Erſter Abſchnitt. Philoſophie der Plato. 199 wohl einen Tiſch. und einen Becher, aber nicht die Tiſchheit und Becherheit. Richtig, erwiederte Plato; denn Augen, womit man den Tiſch und Becher ſieht (F8wgeira:), haft Du wohl, aber, womit man Tiſchheit und Becherheit ſicht, =- den Geiſt haft Du nicht“ (vody ovx 8xeig). *) Was Sokrates . begann, iſt von Plato vollführt. Er er- kennt nur das Allgemeine, die Jdee, das Gute als das Weſen- hafte. Durch die Darſtellung ſeiner Jdeen hat Plato die In- tellektualwelt eröffnet. Sie iſt nicht jenſeits der Wirklichkeit, im Himmel, an einem anderen Orte, ſondern ſie iſt wirkliche Welt; wie auch bei Leucipp, das Jdeelle iſt der Wirklichkeit näher gebracht, nicht metaphyſiſc<. Aber nur das iſt das Sey- ende in der Welt, was das an und für fich Allgemeine iſt. Das , Weſen der Jdeen iſt die Anſicht, daß nicht das ſinnlich Exiſti- rende das Wahre iſt, ſondern allein das in ſich beſtimmte All- gemeine, = die JIntellektual= Welt das Wahre, Wiſſenswerthe, überhaupt das Ewige, an und für ſich Göttliche iſt. Die Un- terſchiede ſind nicht ſeyende, ſondern nur vorübergehende. - Das Abſolute des Plato, als das in ſich Eine und mit fich Jdentiſche, iſt konkret in ſich; es iſt eine Bewegung, ein Zurügehen in ſich ſelbſt und ewiges Beiſichſeyn. Die Liebe zu den Jdeen iſt das, was Platon Enthuſiasmus nennt. In dieſer Beſtimmung der Philoſophie ſchen wir ſchon überhaupt ſogleih, was die ſo viel beſprochenen platoniſchen Jdeen iſt. Die Jdee iſt nichts Anderes als das Allgemeine, und daß dieß Allgemeine nicht als das formell Allgemeine ge-. nommen wird, wie die Dinge nur Theil daran haben, oder (wie wir es ausdrü>en) nur Eigenſchaften der Dinge ſind: ſondern indem dieß Allgemeine als das an und für fich ſelbſt Seyende, als das Weſen genommen wird, als dasjenige, was nur iſt, - was nur Wahrheit hat. Der Mißverſtand der platoniſchen X) Diog. Latrt. VI, 8. 53; cf. Plat, de Rep. VI, p. 508 (p. 349).