ANDE 192 Erſter Theil. Griechiſche Philoſophie. Sokrates macht viel Hin- und Herreden, will nicht daran ge- hen, ſucht Ausflüchte, um davon freigelaſſen zu werden, behaup- tet: „Er ſey nicht verpflichtet, wenn er die Beſchreibung deſſen gebe, was gerecht ſcy, auch darzulegen, wie es in die Wirklich» keit zu ſeen ſey; do< müſſe man das angeben, wodur<, wenn nicht Vollkommenheit, doc< die Annäherung möglich gemacht würde.“ , Endlich , da in ihn gedrungen wird, ſpricht er: „So ſoll es denn geſagt werden, wenn es auch von einer Fluth des Gelächters und vollkommener Unglaublichkeit ſollte übergoſſen werden. Wenn alſo nicht entweder die Philoſophen in den ? Staaten regieren, oder die jeht ſogenannten Könige und Ge- ; walthaber wahrhaft und vollſtändig philoſophiren, und ſo Herr- | ſchermac<ßt und Philoſophie in Eins zuſammenfallen und die ; vielerlei Sinnegsarten, die jeht für ſich abgeſondert nach dem Einen oder dem Anderen fich wenden: ſo giebt es, 0 Freund Glauko , für die Völker kein Ende ihrer Uebel, noc<, denke ich, für das menſchliche Geſchlecht überhaupt; und dieſer Staat, von dem ich ſprach, wird nicht eher erzeugt werden, und das Licht der Sonne ſehen,“ als bis dieß geſchieht. „Dieß iſt es,“ ſett er hinzu, „was ich ſo lange gezaudert habe zu ſagen, weil ich weiß, daß es ſo ſehr gegen die gemeine Vorſtellung geht.“ Plato läßt den Glauko erwiedern: „Sokrates, Du haſt ein ſolches Wort und Sache ausgeſprohen, daß Du Dir vorſtellen mußt, es werde eine Menge, und das nicht ſchlechte Leute, ihre Män- tel abwerfen, und nach der nächſten beſten Waffe greifen und ſammt und ſonders in geſchloſſenem Gliede auf Dich losgehen ; und wenn Du fie niht mit Gründen zu beſänftigen wiſſen wirſt, ſo wirſt Du es ſchwer zu büßen haben.“ *) Plato fordert, die Philoſophie ſchlechthin an die Regenten der Völker, ſtellt hier die Nothwendigkeit dieſer Verbindung der Philoſophie und der Regierung auf. Was dieſe Forderung be- &) De Republica V. p. 474 -- 474 (p. 257 =- 264).