199 Erſter Theil, Griechiſche Philoſophie, hülfreiche Hand geleiſtet haben: ſo ſteht dieß zwar wörtlich in Plato, und doch iſt es nicht zu ſeiner Philoſophie gehörig. Wenn er von der Seele des Menſchen ſagt, daß fie einen ver- nünftigen und unvernünftigen Theil habe: ſo iſt dieß ebenſo im Allgemeinen zu nehmen; aber Plato behauptet damit nicht, daß die Seele aus zweierlei Subſtanzen, zweierlei Dingen zuſam- mengeſeßt ſey. Wenn er das Lernen als eine Wiedererinnerung vorſtellt: ſo kann das heißen, daß die Seele vor der Geburt des Menſchen präexiſtirt habe. Cbenſo wenn er von dem Haupt- punkte ſeiner Philoſophie, von den Jdeen, dem Allgemeinen, als dem bleibenden Selbfiſtändigen ſpricht, als den Muſtern der finnlichen Dinge: ſo kann man dann leicht dazu fortgehen , jene Ideen, nach der Weiſe der modernen Verſtandes-Kategorien, als Subſtanzen zu denken, die im Verſtande Gottes oder für ſich, als ſelbſiftändig, z. B. als Engel, jenſeits der Wirklichkeit exiſti- ren. Kurz Alles, was in der Weiſe der Vorſtellung ausgedrüct iſt, nehmen die Neueren in dieſer Weiſe für Philoſophie. So - kann man platoniſche Philoſophie in dieſer Art aufſtellen, man iſt durc< Plato's Worte berechtigt; weiß man aber, was das Philoſophiſche iſt, ſo kümmert man ſich um ſolche Ausdrüc>e nicht, und weiß, was Plato wollte. Wir haben jedoch nun zur Betrachtung der Philoſophie des Plato ſelbſt überzugehen. In der Darſtellung der platoniſchen Philoſophie kann Beides nicht gefondert, aber es muß bemerkt und anders beurtheilt werden, als beſonders von der letzteren Seite geſchehen iſt. Wir haben 1) den allgemeinen Begriff Plato's von der Philoſophie und dem Erkennen, 2) die beſonderen Theile der- ſelben, die bei ihm hervortreten, zu entwieln. Das Erſte ift die Vorſtelluag, die Plato vom Werthe der Philoſophie überhaupt hatte. Ueberhaupt ſchen wir Plato ganz dur