216 Erſter Theil. Griechiſche Philoſophie. durch Angewöhnung in ihn komme, die Seele, der Geiſt nur die ganz unbeſtimmte Möglichkeit ſey. Das Extrem iſt dann die Offenbarung, wo Alles von außen gegeben iſt. In der pro- teſtantiſchen Religion iſt dieſe rohe Vorſtellung in ihrer Abſtrak- tion nicht vorhanden ;. da gehört zum Glauben weſentlich das Zeugniß des Geiſtes, d. h. daß der einzelne ſubjektive Geiſt an und für ſich, in ſich dieſe Beſtimmung enthalte, ſee, mache, die in Form eines Aeußerlihen, nur Gegebenen an ihn kommt. Plato ſpricht alſo gegen fene Vorſtellung. Er ſagt (dieß be- zicht fich auf den obigen Mythus, der bloß vorſtellt): „Die Ver- ' nunft lehrt, daß in jedem inwohne das immanente Vermögen ſeiner Seele, er habe in ſich das Organ, mit dem er lernt. Nämlich wie wenn das Auge nicht anders fähig wäre, als mit dem ganzen Körper ſich von der Finſterniß an das Helle zu wenden: ſo müſſe man auch mit der ganzen Scele von dem ab, was geſchieht, herumgewendet werden,“ abgewendet von dem, was ein Zufälliges iſt, eine zufällige Vorſtellung und Empfin- dung; „ſie müſſe hingewendet werden zu dem, was iſt, zu dem Seyenden, bis fie fähig iſt, dieß auszuhalten, und die Klarheit, die Helligkeit des Seyenden zu ſchauen. Dieß Seyende aber, ſagen wir, iſt das Gute. Deſſen Kunſt wäre die Kunſt des Unter- richts. Das Lehren iſt ſo nur die Kunſt dieſer Heraus(Herum)- führung der Seele = und zwar auf welche Weiſe am Leich- teſten und Wirkſamſten Einer herumgekehrt würde --, nicht um ihm das Sehen einzuſeßen (8u7r0e7/08 , hineinzumachen ): ſon- dern = indem er es ſchon hat, aber nicht gehörig in fich ge- wendet worden iſt, und nicht die Gegenſtände ſicht, die er ſchen ſoll --- nun dieſes zu bewirken. Die anderen Tugenden der Seele fichen dem Körper näher; ſie ſind nicht vorher in der Seele, ſondern kommen durch Uebung und Gewohnheit hinein,“ können dadurch geſtärkt oder geſchwächt werden. „Das Denken (70 p2or70ar) hingegen als ein Göttliches verliert ſeine Kraft