Erſter Abſchnitt. Philoſophie des Plato. 295 ſchränkte, Endliche iſt das, was nur iſt im Verhältniß zu einem Anderen, nur relativ iſt; dieß iſt nichts Wahres im objektiven Sinn, wenn wir auch ganz wahre Vorſtellungen davon haben. Es iſt an ihm ſelbſt niht wahr; es iſt ſowohl es ſelbſt, als das Andere, das auch als Seyendes gilt; es iſt ſo der Widerſpruch und der unaufgelöſte Widerſpruch ; es iſt, und das Andere hat Macht in ihm. Gegen dieſe Form des Endlichen ift die Dia- lektik des Plato beſonders gerichtet. Es iſt ſchon früher erin- nert, daß die platoniſche Dialektik den Zwe> hat, die endlichen Vorſtellungen der Menſchen zu verwirren und aufzulöſen, um . das Bedürfniß der Wiſſenſchaft, dieſe Richtung auf das, was iſt, in ihrem Bewußtſeyn, hervorzubringen. Viele -Dialogen des Plato haben dieſen Zwe>, und fie enden ohne einen affirmati- ven Inhalt. Ein Jnhalt, den er ſehr oft behandelt, iſt, daß er von der-Tugend, Wiſſenſchaft aufzeigt, daß nur Eine Tugend, nur Eins das Wahre iſt; ex macht dann ſo das allgemeine Gute hervorgehen aus den beſonderen Tugenden. Die Dialektik hat inſofern das Intereſſe, hat die Wirkung, das Beſondere zu konfundiren; und dieß geſchicht dadur<, daß aufgezeigt wird ſeine Endlichkeit, die Negation, die in ihm vorhanden iſt, daß es nicht in der That iſt, was es iſt, ſondern in ſein Gegentheil Übergeht, daß es eine Grenze hat, eine Negation ſeiner, die ihm weſentlich iſt. Wird dieſe aufgezeigt, fefigehalten: ſo vergeht es, iſt ein Anderes, als das, für welches es angenommen wird." Dieſe Dialektik iſt die Bewegung des Gedankens; ſie iſt we- ſentlich auf äußerliche Weiſe, für das reflektirende Bewußtſeyn nöthig, um das Allgemeine, was unſterblich iſt, an und für fich iſt, unveränderlich iſt, hervorgehen zu laſſen. Die Dialektik, um das Beſondere aufzulöſen, und ſo das Allgemeine zu produciren, iſt noch nicht die wahrhafte Dialektik, noc< nicht in ihrer wahr- - haften Richtung; es iſt eine Dialektik, die Plato gemeinſchaft- lich hat mit den Sophiſten, die es ſchr gut verſtanden, haben, das Beſondere aufzulöſen. Geſch, d. Phil. * : 15