233 Erſter Theil. Griechiſche Philoſophie. gegangen zu ſeyn, als Parmenides:“ „Das Nictſeyn iſt gar nicht ; und Du halte den Gedanken entfernt von dieſem Wege.“ *) Dieſe Dialektik nun kämpft hauptſächlich gegen zweierlei: Erſtens gegen die allgemeine Dialektik , Dialektik im gewöhn- lichen Sinne. . Von dieſer haben wir auch ſchon geſprochen ; Beiſpiele finden fich beſonders bei den Sophiſten, auf deren (falſche) Dialektik Plato oft zurükkommt. (Dieſer Unterſchied iſt nicht klar genug behandelt.) Die Sophiſten (Protagoras) und Andere ſagten ſo: Es iſt nichts an und für fich; bitter iſt nichts Objektives, was Einigen bitter, iſt für Andere ſüß; eben- ſo iſt groß, klein u. ſ. f. relativ, das Große iſt unter anderen Umſtänden klein, das Kleine groß; ebenſo Mehr oder Weniger. So iſt keine Beſtimmung feſt. Plato erklärt fich hiergegen. Plato unterſcheidet hier dieſe reine dialektiſche Erkenntniß (Ein- ſicht, dem Begriffe, dem Weſen nach) von der gemeinen Vor- ſtellungsart des Entgegengeſebten auf beſtimmte Weiſe. Die Einheit des Entgegengeſeßten ſchwebt nämlich jedem Bewußtſeyn überhaupt vor; aber das Bewußtſeyn, dem das Vernünftige nicht zum Bewußtſeyn kommt, hält dabei das Entgegengeſetßte immer augeinander. Daß Alles Eins iſt, ſagen wir von jedem Dinge: „Es iſt dieß Eine, und ebenſo zeigen wir auch die Vielheit an ihm auf, viele Theile und Eigenſchaften -- aber es- wird da- bei geſagt: „„Es ſey in ganz anderer Rükſicht Eins, als es Vieles. iſt“ =; bringen dieſe Gedanken nicht zuſammen. So geht das Vorſtellen und Reden von Cinem herüber und hinüber zum Anderen. Dieß Herüber- und Hinübergehen, mit Bewußtſeyn angeſtellt, ſo iſt es die leere Dialektik", die die Gegenſätze nicht vereinigt, und nicht zur Cinheit kommt. Plato ſagt hierüber: „Wenn Jemand ſeine Freude daran hat, als ob er etwas Shweres gefunden hätte, daß er die Ge- danken ( zovs Z6yovs, die Gründe) von einer Beſtimmung zur F) Sophista, p- 258 (p. 249).