206 Erſter Theil. Griechiſche Philoſophie. was göttlich iſt, verſtehen. Aehnliches erzähle auch Pindar und andere göttliche Männer. Nach dieſen Sagen ſey die, Seele des Menſchen unſterblich , und höre jet auf zu ſeyn, was man ſterben nenne, und komme wieder ins Daſeyn (4 ytyve- oa), gehe aber keineswegs unter. Wenn nun die Seele un- ſterblich iſt und oft wieder hervortritt“ (Seelenwanderung) „und das, was ſowohl hier als im Hades“ =“ im Unbewußten =- „iſt, und Alles geſchen hat: ſo findet kein Lernen mehr Statt, und ſie erinnert ſich nur deſſen, was ſie ſchon weiß, =“- was nur die Seele ehemals angeſchaut habe.“ *) Das iſt Anſpielung auf Yegyptiſches. Die Menſchen greifen nach der finnlihen Be- ftimmtheit: Plato habe ſtatuirt, angenommen. Ucber ſo etwas hat Plato gar nicht ſtatuirt. Es gehört gar nicht zur Philoſo- phie, auch ausdrüklich nicht zu der ſeinigen; nachher noh mehr ſo von Gott. ß8. Im Phädrus iſt dann dieſer Mythus weiter und glän- zender ausgeführt; er bringt eben dieſen gewöhnlichen Sinn der Erinnerung herbei, daß der Geiſt des Menſchen das in vergan- gener Zeit geſchen habe, was fich ſeinem Bewußtſeyn vom Wahrhaften, Anundfürſichſeyenden entwi>elt. Es iſt ein Haupt- bemühen des Plato, zu zeigen, daß der Geiſt, die Seele, das Denken an und für fich iſt; und daß dann ſo dieſe Beſtimmung die Form erhält, in der Behauptung liegt, daß die Wiſſenſchaft nicht gelernt werde, nur ſey ein Crinnern deſſen, das in dem Geiſte, in der Seele als ſolcher vorhanden ſey. Daß die Secle das Denkende " und das Denken frei für fich ſey, hat bei den Alten, beſonders aber bei der platoniſchen Vorſtellung, einen un- mittelbaren Zuſammenhang mit dem, was wir die Unſterb- lichkeit der Seele nennen. Im Phädrus ſpricht er davon, „um zu zeigen, daß der Eros eine göttliche Raſerei, und uns zur größten Glüdſeligkeit gegeben ſey.“ Es iſt dieß ein En- X) Meno p. 81 (p. 348 -- 349).