Erſter Abſchnitt. Philoſophie des Plato, 193 trifft, ſo ift dieß zu ſagen. Regieren heißt, daß der wirkliche Staat beſtimmt werde, in ihm gehandelt werde nach der Natur der Sache. Dazu gehört Bewußtſeyn des Begriffs der Sache; dann wird die Wirklichkeit mit dem Begriff in Uebereinſtim- mung gebracht, die Idee kommt zur Exiſtenz. Das Andere iſt, daß der Boden der Geſchichte ein anderer iſt, als der Boden der Philoſophie. In der Geſchichte ſoll die Jdce vollbracht werden; Gott regiert in der Welt, die Jdee iſt die abſolute Madt, die ſich hervorbringt. Die Geſchichte iſt die Jdee, die fich auf natürliche Weiſe vollbringt, nicht mit dem“ Bewußtſeyn der Jdee, =- freilich mit Gedanken, aber mit beſtimmten Zweden, Umſtänden. Es wird nach allgemeinen Gedanken des Rechts, Sittlichen, Gottgefälligen gehandelt; die Jdee wird ſo verwirk- licht, aber durch Vermiſchung von Gedanken, Begriffen mit un- mittelbaren partikularen Zwe&en. Das muß auch ſcyn; die Idee iſt einer Seits durc) den Gedanken - producirt, dann durch die Mittel der Handelnden. Die Jdee kommt zu Stande in der Welt, da hat es keine Noth; es iſt nicht nöthig, daß die Regierenden die Jdee haben. Die Mittel ſcheinen oft der Idee entgegengeſekt zu ſeyn, das ſchadet nichts. Man muß wiſſen, was Handeln iſt: Handeln iſt Treiben des Subjekts als ſolchen für beſondere Zwe>e. Alle dieſe Zwee ſind nur Mittel, die Jdee hervorzubringen, weil ſie die abſolute Macht iſt. „Es kann als eine große Anmaßung erſcheinen, daß die Re- genten. Philoſophen ſeyn oder daß den Philoſophen die Regie- rung der Staaten in die Hände gegeben werden ſoll. Um je- doch dieſe Aeußerung zu beurtheilen, muß man wohl im Sinn haben, was unter Philoſophie im platoniſchen Sinne, im Sinne der damaligen Zeit verſtanden, was zur Philoſophie gerechnet wurde. Das Wort Philoſophie hat zu verſchiedenen Zeiten verſchiedene Bedeutungen gehabt. Es gab eine “Zeit, wo man einen Menſchen, der nicht an Geſpenſter, nicht an den Teufel glaubte, einen Philoſophen nannte. Wenn dergleichen Vorftel- Geſch. d. Phil. * 13