Erſter Abſchnitt. Philoſophie der Plato, 9205 Meinung antworten , ohne ihn etwas zu lehren, oder etwas als Wahres zu verſichern (beizubringen); und bringt ihn dadurch endlich zum Ausſprechen eines geometriſchen -Sates vom Ver- hältniſſe des Diameters eines Quadrats zu der Seite deſſelben. Der -Sklave ruft die Wiſſenſchaft nur aus fich ſelbſt hervor, ſo daß es ſcheint, er erinnere fich nur an etwas, das er ſchon ge- wußt, aber vergeſſen hatte. Wenn nun Plato ſich hier dicß Hervortreten der Wiſſenſchaft aus dem Bewußtſeyn eine Erinne- rung nennt, ſo kommt die Beſtimmung dadurch hinein, daß dieß Wiſſen ſchon einmal wirklich in dieſem Bewußtſeyn geweſen iſt: d. h. daß das einzelne Bewußtſeyn nicht nur an ſich, ſeinem Weſen nach, den Inhalt des Wiſſens hat, ſondern auch als die- ſes einzelne Bewußtſeyn, nicht als allgemeines, ihn ſchon beſeſſen habe. *) Aber dieß Moment der Einzelnheit gehört nur der Vor- ſtellung an, dieſer Menſch iſt das finnlihe Allgemeine; denn Erinnerung bezieht fich auf Dieſen als ſinnlichen Dieſen, nicht als allgemeinen. Erinnerung gehört der Vorſtellung an, iſt nicht Gedanke. Das Weſen des Hervortretens der Wiſſenſchaft iſt deswegen hier vermiſcht mit Einzelnem, mit der Vorſtellung. Es tritt hier das Erkennen in der Form der Seele ein, als des an ſich ſeyenden Weſens, des Eins, da die Seele nur Moment des Geiſtes iſt. Und Plato geht hier in das Mythiſche über (mythiſch bildet er dieß weiter aus), in eine Vorſtellung, deren Inhalt nicht mehr die reine Bedeutung des Allgemeinen, ſon- dern des Einzelnen hat, Er ftellt alſo jenes Anſichſeyn des Geiſtes in der Form ei- nes Vorherſeyns in der Zeit vor: das Wahrhafte muß alſo ſchon zu einer anderen Zeit für uns geweſen ſeyn. Aber zu- gleich iſt zu bemerken, daß er dieß nicht als eine philoſophiſche Lehre, ſondern in Geſtalt einer Sage (Mythos ) giebt, „welche er von Prieſtern und Prieſterinnen empfangen, die ſich auf das, *) Meno, p. 82 -- 86 (p. 350 -- 359).