Erſter Abſchnitt, Philoſophie des Plato. 181 von der Eine dieß, der Andere jenes meint, und bei ſeiner Mei- nung bleibt. Sondern die Verſchiedenheit der Meinungen, die vorkommt, iſt unterſucht, es ergiebt ein Reſultat als das Wahre; . oder die ganze Bewegung des Erkennens, wenn das Reſultat negativ. iſt, iſt es, die Plato angehört. > Ein anderer hiſtoriſcher Umſtand, der der Vielſeitigkeit an- zugehören ſcheint, iſt allerdings dieſer, daß von Alten und Neue- ren viel darüber geſprochen worden, Plato habe von Sokrates, von dieſem und jenem Sophiſten, vorzüglich aber von den Schrif- ten der Pythagoräer, in ſeinen Dialogen aufgenommen, == ex habe offenbar viele ältere Philoſophien vorgetragen, wobei py- thagoräiſche und heraklitiſche Philoſopheme und ekeatiſche Weiſe der Behandlung vornehmlich ſehr hervortritt; ſo daß dieſen zum Theil. die ' ganze Materie der Abhandlung und nur die äußere Form dem Plato angehöre, =- es alſo nöthig wäre, dabei des- wegen zu unterſcheiden, was ihm eigenthümlich angehöre oder nicht, oder ob jene Ingredienzien mit einander übereinſtimmen. In dieſer Rüſicht aber iſt zu bemerken, daß, indem das We- ſen der Philoſophie daſſelbe iſt, jeder folgende Philoſoph. die vorhergehenden Philoſophien in die ſeinige aufnehmen wird und muß, =“ daß ihm das eigenthümlich angehört, wie er ſie weiter fortgebildet. Die Philoſophie iſt nicht ſo. etwas Einzelnes, als ein Kunſiwerk ; und ſelbſt an dieſem iſt es die Gefchilichkeit der Kunſt, die der Künſtler von Anderen empfangen wieder auf- nimmt, und ausübt. Die Erfindung des Künſtlers iſt- der Ge- danke ſcines Ganzen und die verſtändige Anwendung der vor- gefundenen und bereiteten Mittel; dieſer unmittelbaren Einfälle und eigenthümlichen Erfindungen können unendlich viele ſeyn. Aber die Philoſophie hat zum Grunde Einen Gedanken, Ein Weſen ; und an die Stelle der früheren wahren Erkenntniß deſ- ſelben kann nichts Anderes geſeßt werden, ==“ fie muß in den Späteren ebenſo nothwendig vorkommen. J< habe ſchon de- merkt, daß Plato's Dialoge nicht ſo anzuſchen ſind, daß es