184 Erſter Theil. Griechiſche Philoſophie. Dialogen Dargeſtellten dem Sokrates oder dem Platon ange- höre, bedarf keiner weiteren Unterſuchung. So viel iſt gewiß, daß wir äus Plato's Dialogen ſein Syſtem vollkommen zu er- kennen im Stande ſind. - Im Ton der Darſtellung des perſönlichen Verhaltens der Unterredungen herrſcht die edelſte (attiſche) Urbanität gebildeter Menſchen. Feinheit des Betragens lernt man daraus. Man ficht den Weltmann, der ſich zu benehmen weiß. Höflichkeit - drückt nicht ganz Urbanität aus. Höflichkeit enthält etwas mehr, einen Ueberfluß, noc< Bezeugungen von Achtung, von Vorzug, von Verpflichtungen, die man ausdrü>t. Die Urbanität iſt die wahrhafte Höflichkeit; dieſe liegt zu Grunde. Urbanität bleibt aber dabei ſtehen, dem Anderen die perſönliche vollkommene Frei- heit ſeiner Sinnesart, Meinungen zuzugeſtehen, = das Recht, fich zu äußern, einem jeden, mit dem man ſpricht, einzuräumen: und in ſeiner Gegenäußerung, Widerſpruch dieſen Zug auszu- drücken, =- ſein eigenes Sprechen füx ein ſubjektives zu halten gegen das Aeußern des Anderen; weil es eine Unterredung iſt, Perſonen als Perſonen auftreten, nicht der- objektive Verſtand vder Vernunft ſich mit ſich beſpricht. (Vieles iſt, was wir zur bloßen Ironie ziehen.) Bei aller Energie der Aeußerung iſt dieß immer anerkannt, daß der Andere auch verſtändige, denkende Perſon iſt. Man muß .ni