Erſter Abſchnitt. Philoſophie des Plato. 191 die Beziehung des Seyenden auf das einzelne Bewußtſeyn, die Cyniker die unmittelbare Freiheit als das Weſen ſetzten: ſo da- gegen Plato die ſich mit ſich ſelbſt vermittelnde Einheit des Bewußtſeyns und Weſens, oder das Erkennen. Philoſophie iſt ihm das Weſen für den Menſchen. Er drü>t überall die er- habenſten Vorſtellungen von der Würde der Philoſophie aus, -- fie allein ſey das, was der Menſch zu ſuchen hat; das tiefſte Gefühl und entſchiedenſte Bewußtſeyn, alles Andere für geringer zu achten. Er ſpricht mit der größten Begeiſterung davon; heut zu Tage wagen wir nicht, ſo davon zu ſprechen. Philoſophie iſt ihm das höchſte Befitthum. Unter- einer Menge von Stellen hierüber führe ich zunächſt eine aus dem Timäus an: „Die Kenntniß der vortrefflichſten Dinge fängt von den Augen an. Das Unterſcheiden des ſichtbaren Tags und der Nacht, die Mo- nate und Umläufe der Planeten haben die Kenntniß der Zeit erzeugt, und die Nachforſchung der Natur des Ganzen uns ge- geben. Woraus wir dann die Philoſophie gewonnen haben; und ein größeres Gut, als fie, von Gott den Menſchen gegeben, iſt weder gekommen, noch wird es je kommen.“ *) Am Berühmteſten und zugleih am Verrufenſten iſt das, was er hierüber in der Republik ſagt, und wie er ſein Bewußt- ſeyn ausdrü>t, =- wie „ſchr dieß den gemeinen Vorſtellungen der Menſchen widerſpricht. Es betrifft die Beziehung der Phi- loſophie auf den Staat, und fällt um ſo mehr auf, weil es die Beziehung der Philoſophie auf die Wirklichkeit ausdrükt. Denn wenn man ihr auch ſonſt wohl Werth beilegt, ſo bleibt fie da- bei doh in den Gedanken der Individuen; hier aber geht fie auf Verfaſſung, Regierung, Wirklichkeit. Nachdem Plato. dort den Sokrates den wahren Staat hat exponiren laſſen, ſo läßt er dieſe Darſtellung dur Glaukon unterbrechen, der verlangt, „daß er zeige, wie es möglich ſey, daß ein ſolc