ‚ den Sophist und Politikos, den Phä» en Philebos, und den Staat, nebst demda-+- in Verbindung gesezten Timäos und Kritias, | diesen also haben wir einen festen Punkt, "welchem aus beide Bemühungen, die Aecht« heit der übrigen zu entscheiden, "nizidie Stelle welche jedem gebührt auszumitteln, weiter j ei. können; auch die zweite gleichzeitig der ersten, und ohne dafs sich beide durch ungen auf einander 'als leer aufhö- Banden. : vielmehr so,.: dafs sie auf man- dei Art einander sehr natürlich unterstüzen, die folgende Erörterung hoflentlich zei- wird, "Das erste Geschäft EN, die aber Ge- räche unserer Sammlung zu prüfen, ob. sie n Platon angehören können oder, nicht, ist ‚N — 56 — deshalb nicht ohne Schwierigkeit, weil der Cha- rakter der Verwandtschaft, den man'aus jenen erwiesenen abziehen kann, aus mehreren Zügen und Merkmalen zusammengesezit ist, und es un- billig scheint zu verlangen, dafs alle in allen ER Hervorbringungen desPlaton auf gleiche Art sol- len verknüpft sein, und schwierig zu bestim- - mien, auf welche man vorzüglich "sehen, und welchen: Rang: jedem anweisen soll. _Dreierlei aber:ist es, was.hiebei vornemlich in Betrach- . tung kommt: die Eigenthümlichkeit-der Spra- che, ein gewisses gemeinschaftliches Gebiet des Inhalts, und die besondere Gestalt, in welche Platon ihn ‚auszubilden pflegt. Was nun die Sprache betrift, so’wäre es glüklich um die vor- liegende ‚Sache bestellt, wenn aus derselben i ir- gend ein Beweis über den Ur sprung jener Schrif- | ten’könnte geführt werden. ‚Allein sehen: wir 3 ‚auf: den philosophischen Theil derselben, giebt es unter den Gesprächen welche in hiese Untersuchung. fallen einige, die ‚überall keine wissenschaftlichen Gegenstände, noch im Geist der: Speculation, behandeln; die übrigen aber siehmen ihren Inhalt so tssnittelbar, aus demGe- biet der ächten her, und: sind so, offenbar von leicher Denkungsart eingegeben, dafs es un- möglich ist shieran eine spätere..oder, fremde Hand zu erkennen, und dennoch könnten’sie, was. diesen Punkt: ängeht, nur von einem Schü- der oder: Nachahmer: herrühren , welcher den Rufstapfen des Meisters’ trenlich. gefolgt wäre. Bu “Was aber ‚den eigentlich dialogischen Theil der x . Sprache bewift, so dürfte sich schwerlich j je- maänd» EEEERTENTR zuerst von dem ‚gemein- schafllichen Besiz des:Zeitalters dasjenige, ‚was ‚besonderes Werk der; sokratischen Schule war, El es ETPRE ra de Bu ul Bl u Zn nd ze diesem wiederum die Eigenthümlich« des Platon mit Sicherheit zu unterschei- .. Oder sollte bei dem grofsen Umfang, den | + re che eines Mannes gewinnen mufste, der - Se lange Zeit den Griffel geführt hat, dann’ bei x aan grofsen Verlust gleichzeitiger und: gleichar- a ger Werke, und endlich wenn man doch die inen schon längst verworfenen Gespräche mit a er Venztheilende Ganze einrechnen mufs, ofsen Verschiedenheit des Werthes und Fe sollte irgend jemand jezt schon sich en hellenisch genug zu wissen, um über d einen Ausdruk selbst in jenen klemen esprächen das sichere Urtheil zu fällen, dafs er _ onisch sei? Vielmehr: ist es gewils nicht hl etwas aufzuzeigendes fremdes, sondern as abwesende einhei«ische, die fehlenden esenen und zierlichen dialogischen For- ‚ diese sind es, was jenen längst schon ge- eh Schriften von Seiten der. Sprache da e fungsurtheil. zuziehen kann. Unter de ko, welche jenes Mangels nicht ztı zeihen _ ' könnte: gar wohl manches dem Platon angehören, ohne dafs es’sich in der Spras offenbarte: So dafs diese einseitig fast nichts heiden kann: denn manches Gefühl, wels Meekion abhängt, als von der Aprache allein. ige. ‚dürfte zweitens auch von dem Inhalt ierke der ersten Klasse gelten, wenn man u Aechtheit der are beurtheilen - rn. 158. Werke: widersprechen; hiedurch ‚aber würde man den Platon eines Rechtes berauben, dessen sich jeder andere erfreut, nemlich seine'Gedan- ken zu berichtigen oder zu vertauschen, auch nachdem er sie schon öffentlich geäufsert, und man gestände ihm ohne weiteres zu, was nach Beobachtung unserer heutigen Philosophen so wunderlich scheinen mufs, dafs es nicht ohne den strengsten Beweis geglaubt werden .dürfte: dafs er vom Antritt seiner lehrenden Laufbahn, und noch früher, immer so gedacht habe wie hernach. _ Oder man wollte weniger auf genaue Uebereinstimmung aller einzelen Gedanken sehn,,, als nur auf die Beschaffenheit und Gröfse des Inhaltes überhaupt, und zur Regel aufstellen, jede platonische Schrift müsse, dieselbe Bedeut- samkeit haben und sish eben so auf die ganze Idee der Philosophie beziehen wie jene. Dann aber würde man vergessen, dafs gar leicht einem "Schriftsteller äufsere Veranlassungen kommen zu fremdartigen und beschränkteren Werken, die ohne äufseres Zuthun aus der ganz freien Thä- "tigkeit desselben nicht würden hervorgegangen ' sein. In solchen, eigentlich zu reden, Gelegen- heitsschriften kann mit Recht nicht gefodert. werden, dafs seine einer höheren Sphäre ange- hörigen Ideen sich entwikeln sollen, und wo sich Spuren derselben zeigen, ist dies etwas zufälli- ges und überverdienstliches, welches auch nicht inimer untrüglich den Ursprung von ihm bewei- sen möchte. Eben so ist ja oflenbar, dafs jeder grofse Künstler jeder Art aulser. seinen eigentli- chen Werken auch Studien zu ‚arbeiten pflegt, in denen freilich der Kenner mehr ‚oder minder von seinem Styl und Geist entdeken wird, die aber dennoch in die Reihe der ihn eigentlich er — 59 — _ eharakterisirenden Werke nicht gehören und. seine grofsen Kunstabsichten nicht. fördern, ja - in denen er sich vielleicht: absichtlich irgend einer, Vorübung wegen von dem gewohnten Kreise seiner Gegenstände oder auch von der ihm natürlichen Behandlungsweise entfernt. 'Of- fenbar giebt es in unserer Platonischen Samm- lung mehrere Stüke, welche nur unter diesem hs: unkt dem Platon können zugeschrie- en werden, und von solchen aus der Geringfü- eit.des Inhalts oder aus einzelnen. Abwei- Fe in der Behandlung desselben. entschei- den zu wollen, ob sie ihm angehören oder nicht, „möchte nach dieser Analogie” sehr milslich sein. Daher. führen uns die schwierigen Fälle von die- ‚sem Kennzeichen sowohl als von jenem der Sprache auf ein drittes und sicherers, in wel- Be sie,sich auch. beide vereinigen, _nemlich. ee Ri en Einzelheiten, ‘sondern der ganze Ton _ amd die eigenthümlicheFarbe derselben , welche on mit der Composition in dem genauesten Verhältnifs steht. Eben so. wird diese sich en Hauptzügen nach auch in solchen Studien 'verrathen, in denen uns der grofse Inhalt jener Werke einer höheren Klasse verläfst. Ja’was das meiste ist, um uns von dieser ächt platonischen Form. ‚einen richtigen Begriff zu machen, dür- fen wir sie nicht erst, wie jene beiden andern azeichen , aus den gröfseren Werken abstra- bi hiren als eine Analogie, von deren Anwendbar- eit. die Grenzen doch nicht mit Sicherheit kön- ı gezogen werden; sondern sie ist in allem sentlichen eine natürliche Folge von Platons edanken über ‚die Philesophische Mittheilung, - & — go — "und mufs also auch überall anzutreffen sein, so "weit sich diese nur erstrekt. Denn sie ist nichts anderes als die unmittelbare Ausübung jener me- thodischen Ideen, die wir aus Platons erstem Grundsaz über die Wirkungsart der Schrift ent- 'wikelt haben. So dafs dieselbe Eigenthümlich- keit des Mannes, welche berechtiget . durch- gängigen Zusammenhang ı in seinen Werken zu suchen, uns auch dasjenige offenbart, was den sichersten Kanon zur Beurtheilung ihrer Aecht- heit abgiebt, und auch so die Lösung beider Aufgaben aus einer gemeinschaftlichen Wurzel ‚hervorwächst. Als das Aeufsere dieser platoni- schen Form und ihr fast unentbehrlichesSchema ist schön oben die dialogische Einkleidung ange- geben, nur so.aber, wie sie dureh lebendige Auffassung jener Absicht den mündlichen Un- terricht, der es immer mit einem bestimmten Subjekt zu thun hat, nachzuahmen, noch eine besondere Eigenthümlichkeit annimmt, welche erst den platonischen Dialogen bildet; nemlich jene mimische und dramätische Zuthat, welche Personen und Umstände individualisirt und nach . allgemeinem Geständnifs als eine reiche Quelle so viel Schönheit und Anmuth in die Dialogen des Platon ausströmt. Seine grolsen unbestrit- tenen Werke zeigen uns deutlich, 'dals er sie selbst da nicht vernachläfsigt, wo er am meisten in den Gegenstand vertieft ist, so wie aufder: an- dern Seite fast durchgehenids, dafs er sie daam reichlichsten zuläfst, wo der Inhalt weniger in den dunkelsten Ernst der Speculation hineim- führt. Woraus denn allerdings zu schliefsen ist, dafs diese äufsere Form ‚nirgends ganz fehlen darf, und dafs Platon auch an das unbedenutend- ste, was’ er als Studium oder auf Veranlassung { — -4I u x übfalse,; etwas von dieser Kunst wird gewendet dem Gefühl eines TBBSk: als unplatonisch 'be- "ist von jenem alten kritischen Ur- sile, dafs alle Gespräche ohne Eingang dem tonabzusprechen seien, nur dafs freilich diese seitig ausdrükt.. Zum inneren und wesenth- en der platonischen Form aber gehört: alles : für die Composition ausder Absicht, dieSeele des Lesers zur eignen Ideenerzeugung zu nöthi: n, folgt, jenes öftere Wiederanfangen der Un- uchung von einem andern Punkte aus, ohne s jedoch’ alle diese Fäden in dem gemein- den, jene dem Anschein nach oft will- e- us nur aus der losen Haltung, die Gespräch haben darf, zu entschuldigende 'schreitung, welche aber doch immer ab- tsvoll an: künstlich ist, ferner das Verber- ı des gröfseren Zieles unter einem kleineren, a - Anfangen | mit etwas Einzelem, das ‘ ar sche Verkehr mit Begriffen, worunter B: ‚die Hinweisung auf'das Ganze -und-auf N ursprünglichen Ideen immer fortgeht: dies "ist es; wovon sich do in allen wirklich plato- hen’ Arbeiten von irgend philosophischem alt nothwendig finden mufs. Indessen: ist ich offenbar, dafs dieser Charakter nur im em vollen Lichte zeigen kann, und hier se- "wir zuerst, wie beide Bemühungen. um den n, die Prüfung der’Aechtheit und dieAufsu- 3 R: haben. Auch ist dies 'unstreitig das erste, was 2 diesschon von Alters her verworfenen Dialogen Formel ‚die Sache nur 'sehr unvollständig. und. hältnifs mit der Gröfse des Inhaltes sich in "des rechten Ortes für ein jedes u lichen Mittelpunkt wirklich zusammenge- | - a e Y RER 42 — einander gegenseitig unterstüzen und bewähren. Denn je vollkommener in einem Gespräche, wel- ches sich schon durch seine Sprache empfiehlt, und welches offenbar platonische Gegenstände behandelt, diese Form sich ausgeprägt findet, um desto sicherer nicht nur ist es ächt, sonderg weil alle jene Künste auf das frühere zurük und auf das weitere hindeuten, mufs es auch um de- sto leichter ‘werden zu bestimmen, welchem Hauptgespräch es angehört oder zwischen wel- chem es liegt, und in welcher Gegend.der Ent- wikelung platonischer Philosophie es einen auf- hellenden Punkt abgeben kann. ‘ Und: eben so umgekehrt, je leichter‘es wird einem Gespräch seinen Ort in der Reihe der übrigen anzuweisen, um desto kenntlicher müssen ja eben durch jene ‚Hülfsmittel diese Beziehungen gemacht sein, und um desto sicherer eignet; es ja dem Platon. Diejenigen Gespräche also, bei denen platoni- scher Inhalt mit platonischer Form in dem rech- ten Verhältnifs vereinigt und-beide deutlich ge- nug sind, bilden eine zweiteKlasse platonischer "werke, welche-auch-ohne Hinsicht auf die ziemlich vollgültigen Zeugnisse, ‘die auch eini- . gen von ihnen zu Statten kommen, - sich durch ihre Verwandtschaft und Verbindung mit der er- sten hinlänglich beurkundet. Je schlechter aber ein Gespräch in Absicht auf diese Form ist bei einem sich ihr verhältnifsmäfsig leicht, genug darbietenden Inhalt, um destozweifelhafter wird . auch gewils seine Aechtheit, da zumal auch in demselbenMaafs sich dieandern Bestandtheile.des platonischen Charakters undeutlicher offenbaren nüssen. Denn auch die Ideen selbst werden dann weriger vom Geiste des Platon verrathen, und auch die Sprache wird weniger Gelegenheit Dh Ze Te a Be Een sich. in ihrer ganzen Kraft und Schön- A heit. zu entfalten, da so vieles von beiden mit jenen Eigenheiten der Composition. zusammen- hän "So nimmt mit der Klarheit der Form auch:von allen Seiten die Ueberzeugung von der Aechtheit ab, bis sie um so mehr in Bedenk- lichkeiten und Zweifel übergeht, je weniger zu uben ist, dafs Platon, dem es so leicht und natürlich war von allen einzelen Begriflen und. besonderen Meinungen auf seine grolsen Grund- ideen zurükzukommen, irgend einen Gegen- ‚stand aus dem Gebiete der Philosophie, wo sich _ jeder so. behandeln läfst, anders. sollte ausge- führt haben, weil er sich ja hiebei, ohne einen von: seinen in Zweken zu erreichen, um = nichts in einen gewaltsamen Zustand mülste ver- - sezt haben. _ Für solche Gespräche wird es daher eine dringende Aufgabe einen. besonderen Be= weis zu führen , auf welche Art sie wohl plato- nisch sein können, und eine. überw iegende Wahrscheinlichkeit wenigstens mus beigebracht werden, um sie nicht mit vollem Rechte zu - _ verwerfen. .„Gesezt aber auch, die Wage ; sschwankte und die Sache könnte gar nicht ent- : ieden werden, .so'wird auch diese bleibende _ Ungewilsheit den Anordner der platonischen Werke in keine Verlegenheit sezen.. Denn Ge- _ spräche. dieser Art gehören'auf keine Weise in die Reihe welche er aufstellen will, indem, auch wenn ihre Aechtheit zu erweisen wäre, dies nur en geschehen. könnte, dafs ein besonderer Zwek oder £ine eigne Veranlassung zum Dasein so ungleichartiger Hery orbringungen: aufgezeigt würde, so dals sie auf jeden Fall nur Gelegen- heitsschriften sein können , die ihrer Natur nach Kazigel seines Gebietes liegen. . Alles also # wasin den Zusammenhäng, den er "sucht, gehö- ren kann, tiber dessen Aechtheit ist ic leich- ter zu entscheiden, und alles worüber die Un- tersuchung der Aechtheit gar nicht oder nur aus anderen Momenten abg&schlossen 'werden kann, ehört schon an sich in eine dritte für ihn gleichgültige Klasse, nemlich nicht nur jene’um eines Mifsverhältnisses willen ' zweifelhaften Schriften, sondern auch diejenigen Stüke der platonischen Sammlung, die gar nicht in das Gebiet der Philosophie . gehören, wind deren Aechtheit also auch nicht nach einerlei Regeln mit den übrigen karın beurtheilt werden. Soist deinnach die Befugnifs gerettet, gleich von Anfang an den Zusammenhang der plätoni+ schen Schriften aufzusuchen, Aid sie in einer solchen Reihe Aufzustellen, ‘welche die Wahr- scheinlichkeit für sich hät, dafs sie von der: Ord= nung, in welcher Plaron sie schrieb, am wenig- sten abweiche; und dieses‘ Unternehmen wird nicht gefährdet, gesezt auch es mülste ein be- stimmtes Urtheil über die Aechtheit manches Gespräches erst künftigen "Zeiten oder einer schärfer nachspähenden und besser Aausgerüste« ten Kennerschaft aufbehalten ‚bleiben. ' Dieses also istnur noch übrig, dafs, wie die Kennzei- ‚chen der Aechtheit und die daraus entstehenden verschiedenen Verhältnisse der platonischen Schriften kürzlich angegeben worden ‚sind, 'so auch nun die ersten Grundzüge ihres Zusanımen- hanges und der darauf beruhenden Anordnung zu vorläufiger Uebersicht 'des Ganzen im Allge- "meinen vorgelegt werden. ‘ Denn im Einzelnen zu zeigen, wie jedes Gespräch in’ die andem eingreift, dies mufs den besonderen Einleitun- gen vorbehalten: bleiben; hier aber kann nur gt PER estgedsnken Rechenschaft ce _ werden, welche seinem ganzen Verfahren zum Grunde: liegen. Bleiben wir nun zunächst bei er engeren Auswahl der gröfseren platonischen Werke stehen, in denen der Hauptfaden, dieses Zusammenhanges vollständig, ‚wie schon erin- mert, muls zu finden sein: ‚so zeiehnen sich einige unter ihnen vor allen andern. dadurch aus, dafs sie allein eine objective wissenschaft- ‚liche Darstellung enthalten, der Staat nemlich, der Timäos and: Kritias. » Alles stimmt zusam- um. diesen die lezte Stelle anzuweisen, we: sowol als auch, wenn gleich ın schiedenem Grade, innerer aa der ten Reife und des ernsten Alters, und der unvollendete Zustand, in welchem ‚am Zusammenhange betrachtet befinden. 5 ehr aber als.alles. dieses egtscheidet die Natur L; ee indem diese wissenschaftlichen Dar- ‚stellungen auf den früher geführten Untersu- ngen „beruhen, in welche. alle’ Gespräche oder. weniger verwikelt sind, nemlich as Wesen der Erkenntnils überhaupt: und jhilosophischen. besonders, und über die endbarkeit der Idee der Wissenschaft auf 2 Er Werken behandelten Gegenstände, n Menschen ‚selbst und die Natur. Es kann € ich sein, dafs der Zeit nach ein grofser Zwi- enraum ist zwischen dem Staat und dem Ti- äos; aber es ist nicht zu glauben, 'dafs- Platon ‚diesem Zwischenraum irgend eines von den rigen Werken, ja überhaupt irgend eines en. Zusammenhang g gehöriges abgefafst ha- :aufser den Gesezen, irren. man diese mit echnen will, denn von ihnen haben wir, dinZeit betrift,. ein ausdrükliches Zeuguils, dafs sie nach den Büchern vom Staate geschrie- ben sind. Diese aber nebst dem Timäos und Kritias sind ein nicht zu vereinzelndes Gänze, und wenn jemand sagen wollte: der Staat, ‘als welcher. eigentlich die Ethik und Politik in ih- rem ganzen n Umfang darstelle, sei freilich später “ als diejenigen Gespräche geschrieben, in denen von dem Wesen der Tugend, von ihrer Lehr- barkeit und von der Idee des Guten ‚gehandelt wird, er könne aber dem ohnerachtet sehr gut früher geschrieben sein, als die zunächst auf den 'Timäos vorbereitenden Gespräche, welche nem- lich das Problem vor der Einwohnung der Ideen in den Dingen und von der Art unseres Wissens über die Natur zu lösen suchen; so wäre dieses nicht nur nach allem obigen so unplatonisch als nur etwas gesagt werden. ‚kann, und sezte die _ öbste Unbekanntschaft mit jenen vorbereiten- den Werken voraus, in denen eine solche Tren- nung der Materien gar nicht zu'finden ist, son- dern es würde daraus namentlich folgen, dafs der Politikos, welcher gerade in demselben Ver- hältnifs den Staat vorbereitet, wie der Sophist den Timäos, früher, und zwär bei weitem, ge- schrieben wäre, als eben dieser Sophistes,' der doch mit ihm nur Ein Gespräch ausmacht und gar dessen erster 'Theil ist. Sondern der Staat, als offenbar das früheste unter- den eigentlich darstellenden Werken, sezt schon alle, die nicht in diese Klasse gchören, voraus, und dies präch- tige Gebäude enthält in seinem Fulsboden und seinen Wänden die Schlufssteine gleichsam aller jener auch herrlichen Gewölbe eingemauert, auf denen es ruht, und die man vor dm Eintritt in jenes, ‘wenn man sie nur für sich betrachtet und sich in ihinen selbst umschaut, ohne Ahndung } A ihrer Bestimmung zweklos und unvollendet nen- nen möchte. Wenn‘also der Staat sich von dem _ später herangearbeiteten Timäos und Krıitias ' durch nichts trennen läfst, so mülste, wer gegen ähre gemeinschaftliche Stelle etwas einwenden wollte, behaupten, Platon habe überhaupt die vollendeten Darstellungen vorangeschikt, und die Elementar-Untersuchungen über die Princi- pien erst nachgebracht. Allein alles, sowol die Art wie in den darstellenden Werken selbst diese Principien gesezt und wie sie in den vorberei- tenden gesucht werden, als auch überhaupt jede mögliche Vorstellung von der Denkart und dem ‚Geiste des Platon sträubt sich so sehr gegen die Annahme einer solchen umgekehrten Ordnung, dafs fast nichts dagegen zu sagen ist, sondern man nur Jeden auffordern darf, welche Gesprä- che er wolle nach dieser Ordnung zu lesen, und: ‚ihn dann seinen eigenen Empfindungen überlas- sen über das verkehrte Verfahren und über das ‚elende Hülfsmittel die zu den Principien zurük- führenden Untersuchungen mit solchen anzu- ‚stellen, welche von den vorhergegangenen Dar- ‚stellungen nichts wissen, um so allen natürli- ‚chen Beziehungen auf diese zu entgehen, Auch ' würden sich selbst dem so lesenden überall an- ‚statt jener Rükweisungen,. welche er vergeblich a: andere Beziehungen aufdringen, die of- "fenbar auf die entgegengesezte Or änung hindeu- ten. Hoffentlich wird niemand einwenden; es _ “wäre im Ganzen mit der hier vorgeschlagenen Folge. derselbe Fall, indem nach dieser nicht selten mythisch anticipirt wird, was erst später _ im seiner wissenschaftlichen ' Gestalt erscheint, Denn eben dafs es nur mythisch geschieht, stmint MR nur getian zusammen’ mit jener 'Hauptabsicht des Platon zur eigenen Ideenerzeu- . gung aufzuregen, auf deren Aner. kennung unsere anze Anordnung beruht, sondern es ist-auch schon für sich selbst ein deutlicher Beweis, wie fest Platon überzeugt war, dafs man bei dem eigentlichen Philösophiren nicht von einer zu- sammengesezten Darstellung, sondern von den einfachen Principien ausgehn müsse. Ja wer erst tiefer in das Studium des Platon eindringt, dem wird die allmähliche Entwikelung und Aus- bildung der platonischen- Mythen aus Einem Grundmythos, eben wie jenes Uebergehen man- - ches ‘Mythischen . in Wsssenbchaflichesr: ein neuer Beweis werden für die Rüchtigkeit. der ‚Folge, in welcher dies alles sich am deutlichk sten wahrnehmen läfst. Die Nothwendigkeit ‚also, den darstellenden Gesprächen dielezteStelle anzuweisen, ist von allen Seiten so grofs, däfs ‚wenn sich von einer früheren Abfassung des Staates vor irgend einem jener vorbereitenden ‚Werke gegründete historische Spuren fänden, die aber noch niemand gefunden hat, auch ‚wohl nicht finden wird, wir in den ärgsten Wi- .derstreit gerathen anlläten mit uuserm Urtheil über den hans; und in grolse Rathlosigkeit diese Unvernunft zu reimen mit seinem grofsen , Verstande. So wie nun diese darstellenden Ge- spräche unstreitig die lezten sind, so zeichnen sich auf der andern Seite einige unter den übri- gen eben so offenbar als die frühesten‘ aus, nem- lich- um wieder nur bei denen der ersten Qrdr nung stehen zu bleiben, der,Phädros, Protago- ras und Parmenides. Diese nemlich stehen je- nen gegenüber, zuerst durch eineri ganz eigen- ihümlichen Charakter der Jugendlichkeit,, der zwar an den ersten beiden am leichtesten zu er- kennen ER ur: einem - aufmerksamen- Akuaa ‚aber auch i in dem lezteren nicht entgehen wird. Fer- ner dadurch, dafs so wie von jenen alle andern ’ vorausgesezt wurden, so umgekehrt überall: Beraten Beziehungen auf diese als frühere ' zutreffen sind, und auch wenn man nur auf inzelen Gedanken sieht, diese alle in ihnen am ngsten erscheinen. . Weiter sind sie zwar nicht absichtlich und künstlich wie jene in Ein. Ganzes verarbeitet, aber sich dennoch aufs ge- jaueste verwandt dufch, eine: fast: nie’so wieder Er Aehnlichkeit der ganzen Construc- durch viele gleiche Gedanken und eine Menge einzeler Beziehungen. Das wichtigste istaber auch bei ihnen ihr innerer Gehalt, denn. . in ihnen entwikeln sich die ersten Ahndungen dem, was allem folgenden zum Grunde est, von der Dialektik als der Technik der Phi- )sophie, von den Ideen als ihrem eigentlichen e% zenstande, also von der Möglichkeit und den: ngungen des Wissens. Diese also bilden einigen sich an sie anschliefsenden Gesprä- ‚en der zweiten Ordnung den ersten gleichsam entarischen Theil der platonischen Werke. andern füllen den Zwischenraum zwischen sem und dem constructiven, indem sie yon Anwendbarkeit jener Principien, von Bra rschied zwischen der philosophischen Er- enn atnifs und der gemeinen in vereinter Anwen- & auf beide aufgegebene reale Wissenschaf- die Ethik nemlich und die Physik, fort- sitend reden. Auch in dieser Hinsicht ste- sie in der Mitte zwischen den darstellenden, denen praktisches und theoretisches durchaus "und den elementarischen, in denen beides ir als irgendwo sonst im Platon geschieden lat. W. I. Th. 1. Bd. [4] 4: as — 590 0 — "ist. Diese nun bilden den zweiten Theil, wel- cher sich durch eine besondere fast schwere Künstlichkeit sowohl in der Construction der einzelen Gespräche als auch in ihrem fortschrei- tenden Zusammenhang auszeichnet, und wel- chen man auch vorzugsweise den indirecten nennen könnte, weil er fast überall mit dem Zu- sammenstellen von Gegensäzen anhebt. In die- sen drei Abtheilungen also sollen hier die Werke des Platon vorgelegt werden, so dafs auch jeder Theil für sich eben so nach den vorhandenen Kennzeichen geordnet wird, und auch die Ge- ..spräche der zweiten Klasse gleich den Ort ein- nehmen, der ihnen, alles wohl erwogen, zu gebühren scheint. In Absicht auf welche nähere Anordnung freilich nicht älles gleiche Gewils- heit hat, indem auch auf zweierlei dabei zu se- hen,ist, auf die natürliche Fortschreitung der Ideenentwikelung, und auf mancherlei einzele Andeutungen und Beziehungen. Für die Werke «ler ersten Klasse ist die erste überall bestimmt entscheidend, und wird auch.nirgends von einem Merkmale der zweiten Art widersprochen. So - ‚ist im ersten Theil die Entwikelung der dialek- tischen Methode das herrschende, und hier of- . fenbar Phädros der erste, Parmenides aber der lezte, theils als vollendetste Darstellung dersel=- ben, theils als Uebergang zum zweiten Theil, weil erschon vom Verhältnifs der Ideen zu den wirklichen Dingen philosophirt. Im zweiten Theil ist die Erklärung des Wissens und des wis- senden Handelns das herrschende, und ganz un- fehlbar steht Theaetetos an der Spize, der diese . Frage bei ihrer ersten Wurzel auffafst, der So- phistes in der Mitte, Phädon aber und Philebos beschliefsen ihn als Uebergänge zum dritten ‚Theil: der erste schon wegen der vorgebildeten . Construction der Physik, der andere weil er sich in Behandlung der Idee des Guten schon ganz ‚ einer constructiven Darstellung nähert, und in das directe übergeht. Nich/ganz so entschieden ist überall die Anordnung der Nebenwerke aus der zweiten Klasse, indem theils mehrere nur Erweiterungen und Anhänge zu demselben Hauptwerk sind, wie es im ersten Theil der Fall ist mit dem Laches und Charmides in Bezie- hung auf den Protagoras, wo man also nur ein- zelen nicht immer ganz bestimmten Andeutun- gen folgen kann, theils können auch mehrere von ihnen Uebergänge sein zwischen denselben ‚grölseren Gesprächen, wo im zweiten Theile der Gorgias, der Menon und der Euthydemos ° - sämmtlich vom Theaetetos aus Vorspiele sind auf den Politikos: so dals man sich mit einer so ge- 'nau als möglich von allen Seiten zusammenge- forschten Wahrscheinlichkeit beruhigen muß. - Der dritte Theil aber enthält kein anderes Ne- - benwerk als die Geseze, welchen man allerdings . im Verhältnifs gegen das grofse dreifache Werk nicht nur, sondern auch an sich diesen Namen geben und sagen kann, sie seien, wenn gleich - mit philosophischem Gehalt reichlich durchzo- gen, doch nur eine Gelegenheitsschrift, ob- gleich sie, was ihren ächt platonischen Ursprung _ betrift; ganz. zu den Werken der ersten Klasse ge- hören. Was endlich diejenigen Gespräche be- F arift, denen wir gemeinschaftlich in Beziehung auf den Gesichtspunk® des Anordnens eine dritte telle angewiesen haben, wiewol sie in Absicht ihrer Aechtheit einen sehr verschiedenen Werth 2 ben, so werden diese unter alle drei Abthei- lungen in Anhängen vertheilt werden, je nach- Kurs TEE a Br dem alsedie historische oder innere Andeu- tungen ihnen, so fern sie platonisch sind, einen ungefähren Ort anweisen oder nachdem ihre Be- Bi fer=ügheh durch Vergleichung mit diesem ar jenem präche erleichtert wird. Denn auch ihnen a ihr Recht widerfahren, mit allem ausgestattet zu werden, was in der. Kürze gesagt werden kann, um sie aufzuklären, und ihre Sache der Entscheidung ‚näher zu ‚bringen. N a ) 1 ge 8 [3 EınLEıiıtunG@ Gewöhnlich führt dieses ‚Gespräch noch die zweite Ueberschrift: Oder, vom Schönen; ist auch wohl sonst bisweilen Von der Liehe und ‘Von der, Seele genannt worden. _Ohnstreitig sind alle sölche zweite Ueberschriften, die sich bei mehreren platonischen Gesprächen finden, von später Hand vielleicht zufällig entstanden, a ».x7 i 7 gr rt I, kung ‚hervorgebracht, die Leser auf eine un- zechte Spur zu führen, und so von der Absicht ; des Philosophen und der Bedeutung des Werkes theıls viel zu beschränkte theils ganz falsche An- N sichten zu begünstigen. " Von keiner gilt dies wohl mehr als von der gegenwärtigen, welche a überall, als den wahren Inhalt des Gesprächs zeichnend, ist angenommen, übersezt und bei Anführungen gebraucht worden; da doch be und Schönheit nur in dem einen Theile u s Werkes erscheinen, und einem Unbefange- e = schon deshalb nicht für den eigentlichen a lt desselben gelten könnten. _Indessen ist Hinweglassen dieser verführerischen Auf- f „wohl schwerlich hinreichend, um den in. jene ursprüngliche Unbefangenheit ZU- usezen, und sowol aus dieser Ursach als ‚um gleich bei dem ersten Gespräch die nische Composition so klar als möglich vor n zu legen, mufs diese Fiplaacue sich 2 Pa w 7% FE 3 m N 2 und fast überall haben sie die nachtheilige Wir- - ? — 56 — eine vielleicht mehr als verhältnifsmäfsige Aus- führlichkeit herausnehmen. Das Ganze besteht außer dem reichge- schmükten Eingang aus zwei dem 'Umfange nach ziemlich gleichen, sonst aber auf den er- sten Anblik schon ganz verschiedenen Theilen. Der erste von ihnen nämlich enthält drei Liebes- reden, eine des Lysias für die F orderung, dafs ein Knabe dem kälteren nicht leidenschaftlichen, eher als dem entzükten und leidenschaftlichen Liebhaber seine Günst schenken solle, und ziweie des Sokrates, die erste eine ergänzende Rede, wie sie auch vor Gericht gewöhnlich wa- ren zu Vertheidigung derselben Sache, die an- dere aber eine Gegenrede eben für den in dem vorigen so hart beschuldigten leidenschaftlichen Bewerber. Der zweite Theil aber enthält, um es vorläufig nur so unbestimmt als möglich ZU lassen, aus Gelegenheit jener Reden mancher- lei Bemerkungen über den damaligen Zustand ı der Kedekun, und Andeutungen über ihre ei- gentlichen Grundsäze, von welchen: ganz tech- nischen Untersuchungen zu dem Gegenstande, welchen die Reden abhandelten ‚gar nicht mehr. zurükgekehrt wird. Schon aus diesem kurz an- gedeuteten Entwurf mufs Jeder sehen, dafs nicht nur jene erotische Frage dem Platon nicht kann die Hauptsache gewesen sein, sondern auch nicht" die Liebe überhaupt. Denn in bei- : den Fällen erschiene ja das schöne und offenbar. - mit grofsem Fleifs gearbeitete Werk auf eine höchst verwerfliche Weise verunstaltet, ‚ganz der Anweisung widersprechend, dafs es wie ein lebendiges Wesen gebildet sein und einen dem : Geiste angemessenen Körper mit verhältnifsmä- ‚fsigen Theilen haben müsse, Denn die ganze zweite Hälfte wäre nun nichts als, eine wunder- 2 pa a en Zu ı ni Kiche einmal leidIfch geschikt angeheftete sabe, welche schon an ich” besonders aber Ihrer Stellung wegen, nichts sicherer bewirken mülste, als die Aufmerksamkeit so weit als mög- ch von der Hauptsache hinwegzuziehen. In 7 a Falle aber wäre Hoch überdies der selbst sehr schlecht durchgeführt. Ohn- erachtet nemlich in den ersten beidenReden das Verhältnifs der Liebenden blofs von Seiten der Annehmlichkeit und des Gewinnes, in der Di dagegen ethisch und mystisch behandelt wird,. und diese verschjedene Behandlung so cht auf den wahren Siz des Streites über die Natur der Li&be und auf ihre ersten Grundsäze, hätte hinführen gekonnt, so wird doch hievon der folgenden Beurtheilung der Reden ganz ne Kenntnifs genommen, und es geschieht nichts, “um diese widersprechenden Ansichten ugleichen. Sonach könnte ein so fahrläfsig ndelter Gegenstand auch nicht der eigenthi- nhalt des Werkes sein, und es bliebe nichts ‚als dafs man auf. dent in der dritten Rede, .e ‚allein über die Liebe gewissermafsen sgeht, enthaltenen, und freilich unter al- em, was dieses Gespräch darbietet, ‘am meisten | Beyen und berühmten Mythos von der Na- der Seele und ihrem vorzeitigen Dasein, Er was in Verbindung hiemit von der, Bedeutung und dein“ grofsen Einflufs c Schönheit gesagt wird, den ganzen Werth und also alles übrige für- wunderbar ver- e und ohne‘ Verstand | zusammengeraffte Ab- Ben erkläre, wenn man nemlich ; nur en man ige ‚den zweiten Theil, ia. tatt sich so gar nichts um ihn zu bekümmern er mit dem ersten? so scheint hervorzugehn, dafs, da in dem zweiten Theile von der Kunst gehan- delt wird, man auch die Reden des ersten mehr auf die Behandlung und den künstlerischen Werth anzusehen habe, als auf den ausgeführ- ten Gegenstand; woraus ein dem vorigen entge- gengesezter Versuch entsteht, den Hauptzwek des Ganzen in dasjenige zu sezen, was den In halt des zweiten Theiles ausmacht, nemlich in die dort vorgetragenen richtigeren Begriffe von ‚dem währen Wesen: der Redekunst. Diese An- sicht, welche auch schon von Mehreren ist auf gefalst worden, wird. begünstiget durch eine ‚wenigstens zur Hälfte ernsthaft gemeinte Erklä- zung des Sokrates selbst, dafs er jene Reden nur als Beispiele aufführe, und dafs, wenn man von der darin beobachteten richtigen Methode ab- - sehe, alles übrige darin nur als Scherz zuneh- amen:sei. Dem zufolge nun wäre von vorn her- ein vorzüglich auf das paradigmatische in diesen Reden zu achten, und man müfste alle Bezie- hungen vollständig zu verstehen suchen zwi- schen ihnen und der im zweiten Theile vorge- ‚tragenen Theorie, welche im Wesentlichen aus folgenden drei Punkten besteht. Zuerst nem- - Jich will Platon das eigentliche Geschäft der Re- dekunst recht klar machen. Denn wie manaus den im zweiten Theile angeführten Regeln und. Erfindungen der berühmtesten Rhetoren aus je- ner ältesten Schule deutlich sieht, so wurde diese Kunst von den damaligen Künstlern und Kunst- Yan. lehrern ganz empirisch behandelt. Den Verstand der Hörer durch sophistische Hülfsmittel zu blenden, und dann in einzelen Stellen durch ein gewisses Pathos ihre Gemüther aufzuregen, dieses war die ganze Absicht, so wie eine sehr düsfüge einförmige Anweisung zur Composition PR WERE 59 —— 1 mit unnüz angehäuften Unterabtheilungen und Kunstworten, und einige fast nur auf den Wohl- + Jaut und die Wortfülle oder auf das Auffallende und Glänzende hinführende Vorschriften über die Behandlung der Sprache das ganze Geheim- aufs ausmachten; auf welche Art es freilich der * Kunst an aller Haltung fehlte. Dieses alles.nun, was bisher für die Kunst selbst gegolten, sezt Platon zurük auf den Rang technischer Hand- griffe, und indem er den Grundsaz der sophisti- schen Rihetoren, dafs derjenige, welcher über- eden wolle, das Wahre und Richtige selbst _ nicht zu wissen brauche, in seiner Blöfse dar- stellt, so zeigt er, dafs, um wirklich Ueberre- dung hervorzubringen, das heilst, Andere zu . gewissen Gedanken und Urtheilen gleichsam zu _ ' „nmöthigen, wenigstens wenn dies auch ohne Hin- sicht auf die Wahrheit mit derjenigen Sicherheit geschehen solle, die allein auf den Namen Kunst 1534 ch machen kann, eine Fertigkeit der ° ° Täuschung und Enttäuschung erfordert werde, “eine Kunst des logischen Scheines, welche selbst wiederum nur auf einer wissenschaftlichen Me- - rd : us thode des Zusammenfassens gleicher Begriffe unter höhere, und auf einer eben solchen - Kenntnifs von der Verschiedenheit der Begriffe beruhe, dafs also die Dialektik das wahre Fun- F _ dament der Rhetorik sei, und nur was mit ihren ‘ Principien zusammenhängt, zur Kunst gehören - könne. Hiemit nun steht der zweite Saz in ge- _ mauerer Verbindung. Alle jene Künsteleien memlich, welche für die Kunst ausgegeben wur- FR den, waren nur aus der gerichtlichen Ausübung aus der in Volksversammlungen entlehnt, ‚auf sie berechnet, so dafs ihr geringerer h schon dadurch ins Auge fällen mufste, | jene nur als einzelne Arten dargestellt und — 60 —_—— ‚nicht mehr für das ganze Gebiet der Kunst ge, halten wurden. Daher also behauptet Platon, die Kunst zu reden sei überall dieselbe nicht nur an jenen Orten, sondern auch in schriftlichen Aufsäzen und mündlichen Verhandlungen aller Art, sowol wissenschaftlichen als bürgerlichen, ja selbst im gemeinen Gebrauche des geselligen Lebens. Durch diese über die bisherigen zu eng gestekten Grenzen hinaus erweiterte Festse- zung ihres Gebietes, welches nun jede logische Mittheilung umfafst, wird die Rhetorik theils von manchen Vorwürfen gereiniget und genö- thiget, ihre Principien für alle diese verschiede- nen Zweige in einer weit gröfseren Tiefe zu'su- chen, theils auch offenbart sich darin der ange hönde Künstler, dem für die Gattung, welche ‚er fast neu erschuf, ein grofses Urbild vor- schwebte, und der sich selbst strengen Forde- zungen unterwirft, welche er nach der gemei- nen Ansicht hätte zurükweisen können. Da aber durch eben diese Erweiterung die Rhetorik in dem bisherigen Sinne gewissermafsen zerstört wird, so reinigt sich Platon gleichsam weissa- gend von der Beschuldigung sie aufzulösen und o ins Unbestimmte zerflielsen zu lassen, welche ihm von den Heutigen wenigstens derjenige leicht aufbürden könnte, der die gewöhnliche unrichtige Vorstellung von Platons Hals gegen die Kunst überhaupt zu dieser Untersuchung mitbringt, am besten dadurch, daß er die Ab- sicht offenbart, auch die Rhetorik, ohnerach- tet ihrer behaupteten Abhängigkeit von der Dia- lektik, und sogar eben durch diese, als Kunst in einem böhäsen: Sinne aufzustellen. WahreKunst nemlich ist ihm nur diejenige Ausübung, von welcher es wiede: ‚um eine wahre Wissenschaft, oder wie die unsrigen es zu nennen pflegen, eine nt PR n Kunst und kunstloses Veifertigen. Eine ‚ wenn das geordnete Mannigfaltige, wel- ches; aus dem Zwekbegriff der Kunst ELSE ‚dargestellt wird, mit jenem; velches sich aus an Umfange der Mittel und der Gegenstände echört auf eine systematische und vollständig öpfende Weise verbunden wird. Dem- ıch ; nun fordert er von der Redekunst, sie solle verschiedenen Arten von Reden auleahlan > ı ıd jede gegen alle verschiedenen Arten von mir halten,-um so zu bestimmen, wie jede de unter gegebenen Umständen kunstmäfsig & und müsse gebildet werden. ‚Von diesem so gefalsten Gesichtspunkte aus t sich nun, freilich, sehr , vieles in diesem e richtiger verstehen., . Zuerst erhellt dar- wenigstens für eine der platonischen ähn- he lebendige Composition, ‚die Nothwendig- it er Beispiele, welche nur ganze oder so gut nz ausgearbeitete Reden sein konnten, wor- s denn ihre Stellung vor dem theoretischen le und die Nothwendigkeit einer Fiction, n sie herbeizuführen, von selbst erfolgt. Um die Vergleichung, zu erleichtern, bedurfte ı, und nach der lezten wiederum mufste tgege esezte Absichten ausführen, wenn ı Einfluls des jedesmaligen besonderen es auf die ganze Behandlung zeigen, und hjenen logischen Schein wollte entstehen welcher ünmerklich von einem Gegen- . zum andern hinführt. Deshalb wolle ja cht etwa jemand die erste der beiden sokrati- 1 ii übersehen aus Vorliebe für die Bear nn kann: be so hüperacheidee { Plator aplche. Wissenschaft aber entsteht ihm nur da- icht minder ein Beispiel von der gemei- jalektischen Methode, als von seiner _ Ge zweite, da nur durch die genaneste Verglei- chung beide recht können verstanden werden.‘ So wird der ganz verschiedeneTon in beiden sei- ner Absicht nach deutlich werden, in der einen nämlich die durchgängige Richtung der Rede an den Verstand und die nüchterne Lebensklugheit, ferner der bei aller rhythmischen Häufung den- noch durchsichtig und kalt gehaltene Ausdruk ; so unstreitig muls eine Seele angefafst werden, welche man zur Verachtung der Leidenschaft durch den Blik auf eine späte Zukunft hinführen will; in der andern dagegen das Begeisterte, die Erhebung der Schönheit zu gleichem Range mit den höchsten sittlichen Ideen und ihre genaue Verbindung mit dem Ewigen und Unendlichen; dann die Art, wie für dieSinnlichkeit Nachsicht gefordert wird, ohne doch zu verhehlen, dafs es nur Nachsicht ist; so mufs zu Gunsten der Fantasie eine junge und edle Seele bearbeitet werden, welche wie die eines heranwachsenden hellenischen Knaben frisch aus der Schule der Dichtkunst hervorgeht. Gewils es dürfte nicht leicht besser als durch diese Zusammenstellung sich beweisen lassen, wie nothwendig es ist, je» desmal vorher zu berechnen, auf welchem Wege wohl man eine gegebene Seele zu etwas gegebe- nem bewegen könne. Eben so wird es von die- sem Gesichtspunkt aus natürlich erscheinen, dafs diese Beispiele von einem der Philosophie ange- hörigen Gegenstande hergenommen wurden, weil Platon bei einem solchen sich am meisten auf seinem eigenthümlichen Felde befand, und weil dies zugleich nothwendig war, um sowol die Erweiterung der Redekunst über den Kreis der bürgerlichen Geschäfte hinaus gleich durch die That zu beurkunden, als auch einen schikli- chen Maafsstab zur Vergleichung zwischen je- ENT nem engeren Gebiet an die Hand zu geben, und diesem weiteren, in welchem sich der schöne Vortrag philosophischer Werke bewegt. Wollte nun Platon von einem wirklichen gegebenen Beispiele ausgehen, und einem solchen zwar, welches sich schon selbst den Gesezen der Rede- kunst unterworfen hatte: so dürfen wir nicht etwas voreiliges von dem Umfang seiner damali-. Er n Kenntnisse und Beleseiheie sagen, um zu Enden, dafs seine Wahl gar sehr beschränkt ge- wesen sei. Denn aufser den Prunkreden der So- u phisten, welche wohl zu lose Arbeiten waren, - ta neaale es hätte Ehre bringen können, sich mit ‚solchen Ansichten und Grundsäzen neben sie zu lien, und welche überdies, sobald Rhetorik j und Sophistik sich zu scheiden anfingen, von jener Seite ihr Ansehn je länger je mehr verlo- n, mochte ihm wenig Anderes übrig sein als e erotisch rhetorischen Aufsäze des Lysias, berdies einer gewissen Gründlichkeit we ein würdigerer Gegner war, als irgend Redner aus der poetisirenden Schule des Allein eben hier ist es, wo zuerst die Unzu- chkeit auch dieser Ansicht wohl Jedem allen mufs. Denn warum sollte sich Platon h ein solches selbst aufgelegtes Gesez und. anz gegen : seine Weise haben beschränken len? Oder ist es nicht gewöhnlich bei ihm, en Unterrednern, was sie nie gesagt haben, en Mund zu legen, unter der einzigen Bedin- dafs es ihnen ähnlich und angemessen sei? $ hätte ihn also hindern sollen, auch eine irgend Jemandes Namen zu dichten, er nicht eine vorfand mit einem Gegen- ‚für den er nicht nur überhaupt ein ei- iches Interesse hatte, sondern der auch 4 — mit dem unmittelbaren Zweke gerade dieses Ge- spräches in der genauesten Verbindung stand. Denn dafs die.Liebe doch auch ein sittlicher Ge- genstand ist, und dafs hier bei ihrer Behandlung noch etwas apologetisches für den Sokrates, der ihrer in einem unwürdigen Sinne ‚beschuldiget wurde, zum Grunde liegt, dieses wäre etwa hin- teichend für einen jener Nebenzweke der zwei- ten Ordnung, die wir auch hier überall im Ein- gange, in den Uebergängen und in mancherlei Anspielungen hicht sparsam antreffen; was aber in einem solchen Verhältnifs steht wie diese Re- den, davon mufs auch eine nothwendige Ver- bindung mit der Hauptidee des Ganzen aufge- sucht werden. Wäre nun diese nur die Berich- "tigung, des Begriffes der Rhetorik, so wäre doch Liebe und Schönheit, der Inhalt jener Reden, für diesen Zwek nur etwas rein zufälliges. _ Das ist aber eben die Weise desPlaton und.der Triumph seines künstlerischen Verstandes, ‘dafs in seinen grolsen und reichhaltigen Formen doch nichts leer ist, urid dals er nichts dem Zufall oder einer blinden Willkühr zu bestimmen anheimstellt, sondern bei ihm alles nach Maafsgabe seines Um- fanges auch zwekmälsig und er ist. Und wie sollten wir diesen Verstand gerade hier vermissen, wo die Grundsäze, die er angiebt, am deutlichsten ausgesprochen werden? Schon hieraus also erhellet, dafs auch diese Ansicht noch nicht die richtige ist, und nicht aus,dem Punkt genommen, von Belcheri allein "sich das Ganze übersehen lafst, und alles Einzele in seiner rechten Gestalt und Beleuchtung er- scheint, sondern dafs wir eine andere aufsuchen müssen, die Alles noch genauer verknüpft. Aber auch anderwärts her giebt es hiezu Bewegungs- gründe für den, welchem j ‚jener nicht hinreicht. "Denn ‘ — Dehn sollte es wohl eine Hauptabsicht a ad 7° - ton gewesen sein können, eine‘ Abhandlung „über: das: technische, der Rhetorik "abzufassen? um L’hinge dieses’wohl irgendwie mit seinen an- ı schriftstellerischen Absichten ‘zusaminen? _ oder kommt nicht vielmehr nirgends etwas ähnliches vor, und der Phaedros stände dann so TR isolirt (da, wie bei diesem philosophischen Künst- der kaum ein weit geringeres ‘Werk ‚stehen . dürfte? Ja was noch mehr ist, selbst innerhalb. » des zweiten Theiles,: in welchem : :doch der Be punkt für diese Ansicht genomimen ist, jleibt- so. noch vieles unerklärbar und alla, Bi Dieser. zweite Theil: nemlich geht nicht - weit: hinaus über Liebe und Schönheit als Inhalt des ersten, sondern auch über seine m und die Rhetörik überhaupt. : Denn alles, as von ihr gesagt ist, wird plözlich auch auf dchtkunst und die, Staatskunst, da'ja auch Künste sind, ausgedehnt, und es kann Por: entgehen; dafs eigentlich auch die ik selbst: nur'als Beispiel aufgestellt und het, und fast eben? so wie von. den gehal- ı Reden auch von ihr selbst gesagt. wird, die höheren Geseze ausgenommen, une ‚sich darin äufsern müssen » ihr ganzes Thun ‚ Treiben auch. nur ‚Spiel sei. , Auf solche Art werden wir von. einem Aeufseren zu einem en, und da dieses auch selbst bald wieder ° eufseres. wird, immer weiter getrieben bis ersten Sende des ganzen Werkes,. welche ndres ist, als der Inbegriff jener höheren nemlich die Kunst des freien Denkens bildenden Mittheilens oder die Dialek- "welche hier alles übrige nur Zurüstung isie auf sokratische Weise entdeken zu durch ‚Aufzeigung ihres Geistes in einem W. I. Th. 1.Ba, 6 :..: ER Penn bekannten Einzelen, und zwar dem, worin fast ausschliefsend wissenschaftliche Form theils all« gemein anerkannt war, theils leicht aufzuzei- gen. Nicht nur aber als die Wurzel jeder ande- _ ren abgeleiteten Technik will Platon uns diese Kunst, rühmen; sondern in jenen zwar sollen wir sie erkennen, sie selbst aber soll dann Jedem als etwas viel. höheres und ganz göttliches erschei- | nen, welches keinesweges etwa um jener willen, sondern nur 'um sein selbst und um des göttli- | chen Lebens willen soll gelernt und geübt wer- den. Der ursprüngliche Gegenstand der Dialek- " tik aber sind die Ideen, welche er daher auch hier mit aller Wärme der ersten Liebe darstellt, und so ist. die Philosophie selbst und ganz dasje- nige, was Platon hier als das Höchste und. als Grundlage alles Würdigen und Schönen anprei- set, und wofür er allgemeine Anerkennung in diesem Besiz so siegreich zu fordern weils. Und eben weil'die Philosophie hier ganz erscheint, nicht nur als innerer Zustand, ‚sondern als ihrer Natur 'nach sich äufsernd und mittheilend, so mufste auch der Trieb zum Bewufstsein gebracht und dargestellt werden, welcher sie von innen . herausdrängt, und welcher eben nichts anders ist, als die ächte und göttliche Liebe, die sich über jede andere auf irgend einen Nuzen ausge» 4 hende eben so weit erhebt, als die Philosophie ihrer Natur nach jene untergeordneten Künste übertrifft, die sich auch mit einer Lust oder einem Gewinn spielend begnügen. Denn so sehr auch die gelungene Befriedigung jenes Triebes _ das Werk der Kunst sein mufs und der anord- nenden Besonnenheit, so erscheint doch der Trieb selbst als ein ursprüngliches, immer. r# ges in der Seele des Gebildeten und Vollkomme- . nen, seinen Gegenstand aulserhalb suchendes, = —_— u — also als Leidenschaft und göttliche Eingeistung. Hiedurch also lösen sich alle Aufgaben, und die- ses bewährt sich als die wahre alles RETTET ende belebende und verknüpfende Einheit des "ieiken, Dieser Zwek nun in Verbindung mit der Art betrachtet wie er ausgeführt ist, sichert dem - Phädros unwiderruflich die irihönie Stelle unter allen Werken des Platon, Hierayf führt zu- _ nächst schon die Bemerkung, dafs in dieser Dar- stellung der Philosophie das Bewufstsein des philosophischen Triebes und der Methode weit inniger und kräftiger ist als das. des philosophi- . schen Stoffes, Ber RT daher auch nur mythisch _ erscheint, einestheils gleichsam noch unreif zur k dialektischen Darstellung, anderntheils gewis- Er sermalsen zurükgedrükt durch den allzumächti- . Einflufs von jener. Dieses nun war sehr ‚ atürlich der erste Zustand, in welchen ein eier nachsinnender und selbst schon von . der ‚Kunst ergriffener Schüler des Sokrates duich dessen Lehrweise müfste versezt werden. Denn dieses beides, Trieb und Methode, war in allen - seinen Unterhaltungen das bleibende, sich im- Eye mer selbst gleiche, wovon auch das Gemütch am meisten ergriffen wurde, die Ideen aber pflegte _ er nur einzeln im Finzeiem ohne Wahl und ab- ‚sichtlichen Zusammenhang gelegentlich aufzu- regen, Späterhin aber würde Platon, je deutli- "sich ihm die Gegenstände der Philosophie enbarten, und jemehr er durch alle seine Her- ingungen auch die Methode austibte und Ehren brachte, um so weniger sie selbst auf ie Art wie hier zum Kern einer Composition m solchem Umfange gemacht haben. Ueber- bezieht sich die grofse fast vorlaute und hlerische Freude an der Sache, welche schon — 8 — ‚an sich ‚offenbar genug auf ein neu erworbenes -Gut hindeutet, nur aufdas Auffinden der ersten “ Grundsäze, und der Phaedros beweiset weniger als irgend ein anderer Dialog eine grofse schon erworbene Fertigkeit in der Ausübung dieser Methode. Dagegen weiset er mannigfaltig auf die dem Philosophiren vorangegangenen dichte- rischen Versuche des Platon zurük. Denn .wer - ihn gebührend achtet, wird nicht glauben wol- len, er habe nur in jugendlicher Gedankenlosig- "keit gedichtet, sondern vielmehr, er habe es ernstlich genommen und schon früh alle Wir- kungen, welche;auf menschliche Seelen hervor+ - ‚gebracht werden, von Seiten der Kunst betrach- ° tet. So mufste in Stärke, welche Sokrates im Ueberzeugen und Bewegen des Gemüthes besafs, h ihm bei aller Kunstlosigkeit dennoch als eine #& grofse noch nirgends übertroffene Kunstgewalt ‘erscheinen, und ihn ganz mitBewunderung und Liebe erfüllen. Diese nun äufserte‘ sich unter solchen Umständen und in einem solchen auf die Einheit beider von Natur gerichteten Gemüth sehr natürlich durch eine Beziehung der Philo- sophie auf die Kunst, welche zugleich die Erklä- rung und Vertheidigung enthielt für seinen Ue- bergang von dieser zu jener. -Dafs er aber: un- mittelbar die Rhetorik, welche nicht’ seine | ‚Kunst gewesen war, zum Beispiel wähltey ist zunächst daraus zu begreifen, weil diese mehr als die Dichtkunst dem Ueberzeugen nachtrach- ER tet, und weil er das, was Sokrates hierin durch die Wissenschaft der Dialektik leistete, © mit nichts näherem vergleichen konnte, als mit dem, was Sophisten und Rıhetoren durch leere ‚Empirie leisten wollten. Wem jedoch, um dem Werke seine. Zeit zu bestimmen, solche Gründe, wie genau a Dahn ae nl ‚auch mit dem einzig wahren Mittelpunkt des: Ganzen zusammenhängen, nicht hinreichend scheinen sollten, der merke lieber auf die un- zähligen Beweise von der Jugendlichkeit des. Werkes überhaupt. "Zunächst nun liegen diese in der ganzen Art und Farbe desselben. Dafs es _ eine grolse Neigung zum epideiktischen hat, zur Sehaustellung der Ueberlegenheit und Meister- * schaft, indem nicht zur zuerst der vorgestellte ie Gegner mit ‚leichter Mühe besiegt, und auch hernach jedesmal. im folgenden (das vorige über- - boten, sondern auch die’ Philosophie selbst, um P ihr Glanz und Bewunderung zu verschaffen, am x meisten um deswillen gelobt wird, weil sie das, was die Menschen am meisten loben und be- . wundern, so, weit hinter sich läfst; dieses frei« ch liegt zum Theil im Inhalt; aber auf diese ist überall im Platon Inhalt aa Ausführung _ eins durch das andere: nothwendig, ünd durch- 4 aus jugendlich ist doch der Sinn, ‚mit'welchem jene Anlage benuzt und immer steigend bis zum _ Bebermuthe durchgeführt wird. Man sehe nur _ zuerst die zweite Rede, welche den Lysias ver, ! et, dann die Gegenrede, welche noch kräf- tiger jene beiden zu Boden wirft, wie sich durch 2 'sie Platon. den grofsen Triumph der Sophisten, gegenstehende Behauptungen nach einander ertheidigen, auf eine glänzende Art 'aneig- und hiebei noch theils das geflissentliche sthun mit dem Ueberflufs des Stoffs, indem unmittelbar widerlegende Einzele für die selbst verschmäht, und nur als Vorläufer ‚Gespräch vorangeschikt wird, theils der apo= sche Troz, der sich für dei Sokrates nicht nal den Namen Eros verbittet, und einen ge- , eren dafür aufnimmt, sonen gar in ein Ge um moch mehr Heil und Glük in der Liebe x © ) pr Ye — 7007 — endiget. Hierauf die Erörterung, welche auch » das schönste in dieser lezten Rede nur für Spiel erklärt, und sie wegwirft mit der ersten, als wäre sie nichts gewesen; die nekende Herans- forderung des Lysias;. die lustige alles zusam- menfassende :iund ‘fast. dürcheinanderwerfende Polemik gegen die früheren Rhetoren, welche auch das Gute in ihren Bemühungen, weil es nicht aus dem rechten Grunde hervorging, ohne Schonung verspottet, und zwar in einer Aus- . führlichkeit, deren er sie später schwerlich ge- würdiget hätte,. und welche selbst: wieder mit der Belesenheit etwas Prunk treibt; endlich als Gipfel dieser Epideixis die ächt sokratische erha- bene Verachtung alles Schreibens und alles red- nerischen Redens. Auch in der äufseren Form verräth sich dieser jugendliche Geist durch die bei jedem Ruhepunkt erneuerte Ueppigkeit der Beiwerke, durch eine gegen alle Vorwürfe des Gesuchten nicht zu beschüzende Lebhaftigkeit des Dialogs, endlich auch durch einen etwas un- mäfsigen Gebrauch des Feierlichen,, und hie und „| da selbst durch eine gewisse Unbeholfenheit in den Uebergängen, nicht in den Reden, wohl aber in der dialogischen Hälfte. Hiemit stimmen ferner die historischen An- deutungen in dem Werke selbst genau überein, welche über die Zeit, in welcher das Gespräch, dafs ich so sage, spielt, keinen Zweifel übrig lassen. Zwar wäre es vergeblich, hieraus ir- gend einen Beweis führen zu wollen, und über- haupt bis auf wenige Fälle, wo die Unmöglich- keit der Abfassung vor irgend einem Zeitpunkt einleuchtet, würde es Thorheit sein, aus ge- | schichtlichen Angaben einen Schlufs zu machen auf die Zeit, in welcher ein Werk des Platong- schrieben worden, ‚wenn man zugeben mülste, re 4: Au # — 7L — was im Athenaeos behauptet wird, dafs Phaedros überall kein Zeitgenosse des Sokrates könne ge- wesen’ sein. Denn welcher Schriftsteller sich so etwas erlaubte, bei dem gäbe es nichts Unwahr- scheinliches, und keine Unschiklichkeit wäre für ihn zu grofs. Nicht zwar als ob Platon zu einer genauen historischen Treue sollte verpflich- tet werden, oder als ob sonst gar kein Verstols gegen die Ordnung der Zeiten bei ihm vorkäme. Vielmehr mag es ihm wohl begegnet sein in Ge- sprächen ‚ welche in eine von der Abfassung ziemlich entfernte Zeit verlegt werden, im Ein- zelen aus der Voraussezung herauszugehen, es . sei min Irrthum des Gedächtnisses und Vernach- ‚läfsigung oder wissentliche Aufopferung des hi- storischen um einer bestimmten Wirkung wil- ‚len. Ein anderes aber ist dieses, und ein ande- „res, wie es hier der Fall sein müfste, zwei Men- schen als einzige handelnde Personen zusam- menzuführen, welche, wie Jedermann wulste, zu gleicher Zeit gar nicht vorhanden gewesen ‚sind. Und was hätte wol den Platon hiezu be- wegen sollen? Denn irgend eine Eigenthüm- lichkeit des Phaedros ist für das Gespräch von gar keinem Werthe, da es an einem gleichzeitigen zemAten und Bewünderet desLysias unter den en Athenern nicht fehlen, und jeder, dem E; hier dieRolle desPhaedros übertrug, auch die von diesem im Gastmahle gesprochene Rede hal- ten konnte, Ja was für eine Ursach wäre gewe- ‚sen, diesen nämlichen unmöglichen Unterred- Bebauch i im Protagoras auftreten zu lassen, wo _ er'nur als stummer Zeuge den Haufen vergrö- Ssert?” Dieses also wollen wir auch nicht vom Athenaeos aufs Wort annehmen, ohne dafs er uns von seinen näheren Nachrichten über die- Phaedros etwas mittheilt, und ’soll eine so — 172 ER unerwiesene Beschuldigung uns nicht hindern, das vorhandene Gespräch auch im übrigen so zu behandeln, als ob es möglich: wäre aus histo-_ rischen Verhältnissen.desselben ‘Schlüsse zu. zie- - 3 hen: Dieses vorausgesezt, so ist darin auf eine sehr bestimmte Art von zwei sehr bekannten Personen’ die Rede, vom: Lysias nämlich und vom Isokrates. Lysias war Ol. 84, ı in einem Alter von fünfzehn Jahren nach Thurium ge- wandert, und kam, wie Dionysios erzählt, Sie- ben und vierzig Jahr-alt im ersten der Zwei und neunzigsten Olympiade zurük, von welcher Zeit sein ‚grofser Ruhm als Kedner erst anhebt, Lassen wirnun noch einige Jahre hingehn, ehe Phaedros als etwas zugestandenes von ihm sagen kann, dafs er unter:allen Zeitgenossen am vor- treflichsten schreibe, so kann. dieses Gespräch. nicht früher als, in. der Drei und neunzigsten Olympiade sollen gehalten worden sein. Gewils « . aber auch nicht später, denn Lysias durfte wohl nicht viel über Funfzig seın, um ohne Schande Liebessächen zu schreiben und auszustellen, so wie der Zwei und zwanzig Jahr jüngere Isokra- ° tes nicht viel über dreifsig, um als ein junger Mann aufgeführt zu werden. - Hiezu kommt “noch »die Erwähnung ‚des Polemarchos als eines Lebenden, welcher: nach. dem Plutarchos und dem Verfasser des Lebens der zehn Redner in der Anarchie umgekommen. ist... Dieses ‚alles deutet freilich unmittelbar nur auf die Zeit, wo der Dialog sich soll zugetragen haben, näher be= trachtet aber ergiebt sich. daraus weiter, dafs er auch nicht viel später kann geschrieben sein,“in welchem Falle dann von selbst einleuchtet, dafs _ Platon, der damals noch nicht lange ein Schi. ler des Sokrates war, noch nichts ın dieser Gat- ° tung kommte geschrieben haben, sondern der L 220 Se ee ' Phiäedtos der erste Ausbruch seiner Begeisterung vom Sokrates war. Denn zuerst wird Jedem -sein Gefühl sagen, die Art, wie Platon die Rede des Lysias einführt, könne ihre rechte Wirkung | nurgethan haben, wenn dieser Aufsaz auch den Lesern des Rhasdnös noch etwas neues war, und „sei im! entgegengesezten Falle nicht "nur etwas Jinkisch , -sondern’auch schwer zu glauben, ‚wie - Platon gerade auf diese sollte gekommen sein: Ja wenn man hinzunimmt, wie hart er denEy- sias behandelt, so würde :er den: gröfsten Vor- - wurf der Ungerechtigkeit auf sich geladen’ ha- ben s hätte er späterhin bei seinem Urtheile über ihn eine alte fast vergessene, und durch viele weit ‚vollkommnere längst übertroffene Schrift zum ‘ - Grunde gelegt. Ferner wozu die Erwähnung yon des Polemarchos Uebergang zur ‘Philoso» phie? Denn da er sobald anch Fdamseihör ger rn. so konnte an ihm für eine spätere Zeit schweilich ein glänzendes Beispiel gegeben wer- den. ' Am meisten aber spricht für ‚eine jenen . Angaben gleichzeitige Abfassung die gegen das Ende des Gespräches vorkommende wi eissagung über. den Isokrates, welche unmöglich hinten nach kann gemacht sein, dafs er nemlich alle eier Rhetoren weit übertreffen, und sich zu einer höheren Gattung erheben eine; Denn . erschöpft was dieser Redner in der Folge gelei- stethat die Hoffnung des Platon, so war es min- destens lächerlich, dies aus einer weit früheren N it wahrsagen zu lassen; ist aber Isokrates her» bin) jener Hoflnung zurükgeblieben, so tte ja Platon wissend ud absichtlich dem S0r krates' eine falsche Weissagung entweder nach- „erzählt oder untergeschoben. Es scheint aber _ ne Weissägung sich auf einen Gedanken zu eziehen, der sich in diesem Gespräch bei — _ n — mehreren Stellen fast aufdringt, “dafs nemlich Platon gern auf den Grund der Dialektik eine athenische Schule der Redekunst weissagend her-- vorgerufen hätte, im Gegensaz jener verderbten und verderblichen sikelischen,; zu welcher’ er wo möglich auch noch den Lysias herüberwin- ken wollte, der als in der Mitte zwischen beiden stehend betrachtet wird. "Wenn man aus diesem Gesichtspunkt die Art ansieht, wie hier Anaxa- goras, Perikles und Hippokrates angeführt wer- den, so dürfte diese Vermuthung wohl Beifall finden, ‘und auch ein solcher Gedanke kann, : was wenigstens das Vaterländische darin betrift, nur der Jugend des Platon beigelegt werden. "Gegen alle diese Gründe nun, die von so, ganz verschiedenen Punkten aus alle an demsel- ben Orte zusammentreffen, dürfte wohl: dasje- nige wenig Gewicht haben, was Tennemann für eine weit spätere Abfassung des Phaedros fast in dem lezten schriftstellerischen Zeitraum desPla- ton beibringt. Denn was die egyptische Erzäh- lung betrifft, so ist zwar keine Veranlassung hier . mit Ast eine sprichwörtliche Redensart zu ver- muthen, dafür aber giebt uns Platon selbst einen ziemlich deutlichen Wink davon, dafs diese Er- . "zählung von ihm selbst gedichtet worden, und um sie zu dichten, durfte er wohl nicht noth- wendiger-in jenem Lande gewesen sein, als er das im Charmides erwähnte Thrakische Blatt mit der darin gewikelten Philosophie wirklich von. dorther geholt hat. Was aber den zweiten Grund anlangt, nemlich die Aehnlichkeit des in diesem Gespräch über die Wirkung des Schreibens ge- sagten mit dem, was darüber in dem siebenten der platonischen Briefe vorkommt: so Scheint es, als habe jener Schriftsteller 'selbst die Aeu- fserungen im Phaedros nicht auf denselben be- . sonderen Fall deuten gewollt, der den Erörte- zungen jenes Briefes zum Grunde liegt, also ‚nicht behauptet, der Phaedros sei erst nach dem . Aufenthalte des Platon bei dem jüngeren Diony- sios geschrieben. Sondern nur im Allgemeinen meint er, es mülsten auch hier solchen Aeufse- rungen Unannehmlichkeiten, des Schreibens we- gen, vorangegangen sein. Davon aber ist wohl keine Spur aufzufinden , und es sei mit jenem Briefe wie es wolle, so ist hier die Herabsezung des Schreibens ım Vergleich mit der wahren le- bendigen philosophischen Mittheilung vollkom- men durch sich selbst zu verstehen, als Recht- fertigung des Sokrates über sein Nichtschreiben, und als Begeisterung von seiner Lehrart, wel- cher in Schriften ähnlich zu werden Platon da- mals noch verzweifelte, es aber hernach doch lernte, und nicht damit endigte, an eine so weitgehende Unmittheilbarkeit der Philosophie zu glauben, wenn gleich er, wie wir sehen, von Anfang an wohl wulste, dafs sie historisch ‚nicht könne erlernt werden. Vielleicht aber hat jener Schriftsteller hinter den angeführten Grün- den eigentlich noch einen andern, nemlich den, 12 dafs im Phääros so viel Platonisches vorkommt, da er nur solche Schriften für frühere halten will, welche sich dem Sokrates zunächst an- er ikiekien, und denen das Eigenthümliche des Platon noch fehlt, ein so ‚grolses Werk aber und "von solchem Inhalt nur späteren Zeiten ange- messen glaubt. Allein gewifs wird jeder Sach- _ kundige und Selbsterfahrene gestehen, dafs das re Philosophiren nicht mit irgend etwas Rs 'Einzelem anhebe, sondern mit einer Ahndung _ wenigstens des Ganzen, und dafs so wie der per- sönliche Charakter des Menschen, so auch.das | ‚Bigenthämliche seiner Denkart und Weltansicht — 176 — schon im 'ersten Anfang seiner wahrhaft freien und selbstthätigen Aeulserungen müsse zu fin- den sein., Warum also soll nicht auch die Mit- theilung eben so anfangen? Oder wollte man glauben, auch Platon wäre eine Zeitlang ein ‚blofs leidentlich Leernender nicht nur gewesen, sondern habe auch als ein solcher geschrieben, 50 mülste man einerf bestimmten Abschnitt zwi- schen diesen entgegengesezten ‚Arten seiner Werke aufzeigen: können, welches aber nie- mand wird vermögend sein. Denn die Keime seiner ganzen Philosophie fast sind im Phaedros freilich nicht zu läugnen, aber ihr unentwikel- ter Zustand ist auch so deutlich, und besonders verräth sich die Unvollkommenheit in jener.in» direeten Führung des Gespräches, welche. die eigentliche Meisterschaft des Platon ausmacht, durch den geraden ungestörten Gang, der lezten Hälfte so deutlich, dafs hoffentlich nach ge- ‘ nauer Erwägung die Kenner über den Ort, wel» cher diesem Gespräch anzuweisen ist, überein» stimmen werden. Unter den hier angeführten Gründen für diese Anordnung hat mit Recht bei der Wich- tigkeit der.Sache jene alte Ueberlieferung keinen Raum gefunden, welche den Phaedros als erstes ' Werk des Platon auszeichnete, Denn auf. ein tüchtiges Zeugnils führen Diogenes und Olym- piodöros sie nicht 'zurük;. vielmehr, bringt das, was sie sagen, auf die Yerminchang; man habe dies schon vor Alters nur vorausgesezt, um mah- che diesem Gespräch gemachte Vorwürfe abzu- wälzen,, als ob nemlich die Sprache sich nicht in den Grenzen der reinen Prosa hielte, ‚oder ‚wohl gar die ganze Untersuchung nur dem Jüng-» linge zu verzeihen wäre. Was mit demlezten gemeint ist, leuchtet ein, nämlich die erotische Se ET Brageg i in die erste Beschuldigung ü stimmt 5 einer der vor züglichsten Kunstkeriner des Alter- thums, Dionysios, auf eine eben nicht gelinde ‘Art mitein. Welche Bewandtnifs nun es damit ‘ habe, das wird auch am besten erhellen aus dem | | he Theile des Werkes. E\ Den Eingang lobt Dionysios, und ohne an ae nigen Ansto[s zu nehmen, rechnet er ah zu er vertraulichen und nüchternen Schreibart, schen Schule, wie er meint, auch dem Platon Br ee gelinge. Die erste Rede, welche - für eine Arbeit des berühmten Redners, _ woran auch wohl Niemand zweifeln wird, ob- Strafe darauf gesezt hat, ‘wer es glauben würde. "Wären uns nur aus derSammlung der erotischen ; Aufsäze des Lysias mehrere übrig geblieben, so _ wärden wir über die Verhältnisse der Kunst und ‚des Charakters darin zu den anderen Reden des ‚es besser urtheilen können. Dieser hier st für sich nicht sehr zu loben. : Denn die vie in ihrer Verknüpfungsart, konnte kaum ‚als sie ist mit übergetragen werden, und * schwebende Ausdruk, der fast immer ital Deutungen zuläfst, ist ein Kreuz für den sleger. Sind nun die anderen diesem ähnlich 'esen, so war das Ganze ein zwar nicht ge- ner Versuch zur Erweiterung der Rede- "Die erste sokratische Rede ferner führt was uns nun noch obliegt, nämlich einige vor= läufigeErläuterungen hinzuzufügen über die ein-- welche als das eigentliche Gebiet der sokrati- Phaedros demSokrates vorliest, erkennt er offen- nlos angestellter, aber doch gänzlich mils- _ der Beschaffenheit der Naturbeschreibung darin _ h ein engländischer Sprachgelehrter eine © v önigkeit in der Bildung der einzelnen Säze, ——— anschaulicher durch. Hier nun tadelt Diony- sios schon die ihr vorangehende Anrufung der Musen, meinend,‘ es käme plözlich wie Sturm und Ungewitter aus dem klaren Himmel die reine Prosa zerstörend ein geschmakloses Dich- teln; und fügt hinzu, dafs dieses hochtönende ‚Reden und Dithyramben wären, die viel Pracht der Worte, aber wenig Sinn enthielten, werde Platon bald selbst bekennen, wenn er dem Phae- dros sagt, er solle sich über nichts wundern im Verfolg, »denn' was er jezt rede, wären schon beinahe Dithyramben.: Was nun jene Anrufung der Musen betrift, so könnte man wohl die spie- lende Wortableitung darin vielleicht geziert fin» den, aber das Prosaische sollte ihr schwerlich Jemand: abstreiten. Durch die Verwunderung hingegen über das Dithyrambische seiner Rede wollte Platon gewils kein Zeugnifs gegen sich selbst ablegen. Denn wer auf die Stelle Acht hat, wo dies vorkommt, der wird leicht finden, dafs es sich auf keine Art. von dichterischer Be- geisterung beziehe, sondern dafs Platon nur, und gewils nicht zu seinem Nachtheil, den Un: terschied wollte bemerklich machen: zwischen : seinem Rhythmos und dem des Lysias. Beidem lezteren nsmlich sind alle Perioden gleichförmig gedreht, eine wie die andere in Gegensäze zer schnitten, und durch die ganze Redegehteine und dieselbe höchst nüchterne Melodie. Inrder ‚9 des Platon hingegen ist der Rhythmos in bestän-o digem Steigen „ so dafs er,. wo von weiten aus« geholt wird, in kurzen Säzen mit raschem Gange beginnt, und wie die Rede vom Allgemeinen ‘zum Besonderen fortschreitet, auch die $Säze sich mehr entwikeln und gliedern, bis endlich der Redner, wo er au einem Hauptpunktang« kommen ist, .. in einer sich langsam im Kreise en re . herumwälzenden Periode über demselben schwebt und gleichsam still steht. Dennoch aber erscheinen diese Perioden, uns wenigstens, _ ganz proösaisch gebaut, wie auch: die Beiwörter im Ganzen nur aus dem philosophischen nicht aus dem dichterischen Gebiete des Gegenstandes genommen. sind. : So dals, wiefern der Tadel des Dionysios gegründet sein mag, ihn einzuse- hen, nur ein Vorrecht: hellenischer Ohren sein dürfte; uns aber scheint eigentlich nur die Fülle des Ausdruks bis an die äufsersten Grenzen der ungebundenen Rede zu reichen, in welcher Hin+ sicht Platon gewifs auch epideiktisch sein wollte, In der, zweiten Rede des Sokrates endlich ist al- ‚lerdings jener vielgepriesene Mythos das wich- tigste, um deswillen oft mit Unrecht:alles Ue- brige in diesem Gespräch ist hintangesezt wor- den, ohne dafs man ihn sellkst deshalb durchaus ‚richtig verstanden hätte. Denn wie viel zu ab- ‚stract ind viel zu beschränkt hat man nicht gröfstentheils die Liebe genommen, und wie vieles ganz übersehen oder kindisch bedeutelt: Am wenigsten.ist wohl dieses bemerkt;worden, . dafs er der Grundmythos ist, aus welchem alle ende, die in das Ganze der platonischen 2 _ Philosophie eingreifen, sich entwikeln, so dals _ je länger je mehr. von seinem Gehalt aus dem, nythischen in das wissenschaftliche übergeht, "übrige aber immer anspruchsloser und le- bendiger mythisch ausgebildet wird. Wie denn Platon hier recht ausdrüklich das Vorrecht My» then i in seine Darstellungen einzuflechten in Be- siz zu nehmen scheint. Welches alles hier nicht R: j eigentlich kann bewiesen werden, sondern sich ‚durch «die Folge: selbst hewähren mufs. Was aber seinen eigentlichen Inhalt anbelangt, so ist erenkatun; ‚des rang darin noch ‘we F $ Re * {2 n% . En ne go — nig bestimmtes beizubringen, und besonders die kosmographischen Vorstellungen, ‘welche dabei zum Grunde liegen, um so schwerer zu enthüllen, ‘da der Mythos sich ganz an der Grenze des Natürlichen und’ Uebernatürlichen aufhält. Nähere Aufschlusse hierüber würden willkommener sein, als jene Entdekung, wel- che Heyne schon vorlängst mitgetheilt hat,’ dafs nemlich die Pferde in diesem Mythcos aus dem Parmenides entlehnt wären, was man bei Nach- lesung des bezogenen Fragmentes schwerlich . finden wird. Denn die Einerleiheit eines Gleich- nisses beruht nicht sowohl auf dem Bilde, als vielmehr auf dessen gleicher Anwendung aufden Gegenstand. Auch würde in der Behauptung . wehr liegen als jener Gelehrte wahrscheinlich gewollt hat, nemlich dafs Platon’ seine Einthei- lung der Seele denr Parmenides entlehnt habe. Bei der eingestandenen Unwissenheit über das Einzele läfst sich indefs im Allgemeinen sagen, dafs vielerlei Vorstellungsarten in diesem My- thos-durch einander gearbeitet zu sein scheinen; und dafs, da mehrere Ausdrüke aus’den Myste- rien herstammen, eine voliständigere Kenntmifs von diesen uns vielleicht am meisten aufklären würde. .. Deshalb möchte auch genauere Be- ‚kanntschaft mit den pythagorischen Philosophe- men hier nicht als der wahre Schlüssel vorauszu-= sezen sein, nichteinmal für die Götterlehre, _ noch weniger für die von der menschlichen« Seele, da auch die platonische Lehre von der "Wiedererinnerung:schwerlich möchte aus dem Pythagoras zu erklären sein.. Ueberdies'ist das Meiste offenbar als Beiwerk behandelt, um die Pracht. des Ganzen zu vermehren, und das streng Allegorische "zusammenzuhalten.: Wes- aaa auch man sich 'hüten. mufs, mit der Ausle- ME gung. E 2 _ eine zu sehr ins Einzele zu gehen, und sich e selbst durch den Vortrag als solche bezeichnet Als eine ziemlich Eugene; aber wenig be- ‚achtete Folge möchte die anzufiihren sein, "dafs ' jedem Menschen sein’ Charakter nicht erst im ‚sprünglich ‚beiwohnt. ‘Darin aber, dafs das aufserhimmlischen Orte geschaut wird; möchte wohl das nicht liegen, was Tiedemann gesehen "hat. Am schwierigsten möchte wohl zu deuten sein, was von dem verschiedenen Beruf der Menschen auf Erden, je nachdem sie mehr oder ae ‚minder vom Ewigen durchdrungen sind, sehr "hinter den beträchtlichen Verschiedenheiten der _ Leseart noch grölsere Fehler verborgen liegen, “so möchte vielleicht die ganze Stelle zu denen Verzierungen gehören, in denen man nicht zu- viel suchen darf. Ueberhaupt aber kann man wie sie gleichsam als das wildere Rofs der plato- Platon vielmehr in aller Besonnenheit des Künst- ] ers erscheint. Und sollte auch diese Dichtung ihn im Einzelen nahe an ein fremdes Gebiet ge- ırt haben, wie Dionysios eine Stelle sogar mit im. Ganzen die Behandlung durchaus prosaisch. % Denn einBild, wie hier geschieht, erst mit we- nigen trichen im Umrils zu entwerfen, und ach Erfordernifs stükweise weiter auszu- Plat. W. 1. Th, I. Ba. [6] Bert ' N 5 ber begnügen nur die philosophischen An- deutungen richtig aufzufassen, welche Platon » ins Einzele gesagt wird. Wenn daher nicht cht genug aufmerksam darauf machen, wie sehr r auch in dieser Rede alles rhetorisch gemeint . «und gewendet ist, so dafs gerade hier, wo man so ‘oft die ungezähnmte Fantasie gefunden hat, Is Laufe des Lebens entsteht, sondern ihm ur- . H chaeiende nicht im Himmel, ee im. er nen Kunst das weisere mit sich: fortreifst, er Pindarischen zusammenstellt, so ist«loch R "ine; { dürfte i in einem Gedicht nicht gedul» det. werden. ' Ueber den zweiten: Theil ist nich allem schon gesagten im Allgemeinen nichts mehr zu erinnern, als dafs er, ‚wenn auch nicht vollkom- men beiitzt;, dennoch der Ursprung jener besse- ren Rhetorik geworden ist, die vom Aristoteles, der diesem Werke viel verdankt, ihren Anfang nimmt. Einzeles werden die Anmerkungen er- läutern, und so werde der Leser auch nicht län- ger in denk Vorhofe des schönen und geistvollen w erkes rg ren B > nicht so wie das in den Trufpaliien, 'SOKRATES. FR Re Sor. © lieber Phädros, w ohek und Kokint BR Pr. Vom Lysias, dem Sohne des Kephalos, und ich gehe lustwandeln hinaus vor die Stadt. Denn ich habe dort lange Zeit sizend zugebracht von frühe an, und unserm Freunde Akumenos. rend pflege ich draufsen auf den Wegen um- _ erzugehen; dieses nämlich, sagt er, ‘ermüde "Sox. Und sehr gut ist dieser Rath. Also Ly- is war, wie es scheint, in der Stadt. ur: Pr. Ja, bei dem Epikrates, hier ohmweit Soxr. Was habt ihr denn dort getrieben? r versteht es sich, dafs euch Lysias mit "Rede bewirthet hat? Pır. Du sollst es erfahren, wenn du Mufse mit zu gehn und zu hören: ! 'Sox. Wie denn? Glaubst du nicht, dafs es, h dem Pindaros, auch dringendem Geschäft. ‚mir gehn soll, deine und des Lysias Un- altung iraberei? Pr. So gehe denn vorwärts. Und du rede. Gewils Sokrates, recht für dich geeig- ‚, was du hören wirst. Denn die Rede, — 3 2% Een u 7 Ge welche uns unterhielt, war, ich weifs nicht ‚recht wie, . eine Liebesrede. Nämlich Lysias hat sie geschrieben, als ob ein schöner Knabe‘ ewonnen werden sollte, jedoch nicht von ei- nem Liebhaber. Und dies ist eben die Feinheit darin, denn sie behauptet, er müsse eher einem nicht Liebenden günstig sein als einem Lie- benden. ‘ Sox. O treflicher Mann! hätte er doch ge- schrieben eher einem Armen als Reichen, einem Alten als Jungen, und was sonst mir wäre zu gut gekommen, und den meisten von uns. War- RS! lich das wären artige und gemeinnüzige Reden.: Ich meines Theils bin nun so begierig geworden zu hören, dafs wenn du auch Bas Megara lust- —.. wandeln gingst, und wie Herodikos. hart an der Be Mauer wieder umkehrtest, würde ich doch i nicht zurükbleiben. Re Pr. Wie meinst du, bester Sokrates? i ' Glaubst du, was Lysias in langer ZeitnachMu- - n : Sse ausgearbeitet hat, der größste Meister unter . Allen jezt im Schreiben, das sollte ich Unge- DE Ba Ser lehrter, wie es seiner würdig wäre, so aus dem Gedächtnifs wiederholen Kößten? Daran fehlt RR viel. Wiewohl viel Geld mir.nicht so lieb sein sollte als dieses. f Sox.. O Phädros, wenn ich den Phädsae nicht kennte, müfste ich auch mich selbst yer- 2 gessen haben. ° Aber keines von beiden sollge- schehen. _ Sondern wohl weils ich, hörte jener 4 eine Rede des Lysias, so hat er sie BE nurein- e7 mal angehört, sondern den Lysiäs immer wie- der u neue oftmals reden lassen, der auch wi lig gehorchte. Ihm aber ist auch das nicht ge- nug gewesen, sondern zulezt hat er das Buch era .. genomnien, und: selbst, was er am liebsten _ mochte, nachgesehen. Und darüber von frühe, ln | u de an sizend ist er endlich ermüdet und Justwan« deln gegangen, jedoch beim Hunde! wie ich wenigstens glaube, schon vollkommen wissend die Rede, wenn sie nicht allzulang war. Und ‘ zur Stadt hinaus ging er, um sienoch einzuler- nen. Als er dann einem begegnete, der krank ist an der Sucht Reden anzuhören, freute er sich schon, da.er ihn kommen sah, dafs er einen "Genossen haben würde an seiner Entzükung, - und hiefs ihn mitgehn. _ Wie nun dieser Lieb- ‚haber der Reden ihn bat, herzusagen, machte er Ende aber würde er, sogar wenn Niemand zu- also Phädros bitte ihn, was er doch bald auf F a thun. Pe. Warlich für mich wird bei weitem das e sein, dir so wie ich eben kann, die Rede eben. Denn du, glaubeich, wirst keines- es ablassen, bis ich irgendwie rede. .'SOoR. anz recht glaubst du das von mir. Pır. So demnach will ich es machen. Denn r That Sokrates, die Worte habe ich un- ch behalten, den Inhalt aber wohl von ‚ worin er den Unterschied zwischen des iebenden Sache und des Nichtliebenden aus- N dergesezt, will ich dir kürzlich. nach der gvom ersten anhebend wiederholen. h "So; Nachdem du jedoch wirst gezeigt ha- 1, lieber Mensch, was du da hast in der kn- ‚Hand unter der Mantel. Denn ich termu- ke so von mir, dafs ich}dich zwar gar sehr renn aber Lysias selbst da ist, mich dir ben, damit du dich an mir einlernst, v regesgesonnenbin. Komm also und zeige. er den Spröden, als hätte er nicht Lust; am . hören wollte, mit Gewalt die Rede halten. Du alle Weise thun Nike mir lieber joa" gleich ‚hast die Rede selbst, und wenn das ist, : » N | B 14 | | E Er} — 86 Fer Pır. Ruhig nur! Die Hofnung hast du mir vereitelt, - wie ich mich an dir zu üben ge- dachte.. Aber wo willst du nun, dals wir uns sezen, um zu lesen? ° Sor. Hier lafs uns ablenkend an den Tlissos ‚hinuntergehn, und dann, wo'es uns- gefallen wird, uns einsam niedersezen. ” Pr. Zur rechten Zeit, wie es scheint, bin ich. unbeschuhet; denn du freilich bist es im- mer. So ist es am bequemsten im Bächlein selbst zu gehn; auch ist die Füfse zu nezen nicht unangenehm in.dieser Jahreszeit umWjzige Stunden, Sox. So gehe voran, und kick dich um, wo wir uns wohl sezen können; “ Pi. Siehst du jene höchste Platane dort? Sok. Wie sollte ich nicht? Pu. .Dort ist Schätten, und mäfsige Luft, auch Rasen, drauf zu sizen, oder wenn wir wollen uns niederzulegen, Sox, Gehe also, Pu, Sage mir, Sokrates, soll nicht hier ir- gendwo am lIlissos Boreas die Oreithyia ge ‚raubt haben? Sox. So soll er. ‚Pır.. Etwa eben hier? Angenehm wenig. stens, rein und durchsichtig ist bier das Bäch- lein, recht gemacht. für DIAACHBE daran zu spielen. Sor. Nein, sondern untskhalh, etwa um zwei oder drei Stadien, wo man durchgeht nach dem Tempe! der Artemis, | ‚Auch ist dort ir- gendwo ein Altar des Boreas, Pu. Ich wufste es micht recht. : Aber En | um Zeus willen, Sokrates, glaubst auch du, dafs dieses Geschichtchen wahr ist? une . 8ox. Wenn ich es nun nicht: ‚glaubte, wie E wo ie Ben. so wäre ich noch nicht ungereimt. Ich ‚würde‘ dann klügeln und.-sagen, der Wind RR Boreas habe sie,. als sie mit kr Pharmakeia % . spielte, von den Felsen dort in der Nähe herab- u ‚geworfen, und dieser Todesart wegen habe man . 0 gesagt, sie sei durch den Gott Boreas geraubt . “ „worden, oder auch vom Areopagos, den auch -; so wird es erzählt, dafs sie von da geraubt wor- & übrigens ganz artig, nur dafs ein gar kunstrei- Rn j den, 'Iichaber, o Phaedros, finde dergleichen | cher und mühsamer Mann dazu gehört, und der _ eben nicht.zu beneiden ist. _Nicht.etwa wegen "sonst einer Ursach, sondern. weil er dann noth» wendig auch die Kentauren ins Gerade bringen muüls,. El hernach die Chimära, und dann . Gorgonen und Pegasen, und anderı: un- dlich vielen-sowol als unbegreiflichen Natu- (unst auf etwas Wahrscheinliches zu bringen der der Ungläubige viel Zeit brauchen wird. ‚Ich aber habe zu dergleichen ganz, und gar keine, nd die Ursach hievon; mein Lieber, ist diese, »schen Spruch mich selbst erkennen, Lächerlich also kommt es mir vor, so > lange ich hierin noch wissend bin, an er Kr zu ‚denken, also lasse ich das alles gut D sein} und an- ad, was darüber allgemein geglaubt wird, Eben sagte, denke ich nicht, an diese sondern an mich selbst, ob ich etwa ein euer bin, noch verschlungener gebildet d ungethümer als Typhon, oder ein mildexes cheres Wesen, das sich eines götilichen und 'Theiles von Natur erfreut. — Doch, Baiche zu. vergessen, war dies nicht der pP Tempe _ strömt ihm herzu ein ganzes Volk von derglei- n, welche einzeln mit rallgkah unzierlicher | kann noch immer nicht nach dem delphi+ { 230 2 0 Pr, Ja eben dieser, - Sox. Bei der Here! dies ist ein schörek + Aufenthalt, Denn die Platane selbst ist prächtig belaubt und hoch, und des Gesträuches Höhe und Umschattung gar schön, und so steht esin voller Blüte, dafs es den Ort mit Wohlgeruch ganz erfüllt. Und unter der Platane fliefst die ' lieblichste Quelle des kühlsten Wassers, wenu man seinen Fülsen trauen darf. Auch’ scheint hier nach den Statuen und Figuren eın Heilig- - thunı einiger Nymphen und des Acheloos zu sein. Und wenn du das suchst, auch die Luft _ "weht hier willkommen und süfs, und säuselt sommerlieh in das Chor der Cisaden. Unter al- . lem am herrlichsten aber ist das Gras am sanften Abhang in solcher Fülle, dafs man 'hingestrekt das Haupt gemächlich kann ruhen lassen» Kurz, du hast vortreflich den Führer gemacht, lieber * Phaedros. . 24 Pır. Du aber, wünderbärer Mann, zeigest dich ganz seltsam. Denn in der That, wie du auch sagst, einem Fremden |gleichst de! der sich umherführen läfst, und nicht einem Ein» heimischen, So wenig wanderst du aus der + Stadt über die Grenze, noch auch selbst zum : Thore scheinst du mir herauszugehen, Fr Sokr. Dies verzeihe mir schon, o Bester, . ' Ich bin eben lernbegierig, und Felder und Bäume. BR; wollen mich nichts lehren, wohl aber die Men- E... schen in der Stadt, Du indeßs, dünkt mich, hast F um mich herauszuloken das echte Mittel gefun- Bo: ‘den. Denn wie sie mittelst vorgehaltenenLaubes B ‚oder Körner hungriges Vieh führekt, so könntest Br „A gewils, wenn du mir die Rolle mit der Rede ' vorzeigtest, mich durch ganz Attika herumfüh- ren, ah wohin du sonst wolltest. Nun wir aber an Ort und Stelle angekommen sind, werde GR mich wahrscheinlich hier niederlegen. Du aber, in welcher Stellung du am besten lesen ‘zu können glaubst, die wähle und lies, + Pi. So höre denn, ” Von dem was mich anbetirift bist du un+ terrichtet, und wie ich glaube, es werde uns zuträglich sein, dafs dieses zu Stande komme, hast du gehört. Ich fordere aber nur, nicht et» wa deshalb zu verfehlen was ich bitte, weil . ich mich erkläre, nicht dein Liebhaber zu sein, ‘Da eben jene zu gereuen pflegt, was sie Gutes erwiesen haben, sobald ihre Begierde gestillt ist; für Andere aher giebt es keine Zeit, in.der Eden anderes Sinnes zu werden gezienite. De»n nicht nothgedrungen, sondern Breiw allg, wie Jeder am besten über das seinige sich be athen kann, erweisen sie nach ihrem Vermögen Gutes, Ferner erwägen die Liebenden, was sie schlecht verwaltet haben von dem ihrigen der Liebe wegen, und was Gutes erwiesen, und wenn nn, die gehabte Beschwerde hinzurechnen, glauben sie schon längst den gebührenden Dank ihren Geliebten entrichtet zu haben. Die aber in keiner Leidenschaft begriffenen können auch . weder die Vernachlässigung ihrer Angelegenhei- ten um jener willen zum Vorwande nehmen, noch die überstandenen Beschwerden in Rech- nung bringen, noch aus der Zwietracht mit ih- ren Angehörigen einen Vorwurf machen, so, dafs so vieler Uebel überhoben, sie nicht anders können, als frohmüthig alles thun, wodurch sie um ‚deswillen die Liebhaber den Vorzug verdie- nen sollen, weil sie behaupten ihren Geliebten . über alles ergeben zu sein, und immer bereit ER "sollten 5 sie auch durch Wort und That sich‘ 25% glauben ihnen gefällig zu werden. Ferner wenn — 900 — . den: so ist leicht einzusehen, wiefern’sie wahr reden, da sie gben so den, für welchen sie spä= terhin Leidenschaft haben werden, höher ach- ten müssen als die vorigen, und oflenbar, wenn es jener wünscht, auch dem früher Geliebten Uebles zufügen werden. Indessen, wie sollte es wöhl billig sein, so grofses dem einem. sol- chen Unfall unterworfenen einzuräumen, wel chem kein der Sache kundiger abzuhelfen un- ternehmen würde. _ Dann auch selbst bekennen sie, dafs sie mehr krank sind, als bei voller Be- sinnung, und dafs sie'zwar wissen, wie schlecht sie bei: Verstande sind, aber nicht vermögen, "sich selbst zu überwinden. Wie also könnten sie wohl, wenn sie wieder gut bei Verstande sind, dasjenige für wohl gethan halten, was sie in einem.solchen Gemüthszustande beschlossen hatten? Ueberdies wenn du aus den Liebha= ‚bern dir den besten wähltest, hättest du immer - . nur unter Wenigen die Wahl; wenn aber auch . ‚aus den Uebrigen den dir angemessensten, dann 232 anter Vielen. So dafs weit mehr Hoffnung it unter den Vielen wirklich #en zu finden, der deine Freundschaft verdient. y Fürchtest du aber etwa. die herrschende Meinung, und dafs dir, wenn es bekannt wird, Scharide daraus entste+ hen könnte: so ist freilich wahrscheinlich , dafs Liebhaber, welchevon den Uebrigen' eben so glauben beneidet zu werden, wie sie es unter einander thun, einen Reiz haben werden, Je- manden zu erzählen und selbstgefälig sich gegen Jedermann zu rühmen, dafs sie nicht ver+ geblich sich angestrengt; eben so aber, dafs die ‚nicht leidenschaftlichen,, da sie über sich selbst Gewalt haben, das Bessere dem Ruühme beiden Menschen vorziehen werden. . Ferner ist wohl unvermeidlich, dals sehr Viele erfahren und se» En TEL TR ’ r z 9 N > ‚hen müssen, wie Liebhaber ihren Geliebten nachgehen, da sie ein eignes Geschäft daraus inachen, so dafs, wo sie sie nur im Gespräch _ mit einander sehen, sie auch glauben die, Be- ge 3 ‚schaftlichen aber habe Men: auch nur den Ge .aken ihres Umgangs wegen etwas voTrzu- o ( n oder werde so eben erfolgen, nicht leiden- o werfen, indem jeder es natürlich findet, dafs man sich mit Andern unterrede, es. geschehe nun’aus. Zuneigung oder irgend eines Vergnü- gens wegen. Ja wenn etwa dich Furcht anwan- An Kölle, indem du bedenkst, wie schwer es TR halte, dafs eine Freundschaft beständig bleibe, und wie in andern Fällen zwar, wo Uneinigkeit. entsteht, beide gemeinschaftlich den. Schaden erleiden, -hier aber; wenn du das Höchste ge- RM, - währt hättest, dir allein grolfser Nachtheil ent« $ ‚stehen könne: so hast du billig auch darin weit & areas die Leidenschaftlichen zu fürchten. Denn ‚sie, dafs es ihnen zum Nachtheil geschehe. Da- her sie auch vom Umgange mit Andern: den Bes 2 "liebten zurükhalten, aus Furcht, dafs Vermö- ir "gende sie an Reichthum übertr effen; Gebjldete ‚aber ihnen an Einsicht überlegen ARE und was nst Jemand Gutes besizt, dessen W irkung SU- ‚sie abzuwehren. Ueberreden sie dich nun, ;hen verhafst zu werden, so entblöfsen sie ic ‚von' Freunden; wenn du aber, dein Be- s erwägend, verständiger als jene urtheilst, so st du in Zwistigkeit mit ihnen. Die ht als Liebhaber erlangt, sondern durch Tugend sich erwor"en haben wasi sie ten, werden nicht ‘deine Gesellschafter 'htig beneiden , sondern eher die es nicht . Jen: hassen, in der Meinung, . dafs An friedigung der Begier ‘de wäre schon vorangegan-- vieles i ist was sie betrübt, und von allem glauben - ter & .. F- er Fa er Br ER NIR! Ben Eu ; ’ x von diesen geringschäzig übersehen tverdest, von Jenen aber Nuzen haben könnest; so-dafs weit mehr Hoflnung ist, es werde Freundschaft aus dieser Verbindung entstehen, als Feind- schaft. -. Auch haben ja unter den Leidenschaft- "lichen viele weit eher das Verlangen nach dem ‚körperlichen Genufs, als sie die Gemüthsart ken- nen gelernt und die übrigen Eigenschaften in - Erfahrung gebracht haben, - so ale ungewils ist, ob sie auch dann noch werden Freunde sein ' wollen, wenn ihre Begierde gestillt ist; dage- en keinesweges zu vermuthen ist, dafs den: 253. nicht 'leidenschaftlichen, welche‘ dieses, erst machdem sieschon lange Freunde waren, gethan, ‚eben das, was ihnen Genufs gewährte, die Freundschaft verringern sollte, sondern es wird : . "wielmehr dieses ein Zeiche: bleiben dessen, was ‚in Zukunft geschehen wird. Ja es steht dir 1 auch bevor, mehr im Guten zuzunehmen , wenn 00.0 du mir, als wenn du einem Liebhaber Gehör u Si, giebst. Denn jene loben»auch gegen dasBessere alles, was du redest und thust, einiges aus Fursht sich uriangenehm zu machen, anderes, weildie ie, Begierde sie hindert, es richtiger einzusehen. 2 “ DE Dein in dergleichen zeigt sich die.Gewalt.der ©. Liebe: die Unglüklichen bewegt sie, auch das, was Andern gar- keine Unlust verursacht, für quälend zu halten, ‚die Glüklichen aber nöthi- 1’ so auch an dem, was keirer Lust werth Be; ihr Lob zu verschwenden. So dafs man- ‘Geliebte weit mehr bedauern als, sie beneiden sollte. Wenn du aber mir. Gehör giebst, . so werde ich zuerst nicht nur des augenbliklichen Vergnügens pflegend mit dir umgehen, sondern des künftig zu erwartenden Nuzens, nichtvon . der Z.ölächschaft besiegt, sondern mich selbst ' besiegend, noch auch über Kleinigkeiten hab: —— = . ah. Baugel + gen. Zwiespalt erregend, sondern erst übe - wichtige Dinge langsam gelindem Unwillen Raum ebend, das Unvorsäzliche verzeihend, - das Vorsäzliche abzurathen bestrebt. Denn dies sind die Kennzeichen einer für lange Dauer ge-' ‚ eigneten Freundschaft, Wofern dir aber dieses » einfällt, dafs unmöglich eine Freundschaft stark sein könne, wenn Rshs einer leidenschaftlich liebt: so mufst du bedenken, dafs wir dann auch weder unsern Kindern sehr anhänglich sein » könnten, noch unsern Eltern, noch auch treue _ Freunde haben, die es nicht aus einer sclchen Begierde geworden sind, sondern aus irgend . einer andern Antriebe, Ferner wenn man ı den bedürftigsten am meisten gefällig sein soll: so . mülfste man dann auch in andern Dingen nicht .. ir den Vortreflichsten sondern den Hülflosesten ites erweisen. Denn von den gröfsten Ueben. - . & ’ befreit, werden diese auch den meisten Dank ae Bu wissen. Ja auch Zu seinen besonderen Festen ii n" te dann Jeder nicht die Freunde einladen, ae dern. die Allmosen suchenden und: die der bedürfen. - Denn diese werden dem ‚Geber anhänglich sein, und ihm aufwarten zu = ei draufsen, und am meisten erfreut und nicht die wenigste Erkenntlichkeit : Sempkinden, ünd ihm vieles Gute anwünschen. - Vielleicht aber ist es rathsam, nicht den sehr be- r fügen sich gefällig zu erzeigen, ‘sondern de- n, welche am meisten ihre, Erkenntlichkeit reisen können, nicht also den Leidenschaft- lichen allein, sondern denen, welche der Sache 234 würdig sind, noch allen, die wohl deiner Ju- ‚d genielsen möchten, sondern welche auch n älter gewordenen, was sie Gutes besizen, 72 it en werden; nicht pen, die ihres Wun- 2 er ET 2 ‚dern denen, die verschämt gegen Jedermann schweigen werden; nicht denen, welche nur - kurze Zeit sich um dich beeifern,, sondern de- nen, welche das ganze Leben hindurch auf glei- che Weise deine Freunde sein werden; noch ‚ auch denen, welche nach gestillter Lust nur- Vorwand zur Zwietracht suchen, sondern wel- che, nachdem sie deine Jugend genossen, dann äuch ihre Tugend an dir beweisen werden. Du also gedenke des Gesagten, und erwäge auch noch ‚ dieses, dafs Liebhaber von ihren Freunden ge- tadelt werden, als wäre es ein böses Bestreben, dafs aber den nicht leidenschaftlichen noch nie BR; einer von den Angehörigen getadelt hat, als be- © 0". yathe ersich deshalb schlechter. Vielleicht aber inöchtest dwmich fragen, ob ich dir anmuthe, Allen, welche dich nicht leidenschaftlich le- ben, gefällig’zu sein; ich aber denke auch, ein | Beebender wird dich nicht heifsen gegen alle Ki Liebenden diese Gesinnung zu haben. Denn we- der würde es den Empfangenden zu gleicher Dankbarkeit verpflichten, noch wäre es dir, ‘da ur du Andern verborgen bleiben willst, eben. so. leicht möglich. . Es soll aber daraus gar kein Bas: Schaden, sondern Vortheil für beide entstehen. | i ‘ Ich nun halte das Gesagte für hinreichend, Br wenn aber du noch etwas als übergangen ver- N missest, so frage. es Nun, Sokrates, was dünkt dich von der re Rede? Nicht dafs sie wunderschön sowohl im | Uebrigen als auch besonders ım Ausdruk: Dee . ‚ beitet ist? Ken Sox. Ganz göttlich allerdings; Freund, so " * dafsich aufser mir bin. Und dieses hast du mik angethan, o Phaedros, indem ich auf dich sah, und du mir schiens# vor Freude zu glänzen über die Rede während des Lesens. Denn in dem — . henkeii, dafs du mehr REN alsich'won - - diesen Dingen, folgte ich dir, und so nachfol- rend bin ich. immer entzükt gewesen mit dir, ‚herrlichen Seele. - "Pi. Wohl! auf diese Art also denkst du zu Br scherzen? - » .Sox. Denkst du, ich scherze und meine es ‚aicht ganz ‘ernsthaft? " Pır. Keinesweges, o Sokrates. Aber in Wehrheit sage mir beim Zeus: der Freundschaft, he du, als irgend ein anderer Hellene et- was anderesgröfseres als dieses und mehreressa- | gen könnte über dieselbe Sache? jr ni, 2 Sox. Wie denn? Auch hierüber soll von - und dir die Rede gelobt werden, dafs der Fasser das Richtige gesagt habe, und nicht über nur, weil er alle Wo, orte so rund und ge- u mit fester Hand abgedreht hat? Wenn es ‚soll, mufsich’es zugeben, dir zu gefallen, n mir ist es entgangen wegen meiner Unfä- eit, weil ich nämlich nur auf das Redneri- 235 ‚darin Achtung gab, und dieses dachte ich e Lysias selbst nicht für hinreichend hal- > Ba er schien mir gar, vrenn du es nicht et» ders meinst, Phaedros, zwei oder dreimal lbe zusagen, als-wäre es ihm eben nichtgar ‚vieles zu reden über dieselbe Sache, in- \“ ihm vielleicht auch gar nichts gelegen war ER; Und daher ist er mir vorgekommen wie ie n iger Mensch, der seine Freude daran hat, BD , igen, dafs er. im Stande ist, indem ’er die- be Sache jezt so, dann anders ausdrükt, beide. vortreflich zu reden. Pr. Nichts ist dies gesagt, Sokrates. Deug Be S n dies findet sich ganz vorzüglich in der Re- AS enn was schikliches zu sagen in der Sache ae davon. hat sie nichts übergangen, so daß N eo 96 2 te ‚etwas anderes gröfseres und besseres, als das von ihm angeführte, Niemand jemals sagen kann. 'Sor.' Dieses werde ich: dir nicht mehr im Stande sein zu glauben. Denn: weise Männer und Frauen aus alter Zeit, die eben hierüber ge- redet und geschrieben haben, werden mich der . Unwahrheit zeihen, wenn ich dir dieses aus Ber fälligkeit einräume. F Pır. Wer sind diese? und wo hast du bes- seres als dies gehört? Sox. Jezt gleich zwar kann ich es so kick . sagen; offenbar aber habe ich dergleichen von irgend jemand gehört, entweder von der schö- nen Sappho oder von dem weisen Anakreon, oder auch von Schrifstellern in ungebundener ‚Rede. Woher ich dieses schlielse? Voll ja, du Theurer, tragend die Brust ‘fühle ich, dafs ich ganz andere Dinge als jener zu sagen hätte, und nicht schlechtere. , Dafs ich'nun aus mir Salt nichts davon ersonnen habe, weils ich gewiß, da ich meines Unverstandes mir bewulst bin. Also denke ich bleibt nur übrig, dafs ich aus ‚fremden Strömen Hlurch das Gehör angefüllt wor- ‘ den bin, wie ein Gefäls; aus Träumerei aber habe ich auch das schon wieder NEE wie und von wem ich es gehört.‘ Pır, Wohl, du prächtiger Mann, dies’ war vortreflich gesprochen. Du also sollst mir, von wem und wie du es gehört, gar nicht sa- gen, auch nicht wenn ich es verlange. Nur eben das was du sagst, thue mir. Versprich du mir, desselbigen, was in-meinem Buche steht, dich enthaltend anderes besseres und nicht we+ . iger zu sagen. Dagegen verspreche ich Dir, wie die Menu Archesiten eine goldne Statue von gleichem.Maafs nach Delphi zu verehren, ae s yom mir allein, sondern. auch deine. ERIFERFETN. WERDEN ee en ai Be u y res Ein gar lieber und ER ‚goldner “er, Mensch bist Bir mir, Phaedros,: wenn du meinst, ‚ich: ‚behaupte, dafs Lysias di Sache ganz und 27 gar verfehlt habe, und dals es möglich sei lau- ter andere Dinge als erzu sagen. , Dieses abe, denkeich, kann auch dem schlechtesten Schrift ” steller nicht begegnen. Gleich hier, wovondie "Rede i ist, was glaubst du, wenn einer beweisen wollte, man müsse dem Nichtverliebten' eher \ ‚gefällig sein als dem. Verliebten,, überginge aber . die Verständigkeit des Einen zu loben und die y. 3 Unverständigkeit des Andern zu tadeln, welches Bi ganz nothwendie ist, würde er dann irgend Bin fen € . was.anderes zu sagen im Stande sein? Sondern mr gleichen, glaube ich, ist jedem Redendenzu Alison und Zuzugestehen; und inderglachen = De auch ‚nicht die Erfindung, sondern nur die An mM ung zu loben, an- dem nicht nothwendigen und schwerer zu. Elend aber aufser üpk An- ; Er dnung auch die Erfindung. ahs € . - Ichiräume ein, was du RE denk nkst mich ganz billig gesprochen zwha-., ‚ Daher will: ich mich je so beweisen .. - ; der Liebende mehr als der nicht lide» . ftliche krank sei, “davon will ich dir ver- ‚auszugehen, und wenn du mir im übri- mehr andere und bessere Sachen vorträgst, ysias, sollst du immer noch: neben der iden Weihgeschenk aus gehämmerter Ar» Olympia stehen. RER Sox. Du nimmst es ganz ernsthaft; Phae- ET, dafs ich deinen Liebling angegriffen, um aufzuziehen nämlich, und meinst wohl, e wirklich versuchen ‚, überjseine Kunst et, sh ER ‚etwas anderes schöneres zu sagen. sh f . Was (dies nun betrift, Freund , so giebst AR zt dieselbe Blöfse. Reden also mufst ER Th. I. Bd. Bu a Be du jeztauch auf jeden Fall, so wie du eben kannst, Damit wir aber nicht den ganzen lästigen Spafs "der Komödie durchzumachen nöthig haben, und Einer dem Andern dasselbe zurükzugeben: so sieh dich vor, und nöthige mich nicht erst dir : Jenes zu sagen: Wenn ich, o Sokrates, den So- krates nicht kennte, zmüfste ich‘ auch mich selbst vergessen haben, und das er'wohl Last hatte zu reden, doch aber den Spröden machte; sondern überlege, dafs wir von hinnen nicht gehen, ehe du das gesagt hast, was du behauptetest in der Brust'zu tragen. Wir sind hier allein ganz ein- „sam, und ich bin der stärkere und j jüngere. Aus Fe allen nun vernimm was ich meine, und wolle doch ja nicht gezwungen lieber als frei- willig reden. Sox. Aber du launiger Phädros, lächerlich wrerde ich mich machen, wenn nach einem tref- lichen Künstler ich Ungelehtter unvorbereitet rede über dieselbe Sache. ‚Pu. Weifst du wie es steht? Höre auf,dich gegen: mich zu zieren; sonst weifs ich ar was ich nur sagen dark; um dich gleich zum Reden zu zwingen. r Sox. 80 sage es also ja nicht. Pı. Mit nichten, sondern ich sage es aller- dings, und die Rede soll mir ein Schwaur sein, Ich schwöre dir also, ja bei welchem Gotte doch? oder willst du bei dieser Platane? dafs wahrlich, wenn du mir nicht die Rede hältst, . hier Angesichts ihrer selbst, ich dir nie Heine 7 andere Rede von Niemand. weder zeigen noch, verrathen werde. Sox. Weh! Du Böser! Wie gut, hast du verstanden, - einen redeliebenden Mann zu zwingen, dafs er thue, was du nur be- gehrst. / HE. SEM z 3 Er % D rn = Salben = .Sox. O gar nichts mehr, seit du dieses ge- j ’ r schworen hast. Denn wie könnte ich mich wohl ER ji '‚Pır. Was hast du also, dafs du dich noch R einer solchen Lokspeise enthalten ? & se "Pr. Rede also. 237 NL Sox. Weifst du wohl, wie ich es machen | will? Pa. Womit denn? . Sox. Verhüllt willich sprechen, damitich _ F aufs schnellste die Rede durchjage, und nicht et- wa, wenn ich dich ansehe, aus Scham in Ver- »# Wwirrung gerathe. Zee Pin, "Rede nur, und übrigens halte es wie 2 Re willst. ''Sox. Wohlan denn, o Musen! ihr heifset | wegen der Art des Gesanges die hochge- } hiten, oder es sei, dafs ihr nach dem langhal- gen Geschlecht der tonreichen Schwäne die- en Namen führt, Verleihet mir Beistand hier RR t zu sprechen, damit nur sein F reund, der schon immer kunstreich zu sein schien, nun noch mehr so erscheine. Es war also ein Knabe oder vielmehr ein - herwachsener Jüngling, der hatte der Lieb- 5 ıber sehr viele. Unter diesen war einer sehr . ar ig, welcher den Knaben, gegen den er nicht | ok de als Einer, Blidenschaft hegte, dennoch. | ; edet hatte, er hege keine; und &inst als er hn mit Bitten bedrängte, ihn auch’eben dieses redete, dafs er den Nichtliebenden vor dem den hi nd müsse. Er redete aber Men Dingen, mein Kind, giebt es nur infang für die, welche mit Erfolg wollen .. Asungen anstellen: sie müssen dasje- RL; D — 100 — jenige kennen, worüber sie Rath pflegen, ode» unvermeidlich ihresEndzwekes gänzlich verfeh- len. Die Meisten nun merken nicht, dafs sie - das Wesen der Dinge nicht kennen. Als kenn- ten sie es also, verständigen sie sich nicht darü- ber im Anfange der Untersuchung, und im Fort- . gange begegnet dann was ihnen gebuihrt, dafs ‚sie weder mit sich selbst noch unter einaniler einig sind. Mich also und dich möge nicht treffen, was wir Andern vorwerfen; sonder da ‚dir und mir die Frage vorliegt, ob mit dem „welcher leidenschaftlich liebt odernicht, besser sei Freundschaft zu stiften: so lafs { Ums ones die Liebe, was sie ist und welche Kraft ihr zu- kommt, eine Erklärung einstimmig festsezend, in Hinsicht'und Beziehung auf diese dann Es Untersuchung anstellen, ob sie Vortheile oder Schaden hervorbringt. _ Dals nun diese Liebe ‚eine Begierde ist, gestehet Jeder; wiederum aber:wissen wir, :dafs auch nicht so. Liebende al ebenfalls der Schönen begehren. Woran also . wollen wir den so Tiebeiten und den andem- ? ‚unterscheiden? Wir müssen demnach bemer-. z "ken, dafs esin einem Jeden von uns zwei herr- Ey schende und führende Triebe ‚giebt, welchen wir folgen, wie sie eben führen, eine. einge- bohrne Begierde nach dem Angenehmen und ‚ | ! eine ewworbene Gesinnung, welche nach dem | Besten strebt. . Diese beiden nun sind in uns ' bald übereinstimmend, zuweilen auch wieder E veruneiniget, da te jezt diese, dann ‚wieder = 0700 odieandere siegt. Wenn nun die Gesinnung‘ uns 2.007 238 »zamm Besseren Punch, Vertce führet und. vegie- RG ret, so heifst diese Regierung Besonnenhei 001.0. ‚wenn aber.die Begierde vermunftlos hinziehe © 070..% zur Lust, und in uns herrscht, wird diese He ‚schaft . Wildheit genannt. Die Wildh i x er en nen, 101 — BEN %: x ist vielnamig: denm sie‘ist vieltheilig undvil- " artig. Und die von diesen Arten zufällig den >” e. Vorzug gewinnende trägt ihren eignen Namen .. zur Benennung auf den der sie besizt hinüber, einen weder schönen noch wünschenswerthen: " , Denn eine auf den Wohlschmak der Speisen ge- \ gende Begierde heifst Schlemmerei, „und. wird . 5, auch dem sie hegenden dieselbe Bezeichnung ER x R richtete Vernunft und andere Begierden besie- ‘zuziehen. Von der aber im Trunke gewaltigen nd den Besizer dahin Malen ist klar, wei Ben anschörisen Namen, ‚wie jede, weni" die & Herrschaft führt, zu bezeichnen ist, er N nnt. Und um welcher willen das bisherige 2 x set worden, ist wohl auch schen einleuch- licher werden, als EN es nicht Br e. Nämlich die vernunftlose jene auf das sere bestrebte Gesinnung beherrschende zur : an der Schönheit hinführende, und wiede- 1 "von den ihr verwandten Begierden auf die hi inheit des Leibes hingeführte Begierde, n siesich kräftig verstärkt hat, und der herr- » de Trieb geworden ist, erhält von ihrem nstande,: dem Leibe, den Namen, -und aebe genannt. — Doch, lieber Phaedros, auch dir, so wiemir, dafs, etwas arte . es mich angewandelt? Pu. Allerdings, _o' Sokrates, hat ein \ ganz Öhnlicher Flufs der Rede dich ergriffen. . Still’also, höre mich weiter. Denn in "göttlich scheint dieser Ort zu sein, so. eun ich vielleicht mehr als einmal: im der Rede von. den Nymphen ergriffen du dich nur nicht wundern mögest. 4 > & r * Er R ie b ” 3 » Se - . { P > 4 — 102 — A ist ja schon jezt was ich rede nicht PER von Dithyramben. j Pr. Sehr richtig bemerkt. Sor. Davon nun bist du Ursach. Doch höre das Uebrige, sonst möchte vielleicht ver- scheucht werden, was über mich kommt. Da- für nun mag Gott sorgen, wir aber müssen mit unserer Rede zu dem Knaben uns wenden. Gut denn, mein Theurer, was dasjenige ist, worüber wir berathschlagen , ist nun gesagt und’ bestimmt. In Beziehung hierauf also lals uns das übrige 'erörtern, welcher Vortheil oder Schaden von. dem Liebenden oder Nichtlieben- ' den dem, der ihnen willfahret, wahrscheinlich : bevorstehe. Nothwendig nun wird der von der Begierde beherrschte und der Lust dienende den Geliebten aufs angenehmste für‘ sich bearbeiten. Einem Kranken aber ist das nicht widerstre- _ bende angenehm, das gleiche und stärkere aber ' verhafst. - Weder besser also noch ihm ‚selbst 259 gleich wird ein Liebhaber gern seinen Liebling ra. haben mögen, sondern schwächer und unvoll- kommner als er wird erihn zu machen suchen. Schwächer aber ist der Unverständige als der Weise, der Feige als der Tapfere, der Unbe- redte als der Rednerische, der Langsame als der. Schnelldenkende. ' Solche also und noch andere dem Geistesyermögen des Geliebten erst entste- hende oder von Natur schon einwohrende Uebel muls der Liebhaber im lezten Falle mit Freuden wahrnehmen, im ersteren selbst befördern oder sich des augenbliklich Angenehmen beraubt se- hen. Neidisch mufs er also sein, und schon. ‚durch Abhaltung von andern auch nüzlichen. Verbindungen, durch welche am meisten ‚ein Mann aus “ihr werden könnte, ihm Erben. Schaden verursachen, den grölsten aber i in UT FAR ® ie y re — 103 . wi) “sicht. ‚derjenigen, welche ihn im eigentlichen öttliche Philosophie, von der also der Liebha- ” den Liebling gewifs, aus Furcht ihm ver-, ächtlich zu werden, weit entfernt halten, und “auch übrigens ‚alles anwenden wird, damit er in | allen Dingen unwissend und in allen; auf den © Liebhaber zu sehen genöthiget bleibe, in wel- ehem Zustände er dann diesem zwar am meisten zur Lust, sich selbst aber eben so sehr zum Schaden gereichen wird. Für die Seele also ist ° gm keiner Hinsicht ein heilsamer Aufseher oder » > Gefährte der Mann, den Liebe ergriffen. Wie aber des Körpers, dessen er Herr geworden ist, Bildung und Pflege, und was für eine derjenige ER besorgen wird, welcher dem Angenehmen statt . des Guten genöthigt i ist nachzustreben, das müs- sen wir hiernächst sehen. Es wird sich aber ER zeigen, dals er einen weichlichen und nicht . einen harten aufsucht, nicht der im reinen Son- ER 'nenschein aufgewachsen ist, sondern im dumpfi- gen Schatten, ‚an männliche Arbeiten und an- _ strengende Leibesübungen nicht gewöhnt, ge- W "wöhnt aber an eine zärtliche und ssmärihkichia Lebensart, mit fremden Farben und Verzierun- gem aus Mangel an eigenen geziert, und was es sonst hiemit zusammenhängt, des alles sich be- fsigend. Welches bekannt ist, und nicht öthig weiter hineinzugehen, sondern wenn ‚ein Hauptstük nur herausgehoben, wollen "uns zu etwas anderem wenden. Mit einem hen Körper nämlich wird einer im Kriege in andern dringenden Nöthen den Feinden hl Muth, den Freunden aber und den Lieb- ern selbst Besorgnifs einflöfsen. Dieses also len wir als bekannt vorbeigehen, und das en. ‚darthun, welchen Vortheil oder Scha- Fi 2; „ mt alle Ey [in Sinn weise machen würde. Dies nun ist die | TIEF IHRER En. E — 194. — den für das Besizthum uns des Liebenden Um# gang und Vormundschaft anrichten wird.‘ Ein- Iedchteiid nun ist hier dies wohl Jedem, und am. meisten dem Liebhaber, dafs er eben von den liebsten , wohlthuendsten und’göttlichsten unter ' allen Besizthümern vor allen dem Geliebten ver- waiset zu sehen wünscht. Denn Vater und Mut-- ter, Verwandte und Freunde sähever ihm gern ' ‚ehtrissen, da er sie für Störer und Tadler eben des angenehmsten Umganges mit ihm ansieht. 240 Aber auch den Vermögenden an Gold oder ande- ° rem Eigenthum kann er nicht für eben so.leicht zal cnberk achten, noch wenn dies geschehen, für leichtzu handhaben. Weshalb denn noth- wendig der Liebhaber dem Liebling, es mils- gönnt, wenn er Reichthum besizt, wenn er ihn aber verliert, sich erfreut. Ferner auch ehelos, kinderlos, heerdlos mufs so lange als möglich den Liebling derLiebhaber zu sehen wünschen, die ihm sülse Frucht aufs längste zu ‚genielsen sich sehnend. . Es giebt. freilich noch anderes ‚ verderbliche, aber es hat doch ein Dämon dem ' meisten eine ummittelbare Lust beigemischt; wie dem Schmeichler, einem ‘furchtbaren Thiere und grolsem Uebel, hat doch die Natur dies bei- a gegeben „dafs erein nicht ungebildetes Vergnü- gen gewährt.. Auch eine Hetäre könnte einer als verderblich tadeln,. und was man sich sonst dergleichen hegt-und pflegt, wobei aber doch immer sich findet, dafs es für den Augenblik sehr angenehm ist; dem Liebling aber ist der Liebhaber nächst: dem verderblichen auch noch im "täglichen . Umgang höchst unerfreulich. ' ‚ Denn gleich und gleich an Jahren, sagtschon der alte Spruch , erfreut einander, weil, "glaube ich, - “ die Gleichheit des Alters zu gleichen Vergnügum gen hinführend durch diese AchnlichkeitFreund- . 4 Da NR x A % SE 105 — x ‚sschaft erzeugt. "Und dönwoch giebt es einen Ueberdrufs auch’ in dem Umgange von solchen, .3+ 7 Aber: ‚Gezwungenes, sagt man, ist gewifs allen 2, sig) in allen Dingen, und dieses noch aufser E der Unähnlichkeit findet sich ganz besonders in I dem Umgange des Liebhabers mit dem Liebling. - Denn den so viel jüngeren will der Aeltere we- der Tag noch Nacht 'gutwillig verlassen, so " witd er ‘von innerem Drang und Verlangen ge- | trieben, welches jenem zwar immer Verendfen & gewährt, indem er den Geliebten sieht, hört‘ und mit allen Sinnen genielst, so dafs er ihm mit Lust unaufhörlich anklebend. dienet: wel- chen Trost aber oder welche I.ust gewährt es’ dem ‚Geliebten, um zu verhindern, dafs dieser £ Grabe, wenn er ihn so lange Zeit um sich hat, Be .. ibiersten Widerwillen fasse,'indem er eine Pas a ‚ Salkernde nicht mehr blühende Gestalt vor Augen hat und was hiemit sonst zusammenhängt, wo- von schon die Beschreibung zu hören Er "Olre nicht erfreulich ist, vielweniger sich unaufhör- lich gezwungen damit selbst zu befassen; indem ‚er ferner mit argwöhnischer: Wachsamkeit be» wacht wird überall und gegen alle, und unzeiti- ges überschwengliches Lob anhören mufs,.und _ eben so auch Tadel, schon von dem Nüchter- ie unerträglichen, ganz unanständigen aber _ noch überdies von dem Berauschten, mit über- . ' ‚satter unverhüllter Dreistigkeit redenden: In-. t _ dem er liebt also, ist,er ihm verderblich sowohl als widerlich; hat aber die Liebe aufgehört, so EN ist er ihm Bir die künftige Zeit treulos, für wel- che er eben so. vieles mit vielen Schwüren und „Bitten ‚verheifsend ihn vormals kaum hielt, dafs "den unangenehmen Umgang ertrug in Hofl- o r des Vortheils. Dann also, wann er erfül- ag Mn —. 106 and Führer in sich aufgenommen, Verstand und« Besonnenheit anstatt der Liebe und des Wahn- sinns, und ist ein: Anderer geworden seinem Liebling unbemerkt. Dieser also fordert den Dank für das damalige, indem er das vorgegan- gene und verabredete ihm in Erinnerung bringt, als ob er noch mit demselben Menschen redete. Jener aber will aus Scham nicht wagen 'zu ge- stehen, dafs er ein anderer geworden, noch E auch weils er, wie er die Schwüre und Verspre- Br chungen aus der damaligen unverständigen Zeit, Ei 'nun er Verstand und Besonnenheit gefunden hat, erfüllen kann, ohne, wenn er eben wie der ehe- malige handelt, ihm auch ähnlich und wieder derselbe zu werden. Ein Ausreilser wird also nun der ehemalige Liebhaber, und begiebt sich, nun die Scherbe anders gefallen ist, seiner Seits auf die Flucht. Der andere aber muls ihm nach« sezen, unwillig und in Verwünschungen aus- brechend, weil er die ganze Sache von Anbe- ginn nicht verstanden hat, dafs er nemlich nie » hätte sollen dem Liebenden und also nothwen- dig Unverständigen gefällig sein, sondern weit 5 eher dem nicht liebenden und verständigen; wo, aber nicht, er sich dann allemal einem treulosen hingäbe, einem neidischen, beschwerlichen, widerlichen, verderblichen.für sein Vermögen, 'verderbliehen auch für die Tüchtigkeit seines Körpers, am verderblichsten aber für die Aus- ‚bildung seiner Seele, über welche es doch we- , der für Menschen noch Götter in Wahrheit et» was köstlicheres giebt oder jemals geben kann. Dieses also mufst du bedenken, o Knabe, und die Freundschaft des Liebhabers kennen lernen, dafs sie nicht wohlwollender Natur ist, sondern . dafs nur nach Art der Speise um der Sättigung ee willen, gleichwie Wölfe das Lamm, so ; Beben ; den Knaben Verliebte. . Da hast du es ja, Phädros! Nicht weiter sollst du mich auch nun reden'hören, sondern hier soll die Rede ihr Ende haben. Pu. Aber ich dachte ja, sie wäre erst in der: Hälfte, und würde nun noch gleiches von dem Nichtliebenden sagen, dafs man dem lieber ge- fällig‘ werden miisse, indem sie darstellte, was _ er Gutes ansich hat. Warum also, o Sokräten; i hörst du schon jezt auf? | \ .$ox. Hast du denn nicht gemerkt, du Seli« ‚ger, dafs ich schon Verse spreche, nicht mehr r nur Dithyramben, und das noch indem ich ta- die? Wenn ich nun erst anfinge, den Andern - zuloben, was meinst du werde es dann werden ? Weißt du wohl, dafs ich von den Nymphen, ir denen du mich nanssalänen Weise vorgeworfen, ganz vollkommen werde begeistert werden ? Ich sage also nur mit einem Worte, dafs weshalb war den. einen geschmäht haben, davon dem An- ‚das entgegenstehende übe beiwohne. Was > arfı es einer langen Rede? Denn über beide genug gesagt, und so mag nun der Fabel be- nen; was ihr gebührt, ich aber gehe über n Flufs zurük, eheich von Dir zu etwas 1 gerem gezwungen werde. ‚vorübergeht. Oder siehst du nicht, dafs Sonne eben recht im Mittage steht? Son- lafs ı uns hier bleiben, und über dasGespro- reden, bis wir, achalt es sich SOIDFRRRU Br können. ie. von allen; während A Lebens ge- W e n Reden hat Niemand mehrere als du - #. Nurjeztnoch.nicht, Sokrates, bis die 242 LIE . _— 108 0 — ans Licht gebracht, theils indem du'sie selbst ', gehalten, theils Andere aufirgend eine Art dazu "genöthiget. DenSimmias vonThebänehmeich us, die Uehrigen besiegst du bei weitem. Auch . jezt wieder dünkst du mich Ursach geworden zu sein; dafs eine Rede mufs gesprochen werden. Pr. Keinen Krieg verkündigest du mir hie- mit. Aber wie doch und was für eine? s .Sor. Als ich im Begriff war,, durch deu Flufs zu gehen, hat sich mir der Geist und das gewohnte Zeichen gemeldet, und eine Stimme glaubte ich von dorther zu hören, die mir ‚wehrte, von dannen zu gehen, bevor ich mich ° ‚gereiniget, also-als hätte ich etwas gesündiget gegen die Gottheit. Nun bin ich auch ein Wahr- sager, kein grolser zwar, sondern nur wie die, welche schlecht schreiben, soviel ich für mich selbst brauche. - Daher also kenne ich schon ge- “ nau die Versündigung. Wie ein weissagendes +Wesen, Freund, ist doch die Seele. Denn mich beuhruhigte. etwas schon lange als ich noch die Rede sprach, und ich ängstete mich nach dem Ibykos, ob ich nicht gegen Götter frevelnd eite- ” len Ruhm von den Menschen tauschte, RR aber weils ich die Versündigung. SE ERERR Pır.. Welche meinst du denn?.. Dan Soxr. Eine arge Rede, Phädros, eine Be arge hast du selbst hergebracht, und auch mich zu reden gezwungen. 5 x Pr. Wie so doch? ? er Sox. Eine einfältige und auch PRDEN ruch- lose; und welche ärgere könnte es wohl geben? "Pr. Keine gewils, wenn du recht hast. Sor. Wie denn? Hältst du den Eros nicht. für der Aphrodite Sohn und einen Gott? BR 2) ‘ Pr. -Das sagt man von ihm. 22 Bo .$ox. Nicht aber Lysias, noch zuch: deine SE m 109 FI Sa Br, Rede, wie si sie durch meinen von.dir besiukai ten Mund ist.gesprochen worden. "Wenn also, x wie es doch ist, Eros ein Gott und dieLiebee= 2. was göttliches ist, so kann sie ja nicht etwas bö= j ses sein. Die vorigen Reden aber sprachen beide ‚von ihr, als wäre sie dieses. ‚ Hiedurch also sün« digten. sie gegen den Eros;' nächstdem aber ist ‚ auch ihre Einfalt sehr artig, dafs sie ohneirgend _ etwas. gesundes oder w gesagt zu haben ‚sich ein Ansehn geben, als wären sie ‚etwas, wenn sie vielleicht.einige Leutlein hintergehen, und sich wissen geltend zu machen bei üb sen, Ich.also, F ‚Freund, mufs mich reinigen. Es giebt 245° aber für diei in Dichtungen über. die Götter süns digenden e eine alte Reinigung, ‚ von welcher Ho- Yızaı i vos. nichts wufste,' Stesichoros aber. Denh ER ‚er: ‚der Augen beraubt ward wegen Schmä- der Helena, blieb ihm nicht wie’ dem Ho- me die Ursach unbekannt, sondern als ein : den Musen Vertrauter erkannte er sie wohl, und ;htete sogleich sein „Unwahr: ist. diese Kein; Te n nie bestiegst du‘ die zierlichen Schiffe, “s kamst du je zur Feste von Troja”, und dem er den ganzen sogenannten Widerruf geh. ‚ward er alsbald wieder sghend er noch etwas übles. begegnet. wegen ung des Eros, will ich versuchen, ihm Ders zu entrichten mit entblöfstem i A nicht wie vorher mit verhülletem " Angenehmeres 12: dieses, : Sokzuses, J - du mir gar nicht'sagen. Du siehst es doch ein, mein guter wie srhanılos die..beiden Reden ge- 244 u 1 Mann von sanftem Gemüth und der einen eben solchen liebt oder je zuvor geliebt hat, uns zu- gehört, als wir sagten, dafs Liebhaber über Kleinigkeiten grofsen Zwist erregten, und den Lieblingen abgünstig wären und verderblich, wie meinst du nicht, er würde glauben solche zu hören, die unter Bootsknechten aufgewach- sen nie eine anständige Liebe gesehen? und dafs . viel fehlen würde, dafs er unis beistimmen sollte indem, worin wir die Liebe tadelten. Pır.' Vielleieht wohl beim Zeus, o Sokrates. Soxr. Aus Scham also vor diesem, und aus Furcht vor dem Eros selbst will ich mit einer trinkbaren Rede gleichsam den unschmakhaften Ton des zuvorgehörten hinunterspülen. Ich ra- the aber auch dem Lysias aufs baldigste dafür zu schreiben, dafs man dem Liebenden eher. als. dem Nichtliebenden, wenn sonst alles gleich ist, müsse gefällig sein. m Pır. Sei nur versichert, dafs es gewils so ge=. schehen soll. Denn hast da des Liebhabers Lob gesprochen , so mulsnothwendig Lysias von mir, _ genöthiget werden, auch hierüber eine Rede zu schreiben. Sox. Das glaube ich gern, so lange au bleibst wer du bist. - Ph. Rede'also dreist heraus. Sox. Wo ist mir aber der Knabe, zu dem "ich sprach? damit er auch dieses höre, und nicht etwa unbelehrt eilfertig dem Nichtlieben- den willfahre. nr Pr. Dieser ist dir immer ganz nahe zuge- gen, wenn nur du willst. ER Sox. So wisse denn, schöner Enabe A die vorige Rede von dem Myrrhinusier Phädros herrührte, dem Sohne des Pythokles; die ich aber jezt sprechen will, ist von dem Stesichöron ne Eis sen. ALIEN [® 2 | aus’ Himera, dem Sohne des Euphemos, So aber mufs sie gesprochen werden, dafs unwahr 3% ist jene Rede, welche behauptet, auch wenn ein | Nichtliebenden willfahren, : weil nemlich jener wahnsinnig ist, dieser aber vernünftig. Denn wenn freilich ohne Einschränkung gölte, dafs der Wahnsinn ein Uebel ist, ‚dann wäre dieses | gröfsten Güter aus einem Wahnsinn, der durch . göttliche Gunst verliehen wird. - Denn die Pro- 1 phetin zu Delphi und die Priesterinnen zu Do- done haben im Wahnsinn vieles Gute in beson- + deren und öffentlichen Angelegenheiten unserer Hellas zugewendet, in 23 Daspeniindich aber Fur Be es oder gar nichts. Wollten wir auch noch für d ie: ra vorhersagend heibe, so wür« Fi wir uns ausdehnen, und doch nur Jedem be- anntes sagen. Dies aber ist werth es anzufüh- , dafs auch unter den Alten die, welche die % 22, ‚schändliches oder für einenSchimpf hielten, } weil sie sofst nicht die edelste Kunst, durch welche die Zukunft beurtheilt wird, eben jenen nannt hätten; sondern dafür hältend, er'sei et- was Gutes, wenn er durch göttliche Schikung 2 entsteht, haben sie jeneKunst so benannt. Denn ur erst die Neueren haben ungeschikter Weise ;R hineingesezt statt des N, und sie Wahr- unst geheifsen. Eben so haben sie jene ; von Besonnenen vermittelst der Vögel ' anderer Zeichen angestellte Erforschung ee als eine mit Bewulstsein menschli- "wohl gesprochen: nun aber entstehen uns die Namen festgesezt, den Wahnsinn nicht für et=- _ Namen ihr einflechtend, Wahnsagekunst ge Liebhaber da sei, .müsse man vielmehr dem — 112 — .- / . senschaft das Wifssagen genannt,, welches jezt - ‚die Neueren durch den breiten -Doppellaut in Weissagen verwandelt haben. So viel heiliger “und ea mun, man. vergleiche die Na: Ce men ‘oder die’Sache, jenes Wahrsagen ist als : dieses Weissagen,’ um. soviel vortreflicher ist auch nach den Zeugnils der Alten ein göttlicher _ Wahnsinn als: eine blofs menschliche Besonnen- heit. Eben so. hat auch;.“ wenn Krankheiten und schwere Plagen aus altem 'Ziorm»der Gottheit ‚ irgendwo verhängt wurden, »eim eingegebener ‘ und prophetisch “wirkender Wahnsinn -denen, ‘die es bedurften, Errettung gefunden, welcher zu Gebeten und Verehrungen der Götter sich. "hinwendend, und dadurch reinigende Gebräuche und Geheimnisse erlangend, -jeden Theilhaber für die gegenwärtige und künftige Zeit sicherte, und dem auf rechte Art Wahnsinnigen und Be- sessenen die Lösung der obwaltenden Drangsale erfand: “Die dritte Eingeistung und: Wahnsin- ; nigkeit, nemlich die von den Munsen, ergreift "nur eine zarte und heilig geschonte Seele, und la diese zu festlichen Gesängen und den andern ' [Werken derDichtkunst aufregend.und. befeuernd. nd tausend: Thaten der Urväter ausschmükentt j bildet siesdie Nachkommen. Wer aber: BR | diesen Wahnsinn der Musen in den Vorhallem’ ‘der Dichtkunst ‚sich einfindet, meinend, ver könne durch Kunst allein genug ein Dichter wer- | den, ein solcher ist selbst ungeweiht, und auch seine, des Besonnenen Dichtung ‚wird von der ? 1 des Wähnsihnigen verdunkelt. Acid und moch 2 mehreres kann ich rühmen von des Wahnsi 2 der von den Göttern kommt, herrlichen Tha- 8 002. ten, So.dafs wir eben diesesja'nieht ches wollen, noch uns irgend eine Rede irren. a. meinem GELTIOIR . \ — 153 — Verzükten den Besonnenen vorziehen sollen als Freund; sondern erst dieses noch zu jenemer- weisend soll sie den Preis davon tragen, dafs “nemlich nicht zum Heil die Liebe dem Lieben- den wie dem Geliebten von den Göttern gesen- ‚det wird. Wir aber haben das Gegentheil zu er- ' weisen, dafs zur gröfsten Glükseligkeit die Göt- ter diesen Wahnsiun verleihen. Und dieser Be- „weis wird den Vernünftlern unglaublich sein, den Weisen aber glaubhaft. Zuerst nun mufs über die göttliche sowohl als menschliche Natur der Seele durch Betrachtung ihres Thuns und 3 . . . . o ‘ Leidens richtige Einsicht vorangehn. Daher ist 2 u ellich. Denn das stets Bewegte ist unsterb- . ich, was aber anderes nur bewegt, indem es : st von anderem bewegt wird, und also ein der Bewegung hat, hat auch ein Ende des ens. Nur also das sich selbst Bewesende | es nie sich selbst verläfst, wird auch nie hören bewest”zirsein;-sordern auch allem en was bewegt wird, ist dieses Quelle und ang.der Bewegung. Der Anfang aber ist un- nden, Denn aus dem Anfang niufs’älles ende entstehen, er selbst aber aus nichts. wenn der Anfang aus eLwas. nde nıchts mehr Aus dem Anfang. Da er nentstanden ist, mufs er nothwendig auch reänglich sein. Denn wenn der Anfang noch etwas anderes aus ihm entstehen, us dem Anfange entstehen soll. Dem- o ist der Bewegung Anfang dassich selbst rerde ist nicht möglich, oder der ganze und die ganzeErde müfsten zusammen- ‚stehen, und niemals wieder können . Th. 1.1Bd. [8] dies der Anfang des Beweises. - Jede Seele ist „entslände, so_ nges könnte weder er jemals aus etwas nde; und dafs dieses untergehe oder er- ' a en, in Bewegung gesezt werden. Nachdem sich nun ‘das sich von selbst Bewegende als unsterblich gezeigt hat, so darf auch wer es für das Wesen ‘ı und den Begriff der Seele erklärt sich nicht schämen. Denn jeder K Körper, _ dem nur von welt! "der es ae in'sich hat aus. sich Belbee; be- seelt, als wäre dieses dieNattır der$eele, Verhält sich aber dieses‘so, dafs nichts anders das sich 246 selbst Bewegende ist als die Seele, so ist noth- wendig auch die Seele unentstanden und un- 'sterblich.?” Von ihrer Unsterblichkeit nun sei dieses genug, von ihrem Wesen aber müssen wir dieses sagen, dafs wie es ansich beschaffen sei eine überall auf alle Weise göttliche und unbe- grenzte Untersuchung ist, womit es aber zu ver- gleichen sei, dies eine menschliche und leich- tere. Auf diese Art also müssen wir davon re- den. ” Es gleiche daher der zusammengewachse- nen Kraft eines beflügelten Gespannes und sei= nes Führers. Der Götter Rosse und Führer nun sind alle selbst gut und guter Abkunft, die an- dern aber vermischt. Zuerst nun zügelt bei uns der Führer das Gespann ,: demnächst i ist von den Rossen das eine gut und edel und solchen Ur- - sprungs, das andere aber entgegengesezter Ab- stammung und Beschaffenhäit. _ Schwierig und mühsam ist daher natürlich bei uns das WE } lenken. Woher ferner die Benennungen sterb= ' lisher und unsterblicher Thiere müssen wir auch versuchen zu erklären, Alles was Seele ist wal# 2 ‚ tet über alles unbeseelte, und durchzieht den , ganzen Himmel verschiedentlich in verschiede+ ı nen Gestalten sich zeigend, . Die vollkommene nun und befiederte schwebt im den höheren Ge- . genden ‚ und waltet durch die ganze Welt; die‘ ‚abfirderie, aber. schw ebr. umher bis sie auf I .. =“ — 115 —— e D ‚starres trifft, wo sie nın wohnhaft wird, einen erdigen' Leib annimmt, der nun durch ihre Kraft sich selbst zu bewegen scheint, und die- sesGanze, Seele und Leib zusammengefügt, wird _ dann ein Thier genannt, und bekommt den Bei- namen sterklich; das Unsterbliche aber heifst nicht aus irgend‘ erwiesenen Gründen, sondern nur nach selbsterdachter Annahme, da wir Gott ° weder gesehen haben noch hinlänglich erken- r nen, ein unsterbliches Thier, als hätte es auch eine Seele ıınd einen Leib, aber auf ewige Zeit | beide zusammen vereiniget. Doch dieses ver- . halte sich wie es Gott gefällt, und auch nur so sei hiemit davon geredet. Nun lafst uns die. Ur- sach. von dem Verlust des Gefieders, warum es der Seele ausfällt, betrachten. Es ist aber diese: Ai Kraft des Gefieders besteht darin, das Iwere emporhebend hinaufzuführen, wo das eschlecht der Götter wohnt. Auch hat es vor- x st. ievon al: had sich Er che vor- Gefieder rei durch das mifsge- RR: ctinen und zu versorgen, ul ihm- die Schaar der Götter und Geister in eilf n geordnet, Denn Hestia bleibet in der Hause allein. Alle andern Götter aber, ° zu der Zahl der zwölfe gehören, gehen 247 ührer voran in der Ordnung, die Jedem ° wiesen ist, Viel herrliches giebt es zu ‚son Ban zu begehen innerhalb des Himmels, WEITEN TEE ER GEZECFER TOT UT B Eu ® x re ‚ 3 EN PR Ne — 16 — „dend jeder das seinige verrichtet, Es folgt ber "wer jedesmal will und kann: denn Milsgunst ist verbannt aus dem göttlichen Chor. Wenn sie aber zum Feste und zum Mahle gehen, und. in’ der höchsten Bahn innerhalb des Himmels ‚ganz, steil hinauf fahren, dann gehen zwar der Götter Wagen. mit gleichem wohlgezügeltem Gespann immer leicht; die andern aber nur mit Mühe. Denn das von schlechter Abstam- nung etwas an sich habendeRofs, wenn es nicht sehr gut‘ erzogen ist von seinem Führer, beugt sich zum Boden hinunter und drükt mit seiner ganzen Schwere, woraus viel Beschwerde und der äufserste Kampf der Seele entsteht. Denn die Unsterklichen zwar, wenn sie an den äufser- sten Rand gekommen sind, wenden sich hinaus- wärts, und stehen so auf ER Rüken’des Him- mels, und hier stehend reifst sie der Umschwung ‘ mit fort, und sie sehen, was aufserhalb ‘des Himmels ist. / Den überhimmlischen: Ort aber hat noch nie einer von den Dichtern hier besun- ‚gen, noch wird ihn je einer nach Würden be- singen. Er ist aber so beschaffen, denn ich muls es wagen ihn nach der Wahrheit zu be- schreiben, besonders auch da ich von der Wahr- heit zu reden habe. Das farblose, gestaltlose, - stoflose, wahrhaft seiende Wesen hat nür der Seele Führer, die Vernunft, zum Beschauer, um welches her das Geschlecht der wahrhaften. Wissenschäft jenen Ort einnimmt. Da nun Got- tes Verstand sich von unvermischter Vernunft und Wissenschaft nährt, wie auch jeder Seele, welche was ihr gebührt bestimmt ist aufzuneh- men, so freuen sie sich, das wahrhaft.seiende wieder einmal zu erbliken, und nähren sichan Beben des 'Wahren, und lassen. sich re x e Stelle zurükbringt. In diesem Umlauf nun. erbliken sie wiederum die Gerechtigkeit, die Besonnenheit und die Wissenschaft, nicht die, welche eine Entstehung hat, noch welche wie- „ der eine andere ist, für jedes andere. von den Dingen, die wir wirkliche nennen, sondern die ‚in dem was wahrhaft ist befindliche Wissen- schaft, und so auch von dem andern das wahr- haft ende erblikt die Seele, und wenn sie sich = . daran erquikt hat, taucht sie wieder in das In- nere des Himmels, und kehrt nach Hause zu- rük. Ist sie dort angekommen, so stellt der. - Führer die Rosse zur Krippe, wirft ihnen Am- brosia vor und tränkt sie dazu mit Nektar. Die- ses nun ist der Götter Lebensweise. Von den 248 andern Seelen aber konnten einige, welche am Ben dem Gott folgten und nachahmten, das “und so den Umschwung mit vollenden, Y stet jedoch von den Rossen und kaum das a - nd tauchten raus wieder unter, so eh sie ‚gewaltigen Sträuben der Rosse einiges sahen, ra aber nicht. Die übrigen.allesammt fol-' gen zwar auch dem droben nachstrebend, un« aber werden sie drunten zurükbleie d mit herumgetrieben, nur einander tretend ıd stofsend, indem jede sucht der andern Zur | Y2 en Getümmel entsteht nun, Streik ngstschweifs, wobei durch Schuld schlech“ - Führer viele verstümmelt werden, vielen vie- efieder beschädiget; alle aber kehren nach ‚erlittenen Beschwerden untheilhaft der An- re des Seienden zurük, und so zurükge- imen mufs’ihnen der Schein zur Nahrung . Daher eben so grofser Eifer der : Feld zu schauert wo es ist. Nämlich, — 18. — die dem edelsten der Seele angemessene Weide : stammt her aus jenen Wiesen, und des Gefie- BE ders Kraft, durch welches die. Seele gehoben wird, dabre sich hievon, und dieses ist das Ge- sez ER Adrasteia, ‘dafs, welche Seele als des Gottes Begleiterin etwas erblikt hat von dem Weahrhaften,, diese bis zum nächsten Auszuge keinen Schaden erleide, und wenn sie (dies im- mer bewirken kann, auch immer unverlezt bleibe. Wenn sie aber unvermögend es zu er- reichen nichts sieht, sondern einen Unfall er- fahrend, dabei von Vergessenheit und Trägheit er. übernommen 'niedergedrükt wird, und so das Gefieder verliert und zur Erde fällt, dann ist ihr gesezt, in der ersten Zeugung noch in keme Eoet thierische Natur eingepflanzt zu werden, son- B dern die am meisten geschaut habende in den \ Keim eines Mannes, der ein Freund der Weis- heit und Schöne werden wird, oder ein den Mu- | sen und der Liebe dienender; die zweite in den BOT eines verfassungsmälsigen Königes oder eines BR ©... kriegerischen und herr schenden; die dritte eines Bit j Staatsmannes oder der ein Hausawnaits regiert F und ein gewerbetreibendes Leben führt; die ee vierte in einen Freund ausbildender Leibes- ı "übungen oder der sich mit der Heilung des Kör- Bi: pers beschäftigen wird, die fünfte wird ein wahr- Be sagendes und Heis Geheimnissen gewidmetes Le- oder sonst mit der Nachahmung sich beschäfti- gendes zu Theil werden; ‘der siebenten ein ländliches oder handarbeitendes; der achten | „ein sophistisches oder volkschmeichlendes;- \ der neunten ein tyrannisches. Unter allen die- # i sen nun erhält wer gerecht lebt ein besseres Ar Theil, wer ungerecht ein schlechteres. Denn dorthin, woher jede beele kommt, kehrt sie F ben führen; der sechsten wird ein dichterisches Ban * #n te Zah F ; — 119 — * wird nicht befiedert eher als in solcher Zeit, ausgenommen die Seele dessen, der ohne Falsch philosophirt oder nicht unphilosophisch ‚die »Knaben geliebt hat. Diese können im dritten tausendjährigen Zeitraum, wenn sie dreimal nach einander dasselbeLeben gewählt, alsonach »dreitausend Jahren befiedert heimkehren. Die & bracht, kommen vor Gericht, Und nach diesem Gericht gehen einige in die unterirdischen Zuchtörter, wo sie ihre Strafe erdulden; andere rafe enthoben,, wo es ihnen ergeht dem Leben mäls, welches sie in menschlicher Gestalt ge- führt. : Im tausendsten Jahre'aber gelangen bei- 11:45 derlei Seelen zur Ertheilung und Wahl des zwei- =: | Lebens, welches jede wählt wie sie will. mn kann auch eine menschliche Seele in ein ı erisches Leben übergehen, und ein Thier, y% das ehedem Mensch war, wieder zum Menschen. ‚eine, die sillermaite die Wahrheit erblikt ‚ kann auch niemals diese Gestalt annehmen, ı der Mensch mufs das auf die Gattungen ' beziehende begreifen, welches als Eines 1er orgeht aus vielen durch den Verstand zu- sammengefafsten Wahrnehmungen. Und dieses rinnerung von jenem, was einst unsere gesehen, Gott nachwandelnd und das über- d, was wir jezt für das wirkliche halten, ı.dem wahrhaft Seienden das Haupt em- osophen Seele befiedert: denn sie ist ‚mit der Erinnerung soviel möglich bei Dingen, bei derien Gott sich befindend halb göttlich ist. Solcher Erinnerungem ‚recht gebrauchend ‚ mit vollkommener 13 übrigen aber, wenn sie ihr erstes Leben voll-. ‚aber. in einen gewissen Ort des Himmels der ichtet. Daher auch wird mit Recht nur'. "a icht zurük unter zehntausend Jahren, en sie | Weihung immer geweiht, kann ein Mann allein wahrhaft vollkommen werden, Indem er nun ‚menschlicher Bestrebungen sich. enthält, und en; mit dem göttlichen umgeht, wird er zurechtge- wiesen von den Eile: als ein verwirtter, dafs er aber begeistert ist, merken die Leute nicht. Und hier ist num die ganze Rede angekommen von jener,vierten Art des Wahnsinns, an wel- cher. derjenige, der bei dem Anblik der hiesigen Schönheit jener wahren sich .erinnernd neube- fiedert wird, und mit dem wachsenden Gefieder aufzufliegen zwar versucht, unvermögend aber und nur wie ein V ogel hinaufwärts schauend, ; und was drunten ist gering achtend, beschüldi- «get wird seelenkrank zu sein, dafs nämlich diese unter allen Begeisterungen als die edelste vr und des edelsten Ursprungs "sich ‚erweiset, an F dem sowohl der: sie hat, als auch dem sie'sich 00. mittheilt, und dafs, wer dieses Wahnsinns theik Be haftig.die.Schönen liebt, ein Liebhaber genannt BR. wird. Nämlich, wie bereits gesagt, jede Seele . eines Menschen Snuls zwar ihrer Natur nach das Seiende geschaut haben, oder sie hätte ig eine solche Bildung nicht eingehen können, sich aber 250 bei dem hiesigen an jenes zu erinnern, istnicht jeder leicht, weder denen,,die das dortige nur. kurze Zeit vos, noch dewen, welche nachdem sie hieher gefallen ein Unglük betroffen, daß sie irgendwie durch Umgang zum Unrecht ver- leitet, das ehedem geschaute Heilige in Verges- senheit gestellt; ja wenige bleiben übrig, denen En. , die Erinnerung stark genug kwchne Diese Be nun, wenn sie ein Ebenbild des dortigen.sehen,, ; pe sie entzükt, und sind nicht mehr-ihrer selbst mächtig, was ihnen aber eigentlich be- gegnet, wissen sie nicht, weil sie esnichtiges mug durchschauen. Denn. der a 0 m RR TTT FF | N he w 1 — > r - e rn ER ie Besonnenheit, und was sonst den Seelen köst- lich ist, hiesige Abbilder haben keinen Glanz, »sondern mit träben Werkzeugen können We- - mige und diese nur mit Mühe jenen Bildern sich _ mahend des Abgebildeten Geschlecht erkennen. P Die ekökeit aber war damals glänzend zu Id schauen, als mit dem seligen Chore wir dem Ju- _ , »piter, Andere einem andern Gotte folgend des _° herrlichsten Anbliks und Schauspiels genossen and in ein Geheimnifs geweiht waren, welches es man wohl das allerseligste nennen kann, und welches wir feierten; untadelig selbst und unbe- troffen von den Vehein; die unserer für die künftige Zeit warteten, und so auch zu untade- Jigen, unverfälschten, unwandelbaren, seligen . Gesichten vorbereitet und ‚geweihet in reinem Glanze, rein und unbezeichnet mit diesem un-. ‚serm Blihe, wie wir.ihn nennen, den wir jezt. i een wie ein Schaalthier mit uns herum-, e ‚tragen. . Dieses möge der Erinnerung versichen. Er werden, kraft welcher es aus Sehnsucht nach a . dem ehemaligen ausführlicher ist geredet wor- den... Was nun die Schönheit betritt, so glänzte SE saräeg gesagt s schon unter jenen, und auch hie- SE Kr en Sinne, und aufs helles, uns entgegen- n _ schimmernd. Denn das Gesicht ist die schärfste _ aller körperlichen Wahrnehmungen, vermit- Haken: aber die, eisheit Dicht. geschaut. ji’ Es 5 — durch das Gesicht, wie yon em liebenswürdizen. Nun able ist nur der heit dieses zu Theil geworden, so daßsie hervorleuchtendste ist und das liebrei- *. " Wer nun nicht noch frisches Anden- 6, oder schon :verderbt, der wird auch £ Fe BI ai ‚nicht stark von hier dorthin gezöghe zu der ‚ Sehönheit selbst, indem er was hier ihren Na- men trägt erblikt; so dals er es auch nicht an- schauend verehrt, sondern der Lust ergeben ge- denkt er sich auf thierische Art zu verniiheng und scheut sich nicht, sich ihr mit Wildheit zu = nähern, noch schämt er sich widernatürlich der 0.0851 Lust nachzugehn. Wer aber noch frische Weis hung an sich hat, und däs damalige vielfäl-, geschaut, wenn der ein gottähnliches Ange» sicht erblikt oder eine Gestalt des Körpers, w vele che die Schönheit vollkommen darstellen: so; schaudert er zuerst, und es wandelt’ ihn eine - Furcht an von damals, hernach aber beteger sie anschauend an wie einen Gott, und fürchtete er nicht den Ruf eines allzuheftigen Wahnsinnes, ‘ sö öpferte er auch, wie einem heiligen Bilde oder einem Gotte, dem Liebling. Und hat er ihn ge- 0 sehen, so überfällt ihn wie nach dem’ Schaudems BE plözliche Umwandlung und Schweils und unge- wohnte Hize. Dwurchwärmt nämlich wird er, ‚indem er durch die Augen. den Ausflufs der Bir. Schönheit aufnimmt, durch welchen’ sein Gehe- der gleichsam begossen wird. Ister nun durch- wärmt, so schmilzt um die Keime des Gefieders + hinweg, was schon seit lange verhärtet sie ver- schlofs und hinderte hervorzutreiben. Fliefst « aber Nahrung zu, so schwillt der Kiel des Gehie- ‚ ders, und treibt hervorzutreten aus der Wurzel: überall an der Seele, denn sie war ehedem ganz‘ befiedert. Hiebei also gährt alles an ihr und ; sprudelt auf, und was die Zahnenden an ihren \ Zähnen empfinden, wenn sie eben ausbrechen, Juken und Reiz im Zalinfleisch, eben das em- a .pfindet auch die Seele dessen, dem das Gefieder» ; hervorzubrechen anfängt, es gährt in ihr, und+ jukt sie, und kizelt sie, wenn sie das Gefieder ‘ — m3 —. des Knaben sehend und die davon ausströmen- den und sich losreifsenden Theile, die deshalb _ Reize heifsen, in sich aufnehmend, durch den _ Reiz befruchtet und erwärmt wird: so hat sie aber getrennt von ihm, so dafs die Mündungen jener " Auswege, wo das Gefieder durchbricht, hemmen sie wieder, indem sie sich verschlie- - Ssen, den Trieb des Gefieders. Dieser also mit Eh dem Reiz eingeschiossen hüpft wie die schlagen- den Adern, und sticht überall gegen die ihn: bes sti n Ocfnungen, so dafs die ganze Seele vomallen Seiten gereizt umherraset und Angst leidet, "bekommt sie aber wieder Erinnerung des Schönen, so frohlokt sie. Da nun beides so mit Ir einander vermischt ist,‚ıbangt sie sich über einen "widersinnigen Zustand, und aus dieser Un- ruhe ‚geräth sie in Geistesverwirrung, und bei en, noch bei Tage irgendwo ausdauern, E - heraustreibt. Wenn sie also auch die Schönheit "Linderung des Schmerzens und ist-froh. Ist sie. wieder .vertroknend zusammenschrumpfen,, so. sem Wahnsinn kann sie weder des Nachts Ar. sondern sehnsüchtig eilt:si6 Immer dahin, wo. 37% ‚den, der die Schönheit besizt, zu erbliken . Hat sie ihn nun gesehen, und sich neuen Reiz. zugeführt, so löst sich wieder auf, was undSchmerzen aufhören, und kostet wie« den Augenblik jene sülseste Lust. Daher he end Jemand werther achtet als ihn, son- ‚ und selbst das An- essen sie sich sonst den’ Eu Weise zerrütteten vorher verstopft war, sie erholt sich, Sade 259 Mutter, Brüder und Freunde Ein maiklals, j er ac R % : = wi . TETFRRLZECK ICH FT TETTTRERETT 4 4 . gleiche Weise gegen seine Geliebten und die | ‚ling hinzuopfern. Und eben so nach Art jedes 5: =. 124 — genstande ihres Verlangens zu dienen und bei ihm zu ruhen. Denn nächst ihrer Verehrung hat sie auch in dem Besizer der Schönheit den einzigen Arzt gefunden für die unerträglichsten Schmerzen. Dieser Zustand nun, o schöner ‚Knabe, zu dem ich rede, wird von den Men- schen die T.iebe genannt, wie er aber bei den Göttern heilst, : dieses hörend wirst du vielleicht der Neuheit wegen lächeln. .Es-haben nämlich einige Homeriden, wieich glaube, unter ihren kleinen Gedichten zwei Verse auf die Liebe, von denen der eine sehr leichtfertig ist, und gar nicht eben wohllautend, Sie singen nämlich so „Sterblichen nun heilst dieser der Gott der ge- Nügelten Liebe: doch den Unsterblichen Flüg- ler, dieweil er den Flügel heraustreibt.” . Dies nun steht dir frei zu glauben oder auch nicht; dennoch aber ist eben jenes in Wahrheit der Zu- stand der Liebenden und seine Ursache. Wer. nun aus des Zeus Begleitern davon ergriffen wird, kann stärker die Schmerzen des Pa 5 nannten ertragen. : Wenn aber die des Ares Die- . ner waren und mit ‘diesem 'wandelten, von.der. Liebe gefangen. werden, und ım etwas glauben beleidigt zu sein von’dem Geliebten, diese sind biutdurstig und bereit sich selbst und den Lieb- andern Gottes, zu dessen Zuge Jemand gehörte, diesen nämlich nach Vermögen ehrend und nach= | ahmend lebt jeder, der noch unverdorben zum: erstenmale hier lebt, und verhält sich auch auf übrigen. So erwählt auch jeder sich nach sei ner Gemüthsart eine: e zu einem Schönen, | und als wäre nun jener sein Gott selbst, bildet er ihn aus, und schmükt ihn wie ein heiliges Bild, um ihn zu verehren, und ihm begeisterte _ x 5 RR 125 ER Feske zu feiern. - Die’ ie dem Zeus angehören, . suchen sich einen dem Zeus der Seele nach ähn- ' > Jichen zu ihrem Geliebten. Daher sehen sie zu, wer etwas philosophisches und zum Gebieten ‚sich eignendes in seiner Natur hat, und wenn “sie einen gefunden und liebgewonnen N. thun sie alles, damit er ein solcher auch wirk- lich werde. ı Wenn sie also sich nie zuvor dieser Sache befleifsiget: so werden sie nun kräftig da- im arbeitend lernen, woher sie nur können, amd auch selbst. nachforschen. ° Und indem sie - . machspüren, um aus sich men ‚Natur ihres "Gottes aufzufinden, gedeih« 1 thiget.sind angestrengt auf dk tz; - and indem sie ihn in der Erinnerw ‚ auffassen, mehmen sie begeistert von ihm seine Sitten und Bestrebungen an, soweit einem Menschen von einem Gotte etwas zu überkommen möglich ist, and dieses dem Geliebten zuschreibend hängen ‚ sie ihm noch mehr an. Schöpfen sie nun vom. I wie die Bacchantinnen, so gielsen sie es auf des Geliebten Seele, und machen ihn, wie i ach ihren Knaben, dem Gotte ähnlich geartet, =: _ and wenn sie ihn gefunden haben, dann leiten _ "sieihn zu desselben Gottes Lebensweise und Ge- ithsart, indem sie selbst ihn nachahmen und ich den Liebling überreden und in das Maafs ® fügen, jeder wie sehrer vermag, ohne dem Neide ee ‚unedler Mifsgunst san zu geben gegen ‚Geliebten ; söndern aufs beste und aufalle "Weise zu jeder Aehnlichkeit mit ihnen selbst . ‚dem :Gott ihn hinzuleiten versuchend‘, so ee . ? handeln sie. Sorafalt also der wahrhaft Lieben- ‘den, undWeihung wie ich sie beschrieben, so schön und beglükend,, wird durch den aus Liebe wahnsinnigen Frkäd dem Geliebten, wenn er ihn obert hat, zu Theil. Erobert ahor wird ‚er, wenn er gefunden ist, auf diese Art. Wie wir im Anfang dieser Erzählung dreifach jede Seele zertheilt haben, in zwei rolsgestaltige Theile und drittens in den dem Führer Ähnli- chen, so söll es auch jezt.noch angenommen bleiben. Von den beiden Rossen, sagten wir wei- ‚ter, sei eines gut, eines aber nicht. Welches aber die Vortreflichkeit des Guten und des schlechten Schlechtigkeit ist, haben wir nicht erklärt, jezt aber müssen wir es sagen. Das nun ‘von beiden; welches die bessere Stelle ein- aimmt, von geradem Wuchs, schön gegliedert, hochhalsig, mit gebogener Nase, weils von Haar, schwarzäugig, ehrliebend, mit Beson- nıenheit und Scham wahrhifiee Meinung Freund, wird ohne Schläge, nur durch Befehl und Worte gelenkt; das andere aber ist senkrü- kig, plump, schlecht gebaut, hartmäulig, kurz- halsig, mit aufgeworfener Nase, schwarz von Häkt, elasäugig und roth unterlaufen, aller Wildheit und Starrsinnigkeit Freund, rauh um die Ohren, taub, der Peitsche und Ins Stachel kaum gehorchend. Wenn nun der Führer beim Anblik der liebreizenden Gestalt, die ganze Seele . von Empfindung durchglüht, bald’ überall den 254 Stachel des Kizels und Verlangens spürt: so hält } das dem. Führer leicht gehorchende Rofs, der 1 Scham wie immersoauch dannnachgebend, sich 4 selbst zurük, den Geliebten nicht anzuspringen; j das andere aber scheut nun nicht länger Stachel | noch Peitsche des Führers, sondern springend ‚strebt es mit Gewalt vorwärts, und auf alle Weise rn RE ‚dem: Spanngenossen und dem F ührey zusezend nöthiget es sie, hinzugehen zu dem Liebling und.der Gaben der Lust gegen ihn zu gedenken. Jene beiden widerstreben zwar anfangs unwillig der argen und gesezwidrigen Zunöthigung, ZU- lezt aber wenn des Ungemachs kein Ende ist ge- hen sie dann von jenem fortgerissen, nachge- bend und versprechend das gebotene zu thun, ‚dings glänzende Gestalt. Indem nun der Führer sie erblikt,; wird seine Erinnerung hingetragen ‚zum Wesen der Schönheit, und wiederum sieht er'sie mit der Besonnenheit auf heiligem Boden stehen. Dieses erblikend fürchtet er sich, und, . von Ehrfurcht durchdrungen beugt er RR ZU- rük, und kann sogleich nicht anders. als so ge- "waltig die Zügel rükwärts ziehen, dals beide willig,. weil es nie w iderstrebt, das andere äber ..gehn, ent das eine vor Scham und Bewunde- zung die ganze Seele mit Schweils, das andere aber, ist nur erst der Schmerz vom Gebifs und ‚dem Falle vorübergegangen, hat sich kaum er- "holt, so bricht es zornig in Schmähungen aus, ten; ; und aufs neue sie wider ihren Willen vor- ärts zu. gehen zwingend, giebt es kaum nach, wenn sie bitten es bis weiterhin aufzuschieben. » Kommt nun die festgesezte Zeit, so erinnert es jene, die daran nicht zu gedenken sich anstel- n, braucht Gewalt, wiehert, zieht sie mit sich t, und zwingt sie wieder in derselben Absicht eliebten zu nahen. Und wenn sie nicht ai Br sind, beugt es sich vorn über, strekt x und so nahen sie sich ihm und sehen des Lieb- ‚Rosse sich ae die Hüften sezen, das eine gut- schst ungern. Indem sie nun weiter zurük- _ vielfach beide Führer und Spanngenossen be- ‚schimpfend, dafs sie aus Feigheit und Unmänn* . lichkeit Stellung und Versprechen verlassen hät- { x -— 2 den Schweif in die Höhe, beifst in den Zügel, und zieht sie schamlos weiter. Dem Führer aber begegnet nur noch mehr dasselbe wie zu- vor, und wie sie an den Schranken zu thun pfle- gen, beugt er sich hinterwärts, zieht noch ge- wvaltsamer dem wilden Rosse das Gebifs aus den . Zähnen, dafs ihm die schmähsüchtige Zunge und die Baken bluten, und Schenkel und Hüf- ‘ten am Boden festhaltend, kränket er es mit ; Schmerzen. Hat nun ER böse.Rofs mehrmals = dasselbe erlitten, und die Wildheit abgelegt, so | : folgt es gedemüthigt des Führers Ueberlegung, | und ist beim Anblik des Schönen von Furcht | ‚übermannt. : Daher es endlich wohl. dahin ° » kommt, dafs des Liebhabers Seele demLiebling 255 verschämt und schüchtern nachgeht. Da nun dieser einem Gotte gleich mit jeder Art der Ver-, ehrung geehrt wird von einem nicht etwa nur sich so anstellenden Liebenden, sondern der - sich wahrhaft in diesem Zustande befindet, und er auch selbst von Natur zur Freundschaft ge- neigt ist, so leitet er seine Zuneigung zusammen } Si mit : der seines Verehrers. Und wenn er.auch BE 'ehedem von einigen Spielgefährten oder andern Fe fälschlich wäre ‘überredet worden, welche sag- Ei: ten, es wäre schändlich. sich einem Liebenden zu nahen, und er deshalb den Liebenden ab- wiese: so mülste doch mit der Zeit die Jugend “ und das Unvermeidliche ihn dahin bringen ‚ 'je- nen zuzulassen zu seinem Umgange. Denn dies ist niemals bestimmt, dafs ein Böser einem Bö-. | sen Freund, oder ein Guter einem Guten nicht _ Freund werde. Läfst er ihn aber zu, undwer- ' stattet ihm Gespräch und Umgang, so wird das nahe erscheinende Wohlwollen des Liebenden den Geliebten entzüken, der bald inne wird, - dafs seine andern Freunde und Angehörigenauch allzurmal, EN E allzumal ihm so gut als nichts von Freundschaft. erweisen im Vergleich des begeisterten Freun« des. Läfst er ihn nun so eine Zeitlang gewäil- ‚ren, und ist ihm nahe, dann ergiefst ech bei den Berührungen in den’ Uebungspläzen, und .wö sie sonst zusammenkommen, die Qüelle je- nes Stromes, den Zeus, als er den Ganymedes liebte, Liebreiz nannte, reichlich gegen den Liebhaber, und theilsströmt sie in ihn ein, theils wenn'er angefüllt ist, wieder aus ihm heraus: und wie ein Wind oder ein Schall von glatten. and starren Körpern abprallend wieder dahin, _ woher er kam, zurükgetrieben wird, so geht auch die Ausströmung er Schönheit wieder in den Schönen durch die Augen, wo der Weg in die Seele geht, zurük, und wenn sie dort ange- kommen ,.befruchtet sie reichlich-die dem’ Ge- fieder bestimmten Ausgänge, treibt so dessen Wachsthum, und erfiillt auch des Geliebten . Seele mit Liebe. Er.lebt also, wen aber weils | . sernicht, ja überhaupt nicht was ihm begegnet . weifs er oder kann es sagen, sondern wie einer, ‘der von einem Andern Augenschmerzen aufge- fangen, hat er keine Ursach anzugeben; denn dafs er wie in einem Spiegel in dem Liebenden. ‚sich selbst beschaut, weils er nicht. Und wenn nun jener gegenwärtig ist, so hat auch er gleich- wie jener Befreiung von den Schmerzen, ist er aber abwesend, so schmachtet auch er wie nach ihm geschmachtet wird, : indem er statt der Liebe nur noch ein Schattenbild der Liebe be- sizt. Er nennt es aber und glaubt es auch nicht Liebe sondern Freundschaft, wünscht aber doch ‚eben wie jener nur minder heftig ihn zu sehen, zu berühren, zu umarmen, neben ihm zu lie- % gen, und also, wie zu erwarten, thut er hier- auf bald'alles dieses. Bei diesem Eosaneni Th 0 Bat. W. I.Th. 1.Bd. [9] a Biiseges hu SL ö 2 E — 130 u | sen nun’hat das unbändige Rofs des Liebhabets vieles dem Führer zu sagen, und für die vielen Mühseligkeiten einen kleinen Genuls zu for- ' dern; das des Lieblings hat zwar nichts’ zu sa- ‚26, gen, aber voll brünstigen unbekannten Verlan- ens umarmt es den Liebhaber, ‘und küfst ihn, und liebkoset ihn als den besten Freund, und. \venn sie zusammen liegen, wäre es wohl! ge- neigt, sich nicht zu weigern, ihn an seinem 'Theile gefällig zu sein, wenn er es zu erlangen £ wünschte. _ Der Spannigenols hingegen mit dem Be Führer sträuben sich hiergegen mit Scham und Vernunft. Wenn nun die besseren Theile der +Seele, welche zu einem wohlgeordneten Leben und zur Liebe der Weisheit hinleiten, den Sieg ‚erlangen, so führen sie hier schon ein seliges "und einträchtiges Leben, sich’ selbst beherr- ‚schend und sittsam dasjenige besiegt habend in ihrer Seele, dem schlechtes, und befreit, dem. vortrefliches einwohnt; sterben sie aber, so ha- ben sie, fast schon ‚befiedert und leicht gewor- den, von den drei wahrhaft olympischen Kampf- ; gängen schen in einem gesiegt, über welches Bei Gut” ein noch gröfseres weder menschliche Be- TE sonnenheit dem Menschen verschaffen kann, noch göttlicher Wahnsinn. Wenn sie aber ein minder edles unphilosophisches doch aber ehr- lebendes Leben führen: so werden. leicht «cinmal beim Trunk oder in einem andern unbe- Y «sorgten Augenblik die beiden unbändigen Rosse der unbewachten Seelen sich bemächtigen und sie zusammenführen, und so werden sie, was die - meisten für das selieste halten, wählen 'und voll- brin gen, und haben. sie es einmal vollbracht, so werden sie es nun auch in der Folge genießen, äber selten, weil nicht der ganzen Seele Zustim- i inung hat was sie thun. A Freunde also wer- \ EEE DENE U FEEREEIE 0 den auch diese, obgleich nicht ganz so wie jene, mit einander, während ihrer Liebe und auch wenn sie darüber hinaus sind, leben, überzeugt "dafs sie die gröfsten Pländer: ande gegeben "und angenommen haben, welche _ frevelhaft wäre jemals wieder ungültig zu machen, und in Feindschaft zu gerathen. . Am Ende abe gehen sie Iiehedert zwar, doch schon mit dem Triebe sich zu befiederh, aus dem Körper, so dafs auch sie nicht geringen Lohn für den "Wahnsinn der Liebe davon tragen. Denn in die Finsternifs und den unterirdischen Pfad ist de- zen nicht bestimmt zu gerathen, welche schon j ee hitten waren in den himmlischen Pfad, "sondern ein lichtes Leben führend mit einander wandelnd glüklich zu sein, und wenn sie wieder ‚befiedert werden, es der Liebe wegen zu glei- cher Zeit zu Werten: Diese so großsen und so söttlichen Vorzüge, o Knabe, wird dir des "Tielhabers Freundschaft erwerben, Die Ver- traulichkeit aber mit dem Nichtliebenden , wel- ‚che durch, sterbliche Besonnenheit verdünnt ‚ auch nur sterbliches und sparsames austheilt, erzeugt in der geliebten Seele jene von der Menge als Tugend gelobte Gemeinheit, und wird ihr Ursach, neuntausend Jahre theils auf ‚der Erde sich Ükiherentreiben ’ theils vernunft- N los unter, der Erde, x Kräften ‘aufs beste und schönste als Widerruf er ebracht und entrichtet, der übrigens sowohl uch im Ausdrük des Phädros wegen etwas terisch mufste ‚gefalst werden. Und möch- est du, dem vorigen Verzeihung diesem aber : all schenkend, günstig und gnädig mir die st der Liebe, welche du mir verliehen, im Pr Dieses sei dir, geliebter Eros, nach EIS 1 Ba mir leer noch mehr als j jezt von den Schö- nen geehrt zu sein. Haben wir aber in der vo- rigen Rede etwas dir Widerwärtiges gesprochen, Phädros und ich, so rechne es dem Lysıas als Vater dieser Rede zu, und lafs ihn solcher Re- den sich enthaltend zur Philosophie, zu welcher ‚sich sein Bruder Polemärchos schon gewendet 'hat,. sich hinwenden, damit auch dieser sein Werehrer nicht länger, wie jezt, auf beiden Schultern trage, sondern lediglich der Liebe mit philosophischen Reden sein Leben widme. Pu. Ich bete mit dir, Sokrates, wofern ‘ dies besser für uns ist, dafs es so geschehe. Deine Rede aber habe ich schon lange bewun- dert, um wieviel schöner als die erste du sie aus- gearbeitet. So dafs ich zweifle, ob mir nicht Ly sias immer nur gewöhnlich erscheinen würde, wenn er es auch Votbrnehnien wollte, dieser ' eine andere gegenüberzustellen- Auch hat ihm erst neulich einer von unsern Staatsmännern die- ses zum Schimpf vorgeworfen, und ihn die ganze Schmährede hindurch immer ‚den Reden- ohreiber genannt, Vielleicht also, dafs er sich schon aus Ehrliebe des Schreibaus enthal- ten wird. 2 BEN Sox. Lustig ist dieser Gedanke, ‘junger ‘Mann, den du aussprichst, und sehr weit ver- fehlst du deinen Freund, wenn du glaubst, #r sei so leicht durch ein Geräusch zu verschüch- tern. Vielleicht aber glaubst du gar, der, wel- cher ihm dies als einen Schimpf vorwauf, habe, was er sagte, auch so gemeiht wie er es sagte? g Pr. Er schien es-auch ganz so zu meinen, Sokrates. Auch weilst du ja selbst so gut alsich, dafs überall die im Staate vermögendsten und geachtetsten sich schämen Reden zu schreiben. und Schriften von sich zu hinterlassen, N B4 # Eeirche, bei der Nachwelt den Namen zu u . kommen, als wären sie Sophisten gewesen. Sox. Du weilst nur nıcht, wie dies ZUSamı-, menhängt, Phädros, und aulserdein weilst du "auch nicht, dafs gerade die sich am meisten liebt sind in das Redenschreiben und Schriften- hinterlassen, da sie ja, wenn sie eine Rede ge- . schrieben, dermafsen ihren Lobern zugethan, sind, dafs sie gleich voriye namentlich hinschreis ben, wer sie jedesmal so gelobt. "Pu. Wie meinst ät dieses? denn ich ver- stehe es nicht. -Sox. Du verstehst nicht, dafs Burn in y 2.3 Schrift eines Staatsmannes zuerst, sein Tober aufgeführt wird? Pu. Wie so? 2 > 'Sox. Es hat gefallen, sagt er, diese Schrift 1% "Mich, dem Rathe oder dem Volke, oder bei- den, und der und der hat vorgeschlagen, WO= AN E ' Nr ter seine Weisheit den Eobern vortragend, iR bisweilen eine gar lange Schrift verfassend. Ss eh schriftlich verfafste Rede? ir. Mir eben nicht. ox. Nicht wahr, wenn eine solche stehen t, so geht der Echter fröhlich aus dem hauspiel, wenn sie aber ausgelöscht wird, und so leer ausgeht beim Redenscheiiben) und würdig gehalten wird, eineSchrift zu hin- A assen, dann trauert er mit seinen Freunden? ‚dünkenden Staatsmänner auch am meisten ver- ol erwähnt und belobt. Hierauf erst redet er scheint dir so etwas” eine ganz andere Sa, P} n = 154 en. Pr. (Ganz gewils. .. Sox. Wie aber, wenn ein Redner oder Kö- nig es dahin bringt, mit dem Ansehen des Ly- « kurgos, oder Solan, oder Dareios ausgerüstet, - ein unsterblicher Kölner in seinem Staate zu werden, hält,er selbst sich nicht noch lebend für göttergleich, und denken nicht die nach ihm kommenden eben so von ihm, wenn sie seine Schriften betrachten 2 Pır. Gar sehr. ; Sox. Glaubst du also, dafs einer von die» . sen, wie sehr er auch dem Lysias abgeneigt sei, ihtm dieses zum Schimpf rechne, dafs. er ' Reden verfafst? Pr. Es ist wohl nicht zu glauben nach Er was du sagst, denn er mülste ja seine eigne Nei- =. gung beschimpfen. NE "sox. Das also ist wohl’ Jedem klar, 'dafs das Redenschreiben selbst nichts unrühmli- > ches ist. Sr Pır. Wie sollte es? i Sor. Aber das, glaube ich, wird BIN lich sein, wenn ad nicht BE redet und schreibt, sondern unrühmlich und schlecht. Pr. Offenbar. Sok. Welches ist nun aber die Artı Weise gut zu schreiben oder nieht? Soll fÜ hierauf, o Phädros, den Lysias prüfen, undwer sonst jemals eiwas geschrieben hat oder schrei- ben wird, es sei nun eine Staatsschrift oder Sin ne - andere, ondä in Versen, wie ein Dichter, o oder j ohne Sylbenmaals als ein Undichterischer.. Bule Pır. Du fragst, ob wir sollen? Were a so zu sagen, lebte einer denn, wenn nicht für ie * solche Vergnügungen? Doch wohl nicht um jener willen, vor welchen man erst Unlust e a ee Pie hi mini, ‚welches ‚fast, alle die Körperlielien nügungen an sich haben‘, und deshalb mir cht niedrige genannt werden. ‚,So&. Mulfse haben wir ja wie es he uch dünken mich die Cicaden, wie sie in ‚der zu hen ‚Wenn sie nun Auch uns nichts 259 besser als Andere in der Mittagsstunde nicht uns unterredend ‘ sähen, sondern aus Trägheit der Seele von ihnen eingesungen schluinmernd: so schten sie mit Recht über uns spotten und en, ein'paar Knechte wären in ihrem Auf- nthalt eingekehrt, um wie die Schaafe bei der elle mittäglichen Schlafes zu pflegen. Wenn “uns aber sähen im Gespräch begriffen, un- gesungen bei ihnen als Sirenen vorbeischi-r «= en; dann dürften sie uns die Gabe, welche ih- ‚nen von den Göttern für die Menschen verliehen theilen zum Beweis ihrer Zufriedenheit, 08 "Was doch für eine haben sie? Denn x. Das steht nicht fein für einen Miudöns ‚dergleichen nicht gehört zu haben. Man 3% i nämlich, diese wären Menschen gewesen , ler Zeit ehe noch die Musen waren. Als ; ‚diese erzeugt worden und der Gesang '&+ | ae en, ‚wären Einige von‘ den damaligen 50. ;.., ; kt worden vom dieser Lust, dafs sie sin- FE nd Speise und Trank vergessen, und so ohne wahrzunehmen gestorben wären, Aus Ichen nun seitdem das Geschlecht der Cicaden nden wäre, mit- dieser Gabe von den Mu- N ung, bedürfen, sondern ohne Speise und sog eich singen bis sie sterben, dann aber usen kommen und ihnen verkündi- , „260 ‘sein, o Phädros, was die Weisen geredet haben, gen, wer hier jede von ihnen "verehrt. \' . Der Terpsichore melden und empfehlen sie die, wel- che sie in Chören verehren, der Eräto, ‚die sie durch Liebesgesänge feiern, und so den- übrigen, jeder nach der ihr eigenthümlichen Verehrung, Der ältesten aber, Kalliope, und ihrer nächst» folgenden Schwester Urania, als welche vor- nemlich unter den Musen über den Himmel und über göttliche und menschliche Reden gesezt, die schönsten Töne von sich geben ,' verkündi- gen sie die, welche philosophisch leben, und ihre Art der Musik ehren. Aus vıelen Ursachen also müssen wir etwas, reden, und nicht schla» fen am Mittage, X e 73 Pr. Reden also wollen wir, Sor. Wollen wir nun, ‘was wir uns eben vorgesezt hatten zu untersuchen, wie nämlich man gut und recht schreibe und wie nicht, die, ses besprechen ? In ie Pi. Gewils, Je Sox. Mufs nun nicht, wo gut und schön . soll geredet werden, des Redenden Verstand die wahre: Beschaffenheit dessen erkennen, werüher » er reden will? P,: 8a vielmehr habe ich immer gehört, lieber Sokrates, es sei nicht nöthig dem, der ein Redner werden wolle, was wahrhaft gerecht - sei zu lernen, sondern nur ‘was der Volksmenge, . welche zu entscheiden hat,.$0 scheint, eben so auch nicht, was wahrhaft gut sei oder schön, sondern nur was so scheinen werde; denn hier+ auf gründe sich das Ueberreden, nicht auf der Sache wahre Beschaffenheit, Sox. Nicht zu verwerfen ja, soll ein Wort: sondern zu untersuchen; ob nicht etwas Wahres —_— 17 = it gesagt ist. So wollen wir also auch das esagte nicht loslassen. ‘ © 2°8or. Betrachten wir es demnach #0. 20h PR Wie denn? " Sox. Wenn ich dich überredete, du soll. Er um gesen die Feinde zu ziehen, dir ein rd 'anschaffen, wir kennten aber beide kein Pferd,‘ sondern nur soviel wüfste ich von.dir; fr; dafs Phädros glaubt, das Pferd sei dasjenige un- - 2 : ter den zahnıen Thieren, welches die längston E% Olten hat: | “3 es "Pr. Lächerlich, 0 Sokrätes,' wäre das." N ' Sox. Das noch nicht, aber wenn ich rech- Ex ‚ten Fleifs auf die Ueherredung wendend eine Re- . deabfafste, ein Lob auf den Esel, den ich Pferd ee nnte, und darin ausführte, wii werth das lier wäre zu Hause Kindern Felde, brauchbar "von ihm herab zu fechten, geschikt das Ge= Lam zu tragen, und zu vielen andern Dingen üzlich? 7 Si Ueber alle Mafse lächerlich wäre dann Bses, j iR a e Bir. Aber ist es nicht besser, ein lächerli- 1er ‚als ein na und. feindseliger Freund zu 1 i r Prr.. Offenbar. g 1% "So. Wenn also derRednerische BER h das Gute und Böse einen eben so bene 0) Staat sich vornimmt und ihn zu überreden ‚nicht etwa einen Esel als ein: Pferd an- preisend, sondern ein Uebel als ein Gut, und da die Meinungen des Volkes zu können sich A gelegen sein lassen, ihn nun überredet, zu. thun statt des Guten, was für eine glaubst du,: werde die Redekunst dann ı von dem was sie gesäet? IKBAER! Ganz recht. 4 “ ‚+22 Zus 261 Pı. Eben keine sonderliche. Sox. Haben wir aber auch nicht, mein Guter, gröber als sich ziemen will die Kunst der Reden gelästert? _ Sie aber würde vielleicht sagen, ‘was plaudert ihr Wunderlichen ‘doch durcheinander? Denn ich zwinge keinen mit der Wahrheit. noch unbekannten -das Reden zu lernen, sondern wermeinem Rathe folgt, der wird erst, nachdem er jene erworben, auch mich .. dazu.nehmen. Das aber sage ich laut, dafs ohne mich auch der, welcher das Wahre weils, nicht verstehen wird kunstmäfsig zu überreden. . Hätte sie nun nicht ganz recht, wenn sie dieses spräche? Pu. Ich gestehe es. j Sox. Wenn nur die gegen sie auftretenden Reden ihr werden gelten lassen, dals sie eine Kunst ist. Denn ich glaube einige herbeikom- men und behaupten zu hören, dafs sie lügt,;und dafs sie keine Kunst ist, sondern ein ganz kunst- loses Handwerk. ‘ Pu.» Was doch für Reden;" o Sokrates? Bringe sie nur zur Stelle und frage sie aus, beise doch und wie sie es meinen. 'Sox. Kommt also her, und überredet den Vater schöner Kinder, Phädros, dals wenn er nicht gründlich philosophirt, er auch niemals gründlich über irgend etwas reden wird. Phä- dros soll antworten, und ihr fragt: Ist nicht überhaupt die Redekunst die Seelenleitung durch Reden, nicht nur in Gerichtshöfen und was sonst .für Volksversammlungen, ‚sondern dieselbe auch im gemeinen Leben und in kleinen sowol;als ae Dingen, und um nichts vortreflicher das Richtige, ob es sich in grofsen oder in ge-- ringfügigen. Dingen findet? Past was hast du hierüber gehört? : EREN: E. - w; eigentlich rd nur in Rechtsverhandlun- t nach derKunst gesprochen und geschrieben, j e spricht man auch so in Volksreden, weite- r&s aber habe ich nicht gehört. Ri: Sox. Hast du denn. nur von des Nestor und dysseus Anweisungen zur Redekunst gehört, ie sie vor Ilion muüfsiger Weile ausgearbeitet, on der .des Palamedes aber hast du nichts Pu. Ja, beim Zeus, ich auch nicht von Ne- stors, wenn du uns a den Gorgias als einen + Nestor zurichten willst, oder den Thrasymachos und Theodoros als Odysseus. \R ., Sox. Vielleicht; doch diese wollen wir las- „sen. Du aber sage an! was thun denn in der gegen einander? oder wie sollen wir es nennen? Bu Pır. Gerade so, Be Sox. Ueber das, was rechtist oder unrecht? an Pır. Ja. - Sox. Wer nun dieses durch Kunst hub ird der nicht machen, dafs dieselbe Sache den- ben Menschen jezt als recht erscheine, und n»er will auch wieder als unrecht? P Pır.. Wieanders? | IB Sox. Und so auch in den Volksversammlun- 2. ‚ dafs dem Staat. dasselbe jezt gut dünke, jezt en rim Gegentheil? . Ph. Allerdings. ni Y Sor.. Und wissen wir nicht, dafs der Blea- ' e Palamedes durch Kunst so redet, dafs den 5 renden dasselbe ähnlich und unähnlich, Eins m Beeles, ruhig und bewegt sich zu zeigen © "Sehr wohl. ; . Nicht also n nur auf die Gerichtsstätten wi Pr. Dieses, beim Zeus, keinesweges;.son- > Gerichtsstätte die Parteien? Reden sie nicht wer. 149. 'erstrekt sich die Kunst des Geggnredens und auf ee die Volksversammlung , sondern für alles was eredet wird, wäre nur eine Krise, wenn es eine giebt, diejenige nämlich, welohe im Stande ist jedes Ding jedem, dem es nur möglich ist, allen möglichen ähnlich darzustellen, rd was ein Anderer so verähnlichend verbirgt, ans Licht zu bringen. Pır. Wie eigentlich meinst du dieses? » Sor. Also Bin Forschenden, glaub’ ich, erscheint es. Entsteht Täuschung eher whdokeh dem, was viel von einander unterschieden ist oder wenig? 262 Pır. In dem was wenig, Sox. Daher wenn du immer nur um ein we- niges übergehst, du leichter Andern unvermerkt zum Gegentheil gelangen wirst, als wenn um ein vieles. Pn. Wie sollte ich nicht! Sox. Es mufs also, wer Andere zwar täu- schen will, selbst aber nicht getäuscht werden, die kehnlichköit der Dinge und ihre Unähnlich- keit genau kennen. ' Pr. Nothwendig. Sox. Wird: er aber wohl im Stande sein, wenn er die wahre Beschaffenheit eines ‚jeden Dinges nicht kennt, die grölsere oder geringere Aehnlichkeit mit disaci unbekannten i in andern Dingen zu unterscheiden ? "Pr. Unmöglich. Sox. Und nicht wahr? denen, welche an- ders als etwas ist darüber Artkailer und sich täu- schen, hat sich dies offenbar durch a si eine Aechnlichkeit eingeschlichen? Pu. So geht es zu damit. Sox, Kann also wohl diese Kunst, immer bei wenigem durch ACbRUSENS ER von dem, was,| veEc SUHREEHTT TTS r£ edesma Kar abzuleiten, und so zum Ge. j entheil hinzuführen oder sich selbst davor zu RL derjenige besizen, der nicht erkannt hat, T wis jedes in Wahrheit ist? . Pr. Niemals. - Sor. Wer also die Wahrheit nicht weils, und nur Meinungen nachgejagt hat, der, lieber Freund, wird, wie es scheint, eine gar Eee liche nd Enkunssiähe Redekunst zusammen- bringen. ze Pu. So wird es wohl sein: - $or. Willst dunun, dafs wir an des Lysias kede, die du bei dir hast, und an den von uns 1 gesprochenen zusehen, was wir darin kunstlos * und kunstmäfsig nennen wollen? _ Pur. Sehr gern, zumal wir izt so troken hin. geredet haben ohne hinreichende Beispiele. _ © 0... 8or. ‚Und recht durch gutes Glük, wie es cr scheint, sind diese zweiReden gesprochen wor ‚den, welche ein Beispiel enthalten, wie der, - welcher das Richtige weils, spielend in Reden _ die Zuhörer vesleiten kann, Und ich, o Phä- B' . dros, ‚schreibe dieses den-hier wohnenden Göt- " ternzu. Vielleicht auch, dafs die Dienerinnen der Musen, die Sänger über unsern Häuptern Br diese Gabe eingehaucht haben. Denn ich e doch an keiner Kunst des Redens irgend intheil. Pm. Dies sei wie du sagst; nur mache deut- ;h was du meinst. - Sox. Sokomm denn, und lies mir von des u Rede den Anfang. £ - Pu. Von dem, was mich anbetrift, bist du item, und wie ich glaube, es veaereh uns uträglich sein, dafs dieses zu Stande komme, gehört. ‚Ich fordere aber nur, nicht shalb zu verfehlen, was ich bitte, ‘weil } x a. 142 per e N ich mich erkläre, nicht dein Liebhaber zu sein. Da eben jene zu gereuen pflegt, was sie 'Gutes eriviesen häben, sobald ihre Begierde. ge- stillt ist. ...-Sox. Sull! Worin also dieser fehlt und kunstlos verfährt, sollen wir sagen, nicht wahr? Pır. Ja. Sox. Ist nun nicht dieses Jedem eiiileuäht 265 tend, dafs über einige solche Dinge wir ganz einstimmig sind, über andere abweichend? Pr. Ich Acike mich zwar zu verstehen, was du meinst, doch aber sage es noch deut- licher. ; Sox. Wenn Jemand das Wort Eisen oder Silber ausspricht, denken wir dabei nicht Alle dasselbige? ‚Pu. Gewifs. | ‚ Sox. Wie aber wenn gerecht ‘oder gut? "Wendet sich da nicht der eine hier der andere dorthin, und sind wir nicht uneinig unter einan- % der und mit uns selbst? i Pn. Allerdings, PR Sox. In einigem also stimmen wir überein, in anderem hielt? Pr: So ist es. Sox. In welchen aber von beiden werden wir täuschbarer seiri, und in’ welchen also. die Bedekunst am meisten vermögen? a Pır. Offenbar wo wir nstätt sind. - 2 Sox. Wer also der Redekuhst nachgehen will, mufs diese beiden zuerst rein und gehörig, von einander getrennt haben, und sich eines ‚Charakters beider Gattungen bemächtiget, der, worin die Menge unstätt sein muß, “und Ge 1 3 worin nicht. Dar F Pı. Einen schönkti Behäff, oSokrates, hätte A \ “ der aufgefalst, der sich dieses bemächtiget habs, 3 - ger: hin ‚ein bestimmter ‚Fall vorliegt; nicht irren, sondern das genau erkennen, worüber er reden _ gehört. 2“ ai Pr. Wie anders? "So. Wie also die Liebe, wollen wir sagen, sie gehöre zu den zweifelhaßtest oder zu den andern? Pu. Zu den with re ohne weiteres. "Oder meinst du, sie würde dir sonst zugelassen haben zu sagen, was du eben von ihr sagtest, ‚erst dafs sie ein Verderben wäre für den Gelieb- “ ten und den Liebenden, und dann wieder, dafs sie das grölste wäre unter allen Gütern? mir auch dieses, de: ich kann mich der Begei- VL sterung wegen dessen nicht mehr recht erin- nern, ob Eh die Liebe erklärt habe im Anfange ‚der Rede? BL Pır. Beim Zeus, und nicht zu sagen, wie gut. 5 Sox. Sieh da! wieviel kunstreicher in Re- Va sind nach dem, was du sagst, die Nymphen Acheloos und Pan, der Sohn des Hermes, s Lysias, der Sohn des Kephalos! Oder sage ichts, sondern hat auch Lysias im Anfange ch erede uns genöthiget, die Liebe für bestimmtes, welches er selbst wollte, an- ehmen, und hiernach den ganzen Verfolg n Anfang noch einmal ‚Jesen? ? st, steht nicht da. 'Sox. Lies nur, damit ich ihn selbst höre. Pır. ‘Von dem, was mich anbetrift,* bist u richtet, und' wie ich glaube, es werde er Rede angeordnet? Willst du, -daßs wir Pr. Wenn du es meinst. Was du jedoch 'S$ox. Dann, glaube ich, mufs er sich, wenn ' ® will, zu welcher von beiden Gattungen es. 'Sor. Sehr richtig gesprochen. Aber sage ü 264 hast du gehört Ich fordere aber nur, nicht etwa deshalb zu-verfehlen, was ich ss: weil ich mich erkläre, nicht dein Liebhaber zu sein. Da eben jene zu gereuen pflegt, was sie Gutes er- wiesen haben, sobald ihre Begierde gestillt ist. Sox. Ja, viel scheint freilich zu fehlen; dafs dieser das thun sollte, was wir verlangen, der nicht einmal vom Anfang, sondern vom Ende an rükwärts die Rede durchschwimmen will, und da anfängt, wo der Liebhaber schon könnte auf- gehört Jabası zu seinem Liebling z zu reden. Oder "war dies wieder nichts gesagt, Phädros, edel- ster Freund ? Pu. Es ist freilich wohl nur das Ende, S5o- krates, worüber er redet. Sox. Und wie? alles übrige in der Rede, scheint es nicht unordentlich ‚dureheinander ge- worfen? oder ist deutlich, dafs das Zweite aus irgend einem Grunde habe das zweite sein müs- sen? oder irgend eines von den folgenden Stük- ken? Denn mır schien er, als Wülsdier eigent- lich nichts, ganz vornehm gesagt zu haben, was ihm eben einfiel. Hast du aber vielleicht irgend _ eine rednerische Nothwendigkeit aufzuzeigen, oO warum der Mann dieses.so in der Ordnung nach einander gestellt hat? a Pır. "Din bist sehr gut, dafs du mich dafur: hältst, ich könne Jenes Arbeit so ‚genu beur- theilen. Sox. Aber dieses, glaube ich, wirst du dach auch behaupten, dafs eine'Rede wie ein leben- des Wesen müsse gebaut sein und ihren eigen- thümlichen Körper haben, so dafs sie weder ohne Kopf ist, noch ohne Fufs, sondern eine Mitte, hat, und Enden, die gegen einander und gegen das Ganze in einem schiklichen Verhäle Y nıls gearbeitet sind. #: a EN Pr. "Wie sollte ich nicht? h Sox. Betrachte also deines Freundes Rede, u, ob: sie sich so oder‘anders verhält, und du wirst . Be sie gewifs nicht verschieden finded von jener ‘ Aufschrift, welche auf Midas den Playpjer soll Be worden sein. Pu. Was für eine Aufschrift, ud was hat sie "besonderes an sich? =. Sox. Esist diese: „Hier an des Midas Grab erblikst du mich. eherne Jungfrau. Bis nicht Wasser mehr fliefst, ‘noch erblühn hochstäm- ınige Bäume, Mufs ich verweilen allhier an dem vielbethräneten Denkmal, Dafs auch der Wande- zerwisse, wo Midas liege begraben.” Dafses Mr: aun bei diesem keinen Unterschied macht, was ir wirst, diese'ganz lassen, ' wiewol sie vielerlei‘ zu enthalten scheint, woraußje- achtend den grofsen Nuzen haben kam, - es nachzuahmen ja. nicht unternehmen "und wollen zu den andern Reden &ehn. n es war etwag in ihnen, was’denen wohl eachten ziemt, welche über die Redekunst 265. enken wollen. Shox. Sie waren doch einander entgegen. ureat eine, man müsse dem ‚ die andere, man müsse dem Nicht- or gefällig sein. . Und ganz tapfer beide. ‚Ich glatibte du würdest der Wahr- mäls sagen, ganz rasend. Was sie.such- sstens war eben dieses. Denn wir be- 7. I. Th. I. Bd. [ı0] 1 ——— 146 — haupteten, die Liebe wäre eine Art von Rser ei, nicht wahr?. ı ‚Pr. Ja.; 'Sox. Und vom Wahnsinn gebe es zwei Ar- ten,: einen: menschlichen aus Krankheit und einen durch eine von Gott. bewirkte Aufhebung des gewöhnlichen Zustandes. Pır. So war es. 2" n80x4!Den göttlichen theilten wir wiederum invier Theile nach vier Göttern, indem wir den weissagenden‘ Wahnsinn dem Apollon zuschrie- ben, dem Dionysos den der Einweihungen, den Müusen den dichterischen, den vierten aber der Aphrodite und-.dem Eros, den Wahnsinn der Liebe nämlich‘, welcher wir für den besten er- klärten, und ich wefs nicht miehr wie den Zu- stand der Liebe abbildend, wobei wir vielleicht etwas richtiges getroffen haben, vielleicht auch anderwärts hin abgeschw eift sind, vermischten wir mit einer ganz “und gar nicht unglaublichen Redeseinen mythischen Hymnos,; und besangen so $ar anständig und fronım deinen und meinen Herrn, ;den ‚Eros, . den Beschüzer schöner . Knaben. een Pu. Ja, wie es mir gar nicht unerfreulich war zu hören. Lr Sor. Nur das lafs uns jedoch daräus niche - men, wie von dem Tadel die Rede herüberkam zum Loben. Pi. Wie meinst du denn dieses? Sox. Mir erscheint alles übrige in der That nur im Scherze gesprochen; nur wenn Jemand zweierlei, was jene Reden durch einen glükli- g chen Zufall gehabt haben, sich gründlich durch Kunst aneignen könnte, das wäre eine schöne Sache. 3 Pu. Was doch für welches? — 97 — = Sox. Das überall zerstreute anschauend zu- . sammenzufassen in eine Gestalt, um jedes genau zu bestimmen und deutlich zu machen, worü- ber er jedesmal Belehrung ertheilen will, so wie. wir jezt eben von der Liebe erst nach gegebener Erklärung, was sie sei, vielleicht gut, vielleicht wach schlecht geredet haben, wenigstens dafs unsere Rede etwas bestimmtes und mit sich selbst übereinstimmendes hervorbrachte, hatte sie von daher. “> ,Pm. Und welches zweite meinst du, So- krates? . Sox. Eben so auch wieder nach Begriffen - zertheilen zu können, gliedermäfsig. wie jedes . gewachsen ist, ohne, wie etwa ein schlechter Koch verfahrend, irgend einen Theil zu zerbre- ‚chen. Sondern so wie eben unsere beiden Re- ‚ den ‚des Verstandes beraubt sein als einen ge- „ meinschaftlichen ‚Begriff annehmen: und so wie jus unserm Leibe, als Einem, zweifache und ee Theile herauswachsen,, welche als ıte und linke bezeichnet oe eben so bten die Reden sei auch der Unsinn in uns anden, und die einenun nahm sich die linke ‚desselben- zu theilen vor, und liefs nicht & h, sie wieder zu theilen, ins sie, dafs ich so eine linke Liebe dar auffand, welche sie mit Recht schmähen konnte; die andere te uns. zu dem Wahnsinn rechts, und eine zwar gleichnamige aber göttliche Liebe auffindend und vorzeigend, lobte sie diese sach unserer gröfsten Güter. u. ZIHERBIER richtig. _ N nd, Phädros, von diesen ee usammenfassungen, um doch auch reden Be 148 ai dern fähig halte zu sehen, wie etwas in eins ge- wachsen ist oder in Be dem folg’ ich wie eines Unsterblichen Fufstritt. ‚Ob ich nun 'die- jenigen, welche dieses im Stande sind zu thun, recht oder unrecht bename, mag Gott wissen, ich nenne sie aber bis. jezt Dislehtiken Nun aber sage. mir auch,. wie man die von dir und Lysias gelernt haben nennen soll? Oder ist eben jenes die Redekunst, deren Thrasymachos und die Andern sich bedienend selbst Künstler im TReeden sind, und auch Andere dazu machen, die ihren Geschenke wie Königen bringen können? „Pr. Königliche Männer zwar sind sie, nicht aber dessen kundig, wonach du fragst. Da- her, dünkst du mich jenes ganz recht zu benen- nen, indem du.es Dialektik nennst, die Rhe- torik aber dünkt mich uns bis jezt noch ent- gangen zu sein. Sox. Wie sagst du? Das mufs etwas schö- nes sein, was von jener verlassen doch durch Kunst soll erlangt werden. Indefs wollen wir es auf keine Weise verschmähen, du und ich, . sondern sagen, "was denn dieses ist, ‘was noch übrig bleibt für die Redekunst. Pr. Mancherlei Dinge, Sokrates, die A ja findest in den über die Redekunst geschriebe- nen Büchern. Ö : Sox. Gar gut, dafs du mich erinnerst. Den Eingang zuerst, wie der am Anfang der Rede mufs gesprochen werden, dieses meinst du? zn wahr, diese Herrlichkeiten der Kunst? _ . Ja. een kommt zweitens die Erzählung, _ wie sie es nennen, und die Zeugnisse dabei, drittens die Beweise, viertens die Wahrschein- lichkeiten und noch von einer Beglaubigung, Fr eibesiehigkir;: denke ich, 2ödhe, je vortrefliche Byzantinische Dädalos im Reden. 'Pır.. Den wakern Theodoros meinst du? legung und Nebenwiderlegung führen müsse in der Anklage sowohl als Vertheidigung. - Sollen - wir nicht auch den schönsten Parier Euenos her- beiholen, der die Vorandeutung zuerst erfunden “hat, und das Nebenlob. Ja einige sagen, er ‚habe sich allerlei Nebenschimpf in Verse ger bracht dem Gedächtnifs zu Liebe. Das ist mir ein weiser Mann! - Und wollen wir den Tisias und Gorgias ganz ruhen lassen, welche zuerst das Scheinbare entdekt haben, dafs es über das Wahre gehe und mehr zu ehren sei, und welche machen, dafs das Kleine grofs und das Grofse klein erscheint durch die Kraft der Rede, und vom Neuen auf alte, vom Alten aber auf neue ‚Art sprechen, und welche die Gedrängtheit der Rede, und auch die unendliche Länge über je- den Gegenstand erfunden haben. Als dieses ein- mal Prodikos von mir hörte, lachte er und sagte, erallein habe gefunden, was fiir Säze man brau- che, nämlich weder lange noch kurze, sondern ee b Pur. Sehr weise, o Prodikos! 0° '8ox. ‚Und vom Hippias wollen wir nicht een ich glaube, dieser Fremdling aus Elis ir stimmte ihm auch bei. Pr. Warum auch nicht? nn rn a s nilung von Worten? der noch die Dop- Irederei, die Spruchrederei, die Bildrederei ‚den Wohlklang aller der: Worte hinzuge- cht hat, die ihm Likymnios schenkte? " Pir. Hatte nicht vieles dergleichen auch Sox. Wen sonst? Unddafsman eine Wider- — a ER ae e Sor. Ein gewisses Richtigsprechen, mein Sohn, und noch vieles und schönes Anderes. Aber in kläglich rührender von Alter und Ar- muth hergenommener Reden Kunst hat doch of- fenbar gesiegt des Chalkedoniers Kraft. Auch darin die Menge zu erzürnen ist dieser Mann ge- waltig, und wiederum die erzürnten bezaubernd zu kirren, wie er sagt; und im Verläumden, und auch Verläumdungen abwälzen, woher es ir- ‚ gend gehe, ist er der erste, Ueber das Ende der Rede aber sind sie Alle nur einer Meinung, was nämlich einige die Uebersicht, andere wie- der anders nennen. Pu. Dafs man am Ende noch in kurzem die Zuhörer an alles erinnern soll, was gesagt wor den, das meinst du? Sok, Das meine ich, und was du noch sonst etwa zu sagen hast über die Kunst der Reden. | Pn. Kleinigkeiten ‚„ nicht der Rede werth. 'Sox. Lassen wir also die Kleinigkeiten; diese Dinge aber lals uns noch einmal besser 268 beim Lichte besehen, was für Wirkungen einer Kunst sie hervorbringen, und wann? Pır. Eine sehr starke doch, o Sokrates, ih den Versammlungen des Volks. ’ . Sox. Die haben sie freilich. Aber du Wun- derlicher, sieh doch auch du zu, ob dir das ganze Gewebe so lose erscheint als mir. * Pu. Zeige es nur. i Sor. Wenn Jemand zu deinem Freunde Eryximachos oder dessen Vater Akumenos käme, sagend, ich verstehe solche Dinge dem Körper beizubringen, dafs er warm sein mu[s wenn ich _ will, ünd auch frieren, und dalsich ihn, wenn _ es mir gut dünkt, hedshen mache oder auch ab- führe, und noch vielerlei dergleichen, und weil » — BB ich dieses verstehe, behaupte ich ein Arzt zu sein, auch jeden andern dazu zu machen, dem ich nur diese Kenntnifs mittheile; was meinst du werden sie erwiedern, wenn sie dieses an- gehört? 5 Pur. Was sonst, als ihn fragen, ober Fäbch noch verstände, wem und wann er. dies alles an- thun müsse, und in welchem Grade? SoKk. Wenn er num sagte, keinesweges, sondern ich verlange, wer jenes von mir lernt, müsse dieses schon selbst verstehen, wonach du fragst. Pr. Dann, olaube ich, würde er sagen, der Mensch isttoll, und weil er in Büchern oder sonst wo einige Mittel gefunden hat, glaubt er ‚von der Kınıst versteht. Sor. Und wie wenn Jemand zumSophokles oder Euripides käme, sagend, er verstände über etwas geringes ganz lange Reden zu sprechen, amd auch über etwas w ichtiges ganz kurze, kläg- $ liche, ‚wenn er wollte, und im Gegentheil auch wieder furchtbare und drohende, und was mehr Fe leichen, und sich nun kinbildere, indem er - dies lehre, die tragische Dichtkunst’zu lehren ? ee PPar. ; (Auch diese, o Sokrates, würden, glau- beich, Jeden auslachen, welcher glaubte die { Tragödie wäre etwas anderes als eine solche Zu- ' sammenstellung dieser einzelen Stüke,' wie sie ein Arzt geworden zu sein, da er a; nichts W einander und dem Ganzen angemessen sind. ” Ip hi # Sox. Aber nicht unartig, glaubeich, wür- den sie ihn herunterreifsen, sondern wie ein Tonkünstler, ‘wenn er mit einem zusammen- & täfe, ‚der-sich einbildet ein Harmonieverstän- rer zu sein, weil er verstände eine Saite sa hoch und so tief als möglich anzuschlagen, nicht En Meltigkeit sagen ‚würde: Du erbärmlicher \s — 152 70— Mensch du bist verrükt; sondern wie es einem ; Künstler geziemt, sanfter so: Bester Mann, freilich mufs auch das wissen, wer ein Ton- "künstler werden will, aber dies hindert nicht, dafs dennoch einer, der deine Fertigkeit hat, auch nicht das mindeste von’ der Harmonie ver- stehen kann, denn du besizest nur die Vorkennt- nisse, welche zur Harmonie nothwendig gehö- _ ren, abernicht die Harmonie selbst, 269 Pu. Sehr richtig. "© »Sor., So'auch würde Sophokles jenem, der sich gegen ihn rühmte, sagen, er habe die Vor- ‚kenntnisse zür- tragischen Kunst, ‘nicht diese Kunst selbst, und Akumenos die Vorkenntnisse der Heilkunde, nicht die Heilkunde selbst. zii,’ PR; Allerdings Freilich. Sox. Was aber sollen wir vam. süfsreden- ‚den Adrastos glauben, oder von Petikles, wenn sie etwas'hörten von den schönen Kunsstüken, ‚die wir jezt durchgegangen sind, dem Kurzre- ‚den und Bilderreden, und was wir sonst noch näher gegen das Licht untersuchen wollten, ob. sie wohl unwillig« wie ich und dw. unfeiner Weise ein ungesittetes Wort ausstolsen würden .. gegen die, welche dieses geschrieben haben und lehren, als wäre es-die Redekunst, oder-ob sie, die soviel weiseren alsı wir, dies auch uns ver+ weisen und)sagen würden: O Phädros und $o- krates, nicht unwillig’mufs man werden, son- s dern. Nachsicht haben, wenn solche, ‘die über- haupt nicht verstehen mit Begriffen umzugehn, auchsnicht vermögend gewesen sind zu bestim- men, was eigentlich die Redekunst. ist, und die- ses enitindes wegen, ‚wenn gleich sie nur die nothwendigen Vorkenntnisse dieser Kunst besi- zen,, dennoch glaubten ‚die Redekunst selbst erfunden, und so auch: wenn sie jenes Andere ‚lehrten, sie vollkommen ın der Redekunst un- ‚terrichtet zu haben; dafs aber dieses alles auf ‚überredende Art gebraucht und ein Ganzes dar- ‚aus zusammengesezt werde, diese Vollkommen- heit in die Reden hineinzubringen ihren Schü- lern, als, wäre es eine Kleinigkeit, selbst über- liefsen ? - Pır.. Allerdings, o Sokrates, scheint es so elek zu stehen mit der Kunst, welche diese Männer als die Redekunst lehren und in Schrif- ten vortragen, und mir scheinst du ganz wahr 22: gesprochen zu haben. Aber nun die Kunst des wahren und überzeugenden Redners, wie und woher kann sich diese jemand zu eigenmachen? f $Sox. Mit dem Können, so dafs’ einer ein vollkommener Kämpfer wird, wird es"wahr- scheinlich oder vielmehr unfehlbar hierin eben die Bewandtnifs haben, wie in andern Dingen, nämlich wenn du von Natur rednerische Anlage ‚hast, so wirst du ein berühmter Redner Werden) ‚sofern du noch Wissenschaft und Uebung hinzu- fügst, an welchem aber von diesen es dir fehlt, von der Seite wirst du unvollkommen sein. Was aber an der Sache Kunst ist, dazu scheint mir die Anleitung nicht auf dem Wege deutlich zu werden, den Lysias und Thrasymachos einge- ‚schlagen sind. 4 ©. Pi. Aber auf welchem dann? } ©. :8ox, Perikles, 'o bester, mag doch wohl - sen sein in die Redekunst. or Pır. Wie s6? 2.27 Sor, Alle gröfseren Künste bedürfen doch _ etwas von jenem spizfindigen und hochfliegen- - den Geschwäz über die Natur. Denn nur Life aus kann jene Würde und Zuversichtlichkeit im „Le PR entstehen, welche Perikles aulser seinen’ = nn unter Allen der Eingeweihteste gewe ü 270 —_— Naturgaben sich in so hohem Grade erworben. hatte. So denke ich wenigstens, weil er mit dem Anaxagoras, der ja wohl ein solcher war, zusammentr vaf, und jener hohen Kenntnisse voll ‘ward, und zur Natur des Verstandes und Um verstandes’gelangte, ‘wovon:ja Anaxagoras soviel Reden machte, hat er von dort her, was ihr nüzlich war, in die Redekunst herübergebracht. Pır. Wie meinst du dieses? Sox. Es hat dieselbe Bewandtnifs mit das Redekunst wie mit der Heilkunst. Pı. Wie so? Sox. In beiden mufst du, Air Natur desLei- bes in der einen, der Seele in der andern erklä- ren, wenn du nicht nur hergebrachterweise und erfahrungsmäfsig, sondern nach der Kunst jenem urch Anwendung von Arznei und Nahrung Gesundheit und Stärke verschaffen, dieser durch angeordnete Sitten und Belehrungen , ‘welche Ueberzeugung und Tugend du willst, mitzu- theilen begehrst. Pr. Allem Anschn nach, o Sokrates, ist es so, ... Sox.‘. Und glaubst du‘die Natur der Seele richtig begreifen zu können, ohne des hehe, ’ Natur? Pır. Wenn man dem Asklepiaden. Hippo- krates glauben soll, auch nicht einmal die des Körpers ohne ein solches Verfahren. ae Sox. Sehr schön, o Freund, dafs er dieses «sagt. Wir müssen aber doch außer dem Hippo- krates auch noch die Vernunft fragend untersu- chen, ob sie einstimmt. r Be Fu. Das gebe ich zu. Sox. So Er nun zu, was über die Neth Hippokrates sagt und die richtige Vernunft. Muls man nicht so Sichisiikien übe eines jeden Din- ges Natur, zuerst ob das einzeln oder vielartig nn 1 he in N o' ” ’ — 15 ist, was wir sölbst als Künstler behandeln und auch Andere dazu wollen geschikt machen. Dann dafs man, werin es einzeln ist, seine Kraft auf was für Dinge zu wirken, und was für eine um Einwirkungen und von was für welchen auf- zunehmen; wenn es aber mehrere Arten hat, diese erst. aufzähle, und so von jeder wie vor- her von der einzelen sche, was sie ihrer Natur ‘ nach ausrichten, und was sie von was anderm ‚erleiden kann. - Pr. So wird es desdleicnn müssen. Sox. Jedes Verfahren ohne dieses wäre mur ie eines Blinden Wanderung. Aber keineswe- I. ‚nachstrebt, einem Blinden oder Tauben kön- nen verglichen werden, sondern offenbar. ist, als wenn Jemand an etwas mit Kunst seine Re- wendet, er auch das Wesen der Natur des Bingen genau mus zeigen können, welchem er ; seine Reden anbringen will; dieses aber wird doch die Seele sein. . Pu. Was sonst? , R\ 7 07./80K. Gegen diese also ist sein ganzer Kampf j ' gerichtet; denn in ihr will er Ücherzeugung y hervorbringen, nicht wahr? I. Dre ' Pr. Freilich. wersonst mit Fleifs eine rhetorische Kunstlehre An chenlich machen, ob die Seele eins ist g und'sich überall ähnlich oder auch im-Verhäft- nis, zur Gestalt des Körpers vielartig. Denn die- ses ‚behaupten wir, hiefse die Natur eines Din« ‚zeigen. © Pi "Allerdings. Tolle Zum andern worauf sie ıhrer Natur » untersuche, was für eine es hat von Natur, um ges mus, wer irgend einer Gache kunstmäfsig ’ 270 'Sox. Offenbar also mufs Tiraserialice und eben will, zuerst mit aller Genauigkeit lehren. . —. 156 — nach wirkt, und was, und wovon sie und was für. Wirkungen erfährt. Pu. Dieses freilich auch. Sox. Drittens wird er die verschiedenen Arten der Reden, wie auch der Seele und dessen was in dieser gewirkt werden kann, in der Ord- nung aufstellönd alle verschiedenen Ursachen durchgehen, jede mit jeder Seele zusammenhal- ten und lehren, was für eine Seele, durch was für Reden, aus welcher Ursach überredet werden, - oder unüberredet bleiben wird. Pr.’ Am vortreflichsten, wie es scheint, wäre es freilich so. Sor. Nie wenigstens, o Freund, wird, was auf andere Art gelehrt oder gesprochen wird, kunstmäfsig geschrieben und gesprochen ‚sein, weder über einen andern noch über diesen Ge- genstand. Aber die du gehört hast und die jetzt rednerische Kuneflehren schreiben, sind listig und verbergen es nur, wie gründlich sie sich auf die Seele verstehen. Ehe sie indefs nicht auf diese Art reden und schreiben, wollen wir ihnen nicht glauben dafs sie kunstmälsig, schreiben. Pu. Auf welche Art denn? Sox. Dieses mit bestimmten Worten wirk- ‚lich auszuführen ist nicht leicht gethan; indefs ‘will ich, ‘wie man schreiben müsse, wenn es so gut als möglich kunstmäfsig brrohAtiA sein soll,. Erkländig; Pı. So erkläre’es denn. ® Sox. Da die Kraft der Rede eine Seelenlei- tung ist, so mus der, welcher ein Redner wer- ‚den w ill, nothwendig wissen, wieviel Arten die Seele hat. Diese also sind so viele, und eine solche ist jede, wonach denn auch die Menschen Einige solche werden und Andere wiedersolche. ee Ist nun dieses eingetheilt, :so ‚giebt es wiederum so und so viele Arten von Reden, und so und so : ist jede besehaffen. Solche Menscheh nun sind durch sölche Reden aus der und der Ursach zu solchen Dingen leicht zu überreden, solche andere aber aus jener Ursache schwer. Hat er nun dieses gehörig begriffen, so mus er ferner, wenn er nun die Sache selbst i im Leben ansich- tig wird und sie behandelt werden soll, sie rich- | ‚eben nichts weiter wissen, als die Regeln, die A er während seines Unterrichtes gehört: hat. I . * Wenn er aber richtig anzugeben weils, ‘was für + ein Mensch wodurch überredet wird, und auch im Stande ist, wenn er ihn antrift, ihn zu er- en und sich selbst zu zeigen, dies ist nun ‚ein solcher, und eine solche N atur, von.der da- “ mals die Rede war, steht nun in der That vor | dir, bei der du also hier diese Art von Reden | "anwenden mufst, um sie zu dieser Sache zu überreden, wenn er dies alles inne hat, und dann . noch die Zeiten zu beurtheilen weils, 'wann'er ja: reden und innehalten soll, und von den gedräng- 149 ten Stellen, und den rührenden Stellen, und ; von was sonst für vorhandene Arten von Ver- . stärkungen der Rede er gelernt hat, weils.wo ‚sie an ihrer Stelle sind, und wo nicht; dann ist seine Kunst schön und ganz vollendet, eher aber nicht, ‘sondern an .welchem auch von diesen 'Stüken es Jemand ermangeln läfst, wenn er redet oder lehrt oder schreibt, doch aber behauptet nach der Kunst zu reden, dem glaube nicht, . wer gedeihen will. Wie nun, wird vielleicht . unser Schriftsteller sagen, o Phädros und Sokra- tes, scheint euch nun eine so oder anders abge- handelte Redekunst annehmungswürdig? DAR En Unmöglich, o Sokrates, eine andere,. RR ‚ tg mit seirfen Sinnen auffassen, oder er wird. 272 >‘ -—158 — wiewohl sie auf diese Art äls keine geringe Ar- beit erscheint. Sox. Wohlwahr. Eben deshalbmun solltest du alles: gesagte noch einmal nach allen Seiten umwendend nachsehen, ob sich vielleicht wo ein. leichterer und kürzerer Weg zu ihr zeigt, damit nicht vergeblich einen langen und be- schwerlichen einschlage, wem doch ein kurzer und ebener offen steht. Hast du also etwas hie-= - zu dienliches vom Lysias oder irgend Jemand an- ‚ders gehört, so: rufe. es dir ins Gedächtnifs und uersuche es vorzutragen. 4 Par. . Zum Versuch: hätte ich wohl etwas, ar jetzt habe ich es nicht so bei der Hand. -„. :Sox, Willst du also,. dafs ıch dir sage, was ich hierüber von Einigen gehört? Pr. Warum nicht? Sox. Sagt man doch, o Phädros, es sei recht, auch des Wolfes Sache zu vertheidigen. Pu. So thue du denn auch so. Sox,; Sie behaupten also, man dürfe dieses gar nicht so ernsthaft hehandeln, noch von so weitem ausholend ableiten, dank überall ‚ wel- ches wir auch gleich anfänglich gesagt haben, dürfe sich um richtige Einsichten davon was “ gerecht ‚und gut sei in den Angelegenheiten, oder wer so sei unter den Menschen von Natur % oder durch Erziehung, der künftige auch grofse Redner gar nicht bemühen. . Denn ganz und gar kümmere sich vor den Gerichtsstätten Niemand . ‘ das mindeste um die Wahrheit in diesen Dingen, sondern nur um das Glaubliche, und dieses sei das Scheinbare, worauf also derjenige seine Auf- merksamkeit zu wenden habe, der kunstgerecht reden wolle. Auch nicht einmal: das wirklich geschehene dürfe er bisweilen sagen, wenn es nicht zugleich auch den Schein. für sich! hat, #: — 159 — RE nur‘ das Scheinbare in der Anklage so- - wohl: als Vertheidigung, und auf alle Weise müsse wer redet nur dem Scheinbaren nachja- ben; denn jenes überall in. der Rede fürsich zu haben, das mache die ganze Kunst aus. Pır. Grade dieses, o Sokrätes, 'wie du es vorgetragen hast, sagen diejenigen, welche sich für. Kunstverständige in Reden ausgeben. : Ich _ erinnere mich wohl, dafs wir im vorigen: ganz kürzlich auch dieses; berührt haben; es dünkt aber denen, die'sich hiemit: abgeben, etwas ' sehr grolses zu sein, = Sors.: Du hast ja den Tisias selbst fleifsig getrieben, so:mag uns nun auch Tisias sagen, ob er etwas anders meint unter dem Scheinbas ren,>als däs was die Menge leicht glaubt? 4 Pr. Was könnteves anders seyn? „2... 080x. Dieses also ist, wie es scheint, sehr ee und kunstreich ausgedacht, waserschreibt: dafs nämlich wenn ein Se acher aber'muthiger .' einen starken aber feigen niederwirft, ihm en Mantel oder sonst euEAs wegnimmt, und dann vor Gericht geführt wird , keihler von Beiden die Wahrheit sagen müsse; sondern der Feige "müsse. sich hüten zu gestehen, dafs er von jenem Muthigen allein bezwungen worden, dieser aber müsse dies ‚freilich behaupten, dafs ‚sie allein waren, jenes aber vorzüglich gebrauchen: wie se also ich ein solcher mich wohl an einen solchen gewagt haben? Dann würde Jener a seine Feigheit nicht bekennen, und indem _ er auf eine neue Lüge sönne, elsicht auch seiuem Gegner einen neuen Beweis an die Hand 2 eben. Und eben so beschaffen ist auch in an- ern ' Fällen das nach der Kunst gesprochene. - Nicht, so Phädros? "pre gen, dem wahren aber ruhig den Abschied: ge- | 273 v x aD Pır. Wie anders? Sor. 'Weh! gar stark in Erfindung verbor- gener Künste scheint dieser Tisias zu sein, oder wer er sonst ist und woher er am Keen mag benennt werden. Aber, Freund, wollen wir so zu ihm sprechen oder nicht? . - Pr. Wie denn? Sor. Etwa: O Tisıas, sa lange ehe du noch hergekommen bist, haben wir gesagt, dafs dieses Scheinbäse den Leuten aus einer Aehn- ‘ lichkeit mit dem Wahren entsteht; die Aehn- lichkeiten aber, haben wir eben gezeigt, wird überall der, welcher die Wahrheit in der Sache erkannt hat,_ am besten zu finden wissen. So dafs, wenn du etwas anderes über die. Kunst der Reden zu sagen hast, wir es gern anhören wol- len; wo nicht, so’ müssen wir dem’jezt abge- handelten glauben, dafs wenn nicht Jemänd so- wohl der Zuhörer verschiedene Natüren aufzu- zählen als auch die Gegenstände nach ihren Arten einzutheilen und dien: einzelen unter einen Be- riff zusammenzufassen im Stande ist, er nie- mals in Reden so kunstreich sein wird, als es dem Menschen möglich ist; dafs aber dieses niemals einer ohne vielfältige Anstrengung erlangen kann, welcher sich nicht um des Redens und Verkehrs mit den Menschen‘ der Vernünftige unterziehen soll, sondern nur um den Göttern "wohlgefälliges reden zu können und ihnen wohl- gefällig alles nach Vermögen auszurichten. Denn nicht seinen Mitknechten, o Tisias ,. so sagen weisere als wir, mufs gefällig zu werden wer. 274 Vernunft hat sich bestreben, es’ mülste nur'ne= benbei geschehen, sondern seinen guten und BB hen Gebietern. Darum, ‘wenn der Weg la ist, so wundere dich nicht: denn grofser Dinge "wegen wird er uns angemuthet, nicht dessen _ was — 101 — was du denkst. Es wird aber, wie die Rede zeigt, auch dieses, wenn es Jemand will, durch jenes am besten erlangt. Pe. Ganz treflich dünkt mich dieses gesagt zu sein, o Sokrates, wenn es nur Jemand im -Stande wäre. IR Sog. Auch im Bestreben nach dem Schö- nen ist es schön zu ertragen was daraus erfolgt, Pn. Ja wohl. Sox. Darüber nun was Kunst ist und Kunst- losigkeit im Reden möchte dieses genug sein. Pu. Vollkommen. Sor. Nun wäre noch von der Anständig- keit und Unanständigkeit des Schreibens, wo ‚angewendet es gut ist, und wo. ungeschikt, "übrig zu reden. Nicht wahr? Pu; .Ja, ,.Sor. Weilst du. wohl, wie du eigentlich Gott wohlgefällig das Reden behandeln und da- zan denken mulst? Pur. ‚Keinesweges, du aber? . .. .$or. Eine Sage wenigstens habe ich darü- - berzu erzählen von den Alten, das Wahre aber wissen. nur jene selbst. Könnten wir aber dieses - finden, würden wir uns dann noch irgend um menschliche Urtheile kümmern? N RE "Lächerliches fragst du! Aber erzähle, „was du.gehört zu:haben behauptest. 0... Sox. Ich habe also gehört: zu Naukratis in Aegypten sei einer von den dortigen alten Göt- tern gewesen, derselbe, dem auch der Vogel, © welcher Ibis heifst, geheiliget war, des Gottes B: ‚Name aber habe Theuth geheilsen. Dieser habe zuerst die ‚Zahlen und Verhältnisse erfunden, dann die Mefskunst und die Sternkunde, ferrier ® das Bret- und Würfelspiel, und so auch. die “ Buchstaben. Als König von ganz Aegypten habe u TuLB. 5° [ii) Ä — 161 — damals Thamus geherrscht in jener grofsen Stade des oberen er welche die Hellenen das - ägyptische Thebe nennen, den Gott selbst aber Ammon. Zu diesem sei Theuth gegangen, habe ihm seine Künste ausgestellt, ine begehrt sie möchten den andern Aegyptern mitgetheilt wer- den, Jener fragte, was s doch eine Node für Nu- zen gewähre, undj je nachdem ihm, was Theuth darüber Sorbrächte ‚ richtig Sa unrichtig dünkte, tadelte er oder lobte. Vieles Zn A Thamus dem Theuth über jede Kunst dafür und dawider gesagt haben, welches weitläuftig, wäre ‚alles anzuführen. Als er aber an die Buchstaben BELTER,. “habe Theuth gesagt: Diese Kunst, o König, wird die Aegypter weiser machen und erinnerungsreicher, denn als ein Mittel für den Verstand und das Gedächtnils ist sie erfunden.- Jener aber erwiederte: O kunstreichster Theuth, Einer weils, was zu den Künsten gehört, ans Licht zu gebähren; ein Anderer zu beurtheilen, . welches Verhältnifs von Schaden und Vortheil es ‚denen gewährt, die es gebrauchen werden. . So 275 hast auch du jezt als Väter der Buchstaben das ‚Gegentheil dessen gesagt, was sie bewirken. Denn diese Erfindung wird der Lernenden See- len vielmehr Vergessenheit einflöfsen aus Ver- nachläfsigung des Gedächtnisses, weil sie im Ver- trauen auf dieSchrift sich nur von aufsen vermit- telst Fremder Zeichen, nicht aber innerlich sich ‘ selbst und unmittelbar erinnern werden. Nicht also für das Gedächtnifs, sondern nur für die Er- ‚innerung, hast du ein Mittel erfunden. Auch von der Weisheit vermagst du deinen Lehrlingen nur den Schein, nicht die Sache selbst beizubringen: Denn as sie nun vieles gehört haben ER Unterricht, werden sie sich auch vielwissend zu sein dünken; da sie doch unwissend gröfsten- theils sind, und schwer zu behandeln, nachdem sie dünkelweise geworden statt weise. Pr. O Sokrates, leicht würdest du ägypti- sche und was sonst für ausländische Reden du wolltest dichten. “7 Sor. Sollen doch, o Freund, in ir Zeus dodonäischem Tempel einer Eiche Reden die er- sten prophetischen g vewesen sein. Den:damali- ‚en nun, weil sie ebeii nicht so weise waren als ihr Jüngeren, g genügte es in ihrer Einfalt auch ‘der Eiche und‘ dem: ‚Stein zuzuhören, wenn sie nur wahr redeten. Dir‘aber macht es vielleicht einen Unterschied, wer der Redende ist und von wannen. ' Denn nicht darauf allein siehst du, ob : sich so oder anders die Sache verhält. Pn. Mit Recht hast du mich gescholten. Fr ch dünkt mich mit den Buchstaben es sich so E% R u verhalten, wie der Thebäer sagt. "Sox. "Wer also meint, eine Kunbtlehre in "Schliften so zu hinterlassen ; und auch wer sie aufnimmt, als ob etwas dentliches und siche- s durch die Buohstaben kommen könne, der t e f ist einfältig genug, und weifs in Wahrheit niehts A = Weissagung des Ammon, wenn er x geschriebene: Reden wären noch sonst zu eis nur a zur Erinnerung ‚ der % Bi ‘Sehr eu Sox. Schlimm ist hierin die Me Phä- din der That ganz ähnlich der Mahlerei; uch diese stellt ihre Ausgeburten hin als den 'sie etwas, fragst du sie "aber jeruben erig über das Gesagte, so zeigen sie dir doch ir ein und dasselbe stets. Ist aber etwas nr — 14 — ‚mal geschrieben, so schweift auch überall jede . Rede gleichermafsen unter denen umher, die sie verstehen, und unter denen, die sie nichts an- geht, und versteht nicht, zu wem sie reden soll, und zu wem nicht. Und wird sie beleidiget oder ‚ unverdienter Weise beschimpft, so bedarf sie immer ihres Vaters Hülfe ; denn selbst ist sie we- der sich zu schüzen ne zu helfen im Stande. Pır. Auch hierin hast du. ganz recht 8“ ‚sprochen. Sox. Wieaber? wollen wirnichtnach einer ‚anderen Rede sehen, der vollbürtigen Schwe- ster von dieser, wie es mitihr zugeht, und wie- viel besser und. kräftiger als jene sie gedeiht? + Pr. Welche doch meinst du, und wie soll sie entstehen? Sox. Welche mitEinsicht geschrieben wird in des Lernenden Seele, wohl im Stande sich selbst zu helfen, ‚und wohl wissend zu reden und zu schweigen, gegen wen sie beides soll. ' Pr. Du meinstdielebendeund beseelte Rede de wahrhaft Wissenden, deren Schattenbild man die, geschriebene mit Recht nennen könnte, , Sog. Allerdings eben sie. Sage mir aber dieses, ob. ein verständiger Landmann den, Sa- . men, den er vor andern pilegen und. Früchte von ılım pe möchte, recht eigens im heilsen Som- mer in ein Adonisgärtchen streuen und seine Freude daran haben wird: ihn in acht Tagen schon in dieHöhe geschossen zu sehen? oder. ob. er dieses nur als ein Spiel und bei festlichen Ge- legenheiten ıhun wird, wenn er es ja thut; jenen aber, womit es ihm Ernst ist, nach den Vor- schriften der Kunst des Landbaues in den gehö- zigen Boden säen, und zufrieden sein, wenn was er gesäet im achten Monat seine Vollkom- menheit erlangt? x a Fon > en a ? ai 165 h Fa 'Pı. Gewißs so, o Sokrätes, würde er dieses im Einst, j jenes, wie du sagtest, nur anders thun. - ‚Som. Und sollen wirsagen, dafs wervom Ge- rechten, Schönen und Guten Erkenntnifs besizt, weniger verständig als der Landmann verfahren + werde mit seinem Samen? ? Pu. Keinesweges wohl. Sox. Nicht zum Ernst also wird er sie ins Wasser schreiben, indem er sie mit Dinte durch. «das Rohr in Worten aussäet, diedoch unvermö- gend sind sich selbst durch Reis zu helfen, un- vermögend aber auch die Wahrheit hinreichend zu lehren? = Pe. Wohl nicht, wie zu vermuthen. Sox.. Freilich nicht; sondern die Schrift- ärtchen wird er nur Spieles wegen, ‚wie es . scheint, besäen und beschreiben. Wenn er aber schreibt, um für sich selbst einen Vorrath von Erinnerungen zu sammeln auf das vergelsliche Alter, wenn er’es etwa erreicht, und für Jeden, welcher derselben Spur nachgeht: so w ird er sich freuen, wenn er sie zart a schön gedeihen Ela . sieht; und wenn Andere sich mit andern Spielen: ergözen, bei Gastmalen sich benezend und was dem verwandt ist, dann wird jener statt dessen Re ‚mit dem, wovon ich sage, spielend sich erholen. >R ‚Pu. Ein gar Yierclichee; o Sokrates, nennst a neben den gewöhnlichen Spielen: das Spiel ‚ dessen, der von der Gerechtigkeit, und was du sonst erwähntest, dichtend mit Reden zu spie- len ‚weils. N 000 Sox. So ist es allerdings, Phädros. Weit ı Ar Ugsrlicher aber denke ich ist noch der Ernst mit ER diesen’ Dingen, ‚wenn Jemand nach den Vor schriften der dialektischen Kunst, eine gehörige Seele dazu wählend, mit Finkicht Reden säet r ee, welche sich’selbst sank dem, der sie ey — 166 — gepflanzt, zu'helfen im Stande, auch nicht uns 877 fruchtbar sind; sondern einen Samen tragen, vermittelst dessen einige in diesen, andere in än- deren Seelen gedeihend, eben dieses’unsterblich zu erhalten vermögen, und den, der sie besizt, so glükselig machen, als einem Menschen nur möglich ist. : Pır. Allerdings ist etwas noch weit herrli- cheres, was du hier sagst. Sox: Jezt erst, Phädros, können wir auch. jenes entscheiden, nachdem wir uns hierüber vereiniget. Berk} ar Pi. Was doch? ac “are Sox: Das was wir eigentlich ersehen woll- ten, und nur dabei hierauf gekommen sind, ob wir nämlich nicht finden könnten, wie wohl dem Lysias dasRedenschreiben zurSchande gereiche, i und auch'wegen der Reden selbst, welche mit Kunst und welche ohne Kunst geschrieben wä= ren. Dieses, was kunstmälsig ist oder nicht, dünkt mich schon. ziemlich detlich gemacht - worden zu sein. ” Pr. Es dünkte mich auch, erinnere mich aber doch noch einmal. | y Sox. Nämlich ehe nicht Jemand die wahre Beschaffenheit eines jeden Dinges kennt, worü- ber er redet und schreibt, es vollständig zu er- klären im Stande ist, und nachdem er es erklärt, es auch wieder in seine Unterarten bis zum Un+ - theilbaren zu theilen, und eben so auch mit der Seele Natur bekannt, die einer jeden anges messene Art der Rede herauszufinden ver- steht, und sie dann so ordnet und ausschmükt, ‚dafs er bunten Seelen auch bunte und wohllaut- reiche Reden giebt, einfachen .aber einfache, eher werde er noch nicht vermögend sein, sO- ru Weit es die Sache erlaubt, mit Kunst das Ge a a ‚schlecht der Reden zu behandeln, weder um sie ‚einen Andern zu lehren, noch um selbst zu überreden, wie unsere ganze vorherige.Rede ‚ausführlich gezeigt hat. ag . Pır. Allerdings so ohngefähr hatte sich uns. dieses gezeigt. s; Ze Sox.. Wie aber jenes, ob es etwas schönes - ist oder verächtliches, Reden zu sprechen und zu schreiben, und wie betrieben es mit Recht könnte zum Schimpf gerechnet werden oder nicht, hat uns nicht auch dieses schon das eben ‚zuvor besprochene deutlich gezeigt? Pu. Welches denn? „Sox. Dafs wenn, es sei nun Lysias oder ein anderer, jemals etwas ‘geschrieben hat oder ‚schreibt, in, besonderen Angelegenheiten oder in öffentlicken, .indem er eine Staatsschrift ver- - falst, in.der Meinung, es sei grolse Gründlich- keit und Klarheit darin, das gereicht dem Schrei- benden zum Schimpf, es mag es ihm nun einer - vorrüken oder nicht. Denn so ganz und gar, nichts zu wissen vom Gerechten und Ungerech- ten, Bösen und Guten, das ist in der That unab- „wendlich das allerschimpflichste, und wenn auch das ganze Volk es lobte. ern. Pr. :Gewils. ae Sok. Wer aber weils, dafs in einer ge- schriebenen Rede. über jeden Gegenstand vieles mothwendig nur Spiel sein mufs, und dafs keine Rede, sei siemun in gemessenen oder ungemes- . senen Sylben gesprochen oder geschrieben, sehr ermsthaft zu nelımen sei, unter allen welche ohne tiefere Untersuchung und Belehrung nur es UDeberredens wegen zusammengearbeitet und esprochen worden, sondern in der That auch die besten unter ihnen nur zur Erinnerung ge- dient haben für den schon unterrichteten; inde- ie | = nen hingegen, welche gelehrt und des Lernens wegen gesprochen oder wirklich in die Seele hineingeschrieben worden, vom Gerechten, Schönen und Guten, in diesen allein etwas wirksames sei und vollkommenes, und der An- strengung würdiges, und daher auch nur solche Reden verdienten, gleichsam seine ächten Kin der genannt zu werden, zuerst die ihm selbster- funden einwohnt, hernach was etwa für Kinder und Brüder von dieser zugleich in andern Seelen Anderer nach Verhältnils eingewachsen sind, und wer deshalb alle andern gleichgültig gehen läfst, dieser mag dann wohl ein solcher sein, Phädros, als ich und du uns beiden zu werden wünschten, . e Pr. Aufalle Weise will und wünsche auch ich mit dir was du sagst. > Sor. Also mag auch dieses unter uns genug escherzt sein über das Reden; und nun gehe du hin, und verkündige dem Tysik: dafs wir beide zu der Nymphen Quelle und Ruhesiz hin- abgestiegen dort Reden gehört, welche uns be- fahlen, zuerst dem Lysias und wer sonst Reden abfafst, dann dem Homeros und wer sonst Ge- dichte, für sich bestehende oder von Gesang be- te] gleitete, verfertiget hat, drittens auch dem So- lon und wer sonst in bürgerlichen Versammlun- or gen auch Schriften, die er Geseze nennt, ge- schrieben hat, zu sagen, dafs wenn er derglei- chen abgefafst, wohl wissend wie sich die Sa- che in Wahrheit verhält, und im Stande in Er- örterung über das Geschriebene eingehend, dem- selben Hülfe zu leisten, und redend selbst sein Geschriebenes nur als etwas schlechtes darzustel- ER len, er dann auch nicht mit dem Namen ge- nannt werden müsse, der nur hiervon her- genommen ist, sondern mit einem auf jenes ra a a Vu d ae + x > 169 FT .. sich beziehenden, woran er ernstlichen PR >& ee Pir. Was für Namen also willst du ihm e er- Heilen ? ” "Sox. Jemand einen Weisen zu nennen, 0 Phädros, dünkt mich etwas Groises zu sein, und - Gott allein zu gebühren; aber einen F rennd der Weisheit oder dergleichen etwas möchte ihm ne " Pr. Und nicht fern von der Sache. Sox. Also wer nichts besseres hat als was ernach langem Hin- und Herwenden, Anein- anderfügen und Ausstreichen abgefafst oder Dichter oder Redenschreiber oder Gesezver- fasser nennen, NER Pr. Wie ande #reunde. £ . "Pin Wie aber du? was wirst du thurr? denn wir dürfen doch auch deinen Freund nicht t begehen. 3 Box; Welchen doch? Pu. Isokrates den Schönen; was wirst du en verkündigen, o Sokrates? Was sollen wir sagen dafs er sei? 0 Sox. Jung ist Isokrates noch; was ich RR En von ihm wahrsage will ich sagen, Pu, Was also? - Sox. Er dünkt mich besser als was man aus des Lysias Reden sieht was seine Naturgabe be- trift, auch. edler die Mischung seines GermütheR, so dals es nichts wunderbares wäre, wenn er bei > re ferem ‘Alter auch in den Reden, auf die er ; seinen ‚Fleifs TR, Alle die sich je mit = ‚selbst ‘angemessener ipenim. und auch ‚au sich geschrieben hat, den wirst du mit "Pecht einen Sor.. Dieses also verkündige deinem ze > zurükliefse, und: dann wenn ihnı dieses nicht mehr genügte ihn zu etwas gröfserem ein gött- licherer Trieb. hinführte. - Denn von Natur schon, Phädros, ist etwas philosophisches in der Seele des Mannes. _ Dieses also will ich im Namen dieser Götter dem Isokrates als meinem Lieblinge verkündigen; du aber jenes als AR, ‚ deinigen dem Lysias. Pr. Es soll geschehen. Aber lafs uns nun gehn, da auch ee Hize gelinder geworden. Sox. Ziemt es sich Eaiahe vu zu diesen zu beten’und dann zu gehen? „ Pr. Warum nıcht? Sox. O lieber Pan, und ihr Götter die ihr sonst hier zugegen seid, verleihet mir schön zu sein im Innern, und dafsı was ich Aeulseres + habe dem Inneren befreundet sei. Für reich möge ich den Weisen halten,. und Goldes die Menge haben soviel ein anderer als der Mäfsige gar nicht führen und haben möchte. Bedürfen wir noch etwasanderes, o Phädros? Ich für mich habe hinreichend gebetet. Pr. Auch für mich bete dieses mit: denn Freunden ist alles gemein. Sor. ‘So lals uns denn gehen. “+ EınLEeıT UN. „.. Neil Einesiemlich unverbürgteSage, indem Dioge- nes nicht einmal seinen Gewährsmann nennt, macht dieses Gespr äch zu einem der frühesten, das heifst wenigstens noch vor dem Tode des Sokrates geschriebenen. Leicht könnte ihr in- : defs mehr Beweiskraft;zukommen als der ähnli- chen über: den Phädros; da diese nur innere Gründe anführt, und also einen Ur sprung aus kritischer Muthmafsung verräth, jene aber doch sich auf die Ueberlieferung einer, Thatsache ündet, nämlich auf den verwundernden Aus- 4 ht ‚des Sokrates als er sich in der Darstellung 14 " ‚des Platon erblikte. Indefs ist ein solches kaum den Namen verdienendes Zeugnifs auch hier nicht der Grund, auf re ‚dem Gespräch seine Stelle angewiesen wird, sondern der Zu- sammenhang entscheidet hinlänglich dafür, ‚wenn auch nicht durch geschichtliche Bezie- ‚hungen "unterstüzt. Seinem Inhält nach ist nämlich der Lysis unter ‚allen Gesprächen des Platon nur mit dem Phädros und dem Gastmahl N verwandt, indem die Frage über das Wesen und den Grund der Freundschaft und Liebe, welche seinen ganzen Inhalt ausmacht, zugleich des Phä- en. ‚zweiter der Form nach untergeordneter Ge- . genstand ist, im Gastmahl aber der der Form mag herrschende und erste. Offenbar möchte Bu . — 174 — es indels nicht Teicht Jemanden beigehen Au Ly- sis hinter das Gastmahl zu stellen , da in lezte- rem die Sache nicht nur gradezu und bis auf den lezten Strich entschieden, sondern auch ın - den gröfsten,und allgemeinsten Beziehungen be- trachtet wird. So dafs dialektische Züge, wie die aus welchen der Lysis besteht, kaum eine Verzierung an jener Darstellung bilden könnten: ‚ sie aber gar nach derselben als ein eignes Gan- "zes nksterhörten eben so unkünstlerisch -als zweklos gewesen wäre, 'weil Jeder zu jeder hier aufgeworfenen Frage die Lösung schon in jenem ‚Werke vorsich hatte. Und eine leere dialekti- sche Uebung, zumal eine so leichte, wie dieses ‘Gespräch dann sein würde, kann dem vollen- ‚deteren Meister der späteren Zeit nicht beige- legt werden. Zunächst also wäre nur zu unter- suchen, ob Lysis vor oder nach dem Phädros zu ssezen sei. Dieser leztere freilich redet eben- falls entscheidend über jene Hauptfrage, indem ‘er einen ‚Grund der Liebe und eine Erklärung ‚derselben ausführlich entwikelt; so dafs leicht in Beziehung hierauf Jemand glauben könnte, es würde, eben so wie beim Gastmahl, den'an- genommenen Grundsäzen zuwider sein, auch jenes Gespräch: dem Lysis voranzustellen, als welcher ja denselben Gegenstand nur skeptisch behandle. Allein der grofse Unterschied kann denen, welche das Gastmahlxdes Platon kennen, von selbst nicht entgehn; auch den andern aber ist er ohne voreilende Hinsicht auf jenes spätere Gespräch gewifs einleuchtend zu machen. Denn ‘die Meinung über die Ursache der Liebe wird im Phädros nur mythisch vorgetragen, und auf -diese Art eine Frage entscheiden zu wollen; die ‘schon früher in das Gebiet der Dialektik gezo- ‘gen war, dies wäre nicht nur der anerkannte- ze - 15 — | ‚sten ‚Analogie aus den Platonischen. Schriften, de und jeder Idee von der Philosophie ih- res Urhebers, sondern auch an sich ein frevel- x haftes und vergebliches Unternehmen; weil Je- der, der das Wythische \rieder auf den dialekti- 3 sehen Boden, wo ja die Untersuchung angefan- en, zurükziehen wollte, es auch Gier viel- machen könnte ind ungewils. Wozu entscheidender ist. Im Phädros nämlich wird ‚indem es doch noch ahaE Freundschaften ee als jene ganz philosophische, welche dort er Gegenstand der Darstellung ist oder jene ‚ganz sinnliche, von welcher die Veranlassung nommen wird; wo aber diese andern abwei- em oder Stein die ‘Auflösung sich, auf sie übertragen läfst, nirgend an gedeutet wird. Da- schaft überhaupt die Rede ist; und eine so ganz llsemein angefangene und Hoch zu keiner ent- eidenden Nanewört gelangte Untersuchung durch eine mythische Dar stellung, und zwar die es Theil des Gegenstandes betrift, wei- führen und beendigen wollen , dieses ist soviel Ungereimtheit, als man nur einem ge- $ nkenlos in den Tag hinein arbeitenden Schrift- Fr zuschreiben kann, wie Platon wohl am € venigsten gewesen ist. Keinesweges also ist der Phädros anzusehen als aus dem Lysis her- - vorgewachsen, wie auch jener Jedem lächerlich dem zurükgebliebenen Verlangen, die dialek- v tischen Zweifel des Lysis zu lösen; sondern of- SHE. ‚mbar steht dieser zwischen u und dem noch dieses kommt, welches vielleicht für Viele . a die Sache weit weniger allgemein behandelt, ge en im Lysis ganz ‚allgemein von der Freund- scheinen mülste, der ihn so lesen wollte, mit _ Beet RT eu BE zen E r anzusehen sei als ein Nachtrag zum Phädros. oder als eine anregende Vorbereitung zum Gast- mahl. Dem lezteren zwar nähert er sich durch die allgemeinere und vielseitigere Behandlung: allein anderer Gründe nicht zu gi:denken, die erst bei Betrachtung des Gastmahls völlig kön- nen verstanden werden: so fehlt im Lysis so ganz jede Spur von dem was Platon zwischen dem Phädros und dem Gastmahle, geschrieben “hat, und er ist so, ganz aus dem Phädros und sich selbst zu verstehen, dafs er unstreitig den nächsten Plaz, nach diesehn einnimmt, und fast nur als ein Nachtrag oder als eine erweiternde dialektische Erläuterung desselben anzusehen ist. Was nämlich im Phädros mythisch vorge- tragen wird, dafs die Liebe sich gründe auf die Identität des Ideals zweier Menschen dieses wird hier dialektisch aber indirekt und in einem weiteren Sinn erwiesen. _Lezteres, indem doch ‚der Begriff des Angehörigen‘ und Verwandten mehr befafst als die Identität des Ideals; und "zwar ist er im Lysis so unbestimmt angedeutet, N dafs er nur durch Zurüksehn auf den Phädros - leicht kann verstanden werden. Ersteres, in- ‘dem alle andern Behauptungen in Widersprüche - ausgehn. ‚Denn dafs dieses auch. der lezten und eigentlich vom Platon besehüzten ebenfalls be- gegne, ist.nur scheinbar. Vielmehr ist die Art, wie die Zweifel gegen den früheren 3az, dafs ‚Aehnlichkeit die Freundschaft begründe, auch auf diese angewendet werden, als, der Schlüsser ' des Ganzen anzusehn, welcher es auch Jedem, der die Andeutungen des Phädros im Sinne hat, ‚gewils aufschliefst. Nämlich das Aehnliche ist nur dann dem Aehnlichen unnüz, wenn Jeder sich auf seine äufsere Persönlichkeit und auf das Interesse 5 seiner Sinnlichkeit einschränkt, nicht. - ‚aber‘ Sa m — aber dem der an dem Bewufstsein eines in Meh- reren. und für Mehrere zugleich möglichen‘ Gei- stigen ein. Interesse zshmend sein Dasein über jene: Schranken hinaus erweitert ; wodurch überall erst einem Jeden ein Aehnliches und _ Verwandtes 'entsteht, das nicht im Streit ist mit zZ Ben eignen Bestrebungen. Aehnliche Winke en auch i in den ähnlichen skeptisch aufge- a ten Säzen von der Unnüzlichkeit des Guten, 3 sofern es nämlich nicht als Gegengift wider das . Böse, sondern für sich selbst gedacht wird. Indefs scheint schon Aristoteles diese An- deutungen nicht verstanden zu haben. Wels ‘ches Mifsverstehen der in platonischen Schrif- ten vorkommenden Dialektik und Polemik ihm überall zwar verziehen werden sollte, da seine sind, und von einer keinen Glanz annehmen- den Mischung; Hier aber in einem so leichten Falle scheint es daher zu rühren, dafs er um . den Zusammenhang, zumal der früheren .plato- nischen Schriften, wenig mag. gewulst haben. “ken mehrere Stellen, in denen er den Lysis vor Augen gehabt zu haben scheint, und: Alle haben das Ansehn, als halte er die scheinbare Unentschiedenheit des Platon für eine wirkli- che, und glaube jener habe sich nur deshalb nicht enuswikeln können, weil er theils den _ Unterschied zwischen F reundschaft und Zunei- gung übersehen, theils die drei Arten der Freund- „schaft. verkannt habe, und also natürlich habe in Widerspruch gerathen müssen, so oft er das was nur von. der einen gilt auf die andere über- tragen wollte. Jedem Leser des Lysis aber mufs offenbar. sein mit welchem Nachdruck Platon auf jenen Unterschied, nur freilich in seiner Plat, W. I. Th. I. Ba. [12] Es finden sich nämlich in edle ethischen Wer- gleichnamigen Künste von gröberemn Korne 21 BE x 2 u - indirekten Weise, aufmerksam macht, da ein ziemlicher Theil des Gesprächs der dialektischen Darstellung desselben gewidmet ist, und wie entschieden er die sogenannte Freundschaft des Nüzlichen verwirft; gewifs auch dialektisch be- trachtet mit dem grölsten Recht, da dieses Nüz- liche ja nie und nirgend etwas ist für sich, son- dern immer nur und zwar zufällig in einem ‚andern. ‘Noch mehreres Einzelne spricht ebenfalls für eine sehr frühe. Abfassung des Lysis. bald nach dem Phädros. So zum Beispiel finden sich auch hier harte Uebergänge, eine lose Willkühr- lichkeit in ‚der Verknüpfung, und eine nicht immer ganz sorgfältige Wahl der Beispiele, wel- ches alles noch stark die Ungeübtheit eines An- x Fängers ahnden läfst. So, scheint auch'was von ' dem Inhalt der erotischen Reden und Gedichte des Hippothales vorkommt eine fortgesezte An- spielung auf die erotischen Reden des Lysias zu sein, ; sehr ‘wahrscheinlich erzeugt durch miß- billigende Urtheile über sein Verfahren mit dem berühmten Mann. Den ganzen Gang des Gespräches aber nach der gegebenen allgemeinen Ansicht desselben noch besonders verzeichnen zu wollen, möchte überflüssig sein, indem nun Jeder im Stande. sein mufs zu beurtheilen, wohin die einzelnen Linien streben, und geh welcher Regel sie fortgezogen ‚werden müssen um. den Mittel-, punkt des Ganzen zu erreichen. So auch kann Niemandem'entgehen wie der Nebenzwek, wel- cher das Innere mit der Form verbindet, näm- lich eine Anweisung zur sittlichen erotischen Behandlung des Lieblings zu geben, nicht nur durch die vorläufigen Gespräche erreicht wird, sondern sich durch das Ganze sehr künstlich ni ‘ x — 19 — hindurchschlingt, und auch sehr leicht, bis auf ein Paar einzelne Härten, die ebenfalls, weil sie leicht zu vermeiden waren, den Anfänger andeuten, Dasselbe kann man auch sagen von der Ueppigkeit des Nebenzweks und einer ge- wissen Pralerei mit dem Ueberflufs an Stoff nach allen Seiten hinaus. Merkwürdig aber ist dieses kleine Gespräch für die Grundsäze, von denen Verständnifs und Beurtheilung Plato- nischer Schriften ausgehen mufs, theils als ein auffallendes Beispiel und als das erste davon, wie ungegründet die. Meinung ist, als wolle ‘Platon überall nicht entscheiden über die Ge- genstände, deren Untersuchung er einen skep- tischen Anstrich giebt, ohne das Wort des Räthsels mit deutlichen Buchstaben darunter, zu schreiben, indem er hier bei einem Gegen- stande, über den er in zwei andern Gesprä- chen entscheidet, das nämliche Verfahren be- '. obachtet, und zwar so, dafs der Aufmerksame auch in dem, was ganz skeptisch aussieht, die Entscheidung ohne Mühe findet. Theils auch ist es davon ein Beispiel, wie leicht dem Platon auch Gespräche von geringerem Gehalt entste- hen konnten, für sich betrachtet blofs dialek- tisch, allein in nothwendiger Abhängigkeit von einem mystischen aufser ihnen, Planeten gleich- sam, die nur von den gröfseren selbstständigen Körpern ihr Licht leihen und sich um sie bewe- gen. Auch wie man die Erscheinungen von je- aıen nicht verstehen kann, wenn man nicht ihre Verhältnisse zu diesen richtig auffafst; und wie nothvwrendig also, wenn man den Gehalt dersel- ben feststellen, oder entscheiden will ob sie Pla- . tonisch sind oder nicht, erst alles muls versucht - worden sein, um ihre Entfernung von dem Hauptkörper und ihre Bahn zu bestimmen. > u in 180 °— Denn schwerlich möchte, was den Lysis betrifft, nun jemand den Zweifeln viel Gehör geben, welche eine zu. herbe und strenge Kritik gegen seine Aechtheit' erheben könnte; ja’ kaum ‚möchte man nöthig finden den Ankläger noch auf das mimische did dramatische zu verweisen, welches eine so schöne Haltung hat und so viel " Platonischen Charakter. Von den Personen selbst aber ist nichts zu erinnern, auch ist keine Spur vorhanden dafs ırgend 'eine wirkliche Begebenheit dem Inhalt air der Einkleidung zum Grunde läge. N ae er Auen ne Be .SOKRATES erzählt. u Ich ging von der Akademia nach dem Lykeion den Weg aufserhalb der Mauer dicht unter der ‘Mauer hin. Alsich aber an dem Pförtchen war, ı wo die Quelle des Panops ist, traf ich den Hip- ‘pöthales, des Hieronymos Sohn, und den Päa- nier Ktesippos, und mehr andere Jünglinge um Y ‚sie her stehend. Und als Hippothales mich her- Rn „ankommen sah, rief er mich an: Wohin gehst ‚du, o Sokrates, und woher? — us der Aka- 'demia, sprach ich, gehe ich gerade nach dem - Lykeion. — klichkr lieber, rief er, zu uns! - - Wenkst du nicht ein? es lohnt wohl. — Wohin Be kh; fragte ich, meinst du? und wer sind’ _dieihr? — Hieher, sprach er, und zeigte mir - der Mauer gegenüber einen eingeschlossenen Sa Plaz mit offener Thür;: hier halten nicht nur "wir uns auf, sondern noch viel.andere Schöne, — Was ist aber dieses? und was treibt ihr dort? 204 00 Esist, sagte er, eine ganz neugebaute Palä- er ‚und meistentheils. besteht die Beschäfti- gung; in Gesprächen, ‘von welchen eben wir dir gern mittheilen möchten. — Sehr wohl, sprach ich, werdet ihr hieran thun: . Aher: wer. lehrt Miet —- Von dir gewils ein grülsen Freund und Sr s -— 152 — Verehrer, Mikkos. — Beim Zeus, sprach ich, "kein. schlechter Mann, sondern ein tüchtiger Sophist. — Willst du uns also folgen, sagte er, dafs du auch die siehest ,; welche drinnen sind? -— Gern möchte ich erst hier vernehmen, was mir dann werden soll für das Hineingehn, und wer eigentlich der Schöne ist. — Einer von uns, sagte er, hält diesen dafür, der andere jenen. — Welchen denn aber du, o Hippothales, das sage mir? Auf diese Frage erröthete er, und ich sprach weiter, Dieses, o Hippothales, sollst du mir nicht mehr sagen, ob du einen: liebst oder nicht; denn ich sehe nicht allein dais du liebst, sondern auch dafs es schon weit mit dir gekommen ist in dieser Liebe. Uebrigens wohl mag ich schlecht sein und wenig nuz; dieses aber ist mir so von Gott verliehen, gleich erken- nıen zu können Liebende sowohl als Geliebte. — Als er dieses hörte, erröthete er noch mehr. Ktesippos aber sagte; Wie fein ist das, Hippo- thales, dafs du roth wirst, und dich weigerst dem Sokrates den Namen zu sagen, da er doch, wenn er nur kurze Zeit mit dir ist, sich fast todt wird darası hören müssen, wie oft du ihn nennst! Uns wenigstens, o Sokrates, hat er die Ohren ‘schon ganz’ betäubt und angefüllt mit dem Ly- sis. Hat eeraber etwas getrunken, so ist es uns, ganz gewohnt, dafs wır auch beim Erwachen aus dem Schlafe noch glauben den Namen des Lysis zu hören. Doch was er so gesprächsweise vorbringt ist arg zwar, indefs doch nicht gar arg: aber wenn er erst anfängt uns mit den Ge- dichten zu überschwemmen und mit denReden! Ja was noch ärger ist als alles, so singt er auch auf seinem Geliebten mit wunderschönen Stim- me, die wir geduldig anhören müssen: Nun \ aber von dir beivapt erröthet er nur. — Dieser Be Ne: Sr . u 183 —— i Lysis, sprach ich, „ist also einer von: den Her- anwachsenden, wie.es scheint. Ich schliefse es nämlich nur, denn:der Name fiel mir nicht auf als ein bekannter, da ich ihn hörte, — Sie | - nennen ihn eben nicht oft bei seinem Namen, E: antwortetete er, sondern er wird noch nach dem, Vater genannt, weil sein Vater ein sehr bekann- | © sterMann ist. Auch bin.ich sehr .gewils, dafs | . „der Knabe dir keinesweges unbekannt ist von Gestalt, und das ist genug um ihn sogleich wie- der zuerkennen. — So sage denn, sprach ich, wem er angehört. — Es ist des Demokrates von Aixone ältester Sohn. — Schön, sprach ich, o Hippothales! welche vornehme und in jeder Art prächtige Liebe hast du dir da ausge- spürt! So komm denn und lafs mich alles hö- ren, was du diesen zu hören giebst, damit ich sehe ob du auch weifst wie dem Liebenden gezieme über seinen Liebling zu diesem selbst | » undauch zu Andern zu zaden., — Aber, Sokra- u tes, sagte. er, giebst du denn etwas auf alles was der da sagt? — Willst du etwa, sprach ich, auch läugnen, dafs du den nicht liebst, den dieser mennt? — Das nicht, aber dafs ich w eder Ge- ‚dichte mache auf meinen Liebling noch Reden, —— Es ist ehen nicht richtig mit ihm, sagte Kte- * ‚sippos, sondern er faselt und’ redet irre. — .Dar- BE sagte ich: ich begehre ja, o Hippothales, eier die Verse: zu Tre noch die Melodie, ‚wenn du dergleichen gemacht hast auf den Kna- ‘ben, sondern nur den Sinn davon, damit ich er- ‘fahre auf. welche Art du deinen Liebling be- ‚handelst. — Der da wird dir wohl alles sagen, ‚sprach er, denn er weils es ja genau, und hat es -im Gedächtnifs, wenn er mich. doch, wie .er 2. SAgt, bis zum Ueberdrufs angehört hat, .— Bei den Göttern, sagte ‚Ktesippos, sehr» gut weils nn a R 3 j ; % 205 ee ich es, o Sokrates! es ist ja auch lächerlich ge-" nug. Denn dafs ein Liebender, und der mehr als "jeder andre immer nur auf seinen Knaben denkt, auch gar nichts eignes zu sagen- weils, was nicht jedes Kind ebenfalls ' sagen könnte, wie sollte das nicht lächerlich sein? Was äber die ganze Stadt erzählt von Demokrates undLy- sis des Knaben Grofsvater und von allen seinen Vorältern, ihrem BReichthum, ihrer Pferde- zucht und ihren Siegen in den Pythischen, Isth- mischen und Nemeischen Spielen mit dem’Vier- gespann und dem Rennpferde, das bringt er in. Gedichte und Reden. Und noch altväterische- res als dieses. Denn neulich schilderte er uns in ich weils nicht was für einem Gedichte die Bewirthung des Herakles, ‘wie nämlich den He- rakles wegen Verwinidschaft mit dem Herakles ihr Ahnherr aufgenommen, der selbst auch vom Zeus erzeugt war mit der Tochter von dem ersten Stifter jener Zunft, kurz was die alten Mütterchen singen, und viel anderes derglei- chen. ' Solcherlei ist es, was ein Reden und Gedichten vortragend auch uns auzuhören zwingt. — Als ich dies gehört, sagte ich, du lächerlicher Hippothales! ehe du noch gesiegt hast , dichtest du schon und singst auf dich selbst das Lobgedicht? — Aber auf mich selbst, o Sokrates, sagte er, habe ich doch nie weder gedichtet noch gesungen. — Du meinst es we- nigstens nicht.» —' Aber wie wäre denn das, fragte er? — Aufalle Weise, sagteich, zielen sch diese Gesänge auf dich.‘ Denn gewinnst du dir, einen Liebling solcher Art, 'so'wird dir selbst zur Zierde gereichen was du gesprochen and gesungen hast}; und'ein wahres Lobgedicht sein auf dich, als der den Preis davon getragen, weil du einen solchen Liebling erlangt hast; Be } 2 ei % ie - entgeht er. dir aber, so wirst du je gröfseres du lobend gesagt hattest von diesem Liebling, auch nach Verhältnils des Schönen und Guten, so du verfehlst, um desto mehr verspottet werden. Daher auch, o Freund, wer in der Kunst zu 206 lieben ein Meister ist, den Geliebten nicht eher dobt bis er ihn gewonnen hat, aus Furcht 'vor dem was bevorsteht, wie es ablaufen werde. ‚ Ueberdies aueh werden die’S$Schönen, wenn “man sie lobt und verherrlicht voll Dünkels und Hochmuth:, oder meinst du nicht? — Ja wohl, sagte er. — Nicht auch das, je hochmütiger sie sind, desto schwerer sie zu besiegen wers. den? — Wahrscheinlich ist es. — Was für ein Jäger also dünkt dir der, welcher jagend das wid so aufscheucht, dafs er es ungleich schwe- zer bekommen kann? Ein schlechter doch ge- wils. So auch durch Reden und Gesänge nicht ' ankirren sondern wild machen, ist grofse Un- kunde. ‘Nicht so? — Mich dünkt es. — Sieh also zu Hippothales, dafs du dich nicht alles ‚dessen "schuldig machst durch dein Dichten. Denn ich glaube doch, demjenigen der durch . seine Dichtungen sich selbst schadet, wirst du nicht zugestehn wollen, dafs er ein guter Dich- ter sei, da er sich selbst zum Schaden ist. — | - Nein, 'beim Zeus, sagte er, das wäre ja grofse ‘Unvernunft. Aber deshalb eben, o Sokrates, vertraue ich mich dir, und hast du etwas ande- res, so rathe mir worüber man reden und was _ man 'thun mufs um dem Geliebten angenehm zu ‘werden. — Nicht leicht, sprach ich, ist das zu sagen; wolltest du aber bewirken, dafs er * mir selbst zum Gespräch käme, so könnte ich dir vielleicht einen Versuch zeigen, was mit ihm 'zu reden ist anstatt dessen, was, wie diese sagen, du redest und singst. — Das, sagte er, Ten Sn ——— entrrime % PR, a a "hat keine Schwierigkeit. Denn wenn du nur mit dem Ktesippos hier hineingehst und dich niedersezest im Gespräch, so glaube ich wird er schon von selbst herzukommen; denn hörbe- gierig,.o Sokrates, ist er vor Allen. Zumal nun die Hermeien gefeiert werden sind Knaben und Jünglinge ‘ohne Unterschied zusammen, Er kommt dir also gewifs, Wo nicht, so ist er doch sehr bekannt mit dem Ktesippos durch dessen Vetter Menexenos, der sein vertrautester Freund ist unter allen. Ktesippos also kann ihn rufen, wenn er ja nicht von selbst kommt. — So sprach ich müssen wir es machen, und somit nahm ich mir den Ktesippos und ging in die Palästra; die Andern aber gingen hinter uns. Als wir nun hineintraten, fanden wir dort die Knaben nach vollbrachtem Opfer und fast aller heiligen Dinge Vollendung, Alle’schön ge- ' schmükt (mit den. Astragalen spielend). Die meisten nun spielten im Vorhofe :draufsenz einige aber spielten geräde und ungerade in ei- nem Winkel des Auskleidegemachs, in grofser Menge immer die Astragalen aus den Körbchen ausschüttend. Um diese her standen Andere zu- sehend, deren einer dann auch Lysis war, wel=. cher bekränzt unter den Knaben und Jünglingen stand, ausgezeichnet vor Allen durch seine Ge- stalt, nicht etwa nur dafs er schön genannt zu werden verdiente, sondern schön und edel. Wir nun gingen abwärts,-und sezten uns gegen- über, denn dort war es ruhig, und redeten et= was mit einander, Lysis aber wendete sich häu- fig um, und sah nach uns hin, und hatte offen- bar grofses Verlangen sich zu uns zu gesellen, Nur dafs er damals bedenklich war und verle- gen, so’ allein heranzukommen; bis: hernach Menexenos währendes Spiels aus dem Vorhofe — 197 — hereinkam, und als er mich und den Ktesippos gewahr ward, herbeikam, um sich zu uns zu sezen. Diesem also folgte Lysis, sobald er ihn sah, und sezte sich ebenfalls zu uns neben dem Menexenos. Darauf nun traten auch die Andern herzu, und auch Hippothales, da er mehrere herumstehen sah, verstekte sich hinter diesen, und stellte sich wo er glaubte vom Lysis nicht gesehen zu werden, aus Furcht ihm zuwider . zu sein, und so ganz nahe bei hörte erzu. Ich also wendete mich zum Menexenos,; und sagte: Welcher von euch, o Sohn des Demophon, ist wohl der Aeltere? — Wir sind ungewils darü- ber, antwortete er. — Auch wohl darüber, sprach ich, könntet ihr streiten, * welcher’ der . Vornehmere wäre? — Allerdings. — Gewils auch welcher der Schönere, eben so? Da lach- ten sie beide, Keinesweges aber, sprach’ ich weiter, will ich fragen, welcher der Reichere ist von euch beiden, denn ihr seid ja-Freunde, nicht wahr? — Gar sehr, sagten sie. — Und Freunden ist ja alles gemein, wie man sagt. So dafs hierin keine Verschiedenheit statt finden "kann, .wenn ihr anders die Wahrheit sagt von der Freundschaft, — Das gaben sie zu. — Und hierauf war ich eben im Begriff zu fragen, wel- cher wohl der gerechtere und weisere wäre von ihnen. : Indem aber kam einer, dem Menexe- nos zu sagen, der Meister der Palästra riefe nach , . ihm ;. es’schien mir, als habe er die Opferschau. Dieser also ging weg; ich aber fragte den Lysis weiter, und sagte: Gewi/s, oLysis, lie- ben dich dein Vater und deine Mutter sehr? — Allerdings, sagte er. — Also wollen sie auch wohl dich. so glüklich machen als möglich? — ‚Wie sollten sie nicht? — Scheint ‚dir aber der glüklich zu sein, welcher Andern dient, und z — 188 — % | .- welcher nichts thun darf, wozu er Lust hat? — | Beim Zeus, mir nicht, sagte er. — Also wenn die Eltern dich lieben, und danach streben dafs | du glüklich werdest, so sorgen sie doch gewils | auf: alle Weise dafür, daß: du auch wirklich glüklich seist? — Wie sollten sie nicht? sagte er..— Sie lassen dich also thun, was du willst, z ‘ und schelten dich um nichts, EEE verbieten dir etwas zu thun, wozu du Lust hast? -—- Ja wohl, beim Zeus, verbieten sie mir, o Sokra- tes, und dasgar Vieles. — Wie sagst du? sprach ich, sie'wollen, dafs es dir wohl gehe, und ver- wehren dir doch zu thun was du willst? Sage | 2068 mir doch dieses. Wenn du Lust hättest, uf einem von des Vaters Wagen zu fahren, und die Zügel selbst zu führen, wenn der Wettlauf ge-_ , halten wird, würden sie dich nicht lassen, son- dern es dir verbieten? —' Gewils keinesweges würden sie mich lassen. — Aber wen denn? — Da ist ein Wagenführer, der bekommt seinen : Lohn vom Vater. —. Wie sagst du? und einem | A Miethling erlauben sie eher als dirzu thun was | er will mit den Pferden, und geben ihm eben, dafür auch nochGeld? — Aber wie sollte es an- ders sein? sprach er. — Doch das Mauleselge- De spann glaube ich immer werden sie dir erlauben zu regieren, und auch wenn du die Peitsche nehmen und sie schlagen wolltest, würden sie es zugeben. — Woher, sagte er, würden sie es zugeben? — Wie denn, sprach ich, ist es Nie- andan erlaubt, sie zuschlagen? — Ja freilich, ; - „sagte er, dem Mauleseltreiber. — Undistder ein Knecht oder ein Freier?" — Ein Kuschiomk \ Einen Knecht also, wie es scheint, achten sie höher als dich ihren Sohn, "und übergeben ihm das ihrige lieber als dir, und lassen ihn thun was er will, dir aber verwehren sie es? So sage mir denndieses, lassen sie dich wohl dich selbst re gieren, oder erlauben sie dir auch dieses nicht? =— Wie sollteri sie das doch erlauben! sagte er. — Sondern es regiert dich einer? — Hier der ‚Knabenführer, sprach er: — Ist der auch ein Knecht? — Was sonst? unserer nämlich: — Gewils, sagte ich, das ist arg; dafs dir einem Freien von einem Knechte befohlen wird! Was thut aber eigentlich dieser Knabenführer? wo= in hat er dır zu gebieten? — Er führt mich eben zum Lehrer. — Und gebieten dir diese ‚etwa nicht auch; die Lehrer? — Allerdings, ja. = Gar viele Herren und Gebieter sezt dir also dein Vater recht mit gutem Willen: Aber doch ‚wenn dü nach Hause kommst zur Mutter, läfst ‚diese dich, damit du ihr recht vergnügt seist, alles thun was du willst, es sei nun an der Wolle oder am Weberstuhl, wenn sie webt. Denn ge- wils, sie verbietet dir weder die Weberlade an- zurühren noch den Baum, noch irgend ein an- ‚deres von den Werkzeugen ihrer Arbeit, — Da "Jachte er und 3agte, beim Zeus, o Sokrates, nicht _ mur verbietet sie mirs, sondern ich würde gewils geschlagen, wenn ich etwas anrührte. — Hera- kles!; sagte ich, hast du auch nicht etwa den Vater beleidigt oder die Mutter? —— BeimZeus, sagte er, ich nicht. — Aber weshalb verwehren sie dir so 'mit Gewalt glüklich zu sein und zu thun was du willst, und lassen dich den ganzen - ‘Tag über immer unter Jemandes Befehlen, und mit einem Wort, fast gar nichts thun von dem, was du möchtest? So dafs, wie es scheint, dir weder aller dieser Reichthum etwas nuzt, denn Pro N jeder Andere hat ja mehr darüber zu gebieten als du, noch auch diese so vorzügliche Gestalt, denn auch deinen Körper hütet und pflegt ja ein Anderer: duaber, o Lysis, hast über nichts zu = a Ge Dh N ak —; T ’ 2 u % — 1900 — gebieten, und kannst nicht thun was du möch- test. — Ich habe eben, sprach er, noch nicht die Jahre dazu, o Bökzabes; — Das mag es wohl nicht sein, o Sohn des Demokrates, sagte ich, was dich Eee Denn dergleichen, glaube ich, ‚erlauben dir doch der Vater ‚sowühl als die Mut- ter, und warten nicht erst bis du die Jahre ha- best, zum Beispiel wenn sie etwas wollen vorge- jsien haben odet geschrieben, werden sie es, denke ich, dir eher auftragen als irgend Einem im Hause. Nicht so? — Zuverläfsig, sagte er. =— Und nicht wahr, hier steht es dir frei, wel- chen Buchstaben du willst, zuerst zu schreiben und zum zweiten; und eben so beim Lesen ; und wenn du deine Lyra nimmst, glaube ich, 'weh- ren dir weder Vater noch Mutter, welche Saite du willst, höher zu spannen und loszulassen, und mit dem Finger zu kneipen oder mit dem Plektron zu schlagen. Oder hindern sie dich? — Ganz und gar nicht. — Was mag also nur, o Lysis, die Ursach sein, dafs sie dir hier nicht wehren, wohl aber in dem, was wir vorher sag-' ten? — Ich glaube, sprach er, weil ich dieses verstehe, jenes aber nicht. — Sehr gut, ant- wortete ich, Bester! Nicht also deine Jahre er- wartet dein Vater,‘ um dir alles zu überlassen, sondern an welchem Tage er dafür halten wird, du habest bessere Einsichten als er, an dem wird er dir sich selbst und alles das Seinige überlassen. — Das glaube ich selbst, sagte er. — Und wie deinNachbar? sezt er sich nicht dieselben Gren-. zen in Ansehung deiner wie dein Vater? Glaubst du, er werde = sein ganzes Hauswesen zu ver- walten überlassen, ob er dafür hält, du ver- stehest die Haushaltungskunist besser ale er, oder .er werde ihm dann noch selbst vor wol» len? — Er werde es mir überlassen, glaube ., ug — ich. — Und wie die Athener? glaubst du, ‚sie werden dir nicht ihre Angelegenheiten "übergeben, wenn sie merken, dafs du Klugheit genug besizest? — Ich glaube es. — Und beim Zeus, fuhr ich fort, wiewohl der grofse Kö- nig? ob er wohl äh ältesten Balın, auf den die Regierung von Asien kommt, wenn Fleisch gekocht wird eher erlauben wird alles in die Brühe zu werfen, was er. nur hineinwerfen will, als uns, wenn wir nämlich zu ihm kämen, und. ihm zeigten, dafs wir. uns besser verstän- den als sein Sohn auf die Zubereitung der Speisen? — Uns offenbar, sagte er. — Und jenen zwar. würde er auch nicht das mindeste hineinwerfen lassen, ‚uns aber, wollten wir auch ganze Hände voll Salz nehmen, lielse er. doch hineinwerfen. — Wie,sollte er nicht? — Wie aber wenn sein Sohn an den Augen litte, liefs er ihn wohl an seinen eignen’ Augen etwas thun, wenn er ihn für keinen Arzt hält, oder werböte er esihm? — Er verböte es gewils. — Uns aber, wenn er uns für Arzeneikundige hielte, wollten wir ihm auch die Augen aufrei- [sen und mit Asche einstreuen, würde er doch, glaube ich, nicht wehren, wenn er meinte, fs wir’es gründlich verständen. — Du hast Recht. — Würde er nicht auch alles andere eher uns überlassen als sich und seinem Sohne, worin nämlich wir ihm weiser zu sein schienen als sie beide? — Nothwendig, 0 Sokrates. — Soiverhält es sich also, lieber Lysis, sagte ich. Darüber, wovon wir uns richtige tünsiohren erworben, wird Jedermann uns schalten lassen, Hellenen und Ausländer, Männer wie Frauen; wir werden damit thun was wir nur wollen, und Niemand wird uns gern hindern, sondern wir für uns werden ganz frei. sein hierin, und 210 1} — 19 EN auch gebietend über Andere, und dieses wind; in der That das unsrige sein, denn wir werden ‘ Genufs davon haben. Wovon wir aber. keinen. Verstand erlangt haben, damit wird uns Nie- ımand verstatten zu thun was uns gut dün af sondern Alle werden’ uns hinderlich sein soviel, sie können, nicht die Fremden allein, sondern’ “Vater und Mutter, und wenn uns Jemand noeh näher verwandt sein könnte als sie, Vielmehr werden wir selbst was diese Dinge betrifft An- dem folgsam sein, und sie werden uns also fremd sein, denn wir werden keinen Genufs von ihnen haben. : Räumst du ein, dafs es sich So verhalte? — Ich räume es ein. — Werden wir also Jemanden lieb sein, und wird uns Jemand lieben in Hinsicht auf dasjenige, wozu wir un- müz sind? — Nicht füglich, sagte er. — Jezt also liebt weder dich dein Vater noch sonst Je- mand Jemanden in sofern er unbrauchbar ist. — Es ist nicht zu glauben, sagte er. — Wenn du aber werständig wirst, o Sohn, dann werden Alle dir freund und Alle dir angehörig; sein: denn du wirst brauchbar sein und gut, Wenn aber nicht: so wird weder irgend ein Anderer dir freund sein, noch: selbst dein Vater, oder deine Mutter, oder deine Verwandten. Istes also wohl möglich, oLysis, sich damit viel zu wissen, worin man noch nichts weils? — Und wie könnte man, sagte er. — Wenn also du noch des Lehrers bedarfst, weifst‘ du . noch nicht? — Richtig, — Also weifst du dich auch nicht viel sofern du noch ünwissend bist. — Wahrlich, o Sokrates, sagte er, ich zlauhe auch nicht, Als ich dies von un hörte, sah Ai ‚mich um nach dem ‚Hippothales, und beinahe hätte ich much verredet. Denn ich war -schon im Be- griff ” t - a 135 — e F griff ihm zu sagen: So, o Hippothales, muß; man mit dem Liebling, reden, ihn demütlnigend "und zur Ordnung bringend, nicht aber ihn auf-. -blähend' und Berwöhnend. Da ich ihm aber ansah, wie er ganz in Angst und Verwirrung ” war über das esagte, erinnerte ich mich, dafs er schon wie er sich hinstellte dem Lysis wollte verborgen bleiben. Also begriff ich mich wieder, und hielt mit der Rede an mich, und darüber kam auch Menexenos zurük, und sezte sich streben den Lysis, von welchem Plaz er auf- > [4 gestanden war. Lysis nun, sehr kindlich und aıı freundlich,. sagte mir ganz.leise redend heim- lich von dem Menexenos. Was du mir gesagt hast, oSokrates, das sage doch auch dem Me- nexenos. — Ich antwortete: Dieses kannst du» ‚ihm sagen, o Lysis, denn du hast sehr genau "Achtung gegeben. — ‚Das freilich, sagte er. — Versuche also, sprach ich, es dir so viel mög- lich aus dem Gedächinisse herzustellen, damit du ihm Alles genau sagen kannst: solltest du ‚aber etwas davon vergessen haben , so frage ‚ mich wieder, sobald du mich nur antriffst.: — Wohl, sagte er, so will ich es machen, o 50- krates, aufs allergenauste, verlasse dich darauf, Aber sage ihm etwas anderes, damit ich auch zuhören: kann, bis es Zeit ist nach Hause zu ge- hen. — Ja, das muls ich wohl thun, sprac ich, da du‘ zumal es wünschest. Aber sieh atich zu, wie du mir helfen willst, wenn: Me- mexenos darauf ausgeht mich zu "widerlegen. Oder weilst du nicht, dafs er sehr streitbar ist? — Ja, beim Zeus, sagte er, gewaltig. Des- &r Hall, ‘eben will ich dafs du dich mit ihm unter- . "redest: : — "So, sprach ich, damit ich mich lächerlich mache? — Nein; beim Zeus, son- re Plat. W. I. Th. I. Bd. [15] .. ” N — 194 —_—— dern damit'dn ihn etwas demüthigest. — Wos her? sprach ich, das ist nicht leicht.‘ Denn er ist ein gewaltiger Mensch, ein Schüler des Kte= \. sippos; und da ist auch er selbst der Ktesippos, sie st ci ihn nicht? ihm zur Seite. — Küm- mere du dich um nichts, o Sokrates, sagte er, sondern hurtig rede mit ihm. — So will ich ‘denn anfangen, sprach ich. — Indem wir (die- . sesnoch unter einander redeten, fing Ktesippos an: Ihr da, ‘was thut ihr euch da gütlich allein, wovon ihr uns nichts mittheilen wollt? — Al- lerdings , sagte ich, wollen wir mittheilen. Dieser nämlich versteht etwas nicht, ‘was ıch sege, meint aber Menexenos werde es wissen, und treibt mich an, diesen zu fragen. — Warum also fragst du ihn nicht? sagte Ktesippos. — Eben will ich es thun ‚ sprach ich, Sage mir also, o Menexenos, was ich dich fragen werde. Ich.trage nämlich von Kindheit an großs Verlangen nach einer Sache, wie denn Jeder die seinige hat, ‚Denn einer hat grofse Lust daran Pferde zu haben, einer Hunde. ’ ‚einer Geld, einer Ehre. Ich aber bin gegen alle diese Dinge ziemlich gleichgültig, dagegen aber auf den Besiz von Freunden ganz leidenschaft-« Br | lich, ‘und einen ‚guten Freund 'zu haben wäre ınir lieben als die beste Wachtel oder der beste Hahn von der Welt; ja, beim Zeus, lieber als ein Pferd oder ein Händ; und ich glaube beim Hunde, ich würde allem Golde Med Dareios bei weitem'den Besiz seines Freundes’ vorziehn, weit mehr noch als Dareios selbst; so sehr bin ‚ich ein Liebhaber von Freunden. ' Indem ich nun euch sehe, dich und den Lysis, bin ich e® - staunt und preise euch glüklich, dafs. euch so jung schon gelungen ist dieses Besizthum schnell 3 ee ee und leicht zu erwerben, und du dir diesen so ‚sehr zum Freunde erworben hast bald und ge- wifs, und dieser wiederum dich. Ich aber bin so weit entfernt von solchem Besiz, dafs ich nicht einmal’dieses weils, auf welche Art einer ‘ des andern Freund wird, sondern eben dieses von dir,erfragen will, als einem’ der Sache er- fahrnen. Sage mir also, .wenn einer einen liebt, welcher wird des,andern Freund, der Liebende des Geliebten, oder der Geliebte des Liebenden? .oder macht das keinen Unter- schied? — Mir wenigstens, sagt er, scheint ‚es keinen Unterschied zu machen. — ' Wie sagst du? sprach ich! beide also werden einander *. "Freund, wenn auch ‚nur der.eine den andern | liebt? — Mir wenigstens, sagt er, dünkt es so. — Wie doch? geschieht es wichtl dafs der ' Liebende nicht wieder geliebt wird von dem den er liebt? — Es geschieht. — Und wie? ‚geschieht es auch, dafs der Liebende gehafst j wird? welches bisweilen die Liebhaber glau- , | ben von ihren Lieblingen zu erleiden. Denn Eror von denen, welche ihrerseits lieben so‘ ' sehr es nur irgend möglich ist, meinen doch N A ige, dafs sie nicht wıeder geliebt, Andere gar, dafs sie gehalst werden. - Oder dünkt dich 11% dieses nicht wahr zu sein? — Sehr wahr, sagte 4 - er. — In solchem Falle also, sprach ich, liebt _ i Lin en Eine, der Andere wird geliebt? — Ja. "— Welcher also von ihnen ist des Andern u) VEskund? der Liebende des Geliebten, mag er % nun wieder geliebt werden oder gehafst? oder 4 der Geliebte des Liebenden? Oder ist im Gegen- theil keiner von beiden in diesem Falle des An- 1% dem Freund, wenn nicht beide einander leben? — Es hat wohl das Ansehen, als verhielte es ’ 2 A: ; rn . = u. er? ee 2 ro. R w. 4 v = m—_ sich aufdie PR Art. — Anders also scheint es “uns jezt als es vorher schien. Damals nämlich, dafs wenn auch nur derEine liebt, beideFreunde "wären; jezt aher, ‘dafs wenn nicht beide einan- xler lieben, keiner des Anderen Freund ist. — So "kommt es heraus, sagte er. — Also ist auch das Tiebende nur dem Freud; von dem es wieder geliebt wird, und keinem Ardern ? ® — Es scheint EER, — Also sigd auch die nicht Pferde- - freunde, welche von den Pferden nicht wieder eliebt werden, noch auch Weachtelfreunde, noch Hundefreunde, noch Weinfreunde, noch Freunde der Leibesübungen, noch Freunde der ‚Weisheit die, welche die Weisheit nicht wieder- ' liebt? Oder lebt zwar Jeder von diesen-seinen Gegenstand, ist ihm aber doch nicht freund, | sondern der Dichter hat unrichtig gesprochen, j welcher sagt: Reich, wer, ae er freundist, Kinder und muthige Pferde, Hunde zur Jagd, [ Gastfreund’ auch in enden Ferne besizt? — Nicht so scheint es mir. — ‘Sondern richtig dünkt er dich zureden? — Ja. — Der Liebendeiist also » allerdings dem Geliebten freund, wie es scheint, _ ner 0 Menexenos, dieses mag ihn nun lieben WARE hassen. ‚So wie auch den Kindern, theils den ai ganz jungen, welche noch nicht lieben, theils auch denen, welche hässen, wenn sie: ebenvon ‚der Mutter oda dem Vater gezüchtiget worden, ı;. dennoch selbst in dieser Zeit, wenn sie hassen, ae Eltern über Alles in der Welt freund sind. —' Mir, sagte er, scheint es so zu sein. — Nicht also der Geliebte ist Freund nach dieser yA Rede,- sondern der Liebende. — Das ist deut- - lich. — Also ist auch der Hassende feind, nicht - der Gehafste? —— So scheintes. —- Vielealso lieben die, welche ihnen feind sind, und hassen ar x x g Y ” B 1 1 ee) “+ j ’ r 2 x Rn: er IE F dagegen die, welche inch freund sind, und. 4 ‘sind also den Feinden, freund und dagegen den 5 Freunden feind, ‘wenn nämlich der Liebende t ' Freund ist, und nicht der Geliebte?. Dieses aber ist doch grolse Unvernunft, lieber Freund, odex vielmehr, glaube, ich, gar unmöglich, dem E87: Feinde freund sein and dem Bieunde feind? — f e "Sehr recht, sagte-er, hast. du offenbar, o So- E - krates, — "Also wenn dieses unmöglich ist, sa - wäre wohl der Geliebte dem Liebenden freund? -- Das leuchtet ein. — Also auch der Gehafste dem ‚Hassenden feind? — Nothwendig, — Wird, aber nicht so herauskommen , dafs wir nothwen- dig ‚dasselbe zugeben müssen, wie bei dem Vo- ‚rigen, dafs oft einer freund ist dem “der ihm "nicht ‚freund ist, oft auch dem, der ihm feind, r ist, wenn Jemand liebt was ihn nicht liebt, oder = “ihn wohl gar hafst; dafs auch oft einer feind ist dem der ıhm nicht feind ist, sondern wohl gar ‚freund, wenn Jemand halst, was ihn nicht halst, ‚oder wohl gar hafst was ihn liebt? — So scheint es zu werden, sagte er. — Was also sollen wir machen, ‚sprach Be wenn weder die Lieben- en sein er. noch.auch die Gelieb- jebten, sondern wir von Andern aufser die= "sen behaupten sollen, dafs sie einander werden reunde sein? — Beim Zeus, sagte er, 0 50- Wir auch etwa, sprach ich, o Menexenos, un- ere. Untersuchung überall unrichtig angelegt? o. dünkt es mich wohl, ‘0 Sokrätes, sagte sc üpft zu sein, indem er mit ‚ganzer Seele rates, ich weils gar keinen Rath. — Haben, s, und kaum dafs er es ausgesprochen, so, ete, er. Daher schien es ihm wider. Willen: u; noch auch nur die zugleich Liebenden und sprochenen uachdachte. ' Denn 'grofse - 2ER Zu LEN Gh 198 ER Aufmerksamkeit war ihm anzusehn, wie er zuhörte. ; > Ich also, theils weil ich den Mienexenas ausruhen wollte, theils auch in der Freude über Jenes Nachdenklichkeit, wechselte um, und die Rede an den Lysis riöhtend sagte ich: O Lysis, du scheinst mir richtig zu sprechen, denn wenn wir unsere Untersuchung recht angelegt hätten, so würden wir schwerlich so in dielrre gerathen sein. Hier also lafs uns nicht weiter gehen, denn man sieht,. sie ist wie ein schlimmer Weg diese Untersuchung; sondern wo wir abgelenkt haben, da, glaube ich, müssen wir mailen gehn, und Hash den Dichten untersuchen. Denn diese sind doch gleichsam unsere Väter und Führer in der Weisheit, Sie reden aber so, dafs sie sich wahrlich nicht schlecht erklären über Freunde, wer sie.sind, indem sie sagen, der Gott selbst führe sie einander zu, und "mache sie zu Freun- 214 den. Es lautet aber dieses bei ihnen woich nicht Irre so: Wie doch stets den Gleichen ein Gott gesellet zum Gleichen, und sie bekannt rn. Oder ist dir dieser Vers niemals vorgekommen? — Mir wohl, sagteer. — Auch wohl Schrift ten sehr weiser Männer sind dir vorgekommen, welche dasselbe sagen, dafs das Aehnliche dem Aehnlichen nathwendig immer freund sei. Und dies sınd die, weiche von der Natur und dem All reden und schreiben. — Richtig, sagte er. _ Sprechen sie also wahr? — Vielleicht, sagte ! er. — Vielleicht, sprach ich, zur Hälfte, viel- leicht auch ganz, und wir verstehen es nur nicht. Denn uns scheinttder Böse dem Bösen, je näher er ihm kommt, und je genauer er. mit ıhm umgeht, um desto mehr feind werden z müssen, Denn er beleidigt; die BEE "a & ak. .— 19 — aber und Beleidigten können unmöglich Freunde .. $ein. " Nicht so® — Gewils, sagte er. — Auf diese Art also wäre von dem Gesagten die Hälfte 3 nicht wahr, ‘wenn doch die Bösen: einander auch ähnlich sind. — Du hast Recht, — Aber . mich dünkt,' sie wollen nur von den Guten sa- gen, dafs sie einander ähnlich sind und freund; wird, wären niemals nicht einmal sich selbst \ #hialich,, ‚sondern veränderlich und unstätt. Was aber sich selbst unähnlich i ist, und mit) sich selbst in Zwiespalt, damit hat es gute Wege, dafs es “jemals sollte einem andern ähnlich werden und freund. Oder meinst du nicht auch so? —. Ich allerdings, sagte er. — Dieses also, o Freand, i wollen jene, wie mich dünke, andeuten, wel- Ne che sagen das Achnliche! sei dem Aehnlichen freund, dafs nämlich nur der Gute und nnr dem Guten Waried ist, der Böse aber niemals weder die Bösen aber, wras ja auch von ihnen gesagt: mit dem Guten noch‘mit dem Bösen zu einer _ wahren Freundschaft gelangt., Stimmst du mit sein? — Er bejahete es. — Das also hätten wir ' nun,‘ welche Menschenfreunde sind; ‚denn der 1; ezlanf der Rede zeigt ganz deutlich a es sind IE: er Kate gut sind. — So, sagte er, scheint 1.3 allerdings. — Auch mir, sprach ich ; wiewohl re verdriefst mich daran. : Komm alaok and ; um Zeus willen, lafs uns betrachten was ich R gie glaube. Ist der Aehnliche dem Aehnl- wohl ein solcher einem solchen nüzlich? Oder E: vielmehr so: jedes Achnliche, welchen Nuzen . kann es dem Aehnlichen wohl bringen? oder k Br? "welchen Schaden könnte es ihm zufügen, den _ es nicht auch sich selbst thäte? öder überhaupt, was ihm anthun, was nicht, auch jedes sich selbst en, sofern er ähnlich ist, freund; und ist . 215 - freund, wohl aber könnte der Gute dem Guten, ‘ x — 20 — anthun könnte? Solche Dinge also, , wie kön ' nen sie Anhänglichkeit an einander hahen, da - sie einander gar keine Hülfe gewähren? Kann es irgendwie sein? — "Es kann gar nicht sein — Aber ohne Anhänglichkeit, wıe kann etwas freund sein? — Aufkeine Weise. — Sonach ist der. Aehnliche zwar dem Aehnlichen nicht sofern er gut, nicht sofern er ähnlich ist, freund sein? — Vielleicht. — Wie aber? wird nicht der Gute, in wiefern er. gut ist, in sofern auch sich selbst genügen? — Ja. — Der aber sich‘ selbst genügt bedarf keines Andem, soweit die- ses Genügen geht? — Wie sollte &2. Dei aber keines bedarf, wird auch keinem anhäm gen? — Freilich nicht. — ‚Der aber keinem anhängt, wird auch keinen lieben? — Nicht .. füglich. —— Und der nicht liebt, ist doch wchl m Freund? — 'Nein, offenbar. — Wie also“ können uns nur überall Gute mit Guten freund werden, „welche weder in der Ab- wesenheit sich nach einander sehnen, - denn sie genügen Jeder sich selbst auch ein zeln, noch auch vereinigt irgend Nuzen von einander haben? Wie ist zu bewerkstelligen, däfs solche einander sehr werth seien? — Auf keine Art, sagte er. — Freunde aber können sie . doch nicht sein, wenn sie einander nicht sche. werth sind, — Das ist richtig. — Sieh also: ‚o Lysis, wie wir geschnellt werden! Werden wir.auch nicht vielleicht um ein Ganzes dabei. betrogen? — Wie so, Sy“ 'ach er. — Ich habe schon irgendwann einen ‘sagen gehört, und er: ‚Intters. mach dessen i izo, dafs das Aehnliche dm Aehnlichen, also auch der Gute dem Guten ai = ' meisten. feind wäre. Ja auch den ae Bu Ba — 201 — führte er zum Zeugen an, sagend, dafs ja auch ein Tapferer ist feind dem Andern, Sängern die "Sänger, Bettlern. der Bettler sogar, a von "allem andern zeigte er auf gleiche Weise, dals. "nothwendig das "Acbültehite am meisten mit. Neide, Streit und Feindschaft gegen einander erfüllt sein müsse, das Unähnlichste aber mit -Freundschaft. . Denn dem Reichen sei der Arme genöthiget Freund zu sein, und dem Starken der Schwache des Beistandes wegen, und dem - Arzt der Kranke, und in allen Dingen müsse dem Entgegengesezten. am meisten der Unkundige sich anhängen an den Kundigen | nundihn heben. Ja auch noch weiter führte er den Saz aus in einem höheren Sinne behaup- tend, dafs weit gefehlt das Aehnliche sei dem Aehnlichen freund, vielmehr das Gegentheil hieyon sich zeige, und das re Br eund sei Denn dessen begehre ein Jedes, nicht aber deg Aehnlichen,,' Ban Trokne nämlich des Feuchten, das Kalte ‚des Warmen, das Bittre des Süfsen, das Scharfe des Stumpfen, das Leere der Erfül, "lung und das Volle der Ausleerung, und so alles _ * Andere auf dieselbige Weise. Denn jedes Ge- gentheil sei Nahrung für sein Gegentheil, von dem Ach ichen aber habe das Aehnliche gar mich em stattlicher Mann zu sein, de dieses sagte; er sprach auch sehr gut. Euch aber, ‚sprach ich, wie gefällt seine Rede? — Sehr gut, sagte Menexenos, soviel man so hören kann. — Wollen wir älso annehmen » ‚dals' jedem ‚sein Entgegengeseztes auch am meisten freund : ist? — Das wollen wir. — Wohl sprach ich, ist es auch nicht ungereimt, Menexenos? und ee nicht voller Freuden sogleich die hoch- % keinen GeMüfs. Und zwar, 0 Freund, dünkte s16 n 363.55 weisen streitkundigen Männer auf uns Jessfoph { sprungen kommen, und uns fragen, ob nicht der stärkste Gegensaz zur ‘Feindschaft die Freundschaft wäre? Was ist diesen zu antwor- ten? Oder müssen wir nicht nothwendig zuge- ben, es sei wahr was sie sagen? — Nothwen- dig. — Istalso, werden Sie sagen, Feindschaft der Freundschaft freund, oder Freundschaft der Feindschaft? — Keines von beiden, sprach er. — Aber doch das Recht dem Unrecht, oder das Besonnene dem Unbändigen, oder das Gute dem . Bösen? — Mir scheint es ich sich so zu ver- halten. — Dennoch aber, sagte ich, wenn der ‚Entgegensezung wegen eins dem andern freund wird, müssen auch diese freund sein. — Noth- wendig. — Weder also ist das Aehnliche dem Aehnlichen freund 'noch das Entgegengesezte dem Entgegengesezten. — Es läfst sich nicht soan. — Lafs uns aber auch dieses noch sehen, damit wir uns nicht noch mehr irren über die Freundschaft, indem sie etwa auf nichts von dem allen beruht, sondern etwa nur das weder gut noch böse bisweilen so den Guten freund wird. — Wie, sagte er, meinst du dies? — Ja,' beim Zeus, sprach ich, ich weils es selbst nicht, RN ich bin in der That ganz _ schwindlich von der Verwirrung ‘der Sache; und so wird wohl am Ende RT dem alten Sprichwort das Schöne: das Liebe sein. Wenig- stens läfst dieses sich an wie etwas gar weiches, lattes, schlüpfriges. . Darum auch vielleicht entschlüpft es uns so leicht und entkommi uns, weil es so geartet ist. Ich meihe nämlich das Gute seischön. Meinst du nicht auch? — Ich u ebenfalls. — Ich “meine also nur gleichsam wahrsagend, dafs dem Sehönen und Guten das f "Li 222.22 1# By PERF 205 — ich dieses wahrsage, das höre. — Ich denke mir nämlich dieses als drei verschiedene Gättun- ‚gen, erst das Gute, dann das Böse, dann das weder gut noch böse. Wie du? — Auch ich, sagte er. — Und dafs weder das Gute dem Gu- ten, noch auch das Böse dem Bösen, noch auch das Gute dem Bösen freund ist, wie auch das bisher Gesagte nicht zuläfst. Also bleibt nur eines übrig, wenn. nämlich etwas einem freund sein soll, dafs das weder gut noch böse freund sein bar entweder dem Gun oder dem ihm selbst gleichen. Denn dem Bösen kann doch nichts freund sein. — Richtig. — Aber auch nicht das Aehnliche dem Aehnlichen,, sag- ten wir vorhin. Nicht wahr? — Ja. — Ako weder gut noch böse freund ist. Weshalb aber kann auch nicht dem weder gut noch bösen dasjenige freund sein, was eben so ist? — Nein "wie man sieht. — Es folgt also, ‚dafs nur das weder gut noch böse nur dem Guten kann freund werden. — Nothwendig, wie es das Ansehn hat. — Wird uns aber auch, sagte ich, ihr Kinder, das jezt gesagte richtig führen ? Wenn wir zum Beispiel betrachten wollenjden ‚esunden Leib, der bedarf weder der Arznei- kunst noch sonst einer Hülfsleistung; denn er at sich selbst genug, so dafs Kein“ Gesunder ‘ einem Arzte freund wird der Gesundheit wegen. Nicht‘ wahr? — Keiner. — Aber der Kranke, , ‚glaube ich, der Krankheit wegen? — Wie sollte er Koh? Und dieKrankheit ist doch ein Uebel, ‚die Arzneikunst aber etwas Hülfreiches und Gutes? — Ja. — Der Leib aber ist doch sofern er Leib ist weder gut noch böse? — Sa | — u ER artemgeiaieuie sr — en erben, der Arzneikunde anzuhängen und ist es. — Genöthiget aber wird der Leib durch. „217: er 204, Ser sie zu lieben? — So scheint es mir. — Das weder bös noch gute also wird freund des Guten weil es behaftet ist mit einem Bösen? — So folgt es. — Offenbar aber doch ehe es noch durch das ihm anhaftende Böse selbst böse ge- ‚worden ist. Denn es kann noch nicht böse ge- worden sein, wenn. es noch .des Guten begehrt. und ihm freund ist; denn unmöglich, so be- haupten wir, kann das Böse dem Güten freund sein. — Es ist auch unmöglich. —. So erwäget - denn, was ich sage. Ich sage nämlich dafs einige Dinge zwar selbst auch so sind wie das Bine was ihnen anhaftet, andere aber nieht.: Wie wenn Jemand mit irgend einer Farbe etwas bes streicht, so haftet doch auf dem Bestrichenen das Aufgestrichene. — Allerdings. —. Ist,aber dann auch. das Bestrichene der Farbe nach so wie das darauf befindliche? — Ich verstehe, nicht, sagte er. — Aber doch so, sprach ich. Wenn Jemand deine goldfarbigen Haare mit Bleiweils bestriche, wären sie dann wohlweiß, _ oder schienen sie nur so? — Sie schienen aur. — Doch aber haftete an ihnen. die Weilse, — Ja. —- Nichts desto weniger aber wären ie. doch nicht weils, sondern ohnerachtet der an- haftenden Weilse weder weils noch schwarz. — Füchtig. — Wenn aber, o Freund, das Alter ihnen diese F arbe mitgetheilt hat, denn sind sie geworden wie das ihsch anhaftenden weils näm- lich wegen des Anhaftens der Weilse. — Wie könnte es anders sein? — Hiernach also fragte BR ich dich eben izt, .ob das, worauf etwashafte, . re immer. so ist wie ‚das daran haftende? -oder ob ur nur wenn es auf eine gewisse Weise daran haftet; | jenes eben so sein wird, wenn aber andersdann nicht? — Das lezte also, sagteer. — Auch y re — 205 ,— Bere das"weder gut noch böse ist also bisweilen bei _ daran haftendem Bösen noch nicht böse, in andern Fällen aber ist es schon zu einem sol- 0 sehen geworden: =- Allerdings. — Also wenn es noch nicht böse ist ohnerächtet des daran haf- ' enden, Bösen, so erregt eben dieses Anhaften ihm ein’ Verlangen nach dem Guten; ein böse- machendes Anhaften äber beraubt es vielmehr ‚dieses Verlangens sowohl als auch der Freund- schaft zum Suteh, Denn nun ist es kein weder gut noch böses mehr, sondern ein Böses, und das Böse war dem Guten nicht freund. — Frei- 218 lich nicht. — Dem gemäfs könnten wir daher auch sagen, dafs die schon Weisen nicht mehr: ‚der Weisheit freund-sind, seien dies nun Götter oder Menschen, noch auch diejenigen ihr freund sind, welche den Unverstand so an sich haben dafs sie böse sind; denn kein Böser und nen rbarer ist der Weisheit freund. Uebrig “also bleiben diejenigen , welche jenes Uebel ‘zwar haben, den Unverstand, noch nicht aber dadurch unverständig und unbelehrbir ‚gewor- ‚den, ‚sondern noch der Meinung sind, sie wüßs- ten das nicht, was sie wirklich nicht wissen. „ Daher auch nur diejenigen philosophiren,- wel- —o,, er rg be u % SET. aber philosophiren nicht, noch auch die Guten. “ Denn weder das Entgegengesezte war dem Ent-, ren 5 ee (6: noch das Aehnliche dem ichen, wie sich gezeigt hatte in unsern vorigen Reden. Oder erinnert ihr euch nicht? — Sehr gut, sagten sie. — R © Haben wir also nun, sprach ich, o Lysis. ER Menexenos, ganz sicher ausgefunden was eund ist und was nicht? Wir behaupten näm- ich sowohl in Betreff der Seele als des Leibes IR x h: "ehe noch weder gut noch böse sind, alle Bösen . tn e - z TR ST -——- 206: — ' and überall sei nur das weder gut noch böse wegen Anhaftung eines Bösen freund dem Gu- » ten. — Auf alle-Weise wollten sie behaupten und einräumen dafs es sich so verhalte. — Und: auch ich selbst freute mich sehr, wie-ein Jäger froh ist, wenn er endlich bekommen hat, was er auf der. Spur. hatte. Hernach aber kam mir, ich weils nicht woher, der seltsamste Verdacht, dafs wohl Alles nicht wahr wäre, was wir zusammen ausgefunden hatten. Und sehr verdriefslich sagte ich: O weh, Lysis und Menexenos, wir ‘werden wohl nur im . Traume den Schaz gehoben haben. — Was ist wieder, fragte Menexenos? — Ich fürchte, sprach ich, wie es prahlerische Menschen giebt, so mögen auch von cben der Art die Gedanken über die Freundschaft sein, auf wel- che wir gekommen sind. — Woher? fragte er. — Lafs es uns so betrachten, sprach ich. Wer freund ist, ist der Jemanden freund oder ‘ nicht? — Nothwendig, sagte er. — Und um keines Endzweks willen, . auch keiner Ursach wegen? oder wegen etwas und um etwas wil- len? — Um etwas und wegen etwas. — Ister nun auch dieser Sache freund, um derentwillen er der andern freund ist, oder ist er ihr weder freund noch feind? — Ich folge dir nicht recht, ‚sagte er. — Kein Wunder, sprach ich. Aber so wirst vielleicht du besser folgen, und ich bes- ser wissen wasich meine. Der Kranke, sagten wir eben, ist‘dem Arzt freund. Nicht wahr? © — Ja. — Und zwar der Krankheit wegen um der Gesundheit willen ist er dem Arzte freund? — Ja. — Die Krankheit aber ist etwas böses? — Wie sollte sie nicht? — Die Gesundheit aber, ist die gut oder böse? oder keines von beiden? # ' vr“ I ” 207 — = Gut, sprach er. — Wir sagten ao wie es scheint, der Leib, weder gut noch böse, wäre wegen der Kräukhest; das heifst etwas bägeisk der Arzneikunst freund. _ Die Arzneikunst aber ‚ ist etwas gutes; und um der Gesundheit willen empfängt die Arzneikunst die Freundschaft; die Gesundheit aber ist gut. Nicht so — Ja; _— . Ist er aber der Gesundheit freund oder nicht freund? — Freund. — Der Krankheit aber feind? — Allerdings. — Das weder hös und gute also ist wegen des Bösen und Verhafsten dem Güten freund; um eines Guten willen, dem es freund ist? — So zeist essich — F reund ist man also dem man freund ist um etwas willen, dem man freund ist wegen etwas dem man feind ist. — So sieht es aus. — Gut, sprach ich. Da wir nun hier angekommen sind, Kinder, so lafst uns wohl Acht geben, dafs wir nicht betro- gen werden. Denn dafs nun Freund dem Freunde freund geworden ist, lasse ich gehn, obgleich ‚so das Aehnliche dem Aehnlichen freund wird, welches wir für unmöglich erklärt haben. Die- 'ses aber lafst uns wenigstens erwägen, damit nicht das jezt angenommene uns betrüge. Der ; Arzneikunst, sagten wir, ist man Freund um der Gesundheit niriklen ? — Ja. — Also ist man auch - der'Gesundheit freund? — Allerdings. — Wenn ' aber, so ist man es um etwas. willen? — Ja. — Und zwar um etwas willen dem man freund ist, wenn auch dies dem vorhin angenommenen fol- "gen soll. . — Allerdings. — Also auch jenem "wird man freund sein um eines Andern willen, dem man freund ist? — Ja. — Müssen wir also nicht müde werden, so umher zu gehen, und bei einem Anfange ankommen, der nicht wieder auf eine andere Freundschaft surükführt, son- 219 _— 108 .» dem aufjenes selbst geht, dem wir zuerst freund sind, allem andern aber nur um seinetwillen ‘freund zu sein gestehen? — Nothwendig. — Dies ist es nun eben, was ich sage, ob nicht al- ‚les dasjenige, dem wir um jenes willen freund zu sein bekennen, uns’betrügt, indem dies nur gleichsam Schattenbilder von Freundschaft sind, > eigentlich aber nur jenes erste, das ist, mit dem wahre Freundschaft st tel findet. Wir wollen es & so überlegen: Woraüs Te mand sehr viel macht, ‚wie der Vater aus dem Sohne pflegt, ‘das zieht - er allen anidern Dingen vor. Kann nun nicht ein solcher, eben deshalb,. weil ihm der Sohn-über \ Alles geht, sich auch aus etwas Anderem sehr N; vielmachen? Etwa wenn er gewahr würde, Je- [53 ner thabe- Schierling getrunken, würde er sich - dann nicht sehr viel aus Wein machen, indem er glaubte, dieser könne den Sohn Fetten Was. wird er nicht? sagte er. — Ja auch aus dem Gefäfs, worin der Ww ein wäre? — Auch wohl. —. Achtet er aber deshalb keines von beiden hö- her, den thönernen Beeher oder seinen Sohn ? die drei Maafs Wein oder seinen Sohn? Oder verhält.es sich nicht vielmehr so. Alle solche ‘Sorgfalt geht eigentlich gar nicht auf dasjenige, was um eines Anllern willen herbeigeschaflt wird. \ sondern auf jenes, um deswillen das Andere al- 220 les herbeigeschafft wird. . Wenn gleich wir öf- - ters sagen, wir machen uns viel aus Gold und Sil- ber, so ist das demohnerachtet in der That nicht so; sondern woraus wir uns viel machen, das istjenes, was es nun eben sei, um dessentwillen wir das.Gold und alles andere Erworbink erwer- ben. Wollen wir dies behaupten? — Aller- . dings, — Also auch von dem Freunde gilt das | "selbe? Denn wovon wir sagen, dafs wir ir ihm 3) S E r . n — 209 — um eines Andern willen freund sind, das schei- nen wir nur mit einem fremden Namen zu be- zeichnen; in der That aber mögen wir wohl nur jenem Eadländ sein, in welchem alle diese soge- nannte Freundschaften endigen. — So wird es sich wohl verhalten, sagte er. — Dem also, welchem wir in Wahrheit freund sind, sind wir es nicht' um eines Andern willen, dem wir auch freund wären? — Richtig. — Dieses also ist abgemacht, wem wir freund sind, sind wir es nicht um eines Andern willen, dem wir es auch sind. Aber sind wir wohl dem Guten freund? — Mich dünkt es. — Wird also wegen des Bösen . das Gute geliebt, und es verhält sich so: wenn von jenpn.drei eben erwähnten Gattungen, dem Guten, dem Bösen ‚und dem weder gut noch bösen, die beiden andern gesezt werden, das Böse aber aus dem Wege geschafft wird, und nichts mehr berühren re weder Leib noch Seele, noch etwas von dem, was wir an und ‚für sich ‚für weder gut noch böse halten, wäre denn wohl das Gute uns gar nichts mehr nuz, sondern wäre 'unnüz geworden? Denn wenn uns nichts mehr schaden kann, so bedürften wir,auch nirgends keiner Hülfe. Undso würde „ alsdann offenbar, dafs wir nur des Bösen we- ‚en dem Guten anhingen und es liebten, ‘weil & nämlich das Gute die Arznei ist wider das Böse, das Böse aber die Krankheit. Giebt es nun keine Krankheit mehr, so bedarf man. auch keiner Arznei. Ist es wohl so beschaffen mit dem Gu- ten, und wird es wohl so des Bösen wegen ge- Jiebt von uns, die wir mitten inne sind zwi- schen dem Bösen und Guten, hat aber selbst an und für sich gar keinen Werth? — Es hat - das Ansehn, sprach er, als verhielte es sich so. "Plat. W. I. Th, I. Bd. [14 ) 22 1 x em 20 — = Jenes' erste also, in welchem sich alle übri- gen Dinge endigten, denen wir um eines An«- dern willen freund waren, hat mit allen diesen gar keine Aehnlichkeit. Denn allen diesen nannten wir uns freund um eines Andern willen, dem wir freund waren; jenes eigentliche aber scheint diesen ganz entgegengesezt geartet zu sein, indem sich zeigte, dals wir ihm freund sind wegen etwas dem wir feind sind. Würde aber dieses leztere fortgeschafft, so würden wir ihm wie es scheint nicht miehr freund sein. =- Mich dünkt nicht, sprach er, nach dem wenigstens, was eben gesagt wird. — Ob man wohl, sprach ich, um Zeus willen, ‘wenn auch . alles Böse untergegangen ist, dann nicht hun- ‘gern wird und nicht dursten, und nichts ande- res der Art? Oder wird zwar Hunger sein, wenn doch Menschen und andere Thiere sein sollen, aber er wird nicht verderblich sein; und - so auch der Durst und die andern Begierden, nur nicht böse werden sie sein, da ja das Böse untergegangen ist. : Oder ist es’ eine lächerliche Frage, was alsdann sein wird und nicht sein? - Denn wer ‘weils es?‘ Dieses aber wissen wir doch, dafs auch jezt schon wer hungert Scha- _ len davon haben kann, auch Nuzen davon ha- ben kann, nicht wahr? — Allerdings. — Nicht auch wer durstet oder etwas anderes dergleis. chen begehrt, begehrt es bisweilen sich zum Nuzen, hisweilen zum Schaden, bisweilen ohne eins von beiden? —' Gewils. — Also wenn auch das Böse unterginge, wie käme das was nicht böse ist dazu mit dem Bösen zugleich unterzugehn?- — Auf keine Weise, — Die weder gut noch bösen Begierden werden also Li bleiben wenn auch das Böse untergeht? — Das x \: » IE; + — 21 — ‚ leuchtet ein. — Ist es aber wohl möglich etwas‘ zu begehren und wonach zu streben, ohne das - zu lieben was man begehrt und wonach man strebt? — Mich dünkt'es nicht. — Also auch wenn das Böse untergegangen ist, wie esscheint, werden wir einigen freund sein? — Ja. — Nicht aber wenn das Böse die Ursach der Freundschaft war. Dann könnte nach Untergang) des Bösen nichts mehr einemi Andern freund sein; denn wenn die Ursach weggenommen ist, kann un- möglich das noch statt finden, wovon jenes die Ursach war. — Du hast Recht. — Darüber aber waren wir einig, dafs wer einem freund ist es ach liebe, und zwar wegen etwas, und wir glaubten damals wenigstens, das weder gut noch. böse. liebe so des Bösen wegen das Gute? — Richtig. — Jeztaber, wie es scheint, zeigt ‚sich wieder eine andere Ursach des Liebens und Geliebtwerdens? — So scheint es. — Ist nun in der That, wie wir jezt sagten, das Begehren die Ursach der Freundschaft, und das Begeh- rende dem freund was es begehrt, dann wann es begehrt? alles aber was wir zuvor sagten vom freund sein war nur Geschwäz wie ein langes ausgesonnenes Gedicht?" — So wird es ‚ wohl sein, sagte er. — Aber, sprach ich, das- Begehrende begehrt doch das, was ihm fehlt. Nicht wahr? — Ja. — Wem also etwas fehlt, ° das ist dem freund, was ihm fehlt? — Mich ‚dünkt, — Jedem aber fehlt das, was ihm ist entzogen worden? —- Wie anders? — Auf das Angehörige also, wie es scheint, geht Liebe und Freundschaft und Verlangen. Leuchtet euch dies ein, o Menexenos und Lysis? — Sie - stimmten ein. — Ihr beide also, wenn ihr ge . genseitig Freunde seid, mülst irgendwie von „ii 22 — Natur einauder angehören. — Offenbar, sag- ten sie. — Und auch sonst ihr Kinder, sprach ich, wo einer des andern begehrt und liebt, er würde ihn weder begehren noch lieben, noch ihm freund sein; wenn ihm nicht der Geliebte angehörig wäre, überhaupt der Seele nach oder wegen irgend einer Gesinnung, Art und Eigen- schaft. — Gewils, sagte Menexenos; Lysis aber schwieg. — Wohl, sprach ich. Das von Natur angehörige also müssen wir, wie sich zeigt, ‚ nothwendig lieben? — 56 folgt es, sagte er. — Nothwendig also muls auch der ächte Lieb- haber, der sich nicht nur so anstellt, wieder geliebt werden von seinem Liebling? — Die- sem nun wollten Lysis und Menexenos kaum Bejahung zuwinken. Hipppthales aber wech- selte alle Farben vor Frewde. — Da sagte ich in der Absicht den Saz noch näher zu betrach- ten: Ja wenn das Angehörige von dem Aehnli- chen verschieden wäre, 0 Mehexenos und Ly- sis, dann wäre hienüt etwas gesagt über die Freundschaft, was sie ist. Wenn aber das Aehn- liche und das Angehörige dasselbe ist, so ist es doch nicht so leicht'unsern vorigen Saz weg- - zuwerfen, dafs: nämlich das Aehnliche dem. Aehnlichen, so. weit seine Achnlichkeit geht, unnüzist. Zu sagen aber, dafs man dem Un- nüzen freund sei, ist Frevel.. Wollt ihr also, da wir doch schon gleichsam berauscht sind von der Sache, dafs wir nachgeben und behaupten, das Angehörige sei etwas anderes als das Aehn- liche? — Allerdings. — Wollen wir nun auch weiter sagen, das Gute sei Jedem angehörig, das Böse aber Jedem fremdartig?. oder, das Böse sei dem Bösen angehörig, und dem Guten das Gute, und dem weder gut noch bösen das m Me weder gut noch böse? — Sie meinten auf die lezte Art schiene ihnen jedes Jedem angehörig zu sein. — Da sind wir also, sprach ich, ihr Kinder, wieder in die vorher verworfenen Ge- danken von der Freundschaft hinein gerathen. Denn sa wird der Ungerechte dem Ungerechten und der Böse dem Bösen nicht weniger freund sein als der Gute dem Guten. — So scheint es, sagte er. — Wie aber, wenn wir sagten, das Gute und das Angehörige sei einerlei ,; wird dann nicht der Gute dem Guten allein freund sein? — Gewils. — Aber auch dieses glaubten wir uns selbst widerlegt zu haben. Oder erin, ‚ neit ihr euch nicht? — Sehr gut erinnern wir. uns. — Was haben wir also nun noch an den Saz? Offenbar wohl nichts. Ich bitte euch daher, wie vor Gericht die Redner pflegen, das Gesagte alles noch einmal zurückzurufen, Wenn nämlich weder die Geliebten noch die Lieben- den, noch die Aehnlichen noch die Unähnli- chen, noch die Guten noch die Angehörigen; noch was wir sonst durchgenommen baben, denn ieh erifnere es mich nicht mehr alles vor der grofsen Menge; wenn also nichts von allem I \ diesem der Gegenstand der Freundschaft ist, so weils ich meines Theils nicht mehr was ich \ . sagen soll. r Dieses gesprochen, war ich im Begriff, j ‘einen anderen von den Aelteren in Bewegung " zusezen. Da kanien aber eben wie schlimme 225 Geister die Knabenführer herbei, der des Me- hexenos sowohl als der des Lysis mit deren Brii- a u ‚dern an der Hand, und riefen sie ab, sie soll- ten nach Hause gehn, denn es war schon spät. Zuerst zwar wollten wir und die Umstehenden sie forttreiben; da sie sich aber nichts um uns u E. P — 214 —. kümmerten, sondern in sehr schlechtem Helle- ‚nisch brummten und schalten, und doch immer wieder riefen: so glaubten wir, zumal sie an den Hermeien ein wenig mochten getrunken . haben, dafs nichts mit ihnen würde auszurich- ten sein; und lösten, gezwungen von ihnen, ‘die Gesellschaft auf. Als sie aber schon weg- gingen sagte ich noch: Diesmal, o Lysis und. Menexenos, haben wir uns lächerlich gemacht, ich der alte Mann und ihr. Denn diese die jezt von uns gehen werden sagen, wir bildeten uns ein Freunde zu sein, nämlich ich rechne auch mich mit zu: euch; was aber ein Freund wäre, hätten wir noch nohit vermocht auszu- finden. . PROTAGORAS. En. ‘ EINLEITUNG. n + Eis den berühmtesten unter denen, welche zu ' jener Zeit als Lehrer derhellenischen Jugend auf- getreten waren: dem Protagoras zuerst, welcher unter allen Streit- und Redekünstlern, wegen des Grundes den er seiner Kunst gelegt hatte, wohl am meisten verdiente, dals ein Philosoph sich mit ihm beschäftigte, wie.er denn auch selbst als Philosoph im Alterthum genannt und geehrt wurde; ferner dem gelehrten, Geschichts- und . Alterthumskundigen, kunst- und gedächtmifs- zeichen Hippias und dem seiner Sprachbemü- hungen wegen am meisten angeführten Prodi- kos, welcher wiewohl minder bedeutend auch ‚hier die Wirkung des Ganzen unterstüzt ; fer-. ner zu den Freunden und Verehrern dieser wei- . sen Männer, den edelsten Jünglingen Athens, berühmt theils durch ihre Väter, theils in der Folge durch eigene Thaten als Feldherrn, Violks- führer und Dichter, den Söhnen des Perikles nämlich, dessen Mündel Alkibiades, dem Kri- ‚tias, dem Agathon und andern, welche, wenn auch nur als stumme Zeugen, die Pracht und. Herrlichkeit des Ganzen erhöhen; zu diesen führt uns nebst dem Sokrates und einem Jüng- linge, den er dem Protagoras als Schüler em- pfehlen sollte, das reich geschmükte Gespräch, und zwar in das glänzendste und üppigste Haus von Athen, in das Haus des Kallias, wel- cher der reichste Bürger war, befreundet dem Perikles als zweitem Gatten seiner Mutter nach Trennung ihrer Ehe von dem Hipponikos, ver- schwägert dem Alkibiades, der seine Schwester 'Hipparete zur Gattin nahm, .bekannt und von den Komikern durchgezogen als eifrigster und freigebigster Beschüzer der Sophisten, bis seine grenzenlose Verschwendüng dem alten fast von Solons Zeiten herrührenden Glanze seines Hau- ses ein Ende machte. Dies sind die edeln so- wohl als die weisen Theilhaber des Gespräches, ' welches Sokrätes hier ganz auf frischer "That einem Freunde erzählt; und ein mehreres ist von ihnen im voraus historisch zu'wissen nicht nöthig,. da sie sich sämmtlich und die lezteren besonders in dem Werke selbst s6 hell und be- stimmt abspiegeln, dafs es unter die bedeu- tenden erstem Quellen zur Kenntnifs ihrer Ei- genthümlichkeiten gehört. > Nur die Frage, -wie diese Gesellschaft zu- ' sammengebracht worden ist, kann nicht über- . gangen werden , da dem Gespräch schon vor. Alters der Vorwurf: ist gemacht worden, sein Urheber habe ihm diesen Reichthum bedeuten- der Personen nur auf dem unerlaubtesten Wege, vermittelst grober Versündigungen gegen die Ordnung und das Recht der Zeiten zuzuwenden gewufst. Es kommen nämlich mehrere Anga- ben vor, . welche Zu beweisen*scheinen, daß Platon sich das Gespräch nicht eher als in der neunzigsten Olympiade gehalten gedacht habe. So wird Hipponikos der Vater des Kallias nir- gends erwähnt, sondern gradezu wohnt Prota- goras bei dem lezteren, und dieser erscheint ganz als Herr und Besizer; Hipponikos 'aber ist erstin der Delischen Schlacht Anfangs der neur == ER, — 29 — und achtzigsten Olympiade umgekommen. Ja noch bestimmter, es wird.eine Komödie des Pherekrates, die Wilden, als im vorigen Jahre aufgeführt erzählt, welche im lezten Jahre der neun und achtzigsten die Lenäen geziert hat. Dieses nun nimmt Athenäos als den festen Punkt an, und beschuldiget daraus den Platon zweier Fehler, dafs nämlich der Peloponneser Hippias seit Anfang des Krieges zu keiner ande- ren Zeit sich habe i in Athen aufhalten können, als während des Stillstandes unter dem Isarchos im ersten der neun und achtzigsten, wogegen Dacier in seiner Einleitung zur Uebersezung des Protagoras den Platon zu rechtfertigen sucht; ferner, dafs. Platon im ersten der neunzigsten vom Protagoras nicht habe sagen köurien, er ‚sei erst vor drei Tagen nach Athen gekommen, indem er bereits in dem Lustspiele des Eupolis, die Schmeichler, im dritten der neun und acht- ‚ zigsten als anwesend aufgeführt werde. Allein wenn auch Jemand was den ersten Punkt be- trifft dem Dacier beipflichten, und in Anse- hung des zweiten das Zeugnifs eines Komikers “verwerfen wollte, der sich ja eben so gut als Platon eine Fiction kann erlaubt haben, so ist - damit die Sache nicht abgethan, ‘denn es finden . sich mehrere unbezweifelte gegen jenes Jahr als ! Zeitbestimmung: ‚des Dialogs auf alle Weise strei- tende und ihn höher’ hinauf zwingende Anga- ben, von welchen zu verwundern ist, dafs sie in jener feindseligen Stelle des Athenäos gar nicht erwähnt werden. Zuerst nämlich wird Sokrätes vom Protagoras als ein noch junger Mann behandelt , nennt auch sich selbst so, welches er nur zwanzig Jahre vor seinem Tode "unmöglich thun konnte. Ferner Alkibiades, der nur ein ı Jahr nach jenem vom Athenäos ange- ar 71: Me nommenen zum Feldherm ernannt wurde, wird ein Milchbärtiger, und Agathon, den noch die- ‚selbe Olympiade als tragischen Dichter krönte, ein Knabe genannt. Ja was das allerbestimm- teste ist, es wird vom Perikles als einem noch lebenden gesprochen und seine noch vor ihm an der Pest gestorbenen Söhne sind mit in der Ver- sammlung, wodurch dies Gespräch offenbar vor das dritte der sieben und achtzigsten hinaufge- rükt wird. Da nun mit dieser lezteren Zeitbe- stimmung so viele Kleinigkeiten übereinstim- men, die gar nicht zum Wesentlichen des .Ge- spräches gehören, wie Agathon und die Söhne : des Perikles, so ist sie offenbar diejenige, wel- che dem Platon am deutlichsten vorgeschwebt hat, und welche er eigentlich durohrukren wollte. Was aber jene späteren Angaben be- trifft, so liefse sich fragen, ob nicht die Komö- die des Pherekrates schon vor jeher im Athenäos erwähnten Aufführung, es sei nun eben so oder in einer, unvollkommner en-Gestalt, einmal auf- geführt worden; denn als eine Uebereilung,, in- dem sich Platon hier in die Zeit wo er “wirklich schrieb versezt hatte, läfst sich die Sache auch nicht denken. Eben so, ob es auch nothwen- ‚dig ist, den Hipponikos als todt zu denken, ad ob er sich nicht, kann auswärts befunden haben, vielleicht in dem Heere vor Potidaea, wenn man nicht an das zweite Jahr der sieben und achtzigsten Olympiade denken will, in wel- chem Hipponikos ein Heer gegen die Tanagräer führte. Aufjede Weise aber läfst sich weit eher denken , Platon habe diesen Einen für seinen Plan nicht unwichtigen Umstand, als jene klei- nen und unbedeutenden ı in eine falsche Zeit ab- sichtlich verlegt, in welchem. Falle denn auch die ‚Wilden des Pherekrates hier stehen könn- u ten, um jene Erdichtung nicht ganz vereinzelt zu lassen, und was nicht klar gehalten sein konnte noch um desto zweischeiniger zu stel- len.‘ Denn einen besseren Ort konnte Platon nicht wählen für dieses Schauspiel als das Haus des Kallias, und vielleicht waren die Schmeich- ler des Eupolis die Veranlassung dieses Gedän- kens und die Verführung zu solcher Freiheit ge- "wesen. Eben so nothwendig aber war ihm die ‘frühere Zeit, in welcher jene Weisen wirklich in der Blüthe ihres Ruhmes standen und so zu "Athen versammelt werden konnten, und auch die Jünglinge noch nicht den Geschäften des Staates und des Krieges hingegeben waren. Auch mochte es wohl dem Schiklichkeitsgefühl des Platon widersprechen, den Sokrates in Zei- ten des herannahenden Alters in einem solchen. Wettstreite mit den Sophisten ' darzustellen, und selıst den Protagoras, gegen den er sich doch einer gewissen Achtung nicht erwehren kann ‚ in seinem wirklich hohen Alter zum Ziel einer solchen Sokratischen Ironie zu machen. Was aber Protagoras auch hier ‚schon vergrö- fsernd von seinem Alter rühmt, und wie’Sokra- tes verkleinernd seiner eigenen Jugend gedenkt, ‚dies mag nicht ohne Absicht geschrieben sein, um den Maafsstab derer lächerlich zu machen, ' die dem Platon selbst vielleicht die Jugend vor- rükten. Denn Protagoras ward Anfangs der _ zwei und neunzigsten Olympiade während der ' von Antiphon dem Rhamnusier bewirkten Staats- veränderung aus Athen vertrieben, und starb, ‘wie es scheint, auf seiner Flucht, fihoh einigen siebzig, nach, andern neunzig Jahr alt. Sucht ‚man die Wahrheit sogar in der Mitte, wiewohl _ Platon i im Menon sich offenbar für die erste Mei» nung erklärt, so konnte er fünf Olympiaden = u r f PR ” -— 22 — früher nur mit einiger Grofssprecherei gegen den fast vierzigjährigen Sokrates so von seinem Alter rühmen. . f Doch es ist Zeit die minder wichtige Unter- ‚ suchung der äulseren Bedingungen zu vertau-' . schen mit der Betrachtung des Inneren dieses ziemlich verwikelten und vielleicht nicht eben. so gründlich verstandenen als vielfachgepriese- nen Gesprächs. . Sehr leicht ist es freilich die verschiedenen Abschnitte zu sondern und den Inhalt jedes einzelen der Ordnung; nach auszu- ziehen; wer aber 'damit den Sinn des Ganzen gefunden zu haben glaubt, Entwurf und Anord- nung, als leicht und einfach rühmend, der kann schwerlich, etwas anderes voraussezen als sehr mit Unrecht das schlechteste, dafs nämlich gar keine anordnende Idee dem Ganzen zum Grunde liege, sondern ohne Einheit, wie ohne Kunst und Absicht, jedes wie es sich tifft sich aus: dem früheren herausspinne. Denn wer den Zwek und die Idee des Ganzen nicht verfehlen will, in welchem gar vieles mamnigfaltig durch- - einander geht, der mufs dem Zusammenhange alles Einzelen genauer nachspüren, in welchen der Leser jezt vorläufig soll eingeführt werden. ı) Zuförderst sucht Sokrates den Jüngling, “ welcher dem Protagoras will zugeführt sein, - über sein Vorhaben zur Besinnung zu bringen durch eine skeptische Untersuchung über das Wesen und die eigentliche Kunst der Sophisten. Diese wird von dem .Protagoras selbst eben so indirekt wiewohl von einem andern Punkte aus gleichsam fortgesezt in einer nach vorgetrage- nem Gesuch gehaltenen kurzen Rede über den, Umfang und das Alter der Sophistik, worin er theils die Kühnheit seines offenen Bekenntnisses zu diesem Gewerbe zur Schau trägt, theils die —ou = 1 .. - — 253 — ‘Sache selbst als etwäs altes, nicht etwa von den ältesten Weisen , sondern‘ von Dichtern und Künstlern ableitete. _Etwas direktes aber über - diese Kunst kommt doch nicht eher ans Licht als Sokrates ihm in einem kurzen dialogischen Abschnitt soviel abfragt, dafs die bürgerliche Tugend. eigentlich dasjenige ist, was den Gegen-+ stand seines Unterrichtes ausmacht. ©) Hier- auf stellt Sokrates in fortlaufender Rede, nur hingeworfen, durch Beispiele und Aeufserungen der herrschenden Denkungsart unterstüzt, den Saz auf, dafs hierüber sich kein Unterricht ertheilen lasse; wozu Protagoras theils in einem Mythos vom Ursprung‘ der Menschen und: des geselligen Lebens den Gegenbeweis führt, theils auch indem er in einigen weiteren. Erörterungen dieselbe gewöhnliche Handlungsweise, "welche Sokrates für sich angeführt hatte, zu Gunsten seiner Behauptung umzudeuten sucht. . 3) Auf . Veranlassung des von dem Protagoras vorgetra- genen knüpft nun Sokrates, nach einigen vorer- innernden Winken über den Unterschied ‚zwie schen einer epideiktischen Rede und einem Ge- spräch, ein solches an über die Frage von der ‚Einheit oder Mehrheit der Tugenden, worin er zuerst den die Mehrheit behauptenden Gegner nöthigt Gerechtigkeit und Frömmigkeit einan- der entgegenzusezen, dann als dieser sich sehr . schlecht herauswikelt, höflich abbrechend, ihm in einem zweiten Gange: das Geständiifs 'ab- dringt, auch Besonnenheit und Einsicht müß- ten einerlei sein, und zulezt im Begriff ist das- selbe von der Gerechtigkeit zu. erweisen, ‚als Protagoras absichtlich um den Faden abzurei- fsen gewaltsam ‘abspringend eine lange jedoch ‚ganz, empirische Erörterung über die Natur des un. PR; 4) Hieraus ‚entstehen natür+ % Ei — 224 — lich neue Erklärungen über das Wesen des .Ge- spräches, und indem ein neuer Kampfvertrag soll abgeschlossen werden, da sich je länger je mehr zur grofsen Freude der edlen Jünglinge die Sache zu einem förmlichen philosophischen Wettstreit gestaltet hat, finden auch Prodikos und Hippias Gelegenheit mit kleinen. Reden nach ihrer Weise aufzutreten. Wie denn auch Sokrates über den Vorschlag einen Kampfrich- ter zu wählen seine Stimme abgiebt in einem Vortrage, der bei aller Kürze sich doch vor al- len andern durch ein streng dialektisches Ver- fahren auszeichnet. 5) Den von ihm vorge- schlagenen Bedingungen gemäfs ist nun Prota- goras der Fragende geworden, und sezt nach Anleitung eines Gedichts des Simonides das Ge- spräch über die Tugend fort, ohne dafs jedoch ' ein bestimmtes Ziel sichtbar wäre zu welchem er auf diese Art hinführen wollte, sondern nur. das Bestreben den Sokrates in Widersprüche zu verwikeln, welcher aber zuerst,als Antwor- tender nicht nur den ‚Protagoras zurükschlägt, sondern auch noch einen. lustigen Nebenkrieg, mit dem Prodikos führt, und; hernach selbst dieses Gedicht in einem fortlaufenden Vortrage erläutert, wobei der Saz,. dafs alles Böse nur aus Irrthum gewollt werde, als eine allgemeine Behauptung aller Weisen vorausgesezt, auch eine Ableitung der Philosophie aus der Lebens- weisheit der Lakedaemonier und Kreter einge- schaltet, ‚zulezt aber ernsthaft genommen nur mit der Folgerung geschlossen wird, dafs durch ‚solche Argumentatioffen aus Dichtern für die ‚Feststellung der Begriffe nichts könne gewon- nen werden. 6) Hherauf endlich wird der Dia- log wieder aufgenommen, in welchem $okra- tes nun seinerseits Fragender ni, und als sol- cher ° — 2 — “ cher fortfährt zu zeigen dafs die. Tugend nur Eine. sei, nämlich Erkenntnifs, Wissenschaft, dessen nämlich was zu thun ist. Zuerst zeigt er dieses von der Tapferkeit, und nachdem er einen nur scheinbar treffenden Verweis des Pro- tagoras hingenommen, läfst er ihn halb gutwil- lig eingestehen, dafs es kein Gutes gebe als die Lust und aufser der Unlust kein Uebel, woraus denn: sehr leicht: gefolgert wird, dafs alle Tu- gend nichts sei als Wissehschaft des Berech- nens nd vergleichenden Messens: Und so wird vom Sokrates selbst der Widerspruch ans Licht gezogen, dafs auf der einen Seite Protagoras, welcher doch die Tugend lehren zu können be- hauptet, sich geweigert habe zuzugeben sie sei Wissenschaft, auf der andern Seite hingegen er selbst sich bemüht habe dieses zu beweisen, da ‚ doch seine Absicht dahin gegangen, jede Mög- lichkeit als ob die Tugend könne gelehrt wer- den zu bestreiten. s t Schon aus dieser kurzen Rechenschaft über das Einzele mufs zur Genüge erhellen, dafs.auch hier die gewöhnlichen Ansichten, indem sie das Ganze nicht zu umfassen vermochten und . sich mit einem Theile begnügen wollten, so gut als alles verfehlt haben. Einige nämlich:haben, das Unzertrennliche von einander reilsend, wie’ sie es auch in den bildenden Künsten zu thun pflegen, auf dasjenige ausschliefslich ihr Augen» merk gerichtet, was doch nur als die Farbenge- bung des Ganzen kann betrachtet werden, auf die ununterbrochen fortgöhende Ironie, welche allerdings noch jeder Leser dieses Gesprächs .be- ‘wundert hat. Unverkennbar ist freilich, dafs "Platon dieses ihm eigene Talent hier in einem weiten Umfange und grofser selbstbewuster Vir- "tuosität spielen läfst, woher denn diejenigen, "Plat, W. I. Th. I. Bd. [15] N Pe ra “ N lie auf sein Studium der Mimen und seine Ah- näherung an das Komische einen grofsen Werth ‚legen, leichtlich duf den Gedanken kommen konnten diese ironische Behandlung oder nenne » man es Vernichtung‘ der Sophisten für den . Hauptzwek des Protagoras zu'nehmen: Es ist zwar hier der Ort nicht zu entscheiden, ob eben jene erworbene Vollkommenheiten, denn sö wenigstens werden sie dargestellt, dem Pla- ton selbst soviel und in gleichem Sinne werth gewesen sind als einigen seiner Bewunderer; ' zweierlei aber ist gewils und um für den gegen- wärtigen Fall die Ansicht zu berichtigen hinrei- chend: "Eines Theils nämlich ist dasjenige, was jedes auch unbewaflnete Auge hier überall wahrnimmt, 'bei weitem nicht die höchste Gat- tung von Ironie,’ weder des Platon überhaupt, noch auch dieses Werkes besonders, sondern auch jene untergeordnete mimische, die selbst bei den Neueren, sonst. so wenig ironischen, unter einem neueren Namen nicht selten vor- kommt. Andern Theils dafs jede Nachahmung der Eigenthümlichkeiten und Sitten bestimmter Personen doch nur aus dem Bestreben nach Richtigkeit in Darstellung der Redenden her- vorgeht, und also schon voraussezt das und was geredet werden soll, dafs daher auch jene ironi- sche Mimik überall zwar im Platon vorkom- inen kann und gewils auch wirklich vorkommt, wo mit diesen Gegnern sokratischer Weisheit und Gesinnung etwas verhandelt'wird, nicht nur als leere Verzierung‘, sondern als ein zur Sache - selbst gehöriges Mittel, um die Wahrheit des Ganzen anschaulich zu machen, und durch be- hutsame Entfernung von allem‘ unnatürlichen ünd überladenen zu beurkunden, eben: deshalb aber nirgend als erster oder eigentlicher Zwek er — 2277 — darf gedacht werden, weil eben dann theils die Ueberladung unvermeidlich wäre, theils die philosophische Absicht, ohne welche gewils nie » ein gröfseres Platonisches Werk gewesen ist, entweder müfste untergeordnet gewesen sein - oder gänzlich gefehlt haben. Andere hingegen, allzusehr auf die reale Ausbeute begierig, und nicht eben glükliche Finder, weil sie ohne Kenntnifs der Gegend suchen, haben sich nur an die aufgeworfene Frage gehalten, als sollte diese hier entschieden werden, sei es nun von der Lehrbarkeit der Tugend oder von ihrer Ein- ‚heit und Vielheit, denn wer so nur etwas ein- zeles auffalst, ER nöthwendigschwanken. Wie unzureichend auch dieses ist, erhellt daraus, dafs aus einem solchen Gesichtspunkte manche Theile des Gespräches sich gar nicht erklären lassen, wie gleich die erwähnten beiden Herlei- tungeh der Sophistik und der Philosophie und die ganze Verhandlung über das Simonidische Gedicht, wie auch, dafs selbst dasjenige, was sich näher auf jene Fragen bezieht, nicht fort- _ schreitet, sondern auf eine wunderliche Art im- ' mer wieder ‘von vorn und fast von ferne an- hebt: ja um es mit einem Worte zu sagen, wie ‚könnte eine, Untersuchung der Hauptzwek des Ganzen sein, von welcher am Ende desselben, ‘ironisch zwar auf der einen Seite, aber auch sehr wahr auf der andern, gesagt wird, sie sei, nämlich um sie zur Entscheidung zu bringen, ‚ schlecht und verkehrt genug geführt worden? Wer aber nicht nur auf dieses und jenes in ‚diesem Gespräch achtet, sondern auf alles, auf ‚die häufig eingestreuten beiläufigen Winke, die man im "Platon am wenigsten vernachläfsigen mus, auf den Wechsel der Formen in den ver- schiedenen Abschnitten, auf dasjenige was in ie “und zwischen denselben ohnerachtet aller Man- nigfaltigkeit der Gegenstände immer wieder- kehrt, der wird eben in diesem Streit über die Form und Methode. die Hauptabsicht des Gan- zen erkennen: den Vorsaz‘nämlich im Gegensaz gegen alle sophistische Formen, die daher auch . alle vorkommen, selbst das Commentiren über Stellen der Dichter nicht, ausgeschlossen , die sokratische Gesprächsfarm als die eigenthümli- che Form jeder ächt philosophischen Mitthei- lung lobpreisendund verherrlichend zu verkün- digen. Stellen wir uns in diesen wahren Mit- telpunkt des Werkes, so sehen wir zuerst auf das bestimmteste, wie es sich durch welfache Verschlingungen an den Phädros aufs genaueste anschliefst. Nämlich so wie dort das Innere des philosophirenden Verfahrens war aufgestellt worden, so wırd hier das Aeufsere gefunden, und was sich dafür ausgiebt beurtheilt. ‚Ferner so wie dort in die Untersuchung über die Me- thode auch die Darstellung des mittheilenden Triebes ‘war verwebt worden, und zwar nicht jenes gemeinen, .der ein fälschlich sogenanntes, eigentlich aber leeres Wissen aus Eitelkeit wei- ter verbreiten, sondern eines solchen, der ver- mittelst der Ideen’die Seele bilden will, so dafs - auf das ethische, als die Wurzel aller sokrati- ‚schen Philosophie, alles andere sich gründet; eben so ist auch hier die Frage, über die Mög- lichkeit j jenen Trieb zu befriedigen, der Gegen- stand, an welchem die verschieden Formen . sich zeigen ‘und der Vergleichung hergeben müssen, u zwar so, dafs auch hier ausschlie- fsend von er Mittheilung des ethischen die Rede ist, Welches eben Ps Sinn ausmacht von der Frage tiber die Lehrbarkeit der Tugend. Ja- auch was dis äufsere Bildung desGanzen beirile en 229 ve" * zeigt sich zwischen beiden ein auffallender-Zu- sammenhang, indem auch hier, dem damaligen Zustande der Dinge gemäls, die Form eines Wettstreites entsteht; nur noch lebendiger, wie denn die Sophisten den Philosophen näher ver- wandt waren als-die Redner, so dafs auch die polemische Richtung des Phädros: hier fortge- sezt und gesteigert erscheint. Ferner zeigt sich auch von hier aus die Anordnung des Ganzen . und jedes Einzele an seiner Stelle verständlich, und die fastjedem Andern nur kreisförmig schei- nende Bewegung vielmehr als .eine schön und gleichmäfsig fortschreitende. Indem nämlich durch die Vergleichung der Formen die Dürftig- keit der sophistischen Methode je länger je me®r sichtbar wird, und sich in Beispielen deätlicher zeigt, wie leicht das epideiktische Reden sich dazu hergiebt vom Tunern der Sache abzuführen, und wie vieles auch dem Anscheine nach schönes auf diese Art Mehrere nebenein- ander hin reden können, ohne sich jemals zu verständigen, und wie dagegen die dialogische Form sehr bald die wahre Meinung eines Jeden ans Licht bringt, den Siz der Verschiedenheit aufspürt, und wo nur nicht bei einem Theile er Mangel an Sinn entgegensteht, auch en ursprünglichen Irrthum entdekt; in eben dem Maafs entwikeln sich auch durch die im- mer erneuerten Erörterungen des Gegenstandes von allen Seiten immer Asutlichee die Gründe, weshalb die Sophisten zu einer besseren Me- thode nicht gelangen konnten, und die schlech- ‚tere mit Wohlgefallen ausbildeten, nämlich die’ Abwesenheit des ächten philosophischen Trie- “: und die niedrigen Bestrebungen und Ab- t en, um deresikwillen sie vornehmlich ihre N. Kunst betrieben. Und diese Harmonie, welche — 250. — ihre Wirkung thun mufs‘, wie ‚alles ER schöne, wenn sie auch nach ihren Gründen nicht erkannt wird, ist gewifs gröfstentheils die Quelle des hohen Wohlgefallens aller Lesenden an diesem vollendeten Werke. So enthüllt leish die erste Rede des Protagoras seinen Ei- gendünkel und seine Gewinnsucht, so zeigt sich schon in dem ersten Gespräch, indem er sich gefallen läfst, das Gegentheil der Besonnenheit auch dem Wissen entgegenzusezen, dafs es ihm da wo die Tugend getheilt werden soll, und also der Unterschied zwischen dem theoretischen und praktischen vornehmlich statt findet, den- noch an Sinn für denselben gänzlich fehlt. Wei- ter entdekt die Folge, dafs es ihm nicht besser ‚ ergeht in Absicht auf den Unterschied zwischen dem Angenehmen und Guten, und wenn wir am Ende wo Sokrates ihm seinen grofsen. Wi- derspruch -aufdekt erfahren, dafs er über. die ersten Bedingungen der Bildung Anderer und über den Begriff der Tugend, die er ihnen an- bilden will, auch nicht im mindesten: ‚nachge- dacht hat, so sind wir unterdefs auch inne ge- worden, wie weit er entfernt bleiben mulfste von derjenigen Methode, die es nur darauf an- legt den Zögling der Philosophie zum Selbstbe- wulstsein zu bringen und zum Selbstdenken zu nöthigen. Als eine solche nun hat sich indefs die dialogische bewährt; sie ist es, welche dies alles zur Anschauung bringt und die entschei- denden Punkte herbeiführt, und zum Anerken- nen oder Abläugnen vorlegt, durch deren Ue- bersehen sich Protagoras als ein solcher entdekt, der die sittliche Wahrheit niemals erkannt und also auch sittlichen Endzweken niemals nachge= strebt hat. Dieses Vorlegen eben und Versuchen ob das Rechte wohl möchte gefunden werden, BZ FE za. 28 ae: ’ ‘ist die Absicht der zillichen künstlichen ‚dia- lektischen Wendungen des Sokrates, welche nur ein der Platonischen Weise ganz Unkundi- ger ihm als Künsteleien und Sophismen fälsch- lich anrechnen ‘durfte... Vielmehr sind eben sie, wenn man sie mit der Ausführung des Phädros vergleicht, schon ein daenlinher: Beweis von Platons Fortschritten auch als philosophischen Künstlers. Denn im Phädros linden wir zwar jenes indireote Verfahren, welches gleichsam den wesentlichen Charakter aller, besonders nicht unmittelbar darstellenden Gespräche des Platon ausmacht, im Ganzen der Komposition “schon ziemlich herrschend, im Einzelen, aber nur sehr sparsam angewendet; hier aber im Ein- zelen nicht minder = im Gain überall be- folgt, so dafs der Protagoras schon ein vollkom- mener Versuch ist die lebendige und. beseelte Rede des Wissenden auch schriftlich nachzuah- men. Wie denn atıch die im Phädros vorgetra- genen dialektischen Vorschriften der Täuschung und Enttäuschung mit jenem mühsamen Fleifs in Ausübung gebracht sind, mit dem tüchtige schon . weit fortgeschrittene Lehrlinge einer Kunst, oder angehende Meister derselben in ihren Uebungsstüken alle Gelegenheiten aufsu- ‚chen, um wo es nur angeht etwas von den er- kundeten Geheimnissen für das Auge des Ken- ‚mers niederzulegen. Es ist aber nicht nur die ausübende Dialek- tik und die lobpreisende Anerkennung der äch- ten philosophischen Kunstform, ‘welche hier weiter fortgebildet erscheint Ar im Phädros, sondern auch der wissenschaftliche Gehalt des- selben ist vorgerükt. Die Behauptung zwar, die Tugend sei die Erkenntnifs dessen was zu hun oder zu ‚wählen ist, und also das Böse je- \ warn 232 we 2; .desmal nur Irrthum: diese zwar, sd sehr es auch . dem Platon Ernst damit gewesen’ ist, wird hier nicht nach seinem Sinn bestimnit und als grade- „hin seine Meinung vorgetragen, sondern ge- hört vielmehr, unbestimmt wie’ sie gelassen ist, zu dem Gewebe, worin er diejenigen ver- strikt, die sich des wahren Begrifls vom Guten : noch Tine bemächtigt haben; welches theils aus der sichtbar ironischen Behandlung des gan- zen ‚Sazes hervorgeht, theils aus der Verbin- dung, in welche er so leicht gesezt wird, mit jener ganz unsokratischen und unplatonischen Ansicht, dafs das Gute nichts anderes ist als das * Angenehme, theils auch aus der nur hieraus fol- genden Zurükführung dessen was an der Tugend Erkenntnifs und Wissenschaft ‘sein konnte auf Mels- und Rechenkunst. Wenigstens aber fin- den wir hier einige indirecte Andeutungen ‚um, was allerdings vorhergehen mufs, den Begriff - der Erkenntnils selbst erst "genauer zu bestim- men. So ist offenbar der scheinbare. Wider- spruch , den Sokrates selbst von sich aufdekt, dafs er nämlich die Lehrbarkeit der Tugend be- streite, und doch dafs sie Erkenntnifs sei. be- haupte, eine Anreizung, um nach Erwägung dessen, was schon ım Phädros von den Ideen gesagt war, über das Verhältnifs des Wissens zum Lehren nachzudenken. Eine ähnliche Ab- - zwekung hat auch die, wiewohl zugleich für den Protagoras ironisch auf die Heraklitische Schule fi & beziehende Entgegensezung des Werdens und Seins. Wie denn auch die unter- geordnete Frage von der Einheit und Vielheit der Tugend nur ein einzeler Fall ist unter die allgemeinere Untersuchung vom Einen und Vie- ‘Jen gehörig, oder von der Art, wie die Ideen sich dem Besonderen mittheilen. So dafs die 3 - ie _ Ideenlehre hier schon anfängt von dem Any schen Gebiet in das wissenschäftliche überzau- gehen, und durch eben die angeführten Säze, der Protagoras über seine unmittelbare Bestim- mung hinaus auch noch die Keime zu mehreren folgenden Platonischen Werken enthält, und zwar so, dafs auch hieraus schon erhellt, er sei früher als alle anderen Gespräche, in denen über ‚ diese Fragen ausführlicher gehandelt wird. ‚- Den Mythos aber, welchen Protagoras vor- trägt, darf man keinesweges, wie Einige* gut- - muithig rühmend 'gethan haben, den Platoni- schen beizählen; vielmehr ist er, wenn’ nicht vielleicht im Wesentlichen dem Protagoras selbst angehörig, wie zwar keine Zeugnisse bestätigen, aber die Art wie ıhn Platon ge- braucht wahrscheinlich macht, wenigstens ganz in dessen Geiste gedichtet. Denn grade wie es einer grobmaterialistischen Denkungsart, die über die unmittelbare sinnliche Erfahrung nicht hinaus philosophirt, nothwendig ist, wird die vernünftige Anlage im Menschen nur als Ersaz - für die mangelhafte körperliche Ausstattung, und Recht und Scham nur als Hülfsmittel für . das sinnliche Leben, und als etwas erst später “in die Menschen hineingebrachtes angesehen: Daher: ist auch die Beweiskraft dieses Mythos, weil Platon einer solchen Ansicht keine zu ge- ben wufste, sehr rednerisch gehalten, indem er Erörterungen aus Gründen nicht sowohl erspart als nur den Mangel derselben fühlbar macht, da selbst das, was er eigentlich erklären soll, mit dem Bedanf dei Erzählung nicht zusammen; hängt, sondern nur als ein Machtspruch des Zeus angeführt wird. Fremdartig scheint er deshalb auch mit Absicht in der Schteibart und BBeeheiulich dem Protagoras nachgebildet. 234 er was RE Deutung von ai EI ıtedes Simonides betrifft, vondem ge: ER ‚erhalten. ist als eben diese. Bruchstüke, d BEN ı eine: Rüge s sein soll gegen den Spı 3; er: Pittakos, ‚so ist sie gar nicht lediglich. Scherz zu ‚nehmen. Wenigstens besizen w: Bien . hoch ein allgemein. dem Simonides zugesch. Baht mes, und diesem hier in Sprache und Manier M) u: : - unverkennbar ähnliches Gedicht, welches sich ES 25 polemisch. auf das im Phädros ange- “ führte Ep igramm des Kleobulos bezicht,, de $ = selbst auch z zu den Sieben 3 gebarin Ruh Pr | i x L PROTAGORAS. Eın FREUND. SoKRATESs. 39 \ Fr. WV oher erscheinst du.uns, Sokrates? oder versteht es sich von der Jagd auf des Alkibiades Schönheit? Wahrlich auch ich‘ fand ihn erst neulich, als ich ihn sah, noch einen schönen Mann; aber doch einen Mann, Sokrates, un- ter uns gesagt, und dem der Bart schon überall hervorwächst. x Sox. Nun und was ist das mehr? Lobst du nicht den Homeros, welcher das die holdesten Reize der Jugend nennt, wenn der Bart. nun entkeimt, welcher eben Alkibiades sich izt erfreut! ‚Fr. Aber wie ist es? Kommist du jezt eben von ihm? und wie zeigt sich der Jüngling ge- gen dich? ©... 8ox. Sehr gut, dünkt es mich, und zumal - heute. Denn gar vieles hat er zu meiner Ver- theidigung geredet; auch komme ich unmittel- bar von ihm. Etwas wunderbares aber mulfs ich dir sagen, nämlich obgleich er zugegen war, habe’ich doch wenig auf ihn geachtet, ja ihn nicht selten ganz vergessen. u Frs Was kann.doch von der Art zwischen 2 dir und ihm sich ereignet haben?. Denn einen s Marl z Ser r e a 4 a andern schunären hast a du doch hier in der Stadt wohl nicht angetroffen. Som. Und zwar einen weit schöneren. ‚Fr. Was sagst du? einen Einheimischen _ oder Fremden? zıa Sox. Einen Fremden: Fr. Und von wannen? Sox. Von Abdera. 's Fr. Und so schön dünkte dich der Fremde, dafs du.ihn schöner findest, als den Sohn des Kleinias? Sox. Wie sollte man denn nicht, du kluger Freund, das weiseste als das schönere finden? N "Fr. So bist du wohl eben mit einem Wei- sen zusammen gewesen und kommst, uns von daher? Sox: Und zwar mit dem Weisesten naliae denen wenigstens die jezt leben; wenn du den Protagoras für den Weisesten hältst, . » Fr. O was du sagst! Protagoras ist hei ung eingewandert? Sox. Seit drei Tagen schon. Fr.. . Und eben‘ aus ‘seiner Gesellschaft kommst du? Sox. Nachdem ich gar vieles mit ihm ger sprochen und von ihm gehört. sr Fr. Warum also läfst du nicht den Knaben. dort aufstehn, und sezest dich hieher, um uns eure Verhandlungen zu erzählen, wenn‘ dich) nichts hindert? & Sorx. Sehr. gern sogleich, und werde euch B noch Dank wissen, wehn ihr zuhört. RW Fr. Wahrlich 'auch wir dir, wenn du BR zählst. EYE Mena Hr Sox. Beiden geschicht Eu 'erwünschtes. So höret: denn. EN IRESNDR 133 t — 237 — Diese vergangene Nacht war es, noch am. ° ersten, grauen Morgen, als Hippokrates, der Sohn des Apollodoros, des Phason Bruder ge- .. waltig mit’ gem Stok bei mir an die Thüre poch- te, und als ihm einer geöfnet hätte, sogleich hereinstürmte, und mir mit lauter Stimme rief: Sokrates wachst oder schläfst du? Ich ihn an der Stimme erkennend entgegnete: Ei sieh da, Hippokrates, du bringst doch nichts Neues? — Nichts wenigstens, sagte er, als Gutes, — Das | möge wahr sein, sprach ich, was giebt es aber? und weshalb bist du so frühe schon hier? — ‚Protagoras ist hier, sagte er, indem er zu mir herantrat. — Seit vor zestern, sprach ich, und ... du hast es izt erst erfahren? — Bei’den Göttern, sägte er, gestern Abend. Zugleich tappte er [ ‚nach dem Bette, sezte sich mir zu Füfsen, und ° fuhr fort. Gestern Abend also ganz spät, als ich . aus Oenoe zurükkam. Satyros der Knecht war mir entlaufen; ich wollte dir auch sagen, dafs ich ihm nachsezen würde, über etwas anderem - aber entfiel es mir wieder. Als ich hun zurük war, nach der Mahlzeit erst, da wir uns eben zur Ruhe legen wollten, sagte mir der Bruder, dafs Protagoras angekommen wäre. Zuerst "wollte ich sogleich zu dirgehen, hernach aber - ‚dünkte es Se, doch schon zu spät in der Nacht . zusein. Nunaber bin ich, sobald nur nach der Ermüdung der Schlaf mich verlassen wollte, auf- - gestanden und hieher gegangen. — ‚Ich nun, a ich sein muthiges und eifriges Wesen kenne, ‚fragte: Was hast du denn aber? hat dich etwa x Protagoras wie beleidigt? —- Da sagte er la- ‚chend: Ja bei den Göttern, Sokrates, dafs er al- lein weise ist, und mich nicht dazu macht. — Nun, ‚beim Zeus, sprach ich, wenn du ihm nur 1 giebst und; ihn Bausch Übernehesen wird BETT? BR . m Dan Baden —. 28 — er dich auch wohl weise machen, — Wollte doch Zeus und alle Götter, rief er aus, :es’be= ruhte nur hierauf, so liefs ich es weder an dem. meinigen ermangeln, noch an der Freunde Bei- stand. Aber eben deshalb komme ich jezt zu dir, damit du meinetwegen mit ihm redest. ' Denn.ich selbst bin nicht nur zu jung, sondern habe auch den Protagoras noch niemals weder gesehen noch gesprochen, indem ich noch ein Kind war, als er das erstemal hieher kam. Aber Alle, o Sokrates, loben ja den Mann, und sa gen, er wäre der kunstreichste im Reden. War- um gehen wir nicht gleich zu ihm, damit wir ihn noch drinnen treffen? Er wohnt, wie ich z1ı gehört habe, bei dem Kallias, dem Sohne des Hipponikos. Lafs uns doch gehen. — Da sagte . ich: Jezt gleich, mein Guter, lafs uns noch ‘ nicht dorthin gehen, denn es ist noch zu früh;. sondern lafs uns hier aufstehn, und komm in den Hof hinaus, da-wollen wir auf und abgehend ' verweilen bis es Tag wird, und dann gehen. Ohnedies hält sich Protagoras viel zu Hause, da- rum sei gutes Muthes, wir wollen ihn wohl fin- den. Somit standen wir auf, und gingen imHofe umher. Ich nun wollte gern des Hippokrates Stärke versuchen, betrachtete mir ihn daher recht, und fragteihn: Sage mir, Hippokrates, . zum Protagoras willst du jezt, um ihm Geld für _ dich zu entrichten, hingehn; aber als zu wem willst du doch hingehn? und um was dochzu werden? Wie wenn du zu deinem Namensver- wandten, dem Hippokrates von Kos, dem As w klepiaden, gehen wolltest, dem Lehrgeld für dich zu bezahlen, und es fragte dich Jemand: Sage mir, Hippokrates, dem Hippokrates willse du Lehrgeld entrichten: als wem’ doch? Was würdest du antworten? — Ich würde sag ET TFA _— 239 — | sprach er, als einem Arzte. —' Und um was \ doch zu werden? — Ein Arzt,- sagte er.: „Odef wenn du zum Polykleitos von Argos ak zum Pheidias hier aus Athen zu gehn im’ Sinne hättest, um ihnen Lehrgeld für dich zu entrich- ten, und es fragte dich‘ Jemand: Als’wem ge- denkst du denn “dem Polykleitos oder dem Phei- dias dieses Geld zu entrichten? Was würdest du antworten? — Ich würde sägen als Bildhauern. | Und um was doch selbst zuwerden? — Offen- bar ein Bildhauer. — "Gut, sprach ich. ‚Nun j aber gehen wir zum Protagoras, ich und du, und sind bereit ihm Lehrgeld für dich zu be- | zahlen, wenn das unsrige dazu hinreicht,'und wir ihn um diesen Preis überreden können, wo nicht, auch noch das unserer Freunde daran zu wenden: . Wein uns nun jemand in solchem Eifer über diese Sache sehend fragte: Sagt mir doch, Sokrates und Hippokrates, als wem ge- ‚denkt iktr dem Protagoras dieses Geld zu geben? 4 andern Namen hören wır den Protagoräsnoch ge- nannt, wie den Pheidias einen Bildhauer und den Homeroseinen Dichter? was hören wirähnliches vom Protagoras? — Einen Sophisten, 'o Sokra- tes, sagte er, nennen sie den Mann. — Also als ‚ einem Sophisten wollen wir ihm das Geld ent- _ riehten gehn? — Freilich. — Wenn dich nun ‚Jemand auch das noch fragte: Und um was doch Ibst zu werden gehst du zum Protagoras% — ‚Da sagte er erröthend, denn der Tag schimmerte “2 ‚schon etwas, so dafs ich es deutlich sehen konnte: ‚t es offenbar um ein Sophist zu werden. == Und du, sprach ich, um der Götter willen, wür- h- dest du dich nicht schänen ‚ den Hellenen dich ‚einen Sophisten darzustellen? — Beim Zeus, Was würden wir antworten? mit was für'einem' zı2 vw an N a ee A RR . Sokrates, sagte er, wenn ich reden soll wie PR denke, ja. — Vielleicht aber, Hippokrates, ist ' "gar nicht deine Meinung, dafs dein ‚Unterricht bei dem Protagoras ein solcher sein solle, son- _ - dern so wie der war bei deinem Sprachlehrer, deinem Musiklehrer und deinem Lehrer in den Leibesübungen. Denn in dem Allen nahmst du Unterricht nicht als Kunst, um ein Gewerbe dar- aus zu machen, sondern als Uebung, wie es einem von freier Herkunft, der sich selbst leben ‚soll, geziemt. — ‚Allerdings, sagte er, dünkt mich der Unterricht beim Protagoras mehrvon ı dieser Art zu sein. — Weilst du also wohl, was du-izt zu thun im Begriff bist, oder, merkst du esnicht? sagte ich. — Was meinst du denn? .— Dafs duim Begriff stehst deine Seele einem Sophisten, wie du sagst, zur Bearbeitung zu übergeben, was aber ein Sophist eigentlich ist, sollte mich wundern wenn du es wülstest. Und doch wenn dir dieses unbekannt ist, weilst du‘ auch nicht, wem du deine Seele übergiebst, ob einem guten oder einem schlechten Dinge. — Ich glaube wenigstens, sagte er, es zu wissen. — So sage denn, was glaubst du ist einSophist? — Ich meines Theils, sagte er, wie auch schon der Name besagt, der sich auf kluge Sachen ver- steht. — Aber, sprach ich, dieses kann man auch von Mahlern und Zimmerleuten sagen, das sie die sind, welche sich auf kluge Sachen ver- stehen. Wenn uns aber Jemand weiter fragte, auf was für klugeSachen verstehen sich denn die Mahler, so würden wir ihm sagen, auf BE Verfertigung von Gemählden gehörigen und er auch imübrigen. Wenn uns aber Jemand fragte: Und der Sophist, auf was für kluge Sachen denn der? Was würden wir ihm antworten, y u di er verstehe? was würden or mn | ———— u ge dafs er wäre. — Er verstehe gewaltig zu machen. im Reden. — Vielleicht, sprach ich, sagten wir. dann etwas richtiges, aber Yakasckare doch nicht. -Denn die Antwort bedarf uns noch einer Frage, nämlich im Reden worüber denn der - Sophist gewaltig macht? So wie der Musikmei- ster doch auch wohl seinen Schüler gewaltig macht im Reden, darüber nämlich, worin er ihn auch Sacher hi, macht, über die Musik. - Nicht wahr? — Ja. — Gut, also der Sophist, _ im Reden worüber macht denn der gewaltig? Offenbar über das, worauf er sich auch versteht? — So sollte man denken. — Was ist also dasje- nige, worin er selbst, der Sophist, sachverstän-. ‘ dig ist, und auch seinen Schüler dazu macht? - E .; Beim Zeus, sagte er, weiter weils ich es dir “nicht zu sagen. — "Darauf sprach ich: Wie nun? . weilst du also: welcher Gefahr du gehst deine ‘Seele preiszugeben ? Oder wenn du deinen Kör- ‘ per einem anvertrauen mülstest auf die Gefahr, ob er gestärkt werden würde oder verdorben, - dann wohl würdest du erst vielfach. überlegen, '313 ‘ob du ihn ihm anvertrauen solltest oder nicht, und zur ‚Berathung deine Freunde herbeirufen und deine Verwandte, mehrere Tage lang der. . Sache nachdenkend: was du aber weit höher als ‚deinen Körper achtest, und dem gemäfs alle deine, Angelegenheiten gut oder- schlecht gehen müssen, je nachdem es gestärkt wird oder ver-, dorben, hierüber hast du dich weder deinem Vater n noch deinem Bruder mitgetheilt, noch ir- end einem von uns, deinen Freunden, ob du es iesem eben angekommenen Fremdling anver- trauen sollst oder nicht, nämlich deine Seele; "sondern nachdem du gestern Abend von ihm ge- x hört, wie du sagst, kommst du heute mit dem een Morgen, nicht ewwa um noch darüber f16] brpdind Gespräch und Berathung zu pflegen, ob. du dich. selbst ihm hingeben sollst oder nicht, sondern ganz bereit schon, dein und deiner Freunde Vermögen daran zu wenden, also als wäre dieses schon fest beschlossen, Auf du auf. älle Weise dich zum Protagoras begeben mulst, 'welchen’du doch gar nicht kennst, wie du sagst, noch auch jemals gesprochen hast, sondern du nennst ihn nur einen Sophisten; was aber ein solcher Sophist eigentlich ist, dem du dich selbst übergeben willst, darin zeigst du dich ganz un- wissend: — Als er dieses angehört, sagte er: So hat es’ freilich das Ansehn, o Sokrates, nach dem was du sagst. — Ist etwa, Hippokrates, der So- phist ein Kaufmann oder Kleinkrämer in solchen ‘Waaren, von welchen die Seele. sich nährt? Mir wenigstens scheint er ein solcher, — Aber wo- von’nährt sich die Seele, Sokrates? '— Von Kenntnissen doch wohl, sprach ich. Dafs also "nur nicht der Sophist uns betrüge, Freund, was er verkauft uns anpreisend, wıe Kaufleute und Kräiner mit den Nahrtmgsmitteln für den Kör- perthun. Denn auch diese verstehen selbstnicht, was wohl von den Waaren, welche sie führen, ‚dem. Körper heilsam oder schädlich ist, loben aber alles, wenn sie es feil haben; noch auch verstehen es die, welche von ihnen kaufen, 4. wenn nicht einer davon ein Arztist, oder einer der die Leibesübungen anordnet. Eben so auch die, welche mit Kenntnissen in den Städten um- herziehen, und Jedem der Lust hat davon vı $ kaufen nd verhökern, loben freilich alles w sie feil haben; Yaleicht aber,. mein Bester mag auch unter ihnen so Mancher nicht wissen, was wohl von seinen Waären heilsam oder: schädlich ist für die Seele, und eben so wenig wissen es die, welche von hei kaufen, wei N A, . nn u Ira 2 N d - u ae N FR ad % “ ——— _— £ - . nicht etwa einer darunter in Beziehung auf die Seele ein Heilkundiger ist. Verstehst du dich nun darauf ‘was hievon heilsam oder schädlich ° ist, so:kannst du unbedenklich Kenntnisse kau- fen vom Protagoras sowohl als von jedem An- deren; wo aber nicht, so siehe wohl zu, du Guter, dafs du nicht um dein theuerstes wür- felst und ein gefährliches Spiel wagst. Denn z14 überdies noch ist weit gröfsere Gefahr beim Ein- kauf der Kenntnisse als bei dem der Speisen.- Denn Speisen und Getränke, die,du vom Kauf- mann oder Krämer eingehandelt hast, kannst ' du in irgend einem besonderen Gefäfs davon tragen, und ehe du sie essend oder trinkend in deinen Leib aufnimmst, sie zu Hause hinstel- “len, und auch dann noch einen Sachverständi- gen herbeirufend berathschlagen, was davon - du essen ‘und trinken sollst und. was nicht, und wieviel und wann; so dafs es bei dem Einkauf nieht viel bedeutet mit der Gefahr. Kenntnisse. aber kannst du nicht in einem andern Gefäls da- von tragen, sondern mufst sie nach bezahltem Preise lernend unmittelbar gleich in deine Seele aufnehmen, und wenn du davon gehst ist Scha- . ‚den oder Vörtheil dir schon beigebracht. Dies also lals uns wohl überlegen, und zwar mit Ael- teren als wir sind: Denn wir sind noch zu jung u um'eine so wichtige Angelegenheit zu entschei- den. Jezt indefs, wie wir einmal unsern Sinn . darauf gesezt haben, lafs uns immer hingehn und den Mann hören; haben wir ihn aber ge- „hört, dann auch mit Anderen uns besprechen, Protagoras ist ja ohnedies nicht der Einzige dort, '» sondern auch Hippias aus Elis, und ich glaube auch Prodikos von Keos und viele andere gar weise Männer. / Dies beschlossen gingen wir. _ Undals wir in den Vorhöf kamen, standen wir - - ’ “ ill, und sprachen noch über eine Sache, ‘die uns unterweges eingefallen war. Um nun diese . nicht abzubrechen , sondern’ zu Ende zu brin-, gen ehe wir hineingingen, blieben wir im Vor- . hofe stehen und sprachen bis wir einig waren Reh unter einander. Dies dünkt mich mochte der Thürsteher, ein Verschnittener, , etwa gehört haben, und er scheint wohl wegen der Menge ö der Sophisten Allen die das Haus besuchen sehr 3 unhold zu sein: Als wir daher anpochten, und er aufmachte und uns ansichtug ward, rief er aus: Ja,.jaSophisten! er hat. nicht Mulse; und somit schlug er die Thüre ohne Umstände: mit. beiden Händen recht tüchtig wieder zu, und wir pochten eben aufs neue. . Darauf gab er uns durch die vexschlossene Thüre zur Antwort: Leute,sierihn bei jes der Handlung und Rede belehrenund ihm zeis gen; ‚dies ist recht, "jenes ist tinrecht, dies gut, jenes schlecht, dies fromm;,; jenes &ottlos, dies thue, jenes:thue nicht; und wenn er gutwillig gehorcht, gutz wo nicht; so: suchen sie ihn wie ‘ein Holz, das sich'geworfen und verbogen hat, wieder grade zu. machen ‘durch: Drohungen und. Schläge. Hernach wenn'sie ihn. in die Schule ;schiken , schärfenssie.dem Lehrer weit dringen- der ein, für die Sittsamkeit: der Kinder zu sor-. gen als für ihr-Lesen und ihr Spiel. auf: der Lyrai ‘ Die Lehrer haben. also hierauf. nicht: nur Acht; ' sondern auch ‚wenn die Kinder. nun Lesen ge lernt haben, und nun ‚auch 'däs Geschriebene verstehen wie vorher nur den Ton, so geben sie, ihnen: äuf den Bänkcheni die Gedichte der tref- lichsten Diehter zu lesen, und. lassen siessie ein- lernen, in denen viele. Ermahnungen: enthalten. ‚sind, so auch rühmliche Thaten-und Bobprei- ‚sungen altertreflicher Männer,.damit der Knabe. sie bewundernd: naechahme,- und. sich: bestrebe - auch ein solcher zu werden. Ebenso sieht. der z36 ‚Musikmeistzr nicht minder auf ihre Sittsamkeit, und dafs die Knaben nicht Unfug treiben, Ue- berdies wenn. sie ‚nun, die Lyra. spieleni gelernt haben, lehrt dieser. ihnen ‘wiederum ‚anderer. vortreflichen Dichter, (nämlich. der: liederdich- tenden Gedichte, welche er.den Gesangweisen: unterlegt ,; und, arbeitet dahin. Zeitmaafs ‚und. | | ‚den ‚Seelen der. Kinder geläufig zu Br. \ a " z } -— 262 — machen, damit sie milder werden; und indem sie Maafs und Ton halten, auch geschikter zum Reden und Handeln.: Denn überall bedarf das Leben der Menschen Richtigkeit’ im! Zeitmaafs und im Zusammenklang. ‘Ueber das alles schik- ken sie’sie noch zum Meister der Leibesübun- gen, damit‘ sie dem Körper nach besser ausge- bildet, auch der richtig gesinnten Seele ge ehor: n | chen können; und nicht nöthi haben sic feigs herzig; zurükzuziehn ‘wegen des Körpers‘ ‚Uns tüchtigkeit, esısei num im Kriege oder bei an- dern Verhandlungen. Und:dieses'nun führt äm besten aus, wer es am besten vermag; am besten aber vermögen es die Reichsten, deren Kinder auch am frühesten in ihrer Jugend anfangen die Leehranstalten zu "besuchen; und sie 'am'späte- sten wieder verlassen. : Wenn sie dann aber ihre Lehrer‘ verlassen, so nöthiget ‘wiederum der Staat sie, die Geseze zu lernen und nach diesen zu leben, wie nach einer Vorschrift,’ damit sie nicht .eignem ‚Gutdünken folgend etwas Unge- schiktes beginnen; sondern recht eigentlich wie _ der Sprachlehrer den Kindern, die noch nicht schreiben können, die Buchstaben mit dem Grif- fel vorschreibt, 'und ilinen dann die Tafel hin- giebt und ihnen befiehlt, diese Züge, "wie er sie ihnen vorgeschrieben hat, nachzuziehen, eben. so: schreibt der Staat die Geseze vor von ref: .:. chen alten Gesezgebern ausgedacht, und be- . fiehlt ihnen nach diesen zu regie;sn und sich regieren zu lassen, Wer aber hievon abweicht, den züchtiget er, “und diese Züchtigung heißse bei euch und an vielen! andern Orten, gleich« ‚sam weil die Strafe den Menschen wieder weise macht, eine Weisung. Da nun sowohl zu Hause als von Staats wegen so viele Sorgfalt auf.die Tu- gend gewendet wird , wie kannste du dich BR . . . N sch PR & - er _ r wir De j — 263 — wundern, Sokrates, und Zweifel hegen, ob sie lehrbar sei? Divühoe ist sich nicht zu wundern, | sondern vielmehr wenn sie nicht lehrbar wäre. Weshalb aber mifsrathen viele Söhne vortrefli- cher Männer? Das erfahre nun auch. Dies näm- ° lich ist nichts wunderbares ‚ wenn ich anders im vorigen richtig gesagt habe, dafs in dieser Sache, nämlich der Tugend, wenn es Staaten geben soll, niemand unwissend sein darf. "Wenn dieses sich | so’ wie ich sage verhält, es verhält sich ‘aber E allerdings und aufalle Weise so, 50 erwäge ein- Geschiklichkeit, an. welcher du am liebsten willst. Wenn es keinen Staat geben könnte, wofern wir nicht alle Flötenspieler wären, wie gut eben jeder könnte, ‘und wenn hierin Jeder ‘öffentlichen Leben, und den schlechtspielenden hielte, so wie jezt keiner dem Andern das 6e- r hie! und Gesezmälsige vorenthält oder ver- ‚ birgt, vie es wohl in andern Künsten geschieht: " denn Jedem von uns glaube ich nüzt die Gerech- ‚tigkeit und Tugend der .Andern, deshalb lehrt En 0 ——— ——j i sezmäfsige ; wenn nun eben so im Flötenspie= len’ Jeder dem Andern alle Bereitwilligkeit und Dienstfertigkeit erzeigte ihn zu unterrichten: rt du, Sokrates, sagte er, dafs auch als- ade die Söhne guter Flötenspieler eher gute ‚Flötenspieler erden würden als die Söhne Be ech Ich glaube es nicht, sondern werıdie besten Anlagen zum Flötenspieler hätte, "wessen Sohn er auch wäre, der würde zu einem . ausgezeichneten ‘gedeihen, wem es aber daran ! Fa der Sohn eines guten Elötenspielers ein mal die Sache an irgend’ einer andern Kunst und. Jeder so gern den Andern das Gerechte und Ge- fehlte „würde unberühmt bleiben, und oft - “ 5°7 ‚den andern unterrichtete zu Hause und im. tadelte, und ihm dies nicht neidisch vorent- schlechter werden, und der eines schlehten ein guter;.aber Alle würden: doch ordentliche Flö- tenspieler sein. in Vergleich mit den Ununter- richteten, die gar nichts vom Flötenspielen ver- stehen, $o glaube nun auch -jezt, dafs selbst derjenige, welcher sich dir als der ungerechtena ste zeigt, von Allen die unter Gesezen und nit - Menschen auferzogen sind, dennoch gerecht ist, und wirklich ein’ ausübender Künstler in dieser Sache, ‘wenn du ihn mit solchen Men- schen vergleichen solltest ‚ die gar keine Erzies hung haben, keine Gerichtshöfe, keine Geseze, und überall keinen Zwang, der sie zwingt sich‘ in allen Stüken der Tugend zu befleifsigen, son" dern die solche Wilde wären, -wie- sie uns im vorigen Jahre der Dichter Pherekrates am Baks chostest. aufgestellt hat, _Wahrlich,: wenn du dich unter solchen. Menschen befändest, wie ' die Menschenfeinde in jenem Chore, würdest du sehr zufrieden sein, wenn du auch nur eineh. Eurybatos oder Phrynondas anträfest, und wür- , dest jammern aus Sehnsucht nach der Schlech- tigkeit:der hiesigen Menschen, Nun aber bist _ ‘du verwöhnt, Sokrätes, weil eben Alle Lehrer der Tugend sind, Jeder so gut er kann, und‘ findest deshalb gar keinen, Eben als wenn du nachfragtest, wo.+es wohl einen Lehrer im helle- nisch sprechen gäbe, würdest du auch keinenein- zigen finden, Ja ich glaube nicht einmal, wenn du nachfragtest, wer wohl die Söhne unserer, Handarbeiter in der Kunst unterrichtete, die sie 3:8 bereits von ihrem Vater, so weit er esim Stande war, und von seinen kunstyerwandten Freun- den gelernt haben, Wer unterrichtet diese - wohl noch besonders? Ich glaube, es würde. nicht leicht sein, Sokrates, einen Lehrer für sie zu finden, dagegen für die nöch ganz un. Au ' ' x —- 265 nf kündigen sehr leicht. $o ist. es in der: Tügend und in allen andern Dingen: '/Also.wenn einer auch nur um ein Weniges besser versteht sie in der Tugend weiter zu bringen, mufs 'manes gern annehmen. Von welchen nun auch! ich glaube einer zu sein, und besser als andere Men- schen mancherlei zu verstehen, wodurch einer gut und treflich wird, wohl wert der Beloh- "nung die ich dafür fordere; und noch einer grö- (seren, nach dessen Meinung selbst der sie ges lernt hat. Daher ich auch diese Art meine Be lohnung zu bestimmen eingerichtet "habe; ‘Wenn nämlich Jemand bei mir gelernt 'hat,' und er | will, so giebt er mir den Preis den ich fordre, „wo hicht, so geht er in den Tempel, und schwört dort wieviel er die erworbenen Kemnt- hisse werth halte, und so viel giebt er mir dann. Somit, Sokrates, sagte er, habe ich dir durch Geschichte und Gründe erwiesen, dafs die Tu- gend allerdings lehrbar ist, und dafs auch die Athener sie dafür halten, und dafs es dennoch nicht zu verwundern ist, wenn die Söhne guter ‚Väter schlecht und schlechter gut werden. Denn * auch die Söhne’ des Polykleitos von gleichem Alter mit dem Paralos und Xanthippos hier sind. nichts ‘in Vergleich mit‘ ihrem ‘Vater; ‘daraus: ‚ — 9 — wäret Und wie Au? würdest du nicht.so ant« worten? — Allerdings, sagte er. — Wenn er _- mun hierauf spräche fragend: Wie habtihr doch vor kurzem gesagt? habe ich euch etwa nicht recht vernommen?. Mich dünkt ihr sagtet'die Theile der Tugend verhielten sich so gegen ein- ander, dafs keiner von ihnen wäre wie der an- dere? so würde ich ihm sagen: Uebrigens hast dt wohl recht gehört, dafs du aber glaubst ich hätte dieses auch gesagt, das hast du verhört. Denn, Protagoras hier hat ‚dies geantwortet, ich habe- nur gefragt. : Wenn er nun fragte: Spricht dieser wahr, Protagoras? Du also sagst, kein Theil der Tugend sej wie der andere? x Deine Rede ist dies? Was würdest du ihm antworten? — Natürlich, sagte er, mich dazu - bekennen. — Was werden wir in nun, die- ses eingestanden, antworten, Protagoras, wenn er uns weiter fragt: Also ist die Frömmigkeit nicht wie etwas gerechtes, und die Gerechtig- keit nicht etwas eg; sondern etwas un- "fronmes und die Frömmigkeit etwas ungerech- "tes? also ‘wäre diese ungerecht und jene gott- -1os?. Was werden wir "hr. antworten? Ich meines Theils und für mich wenigstens würde sagen, (dafs die Gerechtigkeit allerdings fromm wäre und die Frömmigkeit gerecht, und auch für dich, wenn du es mir zuliefsest, würde ich das nämliche antworten, dafs die Gerechtigkeit _ entweder dasselbe ist mit der Frömmigkeit oder ihr doch so älmlich, als. nur. irgend möglich, und also auf alle Weise die Gerechtigkeit wie die Frömunigkeit ‚ ünd die Frömmigkeit wie die Gerechtigkeit. Sieh also zu, ‘ob du mir verbie- . test so zu antworten oder ob es dich ebeu so gut ‚dünkt?? — Keinesweges, sprach er, dünkh mich dieses unbedingt so zu sein, dals man zu- FW < N . 331 u, r geben müsse die Frömmigkeit sei gerecht und _ die‘ Gerechtigkeit fromm, söndern mich dünkt wohl noch etwas verschiedenes darin zü sein. Doch was liegt’ daran, sprach er? Wenn du willst soll uns die Gerechtigkeit fromm und die Frömmigkeit gerecht sein! — Oja nicht! sagte ich. Ich begehre gar nicht, dafs ein solches Wenn du willst und Wie du meinst untersucht werde, sondern Ich und Du. Das Ich und Du . sage ich aber auch nur,in der Meinung, der Saz selbst werde am besten- geprüft werden, weın man dieses Wenn du willst ganz herausläfst. — Nun wohl, sprach er, die Gerechtigkeit ist ja allerdings der Frömmigkeit ähnlich; denn ist doch jedes Ding jedem Dinge gewissermaalsen ähnlich. Sogar ist auf eine Art das Weilse dem Schwarzen ähnlich und das Harte dem Weichen, tund was sonst einander am meisten entgegenge- sezt zu sein scheint, und auch das, wovon wir vorher sagten, jedes habe eine eigene Verrich- tung und eines sei nicht wie das andere, die Theile des Gesichtes sind einander doch auch ge- wissermaafsen ähnlich’ und eins ist wie das an- ‘dere, so dafs du auf diese Art auch das beweisen könntest, wenn du wolltest, dafs alles einander ähnlich ist. Aber es ist nicht recht, Dinge die etwas Aehnliches haben gleich ähnlich zu nen- nen, ‚und die etwas Unähnliches haben unähn- lich, auch wenn das Aehnliche und Unähnliche nur sehr wenig ist. — Darüber verwundert, sagte ich zuihm: Verhält sich denn bei dir das Gerechte und das Fromme so gegen einander, dafs es nur ein wenig Aehnliches mit einander hat? — Nicht ganz so, sprach er, aber doch auch nicht so wie du zu glauben scheinst — Ach, sprach ich, weil dir dieses ungelegen zu sein scheint, wollen wir es lassen, und dieses dr e R > ‚tung ziehen. . Du nennst doch Etwas Unsinnigkeit; ist . nicht davon ‘ganz das Gegentheil die‘ Weis ‘heit? — Mich dünkt es so; sagte er. — Und . wenn die Meischen richtig und wie es heilsam ist handeln, dünken sie sich dann besonnen zu sein, wenn sie so handeln, oder wenn ent- B gegengesezt? — Alsdann sind sie besonnen, " .8agte er. — Nicht wahr durch die Besönnen- | heit sind sie besonnen? — Natürlich — Und nicht wahr,, die nicht richtig handeln, handeln | unsinnig und sind nicht besonnen,. indem sie so | handeln? — Das dünkt mich eben so, sagte " er. — Das Gegentheil ist also das unsinnig han« 1 deln vom besonnenen? — Er gab es zu. — Nicht wahr, was unsinnig g sethan wird, wird durch Unsinnigkeit, und was böseateh- durch Besonnenheit verrichtet. — Das "räumte er ein. — Nicht wahr, wenn etwas durch Stärke verrichtet wird, das wird stark gethan, ünd wenn‘ durch Schwäche schwach? — So schien ‚es ihm. — Und was mit Schnelligkeit schnell, was mit Langsamkeit langsam. -- Er bejahete. — Und also wenn etwas eben so gethan wird, wird 'es auch von demselben verrichtet, wenn \ aber entgegengesezt, dann auch von dem ent- gegengesezten. — Erstimmite bei. — Wohlan, sagte ich, giebt es etwas Schönes? — Er räumte 'es ein. — Und ist diesem noch irgend: etwas ent- gegengesezt aufser dem Fäßlichen? — Nichts "weiter. — «Und wie? giebt es etwas Gutes? — Es jebt. — Ist: diesem etwas entgegengesezt aufser das Böse? — Nichts weiter. — Und | wieß giebt es etwas hohes in der Stimme? — Er be N Jahete es. — Ist diesem nichts anders entgegen- | gesezt als nur das tiefe? — Nein, ER ern — | ir; | [72777 } g— | ——— — inderej von dem was du’; sagtest,; 'in Betrach- 558 i 4 er a ‘. Also, sprach ich, jedem. Einzelen von diesen entgegengesezten ist auch nur eins entgegen- gesezt und nicht viele? — Dazu bekannte er sich. — Komm denn, sprach ich, lafs uns zü- sanımenrechnen, was wir eingestanden. Ha- ben wir eingestanden, dafs einem nur eins ent- gegengesezt ist, mehreres aber nicht? — Das ‚haben wir eingestanden. — Und dafs was auf entgegengesezte Art gethan wird, auch durch entgegengeseztes verrichtet wird? — Er be- jahete. — Haben wir eingestanden, dafs was unsinnig gethan wird, auf entgegengesezte Art ethan wird, als was besonnen? — Er bejahete es. — Und das was besonnen gethan wird, durch Bssonnenheit verrichtet wird, was aber unsin- nig durch Unsinnigkeit? — Er räumte es ein. —. Also da'es auf entgegengesezte Art gethan wird, muls es auch durch entgegengeseztes verrichtet werden? — Ja. — Es wird aber das eine durch Besonnenheit und das andere durch Unsinnig- keit verrichtet? — Ja. — Auf entgegengesezte _ Art? — Freilich. — Also auch durch entgegen- i geseztes? — Ja. — Entgegengesezt also ist die . Unsinnigkeit der. Besonnenheit? — Das ist klar. — Erinnerst du dich wohl, dafs im vori- gen von uns eingestanden war, die Unsinnigkeit ' wäre der Weisheit entgegengesezt?,— Das ge- stand er. — Und dafs Einem nur Eins entgegen- gesezt wäre? — Das behaupte ich. — Welche von unsern beiden Behauptungen wollen. wir‘ also aufgeben,’ Protagoras? Die dafs Einem nur Eins entgegengesezt ist, oder jene als wir sag- ten, die Besonnenheit ‘wäre etwas an dene die Weisheit? und beide wären Theile der Tu- gend? und aufserdem dafs jede etwas anderes wäre, wären sie auch einander unähnlich, sie 335 selbst und ihre Verrichtungen, wie die Theile. des | E [ I j | | Sm 273 —— des Gesichts? 44 Welche von beiden wollen wir aun aufgeben? Denn zugleich können diese bei- “den Behauptungen nicht sehr musikalisch vor-+ getragen werden, denn sie klingen nicht zusam- “ men, und Knie nicht zusammen. Wie kön- nen sie auch zusammen klingen, wenn noth- wendig Eins nur Einem entgegengesezt ist, mehreren aber nicht, und sich doch wieder der Unsinnigkeit, welche Eins ist, sowohl die Weis- ‚ heit als die Besonnenheit entgegengesezt zeigt? Ist es so, Protagoras, fragte ich, oder anders wie? — Er mulste es zugeben, aber sehr un- gern. — So wären diese also wohl Eins, die Be- sonnenheit und die Weisheit? Vorher aber zeig- ten sich uns die Gerechtigkeit und die F römmig- keit fast als dasselbe? Komm also, sprach ich, Protagoras, lafs uns nicht müde werden, son- dern nun das Uebrige auch noch durchnehmen. Scheint dir eit’ Mensch, welcher Unrecht thut, wohl besonnen zu seyn indem er Unrecht thut? — Ich würde mich ja schämen, o So- krates, sagte er, dieses zuzugeben, obgleich die meisten Menschen es wohl sagen. — Soll ich ’'also an Jene meine ‘Rede richten, oder an‘ dich? — Wenn du willst, sagte er, so rede zu- erst gegen jenen Saz der meisten. — Gut, sprach ich, mir verschlägt es nichts, wenn du nur antwortest, ob übrigens du selbst dieses an- nimmist oder nicht. : Denn. ich will eigentlich nur. den Saz prüfen, aber es ereignet sich dann wohl, dafs dabei auch ich der Fragende und der © Aütwortende geprüft werden. — Zuerst nun zierte sich Protagoras und klagte, es wäre ein gar shöschwerlichet Saz; öndlich aber 'bequemte er sich doch zu ahtworten. — Komm also, sprach ich, antworte mir von Anfang an. Dünken dich einige Menschen, indem sie Unrecht thun, be- Plat. W. 1. Th. I. Bd. . [18] ur F ‘ 5 > . D = mn | sohnen zu sein? — Es soll sö seinz ‚sagte er. — Unter dem Besonnensein aber meinst du, dafs sie sich wohl besinnen? — Er bejahete es. — Und sich recht besinnen heifst, dafs sie sich wohl beraten indem sie Unrecht thun®? — Das soll gelten, sagte er. — Ob wohl; fragte ich, wenn sie sich wohl befinden beim DE Eee öder - wenn übel? — Wenn sie sich. wohl TR a Nimmst du nun an, dafs einiges gut ist? — Das sage ich. — Ist etwa, sprach ich, dasjenige gut, was den Menschen nüzlich ist? — Nein beim Zeus, sagte er, atıch was den Menschen nicht nüzlich ist nenne ich darum doch gut — Und mich dünkte Protagoras ssıon ganz verdriefs- lich zu sein, und sich zu ängstigen und zu sträu- ben gegen das Antworten; und da’ ich ihn in er Verfassung sah, nahm ich mich in Acht und fragte nur ganz bedächtig weiter. Meinst du nur, ” sprach ich, was keihen Menschen nüz- lich ist, oder auch was ganz und gar nicht nüz-. lich ist, und nennst du auch solche Dinge gut? Keinesweges, sagte er, aber ich kenne sehr viele Dinge, w relche, zwar Hem Menschen völlig un- nüz. sind, ‚Speisen, Getränke, Arzeneien und tausenderlei was nur sonst nüzlich ist, aber einige von diesen‘ Dingen sind zwar für die Menschen hichts von dem allen, wohl aber für die Pferde, andere wieder nur für die Ochsen, andere für die Hunde, noch andere für keines. von allen diesen, wohl aber für die Bäume; ja einiges ist wiederum für die Wurzeln der ‚Bäume. gut, für die Zweige aber schädlich, wie zum Beispiel der Mist um die Wurzeln gelegt allen Pflanzen heilsam ist, wolltest du ihn aber auf die Triebe oder auf die jungen Zweige legen, so, würde alles verderben, So ist auch das Oel allen. Pflanzen sehr schädlich, und auch den; Hamm, N P ’ B EN — 5: — der anderen Thiere sehr verderblich, nur denen des Menschen nicht, denn diesen ist es zum Wachsthum beförderlich und so ‘auch seinem übrigen Körper. Und so schillert das Gute und verwandelt sich immer wieder, dafs auch die- ses hier für die äufseren Theile des Körpers zwar sehr gut ist, dasselbige’aber den inneren sehr übel. Daher verbieten auch, alle Aerzte ‚den Kranken das Oel, bis auf etwas weniges an dem was sie genielsen, nur so viel eben hin- reicht um das Widrige zu dämpfen, was ver- schiedene Speisen sonst für die Empfindungen, die wir durch die Geruchswerkzeuge bekom- men, an sich haben würden. Als er dies gesagt, erhoben die Anwesen- den ein Geräusch von Beifallsbezeugungen, wie schön.er spräche. Ich aber sagte, o Protagoras, ich bin ein sehr vergelslicherMensch, und wenn Jemand so lange spricht, vergesse ich ganz wo- von eigentlich die Rede ist. So wie nun, wenn ich etwas taub wäre, du für nöthig halten wür- dest, ‘wenn du anders mit mir reden wolltest, lauter zu sprechen als mit anderen: so auch jezt, da du mit einem Vergelslichen zu thun hast, be- schneide mir die Antworten und mache sie etwas kürzer, wenn ich dir anders folgen soll. — Wie heifsest du mich denn kurz antworten? etwa kürzer soll ich dir antworten, sagte er, als nö- thig ist? — Keinesweges, sprach ich. — Also 'so viel als nöthig ist? — O ja, sagte ich. — Soll ich dir also so viel antworten als ich für. ' nöthig halte, oder so viel als du? — Ich habe ‚doch gehört, sprach ich, du besälsest die Ge- ‚ schiklichkeit und theiltest sie auch Andern mit, über dieselbe Sache sowohl lange zu reden, wenn du willst, so dafs dir die Rede niemals. abreifst, als auch wiederum so kurz, dafs sich Fr Br niemand kürzer fassen kann als du.‘ Willst du nun mit mir ein Gespräch führen, so bediene ı dich gegen mich der andern Art zu reden, der. in kurzen Säzen. — O Sokrates, sagte er, schon mit vielen Menschen habe ich den Kampf des’ 855 Rredens bestanden, hätte ich aber das ‘gethan, was du von mir verlangst, nämlich immer‘ auf die Art das Gespräch geführt, wie mein Gegner es mich führen ‚hiefs, so würde ich gewifs kein nen Einzigen übervensdens haben, und Protago- ras würde keinen Namen haben unter den Helle- nen. — Ich aber, denn ich merkte wohl, dafs ‘er sich in seinen vorigen Antworten gar nicht gefallen hatte, und.dals er gutwillig nicht ‚wie- der der ‘Antwortende im Gespräch würde sein wollen, glaubte dafs für mich in dieser Zusam-+ menkunft nichts mehr zuthun wäre, und sagte? Aber Protagoras, auch ich bestehe ja keineswes ges darauf, "dafs unsere Unterhaltung gegen dein. Belieben fortgesezt' werden soll; ‚sondern nur, wenn du geheigt bist das Gespräch so zu führen, dafs ich dir folgen kann, will ich weiter mit dir reden. Du verstehst beidelg wie man von dir | ‚rühmt und du auch selbst sagst, ‘sowohl in lang ausgesponnenen als in kurzen Säzen die Unter- haltung zu führen; denn du bist eben ein weiser Mann, ich aber weils nun einmal mit langen Reden gar nicht umzugehn, wiewohl ich sehr wünschte auch das zu verstehen. Also solltest du, der du beides kannst, uns nachgeben, da- mit eine Unterhaltung zu Stande käme. Nun aber da du nicht willst; und auch ich nicht län- ger Zeit habe, und es nicht abwarten könnte, wenn du deine Reden so in die Länge zögest, . denn ich muls anders wohin: so gehe ich; wie- wohl auch {ieses hartk ich gewifs gern von dir. Und mit diesen Worten stand ich auf, um fort- al En ah E m 7 a B Re 2: < . a © 7 ö SR Fe MELDEN er. Se \ — 272 — 5 - zugehen; aber so wie ich aufstand ergriff mich - Kallias mit einer Hand bei der Hand,. und mit der andern hielt er mich hier beim Mantel und - sagte: Wir werden dich nicht loslassen, Sokra- tes, denn wenn du uns fortgehst wird es mit . unserer Unterhaltung gar nicht mehr dasselbe sein. Ich bitte dich also bei uns zu bleiben; denn ich weils Keinen, den ich lieber hören möchte als dich und den Protagoras mit einan- der.reden. Sei also uns Allen gefällig. — Ich , 'erwiederte, ich war-aber schon aufgestanden um zugehen: ‚Immer, Kallias, habe ich an deiner Liebe zur Wissenschaft meine Freude- gehabt, und so lobe.und liebe ich sie auch jezt. So dafs ich dir gern willfahren würde, wenn du etwas möglıches bätest; nun aber ist es, wie wenn du mich bätest mit dem Krison aus Himera, unserm E stärksten Wettläufer, oder mit irgend einem an- dern Wettläufer oder Eilboten zu laufen und | gleichen Schritt mit ihnen zu halten, ich dir j dann sagen würde, mir, wäre es noch weit lie- | ber als dir, wenn ich diesen nachkommen könn- ' .- teim-Laufen; aber ich kann doch nicht. Wün- _ schest'du also mich und den Krison zusammen z;6 - PT? von ‘ Jaufen zu sehen, so bitte diesen: sich zu mir \ herabzulassen; denn ich kann nicht Seschwind N laufen, er aber kann langsam. Willst du also mich und den Protagoras zusammen hören, so ‚bitte diesen, wie er mir vorher geantwortet hat -in kurzen Worten und auf das was ich fragte, so auch jezt noch Mir zu antworten ; wo aber nicht, auf welche Weise soll dann ein Gespräch daraus werden? Ich wenigstens habe immer. | .. geglaubt, dies wären zwei ganz verschiedene Dinge, ein Gespräch mit ‘einander führen, und "Reden halten. — Aber sieh nur, Sokrates, sagte er, Protagoras scheint doch Recht zu haben, IE ap j wenn er verlangt, ihm solle erlaubt sein zu spre- ‚chen, wie er will, und dir wie du willst. — Daratıf nahm Alkibiades das Wort und sagter Du hast Unrecht Kallias! ‘denn Sokrates gesteht _ ja mit der Langrederei nicht Bescheid zu wis- sen, und räumt darin dem Protagoras den Vor- zug ein: aber ein ordentliches Gespräch recht zu ähren? dem Andern Rede zu stehen und ihn dann auch wieder auszufragen, darin sollte es mich sehr Wunder nehmen, wenn er irgend Jemand den Vorzug einräumte, “ Gesteht nun Protagoras seiner Seits, dafs er schlechter ist im‘ Gespräckführen als Sokrates, so ist Sokrates zu- frieden, will er sich ihm uber gegenüber stel« Jen, wohl, so mag er auch ordentlich in Frage und Antwort mit ihm sprechen , nicht aber nach jeder Frage eine lange Rede ausspinnen, der Frage ausweichen, und anstatt den Andern zum Worte: zu lassen immer weiter reden, bis lie mehresten unter den Zuhörern vergessen haben, was die Frage eigentlich betraf. Denn für den Sokrates verbürge ich mich, dafs er es nicht vergessen wird, ob er gleich scherzt und sagt, er sei vergelslich,. Mich also dünkt, des Sokrates Forderung billiger; denn Jeder mufs seine Meinung kund geben. — Nach dem Alki- .biades war es "glaube ıch Kritias welcher sagte: O Prodikos und Hippias, Kallias dünkt mich sehr für den Protagoras zu sein, und Alkibiades ist auch immer rechthaberisch wenn er worauf seinen Sinn gesezt hat. Uns aber ziemt es auf keines von Beiden Seite zu treten, weder des Sokrates noch des Protagoras, sondern nur ins- gemein Beide zu bitten uns die Unterhaltung nicht in der Mitte abzubrechen. — Als er dies 537 gesagt, sprach Prodikos; Sehr richtig dünkst du mich zu sprechen, Kritias. Denn die bei . 279 —ı einer solchen Unterreduig gegenwärtigen müs, sen zwar beide Unterredner insgemein anhören, nicht aber beide gleich, denn da ist nicht einer- lei. Nämlich sie müssen zwar beide insgemein anhören, nicht aber beiden gleiches gewähren, sondern dem Weiseren mel. ‚ dem Unweiseren weniger. Auch ich, o Protagoras und Sokra- tes, bitte euch Beide etwas nachzugeben, und “über eure Säze zu streiten, aber ich? zu zan- ken, denn streiten können auch Freunde mit Freunden in allem Wohlmeinen, aber zanken nur die, welche uneinig und auch feindselig gegen einander sind. Auf diese Art wird unsere Unterhaltung äm schönsten fortgehen. Denn . ° ihr, die Sprechenden, werdet so am meisten von uns, den Hörenden, geachtet werden, nicht, gelobt; geachtet nämlich wir man in den See- len der Hötehden ohne Betrug, gelobt aber mit Worten von Solchen die oft gegen ihre Ueber- zeugung unwahres reden: wir "aber, die Hö- . renden, werden so am meisten Vergnügen da- von haben, nicht Genufs, denn Vergnügen hat auch wer etwas erlernt und Gedanken auffalst mit der Seele selbst, Genufs aber nur wer etwas ilst oder sonst ‚eine angenehme Empfindung. durch den Körper selbst empfängt. — Mit die- ser Rede fand Prodikos bei den mehresten An- wesenden grolsen Beifall. Nach dem Prodikos aber redete der weise Hıppias. Ich halte euch, sagte er, ihr ‚versammelten Männer, für Ver- wandten und Befreundete und Mitbürger von Natur und nicht nur dem Geseze nach. Denn das Aehnliche ist dem Aehnlichen van Natur ‚verwandt, das Gesez aber, welches ein Tyrann ‘der Menschen ist, exrzwingt vieles gegen die Natur. Schändlich also wäre es, wenn wir die Natur der Sache zwar kennen, uns aber den- * Er. noch, obgleich die weisesten unter den Helle- nen, und eben deshalb in dieser Stadt als dem Hauptsiz Hellenischer Weisheit, und in diesem Hause als derh angesehensten und glänzendsten dieser Stadt "versammelt, uns dieser Würde nicht würdig zeigten, ‚sondern uns, wie die ge- meinsten Menschen untereinander veruneinig- ten. Ich bitte und rathe euch daher, o Prota- goras und Spkrates, ench von uns, als euern Schiedsrichtern, m der Mitte zusammengeführt - - zu vereinigen, so:dals weder du diese strengste Art des Gespräches forderst, die allzugedrun- gene Kürze, wenn sie dem Proötagoras nicht an- bi genehm ist, sondern den Hedew . ein wenig. die Zügel nachlassest, damit sie sich muthiger ı und. ‘in schöneren Bewegungen vor uns zeigen kön» nen, noch auch Protagoras alle Segel beiseze, um mit vollem Winde Ads Land ganz aus dem Gesicht verlierend in die hohe See der Reden zu entfliehen, sondern das ihr euch beide in einem mittleren Durchschnitt. haltet. Folget . mir daher und macht es so, dafs ihr einen Kampfrichter und Aufseher und Vorsizer erwäh- , let, welcher darauf halte, dafs Jeder von euch \ das gehörige Maafs in seinen Reden beobachte, — Das gefiel den Anwesenden, und sie lobten ihn alle, und Kallias versicherte er würde mich nicht loslassen, , und sie baten einen Aufseher zu erwählen, Ich sagte also, es würde schimpf- lich sein einen Kampfrichter für unser Gespräch zu bestellen; denn wenn der gewählte schlech- ter wäre als wir, so wäre es nicht richtig, daß. der Schlechtere über Bessere die Aufsicht führe, Wenn er uns ähnlich wäre, wäre es auch so nicht richtig; denn der Aehnliche würde: auch ähnliches wie wir thun, so dafs er ganz zum Ueberflufs würde gewählt sein. Aber ihr are Tr —- u — det freilich einen Besseren als wir sind erwäh- len. . Einen in der That weiseren als unser Pro- tagoras, ist euch, glaube ich, unmöglich zu äh, Werdet ihr aber‘ einen wählen; der nichts besser ist, von dem ihr es aber behaup- tet, so ist auch Tas für diesen hier schimpflich, dafs ihr ihm wie einem gemeinen’ Menschen einen Aufseher bestellt, Aa mir für mein Theil gilt es gleich, Dieses aber will ich thun, da» mit wie ihr es wünscht ‚Unterhaltung und Ge- spräch zwischen uns zu Stande komme. Wenn Protagoras nicht antworten will, so.mag er fra- gen und ich will antw orten, und dabei versu- chen. ihm zu zeigen, wie ich meine, dafs der Antwortende anworten müsse. ‚Nachdem aber . ich geantwortet habe. wie nur er hat. fragen gewollt, soll auch er wiederum gleichermaalsen mir Rede stehen; und zeigt er sich‘ nicht ger neigt auf das gefragte selbst.zu antworten, dann "wollen ich ik) ihr ihn insgemein hiren- wie ihr .jezt mich, ‚uns _die Unterhaltung nicht zu ZErstömgn. Und es: braucht deshalb nicht ein „eigener Aufseher bestellt zu werden, sondern ihr Alle könnt insgemein die Aufsicht führen, Alle waren der Meinung so mülste es gehalten werden. Und Protagoras wollte zwar gar nicht recht , ‘ward aber doch genöthigt zu verspre- chen, dafs er fragen, und wenn er genug; ger. fragt hätte, auch wiederum Bed stehen und in der Kürze antworten wollte. Er fing also an zu fragen, ohngefähr so, Ich glaube, sprach er, o- ‚Sokrates, dafs es “ein wichtiges Stük der Bildung. ist für’ einen Mann, in Gedichten stark zu sein. Dies be- steht aber darin, dafs er im Stande ist, das von den Dichtern gesagte zu verstehen was gut ger “ dichtet ist und was nicht, auch es erklären und 359 wenn er gefragt wird, Rechenschaft geben zu — 282 u können. So soll auch“ jezt zwischen uns die Frage noch: ferner von derselben Sache sein, worüber wir izt sprechen ich und du, nämlich von der Tugend, nur zunächst in Beziehung ‚auf ein Gedicht; dies soll der ganze Unterschibd sein. Simonides sagt doch irgendwo zum Sko- pas dem Sohne des Thessalier Kreon: Ein tref licher Mani zu werden schon wahrhaftig,‘ ist schwer, ein kernfester von Hand und Fuls und Sinn und tadellos gebildeter. Kennst du das Lied, oder soll ich es dir ganz hersagen? — Ich sagte, es ist nicht nöthig, denn ich kenne es, und gar viel Mühe habe ich gehabt um das Lied. — Schön, sprach er. Glaubst du also, dafs dies gut und richtig gedichtet ist oder nicht? — Sehr gut, sagte ich; und auch rich« tig. — Dünkt dich das gut gedichtet, wenn der Dichter sich selbst widerspricht? — Nicht gut, sagte ich. — Ueberlege es dir noch besser, sprach er. — Aber mein Güter ich habe es hinlänglich bedacht. — Weilst du wohl, sprach er, aals er weiterhin im Gedicht irgendwo sagt: ; Auch ist mir nicht abgemessen genug das Pitta- . keische Wort obwohl , von einem weisen Manne gesprochen: schwer ist es, sagt er, tugendlich sein. Bedenkst du ‘wohl, A er derselbige Mann dieses sagt, und Be? jenes vorige? — Ich weils wohl, sagte ich. — Diünkt dich denn, sprach er, dieses: mit jenem übereinzustim+ men? —: Mir scheint es, sagte ich. Zugleich aber ward mir bange, was er sagte möchte doch uns sein ; una fragte. Also dir‘ erscheint es nicht so? — Wie söllte auch wohl derjenige mit sich selbst übereinstimmend erscheinen » der dieses beides sagt, zuerst selbst annimmt, es sei schwer in Wahrheit ein treflicher Mann zu j werden, nachdem er aber etwas weiter vorge- rükt ist im Gedicht, dies wieder vergifst und, den Pittakos, der ganz dasselbe sagt wie er, dafs es schwer sei tugendlich sein, darüber tadelt, und ihm nicht beistimmen will, da er doch ganz, das nämliche wie er selbst behauptet. Wenn er nun den tadelt, der dasselbe wie er sagt, so ist doch offenbar, dafs er sich selbst auch tadelt. So dafs entweder das erste oder das andere nicht richtig ist. Als er das gesagt, erregte er wie- der Geräusch und Beifall von Vielen der Zuhö- rer. Mir aber wurde zuerst, als wäre ich von einem guten Faustkämpfer tüchtig getroffen, ganz dunkel vor den Augen und schwindlich als er das sagte und die Andern das Geräusch des Bei- falls erhoben. Hernach aber wendete ich mich, ‚damit ich dir doch die Wahrheit sage, um Zeit zu gewinnen zum Nachdenken, was der Dich- ter wohl meinte, zum Prodikos, rief ihn auf und sagte; Prodikos, dein Landsmann ist ja Si- mönides, du bist schuldig |dem Manne beizu- stehen. Ich werde dich also dünkt mich zu Hülfe rufen, wie Homeros erzählt, dafs Ska- mandros vom Achilleus bedrängt den Simoeis . „zu Hülfe gerufen und gesagt habe ; Bruder wohl- 34° | an! die Gewalt des Mannes da müssen wir beid’ . „izt Bändigen. Dergestalt rufe auch ich dich herbei, damit Protagoras uns den Simonides nicht ganz werf’ in den Staub. Ueberdies auch ‚bedarf des Simonides Vertheidigung deine Ton- kunst, durch welche du das Wollen und Begeh- ren unterscheidest, dafs das nicht einerlei ist, und was du mir eben wieder in dieser Art Vieles und Schönes gesagt hast. Sieh doch-also auch hier zu, ob du derselben Meinung bist wie ich. Mir nämlich scheint es nicht, als ob Simonides sich selbst widerspräche. Du aber, Prodikos, Ba > 0° eröfne zuerst deine Meinung. .Dünkt dich das Werden und das Sein einerleı oder zweierlei? — Zweierlei beim Zeus, sagte Prodikos. — Hatte nun nicht, ‚sprach ich, in der ersten’ Stelle Si- monides seine eigne Meinung dahin geäufsert, dafs ein treflicher Mann in Wahrheit zu werden schwer wäre? — Du hast ganz recht, sagte Prodikos. — Und Pittakos; fuhr ich fort, den er tadelt, sagt gar nicht wie Protagoras aehs dasselbe, ‚sondern etwas Anderes; Dem Pitt kos sagt gar nicht schwer ist estugendlich ver den, ‘wie’ Simonides, sondern sein, Uäad wie unser Prodikos sagt, .o Protagoras, so ist Wer- den und Sein gar nicht das nämliche, ist aber Werden und Sein nicht dasselbe, so hat auch Simonides nichtsich selbst widersprochen. Viel» leicht würde auch Prodikos und mancher An- dere sagen, nach dem Hesiodos sei. gut zu wer- ‘den zwar schwer, denn vor die Tugend, hätten die Götter den Schweils gestellt, wäre aber einer erst zum Gipfel ‚gelanget, aisdann werde sie leicht, wie schwer sie zuvor auch gewesen. zu. erlangen. — Als Prodikos dies hörte, lobte er mich, Protagoras aber sagte: Deine Vertheidi- gung, Sokrates, ist noch schlimmer als was du vertheidigst. — Dann, sprach ich, habe ich schlechte Arbeit gemächt, und bin wohl ein lächerlicher Arzt, wenn ich durch ‚meine Be-* - ‚handlung die Krankheit versehlimmere. — Aber so-verhält es sich, sagte er, — Und wie so? fragte ich, — Grofser Unverstand, sprach « er, wäre ja das von dem Dichter, wenn er es so für etwas geringes hielte die Tugend zu besizen, was unter allem das schwierigste. ist, wie alle Menschen glauben. — Darauf sprach ich: Beim Zeus, recht zur gelegenen Zeit ist Prodikos uns zugegen bei der Verhandlung, Denn es mag u wohl, o Protagoras, des Prodikos Weisheit eine göttliche sein schon seit lange her, habe sie nun * vom Simonides angefangen oder noch weit eher. Du aber wiewohl so vieles Anderen kundig bist. dieser offenbar unkundig, nicht wieich kundig 34 als ein Schüler des Prodikos. Auch izt dünkst du mich nicht zu merken, ‚dafs Simonides ‘auch dieses Schwer vielleicht gar nicht so gemeint hat, wie du es meinst, sondern wie Prodikos nich immer schilt wegen des Furchtbaren, wenn ich dich oder einen andern lobend sage, 'Prota- . goras ist doch gar ein weiser und furchtbarer Menn, und mich fragt, ob ich mich denn nicht schäme etwäs Gutes furchtbar zu nennen. Denn das Furchtbare; sagt er, ist böse, kein Mensch : redet ja jemals von furchtbarem Reichthriih oder furchtbarem Frieden oder furchtbarer Gesund« ‚ heit, sondern von furchtbarer Krankheit, furcht- , barem Kriege, furchtbarer Armuth. Vielleicht .mun verstehen eben sö die Keet und mit ihnen Simonides unter Schwer entweder das Böse oder sonst etwas was du nicht weifst. : Lafs uns also den Prodikos fragen, denn es ist ja billig über des Simonides Sprache ihn zu befragen.“ Was doch, o Prodikos, hat Sinoidices: mit +dem E Schwer ‚gemeint? — Das Böse, sagte er. — Und deswegen, Prodikos, sprach ich, tadelt er BE auch wohl "den Pittakos, welcher 'sagt Schwer istestugendlich sein, als ob er ihn hätte sagen * gehört Böse ist es tugendlich sein. — Was sonst, E sagte er, glaubst du denn habe Simonides sagen gewollt als eben dieses, und dafs er .dem Pitta- kos vorwerfen will er wisse die Worte nicht zu . unterscheiden, wie denn dieser auch ein Lesbier war, ein.in barbarischer Mundart auferzoge- mer. — Du hörst doch, Protagoras, sprach ieh, was Prodikos sagt; hast du etwas dagegen - bj \ — 286 — Te y ur zu sagen? — Darauf sagte Protagoras: Weit gefehlt , Prodikos, dafs es sich so, verhalten , sollte. Sondern das weils ich ganz gewils, dafs - Simonides unter Schwer eben das verstanden hat, was wir Andern darunter verstehn, näm- "lich nicht das Böse, sondern das was nicht leicht ist, sondern nur durch viele Mühe zu erlan- gen. — Auch ich glaube, sprach ich, dafs Si- monides dieses gemeint hat, und dafs mich Pro=- dikos es recht gut weils, er scherzt aber und scheint dich versuchen zu wollen, ob du im Stande sein wirst deinem Saz beizustehen. Denn dafs Simonides unter dem Schweren nicht das Böse versteht, davon ist gleich das folgende ein deutlicher ‚Beweis wo er sagt: Gott allein mag diese Ehre besizen, Denn hätte er gesagt Böse ist es tugendhaft sein, so konnte er ja unmög* . lich hernach sagen dies komme Gott allein zu, .und Gott allein diese Ehre beilegen. : Oder Pro- dikos müfste einen ganz ruchlosen Simonides ‚meinen und gar nicht einen Keischen. Aber was mir Simonides zu beabsichtigen scheint in diesem Liede, das will ich dir sagen, wenn du doch einen Versuch von mir sehen willst, ob ich was du nennst in Gedichten stark bin; wenn _ du aber willst, will ich es von dir hören. — 542 Protagoras nun, als er mich dies sagen hörte, sagte: Wenn du willst, Sokrates. Prodikos und Hippias aber drangen sehr darauf und die an- dern auch. — So willich denn, sprach ich, was ich von diesem Liede 'denke, versuchen euch darzulegen. Am allerältesten nämlich und auch ‚am ausgebreitetsten ist unter den:Hellenen die Philosophie in Kreta und Lakedämon. Auch . ® die meisten Sophisten sind dort zu Lande, aber sie verläugnen es und stellen sich unwissend, da | mit sie nicht bekannt dafür werden, dafs sie die j P 1. 7 übrigen Hellenen an Weisheit übertreffen, eben wie jene Sophisten von welchen Protagoras vors her sagte, sondern damit sie das Ansehen haben als überträfen sie sie nur im Fechten und in der Tapferkeit, weil sie glauben, wenn sie für das erkannt würden wäs sie sind, würden sich eben ‘darauf Alle befleifsigen. Nun aber indem sie das wahre verborgen gehalten, haben sie die in andern Staaten Lakonisirenden getäuscht, dafs diese um ihnen nachzuahmen sich die Ohren einschlagen, nicht anders als mit Kampfriemen | gehen, ich ganz den Leibesübungen ergeben und kurze Mäntel tragen, als ob hiedurch die Lakedämonier die Hellenen beherrschten. Die Lakedämonier aber,»wenn sie einmal in'Ruhe ihren Sophisten zuhören wollen, und es ihnen schon zuwider ist. sich nur heimlich bei ihnen |, zu versammeln, veranstalten sie eine Austrei- bung dieser Lakonisirenden, und wer sonstnoch von Fremden sich bei ihnen aufhält, und besu- chen dann ihre Sophisten den Fremden unver- merkt. Sie, aber lassen von ihren Jünglingen keinen in andere Staaten reisen, wie auch die Kreter nicht, damit sie nicht verlernen was sie ihnen nn. Und in diesen beiden Staaten giebt es nicht nur Männer, welche sich ihrer Ausbil-. dung rühmen, sondern auch Frauen. Dafs ich aber dies Alles mit Wahrheit sage und die Lake- dämonier auch zur Philosophie und zum Reden am besten unterrichtet sind, das könnt ihr hier- -aus abnehmen. ‚Wenn ni Jemand auch mit dem . schlechtesten Lakedämonier einläfst, er wird finden, dafs dieser sich lange Zeit in sei- ‚nen Reden ganz schlecht zeigt, hernach aber ‘wo es sich triflt im Gespräch schiefst.er auf ihm. 'ein tüchtiges ganz kurzes zusammengedrängtes “Wort wie ein gewaltiger Bogenschüze, so dals. = be ER ee } ® . wer mit ihm spricht nicht besser als ein Kind gegen ihn erscheint. Eben dieses nun haben - Einige von den Neueren wohl eingesehen und ‚auch von den Alten, dafs das Lakonisiren weit mehr in der Liebe zur Weisheit besteht als in der Liebe zu den Leibesübungen, wohl wis- send, dafs solche Sprüche reden zu können nur dem vollkommen Unterrichteten gegeben ist. Unter. diesen nun waren auch Thales von Mile- ‚tos, Pittakos von Mitylene, Bias von Priene, =“ Solon: von uns, Kleobulos von Lindos, Myson - von Chenä, uud der siebente der zu diesen ge- zählt wird Chilon ist: selbst ein Lakedämonier. Alle diese waren Nacheiferer, Verehrer und Lehrlinge der Lakedämonischen Künste. Denn Jeder kann ihre Weisheit wissen, dafs sie von dieser Art ist, kurze denkwürdige Sprüche die ein jeder geredet hat. So haben sie auch ge- meinschaftlich Musterstüke ihrer Weisheit dem Apollon und seinem Delphischen Tempel gewid-. , met, das aufzeichnend was in aller Munde ist, +das Kenne dich selbst und Nichts zu viel. - Wes- halb sage ich nun dieses? weil das die Weise der Alten war in der-Philosophie, dergleichen lako- nische kurze Säze. Und so ging auch dieser Spruch des Pittakos herum von den Weisen viel- gepriesen: Schwer ist es tugendlich sein. Simo- nides nun, auch dem Ruhm der Weisheit nach- trachtend, gedachte wenn er diesen Spruch nie- derwierfeu könnte wie einen berühmten Fechter und überwinden, müfste auch er.berühmt wer- den unter seinen Zeitgenossen. Gegen: ‚diesen: Spruch also, dem er dieser,Ursach wegen nach- stellte, um ihn zu unterdrücken hat er das ganze‘ . Lied gedichtet wie es mirscheint. Lafst es uns‘ einmal betrachten ‚ob ich wohl 'recht habe. ; Denn gleich der Anfang des Liedes müfste: als / Br: n — 289 — unsinnig erscheinen, wenn er überhaupt nur hätte sagen wollen ,: dafs es schwer wäre ein treflicher Mann zu werden und hätte doch die- ses Schon 'hineingebracht. ‚Denn dies mufs ohne den mindesten Grund hineingeworfen zu sein scheinen, wenn man nicht annimmt Simonides ‚sage es schon wie im Streit gegen den Spruch des Pittakos. Was nämlich Pittakos sagt, Schwer . Ist es tugendlich sein, dieses bestreitend sagt er: Nein sondern schon ein treflicher Mann zu wer- den ist schwer, o Pittakos, und w ahrhaftig sezt er hinzu, nicht eein:in Wahrheä treflicher. Denn dieses Wahrhaftig sagt er nicht in der Bezie- hung, als;ob. es Einige. gäbe die wahrhaft tref- lich sind und wieder Andere, die zwar treflich sind, aber nichtin Wahrheit treflich, denrf das wäre einfälig, würde ich venigkteirh behaup- ten und nicht vom‘ Simonides; sondern man muls annehmen dieses Wahrhaftig sei eine Wort- versetzung in:deni Liede, und so ohngefähr der Spruch des Pittakos hinzuzudenken, als wenn wir den Fall sezten,. Pittakos selbst redete und Simonides antwortete, und jener sagte: O ihr . Leute; schwer ist’es tugendlich sein; und dieser "antwortete: [07 Pittakos, dwredest nicht richtig ; ‚denn nicht zu: sein, sondern schon zu werden ein treflicher Mann, kernfest an Hand und Fufs 344 ‚und Sinn und tadellos gebildet ist- wahrhaftig+ ‚schwer. Auf diese Art ist das Schon vernünftig "hineingebracht und das schwer steht hinten wie es sich gebührt. Auch bestätiget alles folgende, . dals es so gemeint ist: Denn vielfältig könnte ‚man von jedem: Einzelen in diesem Liede ge- sagten zeigen wie schön es gedichtet ist, denn es ist alles sehr anmuthig und bedeutsam; allein . es wäre weitläuftig: es so durchzugehen; aber ‚den ganzen Umrifs desselben lafst uns durchgehn Plat, W. I. Th. I. Bd. . .[19] ee en und die Absicht, dals sie aufialle Weise eine Wi- derlegung dieses Pittakeischen Spruches ist durch das ganze Lied. Denn er sagt'hierauf, nachdem .er noch einiges beigebracht‘ wie wenn er den Saz ee ‚ dafs schon ein treflicher Mann zu werden: wahrhaftig schwer ist,- doch‘ aber möglich auf einige: Zeit wenigstens; wenn man es aber geworden ist atıch in dieser Verfassung zta bleiben und ein treflicher Mann’ fortdauernd zu sein wie du sagst, Pittakos, ‚das: ist unmög« lich und nicht dem Menschen angemessen, son« - dern Gott. allein darf diese Ehre besizen. ıDem Menschen aber ist nicht möglich nicht’ schlecht + zu sein, wenn ihn ein rathloses Unglük danie- der wirft, Wen wirft nun ein rathloses Unglük darfteder bei der Regierung einesSchiffes? Offen- bar doch nicht den Unkundigen, denn ‚der 'ist Da. - + schon immer niedergeworfen.' So wie nun nie- Be mand den TLiegenden niederreifsen kann, son« dern den Stehenden ‘zwar kann: man nieder- reilsen, dafs er ein Liegender wird) den Liegen- dert ah michtt: s0 kam auch nur dem der sich _ sonst wohl zu rathen weiß, ein Hathlosch Unglük Arc danieder werfen, den immer rathlosen 'aber. y nicht. Und.den Stenermann'kann ein Heftiger Sturm der ihn überfällt rathlos' machen, den f Landmann schlechte Witterung die sich ereig- net, und ähnliches auch den Arzt. Denn dem KR Vortreflichen ist es möglich schlecht'zu werden, wie auch ein anderer Dichter bezeugt, welcher sagt: Auch wohl ein Treflicher istnun schlecht, ; dann wieder gi rühmen; dem Schlechten aber ist nicht möglich & zu erdei sondern n - ‚wendig es immer zu sein, so dafs der wohlbe- rathene, weise und trefliche, wenn ihn rathlo- ses Unglük daniederwirfe, nieht anders kann als _ schlecht sein; duaber, en ih eg 5 — 291 — ist es tugendlich sein. Es ist aber zu werden schon schwer, jedoch möglich; tugendlich sein aber: unmöglich. Denn jeglicher Mann wer gut handeltist gut, schlecht aber wer schlecht. Was ‚ist nun im Bücherwesen das gute Handeln? wel- ches macht einen Mann gut hierin? Offenbar die mr einen guten Arzt? Offenbar die Erlernung des Behandelns der Kranken.. Schlecht aber wer schlecht, Wer kann denn ein schlechter Arzt Erlernung davon. Welches Guthandeln macht 345 h werden? ‘Offenbar der, von welcheni zuerst ge- E „sagt werden kann, dafs er ein Arzt ist, und dam ı © dafs er‘ ein guter Arzt ist. Denn der kann auch h ‚ein schlechter werden: "Wir aber, die der Ar- B- zeneikunst Unkundigen, wir können niemals ? durch" schlecht handeln weder Aerzte sales Br noch Zimmerleute, noch’irgend etwas ande« ter. 50 auch’ kann’der‘ iche Marin wohl auch nal schlecht werden, « es geschehe durch Län- y gend einen andern Zufall; denn dies inzige Schlechthandeln, "ne der Er« € jeraubt werden: der schlechte Mann "immer, dem wenn er schlecht werden: soll; mufs er erst wieder gut geworden sein. So dals auch‘ diese Stelle des fibdes darauf abzwekt zu “ möglich der es unaüsgesezt immer bleibe, tref= lich aber ‘zu ‘werden sei möglich, so wie auch ‚eben derselbe schlecht werden könne; am "weitesten aber gedeihen und die treflich- sten sind, ' welche‘die Götter’ lieben. Dieses 0 alles ist gegen den Pittakos gesagt, und auch das folgende in rei Liede mächt dies noch Zeit und: Ermüdung oder durch Krank-, 'zeicen, ein treflicher Mann zu sein sei nicht res, ‚und wer kein Arzt werden kann indem er . schlecht handelt, der auch offenbar kein schlech- Seh: ; * . q - PEN 22 “nr hut... . 22 ee: . ‚ , ER rt) 2 immer deutlicher ' Denn er sagt: Darum will ich auch nie was nicht sein känn suchend, vergeblich wnerfüllter -Hofnung einen Theil rs, Zeiten hinwerfen, einen tadellosen Mann ‚unter Allen die. wir der weitbewohnten Erde Früchte brechen. Find’ ich ihn dann verkünd’ ich es euch. ‘So ,sehr und durch das ganze - Lied fällt er aus gegen den Sprüch des’Pittakos, ‘ Alle daher werde: ich, die nichts Schlechtes völl- ER bringen, aus freier Wahl loben und lieben; der DR‘ Nothwendigkeit jedoch sträuben sich auch Göt« ter nicht. Auch: dies ist wieder in Beziehung hierauf gesagt; ‚ Denn so ungebildet war Simos [ nides nicht, daß er'gesagt.hätte, er lebe. dieje= yr nigen die sichte Disks ae Dpker Wahlihun, as gäbe es auch, solche, die aus freier We f thuns ‚Ich w enigstens glaube dieses; ‚kein x ; weiserMann der-Meinung ist, irgend ein Mensch fehle jaus: freier Wahl ‚oder vollbringe irgend #Ar: etivas Böses an tesa e PUR, ? dern sie wissen wohl, ‚Alle "0... und Schlechtes thun, es’ unfreiwillig her auch Simonides nicht sagt, er der nicht freiwillig Böses thue Le i ; sondern dieses aus freier Wahl bezi. h . ihn selbst, . Er glaubte nämlich ein gute J i - edler Mann müsse'oft sich selbst zwi Sr mandes Freund und Lobredner zu werden, wie ja Mancher unselige Eltern habe oder ein sol- ‘ches Vaterland oder sonst etwas dergleichen, Schlechte Menschen nun die so etwas beträfe, _ sähen es fast gern und verbreiteten tadelnd und. anklagend die Schlechtigkeit der Eltern oder des "Väter lendes „ damit;sie Selbst von. den Menschen nicht ihrer Vernachläfsigung wegen möchten angeklagt, und ihnen dies zur Schande ange rechnet werden, dafs sie sie vernachläfsigen. fe N EI AR ER in ’ 2 — 253 u Weshalb sie sie auch wohl über die Gebühr tas deln und zu den unvermeidlichen Mifshelligkeis ten noch selbstgemachte hinzufügen. GuteMen- ‚schen aber suchten dergleichen zu verbergen . und zwängen sich noch zum Lobe, und wenn sie wegen erlittenen Unrechtes gegen solches Vaterland oder Eltern in Zorn geriethen, er- mahnten sie sich selbst und versöhnten sich, in- dem sie sich noch nöthigten die Ihrigen zu lie- ben und zuloben. Und oftauch meine ich hat Simonides selbst: geglaubt einen Tyrannen oder ‚einen Andern gelobt und gepriesen zu haben ‚nicht aus freier Wahl, sondern gezwungen. Die- ‚ses sagt er daher auch dem Pittakos: Ich, o -Pit= ' takos, tadle dich nicht etwa deshalb, weil ich Ex tadelsüchtig wäre. Denn mir genügt wer nicht schlecht ist noch gänzlich thatenlos. Wissend was sich gebührt, wird allezeit nüzen dem Staat “ ein gesuhder Mann. Nicht willich ihn tadeln, denn nicht bin ich ein Gerntadler; unzählig sind ja die Geschlechter der Thoren, dafs wer „tadeln will genug haben kann, wenn er jene ta- delt. Alles sei schön dem nichts schlechtes ist 'beigemischt. Dies meint er nicht so. als ob’ en ' sagte: alles ist weils dem nichts schwarzes ist beigemischt, denn das wäre ja lächerlich auf alle Weise, sondern er will sagen, dafs er selbst sich auch an dem. mittelmäfsigen genügen läfst, ' so.dafs er es nicht tadle. Und. ich suche nicht, . sagt er, einen tadellosen Mann unter allen die ' wir ‚der weitbewohnten 'Erde Früchte hre- ' chen. Find’ ich ihn dann verkünd’ ich es euch., ini Also nicht deshalb allein will ich loben, ‚son- dern es genügt mir wenn sich emer in der Mitte ‚hält und nichts schlechtes thut, . Daher werde, er © ich Alle loben und heben, und: hier bedient'er. Nr sich gar der Mundart der Miiylener, .alsısagtei f Er % F; $ R » 547 er 294 ea er nisdrükkich zum Pittäkos diesss, Alle Anke: werde ich, die nichts Schlechtes vollbringen, und hier Role man inne halten bei dem vollbrin- gen, aus freier Wahl loben und lieben, denn es: giebt auch die ich wider Willen lobe und liebe, Auch dich, wenn du auch nur mittelmäfsig wahr und verständig gesprochen hättest, o Pittakos, hätte ich nimmer getadelt, 'nun aber täuschest du dich zu sehr und über die wichtigsten Dinge und glaubst doch etwas Wahres gesagt zu har ben, echaib tadle ich dich. In.dieser Meinung, o Prodikos und Protagoras, dünkt mich Simo- nides dieses Lied gedichtet zu haben. — Darauf sagte Hippias: Sehr gut, Sokrates, ‚dünkt mich hast ‘auch.du dieses Lied erklärt; indefßs habe ich auch darüber eine ganz schöne Rede, welche _ ich euch vortragen oh, wenn ihr wollt. — O ja, sprach Alkibiades, hiermach nämlich. Jezt aber mufs erst noch, wie Protagoras und Sokra» "tes übereingekommen sind, entweder wenn Pro» tagoras noch etwas ‚fragen will, Sokrates ant+ worten, oder wenn jener dem Bokharab antwor- ten will, dieser fragen. ‚Ich sagte darauf: ‚Für mein Theil ihärlasge ich dem Protagoras wel- ches ihm heber ist; will er indefs, so wollen wie Lieder und Gedichte bei Seite lassen; worüber ich dich aber. zuerst fragte, Protagoras, das möchte ich gern mit: dir untersuchend zu Ende » bringen.. Denn.mich dünkt: ein Gedicht zum. Gegenstande des Gesprächs zu machen habe allzu viel Aehnlichkeit mit den Gastmahlen- ungebil- deter und gemeiner Menschen, Denn .auch: diese, weil sie. sich nicht selbst mit einander. unterhalten können beim Becher noch durch ihre 'eigne Stimme- und Rede aus Geistesarmuth, vertheuern sie die Flötenspielerinnen und mie- then für vieles Geld. die fremde Stimme der de \ ’ —10 und unterhalten sich durch deren Stimme, We aber gute und edle und unterrichtete Zecher zu- sammen kommen, da findest du keine Flöten- spielerin noch Tänzerin noch Lautenschlägerin, sondern du findest sie sich unter einander genug zur Unterhaltung ohne diese Possen und Tände- leien durch ihre. eigene Stimme jeden an seinem, Theile 'bald redend bald. hörend in guter Ord- nung, und sollten sie auch sehr vielen Wein ge- trunken haben. So bedürfen auch solche Unter haltungen, wie die gegenwärtige, wenn Män- ner darin begriffen, sind. wie die meisten unter uns sich zu sein rühmen, keiner fremden Stim- me, und keiner Dichter 5 welche man nicht ein- mal befragen kann über ‚das was sie sagen, so, dafs auch die welche ihrer. in ihren Reden er- wähnen, theils sagen, dies habe der. Dichter gemeint, theils wieder etwas anderes, indem sie von einer Sache reden, welche sie nicht aus- zumitteln vermögen; sondern solcher Unterhal- tung entschlagen sie sich und unterhalten sich Reden einander Keebaf und versuchen lassen, . Solche dünkt mich sollten ich und du lieber nachahmen und die Dichter bei Seite sezend aus uns selbst mit einander reden, um die Wahrheit und uns zu erforschen. Willst du mich also noch weiter fragen, so bin ich bereit mich dir als Ant=+ 'wortender zu stellen; willst du aber, so stelle ‚du: dich mir, um den Gegenstand dessen: Erör- terung wir abgebrochen haben zu Ende zu füh- ren. — Hieiauf und was ich weiter hinzufügte, a erklärte sıch Protagoras nicht, welches von Her den’er thun wollte. Daher sagte Alkibiades zum 'Kallias sich wendend: Wie ist es, Kallias? Dünkt dich auch nun Protagoras recht zu thun, indem er nicht a will ob er. dem Sokrates; das 3 } \ - selbst durch sich selbst, indem sie sich in eignen ' ww. a „Wort,geben wird ale nicht? Mich dünkt es nicht, sondern entweder seze er die Unterre- dung fort, oder er sage dafs er sie nicht fort- sezen will, damit wir auch wissen, woran wir . mit ihm Eid ‚ und Sokrates sich dr mit einem andern unterreden könne, oder welcher andere sonst Lust hat mit einem andern. Hierauf, be- "schämt wie es mir schien, da Alkibiades so sprach und 'Kallias ihn bat und fast alle Anwe=. sende mit, bequemte sich Protagoras endlich wieder zum-Gespräch, und hiefs mich es Ba, . gen, indem er antworten wollte, 1 "Ich fing also an und sagte: Glaube nur nicht, Protagoras, dafs ich aus irgend einer an- _ dern Absicht mich mit dir unterrede, als nur um das worüber ich eben Zweifel habe zu er- forschen. Denn ich glaube, dafs Homeros gar Recht hat, werm er sagt: Wo Zween wandeln zugleich, da bemerket der Ein? und der Andre; demn so sind ale Menschen besser gerüstet >24 jeder Handlung und Rede und Untersuchung: Doch der Einzel; ‘ob er bemerket, geht er » ‚ dennoch sogleich umher, und suchet bis er einen habe, dem er es vorzeige, und mit dem er es Sich keohit begründe. $o wie atıch ich eben deshalb so gern mit dir rede, lieber als mit einem andern; "weil ich glaube daß du am besten sowohl alles Andere, worüber ein ordent- licher Mann wohlnachdenken mag; auseinander- _ sezen kannst, als auch besonders das; was die _ Tugend betrifft.‘ Denn wer auch änders als du; - der du nicht mur selbst glaubst gut und edek . zu sein, wie Andere ‘die selbst zwar ganz ‚or- dentliche Männer sind, aber keinen Airdern dazu machen können; söndern dw bist sowohl selbst ein treflicher Mann als auch im ‚Stande Andere zu treflichen Männern zu ‚machen ‚und vers ; ’ a. Et | tranest so sehr dir selbst, dafs da Andere dieser Kunst verbergen, du dich öffentlich dazu be- kennst, und dich überall den Hellenen unter 549 dem Namen eines Sophisten zum Lehrer in der Tugend und Vollkommenheit anbietest, als. der, erste, der dafür Bezahlung zu erhalten begehrt, Wie sollte man also nicht dich herbeirufen zu, solcher Dinge Untersuchung und dich befragen, und sich mit dir. berathen? Gewils man kann es nicht umhin. Und so, wünsche ich auch jezt,. dafs du das, worüber ich dich zuerst, befragte, theils mir von Anfang wieder in. Erinnerung Dr bringen, theils es weiter mit mir untersuchen .. . wollest. \ Es'war aber, wie ich glaube, die Frage N diese, ob Weisheit und Besonnenheit und. Tap- = E, ferkeit und Gerechtigkeit und Frömmigkeit, ‚ob; dies pur fünf verschiedene Namen für Eine Sa- ‚ che sind, oder ob jedem dieser Namen auch ein a eigener Begriff unterliegt und eine eigne Sache: die jede ılir besonderes ‚Vermögen haben, so "dafs die eine nicht ist wie dieandere, -Du nun + hattest gesagt es wären nicht nur verschiedene Nämen für dieselbe Sache, sondern jeder dieser, Namen sei einer eignen Sache untergelegt, und, diese alle wären Theile .der Tugend, nicht wie, die Theile des Goldes einander: und dem Ganzen, > ‚| ähnlich sind, dessen Tl.eile sie sind, sondern, ee ji wie die Theile des Gesichtes dem Ganzen, des-, 8 sen Theile sie sind, und auch sich untereinander unähnlich, und isder seine besondere Verzich-, BER tung habend. Dünkt dich nun dieses noch eben. = 'so wie vorher, so'sage es; wo aber anders, so F bestimme nur dieses. Deus ich will dich nicht, "verantwortlich machen , wenn du jezt etwas. Bi anderes behauptest, indem es mich gar nicht 5 wundern: sollte, wenn du um mich. zu versus BES chen damals jenes gesagt hättest, — $o,sage, ie 350 > ng ich dir denn, Sokrates, sprach er, dies fälles sind freilich Theile der Tugend, und die vier anderen sind einander auch sche sale je kur ferkeit aber ist von ihnen allen gar sehr unter- schieden. Hieraus aber kannst du erkennen, dafs ich richtig urtheile. Du wirst nämlich viele Menschen finden, welche sehr ungerecht sind und sehr ruchlos, sehr unbändig und sehr unverständig, tapfer aber ganz ausgezeichnet. ——- Halt also, sagte ich, denn was di da sagst ist wohl werth dafs wir es betrachten. Sagst du dafs die Tapfern dreist sind oder etwas an« ders? — Und gehen auch rasch darauf los, wo- hin die Meisten sich Farchfin zu gehen, — So komm denn! sagst du die Tugend sei etwas Schönes? und als in etwas Schönem erbietest du dich in ihr zum Lehrer? — Und zwar das Schönste allerdings, sagte er, wenn ich anders bei Sinne bin. — Ob etwa, sprach ich, einiges an ihr ‘schlecht ist und anderes schön oder: alles schön? — Alles durchaus schön so sehr als immer möglich, — Weifst du auch wohl, welche dreist ins Wasser springen? —O ja die Schwimmer. — Weil sie es verstehen, oder aus einer andern Ursach® — Weil sie es verstehen. — Und wer ficht im Kriege dreist zu Pferde? die Reiter oder die Unberittenen? — Die Reis ter. — Und wer mit kurzen Schilden?: die ..- Lieichtbewafneten oder Andere? — Jene, sagte er, und überhaupt sind auch in allen andern Dingen , wenn 'du darauf hinaus willst, die Kundigen dreister a's die Unkundigen, und nachdem sie es gelernt haben dreister als sie . selbst waren ehe sie es gelernt hatten, — Hast du auch schon solche gesehen, fragte ich, die aller dieser Dinge unkundig waren, und doch zu jedem dreist? — Q ja, “sagte er, und np; n mm 209 — iR. # _ dreißt. — Sind-wohl diese Dreisten auch tap- fer? — Dann wäre ja, sagte er, die Tapferkeit etwas sehr schlechtes, denn diese sind toll. — Was sagst du denn von den Tapfern? sprach ich, nicht dafs sie die Dreisten sind? — Auch jezt noch, sagteer. — Aber diese, sprach ich, die auf solche Art dreist sind, -scheinen nicht tapfer zu sein, sondern toll®@ Und vorher dort, dafs diese Weisesten auch die Dreistesten ind? Und wenn die Dreistesten, auch die Tapfersten ? Und so wäre ja nach dieser Rede die Weisheit die Tapferkeit? — Nicht richtig, sagte er, trägst du vor, o Sokrates, was ich gesagt und dir ge- antwortet habe. Geftagt von dir, ob die Tapfern dreist wären, habe ich dies bejaht, ob aber die Dreisten auch tapfer sind, das wurde ich gar nicht gefragt. Denn wenn du mich das gefragt hättest, würde ich gesagt haben, nicht Alle, ‚Dafs aber die Tapfern nicht dreist wären, und diese Behauptung von mir mit Unrecht wäre behauptet worden, das hast du nirgends erwie- sen. Hiernach zeigst du von den einer Sache kundigen, dafs sie dreister darin sind, als sie selbst vorher waren, und so auch dreister als andere Unkundige, ünd deshalb meinst du nun sei Weisheit und Tapferkeit dasselbe. Wenn - du dich so drehen willst, kannst du auch glau- ben, ‚Stärke sei Weisheit. Denn wenn du mich. mit einer ähnlichen Wendung zuerst gefragt Eadlest, ob nicht die Starken kraftvoll sind, so würde ich Ja sagen, und dann ob nicht die des Fechtens kundigen kraftvoller sind als die un- kundigen , And auch nachdem sie es gelernt kraftvoller als sie selbst waren ehe sie es lernten, so würde ich es ebenfalls bejahen. Nachdem ich nun dieses zugegeben, könntest du dann mit FROEeEN Rechte sagen, ‚dafs nach meinem ——- 300 — FISTERE BEN Weisheit Stärke wäre. Abegeich habe ja keinesweges weder in diesem Falle zugen geben, dafs alle kraft: ollen stark, sondern nu% das die Starken kraftvoll sind, ländlich nicht, dafs Kraft und Stärke einerlei ist; denn jene, die Kraft, kann auch aus einer Kenntnils entstehen, ja auch aus Wahnsinn ioder aus Gemüthsbewes gung, die Stärke aber hängt ab von der guten, Natur und der Wohlgenährtheit des Körpers. Noch auch habe ich in unserm Falle eingeräumt, dafs Dreistigkeit: und Tapferkeit einerlei wäre, so dafs. zwar folgt die Tapfern sind dreist, kei- nesweges aber dafs die Dreisten auch. alle tapfer sınd. Denn die Dreistigkeit kann bei dem . Menschen auch aus: Kunst entstehen. oder aus Tollheit oder aus Gemüthsbewegung, wie die Kraft; die Tapferkeit aber entsteht. aus’der Gut- artigkeit und Wohlgenährtheit der Seele. — Sagst du denn, Protagoras, sprach sch, dafs einige Menschen gut.leben und Andere schlechen — Er sagte ja. — Dünkt dich wohl ein Mensch . gut zu leben, ‚wenn er gequält und, gepeinigt lebt?.— Nein. — Wie,aber wenn, er nach einem: vergnügten Leben. seinen Lauf: be-, schliefst, dünkt er dich dann nicht'güt gelebt, zu haben? — Bann wohl, sagte er. —— Also, vergnügt leben ist gut, unangenehm leben aber, böse? — Wenn man nämlich, sagte er, am Schönen Vergnügen findend lebt. — Wie‘ doch, h, Protagoras? Nennst auch du, wie ‚die meisten,- einiges Angenehme böse und Peinliches gut? — Das sage ich, — Und wie meinst du es? ist 'nicht alles, in wiefern es angenehm ist, in sofern auch gut, ‘wehn nur nichts anderes dar- aus entsteht?. und auf.der andern Seite. wie- derum. das Peinliche. in sofern es peinlich ist eben so. auch böse? — Ich weils richt, aa 0 GO i tes, Sagte er, ob ich dies so unbedingt wie du fragst beantworten soll, dafs alles Angenehme . gut ist und das Peinfidhe böse. : Vielmehr dünkt es mich nicht nur in der gegenwärtigen Bezie= ... Jung als Antwort sicherer, sondern‘ auch für - mein ganzes übriges Leben, wenn ‘ich ant» worte, dals es einiges Angenehmes giebt was nicht gut, und: Peinliche was nicht böse ist, anderes was so ist, und drittens noch ‚anderes was keins von beiden ist, ‘weder gut nöch böse, = Angenehni aber, sprach ich ‚ .nennst du doch womit Lüst verbunden ist, oder was Lust hervorbringt? — Allerdings, sagte er. — Wen ich nun frage, ob nicht Alles in sofern/es ange» nehm öl, gut ist,;so meine ich-die Lust selbst, ob diemicht‘gut ist? — Darauf sagte er: Lafs ir 5 ans) Zusehn, Sokrates, wie du ja immer sagsy, u und wenn die Untersuchung zur Sache zu gehös x er „ren zen scheint, und sich Zeigt, dafs das: Gute und Angenehme einerlei ist, so wollen wir es ein- 24 ie; wo aber nicht, so wollen wir es dann schon bestreiten. — Also, sprach ich, willst u die Untersuchung führen ? ‘oder soll'ich sie ihren? — Es ist billig, antwortete er, dafs, du ‚sie führst, denn du leitest ja das Gespräch: E = Vielleicht also, sagte ich, wird es uns auf N diese Art offenbar Krönlehn So wie nämlich Je- I RE mand der einen Menschen in Absicht auf seine | 1 WERD 4 2.0 > 2 Gesundheit'oder sonst eine körperliche Verrich- Aug untersuchen. wollte, und‘ nichts von ihm ‚sähe als das Gesicht und, die Hände, gewils'zu ihm sagen würde,’ komm her, uthlöße: mir auch die Brust und den Rükken, und zeige sie mir, damit ich dich genauer Inereäliten kann, so ohngefähr vermisse auch ich etwas bei unse- . rer Uütersuchumg, und möchte, nachdem ich . gesehen, wie du über das Angenehme und Gute ! ß t | Talor “ genug‘ dem Menschen durchzuhelfen? so ‚einen, gewifs für mich unziemlich zu behaup- — 3502 au. denkst, dir eben so sagen: Komm-her, Prota= goras! zeige mir von deiner Seele auch noch ‚dieses, was du von der Erkenntnifs hältst, ob du ch ‚hierüber so denkst wie die meisten Menschen oder anders? Die ‚meisten nämlich denken von der Erkenntnis so olingefähr, dafs sie nichts starkes leitendes und heherrschendes ist, und achten sie auch gar nicht als ein sol ches y sondern dafs gar oft, wenn auch Erkennt- k nifs im Menschen ist, sierihn doch nicht be ' herrscht, sondern irgend sonst etwas, bald der . Zorn, bald die Lust, bald.die Unlust, manch- mal’die Liebe, oft auch die Furcht, und'so ach» ten sie offenbar die Erkenntnifs für einen Elen= . den der von Jedem nach Gefallen hierher: und dorthin gezogen wird. Dünkt nun. dich ‘so. etwas von ihr, oder vielmehr sie seietwasSchö# nes, das wohl den Menschen’ regierei?- ud wenn einer Gütes und: Böses erkannt ‚habe werde er von nichts anderem mehr k 3. gezwungen werden., so dafs er irgend etwäs . N anderes thun mrüfste als seine Erkenntnis ihm befiehlt, sondern die richtige Einsicht sei star dünkt es mich, antwortete er, wie du jezt sagst, Sokrates, und zudem wäre es, wenn für irgend ten, dals Weisheit und ‚ Erkenntnifs ‘nicht das mächtigste wäre unter allem menschlichen. — Wohl gesprochen, sagte ich, und sehr wahr. Düu weifst aber doch, dafs die meisten Men=+ schen mir und dir nicht glauben, sondern ” sagen, dafs Viele, welche das Bessere sehr ; erkennen, es dochmichtchun wollen, obgleich siekönnten, sondern etwas anderes thun.. Und so Viele ich gefragt habe, was doch die Ursach. wäre hiervon, haben mir Alle gesagt, von FOR: r DZ FG z Lüst überwtinden oder der Unlist, oder von irgend einem unter den Dingen ‚deren ich ‚vor- hin erwähnte bezwungen, handelten, diejeni- gen so, die es thäten. — Sagen doch wohl, sprach er, die.Leute, o Sokrates, noch viel an- deres unrichtiges. — So komin denn, und ver- suche mit mir die Leute zu überreden, und zu belehren, was für ein Zuständidas ist, was sie nennen von der Lust überwunden werden, und um deswillen das Bessere nicht thun, obwohl 353 zlan es kenne. Denn vielleicht, wenn wir ihnen nur‘sagen: ‘Ihr habt: Unrecht Leute und ihr irrt euch; möchten sie uns fragen: O Sokrates und Protagoras, wenn . dieser „Zustand nicht ‚darin besteht von der Lust'überwunden zu wer= den, so sägt iıns doch, was denn ist, und wie ihr-ihn erklärt. — Was les wır aber, sagte -Protagoras, die Meinung der Leute in Betrach- ‚tung ziehen, welche sagen was ihnen einfällt? = Ich elaube nur, ‚spräch ich, . das uns dies ‚etwas helfen wirdyum zu itdekhein: wie sich (die Täpferkeit eigentlich zu den übtigen Thei- ‚len der Tugend verhnits Bleibst du alan noch bei dem eben beschlossenen , dafs ich -führen soll, so folge mir auch dahin, wo ich glaube, aloe: sich his die Sache am deütlichsten darstel- .* len wird. : Willst du-aber nicht, so will ich es ‚gut sein lassen, wenn dir däs lieber ist. — Nein, sagte er, du hast'recht, bringe es nur zu Ende, wıe du es angefangen hast. — Noch einmal also, sprach ich, wenn sie uns fragten: Wie erklärt ihr also as was wir aan zu schwach sein gegen die Lust? so würde ich zu ihnen sagen: Hört denn! Protagoras und ich, wir wollen versuchen es euch zu erklären: Ihr meint doch darunter nichts anders als: was euch in solchen Dingen begegnet, wie daß ihr oft von Speise „ und Trank und 'Woöllust als dem Angehehmeh er bezwüngen, wiewohtihr wifst, dafs es schlecht ist, es dennoch thut? — Das werden sie beja- hä — Nicht währ, dann werden wir. sie wie= ‚der fragen, ich und du: Aber inwiefern sagt ihr, dafs diese Dinge schlecht sind? etwa eben deshalb, weil sie diese Lust für den Augenblik ‚gewähren, und also jedes: für sich angenehm sind? oder weil’ sie in der folgenden Zeit Krankheit und Mangel herbeiführen, und viel anderes der Art'bewirken? Oder sollten ‚sie “auch, wenn sie nichts dergleichen in der Folge "bewirken ‚. sondern nur Vergnügen machen, "dennoch etwas böses sein, "weil sie etwa auch -den, welcher gefelflt hat, auf welche Art es "auch sei, vergmigt machen? Sollen wir glau- ben, Protagoras, dafs 'sie-uns etwas ande- res Antworten werden , als diese Dinge wä- ren nicht wegen der Lust, welche sie für die- sen Augenblik gewähren, böse, sondern aller- dings wegen der hernach" entstehenden Krank- heiten und des Uebrigen? — Ich glaube, sagte Protagoras, dafs die Leute so antworten wer- (den. — Und was Krankheit bringt, bringt Un- lust, was Armuth bringt, bringt Unlust? Das „würden sie zugeben denke ich®" — Protagoras war auch der Meinung. — Also scheinen euch, “ ihr Leute, wie ich‘und Protagoras behaupten, diese Dinge aus keiner andern Ursach böse zu sein, als weil sie selbst in Pein endigen und euch anderer Lust berauben? Das würden»sie doch zugeben? So schien 'es uns Beiden. : Wenn wir sie nun auch nach dem entgegengesezten' frag- 354 ten: Ihr Leute, dieihr sagt dafs manches Pein- liche gut ist, meint ihr Ara nicht dergleichen wie die anstrengenden Leibesübungen , die Feld» züge, die Behandlungen der Aerzte mit Bren- ‚nen h ei — 3065 — nen und Schneiden, Arzneinehmen und Fasten, dafs dergleichen gut ist aber peinlich? so wür« den sie das bejahen ? — So schien esihm auch. — Ob ihr sie nun wohl deshalb gut nennt, weil sie für den Augenblik die heftigsten Qualen und Schmerzen verursachen? oder weil in der Folge Gesundheit daraus entsteht und Wohlbefinden des Körpers und Rettung der Staaten und Herr- , schaft über. Andere und Reichthum? Sie würden das leztere bejahen wie ich glaube. — Er glaubte es ebenfalls. — Sind also diese Dinge aus einer andern Ursache gut, als weil sie in Lust endigen, und in der Unlust Abwendung und Vertreibung? oder habt ihr einen andern Erfolg anzugeben in Beziehung auf welchen ihr sie gut nennt als nur Lust.oder Unlust? Ich glaube sie werden keinen. andern angeben. — Auch ich glaube es nicht, sagte Protagoras, — Also jaget ihr doch der Lust nach als dem Guten, und die Unlust flieht . ihr als das Böse? Das. würden sie zugeben? — So dünkte es ihn auch. — Dies also haltet ihr eigentlich für böse, die Unlust, und die Lust für gut; wenn ihr doch behauptet das Lust em- pfinden! selbst sei in dem Fall böse, wenn es grölsere raubt als es selbst enthält, oder gröfsere ' Unlust herbeiführt als seine eigene Lust nicht war. Denn wenn ihr in einer andern Hinsicht : ‚das Lust empfinden für böse hieltet und in Be- ziehung auf einen andern Erfolg, so würdet ihr uns den auch wohl sagen. können, aber ihr wer- det es nicht können. — Ich glaube auch nicht dafs sie es können, sagte Protagoras. — Ist es zum nicht wiederum mit dem Unküst haben selbst - die nämliche Sache? Alsdann nennt ihr selbst das Unlust haben gut, wenn es entweder noch‘ gröfsere Unlust als die es selbst in sich hat, ent-, fernt, oder grölsere Lust als die Unlust war, ' Plat. W. I. Th. I. Bd. [20] herbeiführt? Denn wenn ihr etwas anderes im Auge hättet, indem ihr das Unlust haben gut. nennt, als was ich säge, so würdet ihr es uns i wohl sagen können, aber ihr werdet es nicht . können. — Ganz recht, sagte Protagoras, — "Weiter. also, sprach ich, wenn ihr mich fragtet 355 ihr Leute: Warum sagst du hierüber so vielund von allen Seiten? so würde ich antworten: Habt schon Nachsicht mit mir; denn erstlich ist es überhaupt nicht leicht zu zeigen, was das eigent- lich sei, was ihr nennt von der Lust überwuns den werden, und dann beruht grade hierauf der ganze Beweis. Es steht euch aber auch jezt noch frei zu widerrufen, falls ihr etwa zu sagen wilst, das Gute sei noch etwas anders als die Lust, und das Böse noch etwas anderes als die Unhist, Oder ist euch das genug, euer Leben angenehm hinzubringen ohne Unlust? "Wenn euch nun das genug ist, und ihr nichts anderes zu sagen wilfst was gut oder böse ‚wäre was sich nicht hierin endigte, so hört nun das weitere. Nämlich wenn sich dies’so verhält, "wird das nun eine lächerliche Rede, wenn ihr sagt, dafs oftmals - der Mensch, ob er gleich das Böse erkennt, dafs es böse ist, es dennoch thut, ' ohnerachtet ihm frei stände es nicht zu thun, weil er von derLust+ . getrieben wird und betäubt; und ihr dann auch wieder sagt, dafs der Mensch, wenn er auch das Gute erkennt, es dennoch nicht thut; einer au- genbliklichen Lust wegen und von dieser über- wunden. Dafs dies lächerlich ist, wird euch ganz klar werden, sobald wir uns nur nichtmehr der vielerlei Namen bedienen wollen des Ange- nehmen und Peinlichen und des Guten und Bö- ' sen, sondern da sich gezeigt hat, dafs dieses nur zweierlei ist, esauch nur mit zwei Worten be- zeichnen wollen, und.es zuerst überall gutund RIENTE u 507 — böse nennen, und dann wieder überall ange- nehm und peinlich. Dieses also festgestellt wol- len wir sagen, !dafs der Mensch das Böse erken- nend, dafs es böse ist, es dennoch thut. Wenn uns nun Jemand fragt: Warum denn? so wer den wir sagen, weil er überwunden ist. Wos von denn? wird uns jener fragenz wir aber dür- fen nicht mehr sagen: Von der Lust, denn die ‘ Sache hat nun einen andern Namen bekommen, und statt Lust heifst sie Gutes. Wir antworten also jenem und sagen: Weiler überwunden ist, Wovon denn? fragt er. ‘Von dem Guten wer- den wir beim Zeus sagen:müssen. Ist nun der welcher uns fragt ein leichtfertiger Mensch, so wird er lachen und sagen, das ist doch wahrhaf- tig eine lächerliche Sache, was ihr da sagt, dafs ein Mensch das Böse, indem er erkennt dafs es böse ist, und. da er es nicht thun mufßs ‚ dennoch thut, weil er vom Guten überwunden ist! Von einem Guten, ‚wird er fragen, ‘welches werth oder ‚welches ‚nicht werth war jenes Böse zu überwinden? Offenbar werden wir zur Antwort sagen müssen: Von einem welches dessen nicht werth war; denn sonst hätte ja der nicht ge- fehlt von dem wir sagen, dals er zu schwach ‚wär gegen die Lust. Und weshalb, wird er vielleicht sprechen, ist denn das Böse des Gu- ten, öder das Gute des Bösen unwerth? ‘etwa wegen etwas anderem’ als weil das eine gröfser und das andere kleiner ist? oder das eine mehr. und’das andere weniger ist? wir werden nichts anderes angeben können. Offenbar also, wird: er fagen, ist unter diesem überwunden werden‘ gemeint, dafs Jemand für wenig Gutes zugleich‘ viel Böses mit'erhält. So also kommt es auf ‚diese Art heraus. Nun lafst uns für dieselben‘ Dinge wieder jene Namen zurüknehmen, 'das Ps 508 —— Angenehme und Peinlıiche,, und lafst. uns sagen; der Mensch thut, vorher sagten wir das Böse, nun aber wollen wir sagen das Peinliche ‚ erken- nend dafs es peinlich ist, überwundenvaber von dem Angenehmen;' offenbar nämlich von einem solchen, welches nicht: werth war zu siegen. -356 Und welche andere Schäzung giebt es denn für Lust gegen Unlust als das Uebermals oder den Abgang der einen gegen die andere, das heifst, je nachdem eine grölser ist oder kleiner als die andere, mehr oder weniger, stärker oder schwä- cher? Denn ‚wenn Jemand sagen wollte: Aber, ‘Sokrates, ein grofser Unterschied ist doch auch zwischen dem augenbliklichen und dem erst zu» künftigen Angenehmen und Peinlichen, so werde ich ihn fragen: Liegt er in etwas.dnderem als in Lust und Unlust? es giebt j ja sonst gar nichts änderes. Sondern wie ein des Abwägens kun diger' lege. das Angenehme zusammen ‚und'das Peinliche ' zusammen und vergleiche 'es auf der Wage, das Eutfernte sowohl.als.das Nahe, und. sage dann welches das gröfsere ist, \ . Denn wenn du Angenehmes gegen Angenehmes wägst, mufst du immer das mehrere und gröfsere, nehmen, wenn Peinliches gegen Prmlanken das kleinere und geringere; wenn du aber Angenehmes ge- gen Peinliches abwägst, so mufst du wenn das Peinliche vom Angenehmen übertroffen‘ wird, es sei nun näheres von ehtfernterem oder eni- fernteres von näherem, die Handlung. verrich- ten darin sich dieses Verhältnifs findet; wird aber in einer das Angenehme vom Peinlichen übertroffen, die mufst du nicht verzichten. V. er- hält es sich etwa anders damit ihr Leute? würde ich sagen;'ich weils, sie würden nichts ande- res zu sagen wissen. — So dünktees ihn auch. Nas Wenn sich nun dies so verhält, so: Dem Ve er Mi mir doch folgendes; Erscheint eurem Gesicht : dieselbe Grölse von nähem gröfßser, von weis tem aber kleiner, oder nicht? — Das werden sie bejahen. — Und die Dikke und die Menge ebensa? Und dieselben Töne klingen euch von ‚nahem stärker, von weitem aber schwächer? — Sie werden ja sagen. — Wenn nun unser Wohl- befinden darauf beruhte, dafs wir grofse Linien zögen und zu erlangen suchten, kleine aber ver- mieden und nicht zögen: was würde»sich dann zeigen als das Heil unseres Lebens? die Kunst zu messen oder die Gewalt des Scheins? Oder würde nicht die lezte uns gewiß irre führen und machen, . dafs wir oft das unterste wieder zu oberst kehren müfsten in derselben Sache, un& wieder andere Entschlielsungen fassen in unse-' rer Hervorbringung und Auswahl des Grofsen und Kleinen? die Melskunst hingegen diesen trügerischen Schein unwirksam machen, und durch deutliche Bezeichnung des Wahren der Seele Ruhe verschaffen, welche denn bei der: Wahrheit bliebe, und auf diese Art unserm Le- hen Heil bringen? Würden die Leute bekennen, dafs in diesemFalle die Mefskunst uns Heil brin-» gen mülste, oder würden sie’ eine andere nen« nen? — Die Mefskunst, gestand er. — Wie aber wenn das Heil unseres Lebens auf der Wahl grader und ungrader Zahlen beruhte, von bei- den wenn es recht wäre,das 'gröfsere zu wählen, und: wenn das kleinere im Vergleich jeder Art -_ mit sich selbst sowohl als mit der andern, sie; - möchten nun nahe sein oder fern, was würde dann das Heil unseres Lebens sein? Nicht auch _ eine Erkenntnifls? Und! wäre nicht die Kunst, 357 da sie ja/auf Uebermaals und Abgang geht, eine messende? und da auf, Grades oder Ungrades, . kann sie wahl eine andere sein: als die Rechen- , “ kunst? Würden uns das die Leute eingestehen oder nicht? — Auch Protagoras glaubte, sie würden es eingestehen. — Gut, ihr Leute. Da sich nun aber gezeigt hat, dafs das Heil unseres Lebens auf der richtigen Auswahl des Angeneh- men und Peinlichen beruht, des mehreren oder * wenigeren, gröfseren oder kleineren sowohl nahen als fernen: zeigt sich zuerst nicht auch dieses als ein Messen, da sie auf Uebermaalfs, Ab- _ gang,und Gleichheit untereinander geht, die Un, tersuchung? — Nothwendig. — Und wenn sie ein Messen ist, so-ist sie nothwendig eine Kunst und Erkenntnifs® — Dem werden sie beistim- ‚men. — Was für eine Kurnist und Erkenntnifs: dieses nun sein wird , wollen wir hernach sehn, für jezt ist schon. dieses, dafs es eine Erkennt- nifs ist, hinreiehend zu dem Beweise, den ich und Protagoras zu führen haben über das wo- . nach ihr uns gefragt'habt. Ihr fragtet uns-näm- lich, wenn ihr euch dessen erinnert damals als wir Beide mit einander einverstanden waren, es: gebe nichts stärkeres als die Erkenntnißs, und. wo sie nur wäre herrschte sie auch ‘überall über die Lust und alles andere, ihr aber behaupten wolltet die Lust herrsche oftmals auch über den mit Erkenntnifs begabten Menschen, wir aber euch dies nicht zugeben wollten, damals fragtet ‚ihruns: O Protagoras und Sokrates, wenn die- ser Zustand das nicht ist, dafs man von der Lust überwunden wird, so sagt uns doch, was er denn ist, und wie ihr ihn erklärt? Wenn wir * euch nun damals gleich gesagt hätten, er wäre x eben Unverstand, so würdet ihr uns ausgelacht :haben’; jezt aber wenn ihr uns auslachen wollt, mülst ihr euch selbst mit: auslachen, ‘denn ihr habt selbst eingestanden, wer bei der Wahl des Angenehmen und 'Peinlichen ‚- das 'heilst‘.des y — zıı — Guten und Bösen fehle, der fehle aus Mangel . an Erkenntnifs, und nicht nur an Erkenntnils, sondern ihr habt noch weiter zugegeben an . einer messenden. Dafs nun eine ohne Erkennt» nifs verfehlte Handlung aus Unverstand so ver- richtet wird, wifst ihr wohl selbst, so dafs also dieses zuschwach sein gegen dieLustder gröfste Unverstand ist; für welchen eben dieser Protax goras ein Arzt zu sein behauptet, so auch Pro- dikos und Hippias. Weil ihr aber meint, es sei etwas anderes als Unverstand, so geht ihr we- der: selbst zu diesen Lehrern hierin, den Sophi- sten, noch schikt ihr eure Söhne zu ihnen, als ob es nicht lehrbar wäre. Dafs ihr aber euer Geld so heget, und es diesen nicht gebt, daran handelt ihr schlecht als Hausväter und alsStaats- bürger. Dieses würden wir den Leuten geant- wortet haben, Nun aber frage ich nächst dem Protagoras auch-euch beide, Hippias und Prodikos, denn 358 gemeinschaftlich soll eure Rede sein, ob ihr glaubt, dafs ich wahr rede oder unwahr? — Alle hielten das Gesagte für über die Maafsen richtig, — Ihr gebt also zu, sprach ich, dafs das Angehme gut ist und das Peinliche böse, Aber des Prodikos, Unterscheidung der Worte verbitte ich mir. Du magst nun das was ıch meine angenehm nennen oder erfreulich oder vergnügend oder wie und woher du sonst ‚dieses zu benennen vorziehst, bester Prodikos, beant- worte mir nur dieses in Beziehung auf das was ich will. — Lachend gab &s nun Prodikos*zu . und die andern auch. — Wie aber, ihr Män-« ner, sprachiich, ist.es’hiemit} die hierauf sich ‚beziehenden Händlungen auf das schmerzlos und angenehm leben, sind die nicht alle auch schön ? und ist nicht’jede schöne That 'gut und ng 4 — gı2 — nüzlich? — Das schien RR eben 80; _ ; Wenn nun, ‚sprach ich, das Angenehme gut ist, so wird ja niemand, er wisse nun oder glaube nur, dafs es etwas besseres als er that, und auch ihm mögliches giebt, noch jenes thun, da das Bessere in seiner*Macht steht; und diebeh zu schwach sein gegen sich seihetie ist also nichts anders als Unverstand, und das‘ sich selbst: be herrschen nichts BE als Weislieit. — Dem gaben Alle Beifall. — Wie nun? nennt ihr das Unverstand falsche Meinungen zu haben und sich zu täuschen über wichtige Dinge? — Auch dem stimmten Alle bei, — Ist es nicht auch so, dals Niemand aus freier Wahl dem Bösen nach» geht, oder dem was er für höse hält? und dafs das, wie.es scheint, gar nicht in der Natur des Menschen liegt, dem nachgehn zu wollen was er für böse hält anstatt des Guten, wenn er aber gezwungen wird von zwei Vebeln eins zu wäh- len, niemand das gröfsere nehmen wird, wenn er das kleinere nehmen darf? — Diesch alles schien uns Allen eben so, — Wie nun? sprach ich, nennt ihr etwas Angst und Furcht? und . zwar, welches ich zu dir sage, Prodikos, meine ich, ob die Erwartung eines Vebels, ihr mögt das nun Angst nennen oder Furcht. — Protago- ras und Hippias sagten, das wäre Angst und Furcht ; Prodikos hingegen es wäre Angst, Furcht aber nicht, — \Es ist. daran. nichts gele». gen, Prodikos, sprach ich; sondern nur daran, ob das vorhergesagte seine Richtigkeit hat, ob nämlich irgend ein Mensch dem wird nachgehn wollen, wovor er sich ängstigt, wenn er auch nach etwas Anderem kann, oder ob dies dem eingestandenen zu F olge unmöglich ist, ‚Denn wovor sich Jemand ängstiget, das\ hält 'er für böse,. und. was er für böse hält, dem will Nies mand weder nachgehn noch es auch mit seinem guten Willen hinnehmen. — Auch das bejahe- ten Alle. — Nachdem nun dieses vorausgesezt . "ist, sagteich, 0 Prodikos und Hippias, so mag 359 sich doch hie unser Protagoras vertheidigen über das was er zuerst behauptet hat, - wie es wohl richtig sein kann. Nicht was, er ganz zuerst sagte, denn damals behauptete er, von fünf Theilen der Tugend, die es gäbe, wäre keiner wie der andere, sondern jeder hätte seine eigene Verrichtung; dies meine ich nicht; son» . dern was er hernach behauptet hat. Denn her- ‘ nach sagte er wieder, die viere wären einander zwar sehr nahe, der eine aber, nämlich die Tapferkeit, unterschiede sich gar sehr von den ‚ übrigen, Erkennen, sprach er, könnte ich dies hieraus, Du wirst nämlich Menschen finden, - Sokrates, die sehr ruchlos sind und sehr unge- ‚recht, und sehr unbändig und unverständig, tapfer aber ganz ausgezeichnet, woraus du denn schliefsen kannst, dafs die Tapferkeit von den h . übrigen Theilen der Tugend sehr weit unter- ı* schieden ist, . Und ich verwunderte mich gleich . damals nicht wenig über diese Antwort, noch “ mehr aber hernach, seitdem ich’ dieses mit euch . abgehandelt habe. Ich fragte ihn, ob er sagte, die Tapfern wären dreist, und er sagte: Und gehen auch rasch darauf los. Erinnerst du dich, sprach ich, Protagoras, dafs du dies geantwor- tet hast? Er gestand es ein, So komm. denn, sprach-ich, und sage uns, worauf meinst du denn, dafs. die Tapfern so rasch los gehn? etwa auf das nämliche worauf auch die Feigen? — Nein, sagte er. — Also auf etwas anderes? — Ja, sagte er, — Gehen etwa die Feigen auf das ' Unbedenkliche-los, die Tapferen aber auf das Furchtbare? —' Sa sagen die Leute, Sokrates, — 314 — antwortete er. — Schon recht, sprach ich, aber _ ‚darnach frage ich nicht, sondern du, worauf du sagst, das die Tapfern rasch los gelin, ob sie anf das Furchtbare los gelin, indem sie es selbst für-furchtbar halten, oder auf das nicht furcht» . bare? — Aber dies, sagte er, ist ja in dem - was du gesprochen so eben als unmöglich erwie- sen worden. — Auch darin hast du ganz recht, sagte ich; so dafs, wenn. dieses richtig erwie- sen ist, Niemand dem nachgeht was er für furchtbar hält, da ja das sich selbst nicht beherr-- schen können als ein Unverstand erfunden _ . wurde. — Das gab er zu. — Aber auf das, = Ei wozu man guten Muth hat gehe wieder ein Je- der los, die Feigen wie die Tapferen, und auf diese Art gingen also beide auf.dasselbe los, die Feigen und die Tapferen. — Aber es sind doch, sagte er, ganz entgegengesezte Dinge, Sokra- tes, worauf die Feigen und worauf die Tapferen\‘ los gehen. So zum Beispiel in den Krieg wol- len die Einen sehr leicht gehn, die Anderen wollen nicht. — Wie denn, sagte ich, soll es schön sein hinzugehen oder schlecht? — Schön, sagte er. — Wenn also schön, sprach ich, dann auch gut, Haben wir schon vorher eingestan- den; denn wir gestanden, dafs alle schönen Handlungen auch gut wären. — Das ist rich- tig, und immer habe auch ich so gedacht, — Sehr wohl, sprach ich. Aber welche von bei= den wollen nicht zu Felde gehen, wenn es schön und gut ist? — Die Feigherzigen. — Und, sprach ich, wenn es sehön und gut ist, wird ° esauch angenehm sein? — Das ist wenigstens eingeräumt worden, sagte er. — Wissentlich. also woller die Feigherzigen doch nicht hinge- hen nach dem Schöneren, Besseren und Aı nehmeren? — Aber auch hiedurch, wenn wir » " a - Be ee a Zn es eingeständen, sagte er, zerstörten wir unsere vorigen Eingeständnisse. — Und wie der Tap- fere, fragte ıch, geht der nicht nach dem Schö- neren, Besseren und Angenehmeren? — Nothr wendig, ‚sagte er, inufs man dies annehmen. — Also überhaupt, wenn die Tafern sich-fürchten, ist es keine schlechte Fweiıt, und wenn sie dreist sind, ist das keine schlechte Dreistigkeit? — Ganz recht, sagte er. — Und wenn nicht schlecht, ist dann beides nicht schön? — Das gäb er-zu. — Und wenn schön auch gut? — . Ja. — Werden also 'nicht im Gegentheil die Feigherzigen und Verwegenen und Tollkühnen sich mit einer schlechten Furcht fürchten, und mit einer schlechten Dreistigkeit dreist sein? — Das gab er zu. — Und können sie wohl zudem schlechten und bösen aus einer andern Ursach dreist sein als aus Unkenntnifs und Unverstand ? — So mufs es sich verhalten, sagte er. — Und wie? dasjenige, wodurch die Eeigherzigen . sind, nennst du das Feigheit oder Tapferkeit? — Feigheit, versteht sich, sagte er. — Und haben wir nicht gesehen, dafs sie eben durch die Unkenninifs dessen, was furchtbar ist, feig- herzig sind? — Allerdings, sprach er. — Also durch diese Unkenntnifs sind sie feige? — Er gab eszu. — Und wodurch sie feige sind, das ist, wie du eingeräumt hast, die Feigheit? — Er sagte ja. — Also wäre ja wohl die Unkennt- nils dessen was furchtbar ist, und was nicht, die Feigheit? — Er winkte zu: — Aber der , ' Feigheit, sagte ich, ist. doch die Tapferkeit ent- gegengesezt? — Er bejahete es, — Ist nun nicht die Weisheit in dem was furchtbar ist und was nicht der Unkenntnifs darin entgegenge- sezt? — Auch hier winkteer noch zu. — Und die Unkenntnifs davon warı.die Feigheit? — 561 Hier winkte er kaum noch zu. — So: ist dem- nach die Weisheit in dem was furchtbar ist und nicht die Tapferkeit, weil sie der Unkenntnifs davon entgegengesezt ist. — Darauf wollte er mir nun nicht einmal mehr ziwinken‘, und schwieg ganz still. — So Protagoras? sprach ich. Du bejahst w&0er noch verneinest was ich dich frage? — Bringe es nur allein zu Ende, sagte er. — Nur Eins, sprach ich, will ich dich noch fragen, ob.dich auch jezt noch, wie vorher , ‘einige Menschen sehr unverständig dünken, zugleich aher ausgezeichnet tapfer? — Du sahälset, sagte er, etwas besonderes darein zu sezen, Sokrates, dals ich dir antworten soll. So will ich dir denn gefällig sein, und sagen, dafs nach dem, was wir mit einander festgestellt haben dieses unmöglich zu sein scheint. — 'Kei- mesweges, sprach ich, frage ich dich aus irgend einer andern Absicht, als um zu ergründen, wie es sioh wohl eigentlich verhält mit der Tugend, ünd was sie wohl selbst ist die. Tugend. ' Denn ‚soviel weilsich, wäre dies nur erst ausgemacht, so würde auch jenes bald entschieden sein,! wor- über, ich und du, Jeder eine lange Rede gehal- ten haben, ich behauptend die Tugend sei nicht lehrbar, du sie seilehrbar. Und der jezige Aus“ gang unseres Gesprächs scheint mir ordentlich . wie ein Mensch uns anzuklagen und auszula- chen, und wenn er reden könnte sagen zu wol- ‚len: Ihr seid wunderliche Leute, Sokrakde und - . Protagoras! du, der du im Vorigen behauptest die Tugend sei nicht lehrbar, dringst.jezt auf das was dir zuwider ist, indem: du zu zeigen suchst, dafs alles Erkenntnifs ist, die Gerechtig- keit, die Besonnenheit und die Tapferkeit, auf welche Weise denn. die Tugend am sichersten als lehrbar erscheinen würde,; Denn wenn die B WIrm 7 - zu sein, neidisch aber zun IE 9 R D . Tugend etwas anderes wäre als die Erkenntnißs, wie Protagoras zu behaupten unternahm , so. wäre sie sicherlich nicht ‚lehrbar. ‘ Jezt alas, ‚wenn sie sich als Erkermtnifs offenbaren wird, worauf du dringst, Sokrates, wäre.es gauz wun- derbar, wenn sie nicht sollte lehrbar sein. Pro- tagoras, wiederum, der damals annahm? sie sei lehrbar, scheint jezt das Gegentheil zu betrei- ben ,„ dafs sie eher fast. alles: andere sein sollnur nicht Erkenntnifs,, und so; wäre. sie doch am wenigsten lehrbar. Ich, nun, Protagoras, in+ dem ich zusehe, wie TR uns dieses alles durcheinander geschüttelt wird; ‚das unterste zu oberst, bin voll Eifers die Sache zur Klarheit zu bringen, und ich.wünschte, nachdem wir dies durchgegangen,, dafs, wir. weiter zurükgehen möchten auf die Tugend selbst, was sie wohl ‚ist, und dann erst diese Untersuchung aufs neue anfangen ob’ sie lehrbar ist oder nicht, damit nicht etwa jener Epimetheus, der Hintennach- denker, uns auch ‘in unsern Untersuchungen ‚hinterlistig betrüge, wie er uns schon in der Vertheilung schlecht behandelt hat, wie du sagst. kuch in jener Geschichte hat mir Pro- metheus, der Vorausdenker besser gefallen, und eben weil ich es mit ıhm halte, und auf mein ganzes Leben im. Voraus Bedacht nehmen möchte, beschäftige ich mich mit diesen Din- gen, Ya wenn du nur; wolltest, möchte ich sie, wie ich auch gleich Anfangs sagte, äm liebsten mit dir gemeinschaftlich Unterstiähen, - — Daraufsagte Protagoras: Ich meines Theils, Sokrates, lobe gar sehr deinen Eifer deine Art das Gespräch durchzufüh ter ‘allen Menschen. Wie 362 BR dir schon zu Mehreren gesagt, dafs unter allen mit denen ich zusammentreffe, ich dich ganz vorzüglich schäze, besonders von Leuten deines Alters,‘ und ich füge hinzu es wird mich gar nicht wundern, wenn du einst unter ‚die ge- hörst, welche berühmt sind wegen ihrer Weis- heit. Was’nun diese Sache betrifft, so wollen wir, wenn du willst, ein andermal weiter dar- über sprechen; jezt ist es Zeit auch zu etwas Anderem zu schreiten. — Gut, sagte ich, wollen wir es halten, wenn es dir gefällt. Denn auch für mich ist es schon lange Zeit dorthin zu gehn, wovon ich schon sagte, und nur um Kal- lias dem Schönen gefällig zu sein habe ich bis jezt hier verweilt. Diese Reden wurden ge- wechselt, zur so gingen wir I. I: ‚A+ CH: 68, t 2 Yo er Ri Fr Pi TESTER . N zu — EIınLEITUNG. 1 Gespräch sei unter den kleineren, wel- che unmittelbar vom Protagoras abhängen, das erste, weil es demselben so nahe ist, dals es nur als ein Anhang oder eine Erweiterung seines lez- ten Theiles kann angesehen werden. Von der Tapferkeit nämlich, deren richtigen Begriff auf- zufinden die nächste Aufgabe des Laches ist, war auch im Protagoras dieRede gewesen in Be- ziehüung auf die Streitfrage von der Einheit aller Tugenden oder ihrer Verschiedenheit. _ Prota- goras, in Behauptung .der lezteren schon.durch mehrere, Beispiele in die Enge getrieben, hatte sich dennoch, durch einen freilich günstigen Schein bewogen, die Tapferkeit vorhehalten, als eine Ausnahme von jener Gleichheit, als ihrer Natur nach sich von allen unterscheidend, und auch in der Erfahrung sehr oft von den andern ‚getrennt anzutreffen. _ Wogegen Sokrätes ‘ge- zeigt hatte, dafs wenn darauf gesehen wird wie die Tapferkeit sich in der Erscheinung darstellt _ als Muth und Kühnheit, diese doch den Namen jener Tugend nur erhielten sofern Sachkenntnifs und Beurtheilung damit verbunden wären, so dals diese eigentlich das Unterscheidende der Tapferkeit von der Verwegenheit und Tollkühn- heit ausmachten, und also auch jene Tugend auf Plat. W. IL. Th. I. Bd. , [sı$}: 2° ER a — 92 — beröchnende Klugheit hinauslaufe. Gegen die- sen Erireis hatte sich Protagoras auf eine, wie schon dort bemerkt worden, eigentlich nich- tige und ungehörige Art var wae welehe sich oO Sokrates offenbar nur deshalb, gefallen lassen, ‚weil die weitere Erörterung ni: diesem Wege ihn von dem Ziele, veichen. er eben vor Augen hatte, allzuweit de abgeführt haben. Da- für eröfnete er dort die Untess suchung von einer ändern Seite, indem er erwies, dafs unter der Voraussezung das Angenehme sei überall das Gute, man auch dem Unangenehmen nur als Mittel zum Angenehmen entgegen gehen dürfe, und also auch die Tapferkeit Aschts Artdeten sein. könne als das richtigerAbmessen des entfernten Angenehmen gegen das nahe Unangenehnie, on Mefskunst,, also Verstand und Klugheit, Dieses auf die Hauptfrage des Protagoras tiber . die E:ehrbarkeit der Tugend angewendet war der Schlufs des Gespräches; die Frage aber von Ben, ‚Tapferkeit war öHenbar hiemit nicht er- pft, sondern vielmehr so disharmonisch un- Sutaelo.t liegen geblieben, dafs Platon es schwer- h ch 1 dabei konnte bewenden lassen. Denn die gie Betrachtung hatte er unbeendigt aufgege- en undr on. der zweiten war die Voraussezung hr TE) ‚el no gar nic Dr: seinige, i welcher Hinsicht noc tiberdies auch damalip, Löser sich leichtlich. täuschen konnten, wie es späteren bege Daher nun dieses kleinere erläuternde Gere ; in welchem auch was von der Tapferheit delt wird, sich unmittelbar an jene Ur iter. ir N chungen anschlielst, um sie genauer und mehr aus Platons & eignem Gesichtspunkt zu fassen. D her zuerst dafs Kühnheit in der Erscheinung den Begriff der Tapferkeit nicht erschöpft, in- dem das Gebiet desselben uber das eigentlich i ui P sogenannte. furchtbare weit hinausgeht , und nicht minder auch der Widerstand gegen jede Art der Unlust, ja auch gegen die Lust zur Tapferkeit gehört, :dafs also Beharrlichkeit eher . das Unterscheidende derselben ausdrüken würde. Pr Auf diese Weise berichtiget wird nun die erste ° Untersuchung des Protagoras wiederholt'und zu Ende geführt, dafs nämlich theils nicht jede Be- j harrlichkeit Tapferkeit sei, auf der andern Seite | ‚aber:auch nicht etwa nur die für einen gewissen j | | Ziwek‘ oder Ausgang verständig berechnete, in- (dem das sittliche Urtheil dafs etwas’tapfer sei, . weder mit dem Grade der Beharrlichkeit, daes auch’eine zu grolse tadelnswürdige gebe, noch auch mit dem Grade der Klugheit in der Berech- nung Maals halte. Daher überhaupt die Tapfer- keit nicht’ als eine sinnliche Stärke zu denken sei, weil sonst auch den Thieren müfste Tapfer- keit zugeschrieben werden, welches Nikias, un- streitig die Meinung des Platon ‚verkündigend, . läugnet. Die zweite,Frage aber aus dem Prota- ,goras wird nicht eher wieder aufgenommen, bis, um jede Täuschung unmöglich zu machen , jene Voraussezung dafs das Angenehme: dem Guten gleichgeltend sei, aufgehoben und ein Unter- - schied zwischen beiden gesezt ist. Hiezu: war nicht leicht‘ ein Vergleichungspunkt besser und > bar wenn alles Sittliche nur Mefskunst‘des An- 2 genehmen ist: so kann das Wissen, welches.die p* A ri as Vorhersehen des Ausganges und seines wirk- .. » Eichen Lustwerthes. Hievon nun wird.die Erz. Sa kenntnifs des Guten hier gänzlich unterschieden, amd datin erst dargethan, dafs sofern auch: die. | Tapferkeit eine solche Erkenntnifs sein soll,»sie: keine von ‘den 'andern Tugenden unterschiedene falslicher als die Wahrsagekunst.. Denn öffen- e in. Tugend ausmachen soll, nichts anderes;sein ‚als eine Erkenntnifs sei oder ein Wissens Br ® ” E ’ ee .s . - a Yıösindebe "Tugend sein TEN weil der einzige, Eintheilungsgrund, nach dem dieses, wenn mi "auf den gewöhnlichen Gehalt des Begriffs sich Ei geschehen könnte, nämlich der von der Zeit h hergenommene; bei sittlichen Dingen nicht: ER, $ Betracht kommt. Auch hier wird'daher 5 Ergebnifs bestätiget, dafs die Tugend ein: ‚Ur ‚theilbares ist, ünd dieselbige Kraft‘ welche die eine hervorbringt, auch alle anderen erzeu ‚mufs. Indem also über den Begriff der Taplaik. ‚keit die Untersuchung fortgesezt. wird, werden zugleich die höheren ethischen Ideen welche im Protagoras angelegt waren, nicht nur durch deutlichere Widerlegung des entgegengesezten -bestätiget, sondern auch wirklich weiter ausge ‚zeichnet, wenn gleich, wie es in‘dieser Klasse a der Platonischen Gespräche gewöhnlich und den -Grundsäzen derselben Angemessenist, mür gleich- x .samunvermerkt und mit unzusammenhängenden Strichen, damit derjenige allein sie finde, der ‚schon auf den Weg gebracht war sie allenfalls ‚selbst zu erfinden. Denn was'in seiner Unschuld a -Laaches: über das:Wesen der sittlichen Weisheit. sagt als Harmonie der Seele ünd Uebereinstim- mung) des Wissens und Lebens, dies ist‘ a. i 'rechte’Schlüssel zu der Platonischen Theorie der ' Tugend, und wie er es meinen können das sie a beiläufg bemerkt nicht der: einzige merkwür Aalen Fall ist, der die es: Behauptun 2 “ „ aufzudeken, noch auch nur was sie selbst sagt, “sondern äuch Manches‘ was sie Andern ohne - Widerlegung: hingehn, läfst, und was der auf- merksame:Leser leicht durch den eignen Ton, in 'welchem es;gesagt wird, unterscheidet. “0 Soviel von dem: Hauptinhalte des Gesprä- ches, der freilichtort der äufseren Einkleidung wegen etwas anders: geordnet ist, jedoch nicht so.abweichend, dafs irgend jemand: die hier an- gedeuteten Beziehungen auf.den Protagoras: ver- .. kennen wird.: Auch‘ zur Erläuterung und Ver- . ‚herrlichung der dialogischen Methode, man er, ‚annere sich wie sehr. diese im Protagoras eine Hauptsache, war, kommt ‚hier noch. Manches vor, unter andern eine sehr deutliche, als Recht; ug vielleicht gegen Mifsverständnisse des "Lysis, und: Protagoras vorgebrachte Erklärung davüber, dafs niemals die Absicht die sein könne aut dem Andern: seine Unwissenheit zu zeigen, indem man.doch selbst nichts wisse; denn: dies ist umstreitig die Bedeutung der‘ Stelle, worin Nikias' eben dieses ‚als etwas Verächtliches -an dem: Tiäches: tadelt; ı,$o wie ‚auch die Aeulse; mumgy.dals es gleichgelten müsse, ob der Beleh- ‚ zende jünger sei oder unberühmter, gewils eine % Vertheidigung des Platon selbstäist, wegen seiner DE Behandlung des Lysias sowohl-als. des Protago- ass «Auf solche Einzelheiten den Leser des Pla 2 Be fincrkönm zu machen kann nieht über- füfsig sein, theils weil sie den, Zusammenhang - dieser Gespräche noch. mehr ins Licht‘ sezen _ - theils damit er zeitig lerne die, Absichtlichkeit des Schriftstellers gehörig zu würdigen. - " n3u! Dieses ‚durchgängige Anschlielsen an. ‚den Protagoras nun. sichert demi-Lachesunstreitig seinen Plaz in. der Reihe ı der ‚Patonischen. Ge- AN spräche, nbaer achten Aristoteles, s woser in seinen a ‘ E% 5 5- Ada 56 N Bi # ER RER ER ethischen Werken von der Tapferkeit EN dies selben nirgends deutlich erwähnt. Welches auch- nicht zu verwundern ist, und keinen Verdacht erregen kann; denn da er im Allgemeinen die Platonische Ansicht des Guten sowohl.als der Tugend bestreitet , so wäre es überflüfsig gewe- se, bei Platons Behandlung *der einzelnen po- pulären Begriffe und seinen Einwendungen das _ gegen besonders zu verweilen.‘ Ueberdies aber ist alles Aeufsere hier so ganz platonisch, jazum Theil ebenfalls aus: dem Zusammenhange mit dem Protagoras zu erklären, dafs wohl Keinem von keider Seite irgend ein Zweifel übrig il blei- ben.kann. Der Reichthum des Beiwerkes, der Wechsel der Redenden, die Anwesenheit stum-_ mer Personen jst ganz wie Fortsezung des. ‚Pro- , taböras. Und was die Wahl der Personen: bei trifft, so stimmen Lysimachos. der Sohn des Bi Aristeides und Melesijas, der Sohn jenes: Thuky- dides der lange Zeit mit vielem Verstande dem Perikles das G gengewicht hielt, sehr genau zu der im Protagoras zuerst aufgestellten Bemer- kung, dafs die gröfsten $taatsmänner dennoch des Bildens zu ihrer Kunst unfähig gewesen: Offenbar sind sie auch zugleich da zur ar digung der Jugend durch'eine fast komisch ge haltene Darstellung des zwar gutmeinenden ab unfähi gen und geistlosen Alters, undum zu PR gen wie ganz nichtig solche Vorwürfe sind, an ganz hohe Alter, am meisten wenn’ es auf nichts anderes stolz zu sein hat, auch Männer et reifsten Jahren, wie Lysiniachos es hier det Sokrates macht, herablassend als Jünglinge zu & behandeln pflegt. Bei der Wahl der übrigen Personen [cheint eine allgemeine Absicht gewe& sen zu sein, den Vorwurf abzuwälzen, als ob sich der Platonische $ okrates’ nur gegen SR N. — 327 — und Sophisten zu brüsten verstehe... Darum sind _ die Knaben zwar hier, aber stumm, und die ei- gentlichen Unterredner Edle von den ersten ihres Gleichen, mit denen Sokrates von demje- I nigen redet, was sie billig verstehen sollten, von der Tapferkeit, nämlich z mit Heerführern. Von. welchen Lachee vor anderen mag gewählt wor- den sein zur Verherrlichung des Sokrates als dessen Kriegsgefährte und Augenzeuge se’ner Tapferkeit. Dem Nikias aber, von welchem Plutarchos sagt, er sei von Natur der Verwegen- heit und den. übermhüthigen Höfnungen abge- neigt gewesen, und habe nur durch glükliche Erfolge im Kriege die angebohrene F urchtsam; keit bedekt, diesem ziemte es besonders die un- gewöhnliche Meinung von der Tapferkeit zu vertheidigen, welche sie mehr zu einer Sache der Einsicht und des Verstandes. macht, Nur die zu ausführliche Behandlung der ersten F rage über das Waffenkunststük, und die ganz artige- aber. doch wenig. hergehörige Erzählung von laos ist. nicht recht zu verstehen; und es möchte sich schwerlich eine andere skdalt darüber geben lassen, als dafs sie ein üppiges Uebermaafs ist von jenem Scherz, welcher wie im Phädros gesagt wird, jeder Schrift nothwendig muls bei- _ BRCh! sein. FETEIETT ZEITEN SEIT TEE ° dem ‚Sichelspeere des völlig unbekannten Stesi- ” 350, HeBasn IL,ysımacmos. MELESsIASs. Nıxras. Lacues. Dır Sönne Des Ly- SIMACHOS UND MELESIAS, RORRAHE Erdehe: (Gesehen habt ihi nun, © Nikias “"ıumd Laches, den Mann in voller Bewaffnung fechten; weshalb aber wir, ich und Melesias, “euch ersucht haben mit uns ihm zuzusehen, dies sagten wir euch gleich damals nicht, wollen es . euch aber jezt sagen, Denn mit euch lauben wir freimüthig reden zu dürfen. Manche frei- lich verlachen nur dergleichen ; und wenn Je- mand sie zu Rathe zieht, so sagen sie nicht was sie denken, sondern den Fragenden errathend reden sie etwas anderes gegen ihre Meinung. Euch aber glauben wir nicht nur tüchtig zu der Sache Beurtheilung, sondern auch, dals nach- dem ihr sie beurtheilt, ihr aufrichtig sagen werdet, wasihr denkt, und so haben wir euch mit zu unserer Berathung genommen, über das ‚was wir euch eröfnen wollen. Worüber ri aber schon so lange so vieles vorrede, das B. 179 folgendes. Diese hier sind unsere ee y da; ist dessen, nach seinem Grofsvater = i 2 u m aa a x % _ des genannt; der meinige aber hier führt eben- falls den grofsväterlichen Namen meines Vaters, ‚denn der heilst Aristeides. Für diese nun haben wir beschlossen so gut als möglich zu sorgen, und nicht, wie die Meisten es machen, nun sie halb. erwachsen sind, sie gehn und thun zu las» sen was sie wollen, sondern vielmehr nun erst ‚recht anzufangen die möglichste Sorgfalt auf sie zu wenden. Da wir mun'wissen, dafs auch ihr Söhne habt: so glauben wir, wenn irgend Je- -mand, werdet gewilßs ihr darauf gesonnen ha> ben, auf welche Art behandelt sie am besten gedeihen werden. " Solltet ihr aber’ etwa nicht sehr auf diese Sache gedacht haben; sa wollen wir euch ermahnen, sie nicht zu vernachläfsi- ‚gen, und euch‘ auffordern gemeinschaftlich mit ..4 uns Sorge zu tragen für die Söhne. . Weshalb wir nun dieses beschlossen, 0 Laches und Ni- kias, müfst ihr hören, ‘wenn es auch etwas aus, führlicher sein sollte. ‘ Wir.nämlich speisen zu- sammen, ich und Melesias, und unsere Knaben mit uns. Wie ich nun gleich Anfangs gesagt, wir wollen freimüthig zu euch'reden. Jeder ' von uns nämlich hat von seinem Vater zwar viele schöne Thaten’ zu erzählen, theils welche sie im Kriege gethan haben, theils welche im Frie- den, sowohl der Bundesgeniossen Angelegenhei- ten 'verwaltend als auch der Stadt; eigne Tha- _ ten’aber von sich selbst hat keiner von uns den Jünglingen zu erzählen. Deswegen also schä- inen wir uns vor diesen, und klagen auch un- sere Väter än, dafs sie uns nachdem wir herän- gewachsen nach Gutdünken leben lefsen, selbst ' aber nur fremde Angelegenheiten verwalteten, Diesen Jünglingen aber halten wir das Beispiel ' vor, und sagen ihnen, dafs wenn sie sich .ver» nachläfsigen und uns nicht gehorchen, sie auch W- ° Namen sich werth ‚machen, welche ‚sie führen, i80 uns, zu sagen was ihr thun wollt.. : urlukas ‘die öffentlichen Geschäfte verwalten, indem rd — 30 — werden imberühmt bleiben, würden sie aber Fleifs anwenden, so könnten sie vielleicht der Sie nun 'versprachen zu gehorchen, und wir denken darauf, was diese wohl lernen und üben müssen, um. recht tüchtige Männer zu werden. Da hat uns also einer auch auf diese Kunst ger; * wiesen, dals es wahl einem Jünglinge anständig wäre fechtäh zu lernen in voller Bewafnung, . und hat uns dazu diesen gerühmt, welchen ıhr eben: gesehen habt, sich in seiner Kunst zeigen s und ‚ünsi'geheifsen, ihm zuzuschauen.. Wir aber slaubten, wir 'müfsten nicht.nur ‚selbs kommen ihn zu sehen, sondern auch.euch mit- nehmen als Mitzuschauer zunächst, dann aber auch als Mitberather und Theilnehmer, wenn ihr wollt, an der: Sorge für die Söhne. ' Dieses ist, was wir euch anvertrauen wollten. - Jezt also ist eure Sache Rath zu ertheilen, ‚sowohl wegen dieser Kunst, ihr mögt nun meinen dals sie erlernt werden müsse oder nicht, als auch übrigens wenn ihr: uns für einen jungen Mann eine Kunst anzturühmen habt ‚oder eine Wissen- schaft, so auch wegen eurer Gemeinschaft mit "Nix. Ich meines Theils, o Lysimachos und Melesias, lobe nicht nur eure Gesinnung, son- , dern bin auch. bereit mit euch Gemeinschaft zu machen; ich glaube aber dasselbe auch ı iS Laches. Lacıes. Und ganz, richtig glaubst du Nikias. Denn wasıLysimachos eben ne du seinem und des Melesias Vater, das scheint du sehr richtig bemerkt zu sein, ‚nicht: nur. über jene, dördeen auch über uns, Pei Alle, welche len fast dasselbe begegnet, was er sagt, . — Be wäs ihre Kinder betrifft als alle andere eignen Angelegenheiten, dafs diese nämlich hintange- _ 'sezt und nachläfsig betrieben werden. ‚Dieses also. war sehr gut gesagt, o Lysimachos; dafs du aber uns zu Mitberathern wegen, der Erzie» hung dieser Jünglinge berüfest, „den Sokrates + Wü: aber nicht berufest, darüber. wundere ich mich, da er zuförderst zu deiner Zunft gehört, und dann auch sich immer da aufhält, wo etwas von, dem zu. finden ist was. du suchst, irgend eine den Jünglingen ange ‚Wissenschaft oder Kunst. nı » Lysım. Wie’ sagst du, oLaches? Läfst So- = keates sich dergleichen irgend angelegen sein? -Lacm.. Allerdings, o Eysimachos, ©. ı Ni, Dieses kann auch ich- bezeugen nie minder als Läches. : Denn auch mir selbst hat er nur neulich einen Mann zugeführt, als Leh, rer für meinen Sohn in der Tonkunst, des Aga- thokles Schüler, den Damon, einen gar vor- treflichen Mann. in..der Tonkunst nicht, nur, . sondern auch worin du sonst willst, ganz ge "macht zum «lehrreichen ‚Umgang für. solche Jünglinge. ».. ı Lrsım, Meine Altersgenossen und ich, o Sokrates, Nikias und Laches, wir sind. wenig BE "bekannt mit den Jüngeren, da wir uns "gar viel zu Hause aufhalten ‚unseres Alters we- gen, Wenn also auch du, o Sohn: des Sophro- niskos, diesem deinem Zunftgenossen etwas gutes zu rathen hast, so rathe. Auch geziemt es dir so, da dw schon vom,Vater her mir be- . freundet. bistz denn immer waren ich und dein _ Vater Geenhdei und Vertraute, und er. ist eher orben als ‚er einen Zwiät. mit mir gehabt ‚hätte, Ueberdies kommt mir jezt.eine Erinne- 9 za 7% dem. wäs diese sagen. ‚Denn wenn die han ” Art pr er aBı yew;i und hätte nicht einen so "Be $ ern Br. ‚ Knaben ‘zu Hause inter einander reden, erwäh- nen sie öft des Sokrates und rühmien ihn sehr, noch !nie indels habe ich’ sie befragt, ob sie wohl den Sohn des So hroniskos meinen, Sagt. ‚also, ihr Kinder, ist dieses der Sokrates dessen ihr immer erwähnt? - air: ‘Km. Allerdings, o Nie, ist es dieser, il Lxsım. Sehr gut, bei der Here, o Sokrätes, dafs dtı so RER rg Vater, dem treflichen Manne; Ehre‘bringst, ‚schon 'an' sich besonders, aber auch weil nun das deinige auch'uns ar wird, so wie das unsrige dır. ib, 'Lacm. Wahilich ; o Lysimachos, Adiberf ja den Mann’ nicht'lös' Ich meines Theils habe - ihn auch anderswo schon gesehen nicht ‚nur sei- nem'Vater Ehre bringen, sonder‘ auch'seinem Vaterlande Denn bei der :Flucht vor Delion ging er mit mir zurük , ünd‘ich versichere‘ dich, wenn die Uebrigen' &ich hätten so beweisen wol- len; unsere Stadt wäre damals bei Ehreh geblie» Sturz‘ erlitten. / Vw Tyrcn? kikobund Lysım. © Sokrates, dieses ist:ein schönes Lob, welches dir jezt ertheilt wird von glaubs würdigen Männern, zumal indem, weshalb sie dich loben. Sei. also versichert, dafs es mich freut dieses zu hören, deines guten Rufes wes gen, und dafsich michi denen zähley welche dir am meisten wohlwollen.“ Und. schon eher zwar hättest du von selbst fleilsig zu uns koms men sollen ünd uns.zu den deinigen rechnen; ntn aber von heutean, da wir einander bekannt geworden, thue ja nicht anders, sondern halte dich zu uns, und.lerne auch du uns kennen und diese Jüngeren, damit. auch Ihr, unsere Freunds+ 5 schaft fortsezet. Dies 'thue'also von selbst, und auch wir wollen dich’dessen öfter: wieder erin- Be .. ie. Därüber RER wovon wir inlingan;; “was sagt ihr? was dünkt euch? ist die Kunst:den ‚Jünglingen erspriefslich in der schweren Bewaf- nung fechten zu lernen oder nicht? .0.0,80x:. Sowohl hierin, o Lysimachos, will - ich versuchen dir zu rathen, wenn ich nur kann, “ alsauch alles Andere, wozu ‚du mich «einladest, "willich thun, Das schiklichste aber dünkt mich zu sein, dafs ich als der Jüngste und Unerfah- zenste von diesen zuerst sie höre, was sie mei- “ men; und von ihnen lerne, "wenn ich aber etwas anderes habe aufser dem von ihnen gesagten, dann.erst: es ihnen vortrage, ünd sie und dich - uicht zuerst unter uns ? - 000. Nixe. Nichts ‚hindert mich, o reh "Mich nämlich dünkt auch diese Kunst zu verste- ‚ken könne jungen Männern ‘in vieler Art nüz- lich sein. Denn schon dieses ist nicht übel, dafs ‘ sie unterdefs nicht eine andere Beschäftigung ‚treiben; von denen, welchej junge Leute zu lie+ bem»pflegen in der Mufsp, s sondern ‚diese, wo - dürch doch ihr Körper: mothwendig. an Stärke N gewinnen muls, . diese Leibesübung ist nicht schlechter als ra eine andere, noch HE geringere ‚ Anstrengungen erforderndy er zUu= gleich.gehört, sich für einen anständigen M; ‚vor allen ‚andern. ‚dieser und das Reiten.,: Denn wir ja-Künstler sein sol- ie, welche sich mit diesen unat ihnen auch zunhailee ie Sechtem sollen'mit. vielen andern. Ihr, gröfster Nuzen ‘aber zeigt sich erst dann, wenn die Glieder sich. trennen und schon der ” überzeuge: : Also, 'o Nikias, ‚warum redest. du irklich zu bestehen haben, 182 benden Werkzeugen üben. » wäre machen wird. er das wollen wirnicht 24 ‚der verwandten Kunst der Schlachtordnung, - Jünglinge‘ dieses erlernen ı sprochen. Was aber Lat hören. ‘ a RR en Einzele gegen den Einzelen entweder verfol- z gend den sich vertheidigenden zusezen,, od auch fliehend gegen den, der ihn angreift, sicl selbst vertheidigen soll. Alsdann kann wohl nicht leicht, wer dieses versteht, von‘ Einem bezwungen werden, vielleicht auch nicht'von . Mehreren, sondern dürfte überall die Oberhand haben, Ferner fodert dies auch auf zum Stre=- ben nach einer andern edlen Kunst. Denn Je- der, welcher gelernt hat in voller Bewafnung, zu fechten, wird auch Verlangen tragen nach nd wer diese erlangt'hat und Ehre darin sycht, der wird dann gewifs zu allem, was noch sonst dem Heerführer nöthig ist, fortschreiten; Und so ist schon offenbar , wie anständig und einem Manne höchst nüzlich zu lernen und zu üben die hieran hängenden Künste und Kenntnisse sind, zu $denen diese ‚der. Anfang sein ‘kann. Noch ein nicht Geringes aber wollen wir hinzu- fügen, dafs nämlich diese Kenntnis einen Je $; den im Kriege muthiger und tapferer als er sonst 2% verschmähen zu sagen, obgleich es Menschen geringfügiger dihiken* 2: chte, ‚dafs. du auch ein Mann in besserem Anstand & grade da, wo er durch seinen An Feinden nöch furchtbarer:erschei o Lysimachos,' 'dünkt, weshalb es mich dünkt: en Sk OLE über meint, ‘ wünsche ich "Lach. Zwar ist es s bedenklich, 6 von welcher Kunst es auch sei, zu sageı man sie nicht lernen solle, Denn auch @ ER ae. Dom "wissen scheint gut zu sein; und so auch”dieses Fechterstü', wenn es eine Kunst ist, wie diejeni- gen die es Ichren behaupten, und auch Nikias sagt, mufs iman es lernen. Ist es aber keine Kunst, sondern betrügen uns nur, die es zu leh- ‚ren verheilsen , oder ist es zwar eine Kunst aber von gar keinen) ernsthaften. Werth, wozu sollte man sie denn wohl lernen? Ich 'spreche aber hierüber so in der Hinsicht, weil ich glaube die- ses würde, wenn es etwas wäre, den Lakedämo- niern nicht‘entgangen sein, denen ja nichts an- deres fast anliegt im Leben, als dasjenige zu ler» men und zu üben, "was gelernt und geübt ihnen o Uebermacht verschaffen kann über Andere a Kriege. ı Wäre es ihnen aber auch entgangen, 's würde doch den Lehrern dieser Kunst eben era nicht entgangen sein, dafs Jene am meisten un» ter‘allen Hellenen sich dieser Dinge befleilsigen, auch bei den andern desto mehr Geld gewinnen "müfste, eben wie ein Tragödiendichter der bei uns geachtet ist. Denn gewils wer eine Tragö- die schön gedichtet ; zu haben glaubt, der wird ‘ Michtrund um Attika in andern Städten herum- ziehend sie zur Schau geben, s sondern er kommt ‚geradezu hieher und stellt sie bei uns zur Schau, wie billig. . Diese Fechtkünstler aber sehe ich,, ‚dafs sie Lakedämon für ein unzugängliches Hei- 7 ligthum halten und es auch nicht Arie der Fufs- spize betreten, sondern sich lieber bei allen an- dern zeigen, am liebsten aber bei denen, welche . selbst gestehen, dafs Viele ihnen überlegen sind, was den Krieg betriflt., Ferner, o Lysimachos, ‚bin ich schon mit nicht gar V/enigen von diesen zusammen gewesen bei der That selbst, und habe gesehen was sie werth sind. Aber auch daraus . können wir dieses beurtheilen, dafs, recht als Ka und dafs wer von ihnen deshalb geachtet wäre, . . werden, doch aber dieses Kunststück mit der ‚Speer halten wollte, ‚so liefs er den Speer all- 18 Jung, hernach aber als ihm einer einen es x mülste es so sein, niemals irgend einer vondie- sen F echtkünstlern ein berühmter Mann gewor- den ist im Kriege, da doch sonst überall die be- rühmten aus denen herkömmen, welche sich jeder Sache besonders befleifsigen, diese aber wie es scheint sind hierin vor allen andern sehr unglüklich gewesen. , Ja auch diesen Stesilaos, den ihr mit mir vor einer so grofsen Volksmenge sich zeigen gesehn habt und so vieles von sich rühmen als er gerühmt hat, den habe ich ander- wärts schon besser gesehen ganz der Wahrheit nach, wo er sich wahrhaft zeigte, aber eben nicht gern. Als nämlich das Schiff, auf welchem er sich befand, mit einem Frachtschiff zusam«- menstiels, so fooht er mit einem Sithelspeer, _ einem sonderlichen Gewehr, wie auch er son- derlich war vor den Uebrigen. ı. Sonst nun ver- dient wohl nichts von dem. Manne erzählt zu Sichel an dem Speer wie es ablief, Indem er nämlich damit herumfocht fafste er irgendwo. an dem Takelzeug des Schiffes, und blieb hän- _ gen. ‚Nun zog Stesilaos daran um ihn loszuma- chen und konnte nicht. Die Schiffe aber gin- gen einander vorbei. Anfangs nun lief er längs- dem Schiffe seinen Speer festhaltend ihm nach, als aber jeries Schiff schon vorüber war vor dem seinigen und ihn nun. mitzog, weil er seinen mählich nach durch die Hand, bis er nur noch die äufserste Spize am untern Ende hielt. Da war nun grofs Gelächter und Geklatsch unter de- nen auf dem Frachtschiff schon über diese Stel- Kar vor die Füfse auf das Verdek warf, und er va Speer losliefs, dann konnten auch ‘die auf deı Kriegsschiffe das Lachen nieht mehr halten, a ie } |: N N $ =“ sie an. dem Frachtschiffe ‚hängen hewä jenen Si- chelspeer.' Vielleicht also kann zwar dennoch: etwas an. der Sache sein, wie auch Nikias sagt, was ich aber daran gefunden habe war nicht . besser als dieses., Wie ich also schon anfangs . sagte, hat es so wenigen Nuzen wenn es eine Kunst ist, oder ist es gar keine, und sie geben es nur dafüraus: so ist es wohl nicht der Mühe werth eszulernen. Dahernun dünkt mich, ‚wenn ‚einer der nicht viel Muth hätte glaubte dieses verstehen zu müssen und sich ‚dadurch. dreist machen liefse, so würde nun um so offenbarer ‚werden wie er war, ein Tapferer aber würde, von allen Menschen beobachtet, auch wenn er ‚nur um ein Weniges fehlte grofsen Tadel davon tragen ; ‚denn neiderwekend ist es sich einer sol- chen Wissenschaft zu rülımen. So dals Jeder der nicht, ich weifs nicht wie sehr sich auszeıch-. net vor Andern in der Tapferkeit, unmöglich vermeiden kann lächerlich zu werden, wenn er sich dafür ausgiebt diese Wissenschaft zu, be- .sizen. „Solche Bewandnils dünkt es mich zu haben, o Lysimachos, mit dem Bestreben um diese Kunst. Du mulst aber, wie ich dir gleich "sagte, ‚auch den Sokrates hier nicht loslassen, sondern ihn bitten Rath mitzutheilen, was ihn dünkt'von der vorliegenden Sache. . .. & Lysm. Darum bitte ich dich allerdings, ‚o Sokrates; zumal unsere Sache mir ‚gleichsam. noch eines Schiedsrichters zu bedürfen ‚scheint. Denn wenn diese beiden. übereinstimmten, so würde es dessen weniger bedürfen; ‘nun aber, wie du siehst, Laches für die entgegengesezte Seite gestimmt hat als Nikias, so ist es sehr dien- . dich auch dich noch zu:-hören, welchem von) en Männern du beistimmst. 15.80R,; Wie also, o Lysimachos? den Blast, W. I. Th. I. Bd; [22] ER von beiden die Meisten unter uns billigen, das willst du annehmen? Lysım. Wie sollte es einer dehnt N wohl anders machen, o Sokrates? ° (Sor. Würdest auch du, o Melesias, es EN machen? Und wenn von Kampfspielen in Be- ziehung auf deinen Sohn die Frage wäre, auf welches er sich üben sollte, würdest du den’ Mehresten von uns glauben, oder dem der von einem guten Lehrer in Leibesübungen unter- richtet wäre, oder sie auch selbst geübt hätte. Meızs. Diesem wohl natürlich, o Sokrates. Sor. Dem würdest du wohl mähs glauben als uns allen Vieren? | Meıxs. Vielleicht wohl. Sox. Denn nach der Kenntnifs dev Sache “ meine ich muls man entscheiden, nicht nach ‚der Zahl, was gut soll entschieden werden. .Meres. Wie sollte man nicht? Sox. Also auch jezt müssen wir zuerst die- ses untersuchen, ob einer von uns kunstverstän- ' dig ist in dem worüber wir Rath pflegen, oder 385 nicht, und ist es einer, alsdann diesem folgen, wäre es auch nur Einer, die Andern aber lassen ; ist es aber keiner, dann einen andern suchen. Oder glaubt ihr, du und Lysimachos, jeztnureine Kleinigkeit zu wagen und nicht vielmehr dasje- nige was das grölste ist unter allem Unsrigen? Denn je nachdem die Söhne tüchtig gerathen oder im Gegentheil, wird auch das ganze Haus- wesen des Vaters so verwaltet werden, wie bir Söhne gerathen sind. Kon ’ Meıxs. Sehr richtig gesprochen. Sor. Viele Vorsicht ‚mufs also hiebei ge n braucht werden. & Meres. Allerdings. en ER Ks v Sox, Wie also würden wir was ich sn. F. ne De u - Arznei oder die Augen? en - a sagte untersuchen, wenn wir beurtheilen woll- ten, wer von uns in einem Kampfspiele der kunstverständigste wäre? Nicht, wer es elernt und geübt hat? und wer auch tüchti Lehrer gehabt hat in eben dieser Kunst? * » Meres. 89 scheint es mir wenigstens. Sor. Nicht auch noch eher, was denn das eigentlich ist, worin wir nach Lehrern fragen? " MELES. wie meinst du dieses? Sox. So wird es vielleicht deutlicher wer- den Es dünkt mich nicht, dafs wir uns An- fänglich darüber verständiget haben, was es eigentlich ist, worüber wir berathschlagen und untersuchen, wer von uns darin kunstverstän- dig ist und dazu gute Lehrer gehabt hat, und ‘ wer nicht. ı Nik. Ist denn nicht, o Sokrates, -die Frage von dem Fechten in voller Bewafnung, ob &i ‚Jungen Männer es lernen sollen oder nicht?- Sor. Allerdings freilich, o Nikias; aber wenn einer wegen eines Mittels für die Augen überlegt, ob er es aufstreichen soll oder nicht, glaubst du seine Berathschlagung betreffe die Nix. Die Augen. Sox. Alsoauch wenn Jemand üben ob er dem Pferde den Zaum anlegen soll oder nicht, und wann, dann beräthschlagt er wohl über das Pferd und nicht über den Zaum? Nik. 'Gewiß. ; r OREEE x, "Sox. Also mit einem Worte, wenn Ternand! etwas eines Anderen wegen überlegt, so betrifft, . seine Berathung dasjenige, um deswillen er a überlegt, nicht das, was er um eines a willen suchte. . NK. Nothwendig. :SoK: Also n müssen wir auch in Absicht des u. es i ‘ - Raıhgebers ansersuchen, ob er krnstverstinäie ü ist in der Behandlung dessen, um deswillen wir N unsere Untersuchung anstellten. Ai i h -» Nik. Freilich wohl. a Sox. Und nicht, wahr, jezt sagen wir, daß wir, ob eine Kunst soll gelernt werden, überle- gen, ‚am der Seele der Jünglinge willen. © BR eh a Wenn also Jemand von uns kunstver- ständig, ist: in Behandlung der 'Seele, und'ge- schikt diese gut zu behandeln, ‚und darin gute Lehrer gehabt hat, den müssen wir suchen. Lacn.: Wie doch, o Sokrates? Hast du noch nie solche gesehen, welche ohne Lehrer kunstreicher: geworden sind in manchen Diuzen, - als mit Lehrern? Sox.. Wohl habe ich, o Laches, denen' du aber gewils nicht yrürdest, trauen wollen, wenn sie behaupten gute Künstler zu sein, wofern sie dir-nicht ein Werk ihrer Kunst zu zeigen haben, j das gut gearbeitet ist, und wohl mehr. als Rank ; Nix. ‚Darin hast du sehr Recht. FE | 186 ', SOK. Auch wir also, oLaches und Nilias, | müssen da Lysimachos und Melesias uns zur Be- rathung ihrer Söhne wegen gerufen haben, .de- xen Seelen sie so treflich als möglich zu bilden bestrebt sind, ihnen zeigen; wenn wir Lehrer 5ehabt zu haben behaupten, wer sie sind, ‚dafs, sie selbst zuerst tüchtige Männer, gewesen: und | vieler jungen Männer Seelen gutgebildet haben, heinach ; auch, dafs.sie uns so gelehrt haben; ‚ oder ‚wenn einer von uns sagte, einen, Lehrer habe er zwar nicht gehabt, so mülste ‚do. dieser seine Werke anführen können, u gen, welche Athener oder Fremde, oder Freie durch ihn eingeständlich sind, worden. ‚Wenn: aber: nichts ‚erien ” —, DD N = =. uns findet: so müssen wir diese heifsen Andere zu suchen, nicht aber an befreundeter Männer Söhnen die Gefahr wagen sie zu verderben und so den härtesten Vorwurf uns zuziehen von de- nen die uns so nahesind. ‘Ich nun, o u chos und Melesias, ‘erkläre zuerst was mich trifft, dafs ich keinen Lehrer hierin gehabt habe} wiewohl ich der: Sache nächtrachte schon seit meiner Jugend. ı Allein ich hatte nicht den So= phisten ihren Lohn zu bezahlen, welche doch allein verhiefsen im Stande zu sein mich'zu . einem’ treflichen und -edlen Manne zu machen; selbst aber die Kunst zu erfinden bin ich noch unvermögend fürizo. Wenn 'aber Nikias oder T.aches sie erfunden haben oder gelernt will ich mich nicht wundern, denn sowohl an Gelde sind sie vermögender als ich, so dafs sie sie von - Andern können erlernt fiaben, als auch zugleich ‚Alter um sie schon erfunden zu haben. Deshalb dünken' sie mich wohl tüchüg zu sein einen Menschen zu bilden, sonst würden sie‘auch nicht 'so dreist etwas behauptet haben von den Uebüungen;, welche einem Jünglinge müzlich sind. oder nicht, wenn sie nicht sich selbst vertrau« ten, dafs sie es genugsam verständen. Im Uebri- gen also glaube ich ihnen, 'nur' dafs sie verschie- dener Meinung sind runder mich.ı Dieses bitte ich’ dich daher meinerseits, o Lysimachos, 'so wie eben Laches dir zuredete mich nicht loszu- lassen sondern 'zu' fragen,’ so ermahne ich nun ' dich, doch ja den Laches nicht loszulassen noch. auch’ den’Nikias, sondern frage sie und sprich ‚zuäihnen:: Sokrates behauptet dafs er michts von . der’Sache versteht, und nicht tüchtig ist zu ent- scheiden’ welchef ‘von ‘euch das Richtige sage, denn er selbst ‘sei. weder Erfinder noch Ausge: lernter inlirgend’etwas hicher gehörigem. Ihr a. m u Br 3 o Laches und Nikias, sagt uns doch Je-- der wer der grölste Meister ist in der Erzieh der Jünglinge mit dem ihr umgegangen Bein und ob ihr was ihr wilst erlernt habt oder selbt erfunden, und wenn erlernt, wer eines Jeden Lehrer gewesen. ist und welche sonst: noch ‚Künstler derselben Art sind, damit wenn ihr nicht. Mufse habt vor den Angelegenheiten der Stadt wir zu Jenen gehen können, und sie.durch 187 Geschenke oder Bitten: oder ‚beides überreden sich unserer und eurer Söhne anzunehmen, da- mit diese nicht schlecht. gerathend ihren Vor- eltern Schande bringen, ı Wenn ihr aber selbst Erfinder hierin seid, so zeigt uns Beweise, wel- che Andere ihr schon durch eure Sorgfalt habt zu Edlen und Guten gemacht. Denn wollt ihr etwajezt erst.anfangen zu erziehen, so möget ihr wohl erwägen, dafs ihr nicht am Karier den Versuch macht, sondern an euren und eurer . Freunde Söhnen, damit es euch nicht nach je» nem Sprüchwort ergehe vom Töpfer, der beim Fasse anfängt. | Saget also was 'hievon bei euch zutrifft und zu finden ist, und was nicht. - Di- ‘ses, o Lysimachos, erforsche: von ihnen und lafs die Männer. nicht los. \.Lxsım. ‘Sehr wahr, ihr Männer, düinkt MR Sokrates gesprochen zu haben. Ob aber ihr. Willens seid euch hierüber fragen zu lassen und Rede zu stehen, das müfst ihr selbst beurthei- len, o Nikias und Laches... Denn mir und dem Melesias würde es offenbar,erfreulich sein, wenn _ ihr Alles was Sokrates fragt ordentlich, durch- gehen wolltet. . Fing; doch: von Anfang meine Rede damit an, dafs wir.deshalb, euch zur Rath- schlagung berufen hätten, weil wir glaubten.ihr würdet euch dieses haben angelegen sein, lassen, wie zu vermuthen war nicht nur. on «sich hen! — Bi sondern noch mehr, weil. eure Söhne beinahe. dasselbe Alter. haben wie die unsrigen zur Erzie- "hung. Wofern ihr also nicht etwas. dagegen ‘ habt, so sprecht und überlegt gemeinschaftlich mit dem Sokrates gegenseitig euch anhörend und antwortend. Denn auch darin hat er recht gesprochen, dafs wir jezt über das gröfste be- rathschlagen unter allem Unsrigen. Seht also zu, ob ihr'glaubt so thun zu müssen. ıNıx. O Lysimachos, ich sehe wohl dafs duin der That den Sokrates nur von seinem Va- ter her kennst, mit ihm selbst aber nicht um- gegangen bist, aufser als er noch ein Knabe war, wenn er da etwa unter den Zunftgenossen sei- nen Vater begleitend dir in die Nähe gekommen oder im Tempel oder bei einer andern Versamm- lung der Zunft; seitdem er aber älter geworden hast du den Mann noch gar nicht angetroffen, das ist offenbar. Lxsım. Wieso doch, o.Nikias? Nık. Du scheinst gar nicht zu wissen, dals wer der Rede des Sokrates. nahe genug kommt, und sich mit ihm einläfst ins Gespräch, unver- meidlich, wenn erauch von etwas ganz anderem zuerst angefangen hat zu reden, von diesem. so lange ohne Ruhe herumgeführt wird, bis er ihn ‘da hat, daß erRede stehen muls über PER selbst, ‚auf welche Weise er jezt lebt, und auf welche ‚er das vorige Leben gelebt hat; wenn. ihn aber Sokrates da hat, dafs. er ihn dann gewils nicht eher herausläfst, bis er dies Alles gut,und gründ- lich untersucht hat. ; Ich nun bin schon mit ıhm bekannt, und weils dafs man dieses nothwendig von ihm leiden mufs; ja auch dafs es mir selbst begegnen wird weils ich sehr wohl. Gem aber, 0. Lysimachos, lasse ich mich: ein mit dem ‚Manne. ‘Denn. ich ‚halte es, nicht für etwas @: er... Mbpsaier - übles darauf Surükkefilirt zu werden, wo wir - etwa nicht schön gehandelt haben oder noch handeln ; söndern ich glaube vielmehr, dafs nothwendig derjenige weiser werden mufs 0 ‚sein nachheriges Leben, der dieses nicht scheut, sondern es wünscht täch dem Solon, und gern lerrien will so lange er lebt, nicht aber meint dafs das Alter ihm schon von selbst den Ver- stand mitbringen werde. Mir also ist es weder ungewohnt noch unangenehm vom Sokrates ge- prüft zu 'werden, vielmehr 'wufste ich es fast schon lange voraus, dafs von den Knaben nicht die Rede sein würde, wenn Sokrates’zugegen wäre, sondern Von uns selbst. Wie gesagt also, an meinem Theil hindert nichts dafs wir uns mit dem Sokrates unterreden, wie er es selbst will; - den Laches aber Beprase wie er hierüber ge sonnen ist. 4 Lacm. Sehr einfach, o Nikias, ist meine Weise in Absicht solcher Reden; oder wenn du . willst nicht einfach sondern zwiefach; denn ich. könnte einem scheimen ein Freund davon zu 'sein, und auch wiederum ein Feind: Wennich nämlich über die Tugend oder über irgend eine Art der Weisheit einen Maım reden höre, des... | wirklich ein Männ ist und der Reden werth wel- che er’ spricht, dann freue ich mich über die Maafsen zugleich den Redenden und seine Re- den betrachtend, wie beide zusammen gehören ‚und stimmen; and ein solcher scheint mir ei- | gentlich ein musikalischer Mann zu sein’ nach der schönsten Harmonie gestimmt, nicht:zur Leier oder sonst einem Werkzeuge des: Spiel, sondern fürs Leben wahrhaft in sich selbseg- stimmt um in einem’reinen Tone zuleben m Einklang der Worte mit den Werken, 'ächt ’do- risch, nicht ner auch glaube‘ ich nicht Pe | A — 545 — isch oder lydisch,. sondern nach jener "als. der einzigen ächt hellenischen Tonart, ı Ein solcher also macht mich erfreut wenn er nur den Mund öfnet, und dafs ich Jedem als ein Freund der Reden erscheine, so gern nehme ich Alles an 'was er redet. Wer aber hiervon das Gegentheil an sich zeiget, der ist mir nur um so mehr zu- wider, je besser er mir zu reden scheint, und macht dafs ich als ein Redefeind erscheine. Von des Sokrates Reden nun habe ich noch keme Er- fahrung, sondern zuerst habe ich wie es scheint seine Thaten erproben 'gesollt; und in denen habe ich ihn wohl würdig befunden auch Schö- nes zu reden mit aller Freimüthigkeit. ı Ward ihm nun auch dieses, so freue ich mich mit ihm und möchte gern von einem solchen geprüft werden und es mich nicht verdriefsen lassen zu ‚lernen. Sondern auch ich stimme demSolon bei, nur noch’ mit einem Zusaz, ich wünsche näm- lich alt zu werden vieles noch lernend, jedoch nur von Guten, Denn dieses mag er mir nach- geben dafs auch der Lehrer ein guter sei, damit ich nieht ungelehrig erscheine ‘ungern lernend, Ob aber der Lehrende jünger ist, oder noch kei- nen Ruf-hat, oder was er von dieser Art sonst an sich hat, das soll mich nicht kümmern. ‚Dir also, ‚o Sokrates, erbiete ich mich, dafs du mich prüfen undhbelehren mögest worin du willst, und auch wiederum lernen was ich weils. So stehest du: bei mar seit jenem Tage, an welchem du mit mir:die Gefahr bestanden, und einen Be- 189. weis-.deiner Tugend gegeben hast, wie ihn der- 'jenige ‚geben. mufs der ihn recht gebeh will. Sage,also was»du Lust hast und rechne unser Alter dabei für nichts. . v Sox..ı! Euch ‚' scheint es, werden wir nicht Ss beschuldigen können, dafs ihr eures Theils-nicht a . ; bereit gewesen wäret mit zu berathächlagen zn ‘mit zu untersuchen. Lrsım. Nun also beruht die Sache auf uns, o Sokrates, denn dich rechne ich für einen der unsrigen. So untersuche'nun an meiner Statt ‚zum Besten der Jünglinge, was wir von diesen Männern zu erforschen haben, und pflege Rath mit ihnen im Gespräch. Denn ich vergesse schon Alters wegen gar vieles, was ich im Sinn gehabt hatte zu fragen, und so auch was ich ge- hört habe; : kommen aber gar andere Reden zwischen ein, so’behalte ich fast nichts mehr. Ihr also redet und handelt allein dasjenige ab unter euch, was wir euch vorgelegt haben; ich aber will Adrören, und nachdem ich gehört mit dem Melesias dasjenige thun, was euch gut dünkt. ı Sox. Wir werden wohl,.o Nikias und. La- ches, dem Lysimachos und ee müssen. Was wir nun so eben‘ untersuchen, wer nämlich unsere Lehrer gewe- sensind in dieser Kunst, oder welche Andere wir schon besser gemacht haben, hierüber uns:selbst > . a PN 0. rsezten zu : zu prüfen wäre gewils auch nicht übel; aber ich glaube die folgende Untersuchung'wird uns zu demselbigen Ziele führen, und fängt eher - fast noch etwas höher hinauf an. Wenn wir nämlich von irgend etwas wissen, dafs eseinem andern einwohnend dieses besser macht dem es einwohnt, und zugleich im Stande sind zu be- wirken dafs es jenem einwohne: so ist doch offenbar dafs wir wenigstens dasjenige kennen müsseh, worüber wir Rath geben sollen, wie jemand es am leichtesten und besten erwerben könne. | Vielleicht indefs versteht ihr noch nicht was ich meine, so aber werdet ihr es besser ver- - stehen. Wenn wir wissen, dasSehen, denAugen ze . Msn) einwohnend, mache diejenigen besser denen es einwohnt, nd zugleich im Stande sind zu be- merken, dafs es den Augen beigebracht werde: so kennen wir doch offenbar das Sehen selbst, was esist, über welches wir Rath geben sollen wie anaand es am leichtesten und besten’ erwer- ben möge.» Denn wenn wir auch dieses nicht einmal wüfsten, was das Sehen ist oder das Hö- ren, so hat es gute Wege, dafs wir taugliche Rathgeber und Aerzte sein könnten für Augen und Ohren, auf welche ‘Weise Jemand Gehör und Gesicht am besten:erlangen könnte, 5 Lac#. Richtig ist, 'was du sagst, o So- krates. ! N Sox. Haben nun nicht, o Laches, auch . jezt diese beiden uns zur Berathung gerufen, auf welche Weise wohl die Tugend den Seelen ihrer Söhne beigebracht werden und sie besser. ma- ‚chen möge? Lacn. ‘Freilich. ' Sor. Mufs also nieht dieses : wenigstens sich bei uns finden, dafs wir ‘wissen was die Tugend ist? Denn wenn wir etwa ganz. und gar nicht wülsten von der Tugend, was sie eigent- lich ist, wie könnten wir wohl Jemanden Rath darüber ertheilen, auf welche Weise er sie am besten erwerben möge? [a Lacn. Wir könnten es ganz und gar zieht; wie mich wenigstens dünkt, o Sokrates... Sox. . Wollen wir also behaupten, o La- ches, dafs wir wissen, was sie ist? © Lach. Freilich wollen wir das. 25 x Sor. Wovon wir aber wissen, "davon müs- n wir. doch‘ auch sagen könmen was es ist? > Lace. "Wie 'sollten wir nicht. EN Sox. -Lafs uns aber nicht, o Bester, nach der ganzen Tugend sogleich fragen, denn viel- wach mn Dun Do Se wen 00 “ Art die Jünglinge: sie erlangen können, so weit 4sauch der, den du beschreibst, der im'Gliede * Brenn leicht wäre dies Geschäft zu grofs, sondern zus erst lafs uns von irgend einem Theile derselbsn sehen, ob wir bis zum Wissen darin gekommen sind, so wird uns wahrscheinlich die DE chung leichter sein. “ +Lacm "Wohl, 0 Sokrates; las ies’uns so machen, wie du willst. 3 Sox. Welchen also sollen wir Kallda von den Theilen der Tugend? ‘Oder nicht wahr, den gewifs auf welchen diese Kunst des Fechtens ab- zuzweken scheint? ‘und das: scheint sie doch den Leuten auf die Tapferkeit? Ar: LacnH. Allerdings so scheint es ihnen. "Sox. Dieses also wollen wir zuerst versus chen zu erklären was die Tapferkeit ist; dann aber nach diesem auch überlegen, auf welche es nämlich möglich ist sie durch Uebung und Unterricht zu erlangen. Also versuche nun, wie ich sage, zu beschreiben was die Tapferkeit ist. "Lach. ‘Dieses, o: Sokrates, ist. beim Zeus nicht schwer zu sagen. Denn wenn Jemand vermag, in Reihe und Glied Stand haltend, die Feinde abzuwehren und micht zu fliehen, ‚so wisse dals ein solcher tapfer ist. öl Sox» :Sehr wohl zwar gesprochen, 'o La- ches; vielleicht aber bin ich, weil ich mich nicht deutlich erklärt, Schuld‘ daran, dafs. du nicht dasjenige geantwortet hast, was ich im Sirine hatte bei meiner ar sondern etwas anderes. © Lach. Wie meinst du dieses; o Sokrätes? Sox. Ich will’ es dir erklären wenn ich es mur werde im Stande sein, : Tapfer freilich ist Stand haltend gegen die Feinde ficht. ‘= .. Lac#. $o wenigstens ic ich. By 16 — — 'Sor. , Ich gewifs auch. Aber was ist doch der, welcher fliehend gegen: die je ficht, und nicht Stand haltend? . a Lac#. Wie doch flieheud? u, Sox. Wie ja von den Skythen gesagt wird, dafs sie nicht minder fliehend: als verfolgend den Feind .bekriegen... Und auch Homeros, indem er irgendwo die Pferde des. Aeneias lobt, sagt 5 Verfolgungen und'in Entfliehung. Ja auch den ‚Acneias selbst lobt er in dieser Hinsicht daß er - sich auf die Furcht verstände, und .nemnt ihn h Meister des Schrekens, / Lacm. Und das sehr richtig, o Sokrates, ‚denn er spricht von Wagen, und so auch du meinst das von den Skythen in Beziehung auf die Reuter; denn die Reuter bei ihnen fechten :s0,. das. F ulsvolk der Hellenen alien; so wie ich sage. gr Sor. Ausgenommen doch wahl, .o Zachis, das der Lakedämonier; denn von diesem wird . erzählt, als es bei Platää auf die Schildträger ge- sigfsen, habe es nicht Stand haltend fechten ge- wollt, sondern sei geflohen, nachdem aber die Reihen.der Perser sich.getrennt habe es umkeh-' zendiwie Reuter gefochten, und dadurch in Hbe R ‚Aehlaat gesiegt. ER rel?‘ hass F % man: ‚Richtig, ©. I RAW 2 ah nun. : was ich meinte, ich: wortet äst, weil ichdich nicht'recht gefragt‘ habe; ; denn ich wollte ı nicht nur'erfahren, wel- ches die Tapfermıim. Fußsvolke wären, sondern auch;in: der Renterei;:/und in: Allem was zum» sondern alıch. die ‘Tapfern: im den Gefahren zur: Dort zu sprengen und. dort, verständen sie, in. an, lafs du nicht recht. geant=- © Kriege,,gehört;, ‚und, ‚nicht, nur die im’Kriege, N: ferner: auch’ die, welche in Krankheiten” | ıge Reden, im Lernen und in vielen andern Din- . sagen,‘ dafs ich die in kurzer Zeit vieles völl- . SR Be "üind’in Armuth'iänd in ’den bürgerlichen Ver- hältnissen tapfer sind, ja noch mehr nicht nur ‚die gegen den Schmerz. tapfer sind und gegen die Furcht, sondern auch die gegen Begierden : und Lust stark sind zu fechten, es sei min Stand haltend oder umwendend. Denn es sind doch Einige, o Laches, auch in BAER, Din- gen tapfer? ‘ „LacH. Gar sehr, o Sokrates. Sox. Tapfer also sind alle diese, aber Ei- nige beweisen in der Lust, Einige in der Un- lust, Einige in der Begierde, Einige in der Furcht ihre Tapferkeit: Andere ern meine ich, Feigheit in dem allen? i Lacn. Aller %v Sor. Und was eigentlich jede von diesen beiden ist, darmach fragte ich.‘ Noch einmal also versuche zuerst die Tapferkeit zu erklären, was sie denn ist, was in allen diesen Fällen das- ‚selbige ist. Oder verstehst du noch nicht, was ich meine? L.aca. Noch nicht recht. 4 et RE, Sox. Ich meine es so, als wenn ich fragte, was wohl die Geschwindigkeit ist, ‘was sie näm= lich sowohl im Laufen ist, als in der Musik, im gen, und überhaupt als was wir sie denn'haben, wovon etwas zu sagen wäre sowohl in den Ver- richtungen der Hände als der Füfse,) des Mun- des und der Stimme oder auch des Versmnde?" R Oder meinst du nicht auch so? '; er Lacu; Allerdings. ı E yorbu ' Sok. Wenn nun Jenändimiteh Beh wie erklärst du dieses, o Sokrates, was du in allen Dingen Geschwindigkeit‘ nennst, so würde ich bringende Kraft Geschwindigkeit nenne, s0- 310 | | wohl in der Stimme als im Lauf ünd-in allen andern Dingen. Lach. Sehr gut wäre ieäes erklärt. L “ı Sox. Versuche also auch du, o Laches, so die Tapferkeit zu erklären, welche eine und dieselbe Kraft in der Lust und Unlust und allen andern Dingen, worin wir sagten, dafs sie statt habe, sie wohl ist, als welche sie aber Tapfer- keit genannt wird. LacH. $o dünkt sie mich denn eine ge- wisse Beharrlichkeit der Seele zu sein, wenn ich doch das Allem wesentliche von der nk ferkeit sagen soll. Sor. Das must du allerdings, wenn wir uns die Frage wirklich ‘beantworten ‘wollen. Dieses ist mir indefs deutlich, dafs doch nicht jede Beharrlichkeit, glaube ich, dir als Tapfer- keit erscheint. : Ich schliefse es aber hieraus, das nämlich weils ich doch, dafs du die Tapfer- keit unter die vortfeflichen Dinge rechnest. Lacnh. Davon halte dich überzeugt, unter die allervortreflichsten. ' ı Sog. Also ist die Beharrlichkeit mit Ver- stand wohl gut und vortreflich? : LacnH. Allerdings. + Sox. Wie aber die mit: Unsinn? ist diese nicht im Gegensaz von jener schädlich und ver- . derblich? Laca. Ja. .. Sor.. Vortreflich diao, wolltest du behaup- ten, wäre was so schädlich ist und verderblich ? „Lach. .Keinesweges wäre das recht, o So- krates. ;_„$ox. ‚Also wirst du auch nicht zugeben, dafs eine solche Beharrlichkeit Tapferkeit ist, da sie ja nicht vörtreflich ist, die in en en aber etwas vortrefliches. 3 it} 5 u u Weir Re Lac. Richtig. Sox. Die verständige Beharrlichkeit.alao - . wäre nach deiner Rede Tapferkeit? ... * Lacn. So sieht es aus. t Sox. Lafs uns also sehen, ob eine in etwas gewissem, oder überhaupt jede verständige in allen Dingen , sie seien’ grofs oder klein. Wie wenn Jemand im Geldausgeben verständig be- harrte, wohl wissend, dafs er durch das Ausge- ben gewinnen- wird, möchtest. du diesen tapfer nennen? g „ Tuch. Beim Zeus, ich nicht. Y | ." Sox. Wie aber wenn ein: Arzt, den. sein Sohn oder sonst ein mit der Lungenentzündung _ ‚behafteter bäte, er solle ihm zu :essen oder zu trinken geben, sich doch nicht erweichen liefse, sondern auf der Weigerung beharrte? - LacnH. Keinesweges, auch nicht diese Bar harrlichkeit. Sox. Aber einen im Kriege beharrlichen 195 und zum Streite Muth behaltenden,: welcher es verständig berechnete, weil er wulste, dafs nicht nur Andere ihm zu Hülfe kommen wer- den, sondern auch, dafs er gegem Wenigere und Schlechtere zu fechten hat, als die zu denen er selbst gehört, und überdies noch mehr durch . seinen Standort begünstiget ist, würdest du die- sen mit solcher Kenntnifls und solchen Hülfsmit- - teln beharrenden für tapferer erklären, oder den der in dem entgegenstehenden Heere noch Lust hätte Stand zu’halten und auszudauern ?. . Lacn#.. Mich dünkt den im ern den Lager, o Sokrates. \ Sox. Aber dessen Beharrlichkeit ist ja doch unsinnig gegen die des Andern. Be je L.acH. Das ist wahr... RER ; Kr i ‚ .Sor. — 33 — | 00°.$0&, Und wirst du wohl den mit der Reit- kunst in einem Gefecht zu Pferde aushaltenden weniger für tapfer erklären als den ohne diese v Kunst? ° \ ‚0 Lacm Mich wenigstens dünkt es so. Sor. . Also auch den der mit der Fertigkeit des Schleuderns oder des Bogenschielsens oder irgend einer andern beharrı? Lic#. Freilich. gr ” im Schwimmen auszuharren. denken, oder in sonst etwas dergleichen, wiewohl sie in der Sache nicht stark sind, die, behauptest du, wä- ren tapferer als die, welche stark darin sind? PS Lach. Was sollte Einer denn anders be- haupten, o Sokrates? Sok. Nichts, wenn er es wirklich so meint. Lacy. Aber ich meine es freilich so. Te auf eine unsinnigere Art als die dasselbe mit der " Kunst thun. Lac. So scheinen sie. “ ',Sox. Und hatte sich nicht die unsinnige Kühnheitund Beharrung in dem vorigen als etwas schlechtes und verderbliches gezeigt? ‘ Lacm. Freilich wohl. Sox. Die Tapferkeit aber waren wir über- eingekommen wäre etwas vortrefliches? Lacn, Darin waren wir übereingekomnten. . Sox. Nun aber behaupten wir wieder, je- 'nes schlechte, die unsinnige Beharrung, wäre ' Tapferkeit? . „ . Lacu. Das behaupteten wir offenbar. "59" Sox. Dünkt dich also, ‘dafs wir etwas rich- .. Zigessagen? ; Lacz. Mich nicht; beim Zeus. Plat. W.IL.Th.LBd [>35] Sox. ‚Und welche ins Wasser springen und Sox. Doch aber, o Laches, beharren diese -. = B: EA 4. Sok. Wir beide sind also wohl nicht, dei- ner Rede zufolge, .dorisch gestimmt, ich und du, oLaches. Denn die That ist uns nichtim Einklang mit den Reden. Denn in den Thaten möchte Einer wohl sagen,. wie es scheint, dafs wir die Tapferkeit rn in den en aber glaube ich wohl nicht, wenn er uns jezt zusam- meh reden hörte. Lach. Sehr wahr ıst dieses. = ' Sox: Wie.also? dünkt es dich gut zu sein, dafs es so um üns steht? Lacu. ‘Auch nicht im geringsten. Sor. Willst du also, dafs wir dem, was ‘wir behaupten, wenigstens so weit gehorchen® Er Lacn. ı Wie weit doch und welchem? So. Der Behauptung, welche zu behar- ı ven befiehlt. Wenn du nämlich willst, $o wol- ‚len auch wir der Untersuchung Stand halten und beharren, damit nicht die Tapferkeit selbst Wi 94 uns auslache, dafs wir sie gar nicht Ga 1 suchen, wenn doch vielleicht eben die Behar- Ei rung Tapferkeit ist. Lacu. ‚Ich wenigstens bin bereit, o Sokra- tes, nicht eher abzulassen, ob schon ich unge- röhn! bin solcher Reden. ‚Aber es hat mich br ordentlich’ ein Eifer ergriffen für diese Untersu- chung, und ich bin: ganz unwillig, wie ich, ‚ ' was ich in Gedanken abe, so gar nicht im Stande bin zu sagen. Denn in Gedanken glaube ich es doch zu haben, wäs die Tapferkeit ist; ich weils aber nicht, wie sie mir jezt Sr ist, dafs ich sie nicht ergreifen konnte Rede, und heraussagen, was Sieist, ’ Sox. Nicht so, Lieber, der gute a) mufs. 7 nachsezen und nicht ablassen ? Er } Lacı. Auf alle Weise freilich. Be Sox. ‚Willst du also, dafs wir rich den Ni- kias hier herbeirufen zur Jagd, ‘ob er etwa mehr ausrichten kann als wir? , Tach. Ich will es wohl; warum sollteich nicht?' 5 ' Sox. Hieher also, Nikias! Guten Freun- den, die eine stürmische Fahrt haben in der Untersuchung und nicht vorwärts können, komm zu Hülfe, wenn du etwas vermagst. Denn un- ser Thun siehst du wie es nichts fördert. Sage du also, was du vön der Tapferkeit glaubst, um sowohl uns aus unserer Verlegenheit zu erlösen, als auch dir selbst, was du im Sinne hast durch „die Rede noch fester zu begründen. Nix. Ihr dünkt mich also schon lange, o "Sokrates, die Tapferkeit nicht recht besummt zu haben. Denn was ich dich sonst schon sehr richtig habe sagen gehört, das wendet ihr nicht an. Sox. Was doch, o Nikias? Nix. Oft habe ich dich sagen gehört, darin M, ' wäre Jeder von uns gut, worin er klugi ist, worin aber dumm, darın auch schlecht. Sox. Wahr ist, beim Zeus, was.du sagst, 0 Nikias. Nix. Also wenn der Tapfere gut ist, ist er offenbar auch klug? ' wi ‚Sox. Hast du gehört, o Laches? " Lacu.. Ich habe wohl, nur verstehe ich eben nicht sehr was er ideint. > Sor. Ich aber glaube es zu verstehen, näm- lich mich dünkt der Mann zu meinen, die Tap- sferkeit sei irgend eine Klugheit. 7 2 LacH. Was dach‘ für eine Klugheit; o So-- ra tes! Sox.‘ Willst Au das nicht von ee lieber erfragen? - Are Dasıcheiich: i\ ı Sok. So komm denn, o Nikias, and sage 2 ihm, was döch für eine Er Kennehtäls die Tapfer- i keit sein soll, nach deiner Rede.’ Denn ger doch nicht ds des F enge Nix. Keinesweges. VE Sox. Auch nicht dessen, der dio in spielt? j ; Nix: Eben so wenig, Sor. Also was denn für eine Erkenntnifs, wud wovon? . Lac#. Ganz recht fragst du ihn das, o So- krates, und er ‚sage also was für eine er heBabirs t tet, dafs sie sei, Nix. Diese, oL.aches, die Frkensälh des Furchtbaren und des Unbedeuklichen im Kriege sowohl als in allen andern Dingen. 195 LacH. Was für ungereimte Dinge er ra r% o Sokrates! En E' Sor. Worauf geht das. was du’ da sagst, ‚O Laches? u | Lacm. Worauf? Klugkeit ist. doch wohl etwas ganz anderes als Tapferkeit! i 1 'Sok. Nein, meint eben Nikias. TR ' Lach. ‚Freilich meint 'er nein, und eben ] das ist verwirrt geredet. Sok. So jals uns ihn belehren aber nicht schmähen. Nik. Freilich nicht. Aber PERLE ünkt - mich nur zu wünschen, dafs ich mich auch als ‚einen zeigen möchte der Nichts sagt, weil e $ich eben als einen solchen gezeigthat. Lich. Allerdings, d Nikias, und ich wi wenigstens versuchen, es zu beweisen; di du sagst auch Nichts. Nämlich gleich in Krank- "heiten, erkennen da nicht die Agrate dasFurcht- vo mm bare? oder silleineni dir die Tapfern es zu er- kennen? oder meinst du die Aerzte tapfer? Nix, Keinesweges.' 3 Lacm. Auch wohl nicht ‘die Akerbauer glaube ich; wiewohl das im Akerbau furcht- bare grade äföse erkennen, .und so auch alle Ge- werbtreibende erkennen jeder in seiner Kunst das Furchtbare und das Unbedenkliche; aber keinesweges sind sie deshalb tapfer, Sox. Was dünkt dich Laches zu sagen, o ' -Nikias? Es sieht doch aus als sagte er etwas. Nix, Er sagt auch wohl etwas, aber nur. zichts Richtiges, Sox. Wie so? Nm, Weil er meint die Aerzte wülsten noch etwas mehr von den Kranken, als dafs sie sagen können, was ihnen gesund ist und unge= sund; in der That aber wissen sie nur diescs, Ob aber Einem eben dieses furchtbar ist, das Gesundsein mehr als das Kranksein, glaubst du, o Laches, dafs dies die Aerzte BER" Oder meinst du nicht, dafs es Vielen besser ist von der Krankheit nicht aufzukommen als- aufzu- kommen? Hierüber erkläre dich, behauptest du, dafs es für Alle besser ist zu leben, und nicht für Viele besser zu sterben? Lach. Ich dieses leztere. Nix. Welchen also das Sterben dienlich . . ist; glaubst du dafs denen dasselbe furchtbar ist, als welchen das Leben? Lacn. Nicht ich. Nık. Und dieses zu erkennen schreibst du _ den Aerzten zu? oder irgend einem der ein an- deres. Geschäft treibt, und nicht vielmehr Je- nem allein, der sich auf das Furchtbare versteht, und welchen eben ich tapfer nenne? - i . 358 3 | 2 ; | Soxr. Merkst du nun, 0 Laches, was-er meint? rt Lacz. O ja, dafs er nämlich die Wahrsa- ger tapfer nennt, Denn welcher Andere kann - wissen wem besser ist zu leben oder zu sterben? Du selbst aber, o Nikias, giebst du zu, dafs du ein Wahrsager bist? oder wenn kein Wahrsa- ger dänn aueh nicht tapfer? Nix. Wie denn? meinst du nun wieder es komme dem Wahrsager zu das Furchtbare zu: erkennen und das Unbedenkliche? Lacm. Das meine ich. Wem sonst? Nik. Dem weit mehr, welchen ich meine, o Bester. Denn der Wahrsager soll nur’die Zei- chen dessen erkennen, was geschehen wird, ob Einem Tod oder Krankheit oder Verlust des Vermögens bevorsteht, ob Siegen oder Besiegt- werden im Kriege oder in jedem andern Kampk i96 Was aber einem ehesser; ist von diesen Dingen zu erfahren oder nicht zu erfahren, wie sollte das - mehr dem Wahrsager zu Iiestahetlene zukommen- als Jedem Andern sonst? var Lach. Nem dieses kann ich.nicht verste- hen; o Sokrates, was er sagen will. Denn we- der ist es der Wahrsager noch der Arzt, noch stellt er sonst einen inf den er für tapfer erklärt, wo er nicht etwa nur irgend einen Gott dafür erklärt. Mir nun scheint nur Nikias nicht ehr- lich gestehen zu wollen, dafs er Nichts gesagt 8 hat, Soriderä er windet Be hin und her, um seine eigene Verlegenheit zu verbergen. Das aber hätten wir auch vorher thun können, ich ‚und du, uns so zu winden, wenn wir gestrebt hätten nicht das Ansehn zu haben, dafs wir selbst widersprächen, Wenn nun unsere Reden _ Mi vor Gericht wären, so hätte er vielleicht nicht ganz unrecht es so zu vun chi nun aber, wer — 35 — möchte doch in einer solchen Zusammenkunft . sich vergeblich ‘mit leeren Worten schmälen: wollen! Sor. Das dünkt auch rule hans nichts zu führen, o Laches. Aber lafs uns sehen ob nicht - ‚Nikias wirklich glaubt etwas zu sagen, und die- ' ses’nicht blofs um zu streiten vorträgt? Lals ‘uns daher ihn noch genauer ausforschen, was er wohl meint, und wenn sich zeigt, dafs etwas Richtiges darin liegt, so wollen wir es ihm zu- gestehen, wo aber nicht, so wollen wir ihn _ belehren. LacH. Forsche du also weiter, Sokrates, wenn du willst, denn ich habe, denk ich, schon genug ausgeforscht. Sor. "Nichts hindert mich, denn die Nach- forschung wird gemeinschaftlich sein für.mich . sowohl als.dich, . Lac. Allerdings. Sox. Sage mir: also); o Nikias, oder viel- "mehr uns, den ich und Laches haben gemem- schaftliche Sache, die Tapferkeit, sagst du, wäre die Erkenntnifs des Furchtbaren und des Unbe» denklichen, Nıx, Das sage ich, Sor. Und dieses wäre nicht Jedermanns Sache zu erkennen, da ja weder der Arzt noch der Wahrsager es wissen, ‚also auch nicht tapfer sein soll, wenn er nichtjene Erkenntnils bsson» ders erlangt. Meintest du es nicht so? N: So allerdings. Sox. Nach dem Sprüchwort also wird in der That nicht jedes Schwein dieses wissen, noch auch tapfer sein. Nix. Nein wie ich denke, »Sok. Offenbar also, o Nikias, wirst du: auch von dem krommyonischen Schwein nicht — D i > x glauben es sei tapfer. ER Und Aa sage ich nicht scherzend, sondern ich meine, es Ze: nothwendig für’ den, der dieses behauptet, kei- nem Thiere Tapferkeit zuzügestehen ;.. oder er mülste zugeben, irgend ein Thier sei so weise, dafs was wenige Menschen wissen, weil es schwer einzusehen ist, : dieses dennoch ein Löwe oder Tieger oder Eber wissen könnez sondern vielmehr, dafs Löwe und Hirsch, Stier und Affe, was die Tapferkeit: betrifft, gleicher Natur sind, ‚mufs derjenige behaupten, der die Tapferkeit so erklärt, ‘wie du sie erklärst. : Nix. Beiden Göttern, und sehr richtig i Bu, was du, sagst, Lac#h, Beantworte uns doch dieses use 197 der Wahrheit, o Nikias, ob du behauptest wei- ser als wir wären diese Thiere, denen wir alle zugestehen, dafs sie tapfer sind, oder ob. du allen widersprechend wagest, ihnen die ee keit abzusprechen ? ER Nix, Niemals, o Laches, werde ich weder ein Thier noch sonst ein Wesen tapfer nennen, was.nur aus Unwissenheit das Furchtbare nicht, fürchtet, sondern furchtlos und thöricht nenne - ich es. Oder meinst du ich werde auch alle ' Kinder tapfer nennen, welche sich aus Unwis» senheit vor nichts fürchten, Sondern ich meine, : furchtlos und tapfer sein istnicht dasselbe, Denn: Tapferkeit und Vorsicht ist’ nur sehr Wenigen, . denke ich, eigen, Verwegenheit aber und Kühn- heit und furchtlases Wesen mit Unvorsichüg- keit gar vielen Männern sowohl als Frauen und Kindern und Thieren. Das also, was du mit. den Meisten tapfer nennst, nenne ich nur kühn, tapfer aber nur, was verständigi ist in der Art wie ich sagte, | | —r aha 361 — . Lacm,. Nun sieh nur, o Sokrätes, wie we schön er sich selbst, ee ee nach, durch seine’ Rede schmükt, denen aber Alle zugeste- w - hen dafs sie tapfer sind, die Untepsteht er sich - dieser Ehre zu berauben, “ N, Ganz und gar nicht, o Laches!. sei gutes Muthes; denn ich behaupte eben, dafs du klug bist, ea Lamachos wohl auch, weil ihr n :ja tapfer seid und noch verschiedene andere Athener, Lach. Ich werde nichts hierauf sagen, ob» schon ich könnte, damit du nicht etwa sagen mögest, ich wäre ein ganzer Aixoneer. | . Sok, Sage auch nur ja nichts, o Laches, Denn mich dünkt, du merkst noch gar nicht, dafs Nikias diese Weisheit von unserem Freunde Damon überkommen hat; Damon aber ist sehr genau bekannt mit dem Prodikos, welcher dafür gilt am besten unter allen Sophisten die Bedeu- tung solcher Worte zu bestimmen, Laes. Ja wohl, o Sokrates, ziemt es auch besser einem Sophisten sich mit solchen Dingen zu rühmen, als einem Manne, den die Stadt ’ werth AR ihr vorzustehen, Sox, Das aber ziemt sich doch auch, du‘ Stolzer, dafs der, dem das grölste anvertraut wird, auch die gröfste Weisheit besize. Mich eh dünkt daher, es verdient wohl näher erwogen, I zu werden » worauf doch Nikias eige lich ‚geht bei seiner Erklärung dieses Wortes der - Tapferkeit, LacH. So untersuche du es denn selbst, o Sokrates, Sax. Das will ich so eben hun; o Bester, Glaube jedoch nicht, dafs ich dich losgeben werde aus der Gemeinschaft der Rede, sondern nn merke wohl auf und bedenke auch ‘du was | ge- sagt wird. Lacm, Dafs soll geschehen De Yin es nöthig findest. Sox. So finde ich es allerdings. Du aber, Nikias,. sage uns noch einmal von Anfang an. Du weifst doch, dafs wir im Anfang unsers Ge- sprächs nach der Tapferkeit fragten, als. fi einem Theile der Tugend? Nıx. Sehr gut. „. Sor. Also auch du hast in diesem Sinne geantwortet, als wäre sie ein Theil, so dafs es noch andere Theile giebt, welche sämmtlich Tugend genannt werden. Nix. Wie sonst? ‚Sox. Meinst auch du wohl dieselben die ch meine? Ich nenne nämlich außer der Tap- ferkeit auch noch die Besonnenheit, und die Gerechtigkeit und einige Andere dergleichen, Nicht auch du? Nix. Aller dings Sox. Halt also; erüber wären wir einig. Aber wegen des F ufdlitharen und des Uebedenk- lichen, Tafs uns betrachten, ob du auch nicht 4 b Der RT RG etwas Anderes. verhählt als wir. Was nun wir darunter verstehen, wollen wir dir an- zeigen, wenn aber du nicht einig damit bist, _ wirst du uns davon belehren. Wir nämlich hal- ten das für furchtbar was Furcht macht, für unbedenklich aber das, was keine Furcht macht, Furcht aber machen weder die vergangenen Ue- belnoch die gegenwärtigen, sondern die, wel- che erwartet werden; denn Furcht ist die Er wartung eines bevorstehenden Üebels. : Oder dünkt es eben so nicht auch dich, o Laches? ° Lach. Gar sehr eben so, oSokrates, - av \ > Ne Au De Te U A Sox, Das unsrige aloy o Nikias, hörst du dafs wir sagen: künftige Uehel wären das Furchtbare, das Unbedenkliche aber wäre das- jenige Zukünftige was entweder nicht übel ist, oder gut. Du aber, erklärst du dich ebenso oder adors hierüber? 7 \ Nik. Eben so ich. Sok. Und die Erkenntnifs hievon nennst du Tapferkeit? : Nix, . Ganz recht. Sox, Nun lafs uns auch.noch das dritte sehn, ob du auch darin gleicher Meinung bist mit uns, Nik. Was doch ist dieses? Sog. Ich will es dir sagen. Es dünkte nämlich mich und diesen, dafs wovon immer es eine Erkenntnils giebt, davon gebe es nicht eine eigne für das was geschehen ist zu wissen wie es geschah, und wieder eine eigne für das was geschieht, wie es geschieht, und noch eine andere wie das am besten wirklich werden und geschehen könnte was noch nicht geworden ist, sondern es gebe nür eine und dieselbe Zum Beispigl was die Gesundheit anbetrifft übersieht für alle Zeiten keine andere als die Arzneikunst, die doch nur Eine Erkenntnifs ist, das gesche- hende sowohl als das geschehene, und das was geschehen wird wie es geschehen wird. Und gegen das was aus der Erde wächst, verhält sich die Kunst des Landbaues eben so. Und gar was den Krieg betrifft könnt ihr selbst bezeugen, . dafs die Kriegskunst am besten ‚nicht nur das übrige bedenkt, sondern auch das was gesche- hen wird. So dals sie auch der Kunst des Wahr- sagers nicht glaubt dienen sondern befehlen zu müssen, weil sie nämlich besser versteht. was in Beziehung auf den Krieg geschieht und 'gesche» Yestrihiihen ga verordnet auch das Gesez, dafs nicht der. Wahrsager dem Heerführer ber fehle, sondern der Heerführer dem Wahrsager, | Wollen wir dies behaupten, o Laches? Lacm. "Wir wollen. esta 3 . Sor. Wie aber du, o Nikias? stimmst Bi uns bei, dafs in Beziehung auf dieselben Dinge ı99 auch dieselbe Erkenntnils sowohl das was sein wird als auch das werdende und gewordene verstehe? Nik. Ich stimme ein, denn es dünkt art so, o Sokrates. Sox, Also auch hier, o Bexter, Die Tap- ferkeit ist die Erkenntnifs des Furchtbaren und des Unbedenklichen, wie du behauptest, Nicht wahr? ; Nik. Ja; " Sox. :Das Furchtbare aber und das ‚Unbe . denkliche war uns auch‘ einstimmig dieses das künftige Gute, jenes das künftige Uebel, Nik. Ganz recht. Sox; Und dafs es nur eine und dieselbe Erkenntnifs gebe für einerlei Dinge, sie'mögen nun künftig sein oder sich sonst’wie verhalten? Nik. Sovist es. Sox. Nichtalso allein des Furchtharen und des Unbedenklichen Erkennmifs ist die Tapfer- keit. Denn nicht nur auf die künftigen Güter ° und Uebel versteht sie sich, sondern auch auf . die, welche da sind und gewesen sind," und wie sie sich immer verhalten mögen, " eben wie die übrigen Erkenntnisse, Nix. So sieht es aus, Sor, Also etwa den dritten Theil der Tap« ferkeit, o Nikias, hast du uns angegeben in dei» ner Antwort, da wir doch nach der ganzen Tap- ferkeit fragten was sie wäre, Und auch jezt wie x re | | — 65 es’scheint ist nach deiner Rede die Tapferkeit nicht nur die Erkenntnifs des Furchtbaren und Unbedenklichen, sondern überhaupt aller Güter und Uebel, wie sich auch jedes verhalte, Er- kenntnifs wäische wie jezt wieder deine Rede lau- ..tet, Tapferkeit sein. Deutest du so wieder deine Meinung um, o Nikias, oder wie meinst du? 'Niık. Ich denke so, o Sokrates. Sox. Diünkt dich denn aber, du Wunder- barer, dem noch irgend etwas von der Tugend‘ zu fehlen, welcher Erkenntnis hätte von allen Gütern in jeder Arf, wie sie entstehen und ent- stehen werden en; entstanden sind, und eben so auch von den Uebeln? Und derjenige glaubst: du bedürfe noch irgend der Besonnenheit oder der Gerechtigkeit oder der Frömmigkeit, wel- chem allein schon eigen ist gegen Götter sowohl als Menschen d&s F urchtbare zu vermeiden, das aber wäs nicht furchtbar oder was gut ist ins Werk zu richten, und also zu wissen wie man sich recht gegen sie verhalten solle? Nıx. Dies scheint mir etwas gesagt zu sein, o Sokrates. Sox. Nicht also ein Theil der Tugend wäre das jezt von dir beschriebene, sondern die ge- sammte Tugend? Nix. "So sieht es aus, Sox. Wir aber behaupteten doch die Tap- ferkeit wäre nur eine von :len Theilen der Tugend. - Nik, Das behaupteten wir freilich. Sor. Das jezt beschriebene aber erscheint nicht so. Nık. Es sieht iijcht so aus, Sox. Wir haben also nicht gefunden, o Ni« kias, was die Tapferkeit ist? Nix. Wir scheinen nicht. rn ji | u Kino Ich aber, o lieber Nikias, glaubte . gewils du werdest sie finden, da du hie so weit übersahest als ich dem Sokrates antwortete. ‘Gar 200 grolse Hofnung hatte. ich gewils, dafs vermit- telst der Weisheit vom Damon her du sie finden würdest. Nix. Wahrlich schön, o Laches, dafs du das für gar nichts rechnest, dafs du selbst dich eben gezeigt hast als einen der. nichts weils von der Tapferkeit, sondern nur darauf siehst, ob auch ich ebenfalls als ein solcher erscheinen werde. Und nun wird es dir gleichgültig sein wie es scheint, dafs auch du-mit mir nichts weilst von dem, wovon doch einem Manne der sich etwas zu sein dünkt Erkenntnifs zu haben ge- ziemt. ‚Du also schemst mir recht nach mensch- » licher Weise zu handeln, nicht, auf dich selbst sehend, sondern nur auf die Andern. Ich aber glaube über dasjenige wovon die Rede war schon jezt mich ganz erträglich erklärt zu ha- ben, und sollte etwas darin noch nicht hinläng- ‚lich erklärt sein, ‚es noch in der F olge zu be» richtigen mit dem Damon sowohl, den du aus- lachen zu dürfen glaubst ohne ihn doch jemals | gesehen zu haben, als auch mit Anderen. Und: wenn ich es recht werde begründet haben will ‚ich es auch dich lehren und es dir nicht vorent- “halten, denn du dünkst mich noch gar sehr des Lernens zu bedürfen. ’ Lıc#. Du freilich bist sehr klug, Nuke Dennoch aber gebe ich dem Lysimachos hier und dem Melesias den Rath nach dir und mir,. was die Erziehung der Jünglinge betrifft, nicht weiter zu fragen, sondern nur den Sokrates hier, wie ich auch gleich anfangs sagte, ja nicht joizulesken. Denn wenn meine Söhne ‚schon ” ve IR das Alter dazu hätten, würde äch dasselbige auch thun. Nix, . Dagegen wende auch ich nichts ein, wenn nämlich Sokrates sich der jungen Leute annehmen will, dafs sie ja keinen Andern su- chen sollen. Wie, auch ich den Nikeratos am liebsten ihm übergeben möchte wenn er nur wollte; allein er empfiehlt mir jedesmal Andere, "wenn ich ihm davon erwähne, selbst aber wi er nicht. Sieh du also zu, o Lysimachos, ob . Sokrates dir besserrgehorchen wird. Lrysım. Das sellte er wohl billig, .o Nikias. ‘Denn auch ich möchte ihm gern vieles thun, was ich nicht eben vielen Andern thun würde. Was sagst du also, o Sokrates? Wirst du gehor- chen, und mit zu dem Besserwerden der Jüng- linge helfen? ı Sox. Das wäre jawohlarg, o Lysimachos, end Jemanden nicht helfen zu wollen zu sei- nem Besserwerden, Wenn also in unsern jezi- gen Gesprächen ich mich gezeigt hätte als einen Kundigen, diese beiden aber sich als Unkun- dige, dann möchte es billig sein mich vorzüg- lich zu diesem Geschäfte zu berufen; nun wir aber Alle auf gleiche Weise in Verlegenheit ge- wesen sind, wie könnte wohl TREE Einen von uns besamiars vorziehn? Mir meines Theils tünkt das Keinem zu gebühren. Sondern da die Sache sich so verhält, so erwäget ob dies euch ein guter Rath dunkt, den ich geben will. Ich nämlich sage: Ihr Männer, denn keine Rede soll doch ganz unfruchtbar wir müssen alle gemeinschaftlich zuerst für uns selbst den besten Lehrer suchen den wir bekommen kön- nen, denn wir bedürfen seiner, dann aber auch für die jungen Männer, und weder Geld dabei schonen noch sonst etwas. Es aber dabei be- 201 —_ 368 — “wenden zu lassen, wie es jezt mit uns bervande! ! ist, das rathe ich nicht. Sollte uns aber Jemand auslachen: wollen, dafs wir so alt schon noch Lehrer besuchen wollen: so dünkt mich müssen wir uns mit dem Homeros schüzen, welcher gesagt hat: Nicht gut sei Scham dem darbenden Manne. Auch wiralso wollen jeden gehen las- sen, der etwas darüber sagen möchte, und ge- zneinschaftlich: für uns und für die Jünglinge . Sorge tragen. , Lysım. : Mir meines Theils gefällt, 05. krates, was du sagst; und ich will:so viel ich ‚der älteste bin, so riel Auchjder bereitwilligste sein’mit den j jungen Leuten zugleich zu lernen. Das aber thüue mir; komme ‚morgen früh zu mir zu Hause und verfehle es’ja nicht, damit wir weiter Ratlı pflegen können über eben diese Sache. Für 'jezt aber müssen wir auseinan- der gehn. Soxr. Ja das werde ich thun, o Lysiniadbe und morgen früh zu dir kkıtnen; so. Gott will. Dr “ ie ET NE w t D ANMERKUNGE i | ZUM PHÄDROS. W egen alles dessen, was die Leseart und die gram- matische Interpretation betrifft, verweise ich den sprach- kundigen Leser im Allgemeinen für diesen Dialog, so wie für den Lysis und Charmides, auf Platonis Dia«, logi quatuor, ‚Lysis, Charmides, Hippias Major, Plae- drus. Annotatione perpetua illustravit Lud. Fr. Hein- dorf, Berol., e libr, Nauck, MDÜCCII., welche vor - Augen zu haben von Jedem gefordert werden kann, _ der von der Uebersetzung des Platon über solche Ge- genstände Auskunft verlangte. Daher auch dem Ken: ner nicht erst gerühmt' werden darf,‘ wieviel vorste- hende Uebersezung jenem Werke verdanke, und wie oft sie ohne dasselbe im Finstern würde getappt haben. Auch in den wenigen Fällen, wo ich einer andern Lese- art den Vorzug gegeben, werden die Leser grölstentheils die Gründe, die mir, wenn auch nicht ihm, überwie> gend schienen, in seinem Commentar antreffen. Sollte aber an einigen Stellen erst jezt etwas beifallswürdiges von dem meinigen hinzugekommen sein: so darf es mir wohl bei der vielfachen Beschäftigung mit diesenı Gespräch zum Vorwurf gereichen, es nicht eher ge- funden zu haben. S. 83. Z. 8. in den Laufbahnen. Diese waren jedoch nicht nur zum eigentlichen gymnastischen Ren nen für Knaben und Jünglinge eingerichtet, sondern auch zum Lustwandeln für Bejahrtere. AxkumeEwos, ein berühmter Arzt. - Lysıas wohnte im Peiräeus, 7 folgenden ist die Morychia ein einzelnes Haus von einem Morychos benannt, demselben wahrscheinlich, den die alte Komödie als bekannten Schlemmer durch= zieht. Olym BE ion sollte geschrieben sein, nicht Olympeion. S. 84. Z. 16. wie Herodikos. Von diesem He- rodikos, dem Selymbrier, wird in dem Protagoras des Platon gesagt, er stamme ursprünglich. aus Megara ab, mit welchem Umstande vielleicht diese Gewohnheit zu- ; . kaanar Da ı Ka h -äem Hafen, der von der Stadt änterschieden war. Ina’ sammenhängt-. — Ebendas. Z, 29. lese man, anstatt Aber keines von beiden soll geschehen, Aber eines ist so: wenig der Fall als das andere. S. 90. Z. 30. Jemanden zu erichlam a so Ak'yewy. Ich möchte hier lesen 79 für au), vornämlich um dem emagInvai die Bedentung, sich gereizt fühlen, zu erhalten, in der es blols den Infinitiv bei sich hat... Das ‚Stolzsein auf. die Er- zählung; oder Stolzwerden durch die. Erzählung scheint weniger hieher zu gehören. $. 94: Z..27.ıwennaber du noch. etwas en So. habe ich übersezt.nach. einer unbezweifelten späte» | ren‘ Verbesserung . von Heindorf ei d£, mı.eÜ models. Aehnliche Stellen, Protag. 329: :d. de Rep. IX. 571. = und anderwärts. ı Wie das nicht zu erklärende, und gramamnlinch: anzichtige, Umodis entstanden ist, a - jeder. S. 96. z. 35..wie die neun’ Archonten, Sie verpflichteten ‚sich eidlich, nichts gesez - und verfas- sungswidriges während ihrer Verwaltung zu unterneh= men; wofern sie aber dessen überführt würden, dem Apollon ihre Statue von Gold in dem delphischen Tem- pel zu weihen, sich‘ zur Strafe und den Athenern van ‘ Heil, um ihnen den Gott günstig zu machen. 8.,97.. 2. 50. in Olympia stehen. Dort je Ä es eine solche Statue des Zeus ‘als Weihgeschenk der. Söhne des Kypselos, welches sie, aus Korinth vertrie- ner ST «€ ben, gelobt hatten, falls sie zurükkehren und, das vo- rige Ansehn wieder erlangen würden. — -Ebend. Z, 37. hat der Scholiast des Ruhnkenius wohl recht ‚ dafs das hellenische Sprüchwort nur die Wiederkehr derselben Stellung bedeutet, die nicht Kenne eine Blölse sein darf. ‘Man sehe nur de rep. 544. b. Hier aber war der für den besondern Fall sehr annähernde deibtechn | Ausdruck zu verführerisch. ar S. 99. Z. iß, nach dem EEE Ge schlecht. Bei dieser schwierigen Stelle, deren eigent= licher Sinn vielleicht nicht mehr nit Gewilsheit zu be» stimmen ist, hat weniger eine feste Ueberzeugung als der Reiz. der leichteren, Uebertragbarkeit für die Ausle- gung entschieden, der ich gefolgt bin. Der Scholiast nämlich erklärt, das Yevog Mousincv 70. Aryuoy von einem ligurischen Volke, welches, so gesangliebend ge» "wesen, dals selbst in der Schlacht nicht das ganze Heer gefochten, sondern ein Theil desselben nur gesungen habe, eine Sage, in der vielleicht eine Nachricht von dem ersten Gebrauch der Tonkunst im Kriege verbor- gen liegt. Auch darüber, welche besondere Art, wie duch die Worte Ede 25. Wong anzuzeigen scheinen, deg, Gesanges Alyyeız genannt wird, bekenne ich meine Unwissenheit. S. 109. Z..24. zwei herrschende und. füh- rende Triebe. Die Freiheit, welche ich mir hier mit den Worten id und ds&« genommen, indem ich sie Trieb und "Gesinnung übersezt, bedarf. vielleicht einer Vertheidigung. Nicht sowohl der, dals es unsere Ohren zu sehr verlezt hätte, wenn die Begierde eine, Idee und das vernünftige Wollen eine Meinung wäre ‚genannt, worden; sondern der, dalg ich durch eine solche Uebertragung den Sinn des Platon ungleich mehr verfälscht hätte, und auf die Verschmelzung des theoretischefi und praktischen in seinem Sprachge- brauch einen Nachdruk gelegt, den sie in der Ursprache gar nicht hat. In ide liegt hier nichts als die Allge- F4 en. 7 meinheit, und so ist eine Big doyavos zul dryouoe, “durch welche Worte eben jenes Allgemeine in das Be- gehrungsvermögen gesezt wird, allerdings ein Trieb. Eben so wird durch dd&« voran das zum Grunde liegen eines Urtheils ausgedrückt. Uebereinstimmend - hiemit erklärt diese Stelle Pluturchos Amat. II, 746. d. folgender malsen roV ITNdruvgs &v Endsw dVo dmokel.' BOvrag medEewv gXas. Vielleicht ist indefs die Wahl dieser Ausdrukke, so wie des Eriwryrsg — Plutarchos | eitirt Eweisauroegs — nach dem Standpunkte des Ly- ‚ Sias zu erklären, aus welchem Sokrates diese Rede hält. 'S. 101. Z. 06. von ihrem Gegenstande dem Leibe. In der Ursprache machen &gews und ewun Liebe und Stärke, das Wortspiel, um deswillen das vo«= rige von der mächtigen Verstärkung allein da steht. Da es in demselben Sinne nicht wiedergegeben, un möglich aber die Stelle leer gelassen werden konnte, so wär wohl das Beste, einen Dichter der Unsrigen nachzuahmen. S. Gedichte von A. W. Schlegel, $. 205, Ebend. Z. 36. von den Nymphen ergriffen, Das Wort vu @eAnmros bezeichnete einen ‚gelinden Wahnsinn. Aber anstatt „vielleicht mehr als ein:nal” lese man „vielleicht gar” ”: denn woAAdxıg hat hier unstreitig dieselbe Bedeutung, wie z.B. Laches 179. db, - 194» a., die auch bei andern Schriftstellern verkommt, Sokrates weissagt nicht eine öftere Wiederholung des. sen, was ihm jezt geschehen ist, s sondern etwas noch sehr S. 108 ° ‘Z. 15. Der Mann, den Liebe ergrif« - fen. dvng Exov &gwra mag wohl aus einem Dichter hergenommen sein. S. 106. Z. 17. Nun die Scherbe anders ge fallen ist. Eine von einem Kinderspiel hergenom- \ mene‘ Redensart. Die Knaben teilten sich in’ zwei Mr gleiche Haufen einander gegenüber, und zwischen bei« den sals einer mit einer oben weils und unten schwarz gefärbten Scherbe. Diese warf er, und Je nachdem « x u 1 a u a u a TE en — 2 Aa die weilse Seite oben lag oder die schwarze, mulste der "Haufe gegen Morgen oder der gegen Abend auf den anderen Jagd machen. Daher nach -Suidas und dem Scholiasten die. Redensart von plözlichem Ent- schlufs, aber wohl nicht blo[s zur Flucht, gebraucht wird. Auch lälst sich denken, sie gehe mehr auf schnelle und zufällig scheinende Veränderung des Entschlusses. S. 107. Z. ı. Gleichwie Wölfe das Lamm, Nicht unwahrscheinlich ist, dals dieser Vers vom Pla» ton selbst herrührt. . Denn theils pflegt er, wenn er einen Dichter anführt, dies auf irgend eine Art anzu- deuten; theils könnte uns Sokrates, mit einem frem- den Verse endigend, nicht füglich an seine Weissagung nach dem Eingang der Rede erinnern. Ebend. Z. 34. Göttlich bist du, was Reden ‚betrifft. Diese Stelle hätten diejenigen nicht über- sehen sollen, welche den Phädros für ein späteres Werk halten. Denn sie könnte gar wohl als eine Anspie- ' lung was den Phädros betrifft auf das Gastmahl, und was den Simmias auf den Phädon gedeutet werden. Man sieht aber doch aus diesem sehr scheinbaren Bei« spiel, wie nöthig Vorsichtigkeit ist bei solchen Aus- legungen. "$. 109. Z. 16. Stesichoros aber. Offenbar soll "hier ein Vorzug des Stesichoros vor dem Homeros angedeutet werden; eben so auch vielleicht in dem poveıxog doppelsinnig etwas liegen, was Platon dem Homerosabspricht. Vielleicht also hier schon die erste Spur des Vorzuges, den er der lyrischen Dichtkunst einräumte vor der epischen. Stesichoros soll übrigens in dieser verlorenen Palinodie gedichtet haben, es sei nur ein Schattenbild der Helene nach Troja gekom- men, ein Mythos, den hernach Euripides in seiner Tragödie benuzt hat. S. 110. Z. 14 den unschmakhaften Ton. Stärker ist der Gegensaz in der Urschrift. Denn MN UgoV ist der Me dem also das / — 376 — Trinkbare in einem Dean ars Sinne "entgegenge- sezt ist. vo S. ını. Z. 27. Wahnsagekunst. Dem Sinne nach ist dieses erste Buchstabenspiel dem in der Ur- sprache getreu nachgebildet. Nur ist in der Sprache des Platon die Ableitung wirklich ächt, so dafs selbst der Vorwurf, das 7 habe durch Neuerung erst neun in uayrızd verwandelt, ungegründet ist, und nur den allgemeinen Mangel an Sprathkunde zu den Zeiten des Platon beurkunden hilft. Vielleicht aber hielt er selbst: seine Ableitung für eben so falsch. als die deutsche wirklich ist. "Wenigstens könnte man dies daraus schliefsen, dafs er so unbefangen die zweite Ableitung der olwusimn aus olnais, vovs und isogiz, die auch nicht den mindesten Schein für sich hat, neben jene stellt. Dieses zweite Spiel konnte nicht treu wieder- ° gegeben werden, und es blieb nichts übrig, als sich an das einzige recht übliche Synonym vom Wahrsagen zu halten. Wenn nur dabei der scheinbare Uebelstand. hätte vermieden werden können, dafs nämlich bei den Hellenen wirklich die navrızn etwas höheres war als die olwusırn, wir hingegen mit Weilssagen einen ed- | leren Nebenbegriff. verbinden als mit Wahrsagen. i Scheinbar indels ist er nur, weil doch wohl Weils in Weilssagen nichtg anderes ist, als der Gegensaz der’ weilsen Kunst von der schwarzen. $.113. 2.10. Zuerst nun muls etc, Seele wird. : zwar bei uns in Beziehung auf die Gottheit nichi ge- sagt; indels erlaubte die Natur der Sache nicht, das Wort Geist zu gebrauchen, und noch weniger wollte ich mit den Worten wechseln, woraus immer etwas Spielendes entsteht. Im Allgemeinen von dem Werthe dieses Beweises, und wie ihn Platon betrachtet, zu re- den, wird vielleicht an einem andern Orte Gelegenheit sein. Hier nur soviel, dals man Unrecht thun würde, in dieser ganzen Theorie von der Seele schon diedem Platon erst späterhin eigene Verbindung anaangrae ! ee >; en und pythagorischer Gedanken zu suchen, Dafs zunächst die Vorstellung des Platon von der Seele als der selbst= ‚bewegenden Kraft nicht rein anaxagorisch ist, kann je- der aus dem Aristoteles Phys. VIIL, 5. fg., und de "Anima I, 2. u. 5. hinlänglich abnehmen, wiewohl Ari= stoteles auch hier vom Platon meistens nur verdekt redet, und wo er ausführlich wird, sich nur auf den Timäos einlälst, ohne des Phädrös oder der Geseze be= ‘ ‚sonders zu erwähnen.: Und eben so wenig dürfte das . folgende pythagorisch sein; sondern auf die Dichtung von dem überhimmlischen Orte möchte den Platon zunächst das System des Parmenides gebracht haben; wenigstens bemerkt man eine auffallende Analogie mit dem, was wir von seinem vonroy und do&ascov mehr abnden können als wissen. Das übrige möchte wohl nur aus den Mysterien zu erklären sein, wenn gleich Aristoteles den Gedanken, dafs jedwede Seele in jed-» weden Körper wandern könne, pythagorische Fabeln nennt. Denn bei dem auffallenden Bestreben des Pla- ton in diesem Gespräch, seine Belesenheit zu zeigen, ist der Gedanke fast unvermeidlich, dafs er um diese Zeit pythagorische Schriften noch 'gar nicht kannte, und vielleicht. auch die des Anaxagoras nur oberfläch- lich. Wie denn überhaupt dieser erste Versuch ‘in der Transcendental- Philosophie, wiewohl er den Keim der meisten platonischen Ideen enthält, weder ausgebreitete Kenntnisse voraussezt, noch die Hand des Meisters ver- räth. — In dem Beweise der Unsterblichkeit ist unser Text an mehreren Stellen verdächtig, und die zwiefache Uebersezung des Cicero de rep. VI. und Tusc. I. 23. hilft eben nicht sehr heraus. Bei der Stelle $. 113. Z. 26. ‚. denn wenn der Anfang aus etwas entstände, könnte mian den Vermuthungen, welche Heindorf an führt, vielleicht noch die beifügen, dafs hinter dem ersten oder zweiten ylyvorro sehr leicht könnte roura . ausgefallan sein, da man denn übersetzen mülstes „denn wenn der ‘Anfang aus etwas entstände, so ent= = . aa 1 We. stände doch dies nicht aus dem Anfange.” - Mit ‚der Uebersezung des Wortes doxn zu künsteln, wäre übri« : gens für einen Leser, dem das Hellenische nicht‘ im- mer im Sinne schwebte, gefährlich gewesen. So war auch im folgenden, troz der unsterblichen Thiere, Caav nicht anders zu übersezen als Thier, denn dies ist für das Vereinigte aus Seel und Leib unser eigent- liches und einziges Wort. 5.114. 2.31. Alles was Seele ist. ‘'H us mäca. Alles Geistige wird hier offenbar als Eins be- trachtet ohne Unterschied des Ranges und der Per sönlichkeit. Auch dies konnte jedoch nicht genauer ausgedrükt werden, ohne von der Regel abzuwei- chen.‘ — Gefieder habe ich überall übersezt, da- nit sich nicht Jemand vielleicht auch durch Stolberg verführt «ie Seele mit zwei Flügeln denke, sonst aber kahl, als wogegen in der Folge die stk Worte des Platon streiten. S. 116. Z. co. Den überhiuiniiiweien Ort aber etc. Auch dem Platon scheint mit ihm dasselbe begegnet zu sein wie den Dichtern; und nicht nur mit ihm , sondern auch schon mit dem Himmel selbst. Ich wenigstens habe es zu einer anschaulichen und für alle - einzelnen Züge anwendbaren Vorstellung nicht. bringen können von der Art, wie der Himmel hier gedacht wird und wie das Hinaussehn in den überhimmlischen Ort bewerkstelliget werden soll. Proklos thut dabei auch eben keine wesentlichen Dienste. S. 118. Z.4. Das Gesezder Adrasteia. . Adra- steia wörtlich die Unentfliehbare, ein Symbol der Natur- geseze. Der Scholiast allegorisirt ihre Abkunft noch ause führlicher. $. 119. Z.04. Denn derMensch mufsdasetc. In Begreifen und Zusammen fassen liegt das ver sinnlichende Wortspiel wohl eben so deutlich: als in Euvivaı und eis’ &v Euvamgeiadaı. Diese von allen alten Uebersezern mifsverstandene Stelle hat übrigens. schon u PR Tennemann richtig erklärt, wiewohl ohne dem Text die ' nöthige Hülfe zu geben. Dies war Heindorf und mir ehedem entgangen. S. ı01. Z. 30. Denn zu heftige Liebe etc. Man lese diesen Saz so: „Denn furchtbare Liebe würde entstehen, wenn sie uns-ein so helles Ebenbild von sich darböte durch das Gesicht, so auch das übrige Liebens- würdige. » — Meiner Meisiprig nach nämlich ändert man am besten nichts im Text. Das übrige Liebenswürdige ist ja dem ganzen Zusammenhange nach nicht mit der Schönheit in gleichem Falle, sondern mit der Weisheit, das angesezte olov könnte aber kaum anders als auf Toilrov bezogen, woraus leicht ein entgegengesezter Sinn könnte gedeutet werden. Daran wie dasx&} TEN 0% usa hier nachgebracht wird, kann Niemand Anstols nehmen; leichter, aber weniger platonisch, hielge es ein alrn nal TEANG Egasc ToloVTov Eaurav etc. S. 122. 2. 5. auf thierische Art zu vermi- schen. Das in seinem eigentlichen - -Sinn auf die Kna- benliebe nicht anwendbare und doch für uns höchst widerwärtig auf sie übertragene Wort masdogmogeiv i ist ohne Furcht vor Tadel übergangen worden. S. 123. 2.5: die deshalb Reize heilsen. Pla ton scheint mit seiner etymologischen Erklärung von Nuegos auf dreierlei anzuspielen, auf ivas, imegos und dei; ; die Uebersezung. hat e. einfacher begnügen müssen. S. 124. Z. 15. sehr Iaiglittertig Dies ist aller- dings in dem ersten Verse zu suchen, und ich weils es - nicht anders als mit Heindorf i in dem Worte gef lü gelt zu finden: Die bekanntlich damals noch nicht herr- schende Weise den Eros mit Flügeln zu bilden mulfste Platon besonders in diesem Zusammenhange als ruch- los darstellen; und eben so; wenn man glaubt, es sollte durch dieses Wort nur die Flüchtigkeit der Liebe darge= . stellt werden. Woher übrigens diese Verse genommen . sind, oder woher Platon vorgeben wollte sie genommen — 380 — zu haben, darüber sind wir so in der Unwissenheit, dafs jede Uebersezung von En dro.$era eigentlich nur ein Rathen ist. Stark aber dringt sich die Vermuthung auf, dals sie schwerlich von einem Andern sein mögen als von ihm selbst, und dafs er sie nur einem Homeriden zusthreibt, um, wie er immer gern thut, seinen My- thos durch eine Autorität zu heben. Hierauf führt das ächt platonische in der Uebersezung untergegangene Spiel mit ‘&gws und mrögws, theils das Wort mrego- @urwg — denn dem wregoßarros ist doch weder Sinn noch sprachgemäfse Bildung abzugewinnen — welches sich schwerlich anders als aus dieser Idee verstehen lälst, von der doch Niemand eine ältere Spur wird auffinden wollen. ‘Auch die schalkhafte Artigkeit, mit welcher er erlaubt zu glauben oder nicht zu glauben‘, scheint hier- auf zu deuten. S. 125. Z. 21. wie die Bakchantinnen. Man vergleiche eine Stelle im Ion: So wie die Bakchantinnen aus den Flüssen, wenn'sie begeistert sind, Milch und Honig schöpfen , wenn sie aber ihres Bewulstseins mäch- tig sind, nicht. S. 126. Z. 5. Wenn erihn erobert hat. So unbedenklich ieh im folgenden die Aenderung des «ige- ‚$els in eügeSels als die.-Hand des Platon anerkenne, eben so sicher möchte ich hier das &ige9% stehen lassen. Es ist ächt platonisch die erste Ankündigung der nun fol= genden Erzäklung von der Eroberung nach dem Finden, S. 109. Z. 7. den Zeus als er den Ganyme- des liebte etc. Ohne Zweifel enthalten diese Worte eine Anspielung auf einen Dichter oder sind selbst aug “ ihm entlehnt. — Das folgende, von einem Andern Augenschmerzen auffangen, bezieht sich auf den, Glauben, dafs durch das Ansehen kranker Augen das Uebel sich mittheile. Etwas dergleichen wirdjedesschwa+ ° che und reizbare Gesicht leicht an sich wahrnehmen. - 8.150. Z. 22. von den drei wahrhaft olym. S pischen Kampfgängen, Man sehe oben S. 119.2. 8.135. Z.5. Du weilst nur nicht wie dies "zusämmenhängt. Dies ‚muls ich für den Sinn des Sprüchwortes ‘yAvzüs drynev AEANIE ce halten. ' Bei der Uneinigkeit der Ausleger über Ursprung und Bedeu- tung desselben, scheint es billig, unserer Stelleselbst eini- ° ges Gewicht einzuräumen. Offenbar aber beziehen sich diese Worte auf die Meinung des Phädros, Lysias werde sich abschrekken lassen und sein Gegner habe es ernstlich gemeint, und Sokrates will ihm also zu verstehen geben, er wisse nur nicht in welchen Verhältnissen solche Män« ner stehen, und wie sie mit einander umzugehen pfles gen. Heindorfs Verbesserung vorausgesezt leidet auch die im Athenäos aufbewahrte Erzählung sehr gut.die An« wendung auf einen der d ige nicht weils, was zuvor nicht öffentlich zur Schal@Etragen wird, was aber doch die 'Mehresten wissen. Diese Gedanken haben der Ue= bersezung zum Grunde gelegen, das Sprüchwort selbst aber mulste unübertragen bleiben, weil es wörtlich nicht konnte wiedergegeben werden, und was sich aus unse» renı Vorrath an die apa sezen liefs, nicht . genug . ‚schien. Ebend. Z. 18. Es hat gefallen etc. Der ge- wöhnliche Anfang Athenischer Geseze. Den Ausdruk, „es hat gefallen,” auf den dem Gesez zum Grunde Jie- genden Vorschlag zu beziehen, dies ist auch eine von den wunderlichen Platonischen Aüslegungen. S. 134. Z. 35. Du fragst ob wir sollen? Diese ganze Stelle bis $. 136. zu den Worten des Sokrates: . Mufs nun nicht etc. ‚wird gewils im Zusammen- hange: jedem unbefangenen Leser höchlich mifsfallen. Nicht als ob: das Einzelne des Platon eben unwürdig wäre ,. sondern weil nichts an seiner Stelle steht. "Gleich die Bemerkung über die Vergnügungen ist schön, aber wie bringt Phädros einen so allgemeinen Grund vor, er der schon um der Redekunst selbst willen gern von ihr reden hört? und wie steht sie überhaupt, sowohl in sei= aem Munde aus dem wir'noch nichts in solchen Lehr» ; = „ER A / ! ‘ — 382 —\ x tone gehört haben, als in dem Ganzen, dem solche Be= merkungen sehr fremd sind? Die folgende Dichtung von den Heimchen ist sehr lieblich; aber welche Veran- lassung hat Sokrates den hör- und sprachgierigen Phä- dros, der ihn ohnlängst selbst zum Reden aufgefordert während der Hize, und der sich auch eben izt noch so verlangend zeigt, durch solche Erzählungen vom Schlafe zurükhalten zu wollen? Und wie kann eben .dieser Phä- dros nun noch nach der schönen Dichtung halb unnö- thig sagen: „Reden also wollen wir?” Ferner da die Untersuchung bereits vorher eingeleitet und angekündi+ get ist, wie stellen sich nun Beide als hätten sie sich nur ‚ganz im Allgemeinen erst zum Sprechen entschlossen, und als wäre es nun ganz wjllkührlich, ob sie bei dem Vorigen fortfahren oder an fremdes anknüpfen wollten? Hat Platon nur Noth gehabt seine Dichtung anzubringen, und sich unbeholfen verwikkelt? Das ist ihm auch in diesem Werke kaum zuzutrauen. “Oder wollte er zu verstehen geben, auch die eifrigsten Freunde der Redekunst liebten 'vornämlich nur das Ohr mit schö- nen Reden gekizelt zu haben, und wollten kaum Stand i halten, wenn sie sich in gründliche Betrachtungen über die’Kunst einlassen sollten? Allein diese Absicht wäre schlecht herausgearbeitet, und Platon mülste dabei von seinem mimischen Talent und seiner Ironie zu sehr ver« * lassen gewesen sein. ‚Schwerlich möchte dies Räthsel zu lösen sein. — In dem Mythos sind mehrere Wortspiele mit den Namen der Musen verloren gegangen, Erato und Eros, Urania und Uranos, Kalliope und Ops. S. 136. Z. 34. Nicht zu verwerfen ja etc HomerischeWorte aus Zlias III, 65. nach Vofs. Nicht zu verwerfen ja sind der Unsterblichen ehrende Gaben. S. 138. Z. 26. den Vater schöner Kinder. So heilst Phädros wegen der Reden welche .er' veranlafsty wie oben Lysias ie: Vater .der Reden genannt wurde, — Wegen des kurz zuvor ausgelassenen Igfunarz Yen: - schwöre ich mich in das Ansienxechi froh genug mich: zen BE das erstemal a leidlich mit dem bösen Worte abgefun- - - den zu haben. .S. 159. Z. 12. Den Gorgias als einen Nest Der Scholiast meint, Gorgias werde als sin Ehrwürtliger und Bejahrter dem .Nestor verglichen. ‚Sollte‘ es nicht nächst dem Alter nur auf die reine Geschwäzigkeit ge- hen? Im folgenden ist der, eleatische Palamedes olıne Zweifel Zenon; man sehe’nur den Anfang des Parme- nides. Die Aehnlichkeit des Tones könnte gar leicht Je- manden verführen zunächst an diesen zu’ denken; sie darf 2 nicht gehört werden. $S. 144. 2. 8. der nicht einmal vom An« fang etc. Dieser Tadel möchte den Lysias wohl nur . halb treffen, so nämlich dafs er hier absichtlich gefehlt hat. Denn offenbar sezt er voraus, ein Theil der Rede sei schon gesprochgn , worin wahrscheinlich der Bittende seine Person und persönlichen Verhältnisse dem Gelieb- ten angepriesen. Dennoch bleibt immer der Gedanke wunderlich und dessen, der wirklich überzeugen will, un- würdig, dals dieses Besondere dem Allgemeinen- habe: vorangehen gesollt. — Phädros, edelster Freund nach des Homeros Ilias VIII, 281. Teukros edelster Freund. ".S. 145. Z. 9. Hier an des Midas Grab. Alle “ Unterscheidungszeichen sollten aus dieser Aufschrift ver- bannt sein. Was die beiden vor den zwei lezten vom Platon’ ausgelassenen Zeilen betrifft, so bedürfen ‚sie wahrscheinlich einer kleinen Veränderung, um auch in das Gesez des Gedichtes zu passen; Denn es ist aus meh- reren Gründen nicht zu vermuthen dals Platon an dem Gedicht diese Eigenschaft nur zufällig sollte aufgefun- den, noch weniger dals er sie ihm sollte angedichtet ha= ben. Ob er sie nicht gekannt, oder der Kürze wegen er ‚ will ich nicht entscheiden, S. 146. Z.ıg. vermischten wir mit einer etc. Ich lese nämlich &mıddvo Acya statt urldavov Adıyav und ziehe zusammen xegdravres Aöya Unvon 384 — .S, 148. Z 0. -Folg”"ich wie eines Unsterbli=- ‚chen Fufstritt. Homerische Vers-Endung Od, V, 195. Vf, '38., die aber aus Vofs nicht Wei genommen werden. 5.149.221: Nebsnbeitsuttenäi Ueber diese schlechten Erfindungen ist es hinreichend nachzu- sehen was Schneider in seinem Wörterbuch unter Ta. «boyyos sagt. Es ist von alle diesem hernach in der Rhe- torik nicht wieder die Rede gewesen. Aristoteles sage darüber Rhet. III, ı3.: „Wenn man so eintheilt wie 3, Theodoros, so ist die Erzählung etwas besonderes, und „die Nacherzählung und Vorerzählung auch etwas be- „sonderes; eben so die Widerlegung und die Nachwider- „legung. Man muls aber nur da, wo es einen wirkli- „chen Unterschied und einen eignen Begriff zu bezeich- „men giebt, ein eignes Kunstwort gebrauchen, sonst „, verfällt man in leeres Geschwäz.” Ebend. 2.50. des Polos Sammlung von Wor- ten. Anders kann ich novasi& Adyav nicht verstehen, und weder die musica concinnitas des Ficinus noch den musikalischen Polos des Stolberg noch die gleichtönen- den Worte des Scholiasten darin finden. Polos wird frei- lich, wie überhaupt die Schule des Gorgias, zu denen gezählt, welche in der Diction die Grenzen der reinen Prose überschritten, und namentlich werden ihm die Fagıga besonders zugeschrieben; allein hier.kann hie von des Zusammenhanges wegen nicht die Rede sein, sondern von den überhäuften Abtheilungen und den un« ‚nüzen Kunstwörtern, wodurch man alle kleinen Kunst“ _ griffe als wichtige Hauptstükke der Rhetorik bezeichnete, und dann auch natürlich in der Ausübung sehr über häufte. Eben so geht im folgenden evereız gewils nur auf den vollen prächtigenKlang dieser theils sehr zusam- mengesezten theils.bildlichen Kunstwörter. , Unmittel- “ bar nach der eben angeführten Stelle sagt Aristoteles, „wie es dem Lykimnios geht in seiner Hedakünse; ‚der „die Ausdrükke "Einbruch, Abschweifung ‘und Aeste: „erfunden Be a ee. Sy Kg en #7 — 385 — „erfunden hat,” eur dvoudluv nal dmomAdvnsw nal &lovs Bip. IV. 369. Hieraus’erhellt zur Genüge was Lykinınios dem Polos geschenkt habe. Auch der Scholiast sagt, er habe ihn Unterscheidungen der Worte gelehrt, welche näm- lich eigentliche wären, und zusammengesezte, und gleichgeltende, und beigefügte und andere mehr. Die lezten Worte aber in dem Scholiast des Siebenkäs: x) ENNa MoANG mgos eitmeizy, sind nur aus Milsverstand dieser Stelle hinzugefügt. Ob ÖimAzgıcAoyia, wie Er- nesti Lex. Techn.- P.88. meint, sich auf die zusammen- olov Auxiuvios more? Ev ın rexın Emov. s gesezten Worte bezieht, die Aristoteles JimA& cvouara - 'nennt, ist mir.noch zweifelhaft. _Der Scholiast erklärt es von der Wiederholung, und dies ist vielleicht richti= ger, wenn man‘es nur nicht, wie er thut, blofs von einzelnen Ausrufungen versteht. — Durch die ogYo&reı% $: 150. Z. ı. soll Protagoras ohne Zweifel vortheilhaft ausgezeichnet werden. Die Erläuterung des Ernesti durch Quintilians emendata cum suavitate vocum expla- natio möchte aber hier schwerlich anwendbar sein. Der Scholiast erklärt den Ausdruk für ein Synonym von’ xugioNstia. Protagoras, sagt er, bediente sich immer des eigentlichen Ausdruks, nicht der bildlichen Art zu reden, noch .der durch Beiwörter. Wenn dies auch bis ‚auf die Beiwörter, die in dem seinem Stile nachgebilde- . ten Mythos in dem gleichnamigen Gespräch sehr zahl- reich sind, ganz wahr ist, so ist doch hier schwerlich ‚die Rede davon, sondern og9oemeı“ gilt wohl nur im ‚Gegensaz der obigen eUeeız von der Beschaffenheit der vom Protagoras erfundenen Kunstwörter. Man lese da- her S. 150. Z. ı.: Ein gewisser einfacher Ausdruk. — Der Chalkedonier — woraus Jemand einen Eigen- namen gemacht hat — ist Thrasymachos. S. 152. 2.25. ob sie wohl unwillig etc. Diese ‚so. nachdrüklich eingeschärfte, und so oft wiederholte "Warnung hat gewils Bezug auf irgend eine plumpe Po- lemik , entweder anderer Sokratiker gegen Sophisten und Plat. W. I. Th. I. Bd. Le5] r ee PIE Rhetoren oder umgekehrt. — Der füfsredende Adrastos > erwartet wohl noch seinen Erklärer. Der alte Heros selbst kann schwerlich neben Perikles als Redner ge- nannt werden, und wahrscheinlicher ist wohl, daß. ein Anderer darunter gemeint ist, wie eben unter IERDF und Odysseus. S. 153. Z. 56. Würde und Zuversichtlich- " keit des Erfolgs. ro urbaAövew wel rekeoiov veymon, Beide Wortestehen eben soimSuidasdem &reriv ev Fuvvnp- ozevov entgegengesezt neben einander, und gehen also unstreitig auf den ganzen Charakter der Rede, und auf die V allkamzienhelt in Erfindung und Bearbeitung. $S.155. Z.4. was für eine es hat etc. Ich lese hier überall die gehäufte Frage: via mgös al. imo 70V; so auch 271. a. öT@ mi moielv -- Umo Tod. Man sehe nur cola olea GO oluv Adyay und 271. d. ol wey ou» Tadlde %. T.A. S. 157. 2.35. Wie nun, wird vielleichtun-. ser Schriftsteller sagen. Diese Worte erklären sich dadurch, dals Sokrates bisher gleichsam im Namen ‘des Thrasymachos oder anderer Rihetoren gesprochen hat. Per sehe $. 155. unten. S. 164. Z. 4. oder wer er sonst ist. Sollte nicht diese freilich vom Platon häufig den Hymnen tiach- gesprochene Wendung hier eine besondere scherzhafte Beziehung < darauf haben, dafs Tisias vielleicht schon da mals xaxot ze Randy Sov genannt wurde? S. 164. Z. 28. in ein Adonisgärtchen. 6, nannte man, weil sie bei den Festen des Adonis eine nothwendige Zierde waren, Kästchen und Scherben, in denen Blumen und Kräuter schnell und zu ungewöhn« licher Zeit ‚gezogen wurden. Man sehe Theocr. Adon, v.115. Mag Iumanol nme MedvAarypevo Ev Tamd. elraois. Nach Vols: Neben ihm liebliche Gärten i in >, es ante" Körben. S. 165. Z. ı0. die doch unvermögend sind, Ich lese anstatt &dvvar@y uv und dduvaray d& beide» | | u. t i ) h 4 4 mahle BE Man vergleiche 276. e. Äoyous, of Euureis:- - Pongev iravof. Auch verschwinden alle Schwierigkeiten auf diese Art. S. 166. Z.25. erinnere mich aber dochnoch ' einmal. Die Verbesserung, diese Worte dem Phädros Bene hatauch schon Tennemann vor mir gemacht. 8. 168. Z. 27. in bürgerlichen Versamm- lungen. Diese Vebersetzung beruht darauf, dafs ich‘ anstatt &vvoAıtinois Aoryaıs lese Ev HoAurinofs auAAoryors, eine Verwechselung, die nicht selten ist. ZUM.LYSIS Seite 177. Z. 25. Den Lysis,vor Augen gehabt zu' haben scheint. Wer Eth. Nicom. VILL ec. ı, 2. 10: (P: 59:4. D. P. 63...) Magn. Mor, II. c. iw '(P:nrı. E. u: 112; C.) und Eudem. VIL. 2. 5. (P. 162, B.C. P. 165. B. Ed. Casaub. 1590.) vergleichend liest, ‚wird kaum zweifelhaft bleiben, wiewohl Aristoteles we- ‚der das Gespräch noch den Platon nennt, und man sich ‚wundern möchte, warum, wenn er es wirklich beach tet, dies nicht häufiger und gründlicher geschehen ist, R $. 185. Z! 17: Ein schlechter doch gewils, Ich habe diese Worte mit den Ausgaben dem Sokrates ‚gelassen, der sich nicht selten'in dieser Formel selbst ant« wortet; ‚sogar das in:solchem Falle gewöhnlichere ykann leicht nach dem oi0); ausgefallen sein. Anch die Fort- schreitung scheint mir leichter, wenn Sokrates im A den ae 5. 168. Z. 5. Zumal nun die Hermäen ge- feiert werden. Rambach zum Potter I, 868. bezwei- felt die Hermäen seien ein Knabenfest gewesen, weil es ‘ draufsen während nämlich die heiligen Gebräuche, voll- ° . also olıne besondere Erlaubnils zerstreuen pe um ? “ fen. : So ist auch die hier behanptete' grölsere Freiheit widerspröchend gewesen wäre, alsdann beingih erwach- senen Jüngling undtva rav &v iAnla zuzulassen, Dies ist nichts gesagt; denn die Knaben 'malöeg waren ‚eine ganz andere Ordnung , als die &v Amiga, welches die EOnßo und veoı waren. Zum Ueberfluls wird in dem- selben Gesez, welches Aeschines in Timarch. leider nur fragmentarisch citirt, „das &v AAuzie durch reis Umeg rev | C av maldwv irmlev olaıy ausdrücklich erklärt. Das Kna- benfest bleibt also. _Aber wehn, wie jenes Gesez besagt, kein Erwachsener bei jenem Fest in die Palästra einge- lassen wurde, wie kann Hippothales einen, solchen Vor- schlag thun? wie kann Sokrates mit dem Ktesippos und allen Uebrigen hineingehen? wie kann der ganze Dialog bestehen? Dafs Platon den Umgehungen eines DiaR zu Liebe eine heilige Athenische Gewohnheit mit Fülsen treten sollte, ist ganz undenkbar; vielmehr hätte erbei so bewandter Sache gar nicht auf den Gedanken kom- men können, einen Dialog an diesem Fest in die Palästra zu verlegen. Das-Verbot redet aber wohl nichtvon der Palästra überhaupt, sondern nur von dem Opfer dem Ort wo es vollbracht wurde, es sei nun nur in Be ziehung auf die Hermäen oder ganz allgemein, Eounia | sind die Altäre des Hermes in den Pälästren; ‘ob grade am äufseren Eingang, wäre noch zu bezweifeln. Unter dieser-sehr leichten Voraussezung ist Platon ganz in der Ordnung. Denn vorher standen die jungen Männer alle bracht wurden ‚welche vielleicht an dem festlichen Tage mehreren Raum erforderten. Auch hernach wird Menexenos noch zum Behuf einer Opferhandlung in einen innern Theil der Palästra wie es scheint, abgeru- R aın Fest in keinem Widerspruch mit dem Gesez. Vie. mehr ergiebt sie sich von selbst daraus, dafs die Knaben an diesem Tage keine Uebungen verrichteten und sich ihre Bekannten aufzusuchen. u re u Me 2 $. 189. Z. 19. weder die Weberlade. Nach Schneider ist am&9n dasselbe an dem alten senkrechten Weberstuhl was zegx!s an dem wagerechten neuen.‘ Er- hielten sich beidg Arten zugleich bei den Athenischen Frauen? In der Uebersezung mufste etwas anderes die Stelle vertreten; das Schiff wäre indefs PRBKICBER gewe- sen ab ‚der Baum. S. 194. 2. 32. weit mehr noch als Dareios selbst. Wenn man sich fragt, wie wohl eigentlich Da- reios hieher kommt: so wird vielleicht Jedem sein be« kannter Heerführer und Freund Zopyros ins Gedächtnifs kommen, in Beziehung auf welchen er soll gesagt ha- ben, er wolle zwanzig Babylons darum geben,' wenn er seine Verstümmelung könnte ungeschehen machen. Dieses vorausgesezt fragt sich nun, ob man sich. will ge+ fallen lassen mit mir anzunehmen, Platon habe geglaubt geschrieben zu haben eis d8 ‚RENNeV 772 % Eur und daraus gi. hernach das y aurov Augeiov entstanden anstatt n airos Augetog. Die Schwierigkeit wenigstens ist so gelöst, doch vielleicht hilft auch dieser Wink einem Andern noch etwas Besseres finden, ' S. 195. Z. 9. welcher wird des Anderen - Freund. Ueberzeugt bin ich, dals hier PiXys ausge- fallen ist; es ist ganz dentlich aus den folgenden Worten "Au@crego deu EAAnAwb DIAS Ylıyyorras, und es blofs hinzudenken zu müssen wäre hart, Nur die Stelle '. möchte ich nicht genau entscheiden; hinter ‘yfyveras wäre die natürlichste , leichter aber könnte es ausgefallen sein wenn es durch eine Versezung hinter PıA@y oder PiAovvros gestanden hätte. S. 196. Z. 6. Also ist auch das Liebende ‚nur dem Freund. Eigentlich sollte dieses heifsen: also ist auch dem Liebenden nur das lieb etc. Ich habe mir aber nicht nur hier, sondern überall im folgenden - diese Abweichung erlaubt, theils um das gleiche Wort freund nicht fahren zu lassen, um welches sich Alles dreht, theils um einen reinen Gegensaz zwischen P/Aoy ” # — 399 — und &x.9goy zu erhalten. Dafs es übrigens nur eine Ab- weichung des Ausdruks ist und jede einzelne Formel an sich und im Verhältnils zu den andern ganz dasselbe sagt wie in der Ursprache, kann Jeder sehen der nur das herr- schende Beispiel von Eltern und Kindern oder sonst eines vergleichen will. Arch ist wohl Jemanden freund sein eben so deutsch als Jemanden feind sein, Ebend. Z. 18. Reich, wer, denen er freund y ist etc. Die Anführung dieser Solonischen Verse hat keinen andern Zwek als zu fragen, ob man sich von dem was nıan einseitig liebt, des Ausdruks ihm freund sein bedienen darf. Daher mulste obige Veränderung des Ausdruks auch in diese Vebersezung hineingebracht wer- den. Die schwerfällige Struktur wird hoffentlich doch im Bee Ts zu verstehen sein. $. 198- Z. 14. und nach den Dichtern un= tersuchen. Inden Worten sxXowodvrz 7& wand Toug mcmr&s habe ich das mir ziemlich verdächtige r& we- nigstens nicht mit übersezt; denn es macht sich, als solle auch der Gegenstand der Untersuchung sich ändern. Ist aber einmal Verdacht vorhanden, so darf auch wohl das oxomovvr& statt oromolyrag als wunderlich be- zeichnet werden. Ebend. Z. 04. Auch wohl Schriften sehr weiser Männer. Empedokles kann wohl hier nicht unmittelbar gemeint sein, der kein euyye@®eug war, sondern ein womr1s. Wer, möchte schwer zu ent- scheiden sein. Denn den Herakleitos, dem Freund« schaft zwar Princip der Zerstörung. war, aber doch auch Anziehungskraft des Gleichartigen, diesen gelesen zu haben konnte Sokrates dem Lysis nicht zumuthen; und dies dürfte wohl von den meisten gelten, an die man denken könnte, — Der vorhergehende Vers findet sich De AÄVII, 218. = 4 [u S. 199. Z. 29. Ist der Aehnliche etc. Man lese so: „Der Aehnliche ist dem Aehnlichen, sofern er ähnlich ist, freund; und zu wasist ° ı wohl ein solcher ‚einem solchen nüzlich?” Nämlich mich dünkt wegen des M&AAov d: öde, auf welches eine offenbare Frage folgt, muls auch schon eine vorhergehn,, und es ist weit minder hart, in dem ersten Saz ‘O önows .. . TO Toourw den Uebergang von einer überlegenden Wiederholung zu ‘einer Frage zu suchen, als ‚diese mit jener durch das KaANoV 'd& öde zu verbinden. Nur freilich der ganze erste Saz kann nicht Frage sein, sondern diese fürglich nur bei dem xx}, freilich etwas Snbbwöhrtieh, angehn. Dann aber theils um etwas fragendes in der Frage zu haben, .theils wegen des in dem erweiterten Saz fol- genden 1277 ERRERI möchte ich statt &s4 lesen eis: Tl. S. 201, Z, 1, Auch ein Föpfer etc. Hesiodos Werke und Tage, v. 25. — Auf der folgenden Seite geht das Sprüchwort:, das Schöne, das Liebe-auf einen Vers des Theognis, den er den Chariten in .den Mund legt: "Orr zurdv Diäov dal, Tod ou naAov ou Didov ist, S; 0205. Z.ıg. welche den Unverstand so an sich haben. ‘Ich lese mit den Ausgaben roÜs oürwg : Eryvoiav Exovras. Die Fıedensarten ourw Tnog Exew, mcoßw Fivos nee und ähnliche gehen auf den hohen Grad einer gewissen Beschaffenheit; hier aber wird aus- drüklich gesagt, der Unterschied beruhe auf einer B wissen Weise des Ansichhabens ROTE Tva Toowov 017, e. Dieses nun kann cürwg in jener Redensart.. beim Genitiv nicht bedeuten. S. 207. Z. 19. Denn dals nun Freund dem Freunde etc. ‚Nicht etwa, wie es auf den ersten An- blik scheint, als 'grofsmüthiges Nachlassen einer sich von selbst darbietenden Sophisterei ist dieses anzusehen; sondern als noch eine absichtliche Andeutung darauf, dals unmöglich der Saz, das Aehnliche sei dem.Aehn- lichen freund, ganz im Allgemeinen falsch sein könne. S, 008. Z. 11. wie der Vater aus dem Sohne pflegt. Unser Text lautet olovmeg &uiore warme viov. Also bisweilen macht der Vater viel aus dem Schhs?, Dieses bisweilen ist mir nicht zu ertragen; ich lese einge, ‚ZUM PROTAGORAS, a m z Seite 219. Z. ı. umgekommen. Dies hat mich. eine von Heindorf über dieses Geschlecht, eigens ange stellte Untersuchung aus der vierten Rede des Ando- kides gelehrt. Athenäos führt diese Auterität Deipnos. U, P. 018. nicht an, sondern schliefst nur aus der Ol: 89, 3. aufgeführten Komödie des Eupolis, die Schmeichler, worin des Kallias Verschwendung durchgezogen wird, dals.Hipponikos nicht gar lange vor dieser Zeit müse gestorben sein. $. 219. Z. 14. rechtfertigen sucht, Man sche. Bibl. des anc. Phil. W, 122. Alles übrige, was er über die Chronologie des Gespräches sagt, ist sehr schlecht, und verräth wenig Studium des Protagoras, und einige Unwissenheit in der Geschichte. $. 220. Z..ı1. von unten, auswärts befunden haben. Dafs ‘gesagt wird, Protagoras wohne bei Kallias,- streitet nicht Br gegen diese Voraussezung, da Kallias in dem Älter war, das väterliche Haus zu verwalten. Schwieriger ist vielleicht die spätere Stelle, Hipponikos habe sich des Gemachs ehedem als einer "Vorrathskammer bedient, bei ‘welcher man wenigstens eine längere Abwesenheit annehmen müfste, die aber auch in jener Zeit, wo immer attwenische Heere im Er Felde standen ‚ nicht undenkbar ist, a. ee S. o2ı. Z/’6. v. u. aus Athen vertrieben; Dies‘ erhellt aus’ Diog. Laert. IX, 64.5 wo sein An« kläger Pythodoros, einer der Vierhundert, genannt ‘wird, welche nicht gekannt zu haben Menagius über- eilt versichert. Indels bleibt die Möglichkeit, dafs diese Anklage später geschehen, und Pythodoros nur durch seinen Antheil an dieser ehemaligen Staatsveränderung "bezeichnet wird, die sich aber schwerlich durch irgend . etwas en lielse. : 8. 255. Z. ı. v. u, dem Protagoras nachge- bildet. Dieses hat verständig genug schen Philostra= tos bemerkt oder nachgeschrieben, welcher im Prota- goras Vit. Soph. I, 494. sagt: "wog d& rev Tlewraryd, gav o TIaarov euvos Ev Eguunvevovre, ebony ö8 N geuvörnm nal mov nal uangokoryaregov FoU aupijk. Toou vnv HERv Murod usw nanga Exaganrneıcev.‘ Pla ton, wohl wissend, wie Protagoras zwar mit Würde sich ausdrükte, bei der Würde aber dennoch nachläfsig war, und wohl auch’ weitläuftiger als schön, hat seine Schreibart in einer langen Erzählung nachgebildet. Nur wie Olearius darauf gekommen ‚dieses ‘auf den 'Theäte- tos zu beziehen, da es offenbar auf den Mythos unseres Gespräches geht , istnicht zu begreifen, S. 254. Z. 9. ähnliches Gedicht. »S.“Brunckiü ‚Anal. I, i2e, X. S. 855. Z. 11. den Homeros. Bei Atlıehe wird vom Hermes gesagt, Il. XX1IV., 347: Odys: X; 279 venvin üvdgl & PIE TATS mgäroy Umaien Teumeg yagesaunnan. Vossens Uebersezung: Ein blühender Jüngling von Ansehn Da die Wange sich bräunt im holdesten Reize der ; Jugend, war vom Gebrauch dieser Stelle zu abweichend. 8.937. Z.2. Hippokrates. Von diesem Hippo» krates weils ich nichts zu sagen, als dals er unmöglich der BORz desjenigen Apollodoros sein kann , welchen wir ee , en unter den Schülern des Sokrates kennen, und welcher am Eingange des Gastmahls sagt,’er sei zur Zeit, als Agathon seinen dichterischen: Sieg erfocht, noch ein Knabe gewesen. ‚P. Grou spricht von dieser Were = als von einer entschiedenen Sache, X $. 237. Z.1. vw. u. dadurch überredest.. Ich bin nicht zu überreden, dafs dies EnEbvov riehtig ist, ‚SON- dern gewils xeb@, nämlich 79 deyueln. Man ver- gleiche P. zı1.. d. za rouras melde RUTEV., u. S, 240. Z. 12; v.u. der Name besagt. Die Be- deutung von Sophist muls der Leser nie aus den Augen verlieren. Es gehört aber dazu, dals die Bedeutung von co®es und coP/% hier immer vom theorekischen, vom Wissen ausgeht. ‘Man sehe,nur, wie auch hier P. 350. b. statt:@oPia geradezu Emısyun Erkenntnils gesezt wird. Auch dals voPis7s damals in einem gu- ten Sinne-gebraucht wurde, wie denn ‘auch die Sieben häufig so genannt, wurden. In einem eben so unbe- stimmten Sinne will sich hier Hippokrates durch sein 7% 00D« helfen. v8, 241. Zins vu Körper achtest. Mit Hein- dorf halte ich die Worte ray ıVuxav an dieser Stelle für eine Glosse, wie auch aus der Struktur des folgenden hoffentlich einem Jeden einleuchten wird. S. 242. 2. ı6. Mir wenigstens. In der Urschrift werden diese Worte Paiveras yag Euorye Fowvrog Tig. dem Hippokrates beigelegt. _Ich habe sie noch zu der Rede des Sokrates gezogen, weil es kaum zu ertragen ist,’ dals Hippokrates:auf eine solche Weise .das Gleich- nifs annimmt, und dann erst nach dem Vergleichungs« punkte fragt. Auch konnte er schwerlich sagen ®ai- veras 'yag Euorye sondern Paweras nal £pol. Man ver- gleiche nur z.B. P. 350. c. &uo} utv ag doxel - - zul &uol.‘ Dals seine Frage nun etwas abgerissen anfängt erträgt sich weit leichter. S. 243. Z.1,v.u. in den Vorhof. Eine hinrei« chende Kenntnils des athenischen Hauses, um diese un — Free 4 u , 05 und ein paar folgende Stellen zu verstehen, kann sich der unkundige, Leser aus den Reisen des Anacharsis Kap. 25. und derdazu gehörigen Zeichnung verschaffen. S. 245. Z. 14. Jenem zunächst. Aus Odyss. XI, 600 unddas folgende. Ja ich ersah ebendaselbst 58%; beides nach Vols. Der unterrichtete Athener dachte, sich das übrige hinzu, und ihm entging auch der 'Sta- chel der Anspielung nicht, dafs sie aus der Reise in die Unterwelt genommen ist. Die Worte &Pn "Owngos habe ich mich nicht überreden können, mit zu überse- zen; so sehr halte ich sie für eingeschoben. S. 246. Z.4. Wenn dieser Knabe, Dals.die Worte rouro F iv re Beigdxicy einen Fehler. enthalten, ist klar. Cornars Uebersezung atque hie quidem erat ado- lescentulus ille macht noch klarer, dals sie keinen $az für sich ausmachen können. Ficin lälst sie aus: so grau- sam will ich nicht sein. ‘Ich denke, das ToVro Tr yv. ist sehr leicht entstanden aus der doppelten Schreibart roUro und rovrl und dem so oft vorkommenden Nicht- Aus- löschen des falschen, sondern nur Hinten- Anschreiben des rechten, und lese daher za} oUx dv Iaumalcmı ei maınd Ilavoaviov wuyxava öv Tour) TO MEige wov. Kal etc., Heindorf ändert FoUro 7’ ovv ro m. S.252. Z.21. Dieses Alkibiades hier. Statt rovrovl, da Kleinias gar nicht zugegen war, rovrevi zu lesen, hat schon Grou vorgeschlagen. Ariphron, Perikles Bruder, war dem Plutarchos zufolge Mitvor- anund über. die Söhne des Kleinias. S. 255. Z.12. Die Wachen des Zeus, Diese sind Bio no) Kodrog Gewalt und Stärke. S. Hes. Theog. 385. Callim. Hymn, in Jov. 67. S. 256. Z. 14. fragt den Zeus. Ich folge hier einer Verbesserung,von Heindorf, welcher statt des ge- wöhnlichen nicht einmal sprachrichtigen Zgwr& ovv "Eg- ps, da Ta obv rgomev zu lesen heilst 2ewr& oDv "Eg- ps Ale, Tiva oöv etc. P. Grou übersezt zwar auch Mercure demande a Jupiter, aber ohne zu erwähnen, dals ı er etwas geändert, weshalb ich glaube, er hat den Zeh Piter nur hinein gemeistert, ohne ihn in dem di gese= hen zu haben: Ganz die Heindorfische Verbesserung hat auch van Heusde, dessen Versuch über Platon Wytten- bach herausgegeben 1803. S. 260. Z. ı7. v. u. wie wunderlich diese’ treflichen Männer sein müssen. Der Sinn kann wohl kein anderer sein, als der in der Uebersezung ausge- drükte. Esist nicht von der Art die Rede, wie die Gu« ten gut werden, sondern von der Art, wie sie erschei- nen, im Falle sie nicht für Belehrung der ihrigen sor- gen. Sie werden dann dem Betrachtenden in seinem _ Urtheil wunderlich. Nur freilich ist das Adverbium schwer zu dulden. Vielleicht kann zanıt Bien ws Ya. uasıol vo Yybyvorran. S. 262. °Z. 12. v. u. diese Züge — nachher hen. Dals hier von keineın Nachahmen die Rede sei, sondern von einem Hinführen des Griffels i in den vom Lehrer gezogenen Spuren auf dem Wachse; beweisen ähnliche Stellen des Quintilian I. O. 1,1, 27. 5, 14, 5. S. 264. Z.21. Eurybatos oder Phrynondäs, Menschen, deren boshafte Unrechtlichkeit zum Sprüch-, wort gewerden. ' Ueber sie selbst und ihre Thaten sind die Nachrichten nicht einstimmig.‘ ‘Man sehe Taylor zum Aeschin. in Ctesiph. Ed. Reisk. p. 529. Wesselingzum . Diodor, Ed. Bip., Vol. IV. S.308; und Suidas bei diesen beiden Worten. N S. 269. Z. 15. v. u. und jene gottlos. Die Worte dlxeıov d08 mode" dvonıoy sind unstreitig mangelhaft, und das richtige aus dem Ficin zu nehmen, wenn 5 es auch selbst nur aus der Analogie genommen hat. mufs man nicht mit Stephanus emendiren ddixev & 19 ptv, v0 de dvonıav; sondern mit Heindorf ie du ze, mode Ö8 dvcrıov- S. 270. Z. 7. Ich begehre gar nicht. Aus - Milsverstand dieser Stelle, welche ganz deutlich wird, wenn man. P. 555. c. "AR oVdty ua diaßegen vorgleicht, - ad, ee rn ee a a > | | f F \ \ ni hen hat Cornar Aenderungen gemacht, v von denen die ein- zige annehmliche die ist, statt d mis Tel aD zu schreiben er 72 ‚A Bovreı &Deicr. Denn von der gänzlichen Ausschließung älles beiingten kann nicht die Rede sein; daher ich diese wenigstens in’die VeberseiiuE aufgenommen. Ebend»Z. 16. auf ‚eine Art. Es ist eben so leicht als unentbehrlich, das ö un) welches dem Sinne ganz ent- gegenstrebt in öwy zu verwandeln. Bald darauf glaube ich amı Ende des Sazes anstatt TO Juoiov lesen zu mussen 79 avouaıov xal To'öwoov. Schwerlich hat sich Platon eine solche ERRNE erlaubt. S. 271. Zu 5. Unsinnigkeit, ist BR da- von. Ich Re nämlich mit Heindorf "Apgoruvnv Fi 20- Ass, EOm' ToUTa To moL ymarı cv mÄy etc. Weit, schwerer wollte Cornar helfen AQgorüvnv Fi nad; Folro To TOR Yu oc etc. s„ wo noch „Aulser dem hier nicht zu ertragenden fragenden ri ein 9 vor der zweiten Frage vermilst wird. $. 271,2. 9. Alsdann sind sie besonnen. Vor dem ow@goveiv, welches auf die disjunctive Frage unmöglich die ganze Antwort sein kann, habe ich das zöre supplirt, welches nach dem Emgarrov sehr leicht kann 3 sein. S. 274. Z. 16. v.u. aber ich kenne sehr viele Dinge. Diese Stelle kann, so wie-sie,jezt in unserm Text steht, nicht richtig sein. Erstlich mülste denn das wo DE re wDerpa den Gegensaz bilden zu &uIguros tv dvaQern und zwar verinöge der Stellung des ev mit unter dem mod & begriffen. Dann mülste es aber offenbar heilsem &Aoıs d2 oder öuws dt. „Peru“, auch wäre das 'y& nicht zu ertragen. Wollte man aber sagen, das ner wäre, wie bisweilen, versezt und gehörte zu mod st. moRz ulv old’ & so dals die T&dE yeandere wä- ren als die moA&, so diente dies gar nicht in Protagoras Saz, welcher ja zeigen will, dafs dasselbe kann aydew- moıs avaPerts und doch WPeAuov sein. Zweitens mufs — 398 — das oVdgrega dantı auf dvoDerks zu) 3OkAınov gehn’ : dvwDertsaber’heifst nicht schädlich, was ist also weder nüzlich noch unnüz? Ficin übersezt deshalb perinde, der Sprache offenbar zuwider; und hinterfmmois dt muls der Struktur gemäls verstanden werden Sarsgov, dem Sinne nach aber @P&Aıuov, welches sich Ficin ebenfalls herausnimmt. Cornar interpungirt hinter »#) &AAz Mvei®, und fährt dann fort: Te Ö& ye vDerne va udv audeumes, vo DE Immas vd 8: Pour) uovov: Eine Operation mit sehr ftumpfem kritischen Messer und 'eine sehr grausame, mit der doch wenig geholfen ist, . weil, der unrichtige Gegensaz immer bleibt. Die hier gegebene Uebersezung beruht auf der kleinen Verände- rung, das Kolon hinter Kvefz zu löschen und das 2 aus dem r« d& ‘ye, welches so leicht aus dem folgenden kann herauf genommen sein, so dafs von x@} sıria — WDerue alles Erklärung von FoA«& wird; für das oVde ‚Teg% wenn es docH auf zwei nur gehn muls, sind mir die ausdrüklich genannten oırla, more, Poguane eines und &Aa uvela rarye oDEXıu@ das andere, Diese Di-' chotomie wird freilich wenig Gnade finden, aber dann mufs man yothwendig auf eine Aenderung des oVderegz .. denken. Und vielleicht wäre diese so zu bewirken, dafs man läse: a} 2AQ nugia rarye WDEeXına avdenmars 1237 oudorıody (Freilich ist dieses nicht ganz leicht . emendirt für oVögregn), iImmais DE. S. 285. Z. 15. v. u. wie Homeros erzählt, Ilias XXI., 308. er $. 284. Z. ı8. nach dem Hesiodos.- 'E,#. H, 289. S. 290. Z.8. v. u. ein anderer Dichter be& zeugt. Dieser Vers wird auch von Xen. Mem. I. 2, 20. angeführt, wo auch Niemand weils, wem er zu- kommt. Denn dafs er dem Theognis gerade nicht angehört, ist ans jener Stelle deutlich genug. S. 291. Z. 2. Denn jeglicher Mann. Herr be G. J. R. Heyne hat in einem Programm Opusc. I, _—._.—n FEN EEEETRETTE z WR GBR. 003 in 160. seg. einen Versuch mitgetheilt, dieses Fragment des ‘Simmonides in sein ursprüngliches Sylbenmaals zurükzufügen. Von welchem schwierigen Unterneh- men sich der Uebersezer grofsen Nuzen versprach, in- dem, ehe dieses gewagt werden kann, aufs bestimm- teste entschieden sein muls, sogar welches Bindungs- wort dem Dichter zugehöre, und: welches zu dem Kitt des Schriftellers zu rechnen sei; wäre nun dieses durch einen solchen Vorgänger berichtiget gewesen, so war er selbst um die Hälfte der Arbeit erleichtert. Diese Hofnung indels wollte nicht lange Stich halten, da ein Verdacht aufstieg, als’ wären nicht etwa nur jene Ein- zelheiten vernachläfsigt, sondern mehrere Stellen, die nicht minder als die übrigen dem Simonides anzuge- hören scheinen, in der Heynischen Anordnung über- sehen. Ob dieser Verdacht gegründet ist, mögen die sachkundigen Leser entscheiden, denen ich schuldig bin, diese Stellen bemerklich zu machen, so wie auch die Abweichungen in der Interpretation, denn auch hier giebt es einiges Bedenkliche. Die erste Stelle nun, die ich gegen Herrn Heyne für Simonidisch halte, ist diese medfus nivydg ed müs dune ayados" nunds de xanröc. Ich bekenne indels, keine andern Gründe zu haben, als die Struktur, und dann auch die Art, wie Sokrates über diese Worte commentirt, welches wie vom Himmel gefallen erscheint, wenn es nicht Worte des Simonides sind. So auch der Schlufs dieses Com- -mentars Öse xal Tovro Tov domaros (P. 545. b.) scheint die Sache äufser Zweifel zu sezen. Denn zwi. schen diesem Schluls und den angeregten Worten koınmt keine Stelle des Simonides vor, wie auch Herr Heyne keine hat, und weiter zurük ist nichts, worauf sich dieser Commentar beziehen könnte. In dem lez- ten dieser Simonideischen Worte ist die von Spalding vorgeschlagene Veränderung des Ö ei in & um so gewisser, da die Worte ein Paar Zeilen weiter unten, wo der zweite Theil des Commentars anhebt, eben so \ — 70 — 5 vorkommen. Cornar hat diese abgebrochene Wieder- holung nicht ertragen können, ‚und den. Saz Jegx- weis ag co dyados larges warös gewils nur des- halb angeschoben. Sehr verwerllich und das Ganze zer- störend. age S. 291. 4. v.u: Am weitesten aber gedei- hen. Ob Sokrates sich wohl so würde ausgedrükt haben dmım\disov dt nal ägısol sısiy, obs dv ol Yeol Qircvaw?, und ob er wegen‘ dieses in seinem Munde ziemlich mülsigen Zusazes ‚aus der indirekten Rede, deren er sich bedient hatte, würde herausgegangen sein? Dies entscheidet wohl gegen Heyne und Grou dafür, dals die Worte dem Dichter zu geben sind. S. 292. Z. 4. einen tadellosen Mann. Ohn- erachtet auch in der Wiederholung dieser Stelle P.246. d. eben so wie hier. rav&uesuov dyIewmov zu lesen ist, schreibt Herr Heyne dennoch, ohne zu sagen, wo diese Variante ihren Siz ‚hat, Favauwuuv dvYewmuy, und zieht diese Worte zu uoleav alavos, so dals er, um zu erklären, was jenes un 'yerkodaı Övvarev ist, zu einer schwerfälligen Ellipse seine Zuflucht nehmen muls, und dals man doch immer noch nicht einsieht, wie das Beiwort Tavduwog hieher kommt. Hernach giebt ihm freilich die gemeine Leseart Veranlassung zu vermuthen, es möchte gestanden haben Fav@umuov pmönevos dvIgumov, wofür sich denn leicht eine an- dere Anordnung des dienstfertigen und geschmeidigen Sylbenmaalses finden läfst. Wäre es doch noch so ger fällig, sich mit dem Accusativ ohne A&ıöuevos zu be- helfen! ich wenigstens gefalle mir besser ohne dieses sonst schöne Wort. Oder sollte es nicht leichter und zugleich Iyrischer sein, den Accusativ mavdummov Av- Iewmov ‚als Apposition zu jenem andern 79 un ‘yew- Has duvarov zu nehmen, so dafs es keines andern Particips bedarf, als des dulyuevos? Eben so möchte ich das von Herrn Heyne eingeschobene F' ‚hinter RTOAATOV, wenn nicht eine metrische Nothwendigkeit f gebietender nn | EB B I — 3701 — gebietender ist, lieber zurükgeben : denn das xevedv scheint nicht zu 2Am/d& sondern zu Hoigay zu gehö- ren. — In den lezten Worten dieser Stelle läfst Herr- - Heyne, ich weils nicht, ob auch metrisch genöthigt, oder nur durch das wiederholte Pnriv bewogen, das ömeı$ aus. Allein’ich zweifle, ob Platon dies Wort, wenn es eine Allegationsformel wäre, apostrophirt, und noch mehr, ob ser «es bei wiederholter Anführung (dieser Stelle gerade so wiedergebracht haben würde. Auch trennt Herr Heyne diese lezten Worte von den vorigen, welches freilich, wenn man es zugeben könnte, den bedeutenden :Vortheil hätte, dals man diese Worte dann nicht zu verstehn. brauchte. ‘ Grou übersezt sie wunderlich genng:.ich will ihn nicht suchen, um ihn euch etwa zu zeigen, wenn:ich ihn fände. Ich denke mir:,suchen will:ich ihn nicht, denn ich halte ihn für unmöglich; finde ich ‚ihn aber ungesucht, so will ich es verkünden. $o dafs dies nur verstärkter Ausdruk des eigenen Unglaubens ist. nie S. 292. Z. g. Alle daher werde ich. Herr Heyne trennt die Worte &xdy dsıg Egön undtv alx,gov abermals durch einen Strich von den vorigen. Oder sind diese Striche bedeutungslos? Denn die Trennung scheint fast unmöglich, weil des Sokrates Freilich er« künstelte Erklärung dann ganz widersinnig wäre, und die mit dem Gedicht genau bekannten Zuhörer ihm wegen der geforderten Interpunktion ins Angesicht würden gelacht haben. Oder hat Herr. Heyne die Worte . P. 346. e. vrauga del &v Ta Exwv diaraßeiv, und was sonst alles hieher gehört, übersehen? Auch die aber- malige Trennung der folgenden Worte ayayan dE etc. kann ich nicht annehmen, sondern sie scheinen un- mittelbar zu dem vorigen zu gehören, so dals eben das dyaryun den Gegensaz bildet zu jenem. &x@v, es imag dieses nun auf &gön zu beziehen sein, oder auf Emalınu. FERRAIT Bag ER Er Plat. W.LTh.LBd, - [26] x \ $. 292. Z. ı0.v.u. Freund und Lobredner zu werden. Die Worte. QıAdlv xal Emaweiv habe ich ausgelassen; schon Grou hat hat sie mit Recht als Glosse bezeichnet, wahrscheinlich aus der Anwendung unten herauf genommen. ü $. 295.. 2. 2. unvermeidiicken Mifshellig- keiten. Eine sehr sichere Verbesserung des Textes ist die von Heindorf, der ich hier folge: Onarynauleug statt Avaryaaus. Ebend. Z. zı1. einen Traskugst oder einen Andern. Gewifs dachte Platon hiebei an die Verhält- nisse des Simonides mit dem Skopas und Hieron. Wie der Dichter den Thessalischen Fürsten angehangen da- von sehe man T'heocr. XVI. 36. seq., und von dem Ue- bermuthe des Skopas gegen ihn erzählt, Cicero de Orat. IT. 86. die wegen der ee bekannte Ge- schichte. Ebend. Z. 16. Denn mir ‚genügt Dals diese Stelle zu dem Gedichte des Simonides gehört, hat schon Cornar ausdrüklich gesägt, und auch Grou übersezt sie so. Doch die Sache spricht selbst für sich, und auch Herr Heyne kann das EMaNMVCE und einen Saz wie sldws ye oynaeı moAW Önav Uryins dvng, und die Ad Iuv Ameıga "yeve9Az, die überdies commentirt !wer- den, nicht für Worte des erläuternden Sokrates halten, und sie fehlen gewifs nur durch ein Versehen in seiner Abhandlung. In den Worten eldws 'ye etc, habe ich Imav zu eldws gezogen. Ficin und Cornar, nicht ge- nug bedenkend dafs sie ein lyrisches Fragment vor sich haben, wollen es zu woAıw ziehn, und darum möchte jener gern dixiav gelesen haben, und dieser fordert ai. %0V.-— Grou scheint schon die Worte E’ya oV-- QiAcxbo, "yog, Uebers. Ich,'b Pittakos- -tadelsüchtig wäre, dem Ge- dicht beizulegen. Gewils mit Unrecht, schon wegen des oIhrraxe. So sind auch dieWorte &s’ einıg- - . Heu. Döus- vos, Uebers. dafs wer tadeln - - jene tadelt, ohne Zweifel eingeschobener Zusaz des SR um ‚das abgebtoghene a Se eh Mh —nigme Te TmITtTTeeRnKgt . F \ wo) yo Nov dmreiga "yevEdAn zu erklären. '— Die Wiederholung der folgenden, schon einmal da‘ge- wesenen Stelle lälst vermuthen, dafs sie der Ordnung, nach erst hieher gehört und oben nur anticipirt worden, gleichsam als wäre es ursprünglich nicht des Sokrates Ab- sicht gewesen so ausführlich über das Gedicht zu reden. Vorläufig möchte daher, was von dem’ Simonideischen Gedicht hier beigebracht ist, so zu stehen kommen: "Avdgn dyadev miv dAmgEus yerkden yahsmov, xegoi re nal moo! nal von Tergnymvov üveu \boryou . TETUyREVOV. ... oVdE nor Eumektus ro Tlırraxsiov ve yeras, walrdı voDoV mac Duros elgnwevov’ are mov Daro EOAIV Eumevan.... [EAN] Yeds &v wovos sobre Exaı [70] yegus. "Avdga dE cur Esı un ol ne. xov Eupevaı, öv Ev dunxavos vun Poga nudErn.... medi£as uv yad eu na; avng aryados" nands de ve. zus (— —?) Emmieiscy [88] ro} daisct[elrw) eüs &y ol Yeol DiNdaw. .. "Euory ekagrer ös dv um words h und d'yav dmdNapvas, eldns ye dviaei ao. Av av dyıns dung. Ou av (mv?) ey nunifeo- pas, ou yag eins Qicummos" av 'yao. MArdluy Emeiıga "YevedNm. .. mavra Tor naNd Tolal 7’ aioo pn ueuımron.... Tolvexev olmor Eye To un "eve. Sa duvarev Örlnmevog nevedv eis Ampanrov EAmIda cigav aluivos Barden, mavaumpdv dvSewmov eugve- Sei sro Kagmov alvunega XIV‘ Erf vu sigov dmayıyeNlu. mayrag DE Emonfunus vol Dido Era ösıg &eön umdlv alx.gev " avdryun O8 oüßt Jeal AXvTA. & In der Uebersezung: Ein treflicher Mann zu werden schon wahrhaftig ist schwer; ein gediegener von Hand und Fuls und Sinn und tadellos gebildeter. — Auch ist mir nicht. abge- messen genug das Pittakeische Wort .obwohl von ' einem weisen Manne gesprochen ; schwer: ist es, sagt er,-tugendlich sein. Gott allein mag die Ehre . - besizen. Dem Menschen aber ist nicht möglich nicht schlecht, zu sein, wenn ihn ein'rathloses Un °- glük daniederwirft. . . Denn jeglicher Mann, wer - ‘gut 'handelt, ist gut; schlecht aber, wer schlecht . ; ° Am weitesten aber gedeihn und die treflichsten sind, welche die Götter lieben. . . . Mir genügt, wer nicht schlecht ist, noch gänzlich thatenlos. Wissend, was sich gebührt, wird allezeit nuzen dem Staat ein “gesunder Mann. Nicht will ich ihn tadeln; denn nicht bin ich ein. Gerntadler, unzählig sind ja die Ge» schlechte der. Thoren. . . . Alles seischön, dem nichts schlechtes ist beigemischt. . . . Darum will ich auch nie, was nicht sein kann suchend, vergeb- lich unerfüllter Hofnung mein Theil der Zeiten hin- werfen, einen tadellosen Mann unter allen, die wir der weiten Erde Früchte brechen. _ Find’ ich ihn, dann verkünd’ ich es euch. Alle daher werde ich , die nichts Schlechtes vollbringen aus freier Wahl loben und lieben; der Nothwendigkeit jedoch Atchuhen sich auch Götter nicht.. S..295. Z. ı. v..u.. Mundart der Miriden Dies bezieht sich nur auf die äolische Form &walınaı, die Stephanus aus Eravolus wiederhergestellt hat, ohne wie es scheint dieses gesehen zu haben. $.295. Z. 18. indem sie von einer Suchen den. Offenbar ist der Text an dieser Stelle fehlerhaft, Ficin folgt der natürlichen Erwartung, dafs bei ®® der Gegensaz zu Ende sei, muls aber nun zum folgen« den erst die Verbindung suppliren. “ Cornar folgt der Struktur, und zieht ®& zu ÖiaAeryonevoi, welches aber einen ganz schiefen Sinn giebt.:: „Nichts leichter als Heindorfs Verbesserung Erega weg! mearynaras diaNe- yonsvor, 6 dduvarolaw EEeAeryEau. S..296. Z.. 17. dals Homeros gar recht hat, Dias X., 224. 225. $. 299. Z. 12. Nicht richtig, sagte er. ‚Wie wenig, das ‚vom Protagoras. vorgetragene Beispiel, dem TEE | B ß 3 Verfahren des Sokrates ähnlich ist, und wie wenig sich dieser eines unerläubten Kunstgriffes bedient hatte, kann Jeder leicht sehen. Die Ursache aber, warum Platon ‘den Sokrates hier unterbrechen läfst, scheint vielmehr diese zu sein. Auf dem angetretenen Wege würdeer nur . dazu gekommen sein, die Tapferkeit als eine Verbindung der richtigen Einsicht mit etwas Anderem, dem nämlich ' was. der Dreistigkeit zum Grunde liegt, darzustellen, welches hier seiner Absicht entgegen gewesen wäre, es zu Ende zu führen, darauf hinzeigen aber wollte er doch. In der folgenden Untersuchung erscheint die Tapferkeit lediglich als Einsicht, und zwar ausdrüklich so, dafs sie _ auch da wirksam ist, wo der Tapfere nicht Dreistigkeit beweiset, und dafs es ein tapferesFliehen giebt eben so wohl als eine feige Dreistigkeit. S. 500. 2.3. v. u. und auf der andern Seite‘ wiederum. Die Worte x#) aüdıs ad ro avage Woa. rwg können von denen oU xadocov dvunga rad abge- 'sondert keine Frage bilden, und wie man deutlich aus dem folgenden sieht, auch Protagoras nicht abgesondert - darauf geantwortet haben. „ch lese daher dieses Ganze als eine Frage x@) öde, ad re aviaga doavrug eürws ou na,Jorov avi Rand; ; = x S. 301. Z. 9. Anderes, was so ist. In ‚dieser "Stelle haben Ficin, Cornar und Greu keinen Sinn ge- fanden, welches auch nicht möglich ist, wenn ınan nicht hinter die Worte &sı ö & &sı ein Komma 'sezt, so dafs diese Worte den zweiten Fall bilden, wo nämlich an- genehm und gut, unangenehm und böse zusammen- treffen, wodurch nun auch erst der dritte Fall za} rei. rov recht deutlich wird, wo nämlich das Angenehme und Unangenehme sich gegen Gut und Böse neutral verhält, und diese Begriffe auf jene keine Anwendung. finden. S. 301. Zi 10. v. u. Menschen in Absicht; Hier sind durch. ein Versehen die Worte ausgelassen " ui 206 un (nach Menschen) „aus der Gestalt.” Eben so werden im Charmides (S. 154. nach Steph.) Gestalt und Ge- ‚sicht einander. entgegengesezt. S. 304. Z. 11. Oder sollten sie etc. Durch Stephanus ist hier von dem Worte magaszeusly an eine Leseart derzweiten Baseler Ausgabe, der auch hier Ficin nicht folgt, in den Text gekommen, welche frei- lich, wenn man sich bei einem scheinbaren Sinne: be- gnügt, nichts zu wünschen übrig läfst, bei der es aber doch an allem Zusammenhange gänzlich fehlt.‘ Denn was hat die mon ToVma@xoV hier zu schaffen? Die früheren Ausgaben lesen xaigewv Ö2 movov moi, öuus dv xanı n, Orı magoyra xaigem moi) nal ömn ovv. Sie ist freilich offenbar verdorben, und das naddıra nicht zu ertragen: aber sie hat doch mehr Spuren an ‚sich von dem Zusammenhange‘ des Ganzen. Cornar ‚hat sich vergeblich mit Verbesserung derselben bemüht, indem er. dies beschwerliche pa$oyr& in Hovov ver- wandelt, und übersezt aut etiamsi nihil horum in po= sterum inducant, sed solum, ut gaudeamus, faciant, 1a=- men mala fuerint eo quod solum, ut gaudeamus, faciunt etiam, quomodocunque. Hiedurch ist gar nichts ange- ‘ deutet, was eigentlich diesen ndovais und diesen be- sonders vorgeworfen würde. Wenn man beide Texte vergleicht, so sieht man wohl, wie aus dem älteren die Abkürzung am Anfang, und der Zusaz am Ende in dem Baseler hat entstehen können. Gründlich möchte der Stelle ohne Handschriften nicht zu helfen sein. Da indessen der Uebersezer in solchen Fällen einer einst- weiligen Hülfe schlechterdings bedarf ger Dal ich.beide Texte so zusammengeschmolzen : N ndv ein TouTwy eisre Üsegov pendtv maguonsuclar, xalge ey növov mol, & wg dv Kar ein, ey) KUDBTOVTE xadgew TOlEr 747.777 an ‚- oöy. Der lezte Zusaz bezieht sich auf das maguxgiua und der Nachdruk des ganzen liegt anf dem dpae- rovr@, welches nothwendig mulste gerettet werden. Nämlich Sokrates will noch einmal versuchen, ob Pro tagoras —. 407 — tagoräs ein anderes Gutes kennt als das angenehme, und ob er also den Gedanken ergreifen werde, die Ur- sach der Milfsbilligung nicht in einem künftigen Unan- genehmen, sondern in einem anderen verfehlten zu su- chen. Diese Andeutung hat hier ‚gerade soviel Licht, als dergleichen im Platon zu haben pflegen. Nachdem nun Protagoras diesen nicht ergriffen, fährt Sokrates mit solcher«Sicherheit fort: ich glaube, sie werden’ es nicht können u. dergl. S. 304. 2. 12. v. u. Das würden sie zuge- ben. Hier habe ich das Palev &v des Cornar ange- nommen, wiewol man auch hier wieder nicht sieht, ob er aus Conjectur oder aus andern Hülfsmitteln yer- bessert. Doch auch im ersten Falle ist es aufzuneh- men, indem die Art, wie dieses indirekte Gespräch ge- führt wird, es lordert. S. 507. Z. 7. v. u. das andere weniger ist. Eine kleine Veränderung ist hier nothwendig. Nicht miele, To dt ENdrru; N oux etc. Sondern 220) va de &Adrru N; oux etc. S. 508. Z. 7. Und welche andere Schäzung. nal vis AnAn avagie ndeyn ist gewils falsch, und noth=- - wendig mit Heindorf zu lesen ndob, dann ist aber auch avakio falsch, welches als Substantivum ‚nicht vorkommt. Wer wird also nicht gern, mit demselben amafla lesen? Es müfste denn Jemand dieses Wort erst für eine stoische Zusammensezung halten, und aus dieser Ursach, auch wegen der Art, wie das fol= gende ausgedrükt ist, das unbestimmte -Wort &&la - vorziehn. S. 308: Z. 16. v. u. Und sage dann. Es ist umsonst, eine richtige Struktur in diesen Saz zu brin- gen, wenn man nicht statt eime, welches ganz verkehrt auf-den &ya9os Iscva als einen andern bezogen wer- den mülste, eim: lesen will. . S. Zı1. Z. 2. v. u, sind die nicht auch alle schön? Das xa@! wPeAimoı des Textes ist wohl un- “Plat, W. LTh. I. Bd. {27] 408 ni richtig, : und aus dem folgenden heraufgenommen. Denn da unmittelbar darauf das @P&£Aınov als Bestand- theil.des xa&Aov gesezt wird, -so wäre dieses eine dia- lektische Verwirrung, wie sie Sokrates im Platon nicht zu machen pflegt. Auch würde man Unrecht thun, hier eine Erschleichung zu vermuthen, indem theils, .. wer das Angenehme für das einzige Gute hält, auch unmöglich ein anderes Schönes glauben kann, als was sich darauf bezieht, theils auch der Sprachgebrauch von #aAcv und &ya9ev in sittlicher Bedeutung nichts weniger als bestimmt war, womit vielmehr die sokra- tische Schule den ersten Anfang mächte. Nur in der gemeinen Rede wurde das x2N0y genannt, was mehr aus dem Standpunkt der Andern als des Thäters selbst nüzlich schien, und davon geht Sokrates hier aus. S. 5ı2. Z.5. und auch ihm mögliches. Un- sere Ausgaben lesen & Emoleı za} Öuvaraı, ohne ‚Ver- stand; denn. wissen oder gläuben, es gäbe etwas bes- seres, als man kann, wird kein Bewegungsgrund wer- den, etwas anderes zu thun. Auch widerspricht dem offenbar das E&2v r& BeAriw. Man lese duvard. u. Fov oder Euurov statt XUrod hat schon Cornar cor- zigirt. , " S. 514. 2.15. die Feigen und die Tapferen. ci deirol Te mul dvavdgoı lesen die Ausgaben fehler- haft, Cornar bessert. deıAof ve nal divögeio, Dem ı Sinne nach richtig; ist es aber nicht glaublich, Platon habe geschrieben 0} dvögelol re ul dvavdgoı und deıAs} sei auf diese Art vom Rande in den Text gekommen? b) — Eu a: , ZUM LACHES, Seite 506. Z. 2. nirgends deutlich erwähnt. Die Stellen Eudem. LI. cap. ı. und Nicom. LI. cap. 7. beziehen sich höchst wahrscheinlich nur auf den Prota- goras. Dagegen Nicom. III. cap. 9 und ı1., auch Magn. Moral. I. cap. 24. könnte man vielleicht einiger beson deren Beziehungen wegen auf den Laches deuten. S. 329. Z. 2. den grolsväterlichen Namen. Dafs das unstatthafte m&rW övre des Textes in mar-- macv re muls verwandelt werden, ist wohl unstreitig, wegen des Exeiv aber könnte man schwanken zwischen Exec und ExXwv. 5,551. 2.8. zu deiner Zunft gehört. Aristei- des sowohl.als auch Thukydides der Sohn des Melesias ‘. waren aus der Alopekischen Zunft. Von dem lezteren s. Plutarch. Pericl. 158..B. In der Uebertragung von Anuos durch Zunft habe ich Vols in seiner übersezten Vertheidigung des Sokrates zum ‚Vorgänger, bei welchem jedoch, was nicht zu loben, das deutsche Wort bald dem Annos, bald der QuAn entspricht. $. 337: Z. ı2. wie er war. DaLaches das Kunst- stük ganz verwirft: so kann &mıPevns hier nichts an- “ ders heilsen als bekannt, offenbar, nämlich als ein ge- wesener BE eigherziger. Offenbar muls dem zufolge das 7 vor olog gelöscht werden. Nach Ficins Uebersezung, abgesehen von dem eben gesagten , wäre wiederum das olog schwer zu vertheidigen. Eine böse Abweichung ist überdies in der Struktur, welche aber, da sie auf die Uebersezung keinen Einflufs hat, Andere’ heilen mögen. 2 5 - — go — 8.337. Z. 8. v! u. noch eines Schiedsrich- ters. Statt des unzuläfsigen dr} lese ich ur Hein- - dorf Erı. S. 358. Z. 1. welchesvon beiden. Das örore dv in unserm Text ist wohl nicht zu dulden. Ich glaube ‚aus dem vorigen ‚ganz richtig omareg' dv herstellen zu müssen. S..339. Z. 4. v.u. was er um eines andern willen suchte. Unbedenklich bin ich hier der Ver= besserung des Cornar gefolgt, welcher in dem lezten ‚Komma liest 5 &vex dAov' Elnrei. . 8. 342. Z. ı8. nicht am Karier. Bekanntes Srächieare von der schlechten Achtung bergenom- men, in der die Karischen Söldner standen, die man im Kriege am meiste; aussezte und leichtsinnig dran wagte. Beidem unmittelbar folgenden ist für die Un- kunıligen zu bemerken, dafs die Weingefälse der Alten von Thon waren, und nicht das leichteste Werk des 8 meinen T’öpfers. S. 343. Z. 22. nahe genug kommt. Das in unserm Texte sich findende wameQ ‘yeveı ist so frostig und ohne allen Sinn, dals ich es dem Platon nicht zu- trauen kann. Wahrscheinlich ist es eine ziemlich un- verständige Glosse von einem, der die fremde Redensart ayyurdsa Ao’yw durch eine bekanntere erläutern wollte, daher ich die Worte in der Uebersezung unbedenklich ausgelassen. S. 344. Z. 6. nach dem Solon. Aus dem Plu- tarchos Solon 96. e. Brunck Anal. I. 65. V. 1% Nadonw Öle nord duo wevog. Ich. von Tage zu Tag’ altere weiter belehrt. S. ‚346. Z. ı0. v.u. von irgend etwas wissen. Statt ei yag Eruyxavowey muls man e} ‘yagruyxavopev lesen, wie sowohl das rtv beweist, als auch das fol- gende Fuyyavouev. a AP z. 1, vv mw Das Sehen den Augen einwohnend. ‘Dies Beispiel wird gewils Jedem ziem- — (41 — lich schlecht erscheinen, und das Verhältnifs des Sehens zu den Augen ganz anders wie das der Tugend zu der We Genau betrachtet wird es sich aber anders zeigen. S. 347. Z. 13. Richtig ist etc. Diese Worte habe ich dreist dem Laches wiedergegeben, da die Aus- gaben gewils unrichtig den Namen Lysimachos davor sezen. S. 349. Z. 9. Dort zu sprengen etc, Llias VIII. 107. Die Vossische Uebersezung „Schrekken- gebieter” widerstrebt der Auslegung des Platon, die wohl mit der Meinung des Homeros schwerlich überein- stimmt. Wegen der streitigen Lesart in dem Dichter mögen sich die Leser an seine Kunstrichter wenden. Ebend. Z. 9. v.u. Dasist nun eben. Ueber das ausgelassene «/rıov möge sich niemand wundern. Uebersezbar war es nicht füglich; aber auch ob es ge- » sund pe möchte ich bezweifeln. S. 350. Z. 11. v.u. und überhaupt etc. Der Punkt vor x) oxedov ist gewils falsch, und die Frage, ımufs weiter gehn; daher auch auch kein anderer Rath ist als das fragende 7/ zu lesen. S. 352. Z. 5. ob eine in etwas gewissem. Hier ist offenbar das fragende r/ falsch, wie aus dem Gegensaz hinlänglich erhellt. Man schreibe also 5 eig r} Desvuos, Aneis mare. S. 356. Z. 3. was doch für eine Erkennt- nifs etc. Nur etwäs früher als Platon habe ich unserm Sprachgebrauch zu Liebe die Verwandlung co®i«& in . emisaun vorgenommen. S. 361. 2.8. und Lamachos wohl auch. La- machos ward unter andern mit Nikias und Alkibiades zugleich zum Heerführer im Syrakusischen Kriege ge- wählt, bei welcher Gelegenheit Plutarchos von ihm sagt, er sei ohnerachtet des weit höheren Alters nicht minder ° hizig und gefahrliebend gewesen als Alkibiades, nur habe es ihm verzüglich seiner Dürftigkeit wegen an dem ge- hörigen Ansehn gefehlt. 'S. 561. Z. 13. ein ganzer Aixoneer. Diese Zunft stand in dem Rufe spiziger und spöttischer Reden. S. 567. 2.5. v.u. Wir haben also nicht ge- - Funden. Diese dem Laches zugeschriebenen Worte -habeich, hoffentlich ohne von Jemand kai nu zu ‚erfahren, dem Sokrates wiedergegeben. S. 566. Z. 18. nicht äuf dich selbst schand. Ich lese mit Heindorf ‚PArwv für AAtmew. S. 376. Z. 7: wenn er nur wollte. DieserNi- ‚keratos wärd ich weils nicht weshälb von den Dreilsigen ‚urgebracht, unschuldig wie es scheint, da ihn Plutar- chos mit dem Theramenes und Polemarchos zugleich nennt. Dennoch könnte man glauben, Platon: wolle versichern, er sei nicht als ein Zögling; des Sokrates an- zusehen: S. 367. Z. 7. v. u. denn keine Rede etc. Will man nicht zugeben, dafs &xDogos i in der Bedeutung von &Dopos stehen könne, so mufs man rag EPogos lesen; die Stelle bleibt sonst sinnlos. S. 368. 2.6. nichtgut sei Schaam etc. Odyss. XVIL 347. ’ | BIBLIOTHECA 2. ds NSIS N , ‚Seite 97. 2. En 98. 7 mes —— 107. — —_— 110. — _—— 125, — -—— 150. — — 145. — —— 146. — — 147. — PAR. 149. — vn 161. — — 179. — _— 182. — _— 185. — — 507. — B _— 186. — Drukfehlenrn 26. st. mir l. nur. 30. lese. man sor wenn du mir nicht die ö Rede hältst hier Angesichts ihrer selbst, ich. (Das Komma an der fal- schen Stelle gesezt und an der rechten aus- gelassen verderbt den ganzen Sinn.) 26. Nach ‚„,halberwachsenen Jüngling” seze man: Zartund gar schön., 1, st. gleich wie. Gleichwie. 10. st. tadelten. |, tadelten? 10. st. darin l. daran. 9. st. ihn 1. ihm, 7. st. Wie also die Liebe, l. Wie also, die Liebe? 4. st. gebe 1. gäbe. 18. st. des Verstiandes 1. das des Vals standes. ; —_—— —— — 19. st. annehmen |. annalımen, 5. st. Likymnios I, Lykimnios. 19. st. daran. davon. 5. st. Nebenzweksl. Nebenwerkes. 4. st. siehest 1. sehest. ı2. st. Nicht auch das 1, Nicht auch dafı. 6. st. Hermeien 1. Hermien. - ı9. Man lösche die Klammer. —— 191. — 5. st. wiewohll. wie wohl. 9. v. unt. st. anderem l. anderen win UI = 7 Rah A. Sched] Bayer MDZ DigraiteringsZentrun taatsBibliothel Digitale Bibliothek Plato, Platons Werke Bd. Th.1,Bd.1 Berlin 1804 Agrb. 2514-11 um:nbn.de:bvb:12-bsb10237328-7.