DICH X THEOLOGICAL X SEMINARY OF CHICAGO -κ Virginia Library MIINNODSWX BEITRÄGE ZUR EINLEITUNG IN DAS NEUE TESTAMENT VON ADOLF HARNACK II SPRÜCHE UND REDEN JESU DIE ZWEITE QUELLE DES MATTHÄUS UND LUKAS tie McCORMICK THEOLOGICAL SEMINARY LIBRARY, LEIPZIG J. 6. HINRICHS’scne BUCHHANDLUNG 1907 Prof. Adolf von Harnack. - Vorwort. Auf den folgenden Blättern ist der Versuch gemacht, die zweite Quelle des Matthäus und Lukas (Q) nach Umfang und Inhalt genau zu bestimmen und ihren Wert an sich und im Verhältnis zum Markusevangelium festzustellen. Den Anstoß, diese Untersuchungen zu Ende zu führen und zu veröffentlichen, habe ich von Wellhausens Einleitung in die drei ersten Evan- gelien (1905) erhalten. Die Hochschätzung dieses Werks ist durch den Widerspruch nicht vermindert, zu welchem mich ein wich- tiges Ergebnis der Forschung Wellhausens veranlaßt hat. Zum Beweise der Einheitlichkeit der Quelle Q kann noch eine Beobachtung dienen, die ich nachträglich angestellt habe. Bei Matthäus finden sich ca. 112 Worte und bei Lukas (ohne Acta) ca. 261, die im Neuen Testament nur in diesen Evangelien vorkommen. Die Textfeststellung von Q, wie sie S. 88Η. gegeben ist, enthält aber von diesen ca. 373 Worten höchstens 16, nämlich 13 (12) aus Matthäus (βιαστής, βροχή, διχάζει», [ἐγκρύ- πτειν], εὐνοεῖν, ἰῶτα, νοσσίον, οἰκετεία, οἰκιακός, παρομοιάζειν, παροφίς, πλατύς, ῥαπίζειν) und 3 aus Lukas (ἀπομάσσεσϑαι, βαλλάντιον, κόραξ); doch ist es bei diesen dreien fraglich, ob sie in Q gestanden haben. Daß man den ziemlich umfangreichen Text von Q feststellen kann und dabei nur 12—16 Worte aus dem weitschichtigen sprachlichen Sondergut des Matthäus und Lukas aufzunehmen braucht, ist ein willkommener weiterer Be- weis für die geschlossene Einheitlichkeit von Q. Umgekehrt aber ist die Einsicht in die Mannigfaltigkeit der stilistischen, rhetorischen und poetischen Formen, in denen die Reden und Sprüche in Q gefaßt sind, kein Gegenbeweis gegen diese Ein- heitlichkeit, sondern stützt ebenfalls das Vertrauen sowohl zu ihr wie auch zur Ursprünglichkeit der Quelle. TU et) IV ; Vorwort. Wenn Q in der folgenden Untersuchung richtig erkannt und gewertet ist, so ist damit das längst bestehende Urteil er- probter Forscher nur aufs neue ausgesprochen, aber hoffentlich sicherer begründet als bisher. Was das für die Erkenntnis der Geschichte Jesu bedeutet, bedarf keiner Darlegung. Aber dennoch ist kaum darauf zu hoffen, daß die wilden Hypothesen in bezug auf diese Geschichte verschwinden werden. Die Verlockung, ohne tieferes Studium der Überlieferung und ohne Achtung vor ihr sich lediglich an herausgerissene Einzelheiten zu halten und diese in dem Hohlspiegel der Vorurteile aufzufangen, ist zu groß, als daß je ein Ende dieser Bemühungen abzusehen wäre. — Meinem Freunde Professor von Dobschütz danke ich herz- lich für die wirksame Teilnahme, die er dieser Untersuchung bei der Drucklegung gewidmet hat. Berlin, d. 8. Dezember 1906. AH: Inhaltsverzeichnis. Seite Einleitung . . . πο ο 1 I. Cap.: πα ος T torus UR E derdem Matthäus und Lukas (über Markus hinaus) gemeinsamen Abschnitte (Q) . . 6 I. Die wörtlich fast gleichlautenden Abschnitte . . . . . 6 IL Die sich stürker unterscheidenden Abschnitte . . . . . 32 Anhang: Die sehr stark differierenden Abschnitte . . 82 IL Cap.: Sprachliche u. geschichtliche Untersuchungen der dem Mt. und Le. (über Markus hinaus) gemeinsamen Abschnitte (Q) . . 88 Ι. Die Texte 2. ως y αυ να... IL A) Lexikalisehes (Verba S. 102 f. Substantiva und Ad- jektiva S. 107 f. Prüpositionen S. 112) . . . ... 109 B) Grammatisches und Stilistisches . . . e . . . . . 112 ΤΠ. Formelle Charakteristik des Inhalts . . . . ... . . . 115 IV. Die Akoluthie der Stücke . . . . 121 V. Läßt sich aus dem Sondergut des Mt. odar Li dëst? aus der indirekten evangel. Überlieferung etwas für Q ermitteln? 128 VI. Sachliche Charakteristik des Inhalts von $i e von Q mit dem Markus-Evangelium . . 136 VII. Schluß. Ursprung und Werd von Qo re Anhang: Übersetzung (Q) . . 175 Exkurs I: Über dieSprüche Mt. 11,25—27 (Le. 10,21. 99) und Mt, 1, EN 29 189 Exkurs II: Über die Himmelsstimme bei d. Taufe Gr 3, K e Stellen-Register für die Rekonstruktion . . . νο 22 THEOLOGICAL SEMINARY LIBRARY. Einleitung. Die Zahl und der Umfang der Stücke, die dem Matthäus und Lukas über Markus hinaus gemeinsam sind, ist bekanntlich sehr beträchtlich, Sie betragen etwa 1 des Lukastextes und Zu des Matthüustextes!. Die Untersuchung sehr vieler Gelehrter ist zu dem Ergebnis gelangt, daß weder Lukas den Matthäus noch dieser jenen ausgeschrieben hat, daß also jenen Stücken eine gemeinsame Quelle oder mehrere gemeinsame Quellen zu- grunde liegen. Man bevorzugt gewóhnlich die erste Annahme, methodisch mit Recht; aber man verhehlt sich dabei nicht, daß es auch anders sein könne und daß an mehrere schriftliche Quellen oder auch an die mündliche Tradition im Hinblick auf manche einzelne oder auf viele Stücke gedacht werden dürfe. Aber daneben gibt es noch eine στοβε Zahl anderer Fragen, die hier nicht umgangen werden kónnen. Die wichtigsten sind fol- gende: 1. Ist nieht nachträglich Lukas so stark aus Matthäus und auch Matthäus so stark aus Lukas? korrigiert worden, daß eine Feststellung des Tatbestandes in der Quelle sehr erschwert ist? 2. Ist Q in derselben Fassung von Matthäus und Lukas be- nutzt worden, oder hat dieser Q!, jener Q? oder gar noch ein ϱ”, Q^ οἷο, benutzt? 1) Schon hier beginnen freilich die Schwierigkeiten. Die Abgrenzung ist nicht überall einfach; so kann man über die Herkunft der Dubletten, die sich sowohl bei Matthüus als auch bei Lukas finden, verschieden ur- teilen, und in bezug auf ein paar wichtige Perikopen muß es zweifelhaft bleiben, ob hier eine gemeinsame Quelle weit zurückliegt, also mit der Hauptquelle nicht identisch ist. 2) Man vgl. die Textkonstruktion des Matthäus durch Blaß (Evang. sec. Matth., 1901). Harnack, Sprüche Jesu. i 2 Sprüche Jesu. 3. Hat einer von den beiden oder beide, wenn Q auf ein aramüisches Original zurückgeht, dieses noch eingesehen! und stellenweise verwertet? 4. Da es a priori wahrscheinlich ist, daß keiner der beiden Evangelisten die Quelle vollständig ausgeschöpft hat — bei welchem von ihnen ist sie nach Umfang und Anordnung besser erhalten und welche nur von einem Zeugen überlieferten Stücke gehören noch zur Quelle? 5. Ist Q auf Grund der „sicheren“ Beobachtungen (an den „sicheren“ Bestandteilen) für eine Redesammlung oder für ein „Evangelium“ zu erklären und läßt sich nicht von hier aus ein Prinzip für die Ausscheidung bez. für die Hinzufügung kontro- verser Perikopen gewinnen? Oder aber — wenn sich diese Frage nicht entscheiden läßt — ist es nicht hoffnungslos, den Umfang von Q bestimmen zu wollen? Diese Probleme in ihrer großen Zahl und einschneidenden Bedeutung scheinen die Beantwortung der Frage: „Was ist Q?“ so zu erschweren, daß man es wohl verstehen kann, wenn ein Skeptischer abrät, sich überhaupt mit ihr zu befassen. Aber anderseits darf ein solcher Skeptizismus doch dann erst zuge- lassen werden, wenn die Aussichtslosigkeit aller Versuche zur Lösung der Frage erwiesen ist. Allein dieser Erweis ist bisher nicht erbracht. Zwar ist von Weiß, Holtzmann, Wendt und Wernle, und nach diesen Gelehrten von anderen, zuletzt von Wellhausen manches in bezug auf Q untersucht und beschrieben worden — freilich auffallend weniger als in bezug auf Markus —, : aber eine alle Details berücksichtigende Untersuchung fehlt noch. Eine solche hat sich zunächst ausschließlich und streng an die dem Matthäus und Lukas über Markus hinaus gemeinsamen Partien zu halten, hat diese grammatisch, stilistisch und literar- historisch zu durchforschen und von dieser festen Basis aus zu- zusehen, wie weit man kommt. Mißglückt diese Untersuchung, d. h. zeigt es sich, daß nichts Zusammenhängendes und Ge- schlossenes gewonnen werden kann, so ist Q als eine faßbare Größe, und somit überhaupt, aufgelöst, damit aber auch das Pro- blem der Verwandtschaft von Matthäus und Lukas in den über 1) Daß im allgemeinen eine und dieselbe Übersetzung von beiden benutzt worden ist, unterliegt keinem Zweifel. Einleitung. 3 Markus hinausliegenden Partien für unlösbar erklärt. Die Kon- Sequenz dieser Entscheidung würde dann fordern, daß die hierher gehörigen Reden und Erzählungen (in größeren oder kleineren Perikopen) für sich zu behandeln wären. Zurzeit aber ist noch nicht einmal die textkritische Vorfrage erledigt, bei welchem der beiden Evangelisten jene Partien in ursprünglicherer Gestalt vorliegen. Sucht man Rat bei den Kri- tikern, so findet man nur unsichere Urteile, beide Evangelisten hätten sich zahlreiche Änderungen und Eingriffe erlaubt; ge- wöhnlich wird dann noch hinzugefügt, im ganzen sei doch noch auf Lukas mehr Verlaß als auf Matthäus!, Einen Beweis für diese These, soweit ihre lockere Haltung einen solchen überhaupt zuläßt, sucht man vergebens, und bereits die nächstliegende Frage, nach welchen Gesichtspunkten und Prinzipien denn Matthäus und nach welchen Lukas die Quelle korrigiert hat, wird kaum "von einem aufgeworfen. Es ist hier wie in bezug auf ein Dutzend anderer Hauptfragen der Evangelienkritik: man ergeht sich in den sublimen Fragen über den Sinn des „Reiches Gottes“, über „Menschensohn“, „Messianität“ ete., in ,religionsgeschichtlichen* Untersuchungen und in Echtheitsfragen aus „höheren“ Erwä- gungen (als wenn dem Kritiker die letzte Erkenntnis geschicht- licher Dinge aus einer geheimnisvollen Quelle zuflösse), aber die „niederen“ Probleme, bei deren Behandlung Kärrnerarbeit zu leisten und Staub zu schlucken ist, werden umgangen. Oder wo das nicht der Fall ist, da wird die Untersuchung doch immer nicht weit genug geführt, bricht vorzeitig ab und begnügt sich mit halber Arbeit. Hieraus entspringt die Misere, in der sich die Evangelienkritik zurzeit befindet und eigentlich immer befunden hat? — von einigen wenigen Kritikern und von dem gründlich behandelten Markusproblem abgesehen. 1) Eine Ausnahme bildet Wernle, der gezeigt hat, daß bei Matth. der Text, von einigen starken Eingriffen abgesehen, in zuverlässigerer Gestalt vorliegt. Er hat überhaupt ausgezeichnet über Q gearbeitet, aber summarisch. 2) Diese Misere zeigt sich vor allem bei denjenigen, die in bezug auf die neutestamentliche Kritik aus zweiter Hand zu schöpfen gezwungen sind oder sich selbst zu dieser bescheidenen Haltung verurteilt haben. Sie sind wie die schwankenden Rohre zwischen den extremsten und sich ausschlieBenden Hypothesen und finden alles, was ihnen hier zugetragen 13 A Sprüche Jesu. Aber auch bei diesem Problem ist der „niederen“ Kritik noch Wichtiges zu tun übrig gelassen, und über das Verhältnis von Q und Markus ist vollends wenig in den Büchern zu finden. „Die Frage nach dem literarischen Verhältnis zwischen Q und Markus muß jedenfalls aufgeworfen werden und bedarf einer eingehenden Prüfung, der sie wunderlicherweise, um einen ge- linden Ausdruck zu gebrauchen, bisher niemals unterzogen ist“ (Wellhausen, Einleitung in die drei ersten Evangelien 3. 73). Letzteres ist nicht ganz richtig; mehrere Gelehrte haben sich mit der Frage befaßt. Allein Wellhausens Befremden ist trotz- dem am Platze: wenn in der Evangelienkritik methodisch ge- arbeitet worden wäre und ein Arbeiter auf den Schultern des anderen stünde, müßte dieses Hauptproblem längst eingehend erörtert und unter Vorlegung des ganzen methodisch geordneten Materials zum Abschluß gebracht worden sein. Statt dessen steckt alles noch im Nebel der Unsicherheit, und bei dem Mangel zusammenhängender und eingehender Vorarbeiten erklärt es sich, daß Wellhausen eine Lösung des Problems vorlegen konnte, die den Vorzug hat, durch ibre Paradoxie die Fachmänner aus den luftigen Höhen ihrer kritischen Spekulationen zur ange- strengten Arbeit ins Bergwerk zu rufen. wird, „sehr erwägenswert“ Heute hat ihnen Jesus überhaupt nicht gelebt, während er gestern ein pathologischer Schwärmer war, was eben aus seinen ausgezeichnet überlieferten Worten, wenn man sie nur richtig versteht, schlagend hervorgeht. Morgen ist er ein Essener gewesen, was ebenfalls aus seinen Worten zu erweisen ist; vorgestern aber ‘war keines dieser Worte sein Eigentum; aber vielleicht noch am selben Tage war es auch richtig, daß er einer noch zu entdeckenden hellenistisch-gnostischen Geheimsekte angehörte, die mit Sakramenten und Symbolen ein rück- ständiges Unwesen, nein ein kulturförderliches Wesen trieb. Oder viel- mehr er war ein anarchistischer Mönch wie Tolstoi, noch besser ein wirklicher Buddhist, aber mit sumerisch-babylonisch-persisch-ägyptisch- hellenischem Einschlag, oder noch besser er war der Heros eponymos des sanft revolutionären, gemäßigt radikalen vierten Standes in der Welt- hauptstadt. Augenscheinlich ist es, daß er alles das gewesen sein kann, und voraussichtlich Eines davon gewesen ist. Behält man alle diese Zügel hypothetisch in der Hand, so ist man vor dem Vorwurf, der Forschung nicht gefolgt zu sein, geschützt, und das ist auf alle Fälle wichtiger als die Sache selbst, auf die ja überhaupt soviel nicht ankommt, da man sich den „Historizismus“ so wie so im 20. Jahrhundert abgewöhnen muß. Einleitung. 5 Ich beginne im folgenden damit, den relativ ursprünglichsten Text der Abschnitte, die dem Matthäus und Lukas ausschließ- lich gemeinsam sind, festzustellen und bei solcher Feststellung die Gesichtspunkte und Prinzipien zu ermitteln, nach welchen jeder der beiden Evangelisten gearbeitet, bzw. korrigiert hat. In bezug auf die Konstatierung des relativ ursprünglichsten Mat- thäus- und Lukastextes habe ich Blaß’, Wellhausens und anderer Textfassungen neben den älteren durchgearbeitet. Ich habe mich aufs neue davon überzeugt, was ich schon bei meinen Studien über den Text der Apostelgeschichte gelernt hatte, daß der nicht zu verachtende Cod. D mit seinen partiellen Trabanten, sowie die Sonderlesarten anderer Zeugen (Chrysostomus!) von Blaß unge- bührlich überschätzt werden. Aber auch Wellhausen geht in dieser Riehtung m. E. noch zu weit. Ich vermag auch nicht an- zuerkennen, daß der Lukastext auf den Matthäustext den Einfluß nachträglich gehabt hat, den Blaß annimmt, halte vielmehr ihm gegenüber viel stärker an dem Westcott-Hortschen Texte fest. Bekanntlich steht es in bezug auf die uns beschäftigenden Matthäus- und Lukasperikopen so, daß ein sehr beträchtlicher Teil derselben fast wörtlich gleichlautend von beiden Evange- listen überliefert ist, ein anderer (sehr kleiner) Teil dagegen so große Abweichungen zeigt, daß man zweifeln muß, ob hier über- haupt eine direkte gemeinsame Quelle anzuerkennen ist (s. S. 1). Dazwischen liegt die στοβο Menge der übrigen Perikopen, die mehr oder weniger zahlreiche und einschneidende Varianten auf- weisen. Jene erste Gruppe gewährt den großen Vorteil, Schlüsse von höchster Wahrscheinlichkeit zu ermöglichen. Ich habe daher das Material in drei Teile geteilt und behandle zuerst die Peri- kopen, in denen die Verschiedenheiten zwischen Matthäus und Lukas verhältnismäßig sehr gering sind. Mit den Ergebnissen dieser Untersuchung werde ich dann an die Prüfung der zweiten Gruppe treten, in der sie häufiger sind. Nur anhangsweise werde ich die Perikopen behandeln, in denen die Verschiedenheit so groß ist, daß man ernstlich zweifeln muß, ob sie zu Q gehören. Es sind übrigens nur ein Spruch und zwei Erzählungen. Erstes Capitel: Ausscheidung und textkritische Unter- suchung der dem Matthäus und Lukas (über Markus hinaus) gemeinsamen Abschnitte (Q). Matth. 3, 7^: Tevvnuara ἐχιδνῶν, τίς ὑπέδειξεν ὑμῖν φυγεῖν ἀπὸ τῆς μελλούσης ὀργῆς; (8) ποιήσατε οὖν καρ- aov ἄξιον τῆς μετανοίας᾽ (9) καὶ μὴ δόξητε λέγειν ἐν ; ey e : ἑαυτοῖς: πατέρα ἔχομεν τὸν -Afoaeu: λέγω γαρ υμῖν οτι δύναται ὁ ϑεὸς ἐκ τῶν λίϑων τούτων ἐγεῖραι τέκνα τῷ Αβραάμ. (10) ήδη δὲ ἡ ἀξίνη προς τήν ῥίζαν τῶν δένδρων κεῖται: πᾶν οὖν δένδρον μὴ ποιοῦν καρπὸν καλὸν! xxO- πτεται καὶ εἰς πῦρ βάλλεται. ... (12) οὗ τὸ πτύον ἐν τῇ χειρὶ αὐτοῦ, καὶ διακαϑαριεῖ τὴν ἅλωνα αὐτοῦ καὶ συνάξει τὸν σἵτον αὐτοῦ εἰς τὴν ἀποϑήκην, τὸ δὲ ἄχυρον κατακαύσει πυρὶ ἀσβέστῳ. — Luk. 3, 75:18; 9; 11. καρ- ποὺς ἀξίους μὴ ἄρξησθε ἐν ἑαυτοῖς fehlte wahrscheinlich [δυνατὸς2] δὲ καὶ αὐτοῦ (τοῦ) διακαϑᾶραι καὶ συναγαγεῖν (9) αὐτοῦ prim. fehlte vielleicht, αὐτοῦ sec. sicher. ἀποϑήκην (αὐτοῦ) Der Vers 11 (— Luk. 3, 16) steht auch im Mark.; er hat dort und in Q wesentlich ähnlich gelautet; in Q lautete er: 1) Wellhausen streicht καλόν, weil es in Syr. Sin. fehlt und der Gegensatz „fruchtbar und unfruchtbar“ sei. Allein Syr. Sin. allein ist ein zu schwacher Zeuge, auch Luk. bietet das Wort, und die bessere Logik entscheidet nicht. Zudem konnte καλόν nach καρπόν leicht ausfallen. Matth. 3, 7—12. 22 EN H [207 , 2 ἐγω μὲν υμᾶς βαπτίζω Ev G > , ο ταν 27. s ὕδατε εἰς μετάνοιαν: ὁ δὲ ὀπίσω L^ , , , µου ἐρχόμενος ἰσχυρότερός μού € H ` ἐστι», οὗ οὐκ εἰμὶ ἱκανὸς τὰ Luk. 3, 7—9. 11. 1 ὕδατι βαπτίζω ὑμᾶς (ohne ἐν und εἰς μετά»), wie Mark: die übrigen Varianten bei Luk. sind ebenso durch Einfluß des Mark.- Textes entstanden. ἁγίῳ ist sehr zweifelhaft. ὑποδήματα βαστάσαι αὐτὸς ὑμᾶς βαπτίσει ἐν πνεύματι ἁγίῳ καὶ πυρί. Die wenigen Varianten erklüren sich leicht; fast überall er- scheint Lukas als der, weleher den ursprünglichen Text geündert hat. Er hat den Plural καρπούς an die Stelle des nicht ganz logischen. Singulars gesetzt, das μὴ δόξητε durch das bei ihm fast formelhafte μὴ ἄρξησθε ersetzt), die Construction durch den Infinitiv (διακαθᾶραι) verbessert? und statt des gehaltvolleren Ausdrucks: „seinen Weizen in die Scheuer“ den glatteren einge- fügt: „den Weizen in die (seine) Scheuer“. Kai ist von Lukas v. 10 zugefügt, um den Satzbau gelenker zu machen, wie zu Matth. 24, 28 und sonst. Auch die Voranstellung des ὕδατι (mit Weglassung des ἐν) ist eine Stilverbesserung. Wahrscheinlich ist auch die ursprüngliche, aber von ihm selbst eingesetzte LA bei Luk. δυνατός. Bei Matth. und Mark. wird es nie persönlich gebraucht, s. aber Luk. 1, 49; 14, 31; 24, 19 und viermal in den Act. — Geschrieben hat Luk. vielleicht: καὶ τὸν μὲν οἴτον συνάξει εἰς ἀποθήκην. Εἰς μετάνοιαν wird für Q nieht mit Sicherheit in Ansprueh zu nehmen sein; aber es ist doch sehr wahrscheinlich, daß es dort gestanden hat, denn das Fehlen bei Luk. entscheidet nicht, da Luk. dem Markustext folgt und da μετάνοια außer in diesem Q-Stück bei Matth. nicht vorkommt, es also nicht wahr- scheinlich ist, daß er es aus eigenem Antrieb eingesetzt hat. (Dagegen setzt Luk. μετάνοια an anderen Stellen willkürlich ein; hier aber konnte es um so leichter wegfallen, da es keine Antithese im folgenden hat). Der Schluß des Verses, wie er in 1) Doch ist das nicht ganz sicher. J. H. Moulton (A Grammar of N. T. Greek, 1906, p. 15) meint umgekehrt, daß ἄρξησθε ursprünglicher sei, weil es ein Semitismus sei (so auch Dalman und Wernle); allein es findet sich bei Luk. häufig auch dort, wo er von Q unabhängig ist, und scheint von ihm absichtlich (in Nachahmung) gebraucht worden zu sein. 2) Ob Luk. συναγαγεῖν oder mit Matth. συνάξει geschrieben hat, ist fraglich; die Zeugen halten sich die Wage. In Q stand jedenfalls συνάξει. 9 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. Q gelautet hat, kann mit Gewißheit nicht mehr hergestellt werden. Der Text bei Markus lautete ἐν πνεύματι ἁγίῳ, bei Matth. ἐν πνεύματι ἁγίῳ καὶ πυρί, bei Luk. ἐν πνεύματι καὶ πυρί (beidemale in Syr. sin. umgestellt). Am wahrscheinlichsten ist ἐν πυρί, denn nur dieses wird durch die folgenden Sätze gedeckt, .. 5 , Lë et? während das ἐν πνευµατι αγίῳ Matth.6,21: ὅπου γάρ] ἐστιν] ὁ θησαυρός σου, ἐκεῖ [ἔσται) καὶ 7 καρδία σου. (22) ὁ λύχνος σώματός ἐστιν ὁ ὀφϑαλ- ἐὰν οὖν A ὁ ὀφϑαλμός σου ἁπλοῦς, ὅλον τὸ σῶμά σου φωτεινὸν ἔσται' (23) ἐὰν δὲ ὁ ὀφϑαλμός σου πονηρὸς Ñ, ὅλον τὸ σῶμά σου σκοτει- νὸν ἔσται. εἰ οὖν τὸ φῶς τὸ ἐν σοὶ σχότος ἐστίν, τὸ σχότος πόσον’! (24) οὐδεὶς δύναται δυσὶ κυρίοις δουλεύει»: ἢ γὰρ τὸν ἕνα μισήσει καὶ τὸν ἕτερον ἀγαπήσει, ἢ ἑνὸς ἀνϑέξεται καὶ τοῦ ἑτέρου καταφρονήσει: οὐ δύνασθε ϑεῷ δουλεύειν καὶ μαμωνᾷ. (35) διὰ τοῦτο λέγω ὑμῖν, μὴ μεριμνᾶτε τῇ ψυχῇ ὑμῶν τί φάγητε, μηδὲ τῷ σώματι ὑμῶν τί ἐνδύσησθε" οὐχὶ ἡ ψυχὴ πλεῖόν ἐστιν τῆς τροφῆς καὶ τὸ σῶμα τοῦ ἐν- δύματος; (30) ἐμβλέψατε, εἰς τὰ πετεινὰ τοῦ οὐρανοῦ, ὅτι οὐ σπείρουσιν οὐδὲ ϑηρίζουσιν οὐδὲ .συνάγουσιν εἰς ἀποϑήκας, καὶ ὁ πατὴρ ὑμῶν ὁ οὐράνιος τρέφει αὐτά' οὐχ ὑμεῖς μᾶλλον διαφέρετε αὐτῶν; (21) τίς δὲ ἐξ ὑμῶν μεριμνῶν δύναται προσ- ϑεῖναι ἐπὶ τὴν ἡλικίαν αὐτοῦ τοῦ , uoc. ohne jede Folge bleibt. — Luk.12,34; 11, 34.35; 16,13; 2, 22—31. Für cov beidemal ὑμῶν. Wahrscheinlich σου nach ὀφϑαλμός primum. ὅταν 6... ἁπλοῦς 3] xal ὅλον ἐστιν ὁ ὀφϑαλμός σου om. καὶ τὸ σῶμά σου (om. ὅλ) ον ἑπαν ἔσται om. σκόπει οὖν x un τὸ φῶς τὸ σκότος , πόσον om. οὐδεὶς οἰκέτης € - υμῶν om. € - ὑμῶν om. c H EN 7 γαρ ψυχη κατανοήσατε τοὺς κόρακας ohne τοῦ οὐρανοῦ οὔτε οὔτε οἷς οὐκ » => ? Ga H , ἐστιν ταμεῖον οὐδὲ ἀποϑήκη KSE H (Un 2 καὶ ο ϑ'εὸς (om. v. 0. οὐρ.) H , , ~ αὐτους) ποσῷ μαλλον € - - vu. διαφ. τῶν πετεινῶν; Wa Matth. 6, 21—33. Luk. 12, 34; 11, 34. 35; 16, 13 πῆχυν ἕνα; (28) καὶ περὶ ἐνδύ- , ~ , ματος τί μεριμνᾶτε; καταμα- Here τὰ κρίνα τοῦ ἀγροῦ πῶς αὐξάνουσιν' οὐ κοπιῶσιν οὐδὲ νήϑουσιν: (29) λέγω δὲ ὑμῖν g S ` > , = οτι οὐδὲ Σολομὼν ἐν πάσῃ τῇ δόξῃ αὐτοῦ περιεβάλετο ος ἓν τούτων. (30) εἰ δὲ τὸν χόρτον τοῦ ἀγροῦ σήμερον ὄντα καὶ αὔριον εἰς κλίβανον βαλλόμε- c ` o > ; vor ο ϑεος ουτῶς ἀμφιέννυσιν, 2 - - ς ~ 2 οὐ πολλῷ μᾶλλον υμᾶς, ὁλι- , . 3 γοπιστοι; (31) un οὖν μερι- μνήσητε λέγοντες᾽ τί φάγωμεν; ὴ τί πίωμεν; η τί περιβαλώ- usa; (32) πάντα γὰρ ταῦτα S ar Ξ 5 ` τα ἔθνη ἐπιζητοῦσιν: οἶδεν γὰρ ς - ς a ὁ πατὴρ ὑμῶν ὁ οὐράνιος ὅτι , , € , χρήζετε τούτων απάντων. (33) ζητεῖτε δὲ πρῶτον τὴν βασι- λείαν καὶ τὴν δικαιοσύνην H - ~ αὐτοῦ, καὶ ταῦτα πάντα προσ- RE EEN ἕνα om. statt v. 28: εἰ οὖν οὐδὲ D. f D » r ` = ἐλάχιστον δύνασϑε, τί περὶ τῶν λοιπῶν μεριμνᾶτε; κατανοή- Se: D σατε τὰ κρίνα, πῶς οὔτε νήθει D c , οὔτε ὑφαίνει᾽ o ὅτι Om. 2 ~ M , ἐν ἀγρῷ τὸν χορ- » , TOV οντα σήμερον πόσῳ für οὐ πολ). καὶ ὑμεῖς μὴ ζητεῖτε τί φάγητε καὶ τί πίητε, καὶ μὴ μετεωρίζεσϑε (für γ. 91) ταῦτα γὰρ (πάντα) τ. ἔθνη τοῦ κόσμου vu. δὲ ὁ. πατ. οἶδεν (ohne ὁ οὐρ) ἁπάντων om. πλὴν Ut. τ. Bao. αὐτοῦ (ohne πρῶτον und x. τ. δικαιοσ.) πάντα om. -ριμνᾶτε; — τεϑήσεται ὑμῖν. Die Varianten bei Lukas, soweit sie stilistiseher Art sind, erscheinen durchweg als seeundüre LAA (stilistische Korrekturen). Das ist besonders deutlich bei dem σκόπει (σκοπεῖν fehlt in den Evangelien, steht aber mehrmals bei Paulus), ferner in den drei Fállen, in denen Luk. die rhetorische Frage als stórend entfernt hat (diese Korrektur aueh noch an spüteren Stellen), weiter bei dem pedantischen Zusatz οἰκέτης (das Wort fehlt in den Evan- gelien, steht aber Act. 10, 7; Röm. 14, 4; I Pet. 2, 18), bei dem doppelten κατανοήσατε (dem Lukas geläufig) für ἐμβλέψασθε εἰς und das ungewöhnliche καταμάϑετε, bei πόσῳ neben μᾶλλον, bei πόσῳ für οὐ πολλῷ, bei καὶ (Zusatz, wie so oft) in v. 22. 23, bei οἷς οὐκ ἔστιν rau. οὐδὲ ἀποθήκη (Stilverbesserung), bei der matten Nutzanwendung: εἰ οὖν οὐδὲ ἐλάχιστον δύνασϑε (τὸ ἐλάχιστον ist im NT. dem Lukas ausschließlich eigentümlich; 5, außer unserer Stelle 16, 10; 19, 17), τί περὶ τῶν λοιπῶν ue- Auch das Fehlen von ἕνα bei πῆχυν ist wohl sekundär, 10 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung eto. und ebenso der Satz πῶς οὔτε νήθει οὔτε ὑφαίνει, denn αὐξά- νουσι erschien als unwesentlich und ὑφαίνει ist eine stilistische Verbesserung (gegen κοπιῶσιν). Die Kleidung hatte Lukas schon (zu Matth. v. 28) durch τὰ λοιπὰ ersetzt und dann (s. zu Matth. v.31) ganz ausgelassen; augenscheinlich hat sie ihm mindere Sorge gemacht als demPalästinenser. Ebendort hat er das mattere μὴ μεριμνήσητε λέγοντες durch das energische Verbot: καὶ ὑμεῖς [einer der wenigen Fälle, wo Lukas das Pronomen hat, während es bei Matthäus fehlt] μὴ ζητεῖτε ersetzt und so das ζητεῖτε (Matth. v. 33) vorbereitet (ζητεῖν ist überhaupt bei Lukas viel häufiger wie bei Matth.); πλήν ist von ibm eingefügt (es findet sich bei Matth. 5mal, bei Luk. 15 mal) Ganz singulär bei Luk. und im NT ist μὴ μετεωρίζεσϑε. Eine sichere Erklärung dieses Worts (Philo, Sirach, Plutarch, Mediziner) an dieser Stelle gibt es nicht: Überhebt euch nicht? Trachtet nicht nach hohen Dingen? Gieret nicht? Laßt euch nicht (von Sorgen) hin und her werfen? Stand das Wort in Q, so ist es für den Bildungs- grad des Übersetzers nicht unwichtig; aber es ist viel wahr- scheinlicher, daß Lukas es eingefügt hat statt des ví περιβαλώ- µεθα. In diesem Falle ist es ebenso allgemein zu nehmen, wie das oben von ihm eingesetzte: τί περὶ τῶν λοιπῶν μεριμνᾶτε; Dagegen ist der Text des Lukas, wie es scheint, zu bevorzugen, wo er profaner (minder biblisch und liturgisch) lautet, also bei τοὺς κόρακας, bei ὁ ϑεός (für ὁ πατὴρ ὑμ. ὁ οὐρὴ, bei τὰ κρίνα (ohne τοῦ ἀγροῦ) und ἐν ἀγρῷ τὸν χόρτον (für τ. y. τ. ἀγροῦ), bei dem Wegfall des ὁ οὐράνιος (neben πατήρ), bei dem Ausdruck τ. ἔϑνη τοῦ κόσμου (ist in der Bibelsprache unnötig), bei dem Wegfall des πρῶτον und der Worte τὴν δικαιοσύνην. Πρῶτον fehlt übrigens bei einigen Zeugen im Matth., und δικαιοσύνη kommt in der evangelisehen Verkündigung der Synoptiker ausschließlich bei Matth. vor. Vielleicht aber ist τὰ πετεινὰ τοῦ οὐρανοῦ (gegen τοὺς κόρακας) doch zu halten. In der Parabel vom Senfkorn (s. u.) und c. 9, 58 bietet auch Luk. diesen Ausdruck. Er kann ihn an unserer Stelle deter- miniert haben, weil nachher auch ein determinierter Begriff (τὰ κρίνα) folgt. Auch τ. κόσμου kann Zusatz des Luk. sein. Luk. 6, 37. 38. 41. 42; 11, 9—13; Matth. 7, 1: Mn κρίνετε, 6, 31. ἵνα μὴ κριθῆτε. (2) ἐν ᾧ γὰρ für ἵνα steht καὶ οὐ ἐν bis Matth. 7, 1—12. Luk. 6, 37. κρίματι κρίνετε κριϑήσεσϑε, καὶ ἐν ὦ μέτρῳ μετρεῖτε με- τρηϑήσεται ὑμῖν. (3) τί δὲ βλέπεις τὸ κάρφος τὸ ἐν τῷ ὀφϑαλμῷ τοῦ ἀδελφοῦ σου, τὴν δὲ ἐν τῷ σῷ ὀφϑαλμῷ δοχὸν οὐ κατανοεῖς; (4) 7] πῶς ἐρεῖς τῷ ἀδελφῷ σου: ἄφες ἐκβάλω τὸ κάρφος ἐκ τοῦ ὀφϑαλμοῦ σου, καὶ ἰδοὺ 7) δοκὸς ἐν τῷ ὀφϑαλμῷ σου; (5) ὑπο- κριτά, ἔκβαλε πρῶτον ἐκ τοῦ ὀφϑαλμοῦ σου τὴν δοκόν, καὶ τότε διαβλέψεις ἐκβαλεῖν τὸ κάρφος ἐκ τοῦ ὀφϑαλμοῦ τοῦ ἀδελφοῦ σου... (T) αἰτεῖτε, καὶ δοϑήσεται ὑμῖν: ζητεῖτε, καὶ εὑρήσετε: κρούετε καὶ ἀνοι- γήσεται ὑμῖν. (S) πᾶς γὰρ ὁ αἰτῶν λαμβάνει, καὶ ὁ ζητῶν εὑρίσκει, καὶ τῷ κρούοντι avor- γήσεται. (9) ἡ τίς ἐστιν ἐς ὑμῶν ἄνθρωπος, om αἰτή- σει ὁ υἱὸς αὐτοῦ ἄρτον, μὴ λίϑον ἐπιδώσει αὐτῷ; (10) ἢ καὶ ἰχϑὺν αἰτήσει, μὴ ὄφιν ἐπιδώσει αὐτῷ; (11) εἰ οὖν ὑμεῖς πονηροὶ ὄντες οἴδατε ἰδόματα] ἀγαϑὰ διδόναι τοῖς τέκνοις ὑμῶν, πόσφ μᾶλλον ὁ πατὴρ ὑμῶν ὁ ἐν τοῖς οὗρα- νοῖς δώσει ἀγαϑὰ τοῖς αἰτοῦ- σιν αὐτόν; (12) πάντα οὖν ὅσα ἐὰν ϑέλητε ἵνα ποιῶσιν ὑμῖν οἱ ἄνϑρωποι, οὕτως καὶ ὑμεῖς ποιεῖτε αὐτοῖς' οὗτος γάρ ἐστιν ὁ νόμος καὶ οἱ προφῆται. 38. 41, 42; 11, 9—13; 6, 31. 11 κριϑήσεσϑε καὶ fehlt, dafür stehen ganz andere Ausführun- gen. ἐν fehlt. ἀντιμετρηϑήσεται x ^ ^ z τὴν δὲ dos, τὴν ἐν τ. ἰδίῳ 2 - E 099. πῶς (ohne 7) δύνασαι λέγειν ἀδελφέ, ἄφες τὸ κάρφος τὸ ἐν T. OPF. σου LS A: > 2 ~ αὗτος τ. EV τ. ὀφδαλμῷ σ. δοκὸν οὐ βλέπων; τ. δοκόν ἐκ τ. ὀφδ. σου τ. κάρφος τὸ ἐν τ. ὀφϑ. τ. ἀδελφ. σου ix. 3 ἄνοι- , € χὺήσεται 5 ^ € τίνα δὲ ἐξ vu. τ. DH P SN 4 ς CA 2 , πατέρα αἰτήσει ὁ υἱὸς ἰχθύν, NA 339 c H » D ads un ἀντὶ ἰχθυος οφιν αὐτῷ ἐπι- RAJ , 2+ δώσει; N xa αἰτήσει HOV, μὴ , ~ ἐπιδώσει αὐτῷ σκορπίον; [AM x » Όπαρχοντες für ὄντες ὑμῶν. fehlt ὁ ἐξ οὐρανοῦ πνεῦμα ἅγιον für ἀγαϑά καὶ καϑιὼς ϑέλετε οὕτως καὶ ὑμεῖς om. vielleicht ὁμοίως nach αὐτοῖς. οὗτος bis προφῆται fehlt. Auch hier sieht man sofort, daf in stilistischen Dingen Q bei Matth. sicherer bewahrt ist; sehr deutlich ist das z. B. bei 19 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. ἵνα > καὶ οὐ, bei πάντα οὖν ὅσα ἐὰν > καὶ καϑὼς und bei ὄντες > ὑπάρχοντες (ὑπάρχειν ist ein Lieblingswort des Luk.). Ἐν ᾧ γὰρ κρίµατι κρίνετε κριϑήσεσϑε wird ursprünglich sein; der Parallelismus mit dem Folgenden wurde von Lukas zerstórt, weil er Parallelsütze zu μὴ κρίνετε einschob (nämlich: καὶ μὴ καταδικάζετε, καὶ οὐ μὴ καταδικασθῆτε' ἀπολύετε, καὶ ἀπο- λυϑήσεσϑε: δίδοτε, καὶ δοϑήσεται ὑμῖν᾽ μέτρον καλὸν πεπιε- σμένον σεσαλευμένον ὑπερεκχυννόμενον δώσουσιν εἰς τὸν κόλπον ὑμῶν, das stammt vielleicht aus einem vom Q des Matth. abweichenden Q). ᾿4δελφέ ist sicher von Lukas eingeschoben; der Vokativ fehlt bei Matth. und Mark., dagegen ist er in den Aet. sehr häufig; der Vocat. Sing. steht auch Act. 21, 20. Rätselhaft ist die lukanische Variante zu Matth. 7, 9. 10 (Ei und Skorpion für Brot und Stein und umgestellt) Der Text bei Matth. lautet natürlicher; Lukas 1st vielleicht durch ein griechisches Sprichwort beeinflußt oder hatte eine andere Rec. von Q. Deutlich verbessert er den Text, wenn er statt ἄνθρωπος und 0 υἱὸς αὐτοῦ Vater und Sohn einsetzt (der Text, den Wellhausen bevorzugt, ist schwerlich der richtige; τίς stammt aus Matth). Ein schwerer sachlicher Eingriff ist bei Luk. πνεῦμα ἅγιον für ἀγαθά; seine Vorlebe für jenen Begriff ist bekannt. Der Matthüustext ist nur an zwei Stellen zu beanstanden. Für ὁ πατὴρ ὁ ἐξ οὐρανοῦ (s. Luk. 11, 16) hat er das ihm ge- läufige 0 πατὴρ ὑμῶν 6 iv τοῖς οὐρανοῖς eingesetzt und zur „goldenen Regel“ hat er seinen Interessen gemäß den Zusatz gemacht: „Das ist das Gesetz und die Propheten“. Matth.8,19: καὶ 20008290» Luk. 9, 57—60. zt906:49. εἷς γραμματεὺς εἶπεν αὐτῷ: εἷς γραμμ. om. εἶπέν τις πρὸς διδάσκαλε, ἀκολουϑήσω σοι αὐτόν διδάσκαλε om. ὅπου ἐὰν ἀπέρχῃ. (30) καὶ λέγει αὐτῷ ὁ Ἰησοῦς: αἱ ἁλώ- εἶπεν πεχες φωλεοὺς ἔχουσιν καὶ τὰ πετεινὰ τοῦ οὐρανοῦ κατασκη- νώσεις, ὁ δὲ υἱὸς τοῦ ἀνϑρώ- που οὐκ ἔχει ποῦ τὴν κεφαλὴν κλίνῃ. (21) ἕτερος δὲ τῶν ua- εἶπεν δὲ πρὸς ἕτερον’ ἀκολού- ϑητῶν εἶπεν αὐτῷ" κύριε, ἐπί- ϑει μοι. ὁ δὲ εἶπεν: κύριε om. τρεφόν uot πρῶτον ἀπελϑεῖν ἀπελϑόντι(-τα) ohne καὶ Matth. 8, 19—22; 9, 37; 10, 10. Luk. 9, 57—60; 10, 2. 7. 13 καὶ θάψαι τὸν πατέρα μου. (22) ὁ δὲ Ἰησοῦς λέγει αὐτῷ: εἶπεν δὲ αὐτῷ (ohne ὁ T) ἀκολούϑει μοι, καὶ ἄφες τοὺς ἀκολ. bis καὶ om. — add. σὺ νεκροὺς ϑάψαι τοὺς ἑαυτῶν δὲ ἀπελθὼν διάγγελλε τὴν Ba- νεκρούς. σιλείαν τοῦ ϑεοῦ post νεκρούς. Gewif ist der Lukastext (zu Matth. v. 21. 22) klarer und ‚insofern besser (Wellhausen), aber er ist schwerlich ursprüng- lieh. Wie der Text bei Matth. lautet, forderte er einen denken- den Schriftsteller geradezu auf, die Perikope mit der Anrede Jesu ἀκολούθει μοι zu beginnen. Aber der εἷς γραμματεύς des Matth. ist zu streichen (er wird übrigens durch Matth. selbst [v. 21] als ein unbedachter Zusatz entlarvt; Blaß hat -ihn sogar aus dem Text gestrichen, aber mit nicht ausreichenden Gründen), ferner rov μαϑητῶν sowie die beiden feierlichen Anreden, nämlich v.19 und 21, und das ὁ /n000g in v. 22. Das Präsens hist. des Matth. ist beizubehalten; Luk. hat es fast stets geändert (und auch πρὸς e. Ace. für den einfachen Dativ, sowie das Partiz. für den Inf. bzw. für das Verb. fin. gehórt zu seiner Manier). — Der Zusatz bei Lukas hat schwerlich in Q gestanden, denn 1. ist dıayyéllerw im NT nur noch Act, 21, 26 bezeugt (dazu Róm. 9,17 im LXX-Zitat), 2. verlangte das ἀκολούθει uot, welches von Luk. vorweggenommen war, einen Ersatz, der natürlich stärker lauten mußte als das einfache ἀκολουθεῖν. Matth. 9, 37: τότε λέγει Luk. 10, 2. ἔλεγεν τοῖς μαθηταῖς αὐτοῦ: ὁ μὲν δὲ πρὸς αὐτούς ϑερισμὸς πολύς. οἱ δὲ ἐργάται ὀλίγοι' (38) δεήϑητε οὖν τοῦ κυρίου τοῦ ϑερισμοῦ ὅπως ἐκβάλῃ ἐργάτας εἰς τὸν ϑερι- ἐργάτας ἐκβάλῃ σμὸν αὐτοῦ. Die Einleitung lautete in Q einfach: λέγει αὐτοῖς oder τοῖς μαϑηταῖς αὐτοῦ. — Matth. gibt das ursprüngliche ἐκβ. ἐργ. — πότε wird von Matth. öfters eingefügt. Matth. 10, 10^: ἄξιος γὰρ Luk. 10, 7b. 6 ἐργάτης τῆς τροφῆς αὐτοῦ. τοῦ μισϑοῦ Nicht nur der Nahrung, sondern — meint Luk. — auch des Lohnes ist der Arbeiter wert; das Ursprüngliche steht bei Matth. 14 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. Aber bei der Kürze des Spruchs muß es fraglich bleiben, ob man ihn der Quelle überhaupt zuweisen darf. Matth. 10, 15: ἀμὴν λέγω Luk. 10, 13. ἀμὴν om. ὑμῖν: ἀνεκτότερον ἔσται γῇ Σοδόμοις ἐν τῇ ἡμέρα ἐκείνῃ Σοδόμων καὶ Γομόρρων ἐν ἀνεκτ. ἔσται ἡμέρᾳ κρίσεως ἢ τῇ πόλει ἐκείνῃ. Die Wortstellung ist von Luk. geändert, — Die Worte ἐν τ. nu. èx. sind nach Wortlaut und Stellung bei Luk. nicht ganz sicher, aber doch nicht zu streichen, da sie den Worten des Matth. entsprechen, aber nicht eine Interpolation aus Matth. sind. Ob in Q ἐν ἡμέρᾳ κρίσεως gestanden hat (so viermal bei Matth., fehlt in den anderen Evangelien) oder ἐν τῇ ἡμέρα ἐκείνῃ (so, nämlich im Sinne des Gerichtstags, zweimal bei Luk., zweimal bei Matth., einmal bei Mark.), ist nicht zu entscheiden. Vielleicht stand in der Quelle einfach „an dem Tage“. Über γῇ Σ. κ. I. oder einfach Σοδόμοις ist schwer zu entscheiden. Wahrschein- licher ist ersteres, da γῆ — Land bei Luk. nie, in den Act. nur in der Stephanusrede vorkommt. Matth. 10, 165: ἰδοὺ ἐγὼ Luk.10,3. ὑπάγετε add. ante ἀποστέλλω ὑμᾶς Oc πρόβατα ἰδοὺ ^ ἐγὼ om. ἄρνας ἐν μέσῳ λύκων. ὑπάγετε ist Zusatz des Luk., um v. 3 mit v. 2 zu verbinden. — ἐγὼ ist oft von Luk. gestrichen worden; ursprünglich ist πρόβατα (ἄρνας ist feiner). Übrigens gilt hier dasselbe wie zu Matth. 10, 105. Die Zugehörigkeit zu Q bleibt fraglich. Matth. 10, 26: οὐδὲν γάρ Luk. 12,2. δέ für γάρ ἐστιν κεκαλυμμένον ὃ οὐκ ἀπο- συγκεκαλυμμένον καλυφϑήσεται, καὶ κρυπτὸν ὃ οὐ γνωσϑήσεται. Luk. bevorzugt) die Composita und setzt sie für die Simpl. . ; Matth. 11, 8: σὺ εἶ ὁ ἐρχό- Luk. 7, 20. 22—28; 16, 16. μενος, ἕτερον προσδοκῶμεν; ἄλλον (4) καὶ ἀποκριϑεὶς ὁ Ἰησοῦς ὁ Tno. om. εἶπεν αὐτοῖς: πορευϑέντες Matth. 10, 15. 16. 26; 11, 3—13. Luk. 10, 12. 3; 12, 2; 7, 20. 22—28; 16, 16. ἀπαγγείλατε Ιωάννη ἃ ἀκούετε καὶ βλέπετε: (5) τυφλοὶ ἆνα- βλέπουσιν καὶ χωλοὶ περιπα- τοῦσιν, λεπροὶ καϑαρίζονται καὶ κωφοὶ ἀκούουσιν, καὶ νεκροὶ ἐγείρονται καὶ πτωχοὶ εὐαγγελίζονται: (6) καὶ μακά- ριός ἐστιν ὃς ἂν μὴ σκανδα- λισϑῇ ἐν ἐμοί. (T) τούτων δὲ πορευομένων ἤρξατο ὁ Ἰησοῦς λέγειν τοῖς ὄχλοις περὶ Ἰωάν- vov ti ἐξήλϑατε εἰς τὴν ἔρημον ϑεάσασϑαι; κάλαμον ὑπὸ ἀνέ- µου σαλευόμενον; (8) ἀλλὰ τί ἐξήλϑατε ἰδεῖν; ἄνϑρωπον ἐν μαλακοῖς ἠμφιεσμένον; ἰδοὺ οἱ τὰ μαλακὰ φοροῦντες ἐν τοῖς οἴκοις τῶν βασιλέων. (9) ἀλλὰ τί ἐξήλϑατε; προφήτην ἰδεῖν; ναὶ λέγω ὑμῖν, καὶ περισσότε- gov προφήτου. (10) οὗτός ἐστιν περὶ οὗ γέγραπται’ ἰδοὺ ἐγὼ ἀποστέλλω τὸν ἄγγελόν µου πρὸ προσώπου σου, ὃς κατασκευάσει τὴν ὁδόν σου ἔμπροσϑέν σου. (11) ἀμὴν λέγω ὑμῖν, οὐκ ἐγήγερται ἐν γεννητοῖς γυναικῶν μείζον Ἰωάννου τοῦ βαπτιστοῦ’ ὁ δὲ μικρότερος ἐν τῇ βασιλείᾳ τῶν οὐρανῶν μείζων αὐτοῦ ἐστιν. (19) ἀπὸ δὲ τῶν ἡμερῶν Ioár- νου τοῦ βαπτιστοῦ ἕως ἄρτι ἡ βασιλεία τῶν οὐρανῶν βιά- ζεται, καὶ βιασταὶ ἁρπάζουσιν αὐτήν. (13) πάντες γὰρ οἱ προφῆται καὶ ὁ νόμος ἕως Ιωάννου ἐπροφήτευσαν. Daß hier Luk, überall der 15 elnare? & εἴδετε καὶ ἠκούσατε καὶ om. καὶ om καὶ om. καὶ om. 2 , . 2 ἀπελθοντων δὲ τ. ἀγγέ- 2 D DÉEN ς 2 λων loarv. 08. ο o. om. ^ Di προς t. οχλ. ἱματίοις add. οἱ ἐν ἱματισμῷ ἐνδόξῳ καὶ τρυφῇ ὑπάρχοντες [διάγοντες] ἐν τοῖς βασιλείοις εἰσίν. ἰδεῖν; προφήτην; 2 D éyo) om. 2 , ἀμήν om. μείζων ἐν γενν. yov. "Ioav. (om. τ. Bart.) οὐδείς ἐστιν τοῦ $500 v. 12 und 13 sind umgestellt. v. 12 lautet: ἀπὸ τότε ἡ βασι- λεία τοῦ ϑεοῦ εὐαγγελίζεται, καὶ πᾶς εἰς αὐτὴν βιάζεται. ὁ νόμος x. οἱ προφ. μέχρι ἐπροφήτευσαν om. sekundäre ist, bedarf in den 16 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. meisten Füllen keines Beweises (zur Streichung des ἐγώ s. zu Matth. 10, 16, des ἀμήν s. zu Matth. 10, 15); also wird Matth. auch in den neutralen Fällen zu bevorzugen sein (ausgenommen das zweimal stehende ὁ ᾿]ησοῦς). Τὰ μαλακὰ φοροῦντες war dem Luk. stilistisch unverständlich und anstößig; τρυφή ist ein Wort, welches sonst in den Evangelien fehlt, also wohl auf Rechnung des Luk. kommt. Das Präsens in v. 4 ist von Luk. in das korrektere Perfektum verwandelt. Οὐκ ἐγήγερται lautete ihm zu ungriechisch. Nur sein τοῦ ϑεοῦ für τῶν οὐρανῶν mag ur- sprünglich sein. Was Matth. [Q] in v. 12 und 13 bringt, war ihm so schwer verständlich wie uns. Daß Matth. ihm gegen- über die Vorlage an dem Hauptpunkt bewahrt hat — auch ἕως ἄρτι ist zu beachten —, ist gewiß, weil εὐαγγελίζεσθαι ein Lieb- lingswort des Lukas ist. Auch die paradoxe Stellung οἱ προ- φῆται καὶ ὁ νόμος ist ursprünglich; πᾶς εἰς αὐτὴν βιάζεται ist der Versuch einer Erklärung der Worte des Matth. (Q). Soll nun Luk., der überall hier gegen Matth. unrecht hat, bei der Voranstellung von v. 13 vor v.12 und dem zu supplierenden „er- strecken sich bis“ („das Gesetz und die Propheten bis Johannes“) für ,prophezeien bis“ recht haben? Aber für ihn spricht, daß die Stellung der Sätze bei ihm natürlicher als bei Matth. ist. Entscheidet das? Matth. 11, 16: τίνι δὲ ὁ- μοιώσω τὴν γενεὰν ταύτην; ὁμοία ἐστὶν παιδίοις καθημέ- νοις ἐν ταῖς ἀγοραῖς, ἃ προσ- φωνοῦντα τοῖς ἑτέροις (17) λέ- γουσιν' γὐλήσαμεν ὑμῖν καὶ οὐκ ὠρχήσασϑε: ἐδρηνήσαμεν καὶ ovx ἐκόψασϑε. (18) ἦλϑεν γὰρ Ἰωάννης μήτε ἐσϑίων μήτε πί- νων, καὶ λέγουσιν᾽ δαιμόνιον ἔχει. (19) ἦλϑεν ὁ υἱὸς τοῦ ἀν- ϑρώπου ἐσϑίων καὶ πίνων, καὶ λέγουσιν ἰδοὺ ἄνθρωπος på- γος καὶ οἰνοπότης, τελωνῶν φίλος καὶ ἁμαρτωλῶν. καὶ ἐδικαιώϑη 7) σοφία ἀπὸ τῶν [ἔργων Β τέκνων 5] αὐτῆς. Luk. 7,31—35; 10,13— 15. 21. 22. οὖν (1. δὲ) τοὺς ἀνθρώπουςτ. γενεᾶς ταύτης καὶ τίνι εἰσὶν ὅμοιοι; ὁμοιοί εἰσιν παιδ. τοῖς ἐν ἆγορ. zapnu. καὶ προσφα- νοῦσιν ἀλλήλοις λέγοντες᾽ ἐκλαύσατε ἐλήλυϑεν Ἰωανν[ὁβαπτίοστης) μήτεξσϑων ἄρτον μήτε πίνων οἶνον λέ- γετε ἐλήλυϑεν λέγετε φίλ. τελ. ’ - παντων τῶν » - τέκνων αὐτῆς. Matth. 11, 16—27. 23 H (21) οὐαί σοι, Χοραζείν, οὐαί σοι, Βηϑσαϊδάν᾽ ὅτι εἰ ἐν Τύρῳ καὶ Σιδῶνι ἐγένοντο αἱ δυνάμεις ai γενόμεναι ἐν ὑμῖν, πάλαι ἂν ἐν σάκκῳ καὶ σποδῷ , , μετενόησαν. (22) πλὴν λέγω E e y^ H - 3 vuiv, Έυρῳ καὶ Σιδῶνι avex- , τότερον ἔσται Ev ἡμέρᾳ κρίσεως MU e. e ` D 9 n ὑμῖν. (23) καὶ σύ, Kapag- vaovu, μὴ ἕως οὐρανοῦ ὑψω- [1 . ϑήσῃ; ἕως ἄδου καταβήσῃ ..... (25) ἐν ἐκείνῳ τῷ καιρῷ 2 ` €» ~ 3 I: ἀποκριϑεὶς o [ησοῦς εἶπεν" ἔξο- Luk. 7, 31—35; 10, 13—15. 21. 22. 17 ἐγενήθησαν D D , xcüTusrot µετενοησα» λέγω ὑμῖν om. (ἐν τῇ κρίσει) ἕως τοῦ κατα- βιβασϑήση >. > - - 0 > , ἐν αὐτῇ τῇ ώρα Ὀγαλλιασατο τῷ πνεύματι τῷ ἁγίῳ καὶ εἶπεν μολογοῦμαί σοι, πάτερ, κύριε τοῦ οὐρανοῦ καὶ τῆς γῆς, ὅτι ἔκρυψας ταῦτα ἀπὸ σοφῶν καὶ συνετῶ», καὶ ἀπεχάλυψας αὐτὰ νηπίοις᾽ (26) ναί, ὁ πατήρ, ὅτι οὕτως εὐδοκία ἐγένετο ἔμπρο- σϑέν σου. (27) πάντα μοι παρε- δόϑη ὑπὸ τοῦ πατρός μου, καὶ οὐδεὶς ἐπιγινώσχει τὸν υἱὸν εἰ μὴ ὁ πατὴρ, οὐδὲ τὸν πατέρα τις ἐπιγινώσκει εἰ μὴ ὁ υἱὸς καὶ ᾧ ἐὰν βούληται ὁ υἱὸς ἀπο- καλύψαι. Zu Matth. 11, 16: Die Einleitung ist, wie gewöhnlich, bei Luk. mehr oder weniger umgestaltet. Eine stilistische, aber pedantische Verbesserung ist die Einschiebung von οἱ ἄνθρωποι, aber καὶ τίνι εἰσὶν ὅμοιοι oder vielmehr καὶ τίνι ἐστὶν ὁμοία kann aus Q stammen. Der parall membrorum ist in Q häufig; Matth. hat ihn aus Streben nach Kürze zerstört. Im folgenden aber ist die stilistische Verbesserung bei Luk. deutlich, trotz des λέγοντες. Κλαίεω; ist von Luk. für κόπτεσϑαι gesetzt; er liebt jenes Wort (11mal bei ihm, bei Matth. nur 2mal, darunter 1mal im LXX-Zitat). ᾿Ἐλήλυϑθεν (2mal) für ἦλϑεν ist vom ge- schichtlichen Standpunkt des Luk. eine Verbesserung, aber das Herrnwort hat er damit als solches in Frage gestellt (s. Well- hausen z. d. St) Die Zusätze ἄρτον und οἶνον sind als solche Harnack, Sprüche Jesu. 2 H ἀπέκρυψας γινώσκει, vlc ἐστιν ὁ vioc.. καὶ τίς ἐστιν Ò πατὴρ εἰ μὴ (ohne γινώσκει) 18 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. deutlich (Pedanterie: in der Tat bedeutet Essen und Trinken Brot essen und Wein trinken); ebenso ist das λέγετε bei Luk. eine naheliegende Correktur gegenüber dem unbestimmten λέ- γουσι». — πάντων ist im Text des Luk. nicht zu streichen; er hat eine Vorliebe für dieses Wort; aber in Q hat es ebendeshalb nieht gestanden. Téxror ist die allein verständliche LA, ἔργων ist eine sachlich unverstündliche Variante, die übrigens nur in einen Teil der Matth.-Überlieferung gedrungen ist, Ein ge- dankenloser Schreiber sah sich wohl dureh ἐδικαιώϑη auf ἔργα geführt. — ἐγενήϑησαν ist ebenso wie die Hinzufügung von. καϑήμενοι sprachliche Verbesserung (ebenso das τοῦ vor ov- ρανοῦ). — In Ezech. 31, 16. 17 stehen beide Formen (κατέβησαν und κατεβίβαζον); Luk. bevorzugte die letztere, vielleicht des Gleichklangs mit ὑψωϑήση wegen. — Die Sätze ο. 11, 25—27 (Luk. 10, 21. 22) habe ieh im Text so gegeben, wie man naeh den Evangelienhandsehriften urteilen muß. Allein aus den hier be- sonders zahlreichen und alten Zitaten darf man mit großer Wahrscheinlichkeit schließen, daß an diesem Spruch um seines eminenten Inhalts willen sehon sehr frühe stark korrigiert worden ist (s. den Exkurs am Schluß des Buchs) und daß (1) bei Matth. u. Luk. ursprünglich µου nach πατρός gefehlt hat, (2) daß die ursprüngliche LA bei Luk. lautete ἔγνω (nieht γινώσκει)!, (3) daß die Worte τὸν υἱὸν εἰ μὴ ὁ πατήρ, οὐδέ (und τις ἐπιγωώσκει) vielleicht bei Matth. (die synonymen Worte sicher bei Luk.) ur- sprünglich gefehlt haben. — Ἐν αὐτῇ τῇ ὥρα ist ein spezifisch lukanischer Ausdruck (er steht bei ihm 6mal, bei Matth. nie); umgekehrt ist ἐν ἐκείνῳ τῷ καιρῷ nur bei Matth. (noch 2mal) nachweisbar und stammt wohl aus Q. — ἠγαλλιάσατο τῷ πνεύ- ματι τ. &y. ist lukanisch; für τ. πν. v. &y. braucht das nicht erwiesen zu werden; ἀγαλλιᾶν findet sich bei ihm 4mal (ee, u. Act) ἀγαλλίασις 3mal, fehlt bei Mark; bei Matth. findet sich ἀγαλλιᾶν 1mal in der formelhaften Verbindung: χαίρετε καὶ ἀγαλλιᾶσθε. — ἀπέκρυφας hat Luk. für ἔκρυψας ge- 1) Ἔγνω findet sich z. B. in den Citaten bei Justin, Apol. l, 63 (bis); Iren. I, 20, 3 (Markosier); Tertull, adv. Mare. Π, 27; Euseb., De- monstr. V, 1; Euseb., Eclog. I, 12; Euseb., h. e. 1,2, 9; Euseb., eccl. theol, I, 12; Dial de recta fide I, p. 44 ed. van de Sande; Clem., Homil. 17, 4; 184. πα ης 90 Matth. 19, 27—30. 32. Luk. 11, 19. 20. 23; 12, 10. 19 schrieben, weil er die Composita liebt (s. o. zu Matth. 10, 26). Vielleicht hat bereits Matth. den sehr wichtigen Aorist ἔγνω in das Prüsens (als handle es sich um eine zeitlose Erkenntnis) ver- wandelt, und dieses Präsens ist dann auch in den Text des Luk. aufgenommen worden. Schwerlich ist ἐπιγινώσκειν ursprünglicher als γινώσκειν. Wenn Luk. für τὸν πατέρα geschrieben hat: τίς ὁ πατήρ, so vgl. man Luk. 5, 21; 7, 49; 8, 25; 9, 9. Der Matth.-Text ist also, von jenem Präsens abgesehen, der authentischere. Aufer der Streichung in v. 16 darf man hóch- stens in dem feierlichen λέγω ὑμῖν, in der Einleitung zu v. 25 [Zusatz von ἀποκριϑεὶς ὁ Ἰησοῦς) und in der ἡμέρα κρίσεως Ánderungen bei ihm annehmen. Statt des letzteren Ausdrucks hat vielleicht ἐν τῇ κρίσει gestanden (s. Matth. 12, 41. 42). Matth. 12, 27: καὶ εἰ ἐγὼ ἐν Βεελζεβοὺλ ἐκβάλλω τὰ dat- μόνια, οἱ υἱοὶ ὑμῶν ἐν τίνι èx- βάλλουσιν; διὰ τοῦτο αὐτοὶ κριταὶ ἔσονται ὑμῶν. (28) εἰ δὲ ἐν πνεύματι ϑεοῦ ἐγὼ ἐκ- βάλλω τὰ δαιμόνια, ἄρα ἔφϑα- σεν ἐφ᾽ p ἡ βασιλεία τοῦ Drop, : (30) d μὴ ov μετ᾽ ἐμοῦ κατ ἐμοῦ ἐστιν, καὶ ὁ μὴ συνάγων μετ᾽ ἐμοῦ σκορ- πίζει... (32) καὶ ὃς ἐὰν εἴπῃ λόγον κατὰ τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀν- ϑρώπου, ἀφεθήσεται αὐτῷ' Luk. 11, 19. 20. 23; 12,10. εἰ δὲ € 2 vu. κο. €0. πνεύματι({ δακτύλῳ) ἐγὼοπι. εἰς (f. xata) ὃς ὁ᾽ ἂν εἴπῃ κατὰ τοῦ πνεύ- ματος τοῦ ἁγίου, οὐκ ἀφε- ϑήσεται αὐτῷ οὔτε ἐν τούτῳ τῷ αἰῶνι οὔτε ἐν τῷ ugl- λοντι!. τῷ δὲ εἰς τ. &y. av. βλασφη- μήσαντι οὔτε bis μέλ- λοντι om. 1) Die Beelzebul-Perikope stand sowohl in Q als bei Mark, aber sicher läßt sich für Q nur der Text, der oben abgedruckt ist, ermitteln, dazu aus der Einleitung δαιμονιζόµενος, κωφός, λαλεῖν, ot ὄχλοι (vielleicht auch ἐξίσταντο) und Matth. v. 25 (Luk. v. 17) ἐρημοῦται. 94 á 20 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. ἐγὼ ist von Luk. ausgelassen (wie zu Matth. 10, 16; 11, 10 und sonst) und die geläufige Wortstellung hergestellt. Die luk. LA δακτύλῳ scheint auf den ersten Blick die ursprünglichere, ist es aber schwerlich. Luk. setzte trotz seiner Vorliebe für das πνεῦμα den biblischen Ausdruck (Exod. 8, 19; 31, 18; Deut. 9, 10; Ps. 8, 4) ein; gewissen Anthropomorphismen, die biblisch be- gründet sind, ist er nicht abhold, s. c. 1, 51 βραχίων ϑεοῦ, 1, 66 χεὶρ κυρίου, 1, 73: ὄρκος v. Θεοῦ. Der Schluß von v. 32 (der Vers bei Luk. stilistisch korrigiert) kann feierlicher Zusatz des Matth. sein. Matth. 12, 38: τότε ane- κρίϑησαν αὐτῷ τινες τῶν γραμ- ματέων καὶ Φαρισαίων λέγον- τες" διδάσκαλε, ϑέλομεν ἀπὸ σοῦ σημεῖον ἰδεῖν". (39) ὁ δὲ ἀποκριϑεὶς εἶπεν αὐτοῖς' γενεὰ πονηρὰ καὶ μοιχαλὶς σημεῖον ἐπιζητεῖ, καὶ σημεῖον οὐ Óo- ϑήσεται αὐτῇ εἰ μὴ τὸ σημεῖον Ἰωνᾶ τοῦ προφήτου .... (41) ἄνδρες Νινευεῖται ἀναστήσον- ται ἐν τῇ κρίσει μετὰ τῆς γε- νεᾶς ταύτης καὶ κατακρινοῦσιν αὐτήν, ὅτι μετενόησαν εἰς τὸ κήρυγμα Ἰωνᾶ, καὶ ἰδοὺ πλεῖον Ἰωνᾶ ὧδε. (43) βασίλισσα νό- του ἐγερϑήσεται ἐν τῇ κρίσει μετὰ τῆς γενεᾶς ταύτης καὶ κατακρινεῖ αὐτήν, ὅτι ἤλϑεν è ἐκ τῶν περάτων τῆς γῆς ἀκοῦ- σαι τὴν σοφίαν Σολομῶνος, καὶ ἰδοὺ πλεῖον Σολομῶνος ὧδε. Die Verse 41. 42 sind bei vielmehr gefehlt (s. u.). Die Einleitung ist bei beiden umgestaltet. lehrten und Pharisäer und die Anrede Luk. 11, 16. 29. 30. 32. 31. ἕτε- 001 δὲ πειράζοντες σημεῖον ἐξ οὐρανοῦ ἐζήτουν παρ᾽ αὐτοῦ 7 , c H 708avo λέγειν 7] γενεα αὕτη γενεὰ πονηρά ἐστιν' ON- μεῖον ζητεῖ om. τοῦ προφήτου add. καϑ- E E S ὡς γὰρ ἐγένετο Ἰωνᾶς τοῖς P C Νινευείταις σημεῖον, οὕτως » TEC [9 Get H ἔσται καὶ ὁ υἱὸς τοῦ ἀνϑρώ- που τῇ γενεᾷ ταύτῃ. - H - τῶν ἀνδρῶν τ. γεν. ταύτ. 2 αὐτούς Luk. umgestellt oder v. 41 hat Die Sehriftge- διδάσκαλε sind dem Matth. eigentümlich; die Einleitung wird etwa gelautet haben: ` Matth. 19, 38—45. Luk. 11, 16. 29. 30. 32. 31. 24—26. 21 (sie sprachen): ϑέλομεν ἀπὸ σοῦ σημεῖον ἰδεῖν. Die stilistische Verbesserung bei Luk. ist deutlich; ebenso ist 7j γενεὰ κτλ. eine stilistische Verbesserung. μοιχαλίς hat Luk. als vulgär auch sonst vermieden. Auch hier setzt er ausnahmsweise (doch s. zu Matth. 11, 27) das Simplex ζητεῖ für das Kompositum, weil er die besondre Bedeutung des Kompositums noch würdigt. — τοῦ προφήτου ist wohl feierlicher Zusatz des Matth. — τῶν ἀνδρῶν ist von Luk. eingesetzt wie zu Matth. 11, 16. Die Worte καθὼς γὰρ bis τῇ γενεᾷ ταύτῃ bei Luk. sind ursprünglich (doch setze ὥσπερ für καθώς); Matth. hat sie v. 40 durch einen Satz ersetzt bzw. erklärt (Höllenfahrt Christi), den Luk. nicht getilgt hätte, wenn er ihn gelesen hätte: ὥσπερ γὰρ ἦν Ἰωνᾶς ἐν τῇ κοιλίᾳ τοῦ κήτους τρεῖς ἡμέρας καὶ τρεῖς νύκτας, οὕτως ἔσται ὁ υἱὸς τοῦ ἀνϑρώπου ἐν τῇ καρδίᾳ τῆς γῆς τρεῖς ἡμέρας καὶ τρεῖς νύκτας. In Q bestand das σημεῖον für die Nineviten einfach in der Predigt des Jonas (gegen Wellhausen), daß nämlich überhaupt ein Prophet zu ihnen gekommen ist. Die Umstellung der beiden Verse bei Luk. kann nur auf einem alten Versehen beruhen, wenn nicht mit D und Blaß der v. 41 des Matth. (— Luk. 32) als Interpolation im Lukastext zu tilgen ist. Das ist um so wahrscheinlicher, als hier τῆς γενεᾶς ταύτης nicht in τῶν ἀνδρῶν τῆς γενεᾶς ταύ- της verändert ist. In Q aber wird er gewiß gestanden haben. Das ἀποκριθείς in v. 39 ist Stil des Matth. Matth. 12, 43: ὅταν δὲ τὸ Luk. 11, 24—26. δέ om. ἀκάϑαρτον πνεῦμα ἐξέλϑῃ ἀπὸ τοῦ ἀνϑρώπου, διέρχεται δι’ ἀνύδρων τόπων ζητοῦν ἀνά- παυσιν, καὶ οὐχ εὑρίσκει. (44) τότε λέγει" εἰς τὸν οἶκόν µου ἐπιστρέψω ὅϑεν ἐξῆλθον' καὶ ἐλϑὸν εὑρίσκει σχολάζοντα [καὶ] σεσαρωμένον καὶ κεκο- ομημένον. (45) τότε πορεύεται μὴ εὑρίσκον λέγει ὑποστρ. εἰς τ. οὗ u. σχολάζοντα [καὶ] om. καὶ παραλαμβάνει μεθ’ ἑαυτοῦ ἑπτὰ πνεύματα πονηρότερα ἑαυτοῦ καὶ εἰσελϑόντα κατοι- κεῖ ἐκεῖ, καὶ γίνεται τὰ ἔσχατα χε - HE ἕαυτου om. ἕτερα πνεύμ. ἑαυτοῦ ἑπτά 29 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung eto. τοῦ ἀνϑρώπου χείρονα τῶν πρώτων. Sowohl μὴ als εὑρίσκον ist stilistische Verbesserung, ebenso die Wortstellung in 44* und ὑποστρέφω für ἐπιστρέψω (ὑπο- στρέφει» findet sich bei Luk. [Ev. u. Act.] 33mal, bei Matth. und Mark. niemals. Die Weglassung von σχολάζοντα begreift man, nieht aber die Hinzufügung; dasselbe gilt von μεθ’ av- τοῦ. Ἕτερος findet sich bei Mark. niemals, bei Matth. 9 mal, bei Luk. (im Ev.) 33mal; also wird es auch hier Zusatz sein. Tórs primum gehórt vielleicht dem Matth. an. Matth. 13, 16: ὑμῶν δὲ ua- Luk. 10, 23. 24. ὑμῶν δὲ om. κάριοι οἱ ὀφϑαλμοὶ ὅτι βλέ- oi βλέποντες ἃ βλέ- κουσιν, καὶ τὰ ὦτα [ὑμῶν] ὅτι πετε καὶ τὰ bis ἀκούουσι» om. ἀκούουσιν. (17) ἀμὴν γὰρ λέγω ἀμὴν om. λέγω γὰρ ὑμῖν, ὅτι πολλοὶ προφῆται καὶ [καὶ βασιλεῖς] für καὶ δίκαιοι ἐπεθύμησαν ἰδεῖν ἃ δίκαιοι ἠϑέλησαν βλέπετε καὶ οὐκ εἶδαν, καὶ ὑμεῖς βλέπ. [καὶ ἀκοῦσαι ἃ ἀκούετε, καὶ οὐκ ἀκ. bis ἤκουσαν om.] ἤκουσαν. Im Anfang bringt Luk. eine Verbesserung des Stils und eine pedantische Klärung des Gedankens. Die letzten 7 Worte des Matth. hat Blaß mit Recht bei Luk. nach einigen Zeugen gestrichen. Das „Hören“ fehlte schon v. 16, und wenn v.17 der Schlußsatz lukanisch wäre, müßte es ὑμεῖς ἀκούετε heißen (s. den Lukastext unmittelbar vorher) Augenseheinlich wollte Luk. nicht gesagt wissen, daß die Propheten es nicht gehört hätten; nur gesehen haben sie es nicht. Die Hervorhebung des ὑμεῖς bei Luk. ist auffallend, da er sonst die pleonastischen Personalpro- nomina in Q vielmehr streicht; aber hier hatte er im Anfang das ὑμῶν gestrichen, und dort, wo er es bringt, ist das ὑμεῖς nicht pleonastiseh. — ἁμήν kann der Quelle angehören, kann aber auch von Matth. eingeschoben sein. Καὶ βασιλεῖς wird trotz der unsicheren Bezeugung bei Luk. beizubehalten sein, da sich die spätere Hinzufügung nicht leicht erklärt, während der Wegfall verständlich ist. Stand es aber in Luk., so stand es auch in Q, und δίκαιοι bei Matth. ist Korrektur des Matth., der für δικαιοσύνη eine besondere Vorliebe hat. ᾿Ηϑέλησαν für ἐπεθύμησαν ist deutliche Stilverbesserung (ἐπιϑυμεῖν kommt Matth. 13, 16. 17. 31—33. Luk. 10, 23. 24; 13, 18—21. 23 sonst bei Matth. nur noch 1mal vor). In Q wird der Spruch wesentlich wie bei Matth. gelautet haben mit Ausnahme des δίκαιοι (und vielleicht des ἀμήν). Man beachte auch den Par- allelismus bei Matth. Matth. 13,33: ἄλλην παρα- βολὴν ἐλάλησεν αὐτοῖς: ὁμοία ἐστὶν 5j βασιλεία τῶν οὐρανῶν ζύμῃ, ἣν λαβοῦσα γυνὴ ἐνέ- Raupe» εἰς ἀλεύρου σάτα τρία, ἕως οὗ ἐζυμώϑη ὅλον». Hier ist, von der Einleitung abgesehen, alles identisch. Die lukanische Einleitung scheint bevorzugenswert, da Lukas sonst rhetorische Fragen gern umwandelt. Mit Recht machen die Exegeten darauf aufmerksam, daß höchst wahrscheinlich auch die bei Matth. (13, 31. 32) und Luk. (13, 18. 19) sich neben der Sauerteig-Parabel findende Parabel vom Senfkorn zu Q gerechnet werden muß, obgleich sie sich auch bei Mark. (4, 30—32) findet. Beweis: (1) Die beiden Pa- rabeln gehóren enge zusammen, und es ist an sich unwahr- *scheinlich, daß die eine von ihnen isoliert überliefert worden ist, (2).sie stehen bei Matth. und Luk. zusammen, (3) sie haben bei ihnen eine von Mark. abweichende Form, (4) diese Form ist der des Sauerteig-Gleichnisses verwandt. Luk. 13, 20. 21. καὶ πάλιν εἷ- € TEV: τίνι ὁμοιώσω T. Bao. τ. 9 æu € DH 2 H Loes εου; οµοία ἐστὶν Cou Mark. H) - € καὶ ἔλεγεν: πῶς 0- μοιώσωμεν τὴν βασι- - ~ N λείαν τοῦ 9:600 7) ἐν τίνι αὐτὴν παραβολῇ ἡ ϑῶμεν; ὡς κόκκῳ σινάπεως, ὃς ὅταν σπαρῇ ἐπὶ τῆς γῆς, μικρότερον ὂν πάν- TOY τῶν σπερμάτων τῶν ἐπὶ τῆς γῆς, καὶ o ~ , ὅταν σπαρῇ, ἀναβαί- νει καὶ γίνεται μεῖ- čov πάντων τῶν λα- ος Matth. ἄλλην παραβολὴν παρέϑηκεν αὐτοῖς Àg- κα ὁμοία ἐστὶν βασιλεία τῶν οὐ- ρανῶν κόκκῳ σινά- πεως, ov λαβὼν ἄνθρωπος one- ρεν ἐν τῷ ἀγρῷ aù- τοῦ" ὃ μικρότερον μέν ἐστιν πάντων τῶν σπερμάτων, 0- Luk. ἔλεγεν ovv tivi ὁ- μοία ἐστὶν ἡ βασι- λεία τοῦ ϑεοῦ, καὶ τίνι ὁμοιώσω αὐτήν; ὁμοία ἐστὶν κόκκῳ σινάπεως, ὃν λα- βὼν ἄνϑρωπος ἔ- βαλεν εἰς κῆπον £- αυτοῦ, καὶ ηύξη- σεν καὶ ἐγένετο εἰς δένδρον, καὶ τὰ - ` ~ H ταν δὲ αὐξηϑῇ ust- πετεινὰ τοῦ ovga- ζον τῶν λαχάνων | νοῦ κατεσκήνωσεν ἐν 24 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. ΄ χάνω», καὶ ποιεῖ κλά-| ἐστὶν καὶ γίνεται!τοῖς κλάδοις aù- dove μεγάλους, ὥστε δένδρον, ὥστε ἐλ- τοῦ. δύνασϑαι ὑπὸ τὴν Os» τὰ πετεινὰ τοῦ. σκιὰν αὐτοῦ τὰ πε- οὐρανοῦ καὶ κατα- τεινὰ τοῦ οὐρανοῦ, σκηνοῦν ἐν τοῖς κατασκηνοῦν. MYTMT αὐτοῦ, Der Text in Q wird demnach etwa gelautet haben: ἔλεγεν” ὁμοία ἐστὶν ἡ βασιλεία τοῦ ϑεοῦ κόκκῳ σινάπεως, ov λαβὼν ἄνϑρωπος ἔσπειρεν (schwerlich ἔβαλεν) ἐν τῷ ἀγρῷ αὐτοῦ, καὶ ηὔξησεν καὶ γίνεται (εἰς) δένδρον καὶ τὰ πετεινὰ τοῦ où- ρανοῦ κατασκηνοῖ ἐν τοῖς κλάδοις αὐτοῦ. Daß auch die Ein- leitung bei Luk. ursprünglich ist (τίνι ὁμοία bis αὐτήν) ist mir wahrscheinlich; Matth. verkürzt. Bemerkenswert ist, daß sich Luk. hier nicht von Markus abhüngig zeigt (anders Matth.) und auch eine einfachere Konstruktion befolgt als dieser, weil er sich enge an die Quelle angeschlossen hat. Dagegen ist der κῆπος des Luk. schwerlich ursprünglich (Matth.: ἀγρός — Mark.: γῇ), und auch das Praes. hist. des Matth. wird beizubehalten sein. Der Ausdruck τὰ πετεινὰ τοῦ οὐρανοῦ in Verbindung mit κατασκηνοῦν findet sich auch noch Matth. 8, 20 = Luk. 9, 58, τὰ πετεινὰ τ. οὐρανοῦ auch noch Matth. 6, 26 (Luk. bietet hier oí κόρακες. Der χόκκος σινάπεως steht auch Matth. 17, 20 = Luk. 17,6; desgleichen finden sich αὐξάνειν», σπείρει» und das pleonastische λαβών sonst noch in Q. Matth. 15, 14: τυφλὸς δὲ Luk. 6, 39. μήτι δύναται τυ- τυφλὸν ἐὰν ὁδηγῇ, ἀμφότεροι phòs τυφλὸν ὀδηγεῖν; οὐχὶ àu- εἰς βόϑυνον πεσοῦνται. φότεροι εἰς βόϑυνον ἐμπε- σοῦνται; Nur die Form ist verschieden; sie ist bei Luk. lebendiger, aber ob deshalb ursprünglich? "E&» ist in Q sehr häufig, und Luk. hat es sehr oft ersetzt. Das Simpl πεσοῦνται hat Luk. durch das Kompos. ersetzt, wie öfters. Matth. 18, 7: ἀνάγκη ἐλ- Luk. 17,1. ἀνένδεκτόν ἐστιν Helv τὰ σκάνδαλα, πλὴν οὐαὶ τοῦ τὰ 0x. μὴ 22%. [οὐαὶ dè] τῷ ἀνϑρώπῳ déi οὗ τὸ οκάν- τῷ ἀνϑρώπῳ om. τὸ σχάν- doion ἔρχεται. δαλον om. Die erste Hülfte des Spruchs ist sicher bei Matth. ursprüng- Matth. 15, 14; 18, 7; 23,12. 37—39. Luk. 6,39; 17,1; 14, 11; 13,34. 35. 25 licher (ἀνάγκη findet sich nur hier bei ihm, während es bei Luk. ein paarmal steht). - allelismus willen in der Form des Matth. zu bevorzugen. Auch die zweite Hälfte ist um des Par- Ob H H H D . Luk. πλὴν οὐαί oder οὐαὶ δέ geschrieben, ist unsicher. Matth. 23, 12: ὅστις δὲ ὑψώσει ἑαυτὸν ταπεινώθήσε- ται, καὶ ὅστις ταπεινώσει ἕαυ- τὸν ὑψωϑήσεται. Umwandlungen des Verb. ` häufig, ebenso πᾶς für óc und Matth. 23, 37: Ἱερουσαλὴμ Ἱερουσαλήμ, ἡ ἀποκτείνουσα τοὺς προφήτας καὶ λιϑοβολοῦ- σα τοὺς ἀπεσταλμένους πρὸς αὐτήν, ποσάκις ἠϑέλησα ἐπι- συναγαγεῖν τὰ τέκνα σου, ὂν τρόπον ὄρνις ἐπισυνάγει τὰ νοσσία [αὐτῆς] ὑπὸ τὰς πτέρυ- Luk. 14, 11. ὑψῶν ὁ ταπεινῶν fin. ins Partie. sind bei Luk. ὅστις. Luk. 13, 34. 35. 2 ἐπι- Zë συναξαι ; , ἐπισυνάγει om. τὴν ἑαυτῆς νοσσιὰν γας, καὶ οὐκ ἠϑελήσατε. (38) ἰδοὺ ἀφίεται ὑμῖν ὁ οἶκος ὑμῶν ἔρημος. (39) λέγω γὰρ ὑμῖν, οὐ ἔρημος om. γὰρ om. [δὲ] qu) µε ἴδητε ἀπ’ ἄρτι ἕως ἂν Ἰδητέ µε ἀπ᾽ ἄρτι ου. ἕως εἴπητε: εὐλογημένος ὁ ἐρχό- [ἂν n&n ὅτε] μενος ἐν ὀνόματι κυρίου. Die meisten Varianten sind hier unbedeutend; doch erscheint auch hier der Matthäustext als der ältere. Sehr eigentümlich und dem Stil des Luk. wenig angemessen ist die LA ἕως ἂν ἥξη (oder ἕως ἥξει) ὅτε. Wenn die Vermutung W ellhausens haltbar wäre, daß ὅτε das aramüische Relativum wiedergiebt („is cui“) und daß das wahre Subjekt der Messias ist, müßte man die LA für die ursprünglichste halten; allein der Gedanke: „ihr werdet mich nicht sehen, bis das der kommt, zu dem ihr sprecht: Gesegnet sei der Kommende usw.“, ist von unglaub- hafter Umständlichkeit. — Zu ἄρτι ist zu bemerken, daß es sich in den Evv. nur bei Matth. und Joh. findet (ἀπ᾽ ἄρτι noch Matth. 26, 29; 26, 64 und 3mal bei Johannes). Luk. hat diesen vulgären und zudem noch pleonastischen Ausdruck gestrichen; an der 96 Cap. 1. Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. Parallelstelle zu Matth. 26, 29 sagt er ἀπὸ τοῦ νῦν (so noch 4mal im Ev. und 1mal in den Act). — Zu ἀφίεται ἔρημος be- merkt Wellhausen: ,Die Stadt wird nicht etwa erst verwüstet werden, sondern sie ist bereits verwüstet und soll in Trümmern liegen bleiben ... Die neueren Exegeten machen die Augen zu und denken an dies und das.“ Dazu zu Luk. 13, 34. 35: „Sehr bemerkenswert ist die Auslassung von ἔρημος.“ Warum ἀφίεται ἔρημος nicht prophetisches Futurum sein soll, ist nicht einzu- sehen, und daß Luk. ἔρημος (welches übrigens auch bei Matth. nicht ganz gesichert ist) gestrichen hat, weil sich Jerusalem wieder aus den Trümmern erhob, ist mir fraglich. Der Spruch bei Matth. ist nur eine Wiedergabe der Weissagung des Jere- mias (22, 5): εἰς ἐρήμωσιν ἔσται ὁ οἶκος οὗτος. Aber die Wie- dergabe lautete nicht ganz logisch — denn die Zerstörung muß suppliert werden — und auch nicht gut griechisch: ἀφίεται ὑμῖν ὁ οἶκος ὑμῶν ἔρημος. Diese Fassung verbesserte Luk. durch die Streichung des ἔρημος. Matth. sagte: „Euer Tempel wird zu eurem Unheil im Zustande der Verödung belassen wer- den“; Luk. korrigierte: „Euer Tempel wird zu eurem Unheil preisgegeben (verlassen) werden.“ Das Pass. ἀφίεσθαι hat nun den Sinn wie Matth. 24, 40f. (Luk. 17, 34f.), wo es im Gegen- satz zu παραλαμβάνεσϑαι steht. — Ob der Spruch von Jesus selbst stammt oder ein von ihm gebrauchtes (oder ihm in den Mund gelestes) Zitat ist, darüber s. u. Matth. 24, 43: Ἐκεῖνο δὲ Luk. 12, 39. 40. 42—46. τοῦτο γινώσκετε, ὅτι εἰ ᾖδει ὁ οἰκο- δεσπότης ποίᾳ φυλακῇ ὁ κλέ- πτης ἔρχεται, ἐγρηγόρησεν ἂν καὶ οὐκ ἂν εἴασεν Φιορυχϑῆναι τὴν οἰκίαν αὐτοῦ. (44) διὰ τοῦτο καὶ ὑμεῖς γίνεσϑε ἕτοι- μοι, ὅτι 3j οὐ δοκεῖτε ὥρᾳ ὁ υἱὸς τοῦ -ἀνϑρώπου ἔρχεται. (45) τίς ἄρα ἐστὶν d πιστὸς δοῦλος καὶ φρόνιμος, OV κατέ- στησεν ὁ κύριος ἐπὶ τῆς ol- κετείας αὐτοῦ τοῦ δοῦναι qù- τοῖς τὴν τροφὴν ἐν καιρῷ; (f. ἐκεῖνο) ὥρᾳ (f. φυλακῇ) ἐγρηγόρησεν αν καὶ om. οὐκ ἂν ἀφῆκεν : τὸν οἶκον τοῦτο Om. ὥρᾳ οὐ δοκεῖτε (der ganze 44. Vers ist vielleicht Zusatz aus διὰ Matth.) οἰκονόμος (f. δοῦλος) κατα- στήσει ϑεραπείας (f. οἱ- χετείας) διδόναι aù- τοῖς om. ἐν καιρῷ τὸ σιτοµέ- , eo - ϱρήσει ουτως ποιοῦντα. Matth. 24, 43—51, , ς e Ki (46) μακάριος ο δοῦλος ἐκεῖνος, e 2 . € , H ~ € ον ἐλϑων ο κύριος αὐτοῦ EV- (47) D. 4 e E u 74 zz ἀμήν λέγω υμῖν οτι ἐπὶ πᾶσιν - € , ~ TOLG υπαρχουσιν αὐτοῦ κατα- , H , . στήσει αὐτόν. (48) ἐὰν δὲ εἴπῃ € . - - 0 κακὸς δοῦλος ἐκεῖνος ἐν τῇ 2 - ο. καρδίᾳ αὐτοῦ: (49) χρονίζει € , r µου ὁ κύριος, καὶ ἄρξηται , , τύπτειν τοὺς συνδούλους qù- τοῦ, ἐσθίῃ δὲ καὶ πίνῃ μετὰ Se H © Qu ς τῶν μεθυόντων, (50) ἥξει o Luk. 19, 39. 40. 42—46. 27 τριον ποιοῦντα οὕτως ἀληθῶς (f. ἀμήν) κακὸς om. ὁ κύρ. µου ἔρχεσθαι (add. post κύριος) τοὺς παῖδας καὶ τὰς παιδίσκας (f. t. συνδούλ. αὐτ.). ἐσϑίειν τε καὶ πίνειν καὶ us- , ~ y. κύριος τοῦ δούλου ἐκείνου ἐν ϑύσκεσϑθαι ἡμέρᾳ 7 οὐ προσδοκᾷ καὶ ἐν ὥρᾳ 7 οὐ γινώσκει, (51) καὶ διχοτομήσει αὐτὸν καὶ τὸ ué- ρος αὐτοῦ μετὰ τῶν ὑποκρι- τῶν ϑήσει. τῶν). Diese Perikope ist besonders instruktiv, um die verschiedenen Motive zu erkennen, aus denen Luk. den ihm überlieferten Text 297 D ἀπίστων (f. vzxoxgr- korrigiert hat; denn fast überall erweist sich der Matthäustext ihm gegenüber als der ursprüngliche. Luk. ersetzt aus sprachlichen Gründen ἐχεῖνο durch τοῦτο, δοῦναι durch διδόναι (wie im VU.), ἀμήν durch ἀληϑῶς [übrigens ein Beweis, daß das ἀμήν hier — also auch wohl sonst öfters, wo es bei Luk. fehlt — in der Quelle stand; vgl auch das bei Luk. sich findende ναί], die Formen ἐσθίῃ, πίνῃ durch den Infinitiv [wobei dann auch das malende μετὰ v. μεϑυόντω» verwandelt wird]; er verbessert die Wortstellung [das unnütz betonte µου, das ebenfalls unnütz be- tonte ἐν καιρῷ und das zu wenig betonte οὕτως]; er läßt die überflüßigen Worte ἐγρηγόρησεν ἂν καί, διὰ τοῦτο, αὐτοῖς und κακός fort; dagegen schaltet er ἔρχεσθαι zu χρονίζει ein, da er diesen Hauptbegriff auch ausgedrückt sehen will. Er setzt oixoc - für οἰκίαν ein, da jenes Wort in der Tat zutreffender ist. Er nimmt an dem vulgüren οἰκετεία Anstoß und ersetzt es durch das klassische Θεραπεία. Er verwandelt den δοῦλος, der ja auch nach Matth. nicht ein gewöhnlicher Sklave, sondern Sklave und Sklavenaufseher ist, in einen οἰκονόμος, und demgemäß müssen auch die σύνδουλοι verwandelt werden [dieses Wort findet sich 98 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. übrigens bei Luk. nie, wührend es sich bei Matth. noch viermal in 18, 28—33 findet). Er ersetzt ὑποκριταί durch die seinen Lesern geläufigeren ἄπιστοι [ὑποκριταί sind bei ihm überhaupt seltener als bei Matth.], das farblose τροφή durch das sicher technische, übrigens sonst nicht belegte σιτοµέτριο»ν, φυλακή durch ὥρα, weil der Dieb doch nieht nur in der φυλακή kommt, sondern zu jeglicher Stunde. Nur das ahne ich nicht, warum er εἴασεν mit ἀφῆκεν vertauscht hat; εἴασεν ist aber gewiß die ursprüngliche LA, denn ἐᾷν findet sich bei Matth. überhaupt nur hier, während es Luk. öfters bietet (10mal im Ev. u. Act.) Endlich hat Luk. aber noch zwischen den 44. und 45. Vers bei Matth. die Worte eingeschoben: Einev de ὁ Πέτρος" κύριε, πρὸς ἡμᾶς τὴν παραβολὴν ταύτην λέγεις ἢ καὶ πρὸς πάντας; καὶ εἶπεν ὁ κύριος. Sie durchbrechen den Zusammenhang der Rede, die nur scheinbar hier einen Hiatus aufweist, und entsprechen dem Stil und der Art des Lukas, der „auf Adressen Wert legt“. Auch das καταστήσει (statt κατέστησεν) ist eine Schlimmbesserung, die | aber mit der eingeschobenen Frage des Petrus in einem ge- wissen Zusammenhang steht. Der v. 44 ist in Luk. vielleicht Zusatz aus Matth. Dann hat man keine Gewähr, daß er in Q gestanden hat. Matth. 25, 29: τῷ ἔχοντι Luk. 19, 26. παντὶ T. [παντὶ] δοϑήσεται καὶ περιόσευ- ἔχ. καὶ περιοο. OM. ϑήσεται' τοῦ δὲ μὴ ἔχοντος καὶ ἀπὸ δὲ τοῦ 0 ἔχει ἀρϑήσεται ἀπ᾽ αὐτοῦ. ἀπ᾽ αὐτοῦ om. Daß Luk. hier an allen drei Stellen den Text sprachlich ver- bessert hat, liegt auf der Hand; περισσευθήσεται war der Sache. nach überflüssig. Es sind nur etwa 34 Fälle, in denen wir bald stärkeren, bald schwächeren Anlaß zu der Vermutung gefunden haben, der Text des Matth. sei gegenüber Luk. sekundär, aber diese Fälle redu- zieren sich noch, wenn wir sie zusammenfassend beurteilen. Es ist | / nämlich 1. keineswegs gewiß, daß das ἀμήν e. 8, 10, ο.10, 15,6. 11, 11 Ἶ und c. 13, 17 Zusatz des Matth. ist, denn zu c. 24, 47 bat es Luk. durch ἀληϑῶς (und zu ο. 23, 36 durch vef) wiedergegeben; es kann daher sehr wohl auch an den anderen Stellen in Q ge- standen und Luk. kann es unübersetzt gelassen haben, da er Matth. 25, 29. Luk. 19, 26. — Ergebnisse. 29 | nieht-griechische Worte vermieden hat. Dasselbe gilt 2. von dem | feierlichen λέγω ὑμῖν ο. 11, 22; auch Luk. bringt es öfters (s. | Luk. 10, 12. 24; 11, 51; 15, 7 etc); es hat also in Q gestanden | und kann daher auch von Luk. an dieser oder jener Stelle ge- | tilgt sein. (3) Daß Matth. 3, 9 δόξητε für ἄρξησθε gesetzt hat, ist nicht zu erweisen, und daß er c. 3, 11 εἰς μετάνοιαν eingesetzt | hat, ist sogar unwahrscheinlich. Die übrigen Fälle anlangend, so beziehen sich dreizehn auf die Einleitungen zu Reden (nicht auf diese selbst), bzw. ' enthalten unbedeutende stilistische Änderungen. Die Rede Matth. | 8,19f. ist eingeleitet durch: xai προσελθὼν εἷς γραμματεύς, und ebendort ist (v. 21) zu ἕτερος hinzugesetzt: τῶν μαϑητῶν!, | sowie die Anrede διδάσκαλε, κύριε. Auch ist hier (v. 22) und ο, 11,4. 7 ὁ ᾿]ησοῦς eingefügt, c. 11,25 ἀποκριθεὶς ὁ Ἰησοῦς. Die Rede c. 12, 38f. ist eingeleitet durch: τότε ἀπεκρίϑησαν | αὐτῷ τινες τῶν γραμματέων καὶ Φαρισαίων λέγοντες, und die Rede c. 12, 22Η durch τότε προσηνέχϑη αὐτῷ δαιμονιζόμενος, | endlich das Gleichnis e. 13,13 durch die Worte: ἄλλην παρα- | βολὴν ἐλάλησεν αὐτοῖς. Τότε (Lieblingspartikel des Matth.; es steht bei ihm ca. 90 mal, bei Mark. 6mal, bei Luk. 14mal) ist ο. 9, 37 und vielleicht 12, 44 hinzugesetzt. Nicht ganz ins klare kann man darüber kommen, ob Matth. 11, 16 καὶ τίνι εἰσὶν ὅμοιοι (s. Luk. 7, 31) fortgelassen oder ob Luk. die Worte hin- zugesetzt hat. Ersteres ist wahrscheinlich, weil auch zu Matth. 13, 33 Lukas tüber Matthäus hinaus die Worte bietet: τίνι ὁμοιώσω τὴν βασιλείαν τοῦ ϑεοῦ, und Luk. sonst rhetorische — Fragen nicht liebt. Zu Ἰωνᾶ ist τοῦ προφήτου gesetzt c. 13, 39, und aus dem Tauben ist ein Blinder und Tauber geworden c. 12,22 — ähnliche Verstärkungen hat er auch am Markustext angebracht. Die letzte Gruppe (c. 15 Fälle) bezieht sich auf die eigent- lichen Reden im engsten Sinn. Hier ist zunüchst zu konstatieren, - dafi Matth. für den Ausdruck „euer (der) himmlischer Vater“ bzw. . für den Zusatz „himmlisch“ und die Ersetzung des Wortes „Gott“ durch „Himmel“ eine Vorliebe gehabt hat, die nicht durch Q angeregt worden zu sein scheint. So hat er c. 6, 26 0 πατὴρ 1) Ob ο, 9, 37 τοῖς μαϑηταῖς αὐτοῦ eingefügt ist, ist fraglich; es kann auch ursprünglich sein. 30 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. ὑμῶν ὁ οὐράνιος für d ϑεός eingesetzt, c. 6, 32 ὁ οὐράνιος zu) ὁ πατὴρ ὑμῶν hinzugefügt, ο. 7,11 ὁ πατὴρ ὑμῶν ὁ ἐν τοῖς. οὐρανοῖς für ὁ πατὴρ ὁ ἐξ οὐρανοῦ und ο. 11, 11 τ. fac. τῶν. οὐρανῶν für τ. Bao. τ. ϑεοῦ geschrieben. Daß er in diesen Fällen den sekundären Text hat, ergibt sich aus der Beobachtung, daß er jene termini auch dort bringt, wo er nicht von Q abhängig ist. Ferner hat er eine Vorliebe für den Begriff δίκαιος (δικαιο- σύνη). In ο. 6, 33 ist καὶ τὴν δικαιοσύνην sicher ein Zusatz — und kein unbedeutender! — und die βασιλεῖς sind in c. 13, 17 gewiß ursprünglicher als die δίκαιοι. Anlehnung an die feier- liche Bibelsprache wird man vielleicht in c. 6, 26 (τὰ πετεινὰ es uns ^ ` A ~n) E: τοῦ οὐρανοῦ für τοὺς κόρακας), in ο. 6, 28 τὰ κρίνα τοῦ ἀγροῦ. (statt einfach τὰ κρίνα) und in 6,30 (τὸν χόρτον τοῦ ἀγροῦ. für ἐν ἀγρῷ τὸν χόρτον) sehen dürfen, doch ist diese Entschei- | dung nicht sicher. Der im NT. und bei den LXX nicht vor- kommende Ausdruck des Lukas (12, 90) τὰ ἔθνη τοῦ κόσμου (bei Matth. fehlt c. 6, 32 τοῦ κόσμου) kann ursprünglich sein (aramäische Redensart); Matth. kann τοῦ κόσμου als überflüßig gestrichen haben!. Es erübrigen ein paar Stellen von bedeutenderem ` Gewicht. In c. 6,33 hat Matth. πρῶτον eingesetzt und damit . die Einzigkeit der Forderung, nach dem Reiche Gottes zu trachten, | eingeschränkt; in c. 7, 12 hat er der „goldenen Regel“ die Worte ` . Ge τή € ` ~ beigefügt: οὗτος γάρ ἐστιν ὁ νόμος καὶ οἱ προφῆται. Das Jonas-Gleichnis hat er ganz umgebogen, indem er ein neues ` tertium comparationis eingeführt (den dreitägigen Aufenthalt des ` Jonas im Bauche des Walfisches) und so das Gleichnis auf den Aufenthalt Jesu in der Unterwelt gedeutet hat; das Präsens in ` c. 11, 27 stammt vielleicht von ihm und der Schluß von c. 12,32. | Im ganzen wird man sagen dürfen, daß Matth. den Reden gegenüber mit großem Respekt und sehr konservativ verfahren ist. Bei der Spärlichkeit der wichtigeren Korrekturen kann man von konstanten Interessen, die ihn zu solchen veranlaßt haben, ` nicht sprechen. Die Änderung der Bezeichnung für Gott und für das „Reich“ ist in seinem Sinn gewiß keine Korrektur; die Zusammenfassung: „das ist das Gesetz und die Propheten“ ist es vielleicht noch weniger. So bleibt eigentlich nur die „Gerechtig- 1) Nicht ins klare kann man darüber kommen, wie inQ Matth. 10,15 u. 11, 22 der Gerichtstag bezeichnet war (ob 7 ἡμέρα κρίσεως ursprüng- lich ist oder nicht). Ν Ergebnisse. 31 keit“, das πρῶτον" und die Umarbeitung des Jonaszeichens, welche letztere er auch schon in seinem Exemplar von Q vor- gefunden haben kann. Diesen wenigen Füllen von Korrekturen seitens des Matth. stehen nahezu 150 Fälle von Korrekturen des Lukas gegenüber, aber sie sind, verschwindende Ausnahmen abgerechnet, sämtlich stilistischer Natur. Die stili- stischen Interessen des Lukas bewegen sich im einzelnen in den verschiedensten Richtungen und sind doch gleichartig. Die wich- tigsten seien hier zusammengestellt: 1. er setzt für vulgäre Worte vornehmere, für minder tref- fende treffendere ein, 2. er ersetzt verba simplicia durch verba compos., 3. er ersetzt Konjunktionen durch das Relativum, 4. er ersetzt καί mit Verb. fin. durch δέ (oder durch das Partizip oder durch einen Finalsatz), schiebt aber andererseits καί auch ein, wo die Rede dadurch gelenker wird, 5. er verbessert die Wortstellung, 6. er macht von den Tempora und den Numeri einen mehr logischen Gebrauch und liebt Partizipialkonstruktionen, 7. er tilgt den Überfluß der Pronomina, wie er sich bei - Übersetzungen aus dem Semitischen, aber auch in der vulgären Redeweise leicht einstellte, 8. er ersetzt den einfórmigen Gebrauch von ἐάν durch andere Konstruktionen (ὅστις ἄν durch πᾶς), 9. er korrigiert sprachliche Umständlichkeiten, aber ergänzt andererseits undeutliche Ausdrücke, 10. er reduziert die Zahl der rhetorischen Fragen, 11. er führt die Konstruktion ἐγένετο mit Genitiv. abs. und darauf folgendem Verb. fin. ein, 12. er steigert den Gebrauch der Konstruktion von ἦν mit dem Partizip. Über diese stilistischen Interessen, die zu Korrekturen ge- führt haben, hinaus! lassen sich besondere Tendenzen in den er- örterten Abschnitten bei ihm überhaupt nieht nachweisen — 1) Aus stilistischem Interesse ist wahrscheinlich auch der Wegfall des ἔρημος zu erklären, s. o. zu Matth. 23, 38. 32 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. mit einer Ausnahme, das ist die Einführung des heiligen Geistes in der Parallelstelle zu Matth. 7, 11. Ein scharfer Eingriff ist freilich die Weglassung der Kleidung in der Parallelstelle zu Matth. 6, 28. 31 und die dem entsprechende Fassung der Worte; aber sofern hier eine Tendenz vorliegt, kann es nur eine harm- lose sein. Daß er „Ei und Skorpion“ für „Brod und Stein“ setzt, mag auf einer anderen Überlieferung des Spruchs beruhen, bei der vielleicht ein Sprichwort eingewirkt hat (zu Matth. 7, 9). Einen längeren Zusatz scheint er sich in den Worten (ο. 9, 60; vgl. Matth. 8, 22): σὺ δὲ ἀπελθὼν διάγγελλε τὴν βασιλείαν τοῦ ϑεοῦ, selbst erlaubt zu haben; aber der Zusatz ist sozusagen neutral. Ebenso ist es ein Zusatz von ihm — um die Rede lebendiger zu gestalten —, wenn wir in der Rede Matth. 24, 49Η. nach v. 44 bei ihm die Worte lesen: εἶπεν δὲ o Πέτρος" κύριε, πρὸς ἡμᾶς τὴν παραβολὴν ταύτην λέγεις N καὶ πρὸς πάντας; καὶ εἶπεν ὁ κύριος. Endlich hat er sich erlaubt, den auch ihm un- verständlichen Spruch Matth. 11, 12 halbwegs deutlich zu machen durch die plattere Fassung: ἀπὸ τότε ἡ βασιλεία τοῦ ϑεοῦ εὐαγγελίζεται, καὶ πᾶς εἰς αὐτὴν βιάζεται. Sieht man von diesen wenigen Fállen ab, in denen ihm ein anderer Text als der bei Matth. vorliegende (nach seiner Reinigung) vorgelegen haben kann, so ist in bezug auf den ganzen übrigen Text, d. h. den Text in seinem ganzen Umfang ` zu sagen, daß er bei Matth. und Luk. als ein identischer gegeben ist. Daraus folgt weiter, daß der Zusammenhang zwischen diesen beiden Evangelien, von denen keines die Quelle des anderen gewesen ist, in den betreffenden Partien ein lite- rarischer sein muß, d. h. es reicht nicht aus, auf gemeinsame mündliche Quellen zu rekurrieren. Mit dieser sicheren Voraussetzung treten wir an die Unter- suchung soleher dem Matth. und Luk. gemeinsamen Abschnitte heran, in denen die Differenzen größer sind. 1. Matth. 3,72: Ἰδὼν δὲ πολ- Luk. 3, Τα, "Ελεγεν δὲ [οὖνϑ] λοὺς τῶν Φαρισαίων καὶ Σαδ- τοῖς ἐκπορευομένοις ὄχλοις βα- δουκαίων ἐρχομένους ἐπὶ τὸ πτισϑῆναι Ox [ἐνώπιον] αὐτοῦ. βάπτισμα εἶπεν αὐτοῖς' ies - Matth. 3, 7; 4, 18. Luk. 3, 7; 4, 18. 33 Was in Q gestanden hat, läßt sich nicht mehr exakt er- mitteln, sicher nicht die Pharisáer und Sadduzäer (sie sind dem Matth. eigentümlich), auch nicht das Imperf. ἔλεγεν (denn es ist dem Luk. eigentümlich) und der ebenfalls dem Luk. eigen- tümliche Infinitiv βαπτισθῆναι, vielleicht aber πολλοί c. Genet.; denn es findet sich sonst nirgends bei Matth. (s. aber Luk. 1, 16)!, wahrscheinlich auch das αὐτοῖς neben πολλούς. mag etwa gelautet haben: ἰδὼν πολλοὺς... βάπτισμα εἶπεν αὐτοῖς. Aus Matth. v. 5 = Die Quelle .ἐρχομένους ἐπὶ τὸ Luk. v. 3 folgt, daß auch πᾶσα ἡ περίχωρος τοῦ Ἰορδάνου in Q stand. Matth.4,1f.: Τότε ὁ Τησοῦς ἀνήχθη εἰς τὴν ἔρημον ὑπὸ τοῦ διαβόλου, (3) καὶ vy- στεύσας ἡμέρας u καὶ νύκ- τας M ὕστερον ἐπείνασεν. (3) καὶ προσελϑὼν ὁ πει- ράζων εἶπεν αὐτῷ" εἰ υἱὸς εἶ τοῦ ϑεοῦ, εἰπὲ ἵνα οἱ λίϑοι οὗτοι ἄρτοι γένων- ται. (4) ὁ δὲ ἀποκριθεὶς εἶπεν: γέγραπται' οὐκ ἐπ᾽ ἄρτῳ μόνῳ ζήσεται ὁ ἄν- ϑρωπος, ἀλλ ἐπὶ παντὶ ῥήματι (ἐκπορευομένῳ διὰ στόματος) ϑεοῦ. (5 τότε παραλαμβάνει αὐτὸν ὁ διάβολος εἰς τὴν € , M » αγίαν πολιν, καὶ ἔστησερ αὐτὸν ἐπὶ τὸ πτερύγιον τοῦ ἱεροῦ, (6) καὶ λέγει αὐτῷ: Luk. 4, 1—13. Ἰησοῦς δὲ πλή- ρῆς πνεύματος ἁγίου ὑπέστρε- wev ἀπὸ τοῦ Ἰορδάνου, καὶ ἤγετο ἐν τῷ πνεύματι iv τῇ ἐρήμῳ ἡμέρας u πειρα- ζόμενος ὑπὸ τοῦ διαβόλου. καὶ οὐκ ἔφαγεν οὐδὲν ἐν ταῖς ἡμέραις ἐκείναις, καὶ συν- τελεσϑεισῶν αὐτῶν ἐπεί- νασεν. εἶπεν δὲ αὐτῷ ὁ διάβολος" εἰ υἱὸς si τοῦ ϑεοῦ, εἰπὲ τῷ Aldo τούτῳ ἵνα γένη- ται ἄρτος. καὶ ἀπεκρίϑη πρὸς αὐτὸν ὁ Ἰησοῦς" γέγραπται ὅτε οὐκ ἐπ᾽ ἄρτῳ μόνῳ ζήσεται ὁ ἄνϑρωπος. Die Verse 5—7 stehen bei Luk. naeh 8—9. ἤγαγεν δὲ αὐτὸν εἰς Ἱερουσαλήμ. Das Fol- gende ist identiseh, doch αὐτόν om. εἶπεν (f. λέγει) 1) Doch kann auch ὄχλοι in Q gestanden haben, da sich das Wort auch sonst dort findet. Harnack, Sprüche Jesu, 3 34 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. H 3 - ~ , εἰ υἱὸς si τοῦ Feot, βάλε . , σεαυτὸν κατω γέγραπται ` [7 E > , y 01107 tT Oto SAO LG αὐτοῦ ἐντελεῖται περὶ 600, - 3 ~ καὶ ἐπὶ χειρῶν ἀροῦσίν σε, , X. ^ μή ποτε προσκοφῃς προς , λίϑον τὸν πόδα σου. (7) 38 A - κα» 2e e , ἔφη αὐτῷ o Imoovs πάλιν , H , γέγραπται: οὐκ ἐκπειρᾶ- ^ , σεις κύριον τὸν Θεόν σου. , , (S πάλιν παραλαμβάνει ga c ΄ > D avtov o διάβολος εἰς ogoc ς 4 , M H ὑφηλὸν λίαν, καὶ δείκνυσιν αὐτῷ πάσας τὰς βασιλείας - ` D τοῦ κόσμου καὶ τὴν δόξαν - ; » $e. αὐτῶν, (9) καὶ εἶπεν αὐτῷ ~ , , ταῦτά σοι πάντα δώσω, x ^ A ἐὰν πεσὼν προσκυνήσῃς , ` 3 - μοι. (10) τοτε λέγει αὐτῷ £23 e c S o Ιησοῦς: vxays, σατανα᾿ , . γέγραπται γάρ᾽ κύριον τὸν , Θεόν σου προσκυνήσεις καὶ 2 - r , αὐτῷ UOV λατρεύσεις. (11) τότε ἀφίησιν αὐτὸν ὁ διάβολος, καὶ ἰδοὺ ἄγγελοι προσῆλϑον καὶ διηκόνουν αὐτῷ. ἐντεῦϑεν [κάτω] περὶ σοῦ τοῦ , SUELE, διαφυλάξαι σε, καὶ οτι ἐπὶ . 2 0 - ; καὶ ἀποκριὺεὶςο [ησοῦς εἶπεν 2 - a αὐτῷ (οτι) εἴρηται 2 [4 καὶ ἀναγαγὼν αὐτὸν (ὁ διαβ. bis λίαν om.) ^ M καὶ om. ἔδειξεν τῆς οἰκουμένης (f. τ. κόσμ), ^ H - καὶ τ. δόξαν αὐτῶν om., ἐν στιγμῷ χρόνου add., vielleicht . H € , πρὸς αὐτὸν, add. ὁ διάβολος, σοὶ δώσω τὴν ἐξουσίαν tav- u , την ἅπασαν [καὶ τὴν δόξαν - ο αὐτῶν], ort ἐμοὶ παραδέδοται να Ai / / 3 03K καὶ ᾧ ἂν θέλω δίδωμι αὐτήν: 5 . σὺ οὖν ἐὰν προσκυνήσῃς ἐνώπιον ἐμοῦ, ἔσται σοῦ πᾶσα. ^ € > ~ καὶ ἀποκριθες ὁ Ἰησοῦς εἶπεν αὐτῷ Das Folgende identisch, aber ohne Όπαγε, σατανᾶ und γάρ. καὶ συντελέσας πάντα πειρα- x € , > D óuov o διάβολος ἀπέστη > H 2 - - AR αὐτοῦ ἄχρι καιροῦ. Ich habe in dieser Perikope alle Worte sperren lassen, die beiden Evangelisten gemeinsam sind oder sich genau entsprechen. Man sieht sofort, daß es sich um einen ganz wesentlich iden- tischen Text handelt. Der größte Unterschied ist, daß bei Luk. die 3. Versuchung zur 2. geworden ist. Für die Reihenfolge des |, Matth. spricht, daß unzweifelhaft die Versuchung auf dem Berge die Hauptversuchung ist; es handelt sich nicht mehr um eine Probe der Gottessohnschaft, sondern um den Verzicht auf sie: der Gottessohn soll in die Dienste des Satans treten. Für Matth. 4, 1—11. Luk. 4, 1—13. 35 die Reihenfolge bei Luk. spricht, daß bei ihr der Schauplatz der Versuchungen nur zuletzt wechselt, daß der Teufel erst zuletzt selbst mit der Bibel kommt und. dafi das Wort Jesu weitere Versuchungen verbietet. Eine sichere Entscheidung ist nicht möglich; aber die Wahrscheinlichkeit spricht für die Reihenfolge des Matth. Auf das ὕπαγε σατανᾶ des Matth. darf man sich nicht berufen; denn diese Worte sind schwerlich ursprünglich. Warum sollte sie Luk. getilgt haben? (ὑπάγειν ist allerdings bei ihm selten; in den Act. steht es nie, im Ev. nur 5mal, während es sich bei Matth. 20mal, bei Mark. 15mal und bei Joh. 33 mal findet). Dazu kommt, daß sie sich bei Matth. (16, 23) noch einmal finden, an unserer Stelle also vielleicht aus jener Stelle stammen (wo sie auch Mark. 8, 33 hat). Die starke Verschiedenheit am Anfang und am Ende ist 7. T. durch den Einflufi des Markustextes verursacht. Aus ihm hat Matth. das ,ἄγγελοι διηκόνουν αὐτῷ“ (das προσῆλϑον ge- hört zum Stil des Matth.; das Wort findet sich über 50mal bei ihm). Aus ihm hat Luk. das ,ἡμέρας u πειραζόµενος ὑπὸ τοῦ διαβόλου” (Mark: μ΄ ἡμέρας πειραζόµενος ὑπὸ τοῦ σατανᾶ). Alle übrigen Abweichungen des Luk. von Matth. in der Ein- leitung sind ebenfalls sekundär, so daß wir bei Matth. den reinen Text von Q zu erkennen haben; denn 1. statt des handelnden Subjekts — der Geist — schreibt Lukas, seinem Stil und seiner Denkweise gemäß: πλήρης πνεύματος ἁγίου und ἐν τῷ πνεύ- ματι, 2. er schaltet ὑπέστρεψεν ἀπὸ τ. Ἰορδ. ein (ὑποστρέ- φειν findet sich im Ev. 22mal, in den Act. 11mal, bei Mark. und bei Matth. niemals), 3. er schreibt das Imperf. ἤγετο (der Ge- brauch des Imperf. ist ihm nahezu eigentümlich) für ἀνήχϑη (ἀνήχθη ist gewiß ursprünglich; denn es findet sich bei Matth. nur an dieser Stelle und ist sachgemäß [die Wüste liegt höher]; bei Luk. ist das Wort sonst häufig; hier hat er es fallen ge- lassen, weil er es nicht verstand), 4. er läßt die 40 Nächte als überflüssig (mit Mark.) fort, 5. er ersetzt das ungelenke ὕστερον durch das gutgriechische συντελεσϑεισῶν αὐτῶν, 6. er verkennt das technische νηστεύει» und ersetzt es durch das exorbitante οὐκ ἔφαγεν οὐδέν, 7. er hat durch seine Korrekturen (bzw. den Einfluß des Markustextes) eine Unklarheit darüber geschaffen, ob die teuflischen Versuchungen schon in den 40 Tagen statt- fanden oder erst nachher. 3* 36 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung οἷο. Matth. 3: προσελϑών ist Zusatz des Matth. (s. ο); δέ hat Luk. für καί gesetzt; ὁ πειράζων ist wohl das Ursprüngliche. Matth. 3: der eine Stein des Lukas und die Anrede an ihn scheint mir das Sekundüre zu sein, eben weil es besser zur Situation pafit. Warum sollte Matth, es veründert haben? Matth. 4: ὁ δὲ ἀποκριθεὶς εἶπεν ist Feierlichkeit des Matth., aber πρὸς αὐτὸν ist lukanisch, ebenso das ὅτι, Matth. 4: ἀλλ᾽ ἐπὶ παντὶ ῥήματι 9600 (mit oder ohne ἐκπο- ρευομένῳ διὰ στόματος, welche Worte unsicher bezeugt sind) ist Zusatz des Matth., der das Zitat aus dem Deuteronomium fortsetzt. Matth. 5: das Praes. hist. wird von Luk. hier wie überall vermieden; ebenso ist ihm das παραλαμβάνειν εἰς (auch v. 8; bei Matth. noch 27, 27) anstófig gewesen. Matth.5: τὴν ἁγίαν πόλιν ist von Matth. für Jerusalem gesetzt (s. auch 27, 53); denn auch das Hebr.-Ev. liest Jerusalem. Matth. 5: Luk. vermeidet die semitische Wiederholung des αὐτόν. Matth. 5: ἐντεῦθεν ist lukanischer Züsatz; das Wort findet Sich auch sonst bei ihm, nieht aber bei Matth. und Mark. Matth. 6: τοῦ διαφυλάξαι σε ist Zusatz des Luk. (nach der LXX), ebenso das ὅτι hier und v. 7. Matth. 7: hier ist Luk. mit καὶ ἀποκριθεὶς ὁ ᾿]ησοῦς εἶπεν αὐτῷ der umständlichere, ebenso bei Matth. 10. Matth. 7: das πάλιν des Matth. wird ursprünglich sein; Luk, vermeidet πάλιν (s. auch zu Matth. 8); es findet sich bei Matth. ο, 17 mal, bei Mark. c. 29 mal, bei Joh. c. 47 mal, dagegen im Luk.- Ev. nur 2(3)mal und in den Act. ὅπια]. — γέγραπται, nicht εἴρηται ist ursprünglich; denn dieses ist (nebst τὸ εἰρημένον) dem Luk. eigentümlieh, s. c. 2, 24; Act. 2, 16; 13, 40; sonst nur noch Róm. 4, 18. Matth. 8.9: das ὄρος ὑψηλόν bezeugt vielleicht auch das Hebr. Ev.; Lukas rationalisiert und läßt die Szene etwas dunkel (er will wohl andeuten, Jesus sei hoch in die Luft gehoben worden, ~ um alles sehen zu können). — Die οἰκουμένη ist lukanisch (8 mal ν bei ihm, 1mal bei Matth., bei Mark. und Joh. nie); à» στιγμῷ χρόνου ist natürlich Zusatz des Luk. (die Worte καὶ τὴν δόξαν αὐτοῦ sind bei Luk. entweder verstellt oder überhaupt zu tilgen). Ebenso folgt er seiner Dogmatik bei der großen Erweiterung: |a Matth. 4, 1—11. Luk. 4, 1—13. 37 σοὶ (vorangestellt, vgl im folgenden das vorangestellte ἐμοὶ und σὺ) δώσω τὴν ἐξουσίαν ταύτην ἅπασαν, ὅτι ἐμοὶ παραδέϑοταε καὶ ᾧ ἂν θέλω δίδωμι αὐτήν: σὺ οὖν... . ἔσται σοι πᾶσα. — ἐνώπιον ist lukanisch (es steht bei Luk. c. 36mal, bei Mark. und Matth. nie); dagegen ist das eingeschobene πεσών dem Stil des Matth. gemäß (vgl 2, 11; 18, 26. 29). Matth. 10: Über € ὕπαγε cat. (aus diesen Worten erklärt sich aueh das γάρ) s. o. Matth. 11: καὶ συντελ. m. πειρ. ist ein Zusatz des Luk. (συντελεῖν fehlt bei Matth, steht bei Luk. noch zweimal) — ἀφίησιν hat in Q gestanden; ἀφιστάναι findet sich bei Luk. 10mal, bei Matth, Mark. und Joh. nie. — ἄχρι καιροῦ ist ein lukanischer Zusatz, der die einzigartige Bedeutung dieser Ver- suchungen abschwächt. Der Ausdruck steht im NT. nur noch Iob: 19; 11. Der Text der Versuchungsgeschichte in Q kann meines Er- achtens noeh mit fast voller Sicherheit hergestellt werden; fast überall erweist sich das Sondergut jedes der beiden Zeugen als sekundär. Der kürzeste Text ist der echte, und Matth. steht ihm näher als Lukas: Ὁ Ἰησοῦς ἀνήχϑη εἰς τὴν ἔρημον ὑπὸ τοῦ πνεύματος πει- ρασϑῆναι ὑπὸ τοῦ διαβόλου, καὶ νηστεύσας ἡμέρας μ' καὶ νύκτας u ὕστερον ἐπείνασεν, καὶ ὁ πειράζων εἶπεν αὐτῷ" εἰ υἱὸς εἶ τοῦ ϑεοῦ, εἰπὲ ἵνα οἱ λίϑοι οὗτοι ἄρτοι γένωνται, καὶ ἀπεκρίθη: γέγραπται’ οὐκ ἐπ᾽ ἄρτῳ μόνῳ ζήσεται ὁ ἄν- ϑρωπος. παραλαμβάνει δὲ αὐτὸν εἰς Ἱερουσαλὴμ καὶ ἔστησεν αὐτὸν ἐπὶ τὸ πτερύγιον τοῦ ἱεροῦ καὶ λέγει αὐτῷ᾽ εἰ υἱὸς εἶ τοῦ ϑεοῦ, βάλε σεαυτὸν XATO γέγραπται γὰρ ὅτι τοῖς ἀγγέ- λοις αὐτοῦ ἐντελεῖται περὶ σοῦ, καὶ ἐπὶ χειρῶν ἀροῦ- σίν σε, μή ποτε προσκόψῃς πρὸς λίϑον τὸν πόδα σου. ἔφη αὐτῷ ὁ Ἰησοῦς: πάλιν γέγραπται' οὐκ ἐκπειράσεις XV- ριον τὸν ϑεόν σου. πάλιν παραλαμβάνει αὐτὸν εἰς ὄρος ὑψηλὸν λίαν καὶ δείκνυσιν αὐτῷ πάσας τὰς βασιλείας τοῦ κόσμου καὶ τὴν δόξαν αὐτῶν, καὶ εἶπεν αὐτῷ᾽ ταῦτά σοι πάντα δώσω, ἐὰν προσκυνήσῃς μοι. καὶ λέγει αὐτῷ ὁ Ἰησοῦς’ γέγραπται: κύριον τὸν ϑεόν σου προσκυνήσεις καὶ αὐτῷ μόνῳ λατρεύσεις. καὶ ἀφίησιν αὐτὸν ὁ διάβολος. 38 Matth. 5, 3. 4. 6. 11. 12. (3) Maxapıoı οἱ πτωχοὶ τῷ πνεύματι, ὅτι αὐτῶν ἐστιν ἡ βασιλεία τῶν οὐρανῶν. (4) μακάριοι οἱ πενϑοῦν- τες, ὅτι αὐτοὶ παρακληϑήσον- ται]. (6) μακάριοι οἱ πεινῶντες καὶ διψῶντες τὴν δικαιοσύνην, ὅτι αὐτοὶ χορτασϑήσονται. (11) μακάριοί ἐστε ὅταν ὀνειδίσωσιν ὑμᾶς καὶ διώξωσιν καὶ εἴπωσιν πᾶν πονηρὸν καθ’ ὑμῶν ψευδόμενοι [ἕνεκεν ἐμοῦ]. (12) χαίρετε καὶ ἀγαλλιᾶσθε, ὅτι ὁ μισθὸς ὑμῶν πολὺς ἐν τοῖς οὐρανοῖς: οὕτως γὰρ èdi- ὤξαν τοὺς προφήτας τοὺς πρὸ ὑμῶν. Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. Luk. 6, 20%. 21—23. τῷ πνεύµατιοπι. ὑμετέρα (f. αὐτῶν) τοῦ ϑεοῦ (f. τ. οὐρ.) Die beiden Verse sind bei Luk. umgestellt. κλαίοντες νῦν (f. πενϑ.) γελάσετε (f. αὐτ. παρα- κλ.) νῦν (post πεινῶντες) καὶ bis δικαιοσ. om. αὐτοί om. χορτασϑήσεσϑε ἔσεσθε (9) ὅταν μισήσωσιν ὑμᾶς οἱ ἄνϑρωποι καὶ ὅταν ἀφορί- σωσιν ὑμᾶς [καὶ ὀνειδίσωσιν Ὁ) καὶ ἐκβάλωσι» τὸ ὄνομα ὑμῶν ὡς πονηρὸν ἕνεκα τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀνϑρώπου. χάρητε ἐν ἐ- κείνῃ τῇ ἡμέρᾳ καὶ σκιρτή- σατε' ἰδοὺ γὰρ ὁ μισϑὸς ὑμῶν πολὺς ἐν τῷ οὐρανῷ" κατὰ τὰ αὐτὰ γὰρ ἐποίουν τοῖς προφή- ταις ol πατέρες αὐτῶν. Über den ursprünglichen Text der Verse 3. 4. 6 kann man noch wesentlich ins klare kommen?. δικαιοσύνην ein Zusatz des Matth. ist, Da (καὶ διψῶντες) τὴν so ist auch τῷ πνεύ- ματι höchst, wahrscheinlich so zu beurteilen (ο. 11, 5 steht auch bei Matth.: πτωχοὶ εὐαγγελίζοντα). Dagegen ist κλαίοντες (für πενϑοῦντες) sicher Korrektur des Luk., der κλαίειν liebt (11mal im Ev., bei Matth. nur 2mal, davon 1mal im Zitat, vgl. Luk. zu Matth. 11, 17); κλαίειν hat dann das γελάσετε be- wirkt (Luk. liebt die starken Ausdrücke, γελᾶν kommt nur noch 1) Die nun folgende: Seligpreisung (deren Stellung in den Mss. schwan- kend ist): μακάριοι οἱ πραεῖς, ὅτι αὐτοὶ κληρονομήσουσιν τὴν γῆν (= Ps. 37, 11), ist wohl nachträglich eingeschoben; s. Wellhausen z. d. SE 2) Abgesehen von der Reihenfolge und etwa noch der Frage, ob die! 2. oder 3. Person ursprünglich ist. Sicher lukanisch ist das Pronomen ὑμέτερος (s. die Konkordanz); aber es könnte ursprünglich ὑμῶν gestanden haben: Wellhausen u.a. entscheiden sich für Luk. Aber das wieder- holte pleonastische αὐτοί macht einen ursprünglichen Eindruck, und Luk. verwandelt auch sonst (s. zu Matth. 11, 18) die 3. Person in die 2, if Matth. 5, 3. 4. 6. 11. 19. Luk. 6, 20—23. 39 bei ihm c. 6, 25 vor, sonst nirgendwo im N.T.); Ps. 126 mag ein-, gewirkt haben. Auch das doppelte νῦν ist natürlich Zusatz des Luk. (νῦν steht im Ev. und Act. 37 mal, bei Matth. 4mal). Matth. v. 11 und Luk. v. 22 sehen wie zwei verschiedene Übersetzungen aus, sind es aber doch nicht, wie v. 12 — v. 23 beweist. Von diesem Verse ist auszugehen, und es zeigt sich dann, daß Luk. fast überall sekundär ist. Ἐν ἐκείνῃ τῇ ἡμέρᾳ ist so sekundär wie νῦν; die Imperativ-Aorista sind eine stili- stische Verbesserung; σκιρτήσατε (f. ἀγαλλιᾶσθε) ist eine echt lukanische Verstärkung (s. o. γελάσετε); σχιρτᾶν ist ihm im N.T. eigentümlich (s. 1, 41. 44), ἰδοὺ γάρ ebenso (es findet sich bei Matth. und Mark. nie, bei Luk. 6mal); den Plural οὐρανοῖς liebt Luk. nicht; (κατὰ) τὰ αὐτά ist lukanisch (es steht im N.T. nur noch Luk. 6, 26 und Act. 15, 27) ᾿Ἐποίουν für ἐδίωξαν hat Luk. geschrieben, weil im vorhergehenden nicht nur von Verfolgungen, sondern auch von anderen Leiden die Rede war. Am Schluß scheint eine echte Übersetzungsvariante zu stehen: „Luk. hat „ihre Vorfahren“ gelesen, als Subj. des Verbs; Matth. „eure Vorfahren“, als Apposition zu den Propheten. Die Diffe- renz ist daq'damaihón (οἱ πατέρες αὐτῶν) und dagq’damaikön (τοὺς πρὸ ὑμῶν). So Wellhausen, Allein die Sache ist wahr- scheinlieh doch anders: Luk. ist durch die ihm geläufigen Schelt- worte auf die Pharisäer bestimmt (Matth. 23, 29 f. — Luk. 11, 47 £); dort ist von den Propheten und den Vätern die Rede und von dort hat er die Väter übernommen. Dies konnte um so leichter geschehen, als die Worte bei Matth. (in Q) τοὺς πρὸ ὑμῶν als mißverständlich (Apostel = Propheten) oder als ein unnótiger Zusatz erschienen, der zu einem besseren Ersatze gerade- zu aufforderte. Es ergibt sich somit, daß Matth. v. 12 den ursprünglichen Text von Q darstellt, den Luk. geündert hat. Dann aber kónnen auch Matth. v. 11 = Luk. v. 22 nicht zwei verschiedene Über- setzungen sein, vielmehr wird auch hier Luk. willkürlich geän- dert bwz. den ganzen Vers umgestaltet haben. Zunächst zeigt sich das bei den stilistischen Verschiedenheiten. Statt des πονηρὸν .. ψευδόμενοι (ψευδόμενοι ist schon deshalb für Q beizubehalten, weil es sonst in den synoptischsn Evv. nirgends vorkommt) schreibt er gut griechisch cc πονηρόν; die sub- jektlosen Verba stattet er durch das Subjekt οἱ ἄνθρωποι aus. A0 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. Eine Hauptdifferenz ist, daß Matth. ὀνειδίσωσιν, διώξωσι», st- πωσιν πᾶν πονηρὸν καθ ὑμῶν ψευδόμενοι bietet, Luk. aber μισήσωσιν, ἀφορίσωσιν, ἐκβάλωσιν τ. ὄνομα ὑμῶν ὡς πονηρόν schreibt. Die Reihenfolge bei Matth. ist nicht ganz logisch, bei Luk. streng logisch: auf den Haß folgt der Ausschluß und auf den Ausschluß das allgemeine Verächtlichmachen des Namens. Dazu kommt weiter, daß Luk. μισεῖν auch an anderen Stellen bietet, wo e$ Matth. in der Parallele nicht hat (c. 6, 27; 14, 26) und daß ἐκβάλλειν im übertragenen Sinn (nur hier im N.T.) — „verächtlich machen“ gut griechisch ist, während εἰπεῖν πᾶν πονηρόν ungriechisch ist. Also ist auch hier überall der Text des Matth. im Rechte. Ob er an den Stellen, wo er sekundär ist, selbst korrigiert oder schon einen sekundären Text vorge- funden hat, muß offen bleiben. Die Makarismen sind gewiß. frühe, ja von Anfang an, in verschiedenen Rezensionen verbreitet worden. So zitiert Polykarp (ep. 2): μακάριοι ot πτωχοὶ καὶ οἱ διωκόμενοι ἕνεκεν δικαιοσύνης, ὅτι αὐτῶν ἐστιν ἡ βασιλεία τοῦ ϑεοῦ. Das erscheint wie ein Mischtext aus Matth. und Luk., ist aber vielleicht eine Mischung aus ihnen und der Quelle oder eine Rezension der Quelle. Noch aber ist ein Wort über [ἔνεκεν ἐμοῦ] bei Matth. und ἕνεκα τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀνθρώπου bei Luk. zu sagen. Der Worte sind bei Matth. an dieser Stelle etwas viel; viele Zeugen haben daher ψευδόμενοι gestrichen; allein es scheint mir durch das ὡς πονηρόν bei Luk. gesichert (s. ο); dagegen ist ἕνεκεν ἐμοῦ zu streichen; denn eine Reihe von alten abendländischen Zeugen liest es überhaupt nicht, andere bieten ἕνεκεν δικαιοσύνης (Dabeg!k), der alte Syrer bietet ἕνεκεν τοῦ ὀνόματός µου. Fehlte es aber bei Matth., so kann ἕνεκ. τ. υἱοῦ τ. ἆἀνϑρ. (Luk.) erst recht. nicht in Q gestanden haben. Es steht mit τὸ ὄνομα ὑμῶν, was auch nicht zu Q gehórt (s. o), in enger Verbindung. Be- hauptet aber ein Kritiker, ἕνεκεν müsse für Q gehalten werden, so läßt sich doch nicht mehr ermitteln, welch ein Wort nach dieser Präposition in Q gestanden hat. Matth. 5, 13. 15. 18. 25. Luk. 14, 34. 35; 11, 33; 16, 17; 20.082: 12x58. 59; 16, 18. (13) ‘Yuste ἐστε τὸ ἅλας καλὸν οὖν τὸ ἅλας: ἐὰν δὲ τῆς γῆς: ἐὰν δὲ τὸ alas καὶ τὸ alas μωρανϑῇ, ἐν Y Matth. 5, 19.15.15. 20.26.59. Luk.14,34.35; 11, 33; 16, 17; 12,58. 59; 16,18. 41 = o C μωρανϑῇ, ἐν τίνι ἀλισϑήσε- ται; εἰς οὐδὲν ἰσχύει ἔτι εἰ μὴ βληϑὲν ἔξω καταπατεῖ- - 2 σθαι ὑπὸ τῶν ἀνθρώπων. - > οι H ^ (15) οὐδὲ καίουσιν λύχ- νον καὶ τιδέασιν αὐτὸν ὑπὸ H , 2 DES A το» uodıov, ἆλλ ἐπὶ την λυχνίαν, καὶ λάμπει πᾶσιν τοῖς ἐν τῇ οἰκίᾳ. πη ` Cie (18) aumv γαρ λέγω υμῖν, e » n € 2 H EOS av zagéA03 ο οὐρανός - ~ F^ καὶ ἡ γη, ἰῶτα ἓν ἡ μία κε- oaia οὐ μὴ παρέλϑῃ ἀπὸ τοῦ νόμου, ἕως ἂν πάντα γένηται. (35) ἴσϑι εὐνοῶν τῷ ἀν- . ο τιδίκῳ σου ταχὺ ἕως ὅτου ; - - € - εἶ μετ’ αὐτοῦ ἐν τῇ: ὁδῷ’ μή- = c P ποτέ σε παραδῷ ὁ ἀντίδι- - - ^ € . κος τῷ κριτῇ καὶ ὁ κριτὴς τῷ ὑπηρέτῃ, καὶ εἰς φυλα- 2 κὴν βληϑήσῃ᾽ (36) ἀμὴν λέ- 2 S ΡΜ; 2 γω σοι, οὗ µη ἐξέλϑῃς &- σ΄ » ~ ` κεῖϑεν ἕως ἂν ἀποδῷς τὸν ἔσχατον κοδράντην. (32) ἐγὼ δὲ λέγω ὑμῖν ὅτι πᾶς ὁ ἀπολύων τὴν γυ- ναῖκα αὐτοῦ παρεκτὸς λόγου πορνείας ποιεῖ αὐτὴν µοιχευ- ϑῆναι, καὶ ὃς ἐὰν ἀπολε- λυμένην γαμήσῃ, μοιχᾶ- ται. , 2 , ” > τίνι ἀρτυϑήσεται; ουτε εἰς - » » , γῆν ουτε εἰς κοπρίαν ευθετον , 2 , ἐστιν' ἔξω βάλλουσιν αὐτό. H ^ , ς 3 οὐδεὶς λύχνον αψας εἰς κρυπ- Σ / 2 ς H H την τίϑησιν [οὐδὲ ὑπὸ τον , 2 2 H μόδιον], ἀλλ ἐπὶ τὴν λυχ- νίαν, ἵνα οἳ εἰσπορευόμενοι y ~ , TO φῶς βλέπωσι». H H H εὐκοπώτερον δέ ἐστιν τὸν οὐ- ρανὸν καὶ τὴν γῆν παρ- BJ ~ r ελϑεῖν N τοῦ νόµου μίαν κεραίαν πεσεῖν. ὡς γὰρ ὑπάγεις μετὰ τοῦ 2 H ἀντιδίκου σου ἐπ᾽ ἄρχοντα, - € - 2 ἐν τῇ ὁδῷ doe ἐργασίαν ἁπ- , SS a 2 - , ηλλαχϑαι ἀπ αὐτου, μήποτε κατασύρῃ σε πρὸς τὸν κρι- τήν, καὶ ὁ κριτής σε πᾶρα- δώσει τῷ πράκτορι, καὶ ὁ πράκτωρ σε βαλεῖ εἰς pv- 2 λακήν' λέγω σοι, οὐ μὴ ἐξέλϑῃς ἐκεῖϑεν ἕως καὶ 2 τὸ ἔσχατον λεπτὸν QTO- δῷς. - € 2 r H πᾶς 0 ἀπολυων τη» yv- m 2 = ναῖκα αὐτοῦ καὶ γαμὼν ἑτέ- € 2 ραν μοιχεύει, καὶ o ἀπο- H 2 3 2 . λελυμένην ἀπὸ ἀνδρος ya- - , μῶν μοιχεύει. Der erste Spruch stand auch bei Mark. (9, 50) und lautete D dort: καλὸν τὸ alas‘ αὐτὸ ἀρτύσετε; ἔχετε Der Spruch in Q lautete: ^ H η ἐὰν δὲ τὸ alas ἄναλον γένηται, ἐν τίνι ς ἐν ἑαυτοῖς ἅλα. ο - ~ ὑμεῖς ἐστε τὸ ἅλας τῆς γῆς [80 oder ähnlich muß ihn auch Luk. in Q gelesen haben; denn der Zusammenhang, in welehem er den Spruch bringt, zeigt, daß er 42 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. ihn wie Matth. auf die Jünger bezog; aber da er im Zweifels- fall öfters Mark. vor Q bevorzugt hat, wählte er auch hier die Form des Mark]: ἐὰν δὲ τὸ alas μωρανϑῇ, ἐν τίνι ἁλισθή- σεται [auch hier wählt Luk. nach Mark. ἀρτύειν]; εἰς οὐδὲν ἰσχύει ἔτι [diesen Ausdruck ersetzt Luk. durch οὐκ εὔθετος (εὔθετος und ἀνεύθετος sind dem Luk. eigentümlich, s. c. 14, 35 und Act. 27, 12) und steigert ihn — nach seiner Gewohnheit — durch οὔτε εἰς γῆν οὔτε εἰς κοπρίαν (κοπρία nur bei Luk, s. ο. 13, S, was auch das καταπατεῖσϑαι ersetzt] εἰ un βληθὲν ἔξω καταπατεῖσϑαι ὑπὸ τῶν ἀνθρώπων [daß das βληϑὲν ἔξω ursprünglich ist, lehrt Luk. dadureb, daß er es nicht preisgeben wollte und nun nachhinken läßt]. Also stand der Vers in Q so, wie er bei Matth. erhalten ist. Der zweite Spruch: ἄπτειν und ἀνάπτειν (für Feuer und Licht) sind lukanisch; also ist Matth. im Recht; die Partizipial- konstruktion ist lukanisch; das οὐδείς für die unbestimmte dritte Person Plur. ist eine stilistische Verbesserung. Das ὑπὸ τὸν μόδιον ist bei Luk. wahrscheinlich Interpolation aus Matth.; Luk. sagt εἰς κρυπτήν. Οἱ εἰσπορευόμενοι ist lukanisch, s. c. 8, 16; Act. 3, 2; 28, 30. — Der Spruch kommt in den Evv. 4mal vor (2mal bei Luk). Bei Mark. 4, 21 lautet er: μήτι ἔρ- χεται ὁ λύχνος ἵνα ὑπὸ τὸν μόδιον τεϑῇ ἢ ὑπὸ τὴν κλίνην, οὐχ ἵνα ἐπὶ τὴν λυχνίαν τεϑῇ; In Q lautete er wie Matth. ihn bietet. Luk. bietet ihn beidemal (s. 8, 16) fast identisch mit den gleichen wohlverständlichen Willkürlichkeiten, schiebt aber an einer Stelle nach Mark. das Bett ein und ersetzt den Scheffel hier nicht durch εἰς κρυπτήν, sondern durch das allge- meine καλύπτει αὐτὸν σκεύει (vgl. zu diesem Wort Act. 9, 15; 10, 11. 16; 11, 5; 27, 17). Daß er das Licht nicht den Hausge- nossen, sondern den Eintretenden scheinen läßt, ist augenschein- lich auch eine Verbesserung; vielleicht denkt er auch an die Mission (9). Der dritte Spruch lautete in Q: ἕως ἂν παρέλϑῃ ὁ οὐρανὸς καὶ ἡ γῆ, ἰῶτα tv ἢ µία κεραία οὐ μὴ παρέλϑῃ ἀπὸ τοῦ vó- µου. Luk. hat die ungelenke Satzkonstruktion formell ver- bessert, aber den Gedanken durch das εὐκοπώτερον, das er an- deren Sprüchen entnahm (s. Matth. 9, 5 cum parall; 19, 24 cum parall), verändert: nach Matth. bleibt das Gesetz so lange wie Himmel und Erde, nach Luk. ist es dauerhafter als sie. Das ist Matth.5, 13.15.18.25.26.32. Luk. 14,34.35; 11,33; 16,17; 1258.59; 16,18. 43 die echt hellenistische Hochschätzung des A.T.s bei Luk., die so hoch sein konnte, weil sie theoretisch war und außerhalb der praktischen Kämpfe stand. Die umgekehrte Annahme (Well- hausen), Matth. habe den Gedanken abgeschwächt, ist aus sach- liehen und stilistischen Gründen unannehmbar. Luk. hat, um das doppelte παρέλδη zu vermeiden, πεσεῖν eingeführt (πεσεῖν metaphor. findet sich in den Evv. sonst nicht, aber s. Róm. 11, 11. 22; 14, 4; I Kor. 10, 12; 13, 8; Hebr. 4, 11) und das ἰῶτα èv als überflüssig und ungewóhnlich gestrichen. Bei Matth. ist vielleicht die Einführung (ἀμὴν y. 2. ὑμῖν) und der Schlußsatz (ἕως ἂν πάντα γέν.) sekundür. Letzterer ist hinzugefügt, weil im Satze vorher von ,Erfüllen^ die Rede war; dazu kam für Matth. die Erinnerung an Mark. 13, 30. Auch beim vierten Spruch zeigt eine genaue Erwügung, dal Matth. den Text von Q trefflich bewahrt hat (vielleicht ist das ἀμήν sekundär). Das temporale οὓς am Anfang ist spezifisch lukanisch (Belege sind hier unnötig), das èm ἄρχοντα ein ver- deutlichender Zusatz, und das ἴσϑι εὐνοῶν (nur hier im N.T.) schien dem Luk. zu schwach zu sein: er ersetzte es durch das wasserklare δὸς ἐργασίαν ἀπηλλάχϑαι ἀπ᾽ αὐτοῦ (ἐργασία findet sich in den 4 Evv. sonst nicht, aber s. Act. 16, 16. 19; 19, 24. 25; Ephes. 4, 19; auch ἁπαλλάσσειν findet sich in den 4 Evv. sonst nicht, aber s. Act. 19, 12: ἀπαλλάοσσεσϑαι ar’ αὐτῶν). Das un- gelenke ταχὺ ἕως ὅτου εἶ μετ᾽ αὐτοῦ hat Luk. ebenso glück- lich vermieden (er nahm das µετά gleich an den Anfang) wie die unnütze Wiederholung des Worts ὁ ἀντίδικος. Dagegen ließ es sein Sprachgefühl nicht zu, die Handlung des Wider- sachers und die des Richters mit einem und demselben Wort (Matth. παραδοῦναι für beide Handlungen) zu bezeichnen: Luk. schreibt κατασύρειν und παραδοῦναι (κατασύρειν kommt sonst im N.T. nicht vor, aber σύρειν [von Menschen! findet sich nur bei Luk., und zwar 3mal in den Act) Den ὑπηρέτης, einen sehr allgemeinen Begriff, hat Luk. durch den term. techn. ó πράκτωρ ersetzt und den vulgüren κοδράντης durch λεπτόν. Überall hier ist es undenkbar, daß Matth. den Text, wie Luk. ihn bietet, vorgefunden und verändert haben sollte. Im fünften Spruch ist Luk. augenscheinlich nicht nur von Q, sondern auch von Mark. 10, 11 (0c ἂν ἀπολύσῃ τὴν γυναῖκα αὐτοῦ καὶ γαμήσῃ ἄλλην, μοιχᾶται ἐπ᾽ αὐτήν' καὶ ἐὰν αὐτὴ 44 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. ἀπολύσασα τὸν ἄνδρα αὐτῆς [oder ἐὰν γυνὴ ἐξέλϑῃ ἀπὸ τοῦ ἀνδρὸς αὐτῆς καὶ] γαμήσῃ ἄλλον, μοιχᾶται) abhüngig. Somit ist bei Matth. nur die Einleitung und die Phrase παρεκτὸς λόγου πορνείας zu tilgen. Bei Luk. ist aus einem anderen Zu- sammenhang, nämlich eben aus Mark., καὶ γαμὼν ἑτέραν ein- gedrungen und damit der Sinn der Aussage ganz verändert (daß Luk. geändert hat, zeigt auch im folgenden das Partiz. für ὃς ἐὰν yaunon). In Q war der straffe Gedanke dieser: „Wer sein Weib entläßt, der macht, daß sie die Ehe bricht: sie und der neue Mann sind Ehebrecher.“ Diesen Gedanken hat Luk. gänz- lich verändert. Matth. 5, 39. 40. 49. 44—48. (39) Ὅστις σε ῥαπίζει εἰς τὴν [δεξιὰν] σιαγόνα (σου), στρέψον αὐτῷ καὶ τὴν ἄλλην, (40) καὶ τῷ δέλοντί σοι κριϑῆναι καὶ τὸν χιτῶνά σου λαβεῖν, ἄφες αὐτῷ καὶ τὸ ἑμάτιον. (42) τῷ αἰτοῦντί σε δός, καὶ τὸν ϑέλοντα ἀπὸ σοῦ δα- νίσασϑαι μὴ ἀποστραφῇς. (44) ἐγὼ δὲ λέγω ὑμῖν" ἀγαπᾶτε τοὺς ἐχϑροὺς ὑμῶν καὶ προσεύχεσϑε ὑπὲρ τῶν διω- κόντων ὑμᾶς, (45) ὅπως Ἰένησθε υἱοὶ τοῦ πατρὸς ὑμῶν τοῦ ἐν οὐ- ρανοῖς, ὅτι τὸν ἥλιον αὐτοῦ ἀνατέλλει ἐπὶ πονηροὺς καὶ ἀγαϑοὺς καὶ βρέχει ἐπὶ dı- καίους καὶ ἀδίκους. (46) ἐὰν γὰρ ἀγαπήσητε τοὺς ἀγαπῶντας ὑμᾶς, τίνα Luk. 6, 29. 30. 97. 28. 95». 32. 33. 36. τῷ τύπτοντί σε εἰς [ἐπὶ] τὴν σιαγόνα, πάρεχε καὶ τὴν ἄλλην, καὶ ἀπὸ τοῦ αἴροντός σου τὸ ἱμάτιον καὶ τὸν χιτῶνα μὴ κωλύσῃς. παντὶ αἰτοῦντί σε ὀίδου, καὶ ἀπὸ τοῦ αἴροντος τὰ σὰ μὴ ἀπαίτει [cf. v. 35: καὶ δανείζετε μηδὲν ἀπελπίζοντες]. ὑμῖν λέγω τοῖς ἀκούουσιν: ἀγαπ. τ. ἐχϑρ. ÙU., καλῶς TOL- εἴτε τοῖς μισοῦσιν ὑμᾶς, EÙ- λογεῖτε τοὺς καταρωμένους ὑμᾶς, προσεύχεσϑε περὶ τῶν ἐπηρεαζόντων ὑμᾶς, καὶ ἔσεσθε υἱοὶ ὑψίστου, ὅτι αὐτὸς χρηστός ἐστιν ἐπὶ τοὺς ἀχαρίστους καὶ πονηρούς. 2 ~ ~ καὶ εἰ ἀγαπᾶτε τοὺς ἀγαπῶν- € ἃ bs τας ὑμᾶς, ποία ὑμῖν χάρις Matth. 5, 39. 40. 42. 44—48. Luk. 6, 29. 30. 27. 98. 35b. 32. 33. 36. H DEUX x; μισϑὸν ἔχετε; οὐχὶ καὶ οἱ τε- - 2 EN λῶναι τὸ αὐτὸ ποιοῦσιν; (47) καὶ ἐὰν ἀσπάσησϑε τοὺς ἀδελφοὺς ὑμῶν μόνον, τί περισσὸν ποιεῖτε; οὐχὶ καὶ οἱ ἐϑνικοὶ τὸ αὐτὸ ποιοῦσιν; (48) ἔσεσϑε οὖν ὑμεῖς τέ- λειοι ὡς ὁ πατὴρ ὑμῶν ὁ οὐ- ράνιος τέλειός ἐστιν. 45 [ἐστίν]; καὶ γὰρ oi ἁμαρτωλοὶ τοὺς ἀγαπῶντας αὐτοὺς &ya- πῶσιν. καὶ [γὰρ] ἐὰν [εἰ] ἀγαϑοποιῆτε [sire] τοὺς ἀγαϑοποιοῦντας ὑμᾶς, ποία ὑμῖν χάρις [χάρις oul ἐστίν; καὶ oi ἁμαρτωλοὶ τὸ αὐτὸ ποιοῦσι». γίνεσϑε οἰκτίρμονες, καϑὼς ὁ πατὴρ ὑμῶν οἰκτίρμων ἐστίν [οἰκτείρει]. d Daf in den beiden ersten Versen Matth. den ursprüngliche- ren Text bewahrt hat, liegt auf der Hand; Luk. hat (1) die Par- tizipialkonstruktion eingeführt; er hat (2) das vulgäre ῥαπίζειν durch τύπτειν, das ebenfalls vulgüre στρέφον durch πάρεχε, das ungelenke, ungriechische und weitschweifige τῷ ϑέλοντι σοι κριϑῆναι καὶ ... λαβεῖν durch ἀπὸ τοῦ αἴροντος ersetzt [im letzteren Fall hat er aus dem Verhalten bei einem Rechts- streit eine allgemeine Maxime gemacht; daraus erklürt sich auch das μὴ κωλύσῃς statt des positiveren ἄφες. Matth. sagt: , Wer dir den Rock abprozessieren will, dem überlaß auch den Man- tel^; Luk. sagt: , Wer dir den Mantel nimmt, den hindre nicht anch den Rock zu nehmen*]| Ῥαπίζειν findet sich im N.T. über- haupt nur bei Matth. (nämlich noch einmal, c. 26, 67); von στρέφειν gebraucht Luk. nur die Form στραφείς; zu beachten ist auch die semitische Wiederholung des Dativs durch αὐτῷ (D hat das vermieden, indem er ὁ ϑέλων schreibt) Scheinbar hat Luk. bei ,Mantel^ und „Rock“ das Ursprüngliche; denn „der Rock ist näher als der Mantel“. Allein Luk. mußte den Mantel voranstellen, denn der Räuber packt den Mantel, nicht den Rock; man kann also die Entstehung des Lukastextes als sekundären "wohl begreifen, nicht aber die des Matthäustextes als sekun- dáüren. Der Zusatz παντί des Luk. in v. 42 findet sich auch in der 5. Bitte des VU. bei Luk. und sonst, und ebenso der Ersatz des δός durch δίδου dort in der 4. Bitte. Das óíóov ist grie- chisch korrekter, da es sich um eine allgemeine Anweisung handelt. Im folgenden zeigen schon die Worte ἀπαιτεῖν [be- achte das Wortspiel αἰτεῖν und ἀπαιτεῖν] und ἀπελπίζειν die 46 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. klassische Sprache; auch das Possessivpron. (τὰ σά) ist luka- nisch; der ganze Satz καὶ ἀπὸ τοῦ αἴροντος .... ἀπαίτει ist von Luk. eingeschoben; dagegen ist v. 42^ bei Matth. ursprüng- lich, da der Gedanke auch in v. 35 bei Luk. steht und die Form bei Matth. ungelenk ist (das Medium ἀποστρέφεσθαι findet sich bei Luk. nieht). In v. 44 hat Luk. das überflüssige Subjekt-Pronomen, wie so oft, gestrichen und τοῖς ἀκούουσιν (veranlaßt durch das, was bei ibm vorangeht) hinzugefügt. Die beiden dem Luk. eigen- tümlichen Mahnungen in diesem Verse sind schwerlich ursprüng- lich; warum sollte Matth. sie gestrichen haben? Dazu: Luk. liebt μισεῖν [οἱ μισοῦντες ἡμᾶς ist in der Literatur des nach- apostolischen Zeitalters geradezu term. techn. bei den Christen für ihre Gegner) und εὐλογεῖν. Die vier Verba ἀγαπᾶν, καλῶς ποιεῖν, εὐλογεῖν, προσεύχεσθαι sind eine ausgeklügelte Steige- rung, die gegen das Einfache ἀγαπᾶν und προσεύχεσθαι nicht aufkommt. Διώχειν hat Luk. schon bei Matth. 5, 11. 12 (s. o.) vermieden; warum, weiß ich nicht; ἐπηρεάζειν steht nur noch I Petr. 3, 16 und gehórt nieht der vulgüren Sprache an (s. die Definition bei Aristoteles). In v. 45 zeigt das dem Luk. eigentümliche ὄψιστος (ohne ὁ und ohne ϑεός), daß er geändert hat; ὅπως ist bei Luk. nicht häufig (es findet sich bei ihm im Ev. nur 7mal); er hat es auch sonst vermieden. Χρηστός ἐστιν ἐπὶ τοὺς ἀχαρίστους ist Lite- ratur-Griechisch, also sekundür. Warum Luk. das schóne Bild, wie es Matth. bietet, verflüchtigt hat, ist schwer zu sagen. Schien es ihm den Gedanken nicht deutlich genug auszudrücken? Daß er es vorgefunden hat, scheint aus dem πονηρούς hervorzu- gehen, welches nachklappt (verdächtig ist das δίκαιος und ἄδικος, da Matth. jenes liebt). ,Eures Vaters im Himmel* bei Matth. ist fast stets verdächtig. Mindestens „im Himmel“ ist zu streichen. In v. 46 ist tiva μισϑὸν ἔχετε sicher ursprünglich; denn die χάρις, die Luk. bietet, ist ein spezifisch luk. Wort (es steht im Ev. und in den Act. 25 mal, bei Matth. und Mark. nie). Auch die Frage in 46^ ist ursprünglich; denn das καὶ γάρ ist luka- nisch (s. die 5. Bitte bei Luk. und dagegen das οὓς καί bei Matth.; bei Matth. findet sich καὶ γάρ 2mal, bei Luk. im Ev. 9mal) und rhetorische Fragen hat Luk. öfters aus Q entfernt. Die τελῶναι werden wohl auch ursprünglicher sein als der All- ^N Matth. 6, 9—13. Luk. 11, 2—4. 47 gemeinbegriff οἱ ἁμαρτωλοί. Luk. wollte vielleicht nicht zwei- mal (s. v. 47) τὸ αὐτὸ ποιοῦσιν sagen; daher legt er es hier auseinander. Das εἰ hier und im folgenden Vers ist sicher se- kundär; ἐάν ist in Q ungleich häufiger als εἰ. Auch an an- deren Stellen hat es Luk. in εἰ verwandelt. In v. 47 hat Luk. das ἀσπάζεσθαι (vielleicht mit Recht) als „eine freundliche Gesinnung gegen jemand haben“, „sich in Liebe jemandem widmen“ verstanden und es demgemäß durch ἆγα- ϑοποιεῖν umschrieben; daß Matth. hier ursprünglich ist, liegt auf der Hand. Auch das µόνον bei Matth. ist ursprünglich; Luk. vermeidet es in diesem Gebrauch (er hat es im Ev. nur einmal [8, 50], und zwar aus Mark, während es bei Matth. öfters steht; auch in den Act. steht es nur einmal). Zu ποία ὑμῖν χάρις s. zu v. 46; das, was Matth. dafür bietet (τί περισσὸν ποιεῖτε) empfiehlt sich schon als Vulgarismus. Zu καὶ οἱ ἁμαρτ. 5. 7. V. 46; ,£0vixol^ findet sich bei Luk. überhaupt nicht; es wäre seinen Lesern fast unverständlich gewesen. In v. 48 hat Luk. wiederum (s. zu v. 44) das überflüssige Subjekt-Pronomen gestrichen, Wenn Luk. in v. 45 ἔσεσθε für (ὅπως) γένησθε und v. 48 γίνεσθε für ἔσεσθε bietet, so hat er beidemal die Logik verbessert. Wenn er καθώς für ὡς sagt, so ist das ebenfalls eine Stilverbesserung. Schwer aber ist es zu entscheiden, ob τέλειοι oder οἰκτίρμονες ursprünglich ist. Wellhausen bezeichnet letzteres als „viel echter“. Τέλειος findet sich in den Evv. allerdings nur hier und Matth. 19, 21. Auf diese beiden Stellen hin Q bzw. Jesus den Begriff beizu- legen, ist gewagt. Οἰκτίρμων findet sich in den Evv. sonst gar nicht. Dennoch möchte ich es, wenigstens dem Gedanken nach, bevorzugen. Vielleicht hat ἐλεήμονες gestanden, und Luk. hat es durch das feinere Wort ersetzt. Matth. 6, 9: Πάτερ ἡμῶν Luk. 11, 2—4. ἡμῶν bis ov- ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς' ἁγιασθήτω τὸ ὄνομά σου’ (10) ἐλϑάτω m βασιλεία σου’ γενηϑήτω τὸ ϑέλημά σου, « 2 2 - ^ - oe ἐν οὐρανῷ καὶ ἐπὶ y5nc (11) τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν -ἐπιούσιον δὸς ἡμῖν σήμερον’ ρα». om. Die drei ersten Bitten fehlen wahrscheinlich, dafür: ἐλ- ϑέτω τὸ ἅγιον πνεῦμά σου èp ἡμᾶς καὶ καϑαρισάτω ἡμᾶς. (ἡμῶν om.?) δίδου τὸ καθ’ ἡμέραν (f. σήμερον) 48 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. ` » cie ` ` (12) καὶ ἄφες ἡμῖν τα τας 3 - € ^ H € ὀφειλήματα ἡμῶν, ὡς καὶ ἡ- ἁμαρτίας καὶ γὰρ αὐτοὶ (f. ý- > 3 Y " μεῖς ἀφήκαμεν τοῖς ὀφειλέταις μεῖς) ἀφίομεν παντὶ ὀφείλοντι ἡμῶν' ἡμῖν" (t 3) xai um, εἰσενέγκῃς ᾗ- μᾶς εἰς πειρασμόν, ἀλλὰ ῥῦσαι ἀλλὰ bis πονήρ. om. ἡμᾶς ἀπὸ τοῦ πονηροῦ. Daß die beiden Formen auf eine Urform und eine Über- setzung zurückgehen, ist ebenso gewiß wie die Beobachtung, daß Luk. das Gebet in den ihm bekannten Gemeinden nicht als das übliche Gemeindegebet gekannt hat; denn sonst hätte er es nicht sprachlich durchkorrigiert. Überliefert waren ihm die An- rede πάτερ (vgl. Paulus) und die sog. 4.—6. Bitte. Was sich darüber hinaus bei Matth. findet, sind Zusätze, die sich die ju- denchristlichen Urgemeinden gestattet haben, als sie das gemein- schaftliche Gebet in ein solennes Gemeindegebet unter starker Anlehnung an die synagogalen Gebete verwandelten, oder sie stammen von Matth. selbst. Zu der Korrektur didov s. Luk. zu Matth. 5, 42. Matth. bietet das Gebet, wie es täglich gebetet werden soll und gebetet wird; Luk. giebt die Gebetsanweisung; daher das Präsens. Ebendasselbe gilt von der Korrektur τὸ καθ ἡμέραν für σήμερον, wobei noch zu bemerken, daß τ. soë nu. nur bei Luk. im N.T. vorkommt (s. c. 19, 47; Act. 17, 11). Ὀφείλημα ist dem Luk. wohl als vulgäres Wort anstößig ge- wesen; daß es das ursprüngliche ist, ist zweifellos; ἡμεῖς hat er durch αὐτοί ersetzt, um die dreifache Wiederholung desselben Worts zu vermeiden (auch läßt er gerne das Subjekt-Pronomen vor dem Verbum weg, s. z. Matth. 5, 44. 48 und sonst); xoi γάρ setzt er auch sonst ein (5. zu Matth. 5, 46). Das Perfekt ἀφήκαμεν ist gewiß ebenso ursprünglich wie das ὡς (s. Matth. 5, 23); Luk, hat den wichtigen Gedanken abgesehwücht, Endlich ist die Einschiebung von παντί (mit Partiz. statt Subst.) auch lukanisch, s. z. Matth. 5, 42 und sonst. Darüber, ob Matth, selbst die Bereicherung des Gebets vorgenommen oder das in der Gemeinde ,. schon ausgestaltete Gebet aufgenommen hat (s. ο), kann man nicht ins klare kommen (,z&rsQ ἡμῶν ὁ ἐν v. ovọ.“ scheint | den Matth. zu verraten). Eine Urform (die Anrede πάτερ" u die 4.—6. Bitte) muß existiert haben, und nichts spricht da- gegen, daß sie in Q stand. Ebenso wie die drei ersten Bitten Matth. 6, 20; 7, 13. Luk. 12, 33; 13, 24. 49 klingt die 7. stark an die synagogalen Gebete an, und Luk. hätte auch diese Bitte gewiß nicht übergangen, wenn sie in seiner Vorlage gestanden hütte. Matth. 6, 20: EE δὲ ὑμῖν δησαυροὺς ἐν οὐ- ρανῷ, ὅπου οὔτε σὴς οὔτε βρῶσις ἀφανίζει, καὶ ὅπου Luk. 12, 395: θησαυρὸν ἀνέκ- λειπτον ἐν τοῖς οὐρανοῖς, ὅπου κλέπτης οὐκ ἐγγίζει οὐδὲ σὴς διαφϑείρει. κλέπται οὐ διορύσσουσιν ov- δὲ κλέπτουσιν. Man muß den 19. Vers bei Matth. und Vers 393 bei Luk. hinzunehmen; dann zeigt es sich sofort, daß Matth. einen in sich geschlossenen Spruch hat, aus dem Luk., indem er ihn mit der Aufforderung, alles zu verkaufen und Almosen zu geben [dafür war er besonders begeistert, s. die Acta], verbindet, nur eine Reminiszenz übernommen hat. Auch die Sprache und die Aus- wahl verrät die Willkür, also das Sekundäre des Lukas. Ara- φϑείρειν (auch φθείρε) gehört nicht der Evangeliensprache an, sondern ist klassisch; den Dieb und die Motte versteht man kaum ohne Matth. 6,19; ἐγγίζει» ist ein mattes, übrigens von Luk. gern gebrauchtes Wort (niemals bei Joh., 3mal bei Mark., 6(7)mal bei Matth., 24mal bei Lok", und auch ἀνέκλειπτος ist Literatur- GE (Luk. liebt solche Bildungen, vgl. c. 17, 1: ἀνένδεκτος, c. 11, 46: δυσβάστακτος, Acta 27,12: ἀνεύϑετος). So könnte man nur den Plural οὐρανοῖς, der bei Luk. viel sel- tener ist als bei Matth., für Q in Anspruch nehmen, in welchem, wie das δέ Vers 20 beweist, auch Vers 19 ‚gestanden haben muß: μὴ ϑησαυρίξετε ὑμῖν ϑησαυροὺς ἐπὶ τῆς γῆς, ὅπου σὴς καὶ βρῶ- σις ἀφανίζει, καὶ ὅπου κλέπται διορύσσουσιν καὶ κλέπτουσιν. Nur wenn von Schätzen auf Erden die Rede war, erklären sich . die Motten und die Diebe. Matth. 7,13: Κἰσέλϑατε διὰ τῆς στενῆς πύλης' ὅτι πλατεῖα [ἡ πύλη] καὶ εὐρύχω- ρος ἡ ὁδὸς ἡ ἀπάγουσα εἰς τὴν ἀπώλειαν, καὶ πολλοί εἶσιν οἱ εἰσερχόμενοι δι᾽ αὐτῆς" (14) ὅτι στενὴ ἡ πύλη καὶ Harnack, Sprüche Jesu. 4 Luk. 13,24: ἀγωνίζεσθε εἰσελ- Helv διὰ τῆς στενῆς θύρας, ὅτι πολλοί, λέγω ὑμῖν, ζητή- σουσιν εἰσελϑεῖν καὶ οὐκ ἰσχύσουσω». 50 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. τεϑλιμμένη ý ὁδὸς ἡ ἀπάγουσα εἰς τὴν ζωήν, καὶ ὀλίγοι εἰσὶν οἱ εὑρίσκοντες αὐτήν. Lukas hat wie bei der vorigen Perikope nur einen Auszug gegeben, ihn aber durch das ἀγωνίζεσϑε und ζητήσουσι» lehr- haft gestaltet (ἀγωνίζεσθαι, ein klassisches Wort, findet sich sonst in den Evv. nicht, wohl aber bei Paulus; ἐζητήσαμεν ἐξελϑεῖν schreibt Luk. auch Act. 16, 10, und ein ζητεῖν, das Matth. nieht bietet, findet sich auch zu Matth. 10, 39; zu οὐκ ἰσχύειν s. noch Luk. 6,48; 8,43; 14,0; 14,30; 16, 3; 20, 26; Act. 6, 10; 25, 7. Die umgekehrte Annahme, Matth. habe hier und c. 6, 19 f. einen kurzen Text ausgestaltet (Wellhausen), ist ganz undurehführbar. Θύρα für πύλη hat Luk. geschrieben, weil er die Straße fortgelassen hat; dann lag θύρα näher. Luk. meint eine Haustür (s. auch den folgenden Vers 25), Q und Matth. ein Stadttor. Matth. 7,16: ἀπὸ τῶν καρ- πῶν ἐπιγνώσεσθε αὐτούς' UN- τι συλλέγουσιν ἀπὸ áxav- Aan σταφυλὰς ἡ ἀπὸ TEL- βόλων οὗκα; (1T) οὕτως πᾶν δένδρον ἀγαϑὸν καρποὺς κα- λοὺς ποιεῖ, τὸ δὲ σαπρὸν δέν- ὅρον καρποὺς πονηροὺς ποιεῖ. (18) οὐ δύναται δένδρον ἆγα- ϑὸν καρποὺς πονηροὺς ἐνεγ- κεῖν, οὐδὲ δένδρον σαπρὸν καρ- ποὺς καλοὺς ποιεῖν. Dazu Matth. 12,33: 7 ποι- joate τὸ δένδρον καλὸν καὶ τὸν καρπὸν αὐτοῦ καλόν, 7 ποιήσατε τὸ δένδρον σα- πρὸν καὶ τὸν καρπὸν QÜ- τοῦ σαπρὀν' ἐκ γὰρ τοῦ καρποῦ τὸ δένδρον γινώ- σχεται. Luk. 6, 44. 43: ἕκαστον δέν- ὅρον ἐκ τοῦ ἰδίου καρποῦ γινώσκεται οὐ γὰρ ἐξ ἀκανϑῶν συλλέγουσιν ov- κα, οὐδὲ ἐκ βάτου σταφυ- λὴν τρυγῶσιν. (43) οὐ[γάρ] ἐστιν δένδρον καλὸν ποι- οὖν καρπὸν σαπρόν, οὐδὲ [πάλιν] δένδρον σαπρὸν ποιοῦν καρπὸν καλόν.. Matth. hat den Spruch in zwei Quellen gefunden und bringt ihn deshalb zweimal, wohl in Mischung. Welche Quelle Q ist, - Matth. 7; 16—18; 12,23; 7,21. 24—28; 8,5. Luk. 6, 44. 43. 46—49; ae GN ist nach Luk. zu bestimmen (über die Reihenfolge der Sätze, ob Luk. Vers 44 vor 43 gestanden, läßt sich nichts mehr aus- machen). Sicher hat in Q gestanden: ἐκ τοῦ καρποῦ τὸ δέν- ὅρον γινώσκεται [ἕκαστον ist wohl ein Zusatz des Luk., wie er auch πᾶς einzuschieben liebt, und ebenso ἰδίου, welches übrigens in D fehlt]. Ursprünglich ist auch die rhetorische Frage Matth. 16^; Luk. hat solche rhetorische Fragen öfters entfernt (s. zu Matth. 5, 46. 47). Βάτος ist gewählter als τρίβολος und daher sekundär, und die lukanische Unterscheidung von συλλέγειν und τρυγᾶν ist zwar sachgemäß, aber eben deshalb schwerlich ursprünglich. Den Singular σταφυλήν wählte Luk., weil er auch den Plural τρίβ. durch den Singular βάτος ersetzt hatte. Der 17. Vers bei Matth. fehlt bei Luk.; er kann als überflüssig ausgelassen sein. (Semitisch ist es jedoch, denselben Gedanken positiv und negativ nebeneinander auszudrücken), Für οὐ δύναται.... ἐνεγκεῖν.... ποιεῖν bietet Luk.: οὐκ ἔστιν... ποιοῦν.... ποιοῦν; diese Parti- zipialkonstruktion ist lukanisch, und er hat wohl auch den Infinit. Aorist. und Praes. nebeneinander vermeiden wollen. Es ist übri- gens bemerkenswert, daß ἤνεγκον und alle seine Ableitungen sich im Ev. des Luk. nicht finden. Der von Luk. und Matth. 12, 33 gebotene Singular und die Adjektiva καλός und σαπρός (s. eben- falls Matth. 12, 33) werden in Q gestanden haben. Matth. 7,21: οὐ πᾶς ὁ λέ- Luk. 6, 46—49; 7,1: τί δέ µε yov uot κύριε κύριε εἰσελεύ- καλεῖτε κύριε κύριε, καὶ οὐ σεται εἰς τὴν βασιλείαν τῶν ποιεῖτε ἃ λέγω; οὐρανῶν, ἀλλ᾽ ὁ ποιῶν τὸ ϑέ- Anua τοῦ πατρός µου τοῦ ἐν τοῖς οὐρανοῖς. (34) πᾶς οὖν ὅστις ἀκούει (41) πᾶς οὖν ἐρχόμενος πρός 2 ’ - at uov τοὺς λόγους τούτους καὶ µε καὶ ἀκούων µου τῶν λόγων ποιεῖ αὐτούς ὁμοιωϑήσεται καὶ ποιῶν αὐτούς, ὑποδείξω ἀνδρὶ φρονίμῳ ὅστις «ὀκοδό- ὑμῖν τίνι ἐστὶν ὅμοιος. (48) μήσεν αὐτοῦ τὴν οἰκίαν ἐπὶ ὅμοιός ἐστιν ἀνϑρώπῳ οἰκοδο- τὴν πέτραν. (25) καὶ κατέβη μοῦντι οἰχίαν, ὃς ἔσκαψεν καὶ ἡ βροχὴ καὶ ἦλϑον oi ποταμοὶ ἐβάϑυνεν καὶ ἔϑηκεν ϑεμέλιον καὶ ἔπνευσαν οἱ ἄνεμοι καὶ ἐπὶ τὴν πέτραν. πλημμύρης προσέπεσαν τῇ οἰκίᾳ ἐκείνῃ, δὲ γενομένης προσέρηξεν ὁ καὶ οὐκ ἔπεσεν: τεϑεμελίωτο ποταμὸς τῇ οἰχίᾳ ἐκείνῃ καὶ A3 5: Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. 04 M > γὰρ ἐπὶ τὴν πέτραν. (26) καὶ ~ M 2 , . , πᾶς 0 ἀκουῶν μου τους 20- γους τούτους καὶ μὴ ποιῶν 3 ^ € , 3 αὐτοὺς ομοιώϑήσεται ἀνδρὶ - o > , 2 μωρῷ, οὔτις Φᾠκοδομησεν αὐ- τοῦ τὴν οἰχίαν ἐπὶ τὴν ἄμμον. / m € x (27) καὶ κατέβη ἡ βροχὴ καὶ ἠλϑον οἱ ποταμοὶ καὶ ἔπνευσαν οἱ ἄνεμοι καὶ προσέκοφαν τῇ οἰκίᾳ ἐκείνῃ, καὶ ἔπεσεν, καὶ y Ly - > m , NP N πτῶσις αὐτῆς μεγάλη. o (28 u. 8,5) xal ἐγένετο OTE We C2 ~” D , ἐτέλεσεν o 170005 τοὺς λογους οὐκ ἴσχυσεν σαλεῦσαι αὐτὴν διὰ τὸ καλῶς οἰκοδομῆσϑαι αὐτήν. (49) ὁ δὲ ἀκούσας καὶ μὴ ποιήσας ὅμοιός ἐστιν ἀνθρώ- xo οἰκοδομήσαντι οἰκίαν ἐπὶ τὴν γῆν χωρὶς ϑεμελίου, ᾗ προσέρηξεν ὁ ποταμός, καὶ εὐϑὺς συνέπεσεν, καὶ ἐγένετο τὸ ῥῆγμα τῆς οἰκίας ἐκείνης μέγα. (7, 1) ἐπειδὴ ἐπλήρωσεν πάντα τὰ ῥήματα αὐτοῦ... εἰσῆλϑεν τούτους .... εἰσελϑόντος δὲ εἰς Καφαρναούμ. αὐτοῦ εἰς Καφαρναούμ... Ob Matth. 7, 21 und Luk. 6, 46 überhaupt aus Q stammt, kann man fragen. Die gemeinsame Quelle liegt vielleicht weiter zurück, und für Q darf der Vers mit voller Sicherheit nicht in Ansprueh genommen werden. Versucht man dennoch Q zu rekonstruieren, so hat gewiß das ὁ λέγων μοι κύριε vor dem καλεῖν µε κύριε und das „den Willen des Vaters tun“ vor „meinen Worten“ den Vorzug, ursprünglicher zu sein. Ganz un- abhüngig voneinander sind Matth. 22. 29 und Luk. 19,26. 27 (ich habe daher die Stellen oben überhaupt nicht abgedruckt), wenn auch hier eine gemeinsame Quelle weit zurückliegt. Hier sind aller Wahrscheinlichkeit nach echte Übersetzungsvarianten, man vgl. ὁμολογήσω αὐτοῖς ὅτι οὐδέποτε ἔγνων ὑμᾶς' &z0yo- ρεῖτε ἀπ᾽ ἐμοῦ οἱ ἐργαζόμενοι τὴν ἀνομίαν mit λέγω ὑμῖν, οὐκ οἶδα πόϑεν ἐστέ' ἀπόστητε ἀπ᾽ ἐμοῦ πάντες ἐργάται ἀδικίας. ln bezug auf das Gleiehnis, welehes sicher in der gemeinsamen Quelle gestanden hat, hat Wellhausen bemerkt, es sei bei Luk. anschaulicher und die Beziehung auf verschiedenartige Mitglieder der christlichen Gemeinde deutlicher. Auch wenn dem so wäre, wäre in bezug auf die größere Ursprünglichkeit nichts ent- schieden. Ich vermag aber den Eindruck Wellhausens nicht zu bestätigen außer vielleicht bei den malerischen Worten: ὃς ἔσκα- wer καὶ ἐβάϑυνεν καὶ ἔθηκεν ϑεμέλιον. Solche Schilderungen läßt Matth. öfters weg, daher sind diese Worte vielleicht ur- sprünglich (doch ist anderseits zu bedenken, daß sich die beiden t Matth. 7, 21. 24—28; 8, δ. Luk, 6, 40—49; 7, 1. 53 ersten Worte nur bei Luk. im N. T. finden; σκάπτειν noch ο, 13, 8; 16, 3, vgl. außerdem das Folgende), lm übrigen verdient der Matthäustext meistens sicher den Vorzug (mit Ausnahme vielleicht des ὑποδείξω κτλ bei Luk., denn dieses ὑποδείξω erhält eine gewisse Stütze durch eine andere Stelle in Q, nämlich Matth, 3, 7 = Luk. 3,7, und wird von Matth. noch einmal fortgelassen, nämlich c. 10, 28 vgl. mit Luk. 12,5). Der Eingang unseres Gleiehnisses wird vielleicht also gelautet haben: πᾶς οὖν ὅστις ἀκούει µου τοὺς λόγους τούτους καὶ ποιεῖ αὐτούς, ὑποδείξω ὑμῖν τίνι ἐστὶν ὅμοιος. ὅμοιός ἐστιν κτλ. Doch ist es sehr wohl möglich, daß das ὑποδείξω Einschub des Luk. ist, und das etwas unlogische Fut, Pass. ὁμοιωθήσεται hat in diesem Falle das Vorurteil der Ursprünglichkeit für sich. Matth. schreibt πᾶς οὖν ὅστις ἀκούει καὶ ποιεῖ, Luk, besser griechisch πᾶς ` οὖν (ἐρχόμενος πρός µε καὶ) ἀκούων καὶ ποιῶν; Matth, ἀνδρὶ ὅστις Φκοδόμησεν, Luk, ἀνϑρώπῳ οἰχοδομοῦντι; Matth, αὐτοῦ τὴν οἰχίαν, Luk, besser griechisch οἰχίαν: Matth. καὶ κατέβη 7 βροχή, Luk, vermeidet das vulgüre βροχή und schreibt im Genit, abs. πλημμύρης γενομένης; Matth. denkt an Regenstürze und Sturmwinde, aber dem Luk. schien es unwahrscheinlich, dal diese ein Haus umwerfen können, und er setzt deshalb ein Hoch- wasser ein, Zu dem οὐκ ἴσχυσεν als lukanisch vgl. oben zu Luk. 13, 24. Matth. schreibt πᾶς ὁ ἀκούων καὶ μὴ ποιῶ», Luk. korrekter ὁ δὲ ἀκούσας καὶ μὴ ποιήσας; Matth. schreibt ἐπὶ τὴν ἄμμον, Luk. — weil er einsah, daß man auch auf dem Sande fest bauen kann — ἐπὶ τὴν γῆν χωρὶς ϑεμελίου. Da diese Worte sicher Zusatz des Luk. sind, so wird es von hier aus un- wahrscheinlich, daß oben das ,,/97xer ϑεμέλιον'' in Q gestanden hat. Damit wird aber aueh ,ἔσχαψεν καὶ ἐβάϑυνεν'' sehr un- sicher, Das ursprüngliche Gleichnis — und so bietet es Matth, — unterschied einfach das Haus auf dem Fels und das Haus auf dem Sand. Den Gedanken, daß es auf eine gute Grundlegung durch Arbeit ankomme, hat erst Luk, eingetragen (angeregt dureh die Worte in Q: τεϑεμελίωτο ἐπὶ τὴν πέτραν, wo aber der Nachdruck auf πέτραν liegt), Warum sollte Matth. ihn ge- tilgt haben, wenn er ihn vorfand? Umgekehrt aber ist os sehr verständlich, daß einem Späteren das bloße „Fels und Sand“ nicht genügte, da er erwog, wie doch alles auf die rechte Fun- damentierung ankomme, einerlei wie der Grund beschaflen sei, 54 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. Auch das συμπίπτει» ist gewiß minder ursprünglich als das bloße πίπτειν, und ganz deutlich ist die Korrektur, die von einem großen Riß spricht; denn daß „das Fallen groß war“, ist eine vulgüre Ausdrucksweise, Nur das φρόνιμος und μωρός des Matth. kann für Q nicht in Anspruch genommen werden; denn μωρός ist ausschließliches Eigentum des Matth. in den Evy. (es steht bei ihm 7mal, bei den andern nie), und auch φρόνιμος steht 7 mal bei ihm (bei Mark. nie, bei Luk. 2mal). Sehr wiehtig ist, daß Matth. 7,28 und 8,5 bei Luk. 7,1 eine Parallele haben; denn daraus folgt mit Sicherheit, daß auch in Q große Teile der Bergpredigt zusammengestanden haben und daß darauf die Heilungsgeschichte in Kapernaum folgte. Aber die Form der Aussage haben beide geändert; denn ἐγένετο ὅτε ἐτέλεσεν ist ein oft wiederholter Ausdruck des Matth. (s. 11, 1; 13, 53; 19, 1; 26, 1), und der hinzugefügte Genit. abs. (εἰσελϑόν- τος αὐτοῦ) zeigt ebenfalls den sekundären Charakter des Matthäus- textes an dieser Stelle. Der Lukastext aber erweist sich durch das ἐπειδή als sekundär (es steht bei Matth., Mark. und Joh. nie- mals, bei Luk. aber [Ev. und Act) 5mal), sowie durch das πάντα τὰ ῥήματα (es steht bei Matth., Mark., Joh. niemals, bei Luk. aber noch 3mal) Also muß man leider darauf verzichten, hier den ursprünglichen Wortlaut vor den Worten εἰσῆλϑεν εἰς Ka- φαρναούμ herzustellen. Matth. 8,5: Κἰσελϑόντος δὲ αὐτοῦ εἰς Καφαρναοὺμ προσῆλϑεν αὐτῷ ἑκατόνταρ- χος παρακαλῶν αὐτὸν (6) καὶ λέγων’ κύριε, ὁ παῖς pov βέβληται ἐν τῇ οἰκίᾳ πα- ραλυτικός, δεινῶς βασανιζόμε- νος. (T) λέγει αὐτῷ: ἐγὼ ἐλ- Aen θεραπεύσω αὐτόν. (8) ἀποκριϑεὶς δὲ ὁ ἑκατόνταρχος ἴφη’ κύριε, οὐκ εἰμὶ ἱκανὸς ἵνα µου ὑπὸ τὴν στέγην εἰσέλθῃς' ἀλλὰ μόνον εἰπὲ λόγῳ, καὶ ἰαϑήσεται ὁ παῖς µου. (9) καὶ γὰρ ἐγὼ ἄν- Luk. 7,1—10. ... εἰσῆλϑεν εἰς Καφαρναούμ. (2) ἑκα- τοντάρχου δέ τινος δοῦλος κακῶς ἔχων ἤμελλεν τελευτᾶν, ὃς ἦν αὐτῷ ἔντιμος. (3) ἀκού- σας δὲ περὶ τοῦ Ἰησοῦ ἀπέ- στειλεν πρὸς αὐτὸν πρεσβυτέ- ρους τῶν Ἰουδαίων, ἐρωτῶν αὐτὸν ὅπως 62090» διασώσῃ τὸν δοῦλον αὐτοῦ. (4) οἱ δὲ παραγενόμενοι πρὸς τὸν Ἰησοῦν παρεκάλουν αὐτὸν ὅπου- δαίως, λέγοντες ὅτι ἄξιός ἐστιν © παρέξῃ τοῦτο. (5) ἆγα- πᾷ γὰρ τὸ ἔϑνος ἡμῶν καὶ τὴν Matth, 8, 5—10. 13. ϑρωπός εἰμι ὑπὸ ἐξουσίαν, ἔχων ὑπ᾽ ἐμαυτὸν στρα- τιώτας, καὶ λέγω τούτφ' πορεύθητι, καὶ πορεύεται, καὶ ἄλλῳ’ ἔρχου, καὶ ἔρχε- ται, καὶ τῷ δούλῳ µου" ποίησον τοῦτο, καὶ ποιεῖ. (10) ἀκούσας δὲ ὁ Ἰησοῦς ἐϑαύμασεν καὶ εἶπεν τοῖς ἀκολουϑοῦσιν: ἀμὴν λέγω ὑμῖν, οὐδὲ ἐν τῷ Ἰσραὴλ τοσαύτην πίστιν εὗρον. (13) καὶ εἶπεν ὁ Ἰησοῦς τῷ ἑἱκατοντάρχῃ' ὕπαγε, ὡς - ἐπίότευσας γενηϑήτω dov καὶ ἰάϑη ὁ παῖς ἐν τῇ ὥρα ἐκείνῃ. Luk, 7, 1—10. 55 . H * συναγωγὴν αὐτὸς ᾠκοδόμησεν ς "CONT ~ H γμῖν. (6) ο δὲ Imooög ἐπορεύετο 3 “ο d - σὺν αὐτοῖς. ἤδη δὲ αὐτοῦ οὐ ` 3 - μακρὰν ἀπέχοντος ἀπὸ τῆς y te οἰκίας, ἔπεμψεν φίλους ὁ ixa- , - τοντάρχης λέγων αὐτῷ' κύριε, ' , H μὴ σκύλλου' οὐ γὰρ ἱκανός εἰμι ἵνα ὑπὸ τὴν στέγην µου εἰσέλϑγῃς' (1) διὸ οὐδὲ A δα ἐμαυτὸν ἠδίωσα πρὸς σὲ ἐλϑεῖν' H ' , [4 ἀλλὰ εἰπὲ λόγῳ, καὶ (og: € τω ὁ παῖς µου. (8) καὶ γὰρ , ἐγὼ ἄνϑρωπός εἰμι ὑπὸ , ἐξουσίαν τασσόμενος, ἔχων € D ὑπ᾽ ἐμαυτὸν στρατιώτας, καὶ λέγω τούτῳ' πορεύ- dure, καὶ πορεύεται, καὶ ZAA" P ὶ ἔρχε ἄλλῳ’ ἔρχου, καὶ ἔρχεται, καὶ τῷ δούλῳ µου" ποίησον τοῦτο, καὶ ποιεῖ. (9) ἀκού- - € » ~ oag δὲ ταῦτα ὁ ᾿Ιησοῦς [4 ἐϑαύμασεν αὐτόν, καὶ ὄτρα- e Δ - ~ φεὶςτῷ ἀκολουϑοῦντι αὐτῷ » ; , ` € D 0yAq εἶπεν' λέγω ὑμῖν, οὐδὲ ~ = ^ , ἐν τῷ Ἰσραὴλ τοσαύτην t πίοτιν εὗρον. x (10) καὶ ὑποστρέψαντες εἰς τὸν οἶχον οἱ πεμφϑέντες t ^ € εὗρον τὸν δοῦλον ὑγιαίνοντα, Wenn irgendwo, so ist in dieser Perikope deutlich, daß, was Luk. anders als Matth. hat oder über ihn hinaus, nicht aus Q stammt, daß also Matth. die Quelle ursprünglicher wiedergibt. Die beiden Gesandtschaften an Jesus (statt daß der Hauptmann selbst kommt) sind späterer Zusatz. Das geht schlagend 1. daraus hervor, daß die lange Rede, die nach Luk. angeblich die Freunde halten, schlechterdings nur in den Mund des Hauptmanns selbst paßt, 2. daß auch bei Joh. (4, 46ff.) der Hauptmann [der βασι- Auxóc| selbst kommt. Eine Untersuchung darüber, was dem Luk. in dem, was er allein bringt, etwa überliefert war und was er 56 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. selbst hinzugetan hat, ist unter solchen Umständen unnötig. Bemerkt sei nur, daß ἔντιμος (v. 2), οἱ παραγενόμενοι (v. 4), σπουδαίως (v. 4), μακρὰν ἀπέχειν (v. 6), διό (v. T), ἀξιοῦν (v. T), das Pass τάσσεσθαι (v. S) in den Evangelien ausschließlich lukaniseh sind (nur διό kommt einmal bei Matth. vor), und ferner daß es dem Stil des Lük. entspricht, die Objekte zu ergänzen (vgl. Matth. v. 10 und Luk. v. 9), ebenso τὶς hinzuzusetzen (vgl. Matth. v. 5 und Luk. v. 2) Auch διασώζειν kann als ein lukanisches Wort in Anspruch genommen werden, sowie der Wechsel ἀπέστειλεν (v. 3) und ἔπεμφεν (v. 6) und das pleo- nastische στραφείς (v. 9). Daß Matth. den in Q überlieferten Toxt geändert hat (man beachte das für Q so charakteristische ἐγώ in v. 7 und anderes), läßt sich nicht nachweisen; schimmert doch dieser Text bei Luk, auch in dem gänzlich umgestalteten Anfang der Erzählung noch immer dureh (s. auch παῖς Luk, v. 7 > δοῦλος v. 2). Also ist auch τοῖς ἀκολουθοῦσιν (> τῷ ἀκολουϑοῦντι αὐτῷ OyAQ) ursprünglich, wahrscheinlich auch das ἀμήν. Zu dem bei Luk. in Vers 6 stehenden μὴ σκύλλου ist Luk. 8,49 (Mark. 5, 35) zu vergleichen. Ganz verschieden ist bei Matth. und Luk. der Schlußvers gestaltet, Ich glaube die kühne Hypothese später rechtfertigen zu können, daß er über- haupt nicht in Q gestanden hat, Hier nur so viel, daß Matth.8, 13 ganz wie ο, 15, 28 lautet (kananüisches Weib), während Luk. den Schluß in konventioneller Form summarisch abmacht. Matth, 8,11: Λέγω δὲ ὑμῖν Luk. 13, 28. 29: ἐκεῖ ἔσται ὁ o > M A - οτι πολλοὶ ano ἀνατολῶν κλαυϑμὸς καὶ ὁ βρυγμὸς καὶ δυσμῶν ἥξουσιν καὶ τῶν ὀδόντων, ὅταν ὄψεσϑε » € , . ἀνακλιϑήσονται μετὰ ᾿4“βραὰμ καὶ Ἰσαὰκ καὶ Ta- βραὰμ καὶ Ἰσαὰκ καὶ Ta- κὼβ καὶ πάντας τοὺς προφή- κὼβ ἐν τῇ βασιλείᾳ τῶν τας ἐν τῇ βασιλείᾳ τοῦ οὐρανῶν' (12) οἱ δὲ υἱοὶ τῆς ϑεοῦ, ὑμᾶς δὲ ἐκβαλλομέ- βασιλείας ἐκβληϑήσονται νους ἔξω. (29) καὶ ἥξουσιν [ἐξελεύσονται] εἰς τὸ σχότος ἀπὸ ἀνατολῶν καὶ δυσμῶν τὸ ἐξώτερον' ἐκεῖ ἔσται ὁ καὶ [ἀπὸ] βορρᾶ καὶ νότου, κλαυϑμὸς καὶ ὁ βρυγμὸς καὶ ἀνακλιϑήσονται ἐν τῇ τῶν ὀδόντων». βασιλείᾳ τοῦ ϑεοῦ. Stellt man die Fassung des Spruches bei Matth. als die Reihe 1 2% 2^ 2° 3 4 dar, so bietet Luk. die Reihenfolge 4 2h AS y^ ο Ανν ÉL UE ër, — ἤγγικεν ἡ βασιλεία τῶν ovga- Matth. 8,11.12; 10, 7.12. 13.24. 25, Luk.13,28.29; 9,2; 10,5.6; 6, 40, 57 25 3 1 22 2e, Die Voranstellung von 4 bei ihm erweist sich als falsch, denn das ἐκεῖ ist nun ohne Beziehung (auf 13, 27 be- zieht es sich nicht); also ist 4 naeh 3 zu belassen (im Matth.); 2e (ἐν τῇ βασιλείᾳ τ. 9.) steht bei Luk. zweimal und zeigt schon dadurch, daß 2abe zusammengehören, daß also 98 (καὶ ἀνακλιϑή- σονται) an den Anfang gehört, dann aber auch 1. Also ist die Reihenfolge bei Matth. die ursprüngliche. Die Änderung ist dureh die unbegreifliche Voranstellung von 4 (ἐκεῖ κτλ.) veran- laßt. Sie verlangte weitere Umstellungen und auch die Ein- schiebung des ὄψεσθε (so daß der Gedanke nun an den reichen Mann in der Hölle erinnert) Πάντας τοὺς προφήτας ist auch sekundär; auch ὄψεσθε mit doppeltem Accus. ist lukanisch. Ist - bei Matth. ἐξελεύσονται zu lesen, wie wahrscheinlich, so ist das die Übersetzung des aramäischen Passivums [N'phaq] zu Appeq . (ἐκβάλλειν), 5. Wellhausen; aber Luk. hat nicht das aramüische Wort neu und besser übersetzt, sondern das nach griechischer Auffassung schlecht gewühlte ἐξελεύσονται in ἐκβαλλομένους verwandelt. Die Phrase εἰς τ. σκότος τ. ἐξώτερον kommt im N. T. nur bei Matth. vor, bei ihm aber dreimal (s. ο, 22, 13; 25,30). Sie wird auch hier von ihm eingesetzt sein und wahr- scheinlich auch das πολλοί am Anfang (sonst setzt Luk. nicht selten Subjekte zu subjektlosen Verben) Dagegen gehört der = Borras und Notos sicher dem Hellenen an. [Luk. 9,2: ἀπέστειλεν αὐτοὺς κηρύσσει» τὴν βασιλείαν τοῦ ϑεοῦ καὶ ἰᾷσθαι]. (Matth. 10, 7: πορευόμενοι δὲ κηρύσσετε λέγοντες ὅτι rov ] (12) εἰσερχόμενοι δὲ εἰς i τὴν οἰκίαν ἀσπάσασθε αὐτήν' - (13) καὶ ἐὰν μὲν ἡ ἡ οἰκία ἀξία, ἐλϑάτω ἡ εἰρήνη ὑμῶν ἐπ᾽ αὐτήν' ἐὰν δὲ μὴ ἢ ἀξία, 3) εἰρήνη ὑμῶν πρὸς ὑμᾶς ἐπι- στραφήτω. (24) οὐκ ἔστιν μαϑητὴς - ὑπὲρ τὸν διδάσκαλον οὐδὲ δοῦ- -λος ὑπὲρ τὸν κύριον αὐτοῦ. — (25) ἀρκετὸν τῷ μαϑητῇ, ἵνα (10, 5): εἰς ἣν δ᾽ ἂν εἰσέλθητε οἰκίαν, πρῶτον λέγετε' εἰρήνη, τῷ οἴκῳ τούτῳ. (6) καὶ ἐὰν ᾖ ἐκεῖ υἱὸς εἰρήνης, ἐπανα- παήσεται ἐπ᾽ αὐτὸν d εἰρήνη ὑμῶν: εἰ δὲ μήγε, ἐφ᾽ ὑμᾶς ἀνακάμψει. (6, 40): οὐκ ἔστιν μαϑητὴς ὑπὲρ τὸν διδάσκαλον: κατ- ἠρτισμένος δὲ πᾶς ἔσται ὡς ὁ διδάσκαλος αὐτοῦ. \ 58 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. γένηται ὡς ὁ διδάσκαλος qù- τοῦ, καὶ ὁ δοῦλος ὡς ὁ κύριος αὐτοῦ. Luk. hat (zu Matth. 10, 7) die direkte Rede in Erzählung umgesetzt. Die Worte καὶ ἰᾷσθαι sind ein lukanischer Zusatz, der sich daraus erklärt, daß nach Luk. die Heilungstätigkeit Jesu die Hauptsache ist. Auch die Aussendung der Jünger betont Luk. gern, und daß das Reich der Inhalt der Predigt ist, ist gegenüber der Ankündigung „yyıxev“‘ das Spätere. Ob aber dieser Satz überhaupt zu Q gerechnet werden darf, ist sehr fraglich. Die relativische Anknüpfung (Luk. 10, 5) ist bei Luk. sehr häufig und gehört zu den Eigentümlichkeiten seines Stils gegen- über den anderen Evangelisten, bei denen das selten ist. Mro- έλϑητε neben εἰσερχόμενοι ist eine grammatische Verbesserung. / "AordLso®ce hat Luk. auch zu Matth, 5,47 vermieden; er nimmt dafür aus dem Folgenden den Gruß selbst heraus. Unzweifelhaft ist es auch eine spätere Reflexion, die an Stelle der Würdigkeit des ganzen Hauses einen einzelnen Würdigen im Hause setzt. Luk. schreibt auch Söhne des Lichts (16, S), dieses Äons (l. c. u. 20, 34), des Trostes (Act. 4, 36), der Auferstehung (Luk. 20, 36). Das findet sieh bei Matth. nieht. Ίξιος, absolut gebraucht, findet sich auch Matth. 10, 11 u. 22, 8; Luk. hat es (sprachlich mit Recht) vermieden. Das ἐπαναπαήσεται (f. ἐλθάτω ἐπ᾽ αὐ- τήν) findet sich im N. T. nur noeh Róm. 2, 17 und zeigt durch die doppelte Prüposition, daß es der einfachen Sprache der Quelle fremd ist. Luk. bietet εἰ für ἐάν, wie oben zu Matth. 5, 46. 47 (εἰ ist in Q selten), Das mediale ἐπιστρέφεσθαι hat Luk. im Ev. und den Aet. vermieden (s. dagegen Matth. 9, 22; Mark. 5, 30; 8, 33; Joh. 21, 20); es war wohl vulgär. Bei Matth. 10, 344 scheint mir Luk. den Herrn und Sklaven weggelassen zu haben, weil es neben Lehrer uud Schüler über- flüssig ist und fast trivial klingt. Daß auch die zweite Hälfte des Verses bei Luk. aus, derselben Quelle wie Matth. geflossen/^ ist, zeigt das οὓς ὁ διδάσχαλος αὐτοῦ. Dann aber ist es un- Y möglich, mit Wellhausen hier eine schlechte Übersetzung aus dem Aramäischen anzunehmen und πᾶς adverbial (= vollkommen) zu fassen. če hat Luk. öfters eingeschoben, und der Grund, warum er hier so stark geändert hat, ist doch leicht ersichtlich. | ` Lukas. | hier keine sekundüren Spuren. ` ursprünglich sein. wohl einfügen (s. ο), i Matth. 10, 27: ὃ λέγω ὑμῖν èv τῇ σκοτίᾳ, εἴπατε ἐν τῷ "gert: καὶ ὃ εἰς τὸ οὖς ἀκούετε, | κηρύξατε ἐπὶ τῶν δωμάτων. (28) καὶ μὴ φοβεῖσϑε ἀπὸ τῶν © ἐποκτεννόντων τὸ σῶμα, τὴν δὲ ψυχὴν μὴ δυναμένων no- — κτεῖναι' φοβεῖσϑε δὲ μᾶλλον τὸν - δυνάμενον καὶ ψυχὴν καὶ σῶμα - ἀπολέσαι ἐν γεέννῃ. (29) οὐχὶ o στρουθία ἀσσαρίου πω- λεῖται; καὶ ἓν ἐξ αὐτῶν οὐ πε- σεῖται ἐπὶ τὴν γῆν ἄνευ τοῦ | πατρὸς ὑμῶν. (30) ὑμῶν δὲ καὶ αἱ τρίχες τῆς κεφαλῆς πᾶσαι ἠριϑμημέναι εἰσίν. (31) μὴ οὖν φοβεῖσϑε’ πολλῶν στρονϑίων διαφέρετε ὑμεῖς, (32) πᾶς οὖν ὅστις ὁμολογήσει ἐν ἐμοὶ Be προσθεν τῶν ἀνθρώπων, ὁμο- ογήσω κἀγὼ ἐν αὐτῷ ἔμπρο- gien τοῦ πατρός μου τοῦ ἐν τοῖς οὐρανοῖς. (33) ὅστις δὲ ἀρνήσηταί µε ἔμπροσθεν τῶν ἀνϑρώπων, ἀρνήσομαι κἀγὼ | αὐτὸν ἴμπροσθεν τοῦ πα- Matth, 10, 7. 19, 24. 26. 97--83. Luk, 9 9, 2; 10, δ; 6, 40; 19, 3—9. 59 Der Vers 25 bei Matth. (d. h. in der Quelle) lautete, als ob jeder hüler unsehwer wie der Lehrer werden kónnte; wollte Luk. in etwas pedantischer Absicht zerstören. - κατηρτισμένος, welches gege in den Evy. nicht vorkommt, wohl aber bei Paulus (Róm. 9, 22; 1. Kor. 1, 10; Hebr. 11, 3), zeigt den nicht vulgüren Stil, "Aoxerór kommt bei Matth. sonst im N. T. überhaupt nicht (6, 34 ist wahrscheinlich auch aus Q, aber bei Luk. fehlt eine Parallele). Auch das ἤγγικεν in Vers 7 wird Luk. konnte es bei seinem Referate nicht diesen Schein Auch das II. Kor. 13, 11, vgl. also den Stil des noch einmal vor (6, 34), Der Matthäustext zeigt Luk. 19, ἃ: ὅσα ἐν τῇ σκοτίᾳ εἴπατε, ἐν τῷ φωτὶ ἀκουσθή- σεται, καὶ ὃ πρὸς τὸ οὖς ἐλα- λήσατε ἐν τοῖς ταμείοις, κηρυ- χϑήσεται ἐπὶ τῶν δωμάτων». (4) λέγω δὲ ὑμῖν τοῖς φίλοις μου, μὴ φοβηθῆτε ἀπὸ τῶν ἀπο- κτεννόντων τὸ σῶμα καὶ μετὰ ταῦτα μὴ ἐχόντων περισσό- τερόν τι ποιῆσαι" (5) ὑποδείξω δὲ ὑμῖν τίνα φοβηϑῆτε’ φοβή- INTE τὸν μετὰ τὸ ἀποκτεῖναι ἔχοντα ἐξουσίαν ἐμβαλεῖν εἰς τὴν γέενναν' ναί, λέγω ὑμῖν, τοῦτον φοβήϑητε.(0) οὐχὶ πέντε στρουθία πωλοῦνται ἀσσαρίων δύο; καὶ ἓν ἐξ αὐτῶν οὐκ ἔστιν ἐπιλελησμένον ἐνώπιον τοῦ ϑεοῦ. (1) ἀλλὰ καὶ αἱ τρίχες τῆς κεφαλῆς ὑμῶν πᾶσαι ἠρίϑ- unpraı μὴ φοβεῖσϑε' πολλῶν στρουϑίων διαφέρετε. (8) λέγω δὲ ὑμῖν, πᾶς ὃς ἂν ὁμολογήσῃ ἐν ἐμοὶ ἴμπροσθεν τῶν &v- ϑρώπων, καὶ ὁ υἱὸς τοῦ ἀν- ϑρώπου ὁμολογήσει ἐν αὐτῷ ` 60 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. τρός µου τοῦ ἐν τοῖς οὖρα- ἔμπροσθεν τῶν ἀγγέλων τοῦ voic. ϑεοῦ. (9) ὁ δὲ ἀρνησάμενός µε ἐνώπιον τῶν ἀνθρώπων ἆπαρ- νηϑήσεται ἐνώπιον τῶν ἀγγέ- λων τοῦ ϑεοῦ. Wellhausen erkennt zu Matth. v. 27 an, daß Luk. hier sekundär ist. Wahrscheinlich wollte er Jesum nicht als Geheim- lehrer erscheinen lassen. — Da er εἴπατε schon in den Vorder- satz genommen hatte, schrieb er im Nachsatz ἀκουσθήσεται, und nun mußte er wiederum das ἀκούετε ändern und dafür ἐλαλήσατε schreiben. Aber das ἀκούειν war auch in der Ver- bindung εἰς τὸ οὖς vulgär und anstößig; Luk. schreibt: λαλεῖν πρὸς τὸ οὖς, das ist korrekter. Korrekter ist auch όσα als o. Κηρύξατε wurde schließlich in κηρυχϑήσεται geändert parallel zu ἀκουσϑήσεται. Endlich: der Gegensatz „Ohr und Dach“ war dem Hellenen zu grotesk; er milderte ihn durch das einge- schobene: „in den Gemächern“, Bei Matth. v. 28 ist das λέγω ὑμῖν τοῖς φίλοις µου des Lukas schwerlich ursprünglich. Luk. hat den mangelnden Zu- sammenhang der beiden Verse empfunden und macht daher einen neuen Ansatz; außerdem ist φίλοι lukanisch-johanneisch. Mn φοβηθῆτε ist feiner als μὴ φοβεῖσθε (zu Matth. v. 31 hat Luk. das Präsens stehen gelassen). Luk. spricht nicht vom Töten der Seele; warum nicht, ist nicht deutlich (auch v. 5 läßt er die Seele fort). Ich vermute, daß dem Hellenen das Töten der Seele ein Ungedanke war (das περισσότερόν τι verrät übrigens den luk. Stil). Das ὑποδείξω des Luk. kann ursprüng- lich sein, braucht es aber nieht zu sein (s. z. Matth. 7, 24); es steht für das griechisch inkorrekte μᾶλλον. Das ἀπολέσαι iv γεέννῃ ist ungriechisch; Luk. setzte dafür ἐμβαλεῖν εἰς. Luk. weist durch die Wiederholung des λέγω und φοβήϑητε am Schluß des Verses noch einmal auf seine Bedeutung hin. Ur- sprünglich ist das natürlich nicht. Rätselhaft sind die Varianten 2 Sperlinge für einen Heller, 5 Sperlinge für 2 Heller (v. 299). Sind die Sperlinge billiger ' geworden? Bei v. 29^ wird niemand: zweifeln, daß Matth. den ursprünglichen Text hat. Das zeigt sich auch an der Form: das ἐνώπιον ist dem Luk. unter den Synoptikern eigentümlich; es findet sich bei Matth. und Mark. nicht, und οὐκ ἔστιν ἐπι- Matth. 10, 27—38. Luk. 19, 3—9. 51. 53; 14, 26. 61 AeAnou. ist Literatur-Griechisch. Nur πατὴρ ὑμῶν für θεός (s. 2, Matth. 6, 26) wird bei Matth. sekundär sein. Zu Matth. v. 30 ist die Wortstellung bei Luk. grammatisch korrekter, aber dem Sinne nach ist Matth. treffender, also ur- sprünglicher, und ἠρίθμηνται ist natürlich Korrektur zu ἠριδ- μημέναι εἰσίν. ᾿Αλ}ά ist für das schwächere δέ von Luk. ein- gesetzt. Zu Matth. v. 31 wird Wellhausen recht haben, daß hier eine falsche Übersetzung vorliegt (πολλῶν statt πολλῷ), aber der Fehler ist sehon in Q gemacht, da auch Luk. diesen Text bietet. Das Ee (ὑμεῖς) läßt Luk. weg wie so oft. Das οὖν bei Matth. ist zweifelhaft. Zu Matth. 32f: wieder markiert Luk. den neuen Gedanken dureh λέγω δὲ ὑμῖν. Der Menschensohn, den er in v. 32 bringt, kann nicht ursprünglieh sein; denn v. 33 hat auch Luk. (wie Matth. an beiden Stellen) das „ich“. Aber ἔμπροσϑεν τ. ἀγγέλων ist sicher ursprünglich (s. Mark. 8, 38), und von hier aus wird es noch einmal wahrscheinlich, daß Matth. öfters „meinen Vater im Himmel“, „den Vater im Himmel“ eingesetzt hat. In v. 33 ist sowohl das Partizip ὁ ἀρνησάμενος als auch das ἐνώπιον und das ἀπαρνηθήσεται (für ἀρνήσομαι κἀγὼ αὐτόν) lukanisch (Luk. braucht das Passiv. häufiger als die anderen Evangelisten). Matth. 10, 34: μὴ νομίσητε ὅτι ἦλϑον βαλεῖν εἰρήνην ἐπὶ τὴν γῆν' οὐκ ἦλϑον βαλεῖν εἰρήνην ἀλλὰ μάχαιραν. (35) ἦλϑον γὰρ διχάσαι ἄνϑρωπον κατὰ τοῦ πατρὸς αὐτοῦ καὶ ϑυγατέρα κατὰ τῆς μητρὸς αὐτῆς καὶ νύμφη», κατὰ τῆς πενϑερᾶς αὐτῆς. [(91) ὁ φιλῶν πατέρα ἢ μητέρα ὑπὲρ ἐμὲ οὐκ - ἔστιν µου ἄξιος: καὶ ὁ φιλῶν υἱὸν A θυγατέρα ὑπὲρ ἐμὲ οὐκ ἔστιν µου ἄξιος]. Luk. 12, 51: δοκεῖτε ὅτι εἰρή- vyv παρεγενόμην δοῦναι ἐν τῇ a 35 a , € H 3 RAJ ΥΠ; οὐχί, λέγω vuv, ἀλλ η διαμερισμόν. (53) διαμερισϑή- σονται πατὴρ ἐπὶ υἱῷ καὶ υἱὸς ἐπὶ πατρί, μήτηρ ἐπὶ ϑυγατέρα καὶ ϑυγάτηρ ἐπὶ τὴν μητέρα, πενϑερὰ ἐπὶ τὴν νύμφην αὐτῆς καὶ νύμφη ἐπὶ τὴν πενϑερά». [14, 26) εἴ τις ἔρχεται πρός µε καὶ οὐ μισεῖ τὸν πατέρα αὐτοῦ καὶ τὴν μητέρα καὶ τὴν γυναῖκα καὶ τὰ τέκνα καὶ τοὺς ἀδελφοὺς καὶ τὰς ἀδελφάς, ἔτι τε καὶ τὴν ἑαυτοῦ ψυχήν, οὐ δύναται εἶναί µου μαθητής]. 62 Cap. 1: (38) καὶ ὃς οὐ λαμβάνει τὸν σταυρὸν αὐτοῦ καὶ ἀκολου- Her ὀπίσω µου, οὐκ ἔστιν μου ἄξιος. (39) ὁ εὑρὼν τὴν ψυχὴν αὐτοῦ ἀπολέσει αὐτήν, καὶ ὁ ἀπολέσας τὴν ψυχὴν αὐτοῦ ἕνεκεν ἐμοῦ εὑρήσει αὐτή». (40) ὁ δεχόμενος ὑμᾶς ἐμὲ δέχεται, καὶ ὁ ἐμὲ δεχόμενος Ausscheidung und textkritische Untersuchung eto. (14, 27) ὅστις οὐ βαστάζει τὸν σταυρὸν ἑαυτοῦ καὶ ἔρχεται ὀπίσω µου, οὐ δύναται εἶναί µου μαϑητής. (17, 33) óc ἐὰν ζητήσῃ τὴν ψυχὴν αὐτοῦ περιποιήσασθαι ἀπολέσει αὐτήν, ὃς ὁ ἂν ἆπο- λέσει ζωογονήσει αὐτή». (10, 16) ὁ ἀκούων ὑμῶν ἐμοῦ ἀκούει, καὶ ὁ ἀϑετῶν ὑμᾶς ἐμὲ 2 € ^ 2 - 2 ἀθετεῖ' ὁ δὲ ἐμὲ ἀϑετών ape- > δέχεται τὸν ἀποστείλαντά με. » { τεῖ τὸν ἀποστείλαντά με. Auch zu Matth, v. 34 findet sich bei Luk. wieder das λέγω ὑμῖν. Mn νομίσητε ὅτι ἦλϑον steht auch Matth, 5, 17; δοκεῖτε findet sich in Q Matth. 24, 44 — Luk. 12, 44; doch ist die Zu- gehörigkeit des Verses zu Q nicht zweifellos, Da aber hier Luk, die Frageform hat, die er sonst öfters getilgt hat, ist für ihn zu entscheiden. Das εἰρήνην δοῦναι ἐν τ. γῇ ist gewiß eine stilistische Verbesserung, παρεγενόμην ist gewählter als ἠλϑο», desgleichen διαμερισμόν (nur hier im NT.) für μάχαιραν, end- lich ist auch die Wortstellung bei Luk. künstlicher. Dasselbe gilt von Matth. 35 — Luk. 53: der διαµερισµός veranlaßte es, statt ἠλϑον διχάσαι (das Wort fehlt in der LXX und mag dem Luk. auch anstößig gewesen sein) vielmehr διαμερισϑήσονται zu schreiben; πατὴρ ἐπὶ υἱῷ καὶ υἱὸς ἐπὶ πατρὶ ist korrekter als das ungelenke ἄνδρωπον κατὰ τοῦ πατρὸς αὐτοῦ. Demgemäß wiederholte Luk. Roh das „Mutter und Tochter* und Eu. und Schnur“. Über das Verhältnis von Matth. v. 37 zu Luk. 14,26 läßt sich sehwer ein Urteil gewinnen. Man kann es bezweifeln, ob hier Q die gemeinsame Quelle ist, so gewiß letztlich eine solche zugrunde liegt. Wahrscheinlich ist, daß Luk. von Mark. 10, 29 stark beeinflußt ist, daß das μισεῖν und ebenso das ἔτι τε καὶ/ (τε ist lukaniseh) auf seine Rechnung kommt, daß er den Schluß \ des Verses nach dem folgenden gebildet hat, und daß Matth. den unveränderten Text von Q bietet. (Das möchte ich auch für v. 36 annehmen, der oben nicht abgedruckt ist: καὶ ἐχθροὶ τοῦ ἀνϑρώπου s. ἄνθρωπος in v. 35] οἱ οἰκιακοὶ αὐτοῦ. Luk. Matth. 10, 34—40. Luk. 12, 51. 53; 14, 26. 27; 17, 88: 10,16. 63 — lief diese Worte ganz fort, weil sie ihm nach v. 35 ganz über- - flüssig schienen). 6 Der Spruch Matth. v. 38 steht je 2mal bei Matth. und ` Luk. und einmal bei Mark. Die oben abgedruckten Fassungen - haben eine Quelle, da sie beide negativ sind, während die drei anderen mit εἴ τις θέλει beginnen. Die ursprüngliche Form der - negativen Fassung steht wiederum bei Matth: er schreibt óc, Luk. besser griechisch ὅστις, er spricht von einem „Nehmen“ des Kreuzes, Luk. von einem „Tragen“ („Nehmen“ soll natür- - lich auch = „Tragen“ sein). Matth. schreibt pleonastisch (semi- - tisch) ἀκολουϑεῖν ὀπίσω, Luk. korrigiert das in ἔρχεσθαι ὀπίσω. Für οὐκ ἔστιν µου ἄξιος schreibt Luk. konstant: οὐ δύναται . εἶναί µου μαθητής. Man versteht, wie dieses für jenes, nicht aber wie jenes für dieses gesetzt worden ist (über die Vermei- - dung des ἄξιος bei Luk. s. zu Matth. 10, 13). Der Spruch Matth. 10,39 ist der eine von den beiden Sprüchen Jesu, die sieh in allen vier Evangelien finden (bei Matth. und Luk. 2mal). Matth. 16, 25 und Luk. 9, 26 ist aus Mark. 8, 35 ge- flossen; also stammten Matth. 10, 39 und Luk. 17, 33 aus Q (in allen sechs Fassungen findet sich der Ausdruek ἀπολλύειν τὴν - {υχήν). Luk. bringt die in den Evangelien sonst fehlenden Worte περιποιεῖσθαι (aber s. Act. 20, 28; I Tim. 3, 13) und ζωογονεῖν (aber s. Act. 7, 19 und I Tim. 6, 13); sie sind zweifelsohne se- —kundür; dem Sinne nach sind sie mit σώζειν bzw. aram. „achi“ identisch (s. Wellhausen). Auch das ζητήσῃ des Luk. ist sehr verdächtig, denn auch zu Matth. 7, 13 (Luk. 13, 24) hat er ein ζητήσουσιν eingeschoben. Den Ausdruck τὴν ψυχὴν εὑρεῖν hat Luk. augenscheinlich als nicht genügend verständlich beurteilt; auch Johannes hat ihn (12, 25) durch φιλεῖν τὴν ψυχήν ersetzt. | Auffallend ist nur, daß Matth. in diesem Verse das Partiz. hat | und Luk. das Verbum finit. (mit ὃς ἐάν); sonst ist es fast | immer umgekehrt. Lukas war wahrscheinlich durch seine frühere Fassung (in ο, 9, 24, nach Markus) beeinflußt. Ίνεκεν ἐμοῦ ist Zusatz des Matth. (aus Mark) Matth. 10, 40: Die zweite Hälfte dieses Spruchs ist das | andere Wort Jesu, das sich in allen vier Evangelien findet, Bei Mark. stand (9, 37) das Wort von dem aufzunehmenden Kinde (in welchem Jesus selbst aufgenommen wird) und schloß: καὶ M 64 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. ὃς ἂν lub δέχηται, οὐκ ἐμὲ δέχεται ἀλλὰ τὸν ἀποστείλαντά με. Hieraus ist Matth. 18, 5 geflossen (aber ohne die 2. Hälfte) und Luk.9,48: καὶ ὃς ἂν ἐμὲ δέξηται, δέχεται τὸν ἀποστείλαντά με. An den drei anderen Stellen (den beiden oben abgedruckten und Joh. 13,20: ὁ λαμβάνων ἄν τινα πέμψω ἐμὲ λαμβάνει, ὁ δὲ ἐμὲ λαμβάνων λαμβάνει τὸν πέμψαντά με) handelt es sich um die Aufnahme der Evangelisten Jesu. Die Übereinstimmung von Matth. und Joh. in diesem Spruche (Matth. δέχεσθαι und ἀποστεῖλαι, Joh. λαμβάνειν und πέμψαι — das sind echte Über- setzungsvarianten) legt die Annahme nahe, daß Luk. willkürlich geändert und erweitert hat. Das Motiv ist aus der leisen Ab- änderung bei Joh. klar. Bei Matth. (Q) handelt es sich um die wirkliche Aufnahme der direkten Apostel Jesu. Daran konnte man in späterer Zeit (und namentlich in der Diaspora) nicht. denken. Darum schreibt Joh.: ὁ λαμβάνων ἄν τινα πέμψω, und Lukas verändert die „Aufnahme“ in das „Hören“ (im Sinne von Gehorchen), bzw. in das Gegenteil, das „Unwirksam machen“. Zu ἀθετεῖν bei Luk. s. I Thess. 4, 8: ὁ ἀθετῶν οὐκ ἄνϑρωπον ἀθετεῖ ἀλλὰ τὸν ϑεόν (und Luk. 7, 30: τὴν βουλὴν τοῦ ϑεοῦ videoen): zum Gedanken bei Luk. s. Act. 9, 4: Σαούλ, τί µε διώκεις; Also zeigt sich auch in den zuletzt behandelten Versen fast durchweg, daß der Lukastext sekundär ist, wenn es auch fraglich bleiben muß um des starken Unterschieds von Matth. 10, 40 und Luk. 10, 16 willen, ob dieser besonders stark ver- breitete Spruch überhaupt in Q gestanden hat. Matth. 11, 2: Ὁ δὲ Ἰωάν- Luk. 7, 18. 19: καὶ ἀπήγγειλαν ung ἀκούσας ἐν τῷ δεόµωτη- Ἰωάννει οἱ μαϑηταὶ αὐτοῦ περὶ olm τὰ ἔργα τοῦ Χριστοῦ, πάντων τούτων. καὶ προσκα- πέμψας διὰ τῶν μαϑητῶν λεσάμενος δύο τινὰς τῶν μα- 3 ~ S H ^u fi ~ H ~ € D , αὐτοῦ εἶπεν αὐτῷ ϑητῶν αὐτοῦ ὁ Ἰωάννης ἔπεμφεν πρὸς τὸν κύριον λέγων Dal Johannes gefangen genommen worden, hatte Lok, c. 9, 20 gesagt, brauchte es also nicht zu wiederholen; in Q muh y es gestanden haben; also ist ἐν τῷ δεσμωτηρίῳ des Matth. ur- sprünglich: „Die Werke hören“ ist ein ungelenker Ausdruck; die Phrase des Luk. dagegen ist konventionell; ebenso macht das πέμψαι διά einen ursprünglicheren Eindruck als das in den: E Matth. 11,2,3; 17, 20; 18, 12. 19. Luk. 7, 18. 19; 17, 6; 15, 4—7. 65 Evv. formelhafte προσκαλεσάµενος (ἔπεμψεν). Endlich ist die Einschiebung von τινὲς und ὁ κύριος lukanisch, und die Wieder- holung des Namens Johannes zeigt, daß die Fassung in v. 18 nicht ursprünglich ist. Also hat Matth. den Text von Q bewahrt. ἔχειν). Matth. 17,200: Ἐὰν ἔχητε πίστιν ὡς κόκκον σινά- m TEOG, ἐρεῖτε τῷ ὀρει τούτῳ’ , E) . μετάβα ἔνϑεν ἐκεῖ, καὶ µετα- βήσεται. Luk. hat εἰ für ἐάν geschrieben wie öfters. Luk. 17, 6: εἰ ἔχετε πίστιν ὡς κόκκον σινάπεως, ἐλέ- γετε ἂν τῇ συκαμίνῳ. [ταύτῃ]᾽ ἐκριζώθητι καὶ φυτεύϑητι ἐν τῇ ϑαλάσσῃ’ καὶ ὑπήκουσεν ἂν ὑμῖν. Die Ausleger erkennen an, daß Luk. den Feigenbaum für den Berg einge- setzt hat — ein Nachhall der ausgelassenen Verfluchung des Feigenbaumes. Matth. 18, 12: τί ὑμῖν ðo- κεῖ; ἐὰν γένηταί τινι ἀν- ϑρώπῳ ἑκατὸν πρόβατα καὶ πλανηϑῇ ἓν ἐξ αὐτῶν, οὐχὶ ἀφήσει τὰ ἐνενήκοντα ἐννέα ἐπὶ τὰ ὄρη καὶ πο- ρευϑεὶς ζητεῖ τὸ πλανώμενον; (13) καὶ ἐὰν γένηται εὑρεῖν αὐτό, ἀμὴν λέγω ὑμῖν, ὅτι χαίρει ἐπ’ αὐτῷ μᾶλλον ἢ ἐπὶ τοῖς ἐνενήκοντα ἐννέα τοῖς μὴ πεπλανημένοις. Luk. 15, 4: τίς ἄνϑρωπος ἐξ ὑμῶν ἔχων ἑκατὸν πρόβατα καὶ ἀπολέσας ἐξ αὐτῶν ἓν οὐκαταλείπει τὰ ἐνενήκοντα ἐννέα ἐν τῇ ἐρήμῳ καὶ πο- ρεύεται ἐπὶ τὸ ἀπολωλὸς ἕως evon αὐτό; (5) καὶ εὑρὼν ἐπιτίθησιν ἐπὶ τοὺς ὤμους αὐτοῦ χαίρων, (6) καὶ ἐλϑὼν εἰς τὸν οἶκον συνκαλεῖ τοὺς φίλους καὶ τοὺς γείτονας, λέ- yov αὐτοῖς: συνχάρητέ μοι, ὅτι εὗρον τὸ πρόβατόν μου τὸ ἀπολωλός. (T) λέγω ὑμῖν ὅτι οὕτως χαρὰ ἔσται ἐν τῷ οὐρανῷ ἐπὶ in ἁμαρτωλε o µε- τανοοῦντι ἢ ἐπὶ ἐνενήκοντα ἐννέα δικαίους, οἵτινες οὐ χρείαν ἔχουσιν μετανοίας. Matth, hat die Frage erst im Nachsatz; Luk. macht durch Partizipialkonstruktion, wie öfters, einen Fragesatz. Jenes ist das Ursprüngliche, ebenso wie das ungelenke γίνεσθαι (Luk. Harnack, Sprüche Jesu. Das ἐξ ὑμῶν des Luk. ist nicht am Platze, ᾿απολέσας 5 66 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. schreibt Luk. für πλανηϑῇ, um den Subjektswechsel, den er bei seiner Konstruktion nicht brauchen konnte, zu vermeiden. ᾿Αφήσει ist ebenfalls ungelenk, καταλείπει ist verständliche Korrektur, Ἐπὶ τὰ ὄρη und ἐν τῇ ἐρήμῳ könnte man als Übersetzungs- varianten beurteilen, wenn es sonst wahrscheinlich wäre, daß Luk. das aramäische Original von Q gekannt hätte. Luk. setzte das Allgemeinere für das Spezielle ein. Er schreibt ferner τὸ ἀπολωλός, weil er ἀπολέσας geschrieben hatte; Matth. bietet τὸ πλανώμενον (nach dem πλανηϑῇ des Textes) Πορεύεται ἐπὶ τό ist gut griechisch für πορευϑεὶς ζητεῖ. Für das ungrie- chische ἐὰν γένηται εὑρεῖν liest man bei Luk. korrekt εὐρών. Also ist er hier überall der Sekundáre. Luk. v. 6 und schon der Hauptteil von v. 5 hat bei Matth. keine Parallele, sie kónnen in Q gestanden und Matth. kann sie weggelassen haben, weil sie nur ausmalen; aber Sicherheit hat man nicht. Συνκαλεῖν findet sich im N.T. 8mal, darunter 7mal bei Luk., auch die „Nachbarn“ (Luk. 14, 12; 15, 9) und „Freunde“ muten etwas lukanisch an; συνχαίρει» ist in den Evv. ausschließ- lich lukaniseh (ο. 1, 58; 15, 9), und τὸ ἀπολωλός kann in Q nicht gestanden haben, da es im vorhergehenden auf Korrektur des Lukas beruht. Matth. v. 13: Hier ist das λέγω ὑμῖν, welches auch Luk. v. 7 steht, wichtig, weil es zeigt, daß auch Q diese Versicherung schon bot, woraus aber nicht folgt, daß sie überall ursprünglich ist, wo Matth. oder Lukas sie bieten. Matth. sagt aus, daß der Besitzer. sich mehr über das eine Schaf freut als über die 99 nicht verirrten; Lukas gibt die Nutzanwendung und interpoliert die Buße (s. zu Luk. 17, 3. 4 — Matth. 18, 21. 22). Was das Ur- sprüngliche ist, darüber ist ein Zweifel nicht möglich. Also hat auch hier Matth. den alten Text. Matth. 18, 15: Ἐὰν δὲ Luk. 17,3: ἐὰν ἁμάρτῃ ὁ ἁμαρτήσῃ ὁ ἀδελφός σου, ὕπαγε ἔλεγξον αὐτὸν μεταξὺ σοῦ καὶ αὐτοῦ μόνου. ἐάν σου ἀκούσῃ, ἐκέρδησας τὸν ἀδελ- φόν σου. (31) τότε προσελϑὼν ὁ ἀδελφός σου, ἐπιτίμησον, ev, b τῷ, καὶ ἐὰν μετανοήσῃ, ἄφες αὐτῷ. (4) καὶ ἐὰν ἑπτάκις τῆς ἡμέρας ἁμαρτήσῃ εἰς σὲ καὶ ἑπτάκις ἐπιστρέψῃ πρὸς σὲ λέ- γων' μετανοῶ, ἀφήσεις αὐτῷ. f Wi Matth. 18, 15. 21. 22; 19, 28. Luk. 17, 3. 4; 22, 28. 30. 67 - Πέτρος εἶπεν αὐτῷ: κύριε, ποσάκις ἁμαρτήσει εἰς ἐμὲ ὁ ἀδελφός µου καὶ ἀφήσω αὐτῷ; ἕως ἑπτάκις; (33) λέγει αὐτῷ ὁ Ἰησοῦς: οὐ λέγω σοι ἕως ἑπτάκις, ἀλλὰ ἕως ἑβδομηκον- τάκις ἑπτά. Der Text bei Luk. scheint auf den ersten Blick, weil der kürzere, auch der ursprüngliche; in Wahrheit ist er teilweise der längere und beruht auf einer Vermischung. Er ist der längere; denn nur er bietet τῆς ἡμέρας und die Buße (ganz wie c. 15, 7), wovon bei Matth. v. 21f. nicht die Rede ist. Die Buße ist dem Luk. augenscheinlich die Hauptsache, Matth. aber (bzw. Q) denkt zwar nicht bei den Sünden überhaupt, wohl aber bei den Beleidigungen an unbedingte Vergebung. Diese beiden Fälle hat Luk. vermengt. Aber auch Matth. ist hier nicht ursprüng- lich; denn seine Fassung von v.15 ist schon durch den Inhalt der folgenden Verse (16 u. 17) bestimmt. Der Text muß gelautet haben: ἐὰν ἁμαρτήσῃ [ἁμάρτῃ ist grammatische Verbesserung des Lukas] ὁ ἀδελφός σου, ἔλεγξον αὐτόν [ὕπαγε gehört viel- leicht dem Stil des Matth. an; das seltene ἔλεγξον ist gewiß ursprünglicher als das häufige ἐπιτίμησον]. So aber ist der Spruch unvollständig; also ist der folgende Satz: ἐάν σου ἀκούσῃ, ἐκέρδησας τὸν ἀδελφόν σου, nicht zu missen. Ganz unabhängig von diesem Spruch ist der andere Matth. v. 21. 22, den Luk. vermengt hat. Seine Ursprünglichkeit — doch mag der Petrus sekundür sein — geht schon aus dem ganz ungriechischen Satzbau hervor und dem ebenso ungriechischen - ἕως und dem ἑπτά am Schluß (für ἑπτάκις). Das ,77mal* | war dem Luk. wohl zu seltsam. Matth. 19, 28: ὑμεῖς οἱ Luk. 22,28. 30: ὑμεῖς δέ ἔστε ἀκολουϑήσαντές uot ... καϑί- οἱ διαμεμενηκότες μετ᾽ ἐμοῦ σεσθε ἐπὶ δώδεκα ϑρόνους xol- ἐν τοῖς πειρασμοῖς μου... καὶ νοντες τὰς δώδεκα φυλὰς τοῦ καϑήσεσϑε ἐπὶ ϑρόνων κρί- Ἰσραήλ. νοντες τὰς δώδεκα φυλὰς τοῦ Ἰσραήλ. Daß die Einleitung bei Matth. ursprünglicher ist, ist klar; außerdem kommt διαμένειν in den Evv. nur noch einmal bei 5* Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung οἷο, 68 Luk. vor (1,22), und der Plural πειρασµοί findet sich in den Evv. sonst überhaupt nicht, wohl aber Act. 20, 19. Das Übrige ist identisch; die Zwölfzahl ist Matth. 23, 4: Δεσμεύουσιν dt φορτία βαρέα καὶ ἐπιτιϑέ- ασιν ἐπὶ τοὺς ὤμους τῶν ἀν- ϑρώπων, αὐτοὶ δὲ τῷ δακτύ- λῳ αὐτῶν οὐ ϑέλουσιν κινῆσαι αὐτά. (13) οὐαὶ δὲ ὑμῖν, γραμμα- τεῖς καὶ Φαρισαῖοι ὑποκριταί, ὅτι κλείετε τὴν βασιλείαν τῶν οὐρανῶν ἔμπροσθεν τῶν ἀν- ϑρώπων' ὑμεῖς γὰρ οὐκ εἰσέρ- χεσϑε οὐδὲ τοὺς εἰσερχομένους ἀφίετε εἰσελϑεῖν. (23) οὐαὶ ὑμῖν, γραμματεῖς καὶ Φαρισαῖοι ὑποκριπαί, ὅτι ἀποδεκατοῦτε τὸ ἡδύοσμον καὶ τὸ ἄνηϑον καὶ τὸ κύμινον, καὶ ἀφήκατε τὰ βαρύτερα τοῦ νόμου, τὴν κρίσιν καὶ τὸ ἔλεος καὶ τὴν πίστιν. ταῦτα δὲ ἔδει ποιῆσαι κἀκεῖνα μὴ ἀφεῖναι. (25) οὐαὶ ὑμῖν, γραμματεῖς καὶ Φαρισαῖοι ὑποκριταί, ὅτι καϑαρίζετε τὸ ἔξωϑεν τοῦ πο- τηρίου καὶ τῆς παροψίδος, ἔσωϑεν δὲ γέμουσιν ἐξ ἁρπαγῆς καὶ ἀκρασίας. Ὁ. an beiden Stellen beizubehalten. Luk. 11, 46: καὶ ὑμῖν τοῖς vout- κοῖς οὐαί: φορτίζετε τοὺς &r- ϑρώπους φορτία δυσβάστακτα, καὶ αὐτοὶ ἑνὶ τῶν δακτύλων ὑμῶν οὐ προσψαύετε τοῖς φορ- τίοις. 11, 52: οὐαὶ ὑμῖν τοῖς νομι- κοῖς, ὅτι ἤρατε [ἔχετε] τὴν κλεῖδα τῆς γνώσεως: οὐκ εἰσήλϑατε καὶ τοὺς sloeg- χομένους ἐκωλύσατε. 11, 42: οὐαὶ ὑμῖν τοῖς Φαρι- σαίοις, ὅτι ἀποδεκατοῦτε τὸ ἡδύοσμον καὶ τὸ πήγανον καὶ πᾶν λάχανον, καὶ παρέρχεσθε τὴν κρίσιν καὶ τὴν ἀγάπην τοῦ ϑεοῦ. [ταῦτα ἔδει ποιῆσαι κἀκεῖνα μὴ παρεῖναι]. 11, 39: νῦν ὑμεῖς οἱ Φαρισαῖοι τὸ ἔξωϑεν τοῦ ποτηρίου καὶ τοῦ πίνακος καϑαρίζετε, τὸ δὲ ἔσωϑεν ὑμῶν γέμει ἁρπαγῆς καὶ πονηρίας. 1) Matth. v. 26 und Luk. v. 41 sind nicht ohne Verbindung, lassen H H αυτοι sieh aber nur schwer vergleichen. Zunüchst hat 412 (οὐχ ὁ ποιήσας τὸ ἔξωθεν καὶ τὸ ἔσωθεν ἐποίησεν;) überhaupt keine Parallele in v. 26: ebensowenig die Anrede in v. 26: Φαρισαῖε τυφλέ. Ob die Worte καϑά- E100v πρῶτον τὸ ἐντὸς τοῦ ποτηρίου und πλὴν τὰ ἐνόντα δότε ἐλεημο- σύνην auf eine aramäische Quelle zurückgehen (Vertauschung von „dakki“ und „zakki“), ist zweifelhaft. Wirklich verwandt sind nur ἵνα γένηται καὶ τὸ ἐκτὸς αὐτοῦ χαϑαρόν und καὶ ἰδοὺ πάντα καϑαρὰ ὑμῖν ἐστιν. Ist aber hier wirklich eine Quelle benutzt, so hat Matth. den ursprünglicheren Text. E we EN Matth. 23, 4. 13. 23. 25. 27. 29—32.34—56. Luk. 11,46.52.42. 39.44. 47—51. 69 [(27) οὐαὶ ὑμῖν, γραμματεῖς καὶ Φαρισαῖοι ὑποκριταί, ὅτι παρομοιάζετε τάφοις κεκονιαᾶ- μένοις, οἵτινες ἔξωϑεν μὲν φαί- νονται ὡραῖοι, ἔσωϑεν δὲ γέ- µουσιν ὀστέων νεκρῶν καὶ πάσης ἀκαϑαρσίας]. (29) οὐαὶ ὑμῖν, γραμματεῖς καὶ Φαρισαῖοι ὑποκριταί, ὅτι οἰκοδομεῖτε τοὺς τάφους τῶν προφητῶν καὶ κοσμεῖτε τὰ μνημεῖα τῶν δικαίων, (30) καὶ λέγετε' εἰ ἥμεθα ἐν ταῖς ἡμέ- ραις τῶν πατέρων ἡμῶν, οὐκ ἂν ἥμεθα αὐτῶν κοινωνοὶ ἐν τῷ αἵματι τῶν προφητῶν. (31) ὥστε μαρτυρεῖτε ἑαυτοῖς ὅτι υἱοί ἐστε τῶν φονευσάν- τῶν τοὺς προφήτας. (32) καὶ ὑμεῖς πληρώσατε τὸ μέτρον τῶν πατέρων ὑμῶν. (34) διὰ τοῦτο ἰδοὺ ἐγὼ ἀποστέλλω πρὸς ὑμᾶς προφή- τας καὶ σοφοὺς καὶ γραμματεῖς" ἐξ αὐτῶν ἀποκτενεῖτε καὶ σταυρώσετε καὶ ἐξ αὐτῶν μαστιγώσετε ἐν ταῖς συναγω- γαῖς ὑμῶν καὶ διώξετε ἀπὸ πόλεως εἰς πόλιν’ (95) ὅπως ELIN ἐφ᾽ ὑμᾶς πᾶν αἷμα di- καιον ἐκχυννόμενον ἐπὶ τῆς γῆς ἀπὸ τοῦ αἵματος Abel τοῦ δικαίου ἕως τοῦ αἵματος Ζα- χαρίου υἱοῦ Βαραχίου, ov ἐφο- νεύσατε μεταξὺ τοῦ ναοῦ καὶ τοῦ ϑυσιαστηρίου. (36) ἀμὴν λέγω ὑμῖν, ἥξει ταῦτα πάντα ἐπὶ τὴν γενεὰν ταύτην. [11, 44: οὐαὶ ὑμῖν, ὅτι ἐστὲ ὡς τὰ μνημεῖα τὰ ἄδηλα, καὶ οἱ ἄνϑρωποι οἱ περιπατοῦντες ἐπάνω οὐκ οἴδασιν]. 11, 47: οὐαὶ ὑμῖν, ὅτι οἰκοδο- μεῖτε τὰ μνημεῖα τῶν προφη- τῶν, οἱ δὲ πατέρες ὑμῶν ἀπέ- κτειναν αὐτούς. (48) ἄρα µάρ- τυρές ἐστε καὶ συνευδοκεῖτε τοῖς ἔργοις τῶν πατέρων ὑμῶν, ὅτι αὐτοὶ μὲν ἀπέκτει- ναν αὐτούς, ὑμεῖς δὲ οἰκοδο- μεῖτε. 11,49: διὰ τοῦτο καὶ ἡ Σοφία τοῦ ϑεοῦ εἶπεν' ἀποστελῶ εἰς αὐτοὺς προφήτας καὶ ἀποστό- λους, καὶ ἐξ αὐτῶν ἀποκτενοῦ- ow καὶ ἐκδιώξουσιν, (50) ἵνα ἐκζητηϑῇ τὸ αἷμα πάντων τῶν προφητῶν τὸ ἐκχυννό- μενον ἀπὸ καταβολῆς κόσμου ἀπὸ τῆς γενεᾶς ταύτης, (51) ἀπὸ αἵματος "Abel ἕως αἵματος Za- χαρίου τοῦ ἀπολομένου μεταξὺ τοῦ ϑυσιαστηρίου καὶ τοῦ olt- κου: ναί, λέγω ὑμῖν, ἐκζητη- ϑήσεται ἀπὸ τῆς γενεᾶς ταύ- της. Matth. 23, 4: Für das griechisch kaum verständliche δεσμεύ- 70 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. ειν φορτία hat Luk. φορτίζειν φορτία geschrieben (vgl. bei ihm c. 17, 24: ἀστραπὴ ἀστράπτουσα, Act. 28, 10: τιμαῖς ἐτίμησαν, Act. 4,17: ἀπειλῇ ἀπειλησώμεθα, Act. 5,98: παραγγελίᾳ παραγ- γείλαμεν, Luk. 22, 15: ἐπιϑυμίᾳ ἐπεθύμησα, 23, 46: φωνήσας φωνῇ (ebenso Act. 16, 28), 6, 8: ἀναστὰς ἔστη, Act. 5, 4: μένον ἔμενεν, Luk. 2,8: φυλάσσοντες φυλακάς). Die Konstruktion des φορτίζεν mit doppeltem Ace. ersetzte das ἐπιτιϑέασιν. — δυσβάστακτος ist Literatur-Griechisch und lukanisch, s. zu Matth. 6,20 (Luk. 12, 33). — ἑνὶ v. δακτ. ist eine deutliche Ver- besserung und Verstärkung (für τῷ δακτύλῳ). — προσφαύειν (für κινεῖν) zeigt sich, weil es Kompositum ist, als Korrektur. — Bei Luk. steht dieser Vers schon unter den Wehesprüchen gegen die Gesetzeslehrer, und dies kann richtig sein. Matth. nahm den Vers in eine Schilderung der Pharisäer hinein, die er einer Sonderquelle entnahm, und ordnete dann erst sieben Wehe zu- sammen. Doch kann es auch anders sein (s. zu Matth. v. 25); augenscheinlich stand in Q ein Teil des Stoffes als Charakteristik der Pharisáer und ein anderer in der Form von Weherufen. — Νομικός findet sich bei Luk. 6mal, bei Mark., Joh. und Paulus nie, bei Matth. einmal (22, 35], aber die Stelle ist unsicher. Das Wort hat also sicher nicht in der Quelle gestanden; Luk. hat es für „Pharisäer“ gesetzt, bzw. mit diesem Wort (s. 11, 39. 42. 43) verbunden oder wechseln lassen, vielleicht um seine unkundigen Leser zu erinnern, wer die Pharisäer sind (vgl. Act. 23, 8). Das καὶ bei Luk. v. 46 ist wohl beizubehalten. Matth. 23, 13: Die Zusammenstellung von Schriftgelehrten und Pharisáern findet sich aueh bei Luk. 4mal (5, 30; 6, 7; 11, 53; 15, 3). Wenn er sie hier gefunden hätte, hätte er sie gewiß gebraucht. Da er aber νομικοί schreibt, ist anzunehmen, daß in Q nur „Pharisäer“ stand (s. o. zu v. 4). — ὑποκριταί ist bei Matth. viel häufiger als bei Luk., und zu Matth. 24, 51 hat es Luk. durch ἄπιστοι ersetzt. Ob es an unseren Stellen in Q gestanden hat, läßt sich nicht sicher entscheiden; wahrscheinlich stand in Q: οὐαὶ ὑμῖν τοῖς Φαρισαίοις. — Daß „den Schlüssel der Erkennt- nis haben“ die Korrektur ist und „das Himmelreich zuschließen“ das Original, liegt auf der Hand; auch paßt das εἰσέρχεσθαι nicht zur Gnosis; γνῶσις kommt in den Evv. nur noch einmal vor, und zwar auch bei Luk. (1, 77: γνῶσις σωτηρίας). --- Luk. setzt αὐτοί statt ὑμεῖς, denn er liebt nicht das Subjektpronomen Matth. 23, 4.13. 23. 25. 27. 29—32. 34—36. Luk.11,46.52. 42. 39. 44. 47—51. 71 neben dem Verbum. — Luk. sagt εἰσήλθατε statt des Präsens, denn dal sie die Gnosis nicht haben, ist schon entschieden. — Luk, tilgt das mißverständliche γάρ und schreibt statt des um- ständlichen οὐκ ἀφίετε εἰσελθεῖν einfach ἐκωλύσατε, ganz wie zu Mattb. 5, 40, wo er ἄφες αὐτῷ durch μὴ κωλύσῃς ersetzt. (κωλύειν bei Matth. 1mal, bei Luk. 6 + θπια]). Matth. 23,23: Über den Eingang s. zu v.13. — „Dill und Kümmel“ (Matth.), „Raute und allerlei Kraut“ (Luk.); jenes ist ursprünglicher (Nestle, Expos. Times XV, 528, Ztschr. f. neu- testament]. Wissensch., 1906, S. 10, nimmt an, daß Dill und Raute gleich sei ΝΓ5Ὸ und ΝἼΞῸ). — τὰ βαρύτερα τοῦ νόμου list schwer verstándlich und scheint auch gegen v.4 zu streiten, nach welchem die Pharisüer gerade das Schwere auferlegen; es ist da- her von Luk. ausgelassen. — παρέρχεσθε ist feiner als ἀφήκατε. — Aus dem bei Matth. in die Mitte gestellten ἔλεος folgt, daß hier von dem Verhalten gegen den Nächsten die Rede ist (Well- hausen), aber Luk. hat das umgewandelt: ihr übergeht das Ge- richt und die Liebe Gottes. Der Schluß des Verses ist in vielen Exemplaren bei Luk. aus Matth. interpoliert. In Q hat er schwer- lich gestanden; denn er entspricht der Tendenz des Matthäus. Auch das vorhergehende καὶ τὴν πίστιν ist sehr zweifelhaft. Matth. 23, 25: Hier hat umgekehrt (s. zu Matth. v. 4) Matth, das Wehe und Luk. die blofie Charakteristik (s. zu 23, 4); das nur hier sich findende νῦν scheint ursprünglich zu sein; für παροψίς hat Luk. das allgemeinere (πίναξ) eingesetzt (s. Mark. 6, 25). Das mißverständliche ἔσωϑεν hat Luk. durch τὸ ἔσωϑεν ὑμῶν richtig erklärt und die hier zu speziell scheinende ἀκρασία durch das allgemeinere (πονηρία) ersetzt. Matth. 23, 27: Wellhausen meint, daß der Matth.-Text hier weitläufiger und schlechter sei als der des Lukas. Allein die Sprüche sind ganz verschieden: dort werden die Pharisüer mit weißübertünchten Gräbern verglichen („geweißt“, damit man sie sähe), hier mit dem Gegenteil, mit unsichtbaren Gräbern. Letz- teres ist nur aus Num. 19, 16 verständlich: man verunreinigt sich, wenn man auf sie tritt. Die jüdische Gesetzesbestimmung, die der Fassung bei Luk. zugrunde liegt, bürgt für die Ursprünglich- keit des Textes. Aber auch der Matth.-Text beruht schwerlich auf willkürlicher Textänderung. Will man aber nicht beide Verse nebeneinander für Q halten, so hat Luk. gewiß den Vorzug, da 72 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung ete. Matth. v. 27 neben v. 25 kaum etwas Neues bringt. Nur das feinere und sachgemäßere μνημεῖον (für τάφος) wird Korrektur des Luk. sein (τάφος findet sich bei Mark.-und Luk. überhaupt nicht), s. auch zu Matth. v. 29. Matth. 23, 29—32 = Luk. 11, 47. 48: Ist Luk. Auszug oder Original? Man darf ersteres bestimmt behaupten; denn der Text þei Luk. zeigt eine frostige Tatsächlichkeit und zeigt auch durch ἀποκτείνειν für φονεύειν und durch das dem Luk. und Paulus eigentümliche συνευδοκεῖν (s. Act. 8, 1; 22, 20; Röm. 1, 32; I. Kor. 7, 12. 13) sowie das in den Act. 13mal stehende μάρτυς (μαρτυρεῖν findet sich bei-Matth. nur an unsrer Stelle) den sekundüren Charakter. (Auch ὥστε im Sinne von ,itaque* ver- meidet Lukas) Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer sind hier von Matth. eingesetzt (s. Wellhausen zu d. St.) und ebenso die Worte καὶ κοσμεῖτε τὰ μνημεῖα τῶν δικαίων. Mit „Ge- rechten“ (neben Propheten u. sonst) hat es Matth. öfters zu tun. Dazu kommt, daß nachher nur die Propheten genannt sind. V.32 ist vielleicht noch ursprünglich, vgl. das ungelenke πληροῦν τὸ μέτρον τῶν πατέρων (dagegen ist v.33 nach ο, 3, 7 gebildet und angehängt). Matth. 23, 34—36. Nur aus Luk. erfahren wir, daß Jesus hier eine Quelle zitiert, die er als inspiriert ansieht. Wir kennen diese Quelle nicht; aber das ist kein Grund, das Zitat als Zitat zu streichen, zumal da εἶπεν (nicht das Präsens) steht und da Jesus unmöglich gesagt haben kann, er sende Propheten, Weise und Sehriftgelehrte. Daß Matth. die Einführungsformel gestrichen hat (um Jesus nieht ein apokryphes Buch zitieren zu lassen oder aus einem anderen Grunde), ist wohl begreiflich (sein ἰδού ist gleichsam der Ersatz für das Gestrichene, und das διὰ τοῦτο hat nur bei Luk. einen guten Sinn) Unbegreiflich aber würe der Zusatz durch Lukas. Im einzelnen hat Luk. stark korrigiert. Er hat wie gewöhnlich ἐγώ vor dem Verbum fortgelassen; er hat die Weisen und Schriftgelehrten (diese sind gewiß echt, da im Kontext bei Matth. die γραμματεῖς verflucht werden; er kann sie also hier doch nicht selbst eingesetzt haben) in Apostel(!) : verwandelt (ganz wie I. Clem. 42 die Diakonen eingeschmuggelt sind); er hat ἀποστέλλω in ἀποστελῶ verwandelt (um des Schlusses der Rede willen), καί vor ἐξ αὐτῶν (prim.) eingesetzt, (für διώκειν) ἐκδιώχειν und für das vulgäre (semitische) £297 Matth. 24, 26. Luk. 17, 23. 4. 13 èp ὑμᾶς πᾶν αἷμα vielmehr ἐκζητηθῇ τὸ αἷμα πάντων (fast schon das Pass. verrät seinen Stil, und ἐχζητεῖν kommt in den Evangelien nur bei- ihm vor) geschrieben (auch ὅπως hat er, wie an mehreren Stellen, durch ἵνα ersetzt. Für das überflüssig scheinende ἐπὶ τῆς γῆς hat er das viel weniger überflüssig scheinende ἀπὸ καταβολῆς κόσμου gesetzt und die γενεὰ αὕτη aus v. 51 schon hierher genommen, um dadurch die nachherige Bekrüftigung um so präziser zu machen. Φονεύειν hat er hier ebenso vermieden wie zu Matth. 23, 31 und für 0» ἐφονεύσατε das Partizip τοῦ ἀπολομένου gesetzt. Über den Wechsel εἰς αὐτούς — πρὸς αὐτούς weil ich nichts zu sagen; beide Prüpo- sitionen kommen bei beiden Evangelisten ohne erkennbaren Grund des Wechselns vor. Ein Zusatz bei Matth. ist wohl σταυρώσετε καὶ ἐξ αὐτῶν μαστιγώσετε ἐν ταῖς συναγωγαῖς ὑμῶν, vgl. Matth. 20, 19: μαστιγῶσαι καὶ σταυρῶσαι; auch das ἀπὸ πόλεως εἰς πόλιν ist wohl nach Matth. 10, 23 hinzugesetzt, ebenso das doppelte , δίκαιον” (s. zu ο. 23,29); Luk. bietet, schwerlich richtig, πάντων τῶν προφητῶν. Über υἱοῦ Βαραχίου ist folgen- des zu bemerken: 1. es ist nieht ganz sicher, daß diese Worte bei Matth. ursprünglich sind, 2. da Luk.sie nicht bietet und das Hebrüer- Evangelium naeh dem Zeugnis des Hieronymus „filium Joiadae* las [so auch (nach 1] Chron. 24, 20) ein griech. Scholion zu Matth.], so ist es sehr unwahrscheinlich, daf die Worte in Q gestanden haben. Warum sollte sie Luk. gestrichen haben? Sie geschichtlich zu kontrollieren, fehlten ihm die Mittel. Wir können daher hier von der Untersuchung absehen, welchen Zacharias Matthäus bez. der Interpolator gemeint hat. Zur Annahme eines Hysteron-Proteron liegt kein Grund vor. Statt „Tempel und Altar“ schreibt Luk. genauer „Altar und Tempelhaus*. Das ναί endlich des Luk. zeigt, daß ἀμήν in Q gestanden hat; ἐκζητηϑήσεται ἀπό ist von ihm gesetzt (für ἥξει ἐπί), um das ἐκζητηϑῇ wieder aufzunehmen, und damit fiel ταῦτα πάντα, was auch dem Sinne nach nicht eben zutreffend ist, weg (Subj. zu ἐκζητ. ist τὸ αἷμα). Das zweimalige Fehlen von τοῦ vor αἵματος bei Luk. ist wohl ur- sprünglich. Matth. 24, 26: ᾿Κὰν οὖν εἴ- Luk. 17,23: καὶ ἐροῦσιν ὑμῖν: πωσιν ὑμῖν' ἰδοὺ ἐν τῇ ἐρήμῳ ἰδοὺ ἐκεῖ, ἰδοὺ ὧδε' μὴ ἀπέλ- ἐστίν, μὴ ἐξέλθητε' ἰδοὺ ἐν τοῖς Inte μηδὲ διώξητε. (24) ὥσπερ 74 ταμείοις, μὴ; πιστεύσητε' (27) ὥσπερ γὰρ καὶ ἀστραπὴ ἐξέρχε- ται ἀπὸ ἀνατολῶν καὶ φαίνεται ἕως δυσμῶν, οὕτως ἔσται ἡ παρουσία τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀνθρώ- που" (28) ὅπου ἐὰν ἢ τὸ πτῶ- μα, ἐκεῖ συναχϑήσονται οἱ ἀετοί. 24, 37: Ὥσπερ γὰρ αἱ ἡμέραι τοῦ Νῶε, οὕτως ἔσται ἡ παρουσία τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀνϑρώπου. (38) ὡς γὰρ ἦσαν ἐν ταῖς ἡμέραις [ἐκείναις] ταῖς πρὸ τοῦ κατακλυσμοῦ τρώγον- τες καὶ πίνοντες, γαμοῦντες καὶ γαμίζοντες, ἄχρι ἧς ἡμέρας εἰσῆλϑεν Νῶε εἰς τὴν κιβωτόν, (39) καὶ οὐκ ἔγνωσαν ἕως EI δεν ὁ κατακλυσμὸς καὶ GIE ἅπαντας, οὕτως ἔσται 7) παρου- σία τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀνϑρώπου. (40) τότε ἔσονται δύο ἐν τῷ ἀγρῷ. εἷς παραλαμβάνεται καὶ εἷς ἀφίεται. (41) δύο ἀλή- ϑουσαι ἐν τῷ μύλῳ, μία παρα- λαμβάνεται καὶ μία ἀφίεται. Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. γὰρ κ ἀστραπὴ ἀστράπτουσα ἐκ τῆς ὑπὸ τὸν οὐρανὸν εἰς τὴν ὑπ᾽ οὐρανὸν λάμπει, οὕτως ἔσται d υἱὸς τοῦ ἀνϑρώπου ἐν τῇ ἡμέρᾳ αὐτοῦ. (37) ὅπου τὸ σῶμα, ἐκεῖ καὶ oi ἀετοὶ ἐπισυναχϑήσονται. (26) καὶ καθὼς ἐγένετο ἐν ταῖς ἡμέραις Νῶε, οὔτως ἔσται καὶ 5 c - ~ ~ ἐν ταῖς ἡμέραις τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀνθρώπου: ( (27) ἠσθιον, ἔπινον, ἐγάμουν, ἐγαμίζοντο, ἄχρι ns ἡμέρας εἰσῆλϑεν Nos εἰς τὴν κιβωτόν, καὶ ἦλϑεν ὁ κατα- κλυσμὸς καὶ ἀπώλεσεν πάντας. (34) λέγω ὑμῖν, ταύτῃ τῇ νυκτὶ ἔσονται δύο ἐπὶ κλίνης μιᾶς, ὁ εἷς παραλημφϑήσεται καὶ ὁ » H / A » ἔτερος ἀφεθήσεται' (35) ἔσονται δύο ἀλήθουσαι ἐπὶ τὸ αὐτό, ς " H ge 7 µία παραλημφὺδήσεται, ἢ δὲ ἑτέρα ἀφεθήσεται. Sätze mit ἐάν haben das Präjudiz, in Q gestanden zu haben, und Luk. hat solche Sätze öfters verwendet. Sonst läßt sich bei Matth. 24, 26 schwer entscheiden, ob Luk. gekürzt oder Matth. erweitert hat. Wahrscheinlieher scheint mir die Verkürzung, zumal da διώχειν in dem hier gebrauchten Sinn lukanisch- pauliniseh ist, Stil (s. zu Matth, 23, 4 — West; Luk. 13, 29). In v. 27 ist ἀστραπὴ ἀστράπτουσα lukanischer Luk. 11, 46); dann ist auch im übrigen Matth. hier ursprünglich (der Blitz geht nicht nur von Ost nach ` s. eine ähnliche Korrektur des Luk. zu Matth. 8,11 = "7 Auch 7j παρουσία muß für Q beibehalten werden; es findet sich allerdings nur bei Matth., aber bis auf 24,3 [welche Stelle auch aus Q stammen kann] nur an Stellen, die aus Q ge- Ai Matth. 24, 26—28; 24, 37—41. Luk.17, 23. 24. 37. 26. 27. 34. 35. 75 flossen sind (s. 24, 37.39). Lukas hat das Wort vermieden, weil es, aus der jüdischen messianischen Dogmatik stammend, i christlichen Sprachgebrauch, da es sich hier um die Wiederkunft handelt, unpassend war; s. Wellhausen zu Matth. 24,3. 4άμπει, welches Luk. bietet, ist besser als φαίνεται, also Kor- rektur. Ἐν τῇ ἡμέρᾳ αὐτοῦ ist kritisch nicht ganz sicher, aber in der Sprache des Luk. unentbehrlich. — Für das häßliche πτῶμα hat Luk. das feinere σῶμα geschrieben, das ἐὰν Ñ ge- strichen (s. zu v. 26 u. sonst), durch xaí den Satz gelenker ge- macht und das doppelte Kompos. ἐπισυναχϑ. für συναχϑ. gesetzt, Matth. 24, 37: ὥσπερ αἱ ἡμέραι .. . . οὕτως ἔσται ἡ παρ- ουσία konnte Luk. aus logischen Gründen nicht stehen lassen (aufierdem liebt er ὥσπερ nicht; dagegen steht καθώς bei ihm 16 + 12mal, bei Matth. 3mal) In bezug auf ἡ παρουσία ist Matth. ebenfalls im Recht (s. o. zu Matth. 24, 27) Statt der doppelten Vergleichung (Matth. 24,37f.), einer thematischen und einer ausführenden, bietet Luk. nur eine einzige. Das ist schwer- lich ursprünglich; aber die Nichtursprünglichkeit des Luk. ergibt sich auch aus den Imperfekten. Das Imperfektum zu brauchen ist eine Spezialität des Lukas und zeigt sein besseres griechisches Sprachgefühl. Auch ἐγαμίζοντο ist eine Verbesserung für yaut- ζοντες (s. Wellhausen), also Korrektur. Auch hier ergibt sich demnach, wie bereits an anderen Stellen, daf der kürzere Text ‘des Luk. nicht der ursprüngliche ist, sondern zurechtgemacht. Der Verkürzung mußte aber auch fast notwendig Matth. v. 39a zum Opfer fallen, der sachlich ja auch zu entbehren war. Wellhausen nennt Matth. v. 40 eine schlechte Variante zu Luk. v. 34; allein das Schlechtere, d. h. das logisch oder sachlich minder Gute ist im Verhältnis des Matth. und Luk. häufig das Ursprüngliehe. Hier ist aber außerdem das Motiv, das den Luk. zur Änderung bewogen hat, ganz deutlich. Er wollte durch die Beispiele noch etwas ο άκου was im Urtext nicht ausge- drückt war, nämlich daß der Menschensohn sowohl in der Nacht wie am Tage kommen könne. Deshalb veränderte er τότε in ταύτῃ τῇ νυκτί und setzte statt ἐν τῷ ἀγρῷ vielmehr ἐπὶ . φλίνης μιᾶς; ferner setzte er statt εἷς... εἷς besser griechisch ὁ εἷς.... ὁ ἕτερος (ebenso für µία .... µία besser ἡ uía .. ἡ ἑτέρα); endlich verwandelte er das Präsens in das korrektere Futurum (so auch im folgenden Vers) und wiederbolte das in \ 76 Cap. 1: Ausscheidung und bextkritische Untersuchung οὔθ, der korrekten Sprache nicht zu missende ἔσονται (in v. 35). Daß die Frauen an der Mühle mahlen (Matth.), war selbstverständ- lich; aber daß sie ἐπὶ τὸ αὐτό mahlen, war nicht überflüssig. Daher setzte Luk. dieses für jenes ein, Von den etwa 50 Varianten, bei welchen wir den Matth.- Text beanstanden zu müssen glaubten, stimmt die Hälfte mit Varianten überein, die wir oben 8.281, gekennzeichnet haben. Das ἀμὴν λέγω ὑμῖν in ο. b, 18 kann ursprünglich sein, ebenso das dup in ο. 5,26, das ἐγὼ λέγω ὑμῖν in 5,32 und das ἀμήν in e S, 10 (vgl a. a. O.) Nicht ursprünglich ist das τοῦ ἐν ovga- νοῖς bei πατρός (ο. 5, 45), das οὐρανῷ statt οὐρανοῖς (c. 6, 20) und ὁ πατὴρ ὑμῶν für ὁ ϑεός (ο. 10,29) Umstündlichkeiten, wie sie oben bereits vermerkt worden sind, sind das προσελϑιών (ο. 4.8), ὁ δὲ ἀποχριϑεὶς εἶπεν für ἀπεχρίϑη (ο. 4,4), und τότε προσελϑὼν ὁ Πέτρος εἶπεν αὐτῷ (ο, 18, 21). Zusätze sind die Pharisier und Sadduzüer in c. 3, 7, die Schriftgelehrten neben den Pharisüern in e, 23,23 (samt den ,Heuchlern*) und die Schriftgelehrten und Pharisüer in ο, 23,29, Die „Gerechten* und die „Gerechtigkeit“ ist auch in diese Stücke eingeschmuggelt, S. ο, 5, 6 („hungern und dürsten nach Gerechtigkeit“), c. 23, 29, 35 (bis) und wahrscheinlich auch ο, 5,45 (doch sind hier vielleicht die Gerechten um des Parallelismus willen festzuhalten). Das ὕπαγε ist wohl in allen drei Füllen (e. 4, 10; 8, 13; 18, 15) von Matth, eingesetzt; dagegen kann man darüber nicht ins klare kommen, ob das ὑποδείξω des Luk, welches Matth. 7, 24 und 10,28 nieht bietet, ursprünglich ist oder micht: es ist mir wahrscheinlicher, daß Matth, zu folgen ist, Ohne Bedeutung sind die kleinen stilistischen Varianten in ο. 4, 9 (πεσοόν add), 8,5 (Qenit. abs. für verb. fin), 8, 11 (πολλοί add), 10, 31 (οὖν add.), 23, 4 (δέ für καθ, 23, 25 (»0ν om.) 23, 95 (Art, τοῦ add. bis). In diesen Fällen ist natürlich nicht sicher zu entscheiden, Daß μὴ νομίσητε (e 10, 34), welches die Frage δοχεῖτε ersetzt, sekundär ist, ist wahrscheinlich (s. zu δοκεῖν Matth, 3, 9), Auch die ausdrückliche Bezeichnung μωρός und φρόνιμος für die beiden, die ihr Haus bauen (e. 7, 24.26), ist wohl Zusatz des Matth, Neben diesen Fällen gibt es aber noch mehrere, bei denen die Eingriffe teils etwas, teils erheblich bedeutender sind. ©. 4, 11 ist zum Schluß der Versuchungsgeschichte aus Mark, „xat ἰδοὺ Ergebnisse. 77 — ἄγγελοι προσῇλθον καὶ διηκόνουν αὐτῷ“ hinzugefügt. Vorher ist das Zitat: „der Mensch lebt nicht vom Brod allein“, fort- geführt („sondern von einem jeglichen Wort“ usw. ο, 4,4). In €, 8, 12 ist εἰς τὸ σκότος τὸ ἐξώτερον eine dem Matth, gelüufige Formel (für das einfache ἔξω). Erheblich bedeutender sind fol- gende Fülle, bei denen verschiedene 'l'endenzen durchblicken: 1. Jerusalem ist als die „heilige Stadt“ eingeführt (ο, 4, 5); da erkennt man das palästinensisch-christliche Interesse (man beachte aber, daß hier keine Rede Jesu wiedergegeben wird). 2. Der Zusatz in ο, 23, 23 (ταῦτα ἴδει ποιῆσαι κἀκεῖνα μὴ παρεῖναι) bedeutet eine judenchristliche Wertschätzung zeremo- nialgesetzlicher Bestimmungen!, 3. Der Begriff τέλειος wird ο, 5, 48 eingesetzt (vgl. den Be- griff δίκαιος); eine bestimmte ethische Richtung ist damit ge- kennzeichnet. 4. In e, 5, 32 wird in bezug auf die Ehescheidungsfrage eine wichtige Einschränkung gegeben durch den Zusatz: παρεκ- τὸς λόγου πορνείας. 5. Eine Einschränkung bedeutet auch das τῷ πνεύματι (neben οἱ πτωχοῦ in c. 5, 3. 6. Eine dogmatische (biblizistische) Tendenz scheint in der Tilgung des rütselhaften Zitats (c. 23, 34): καὶ ἡ Σοφία τοῦ ϑεοῦ εἶπεν, erkannt, werden zu müssen, 7. Dogmatisch-ehristologisch ist die Vertauschung der Engel Gottes durch den Vater im Himmel (ο, 10, 32. 33). 8. Ebenso dogmatisch-christologisch ist der Zusatz ἕνεκεν ἐμοῦ in e 10, 39. 9. Auf den Stufengang einer schon bestehenden Gemeinde- zucht deutet der Zusatz zu ἔλεγξον αὐτόν (c. 18, 15): μεταξὺ σοῦ καὶ αὐτοῦ μόνου (nber gehört die Perikope in ihrer jetzigen - "Gestalt zum ursprünglichen Text des Matth.?). 10. Wahrscheinlich Zusätze des Matth. sind endlich die Worte in c. 23, 94: καὶ σταυρώσετε καὶ ἐξ αὐτῶν μαστιγώσετε ἐν ταῖς συναγωγαῖς ὑμῶν und zu διώξετε die Worte ἀπὸ mó- λεώς εἰς πόλι». Das sind wahrscheinlich alle Abweichungen von dem ihm 1) Ein Zusatz ist möglicherweise der ganze Vers c. 23, 27; man kann über ihn nicht ins klare kommen. 78 Cap. 1: Ausscheidung und textkritische Untersuchung etc. überlieferten Text Q, welche Matth. sich erlaubt hat (dazu noch der Satz ἕως ἂν πάντα γένηται in ε, 5, 189)! Gegenüber dem beträchtlichen Umfange von Q sind sie der Zahl (und auch dem Gewichte nach) gering. Doch sind sie anderseits zahlreich genug, um die Hypothese zu verbieten, Luk. sei nicht einer ge- meinsamen Quelle mit Matth. gefolgt, sondern habe den Matth. selbst benutzt. Was die Varianten des Lukas anbetrifft, so sind sie 8 bis 10mal so zahlreich wie die bei Matth. Wie bei der vorigen Gruppe (S.31f.), so läßt sich auch hier konstatieren, daß sie fast sämtlich stilistischer Natur sind. Zu den zwölf a. a. O. zusammen- gestellten Kategorien kommen hier noch mehrere andere. Fol- gende seien hervorgehoben: 13. er führt das Imperfektum ein, tilgt das Präsens hist. und macht vom Partiz., Imper. und Inf. Praes. et Aoristi einen korrekten Gebrauch, 14. er setzt für einen präpositionalen Ausdruck den Infinitiv des Verbums, 15. er führt den Genit. abs. ein, 16. er steigert und akzentuiert, 17. er schreibt λέγειν πρὀς, schiebt τίς ein, ergänzt Ob- jekte, usw. 18. er ändert in einigen Fällen den ganzen Erzählungsstil, stellt um (s. 8. 33 und sonst), erweitert, verkürzt; nicht immer sind dabei die stilistischen Absichten durchsichtig (auch sachliche spielen hinein: neue Züge, die eine einfache Erzählung bereichern)?, 1) Über υἱοῦ Βαραχίου c. 23, 35 s. z. d. St. Stammt der Zusatz von Matth. selbst, so fragt es sich, welchen Zacharias er gemeint hat, Über diese Frage sind trotz Wellhausens Ausführungen die Akten noch nicht geschlossen. Die Annahme, daß es der im J. 67 oder 68 im Tempel zu Jerusalem ermordete Zacharias sei ist meines Erachtens unmöglich; denn Matth. konnte Jesus wohl eine detaillierte Weissagung in den Mund legen, er konnte ihn aber nicht sagen lassen: ὃν ἐφονεύσατε. Da aus Luk. her- vorgeht, daß in Q der Spruch nicht als Herrenwort, sondern als Effatum der Sophia eingeführt war, so ist erst recht nicht an jenen späten Za- charias zu denken. — Auf das Vater Unser will ich hier nicht mehr ein- gehen. Die Anrede, wie sie bei Matth. lautet, legt es nahe, ihn selbst für den Redaktor zu halten; aber anderes spricht dagegen. 2) Die Abweichungen bzw. Willkürlichkeiten gehen von den gering. Gi Ergebnisse. 79 19. Er hat Lieblingsworte und -wórtchen, die er einschaltet, während er andere umgekehrt vermeidet. Sachliche Änderungen aus bestimmten Rücksichten und Tendenzen sind neben jenen stilistischen, die wie die Korrek- turen in unseren Gesangbüchern anmuten, recht selten. Es seien im folgenden die wichtigsten aufgeführt: In der Versuchungsgeschichte (c. 4, 1—13) wird hervor- gehoben, daß Jesus an sich πλήρης πνεύματος ἁγίου gewesen und daß er nicht ὑπὸ πνεύματος, sondern ἐν πνεύματι in die Wüste geführt worden sei. Auch wird Gelegenheit genommen den Teufel sagen zu lassen, daß ihm alle Gewalt über die Welt über- geben sei und daß er sie geben könne, wem er wolle — Der Spruch von der Ehescheidung ist verändert: als des Ehebruchs schuldig wird der erklärt, der sein Weib entläßt und eine andre freit. — Im „Vaterunser“ (c. 11, 2—4) ist eine Bitte um den Geist vorangestellt (ἐλϑέτω τὸ ἅγιον πνεῦμά σου ἐφ᾽ ἡμᾶς καὶ καϑαρισάτω ἡμᾶς). — In der Parabel von den beiden Häusern (c. 6, 46—49) hat Luk. den neuen Gedanken eingefügt, daß es beim Bau auf die gehórige mühsame Fundamentierung ankomme. — In c. 9,2 hat er das „Heilen“ als gleichwichtige Aufgabe der Jünger neben die Predigt vom nahen Reiche gestellt. — In c. 12,3 hat er Jesus nicht als einen Geheimlehrer erscheinen lassen wollen; im folgenden Vers hat er ,oí φίλοι uov“ als eine Bezeichnung eingeführt, die Jesus seinen Jüngern gegeben hat, und ebendort den Ausdruck ,die Seele tóten^ getilgt, weil er ihm als Hellenen wohl zu paradox erschien. — In e. 10, 16 hat er Jesus nicht vom „Aufnehmen“ der Jünger (in die Häuser) sprechen lassen (denn das war nieht mehr möglich), sondern von dem „Hören“ derselben. — In ο. 15,7 („Verlorenes Schaf“) hat Luk. die Buße eingefügt, von der im originalen Text nicht die Rede war (ebenso in c. 17,3. 4); in e. 11, 52 hat er für das „Reich“ die „Gnosis* eingesetzt, in e.11, 42 für ἔλεος (und πίστις) vielmehr τὴν ἀγά- anv τοῦ ϑεοῦ, in c. 11, 49 „Apostel“ für „Weise und Schrift- gelehrte“, in ο, 6, 22 hat er ἕνεκεν τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀνθρώπου ein- gesetzt. Das sind, soviel ich zu sehen vermag, alle tendenziösen Kor- fügigsten bis zu den größten. Selbst einen Feigenbaum für einen Berg setzt er ein. 80 Cap. 1: Ausscheidung und bextkritische Untersuchung etc. rekturen. Tendenzen haben also bei Luk. nicht stärker gewirkt als bei Matth., ja sogar etwas schwächer, Aber stilistisch hat er die Texte durehgreifend korrigiert, während sie Matth. in dieser Hinsicht, wie es scheint, fast ganz verschont hat. Obgleich nun aber die stilistischen Korrekturen bei Luk. so zahlreich sind, kann man doch nicht sagen, daß er die Eigentümlichkeit des ihm vorliegenden Originals ganz verwischt hat. Man darf ihm vielmehr die Anerkennung nicht versagen, daß er bei seiner Redaktionsarbeit doch immer noch konservativ verfahren ist und seinen Lesern einen Eindruck von der Redeweise Jesu ermög- licht hat. An nicht wenigen Stellen freilich bleibt es dunkel, warum er dort korrigiert, hier den überlieferten Text trotz seiner Härten stehen gelassen hat; nur an einigen Stellen erklärt sich die Fassung des Lukastextes durch die Berücksichtigung der parallelen Abschnitte bei Markus. In ein paar Fällen konnte man zweifeln, ob dem Matth. und Luk. tiberhaupt ein gemein- samer Text zugrunde liegt (so bei Luk. 6, 46—49; 7, 1—10; 11, 41. 44; 14, 26); aber es war doch überwiegend wahrscheinlich. Fast durchweg aber ließ sich die Beobachtung machen, daß kurz- gefaßte und prügnante Herrnworte am wenigsten korrigiert sind; längere Reden haben bereits mehr gelitten; am stärksten sind die Eingriffe bei den Erzählungen, Daß ein und dieselbe griechische Übersetzung eines aramäi- schen Originals den beiden Evangelien zugrunde liegt, dafür bürgt der umfangreiche Bestand der wörtlich gleichlautenden Abschnitte. Aber über Einheitlichkeit und Umfang der Quelle vermögen wir noch nichts auszusagen t). Das Exemplar, welches Matth. benutzte, kann sich von dem Exemplar, welches Luk. zu Gebote stand, in diesen oder jenen Einzelheiten bereits unterschieden haben — es ist das bei der Natur solcher Texte sogar wahrscheinlich —, aber sichere Beobachtungen, die zu einer deutlichen Differenzierung von Q! und Q? führen, fanden wir nicht. 1) Doch darf schon hier bemerkt werden, daß sich die Hypothese ή nieht, bestätigt, die Teile der Bergpredigt, die dem Matth. und Luk, ge- 4 meinsam sind, seien nicht von einer gemeinsamen schriftlichen Quelle ab- hüngig, sondern gingen auf mündliche Traditionen zurück. Die Verhält- nisse liegen hier nicht anders, wie an vielen anderen Stellen, d. h. es ist überwiegend wahrscheinlich, daß Luk. einen ihm vorliegenden schrift- lichen Text (der auch dem Matth. vorlag) stilistisch überarbeitet hat, Ergebnisse. _ 81 Auch die Übersetzungsvarianten, auf welche Wellhausen, Nestle u. a. aufmerksam gemacht haben, sind nicht so sicher wie sie auf den ersten Blick erscheinen; überall oder fast überall kann man die Fälle auch anders erklären. Indessen will ich die Mógliehkeit, an einer oder der anderen Stelle auch: die Wahr- scheinlichkeit solcher Varianten nicht leugnen. Daß der ara- mäische Grundtext in vielen Sätzen durchschimmert, darauf braucht nicht besonders aufmerksam gemacht zu werden!. Auf Grund der bisherigen Untersuchungen eróffne ich das zweite Capitel mit dem Abdruck der Quelle Q. Des hypothetischen Charakters der gegebenen Textfassung bin ich mir in bezug auf nicht wenige Stellen wohl bewußt. Allein man kann hier ohne Kühnheit nicht weiter kommen und muß mit dem Wahrschein- liehen rechnen; eine nicht ganz geringe Wahrscheinlichkeit darf ieh aber für den gebotenen Text in Anspruch nehmen. Der Anhang, den ich vorher noch einschalte, soll es rechtfertigen, daß von den Abschnitten Matth. 21,32 (Luk. 7,29. 30), Matth. 22, 2—11 (Luk. 14, 16—23) und Matth. 25, 14—30 (Luk. 19, 12—27) bei der Feststellung des Umfangs und des Textes von Q abge- sehen worden ist. 1) Das Ergebnis, zu welchem die Untersuchung gelangt ist, stimmt ganz wesentlich mit den Ergebnissen der Untersuchungen von Wernle zusammen. Er schreibt (Synopt. Frage S. 88), indem er die Annahme von Einmischungen besonderer Tendenzen bei Luk. ablehnt: „Luk. hat die Reden der Spruchsammlung in ihrer ersten Form, nicht in einer sekun- dären Bearbeitung vorgefunden. Er selbst unterzog sie, trotz im ganzen konservativen Verhaltens, einer dreifachen Bearbeitung: 1. Anpassung an sein eigenes Griechisch. 2. Umsetzung der Reden in Erzählung [dies ist in unseren Untersuchungen nicht so deutlich, weil die Einführungen der Stücke bei Luk. häufig von vornherein unberücksichtigt geblieben sind]. 3. Bearbeitung nach dem Zeitbedürfnis*. Richtig ist es auch, wenn Wernle (S. 185) bemerkt: „Past durchweg hat Matth. den besseren Text als Luk. aufbewahrt“; doch hätte er hinzufügen müssen, daß sich bei Matth. einige sehr schwere Eingriffe in den Text finden, wie sie sich Luk. nicht er- laubt hat, Harnack, Sprüche Jesu. 6 Anhang. Matth. 21,32: ἦλθεν γὰρ Ἰωάν- γης πρὸς ὑμᾶς ἐν ὁδῷ δικαιοσύνης, καὶ οὐκ ἐπιστεύσατε [scil. οἱ ἀρχιε- ρεῖς καὶ oi πρεσβύτεροι] αὐτῷ" οἱ δὲ τελῶναι καὶ αἱ πόρναι ἐπίστευσαν Luk. 7, 29. 30: καὶ πᾶς ὁ λαὸς ἀκούσας καὶ οἳ τελῶναι ἐδικαίωσαν τὸν ϑεόν, βαπτισϑέντες τὸ βάπτισμα Ἰωάννου" ot δὲ Φαρισαῖοι καὶ oi νομικοὶ τὴν βουλὴν τοῦ ϑεοῦ ἠϑέ- τησαν εἰς ἑαυτούς, μὴ βαπτισθέντες ὕπ᾽ αὐτοῦ. αὐτῷ": ὑμεῖς δὲ ἰδόντες οὐδὲ µετε- μελήϑητε ὕστερον τοῦ πιστεῦσαι αὐτῷ. Matth. bringt dieses Stück bei den Reden mit den jüdischen Oberen (zu der Parabel von den beiden Sóhnen) nach dem Einzug in Jerusalem, Luk. sehr viel früher bei der großen Rede über Johannes (daß es weder dort noch hier am Platze ist, läßt sich leicht zeigen, s. Wellhausen zu den Stellen). Aber man muß starke Zweifel hegen, ob das Stück zu Q gehórt, bzw. ob eine direkte gemeinsame Quelle vorliegt. Eine gemein- same Überlieferung liegt gewiß vor, nämlich ein Wort Jesu, etwa: „Die Zöllner sind der Johannespredigt gefolgt, die Leiter des Volks nicht“, Allein darüber hinaus ist alles verschieden. Dabei tritt sowohl bei Matth. als auch bei Luk. die eigene Sprache, bzw. die Abhängigkeit vom Kon- text so stark hervor, daß der Wortlaut der Überlieferung nicht mehr er- mittelt werden kann. „Oi τελῶναι καὶ αἱ nöpvaı“ ist bei Matth. aus c. 21, 31 geflossen; die „dıxzauoovvn“ ist in der Regel als von Matth. ein- getragen anzusehen; das dreimalige ,πιστεύειν αὐτῷ” stammt aus ο. 21,25 und das μεταμέλεσθαι aus c. 21,29. Dasselbe ist aber auch bei Luk. der Fall „Iläg ὁ λαός“ kommt bei ihm ein dutzendmal vor (bei Mark. nie, bei Matth. einmal); das Act. δικαιοῦν findet sich bei Matth. und Mark. nie, bei Luk. im Ey. dreimal; βαπτισθέντες τὸ βάπτισμα ist lukanisch (vgl. bei ihm τιμαῖς ἐτίμησαν, ἀπειλῇ ἀπειλησώμεθα, παραγγελίᾳ παρηγ- γείλαμεν, ἐπιθυμίᾳ ἐπεθύμησα, φωνήσας φωνῇ, ἀναστὰς ἔστη, μένον ἔμενεν, φυλάσσοντες φυλακάς, ἀστραπὴ ἀστράπτουσα, φορτία φορτίζειν); ebenso ist οἱ νομικοί an sich und in der Zusammenstellung mit οἱ Pa- ρισαῖοι lukanisch; „7 βουλή“ kommt bei Matth, Mark., Joh. überhaupt nicht vor, bei Luk. dagegen 9mal; ἀθετεῖν (fehlt bei Matth.) hat Luk. auch ο. 10, 16 (zu Matth. 10, 40) eingesetzt; εἰς ἑαυτούς (ἑαυτόν) findet sich in den Evv. nur noch einmal, nämlich Luk. 15, 17. Also läßt sich über Form und Herkunft dieses Spruchs schlechterdings nichts sagen. Anhang: Matth. 21, 32; 2, 2-11. Luk. 7, 29. 30; 14, 16—24. $83 Matth.22, 2—11(das großeGast- Luk. 14, 16— 24. mahl). Das Gerippe ist identisch: Ein Mann, der ein Gastmahl veranstaltet; seine Einladung an die Ersten [deren Einladung man erwartet] wird von ihnen unter Hinweis auf ihre Gescháfte abgelehnt. Der Herr wird zornig und ladet die Vagabunden ein. Im einzelnen finden sich einige wörtliche oder fast wörtliche Übereinstimmungen: ἄνθρωπος [der Gastgeber], ἀπέ- στειλεν τὸν δοῦλον αὐτοῦ [τοὺς δούλους αὐτοῦ], ot κεκλημένοι, ἔρχεσθε... ἕτοιμά ἐστιν (ἡτοίμακα . . . δεῦτε), ἀγρὸν ἠγόρασα (εἰς τὸν ἴδιον ἀγρόν), ζεύγη βοῶν ἠγόρασα (εἰς τὴν ἐμπορίαν αὐτοῦ), ὀργισθείς (ὠργίσθη), εἶπεν τῷ δούλῳ αὐτοῦ (λέγει τοῖς δούλοις αὐτοῦ), ἔξελϑε εἰς τὰς πλατείας καὶ ῥύμας τῆς πόλεως (πορεύεσϑε ἐπὶ τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν), ἔξελθε εἰς τὰς ὁδούς (ἐξελϑόντες εἰς τὰς ὁδούς). Aber diesen Übereinstimmungen stehen große Verschiedenheiten gegenüber: L bei Matth. ist der Veranstalter ein Kónig (Gott), 2. das Mahl ist bei ihm ein Hochzeitsmahl, 3. dieses Hochzeitsmahl wird dem Sohne (d. h. Christus) gegeben, 4. bei Matth. werden die Knechte! als Einladende”ausgesandt, bei Luk. ein einladender Knecht?, 5. bei Matth. ergeht die Einladung an die Erstgeladenen zweimal (das zweite Mal durch andere Knechte), bei Luk. werden erst die Armen, Heimatlosen und dann, weil noch Raum ist, die Allerärmsten eingeladen, 6. bei Matth. wird die zweite Einladung an die Erstgeladenen lockend ausgeführt,'8 1517. bei Matth. wird nur kurz gesagt, was die Erstgeladenen taten, statt der Einladung zu folgen; be Luk. werden ihre Entschuldigungen wörtlich angeführt (und zwar drei verschiedene, bei Matth. nur zwei), 8. Matth. erzählt, daß einige Eingeladene die einladenden Knechte miBbandelten und töteten; davon weiß Luk. nichts; 9. Matth. erzählt, der König habe seine Heere gegen diese Mörder geschickt, sie vernichtet und ihre Stadt |verbrannt?; davon berichtet Luk. nichts#, 1) Sie sind wohl die Propheten; ich verstehe nicht, wie Well- hausen auf die Apostel kommt. Sex E 2) Das ist vielleicht Jesus selbst; aber gewiß ist diese Deutung keineswegs. 3) Dieser Text ist freilich nicht sicher; [vielleicht ist zu [lesen: „sie vernichtet und ihre Städte“. 4) Nimmt man die neuen Züge bei Matth. zusammen, so ist klar, daß er ein zweites Gleichnis (B) mit dem Gleichnis (A) vermengt hat. B erzählte von einem Könige, hinter dessen Rücken sich die Untertanen auf- lehnen, und der dafür furchtbare Rache nimmt. Verwandt war dieses Gleichnis mit dem von den Weingärtnern. 6* 34 Anhang. 10. Matth. fügt die Geschichte von dem, der kein hochzeitliches Kleid hatte, hinzu. Es bedarf nıcht vieler Worte, um davon zu überzeugen, daß Matth. fast überall sekundär ist; nur das kann man fragen, ob die Unterschei- dung von zwei Klassen von Armen bei Luk. primär ist, sowie die wört- lich wiedergegebenen Entschuldigungen. Jene entspricht seinem warmen Interesse für die Ärmsten. und diese seinem manchmal malenden Stile. Aber trotzdem können auch diese Stücke primär sein. Der Hauptunter- schied ist: Matth. hat aus einem echten Gleichnis! eine historisierende Allegorie gemacht. Ist nun der Text, wie ihn Luk. bietet, die Vorlage von Matth. ge- wesen und hat dieser Text in Q gestanden? Die erste Frage wird viel- leicht zu bejahen sein: die Vorlage des Matth. wird dem Inhalte nach wenig anders ausgesehen haben als der von Luk. gebotene Text, der sich außerdem besonders leicht ins Aramäische zurückübersetzen làBt?. Die zweite Frage möchte ich nicht bejahen; denn Matth. hat die Perikopen, die aus Q stammen, niemals so frei behandelt bzw. so mit anderem ver- quickt wie dieses Gleichnis. Man muß daher vermuten, daß entweder die Perikope nicht aus Q stammt oder daß Matth. sie bereits in einer be- arbeiteten Gestalt überliefert erhalten bat. Im ersteren Fall ist bei der Textkonstitution von Q diese Perikope nicht zu berücksichtigen; im zweiten ist schwer zu entscheiden, ob man den von den Lukanismen gereinigten Text des Lukas oder den um die aus B stammenden Züge verminderten : Text des Matth. für Q in Anspruch nehmen soll Daher ist von dieser Perikope ganz abzusehen. Matth. 25, 14—30 (die Parabel Luk. 19, 12—27. von den Talenten). Der Hauptunterschied von Matth. und Luk. besteht darin, daß hier (Gleichnis von den Talenten = C) Luk. das Gleichnis. B (der sich an 1) Der Schlußvers (24) läßt allerdings Jesus selbst als den Gastgeber erscheinen, aber dadurch ist der Charakter des Gleichnisses noch nicht verletzt. 2) Man beachte auch, daß δέ fehlt, dagegen 10 Sätze der Perikope mit καί beginnen (Lukanisch ist jedoch einiges im Stil; so τις v. 16, παραγενόμενος v. 91, ὅρα mit Genit. v. 17 [s. Luk. 1, 10; Act. 3, 1; 10, 3; 16, 33; 23, 23], ἤρξαντο v. 18, παραιτεῖσθαι v. 18. 19 [fehlt in den Evv., aber s. Act. 25, 11]; ἀνάπειρος v. 21 [nur noch Luk. 14, 13 im NT.]). And μιᾶς v.18 ist schwerlich semitisch (Wellhausen), sondern vulgär- griechisch — ἀπὸ μιᾶς γνώμης (so einmal Philo) oder ψυχῆς. Die Phrase: ἔχω ἀνάγκην ἐξελθὼν ἰδεῖν αὐτόν, ist gut griechisch. Ist die Phrase: ἔχε we παρῃτημένον („habe me excusatum* Martial, ein Latinismus? Man muß freilich in der Annahme solcher immer vorsichtiger werden. — Möglich ist es auch, daß Matth. treuer den ursprünglichen Text bewahrt hat, wenn man alle Züge, die aus dem Gleichnisse B stammen, abzieht. Matth. 25, 14—30. Luk. 19, 12—27. S5 seinen aufrührerischen Untertanen rüchende König), welches Matth. mit dem vorigen Gleichnis (A) vermengt hat, einmischt!. Ein ganz perplexer Fall! Das Gleichnis B konnte nicht zur Selbständigkeit kommen und ist von Matth. dem Gastmahlgleichnis (A), von Luk. dem Talenten-Gleichnis (C) enhypostatisch eingefügt — beide Male gleich verwirrend und un- möglich. Bei Luk. ist das Gleichnis B? deutlicher ausgeführt als bei Matth. Bt in c. 22, aber die Verbindung ist bei ihm noch schlechter. Beachtens- wert ist, daf Matth. noch ein drittes Gleiehnis D (kein hochzeitliches Kleid) eingemischt hat und daß C und D mit dem Satze schließen: &x- βάλετε (αὐτὸν) εἰς τὸ σκότος τὸ ἐξώτερον᾽ ἐκεῖ ἔσται ὁ κλαυθμὸς καὶ ὁ βρυγμὸς τῶν ὀδόντων. Das Gleichnis B? hat auch mit einem furchtbaren Befehl geschlossen: κατασφάξατε αὐτοὺς ἔμπροσθέν uov?, und das Gleichnis A schließt ebenfalls mit einem niederschlagenden Wort (Luk. ` 14, 24): οὐδεὶς τῶν ἀνδρῶν ἐκείνων τῶν κεκλημένων γεύσεταί μου τοῦ δείπνου. Es waren also 4 Gleichnisse, die ursprünglich es alle mit der Parusie (dem Gericht und dem Reiche) zu tun hatten; Matth. bringt zuerst A mit eingemischtem B! und anhüngendem D, dann C, Lukas erst A, dann C mit eingemischtem B2. Wie es dazu in der Überlieferung gekommen ist, das vermögen wir nicht mehr zu durchschauen, müssen also auch darauf verzichten, hier festzustellen, ob diese Gleichnisse in Q gestanden haben und in welcher Gestalt?, Was nun C betrifft, so ist die Gestalt bei Matth. und Luk. im An- fang verschieden; anderseits fehlen wörtliche oder fast wörtliche Über- einstimmungen nicht, die im 2. Teil und in den Reden — das ist charak- teristisch! — sehr stark werden. Man vgl. ἄνθρωπος (beide) — ἀποδημῶν [ἐπορεύθη εἰς χώραν μακράν] — ἐκάλεσεν [καλέσας] — τοὺς ἰδίους δούλους [δέκα δούλους]--- ἔδωκεν αὐτοῖς (beide) — εὖ, δοξλε ἀγαϑέ... ἐπὶ ὀλίγα ἧς πιστός, ἐπὶ πολλῶν σε καταστήσω [εὖγε, ἀγαϑὲ δοῦλε, ὅτι ἐν ἐλαχίστῳ πιστὸς ἐγένου, ἴσθι ἐξουσίαν ἔχων χτλ.] — σκληρὸς εἶ ἄνθρωπος, ϑερίζων ὅπου οὐκ ἔσπειρας καὶ συνάγων ὅϑεν οὐ διεσκόρπισας [ἄνϑρωπος αὐστη- ρὸς si, αἴρεις ὃ οὐκ ἔθηκας, καὶ θερίζεις ὃ οὐκ ἔσπειρας] — πονηρὲ δοῦλε... ᾖδεις ὅτι ϑερίζω ὅπου οὐκ ἔσπειρα καὶ συνάγω ὅθεν οὐ διε- σκόρπισα [πονηρὲ δοῦλε, ᾖδεις ὅτι.... αἴρων ὃ οὐκ ἔθηκα καὶ ϑηρίζων ὃ ovx ἔσπειρα] — ἔδει σε οὖν βαλεῖν τὰ ἀργύριά µου τοῖς τραπεζείταις, καὶ ἐλϑὼν ἐγὼ ἐκομισάμην ἂν τὸ ἐμὸν σὺν τόκῳ [καὶ διὰ τί οὐκ ἔδωκάς µου τὸ ἀργύριον ἐπὶ τράπεζαν; κἀγὼ ἐλθὼν σὺν τόχῳ ἂν αὐτὸ ἔπραξα] — ἄρατε οὖν ἀπ᾽ αὐτοῦ τὸ τάλαντον καὶ δότε τῷ ἔχοντι τὰ δέκα τάλαντα [ἄρατε ἀπ᾽ αὐτοῦ τὴν μνᾶν καὶ δότε τῷ τὰς δέκα μνᾶς ἔχοντι] --- τῷ γὰρ 1) TAE identisch ist B bei Matth. und B bei Luk. nicht, aber doch sehr verwandt; man muß zwischen B! und B? unterscheiden. 2) Of. Bi: ἀπώλεσεν τοὺς φονεῖς ἐκείνους καὶ τὴν πόλιν αὐτῶν ἐνέ- πρησεν (oder für die letzten 4 Worte einfach: τὰς πόλεις). 3) Eine weitere Verklitterung hat im Hebrüerevangelium stattge- funden; hier ist das Gleichnis vom verlorenen Sohn mit C vermengt worden. 86 Anhang. ἔχοντι παντὶ δοϑήσεται . . . τοῦ δὲ μὴ ἔχοντος καὶ ὃ ἔχει ἀρθήσεται ἀπ᾽ αὐτοῦ [ὅτι παντὶ τῷ ἔχοντι δοϑήσεται, ἀπὸ δὲ τοῦ μὴ ἔχοντος καὶ ὃ ἔχει ἀρϑήσεται]. Hier liegt also ganz deutlich eine Überlieferung vor, die sich bis auf sprachliche Details erstreckt!. Also sind die Differenzen höchst wahrscheinlich von letzter Hand, d. h. entweder Luk. oder Matth. hat korrigiert. Wer ist es? Bei der Vergleichung muß man natürlich von den Zügen ganz absehen, die Luk. aus B? genommen hat. Der Tatbestand ist folgender: Matth.: Knechte von unbestimmter Zahl, » der abreisende Herr über- 3 gibt ihnen seine ganze hin- terlassene Habe, Luk.: zehn Knechte, der abreisende Herr übergibt jedem (nur) ein Pfund und sagt ihnen ausdrücklich, daß sie damit handeln sollen, » und zwar gibt er jedem nach seiner Fähigkeit, dem einen 5 Talente, dem anderen 2, dem dritten eines (das sollen BeispielederVerteilungsein), 2 der, der5 Talente empfangen, erwirbt damit andere 5 Ta- lente; der 2 empfangen er- wirbt2; der eines empfangen, vergrübt es in der Erde, der zurückgekehrte Herr setzt den, der 5 und der 2 Talente empfangen, zum Lohn „über vieles“ und setzt hinzu: „Gehe ein zu deines Herrn Freude“; von dem, der das Talent ver- graben hat, wird es ge- nommen. das wird nicht besonders be- richtet, sondern im folgenden mitgeteilt, der erste sagt, sein Pfund habe 10 Pfund erworben, der zweite, sein Pfund habe 5 Pfund erworben; der erste wird über 10, der zweite über 5 Städte gesetzt; ein anderer [der an- dere] bringt das Pfund, das er ins Schweißtuch? getan, zurück; es wird ihm ge- nommen. Bei Matth. verteilt der Herr, was er zurückläßt, an alle seine Knechte, es ihnen überlassend, was sie zu tun haben; bei Luk. ist es eine Probe, die er mit zehn Knechten anstellt, eine ausdrückliche Anweisung gebend. Bei Matth. gibt er den einzelnen je nach ihren Fähigkeiten, belohnt aber die, welche gearbeitet haben, gleich; bei Luk. gibt er allen das Gleiche, 1) Die Synonyma sind keine Übersetzungsvarianten, sondern sprach- liche Korrekturen des Lukas. 2) Σουδάριον ist ein offenkundiger Latinismus bei Lukas. v" "ΝΝ Matth. 25, 14—30. Luk. 19, 12—27. 87 aber der Lohn ist, je nach der Arbeitsleistung, ein verschiedener!. Mir scheint, das Einfachere liegt beiMatth. Das wird aber durch einen Blick auf eine Stelle bei Markus bestätigt. Hier heißt es 13, 34: ὡς ἄνθρωπος ἀπόδημος (vgl. Matth. v. 14: ὥσπερ ἄνθρωπος ἀποδημῶν, anders Luk.), ἀφεὶς τὴν οἰκίαν αὐτοῦ καὶ δοὺς τοῖς δούλοις αὐτοῦ τὴν ἐξουσίαν (also keine Probe, sondern Verwaltung des ganzen Hauses; so auch Matth., anders Luk.) ἑκάστῳ τὸ ἔργον αὐτοῦ (also jedem nach seiner Fähigkeit; so auch Matth., anders Luk.). Also stimmt Matth. gegen Luk. mit Mark. zusammen, der augenscheinlich die Parabel gekannt hat; Luk. hat sie durchgreifend korrigiert. Aber damit ist nicht gesagt, daB die Parabel aus Q stammt, noch — wenn sie aus Q stammt — daß Matth. uns ihre ur- sprüngliche Gestalt erhalten hat. Das ist sogar unwahrscheinlich. Bei Mark. handelt es sich um Ämter; das schimmert freilich bei Matth. (und bei Luk.) auch noch durch, ist aber durch Andersartiges in den Hinter- grund gedrängt. Das Handeln mit der Summe kann in der Gestalt, in welcher Mark. das Gleichnis kannte, keinen Platz gehabt haben; denn er kennt überhaupt keine Geldsummen. Also ist die gemeinsame Quelle von Matth. und Luk. dem Mark. gegenüber sekundür (ob sie aber Q ge- wesen ist, wissen wir nicht). Ihre Fassung ist vielleicht daraus entstanden, daß schon hier zwei Gleichnisse zusammengeflossen sind (C!: der abreisende Herr übergibt sein Haus seinen Knechten zur Bewachung; 02: der ab- reisende Herr gibt seinen Knechten sein Vermögen, damit sie es ver- mehren). 1) Bei Matth. erwirbt der Arbeiter, bei Luk. erwirbt das übergebene Pfund. Letzteres ist natürlich die sekundüre, weil reflektierte Fassung. Endlich schimmert noch bei Luk. deutlich durch, daf seine Vorlage nicht zehn, sondern, wie bei Matth., drei Arbeiter unterschied. Zweites Capitel: Sprachliche und geschichtliche Unter- suchung der dem Matthäus und Lukas (über Markus hinaus) gemeinsamen Abschnitte (Q). I. Die Texte. (Um mieht vorzugreifen, sind die Texte in der Reihenfolge des Lukas ge- geben; die Capitel und Verse im Text sind die des Matthäus; am Schluß jedes Abschnitts ist auf die S. 6—81 gegebene kritische Besprechung verwiesen). 1. (M 3, 5. 7—12; L 3, 3. 7—9. 16. 17). (7) [. . Πᾶσα ù περίχωρος τοῦ Ἰορδάνου .. . ἰδὼν []ωάν- νης] πολλοὺς [oder τοὺς ὄχλους]... ἐρχομένους ἐπὶ τὸ βάπτισμα εἶπεν αὐτοῖς ] Γεννήματα ἐχιδνῶν, τίς ὑπέδειξιν ὑμῖν φυγεῖν ἀπὸ τῆς μελλούσης ὀργῆς; (8) ποιήσατε οὖν καρπὸν ἄξιον τῆς μετανοί- ας" (9) καὶ μὴ δόξητε [ἄρξησθερ] λέγειν ἐν ἑαυτοῖς" πατέρα ἔχομεν τὸν “Ἱβραάμ' λέγω γὰρ ὑμῖν ὅτι δύναται ὁ ϑεὸς èx τῶν λίδων τούτων ἐγεῖραι τέκνα τῷ 4βραάμ᾿ (10) ἤδη den ἀξίνη πρὸς τὴν ὀίξαν τῶν δένδρων» κεῖται' πᾶν οὖν δένδρο» μὴ ποιοῦν καρπὸν καλὸν ἐκκόπτεται καὶ εἷς πυρ βάλλεται. (41) ἐγὼ μὲν ὑμᾶς βαπτίζω ἐν ὕδατι εἰς μετάνοιαν" ὁ δὲ ὀπίσω µου ἐρχόμενος ἰσχυρότερός μού ἐστιν, οὗ οὐκ εἰμὶ ἱκανὸς τὰ ὑποδήματα βαστάσαι" αὐτὸς ὑμᾶς βαπτίσει ἐν [πνεύματι (ἁγίῳ) καὶ] πυρί, (12) οὗ τὸ πτύον ἐν τῇ χειρὶ αὐτοῦ, καὶ διακαϑαριεῖ τὴν ἅλωνα αὐτοῦ, καὶ συνάξει τὸν σἵτον αὐτοῦ εἰς τὴν ἀπο- ϑήκην, τὸ δὲ ἄχυρον κατακαύσει πυρὶ ἀσβέστῳ (S. 32. 6). 2. (M 4, 1—11; L 4, 1—13). (1) Ὁ Ἰησοῦς ἀνήχθ εἰς τὴν ἔρημον ὑπὸ τοῦ πνεύματος πειρασθῆναι ὑπὸ τοῦ διαβόλου, (2) καὶ νηστεύσας ἡμέρας u' καὶ νύκτας μ΄ ὕστερον ἐπείνασεν, (3) καὶ ὁ πειράζων εἶπεν Q: Nr. 1—6. 89 αὐτῷ el υἱὸς εἶ τοῦ ϑεοῦ, εἰπὲ ἵνα οἱ λίθοι οὗτοι ἄρτοι yé- νῶνται, (4) καὶ ἀπεκρίϑη᾽ γέγραπται’ οὐκ ix ἄρτῳ μόνῳ ζήσεται ὁ ἄνθρωπος. (5) παραλαμβάνει δὲ αὐτὸν εἰς Te- ρουσαλὴμ καὶ ἔστησεν αὐτὸν ἐπὶ τὸ πτερύγιον τοῦ ἱεροῦ (6) καὶ λέγει αὐτῷ" εἰ υἱὸς el τοῦ Θεοῦ, βάλε σεαυτὸν κάτω" γέγραπται γὰρ ὅτι τοῖς ἀγγέλοις αὐτοῦ ἐντελεῖται περὶ σοῦ καὶ ἐπὶ χειρῶν ἀροῦσίν σε, μή ποτε προσκόψης πρὸς λίϑον τὸν πόδα σου. (T) ἔφη αὐτῷ ὁ Ἰησοῦς’ πάλιν γέγραπται οὐχ ἐκπειράσεις κύριον τὸν ϑεόν σου. (S) πά- λιν παραλαμβάνει αὐτὸν εἰς ὄρος ὑψηλὸν λίαν καὶ δείκνυσιν αὐτῷ πάσας τὰς βασιλείας τοῦ κόσμου καὶ τὴν δόξαν αὐτῶν, (9) καὶ εἶπεν αὐτῷ’ ταῦτά σοι πάντα δώσω, ἐὰν προσκυνήσῃς μοι. (10) καὶ λέγει αὐτῷ ὁ Ἰησοῦς' γέγραπται" κύριον τὸν ϑεόν σου προσκυνήσεις καὶ αὐτῷ μόνῳ λατρεύσεις. (11) καὶ ἀφίησιν αὐτὸν ὁ διάβολος (S. 33). 3. (M 5, 1—4. 6. 11. 12; L 6,17. 20— 23). (1) (2) [... ὄχλοι... ἐδίδαξεν τοὺς μαθητὰς λέγων... ] (3) Μακάριοι οἱ πτωχοί, ὅτι αὐτῶν ἐστι» ἡ βασιλεία τοῦ ϑεοῦ, (4) μακάριοι οἱ πενϑοῦντες, ὅτι αὐτοὶ παρακληϑήσονται, (6) μακάριοι οἱ πεινῶντες, ὅτι αὐτοὶ χορτασϑήσονται. (11) μακάριοί ἐστε, ὅταν ὀνειδίσωσι» ὑμᾶς καὶ διώξωσιν καὶ εἴπωσιν πᾶν πονηρὸν sei ὑμῶν ψευδόμενοι. (13) χαίρετε καὶ ἀγαλλιᾶσϑε, ὅτι ὁ μισϑὸς ὑμῶν πολὺς ἐν τοῖς οὐρανοῖς οὕτως γὰρ ἐδίωξαν τοὺς προφήτας τοὺς πρὸ ὑμῶν (8. 38). 4. (M 5,39. 40; L 6, 29). (39) Ὅστις σε ῥαπίζει εἰς τὴν [δεξιὰν] σιαγόνα [σου], στρέφον αὐτῷ καὶ τὴν ἄλλην, (40) καὶ τῷ ϑέλοντί σοι κρι- ϑῆναι καὶ τὸν χιτῶνά σου λαβεῖν, ἄφες αὐτῷ καὶ τὸ ἱμάτιον (S. 44). 5. (M 5, 42; L 6, 30). (42) Τῷ αἰτοῦντί σε δός, καὶ τὸν ϑέλοντα ἀπὸ σοῦ δανί- σασϑαι μὴ ἀποστραφῇς (8. 44). 6. (M 5,44. 48; L 6, 27. 28. 35^. 32. 33. 36). (44) Ἐγὼ λέγω ὑμῖν: ἀγαπᾶτε τοὺς ἐχϑροὺς ὑμῶν καὶ προσεύχεσϑε ὑπὲρ τῶν διωκόντων ὑμᾶς, (45) ὅπως γένησϑε 90 Cap. 2: Sprachliehe und geschichtliche Untersuchung ete. υἱοὶ τοῦ πατρὸς ὑμῶν, ὅτι τὸν ἥλιον αὐτοῦ ἀνατέλλει ἐπὶ πονηροὺς καὶ ἀγαϑοὺς [καὶ βρέχει ἐπὶ δικαίους καὶ ἀδίκους]. (46) ἐὰν γὰρ ἀγαπήσητε τοὺς ἀγαπῶντας ὑμᾶς, τίνα μισϑὸν ἔχετε; οὐχὶ xal οἱ τελῶναι τὸ αὐτὸ ποιοῦσιν; (47) καὶ ἐὰν ἀσπάσησϑε τοὺς ἀδελφοὺς ὑμῶν μόνον, τί περισσὸν ποιεῖτε; οὐχὶ καὶ οἱ ἐϑνικοὶ τὸ αὐτὸ ποιοῦσιν; (48) ἔσεσθε οὖν οἰκτίρ- µονες [3 ἐλεήμονες 9] ὡς ὁ πατὴρ ὑμῶν οἰκτίρμων [9 ἐλεή- uov?| ἐστίν (S. 44). 7. (M 7, 12; L 6, 31). , ς - € (12) Πάντα ὅσα ἐὰν ϑέλητε ἵνα ποιῶσιν ὑμῖν οἱ ἄνϑρω- a δε ES H EE ποι, οὕτως καὶ ὑμεῖς ποιεῖτε αὐτοῖς (S. 11). 8. (M 7, 1—5; L 6, 37. 38. 41. 42). (1) Mn κρίνετε, ἵνα μὴ αριθῆτε, (3) ἐν ᾧ γὰρ κρίματι κρίνετε κριϑήσεσϑε, καὶ ἐν o μέτρῳ. DUET μετρηϑήσεται ὑμῖν. (3) τί δὲ βλέπεις τὸ κάρφος τὸ ἐν τῷ ὀφϑαλμῷ τοῦ ἀδελφοῦ σου, τὴν δὲ ἐν τῷ σῷ ὀφϑαλμῷ δοκὸν οὐ κατανοεῖς; (4) ἢ πῶς ἐρεῖς τῷ ἀδελφῷ σου’ ἄφες ἐκβάλω τὸ κάρφος ix τοῦ ὀφϑαλμοῦ σου, καὶ ἡ δοκὸς ἐν τῷ ὀφϑαλμῷ σου; (5) ὑποκριτά, ἔκβαλε πρῶτον ἐκ τοῦ ὀφϑαλμοῦ σου τὴν ĝo- κόν, καὶ τότε διαβλέψεις ἐκβαλεῖν τὸ κάρφος ἐκ τοῦ ὀφϑαλμοῦ τοῦ ἀδελφοῦ σου (8. 10). 9, (M 15, 14; L 6, 39). (14) Τοφλὸς τυφλὸν ἐὰν ὁδηγῇ, ἀμφότεροι εἰς βόϑυνον πεσοῦνται (S. 24). 10. (M 10, 24. 25; L 6, 40). (24) Οὐκ ἔστιν μαϑητὴς ὑπὲρ τὸν διδάσκαλον οὐδὲ δοῦ- λος ὑπὲρ τὸν κύριον αὐτοῦ. (35) ἀρκετὸν τῷ μαϑητῇ ἵνα γένηται ὡς ὁ διδάσκαλος αὐτοῦ, καὶ ὁ δοῦλος Oc ὁ κύριος αὐτοῦ (8. 57). 11. (M 7, 16—18; 12, 33; L 6, 43. 44). (33) Ex τοῦ καρποῦ τὸ δένδρον γινώσχεται. μήτι συλλέ- γουσιν ἀπὸ ἀκανϑῶν σταφυλὰς ἢ ἀπὸ τριβόλων σῦκα; (1T) ov- τως πᾶν δένδρον ἀγαθὸν καρπὸν καλὸν ποιεῖ, τὸ δὲ σαπρὸν δένδρον καρπὸν πονηρὸν ποιεῖ. (18) οὐ δύναται δένδρον Q: Nr. 7—14. 91 b H ` . > " LEY , ` ἄγαϑον καρπον πονηρον ἐνεγκεῖν οὐδὲ δένδρον σαπρὸν xag- πὸν καλὸν ποιεῖν (S. 50). 12. (M 7, 21. 24—27; L 6, 46—49). (21) [Οὐ πᾶς ὁ λέγων uov κύριε κύριε, εἰσελεύσεται εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ ϑεοῦ, ἀλλ᾽ ὁ ποιῶν τὸ ϑέλημα τοῦ πατρός μου]. (24) πᾶς οὖν ὅστις ἀκούει µου τοὺς λόγους τούτους καὶ ποιεῖ αὐτούς, ὑποδείξω ὑμῖν τίνι ἐστὶν όμοιος᾽ ὅμοιός ἐστιν [oder statt dieser 7 Worte einfach ὁμοιωθήσεται] ἀνδρὶ ὅστις @xo- δόμησεν αὐτοῦ τὴν οἰκίαν ἐπὶ τὴν πέτραν. (35) καὶ κατέβη ἡ βροχὴ καὶ ἦλϑον οἱ ποταμοὶ καὶ ἔπνευσαν οἱ ἄνεμοι καὶ προσέπεσαν τῇ οἰκίᾳ ἐκείνῃ, καὶ οὐκ ἔπεσεν' τεϑεμελίωτο γὰρ ἐπὶ τὴν πέτραν. (36) καὶ πᾶς ὁ ἀκούων μου τοὺς λόγους τούτους καὶ μὴ ποιῶν αὐτοὺς ὁμοιωϑήσεται ἀνδρὶ ὅστις x0- δόμησεν αὐτοῦ τὴν οἰκίαν ἐπὶ τὴν ἄμμον. (27) καὶ κατέβη ἡ βροχὴ καὶ ἦλϑον ol ποταμοὶ καὶ ἔπνευσαν οἱ ἄνεμοι καὶ προσέ- κοψαν τῇ οἰκίᾳ ἐκείνῃ, καὶ ἔπεσεν, καὶ ἦν ἡ πτῶσις αὐτῆς μεγάλη (8. 51). 13. (M 7, 28; 8, 5—10. 13; L 7, 1—10). (28. 8, 5) [Nachdem er diese Worte gesprochen hatte], εἰσ- ἤλϑεν εἰς Καφαρναοὺμ καὶ προσῆλϑεν αὐτῷ ἑκατόνταρχος παρακαλῶν αὐτὸν (6) καὶ λέγων᾽ κύριε, ὁ παῖς μου βέβληται ἐν τῇ οἰκίᾳ παραλυτικός, δεινῶς βασανιζόμενος. (T) λέγει αὐτῷ: ἐγὼ ἐλϑὼν ϑεραπεύσω αὐτόν. (S) ἀποκριϑεὶς δὲ ὁ ἑκατόνταρχος ἔφη" κύριε, οὐκ εἰμὶ ἱκανὸς ἵνα µου ὑπὸ τὴν στέγην εἰσέλθῃς' ἀλλὰ μόνον εἰπὲ λόγῳ, καὶ ἰαϑήσεται ὁ παῖς µου. (9) καὶ γὰρ ἐγὼ ἄνϑρωπός εἰμι ὑπὸ ἐξουσίαν, ἔχων ὑπ᾽ ἐμαυτὸν στρατιώτας, καὶ λέγω τούτῳ᾽ πορεύϑητι, καὶ πορεύε- -ται, καὶ ἄλλῳ᾽ ἔρχου, καὶ ἔρχεται, καὶ τῷ δούλῳ μου’ ποίησον τοῦτο, καὶ ποιεῖ. (10) ἀκούσας δὲ ὁ Ἰησοῦς ἐϑαύμασεν καὶ εἷ- πεν τοῖς ἀκολουϑοῦσιν' [ἀμὴν] λέγω ὑμῖν, οὐδὲ ἐν τῷ Ἰσραὴλ τοσαύτην πίστιν εὗρον. [(13) καὶ εἶπεν ὁ Ἰησοῦς τῷ ἕκατοντ- son‘ [ὕπαγε], Oc ἐπίστευσας γενηϑήτω σοι. καὶ ἰάϑη ὁ παῖς ἐν τῇ ὥρα ἐκείνῃ] (S. 52. 54). f 14. (M 11, 2—11; L 7, 18—28). (2) Ὁ δὲ Ἰωάννης ἀκούσας ἐν τῷ δεσμωτηρίῳ τὰ ἔργα τοῦ Χριστοῦ, πέμψας διὰ τῶν μαϑητῶν αὐτοῦ εἶπεν αὐτῷ᾽ 92 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung ete. (3) σὺ εἶ ὁ ἐρχόμενος 7) ἕτερον προσδοκῶμεν; (4) καὶ ἀπο- κριϑεὶς εἶπεν αὐτοῖς: πορευϑέντες ἀπαγγείλατε Ἰωάννῃ & ἀκούετε καὶ βλέπετε. (5) τυφλοὶ ἀναβλέπουσιν xal χωλοὶ περι- πατοῦσιν, λεπροὶ καϑαρίζονται καὶ κωφοὶ ἀκούουσιν, καὶ ve- κροὶ ἐγείρονται καὶ πτωχοὶ εὐαγγελίζονται" (6) καὶ μακάριός ἐστιν ὃς ἂν μὴ σκανδαλισθῇ ἐν ἐμοί. (T) τούτων δὲ πορευο- μένων ἤρξατο λέγειν τοῖς ὄχλοις περὶ Ἰωάννου" τί ἐξήλϑατε εἰς τὴν ἔρημον ϑεάσασϑαι; κάλαμον ὑπὸ ἀνέμου σαλευόμενον; (S) ἀλλὰ τί ἐξήλϑατε ἰδεῖν; ἄνϑρωπον ἐν μαλακοῖς ἠμφιεσμέ- vov; ἰδοὺ οἱ τὰ μαλακὰ φοροῦντες ἐν τοῖς οἴκοις τῶν βασι- λέων. (9) ἀλλὰ τἰ ἐξήλϑατε; προφήτην ἰδεῖν; ναὶ λέγω ὑμῖν, καὶ ee προφήτου. (10) οὗτός ἐστιν περὶ οὗ γέγραπ- tar’ ἰδοὺ ἐγὼ ἀποστέλλω τὸν ἀγγελόν µου πρὸ προσ- ώπου σου, ὃς κατασκευάσει τὴν ὁδόν σου ἔμπροσθέν σου. (11) [ἀμὴν] λέγω ὑμῖν, οὐκ ἐγήγερται ἐν γεννητοῖς Leg ναικῶν μείζων Ἰωάννου [τοῦ βαπτιστοῦ]! ὁ δὲ μικρότερος ἐν τῇ βασιλείᾳ τοῦ ϑεοῦ μείζων αὐτοῦ ἐστιν (8. 64. 14). 15. (M TI, 16—19; L 7, 31—35). (16) Tive ὁμοιώσω τὴν γενεὰν ταύτην [καὶ τίνι ἐστὶν ὁ- μοία];. ὁμοία ἐστὶν παιδίοις καϑημένοις ἐν ταῖς ἀγοραῖς ἃ προσφωνοῦντα τοῖς ἑτέροις (17) λέγουσιν᾽ ηὐλήσαμεν ὑμῖν καὶ οὐκ ὠρχήσασθε' ἐϑρηνήσαμεν καὶ οὐκ ἐκόψφασϑε. (18) ἦλϑεν γὰρ Ἰωάννης μήτε ἐσθίων μήτε πίνων, καὶ λέγουσιν᾽ da- μόνιον ἔχει. (19) ἦλϑεν ὁ υἱὸς τοῦ ἀνϑρώπου ἐσϑίων καὶ πίνων, καὶ λέγουσιν᾽ ἰδοὺ ἄνθρωπος φάγος καὶ οἰνοπότης, τελωνῶν φίλος καὶ ἁμαρτωλῶν. καὶ ἐδικαιώϑη 7) σοφία ἀπὸ. τῶν τέκνων αὐτῆς (8. 16). 16. (M 10, 7; L 9,2; 10, 9. 11). (T) Hogsvóutrvot κηρύσσετε λέγοντες ὅτι ἤγγικεν ἡ βασι- λεία τοῦ ϑεοῦ (S. 51). 17. (M 8, 19—22; L 9, 57— 60). (19) [Eixév τις αὐτῷ] ἀκολουθήσω σοι ὅπου ἐὰν ἀπέρχῃ. (20) καὶ λέγει αὐτῷ ὁ Ἰησοῦς" ai ἀλώπεκες φωλεοὺς ἔχουσιν . - H - € ^ - καὶ τὰ πετεινὰ τοῦ οὐρανοῦ κατασκηνώσεις, ὁ δὲ υἱὸς τοῦ ἀνϑρώπου οὐκ ἔχει ποῦ τὴν κεφαλὴν κλίνῃ. (31) ἕτερος δὲ Q: Nr. 15—22. 93 CB Acne E T D ~ > 5 4 D ` εἶπεν αὐτῷ ' ἐπίτρεψόν μοι πρῶτον ἀπελϑεῖν καὶ ϑάψαι τὸν ἳ a 5 n ^ AX m 2 D a x πατέρα Hop (22) λέγει δὲ αὐτῷ: ἀκολούϑει μοι, καὶ ἄφες , . ~ τοὺς νεκροὺς ϑάψαι τοὺς ἑαυτῶν νεκρούς (S. 19). 18. (M 9, 37. 38; L 10, 2). (37) Λέγει αὐτοῖς [τοῖς μαϑηταῖς αὐτοῦ]: ὁ μὲν ϑερισμὸς πολύς, οἱ δὲ ἐργάται ὀλίγοι' (38) δεήϑητε οὖν τοῦ κυρίου τοῦ ϑερισμοῦ ὅπως ἐκβάλῃ ἐργάτας εἰς τὸν ϑερισμὸν αὐτοῦ (8. 13). 19. (M 10, 16°; L 10, 3). (16) Mot ἐγὼ ἀποστέλλω ὑμᾶς ὡς πρόβατα iv μέσῳ λύκων (S. 14). 20. (M 10, 12. 13; L 10, 5. 6). (12) Εἰσερχόμενοι δὲ εἰς τὴν. οἰκίαν ἀσπάσασθε αὐτήν' (13) καὶ ἐὰν ᾖ d oixía ἀξία, ἐλθάτω 5 εἰρήνη ὑμῶν. àv αὐ- τήν" ἐὰν δὲ μὴ ἢ ἀξία, ἡ εἰρήνη ὑμῶν πρὸς ὑμᾶς ἐπιστρα- φήτω. (Voran gingen einige Worte, die man noch aus Luk. €. 10, 4 mit einiger Sicherheit zu ergünzen vermag: μὴ βαστά- Gete βαλλάντιον, μὴ πήραν, μὴ ὑποδήματα, καὶ μηδένα κατὰ τὴν ὁδὸν ἀσπάσησϑε [d. h. „haltet euch nicht auf*]) (S. 57). 21. (M 10, 105; L 10, 751. (10) άξιος γὰρ ὁ ἐργάτης τῆς τροφῆς αὐτοῦ. Voran gingen Worte wie Luk. 10, Τα: ἐν αὐτῇ τῇ οἰκίᾳ μένετε, ἔσθοι- τες καὶ πίνοντες τὰ παρ αὐτῶν (8. 19). 22. (M 10, 15; L 10, 12). (15) D4uzv] λέγω Gutt: ἀνεκτότερον ἔσται γῇ Σοδόμων καὶ Γομόρρων [oder für die letzten 4 Worte Σοδόμοις] ἐν τῇ ἡμέρα [ἐκείνῃ Ὁ κρίσεως 5] 7 τῇ πόλει ἐκείνῃ. (Voran ging nach Luk. 10,8--11 etwa: εἰς ἣν ἂν πόλι» εἰσέρχησθε x. δέχωνται ὑμᾶς, ἐσϑίετε v. παρατιϑέμενα ὑμῖν κ. λέγετε αὐτοῖς: ἤγγικεν ἡ Bao. τ. ϑεοῦ. εἰς ἣν δ᾽ ἂν πόλιν εἰσέλϑητε κ. μὴ δέχωνται ὑμᾶς, ἐξελθόντες εἰς τ. πλατείας αὐτῆς εἴπατε’ x. T. κονιορτὸν τ. κολληϑέντα ἡμῖν ἐκ τ. πόλεως ὑμῶν εἰς τ. πόδας ἀπομασσό- ueta ὑμῖν) (S. 14). 94 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. 23. (M 11, 21—23; L 10, 13—15). (21) Οὐαί σοι, Χοραζείν, οὐαί σοι, Βηϑσαϊδάν᾽ ὅτι εἰ ἐν Τύρῳ καὶ Σιδῶνι ἐγένοντο ai δυνάμεις ai γενόμεναι ἐν ὑμῖν, πάλαι ἂν ἐν σάκκῳ καὶ σποδῷ μετενόησαν. (33) πλὴν [λέγω ὑμῖν] Τύρῳ καὶ Σιδῶνι ἀνεκτότερον ἔσται [ἐν ἡμέρᾳ κρίσεως ? - p αν WK ος € ^ " H Ken ἐν τῇ χρίσει δ] 7 ὑμῖν. (23) καὶ σύ, Καφαρναούμ, μὴ ἕως ov- mb: D e a D ^ ρανοῦ vipo7505; ἕως gov καταβήσῃ (S. 17). [24. (M 10, 40; L 10, 16)]. [Ὁ δεχόμενος ὑμᾶς ἐμὲ δέχεται, καὶ ὁ ἐμὲ δεχόμενος δέχε- ται τὸν ἀποστείλαντά με] (8. 63). 25. (M 11, 25 —27; L 10, 21. 22). (25) Ἐν ἐκείνῳ τῷ καιρῷ εἶπεν' ἐξομολογοῦμαί σοι, πάτερ κύριε τοῦ οὐρανοῦ καὶ τῆς γῆς, ὅτι ἔκρυψας ταῦτα ἀπὸ 00- φῶν καὶ συνετῶν καὶ ἀπεκάλυψας αὐτὰ νηπίοις" (36) ναί, ὁ πατήρ, ὅτι οὕτως εὐδοχία ἐγένετο ἔμπροσθέν σου. (27) πάντα μοι παρεδόϑη ὑπὸ τοῦ πατρός, καὶ οὐδεὶς ἔγνω [τὸν υἱὸν εἰ μὴ ὁ πατὴρ οὐδὲ] τὸν πατέρα [τις ἔγνω] εἰ μὴ ὁ υἱὸς καὶ ᾧ ἐὰν βούληται ὁ υἱὸς ἀποκαλύψαι (S. 17). 26. (M 13, 16. 17; L 10, 290, 24). (16) Ῥμῶν μακάριοι οἱ ὀφθαλμοί, ὅτι βλέπουσι», καὶ τὰ ὦτα [ὑμῶν], ὅτι ἀκούουσιν. (17) [ἀμὴν γὰρ] λέγω ὑμῖν, ὅτι πολλοὶ προφῆται [καὶ βασιλεῖς] ἐπεθύμησαν ἰδεῖν ἃ βλέπετε καὶ οὐκ εἶδαν, καὶ ἀκοῦσαι ἃ ἀκούετε, καὶ οὐκ ἤκουσαν (8. 99). E 27. (M 6, 9—13; L 11, 2—4). (9) Πάτερ, (1) τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν ἐπιούσιον δὸς ἡμῖν σήμερον, (12) χαὶ ἄφες ἡμῖν τὰ. ὀφειλήματα ἡμῶν, ὡς καὶ ἡμεῖς ἀφήκαμεν τοῖς ὀφειλέταις ἡμῶν, (13) καὶ μὴ elosvéyxgc ἡμᾶς εἰς πειρασμό»] (S. 47). 28. (M 7, 7—11; L 11, 9—13). DI Αἰτεῖτε, καὶ δοϑήσεται Our: ζητεῖτε, καὶ εὑρήσετε" κρούετε καὶ ἀνοιγήσεται ὑμῖν. (8) πᾶς γὰρ ὁ αἰτῶν λαμβάνει, καὶ ὁ ζητῶ». εὑρίσκει, καὶ τῷ κρούοντι. ἀνοιγήσεται. (9) 7 τίς ἐστιν ἐξ ὑμῶν ἄνθρωπος, ὃν αἰτήσει ὁ υἱὸς αὐτοῦ ἄρτον, μὴ Q: Nr. 23—31. ` 95 λίϑον ἐπιδώσει αὐτῷ; (10) 7 καὶ ἰχθὺν αἰτήσει, μὴ ὄφιν ἐπι- - 3 x 3 δώσει αὐτῷ; (11) εἰ οὖν ὑμεῖς πονηροὶ ὄντες οἴδατε [δόματα] 3 H e - , ~ ἀγαθα διδόναι τοῖς τέχνοις ὑμῶν, ποσο μᾶλλον ὁ πατὴρ ö > > - , 2 x - 3 , ἐξ οὐρανοῦ δώσει ἀγαϑὰ τοῖς αἰτοῦσιν αὐτόν; (S. 11). 29. (M12, 22. 23. 25.27. 28. 30. 43—45; | 1,14. 17. 19. 20. 23—26). (22) [ἐθεράπευσεν] δαιμονιζόμενον κωφόν, [ὥστε] τὸν xo- φὸν λαλεῖν, (23) καὶ [ἐξίσταντο] [πάντες] οἱ ὄχλοι... (35) πᾶσα βασιλεία μερισθεῖσα ἐφ᾽ ἑαυτὴν ἐρημοῦται ... (27) καὶ εἰ ἐγὼ ἐν Βεελζεβοὺλ ἐκβάλλω τὰ δαιμόνια. οἱ υἱοὶ ὑμῶν iv τίνι ἐκβάλλουσιν; διὰ τοῦτο αὐτοὶ κριταὶ ἔσονται ὑμῶν' (28) εἰ δὲ ἐν πνεύματι ϑεοῦ ἐγὼ ἐκβάλλω τὰ δαιμόνια, ἄρα ἔφϑασεν ἐφ᾽ ὑμᾶς ἡ βασιλεία τοῦ ϑεοῦ .... (30) ὁ μὴ OV μετ᾽ ἐμοῦ κατ ἐμοῦ ἐστιν, καὶ ὁ μὴ συνάγων μετ᾽ ἐμοῦ σκορπί- ζει .... (43) ὅταν τὸ ἀκάϑαρτον πνεῦμα ἐξέ]ϑῃ ἀπὸ τοῦ ἀνϑρώπου, διέρχεται δι᾽ ἀνύδρων τόπων ζητοῦν ἀνάπαυσιν καὶ οὐχ εὑρίσκει, (44) [τότε] λέγει᾽ εἰς τὸν οἰκόν µου ἐπι- στρέφω ὅϑεν ἐξῆλϑον᾽ καὶ ἐλϑὸν εὑρίσκει σχολάζοντα [καὶ] σεσαρωμένον καὶ κεκοσμημένον. (45) τότε πορεύεται καὶ παρα- λαμβάνει μεθ’ ἑαυτοῦ ἑπτὰ πνεύματα πονηρότερα ἑαυτοῦ καὶ εἰσελθόντά κατοικεῖ ἐκεῖ, καὶ γίνεται τὰ ἔσχατα τοῦ ἀνϑρώ- που ἐχείνου χείρονα τῶν πρώτων (8. 19). 30. (M 12, 38. 39. 41. 42; L 11, 16. 29—32). (38) [Sie sprachen]: ϑέλομεν ἀπὸ σοῦ σημεῖον ἰδεῖν. (39) ὁ δὲ εἶπεν: γενεὰ πονηρὰ καὶ μοιχαλὶς σημεῖον ἐπιζητεῖ, καὶ on- μεῖον οὐ δοθήσεται αὐτῇ εἰ μὴ τὸ σημεῖον Tov ὥσπερ γὰρ ἐγένετο Ἰωνᾶς τοῖς Νινευείταις σημεῖον, οὕτως ἔσται καὶ ὁ - υἱὸς τοῦ ἀνϑρώπου τῇ γενεᾷ ταύτῃ. (41) ἄνδρες Νινευεῖται ἀναστήσονται ἐν τῇ κρίσει μετὰ τῆς γενεᾶς ταύτης καὶ κατα- κρινοῦσιν αὐτήν, ὅτι μετενόησαν εἰς τὸ κήρυγμα ᾿Ιωνᾶ, καὶ ἰδοὺ πλεῖον Ἰωνᾶ ὧδε. (43) βασίλισσα νότου ἐγερϑήσεται ἐν τῇ κρίσει μετὰ τῆς γενεᾶς ταύτης καὶ κατακρινεῖ αὐτήν, ὅτι ἦλϑεν ix τῶν περάτων τῆς γῆς ἀκοῦσαι τὴν σοφίαν Σολο- μῶνος, καὶ ἰδοὺ πλεῖον Σολομῶνος ὧδε (8. 30). 31. (M 5, 15; L 11, 33). (15) Οὐ καίουσιν λύχνον xai τιϑέασι» αὐτὸν ὑπὸ τὸν μόδιον, ἀλλ᾽ ἐπὶ τὴν λυχνίαν, καὶ λάμπει πᾶσι» τοῖς ἐν τῇ οἰκίᾳ (S. 41). 96 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung eto. f 32. (M 6, 22. 23; L 11, 34. 35). - Lj 3 - (22) Ὁ λύχνος τοῦ σώματός ἐστιν ὁ ὀφϑαλμός [σου]: ἐὰν 3 3 - ο - . οὖν ἢ ὁ ὀφϑαλμός σου ἁπλοῦς, ὅλον τὸ σῶμά σου φωτεινὸν HI ER ν Ἐν 3 , H D o H - , ἔσται' (23) ἐαν δὲ o ὀφδαλμὸς σου πονήρος H, 040v το σῶμα 3 - ^ , σου σκοτεινὸν ἔσται. εἰ οὖν τὸ φῶς τὸ ἐν σοὶ σκότος ἐστίν, τὸ σκότος πόσον; (S. 8). 33. (M 29, 4. 13. 23. 25. 27. 29. 30—32. 34—36; L 11, 46. 52. 42. 39. 44. 47—52). (4) [Vielleicht ein „Wehe“] Δεσμεύουσιν φορτία βαρέα καὶ ἐπιτιϑέασιν ἐπὶ τοὺς ὤμους τῶν ἀνθρώπων, καὶ αὐτοὶ τῷ δακτύλῳ αὐτῶν οὐ ϑέλουσιν χινῆσαι αὐτά. (13) οὐαὶ ὑμῖν τοῖς Φαρισαίοις, ὅτι xAsleve τὴν βασιλείαν τοῦ ϑεοῦ ἔμπροσϑεν τῶν ἀνϑρώπων: ὑμεῖς γὰρ οὐκ εἰσέρχεσϑε οὐδὲ τοὺς εἰσερχομένους ἀφίετε εἰσελθεῖν. (23) οὐαὶ ὑμῖν τοῖς Φαρισαίοις, ὅτι ἀποδεκατοῦτε τὸ ἡδύοσμον καὶ τὸ ἄνηϑον καὶ τὸ χύμινον, καὶ ἀφήκατε τὰ βαρύτερα τοῦ νόμου, τὴν κρίσιν καὶ τὸ ἔλεος. (25) [Vielleicht ein , Wehe*] [νῦν] ὑμεῖς οἱ Φαρισαῖοι, καϑα- ρίζετε τὸ ἔξωϑεν τοῦ ποτηρίου καὶ τῆς παροφίδος, ἔσωϑεν δὲ γέμουσιν ἐξ ἁρπαγῆς καὶ ἀκρασίας. (L 11, 44) οὐαὶ ὑμῖν, ὅτι ἐστὲ ὡς οἱ τάφοι oi ἄδηλοι, καὶ οἱ ἄνϑρωποι οἳ περιπατοῦντες ἐπάνω οὐκ οἴδασι». ΚΜ 27) οὐαὶ ὑμῖν τοῖς Φαρισαίοις, ὅτι παρομοιάζετε τάφοις χεκονιαμένοις, οἵτινες ἔξωθεν μὲν φαίνονται ὡραῖοι, ἔσω- ^ 2 ~ Aen δὲ γέμουσιν ὀστέων νεκρῶν καὶ πάσης ἀκαϑαρσίας]. (29—32) οὐαὶ ὑμῖν, ὅτι οἰκοδομεῖτε τοὺς τάφους τῶν προφητῶν (30) καὶ λέγετε" εἰ ἤμεθα ἐν ταῖς ἡμέραις τῶν πα- τέρων ἡμῶν, οὐκ ἂν ἤμεϑα αὐτῶν κοινωνοὶ ἐν τῷ αἵματι τῶν προφητῶν. (31) ὥστε μαρτυρεῖτε ἑαυτοῖς, ὅτι υἱοί ἐστε τῶν φονευσάντων τοὺς προφήτας, [(32) καὶ ὑμεῖς πληρώσατε |τὸ μέτρον τῶν πατέρων ὑμῶν]. (34—36) διὰ τοῦτο καὶ ἡ Σοφία τοῦ ϑεοῦ simt» ἀπο- στέλλω πρὸς [εἰς] ὑμᾶς προφήτας καὶ σοφοὺς καὶ γραμματεῖς: ἐξ αὐτῶν ἀποκτενεῖτε καὶ διώξετε, (35) ὅπως ἔλϑῃ ἐφ᾽ ὑμᾶς πᾶν αἷμα ἐκχυννόμενον ἐπὶ τῆς Y i2. u = i a γῆς ano αἵματος Abel ἕως αἵματος Ζαχαρίου, ov ἐφο- Q: Nr. 32—35. 97 z - - « Δε " x νεύσατε μεταξὺ τοῦ ναοῦ καὶ τοῦ ϑυσιαστηρίου. (36) 2 x - ` ἁμὴν λέγω ὑμῖν, ἥξει ταῦτα πάντα ἐπὶ τὴν γενεὰν ταύτην (8. 69). 34*, (M 10, 26—33; L 12, 2—9). (26) Οὐδέν ἐστιν κεκαλυμμένον o oC ἀποκαλυφθήσεται, καὶ κρυπτὸν ὃ οὐ γνωσϑήσεται. en ö λέγω ὑμῖν ἐν τῇ σκο- tig, εἴπατε ἐν τῷ φωτί' καὶ ὃ εἰς τὸ οὓς ἀκούετε, κηρύξατε ἐπὶ τῶν δωμάτων. (38) καὶ μὴ φοβεῖσϑε ἀπὸ τῶν ἀἄποκτεν- νόντων τὸ σῶμα, τὴν δὲ ψυχὴν μὴ δυναμένων ἀποκτεῖναι" φοβεῖσθε δὲ μᾶλλον τὸν δυνάμενον καὶ ψυχὴν καὶ σῶμα ἀπο- λέσαι ἐν γεέννῃ. (29) οὐχὶ δύο [πέντε] στρουϑία ἀσσαρίου [ἀσσαρίων B] πωλεῖται; καὶ fv ἐξ αὐτῶν οὐ πεσεῖται ἐπὶ τὴν γῆν ἄνευ τοῦ ϑεοῦ. (30) ὑμῶν δὲ καὶ αἱ τρίχες τῆς κεφαλῆς πᾶσαι ἠριϑμημέναι εἰσίν. (31) μὴ [οὖν] φοβεῖσϑε᾽ πολλῷ [aber schon in 0 stand πολλῶν] στρουϑίων διαφέρετε ὑμεῖς. (32) πᾶς "οὖν ὅστις ὁμολογήσει ἐν ἐμοὶ ἔμπροσϑεν τῶν ἀνθρώπων, ὁμολογήσει καὶ ὁ υἱὸς τοῦ ἀνϑρώπου [oder ὁμολογήσω κἀγὼ] ἐν αὐτῷ ἔμπροσθεν τῶν ἀγγέλων τοῦ ϑεοῦ: (35) ὅστις δὲ ἀρνήσηταί µε ἔμπροσθεν τῶν ἀνθρώπων, ἀρνήσομαι κἀγὼ αὐτὸν ἔμπροσθεν τῶν ἀγγέλων τοῦ ϑεοῦ (S. 14. 59). 34», (M 12, 32; L 12, 10). (33) καὶ ὃς ἐὰν εἴπῃ λόγον κατὰ τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀνϑρώπου, ἀφεϑήσεται αὐτῷ᾽ ὃς Ò ἂν εἴπῃ κατὰ τοῦ πνεύματος τοῦ ἁγίου, οὐκ ἀφεθήσεται αὐτῷ. 35. (M 6, 25—33; L 12, 22—31). (25) Διὰ τοῦτο λέγω ὑμῖν, μὴ μεριμνᾶτε τῇ φυχῇ ὑμῶν — πὶ φάγητε, μηδὲ τῷ σώματι ὑμῶν τί ἐνδύσησϑε: οὐχὶ ἡ ψυχὴ πλεῖόν ἐστιν τῆς τροφῆς καὶ τὸ σῶμα τοῦ ἐνδύματος; (36) ἐμ- βλέψατε εἰς τοὺς κόρακας [rà πετεινὰ τοῦ οὐρανοῦξ], ὅτι οὐ σπείρουσιν οὐδὲ ϑερίζουσιν οὐδὲ συνάγουσιν εἰς ἀποϑήκας, καὶ ὁ ϑεὸς τρέφει αὐτούς' οὐχ ὑμεῖς μᾶλλον διαφέρετε αὐτῶν; 67) τίς δὲ ἐξ ὑμῶν μεριμνῶν δύναται προσϑεῖναι ἐπὶ τὴν ἡλικίαν αὐτοῦ πῆχυν ἕνα; (28) καὶ περὶ ἐνδύματος τί μεριμνᾶτε; καταμάϑετε τὰ κρίνα πῶς αὐξάνουσιν' οὐ χοπιῶσιν οὐδὲ νή- Harnack, Sprüche Jesu. 7 98 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung οἷο, ϑουοιν' (29) λέγω dè ὑμῖν, [ὅτι] οὐδὲ Σολομὼν iv πάσῃ τῇ δόξῃ αὐτοῦ περιεβάλετο ὡς ὃν τούτω», (30) εἰ δὲ ἐν ἀγρῷ τὸν χόρτον σήμερον ὄντα καὶ αὐ ριον εἰς κλίβανον βαλλόμενον ὁ ϑεὸς οὕτως ἀμφιέννυσιν, οὐ πολλῷ μᾶλλον ὑμᾶς, ὀλιγόπιστοι; (31) μὴ οὖν μεριμνήσητε λέγοντες' τί φάγωμεν; Ñ τί πίωμεν; ἡ τί περιβαλώμεϑα; (32) πάντα γὰρ ταῦτα τὰ ἔθνη [τοῦ κόσμου) ἐπιζητοῦσιν" οἶδεν γὰρ ὁ πατὴρ ὑμῶν ὅτι χρήζετε τούτων ἁπάντων. (33) ζητεῖτε δὲ τὴν βασιλείαν αὐτοῦ, καὶ ταῦτα πάντα προστεϑήσεται ὑμῖν (S. 8). 36. (M 6,19- 21; L 12, 33. 34). (19) My ϑησαυρίζετε ὑμῖν ϑησαυροὺς ἐπὶ τῆς γῆς, ὅπου σὴς καὶ βρῶοις ἀφανίζει, καὶ ὅπου κλέπται διορύσσουσω» καὶ κλέπτουσιν" (30) ϑησαυρίζετε δὲ ὑμῖν ϑησαυροὺς ἐν 0 οὐρανοῖς, ὅπου οὔτε σὴς οὔτε βρῶοις ἀφανίζει, καὶ ὅπου κλέπται οὐ διορύσσουοιν οὐδὲ κλέπτουσιν' (21) ὅπου γάρ ἐστιν ὁ ϑησαυρός σου [ὑμῶν], ἐκεῖ ἔσται καὶ ἡ καρδία σου [ὑμῶν] (S. 49. 8). 37. (M 24, 43—51; L 12, 39. 40. 42—46). (43) Ἐκεῖνο δὲ γινώσκετε, ὅτι εἰ ἤθει. ὁ οἰκοδεσπότης ποίᾳ φυλακῇ ὁ κλέπτης ἔρχεται, ἐγρηγόρησεν ἂν καὶ οὐκ ἂν εἴασεν διορυχϑῆναι τὴν οἰκίαν αὐτοῦ. (44) [διὰ τοῦτο καὶ ὑμεῖς γί- νεσϑε ἕτοιμοι, ὅτι ᾗ οὐ δοκεῖτε ὥρᾳ ὁ υἱὸς τοῦ ἀνϑρώπου (45) τίς ἄρα ἐστὶν ὁ πιστὸς δοῦλος καὶ φρόνιμος, ὃν κατέστησεν ὁ κύριος ἐπὶ τῆς οἰκετείας αὐτοῦ τοῦ δοῦναι αὐ- τοῖς τὴν τροφὴν ἐν καιρῷ; (46) μακάριος ὁ δοῦλος ἐκεῖνος € ov ἐλϑὼν ὁ ὁ κύριος αὐτοῦ εὑρήσει οὕτως ποιοῦντα. (41) ἀμὴν λέγω ὑμῖν ὅτι ἐπὶ πᾶσιν τοῖς ὑπάρχουσιν αὐτοῦ καταστήσει αὐτόν. (48) ἐὰν δὲ εἴπῃ ὁ [κακὸς] δοῦλος ἐκεῖνος ἐν τῇ καρδίᾳ αὐτοῦ" (49) χρονίζει µου ὁ κύριος, καὶ ἄρξηται τύπτειν τοὺς συνδού- λους αὐτοῦ, ἐσϑίῃ δὲ καὶ πίνῃ μετὰ τῶν μεθυόντων, (50) ἥξει ὁ κύριος τοῦ δούλου ἐκείνου ἐν ἡμέρᾳ ý οὐ προσδοκᾷ καὶ ἐν ὥρᾳ ᾗ οὐ γινώσκει, (51) καὶ διχοτομήσει αὐτὸν καὶ τὸ μέρος αὐτοῦ μετὰ τῶν ὑποκριτῶν ϑήσει (S. 20). 38. (M 10, 34. 35. 36; L 12, 51. 53). (34) Δοκεῖτε, ὅτι ἦλϑον βαλεῖν εἰρήνην ἐπὶ τὴν γῆν; οὐκ hadov βαλεῖν εἰρήνην ἀλλὰ μάχαιραν. (35) ἦλϑον γὰρ διχάσαι ἄνϑρωπον κατὰ τοῦ πατρὸς αὐτοῦ καὶ ϑυγατέρα κατὰ τῆς —————————————— — Q: Nr. 36—43. 99 μητρὸς αὐτῆς καὶ νύμφην κατὰ τῆς πενϑερᾶς αὐτῆς. (36) [καὶ ἐχθροὶ τοῦ ἀνθρώπου οἱ οἰκιακοὶ αὐτοῦ! (S. 61). 39. (M 5,25. 26; L 12, 58. 59). (25) Ἴσθι εὐνοῶν τῷ ἀντιδίκῳ σου ταχὺ ἕως ὅτου εἶ μετ᾽ αὐτοῦ ἐν τῇ ὁδῷ' μή ποτέ σε παραδῷ ὁ ἀντίδικος τῷ κριτῇ καὶ ὁ κριτὴς τῷ ὑπηρέτῃ, καὶ εἰς φυλακὴν βληϑήσῃ’ (26) [ἀμὴν] λέγω σοι, οὐ μὴ ἐξέλϑῃς ἐκεῖϑεν, ἕως ἂν ἀποδῷς τὸν ἔσχατον κοδράντην (8. 41). 40. (M 13, 31—33; L 13, 18- 21). (33) [καὶ πάλιν εἶπεν] τίνι ὁμοιώσω τὴν βασιλείαν τοῦ - ς , ΄ e - OPERE. > H ϑεοῦ; ὁμοία ἐστὶν ζύμῃ, ἣν λαβοῦσα γυνὴ ἐνέκρυψεν εἰς ἀλεύ- [4 : et ρου σάτα τρία, ἕως οὗ ἐζυμώϑη ὅλον. Voran ging höchst- wahrscheinlich: τίνι ὁμοία ἐστὶν ἡ βασιλεία τοῦ ϑεοῦ, καὶ τίνι € € ^ d ὁμοιώσω αὐτήν; ὁμοία ἐστὶν κόκκῳ οινάπεως, ὃν λαβὼν av- D ~ 2 - - ^ H Ώρωπος ἔσπειρεν ἐν τῷ ἀγρῷ αὐτοῦ, καὶ ηύξησεν καὶ γίνεται e . H - > ~ (εἰς) δένδρον καὶ τὰ πετεινὰ τοῦ οὐρανοῦ κατασκηνοῖ ἐν τοῖς D 2 - d κλάδοις αὐτοῦ (S. 23). 41. (M 7,13. 14; L 13, 24). (13) Εἰσέλϑατε διὰ τῆς στενῆς πύλης' ὅτι πλατεῖα [ἡ πύλη] καὶ εὐρύχωρος ἡ ὁδὸς ἡ ἀπάγουσα εἰς τὴν ἀπώλεια», καὶ πολλοί εἶσιν οἱ εἰσερχόμενοι δι αὐτῆς. (14) ὅτι στενὴ ἡ πύλη καὶ τεϑλιμμένη ἡ ὁδὸς ἡ ἀπάγουσα εἰς τὴν ζωήν, καὶ ὀλίγοι εἰσὶν οἱ εὑρίσκοντες αὐτήν (S. 49). 42. (M 8,11. 12; L 13, 28. 29). (11) Λέγω ὑμῖν, ὅτι ἀπὸ ἀνατολῶν καὶ δυσμῶν ἥξουσιν καὶ ἀνακλιϑήσονται μετὰ ᾿4βραὰμ καὶ Ἰσαὰκ καὶ Ἰακὼβ ἐν τῇ βασιλείᾳ τοῦ Drog: (12) οἱ δὲ υἱοὶ τῆς βασιλείας ἐξελεύσονται [ἐκβληϑήσονται] ἔξω' ἐκεῖ ἔσται ὁ κλαυϑμὸς καὶ ὁ βρυγμὸς τῶν ὀδόντων (S. 56). 43. (M 23, 37—39; L 13, 34. 35). (37) Ἱερουσαλήμ, “Ἱερουσαλήμ, ἡ ἀποκτείνουσα τοὺς προ- φήτας καὶ λιϑοβολοῦσα τοὺς ἀπεσταλμένους πρὸς αὐτήν, πο- τα 100 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. o κ ; a » σάκις ἠϑέλησα ἐπισυναγαγεῖν và τέκνα Gov, OV τρόπον OQvic [ἐπισυνάγει] τὰ νοσσία [αὐτῆς] ὑπὸ τὰς πτέρυγας, καὶ οὐκ ἠθελήσατε' (38) ἰδοὺ ἀφίεται ὑμῖν ὁ οἶκος ὑμῶν ἔρημος. , M CL 2 , Hi 2 > ” ca KA KE (39) λέγω [γαρ] out, ov μὴ µε ἴδητε ἀπ ἄρτι ἕως αν [nsn ο 2 r ὅτε] εἴπητε: εὐλογημένος ὃ ἐρχόμενος ἐν ὀνόματι κυρίου (8. 35). 44. (M 23,12; L M, 1I). Hi c a (19) Ὅστις ὑψώσει ἑαυτὸν ταπεινωϑήσεται, καὶ ὅστις ταπεινώσει ἑαυτὸν ὑψωθήσεται (S. 25). (45. (M 10, 37; L 14, 26). (37) [Ὁ φιλῶν πατέρα ἢ μητέρα ὑπὲρ ἐμὲ οὐκ ἔστιν µου ἄξιος' καὶ ὁ φιλῶν υἱὸν ἢ ϑυγατέρα ὑπὲρ ἐμὲ οὐκ ἔστιν μου ἄξιος] (S. 61). 46. (M 10,38; L 14, 27). (38) Ὃς οὐ λαμβάνει τὸν σταυρὸν αὐτοῦ καὶ ἀκολουθεῖ 2 , H » Lm cx τ ὀπίσω µου, ovx ἔστιν µου ἄξιος (S. 62). . 47. (M 5,13; L M, 34, 35). (13) Ὑμεῖς ἐστε τὸ alas [τῆς γῆς] ἐὰν δὲ τὸ ἅλας uow- ρανϑῇ, ἐν τίνι ἀλισϑήσεται; εἰς οὐδὲν ἰσχύει ἔτι εἰ μὴ βληϑὲν ἔξω καταπατεῖσϑαι ὑπὸ τῶν ἀνθρώπων (8. 40). 48. (M 18, 12. 13; L 15, 4—7). (12) Ti ὑμῖν δοκεῖ; ἐὰν γένηταί τινι ἀνϑρώπῳ ἑκατὸν πρόβατα καὶ πλανηϑῇ ἓν ἐξ αὐτῶν, οὐχὶ ἀφήσει τὰ ἐνενήκοντα ἐννέα ἐπὶ τὰ ὄρη καὶ .πορευϑεὶς ζητεῖ τὸ πλανώμενον; (13) καὶ ἐὰν γένηται εὑρεῖν αὐτό, [άμὴν] λέγω ὑμῖν, ὅτι χαίρει ἐπ᾽ αὐτῷ μᾶλλον ἢ ἐπὶ τοῖς ἐνενήκοντα ἐννέα τοῖς μὴ πεπλανημένοις (8. 65). ` 49. (M 6, 24; L 10, 13). (24) Οὐδεὶς δύναται δυσὶ κυρίοις δουλεύειν ἢ γὰρ τὸν ἕνα μισήσει καὶ τὸν ἕτερον ἀγαπήσει, ἢ ἑνὸς ἀνθέξεται καὶ τοῦ ἑτέρου καταφρονήσει: οὐ δύνασϑε ϑεῷ δουλεύειν καὶ μαμωνᾷ (5. 8). Q: Nr. 44—56. 101 50. (M 11, 12. 13; L 16, 16). (13) Oi προφῆται καὶ ὁ νόμος toc Ἰωάννου" ἀπὸ τότε ἕως ἄρτι ἡ βασιλεία τοῦ ϑεοῦ βιάζεται, καὶ βιασταὶ ἁρπάζουσιν αὐτήν [oder: Arno τῶν ἡμερῶν Ἰωάννου ἕως κτλ. πάντες γὰρ οἱ προφῆται καὶ ὁ νόμος ἕως Ἰωάννου ἐπροφήτευσαν] (S. 15). 51. (M 5, 18; L 16, 17). (19) [μὴν λέγω ὑμῖν], ἕως ἂν παρέλϑῃ ὁ οὐρανὸς καὶ ἡ γῆ, ἰῶτα ëv ἡ µία κεραία οὐ μὴ παρέ}ϑῃ ἀπὸ τοῦ νόμου (8. 41. 52. (M 5,32; L 16, 18). (32) [Ἐγὼ λέγω ὑμῖν] πᾶς ὁ ἀπολύων τὴν γυναῖκα αὐτοῦ ποιεῖ αὐτὴν μοιχευϑῆναι, καὶ ὃς ἐὰν ἀπολελυμένην γαμήση, μοιχᾶται (5. 41). 53. (M 18,7; L 17,1). (7) ᾿Ανάγκη ἐλϑεῖϊνττὰ σκάνδαλα, πλὴν οὐαὶ τῷ ἀνθρώπῳ, δὲ οὗ τὸ σκάνδαλο» ἔρχεται (S. 24). 54. (M 18, 15. 21. 22; L 17,3. 4). (15) Ἐὰν ἁμαρτήσῃ ὁ ἀδελφός σου, ἔλεγξον αὐτόν" ἐάν σου ἀκούσῃ, ἐκέρδησας τὸν ἀδελφόν Gov. — — ... ποσάκις ἁμαρτή- σει εἰς ἐμὲ ὁ ἀδελφός µου καὶ ἀφήσω αὐτῷ; ἕως ἑπτάκις; λέγει 3 we € 2 - H D e c , 2 3 , ς , αὐτῷ ο Ιησοῦς' ov λέγω σοι ἕως ἑπτακις, ἄλλα ἕως ἑβδομή- κοντα ἑπτά (S. 66). 55. (M 17, 20»; L 17, 6). (20) Ἐὰν ἔχητε πίστιν ὡς κόκκον σινάπεως, ἐρεῖτε τῷ ὄρει τούτῳ᾽ μετάβα ἔνϑεν ἐκεῖ, καὶ μεταβήσεται (S. 65). 56. (M 24, 26. 27. 28. 37—41; L 17, 23. 24. 37. 26. 27. 34. 35). (26) Ἐὰν οὖν εἴπωσιν ὑμῖν' ἰδοὺ ἐν τῇ ἐρήμῳ ἐστίν, μὴ ἐξέλϑητε᾽ ἰδοὺ ἐν τοῖς ταμείοις, μὴ πιστεύσητε' (27) ὥσπερ γὰρ ἡ ἀστραπὴ ἐξέρχεται ἀπὸ ἀνατολῶν καὶ φαίνεται ἕως δυσμῶ», οὕτως ἔσται ἡ παρουσία τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀνθρώπου" (28) ὅπου ἐὰν y τὸ πτῶμα, ἐκεῖ συναχϑήσονται οἱ ἀετοί. (37) Ὥσπερ ci ἡμέραι τοῦ Νῶε, οὕτως ἔσται ἡ παρουσία 102 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. ~ ς ~ ἕν. , ς ` 5 2 € p τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀνδρώπου' (38) oc γαρ 70ev ἐν ταῖς ἡμέραις [ἐκείναις] ταῖς πρὸ τοῦ κατακλυσμοῦ τρώγοντες καὶ πίνοντες, γαμοῦντες καὶ γαμίξοντες, ἄχρι ÑG ἡμέρας εἰσῆλϑεν Νῶε εἰς τὴν αιβωτό», (39) καὶ οὐκ ἔγνωσαν ἕως ἦλθεν ὁ κατακλυσμὸς καὶ ἦρεν ἅπαντας, οὕτως ἔσται ἡ παρουσία τοῦ υἱοῦ τοῦ ἀν- ϑρώπου. (40) ἔσονται δύο ἐν τῷ ἀγρῷ, εἷς παραλαμβάνεται καὶ εἷς 3% $ D 34 ^c 2 - " ^ " ἀφίεται' (41) dvo ἀλήϑουσαι ἐν τῷ μύλῳ, µία παραλαμβάνεται καὶ μία ἀφίεται (S. 14). 57. (M 10, 99; L 17, 33). (39) Ὁ εὑρὼν [0c ἐὰν εὕρῃ] τὴν ψυχὴν αὐτοῦ ἀπολέσει αὐτήν, καὶ ὃς ἂν ἀπολέσει [ὁ ἀπολέσας] τὴν ψυχὴν αὐτοῦ εὑρήσει αὐτήν (S. 62). 58. (M 25, 29; L 19, 26). (29) Τῷ ἔχοντι [παντὶ] δοϑήσεται καὶ περισσευϑήσεται᾽ τοῦ δὲ μὴ ἔχοντος καὶ ὃ ἔχει ἀρθήσεται ἀπ᾽ αὐτοῦ (S. 28). 59. (M 19, 28; L 22, 28. 30). (28) 'Ρμεῖς oi ἀκολουϑήσαντές uot. ... καϑίσεσϑε ἐπὶ δώ- dexa ϑρόνους κρίνοντες τοὺς δώδεκα φυλὰς τοῦ Ισραήλ (8. 67). II. Sprachliches. Jeder der drei Synoptiker (am ausgeprügtesten Lukas) hat, wenn auch nicht einen festen, einheitlichen Stil, so doch zahl- reiche lexikalische, stilistische und grammatische ldiotismen.!) Ein so charakteristisches Geprüge besitzen die Stücke nicht, die wir hier ausgeschieden haben. Aus lexikalischen und stilistischen Gründen läßt sich ihre Einheitlichkeit nicht oder nur unsicher behaupten. A) Lexikalisches. (1) Verba. Abgesehen von εἶναι umfaßt „Q“ c. 166 verba simplicia (an c. 475 Stellen) und c. 82 verba composita (an c. 168 Stellen), nämlich: 1) Das Beste darüber bei Hawkins, Horae Synopticae (1899) p.1ff. Q: Nr. 57—59. Lexikalisches: Verba simplicia. ἀγαλλιᾶσϑαι 3. ἀγαπᾶν 6(ter). 49. αἴρειν 2. 56. 58. αἰτεῖν 5. 28 (quin- quies). ἀκολουθεῖν 19. (bis). 46. 59. ἀκούειν 12 (bis) 13. 14 (ter). 26 (quater). 30. 342. 54. ἀλήϑειν 56. ἀλίζειν AT. ἁμαρτάνειν 54 (bis). | ἀριθμεῖν 348, ἀρκεῖν 10. ἀρνεῖσθαι 34% (bis). ἁρπάζειν 50. 17| ἄρχεσθαι (1). 14. 37.| δουλεύειν 49 (bis). ἀσπάζεσθαιθ.20 (bis). αὐλεῖν 15. | αὐξάνειν 35. 40. ἀφανίζειν 36 (bis). βάλλειν 1. 2. 13. 35. 38 (bis). 39. 47. βαπτίζειν 1(bis). βασανίζειν 13. | βαστάζειν 1. 20. βιάζεσθαι 50. βλέπειν 8.14. 26 (bis). βούλεσθαι 25. βρέχειν (6). γαμεῖν 52. 56. γαμίζειν 56. γέμειν 33 (bis). γίνεσθαι 2. 23 (bis). 25. 29. 30. 37. 40. 48(bis). γινώσκειν 11. 25 (bis). ἐσθίειν 15 (bis). 21.22. Ικλέπτειν 36(bis). 342, 37(bis). 56. 6. 10. | Γἐγγίζει» 16. 22. γράφειν3 (quater). 14. γρηγορεῖν 3T. δαιμονίζεσθδαι 29. δανίζεσϑαι 5. δεικνύειν 3. δεῖσθαι 18. δεσμεύειν 33. δέχεσθαι 22 (bis). (quater). διδάσκει» (3). διδόναι 2. 5. 28(ter). 30. 37. δικαιοῦν 15. διχάζειν 38. διχοτομεῖν 37. διώκει» 3(bis). 6. 33. δοκεῖν 1. 37. 38. 45. 58. δύνασϑαι 1. 342 (bis). 35. 49 (bis). | ἐᾶν 37. | ἐγείρειν 1. 14 (bis). 30. εἶναι vv. 1]. εἰπεῖν -1.2 (quater). 3. 8.13 (quater vel ter). 14 (bis). 17 (bis). 22. 25. 30. 33. 34* (bis). 34^ (bis). 37. 40. 43. 55. 50. ἐλέγχειν 54. ἐρημοῦν 29. ἔρχεσϑαι 1 (bis). 12 (bis). 13(ter). 14. 15 (bis). 20. 29. 30. 33. 37(ter). 38(ter). 43. 53 (bis). 56. 37. 103 εὐαγγελίζεσθαι 14. εὐλογεῖν 43. εὐνοεῖν 39. εὑρίσκειν 13. 28 (bis). 29 (bis). 37. 41. 48. 57 (bis). ἔχειν M. C6: ΠΠ; 17 (bis). 55. 58 (ter). ζῆν 2. ζητεῖν 28 (bis). 29. 35. 48. ζυμοῦν 40. ἥκειν 33. 37. 42. 43. ϑάπτειν 11 (bis). θαυμάζει» 13. ϑεᾶσϑαι 14. ϑέλειν (ἐϑέλειν) 4.5. 7. 30. 33. 43(bis). θεμελιοῦν 12. 'ϑεραπεύειν 13. 39. ϑερίζξειν 35. -ϑησαυρίζειν 36 (bis). ϑ-λίβειν ΔΊ. ϑρηνεῖν 15. ἰᾶσϑαι 13 (bis vel semel). ἰδεῖν 1. 14(bis) 26 (bis). 30. 43. ἱστάναι 2. ἰσχύειν AT. καίειν 31. καθαρίζει» 14. 33. καλύπτειν 945. κεῖσϑ'αι 1. κερδαίνειν 54. κηρύσσειν 16. 945. κινεῖν 33. κλείειν 33. 104 κλίνειν 17. κολλᾶσϑαι | κονιᾶν 33. χοπιᾶν 35. κόπτεσϑαι 15 κοσμεῖν 29. κρίνειν 4. 8 (quater). 59. κρούειν 28 (bis). κρύπτειν 35. 34. λαλεῖν 39. λαμβάνειν 4. 28. 40 (bis). 46. λάμπειν 31. λατρεύειν 9. λέγειν 1(bis).2(bis).(3). 6. 11.12. 13 (quater). 14 (bis). 15 (ter). 16. 17 (bis). 18. 22 (bis). 23.26.29.30.33 (bis). 348, 35 (ter). 37. 39. 42.43.48.51.54(bis). λιϑοβολεῖν 43. μαρτυρεῖν 33. μεϑύειν 3T. μέλλειν 1. μένειν 21. μερίζειν 39. μεριμνᾶν 35 (quater). μετρεῖν 8 (bis). ἀμφιεννύναι 14. 35. ἀναβλέπειν 14. > , ἀναγεσϑαι 2. ἀνακλίνειν 42. ἀνατέλλειν 6. > , ἄνισταναι 30. | wıoetv 49. μοιχεύειν 52 (bis). μωραίνειν AT. νήϑειν 35. νηστεύειν 2. ὀδηγεῖν 9. οἶδα 28.33. 95. 37. 39.| οἰκοδομεῖν 12 (bis).33. ὁμοιοῦν 12(bis). 15. 40 (bis?). ὁμολογεῖν 943 (bis). ὀνειδίζειν 3. ὀρχεῖσθαι 15. πεινάζειν 3. πεινᾶν 8. πειράζειν 3 (218). πέμπειν 14. πενϑεῖν 3. πίνειν 15 (bis). 21. 35. 37. 56. πίπτειν 9. 12. 848, πιστεύειν (18). 56. πλανᾶσθαι AS(ter). πληροῦν 33. πνέειν 12(ter). ᾿ποιεῖν 1 (bis). 6 (ter). 7(bis). 11(ter). 12 (ter). 13 (bis). 37. 52. πορεύεσθαι 13(bis). 14(bis). 16. 29. 48. | ἀνοίγειν 28. 2 !ἀντέχομαι 49. ἀπαγγέλλειν 14. ἀπάγειν ΛΊ (bis). Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung ete. προφητεύειν (50). πωλεῖν 948, ῥαπίζειν 4. σαλεύειν 14. σαροῦν 29. σκανδαλίζειν 14. σχορπίζειν 29. σπείρειν 35. 40. στρέφει» 4. σχολάζειν 29. ταπεινοῦν 44(bis). τιϑέναι 31. 37. τρέφει» 35. τρώγειν 56. τύπτειν 37. ὑψοῦν 23. 44(bis). φαγεῖν 35(bis). φαίνεσϑαι 33. 56. φέρει» 11. φεύγειν 1. φθάνειν 29. φιλεῖν (45) (bis). φοβεῖσθαι 34? (ter). φονεύειν 33 (bis). φορεῖν 14. χαίρειν 3. 48. χορτάζει» 3. χρήζειν 35. χρονίζειν 37. φεύδεσθαι 3. ἀπέρχεσθαι 17 (bis). |ἀποϑεκατοῦν 33; &rodiðóvat 39. Γἀποκαλύπτειν |. (bis). 34°. !ἀποκρίνεσϑαι 2. 13. 14. 25 1 ἐκχύνειν 33. | ἐξέρχεσθαι Lexikalisches: Verba simplicia und composita. B ἀποκτείνειν 33. 348| ' (bis). 43. ' ἐπολλύναι (bis). - ἐπολύειν 52 (bis). | ἀπομάσσεσθαι 22. - ἐποστέλλειν 14. 19.) 24. 33. 43. ἀποστρέφεσθαι 5. ἀφιέναι 3. 4. 8. 17.| 27 (bis). 33 (bis). 940 (bis) 43. 48. 54. 56 (bis). 51| 348. 57| διαβλέπειν S. διακαϑαρίζειν 1. | διαφέρειν 945. 35. | διέρχεσθαι 29. διορύσσειν 36 (bis).37. | | -— εἰσέρχεσθαι12.19(018). καὶ 20. 22(bis). 29: 33 B. (ter). 41(bis). — εἰσφέρειν 27. ἐκβάλλειν S(bis). 18. | 29(ter). (42?). | ἐκκόπτειν 1. | ἐκπειράζειν 3. 14 (ter). Γἐξομολογεῖσθαι 25. | ‚Emudwuelv 26. Γἐπιτιθέναι 33. | 2 , !Ιἐπιτρεπειν 17. Ικαθίζεσθαι ἱκατακρίνειν 90 (bis). | κατανοεῖν 8. «καταφρονεῖν 49. 'κατοικεῖν 29. 105 22. 29(bis). 39. 42.| μεταβαίνειν 55 (bis). 56 (ter). 'μετανοεῖν 23. 30. ἐξιστάναι 29. | à παραδιδόναι 25. 39. Γπαρακαλεῖσδαι 8. 19. Ἱπαραλαμβάνεν 2 (bis). 29. 56 (bis). παρατιϑέναι 22. Ιπαρέρχεσθαι 51 (bis). ἐπιδιδόναι 2S(bis). . Γπαρομοιᾶξειν 33. ἐπιζητεῖν 30. 35. | 2 - jet περιβάλλειν 35 (bis). ἐπιστρέφειν 30. 29. | Tegerareiv 14. 33. ἐπισυνάγειν 43. ἐγκρύπτειν 40. ἐμβλέπειν 35. ἐνδύνειν 35. ἐντελεῖν 2. Ἱπροσδοκᾶν 14. 37. προσέρχεσϑαι 19. προσεύχεσϑαι 6. προσκόπτειν 3. 19. προσκυνεῖν 3 (bis). προσπίπτειν 13. προστιϑέναι 35 (bis). προσφωνεῖν 15. (καδῆ- σθαι) 15. 59. | καϑιστάναι 37 (bis). EA 12 (bis). 2D. 1. συλλέγειν 11. συνάγειν 1. 29. 35. καταμανϑάνειν 35. | 56. καταπατεῖν AT. | κατασκευάζει» 14. | ὑπάγειν (13). κατασκηνοῦν 40. ! ὑπάρχειν (Partiz.) 37. 'Ὁποδεικνύναι 1. 12.! 1) Von diesen 82 Composita finden sich 24 sonst bei Matth. nicht, | nämlich: ἀμφιεννύναι, ἀνάγεσθαι, ἀντέχεσϑαι, ἀποδεκατοῦν, ἀπομάσσεσθαι, διαβλέπειν, διακαϑαρίζειν, διέρχεσθαι, διορύσσει», εἰσέρχεσθαι, ἐκπειράζειν, ἐξιστάναι, ἐγκρύπτει», ἐπιδιδόναι, καταμανϑάνειν, κατανοεῖν, κατασκευάζειν, παρομοιάζειν, προσδοκᾶν, προσκόπτειν, προσπίπτειν, προστιϑέναι, προσ- ` φωνεῖν, ὑποδεικνύναι. 106 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. Das Verhältnis der Simplicia zu den Composita ist von Inter- esse, Es verhält sich wie 100: 50 und stimmt genau mit dem ` im Johannesevangelium und im Jakobusbrief vorliegenden überein!. Im Johannesbrief ist das Verhältnis der Simpl. zu den Compos. gar nur wie 100:18, dagegen im I. Petrusbrief wie 100 : 63, im Judasbrief wie 100 : 78, im Epheserbrief wie 100 : 79. Luk. hat prozentual c. 66 Proz. Composita mehr als Matth., wührend Mark. jenem fast gleichkommt. Die verhältnismäßig geringe Zahl von Composita (namentlich wenn man die absolute Zahl der Stellen berücksichtigt: 475 Simpl. zu 168 Compos) in Q darf als Beweis für die nahe Verwandtschaft mit dem Semitischen angeführt werden?, Die Composita sind fast durchweg die allergelüufigsten?, ja in der Mehrzahl solche, bei denen die Präposition ihren rein sinnlichen Charakter bewahrt hat oder die gar nicht mehr als Composita empfunden wurden. Eigentümlich ist nur etwa óta- βλέπειν in 8, διακαθαρίζειν in 1, διορύσσει» in 36 u. 37 (s. Job 24, 16; Exod. 22, 2; Jerem. 2, 34), ἐπιζητεῖν in 90 u. 35, ἐμβλέπειν in 35, προσπίπτειν in 12. Composita mit ὑπέρ und πρό fehlen ganz. Auch die Simplicia sind so gut wie sümtlich ganz ge- lüufige Verba; eine Ausnahme bilden nur διχάζειν (38; fehlt in der LXX), διχοτομεῖν. (37, im N. T. nur hier, vgl. Exod. 29, 17), κονιᾶσϑαι (33, s. Act. 23, 3), σαροῦσϑαι (29, s. noch Luk. 15, 8, spätere Nebenform zu σαΐρεσθαὺ. Eine Konstanz oder Prädi- lektion im Gebrauch bestimmter Verba läßt sich kaum nach- weisen. Von den 82 Composita kommen nur 25 in mehr als einem Stück vor (nämlich ἀμφιεννύναι, ἀποκαλύπτειν, ἀποκρί- νεσϑαι, ἀποκτείνειν, ἀπολλύναι, ἀποστέλλειν, ἀφιέναι, διαφέρειν, διορύσσειν, εἰσέρχεσϑαι, ἐκβάλλειν, ἐξέρχεσϑαι, ἐπιζητεῖν, èn- στρέφειν, καϑίζεσϑαι, καταβαίνειν, μετανοεῖν, παραδιδόναι, παρακαλεῖσϑαι, παραλαμβάνει», περιπατεῖν, προσδοκᾶν, προῦ- 1) Johannes: e. 209 Simpl., ο. 100 Compos.; Jakobus: 126 Simpl., 64 Compos. Es ist aber bei Joh. zu berücksichtigen, daß das einzelne verbum simplex viel häufiger vorkommt als das einzelne verbum com- positum. | 2) Bei Johannes ist die Sparsamkeit im Gebrauch der Composita auch so zu deuten; doch ist hier wahrscheinlich noch eine bewußte schrift- stellerische Absicht in Anschlag zu bringen. 3) Ein Bieompositum findet sich nur einmal (in 43: ἐπισυνάγειν), aber, wie sich zeigen wird, in einem Zitat. ' i Lexikalisches: Substantiva und Adjektiva. 107 κόπτειν, συνάγειν, ὑποδεικνύναι); hier ist lediglich die Wiederkehr von διαφέρει», διορύσσειν, besonders aber von ἀφιέναι wichtig. Von den 166 Simplicia finden sich nur 51 in mehr als einem Stück (ἀγαπᾶν, αἴρειν, αἰτεῖν, ἀκολουϑεῖν, ἀκούειν, ἄρχεσθαι, ἀσπά- ζεσθαι, αὐξάνειν, βάλλει», βαστάζειν, βλέπειν, γαμεῖν, γίνεσθαι, γυ"ώσχει», γράφει», δέχεσϑαι, διδόναι, διώκειν, δοκεῖν, δύνασϑαι, ἐγγίζειν, ἐγείρειν, εἰπεῖν, ἔρχεσθαι, ἐσϑίει», εὑρίσκει», ἔχει», ζητεῖν, ἥκει», ϑέλειν, ϑεραπεύειν, ἰδεῖν, καϑαρίζειν, κηρύσσειν, κρίνειν, κρύπτει», λαμβάνειν, λέγει», οἶδα, οἰκοδομεῖν, ὁμοιοῦν, πίνειν, πίπτειν, [πιστεύειν], ποιεῖν, πορεύεσϑαι, σπείρειν, τι- ϑέναι, ὑψοῦν, φαίνεσθαι, χαίρει): keines derselben (außer etwa ἐγείρειν in 1. 14. 30, das pleonastische ἄρχεσθαι in [1]. 14. 37, ἀκολουθεῖν, ἀσπάζεσθαι, βάλλειν und δοκεῖν) ist charakteristisch. Daß die 60 Stücke zusammengehören, läßt sich also aus den verbis simpl. et compos. kaum erhárten. (2) Substantiva und Adjektiva. Was von den Verba gilt, gilt auch von den Substantiva und Adjektiva: Die Zusammengehórigkeit der Stücke kann aus ihnen kaum begründet werden. Auffallendere Worte und Begriffe sind überhaupt selten, und sie finden sich in der Regel nur je einmal. Doch darf vielleicht auf folgendes verwiesen werden: Πάσας τὰς βασιλείας τοῦ κόσμου καὶ τὴν δόξαν αὐτῶν (2) und Σολομὼν ἐν πάσῃ τῇ δόξῃ αὐτοῦ (35); τὰς βασιλείας τοῦ κόσμου (2) und τὰ ἔϑνη τοῦ κόσμου (35); Brot und Stein in 2 und 28; die ἀποθήκη in 1 und 35; ἀνατολή und δυσμοί in 42 und 56; die Häufigkeit des Worts βασιλεία; der Gebrauch von γενεά in 15. 30. 33, von δένδρον in 1. 11.u. 40, von δοῦλος in 10 und 37, von ἡ ἔρημος in 2. 14 u. 56, von ὁ ἐρχόμενος in 1. 14 u. 43, von Ἱσραήλ in 13 und 59, von κλέπτης (zus. mit διορύσσειν) in 36 und 37, von oí ὄχλοι in (1) 14 u. 29, von περισσόν in 6 u. 14, von τὰ πετεινὰ τοῦ οὐρανοῦ in 17. 35 u. 40, von πίστις (13. 55: verschiedene Glaubensgrade), von σοφία in 15. 30 und (33), von τελώνης in 6 und 15, von ὑποκριτής in 8 und 37. Bemerkenswert ist die große Anzahl substantivierter Ad- jektiva. Letzteres erklärt sich aus der semitischen Grundlage. Eigennamen sind sehr spärlich (Abel, Abraham, Jakob, Jonas, Isaak, Israel, Nineviten, Noa, Salomo, Zacharias, Johannes [der Täufer], Pharisäer, Beelzebul, Mammon; Bethsaidan, Chorazin, 108 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. Gomorrha, Jerusalem, Jordan, Kapernaum, Sidon, Sodom). Keiner der Jünger Jesu ist genannt, nicht einmal Petrus; durch Zufall fehlt (von einer Stelle abgesehen [Nr. 10]) auch in dem uns erhaltenen Text der Name οἱ µαθηταί für sie (in 14 sind nicht Jünger Jesu gemeint); aber das ist eben nur Zufall: zahlreiche Stellen beziehen sich auf sie, und in Nr. 59 ist von zwölf Thronen die Rede für die Gefolgschaft Jesu. Wichtig ist dieser Begriff: „of ἀκολουϑοῦντες“ (bzw. ἀκολουϑεῖν) in Q (13. 17. 46. 59). Der Ausdruck ὁ Χριστός für Jesus findet sich nur einmal (14). Was die Bezeichnung 0 κύριος für Jesus anlangt, so ist es nicht ganz sicher, ob Matth. 7, 21 (Luk. 6, 46) in Q gestanden hat; aber das ist in diesem Zusammenhang ebenso gleichgiltig wie das κύριε im Munde des Hauptmanns (in 13): Q selbst nennt Jesum nie «ὁ κύριος"; die Bezeichnung für ihn ist einfach „Jesus“ (s. 2. [13]. 17 u. 54). In bezug auf die Adjektiva ist hóchstens der Gebrauch von ἄξιος (1. 20. 21. 45. 46), μακάριος (3. 14. 26. 37), ὅλος (32. 40), πολύς (3. 18 bei μισθός und bei ϑερισμός) und πονηρός (11. 29. 30. 32) bemerkenswert. Im folgenden gebe ich ein vollständiges Verzeichnis der Substantiva und Adjektiva: ”4βελ 33. ἄλευρον 40. ἀποθήκη 1. 35. ᾿4βραάμ 1(bis) 42. |ἅλων 1. ἀπώλεια 41. ἀγαθά, τά 28(bis) | ἀλώπηξ 17. ἁρπαγή 33. ἀγαθοί, οἱ ϐ. ἁμαρτωλός, ὁ 15. | ἄρτος 2(bis). 27. 28. ἀγαπῶντες, οἱ 6. } ἄμμος 12. ἀσσάριον 845. . ἄγγελοι»2. 14.948 (bis).| ἀνάγκη 58. ἀστραπή 56. ἀγορά 15. ἀνάπαυσις 29. ἄχυρον 1. ἀγρός 35. 40. 560. | ἀνατολή 42. 56. βαλλάντιον 20. ἀδελφός 6. Bier ἄνεμος 12(bis) 14. βάπτισμα 1. 54 (ter). ἄνηθον 33. βαπτιστής (14). ἄδης 23. ἀνήρ 12(bis) 30. βαρύτερα, ta 33. ἄδικοι, οἱ (6). ἄνθρωπος 2. Τ. 19. βασιλεία 3. 12. 14. ἀετός 56. 14. 15 (bis). 11. 28.| 16. 29(bis). 33. 35. αἷμα 33(quater). 29(bis) 30. 33 (ter).| 40(bisP) ` 42(bis) 4 ἀκαθαρσία 33. 948 (ter). 38 (bis).| 50. ἀχάνθαι 11. (40). 47. 48. 53. | βασιλεύς 14. (26). ἀκρασία 33. ἀντίδικος 39(bis) | βασίλισσα 30. ἅλας 47 (bis). ἀξίνη 1. Ῥεελζεβούλ 29. Lexikalisches: Substantiva und Adjektiva. : Βηϑοαιδάν 23. βιαστής 50. - βόϑυνον 9. βροχή 12(bis). ` βρυγμός 42. — βρῶσις 36 (bis). | γέεννα 348, γενεά 15. 30 (quater). 33. γέννημα 1. : γεννητός, ὁ 14. γῆ 22. 25. 30. 33. 348. 36. 38. (47). 51. Γομόρρα 22. γθαμματεύς 33. γυνή 14. 40. 52. δαιμόνιον 15.29 (bis). Φάκτυλος 33. Φένδρον . 1(bis). (quinquies). 40. - δεσμωτήριον 14. Φιάβολος 2(bis). διδάσκαλος 10018). δίκαιοι, οἱ (6). διώκοντες, οἱ 6. Φοκός $(ter). δόμα (28). δόξα 3. 35. δοῦλος 10(bis) 19. 37 (quater). δύναμις 23. | $vouóc 42. 56. δώδεκα, οἱ (indirekt) E 5ο, δῶμα 945, | ἐθνικοί, ot 6. | ἔθνος 35. | εἰρήνη 20(bis). (bis). 11 38 ἑκατόνταρχος 13(ter vel bis). ἔλεος 33. ἔνδυμα 35 (bis). ἐξουσία 13. ἔξωθεν, «o 33. ἐργάτης 18(bis). 21. ἔργον 14. ἔρημος, ἡ 2. 14. 56. ἐρχόμενος, ὁ 1. 14. 49. ἔσχατα, τά 29. εὐδοκία 25. ἐχϑροί, οἱ 6. (38). ἐχίδνη 1. Ζαχαρίας 33. ζύμη 40. ζωή 41. ἠδύοσμον 33. ἡλικία 35. ἥλιος 6. ἡμέρα 2. 22. 23. 33. 31. (50). 56 (ter). ϑέλημα 12. θεός 1. 2(bis). 12. 14. 16. 29 (bis). 33 (bis). 94 (ter). 35 (bis). 40 (bis?). 49. 49. 50. ϑερισμός 18(ter). ϑησαυρός 36(ter). ϑρίξ 348. ϑρόνος 59. ϑυγάτηρ 38. (45). ϑυσιαστήριον 33. Ἰακώβ 42. ἱερόν, τό 2. Ἱερουσαλήμ 2. A3(bis). Ἰησοῦς 2 (ter). (13).17. 54. 109 ἱμάτιον 4. Ἰορδάνης 1. Ἰσαάκ 42. Ἰσραήλ 13. 59. ἰχθύς 28. Ἰωνᾶς 30 (quater). Ἰωάννης 1. 14 (qua- ter). 15. 50. ἰῶτα 51. καιρός 25. 37. κάλαμος 14. καρδία 36. 37. καρπός (bis). (quinquies). 11 κάρφος S(ter). κατακλυσμός 56 (bis). κατασκήνωσις T. Καφαρναούμ 19. 23. χεραία 51. κεφαλή 1T. 945. [κήρυγμα 90. χιβωτός 56. κλάδος 40. κλαυϑμός 42. κλέπτης 36(bis). 37 κλίβανος 35. κοινωνοί, oi 33. κόκκος 40. 55. κοδράντης 39. κονιορτός 22. κόραξ 35(). κόσμος 230: |zoZua 8. κρίνον 35. χρίσις 22. 23. 30 (bis). 33. κριτής 29. 39 (bis). κύμινον 33. SM κύριος 2 (bis). 10 (bis). 12 (bis). 13 (bis). 18. 25. 37(quater). 43. 49. κωφός, ὁ 14. 29(bis). λεπρός, 0 14. λίθος 1. 2(bis). 28. λόγος 12 (bis). 19. 84», λύκος 19. λυχνία 31. λύχνος 31. 32. μαθητής 10(bis). 14. (18). μαλακά, τά 14(bis). μαμωνᾶς 49. μάχαιρα 38. µέρος 37. μέσον (19). μετάνοια 1 (bis). μέτρον 8. 99. μήτηρ 38. (45). μικρότερος, ὁ 14. μισθός 3. 6. μόδιος 31. μῦλον 56. ναός. 33. νεκρός, d 14. 17 (bis). νήπιος, ὁ 35. Νινευείτης 30 (bis). νόμος 33. 50. 51. νοσσία, τά 43. νότος 90. νύμφη 98. Νώε 56 (bis). ὀδός 14.20.39.41 (bis). ὀδούς 42. | οἰκετεία 37. olxía 12(quater) 13. 20 (bis). 21.. 31. 37.| οἰκιακός (38). οἰκοδεσπότης 37. oixoc 14. 99. 43. οἰνοπότης 15. ὀλιγόπιστος, ὁ 35. ὄνομα 43. ὀργή 1. ὄρνις 43. ὄρος 2. 48. 55. ὀστέον 33. οὐρανοί 3. 36. οὐρανός 17. 93. 35. 28354059515 οὓς 36. 345, ὀφειλέτης 27: ὀφείλημα 27. ὀφϑαλμός 8 (sex). 26. 32(ter). ὄφις 28. ὀχλοι 1. (8). 14. 29. παιδίον 15. παῖς 13(ter vel bis). παραλυτικός, ὁ 13. παρουσία 56 (ter). παροψἰς 33. πατήρ 1.6 (bis).12. 17. 25(quater). 27. 28. 33 (bis). 35. 38. (45). πεινῶντες, οἱ 3. , € πειράζων, ο 2. πειρασμός 27. πενϑερά 38. πενϑοῦντες, οἱ 3. πέρατα, τά 90. περισσόν, τό 6. 14. 'περίχωρος, ἡ 1. πετεινά, τά 17. (85). 40. πέτρα 12(bis). Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. πήρα 20. πῆχυς 35. πίοτις 13. 55. πλατεία 22. πνεῦμα (1). 2.29 [von bósen Geistern: 29 bis]. τὸ ἅγιον 84», πόλις 22 (quater) πονηροί, οἱ 6. πονηρόν, TO 3. ποταμός 12(bis). ποτήριον 98. ποῦς 2. 22. πρόβατον 19. 48. πρόσωπον 14. προφήτης 3. 14(bis). 26. 33(ter). 43. 50. πρώτα, τά 29. πτερύγιον 3. πτέρυξ 48. πτύον 1. πτώμα 56. πτῶσις 12. πτωχός, ὁ 3. 14. πύλη 41(bis vel ter). ῥίξα 1. 3 σάκκος 23. σάτον 40. σημεῖον 30 (quing.). ons 36 (bis). σιαγών 4. Σιδών 23 (bis). σίναπι 40. 55. οἵτος 1. σκάνδαλον 53 (bis). σκοτία 348, σκότος 32 (bis). Σόδομα 22. ( r - Σολομῶν 30 (bis). 35.| σοφία 15. 30. à σταφυλή 11. - στρουϑίον 34*(bis). | - σύνδουλος 37. ῳ Ὁ σῶμα 32 (ter). 34? (bis). reiege 6. 15. 1 ἅγιος (1). 34», ` ἄδηλος 33. - ἀνεκτός 22. 23. - ἄνυδρος 29. i ἁπλοῦς 92. ἄσβεστος 1. Lexikalisches: Substantiva und Adjektiva. Σοφία 33. σοφός, 0 25. 33. σποδός 23. σταυρός 46. στέγη 19. στρατιώτης 19. σῦκον 11. , € συνετος, 0 25. . 35 (his). ταμεῖον 56. τάφος 33 (ter). τέκνον 1. 15. 28. 43. ἀγαθός 11(bis). ἀκάϑαρτος 29. ἄξιος 1. 20(bis). 21. (45)(bis). 46. ἀρκετός 10. βαρύς 33(bis). δεινῶς 13. δεξιός 4. ἐπιούσιος 27. ἔρημος 43. ἔσχατος 39. τόπος 29. τρίβολος 11. τρόπος 43. τροφή 21. 35. 91. Τύρος 23 (bis). τυφλός, ὁ Ibis). 14. ὕδωρ 1. (viol τ. βασιλείας 43. υἱός 6. 29. 33. (45). υἱὸς v. ἀνϑρώπου 15. 17. 30. (349). 345. (37). 56 (ter). υἱὸς v. ϑεοῦ 2(bis). 29. ὑπάρχοντα, τά 37. ὑπηρέτης 99. ὑπόδημα 1. 20. ὑποκριτής 8. 37. φάγος 15. ἕτοιμος 37. εὐρύχωρος 41. ἱκανός 1. 13. ἰσχυρός 1. κακός (37). καλός 1. 11(bis). κρυπτός 945. μακάριος ` 3(quater). 14. 26. 3T. μέγας 12. 14(bis). μοιχαλίς 30. νεκρός 33. οἰκτίρμων 6(bis). ὀλίγος 18. 41. ὅλος 32(bis). 40. ὅμοιος 12(bis). (ter 2). 40 111 Φαρισαῖοι 33 (quater). Ἰφίλος, ὁ 15. φορτίον 33. φυλακή 91. 39. φυλή 59. φωλεός 17. φῶς 32. 342. yelo 1. 2. χιτών 4. Χοραζείν 23. χόρτος 35. Χριστός 14. χωλός, 0 14. ψυχή 34% (bis), 35 (bis). 57 (bis). ὤμος 33. | ga (13). (37). 37. | | . πιστός 37. πλατύς 41. πολύς [1]. 3. 18. 26. 30 (bis). 342. 35 (bis). 41. πονηρός 11(bis). 29. 90. 32. σαπρός 11 (bis). σκοτεινός 232. στενός 44 (bis). ταχύ 39. ὑψηλός 2. φρόνιμος 37. φωτεινός 32. χείρων 29. ὡραῖος 33. Die Schliehtheit und Einheitlichkeit des Vokabulars scheint mir doch für die Einheitlichkeit von Q ins Gewicht zu fallen. 112 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. (3) Prüpositionen. Unter den Präpositionen fehlen παρά, σύν und ἐνώπιον (dafür ἔμπροσϑεν "mal: am häufigsten ist ἐν (e. 59mal und in der verschiedensten Bedeutung), sodann ἐπί (c. 28mal) und εἰς (c. 28mal), ferner ἀπό (16mal), ἐκ (13mal) Man gewahrt die semitische Grundlage. Seltener sind διά, ἕως, µετά (nur im Sinne von ,mit^ und ὑπό (8, 9, 9 und 10mal)!, Κατά findet sich nur 7mal (stets mit dem Gent, im Sinne von „gegen“; mit Akk. Nr. 20 ist unsicher), πρός und ὑπέρ 5mal, περί nur 4mal, πρό 3mal, ἄχρι, μεταξύ, ἄνευ, ὀπίσω je 1mal. Das Fehlen von παρά und σύν ist wiehtig; denn παρά findet sich sonst bei Matth. 18—20 mal (und zwar mit allen drei móglichen Casus) bei Luk. 29—30 mal; σύν bei Matth. 2—3mal, bei Luk. 24—26mal. Man darf in dem Fehlen der Präposition παρά geradezu ein Charakteristikum von Q erkennen? — Ein paar Male finden sich Substantiv(Adjektiv)bildungen mittelst des Ar- tikels und einer Prüposition?. B) Grammatisches und Stilistisches. Die häufigste Verbindung der Sätze in Q geschieht durch καί (semitisch)*, δέ tritt ihm gegenüber sehr zurück; es findet sich kaum 30mal (μέν... δέ nur 3mal in 1. 18. 33). -Auch γάρ ist nicht eben häufig, c. 20mal (in 13: καὶ γάρ). 'E&» ist doppelt so häufig wie εἰ. Letzteres findet sich nur c. 10mal® (2. 1) “Ἕως kommt als Konjunktion noch 6mal vor (s. 29: ἕως ὅτου; 39. 43. 51: ἕως ἄν; 40: ἕως οὗ; 56: ἕως ἦλϑεν). And findet sich auch bei Partikeln, ἀπὸ τότε 50 [τότε auch noch 8 und 29], ἀπ᾿ ἄρτι 43. 2) Παρά findet sich mit allen drei Casus auch bei Mark.; bei Joh. ist es mit dem Gent, und Dat. häufig, fehlt aber mit dem Akk. In Q würde es stehen, wenn man den Text in Nr. 21 einfach für den Text von Q nehmen dürfte; aber da Matth. fehlt, fehlt die Gewähr dafür. 3) Vgl. 3: ot πρὸ ὑμῶν, 23: ὁ ἐξ οὐρανοῦ, 81: οἱ ἐν τῇ οἰκίᾳ, 32: τὸ ἐν σοί (21: τὰ παρ αὐτῶν). 4) Man vgl. z. B. Nr. 12 und 13. Auch soi im Nachsatz ist nicht r selten, s. z. B. 13. 35. 5) Οὖν findet sich ein Dutzendmal, vgl. 1 (beim Imper.). 1. 6 (beim imperativischen Futur), 12. 18. 23. 32 [bis]. 34a [bis, aber an der einen Stelle unsicher] 35 (beim Imper.) 56. 4ιὰ τοῦτο steht in 29. 33. 35. (31). 6) Dazu εἰ μή (= außer) 3mal (s. 25. 30. 47); daneben auch πλήν (23. 53). Grammatisches und Stilistisches. 113 [bis]: εἰ υἱὸς εἶ τοῦ ϑεοῦ, εἰπὲ ἵνα bzw. βάλε. 28: εἰ οἴδατε ἀγαϑὰ διδόναι τοῖς τέκνοις, πόσῳ μᾶλλον ὁ πατὴρ δώσει. 29 [bis]: εἰ ἐν Βεελζεβοὺλ ἐκβάλλω, οἱ υἱοὶ ἐν τίνι ἐκβάλλουσιν; εἰ ἐν πνεύματι ϑεοῦ ἐκβάλλω, ἄρα ἔφϑασεν. 33: εἰ τὸ φῶς σκότος ἐστί», τὸ σκότος πόσον; 35: εἰ ἐν ἀγρῷ τὸν χόρτον ὁ ϑεὸς ἀμφιέννυσι», οὐ πολλῷ μᾶλλον ὑμᾶς; 23: εἰ ἐν Τύρῳ ἐγένοντο αἱ δυνάμεις, πάλαι ἂν μετενόησαν. 33: εἰ ἤμεϑα ἐν ταῖς ἡμέραις τῶν πατέρων, οὐκ ἂν Justa. 31: εἰ ἤδει ὁ οἱ- κοδεσπότης ποίᾳ φυλακῇ ὁ κλέπτης ἔρχεται, ἐγρηγόρησεν ἂν καὶ οὐκ ἂν εἴασεν). "Av findet sich außer den vier eben ange- führten Stellen noch 14. 34*. 52. 57 (ὃς ἄν). 25 (ᾧ ἄν). 39. 43. 51 (ἕως ἄν). 56 (όπου ἄν)!. Die Partikel re findet sich niemals, also auch nicht τε... καί, während Matth. und Luk. sie bieten. Οὐδέ kommt c. 10mal vor, οὔτε... οὔτε einmal (36), μηδέ einmal (35), μήτε... μήτε einmal (15), einmal auch das fragende μήτι (11), οὐ μή dreimal (39. 43. 51), ἡ... ἡ einmal (49). Temporale Sätze mit oc fehlen ganz?; dafür treten einfache Partizipialsütze ein; der Gent absol findet sich nur einmal (14), aber nicht in den Worten Jesu, sondern im Referat (τούτων πορευομένων). Partizipialkonstruktionen im obigen Sinne und zum Ersatz von Relativsätzen sind außer- ordentlieh hüufig, auch mehrere (koordinierte und subordinierte) Partizipien finden sich nebeneinander. Die Konstruktion von εἶναι mit dem Partizipium, die dem Luk. so geläufig ist, ist aber sehr selten; ich finde sie nur in 56. Der Ace. ο, inf. kommt, soviel ich sehe, nur einmal vor (53). Zwecksätze werden öfters durch den bloßen Infinitiv ausge- drückt (s. 2. 14 [3mal] 37 [hier mit dem Gent, des Artikels]. 38 [3mal]. 47); ἵνα und ὅπως sind nicht häufig. Jenes findet sich nur in folgenden Verbindungen: εἰπὲ ἵνα οἱ λίθοι ἄρτοι γένων- 1) Unsicher ist Nr. 22: εἰς ἣν ἄν. Ὅταν findet sich nur 2mal (3 und 29), ὅτε niemals (denn 43 ist sehr zweifelhaft). 2) Ὡς ist durchweg — gleichwie, s. 6. 10. (13). 27 (ὡς καθ. 33. 35. 56; vgl ὥσπερ in 30 und 56 [bis]; καθώς fehlt. "Ov τρόπον findet sich einmal (43). Οὕτως wird im Nachsatz gebraucht, s. 7 (πάντα ὅσα ἐὰν ϑέλητε . . . οὕτως ποιεῖτε). 30. b6[ter]. ὥσπερ (ὡς) .. . οὕτως: s. dazu im Hauptsatz 3. 11. 37. — Ὅστις findet sich einige Male (4. 12[bis]. 33. 94[bis]. 44[bis]. — “Ὅπου steht auch einige Male (auch im Sinne von „wohin‘“), s. 17.36.56 (mit darauf folgendem ἐκεῖ 36 und 56; ἐκεῖ auch 55). Harnack, Sprüche Jesu. 8 114 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. ται (2), ὅσα ἐὰν ϑέλητε ἵνα ποιῶσιν ὑμῖν οἱ ἄνϑρωποι (T), μὴ κρίνετε ἵνα μὴ κριϑῆτε (8), ἀρκετὸν τῷ μαϑητῇ ἵνα γένη- ται ὡς ὁ διδάσκαλος (10), οὐκ εἰμὶ ἱκανὸς ἵνα µου ὑπὸ τὴν στέ- γην εἰσέλθῃς (13; aber in 1 ist ἑκανός mit dem Inf. verbunden). Nur die dritte Stelle entspricht dem klassischen Gebrauch. Ὅπως steht nur 3mal (6: ὅπως γένησθε υἱοὶ τοῦ πατρός, 18: δεήϑητε τοῦ κυρίου ὅπως ἐκβάλῃ ἐργάτας, 98: ὅπως ἔλϑῃ ἐφ᾽ ὑμᾶς πᾶν αἷμα. Mn im Sinne von „ne“ findet sich nur im LXX -Zitat (in 2) und in 39 (beide Male übrigens μή ποτε). Mit ὅτι eingeleitete Sätze (im Sinne von „daß“, „denn“ und „weil“) sind häufig; sie finden sich etwa 33 mal und bieten nichts Bemerkenswertes, “Qore im Sinne von „itaque“ findet sich ein- mal (33); dagegen fehlt ὥστε consecut. wahrscheinlich ganz, denn in 29 ist es unsicher. Die verschiedenen, dem Lukas so geläufigen Konstruktionen, die mit γίνομαι ge- bildet sind und aueh bei Matth. sich finden, fehlen ebenfalls ganz. Das ist von Wichtigkeit. Pleonastisches γίνεσθαι steht nur einmal (48: ἐὰν γένηται εὑρεῖν). Charakteristisch für die Stücke ist der umfangreiche Ge- brauch, der von der Frage gemacht wird? mit und ohne Frage- partikeln®); man vgl. 1. 6. 8. 11. (12). 14. 15. (17). 23. 28. 20. 32. 945, 35. 37. 38. 40. (43). 47. 48. 54. Diese Fragen geben den Reden eine gewisse Einheitlichkeit; dazu kommt die nicht selten angewandte Parataxe und der Parallelismus membrorum. Nicht wenige Sprüche sind in dieser einfachen Kunstform gefaßt. Zu- sammen drücken die stilistischen Mittel den Sprüchen einen ein- heitlichen Stempel auf. Vom Praesens hist. ist nicht häufig Gebrauch gemacht (s. 2. 13. 17. 18. 40. 55) Das Imperf. findet sich fast nie (doch s. 29. 30); der Optativ fehlt ganz. Charakte- ristisch ist der häufige Pleonasmus des persönlichen Pronomens und die überreichliche Anwendung von αὐτός in den obliquen 1) Der Partikelgebrauch sonst bietet kein besonderes Interesse. Es finden sich ἀλλά (12. 18. 14[bis]. 31. 38. 54; hier ist nur der Gebrauch in 14 beachtenswert), ἀμήν (14. 26. 33. 37. 39. 48), ἄρα (29. 37), ἤδη (1), ναί (14. 25), νῦν (33) etc. : 2) Auch der häufige Gebrauch des Futurums in ganz konstanter ΒΘ» deutung ist zu beachten, 3) 8. πῶς 8.35; πόσῳ μᾶλλον 28; οὐ πολλῷ μᾶλλον 35 [μᾶλλον auch noch 948. 35. 48]; ποσάκις 43. 54; ἢ 28. 35. οἷο. Formelle Charakteristik des Inhalts von Q. 115 Casus (mehr als 100mal) Beides ist semitisch. Endlich wäre eine nicht geringe Anzahl nichtklassischer, z. T. ebenfalls aus dem Semitischen zu erklärender Konstruktionen in der Mehrzahl der Stücke aufzuführen, wie solche schon bei ἵνα oben bemerkt worden sind; doch würde es zu weit führen, sie einzeln namhaft zu machen (s. εἰπὲ λόγῳ und Ähnliches). Alle diese Merkmale zusammen, besonders auch die nega- tiven, geben den Abschnitten bzw. ihrer großen Mehrzahl doch eine gewisse Einheitlichkeit und unterscheiden sie vom Stile des Mark., Matth. und Lukas. Man kann ihre Einheit aus lexikalischen und stilistischen Beobachtungen nicht sicher erweisen; aber man wird — zumal wenn man überschlägt, wie verschieden und bunt die in ihnen enthaltenen Stoffe sind — anerkennen müssen, daß sie eine gewisse einheitliche grammatische und stilistische Art und Farbe haben. III. Formelle Charakteristik des Inhalts. , Die ausgeschiedenen 60 Stücke (Nr. 34 zählt doppelt) bestehen aus 7 Geschichten, 11 (12) Gleichnissen (Gleiehnisworten), 13 Spruchgruppen (Reden) und 29 kürzeren oder längeren Sprüchen. Die 7 Geschichten enthalten die Versuchungsgeschichte (2), die Erzählung vom Hauptmann zu Kapernaum (13), die Frage des Johannes im Gefängnis und die Antwort Jesu (14), die Ge- schichte von dem, der seine Bereitwilligkeit zur Nachfolge Jesu erklürte, und dem, der zuvor seinen Vater begraben wollte (17), die Heilung eines Dümonischen und die Beelzebulrede (29), die Zeichenforderung samt der Antwort Jesu (30) und die Frage, wie oft man vergeben soll, sowie den Bescheid Jesu (54). Es sind also nur zwei Wundererzählungen (und zwar Heilungs- geschichten?) in Q enthalten, von denen die eine ein besonders großes Wunder darstellt, eine Heilung in Fernwirkung. Die Einleitung zu einzelnen dieser Geschichten kann in Q länger ge- wesen sein, aber wir vermögen das nicht mehr festzustellen. Ein Motiv für die Auswahl gerade dieser 7 Geschichten läßt sich zunächst nicht ermitteln: sie haben nichts Gemeinsames mit- einander. Wichtig ist, daß (in 23) die Städte Chorazin, Beth- saidan und namentlich Kapernaum als die Hauptstätten der Wirk- S* 116 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. samkeit Jesu hervortreten (über Jerusalem in 43 s. u). Ebenso wichtig ist es, wie stark die Bedeutung des Johannes Baptista betont ist. Zu der Rede über ihn in Anlaf seiner Zweifelfrage, die sich in 15 fortsetzt, tritt, vorangehend, der Bericht über seine Bußtaufpredigt (1) und, nachfolgend (50), das Zeugnis, daß er die Periode des Gesetzes und der Propheten abschließt. Von den Jüngern Jesu ist in den Geschichten nicht die Rede. Folgende Gleichnisse und Gleichnisworte umfaßte Q: von den blinden Blindenleitern (9), vom guten und schlechten Baum (11), vom Haus auf dem Fels und auf dem Sand (12), von den spielenden, anspruchsvollen Kindern (15), von den Schafen und Wölfen (19), vom Licht unter dem Scheffel (31), vom nächtlichen Dieb und vom gewissenhaften und gewissenlosen Hausmeister (37), vom rechten Verhalten zu dem Widersacher (39), vom Sauerteig und vom Senfkorn (40), von der engen Pforte und dem schmalen Weg (41), vom verlorenen Schaf (48). Acht von diesen Gleich- nissen beziehen sich auf den Einzelnen ohne jede nähere Be- stimmung, nur zwei auf das Gottesreich, eines auf das gegen- wärtige Geschlecht (15) und eines auf die Jünger (19) Dieses Vorwalten der Beziehung auf den Einzelnen ist bemerkenswert, bemerkenswert auch, daß die beiden Reichgottesgleichnisse nicht eschatologisch sind und enge zusammengehóren (s. darüber unten). Mit dem Ausblick auf das Ende schließen die Gleichnisse in 12. - 37. 39. (41). Ohne einer genaueren historisch-kritischen Be- leuchtung vorzugreifen, läßt sich schon bei flüchtiger Betrach- tung sagen, daß die Gleichnisse den Eindruck hoher Ursprüng- lichkeit machen. Die 13 Spruehgruppen (Reden)! lassen sich sachlich so gruppieren: die Bußtauf-Rede des Täufers samt dem Hinweis auf den Kommenden (1) — die Makarismen (3), die Feindes- liebe (6), Nicht-Richten; Splitter und Balken (8), das Vaterunser und die Macht des Bittens (27. 28), Nicht-Fürehten und Nicht- Sorgen, Nicht-Schätze-Sammeln (8345, 35. 36) — die große Exho- mologese an den Vater (25) — das große Wehe über die Schrift- gelehrten und Pharisäer (33) — Nicht Frieden, sondern das Schwert (38) — die falschen Messias’; die Parusie des Menschen- sohns (56). — Für die Beurteilung von Q ist es besonders 1) Daß außer ihnen 16. 18—24 zu einer Rede gehören, ist sehr wahrscheinlich. Formelle Charakteristik des Inhalts von Q. 117 wichtig, daß die Quelle auch eine Predigt des Täufers enthält, ferner daß formelle Belehrungen über die bessere Gerechtigkeit und genaue Anweisungen über Gebet, Fasten und Almosen . fehlen, während doch eine ethische Gesetzgebung in 3. 6. 8. 27. 28. 345, 35. 36 mitgeteilt ist. In den Reden über das Verhältnis zum Vater, zu den Schriftgelehrten und Pharisäern, zur Welt und in- der Rede über die Parusie sind die wichtigsten Be- ziehungen ad extra enthalten, da das Verhältnis zum Täufer in der Geschichte Nr. 14 (auch schon in Nr. 1) zum Ausdruck ge- kommen ist. Die 29 kürzeren oder längeren Sprüche haben einen weniger bunten Inhalt, als es auf den ersten Blick erscheint; manche von ihnen können mit mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit als Teile von Reden in Q aufgefaßt werden, deren Ergänzung aber unsicher bleiben muß; von anderen läßt sich sofort er- kennen, daß sie entweder unter sich zusammengehören oder sich an die größeren Spruchgruppen anlehnen. Neun von den Sprüchen gehören sachlich und vielleicht auch formell zu der ethischen Gesetzgebung, nämlich 4 (Schlag auf den Backen, Verzicht auf das geraubte Kleid), 5 (dem Bittenden gib), 7 (die goldene Re- gel), 32 (das Auge ist des Leibes Licht), 44 (wer sich selbst erhöhet), 49 (nicht zwei Herrn dienen), 57 (wer seine Seele findet), 58 (wer da hat, dem wird gegeben), 52 (gegen die Ent- lassung der Ehefrau). — Fünfzehn Sprüche gehören als besondere Anweisungen und Verheißungen an die Jünger zusammen, näm- lich 10 (der Schüler nicht über dem Lehrer), 16 (predigt die Nähe des Gottesreichs), 18 (große Ernte, wenige Arbeiter), 19 (ich sende euch wie Schafe), 20. 21 (Verhalten bei der Hausmission), 22. 23 (Städtemission, Sprüche über die galiläischen Städte), 24 (wer euch aufnimmt, nimmt mich auf), 26 (selig die Augen und Ohren der Jünger), 55 (der Berge versetzende Glaube), 45 (wer Vater oder Mutter mehr liebt), 46 (sein Kreuz auf sich nehmen), 47 (ihr seid das Salz), 59 (ihr werdet sitzen auf den zwölf Thronen). Von den noch übrigen Sprüchen lehnt sich 50 (Ge- setz und Propheten bis Johannes) an die Geschichte Nr. 14 an; der Spruch über Jerusalem (43) sowie der Spruch, daß die Kinder des Reichs hinausgestoßen werden, während die Heiden kommen werden (42), gehören sachlich zusammen und können an das große Wehe (33) angelehnt werden. Ganz für sich stehen 118 Cap 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung οἷο. die Sprüche von dem Menschensohn und dem hl. Geist (949), von den Árgernissen (53) und von der Unvergünglichkeit des Gesetzes (51). Der erste Eindruck, den man empfángt, wenn man den Inhalt von Q überschaut, ist ein zwiespültiger. Zumeist scheint der Stoff in zusammenhangslose Teile auseinander zu fallen, und dieser Eindruck kann nicht ganz überwunden werden; aber so- bald man sieh des Inhalts der drei Evangelien erinnert und Q mit diesem vergleicht, erscheint Q unzweifelhaft einheit- licher als jedes derselben. Was steht nicht alles im Matth. und Luk. und nicht minder im Mark. friedlich neben einander! Auch wenn man von den Kindheitsgeschichten absieht — welch' eine Fülle von ganz verschiedenen Interessen, aber auch von Widersprüchen kreuzt sich in jenen Evangelien! Wer würde es denn glauben, daß das, was Matth. Luk. oder was Mark. er- zühlt, jemals in einem Buche gestanden hat, wenn uns das Buch nieht als einheitliches und ganzes überliefert wäre? Ihnen gegen- über ist der ermittelte Inhalt von Q geradezu einheitlich. Eine grofie Anzahl von Gesichtspunkten und Tendenzen, die in jenen Evangelien walten, fehlt hier ganz. Ist es für Mark. charakteristisch, daß er das Übermensch- liche in Jesus hervorhebt, den Gottessohn, für Matth., daß er einen großen Teil des evangelischen Stoffes unter dem Gesichts- punkt der Gemeinde (Urgemeinde) behandelt und in eine lehr- hafte, 3üdisch-antijüdische Darstellung in apologetischem Interesse bringt, für Lukas, daß er in hellenistischer Weitherzigkeit die Züge Jesu als des Heilandes in den Vordergrund schiebt, so fehlen alle diese Tendenzen in Q. Man hat hier vielmehr den Eindruck, daf es dem Verf. lediglich um die Gebote Jesu und um eine Charakteristik seiner Verkündigung zu tun war, die durch keine besondere und partikulare Tendenz beeinflußt er- scheint; vielleicht irrt man nicht bei der Annahme, daß daneben die Auswahl durch die Absicht bestimmt war, das Selbstzeugnis und die Verkündigung Jesu in ihren charakteristischen Haupt- zügen an besonders deutlichen Beispielen aufzuweisen. Die Messianität (Gottessohnschaft), im Eingange begründet, wird in der Sammlung selbst als nicht weiter kontrovers einfach vor- ausgesetzt. Der geographische Horizont von Q ist der galilüsche, und zwar noch viel stärker als bei den Synoptikern. Ob Q über- Formelle Charakteristik des Inhalts von Q. 119 haupt über Galiläa hinübergreift, muß gefragt werden. Man ' verweist auf Nr. 43, aber ich halte es (mit Schmiedel, Das 4. Ev. gegenüber den 3 ersten [1906] S. 45 f£) für sehr unwahr- scheinlich, daß diese Worte über Jerusalem als Worte Jesu in Q standen. Es ist oben gezeigt worden, daß in Nr. 33 die Worte Matth. 23, 34—36 (Luk. 11, 49—51) ein Zitat aus einer apokryphen jüdischen Schrift sind, in welcher die Weisheit Gottes redete; denn so bezeichnet Luk. (also Q) den Autor, und Jesus kann unmöglich gesagt haben, daß er Propheten und Weise und Schriftgelehrte sende Nun aber folgen bei Matth. unmittelbar darauf und ohne neue Einführung (23, 37—38) die Worte über Jerusalem (Luk. bringt sie erst 13, 34). Es ist daher an sich sehr wahrscheinlich, daß sie noch zum Zitat ge- hören, daß es also die Weisheit ist, die da spricht: ποσάκις ἠθέλησα ἐπισυναγαγεῖν τὰ τέκνα σου. Sie hat eben durch die Sendung der Propheten, Weisen und Schriftgelehrten, welche von Jerusalem getótet worden sind, diese Sammlung vergeblich versucht (während im Munde Jesu dieses ποσάχις samt der Klage über die getóteten Propheten, Weisen und Schriftgelehrten, die er gesandt haben soll, in der Luft schwebt, bzw. unmöglich ist)!. Erst die Worte: λέγω [γὰρ] ὑμῖν, οὐ μή µε ἴδητε κτλ. (Matth. 23, 39; Luk. 13, 35) sind im Sinne von Q eigene Worte Jesu? Also kann man aus Nr. 43 nichts über nähere Be- 1) Auch der Stil ist etwas anders als der der Worte Jesu in Q, Ov τρόπον kommt sonst in Q nieht vor (es wird nur ὡς gebraucht); Verba mit doppelter Präposition fehlen sonst. Doch will ich darauf kein Gewicht legen. ς 2) Der Sachverhalt ist mithin folgender: in Q war Matth. 23, 34—38 als ein von Jesus zur Bekrüftigung gebrauchtes Zitat gegeben und v. 39 als eigenes Wort Jesu angehüngt. Dadurch war eine gewisse Unsicherheit über den Umfang des Zitats geschaffen. Die Folge war, dab Matth. das Zitat als solches überhaupt strieh und alles in eine Rede Jesu ver- wandelte (doch kann man mit Hilfe ‘des Luk. in dem διὰ τοῦτο die Spur der Verwischung noch erkennen), Luk. das Zitat unmittelbar vor dem Appell an Jerusalem abbrach, diesen abtrennte und an besonderer Stelle als eignen Spruch Jesu gab. Ist das richtig, so ergibt sich aber ferner noch, daß Luk. Verse, die in Q zusammenstanden, ausein- ander gerissen hat. Das ist wichtig. Es hat also nicht überall Matth. Stellen aus Q, die dort nicht zusammenstanden, willkürlich verbunden, sondern es hat umgekehrt auch Luk. Zusammengehöriges getrennt. 120 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung ete. ziehungen Jesu zu Jerusalem schließen; indessen bleibt es doch überwiegend wahrscheinlich, daß 33 und 43 in Jerusalem ge- sprochen sind; denn sie sind als in Galiláa gesprochen weniger begreiflich!, Mit Jerusalem, welches also außer dem Wehe über die Pha- risäer in Q ganz fehlt, fehlt auch die Passion und fehlen alle Beziehungen auf sie in Q. Der eine versprengte Spruch vom Aufnehmen des eigenen Kreuzes (46) würde im besten Fall, wenn er wirklich in Q gestanden hat, nur einen indirekten Hin- weis auf die Passion bedeuten und das Jonaszeichen (30) hat nach dem Bericht in Q mit der Passion schlechterdings nichts zu tun. Das also, was in den synoptischen Evangelien . nach dem Vorgang des Markus die Hauptsache ist — die Vorbereitung der Passion, die auf sie bezüglichen Reden und die Passion selbst —, hat, soviel wir zu ur- teilen vermógen, in Q vollstándig gefehlt. Hierin liegt der fundamentale Unterschied zwischen den Evange- lien und Q. Dieses ist überhaupt kein Evangelium wie jene. Es muß ihm aber dann auch die Zielstrebigkeit der Erzählung gefehlt haben, ja auch jeder den Anfang mit dem Ende verknüpfende Faden; denn welch ein Ziel und welcher Faden ließe sich denken, wenn die Passion samt dem Passions- gedanken unberücksiehtigt blieb? Q kann also in der Haupt- sache nur eine Sammlung von bunten Redestücken gewesen sein. Man darf nicht einwenden, daß Matth. und Luk. jene Partien beiseite gelassen haben können. Wenn von Luk. 17, 34 bis zum Schluß nur noch zwei versprengte Verse als aus Q stammend nachgewiesen werden kónnen, oder wenn aus Matth. 15, 15 bis zum Schluß nur ganz wenige Einzelverse aus ο. 17. 18. 19. 25 und ein paar größere Abschnitte aus c. 23. 24 Q angehören, so kann das nicht Zufall sein. Eine Quelle, die den Evangelisten für ihre erste Hälfte so reichen und ausgezeichneten Stoff bot, "wäre von ihnen auch ferner noch benutzt worden, wenn sie Weiteres enthalten hätte. Aber hat nicht einer von beiden aus irgend welchen Gründen die Quelle fallen lassen kónnen, der 1) Immerhin hat man sich zu erinnern, daß Mark. 7, 1 erzählt wird: συνάγονται πρὸς αὐτὸν οἱ Φαρισαῖοι καί τινες τῶν γραμματέων ἐλϑόντες ἀπὸ Ἱεροσολύμων, cf. 7, 5 οἷς, Die Akoluthie der Stücke. 121 andere aber ihr folgen, so daß sein Sondergut im letzten Drittel seiner Schrift der Quelle entnommen wäre? Das ist möglich, und es wird daher das Sondergut jedes der beiden Evangelisten daraufhin untersucht werden müssen. Bis dahin können wir auf Grund des vorliegenden Tatsachen-Materials nur urteilen: Q ist eine nicht auf die Passion orientierte Sammlung von Reden und Sprüchen Jesu mit so gut wie aus- schließlich galiläischem Horizont, ohne nachweisbare besondere, sei es apologetische, didaktische, religions- politische oder nationale (antinationale) Tendenzen. Sofern sich eine Absicht bei der Sammlung über die Didaskalia (Katechese) hinaus überhaupt ermitteln läßt, hat eine solche vielleicht in dem Bestreben bestanden, die Hauptbeziehungen Jesu in einer gewissen Vollständigkeit zur Darstellung zu bringen. Vielleicht hilft uns eine Untersuchung der Akoluthie der Stücke weiter. IV. Die Akoluthie der Stücke. Da wir Matth. von Luk. als unabhängig betrachten dürfen und umgekehrt, so ist die gleiche Reihenfolge, in der sie nicht im Mark. stehende Stücke bringen, für die Reihenfolge in der Quelle beweisend. Das ist von den Kritikern mit Recht be- merkt und jüngst von Wernle und Wellhausen (Einleitung S. 65 ff.) untersucht worden. Zunächst zeigen die ersten dreizehn Stücke eine frappierende eegener i in der Reihenfolge: (1) Luk. 3, 7—9. 16. 17 = Matth. 3, 7—12 (der Täufer). (2) „ 4,1—13 — „41-11 (die Versuchung). 9). 6,390. 1-23 = „ 5,246. 11. 12 (Rede- Einleitung; die Makaris- men). An: 6-29 — , 95,399. 40 (Schlag auf den Backen, Raub des Mantels). (ae 40:6, 30 = 5, 42 (dem Bittenden gib). (0) „ 6,27.28.35,. 32. 33. 36 — Matth. 5, 44—48 (Fein- í desliebe). In 6. ok — Matth. 7, 12 (goldene Regel). (8 4, 60,31.38.41.42— , 7,1—5 (Nicht-Richten, Splitter und Balken). 122 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung. etc. [(9) Luk. 6,39 — Matth. 15, 14 (Blindenleiter)]. (10 „ 640 , 10,24. 25 (der Schüler nicht über dem Lehrer)] ὍΠΗ tes 4ο} ἀν — Matth. 7,16—18; 12, 33 (der gute und der faule Baum). (12 „6, 46—49 — „7,21. 24—27 (das, Haus auf dem Fels und das auf dem Sand). (13) 10 D, 98; 8, 5—10. 13 (Rede- Abschluß; der Hauptmann von Kapernaum). Man hat hiernach zu urteilen, daß Q mit der Täuferpredigt begonnen hat, daß dann die Versuchungsgeschichte folgte, so- dann bedeutende Teile der sog. Bergpredigt!, die mit der Be- merkung schlossen: „Nachdem Jesus diese Worte gesprochen hatte, ging er nach Kapernaum hinein“, worauf sofort die Er- zählung vom Hauptmann folgte. Der hierher gehörige Stoff in Luk. c. 3. 4. 6. 7 findet sich (bis auf Luk. 6, 39. 40) vollstándig bei Matth. c. 3. 4. 5. 7 und 8 mit ganz geringen Umstellungen. Nun läßt Luk. c. 7, 18—35 fin Nr. (14) und (15)] die Rede über den Täufer folgen; Matth. bringt sie erst im 11. Capitel und schiebt vorher die Stücke über Nachfolge und die An- weisungen an die Jünger ein; diese stehen bei ihm c. 8, 19—22; c. 9, 37. 38 und in e. 10; bei Luk. sind sie [Nr. (16—22). (24). (34). (38). (45). (46). (57)] verteilt in den ec. 9, (2). 57—60; 10, 9. (8).5.6. (79). 9. 11. 12. (16); 19, 2—9. 51.53; 14, 26. 27; 17, 33. Auf den ersten Blick scheint es unmöglich, in diesen Wirr- warr Licht zu bringen und die Reihenfolge der Quelle zu ent- decken, aber sobald man das Zusammengehórige tabellarisch nebeneinander schreibt, ordnet sich das Chaos in überraschender Weise. Es entsprechen sich: (16) (Luk. 9, 9 und Matth. 10, 7) {1}. ρου... zu 8 19s-22 1) Über den Ort differieren Matth. und Luk. Jener sagt (5,1) ἀνέβη | εἰς τὸ ὄρος, dieser (6, 17) καταβὰς ἔστη ἐπὶ τόπου πεδινοῦ. Aber beide stimmen darin überein, daß ein großes Volk (ὄχλος) anwesend war, daß aber die Rede an die Jünger gehalten ist. Diese Angaben müssen in der Quelle gestanden haben. Die Akoluthie der Stücke. 123 (18) Luk. 10, 2 und Matth. 9,37. 38 (19) ( , 10,3 k „ 10, 163) GL! o OASIS 20.1919: (231) ( , 10, 7^ i . 10, 10%) (22) a 10/19 $ „ 10,15 (24) ( „ 10, 16 í „ 10,40) (849) , 129,2—9 , » 10,96--833 m ο 1ος. , 10, 34-36 (45) „ 14,26 : 10,37 (46) , 14, 31 , 32010, 38 (oT) 0171/33 e 10, 39 Wie man sieht, machen nur die ERE nodos Stellen Schwierigkeit und stören die sonst absolut τ. Akoluthie. Eben diese vier Stellen haben wir aber in unsrer kritischen Untersuchung als solche bezeichnet, deren Zugehórigkeit zu Q gewisse Bedenken erregt. Es ist nun noch ungewisser, ob sie sämtlich hierher gehóren!; denn ohne sie erleidet die Ako- luthie schlechterdings keine Stórung: die 9 Stücke folgen sich bei Matth. und Luk. genau in derselben Ordnung. Damit ist aber auch erwiesen, daß sie, die ja auch sachlich eng zusammengehören, nicht erst von Matth. zusammen- gestellt worden sind, sondern daß sie schon in Qin der- selben Reihenfolge gestanden wie bei ihm; denn es zeigt sich, daß Luk. sie in dieser Ordnung vorgefunden hat. Merkwürdig, daß er sie über die cc. 9. 10. 12. 14. 17 verteilt hat, ohne ihre Reihenfolge zu ändern?! Es bleibt also — indem die Stücke (16), (19), (24) bei- seite zu stellen sind und vielleicht ganz aus Q ausscheiden — für die Reihenfolge der Stücke (1)—(S), (11)—(15), (17), (18), (20)—(22), (349, (38), (45), (46), (57) lediglich die Frage offen, ob der zu Q gehörige Stoff aus Matth. c. S—10 vor der Rede über den Tüufer oder nach ihr gestanden hat. Da es er- wiesen ist, daß Matth. (und nicht Luk.) in den ce. 8—10 die Ordnung der Quelle wiedergegeben hat, so ist es wahrscheinlich, daß man ihm auch -hier folgen und für Q die Rede über den Täufer nach der Rede an die Jünger setzen muß. 1)Jedoch muß aus inneren Gründen mindestens 21 in Q gestanden haben. 2) Wir sehen damit an einer wichtigen Stelle in die Kompositions- weise des Luk. hinein (s. o. S. 119 n. 2). d 124 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. Es folgt nun bei Matth. e. 11, 21—23; 11, 25—27 wie bei Luk. c. 10, 13—15; 10, 21. 22 das Wehe über die galilüischen Stádte (Nr. 23) und die Exhomologese an den Vater (Nr. 25). Aber wie schon die Nr. (9) und (10) kein Urteil über ihre ursprüngliche Stellung in Q ermöglichen, so auch alles das aus der Bergpredigt nicht, was nicht bereits oben mitgeteilt war. Legt man die Reihenfolge des Matth. zugrunde, so ergibt sich folgende Tabelle: Mattb. 5,13 =— (Nr.47)! ar. 35 4065 --- (Ντ. 91) ο ο 18 — (Nr. 51) 595.36, (Nr. 89) hett, Eege „69-13 — (Nr. 27) , 6,19—21 = (Nr. 36) 4. 6,92. 28 = (Nr. 32) IT — (Nr. 49) , 6,25—33 — (Nr. 35) 20 7,744 = (Nr. 28) ΤΙΣ (Nae .Das ist hoffnungslos; denn hier läßt sich schlechterdings keine parallele Anordnung nachweisen; es muß also zunächst ganz ungewiß bleiben, wie in Q diese Stücke angeordnet waren; ja ein Skeptischer könnte zweifeln, ob sie überhaupt zu Q ge- hörten. . Günstiger läßt sich über den Rest von 17 Stücken urteilen, sobald man von den acht kleinen Sprüchen (Nr. 26. 34^. 42. 44. 50.53.55. 59) und den kleinen Gleichnissen (Nr. 40 u. 48) absieht; dann folgen sich nämlich: Beelzebul (Nr. 29) Matth. 12, 22. 23. 27. 28. 30. 43. 45; Luk. 11, 14. 19. 90. 23—26. Jonaszeichen (Nr. 30) Matth. 12. 38. 39. 41. 42; Luk. 11, 16. 29.:30.:81. Pharisáerwehe (Nr. 33) Matth. 23, 4. 13. 23. 25. 27. 29. 30—32.) 34—30;. Luk. 11, 46. 52. 42. 39. 44. 47. 49—51. 1) Man erinnere sich, daß die Nummern die Reihenfolge im Texte des Luk. ausdrücken. Die Akoluthie der Stücke. 125 Das Kommen des Herrn wie ein Dieb; der gewissenlose und der gewissenhafte Hausmeister (Nr. 37) Matth. 24, 43—51; Luk. 12, 99. 40. 42—46. Jerusalem, Jerusalem (Nr. 43) Matth. 23, 37—39; Luk. 13, 34. 35. Wie oft vergeben? (Nr. 54) Matth. 18, 15. 21. 22; Luk. 17, 3. 4. Parusierede (Nr. 56) Matth. 24, 26. 27. 28. 37—41; Luk. 17, 23. 24. 37. 26. 27. 34. 35. Dem Habenden wird gegeben (Nr. 58) Matth. 25, 29; Luk. 19, 26. Da wir schon oben sahen, daß Luk. willkürlich das Stück über Jerusalem vom Wehe über die Pharisäer abgetrennt hat, so stört in dieser Reihenfolge nur die Frage über die Häufigkeit der Vergebung und die Zerreißung der Rede Matth. 24, 26—51 (Luk. hat sie geteilt und die zweite Hälfte vor die erste gestellt); sonst ist die Akoluthie identisch. Es ist aber für die Erkenntnis von Q wichtig, daß augenscheinlich Reden, die das Ende ins Auge faßten, am Schluß standen, nämlich das Wehe über die Pharisäer, die Gerichtsankündigung über Jerusalem, das Kommen des Herrn wie ein Dieb in der Nacht, der gewissenlose und der gewissenhafte Hausmeister, die Warnung vor falschen Messias’ und die Ankündigung der Parusie, endlich der Spruch, daß dem, der da hat, gegeben wird (und umgekehrt). Aus der Untersuchung, die etwas weiter geführt hat, als schon Wernle und Wellhausen gekommen sind, ergibt sich folgendes: 1) Die oben als Nr, 1—8. 11—15. 17. 18. 20. 21. 22. 23. 25. 29. 30. 33. 945. 87. 38. 43. 45. 46. 56. 57. 58 bezeichneten Stücke lassen sich in eine feste Reihe bringen; sie gehóren daher sicher'zu einer Quelle!, 1) Ich habe der Hypothese, eine faßbare Quelle für die Hauptstücke des dem Matth. und Luk. über Mark. gemeinsamen Materials zu statuieren, lange mit äußerster Skepsis gegenüber gestanden; aber der hier nach- gewiesene Tatbestand scheint mir zwingend zu sein (gegen Hilgenfeld, Zahn, Godet u. al Es ist übrigens auffallend, wie kurz und flüchtig Zahn in seiner weitschichtigen „Einleitung“ (II? S. 4101£) über die Frage hinweggeht, 126 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. 2) Diese Quelle hatte eine wesentlich verständliche Anordnung! Es folgten sich nümlich: Die Predigt des Täufers, Die Versuchungsgeschichte (vorher wohl die Taufe Jesu mit der Himmelsstimme, s. darüber unten), Die bedeutendsten Teile der Bergpredigt, Der Hauptmann von Kapernaum, Die Missionsrede (Diataxeis) an die Jünger, Die Rede über den Täufer, Das Wehe über die Städte, Die Exhomologese an den Vater, Die Beelzebulperikope und (mit ihr verbunden) Das Jonaszeichen, Das Wehe über die Pharisäer samt der Gerichtsan- kündigung über Jerusalem, Die Warnung vor falschen Messias’; die Parusierede, Das Kommen des Menschensohns wie ein Dieb in der Nacht; der gewissenlose und der gewissenhafte Hausmeister, Der Spruch, daß dem, der da hat, gegeben wird, und der andere, daß die Jünger die zwölf Stämme " Israels regieren werden? Die Stücke 9. 10. 16. 19. 24. 26—28. 31. 32. 34b. 35. 36. 39—42. 44. 47—55 lassen sich nicht in eine Reihe bringen. Ihre Zugehórigkeit zu Q 1st daher nur mehr oder we- niger wahrscheinlich, und sie dürfen daher nur sekundär zur Charakteristik von Q herangezogen werden (Matth. und Luk. kón- nen aueh über Mark. hinaus noch mehr als eine Quelle gemeinsam haben; doch ist die verschiedene Akoluthie noch kein Beweis dafür) Folgendes ist hier noch zu beachten: Diese 27 Stücke sind fast sämtlich kleine, ja sehr kleine Stücke’. Wir haben 18 von ihnen oben unter die ganz kurzen Sprüche gestellt, und 7 sind kurze Gleichnisse oder nur Gleichnis- worte (9. 19. 31. 39. 40. 41. 48), die leicht ihren Platz ver- DE REN fi 1) Vgl. Wernle, Synopt. Frage S. 226 ff, 2) Luk. bringt diesen Spruch (Nr. 59) ganz am Schluß, Matth. be- deutend früher (schon c. 19); vielleicht ist hier Luk. im Rechte. 3) Sie bilden dem Umfang nach zusammen kaum ein Viertel des ganzen Materials. y Die Akoluthie der Stücke. 121 ändern konnten; nur 5 Stücke (27. 28. 35. 36. 54) sind von größerem Umfang. Ihrem Inhalte nach fügen sich die meisten dieser Sprüche vortrefflich zu Q und geben keinen Anlafi, nach einer anderen Quelle zu suchen. 3) Es ergibt sich aus der Rede an die Jünger (dem Stoff in Matth. ο, 10) und aus der richtigen Zusammenordnung von Nr. 33 und 43 sowie von Nr. 56 und 37, daß Matth. die Ako- luthie der Quelle treuer bewahrt hat als Lukas!. Hieraus folgt mit einer nicht geringen Wahrscheinlichkeit, daß auch die Teile der Bergpredigt, die dem Matth. und Luk. gemeinsam sind, die aber bei beiden nicht in der gleichen Reihenfolge stehen (Nr. 27. 28. 31. 32. 35. 36. 39. 41. 47. 49. 51. 52), in Q in der Anordnung des Matth. gestanden haben und Luk. sie aus nicht mehr nachweisbaren Gründen (im Glauben, eine bessere τάξις noch aufspüren zu können) zerrissen und verteilt hat. Ähnlich wird man -auch über andere Stücke urteilen dürfen, die bei Matth. und Luk. an verschiedenen Orten stehen: Luk. ist grófiter Willkür schuldig. 4) Q ist kein Evangelium gewesen wie Mark., Matth. und Luk., aber auch keine ganz formlose Sammlung von Herren- sprüchen und -reden ohne jeden Faden. Vielmehr beweist der Anfang und der Schluß (eschatologische Reden), daß eine gewisse Sachordnung und die Grundzüge einer Zeitordnung eingehalten waren. Aber es ist keine Geschichtserzählung gewesen, sondern wirklich eine Redesammlung?. Eben deshalb fehlte die Passion. Daß aber Sprüche und Reden Jesu auch für sich gesammelt worden sind, kann nicht befremden, ja es ist, wenn man die da- 1) Man erkennt jetzt, daß die großen Redekompositionen des Matth. ihre Grundlagen schon an Q haben. 2) Die sieben Geschichten (s. ο. S. 115), die Q mindestens umfaßt hat, alterieren diesen Charakter nicht; denn in fünf von ihnen ist offenkundig die Rede Jesu dabei das Entscheidende und das „Geschichtliche“ wird nur als Anlaf kurz erzühlt. Anders steht es bei der Versuchungsgeschichte und, wie es scheint, bei der Erzählung vom Hauptmann. Die Aufnahme jener wird aber erst verständlich, wenn auch die Taufgeschichte aufgenommen war; denn dann ist Q als eine Redesammlung vorzustellen, die ihre not- wendige Determination und damit einen historischen Charakter dadurch erhielt, daß die Messiasweihe Jesu voranstand. Der ausgeprägt messianische Charakter der Versuchungsgeschichte in Q stützt diese Annahme stark (8. die nächste Anmerkung). Somit scheint nur die Geschichte vom Haupt- - mann aus dem Rahmen von Q heraus zu fallen. Doch s. über sie unten, 128 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung ete. malige jüdische Weise ins Auge fafit, a priori wahrscheinlich, und es wird durch den christlichen Sprachgebrauch bestätigt, der von Anfang an Taten und Worte Jesu unterschieden hat (s. die Briefe des Paulus; Apostelgesch. 1, 1: περὶ πάντων ὧν ἤρξατο Ἰησοῦς ποιεῖν τε καὶ διδάσχειν — denkt hier Luk. an seine beiden Hauptquellen Mark. und Q? —, vgl. Luk. 24,19 usw.). V. Läßt sich aus dem Sondergut des Matth. oder Luk. oder aus der indirekten evangelischen Überlieferung etwas für Q ermitteln? Aus sprachlichen und stilistischen Gründen wird man schwer- lich hierher gehörige Stücke zu bezeichnen vermögen, da Q in sprachlicher Hinsicht so neutral ist. Aber auch die Ausscheidung aus sachlichen Gründen verspricht von vornherein nicht viel Er- folg. Eines aber wird allerdings möglich sein: man wird zahl- reiche Stücke in beiden Evangelien bezeichnen können, die sicher nicht in Q gestanden haben können. Beginnen wir mit Matthäus und mit der Bergpredigt!. Von dem, was in Matth. 5—7 steht und bei Luk. fehlt, kann e. 5, 14. 16 (Licht der Welt, Stadt auf dem Berge), c. 5, 41 (wenn dich einer eine Meile zu gehen nötigt, so gehe zwei), e. 6, 34 (der Abschluß zu den in Q stehenden Versen 25—33) und c. 7, 33) 23 (es werden viele zu mir sagen an jenem Tage usw.) in Q ge- standen haben; alles übrige, nämlich 5, 17. 19. 20—24. 27—31. 33—38. 43; 6, 1—8. (14. 15). 16—18; 7, 6. 15 muß dort gefehlt haben, weil sich eben in ihm die Eigentümlichkeit des Matth, 1) Wellhausen (Einl. S. 74) urteilt, die Taufe Jesu durch Johannes könne wohl in Q nicht gefehlt haben. Eine nicht geringe Wahrschein- lichkeit spricht dafür (s. ο. und bemerke, daß sowohl das .ἀνήχϑη" als das αὑπὸ τοῦ πνεύματος“ der Versuchungsgeschichte seine Erklärung nur durch die Taufgeschichte empfängt) — in diesem Falle liegt die Annahme nahe, die Fassung der Himmelsstimme bei Luk. aus Q abzuleiten (s. d. Exkurs I). Die Zusammenstellung aber der Versuchung durch den Teufel mit der Ver- suchung durch Petrus (Mark. 8, 32. 33) und die als sicher hingestellte Erwägung!, daß die Bedrohung des Satan bei Matth. aus der Bedrohung ` Petri als des Satan entstanden ist, ist kühn. Die andere Vermutung Wellhausens, der von Markus abweichende Zug bei Matth., dap Jo- hannes sich strüubt Jesum zu taufen, habe in Q seinen Grund, ermangelt jeder Unterlage und ist nach Q Nr. 14 unwahrscheinlich. ΄ A Das Sondergut des Matth. und Q. 129 ausprägt (bessere Gerechtigkeit, formelle Anweisungen über Al- mosen, Gebet und Fasten usw,, s. o. S. 118) und Luk. zu diesen Stoffen schlechterdings keine Parallele bietet. Eben die nicht geringe Einheitlichkeit, die in den angegebenen Stücken besteht (während sich nichts Ähnliches in den sicheren Stücken von Q findet), ist ein starker Beweis dafür, daß sie Q fremd sind. Sie gehóren zur Auseinandersetzung mit dem Judentum, die dem Matth. eigentümlich ist. Ebendahin gehören die Sabbatsprüche c. 12, 5 ff. 11f. Von den dem Matth. eigentümlichen Gleichnissen in ο, 13 könnten die vom Schatz im Acker und von der Perle (v. 44—46), weil sie denen vom Senfkorn und vom Sauerteig ähnlich sind, in Q gestanden haben!; aber eine Gewähr dafür hat man nicht, zu- mal da sie durch die Auslegung des Gleichnisses vom Unkraut im Acker von jenen getrennt sind und wie ein Nachtrag bei — Mattb. erscheinen. Das Gleichnis aber vom Unkraut im Acker und das Fischnetzgleiehnis wird niemand für Q in Anspruch nehmen wollen und ebensowenig den Schluß der Gleichnisrede 6. 19.511 Die Geschichte von Petrus auf dem Meer (e. 14, 28—31) ist eine ganz sekundüre Erzühlung, ebenso die Worte an Petrus von der Gemeindegründung (e. 16, 17—19), vielleicht auch die Ge- Schichte vom Zinsgroschen (e. 17, 24—27), jedenfalls die Rede von der Gemeindezucht (ο. 18, 16—18). Möglicherweise hat ο, 18, 10 (die Engel der Kleinen) in Q gestanden; daß die Parabeln vom großen Gastmahl (c. 22, 1—11) und die Parabel von den Ta- lenten (c. 25, 14—30) zu Q gehören, ist, wie wir S. 83ff. gesehen haben, nicht unmöglich, aber es ist nicht sicher auszumachen, und es ist vor allem die Form nicht mehr herstellbar, in der sie in Q gestanden haben?. Alles Übrige, was an Gleichnissen und Reden in den letzten Capp. vor der Passion bei Matth. noch steht, ist von Q wahrscheinlich fernzuhalten, denn es fehlt jeder 1) 8o Wernle, Synopt. Frage S. 187. 2) Für die Zugehörigkeit der Parabel von den Talenten zu Q spricht, daß sie sich der Akoluthie nach gut einfügt; denn sie steht Matth. 25 und Luk. 19, folgt also der Parusierede sowohl Matth, 24 als auch Luk. 17. Nicht dasselbe gilt von der Parabel vom großen Gastmahl (Matth. 22 - und Luk. 14). Harnack, Sprüche Jesu. 9 130 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung ete. Anhaltspunkt für die Zugehörigkeit!. Erzählungen aber aus der Passionsgeschichte des Matth. in Q aufzunehmen, wäre ein völlig willkürliches Unterfangen, da ja selbst die Leidensweissagungen in Q fehlen und da jene Matthüusperikopen sekundür und ter- Där sind. Bei Luk. steht die Sache nicht anders: wir kónnen mit er- heblicher Wahrscheinliehkeit angeben, was aus dem Sondergut des Luk. nicht in Q gestanden hat: alle die Erzählungen, Reden und Gleichnisse, die den Gegensatz von Arm und Reich und die die Sünderliebe Jesu besonders betonen und für die Eigenart des Luk. so charakteristisch sind. Von ihnen abgesehen kann man- ches aus dem Sondergut Q angehören; aber ich habe vergeblich nach Gesichtspunkten gesucht, aus denen die Zugehörigkeit wahr- scheinlich gemacht werden kann. Wir müssen uns bescheiden. Es ist a priori wahrscheinlich, ja fast gewiß, daß manches, was Matth. oder Luk. allein bringt, aus Q geschöpft ist, aber außer dem Gleichnis vom Senf- korn, das zum großen Baume erwächst — es ist bereits von uns in Q aufgenommen worden, obgleich es auch bei Mark, steht —, getraue ich mir kein Stück im Sondergut eines der beiden Evan- gelisten anzugeben, welches man zu Q zu stellen berechtigt ist?. Wer auf dem Standpunkt von Resch steht und annimmt, daß die „apostolische Quelle“ neben unseren Evangelien Jahr- hunderte hindurch auf die evangelische Überlieferung eingewirkt hat, wird versuchen, aus den Zitaten evangelischer Sprüche bei den Kirchenvätern Stücke von Q zu ermitteln. Wer sich aber nicht davon überzeugen kann, daß der Nachweis von Einwir- kungen der Quellen unserer Evangelien auf die spätere Über- lieferung gelungen ist oder gelingen kann, der wird hier auf die „Agrapha“ und Verwandtes wenig Hoffnung setzen. Dennoch habe ich das Material, welches Resch (Texte u. Unters. Bd. 5. 10 und 30) gesammelt hat, aufs neue durchgesehen. Die Licht- erscheinung bei der Taufe (Bd. 30 Heft 3/4 S. 36), die frühe erzählt worden ist und im Cod. Vercell. u. Sangerm. zu Matth. 1) Die „Möglichkeit“ der Zugehörigkeit kann natürlich bei manchen Gleiehnisssen und Reden, z. B. ο, 21, 28—32, nicht bestritten werden. 2) Man wird hier also zurückhaltender sein müssen als Wernle und manche andere Forscher gewesen sind. Das Sondergut des Lukas, die „Agrapha“ und Q. 131 Cod. D. zu d. St.) ὑμεῖς δὲ ζητεῖτε ix μικροῦ αὐξῆσαι καὶ μὴ ἐκ μείζονος ἔλαττον εἶναι (l. ο. S. 39), die Herrensprüche in I Clem. 2. 13. 46 und Polyk. 2 und in Act. 20, 35, das ἐν oic ἂν ὑμᾶς καταλάβω, ἐν τούτοις καὶ κρινῶ des Justin u. A. (L e. S. 109), der von Clemens Alex. an stark zu belegende Spruch αἰτεῖσθε, φησί, τὰ μεγάλα, καὶ τὰ μικρὰ ὑμῖν προστε- ϑήσεται (l. ο. S. 111), der noch häufiger zitierte Spruch γίνεσθε δόκιμοι τραπεζῖται (S. 112ff), der durch Origenes bezeugte Spruch διὰ τοὺς ἀσθενοῦντας ἠσϑένουν καὶ διὰ τοὺς πεινῶν- τας ἐπείνων καὶ διὰ τοὺς διψῶντας ἐδίφων (S. 132), der Spruch σώζου σὺ καὶ ἡ ψυχή σου (S. 180), der Spruch bei Clemens Alex. und Tertullian εἶδες τὸν ἀδελφόν σου, εἶδες τὸν Θεόν σου (S. 182), der Spruch bei Origenes 0 ἐγγύς µου ἐγγὺς τοῦ πατρός (ms. πυρός), ὁ δὲ μακρὰν ἀπ᾽ ἐμοῦ μακρὰν ἀπὸ τῆς βασιλείας (S. 185) --- sind Stücke, die hier in Betracht gezogen werden kónnen. Daß die in einigen Evangelien-Manuskripten sich findenden Zusütze, von denen oben am Anfang der Stellensammlung zwei Beispiele gegeben sind, aus Q stammen, ist doch recht unwahr- scheinlich. Da sie schwerlich zum ursprünglichen Bestande sei es des Matth. sei es des Luk. (vgl. besonders die Zusütze in D) gehórt haben — nur in diesem Falle würe ihre Herkunft aus Q ernsthaft zu diskutieren —, so müssen sie aus anderen Evan- gelien bzw. Schriften oder aus der mündlichen Tradition stammen. Daß sie in jenem Fall gerade aus Q herrühren, der Quelle des Matth. und Luk., wäre ein sonderbarer Zufall, den anzunehmen man keine Veranlassung hat, da diese Stücke keine sachliche Verwandtschaft mit Q aufweisen. Besseres ist vielleicht aus den Zitaten in den Aet. und den Briefen des Clemens Rom. und Polykarp zu gewinnen; denn diese Schriften stammen aus einer Zeit, in der Q noch bekaunt gewesen sein kann und die kanonischen Evangelien noch nicht überall verbreitet waren oder noch nicht als kanonische galten. Es ist nun auffallend, daß die fünf Herrensprüche, die in ihnen zitiert sind, wesentlich gleichartig also eingeleitet sind: Act. 20, 35: ... μνημονεύειν τε τῶν λόγων τοῦ xv- ρίου Ἰησοῦ, ὅτι αὐτὸς εἶπεν" Μακάριόν ἐστιν μᾶλλον ði- δόναι ἢ λαμβάνειν. I Clem. 13: μάλιστα μεμνημένοι τῶν λόγων τοῦ κυ- WE D 132 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung ete. ρίου Ἰησοῦ, οὓς ἐλάλησεν διδάσκων ἐπιείκειαν καὶ μακρο- ϑυμίαν' οὕτως. γὰρ εἶπεν' Ἐλεᾶτε ἵνα ἐλεηϑῆτε, ἀφίετε ἵνα ἀφεϑῇ ὑμῖν: ὡς ποιεῖτε, οὕτω ποιηϑήσεται ὑμῖν: ὡς δίδοτε, οὕτως δοϑήσεται ὑμῖν: ὡς κρίνετε, οὕτως αριδήσεσθε᾽ ὡς χρη- στεύεσϑε, οὕτως χρηστευϑήσεται ὑμῖν' © μέτρῳ μετρεῖτε, ἐν αὐτῷ μετρηϑήσεται ὑμῖν. I Clem. 46: μνήσθητε τῶν λόγων τοῦ Ἰησοῦ τοῦ «υρίου ἡμῶν" εἶπεν γάρ᾽ Οὐαὶ τῷ ἀνθρώπῳ ἐκείνῳ’ καλὸν ἦν αὐτῷ εἰ μὴ ἐγεννήϑη ὴ ἕνα τῶν ἐκλεκτῶν µου σκανδαλίσαι. κρεῖττον ἣν αὐτῷ περιτεϑῆναι μύλον καὶ καταποντισϑῆναι εἰς τὴν ϑάλασσαν, ἢ ἕνα τῶν ἐκλεκτῶν µου διαστρέψαι. Polye. c. 2: μνημονεύοντες ὧν εἶπεν ὁ κύριος διδά- σκων' μὴ κρίνετε, ἵνα μὴ αριϑῆτε᾽ ἀφίετε, καὶ ἀφεϑήσεται ὑμῖν' ἐλεᾶτε, ἵνα ἐλεηϑῆτε' ᾧ μέτρῳ euro ἀντιμετρηδή- σεται ὑμῖν' καὶ ὅτι μακάριοι oi πτωχοὶ καὶ oi διωκόμενοι ἕνεκεν δικαιοσύνης, ὅτι αὐτῶν ἐστιν ἡ βασιλεία τοῦ ϑεοῦ. I Clem. 2: πάντες ἐταπεινοφρονεῖτε . . . . ὑποτασσόμενοι μᾶλλον 7) ὑποτάσσοντες, ἥδιον διδόντες 7 λαμβάνοντες, τοῖς ἐφοδίοις τοῦ Χριστοῦ ἀρκούμενοι καὶ προσέχοντες, τοὺς λόγους αὐτοῦ ἐπιμελῶς ἐνεστερνισμένοι NTE τοῖς σπλάγχνοις. Daß hier überall auf die Worte Jesu als auf einen Kom- plex verwiesen wird, ist unzweifelhaft, und nahe liegt nach der Fassung der Worte die Annahme, daß dieser Komplex schrift- lich fixiert war, den Titel trug: „Aoyoı τοῦ κυρίου Ἰησοῦ” und die Geltung der ,Didaskalia^ Jesu hatte!. In diesem Falle wäre die Identifizierung mit Q fast geboten. Aber erstlich läßt sich hier nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit erreichen, zweitens ist die materielle Prüfung der Sprüche der Hypothese nicht günstig; denn a) wenn der Spruch: „Geben ist seliger als Nehmen“ in Q stand, warum hat ihn Luk. nicht schon in sein Evangelium auf- genommen? [doch dies ist kein schwerwiegender Einwurf], b) die Zitationsformel und das Zitat selbst (letzteres teilweise und in etwas freier Wiedergabe) sind bei Polykarp höchst wahrscheinlich aus I Clem. 13 geflossen; denn Polykarp hat den Clemensbrief 1) Aus dem , Theol. Jahresbericht“ für 1905 (III. Abt. S. 246) ersehe ich nachträglich, daß Harris schon früher und jüngst Lake (im Hibb. Journ. 1905, Ill, p. 3824.) diese Annahme empfohlen hat. Die „Agrapha“ und Q. 133 stark benutzt (ebenso ist Clemens Alex. Strom. II, 18 aus unserer Stelle geflossen). c) Der erste von Clemens zitierte Spruch kann zwar in den Teilen, die bei Matth. und Luk. keine direkte Parallele haben (ἐλεᾶτε ἵνα ἐλεηϑῆτε, ἀφίετε ἵνα ἀφεθῇ ὑμῖν: ὡς ποιεῖτε, οὕτω ποιηϑήσεται ὑμῖν' ὡς δίδοτε, οὕτως δοϑή- σεται ὑμῖν' ὡς χρηστεύεσθε, οὕτως χρηστευθήσεται ὑμῖν), sehr wohl in Q gestanden haben; aber der Teil, in dem er sich der Sache nach mit der von uns ermittelten Form in Q deckt, lautet anders. Gegen μὴ κρίνετε, ἵνα μὴ κριϑῆτε, ἐν ᾧ γὰρ κρίµατι κρίνετε, κριϑήσεσϑε steht ὡς κρίνετε, οὕτως κριϑήσεσϑε. In- dessen kann man einwenden, daß Clemens lediglich hier etwas ausgelassen, übrigens aber eine andere Übersetzung befolgt hat; allein das μὴ κρίνετε, ἵνα κτλ. paßt überhaupt nicht in seinen Zusammenhang. Die Herkunft aus Q bleibt daher unsicher. d) Der zweite Spruch bei Clemens (von Clemens Alex. Strom. II, 18 habe ich abgesehen, da die Stelle aus Clemens Rom. ge- flossen ist), gibt Sprüche wieder, die sich bei allen drei Evan- gelisten finden — trotzdem kann er natürlich auch in Q ge- standen haben —; die verwandten Worte: ἀνάγκη ἐλθεῖν τὰ σκάνδαλα, πλὴν οὐαὶ τῷ ἀνϑρώπῳ dé οὗ τὸ σκάνδαλον ἔρχεται, haben wir als wahrscheinlich auch in Q stehend nachgewiesen (s. Nr. 53). Mark. 14,21 | Matth. 26, 24| Luk. 22,22 | Clem. Rom. οὐαὶ τῷ &v-|wie Mark. (nur| οὐαὶ τῷ &v- οὐαὶ τῷ: ἀν- ϑρώπῳ ἐκείνῳ ἦν nach καλὸν! ϑρώπῳ ἐκείνῳ ϑρώπῳ ἐκεί- 2 T € H 3 T a ἃ H 3 ὁ οὗ ὁ υἱὸς! addi, dr οὗ παραδί- vo" καλὸν ην - . € - . τοῦ ἀνϑρώπου dotat [scil] ὁ αὐτῷ εἰ μὴ 2 , "^ παραδίδοται᾽ υἱὸς τ. ἀνθ.]. |! ἐγεννήϑη η ἕνα καλὸν αὐτῷ εἰ ιτῶν ἐκλεκτῶν 2 N = / ovx ἐγεννηθη µου σκανδαλί- ὁ ἄνθρωπος | Gat. ἐκεῖνος. | Mark. 9, 42 “u » ος av ὄκανδα- λίσῃ ἕνα τῶν μικρῶν Tov- TOP τῶν πι- Matth. 18, 6.7 | zunächst ` wie. Markus, dann πιστευόντων lel ἐμέ" συμφέ-! ἐλϑεῖν, παπι» ἀνένδεκτόν ἐσ- τι τοῦ τὰ (σκάνδαλα μὴ πλὴν κρεῖττον ἦν aù- τῷ περιτεθῇ- ναι μύλον καὶ χαταποντισθῇ- 134 στευόντω», καλόν ἐστιν αὐτῷ μᾶλλον εἰ περίκειται μύλος ὀνικὸς περὶ τὸν τρά- χηλον αὐτοῦ καὶ βέβληται εἰς τὴν ϑάλασ- σαν. 2 - ρει αὐτῷ ἵνα κρεμασϑῇ uv- > ` ` λος ὀνικὸς περὶ τον τραχήλον 2 - αὐτοῦ καὶ κα- ταποντισθῇ ἐν - , TO TELQYEL - Lë τῆς ὃδαλασσης. > - , οὐαὶ τῷ xOOuQ H ~ ἀπὸ τῶν σκαν- , H , δάλων: ἀναγκη H > A H γαρ ἐλϑεῖν τα οὐαὶ δὲ οὗ ἔρχε- ται: λυσιτελεῖ αὐτῷ εἰ λίθος μυλικὸς περί- κειται περὶ τὸν τράχηλον av- τοῦ καὶ ἵπται εἰς τὴν Θάλασσα», N ἵνα σκανδαλίσῃ τῶν μικρῶν τούτων ἕνα. Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. M e ~ ναι, n ἕνα τῶν ἐκλεκτῶν µου διαστρέψαι. , σκανδαλα, ^ Bu - πλην οὐαὶ τῷ H H ἀνϑρώπῳ δι c ` , où το σκανδα- λον ἔρχεται. Die Deutung dieses Tatbestandes ist schwierig. Möglich ist, daß Clemens den Spruch über Judas irrtümlich allgemein gefaßt und zu Unrecht mit dem Àrgern der Kleinen, für die er in freier Wiedergabe „Erwählte“ sagt, verbunden hat; möglich aber auch, daß in Q nicht nur der allgemeine Satz: ἀνάγκη ἐλϑεῖν τὰ σκάνδαλα, πλὴν οὐαὶ τῷ ἀνϑρώπῳ δὲ οὗ τὸ σκάνδαλον ἔρχε- ται gestanden hat, sondern auch etwas über das Ärgern der Erwühlten in eben der doppelten Form, wie sie Clemens bietet (das wäre dann die ältere Form, erst Mark. hätte die spezielle Beziehung auf Judas eingetragen); Matth. u. Luk. haben Mark. und Q vor sich liegen gehabt und sind jenem gefolgt, indem sie aus Q nur den allgemeinen Satz über die Ärgernisse aufge- nommen haben. Indessen ist diese zweite Deutung doch viel weniger wahrscheinlich als die erste; denn 1. ist es auffallend, daß sie beide zu derselben Lösung des Problems gekommen sind (doch hat Luk. in 17, 1.3 eine andere Ordnung als Matth. in 18, 6.7), 2. kann man sich kein rechtes Bild machen, wie der Q-Text (nach Clemens) gelautet haben soll; er ist in seinen beiden Hälften stark tautologisch und wird es daher immer nahe legen, sie von einander zu trennen und auf Verschiedenes zu beziehen (so in den drei Evangelien). Dazu kommt endlich, daß Die „Agrapha“ und Q. 135 das ἐκείνῳ im Eingang verrüterisch ist. Mindestens also hat man keine Gewähr, Q hier vor sich zu haben, so verlockend die Annahme, die durch „Übersetzungsvarianten“ gestützt zu sein scheint, sein mag. e) Auch für die zweite Hälfte des Zitats bei Polykarp ist -ϱ schwerlich als Quelle in Anspruch zu nehmen; denn wenn auch das „uaxagıoı οἱ πτωχοί” (ohne τῷ πνεύματι) dem Wort- laut der Quelle (und des Luk.) entspricht, so können doch die οἱ διωκόμενοι ἕνεκεν δικαιοσύνης, die bei Matth. sich finden, in Q nicht nachgewiesen werden. Hiernach muß man mit Bedauern darauf verzichten, aus diesen Zitaten, die unsere Evangelien vorauszusetzen scheinen, etwas Sicheres für Q zu gewinnen bzw. in diesen , λόγοι τοῦ κυρίου Ἰησοῦ” mit hinreichender Wahrscheinlichkeit Q zu er- kennen. Nur eine nicht empfehlenswerte Möglichkeit besteht hier, und nur mit großem Vorbehalt kann man die Zitate I. Clem. 13. 46 für Q in Anspruch nehmen). Sind aber diese Stücke so unsicher, so gilt das in noch viel höherem Maße von den „Agrapha“, die von Justin ab überliefert sind. Überall ist es hier wahrscheinlicher, daß das Hebräer-, Ägypter-, Petrusevangelium oder andere Quellen die betreffenden Sprüche geliefert haben, als daß sie noch aus Q geflossen sind. Speziell gilt das von den von Grenfell und Hunt entdeckten Sprüchen und ebenso von denen in den klementinischen Homi- lien, mag hier auch sehr Altertümliches stecken. Daß jene Evangelien im 2. u. 3. Jahrhundert noch gelesen worden sind, wissen wir; von Q wissen wir es nicht. Die Beweislast hat also in jedem einzelnen Falle der, welcher für Q eintritt; aber wirk- liche Beweise sucht man bei Besch u. A. vergebens?. 1) Glaubt man sich überzeugen zu müssen, daß λόγοι xtA. bei Clemens den Titel eines Buchs bedeutet, das dann gewiß mit Q identisch sein müßte, so müßte man eine besondere Rezension von () annehmen, die nachträglich aus den kanonischen Evangelien bereichert wäre, Zu Gunsten der Hypothese spricht, daß bei Matth. (also wohl auch in Q) die Bergpredigt eingeleitet ist mit den Worten: ἐδίδασκεν αὐτοὺς λέγων. 2) Eines sei noch hervorgehoben. In II Clem. 5 heißt es: λέγει ὁ κύριος" Έσεσϑε ὡς ἀρνία ἐν μέσῳ λίκων, Die Fassung dieses Spruchs erscheint altertümlicher als die Q Nr. 10 ermittelte: ἰδοὺ ἐγὼ ἀποστέλλω ὑμᾶς ὡς πρόβατα ἐν μέσῳ λύκων. Allein abgesehen davon, daß II Clem. wahr- scheinlich ein unkanonisches Evangelium benutzt hat, welches nicht Q 136 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. VI. Sachliche Charakteristik des Inhalts von Q. Ver- gleichung von Q mit dem Markusevangelium. In dem umfangreichen Abschnitt seiner „Einleituug in die drei ersten Evangelien“ S. 73—89 hat Wellhausen die Ver- gleichung von Q und Mark. vollzogen. Da nach ihm an gegen- seitige Unabhängigkeit „nicht zu denken ist“, so ist die Prio- ritätsfrage aufzuwerfen. Sie fällt zugunsten des Markus aus. Die in Q vorliegende Tradition ist, gemessen an ihm, überall oder fast überall sekundär und zeigt die Überlieferungen über Jesus in einer in der Richtung der „Christianisierung“ und der Ekklesiastik fortgeschrittenen Form. Dem gegenüber glaube ich in dem Folgenden zeigen zu können, daß Wellhausen sich bei seiner Charakteristik von Q unwillkürlich von den Tendenzen des Matth. (und Luk.) hat bestimmen lassen, daß er jenem auf- gebürdet hat, was diesen gehört, und daß er ohne zureichenden Grund an nicht wenigen Stellen Markus bevorzugt. Die Er- gebnisse, zu denen ich gelangt bin, stehen daher in starkem Widerspruch zu den Resultaten seiner Kritik. Bei der Vergleichung zwischen Q und Markus hat man die sicher Q angehörigen Abschnitte zugrunde zu legen; die wahr- scheinlichen Bestandteile von Q sind in zweiter Linie zu be- trachten. Markus beginnt mit Tüuferpredigt, Taufe Jesu und einem summarischen Bericht über eine 40tägige Versuchung Jesu in der Wüste, Q mit Tüuferpredigt, (Taufe Jesu) und einem aus- führlichen Bericht über eine nach 40tügigem Aufenthalt in der Wüste stattgehabte messianische Versuchung Jesu. Auch wenn die Taufe Jesu, wie wahrscheinlich, in Q stand, braucht eine Abhängig- keit zwischen Q und Markus nicht zu folgen, denn die Annahme liegt sehr nahe, daß jene Stücke in einer bestimmten Epoche die war (das Ägypterevangelium), haben wir oben S. 14. 123 gesehen, daß der Spruch vielleicht gar nieht zu Q zu rechnen ist,' sondern bei Matth. und Luk. aus einer anderen Quelle stammt. Das Ägypterevangelium (bez. das Evangelium, welches II Clemens benutzt hat) ist gewiß in der Haupt- sache Q, ja auch den synoptischen Evangelien gegenüber sekundür; aber es hat wie das Hebrüerevangelium einiges sehr Altertümliche bewahrt. Q und Markus. 137 stehenden Abschnitte waren, mit denen die katechetische Über- lieferung der „Worte“ des Messias Jesus (Luk. 1, 4) begann. Materiell aber erweist sich hier Q als der ursprünglichere, denn Markus führt den Täufer nur ein, um ihn auf den „Stärkeren“ hinweisen zu lassen; Q dagegen teilt seine Buß- und Gerichts- predigt mit und knüpft daran erst den Hinweis auf den kom- menden Stärkeren. Ferner: Markus bezeichnet diesen mit einem Hysteron-Proteron als den, der mit h. Geiste taufen, Q als den Feuerrichter, der seine Tenne fegen wird!. Was aber die Ver- suchungsgeschichte betrifft, so läßt sich weder eine Abhängig- keit Q’s von Markus nachweisen, noch behaupten, daß die Ver- suchung bei Markus nicht messianisch gedacht sei?, noch die Erzählung von Q als eine spätere Legende in Anspruch nehmen. Hat die Taufgeschichte mit der Himmelsstimme: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“ in Q gestanden, so ist es natürlich, daß der Teufel Jesus als Sohn Gottes anredet und ihn um die Gottessohnschaft bringen will. Das braucht keineswegs später erzählt worden zu sein als der kürzere Bericht bei Mark., der stets die Vermutung erwecken wird, Mark. habe hier mehr gewußt als er erzählt hat?; denn mit so knappen 1) Der Vorzug von Q ist hier von Wellhausen anerkannt (S. 74). 2) Wellhausen (a. a. O.) nimmt das an; aber wenn der Geist, der auf Jesus herabgekommen, ihn in die Wüste treibt, Jesus dort 40 Tage - vom Satan versucht wird und ihn die unheimlichen W üstengeschüp fe umgeben, die Engel aber ihm Speise bringen, so ist das keine gewöhn- liche Versuchung, sondern die messianische Versuchungszeit. 3) Die Sache verhält sich mutmaßlich so: Berühren mußte Markus die Tatsache der messianischen Versuchung durch den Satan, da sie zum katechetischen Stoffe (Luk. 1,4: περὶ ὧν κατηχήθης λόγων) gehörte; aber sie war ihm nicht in der Erzählung von Q bekannt, sondern in einer andern Form. Wäre ihm jene Erzählung bekannt gewesen, so hätte das Fasten nicht fehlen und hätten Tiere und Engel in dem kurzen Referat nicht genannt sein können. Markus setzt eine Legende voraus, in der Jesus in der Wüste nicht gefastet hat, vielmehr von Engeln gespeist wurde, in der also die Hunger-Versuchung schwerlich erzählt war. Worin die Ver- suchungen des Satan bestanden, ist nicht gesagt — daß die „Tiere“ in ihnen eine Rolle spielten, ist unsicher —, daß Markus aber etwas über sie wußte, ist mehr als wahrscheinlich. Man darf annehmen, daß er des- halb nicht ausführlicher gewesen ist, weil er in c. 1, 1—13 überhaupt ganz summariseh erzählt. Das „Evangelium Jesu Christi“ beginnt nach ihm erst mit v. 14; vorher wird in einer doppelten Einleitung v. 1—$S u. 138 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung ete. Mitteln und Andeutungen pflegt doch die Legende nicht zu ar- beten), Es folgt in Q die Bergpredigt. Mark. bietet zu ihr nur in vier Sprüchen Parallelen. Er schreibt (4, 24): ἐν ᾧ μέτρῳ μετρεῖτε μετρηϑήσεται ὑμῖν (ganz wie Q S) Ferner (9, 50) — zusammenhangslos —: καλὸν τὸ alas’ ἐὰν δὲ τὸ alas ἄναλον γένηται, ἐν tivi αὐτὸ ἀρτύσετε; in Q 47 liest man: ὑμεῖς ἐστε τὸ ἅλας [τῆς γῆς]' ἐὰν δὲ τὸ ἅλας μωρανϑῇ, ἐν τίνι ἁλισθή- σεται. Hier ist erstens eine echte Übersetzungsvariante zu kon- statieren, sodann zu beachten, daß Q das Salz auf die Jünger deutet. Dies wird die ursprüngliche Beziehung sein, und das erkennt auch Wellhausen (Mark. S. 82) an. — Mark. 4, 21 heißt es — zusammenhangslos —: μήτι ἔρχεται ὁ λύχνος ἵνα ὑπὸ τὸν μόδιον τεϑῇ... οὐχ ἵνα ἐπὶ τὴν λυχνίαν τεϑῇ; In Q 31 liest man: οὐ καίουσι» λύχνον καὶ τιθέασιν αὐτὸν ὑπὸ τὸν μόδιον, ἀλλ᾽ ἐπὶ τὴν λυχνίαν, καὶ λάμπει πᾶσιν τοῖς ἐν τῇ οἰκίᾳ. Bei Mark. ist das Licht die Lehre Jesu, bei Matth. der gute Wandel der Jünger (das ist sekundär) — aber eben nur bei Matthäus. Luk., der den Spruch zweimal bringt, bringt ihn zuerst (8, 16) nach und in demselben Zusammenhang und Sinn wie Mark., so- dann (11,13) nach Q ohne Beziehung auf die Jünger. Also war in Q die Beziehung auf die Jünger nicht ausge- drückt, Q also Mark. gegenüber nicht sekundär. Zu be- achten ist übrigens auch hier die Übersetzungsvariante, — Mark. schreibt (10, 11 £): ὃς ἂν ἀπολύσῃ τὴν γυναῖκα αὐτοῦ καὶ γα- μήσῃ ἄλλην, μοιχᾶται ἐπ᾽ αὐτήν' καὶ ἐὰν αὐτὴ ἀπολύσασα τὸν ἄνδρα αὐτῆς γαμήσῃ ἄλλον [oder wohl richtiger καὶ ἐὰν γυνὴ 9—13 lediglich das Notwendigste über den Täufer und sein Zeugnis und über Jesus als den Gottessohn gesagt. Die wundervolle φαντασία“ (Theo- dor v. Mopsveste) der Versuchungsgeschichte in Q ist von Markus unab- hüngig und kann in jedem beliebigen Jahrzehnt nach d. J. 30 entstanden sein, d. h. sie kann uralt sein. 1) Eine ganz andere Frage ist, ob die Taufgeschichte (Geist und Himmelsstimme) die älteste Überlieferung gewesen ist. Ich bin mit Wel hausen der Überzeugung, daß sie es nicht war, daß sie vielmehr an die Stelle der älteren „Verklärungsgeschichte“ getreten ist. Aber diese Frage ist hier nicht zu erörtern, da sie hinter Q und Markus liegt. 2) Und bei dreien von den Sprüchen ist es nur wahrscheinlich, daß sie in Q gestanden haben. Q und Markus. 139 2EEIIN ἀπὸ τοῦ ἀνδρὸς αὐτῆς καὶ ἄλλον γαμήση!, μοιχᾶται. Als Text von Q 52 haben wir festgestellt: [ἐγὼ λέγω ὑμῖν]: πᾶς ὁ ἀπολύων τὴν γυναῖκα αὐτοῦ ποιεῖ αὐτὴν μοιχευϑῆναι, καὶ ὃς ἐὰν ἀπολελυμένην γαμήσῃ, μοιχᾶται. Die Beurteilung dieses Verses bei Wellhausen geht von der Annahme aus, daß die bei Luk. (16, 17) unmittelbar vorhergehenden Worte (εὐκοπώτε- ρον δέ ἐστιν τὸν οὐρανὸν καὶ τὴν γῆν παρελϑεῖν ὴ τοῦ νόμου μίαν κεραίαν πεσεῖν) durch den Vers über den Ehebruch er- läutert bzw. bestätigt werden sollen. Allein v. 17 gehört, wie das δέ beweist, zu v. 16 und soll den Worten: ὁ νόμος καὶ οἱ προφῆται µέχρι Ἰωάννου ihren antinomistischen Schein nehmen. Der Spruch vom Ehebruch dagegen folgt dann ohne jede Ver- knüpfung. Man hat also keine Gewähr, daß auch nur Luk. wollte, man solle v. 17 und 18 zusammenhalten. Daß sie aber in Q zu- sammenstanden, ist unglaublich, denn Matth. bietet sie c. 5, 18 und 32 ganz getrennt. Dann aber ist es auch mehr als fraglich, ob Mark. 10 den Ausgangspunkt für die Fassung des Spruchs in Q bildet. Mark. sagt: „Ein Mann, der seine Ehefrau entläßt und eine andere heiratet, bricht ihr die Ehe, und ebenso bricht die Entlassene die Ehe, wenn sie wieder heiratet“. Q sagt: „Ein Mann, der seine Ehefrau entläßt, macht sie zur Ehebrecherin [weil sie wieder heiraten wird], und der neue Mann bricht auch die Ehe.“ Der Unterschied ist klar, aber er ist nicht dort zu suchen, wo Wellhausen ihn sieht. Nach W. liegt in der Fas- sung des Mark. der Ehebruch nicht in der Entlassung, sondern erst in der Wiederverheiratung, aber das ist ganz unwahrschein- lich; denn 1. widerspricht das dem Kontext bei Mark. (v. 1—9), 2. ist es künstlich in den Wortlaut selbst eingetragen. Dazu kommt, daß, namentlich in orientalischen Verhältnissen, eine Wiederverheiratung der Entlassung sicher folgte. Hier also liegt der Unterschied zwischen Mark. und Q nicht, wohl aber darin, daß Mark. den Mann und die sich wiederverheiratende Frau des Ehebruchs für schuldig erklärt, Q dagegen die sich wiederver- heiratende Frau und ihren neuen Mann. Aber das ist doch nur ein Schein; Q hat nur das Selbstverständliche nicht ausgesprochen; er will m. E. sagen: „Wer sein Weib entläßt, (macht sich nicht nur selbst des Ehebruchs schuldig, sondern) ruft (auch noch) einen doppelten Ehebruch hervor: die Entlassene wird zur Ehebrecherin werden und ihr neuer Mann.“ So ist der Spruch von einer 140 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. prügnanten Kürze und Wucht!; der Markusspruch ist ihm gegen- über matter. Also ist Q 52 gewiß nicht aus Mark. 10, 11. 12 ge- flossen. Dann aber ist auch nicht Mark. 10, 1—9 die Unterlage von Q 52, sondern im günstigsten Fall ist ein Parallelbericht für Q anzunehmen, in welehem der Vers Q 52 den Sehlufi ge- bildet hat. Indessen braucht der Vers keinen anderen Kontext als ihn Matth. bietet: "Eggé0z" ὃς ἀπολύσῃ τὴν γυναῖκα αὐτοῦ, δότω αὐτῇ ἀποστάσιον. Doch genau so wird der Kontext in Q schwerlich gelautet haben. Dies sind die einzigen Stellen, in denen das, was aus Matth. 5—7 zu Q gehórt, bei Mark. eine Parallele hat. Denn die Meinung, daß Mark. 11, 25 die Keimzelle des VU ist, darf beiseite bleiben?. Prüft man nun die Stücke der Bergpredigt, die in Q standen (in erster Linie Nr. 3—8; 11. 12; in zweiter Linie 9. 10. 27. 28. 91. 32. 35. 96. 39. 41. 47. 49. 51. 52), auf ihren sach- lichen Inhalt, so bemerkt man kaum etwas, was nicht als pri- märe Tradition gelten darf. Allein Wellhausen ist anderer Meinung (zu Matth. 5, 1 f£). Er findet, daß wie Q bei der Täufer- predigt, (Taufe) und Versuchung mit Mark. parallel geht, so auch in bezug auf die Bergpredigt, denn beide berichten nun ein Pro- gramm der Predigt Jesu, Q ein kunstvoll ausgearbeitetes Mani- fest, Mark. (1, 15) ene kurze, anspruchslose Zusammenfassung des allgemeinen und stets wiederkehrenden Inhalts der Predigt Jesu. ,Und nicht blofi ein formeller Unterschied besteht, son- dern auch ein inhaltlieher. Bei Mark. ist das Thema Jesu das- selbe wie das des Täufers, nämlich die μετάνοια; das Bevor- stehen des Reiches Gottes ist das Motiv dazu, eine aufrüttelnde Drohung. In Q dagegen zeigt Jesus, anders wie Johannes, nicht 1) Nur Matth. hat das bewahrt; Luk. hat die erste Hälfte des Spruchs bereits nach der Fassung des Mark. modifiziert. Matth. aber hat auch gesündigt, indem er παρεκτὸς λόγου πορνείας — es ist selbstverständlich, aber doch recht unpassend — eingeschoben hat. 2) Das VU gehört nicht zu den Stücken, die man mit voller Wahr- scheinlichkeit für Q in Anspruch nehmen kann; hat es aber in kurzer Form (s. Nr. 27) Q angehórt, so kann es nicht aus dem einem Satz Mark. 11,25, der der sog. 5. Bitte entspricht, entstanden sein. Der Satz sagt über den Inhalt des Gebets gar nichts, ist also dem Spruch Matth. 5, 23. 24 (der aber altertümlicher formuliert ist) nicht aber Matth. 6, 12 for- mell verwandt. Wohl aber bestätigt er den genuinen Charakter der sog. 5 Bitte, wie sie bei Matth. gefaßt ist (Näheres s. u.). Q und Markus. i 141 den Revers, sondern gleich anfangs den Avers des Reiches Gottes; er lockt damit, er verkündet es als Freudenbotschaft. Er beginnt nicht mit einer ernsten Warnung an das ganze jüdische Volk, sondern mit einer Seligpreisung der Seinigen.“ Zunächst ist darauf zu erwidern, daß jedenfalls Matth. die Bergpredigt nicht als ausführenden Ersatz von Mark. 1,15 be- urteilt hat, denn er stellt ja selbst vor die Bergpredigt die Worte (c. 4, 17): ἀπὸ τότε ἤρξατο ὁ Ἰησοῦς κηρύσσειν καὶ λέγειν μετανοεῖτε' ἤγγικεν γὰρ ἡ βασιλεία τῶν οὐρανῶν. Bei Luk. kann aber noch weniger von einem solchen Verständnis Q’s die Rede sein, da er diese Ausführungen Q's erst viel spüter in seinem Evangelium bringt und verteilt. Zweitens enthält auch nach Wellhausen Mark. 1, 15 ein schweres Hysteron-Proteron, von dem sich Matth. und Luk., also auch Q, frei erhalten haben; denn Mark. schreibt: ,Jesus kam nach Galilia und predigte das Evangelium Gottes, indem er sagte: ,Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes steht nahe bevor, tut Bufie und glaubt an das Evangelium‘“. Es geht doch nicht an, die Erwähnung des „Evangeliums“ bei der Würdigung dieses Spruches beiseite zu lassen. Dann aber steht es gar nicht so, wie oben von W. der Inhalt des Markusspruches wiedergegeben ist. Auch Mark. hat die Frohbotschaft von Anfang an in das Thema der Predigt Jesu hineingenommen; auch er zeigt also sofort den „Avers“ dieser Predigt, und zwar in einer viel sekundüreren Gestalt als sich Q je erlaubt hat! bei dem sich das Wort „Evangelium“ an keiner Stelle findet, Mir scheint aber überhaupt die Zu- sammenstellung der ganzen Bergpredigt, wie sie Q geboten hat, mit dem kleinen Satz Mark. 1,15, seltsam zu sein. Das ,Evan- gelium“ in Q sind die Makarismen? bzw. ist die Verkündigung, wie sie z. B. in Q 14 hervortritt: „Meldet dem Johannes, was ihr hóret und sehet: ,Blinde sehen, Lahme gehen .... Arme er- halten frohe Botschaft", Warum Q nicht berechtigt gewesen sein soll, diese frohe Botschaft, deren Historizität doch nicht an- getastet werden kann, im Gegensatz zu der Predigt des Täufers an die Spitze zu stellen, ist nicht abzusehen. Und selbst wenn 1) Was Wellhausen über den Sinn von „Evangelium“ bei Mark. ausgeführt hat, scheint mir richtig zu sein — es ist ungefähr das, was Paulus „Evangelium“ genannt hat. 2) Hier ist also der Unterschied von Markus so groß wie möglich. 142 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. sie in Wahrheit stärker in die herbe Verkündigung: ,μετανοεῖτε" eingebettet war als bei Q hervortritt, warum soll in der Lockerung etwas besonders Sekundüres zu Tage treten? Und — ist nicht die ganze Bergpredigt samt den Makarismen auch eine gewaltige Predigt zur Metanoia? Wie soll man sich denn die Bußpredigt Jesu denken? Sie kann doch nicht in der einfachen Wiederholung des formalen Stichworts bestanden haben, sondern muß die Um- kehr und die neue Gesinnung ausgemalt haben! Und eben dies tut die Bergpredigt!. Aber noch ein.zweites wird an ihr bemängelt: sie soll Ge- meindepredigt sein d.h. ihre Adresse soll der feste Verband der Christen sein. Für Matth. ist das m. E. richtig, aber nicht für Q. Nach Matth. und Luk. ist die Bergpredigt an die Jünger (im Beisein des Volkes) gesprochen; also stand es so auch. in Q. Nun ist gewiß, daß, wenn man Q auf das Prokrustesbett der Chronologie spannt, eine Rede an die Jünger hier am Anfang auffallend ist; aber erstlich wissen wir nicht, ob in Q der Berg- predigt etwas vorangegangen ist, zweitens dürfen chronologische Gesichtspunkte nicht auf Q angewendet werden. Q hat aller- dings nicht mit dem Ende begonnen, sondern mit dem Anfang und hat nieht mit dem Anfang geschlossen, sondern mit Wieder- kunftsreden; aber darüber hinaus walten in Q kaum noch chrono- logische Gesichtspunkte, sondern es wird lediglich eine bunte Reihe von größtenteils gruppenweise verbundenen Reden und Sprüchen gegeben. War Q eine Sammlung von Worten Jesu mit dem Zweck der (vornehmlich ethischen) Didaskalia, so ist es nicht auffallend, daß diese große Rede an die Jünger als das Wichtigste an die Spitze gestellt ist. Gewiß sollte der christ- liche Leser sich sagen: „Was hier den Jüngern verheißen und vorgeschrieben ist, gilt Dir“; aber damit ist noch nicht ent- schieden, daß der Kompilator die Wiedergabe der Worte Jesu durch die Rücksicht auf den gegenwärtigen Leser gefärbt hat. Um zunächst die ganz sicheren Stücke zu erledigen — wo ist eine solche Färbung in den Seligpreisungen (Nr. 3), dem Wort vom Schlag auf den Backen und dem geraubten Kleide (Nr. 4), der Anweisung, dem Bittenden zu geben (Nr. 5), dem Gebot der 1) An Schärfe fehlt es weder in der Bergpredigt noch sonst in Q: das „uaxýoros“ steht auf einer Folie furchtbarer Drohungen. Q und Markus. 143 Feindesliebe (Nr. 6), der goldenen Regel (Nr. 7), dem Verbot des Richtens und der Parabel vom Balken und Splitter (Nr. 8), dem Gleichnis vom guten und vom bósen Baum (Nr. 11) und dem Gleichnis vom Haus auf dem Fels und dem Sand (Nr. 12) zu finden? Aber, wendet Wellhausen u. a. ein, in der letzten Seligpreisung ist von Verfolgungen die Rede und auch der Spruch von der Feindesliebe setzt solehe voraus. Hier liegt eine prin- zipielle Frage vor. In der heutigen Kritik der evangelischen Geschichtserzählung wird häufig alles, was ein Hysteron-Proteron sein kann, auch sofort mit dezidierter Sicherheit so beurteilt. Das scheint mir eine kritische Gewissenhaftigkeit zu sein, die in ihr Gegenteil umschlägt. Gewiß, Hystera-Protera sind zahl- reich in den Evangelien vorhanden — jede „praktische“ Be- ziehung und Insinuierung führt zu einem Hysteron-Proteron, und die Evangelien verfolgen praktische Zwecke —, aber daraus folgt keineswegs, daß Spruch um Spruch zeitgeschichtlich gefärbt und korrigiert sein muß. Sehr oft empfängt er den gewünschten praktischen Sinn bereits durch den Zusammenhang, in den er gestellt ist, und es bedurfte keiner Umformung. Soll nun Jesus seinen Jüngern nicht gesagt haben können: „Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und in Lüge allerlei Böses von euch reden?“ Das muß ja bereits bei Lebzeiten Jesu die Jünger immer wieder und in den verschiedensten Formen betroffen haben, und es ist gar nicht abzusehen, wie Jesus daran vorübergegangen sein kann. Ich gestehe, daß ich die generelle Beanstandung solcher Sprüche nicht begreife und in ihrer prinzipiellen Tilgung aus den echten Worten Jesu einen schweren Mißgriff sehe!. Bei dieser Methode bleibt zuletzt nur der destillierende Kritiker übrig; denn bei der Parallele, die naturgemäß zwischen dem Jüngerkreise und der späteren Gemeinde besteht, kann mit leichter Mühe so gut wie alles als Hysteron-Proteron beanstandet werden. In bezug auf die in der Bergpredigt ins Auge gefaßten Verfolgungen ist aber noch zu beachten, daß es nicht heißt: „so haben sie auch mich verfolgt“, sondern: „so haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch gewesen sind.“ In Q 3—8. 11. 12 ist nichts zu finden, was einer sekundären 1) Eine andere Frage ist, ob diese Sprüche in einigen Füllen zeit- geschichtlich gefürbt worden sind, und das scheint mir allerdings gewiß, 144 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. Tradition zugewiesen werden muß. Wie steht es mit den Stücken der Bergpredigt, die nur mit Wahrscheinlichkeit Q zugewiesen werden können? Die Anweisung: „Bittet, so wird euch gegeben“, samt dem Gleichniswort vom Brot und Fisch (Nr.28), das Licht unter dem Scheffel (Nr. 31), das Wort vom Auge, welches des Leibes Licht ist (Nr. 32), die große Rede über das Sorgen (Nr. 35), das Verbot des Schätzesammelns (Nr. 36), der Widersacher und der Richter (Ντ. 2011. die enge Pforte und der schmale Weg (Nr. 41), das dumm gewordene Salz (Nr. 47), die Warnung vor Zweiherrndienst (Nr. 49), das Wort von der Unverbrüchlichkeit des Gesetzes (Nr. 51) und das Wort von der Ehescheidung (Nr. 52), endlich das Vaterunser (Nr. 27) kommen noch in Betracht? In Nr. 28 ist nichts als sekundär zu beanstanden, wohl aber zu beachten, daß auch die Jünger unter die πονηροί gerechnet werden. Von Nr. 31. 47. 52 war oben (S. 138ff.) schon die Rede. In Nr. 32. 35. 36. 39. 49 wird auch das schärfste Auge nichts entdecken, was Jesus nieht gesagt haben kann. Aber zu Nr. 41 bemerkt Wellhausen: „Die eschatologische Färbung bei Luk. verwischt Matth. hier ebenso wie c. 6,19. Die enge Tür wird als bekannt vorausgesetzt, denn sie ist das Nadelöhr von Mark. 10, 25, wie man bei Luk. noch sieht. Noch später ist Jesus selbst die Tür geworden (Joh. 10). Von der einen Tür geht Matth, zu den zwei Wegen über, beläßt aber die Tür im Sing. und reserviert sie für den schmalen Weg — wenn die in meiner Übersetzung befolgte Lachmannsche Lesung von 7, 13 richtig ist. Die zwei Wege gehen bei den Juden nicht etwa auf die griechische Legende von Herkules zurück, sondern auf Ps. 1, 6 und zuletzt auf Jerem. 21, 8.“ Letzterem stimme ich gerne zu und bedaure nur, daß man das heute ausdrücklich sagen muß; dem aber, was vorangeht, vermag ich nicht zu folgen. Weder kann ich den Text des Luk. für den ursprünglichen halten (s.o. S. 49£), noch scheint es mir gestattet, hier das „Nadelöhr“ her- beizuziehen. Die Tür und der Weg bedürfen m. E. keiner Er- klärung: jeder muß ohne weiteres verstehen, was sie bedeuten, 1) Man beachte den drohenden Schluß. 2) Vermutlich auch das Wort von den Blindenleitern (Nr. 9) und der Spruch, daf der Schüler nicht über dem Meister sei (Nr. 10) Lukas hat beide Sprüche in der Feldpredigt, Matth. den ersten in c. 15, den zweiten unter den Diataxeis in c. 10 (dort könnte er auch gestanden haben). Q und Markus. 145 - zumal da sie durch „die Vielen“ und „die Wenigen“ hinreichend erläutert sind. Die eschatologische Färbung ist übrigens auch in der Fassung Q (Matth.) deutlich genug, und etwas Sekundäres findet sich in dem Gleichnis nicht. In dem Spruch Nr. 51 von der Unverbrüchlichkeit des Ge- setzes hat Q die Stellung Jesu zum Gesetz zum Ausdruck ge- gebracht. Man darf nicht sagen, daß ein Aufhóren des Gesetzes in Aussicht genommen ist — denn darauf liegt nicht der Ton —, sondern die Meinung ist: das Gesetz bleibt, solange Himmel und Erde bleiben. Man wird nicht bestreiten können, daß dies wirklich die Meinung Jesu war, und bei Mark. findet sich ein solches Wort nicht, dagegen 13, 30 der Spruch: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht ver- gehen.“ Will man diesen Spruch zum Vergleich heranziehen — und das zwingt sich fast auf —, so kann kein Zweifel sein, wo das Sekundäre zu suchen ist. Es bleibt noch das Vaterunser (Nr. 27)1. Ob es überhaupt in Q gestanden hat, ist nach der Überlieferung fraglich, und in welcher Form, ist kontrovers. Folgt man der kurzen Form, die von uns ermittelt worden ist, so bleibt der Charakter eines gemein- samen Gebets und in gewissem Sinn eines Gebetsformulars noch immer bestehen. Allein deshalb die Überlieferung für sekundär zu halten, ist m. E. sehr vorschnell, Auch nach Mark. weist Jesus seine Jünger zu beten an, und ich zweifle, ob im Orient je ein Prophet oder Lehrer Gebetsanweisungen gegeben hat, ohne ein Mustergebet zu geben. Wellhausen bemerkt: „Jesus gibt den Jüngern nicht die Formel eines Gemeindegebets, weil sie noch keine Gemeinde sind“ (Einl. S. 87). Aber ist das Vaterunser deshalb ein Gemeindegebet, weilesein gemeinsames Gebet ist, und gab es unter den Anhängern Jesu nicht schon bei seinen Lebzeiten einen festen Schülerkreis, der gemeinsam lebte? Unser Wissen um die Art der Gemeinschaft dieses Schülerkreises müßte ein viel genaueres sein, wenn wir uns erlauben dürften zu 1) Die Sprüche von den Blindenleitern und daß der Schüler nicht über den Lehrer sei und kein anderes Schicksal zu erwarten habe als dieser, erregen keinen gegründeten Verdacht (Nr. 9.10). Ein Hysteron- Proteron wird ein Skeptischer bei dem zweiten Spruch argwöhnen — unter der Voraussetzung, daß Jesus nichts gesagt haben könne, was auch auf spätere Verhältnisse bezogen werden kann. Harnack, Sprüche Jesu. 10 146 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliehe Untersuchung etc. behaupten, daß ein von Jesus ihnen gegebenes Gebet eine Unmóg- lichkeit sei. Wohlist einzuräumen, daß das Vaterunser mit den Um- rahmungen, die ibm Matth., ja auch Luk. gegeben hat, ein litur- gisches, also ein Gemeindegebet ist; aber von der kurzen Form gilt das nieht. Sie bietet m. E. keinen Anstoß. Im einzelnen und als Ganzes beurteilt. trügt das, was in der Bergpredigt als Verkündigung Jesu vorangestellt ist, den Stempel unverfälschter Echtheit. Man staunt, daß in dem Zeitalter, da Paulus wirkte und während die apologetischen Fragen und die Gesetzesfrage brennend waren, die Verkündigung Jesu so streng als Moralpredigt in Erinnerung und Kraft erhalten worden ist. Auf die Didaskalia, wie sie in der Bergpredigt gegeben ist, folgte in Q unmittelbar die Erzählung vom Hauptmann zu Ka- pernaum (Nr. 13) Wie wenig es dem Kompilator von Q bei seiner Redesammlung auf Chronologisches ankam, zeigen die Worte, in denen Jesus bier auf eine längere Wirksamkeit zurück- schaut. Wellhausen (Matth. S. 36) meint, Q lege hier in star- kem Gegensatz zu Mark. das grófite Gewicht auf die Wunder- wirkung durch das blofie Wort und auf die Fernwirkung, und er meint ferner, der Hauptmann könne ein Doppelgänger des Jairus sein, Was letzteres betrifft, so scheinen mir die beiden Geschichten doch zu.verschieden, um das Experiment zu gestatten, die eine aus der andern abzuleiten; aber die erste Behauptung verlangt eine genaue Prüfung!. (1) Wer die Perikope im Zusammenbang von Q würdigt, muß sieh sehr wundern, daß sie, wenn ihr Akumen die Heilung ist, überhaupt in Q steht. Sie fällt damit aus dem Rahmen von Q, welches sonst eine Redesammlung ist, heraus?, (2) Sieht man aber näher zu, so ist nicht die Heilung das Akumen, sondern das grofie Vertrauen des heidnischen Haupt- manns (wie beim kananüischen Weib) zur unbeschrünkten Macht Jesu; denn das diesen Glauben bezeugende Wort Jesu, nicht sein Heilungswort, ist der Gipfel der Erzühlung. Das Hei- 1) Dabei wird man fragen dürfen, ob Markus wirklich eine Heilung in Fernwirkung verschmäht hätte (s. das kananäische Weib). 2) In der Beelzebul-Perikope ist die Heilung nur der Anlaß zu einer langen und bedeutungsvollen Rede Jesu. Q und Markus. 147 lungswort hinkt bei Matth. nach und wird von Luk. gar nicht erwähnt, (3) Dies ist bereits entscheidend und genügt, aber man darf vielleicht noeh einen Sehritt weiter gehen. Wir haben oben (S. 56) die Frage offen gelassen, wie die Perikope in Q ge- schlossen hat. Matth. schließt sie fast wie die des kananüischen Weibes: καὶ εἶπεν ὁ Ἰησοῦς τῷ ἑκατοντάρχη" [ὕπαγε], ὡς ἐπίστευσας γενηϑήτω σοι" καὶ ἰάϑη ὁ παῖς ἐν τῇ ὥρα ἐκείνῃ. Luk. schreibt ganz summarisch (und mit drei Partizipien, also in seinem Stil): καὶ ὑποστρέψαντες εἰς τὸν οἶχον οἱ πεμφϑέν- τες εὗρον τὸν δοῦλον ὑγιαίνοντα. Kein Wort in diesen beiden Berichten ist identisch. Das ist sehr auffallend. Wie soll der Schluß in Q also gelautet haben? Ich halte, da das nicht auszumachen, die Hypothese nicht für zu kühn, dal in Q über die Heilung überhaupt nichts oder etwas ganz an- deres gestanden hat, als was wir bei Matth. und Luk. lesen. Beides ist möglich und wäre nicht befremdlich !; sicher ist je- denfalls, daß der Schlußvers sowohl bei Matth. wie auch bei Luk. verdächtig ist. Daß sie aber beide unabhängig von ein- ander so geschrieben haben, wie sie schrieben, ist Dicht auf- fallend. Liegt das Akumen dieses Stücks in einem kurzen Jesus- Wort, in der Konstatierung der Empfänglichkeit eines Heiden, und ist dem gegenüber die Heilung Nebensache oder überhaupt nieht berichtet oder unter anderer Form erfolgt und berichtet, so befremdet die Erzählung in Q nicht mehr? und läßt sich auch als eine dem Mark. gegenüber sekundäre Tradition nicht be- zeichnen. Daß dem Abraham aus den Steinen Kinder erweckt werden können, hatte schon der Täufer drohend verkündigt, und die Geschichte vom kananäischen Weib (Mark.) ist eine wich- tige Parallele zu unserer Perikope. Was sich in den Evangelien auf die Aussendung der Jünger 1) Bei dem kananäischen Weib macht Jesus ja auch Umstände bei der Heilung. 2) Wernle (Synoptische Frage S. 232) glaubt urteilen zu müssen, die Perikope sei erst später in Q eingedrungen, da sie mit dem „Judais- mus“ von Q streite; aber () trägt nicht das Geprüge eines Judaismus, der eine solche Schätzung heidnischen Glaubens nicht zuläßt. 10* 148 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. bezieht, ist mehrfach sekundäre Überlieferung, aber damit ist nicht gesagt, daß die Sache selbst unmöglich oder unwahr- scheinlich ist, so gewiß sich Späteres hier eingemengt hat. Wellhausen sagt (Mark. S. 46 zu Mark. 6, 7 £): „Die Zwölf machen nur ein Experiment und sind hinterher genau so un- selbstándig und passiv wie zuvor, obwohl das Experiment ge- lingt. In Wahrheit hat Jesus keine Übungsreisen mit seinem Seminar veranstaltet.^ Aber die Aussendung ist durch die doppelte Überlieferung bei Mark. und in Q zu stark bezeugt, als daß man sie einfach beseitigen dürfte, und sie ist an sich nicht unwahrscheinlich, wenn Jesus doch annahm, er müsse in dieser kurzen Spanne Zeit für die móglichste Verbreitung der Àn- kündigung der Nähe des Reiches sorgen. Doch haben wir es hier mit der Tatsache nicht zu tun. Für uns lautet die Frage lediglich, wie sich der Bericht in Q zu dem Markus-Bericht ver- hält. Sie sind zum Teil sachlich zum Teil fast wörtlich identisch und bei Matth. verschmolzen, bei Luk. aber (c. 9 und 10) aus- einandergehalten. In den parallelen Abschnitten, in denen der Text von Q nicht mehr sicher festgestellt werden kann (daher sind sie in unserer Textfeststellung eingeklammert), ist der Hauptunterschied, daß Markus einen Stab erlaubt und Schuh- werk, Q nicht. Mir scheint Mark. eine Abschwächung zu sein, die sich aus der Praxis ergeben hat. Der Aussendungsrede stand in Q die Geschichte von dem, der sich zur Nachfolge an- bot, und dem, der zuvor seinen Vater begraben wollte, voran (Nr. 17). Sie ist erzählt um der beiden Herrnsprüche willen, in deren erstem zum erstenmal in Q sich der Ausdruck „Menschen- sohn“ findet. Die Sprüche sind von echtestem Gepräge. Dann folgte (Nr. 18) der Spruch von der großen Ernte und den we- nigen Arbeitern. Wellhausen bemerkt (Matth. S. 44): „Die Ernte ist sonst das Weltende und die Schnitter die Engel. Wenn unter dem Herrn der Ernte Gott verstanden werden muß, so entspricht die Bitte nicht ganz dem tatkräftigen Eingreifen Jesu, der im folgenden selber die Schnitter aussendet.^ Dieses Be- denken fällt ins Gewicht, scheint mir aber doch nicht mit Sicher- heit gegen primüre Überlieferung zu sprechen: das Bild von der Ernte kann auch von Jesus selbst gewechselt sein. — In der Aussendungsrede wäre der bedeutendste Unterschied zwischen Mark. und Q, wenn jener nur von der Mission in den Häusern, Q und Markus. 149 Q auch von der in den Städten sprüche. Wellhausen (Luk. S. 49) sagt: ,Die óffentliche Stadtpredigt ist spüter als die heim- liche Hauspredigt, ebenso wie die Aufnahme in die Stadt später als die in das Haus. Also hat Mark. der nur vom Hause redet, die Prioritit vor Q; denn das ist unzweifelhaft und von Matth. richtig erkannt, daß Mark. 6, ΤΗ. und Luk. 10, 18. Varianten sind, die verglichen werden müssen.“ In Q stand nicht die Stüdtemission an Stelle der Hausmission, sondern beide standen nebeneinander. Das ist weder ein Pleonasmus noch im streng- sten Sinn eine Tautologie. Auch standen im Missionshorizonte Jesu sowohl Stüdte wie Häuser. s. das Wehe über Chorazin, Bethsaidan und Kapernaum. Es ist also nicht abzusehen, warum Anweisungen über die Mission in Stádten jünger sein sollen als über die in Häusern; beides ist — wie auch die älteste Missions- geschichte beweist — immer gleichzeitig erfolgt. Aber die ganze Voraussetzung, bei Mark. fehle die Mission in den Städten, ist mir sehr fraglich. Nach Wellhausen ist in Mark. 6, 10. 11 kein Unterschied zwischen οἰκία und τόπος; allein die nächst- liegende Auslegung ist das m. E. nicht, vielmehr ist τόπος, wie gewöhnlich, Stadt, aber die Haus- und Stüdtemission wird als eine einheitliche gefaßt; eine wirkliche Differenz zwischen Mark. und Q ist hier also unerfindlich. — Die Drohung in Q, daß es Sodom ertrüglicher gehen werde beim Gericht als den wider- spenstigen Stüdten (Nr. 22), befremdet nicht. — Von Nr. 24 sehe ich ab (s. o). Q hat (Nr. 34") die Verkündigung, daß Worte gegen den Menschensohn vergeben werden; bei Mark. fehlt sie. Dieser Tatbestand spricht für die Priorität von Q; Well- hausens (Matth. S. 626) Nachweis des Gegenteils überzeugt nicht. In Nr. 34%, welches sonst alle Züge ältester Über- lieferung trägt, mag die Verpflichtung des Bekenntnisses zur Person Jesu sekundär sein; aber notwendig ist die Annahme nicht, und die Verheißung: „Ich werde mich zu ihm bekennen im Angesichte der Engel Gottes“ (also beim Gericht), lautet sehr altertümlich. Ähnlich ist über Nr. 38 zu urteilen: man mag es für wahrscheinlich halten, daß dies ein vatieinium ex eventu ist; aber warum soll Jesus nicht diesen Erfolg seiner Predigt vor- her angekündigt haben, wührend doch Propheten Ähnliches ge- sagt haben? Er sah gewiß selbst schon bei Lebzeiten, wie seine Verkündigung die Familien gespalten und die Nächsten getrennt 5 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. 150 p hat. Die nahe verwandte Nr. 45 lasse ich beiseite, da sie nicht ganz sicher ist. — In Nr. 46 (sein Kreuz tragen) liegt wahr- scheinlich ein Hysteron-Proteron vor!, aber gewiß ein uraltes, Der Spruch vom Finden und Verlieren der Seele (Nr. 57) hat nichts Befremdliches. Die hier kurz besprochenen Stücke haben, abgesehen von Mark. 6, 7—11, noch einige andere Parallelen in diesem Evan- gelium. Auch Mark. schreibt zu Nr. 34* (4,2 9): οὐ rag ἐστι» κρυπτόν, ἐὰν μὴ ἵνα eege? οὐδὲ ἐγένετο ἀπόκρυφον, ἀλλ ἵνα ἔλϑῃ εἰς φανερόν (das ist wie eine Übersetzungs- variante zu einem identischen semitischen Text), ferner zu Nr. 46 (8,34): εἴ τις θέλει ὀπίσω µου ἐλϑεῖν, ἀπαρνησάσϑω ἑαυτὸν καὶ ἀράτω τὸν σταυρὸν αὐτοῦ καὶ ἀκολουϑείτω μοι, ferner zu Ντ, 57 (8, 35) ὃς ἐὰν ϑέλῃ τὴν ψυχὴν σῶσαι, ἀπολέσει αὐτήν: ὃς Ó ἂν ἀπολέσει τὴν ψυχὴν αὐτοῦ ἕνεκεν ἐμοῦ καὶ τοῦ εὐαγγελίου, σώσει αὐτήν, endlich zu Nr. 24 — doch ist dieser Spruch vielleicht überhaupt nicht aus Q — (9, 37): ὃς ἂν ἐμὲ δέχηται, οὐκ ἐμὲ δέχεται ἀλλὰ τὸν ἀποστείλαντά µε. Nir- gendwo zeigt hier Q einen sekundären Zug gegenüber Markus, wohl aber gilt das Umgekehrte; denn der anachronistische Zu- satz: Evexev ἐμοῦ καὶ τοῦ εὐαγγελίου ist Q fremd. — Es ist also Q bei diesen Diataxeis weder von Mark. abhängig, noch ihm gegenüber sekundär. Daß sich hier und im Mark. iden- tische Sprüche finden, ist nicht auffallend; denn diese Anwei- sungen Jesu standen gewiß in der Überlieferung überhaupt im Vordergrund und mußten in jede .... aufgenommen werden. Es folgt in Anlafi der Sendung der Johannesjünger die große Rede über den Täufer (Nr. 14. 15), zu der es bei Mark. keine Parallele gibt. Die Geschichte samt Rede ist deshalb so wichtig und trägt zugleich den Stempel der Echtheit, weil un- befangen über Zweifel des Johannes berichtet wird, weil die 1) Die Verweisung auf die Sitte, daß der zum Kreuzestod Verurteilte den Kreuzesbalken tragen mußte, genügt natürlich nicht. Dagegen ist viel- leicht zu erwägen, worauf jüngst Reinach wieder aufmerksam gemacht hat, daß der Kreuzestod des Gerechten nach der bekannten Stelle bei Plato und Ps. 22 eine typische und weit verbreitete Vorstellung gewesen sei. Doch fehlt noch viel zur Begründung dieser Hypothese. eg CH Q und Markus. 151 Heilandstätigkeit Jesu als sein eigentliches Werk erscheint! (also ist in ihr die Nähe des Reiches Gottes gegeben) und weil mit der wertvollsten Charakteristik des Täufers zugleich eine Sehätzung seiner Person und Sendung aus dem Munde Jesu er- folgt. Nur die Worte: ὁ δὲ μικρότερος ἐν τῇ βασιλείᾳ τοῦ ϑεοῦ μείζων αὐτοῦ ἐστιν, sehen wie ein Hysteron-Proteron (vom Standpunkt der Christus-Gemeinde) aus; ob sie es wirklich sind, läßt sich nieht ausmachen; denn wir wissen nicht, wie weit Jesus in dieser Richtung gegangen ist. Daß für Matth. hier die βασιλεία τ. ϑεοῦ ungefähr gleichbedeutend mit ἐκκλησία ist, ist sehr wahrscheinlich, aber ob auch für Q? Hieran schließt sich der wundervolle Vergleich zwischen den spielenden Kindern und dem Volke, das diktatorisch kindische Ansprüche an seine Führer stell. Wellhausen preßt in Nr. 15 das doppelte %2- ϑεν und argumentiert: „Die Tempora für Johannes und Jesus sind völlig gleich. Wenn also Johannes hier der Vergangen- heit angehört, so auch Jesus“. Diese Argumentation, wenn sie den nachträglichen Ursprung der Rede beweisen soll, verstehe ich nicht: Jesus hatte doch bereits längere Zeit gewirkt, als er diese Worte sprach, und sein Bild (im Gegensatz zu dem des Johannes) stand klar in der Öffentlichkeit: warum soll er also nieht haben sprechen können wie er hier spricht, oder vielmehr: wie sollte er anders sprechen? Auch diese Rede trägt m. E. im Ganzen und im Einzelnen den Stempel der Ursprünglichkeit. Man vermag nichts gegen sie einzuwenden als daß sie ein Hy- steron-Proteron sein könnte; aber das ist kein Einwand; er ist es um so weniger, als die Worte: ,ἰδοὺ ἄνθρωπος φάγος καὶ οἰνοπότης“ nicht eben das Walten nachträglicher Legende ver- raten. Auch daß vom Erfolge der Johannesfrage nichts be- richtet wird, also das Schwanken des Täufers bestehen bleibt, ist ein gutes Zeichen, Es mag nun Nr. 23 (das Wehe über die Städte) in Q σε- folgt sein. Die ,δυνάμεις αἱ γενόμεναι ἐν ὑμῖν" sind das, was die Städte so verantwortlich macht. Das ist dasselbe, was in 1) Die Erwägungen, welche Wellhausen anstellt, um die Wahr- scheinlichkeit zu erweisen, die Worte seien allegorisch zu verstehen, scheinen mir nicht durchschlagend. 152 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. der vorhergehenden Perikope in der Antwort an Johannes her- vorgehoben worden ist (die Taten Jesu nótigen zum Glauben; wird er dennoch verweigert, so ist es Bosheit), und wenn ge- sagt ist, Tyrus und Sidon würden Buße getan haben, so ist Nr. 30 zu vergleichen. Man erkennt also, daß diese Ab- schnitte durch ein und dieselbe Auffassung sachlich enge ver- bunden sind. Das folgende Stück (Nr. 25), die große Exhomologese an den Vater, wird zur Zeit von vielen Kritikern als ganz sekun- där, ja als ein christliches Gedicht beurteilt. Ich vermag mich ihnen nicht anzuschließen und freue mich, daß auch Schmiedel (Das 4. Evang. 1906, S. 48ff.) anders urteilt. Ob das Stück wörtlich echt ist — wer kann das behaupten oder beweisen ? Aber daß es Gedanken enthält, die sich zu dem echten Ge- dankenkreise Jesu fügen, läßt sich zeigen. Wann der Jubelruf gesprochen worden ist, wissen wir nicht. Im Gegensatz zu dem vorigen Stück dankt Jesus dem Vater dafür, daß er doch Erfolg gefunden hat — Erfolg für seine Verkündigung, seine Lehre (denn nur das kann „taŭra“ bedeuten) und zwar bei den Ein- fältigen. Die Ablehnung seitens der Weisen und Klugen und die Ablehnung dieser Klugen durch Jesus ist gewiß weder un- geschichtlich noch auffallend (sie klingt im I Kor.-Brief des Paulus nach). Bedeutet aber ταῦτα” Erkenntnis, Lehre, so be- stimmt sich darnach auch der Sinn des „zavra“, und diese Er- klärung wird durch das Folgende lediglich bestätigt — Gotteser- kenntnis ist gemeint. Mit Recht sagt Wellhausen: „Es handelt sich in diesem Zusammenhang nicht um Macht, sondern um Er- kenntnis, um Einsicht in die göttlichen Dinge, um das wahre Wesen der Religion. Alle Lehre und alles Wissen ist bei den Juden ,παράδοσις'; die παράδοσις Jesu aber stammt unmittel- bar von Gott, nicht von Menschen“. , Πατήρ" sagt Jesus, höchst wahrscheinlich nicht πατήρ uov“, wie im Eingang „rateo κύριε τοῦ οὐρανοῦ καὶ τῆς γῆς“. Das absolute „der Vater, der Sohn* findet sich ebenso bei Mark. (10, 32), ist also kein Kenn- zeichen des sekundären Charakters von Q Mark. gegenüber. Der Schluß: „Niemand hat Erkenntnis des Vaters gewonnen als der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will“, sagt nichts von einem „ewigen“ Verhältnis des Vaters und Sohnes aus, sondern Q und Markus. 153 bringt eine geschichtliche Tatsache zum Ausdruck. Sie liegt nicht über der Linie, die durch Matth. 13, 16. 17 (ὑμῶν µακά- ριοι οἱ ὀφθαλμοί, ὅτι βλέπουσιν χτλ), Matth. 11, 9—11 (Ur- teil über den Täufer) und Matth. 12, 38 ff. (mehr als Jonas und Salomo) bezeichnet ist. Die Zusammenordnung erhabener Mo- mente in diesem Jubelspruch, die als einzelne auch sonst belegt werden können, ist kein Zeichen des Sekundären — oder darf eine erhabene Rede, wie man sie von jedem großen Propheten erwartet, nur Jesus nicht beigelegt werden? Der Spruch enthält also nichts, was zu beanstanden wäre, und darf daher als eines der wichtigsten Stücke zur Charakteristik Jesu benutzt werden. Bei Markus hat er Einzelparallelen, aber keine Parallele; dieser Evan- gelist war bei seiner unruhigen und hastigen Art gar nicht fähig, einen solchen Spruch wiederzugeben'. Die Beelzebul-Perikope (Nr.29),nicht um derHeilung, sondern um der Rede willen erzählt, hat beiMark. eineParallele; bei Matth. und Luk. ist der Markustext so mit dem von Q vermischt, daß man nur Bruchstücke dieses Textes feststellen kann? Sekun- däre Züge in Q hat man in dem Satze: ἄρα ἔφϑασεν ἐφ᾽ ὑμᾶς ἡ βασιλεία τοῦ Θεοῦ, und in dem Spruch: ὁ μὴ Ov uer ἐμοῦ xav ἐμοῦ ἐστιν, καὶ ὁ μὴ συνάγων μετ᾽ ἐμοῦ σκορπίζει, finden wollen; in dem ersteren sei das Reich bereits als ein gegen- wärtiges bezeichnet und in dem letzteren kündige sich das „extra ecclesiam nulla salus“ an; dem gegenüber sei Mark. 9, 40 („wer nieht wider euch ist, der ist für euch“) ursprünglicher. Allein daß das Satansreich bereits jetzt zu seinem Ende kommt, weil „der Gewaltige“ jetzt gebunden wird, sagt auch Markus, wenn auch nur indirekt (c. 3, 27); die direkte Aussage darf dem 1) Näheres s. im. Exkurs I. — Die Fortsetzung des Spruchs bei Matth. (11,28—30) wird von vielen Kritikern als seine wirkliche Fort- setzung angesehen. Aber wenn sie es ist und der Spruch in Q stand, warum [hat ihn Luk. fortgelassen? Er mußte ihm doch gerade für seine Tendenzen willkommen sein, Dazu kommt, daß er doch mehr äußerlich als innerlich mit 25—27 zusammenhüngt. Die Frage der, Ursprünglichkeit des Spruchs wird durch die Entscheidung, daB er gegenüber den vorher- gehenden Versen selbstündig ist, nicht berührt. 2) Dies gilt besonders vom Anfang. 3) So D, die griechischen Codd. haben die erste Person. 154 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. gegenüber nicht als ein Fortschritt des Gedankens bezeichnet werden. Was aber den folgenden Spruch betrifft, so hat noch niemand den Zusammenhang, in welchem er bei Matth. und Luk. steht, sicher ergründet; dann aber ist es noch viel weniger móglich zu sagen, was Q gemeint hat. Warum man aber an „extra ecclesiam nulla salus“ denken soll, sehe ich nicht ein. Selbst wenn, wie wahrscheinlich, συνάγειν und σκορπίζειν von der Heerde zu verstehen ist (συνάγειν findet sich im Täufer- spruch [Nr. 1] auch vom Getreide), so sind das doch bekannte prophetische termini techniei für die Zuführung Israels zu Gott und die Entfremdung, die nicht ohne bestimmten Anlaß ekkle- siastisch verdichtet werden dürfen, mag sie auch Matth. so ver- standen haben. Jesus hat doch gewiß von seinem συνάγειν mehr als einmal gesprochen. Die Vergleichung aber mit dem scheinbar widersprechenden Spruch Mark. 9, 40 (Luk. hat beide Sprüche) läßt man besser ganz; denn die Sprüche stehen in ver- schiedenem Zusammenhang und können nebeneinander bestehen. Glaubt man aber von dem kritischen Schema nicht lassen zu dürfen, welches in solchen Fällen eine Unifizierung verlangt, so ist wohl zu fragen, ob nicht der exklusive Spruch und der Spruch, der noch nicht auf die Jünger überträgt, was von Jesus gilt, der ursprüngliche ist. Mindestens kann man in utramque par- tem argumentieren, also: non liquet. Die in Q angehängte iro- nische Kritik des Erfolgs der Exorzismen endlich ist so para- dox, so singulär und ohne jede „heilsgeschichtliche* Pointe, daß sie niemand beanstanden wird. Die Perikope von dem Jonaszeichen (Nr. 30), sobald man nur die schlimme Interpolation des Matth. entfernt, ist von be- sonderer Einfachheit und Kraft. Buße soll dies böse und ehe- brecherische Geschlecht tun, und es empfängt, wenn es in eitlem Trachten Zeichen begehrt, nur den Bußprediger wie die Nine- viten — aber einen größeren als Jonas; trotzdem bleibt es un- bußfertig. Was will man gegen diese Rede ein wenden)? 1) Die Geschichte von der Ablehnnng des geforderten Zeichens steht auch bei Mark. (8, 11f.), aber in einer ganz selbständigen Form, die nicht die Quelle von Q gewesen sein kann. Das Jonaszeichen, diese unerfind- bare schlichte und bittere Abfertigung, fehlt bei Mark. Bei Matth. ist sie umgewandelt, weil sie ihm in ihrer Schlichtheit ungenügend und un- zutreffend erschien. Q und Markus. 155 Die nun folgenden Stücke Nr. 33. 43 (Wehe über die Pha- rsüer und Gerichtsankündigung über Jerusalem), 56 (die War- nung vor falschen Messias’; die Parusierede), 58 („Wer da hat, dem wird gegeben“), 37 (das Kommen des Menschensohnes wie ein Dieb in der Nacht; der gewissenlose und der gewissenhafte Hausmeister) und 59 (die Jünger werden die 12 Stümme re- gieren) haben, soviel wir zu urteilen vermögen, den Schluß von Q gebildet! Nr. 58 hat auch bei Mark. gestanden (4, 25). Nr. 33. 43 sind oben S. 72f. 119f. besprochen worden. Das exor- bitante Hysteron-Proteron, welches Wellhausen in Bezug auf Zacharias annehmen zu müssen meint, ist aller Wahrscheinlich- keit nach Q nicht aufzubürden. Schon 33. 43 sind eschato- logisch und weisen auf das kommende Gericht; dasselbe gilt von 56. 37. 58. 59. Die Warnung vor falschen Messias in Nr. 56 mag ein Hysteron-Proteron sein; zu entscheiden ist das nicht. Abgesehen davon trügt alles den Stempel der Ursprünglichkeit und hebt sich von den detaillierten eschatologischen Reden bei Mark. glänzend ab. Die Verheifung an die Zwölfe, daß sie nach der Parusie Israel regieren werden, zeigt aufs klarste den jüdischen Horizont. Passionsreden hat Q nicht überliefert. Es bleiben nur noch die Einzelsprüche 26. 40. 42. 44. 48. 50. 53. 54. 55. Wo sie in Q gestanden haben, kann nicht mehr ermittelt werden. Wenn Nr. 26 bei Matth. an Stelle von Mark. 4, 13 (Scheltrede) steht, so besagt das für Q gar nichts, da Luk. den Spruch an einer ganz anderen Stelle hat (10, 23». 24). Der Spruch zeigt keine spätere Färbung, ebensowenig die drei Gleiehnisse vom Senfkorn, Sauerteig und verlorenen Schaf in Nr. 40 und 48; sie machen vielmehr den Eindruck hoher Ur- sprünglichkeit?. — Der Spruch, daß die Heidenvölker mit den Patriarchen im Reiche Gottes zu Tisch sitzen, die Söhne des Reichs aber ausgestoßen werden (Nr. 42), bietet einen ähnlichen Gedanken wie die Drohrede des Täufers. Die Heidenfreundlich- 1) Ferner die beiden Gleichnisse vom großen Abendmahl und von den Talenten, wenn sie überhaupt in Q gestanden haben (s, o. S. 8345). 2) 8. Jülicher, Gleichnisse II S. 569ff. 314 ff. — Das Gleichnis vom Senfkorn, welches auch bei Mark. (4, 30—32) steht, ist in Q etwas kürzer und straffer als dort. 156 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. keit geht nicht über die Grenze, die auch schon Propheten er- reicht hatten; das Bild von der Mahlzeit ist echt jüdisch. — Der Sprueh von der Selbsterhóhung (Nr. 44) findet sich auch bei Mark. — Der religionsgeschichtliche Ausspruch über die Propheten und das Gesetz (Nr. 50) und die mit ihm verbundene Unterscheidung einer Epoche von Johannes bis jetzt erwecken den Verdacht einer späten Konzeption; aber die drei Stufen ,Propheten, Johannes, Jesus^ werden auch in Nr. 14 unterschie- den, und dort ist die Unterscheidung schwerlich anfechtbar. Auch an diesem Punkte fehlen uns die Mittel, um sicher zu entscheiden, was Jesus sagen und nicht sagen konnte, mag auch die Absteckung einer Periode von den Tagen des Johannes bis jetzt (der Spruch muß nach dem Tode des Täufers gesprochen sein und steht auch bei Luk. sehr viel später als Nr. 14) noch so auffallend sein. Dazu kommt, daß der Wortlaut und der Sinn des Spruchs schwer festzustellen ist. Erstrecken sich Pro- pheten und Gesetz bis Johannes oder haben sie bis Johannes prophezeit? Heißt: „sie erstrecken sich“ soviel wie „sie haben Gültigkeit“ oder soviel wie „es kommen keine neuen Propheten mehr?“ Was heißt: „das Reich Gottes wird gestürmt?“ Und wer sind „die Stürmer?“ Die Originalität des Ausdrucks ist ein starker Schutz für den Spruch. Mehr läßt sich nicht sagen. — Das kurze Wort, daß notwendig Ärgernisse kommen müssen, daß aber dem Menschen, durch den sie kommen, das „Wehe“ gilt (Nr. 53), ist dunkel, da wir nicht wissen, in welchem Zusammen- hang es in Q gestanden hat. Ist jener Mensch Judas (schwer- lich) oder ist der Sprueh generell zu verstehen? — Die Doppel- anweisung in Nr. 54, in der jede Hälfte ganz selbständig ist, ist ein schönes Beispiel dafür, daß Matth. Q Zwecken dienstbar gemacht hat, die der Quelle fremd sind. Diese sagte 1., man solle den sündigenden Bruder zurechtweisen, und knüpfte daran die Zusage, daß man dadurch den Bruder retten könne; sie lehrte 2., daß man persönliche Beleidigungen seitens eines Bruders grenzenlos vergeben solle. Matth. hat die Gemeinde | hier eingetragen und eine förmliche Bußordnung aufgestellt. Sünden, Beleidigungen und Verletzungen im Jüngerkreise sind gewiß nicht selten vorgekommen, und es ist nicht abzusehen, warum Jesus sich nicht über ihre Behandlung ausgesprochen haben soll. Doch, wir haben dafür bei Mark. Beweise. — Der Q und Markus. 157 letzte Spruch, der noch übrig ist, ist Nr. 55. Auch Mark. hat ihn überliefert (11,22: 23: ἔχετε πίστιν δεοῦ. ἀμὴν λέγω ὑμῖν, ὅτι ὃς ἂν εἴπῃ τῷ ὄρει tovto! ἄρϑητι καὶ βλήϑητι εἰς τὴν ϑάλασσαν, καὶ μὴ διακριϑῇ ἐν τῇ καρδίᾳ αὐτοῦ, ἀλλὰ πιστεύῃ, ὅτι ὃ λαλεῖ γίνεται, ἔσται αὐτῷ). Daß diese Fassung den Vor- zug hat vor Q (ἐὰν ἔχητε πίστιν ὡς κόκκον σινάπεως, ἐρεῖτε τῷ ὄρει τούτῳ" μετάβα ἔνϑεν ἐκεῖ, καὶ μεταβήσεταὺ, wird nie- mand behaupten kónnen. Die Vergleichung von Q und Markus sowie die sachliche Würdigung von Q hat nirgendwo zur Annahme einer Abhängig- keit Q's von Markus, kaum irgendwo zur Konstatierung der ge- schiehtlichen Inferiorität Q's gegenüber Markus, an mehreren Stellen aber zur Feststellung der Überlegenheit jenes im Ver- gleich mit diesem geführt. Ein Verwandtschaftsverhältnis zwi- schen Q und Markus besteht allerdings, auch ein literarisches, aber es bezieht sich nur auf wenige Abschnitte und ist augen- scheinlich ein vermitteltes: beide haben einiges in derselben fixierten Form, aber in der Regel in verschiedener Übersetzung aufgenommen und wiedergegeben. Auch eine Abhüngigkeit des Markus von Q — sollte das Verwandtschaftsverhültnis ein direktes sein, so wäre nur diese Hypothese möglich — ist schwerlich zu statuieren; denn die Annahme ist nirgends gefordert, und das Verfahren des Markus gegenüber Q wäre nahezu unbegreiflich. Ob nicht Markus manches von dem gekannt hat, was in Q auf- genommen ist, ob er diese Kenntnis nicht noch an einigen Stellen verrät, ob nicht hinter Markus (und ihm bekannt) Herrnworte- Sammlungen lagen, die sich stark mit Q berührten, ist eine andere Frage, die wohl zu bejahen ist; aber daß er aus unserem Q geschópft hat, wird man nicht nachweisen kónnen. Die schein- barste Verwandtschaft zwischen beiden — die gleiche Akoluthie am Anfang — braucht, wie bereits bemerkt, keineswegs eine literarische zu sein, sondern erklürt sich aus dem Kerygma von Jesus im apostolischen Zeitalter. Der galiläische Horizont, der in Q noeh konsequenter festgehalten zu sein scheint als bei Markus, muß einfach als geschichtliche Tatsache hingenommen werden), 1) Diese Bestimmung des Verhältnisses zwischen Q und Markus stimmt im wesentlichen mit der Holtzmann’s, Wernle’s, Bousset’s 158 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung ete. Chronologische Ordnung im einzelnen darf man in Q nicht suchen. Außer dem Eingang und der Zusammenstellung von Eschatologischem am Schluß bat die Sachordnung geherrscht nnd wahrscheinlich nicht einmal diese überall Die Lehre be- (in einer Anzeige der Wellhausenschen Einleitung in der Theol. Rund- schau), und Jülicher's überein; aber Jülicher (Einleitung® S. 320ff.) glaubte sich genótigt, der Kritik Wellhausens einige wichtige Kon- zessionen zu machen. Er findet, daß dieser es höchst wahrscheinlich gemacht habe, daf die von Matth. und Luk. benutzte Ausgabe von Q nachmareinisch sei. Er stützt dies durch die Versuchungsgeschichte, die Perikope vom Hauptmann zu Kapernaum (Fernheilung, die entwickelteren Ansprüchen als die naiven Heilungsgeschichten bei Mark. genügen sollte), die „zweifellos jüngere“ Fassung des Spruchs: „Wer nicht mit mir ist etc.“ in Q, weiter des Spruchs von der Lüsterung, ferner des Spruchs vom Leuchter, Er nimmt in diesen Fällen aber keine literarische Ab- hüngigkeit an. Es steht natürlich dem nichts entgegen, dass Mark. einiges in ursprünglicherer Fassung aufgezeichnet hat als Q, aber von den an- geführten Belegen — die Stellen sind oben besprochen worden — vermag ich kaum einen anzuerkennen. Der Spruch von der Lästerung in Q scheint Mark. gegenüber nicht sekundär; der Leuchter hatte in Q keine Be- ziehung auf die Jünger (erst Matth, hat sie eingetragen); ob die beiden Worte (mit mir — wider mich; wider euch — für euch) überhaupt kon- frontiert werden dürfen, ist zweifelhaft, und wenn sie es dürfen, ist die Entscheidung über die Prioritüt unsicher: das Herbere gilt doch sonst als das Ursprünglichere. Die Perikope vom Hauptmann hat ihre Pointe nicht in der Fernheilung, sondern im Glauben des heidnischen Mannes, und die Versuchungsgeschichte bei Mark. setzt eine ausführliehere und andere Darstellung höchst wahrscheinlich voraus. Jülicher hat dann noch 8. 321 f. eine mutmaßliche Entstehungsgeschichte von Q entworfen, in der er eine sukzessive Entstehung für wahrscheinlich hält; in einem bestimmten Mo- mente dieser Entwicklungsgeschichte habe dann der Markus-Plan auf Q eingewirkt; umgekehrt liege es nahe, ja sei geradezu geboten, das Ab- sehen des Markus von so vielen wichtigen Reden Jesu aus dem Umstande zu erklären, das sich eine Sammlung von Reden schon in den Händen der Gläubigen befand. „Demnach wäre Q zugleich älter und jünger als Mack: was aber Mark. und Q mit einander gemein haben, ist an Umfang und Bedeutung so gering, daß es sich gar nicht lohnt, die hoffnungslose Arbeit der Verknüpfung von einem Leinen- und einem Seidengewebe — die eben doch weit mehr als blof einzelne Füden sind — immer wieder aufzu- nehmen.“ Dem letzten Satze stimme ich ganz zu, ebenso der aprioristi- schen Annahme, daß Q aus Vorstufen erwachsen ist; aber die Hypothese, daß Mark. auf Q in einem bestimmten Momente der Entwicklung von Q eingewirkt hat, halte ich für unnötig. Man kann sich für sie schlechter- dings nur auf den Anfang von Q berufen, und das reicht nicht aus. Sachliche Charakteristik von Q. 159 stimmte Auswahl und Anordnung — vorherrschend die moralische Lehre, aber keineswegs ausschließlich: in diesen Reden und Sprüchen kommt auch das Verhültnis Jesu zu allen Máchten im Himmel und auf Erden zum Ausdruck. Es sind Λόγοι ᾿Ιησοῦ', die ein deutliches Bild von seiner Verkündigung in der Mannig- faltigkeit ihrer Beziehungen geben. Die , δυνάμεις" sind voraus- gesetzt, aber nicht erzühlt. In der Mitte zwischen einer form- losen Sammlung von Worten Jesu und den schriftlich fixierten Evangelien stehend, ist Q die Vorstufe für diese, Q kann nicht entstanden sein, nachdem der Evangeliumtypus — Worte, Wunder- taten und Passion, Beweis der Messianitit — durch Markus ge- schaffen war; denn als Ergänzung desselben kann Q schlechter- dings nicht aufgefafit werden, und der Evangelientypus, einmal entstanden, hat sich souverün durchgesetzt (s. die apokryphen Evangelien neben den kanonischen). Die sachliche Charakteristik des Inhalts von Q wird dieses Urteil erhürten. leh versuche im folgenden die Hauptzüge zu- sammenzufassen, Die Diataxeis, die einen so großen Umfang haben (entspre- chend Matth. 5—7. 10) und einen Hauptteil von Q bilden, um- fassen Anweisungen an die Jünger (zuerst vor dem Volke, dann nicht öffentlich). Überall wo das christologisch-apologetische Interesse noch nicht überwog, stand das Interesse an den Geboten Jesu im Vordergrund. -So können wir es von Paulus bis Justin, aber auch noch weiterhin verfolgen. Naturgemäß setzten sich die „Christen“ an die Stelle der Jünger und bezogen auf sich, was diesen gesagt war. Aber davon, daß die Sprüche sich nun unmerklich oder merklich modifizierten, findet man in Q nur erst wenige sichere Spuren. Organisation und Kirche, wie bei Matth., treten in Q noch nicht hervor. Die Sprüche gelten dem Einzelnen, auch wo eine Mehrheit angeredet ist. Die prinzipielle Auseinandersetzung mit dem Judentum und die Entgegensetzung 1) Daß Q aus Reden und Erzählungen gemischt sei, wäre eine un- richtige Charakterisierung. Abgesehen von der Versuchungsgeschichte, die als Ouvertüre voransteht, ist bei den übrigen sechs Erzählungen die Er- zählung nur Einleitung zur Rede. Das ist besonders deutlich bei der Geschichte vom Hauptmann, bei.dem Zeugnis Jesu über den Täufer und der Beelzebul-Perikope. Aber auch bei den drei anderen Geschichten e 30. 54) steht es nicht anders. 160 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. der alten und neuen Gebote fehlt; nur in bezug auf die Ehe- scheidung geht Jesus über das Gesetz hinaus. Sonst wird gesagt, daß das Gesetz so lange bleibt wie Himmel und Erde!'. Der jüdische Horizont und die jüdische Art zeigt sich auch darin, daß die Seligkeit im Reiche Gottes als ein Tafeln mit Abraham, Isaak und Jakob vorgestellt und den Jüngern die Regierung der zwölf Stämme verheißen wird. Aber der Gegensatz zu dem gegen- wärtigen Geschlecht in Israel, dem „bösen und ehebrecherischen Geschlecht“, welches die Gottesmänner kommandieren will, und der Kampf gegen seine geistigen Führer, die Pharisäer, ist nirgendwo schärfer ausgeprägt als in der Quelle. Die Kinder des Reichs werden ausgestoßen; Heulen und Zähneklappen wartet ihrer; Sodom und Gomorrha wird es erträglicher ergehen als Chorazin, Bethsaidan und Kapernaum, und den Pharisäern droht ein furchtbares Wehe, Die Heidenfreundlichkeit — sie werden an Stelle der Kinder des Reichs mit Abraham speisen — fügt sich ohne Schwierigkeit in das Bild oder bietet viel- mehr keine größere Schwierigkeit als die ähnlich lautenden früheren Ankündigungen der Propheten. Hierher gehört auch die Hervorhebung des Glaubens des heidnischen Hauptmanns. Die Gebote im einzelnen, so verschieden und mannigfaltig sie sind, atmen doch einen und denselben Geist, den der strengen Einheit- lichkeit der guten Gesinnung, der absoluten Souveränität des Guten d. h. Gottes im Herzen, sich darstellend in der Demut, dem zuver- sichtlichen Gebet, der Liebe und Versöhnlichkeit, dem Verzicht auf irdische Rechte, irdische Güter und irdische Sorgen, endlich in der Bereitwilligkeit zu leiden. Die Forderung der Buße vermißt man nicht; denn sie liegt implicite in allen diesen Geboten (s. o. 5. 141£); sie tritt übrigens in Nr. 30 (vgl. 23) wuchtig hervor. Im ganzen ist hier die Lebensordnung Jesu gegeben und alle seine Verheißungen — eine Zusammenfassung echter, das Leben um- gestaltender Anordnungen, der nichts im Evangelium gleich- kommt, Das Größte an ihnen ist die Selbstverstündlichkeit der Forderung, weil der Mensch zu Gott gehört; diese Selbstver- ständlichkeit gibt ihnen die Kraft. In den zur sog. Instruktionsrede gehórigen Stücken ist es 1) Das Gesetz und die Propheten. Diese stehen im Vordergrund. Namentlich ist es ihr Geschick, Verfolgung zu leiden, das Jesus vorhält, AH Sachliche Charakteristik von Q. 161 nicht anders. Herb und unerbittlich lauten die Worte; kaum irgendwo wird ein Schrecken anders gemildert als durch den Hinweis auf das Jenseits, durch den Trost, daß die Feinde die Seele nicht morden kónnen. Auf Erden ist nichts zu erwarten als das Schicksal der Propheten. Gottes guter und gnädiger Wille und seine provi- dentia eirea minimum ist nur am Ende erkennbar; vorher macht er niemals die Zeche; doch gibt er „Gutes“ denen, die ihn darum bitten, und weiß, was seine Kinder bedürfen. In diesen Reden und Sprüchen ist der Begriff ,das Reich Gottes“ häufig!. Es ist zukünftig gedacht in Nr. 12 („Es werden nicht alle, die Herr Herr sagen, in das Reich Gottes kommen“), in Nr. 16 („Predigt, daß das Reich Gottes nahe gekommen ist“), in Nr. 42 („Heiden werden im Reich Gottes mit Abraham tafeln; die Kinder des Reichs werden ausgeschlossen“), auch in Nr. 33 („Ihr schließt das Reich Gottes zu, ihr tretet selbst nicht ein und hindert die Anderen am Eintritt“)? und in Nr. 35 („Trachtet nach dem Reiche Gottes, und alles dieses wird euch [dort] ge- geben werden“). Aber an den vier übrigen Stellen steht es anders. In Nr. 29 wird gesagt, daß in der Befreiung von der Dämonenherrschaft das Reich Gottes bereits zu dem Volke ge- kommen ist. In den Gleichnissen vom Senfkorn und Sauerteig (Nr. 40) wird es als eine gegenwärtig wachsende und die Men- schen durchdringende Macht vorgestellt, und diese Auffassung ermöglicht es, die neue Periode, die nach der Wirksamkeit des Täufers durch das Wirken Jesu angebrochen ist, schon als die Periode des Reichs (als eines gegenwärtigen) anzusehen (Nr. 14. 50). Mit „Kirche“ hat das nichts zu tun. Was immer die Worte: ἡ βασιλεία τοῦ ϑεοῦ βιάζεται, καὶ οἱ βιασταὶ ἁρπάζουσιν αὐτή», bedeuten mögen — „kirchlich“ lauten sie nicht. Wer aber die Antinomie „das Reich ist zukünftig und ist gegenwärtig“ uner- träglich findet, mit dem ist nicht zu streiten. Die Souveränität des eschatologischen Gesichtspunktes wird durch diese Antinomie nicht beeinträchtigt; nur muß man diese Souveränität nicht aus- schließlich in der, auch in Q bezeugten, dramatischen Eschato- logie suchen und damit die Verkündigung Jesu im Interesse einer dürftigen und niederen Einheitlichkeit verkümmern. Hinter und 1) Q und Markus klingen hier zusammen. 2) Ganz sicher ist hier der eschatologische Sinn nicht, Harnack, Sprüche Jesu, 11 162 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung ete. über der dramatischen Eschatologie steht die „Eschatologie“, daß Gott in Lohn und Strafe Recht behält und daß sein Wille sich in der Moral ausprügt, der das Leben zu opfern ist. Ob Q eine im wesentlichen einheitliche und alte Quelle ist, muß sich schließlich an der Art bewähren, wie sich die Person Jesu darstellt. Hier ergeben sich folgende Beobachtungen: 1. Q sieht, worauf bereits oben (S.120f.ete.) hingewiesen wurde, von der Passion ganz ab. Dies bleibt selbst dann noch auf- fallend, wenn man den mutmaßlichen Zweck der Zusammen- stellung: ; Λόγοι τοῦ κυρίου Ἰησοῦ, οὓς ἐλάλησεν διδάσκων", scharf im Auge behält. Aber das Auffallende hier ist eine Tat- sache, an der nicht zu rütteln ist, und sie bestätigt jedenfalls, daß wir es mit einer sehr alten Sammlung zu tun haben!. Mit dieser Beobachtung hängt die zweite eng zusammen, daß 1) Ein Skeptischer, der religionsgeschichtlich durchgebildet ist, findet hier vielleicht noch mehr. Er wird so argumentieren: Die älteste Quelle, die wir über Jesus besitzen, weiß von seinem Kreuzestode nichts. Dies ist um so auffallender, als sie kein formloser Haufe von Sprüchen ist, sondern mit der Messiasweihe und -bewährung beginnt. Hat sie einen geschichtlichen Anfang gehabt, so muß sie auch einen geschichtlichen Schluß besessen haben, d. h. sie muß die Passion erzählt haben — wenn sie stattgefunden hat. Da sie sie nicht erzählt, hat sie auch nicht statt- gefunden. Dieser Verdacht wird verstärkt, wenn man erstens erwägt, daß die Passion (und zwar eben als Kreuzestod) enge zur Auferstehung gehört und mit ihr zusammen in gewissen Kreisen ein festes Stück der Geschichte des Christus bildete (lange vor Jesus); wenn man ferner erwägt, daß die Auferstehung und was mit ihr zusammenhängt, ganz unglaubwürdig ist und lediglich in die Geschichte projizierte Dog- matik darstellt, und wenn man sich endlich erinnert, wie unsicher, ge- heimnisvoll und bedenklich alle Passionsankündigungen in den Evangelien sind und wie unsicher und widerspruchsvoll die Erzählung von der Passion selbst ist. Überschlägt man das alles, so ist es eine Halbheit, aus der Ge- schichte des Christus lediglich die Passion für den geschichtlichen Jesus in Anspruch zu nehmen, das Übrige aber zu verwerfen. Man muß viel- mehr reinen Tisch machen und auch das „Gekreuzigt unter Pontius Pi- latus* streichen. Der Nachweis, daf die ülteste Quelle von der Passion nichts weiß, ist das Siegel auf die kritische Operation. Aus Q kann man nur schließen, daß Jesus in einer mehr oder weniger rütselhaften Weise plótzlich verschwunden ist. Darauf deuten ja auch die Worte in Q (Matth. 23, 39): „Ihr werdet mich hinfort nicht sehen, bis ihr sprecht: ‚Gelobt sei der Kommende im Namen des Den. Ich halte es für sehr wohl möglich, daß wir diesen oder ähnlichen Unsinn nächstens zu hören Sachliche Charakteristik von Q: Die Person Jesu. 163 2. Q keine christologisch-apologetischen Interessen hat, aus denen sich die Auswahl, Zusammenstellung und Färbung der Reden und Sprüche erklärt. Q unterscheidet sich dadurch aufs bestimmteste von Mark., Matth. und Johannes. Am nächsten kommt ihm noch Luk.; aber dieser ist deshalb mit Q nicht wohl zu vergleichen, weil sein leitendes Interesse, Jesu übermensch- liches Heilandswirken darzustellen, in Q ganz fehlt (wenn dieses Wirken auch deutlich den Hintergrund bildet). Daß alles Christolo- gische in Q, nachdem in der Einleitung ((Taufe und] Versuchungs- geschichte) die Messianitát (Gottessohnschaft) Jesu festgestellt war, nur implicite gegeben ist bzw. seine Determination von der Einleitung erhält (mit Ausnahme von Nr. 25 uud der An- kündigung der Wiederkunft), ist ein Beweis, daß diese Samm- lung ausschließlich für die Gemeinde bestimmt war und daß sie sich an solche richtete, die eine Versiche- rung, daß ihr Lehrer auch der Gottessohn sei, nicht bedurften. Gewiß hat die apologetische Epoche der christ- lichen Lehrüberlieferung mit der Existenz der Gemeinde ihren Anfang genommen, aber der Zustand, daß sich die Apologetik in die Details eindrängte, braucht nicht ab initio eingetreten zu sein. Eben das bezeugt Q. 3. Aber wenn Q auch nicht unter christologisch - apologeti- schen Interessen gesammelt worden ist, ist es doch reich an Reden und Sprüchen, in denen die Person Jesu spezifisch her- vortritt und sich charakterisiert. Folgende Stücke kommen in Betracht: 1. 2. 12. 13—15. 17. 18. (19). 22—26. 29. 30. 31. 945, 34^. 37. 38. 43. 45. 46. 50. 56. 59. Welch ein Bild gewinnt man hier? Nachdem Johannes auf den nach ihm Kommenden, der größer ist als er, hingewiesen und ihn als den Feuerrichter be- zeichnet hatte (ganz im Sinne der eschatologisch-messianischen Erwartung), war in Q wahrscheinlich die Taufe Jesu erzählt samt der Herabkunft des Geistes und der Himmelsstimme, durch welche er als der Gottessohn (Messias) im Sinne von Ps, 2, 7 be- zeichnet wurde, Die Anwendung dieses Spruchs schließt sowohl bekommen werden. Der Anfang ist schon gemacht. In Wahrheit gibt es viel zu viele Möglichkeiten, wie die merkwürdige Abgrenzung von Q zu erklären ist, und ist vor allem unsre Kenntnis von Q und seinem Schlusse viel zu unsicher, als daß man auf dieser Grundlage ein kritisches Gebäude errichten dürfte, ILS 164 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung οἷο. die Präexistenz als auch die wunderbare Geburt aus. In der satanischen Versuchung — so berichtete Q weiter — hat sich dann die Gottessohnschaft (Messianität) sofort bewährt. Die Ver- suchungen sind messianische, d. h. Jesus soll die Prüfung, die ihm, dem Messias, auferlegt ist, mit seiner Wundermacht durch- brechen; er soll im Vertrauen auf die ihm verheißene Engelhilfe ein Schauwunder tun und so Anhang gewinnen, und er soll durch Unterordnung unter den Satan mit einem Schlage Herr der Erde werden. Er lehnt das alles ab: nun beginnen die Λόγοι Ἰησοῦ: die apologetisch-christologische Frage ist beantwortet und abgemacht. In der „Bergpredigt“, die als ganze über dem Niveau eines prophetischen Manifests liegt, tritt nur an zwei Punkten die Person Jesu hervor. Seine Lehre bezeichnet er selbst als das Licht, das auf den Leuchter gehört, damit es allen scheine (31), und an dem Gehorsam gegen seine Gebote, der mit dem Tun des Willens des Vaters gleichgesetzt wird!, entscheidet es sich, ob ein Mensch sein Haus auf einen Fels oder auf Sand baut; das „Herr, Herr“-Sagen ist wertlos (12). Die darauffolgende Geschichte vom Hauptmann (13) soll nicht sowohl die Wundermacht Jesu als den Glauben des Heiden bezeugen; nur implicite sagt sie, daß ihm Wunderkräfte zur Ver- fügung stehen. Jesus verlangt einen starken Glauben und findet ihn — in Israel nicht, sondern bei den Heiden. Wenn diese Geschichte, und nur sie, in Q die Stoffe unterbrochen hat, die bei Matth. in ο, 5—7 und 8—10 stehen, so bekommt sie eine außerordentliche Bedeutung, aber nicht in christologischer Hin- sicht. In den Diataxeis an die Jünger und den beiden Stücken, die ihnen vorausgehen (Nr. 17 und 18), ist das Spezifische der Person Jesu auch nur indirekt, aber um so eindrucksvoller ge- 1)In Nr. 6 heißt es: „damit ihr Kinder seid eures Vaters“ und „seid barmherzig, wie euer Vater“; in Nr. 25 heißt Gott viermal einfach der Vater bez. „Vater, Herr Himmels und der Erde“ (und daneben steht „der Sohn“), in Nr. 27 werden die Jünger angewiesen, zu Gott mit der Anrede „Vater“ zu beten; in Nr 28 heißt es: „um wieviel mehr wird der Vater (ó ἐξ οὐρανοῦ) Gutes geben“, und in Nr. 35: „euer Vater weiß, daß ihr dieses alles bedürft*. „Mein Vater“ findet sich also nur an unsrer Stelle (12), aber gerade hier ist der Text unsicher. Sachliche Charakteristik von Q: die Person Jesu. 165 geben. Jetzt ist das Feld reif zur Ernte (18), aber der Arbeiter sind wenige; Arbeiter sein heißt Jesu folgen, wohin er geht, auch in die grófite Niedrigkeit!, und ihm folgen mit Verzicht auf alle früheren Verhältnisse, selbst auf das zu dem leiblichen Vater (17); denn „ich bin nicht gekommen Frieden zu bringen, sondern das Schwert und die . Nächststehenden zu entzweien“ (38, bzw. 45). Jesum gilt es vor den Menschen zu bekennen; denn nur zu solchen Bekennern wird er sich selbst im Gericht vor den Engeln bekennen (349). Kapernaum ist durch die Wirk- samkeit Jesu daselbst „bis zum Himmel erhoben“, Chorazin und Bethsaidan haben Wundertaten gesehen wie sonst keine Stadt — um so schrecklicher wird das Gericht über ihren Unglauben sein! Er bedeutet die Wende und das kritische Zeichen für alle. In diesen Sprüchen findet sich außer dem messianischen Be- kenntnis beim Gericht dreimal der Ausdruck „Menschensohn“ (17. 34%»b)2 und sonst noch viermal in Q (15. 30. 37. 56). „Der Menschensohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlegt“, „er wird sich zu seinen Bekennern bekennen", ,ein Wort gegen ihn wird vergeben“, „der Menschensohn ist gekommen, ißt und trinkt“, „wie Jonas den Nineviten, so ist der Menschensohn diesem Ge- schlecht zum Zeichen geworden“, „er kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht erwartet“, „wie die Tage Noahs wird die Parusie des Menschensohns sein“. Drei von diesen Sprüchen sind escha- tologisch; aber die vier anderen lassen das als bedeutungslos erscheinen. Man muß konstatieren, daß der Ausdruck nach Q eine geläufige Selbstbezeichnung Jesu gewesen ist. Bei dem Absehen von aller Chronologie ist Q nicht geeignet, als Unter- lage für Untersuchungen über den Moment zu dienen, von welchem an sich Jesus so bezeichnet hat. Nur auf das Markus- evangelium kann man sich für solche Untersuchnngen stützen. 1) Man beachte, daß der Spruch: „die Füchse haben Gruben usw.“ nicht von der Nachfolge in den Tod spricht, sondern in die bitterste Armut, Welch’ ein Zeichen der Echtheit! Aber in Nr. 46 steht es anders; da wird die Kreuztragung als die notwendige Form der Nachfolge ge- boten. Es ist, wie schon bemerkt, die einzige Stelle, in welcher der Kreuzestod in Q vorkommt. Ob in Q gestanden hat: „Ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe“ und „Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf usw. ist, wie gezeigt, nicht gewiß, 2) Doch ist er in Nr. 34 unsicher. 166 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. Q trügt aber insofern etwas zu ihnen bei, als es lehrt, wie voll- kommen und schnell sich das Bewußtsein verwischt hat, daß es eine Zeit gegeben, wo Jesus sich nicht so nannte. Über den Sinn des Ausdrucks in Q kann man schwerlich im Zweifel sein. Wenn das einzige Historische im engeren Sinn des Worts in Q die Erzählungen von dem Hinweise des Täufers auf den kommen- den Messias, (von der Taufe) und von der messianischen Ver- suchung sind und dann plötzlich und wiederbolt in der Spruch- sammlung der Ausdruck „der Menschensohn“ auftaucht, so kann er im Sinne von Q gewiß nichts anderes als den Messias be- deuten £. Wo Q referiert, da braucht es den Ausdruck nicht, sondern spricht einfach von Jesus (nicht ὁ κύριος) oder von ,0 Χριστός“. Letzteres im Eingang zu den Perikopen über den Täufer (14. 15. 50). Die auf die Person Jesu bezüglichen Momente in dieser Rede und in der Exhomologese an den Vater sind die wich- tigsten in der Spruchsammlung. Jesus stützt sich hier (wie in Nr. 23 auf seine δυνάμεις) auf seine Werke. Diese sind die des Messias; aber das runde: „Ich bin der Messias“ ist vermie- den. Zu den Werken gehört auch das «πτωχοὶ εὐαγγελίζον- ται. und auf dieses bezieht sich ausschließlich oder hauptsäch- lich das: «μακάριός ἐστιν ὃς ἂν μὴ σκανδαλιοθῃ ἐν ἐμοί", welches in Q natürlich messianisch verstanden werden muß. Die nun folgende hohe Schätzung des Täufers, der alle Pro- pheten überragen soll, stützt sich letztlich nicht auf die eigene Größe des Mannes, sondern auf seinen Beruf, Vorläufer zu sein, wodurch wiederum die Messianität Jesu indirekt zum Aus- druck gebracht wird, die in dem Satze, daß der Kleinste im Gottesreich größer als Johannes ist, vollends hervortritt. Hier- nach kann die unbefangene Gegenüberstellung: „der Täufer kam, der Menschensohn kam“, nicht als eine Gleichstellung verstanden 1) Es ist mir noch immer sehr wahrscheinlich, daß er auch im Munde Jesu nie eine andere Bedeutung gehabt hat. — Natürlich hat man im einzelnen Fall schlechterdings keine sichere Gewähr, daß Jesus gerade in solchen Sprüchen sich den Menschensohn genannt hat, wo Q ihn sich so nennen läßt. Es ist z. B. mehr als zweifelhaft, daß Jesus in Nr. 15 den Ausdruck gebraucht haben soll, während er in derselben Rede vorher (Nr. 14) jede messianische Selbstbezeichnung deutlich genug ver- mieden hat. Sachliche Charakteristik von Q: die Person Jesu. 167 werden — jene Gegenüberstellung, die uns die einzigartige Kunde - gebracht hat: ἦλϑεν ὁ υἱὸς ἐσϑίων καὶ πίνων, xci λέγουσιν᾽ ἰδοὺ ἄνϑρωπος φάγος καὶ οἰνοπότης, τελωνῶν φίλος καὶ ἁμαρτωλῶν. Bei dieser Abgrenzung der Bedeutung des Täufers gegenüber den Propheten einerseits und Jesu anderseits kann der Satz, daß die Propheten und das Gesetz bis Johannes reichen, nicht mehr befremden. Man sagt — ich kehre zur geschichtlichen Frage (s. oben 8.150£) noch einmal zurück —, daß diese ganze Rede das Produkt einer späteren Zeit sei und wer dürfte für die Wörtlichkeit einer solchen Rede einstehen! Allein man hat anderseits zu be- denken, daß sie in Q mitten unter moralischen Geboten steht und Q keine apologetisch-christologischen Zwecke verfolgt. Man hat ferner zu bedenken, daß es eine pure petitio principii ist, die es verbietet, daß sich Jesus überhaupt über solche Erscheinungen ausgesprochen hat, über die man auch später noch Erwägungen anzustellen Grund hatte. Warum darf er sich nicht über den Täufer geäußert.und so über ihn geäußert haben, während doch der Kontext (in Matth. 11, 4—6 und 11, 16—19) so zuverlässig wie nur möglich ist? Muß man nicht vielmehr umgekehrt sagen, daß er sich notwendig über ihn äußern mußte, und daß es weder befremdet, wenn er ihn unter sich stellte, noch wenn er ihn den Propheten überordnete? Anderes und mehr aber ist über ihn in prinzipieller Hinsicht nieht gesagt, mit Ausnahme des schwer ertrüglichen ἀπὸ τότε ἕως ἄρτι. Daß aber der ganzen Rede das „Ich bin es“ zugrunde liegt, ist kein Grund zu Bedenken, oder man muß den Federstrich über den ganzen Inhalt der Evangelien ziehen. Über die darauf folgende Perikope (Nr. 25), zu der vielleicht auch Nr. 26 gehört, ist in christologischer Hinsicht obeh S. 152f. schon gehandelt worden. Sie bildet den Hóhepunkt der Selbst- aussagen Jesu und führt doch über die Linie nicht hinaus, daß er die Gotteserkenntnis den Einfältigen hat bringen dürfen, die Gotteserkenntnis, die er als der Sohn (Messias) zuerst allein er- balten hat und die er nun offenbart, wem er will. Der Spruch, der die Jünger selig preist, daß sie sehen und hören, was zu sehen und zu hören alle Propheten (und Könige) um- sonst verlangt haben, stellt den abschließenden Charakter dieser Gotteserkenntnis noch einmal ins Licht und bezeugt zugleich, 168 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung ete. daß Jesus (s. den vorigen Abschnitt) über das Verhältnis des Einst und Jetzt — nicht nur in bezug auf das Gesetz, sondern auch auf die Propheten — wirklich reflektiert hat. Dies zeigt sich aueh in der Beelzebul-Perikope (29): wenn in seinen Dümonenaustreibungen, die in Kraft des Geistes Gottes geschehen, das Reich Gottes bereits auf diese Erde eingetreten ist, so ist eine neue Zeit angebrochen, nämlich die des Messias. Er braucht sich nicht so zu nennen und nennt sich nicht so: die Taten sprechen. Auch hier wird gesagt (s. o. S. 165): er ist das kritische Zeichen für alle: , Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich“; und es ist derselbe Gedanke, der in Nr. 30 ausge- prägt ist: „Was Jonas den Nineviten war, das bin ich diesem Geschlecht“! — der Bußprediger, aber der Bußprediger, der größer ist als Jonas, und der König, der weiser ist als Salomo. Erst in den letzten Stücken ist der Wiederkunftsgedanke angeschlagen und damit die Messianität enthüllt; er findet sich in Nr. 43: οὐ μή µε ἴδητε am ἄρτι ἕως ἂν [ἥξῃ ὅτε] εἴπητε: εὐλογη- μένος ὁ ἐρχόμενος ἐν ὀνόματι κυρίου, in Nr. 37, wo er dem ganzen Stück zugrunde liegt, und in Nr. 56, wo er ebenso alles beherrscht. In dem ersten Stück wird auch die Zerstörung Je- rusalems (des Tempels?) geweissagt, aber lediglich so, daß ein älteres Prophetenwort aufgenommen wird. In dem zweiten Stück dient der Wiederkunftsgedanke dem Zweck, die Wachsamkeit, Bereitschaft, und Gewissenhaftigkeit einzuschürfen; in dem dritten wird eine Schilderung gegeben, wie es in der Welt bei der Wiederkunft aussehen wird — wie in den Tagen Noahs —, und wie unerwartet und plótzlich sie hereinbricht; zugleich wird vor falschen Messias’ gewarnt. Vielleicht der letzte Spruch, der in Q gestanden hat, ist Nr. 59: „Ihr, mein Gefolge, werdet sitzen auf zwölf 'Thronen und die zwölf Stämme Israels regieren“, Er ist das denkbar stärkste Zeugnis dafür, daß Q von der Messianität Jesu beherrscht ist; sie wird, im Eingang erwiesen, bis zuletzt als selbstverständlich vorausgesetzt und Jesus selbst enthüllt sie in den eschatologischen Reden. 1) Der scheinbare Widerspruch, daß Jesus auch in Q auf seine δυνάμεις und ἔργα verweist und doch erklärt, daß diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben wird, ist kein solcher, Wunder und Zeichen läßt er sich von diesem Geschlecht so wenig abringen wie vom Satan. Sachliche Charakteristik von Q: die Person Jesu. 169 Die „Christologie“, wie sie Q verstanden hat, gibt ein völlig eindeutiges und einfaches Bild!. Q weiß es nicht anders: Jesus war der Messias, bei der Taufe zum Gottessohn eingesetzt, und alle seine Sprüche stehen daher auf diesem Hintergrund. Denkt man aber die Einleitung weg, so ergibt sich ein wesentlich anderes Bild. Man hat eine Spruchsammlung vor sich, in der ein Lehrer, ein Prophet, einer der mehr ist als ein Prophet — der letzte, entscheidende Bote Gottes — spricht, aber so gewiß er unbedingten Gehorsam für seine Gebote, in denen sich der Wille Gottes ausdrückt, verlangt und Nachfolger fordert, so wenig tut er das mit dem ausgespro- chenen Selbstzeugnis: Ich bin der Messias. Er verweist vielmehr lediglich auf seine Wundertaten und Werke (sofern er nicht auf den Eindruck des Selbstverständlichen in seinen Geboten rechnet). Sieht man daher von der Bezeichnung ,Menschensohn* ab — daß Jesus sie gebraucht hat, ist sicher; aber für keinen einzelnen Spruch ist sie gesichert —, so ist in den Sprüchen erst am Schlusse die Messianität von Jesus in Anspruch genommen, und zwar in der Form der zukünftigen Parusie: er, der schon in seiner jetzigen Existenz mehr ist als ein Prophet und größer als Johannes, der der Sohn ist, wird der zukünftige König und Richter sein. Ist die Verkündigung Jesu (nach den Ergebnissen der Kritik an den Berichten des Mark.) so zu denken, daß er in dem ersten und längsten Teil seiner Wirksamkeit von sich als dem Messias nicht gesprochen (weil er sich zunächst weder so beurteilt hat noch beurteilen konnte), auch die Messianität, wenn sie ihm entgegengetragen wurde, abgelehnt hat, daß er aber erfüllt war von der Kraft und dem Bewußtsein, als Bote Gottes die ent- scheidende Sendung zu besitzen und Gott zu kennen, wie ihn keiner kennt, und dies auch immer wieder ausgesprochen hat; hat er dann zu Cäsarea Philippi das Bekenntnis der Jünger: 1) Nur in Nr. 10 bezeichnet sich (indirekt) Jesus als Lehrer und seine Jünger als Schüler; jedoch ist implieite dieses Verhältnis auch sonst vorausgesetzt, aber es ist für den Sammler neben dem Verhältnis des Messias und seiner Reichsgenossen kein Problem gewesen, sondern ordnet sich ihm einfach unter. Der Messias, der die Gotteserkenntnis usw. bringt, kann dies nur dadurch tun, daß er lehrt. 170 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. „du bist der Messias“ d. h. du wirst es sein, angenommen ! und sich von nun an (wenn auch bis zum Einzuge in Jerusalem noch immer zurückhaltend) den Menschensohn genannt und mit steigender Zuversicht seine Parusie d. h. seine Messianität ver- kündet — so kann man aus der Spruchsammlung in Q, sofern man nur die Einleitung wegdenkt, keinen Widerspruch gegen diese Entwicklung erheben. Man kann sie freilich aus der Spruchsammlung auch nicht bestätigen, oder doch nur unsicher, weil Q die Chronologie so schwach berücksichtigt hat; aber die Hauptsache läßt sich doch auch aus Q erweisen: in den in Q gesammelten Sprüchen ist die Messianität deutlich nur in der Form der Parusie gegeben?, und Glauben verlangt Jesus in diesen Sprüchen nicht, weil er der gegenwärtige Messias ist — ein Ungedanke —, sondern weil er Gottestaten tut und Gottes- gebot verkündet. VII. Schluß. Ursprung und Wert von Q. Betrachtet man Q ohne seine Einleitung (Nr. 1. 2), so weist es in das höchste Altertum — das braucht nicht erwiesen zu werden —, aber auch wenn man Q mit dieser Einleitung ins Auge faßt, stellt sich das Urteil kaum anders. Die Auffassung, daß Jesus bei der Taufe die Messianität erhalten habe, hat sich 1) Das Fehlen dieses wichtigen Stücks in Q rät, es in seiner Be- deutung nicht zu überschätzen. Übrigens kann die Johannesfrage samt der Antwort Jesu in Q als eine Parallele zu jenem Stück aufgefaßt werden. 2) Die Exhomologese an den Vater kann zeitlich nach Mark. 8,27 ff. fallen, aber diese Annahme ist nicht notwendig. Auch bei der zurück- haltendsten Anwendung psychologischer Erwägungen liegt es auf der Hand, daß Jesu Sohnesbewußtsein älter gewesen sein muß als sein Messiasbewußtsein, und die Vorstufe für dieses. Aller Apokalyptik und messianischen Dogmatik zum Trotz muß behauptet werden, daß bei Jesus das Bewußtsein der Gottessohnschaft und der Messianität unmöglich von Anfang an zusammengefallen sein können; denn das Bewußtsein der Messianität bedeutete niemals etwas anderes als ein Bewußtsein um etwas, was er sein wird. Ihm muß das Bewußtsein von dem, was er ist, voran- gegangen sein, und nur wenn dieses die Höhe des Sohnesbewußtseins er- reicht hatte, konnte es den Übergang über die gewaltigste Kluft finden. Ursprung und Wert von Q. 171 wie Markus beweist, schon im apostolischen Zeitalter und im Jüngerkreise gebildet — wie frühe, wissen wir nicht. Eindrucks- voll und unkontrollierbar, wie sie war, kann sie sich schon sehr bald gestaltet und eingebürgert haben. Denn die Auffassung, die ihr voranging, nach der Jesus bei einer Verklärung von Gott als Messias bezeugt worden ist, ist schon bei Markus ein ganz un- verstandenes Stück, und Matth. und Luk. wußten nichts mehr über dasselbe, als was sie bei Mark. lasen. Ferner, daß sich Jesus die Hauptzeit seiner Wirksamkeit hindurch weder als zukünftiger und noch viel weniger als gegenwürtiger Messias dargestellt hatte, war nachträglich überhaupt kein Problem. Die Jünger mußten sich einfach sagen: Wir haben ihn nicht verstanden, und sie haben sich das gesagt. Die Nöte und Konfusionen, die sich uns jetzt bei ihrer und ihrer Schüler Wiedergabe einzelner Ge- schichten und Reden darstellen, und die so seltsame Ausflüchte und Hypothesen in bezug auf die Markusberichte veranlaßt haben, existierten für sie bei diesem refugium ignorantiae nicht!. Auch Markus weif so wenig von Entwicklung hier wie Q; auch er datiert ebenso wie Q die Gottessohnschaft (Messianitát) auf den Anfang der Wirksamkeit Jesu, und nur seiner, man darf wohl sagen, im einzelnen ganz unbekümmerten und naiven Art, in der er zusammengerafft und gehäuft hat — sie kontrastiert seltsam mit der Energie, mit der er seinen Hauptzweck verfolgt und in den widersprechendsten Erzählungen bezeugt findet —, verdanken wir es (wider Willen und Absicht des Markus), daß wir von den Stadien der Wirksamkeit Jesu etwas ahnen. Q, eine ursprünglich aramäisch niedergeschriebene (s. W e11- hausen, Nestle u.a.) Spruchsammlung, gehórt dem apostolischen Zeitalter an — seine Form und sein Inhalt beweisen das; Gegen- gründe vermag ich nicht zu erblicken; speziell die Zerstórung Jerusalems ist als schon geschehen nicht vorausgesetzt? — und ist älter als Markus. Der Einfluß des ,Paulinismus*, der bei Mark. so stark ist, fehlt ganz, und demgemäß ist auch der Hauptgedanke des Mark, daß Jesus, sein Tod und seine Auferstehung, der Inhalt seines eigenen 1) Sie zeigen uns aber die relative "Treue ihrer Berichterstattung. 2) Auch noch im Sondergut des Matth. gibt es Sprüche, die vor der Zerstórung Jerusalems geformt sein müssen. 172 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. Evangeliums ist, in Q nicht zu finden! Q ist selbstver- ständlich in Palästina — der jüdisch-palästinensische Horizont ist ganz deutlich — verfaßt; Markus hat sein Evangelium in tom geschrieben. Eine literarische Verwandtschaft zwischen beiden ließ sich nieht nachweisen. Das wird ein Fingerzeig sein, mit Q nicht allzu hoch hinaufzugehen; war Q schon lange im Umlauf, so läßt sich weder verstehen, daß Mark. es nicht ge- kannt, noch daß er es nicht benutzt hat, auch wenn er ferne von Palästina schrieb. Ist @ apostolischen Ursprungs? Zur Entscheidung dieser Frage weiß ich nichts Neues beizutragen. Daß Papias (wie Eusebius) an der bekannten Stelle (bei Euseb., h. e. III, 39) unseren Matth. versteht, ist sehr wahrscheinlich; ob aber auch der Presbyter diesen Matth. meinte, ist zweifelhaft. Kann unser Matth. nicht von einem Apostel verfaßt sein und stammt die Nachricht: Mac9«toc Ἡβραίδι διαλέκτῳ τὰ λόγια συνετάξατο, bereits aus der Zeit um d. J. 100, so ist es überwiegend wahrscheinlich, daß Q ein Werk des Matthäus ist; aber mehr läßt sich nicht sagen. Bei der Erörterung der psychologisch-historischen Frage, ob einer der Zwölf eine solche Sammlung wie Q habe veran- stalten kónnen, gerát man bald ins Leere; durchschlagende Gründe dagegen wird man nicht finden kónnen, durchschlagende Gründe dafür aber auch nicht. Aus der sog. Instruktionsrede läßt sich nur schließen, daß mindestens hinter diesen Aufzeichnungen apo- stolische Erinnerung stand. Wer aber auch immer der Verfasser bez. der Redactor von Q gewesen sein mag — er war ein Mann, dem die größte Anerkennung gebührt. Seiner Pietät und Treue, seiner Schlichtheit und Besonnenheit verdanken wir die unschátz- bare Sammlung von Sprüchen Jesu. Auf zwei zeitlich sich nahe stehenden, aber von einander unabhängigen Quellen beruht — wenigstens in der Hauptsache — unsre Kenntnis der Verkündigung und Geschichte Jesu. Wo sie zusammenstimmen, bieten sie eine starke Gewähr, und sie stimmen in Vielem und Großem zusammen?. An ihrem vereinten 1) Auf den Gedanken, Q könne eine Nachlese zu Mark. sein, der gesammelt habe, was er erreichen konnte, brauche ich nicht mehr ein- zugehen. 2) Man vgl. namentlich auch den geschichtlichen Hintergrund und die geschichtlichen Andeutungen in zahlreichen Sprüchen bei Q. — Ursprung und Wert von Q. 173 Zeugnis werden die destruktiven kritischen Versuche, so not- wendig sie der leicht sich selbst gentügenden Forschung sind, immer wieder scheitern. Aber wie verschieden sind anderseits diese Quellen! Hier dieser Markus, der Seite für Seite durch Widersprüche, Unstimmig- keiten und Unglaubliches den Forscher zur Verzweiflung bringt und ohne den uns doch jeder Faden und jede konkrete An- schauung von Jesus fehlen würde, und dort die Spruchsammlung, die uns allein ein bestimmteres und tieferes Bild von der Ver- kündigung Jesu gewährt, von apologetischen und partikularen Tendenzen frei ist, aber keine Geschichte bietet. Bei Markus ein starkes Unvermögen, zwischen Besserem und Sekundärem, Zuver- lässigem und Fragwürdigem zu unterscheiden, eine begehrliche Apologetik, der alles willkommen und recht ist, aber daneben ein Sinn für Einzelnes und Lebendiges, und wo nicht ein Sinn dafür, so doch die tatsächliche Konservierung dieser Züge. In Q eine Vielseitigkeit in bezug auf das Wichtigste, die für das Fehlen der „Geschichte“ fast entschädigt. Wer ist wertvoller? Seit 1800 Jahren ist diese Frage ent- schieden, und mit Recht entschieden. Das Bild Jesu, welches Q in den Sprüchen gegeben hat, ist im Vordergrunde geblieben!. Die Versuche, es durch das des Markus zu verdrängen, sind nicht geglückt; sie werden immer wieder in Abgründe führen und sich selbst auflósen. Die Spruchsammlung und Markus müssen in Kraft bleiben, aber jene steht voran. Vor allem wird die Übertreibung des apokalyptisch-eschatologischen Elements in der Verkündigung Jesu und die Zurückstellung der rein religiösen und moralischen Momente hinter jenes immer wieder ihre Widerlegung durch die Spruchsammlung finden. Sie bietet die Gewühr für das, was in der Verkündigung Jesu die Hauptsache gewesen ist: die Gotteserkenntnis und die Moral zu Buße und Glauben, zum Verzicht auf die Welt und zum Gewinn des Himmels — nichts anderes. Wie lange die Spruchsammlung existiert hat, wissen wir nicht, Ihre Spuren bei Clemens Romanus und über ihn hinaus sind nicht sicher. Sie ist in den Evangelien des Matth, und 1) Auch in der Charakteristik Jesu, die Wellhausen in der Ge schichte Israels gezeichnet hat, ist es 80. 174 Cap. 2: Sprachliche und geschichtliche Untersuchung etc. Lukas. und wahrscheinlich auch noch in einigen apokryphen Evangelien untergegangen. Markus allein konnte sie nicht ver- drängen; aber der evangelische Erzählungstypus, den er ge- schaffen hat — er war durch die Bedürfnisse der katechetischen Apologetik gefordert —, ließ eine Sonderexistenz der Spruch- sammlung nicht mehr zu. Sie ist um ihre Selbständigkeit ge- bracht worden — bei Lukas z. T. mit den Mitteln einer sie historisierenden Zersplitterung, bei Matth. z. T. konservativer, aber an einigen Hauptstellen gewaltsamer und tendenzióser. Den In- teressen des ersten Evangelisten an der Gemeinde und der Or- ganisation ist die Spruchsammlung in geschickter Weise — öfters nur durch unscheinbare Akzente und Verbindungen — dienstbar gemacht worden, wührend Lukas, der ihren Wortlaut viel háufiger geündert, dennoch ihren ursprünglichen Charakter erkennbarer be- wahrt hat. Anhang. Übersetzung (Q). 1.1 (Als Johannes viele [oder: die Volkshaufen] zur Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen): Otterngezücht, wer hat euch bedeutet, daß ihr dem kommenden Zorn entrinnen werdet? Schafft Frucht, die der Buße ziemt, und wähnt nicht bei euch sprechen zu dürfen (oder: fangt nicht an bei euch zu sprechen): zum Vater haben wir Abraham; denn ich sage euch, Gott kann aus diesen Steinen Abraham Kinder erwecken. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeglicher Baum nun, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer ge- worfen, Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der nach mir Kommende aber ist stärker als ich, dem ich nicht wert bin die Sehuhe zu tragen; der wird euch mit ([heiligem] Geist und) Feuer taufen; der hat die Wurfschaufel in seiner Hand und wird seine Tenne fegen und wird seinen Weizen in die Scheuer einbringen, die Spreu aber verbrennen mit unlöschbarem Feuer. (Die Taufe Jesu samt der Herabkunft des Geistes und der Himmelsstimme), 1) Die Zahlen beziehen sich auf die Nummern des griechischen Textes 5, 884, Die Stelle der Sprüche in Q, über denen Punkte stehen, ist mehr oder weniger unsicher. Sonst Unsicheres ist in Klammern gesetzt. Im all- gemeinen hat man sich zu erinnern, daß die ganz kurzen Sprüche, deren Stellung in Q zweifelhaft ist, auch in bezug auf ihre Zugehörigkeit zu Q Zweifel übrig lassen. Dahin gehören 16. 19. 24. 26—28. 81. 32. 35. 30. 39—42. 44. 47—55. 176 Anhang. 9 -. Jesus wurde in die Wüste vom Geist hinaufgeführt, um vom Teufel versucht zu werden, und als er vierzig Tage und vierzig Nüchte gefastet hatte, hungerte ihn alsdann, und der Versucher sprach zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, sprich, daß diese Steine zu Broten werden, und er antwortete: Es steht ge- schrieben: Nieht von Brod allein soll der Mensch leben. Da nimmt er ihn mit sich nach Jerusalem und stellt ihn auf die Zinne des Tempels und spricht zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, wirf dich hinunter; denn es steht geschrieben: Er hat seinen Engeln Auftrag gegeben über dich, und sie werden dich auf den Händen tragen, daß du deinen Fuß nicht etwa an einen Stein stößest. Jesus sprach zu ihm: Wiederum steht geschrieben: Du sollst den Herrn deinen Gott nicht versuchen. Wiederum nimmt er ihn mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Dies alles werde ich dir geben, wenn du mich anbetest. Und Jesus spricht zu ihm: Es steht geschrieben: Den Herrn deinen Gott sollst du an- beten und ihm allein dienen. Und der Teufel ließ ab von ihm. 3.4.5.6, 7.8.11. 19. Ὁ, 27.28, 31. 32.35, 36. o9 Alan 51. 52. (Er lehrte seine Jünger vor dem Volke also): Selig sind die Armen, denn ihrer ist das Reich Gottes; Selig sind die Trauernden, den sie werden getróstet werden; Selig sind die Hungernden, denn sie werden gesättigt werden; Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und allerlei Bóses wider euch lügend sagen; freuet euch und froh- lockt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln: denn ebenso haben sie die Propheten, die vor euch waren, verfolgt. Wer dich auf die (deine rechte) Wange schlägt, dem wende auch die andere zu, und wer mit dir prozessieren will und deinen Rock bekommen, dem überlaß auch den Mantel. Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir etwas geliehen haben will, von dem kehre dich nicht ab. “ών, A: Versuchungsgeschichte, Bergpredigt. 177 Ich sage euch: Liebet eure Feinde und betet für eure Ver- folger, auf daß ihr Söhne werdet eures Vaters, denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute (und regnen über Ge- rechte und Ungerechte) Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was habt ihr für einen Lohn? tun nicht auch die Zöllner das- selbe? Und wenn ihr nur eure Brüder begrüßt, was tut ihr Be- sondres? tun nicht auch die Heiden dasselbe? Ihr sollt also: barmherzig sein, wie euer Vater barmherzig ist. Alles was ihr wollt, daf die Menschen euch tun, tut ihr ihnen ebenso! Riehtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet, denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messet, wird euch gemessen werden, Was siehst du aber den Splitter in dem Auge deines Bruders, den Balken aber in deinem Auge bemerkst du nicht? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: gestatte, ich werde den Splitter aus deinem Auge ziehn, und der Balken ist in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst aus deinem Auge den Balken, und dann magst du zusehen, wie du den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehst. An der Frucht erkennt man den Baum. Kann man etwa von Dornen Trauben lesen oder von der Diestel Feigen? So bringt jeglicher gute Baum edle Frucht, der faule Baum aber bringt schlechte Frucht. Nicht kann ein guter Baum schlechte Frucht bringen, und der faule Baum kann nicht edle Frucht bringen. (Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird eingehn in das Reich Gottes, sondern wer den Willen meines Vaters tut). Ein jeglicher nun, der diese meine Worte hört und sie tut — ich will euch zeigen, wem er gleicht. Er ist gleich (oder statt der letzten 10 Worte: der wird gleichen) einem Manne, der sein Haus auf den Fels baut. Und es fiel der Regen, und es kamen die Ströme, und es wehten die Winde und schlugen gegen jenes Haus, und es fiel nicht, denn es war auf den Fels gegründet. Und ein jeglicher, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, der wird gleichen einem Manne, der sein Haus auf den Sand baute. Und es fiel der Regen, und es kamen die Ströme, Harnack, Sprüche Jesu, 12 178 Anhang. und es wehten die Winde und stießen an jenes Haus, und es fiel, und sein Fall war groß. Wenn ein Blinder einen Blinden führt, so werden sie beide in die Grube fallen. (Vater, unser Brot für den kommenden Tag gib uns heute, und erlaß uns unsre Schulden, wie auch wir unsern Sehuldnern erlassen haben, und führe uns nicht in Versuchung). Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn ein jeglicher, der bittet, empfängt, und wer sucht, der findet, und dem, der anklopft, wird aufgetan. Oder gibt es unter euch jemanden, den sein Sohn um Brot bittet — wird er ihm einen Stein geben? oder er bittet ihn um einen Fisch, wird er ihm eine Schlange geben? Wenn nun ihr, die ihr bóse seid, Gutes (gute Gaben) euren Kindern zu geben wißt, um wieviel mehr wird der Vater aus dem Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten. Man zündet nicht ein Licht an und stellt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter: so scheint es allen, die im Hause sind. Das Licht des Leibes ist das (dein) Auge; wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein; wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht an dir Finsternis ist, wie groß wird erst die Finsternis [scil. im Ganzen] sein! Darum sage ich euch: sorget nicht um eure Seele, was ihr essen sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist die Seele nicht mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Schauet auf die Raben (oder: auf die Vögel. des Himmels) — sie sáen nicht noch ernten sie noch tragen sie in die Scheuern zusammen, und Gott ernührt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer unter euch aber kann durch Sorgen seiner Länge eine Elle zusetzen? Und was sorgt ihr für die Kleidung? Betrachtet die Lilien wie sie wachsen! Sie arbeiten Q: Bergpredigt. 179 nicht noch spinnen sie; ich sage euch aber: auch Salomo in aller seiner Herrliehkeit war nicht so gekleidet wie dieser eine. Wenn nun auf dem Felde Gott das Gras, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, um wieviel mehr euch, ihr Kleingläubigen! Also sprecht nicht mit Sorgen: Was sollen wir essen oder was sollen wir trinken oder was anziehen! Nach alledem trachten die Völker (der Welt); es weiß ja euer Vater, daß ihr dies alles bedürft. Trachtet vielmehr nach seinem Reiche, und dies alles wird euch dazu gegeben werden. Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motte und Rost verniehten und wo Diebe einbrechen und stehlen; aber sammelt euch Schätze in den Himmeln, wo weder Motte noch Rost ver- nichten und wo keine Diebe einbrechen und stehlen. Denn wo dein (oder: euer) Schatz ist, dort ist auch dein (euer) Herz, Sei dem, der dich verklagen will, willfährig — schnell — solange du mit ihm noch auf dem Wege bist, auf daß er dich nicht dem Richter überantworte, und der Richter dem. Büttel und du ins Gefängnis geworfen werdest. (Amen), ich sage dir, du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Heller bezahlt hast. Gehet ein durch die enge Pforte; denn breit ist (die Pforte) und weit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die dort eingehen; denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden. Ihr seid das Salz (des Landes); wenn aber das Salz dumm wird, womit wird man es salzen? es ist weiter zu nichts nütze, als daß man es hinauswerfe, daß es von den Leuten zertreten werde. Niemand kann zwei Herrn dienen, denn er haßt den einen und liebt den anderen, oder er hält sich an den einen und ver- schmüht den anderen: ihr kónnt nicht Gott dienen und dem Mammon. (Amen, ich sage euch): -bis daß der Himmel und die Erde 12* 180 Anhang. vergehn, wird kein Jota und kein Titelehen vom Gesetz vergehn. (Ich sage euch): Jeder der sein Weib entläßt, der macht, daß sie die Ehe bricht, und wer eine Entlassene heiratet, bricht die Ehe. 13. (Naehdem er diese Worte gesprochen hatte), ging er nach Kapernaum hinein, und es trat zu ihm ein Hauptmann, bat ihn und sagte: Herr, mein Knecht liegt im Hause gelähmt und leidet große Schmerzen. Er spricht zu ihm: Ich will kommen und ihn heilen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach trittst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund sein. Denn auch ich, obgleich in abhängiger Stellung, habe doch Soldaten unter mir, und sage ich zu diesem: Geh, so geht er, und zu jenem: Komm, so kommt er, und zu meinem Sklaven: Tu das, so tut ers. Als Jesus das hórte, staunte er und sprach zu denen, die ihm nach- folgten: (Amen), ich sage euch, auch nicht in Israel habe ich solch großen Glauben gefunden. (Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: [Gehe hin], wie du geglaubt hast, geschehe dir, und gesund wurde der Knecht zur selbigen Stunde). 17. 18. 16. 20. 21. 22. 19. 345, 34b, 38. 40. 46. 57, 10. 24. (Einer sprach zu ihm): Ich will dir folgen, wohin du gehst, und Jesus sagt ihm: die Füchse haben Gruben und die Vógel des Himmels Nester, aber der Menschensohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlege. Ein anderer sprach zu ihm: Erlaube mir zuvor fortzugehn und meinen Vater zu begraben. Spricht er zu ihm: Folge mir, und laß die Toten ihre Toten begraben. Er spricht zu ihnen (oder: zu seinen Jüngern): die Ernte isb grof, aber die Arbeiter sind wenige; darum bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte aussende. Geht und verkündigt: nahe gekommen ist das Reich Gottes. (Traget keinen Geldbeutel, keine Tasche, keine Schuhe, und grüßt niemanden auf dem Wege) ... wenn ihr aber in ein Q: Der Hauptmann von Kapernaum, Instruktionsrede. 181 Haus eintretet, so bietet ihm Gruf und wenn das Haus würdig ist, soll euer Friede auf dasselbe kommen; wenn es aber nicht würdig ist, so soll euer Friede zu euch zurückkehren. (Bleibet in dem Hause und eßt und trinkt, was sie geben); denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert. (... In welche Stadt ihr kommt und man euch aufnimmt, da eßet das euch Vorgesetzte und sprecht zu ihnen: Nahe gekommen ist das Reich Gottes. In welche Stadt ihr aber kommt und man euch nicht aufnimmt, da geht hinaus auf ihre Gassen und sprecht: Auch den Staub, der uns an den Füßen aus eurer Stadt hängen ge- blieben ist, schütteln wir ab und lassen ihn euch). (Amen), ich sage euch: Es wird dem Gebiet von Sodom und Gomorrha (oder für die 6 letzten Worte: Sodom) an dem (Gerichts-)Tage erträglicher gehn als einer solchen Stadt. Siehe ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe, Nichts ist verhüllt, was nicht aufgedeckt werden wird, und nichts verborgen, was nicht bekannt werden wird. Was ich euch im Dunklen sage, das saget am hellen Tag, und was ihr geflüstert hört, das verkündigt auf den Dächern. Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber die Seele nicht töten können; fürchtet euch vielmehr vor dem, der Seele und Leib verderben kann in die Geenna. Kauft man nicht zwei (fünf) Sperlinge um einen (zwei) Heller? und keiner von ihnen fällt auf die Erde ohne Gott; bei euch aber sind sogar die Haare des Hauptes alle gezählt. (Also) fürchtet euch nicht; viel wert- voller als Sperlinge seid ihr. Wer sich nun zu mir bekennt vor den Menschen, zu dem wird sich auch der Menschensohn (oder: ich) bekennen vor den Engeln Gottes. Wer mich aber ver- leugnet vor den Menschen, den werde auch ich verleugnen vor den Engeln Gottes. .. und wer ein Wort sagt gegen den Menschensohn, dem wird es verziehen werden; wer aber (ein Wort) sagt wider den heiligen Geist, dem wird es nicht verziehen werden. 182 Anhang. Wähnet ihr, daß ich gekommen bin Frieden zu bringen über das Land? ich bin nicht gekommen Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Ich bin gekommen, einen mit seinem Vater zu ent- zweien und die Tochter wider ihre Mutter und die Braut wider ihre Schwieger, (und eines Feinde sind seine eigenen Haus- genossen). (Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert). Wer nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. Wer seine Seele findet, wird sie verlieren, und wer, seine Seele verliert, wird sie finden. Nicht ist ein Schüler über den Lehrer, noch ein Sklave über seinen Herrn; es genügt für den Schüler, daß er ist wie sein Lehrer, und der Sklave wie sein Herr. (Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich auf- nimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat). 14. 50. 15. Als aber Johannes im Gefängnis die Werke des Christus hörte, sandte er seine Jünger mit der Frage an ihn: Bist "du der Kommende oder sollen wir auf einen anderen warten? Und er antwortete ihnen und sprach: Gehet hin und meldet Johannes, was ihr höret und sehet: Blinde sehen wieder und Lahme gehen und Aussätzige werden rein und Taube hören und Tote werden erweckt und Armen wird Frohbotschaft verkündet, und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. Als sie aber gegangen waren, be- gann er zu dem Volke über Johannes zu sprechen: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu schauen? ein Rohr, das vom Winde bewegt wird? oder was seid ihr hinausgegangen zu ——— Q: Instruktionsrede. Rede über Johannes. Exhomologese. 183 sehen? einen Mann in feine Kleider gekleidet? Siehe die da feine Kleider tragen, sind in den Háusern der Kónige! Oder was seid ihr hinausgegangen? einen Propheten zu sehen? wahrlich ich sage euch — Größeres als einen Propheten! Dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. (Amen), ich sage euch, kein Größerer ist unter den von Weibern Ge- borenen erstanden als Johannes (der Täufer); aber der Kleinste im Reiche Gottes ist größer als er . . Die Propheten und das Gesetz reichen bis Johannes; von dieser Zeit bis jetzt wird das Reich Gottes erstürmt, und die Stürmer reißen es an sich (oder: Von den Tagen des Johannes bis jetzt wird das Reich Gottes usw.; denn alle Propheten und das Gesetz haben bis auf Johannes geweissagt) . . . Wem soll ich dieses Geschlecht vergleichen (und wem gleicht es)? es gleicht Kindern, die auf den Straßen sitzen und den Kommenden die Worte zurufen: Wir haben euch gepfiffen und ihr habt nicht getanzt; wir haben geklagt und ihr habt nicht geheult. Denn Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht, so sagen sie: er hat einen Dämon! Der Menschensohn ist ge- kommen, ift und trinkt, so sagen sie: er ist ein Fresser und Weinsüufer, ein Zóllner- und Sünderfreund! Und gerechtfertigt ist die Weisheit von ihren Kindern her. 28. Wehe dir, Chorazin, Wehe dir, Bethsaidan; denn wenn in Tyrus und Sidon die Krafttaten geschehen würen, die bei euch geschehen sind, hätten sie schon längst in Sack und Asche Buße getan. Doch (ich sage euch) es wird Tyrus und Sidon (am Tage des Gerichts, oder: an jenem Tage) erträglicher ergehn als euch. Und du Kapernaum, bist du nicht bis zum Himmel erhoben worden? zur Hölle wirst du gestürzt werden! 25. Zu jener Zeit sprach er: Ich preise dich Vater, Herr Himmels und der Erde, daß du dies vor den Weisen und Klugen ver- borgen und es den Einfältigen geoffenbart hast; ja, [ich preise dich], Vater, daß es so vor dir beschlossen wurde. Alles [Alle Erkenntnis] ist mir überliefert vom}Vater, und niemand hat (den 184 Anhang. Sohn erkannt als nur der Vater und) den Vater erkannt als nur der Sohn, und wem es der Sohn offenbaren will. 26. Eure Augen sind selig, denn sie sehen, und (eure) Ohren, denn sie hören; (Amen), ich sage euch, daß viele Propheten (und Könige) zu sehen begehrten, was ihr sehet, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr höret, und haben es nicht gehört. 29. (Er heilte) einen dämonischen Stummen, und der Stumme redete, und der (ganze) Volkshaufe entsetzte sich . . . ein jedes Reich, wenn es in sich gespalten ist, wird wüste... und wenn ich in Kraft Beelzebuls die Dämonen austreibe, in wessen Kraft treiben sie eure Söhne aus? Deshalb werden sie eure Richter sein. Wenn ich aber in Kraft des Geistes Gottes die Dämonen austreibe, so ist bereits das Reich Gottes zu euch gekommen.... Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet . . . Wenn aber der unreine Geist aus dem Menschen ausgefahren ist, durchwandert er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht, (da) spricht er: in mein Haus will ich zurückkehren, aus dem ich fortgegangen bin. Und wenn er kommt, findet er es leer (und) gefegt und geputzt. Da geht er hin und nimmt mit sich sieben Geister, die noch schlimmer sind als er, und sie ziehen ein und wohnen daselbst, und es wird mit jenem Menschen am Ende noch schlechter als es am An- fang war. 30. (Sie sprachen): Wir wollen von dir ein Zeichen sehen. Er aber sagte: Dieses böse und ehebrecherische Geschlecht begehrt ein Zeichen, und kein andres Zeichen wird ihm gegeben als das Zeichen des Jona. Denn wie Jona den Nineviten zum Zeichen war, so soll es auch der Menschensohn diesem Geschlecht sein. Die Nineviten werden aufstehn beim Gericht wider dies Ge- schlecht und es verurteilen, denn sie taten Buße auf die Predigt des Jona hin, und siehe hier ist mehr als Jona. Die Königin des Südens wird beim Gericht wider dieses Geschlecht sich er- Q: Beelzebulrede. Gleichnisse. Vermischtes. 185 heben und es verurteilen, denn sie kam vom Ende der Erde, zu hören die Weisheit Salomos, und siehe hier ist mehr als Salomo, 40. Wem gleicht das Reich Gottes und wem soll ich es ver- gleichen? Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und süte es auf seinen Acker, und es wuchs und wird zum Baum, und die Vögel des Himmels nisten auf seinen Zweigen, (Und wiederum sprach er): Wem soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es gleicht einem Sauerteig, den ein Weib nahm und in drei Scheffel Mehl mengte, bis alles durchsäuert war. 44. Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. 42. Ich sage euch: Von Ost und West werden sie kommen und zu Tische sitzen mit Abraham und Isaak und Jakob im Reiche Gottes; aber die Söhne des Reichs werden ausgestoßen; da wird sein Heulen und Zähneklappen. 48. Was dünkt euch? Wenn einer hundert Schafe hat, und eines von ihnen verirrt sich — läßt er nicht die neunundneunzig auf der Weide und geht und sucht das verirrte? Und wenn er es gefunden hat, (Amen), ich sage euch, er freut sich über das- selbe mehr als über die neunundneunzig nicht verirrten. 53. Ärgernisse müssen kommen, doch Wehe dem Menschen, durch welchen die Argernisse kommen. 186 Anhang. 54. Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; hórt er dich, so hast du deinen Bruder gewonnen ..... Wie oft soll ich, wenn mein Bruder wider mich sündigt, ihm vergeben? ge- nügt es siebenmal? spricht Jesus zu ihm: ich sage dir, nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal. 55. Wenn ihr Glauben habt [so groß] wie ein Senfkorn, werdet ihr zu diesem Berge sprechen: Rücke von hier nach dorthin, und er wird es tun. 99. 43. . . +. Die schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, und sie wollen sie selbst nicht mit einem Finger bewegen. Wehe euch, Pharisäer, ihr schließt das Reich Gottes vor den Menschen zu; ihr selbst tretet nicht ein und verwehrt auch denen, welche kommen, den Eintritt. Wehe euch, Pharisäer, denn ihr verzehntet Minze, Dill und Kümmel und gebt das Schwerste im Gesetz preis, das Gericht und das Erbarmen. .... Nun, ihr Pharisäer, ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, inwendig aber sind sie voll Raub und Ge meinheit. Wehe euch, denn ihr seid wie unsichtbare Grüfte, und die Leute, die sie betreten, merken sie nicht. (Wehe euch, Pharisäer, denn ihr gleicht übertünchten Gräbern, die wohl äußerlich hübsch erscheinen, innerlich aber sind sie voll Totengebein und alles Unrats). Wehe euch, denn ihr baut der Propheten Grüber und sprecht: Wären wir in den Tagen unsrer Väter gewesen, so wären wir nicht mit ihnen schuldig geworden am Blute der Propheten. Damit bezeugt ihr wider euch selbst, daß ihr Söhne derer seid, die die Propheten gemordet haben, [erfüllet nun das Maß eurer Väter)! Q: Rede gegen die Pharisüer. Parusiereden. 187 Deßhalb sprach auch die Weisheit Gottes: Ich sende zu euch Propheten und Weise und Sehriftgelehrte; etliche werdet ihr töten und verfolgen, auf daß über euch komme all das Blut, das vergossen ist im Lande vom Blut Abels bis zum Blut Zacharias', den ihr gemordet habt zwischen dem Tempel und Altar. Amen, ich sage euch, es wird all dies kommen über dieses Geschlecht, Jerusalem, Jerusalem, die du tótest die Propheten und steinigst die zu dir gesandt sind — wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie ein Vogel die (oder: seine) Jungen (sammelt) unter| seine Flügel, und ihr habt nicht gewollt! Siehe euer Haus soll euch dahin gegeben und wüste werden, Ich sage euch: Ihr werdet mich von nun an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei der Kom- mende im Namen des Herrn. 56. Wenn sie nun zu euch sprechen: Siehe in der Wüste ist er, so gehet nicht hinaus, Siehe in den Gemüchern, so glaubt es nicht. Denn wie der Blitz ausgeht von Ost und bis West scheinet, so wird die Parusie des Menschensohns sein. Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier. Wie in den Tagen Noas, so wird die Parusie des Menschen- sohns sein. Denn wie sie in den Tagen vor der Sintflut schmausten und zechten, freiten und sich freien ließen, bis zu dem Tage, an dem Noa in die Arche ging, und von nichts wissen wollten, bis die Sintflut kam und alle hinwegraffte, so wird die Parusie des Menschensohns sein. Zwei werden auf dem Acker sein, einer wird angenommen und einer aufgegeben; zwei Frauen werden an der Mühle mahlen, eine wird angenommen und eine aufgegeben. 37. Das aber merket wohl: wenn ein Hausherr wüßte, zu welcher Nachtstunde der Dieb kommt, bliebe er auf und ließe es nicht zu, daß sein Haus geplündert werde. (Deßbalb seid auch ihr bereit, denn zu einer Stunde, da ihr es nicht glaubt, kommt der Menschensohn). Wer aber ist der treue und verständige Sklave, den sein Herr tiber sein Hauswesen setzte, daß er dem Gesinde ο die Nahrung zur rechten Zeit gäbe? Selig der Sklave, den sein 188 Anhang. Herr, wenn er kommt, bei solehem Tun findet, Amen, ich sage euch, er wird ihn über seinen ganzen Besitz setzen. Wenn aber der Sklave (schlecht ist und) in seinem Herzen spricht: Mein Herr kommt noch lange nicht, und füngt an seine Mitsklaven zu schlagen und zu essen und zu trinken mit den Zechern, so wird der Herr jenes Sklaven an einem Tage kommen, da er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn zerstückeln und ihm sein Teil bei den Heuchlern geben. 58. Dem (jedem), der hat, wird gegeben und viel zugelegt werden; von dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen, was er hat. 59. í Ihr, mein Gefolge .. .. werdet sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels. 1) Vielleicht haben die Gleichnisse vom großen Abendmahl und von den Talenten in Q gestanden (s. o. 8. 83ff.). e A Lm Exkurs I. Über die Sprüche Matth. 11, 25—27 (Luk. 10, 21. 22) und Matth. 11, 28. 29. Der besondere Inhalt dieser Sprüche rechtfertigt es, ihren Text, ihre älteste Überlieferungsgeschichte und ihren Sinn einer minutiösen Prüfung zu unterziehen. Dazu kommt, daß in den letzten Jahren mit steigender Zuversichtlichkeit die „Unechtheit“ behauptet wird. Diese Frage kann ohne die genaueste Unter- suchung ihrer Lösung nicht näher gebracht werden. Durch wertvolle Fingerzeige haben Schmiedel und Wellhausen die festgefahrene Auslegung wieder in Bewegung gebracht!, I. Beschränkt man sich zunächst darauf, den Text der Sprüche nach den griechischen Bibelhandschriften festzustellen, so bleiben kaum Zweifel übrig. Der erste Spruch lautet: 1) Vgl. Oredner, Beiträge z. Einl. i. d. bibl. Schriften, 1832, I S. 248ff.; Semisch, Die apostolischen Denkwürdigkeiten des M. Justin, 1848, S. 3641f.; Hilgenfeld, Kritische Unters. über die Evv. Justins usw. 1850, 8. 2011; Volekmar, Das Ey. Mareions 1852, S. 7515; Westcott, Canon of N. T.4, 1875, p. 1938. Supernatural Religion? I p. 401ff; E. Abbot, The autorship of the fourth gospel, 1880, p. 91ff; Zahn, Tatian, 1881, S. 1484; Kanonsgesch. I S. 555£; Bousset, Evangelien- zitate Justins d. M., 1891, S. 100ff.; Resch, Texte u. Unters. Bd. 10, 2, 1895, 8. 1000: H Holtzmann, Lehrb. d, NTlichen Theol. I, 1897, 8.2721f.; H. Holtzmann, Die Synoptiker, 3. Aufl., 1901, S. 2381; Wellhausen, Matth., 1904; Schmiedel, Das 4. Evangelium, 1906, S. 48£; die Ausgaben des Matth. und Luk. von Blaf. Als kirchliches Gedicht behandeln die . Verse Brandt (Ev. Geschichte, 1893, S. 562. 576f.), Pfleiderer (Ur- christentum, 1902, I? S. 4854, 576. 60715), Loisy u. a. 190 Matth. Ἠξομολογοῦμαί σοι, πάτερ, κύριε τοῦ οὐρανοῦ καὶ τῆς γῆς, ὅτι ἔκρυψας ταῦτα ἀπὸ σοφῶν καὶ συνετῶν καὶ ἀπεχάλυψας αὐτὰ νηπίοις. ναί, ὁ πατήρ, ὅτι οὕτως εὐδοκία ἐγένετο ἔμπρο- σδέν σου. πάντα µοι παρεδόθη ὑπὸ τοῦ πατρός [uov], καὶ οὐδεὶς ἐπιγινώσκει τὸν υἱὸν εἰ μὴ ὁ πατήρ, οὐδὲ τὸν πατέρα τις ἐπιγινώσχει εἰ μὴ ὁ υἱὸς καὶ ᾧ ἐὰν βούληται ὁ υἱὸς ἀπο- καλύψαι. µου om, N.* Exkurs 1. Luk. "ESouoAoyovuaí σοι, πάτερ, κύριε τοῦ οὐρανοῦ καὶ τῆς γῆς, ὅτι ἀπέκρυψας ταῦτα ἀπὸ σοφῶν καὶ συνετῶν καὶ ἀπε- κάλυψας αὐτὰ νηπίοις. ναί, ὁ πατήρ, ὅτι οὕτως ἐγένετο εὐ- δοκία ἔμπροσθέν σου. πάντα μοι παρεδόϑη ὑπὸ τοῦ πατρός [μου], καὶ οὐδεὶς γινώσκει τίς ἐστιν ὁ υἱὸς εἰ μὴ ὁ πατήρ, καὶ τίς ἐστιν ὁ πατὴρ εἰ μὴ ὁ υἱὸς καὶ ᾧ ἂν βυύληται ὁ υἱὸς ἀποκαλύψαι. πάτερ om. Fw — εὐδοκία ἐγένετο offerunt multi et boni testes — παρεδόϑη μοι non- nulli Codd.; μοι παραδέδοται KII — ἀπὸ pro ὑπὸ D — µου om. D — τίς ἐστιν ὁ πατήρ .. τίς ἐστιν ὁ υἱός U und eine Minuskel. Matth. und Luk. haben nach diesem Textbestande dieselbe Quelle benutzt, nämlich die Spruchsammlung (Q) in der gleichen Rezension und Übersetzung! Der Text bei Matth. scheint an den beiden Stellen, wo sie differieren, dem Luk.-Text vorgezogen werden zu müssen; denn er lautet einfacher (ἔκρυψας > ἀπέ- κρυψας, ἐπιγινώσκει τὸν πατέρα» γυνώσχει τίς ἐστιν ὁ πατήρ). Auch die Einleitung zu dem Spruch zeigt die gemeinsame Quelle, Matth.: Ἐν ἐκείνῳ τῷ καιρῷ ἀποκριϑεὶς ὁ Ἰησοῦς elnev' Luk.: Ev αὐτῇ τῇ ὥρα ἠγαλλιάσατο τῷ πνεύματι τῷ ἁγίῳ καὶ εἶπεν᾽ 1) Eidoxia ἐγένετο ἔμπροσθέν σου ist ein besonders deutlicher He- braismus; auch ἐξομολογοῦμαί σοι ist ungriechisch. Zu Matth, 11, 25—29, Luk. 10, 21. 22. 191 Auch hier ist sicher Matth. zu bevorzugen; denn (ἐν) αὐτῇ τῇ ὥρᾳ ist ein Lieblingsausdruck des Luk. (7mal) und ist spe- zieller als ἐν ἐκείνω τῷ καιρῷ, welches sich bei Matth. aller- dings noch zweimal findet. Ebenso ist ἠγαλλιάσατο (ἀγαλλίασις) dem Luk. geläufig (im Ev. und i. d. Act. 7 mal, bei Matth. 1 mal); endlich ist die Hinzufügung ,τῷ πνεύματι τῷ ἁγίῳ”, echt lukaniseh. Im Original wird gestanden haben: ,Zu dieser Zeit hub Jesus an und sprach“. Die Situation aber ist bei Matth. und Luk. eine verschiedene. Jener stellt die Preisrede in Kontrast zu dem Gerichtsspruch über Chorazin, Bethsaidan und Kaper- naum: Jesus hat doch auch mit seiner Predigt empfüngliche Ge- müter gefunden und preist den Vater dafür. Bei Lukas geht der Gerichtsspruch über die galilàüschen Städte zwar auch kurz vorher (10, 12—15), aber er schiebt den Berieht der von der Aussendung zurückkehrenden Jünger über ihre Erfolge da- zwischen und knüpft an diese den Dankpreis Jesu. Den zweiten Spruch hat Matth. an den Dankpreis ange- schlossen, so daß man annehmen mul, er betrachte ihn als eine Fortsetzung desselben. Bei Luk. fehlt er. Er lautet nach den griechischen Handschriften: Δεῦτε πρός µε πάντες οἱ κοπιῶντες καὶ πεφορτισμένοι, κἀγὼ ἀναπαύσω ὑμᾶς. ἄρατε τὸν ζυγόν μου ἐφ᾽ ὑμᾶς καὶ μάϑετε [ἀπ᾽ ἐμοῦ], ὅτι πραῦς εἰμι καὶ ταπεινὸς τῇ καρδίᾳ, καὶ εὑρήσετε ἀνάπαυσιν ταῖς ψυχαῖς ὑμῶ». ὁ γὰρ ζυγός µου χρηστὸς καὶ τὸ φορτίον μου ἐλαφρόν ἐστι». πεφορτισµ. ἐστέ D (Ital. Vulg.) — ἀπ᾽ ἐμοῦ om. &* Beide Sprüche — der zweite in hóherem Grade — haben einen poetischen Rhythmus und erinnern in der Formgebung an die poetisch gefafiten Psalmen- und Prophetensprüche; aber in dieser Hinsieht sind sie unter den Sprüchen Jesu nicht einzigartig, ` vielmehr sind nicht wenige Sprüche so gefaßt. 192 Exkurs 1. II. Ist das oben Festgestellte wirklich die älteste erreichbare Gestalt der beiden Sprüche, so daß sofort die Erklärung ein- treten darf? Für den zweiten Spruch und die erste Hälfte des ersten ist die Frage zu bejahen — der zweite Spruch ist in der ältesten Zeit viel seltener zitiert worden, als man erwarten sollte —, aber für die zweite Hälfte des ersten nicht; vielmehr wird man hier durch die indirekte Überlieferung (z. T. auch schon dureh die Versionen) auf eine ültere Gestalt geführt, mag sie nun eine ültere Gestalt des Matth.- und Luk.-Textes oder eine von ihnen unabhängige Form sein. Wir sind hier in der glück- lichen Lage die Fassung des Spruchs (des ganzen oder einiger Teile) in der Überlieferung bei Marcion, den Markosiern, Justin, Tatian, Irenäus, Tertullian, Hippolyt, Clemens Alex., Origenes, den clementinischen Homilien und Eusebius zu kennen. Dazu kommen die alten Versionen. Wir betrachten zuerst die erste Hälfte des ersten Spruchs und beginnen mit Marcion (hier wissen wir bestimmt, daß wir in der Hauptsache keine außerkanonische Überlieferung vor uns haben, sondern den Lukas-Text; freilich wissen wir auch, daß Marcion diesen an vielen Stellen nach seinen "Tendenzen korri- giert hat). Marcion las (naeh Tertull. IV, 25, bestätigt an wich- tigen Stellen von Epiphanius): εὐχαριστῶ ίσοι Epiph.) (xai ἐξομολογοῦμαι Tert), κύριε τοῦ οὐρανοῦ, ὅτι ἅπερ ἣν κρυπτὰ σοφοῖς καὶ συνετοῖς, ἀπεκάλυψας νηπίοις. ναί, ὁ πατήρ, ὅτι οὕτως ἐγένετο εὐδοκία ἔμπροσθέν σου [die 6 letzten Worte sind nicht direkt für Marcion zu belegen, aber folgen aus dem ναὶ 0 πατήρ, welehes Epiph. bezeugt, und aus dem Sehweigen der beiden Zeugen über Änderungen a, d. St] Marcions Text unter- scheidet sich vom kanonischen 1. durch die Hinzufügung von εὐχαριστῶ καί, 2. durch das fehlende πάτερ, 3. dureh das fehlende καὶ τῆς γῆς, 4. durch ἅπερ ἦν κρυπτά (daher mußten καί und αὐτά fehlen). Nr. 3 und 4 sind tendenziöse Änderungen ; denn Marcions Gott durfte nicht Herr der Erde sein, und nicht er hat die wahre und heilsame Erkenntnis verborgen, sondern sie war an sich verborgen. Dagegen lassen sich die Nr. 1 und 2 nieht als Folgen der mareionitischen Lehre begreifen. Von diesen 4 Varianten findet sich die erste (εὐχαριστῶ, aber ohne ἐξομολογοῦμαι) einmal bei Epiph. haer. 40, 7) und viel- Zu Matth. 11, 25—29, Luk. 10, 21. 22. 193 leicht noch bei Tatian, sonst nirgends. Aber bei diesem ist sie zweifelhaft. Ephraem schreibt (Evv. concord. p. 116 Moesinger): „Gratias ago tibi, pater coelestis — in (Graeco dicit: Gratias ago tibi, deus pater, domine coeli et terrae.“ Ephraem hat also in Bezug auf das erste Wort eine Verschiedenheit des Textes nicht gesehen. Die LA εὐχαριστῶ entstand wohl, weil ἐξομο- λογοῦμαι nicht recht verständlich war, ja geradezu anstößig schei- nen konnte. Εὐχαριστῶ lag sehr nahe und schob sich unwill- kürlich ein, so bei Epiph. Vgl Orig. de orat. 5: τὸ ,é&op020- yoöuaı“ ἴσον ἐστὶ τῷ , εὐχαριστῶ.“ Die zweite Variante (om. πάτερ) fanden wir auch im kanonischen Luk.-Text in Εν (s. ο): πάτερ fehlt auch noch in Clem. Hom. XVIII, 15; der Text dort aber (Simon Magus spricht) ist eine Misebung des kanonischen und marcionitisehen (s.u.), so daß er als selbständiger Zeuge nicht in Betracht kommt. Die Auslassung in FW ist wohl nur eine zu- fällige! — man wundert sich, daß in den Mss. πάτερ nicht häufiger vor κύριε ausgefallen ist —; also steht Marcion mit der Auslassung allein. Ein Gewicht ist ihr schwerlich beizulegen. Die dritte Variante (om. τῆς γῆς) findet sich auch bei Tatian, der dazu noch κύριε fortläßt (eben dieses κύριε — aber nicht τῆς γῆς — fehlt auch in Clem. Hom. VIII, 6, wo Petrus spricht). Das Fehlen von τῆς γῆς ist bei Tatian nicht zufällig: er hat den geläufigen Ausdruck πάτερ οὐράνιεί — denn so hat er geschrieben — für den vollen, aber seltenen eingesetzt. Weder mit Marcion noch mit Clem. Hom. VIII, 6, wo das Fehlen des κύριε wohl nur ein Versehen ist, kann ein Zusammenbang be- stehen. Also darf Mareions χύριε τοῦ οὐρανοῦ als tendenziöse, Tatians πάτερ οὐράνιε als nicht weiter zu erklürende Willkür bezeichnet werden?. Die vierte Variante endlich findet sich auch in Clem. Hom. XVIII, 15: Simon Magus zitiert ἅπερ ἦν κρυπτὰ σοφοῖς, ἀπεκάλυψας αὐτὰ xtA, und wird deshalb im Kontexte von Petrus berichtigt. Simon Magus bringt auch sonst Mareionitisches in den Homilien; er hat hier nach dem Marcion-Text zitiert. 1) Daß πάτερ in „a“ (Vercell) gefehlt hat, darf nicht behauptet werden, da hier eine kleine Lücke (unleserliche Stelle?) in „a“ ist. 2) Möglich ist, daß Tatian, da nach seinem System ein Demiurg von Gott zu unterscheiden ist, die Anrede πάτερ, κύριε τ. οὐρ. x. T. y. in πάτερ οὐράνιε verwandelt hat. Harnack, Sprüche Jesu. | 13 194 Exkurs I. Die sonstigen Varianten in der ersten Hälfte des Spruch: sind folgende: ἐξομολογήσομαι: die Markosier bei Iren. 1, 20, 3 (vielleicht nach Sirach 51, 1; belanglos)!. domine pater: e e f ff? 1 (belanglos, weil sehr nahe liegende Umstellung). deus pater domine: so behauptet Ephraem (l. c), daß der Grieche biete; aber das ist recht unwahrscheinlich, da keine uns erhaltene Handschr. so liest. Doch liest man bei Clemens Alex. (Paed. I, 6, 32): πάτερ, ὁ ϑεὸς τοῦ οὐρανοῦ καὶ τῆς γῆς, aber das ist wahrscheinlich nur ein freies Zitat?. οὐρανῶν καὶ γῆς: Epiph. Le τῆς γῆς καὶ τῶν οὐρανῶνϑ: Markosier (bei Epiph. ist der Plur. wohl Versehen, bei den Mar- kosiern sehwerlich). ταῦτα: fehlt bei den Markosiern, aber nur im griechischen Text (belanglos); in L steht aca. καὶ συνετῶν!: fehlt in Syr. sin. (aber nur im Matth Text), in „e“ und in Clem. Hom. [bis]; aber in Clem. Hom. VIII, 6 steht dafür πρεσβυτέρων”, und an beiden Stellen in Clem. Hom. steht neben νηπίοις das Wort ϑηλάζουσιν, so daß der Text so lau- tete: σοφῶν πρεσβυτέρων... νηπίοις ϑηλάζουσιν. Die Tilgung des „xal συνετῶν" erklärt sich daraus, daß das folgende Parallel- glied nur ein Substantivum hat; sie ist also eine nachträgliche. Sie ist die Voraussetzung der LA der Clem. Hom.; man empfand, daß σοφοί .... νήπιοι kein schlagender Gegensatz sei, und stellte daher den νήπιοι die πρεσβύτεροι (recht unverstündig) neben σοφοί entgegen; nun aber brauchte man auch bei νήπιοι ein 1) Die lateinische Übersetzung bietet: „Confiteor“. 2) Das πάτερ κύριε“ wurde auch wie ein Hendiadyoin verstanden; so schreibt der Heide bei Makarius Magnus IV, 7: ὅτι οὐρανοῦ καὶ γῆς πατήρ ἐστιν ὁ θεός, ὑπὸ τοῦ υἱοῦ ὡμολόγηται, ,Iláreo κύριε τοῦ οὐρανοῖ καὶ τῆς γῆς“ λέγοντος. 3) So der lat. Text; der griechische hat die gewöhnliche Stellung. 4) And συνετῶν καὶ σοφῶν: D, ἀπὸ σοφῶν καὶ δυνατῶν: 1* (beides belanglos). 5) Nur eine Handschrift bietet vorher das καί. Zu Matth. 11, 25—29, Luk. 10, 21. 22. 195 ‚zweites Wort und wählte (aus Matth. 21,16) ϑηλάζοντες!. Für den Urtext ist hier also nichts zu lernen. Daß dieser wirklich σοφῶν καὶ συνετῶν .... νηπίοις gelautet hat, wird durch die formelle Inkongruenz nur bestätigt. αὐτά: fehlt bei Tatian (belanglos). οὐά, ὁ πατήρ µου: die Markosier bei Irenäus (οὐά findet sich im N. T. noch Mark. 15, 29); sie lassen auch im Folgenden οὕτως fort und stellen ὅτι ἔμπροσθέν σου εὐδοχία μοι [fehlt im Lat] ἐγένετο. Trotz diesen Differenzen ist eine Übersetzungs- variante in diesem Verse nicht anzunehmen, da auch die Mar- kosier εὐδοκία bieten. Wie die LLAA entstanden sind, ist un- bekannt. Da sie ganz allein stehen, darf man schwerlich auf sie etwas geben. γέγονεν (für ἐγένετο): so nur Epiph., haer. 65, 6 (belanglos). Ergebnis: die erste Hälfte des ersten Spruchs ist bei Matth. (und Luk.) in der ältesten erreichbaren Gestalt überliefert, auch die Anrede: πάτερ, κύριε τοῦ οὐρανοῦ καὶ τῆς γῆς, ist höchst wahrscheinlich älter als alle Varianten. Auch die Einleitung zur zweiten Hälfte des ersten Spruchs zeigt noch wenige Varianten. Von Wichtigkeit ist, daß sowohl Justin (Dial. 100) als auch Hippolyt (c. Noét. 6): παραδέδοται (für παρεδόϑη) bietet? Diese Variante liegt auf einer Linie, die wir im Folgenden beobachten werden: ein historischer Aktsollin einen zeitlosen, überhistorischen verwandelt werden. Für ὑπὸ (τοῦ πατρός) bietet D (im Luk.) ἀπό, Hip- pol παρά (das ist belanglos). Während aber „uov“ hinter τοῦ πατρός in den griechischen Majuskeln des Matth. und Luk. nur einmal fehlt (außerdem in einer Minuskel zu Matth.), fehlt es in den Zitaten bei Marcion, Justin, den Markosiern (Lat), Hilarius und Vietorin. Es fehlt ferner in den Versionen im Matth. bei Syr. hieros, im Luk. bei a e 1 Syr. si Hieraus ergibt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit, daß es ursprünglich bei Matth. und Luk. gefehlt hat, daß es aber schon sehr frühe hinzugesetzt 1) Beachtenswert ist, daß der Heide bei Makarius Magnus (IV, 9) erst genau nach Matth. „xa? ἀπεκάλυψας αὐτὰ νηπίοις“ zitiert, dann aber fortführt: εἰ ἀπὸ τῶν σοφῶν κέκρυπται τὰ μυστήρια, νηπίοις δὲ καὶ ϑηλα- ζομένοις ἐκκέχυται. 2) So auch die Codd. ΚΠ, die Kursive 60, 203, pser, wser, und drei Colbertini (alle nur bei Luk.). 193 196 Exkurs I. worden ist, und zwar kann das Motiv ein ähnliches gewesen sein wie bei der Variante παραδέδοται, die aber in die uns er- haltenen Evv.-Handschriften nieht eingedrungen ist. Im Folgenden treten zwei Hauptunterschiede in der Über- lieferung hervor: 1. ob der Aorist ἔγνω oder das Präsens yı- νώσχει (ἐπιγινώσκει, οἶδεν) gebraucht ist, 2. ob „den Vater er- kennen“ oder „den Sohn erkennen“ voransteht. Dazu kommen 3. noch Unterschiede im letzten Satze (καὶ ᾧ ἂν βούληται xv2.)1. Auf den ersten Punkt ist bereits Irenäus aufmerksam geworden; er behauptet, der Aorist ἔγνω sei eine häretische Fälschung, s. IV, 1: „Nemo cognoscit filium nisi pater, neque patrem quis cognosit nisi filius, et cui voluerit filius revelare. sic et Matthaeus posuit et Lucas similiter et Marcus idem ipsum?; Johannes enim praeterit locum hunc. hi autem qui peritiores apostolis volunt esse, sic describunt: nemo cognovit patrem nisi filius, nee filium nisi pater et cui voluerit filius revelare, et interpretantur, quasi a nullo cognitus sit verus deus ante domini nostri adventum, et eum deum qui a prophetis 1) Die übrigen Varianten in diesem Verse bedeuten nicht viel. Statt καὶ οὐδείς... οὐδὲ... τις (Matth., so auch Iren. IV, 6, 1; Hom. Clem. XVIII,13[bis]; der Marcionit bei Adamant.) bzw. καὶ οὐδείς... καὶ (Luk., dazu z. B. die Markosier bei Irenäus I, 20, 3, Marcion bei Tertullian; Epiph.) findet sich auch: οὔτε τις... . . οὔτ᾽ αὖ τις (Euseb., h. e. 1, 2); ferner im ersten Glied: μηδείς (Clem., Strom. V, 84; Euseb. de eccl. theol. I, 12; Euseb., eclog. I, 12) oder οὐδεὶς γάρ (z. B. Clem., Strom. VII, 109; Euseb., de eccl. theol. I, 15.16), und im zweiten Glied: οὐδέ [ohne τις] (Justin [ter]; Marcion bei Iren. IV, 6, 1; Irenäus [bis]; Clem. Alex. [semel]; Epiphan. [bis]), : ὣς οὐδὲ... τις (Clem. Hom. XVII, 4; XVIII, 4. 20), οὕτω καὶ οὐδείς (Euseb. Demonstr. IV, 3, 13), μηδὲ . . . τις (Euseb., de eccl. theol. I, 12 [Mareell.]), καὶ οὐδείς (Epiph. |ter]; Euseb., Demonst. V, 1). Eine Besonderheit des Euseb ist es, daß er dreimal: εἰ μὴ μόνος ó γεννήσας αὐτὸν πατήρ schreibt (h. e. I, 2; Demonstr. IV, 3, 13; de eccl. theol. I, 12). Das sieht wie eine aus einem syrischen Text stammende Amplifikation aus, Die Syrer liebten solche Amplifikationen. 2) Das ist ein Irrtum des Irenäus; Markus hat den Spruch nicht. Zu Matth. 11, 25—29, Luk. 10, 21. 22. 197 sit annunciatus, dicunt non esse patrem Christi!) Ganz richtig empfindet Irenäus hier, daß der Sinn des „cognovit“ (ἔγνω) ein anderer ist als des ,cognoscit^ (γινώσκει), aber seine Be- hauptung, die LA ἔγνω sei eine häretische, ist, wie sich gleich zeigen wird, ganz irrig. Ich gebe zuerst die Stellen, in denen sich ἔγνω findet, und „den Vater erkennen" voransteht, sodann die £yro-Zitate mit „den Sohn erkennen?:* {ἔγνω τὸν πατέρα,...... τὸν υἱόν (ohne Verbum): Ju- stin, Apol I, 63, [bis]; Markosier bei Iren. I, 20, 3; Mareion bei Irenäus IV, 6, 1. ἔγνω τὸν πατέρα .... ἔγνω τὸν υἱόν: Tatian?; Euseb., 1) Die Stelle wird auffallenderweise von den Kritikern (auch von Zahn, Tatian S. 149; Kanonsgesch. I, S. 555f.) so mißverstanden, als bezóge sich der Tadel des Irenäus auf die Voranstellung des „den Vater erkennen“. Das ist ihm ganz gleichgültig (er selbst befolgt ein paarmal diese Reihenfolge); es liegt ihm lediglich an dem Unterschied von „co- gnoseit“ und „cognovit“. Ferner bezieht man die Stelle gewöhnlich auf die Markosier, weil Irenäus im 1. Buch (20, 3) den Vers in der Fassung der Markosier zitiert hat. Allein im Kontext (s. IV, 1ff.; IV, 6, 2: hier zitiert er Justins Schrift gegen Marcion) beschäftigt er sich mit den Marcioniten. Diese sind zweifellos in erster Linie gemeint; nebenbei mag er auch an die Markosier denken, die hier in der Hauptsache ebenso lasen wie Mareion. Übrigens weichen die beiden Zitate I,20, 3 und IV, 6, 1 etwas von einander ab. Wo Irenäus die markosische Fassung des Spruchs wiedergibt (I, 20, 3), schreibt er: καὶ τὸν υἱὸν εἰ μὴ ὁ πατὴρ καὶ d ἂν ὁ vióg ἀποκαλύψῃ (so auch der Lat. vet.; an unserer Stelle läßt er die Häretiker schreiben: ,nec filium nisi pater, et cui voluerit filius reve- lare“. Das „nec“ bietet auch der Marcionit bei Adamantius. 2) Mit einem Kreuz sind die Stellen bezeichnet, in denen sich nur ein Verbum findet; eingeklammert sind die Stellen, in denen das Zitat ein unvollstündiges ist, d. h. nur eines der beiden Glieder wiedergegeben ist. Auf den Unterschied von τὸν πατέρα und τίς ἐστιν ὁ πατήρ ist nicht geachtet, weil in den Zitaten die umständlichere Form fast gar nicht vorkommt. 3) Die Reihenfolge ist ganz sicher; nicht sicher ist, daß man das „novit“ Mösingers als ἔγνω deuten darf. — Das „novit“, das sich in wenigen alten lateinischen Versionen (in Luk.) findet, ist gewiß = ἔγνω; denn die große Mehrzahl derselben bietet (im Luk.) „seit.“ Also gehört hierher der Veronensis (b): „nemo novit patrem nisi filius et que [? ? wohl qui[s] zu lesen, siehe η]... bit [= novit] fili.. nisi pater ... vo- luerit“ ete, Ferner ist ἔγνω durch das „novit“ im Vercell, (a) bezeugt (über die LA dieses wichtigen Cod. s. unten) sowie in q. 198 Exkurs 1. Demonstr. IV, 3,13; Euseb., Demons tr. V,1; Euseb., de eccl. theol. I, 12 (wahrschein- lich auch Orig, de princ. II, 6, 1; „novit πουν ἔγνω τὸν πατέρα . .. . γιμώσχει τὸν υἱόν: der Mareionit bei Adamantius (p. 44 ed. van de Sande). ἔγνω τὸν πατέρα... ... yvo ποτὲ τὸν viov: Euseb., h. e. 192. ἔγνω τὸν πατέρα... . οἶδεν τὸν υἱόν: Clem. Hom. XVII, 4; XVIII, 4. 13 [bis]. 20. [ἔγνω τὸν πατέρα ... ohne den Parallelsatz (also unvoll- ständiges Zitat): Clem. Alex. Protrept. I, 10; Paedag. I, 5, 20 und Lg: Strom. V, 84; VII, 58; Origen., Selecta in Ps. [T. 11 p. 393 Lomm.]; e. Cels. II, 71; VII, 44; in Joh. p. (20). 49. 248. 301. 334. 4144. (ed. Preuschen) ete.!; Concil Antioch. ο, Pau- lum Samos.; Euseb., eclog. I, 12; Tertull. adv. Marc. 11,27 (cognovit); de praescr. 21 (novit)]. ἠἔγνω τὸν υἱόν ...... τὸν πατέρα (ohne ein Verbum): Clem. Alex., Paedag. 1,9, 88; Strom I, 178; Org. c. Cels. "VL τη. [ἔγνω τὸν υἱόν ...... ohne den Parallelsatz (also unvoll- a ständiges Zitat): Orig. in Joh. p. 474]. οἶδε τὸν υἱόν .... ἔγνω τὸν πατέρα: Epiph., haer. 65, 6. Es folgen Zitate ohne ἔγνω, und zwar wiederum zuerst die, in denen ,den Vater erkennen* voransteht: γγινώσχει τὸν πατέρα ..... τὸν viov (ohne Verbum): Justin, Dial. 1002. γγινώσκει τίς ἐστιν ὁ πατήρ... . τίς ὁ υἱός (ohne ein Verbum): Marcion [so nach Tertull. IV, 25, aber nach Iren. und Adamant. ἔγνω, s. ol Cod. U des Lukas. 1) Auch in anderen Zitaten bei Orig. findet sich ἔγνω noch und bei spüteren Alexandrinern (Alexander z. B. und Didymus). 2) Justin sagt hier ausdrücklich: ἐν τῷ εὐαγγελίῳ γέγραπται εἰπών. Zu Matth. 11, 25—29, Luk. 10, 21. 22. 199 [γινώσκει τὸν πατέρα..... ohne den Parallelsatz (also unvollständiges Zitat): Clem. Alex., Strom, VII, 109]. γἐπιγιωώσκει τὸν πατέρα ... . τὸν υἱόν (ohne ein Ver- bum): Iren. 1], 6, 1; IV, 6,3; fragm. Syr. XV (ed. Harvey). [ἐπιγινώσκει τὸν πατέρα .... ohne den Parallelsatz (also unvollständiges Zitat): Clem. Alex., Dives8; Iren. IV, 6, 6]. οἶδε τὸν πατέρα...... οἷδε τὸν υἱόν: Epiph., haer. 69, 43; Ancor. 11. Τοΐδε τὸν πατέρα ....... τὸν υἱόν (ohne ein Verbum): Epiph., haer. 74, 4; 76, 1 Nr.29; 76, 1 Nr.32. [οἷδε τὸν πατέρα ....... ohne den Parallelsatz (also un- vollstándiges Zitat): Euseb., de eccl. theol. 1, 161]. {γινώσκει τίς ἐστιν ὁ υἱός .... τίς ὁ πατήρ (ohne ein Verbum): Lukas (mit Ausnahme der Codd. U, a, b). ἐπιγινώσκει τὸν υἱόν..... ἐπιγινώσκει τὸν πατέρα: Matth. (so auch Syr.si?.; nur ein Minuskel stellt um); Iren. IV, 6, 1. Τἐπιγινώσχει τὸν υἱόν ..... τὸν πατέρα (ohne ein Ver- bum): Iren. IV, 6, 7. οἶδε τὸν viov .... οἶδε τὸν πατέρα: Epiph., haer. 54, 4. Toiós τὸν υἱόν ..... τὸν πατέρα (ohne Verbum): Epiph., haer. 64, 9; 76,1 Nr. 7. Ganz singulär ist a (Vercell). Er läßt nämlich das Er- kennen des Sohnes (im Luk.-Text, nicht im Matth.-Text) ganz fort und schreibt: „Omnia mihi tradita sunt a patre, - 1) Schwankungen sind bei Euseb auch durch die Benutzung des Textes des Marcellus hervorgerufen. 2) Eine eigentümliche Variante bietet im Luk. Syr.sin.: „und wer kennt den Sohn aufer der Vater, und wer kennt den Vater aufer der Sohn?“ Zu vgl. ist-der lateinische Cod. q: „et quis novit patrem?“ und wohl auch b. : 200 Exkurs I. et nemo novit quis est pater nisi filius et cuicumque voluerit filius, revelavit.“ Bevor wir diese LLAA beurteilen, seien noch die Varianten im Sehlufisatz zusammengestellt: 1. καὶ a ἂν βούληται ὁ υἱός ἀποκαλύψαι: Luk.; Matth: Iren. IV, 6, 1 οἷο, etc. (Syr. gin: in Matth. lautet nicht anders). 2. καὶ ᾧ ἂν βούληται ἀποκαλύψαι αὐτὸς ἀποκαλύπτει Syr.hieros.; dazu: „et cuicumque voluerit filius revelavit“ (a). 3. καὶ ᾧ ἂν ὁ υἱὸς ἀποκαλύψῃ: Marcion; Markosier; Clem. Alex. [septies]; Orig. [saepe]; Tertull, de praescr. 21 [„revelavit“] ; Euseb., eclog 1,12; Concil Antioch.; Epiphan. [nonnull. loc.]. 4. καὶ ᾧ ἂν ἀποκαλύψῃ: Epiphan. [saepius], sowohl nach „den Vater erkennen“ als „den Sohn erkennen", 5. καὶ ᾧ ἂν αὐτὸς ἀποκαλύψῃ: Nicetas (nach „den Sohn erkennen“). 6. καὶ ᾧ ἂν ὁ υἱὸς ἀποκαλύπτει: Epiphan., haer. 74, 4. 7. καὶ οἷς ἂν βούληται ὁ υἱὸς ἀποκαλύψαι: Clem. Hom. [quater] £. 8. καὶ οἷς (ἂν) ὁ υἱὸς ἀποκαλύψῃ vel ἀποκαλύφῃ ὁ υἱός: Justin [ter]; Iren. [ter]. A. 1. Ein Teil der Marcioniten?, die Markosier, Justin (in der Apologie), (Tatian), die Alexandriner (Clemens, Origenes [beide fast durchweg] und noch spätere) und Eusebius (fast durchweg) 1) Die Stelle Clem. Hom. XVIII, 7: καὶ οἷς (nicht o, wie Blaß an- gibt) ἂν βούληται ὁ υἱὸς ἀποκαλύπτει, darf nicht verwertet werden, da sie ein freies Zitat ist. 2) So naeh Irenäus (und Adamantius) Man wird dem Tertullian glauben dürfen, daß er in seinem Exemplar des marcionitischen Evan- geliums γινώσκει („seit“) gelesen hat; aber die Annahme hat keine Schwierigkeit, daß auch in mareionitische Evangelien-Exemplare sehr frühe diese LA eingedrungen ist, obgleich ihnen ἔγνω willkommen war. Es steht bei ihnen also ebenso wie bei Justin, der auch beide Lesarten bietet. Sollte aber Jemand darauf bestehen, daß nur Tertullian den einzigen und echten Marciontext bietet, dieser also γινώσκει ge- lautet hat, so bleibt die Zahl der alten Zeugen für ἔγνω immer noch groß genug, um die Entscheidung fordern zu dürfen; daß Luk. ἔγνω ge- schrieben hat, Zu Matth. 11, 25—29, Luk. 10, ?1. 92. 201 haben übereinstimmend ἔγνω gelesen; ἔγνω ist also die älteste uns bezeugte LA. 2. Diese LA ἔγνω hat im Luk. gestanden!; denn darauf weist Marcion; die Annahme wird unterstützt durch das ,novit^ der uralten Lateiner Vercell (a) und Veron. (b) im Luk., während die übrigen Itala-Codd. (mit Ausnahme von η) „scit“ bieten; die Annahme erhält endlich eine sehr starke Stütze dureh die übrigen Aoriste Zxgviac, ἀπεκάλυψας, ἐγένετο, παρ- εδόθη2. 3. Den Ursprung der LA γινώσκει im Iak. kann man auf Grund der Angabe des Irenäus noch mutmaßen; das Präsens drang aus Matth. in den Luk. ein und befestigte sich als anti- marcionitische LA. Schon Justin bezeugt sie, aber in seiner jüngeren Schrift, dem Dialog, und in kirchlichen Hand- schriften des Irenäus herrschte sie bereits. Im Abendland ist ἔγνω früher verschwunden als im Morgenland. 4. Die Zähigkeit des ἔγνω und sein richtiges Verständnis im Morgenland zeigt sich besonders in den Zitaten, wo man diesen historischen Aorist nur für die Erkenntnis des Vaters (seitens des Sohns) für passend hielt und beibehielt, aber für die Erkenntnis des Sohnes (seitens des Vaters) ein Präsens [entspre- chend dem Matth., s. u.] in den Lukastext einschob (Adamantius: γινώσκει, Clem. Hom. [5mal] und Epiph., haer. 65, 6: οἶδεν). 5. Im Matth.-Text hat von Anfang an das Präsens ἐπιγι- νώσκει gestanden (ἐπέγνω kommt in der ganzen Überlieferung überhaupt nieht vor); es war auch von Anfang an im zweiten Glied wiederholt, während das ἔγνω im Luk. nieht wiederholt war. Diese formale Differenz zwischen den beiden Evangelien erklärt es, daß Mischungen entstanden, in denen bald das ἔγνω wiederholt (s. Euseb.) bald das ἐπιγινώσκει nicht wiederholt wurde (Iren. und die Sätze bald durch καί, bald durch οὐδέ verbunden wurden. 6. Die LA οἶδεν findet sich nur in den klementinischen Homi- 1) So auch Blaß, Keim, Meyer, Schmiedel. 2) Weiß behauptet umgekehrt, ἔγνω sei aus Konformierung mit παρεδόθη entstanden. Aber warum ist nur im Lukastext und nicht auch bei Matth. konformiert worden? Die Verdrängung des ἔγνω durch γινώσχει erklärt sich aber auch daraus, daß das folgende: ᾧ ἂν ἀποκαλύψῃ ein vorhergehendes Prüsens zu fordern schien. 902 Exkurs I. lien und bei Epiphan.! bald je einmal, bald verdoppelt; sie ist also auf Syrien beschránkt geblieben und kommt nicht in Be- tracht. Sie ist wohl aus dem Einfluß des johanneischen Sprach- gebrauchs zu erklären. B. Das Glied ,den Vater erkennen* hat bei Marcion [so nach Iren, Tertull und Adamant., den Markosiern, Justin, Tatian, Irenäus [aber nicht immer], den klementinischen Homilien, Euse- bius, im Cod. U- des Lukas (und im Veron.) vorangestanden, wührend ,den Sohn erkennen" im Text des Matth. (mit Aus- nahme einer Minuskel, was nichts besagt), in den übrigen Zeu- gen des Lukas und bei Clemens Alex. voranstand. Geteilt sind lrenáus, Origenes, die späteren Alexandriner und Epiphanius. Die gebotene Lósung dieses Tatbestandes — da Marcion den Lukastext vor sich hatte? — ist, daß sicher im Luk. „den Vater erkennen“ voranstand, das Umgekehrte aber wahrscheinlich im Matth.-Text stattfand. Letzteres ist nur deshalb nicht ganz sicher, weil jede Benutzung des Matth.-Textes vor Irenäus und Clemens Alex. fehlt, das Zeugnis des Irenäus aber geteilt ist. C. In Bezug auf den Schlußsatz steht 1. fest, daß ὁ υἱός in ihm wiederholt war; denn die Auslassungen im Syr. hieros., bei Epiphanius (öfters) und Nicetas (bzw. der Ersatz durch αὐτός) besagen textkritisch nichts. 2. Die kurze Form ἀποκαλύψῃ (für βούληται ἀποκαλύψαι) ist früher bezeugt (Marcion, Markosier, Justin [dreimal], Irenäus [in der Regel] Clemens Alex, Origenes [oft] ete.) als die andere. 3. Die Form οἷς ἄν hat durch Justin, Irenäus (außer einer Stelle) und die klementinischen Homilien eine ausgezeichnete Bezeugung, aber Marcion und die Markosier bieten sie nicht. 4. Der Indikativ ἀποκαλύπτει (ἀπεκάλυψεν) im Syr. hieros., dem Vercell. (revelavit; so auch Tertull. de praescr. 21, aber das 1) Die eine Stelle bei Euseb ist ein unvollstündiges Zitat, das nicht ins Gewicht fällt. 2) Ebendeshalb ist es nicht erlaubt, die Voranstellung dieses Gliedes durch den Einfluß der mündlichen Tradition oder eines apokryphen Evan- geliums zu erklären. Zu Matth. 11, 25—29, Luk. 10, 91. 99. 203 besagt nicht viel) und einmal bei Epiph. ist zu schwach be- zeugt, als daf man dieser LA folgen dürfte. Ergebnis: Welche der drei Formen!: ᾧ ἂν ὁ υἱὸς ἀποκαλύψῃ — οἷς ἂν ὁ υἱὸς ἀποκαλύψῃ — ᾧ ἂν βούληται ὁ υἱὸς ἀπο- καλύψαι die ursprüngliche ist, ob bei Matth. und Luk. die Worte ursprünglich verschieden gelautet haben und wie sie sich auf diese Evv. verteilt haben, kann nicht mehr entschieden werden. Um des Zeugnisses des Marcion willen ist es aber wahrscheinlich, daß bei Luk. ᾧ ἂν ὁ υἱὸς ἀποκαλύψῃ gestanden hat, zumal da auch die Markosier so bieten und auch sie (s. ο) den Lukastext befolgt haben?. D. Das Ergebnis der bisherigen Untersuchung ist, daß bei Luk. der Spruch gelautet hat: πάντα μοι παρεδόϑη ὑπὸ τοῦ πατρός, καὶ οὐδεὶς ἔγνω τίς ἐστιν ὁ πατὴρ εἰ μὴ ὁ υἱός, καὶ τίς ἐστιν ὁ υἱὸς εἰ μὴ ὁ πατὴρ καὶ ᾧ ἂν ὁ υἱὸς ἀποκαλύψῃ, bei Matth. aber: πάντα μοι παρεδόϑη ὑπὸ τοῦ πατρός, καὶ οὐδεὶς ἐπιγι- νώσκει τὸν υἱὸν εἰ μὴ ὁ πατήρ, οὐδὲ τὸν πατέρα τις ἐπιγι- γώσχει εἰ, μὴ ὁ υἱὸς [oder: τὸν πατέρα ... ὁ υἱός . τὸν υἱὸν... ὁ πατήρ] καὶ ᾧ [οἷς] ἂν βούληται ὁ υἱὸς EE [oder: ἂν ὁ υἱὸς ἀποκαλύφη]. Aber kann man sich hierbei beruhigen? Es ist das aus folgenden Gründen nicht móglich. (Zunüchst sei der Lukastext betrachtet): 1. Den Satz, „den Sohn erkennen“ erwartet man in diesem Zusammenhang überhaupt nicht (wenn er auch nicht unertrüg- lich ist); denn um Gotteserkenntnis handelt es sich in dem lob- preisenden Gebet am Anfang und am Schluß. 2. Der historische Aorist ἔγνω“ paßt vortrefflich zu dem Erkennen des Vaters durch den Sohn, aber er paßt nicht 1) οἷς ἂν βούληται ὁ υἱὸς ἀποκαλύψαι ist lediglich dureh die Kle- mentinen bezeugt, fällt also fort. 2) Man könnte daran denken, daß die ursprüngliche Form: Di (οἷς) ἂν βούληται ὁ υἱὸς ἀποκαλύπτειν ἀποκαλύπτει gelautet hat und aus ihr die beiden kürzeren Formen hervorgegangen sind, aber beweisen läßt es sich nieht. — ἀποκαλύψῃ und βούληται ἀποκαλύψαι läßt sich übrigens auch als Übersetzungsvariante verstehen, wenn man βούληται ἀποκαλύψαι lediglich futurisch faßt. 204 Exkurs 1. so gut zu dem Erkennen des Sohnes durch den Vater: das haben auch die denkenden Abschreiber eingesehen und sich auf verschiedene Weise zu helfen gesucht (s. oi 3. Der Satz καὶ 9 ἂν ὁ υἱὸς ἀποκαλύψῃ paßt nur zu dem Satze οὐδεὶς ἔγνω τίς ἐστιν Ò πατὴρ εἰ μὴ ὁ víóc, zu dem anderen, mit dem er bei Luk. oben ver- bunden erscheint, paßt er nicht (der Sohn ist doch Gottes Interpret und nieht sein eigener. Auch das haben die Abschreiber richtig eingesehen und sich des- halb dureh Umstellung (oder auch durch Verwandlung des υἷός in αὐτός, welches sich dann auf den Vater bezieht) geholfen!. 4. Im Cod. Vercell. des Luk. lesen wir noch heute (s. o.) den Spruch ohne den Satz „den Sohn erkennen?" Der Schluß ist m. E. fast zwingend: im Luk. haben die Worte „xal τίς ἐστιν ὁ υἱὸς εἰ μὴ ὁ πατήρ" ursprüng- lich gefehlt?. Haben sie aber im Luk. gefehlt, so fehlten sie auch in Ui: darüber bedarf es keiner Worte. Dann aber ist die Frage eine relativ gleichgültige, ob schon Matth. für den Einschub verantwortlich zu machen ist oder ob er auch bei ihm ursprüng- lich noch gefehlt hat*. An diesem Punkte kann man nicht ganz ins Klare kommen. Jedenfalls ist der Einschub sehr alt; denn alle unsere Zeugen für Matth. und alle unsere Zeugen für Luk. 1) Aber die Umstellung schafft die neue Schwierigkeit, daß „den Sohn erkennen“ vor „den Vater erkennen“ tritt, was an sich und im Zu- sammenhang höchst auffallend ist. 2) Dieser Cod. bietet auch sonst sehr Wichtiges in seinen LLAA, 3) Für die Ursprünglichkeit der Worte beruft man sich auf den rhythmischen Aufbau des Spruchs, der sie fordre; allein auch ohne sie ist ein Rhythmus vorhanden, und ich sehe nicht ein, daß der durch die Hinzufügung geschaffene besser ist. 4) Das ist auch Wellhausens Meinung; er geht aber nicht genauer auf die Textgeschichte ein. 5) Inhaltlich stellt er sich natürlich bei Matth. ebenso als Einschub dar wie bei Luk.; denn stell man ihn an den Anfang, so streitet er mit der natürlichen und gebotenen Reihenfolge (dem Sohne ist doch die Er- kenntnis des Vaters überliefert, und die Erkenntnis des Sohnes darf nicht vor der des Vaters stehen); stellt man ihn an den Schluß, so stimmt der Nachsatz nicht mehr. Zu Matth. 11, 25—29, Luk. 10, 21. 2, 205 außer einem haben ihn. Die Annahme ist daher die nächst- liegende, weil einfachste, daß ihn schon Matth. in den Text ge- bracht hat — derselbe Matth. der den historischen Aorist ins Präsens verwandelt und der ο, 28, 18 geschrieben hat: „Mir ist alle Gewalt gegeben worden im Himmel und auf Erden“. Wo- hin er den Einschub gestellt hat, ist nicht ganz sicher; wohl aber ist es höchst wahrscheinlich, daß er ihn an die erste Stelle rückte; denn so bezeugen es die Handschriften, und bei dieser Annahme läßt sich die Textgeschichte am ein- fachsten begreifen. Erhielten von Anfang an die griechischen Christen die beiden Formen: οὐδεὶς ἔγνω τίς ἐστιν 6 πατὴρ εἰ μὴ ὁ vióc, und: οὐδεὶς ἐπιγινώσκει τὸν υἱὸν εἰ μὴ ὁ πατήρ, οὐδὲ τὸν πα- τέρα τις ἐπιγυνώσχει εἰ μὴ ὁ υἱός, überliefert, so erklären sich alle Mischformen der Überlieferung und ihr frühes Auftauchen auf die einfachste Weise) Die Ein- schiebung „den Sohn niemand als der Vater“ in den Lukastext bezeichnet die erste Hauptstufe, die sofort eingetreten sein muß; die Verwandlung des Aorist ἔγνω in das Präsens bezeichnet die zweite?, . Der Spruch lautete also in Q wie in Luk. (oder fast wie in Luk.): Ἐξομολογοῦμαί σοι, πάτερ, κύριε τοῦ οὐρανοῦ καὶ τῆς γῆς, ὅτι ἔκρυψας ταῦτα ἀπὸ σοφῶν καὶ συνετῶν καὶ 1) Man hat dann auch nicht nótig, auf den EinfluB einer besonderen mündlichen Überlieferung, die von der der Evv. abwich, oder auf ein apokryphes Evangelium zu rekurrieren. Móglich bleibt natürlich ein solcher Einfluß. 2) In den aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten ging die luka- nische Form: τίς ἐστιν ὁ πατήρ (und τίς ἐστιν ὁ υἱός) fast überall unter. Darauf ist kein Gewicht zu legen. — Daß die ursprünglichen Lesarten in den griechischen Lukashandschriften ganz und in den lateinischen fast ganz untergegangen sind, ist leider nicht singulär. Man vgl. z. B. wie im Vaterunser der echte Lukastext verschwunden ist (s. Sitzungsber. d. Preuß. Akad. 1904, S. 195.) oder wie aus der ganzen Überlieferung des Morgenlands ὠνείδισας aus Mark. 15, 34 ausgetilgt ist (a. a. O. 1901, 8. 261ff.). Der Lukastext ist noch viel stärker, als unsere Textkritiker an- zunehmen geneigt sind, aus dem Matth. korrigiert worden. Auch unsere Stelle bezeugt dies. Merkwürdig ist, daß Joh. 1,18 (950v οὐδεὶς ἑώρακεν πώποτε: ὁ μονογενὴς υἱὸς ó ὢν εἰς τὸν κόλπον τοῦ πατρός, ἐκεῖνος ἐξη- γήσατο) so gut wie gar nicht auf die Textgeschichte unseres Spruchs ein- gewirkt hat. 206 Exkurs I. ἀπεκάλυψας αὐτὰ νηπίοις: ναί, ὁ πατήρ, ὅτι οὕτως ἐγένετο εὐδοχία ἔμπροσθέν σου. πάντα uot παρεδόϑη ὑπὸ τοῦ πα- τρός, καὶ οὐδεὶς ἔγνω τὸν πατέρα [oder: τίς ἐστιν ὁ πατήρ] εἰ μὴ ὁ υἱὸς καὶ ᾧ ἂν ὁ υἱὸς ἀποκαλύψῃ. ΠΠ. Über die Situation, in welcher dieser Lobpreis gesprochen ist, enthielt die Quelle nichts; denn „êv ἐκείνῳ τῷ καιρῷ ἀπο- κριϑεὶς ὁ ᾿Ιησοῦς εἶπεν, besagt nichts. Auch daraus, daß in der Quelle der Lobpreis nach dem Gerichtsspruch über die gali- läischen Städte folgte (oder bald folgte), läßt sich nichts schließen, da unsere Stelle zu jener konträr ist!! Wir haben es also mit einem isolierten Spruch zu tun, der aber aus einem bestimm- ten Zusammenhang herausgebrochen ist, wie das ,ταῦ- ta" am Anfang beweist. Bereits diese Beobachtung spricht dagegen, daß der Lobpreis „ein christliches Gedicht" ist; wäre er als solches selbständig entworfen, so hätte man dieses rück- wärtsblickende «ταῦτα΄ vermieden. Die erste Hälfte des ersten Spruchs gibt zu Bedenken kei- nen Anlaß: Jesus richtet an den Vater ein lautes Lobgebet — soll man etwa Matth. 6, 6 dagegen anrufen? —; er redet ihn mit „Vater“ (nicht „mein Vater“) an und als den Herrn des Himmels und der Erde — so groß ist die Gottestat, der der Preis gilt! —; der Dank bezieht sich, wie der Zusammenhang: deutlich ergibt, auf die Lehre, d. h. die Gotteserkenntnis (nicht auf Wundertaten usw.); denn nur einer Lehre gegenüber gibt es σοφοί und νήπιοιξ. Diese Unterscheidung und daß nur die νήπιοι die Empfänglichen sind?, ist ganz im Sinne anderer 1) Lukas hat, sachlich sehr passend, den Lobpreis der Rückkehr der- Jünger von ihrem Missionsversuch folgen lassen, aber daß dies auf Über- heferung beruht, ist deshalb ganz unwahrscheinlich, weil auch er un- mittelbar vorher das Gericht über die Städte bringt. ' 2) Ob man auf das Fehlen des Artikels vor σοφοί und νήπιοι Gewicht legen soll, ist fraglich. Das Fehlen kann wie eine Einschränkung gedeutet werden (nicht alle Weise und nicht alle Einfältigen); es kann aber auch paraphrasierb werden: „vor solchen Leuten, die weise, bzw. einfültig sind“. 3) Der Sinn von γήπιοι („Peta’im“, wie Ps. 19, 8; 116, 6) ist ein anderer als bei Paulus. Bei diesem sind νήπιοι stets die noch kindlich- unreifen Christen. Zu Matth. 11, 25—29, Luk. 10, 91. 22. 207 Sprüche Jesu und also nicht singulür. Er preist aber den Vater nicht nur für die den νήπιοι geltende Offenbarung, sondern auch dafür, daß der Vater diese Erkenntnis den Weisen und Klugen verborgen hat. Das ist eine Herbheit, die schon dem Mareion unerträglich erschien, die aber auch in anderen Sprüchen hervortritt und ein Indizium des Ursprünglichen ist. Zu beachten sind ferner schon hier die Aoriste: nicht was Gott immer tut, sondern was er jetzt — durch den Erfolg der Wirksamkeit Jesu — getan hat, ist Gegenstand des Lobpreises. Es muß also ein uns nicht überlieferter offensichtlicher Erfolg dieser Art dem Lobpreis vorangegangen sein. Das vaí nimmt das ἐξομολογοῦ- μαι wieder auf, und der Satz ὅτι οὕτως εὐδοκία ἐγένετο ču- προσθέν σου den Inhalt des vorangegangenen Satzes!. Die Grófie und Herrlichkeit der Erfahrung zwang aufs natürlichste zur Wiederholung?. | Die erste Hülfte des Spruchs beherrscht und determiniert die zweite. In der ersten dankt Jesus für das, was geschehen ist (Offenbarung der Gotteserkenntnis), in der zweiten bringt er deut- lich zum Ausdruck, daß es durch ihn geschehen ist; denn eben der Erfolg seines Wirkens gab ihm den Anlaß zum Lob. Also schließt sich das Folgende notwendig an. Das πάντα ist durch das, was vorhergeht und was nachfolgt, sowie durch das παρε- δόϑη sicher bestimmt: es kann nicht „alle Dinge“ bedeuten, sondern nur die ganze Lehre (die Lehre ist ,Paradosis^) die ganze Gotteserkenntnis?. Sie ist ihm vom Vater „überlie- 1) Zu vgl. ist Matth. 18, 14: οὕτως (οὐκ) ἔστιν θέλημα ἔμπροσθεν τοῦ πατρὸς ὑμῶν. Εὐδοκία erinnert an das εὐδόκησα bei der Taufe. 2) Auch der Vokativ πάτερ ist durch ὁ πατήρ wiederholt, aber ist es eine bloße Wiederholung? Soll hier ó πατήρ nicht bedeuten: „der du der Vater bist? — Das οὕτως kann sich nur rückwärts beziehen und leitet nicht etwa das Folgende ein. 3) Man hat keine Wahl als das πάντα entweder ganz schrankenlos zu fassen (das Weltregiment, die messianischen Machtbefugnisse) oder es auf die Erkenntnis (Lehre) zu beziehen (so Grotius, Hofmann, Holtz- mann,Schmiedel, Joh. Weiß, Wellhausen u.a.). Aber nur letzteres ist möglich, da von der Erkenntnis Gottes sofort und ausschließlich die Rede ist und da die vorangehende ἀποκάλυψις durch den Gegensatz von σοφοί und νήπιοι, auf den sie sich bezieht, als Enthüllung einer Er- kenntnis unzweideutig determiniert ist. Der Einwurf, daß παραδιδόναι nur von menschlicher Lehrüberlieferung gelten und das Wort daher 908 Exkurs I. fert“, und zwar zuerst ihm, dem Sohne, — er hat nun den Vater kennen gelernt; vor ihm kannte ihn niemand —!, sodann durch ihn an die Empfänglichen, von denen also jetzt ebenso wie vom Sohne gilt: πάντα αὐτοῖς παρεδόθη. In dieser Gedankenreihe, gemessen an den sicheren Sprüchen Jesu, kann ein Doppeltes auffallen: erstlich die abstrakte Unter- scheidung ,der Vater — der Sohn*, sodann die Behauptung „niemand hat den Vater erkannt außer der Sohn“, Jene Unter- scheidung findet sich (Wellhausen) auch bei Mark. 13, 32 (οὐδὲ oi ἄγγελοι οὐδὲ ὁ υἱός, εἰ μὴ ὁ πατήρ)Σ, und zwar im einem Sprueh, der Jesu die Kenntnis der Zukunft absprieht, also gewiß zur ältesten Überlieferung gehört. Was aber das .οὐ- deic“ betrifft, so darf man es nicht pressen und nicht wie Mar- cion interpretieren, als richte es sich im Sinne einer Verwerfung gegen die alttestamentlichen Propheten. Es besagt nicht mehr als Luk. 10, 24: πολλοὶ προφῆται καὶ βασιλεῖς ἠϑέλησαν ἰδεῖν ἃ ὑμεῖς βλέπετε καὶ οὐκ εἶδαν oder als das Zeugnis über den hier diesen Sinn nicht haben kann (Pfleiderer) ist willkürlich, In Matth. 28, 18 heißt es nicht „maosdö9n“, sondern ,,2009:5* μοι πᾶσα ἐξουσία ἐν οὐρανῷ καὶ ἐπὶ γῆς. 1) Das καὶ (οὐδεὶς ἔγνω) nach παρεδόϑη (ὑπὸ τοῦ πατρός) ist nicht ganz deutlich; am nächsten liegt es, es explikativ bezw. konsekutiv zu verstehen: „in der Überlieferung der vollständigen Lehre liegt die Er- kenntnis des Vaters beschlossen“, bzw, „diese Überlieferung hat die Er- kenntnis des Vaters zur Folge“. Weiß nimmt umgekehrt an, daß der mit καί eingeleitete Satz in Wahrheit der Grund für das πάντα wor παρεδόϑη sei. So scheint man in der Tat erklären zu müssen, wenn man mit Weiß die Worte „niemand kennt den Sohn als nur der Vater“ und ihre Voranstellung für richtig hält; denn weder als Explikation noch als Folge des πάντα uot παρεδόθη lassen sie sich begreifen. Freilich — daß sie den Grund angeben sollen, muß einfach eingetragen werden, da es durch nichts angedeutet ist. Die Worte fallen eben aus dem Zusammen- hang völlig heraus. Legt man den richtigen Text zugrunde, so würde man zunächst folgende Formgebung erwarten: „Alles wurde mir überliefert ‘vom Vater, und nur ich lernte ihn kennen und wem ich es offenbaren will“. Aber es ist sehr verständlich, daß statt des „Ich“ hier „der Sohn“ eintrat, da sich eben in der vollständigen und primären Erkenntnis dieses Ich als Sohn darstellt“, 2) Zu vgl. ist auch Luk. 22, 29: κἀγὼ διατίϑεμαι ὑμῖν καθὼς διέϑετό μοι ὁ πατήρ µου τὴν βασιλείαν, ἵνα ἔσθητε καὶ πίνητε ἐπὶ τῆς τραπέζης µου ἐν τῇ βασιλείᾳ µου, dessen „Altertümlichkeit“ unverkennbar ist. Zu Matth. 11, 25—29, Luk. 10, 21. 23. 209 Täufer und die Kleinen im Reiche Gottes. Dagegen ist auf den Aorist ἔγνω Gewicht zu legen (im Unterschied vom Präsens), Nicht ein stets bestehendes Verhültnis des Sohnes zum Vater wird ausgesagt — geschweige ein zeitloses —, sondern es steht auch dieses ἔγνω unter dem ἐξομολογοῦμαι κτλ. des Anfangs: ‘Jesus preist den Vater, daß er ihm alle Erkenntnis überliefert, daß er, der Sohn, als der Erste den Vater kennen gelernt, daß er diese Erkenntnis den νήπιοι geoffenbart hat und daß sie auch ferner nur durch ihn geoffenbart werden wird!. Es handelt sich durchweg um einen geschichtlich gewordenen Tatbestand. Gehört der Spruch der ältesten und besten Überlieferung an, so kann er von Jesus nur in der späteren Zeit seiner Wirksam- keit gesprochen worden sein, und eine weitere Voraussetzung ist, daß Jesus sich in dieser auch sonst „den Sohn“ genannt hat. Das muß von denen bestritten werden, die keine anderen Selbstbezeichnungen Jesu zulassen zu dürfen meinen als die des Lehrers, des Propheten und — am Schluß — des zukünftigen Messias. Allein der Übergang von den Bezeichnungen des Leh- rers und Propheten zu der des zukünftigen Messias verlangt wie im Selbstbewußtsein Jesu so in der Aussprache ein Mittelglied, und es ist schwer einzusehen, warum die Überlieferung im Un- recht sein soll, wenn sie hier die Bezeichnung „der Sohn“ bietet. Wenn diese schlechterdings nichts anderes bedeuten könnte als: „Ich bin der gegenwärtige Messias“, so wäre sie nicht begreiflich; aber die konkrete Situation, in der Jesus sich befand, beschränkt den Spielraum der Aussage wie für Jesus selbst so für seine Hörer. Jetzt ist er der Erwählte, der Geliebte, also der Sohn, und darum wird er einst d.h. bald in des Him- mels Wolken kommen und das Amt des Messias erhalten; denn der Messias ist etwas Aktives. Wenn keine haltbaren Beobach- tungen der Überlieferung entgegengestellt werden können, daß Jesus sich gegen Ende seiner Wirksamkeit „den Menschensohn“ genannt hat (im Sinne Daniels), so können m. E. noch weniger durchschlagende Bedenken gegen die Selbstbezeichnung „der Sohn“ geltend gemacht werden, weil es schlechthin unerfindlich ist, wie er zur Überzeugung, der zukünftige Messias zu sein, hat 1) Man beachte, wie die beiden Hälften des Spruchs durch ἀπεκά- λυψας und ἀποκαλύψῃ korrespondieren, Harnack, Sprüche Jesu. 14 210 Exkurs I. kommen kónnen, ohne sich zuvor als in einem einzigartigen Verhältnis zu Gott stehend zu wissen. Was Jesus aber hier von sich als dem Sohn sagt, das geht nur in der prügnanten Form, nicht aber im Gedanken selbst über andere Aussagen hinaus!. Die ursprüngliche Fassung des Spruchs (in Q) läßt sich mit guten Gründen verteidigen; aber die kanonische Fassung in bei- den ist „johanneisch“ und unhaltbar. Durch die Einschiebung und die Voranstellung des Satzes, daß den Sohn niemand er- kennt als der Vater, und durch die Verwandlung des Aorists in das Präsens ist alles geändert? — so sehr geändert, daß selbst der Sinn des ταῦτα und des πάντα in dem Satze μπάντα uot παρεδόϑη' ins Schwanken zu geraten droht?. Eine formelle Gleichheit von Vater und Sohn, die nur durch die Namen ge- trennt sind, und ein Verhältnis von Vater und Sohn, das nie begonnen hat, sondern ruhend immer dasselbe ist, kommt nun zum Ausdruck. Zwar braucht man nicht notwendig so zu exege- 1) Für das hohe Alter resp. die Ursprünglichkeit des Spruchs möchte ich mit aller Reserve schließlich noch ein geschichtliches Zeugnis anrufen. Ich teile die Zuversicht nicht, mit der jüngst zahllose Gedanken und Worte des Paulus auf Herrnworte zurückgeführt worden sind; aber wenn ich I Kor. 1, 19. 21 lese (γέγραπται yo` ἀπολῶ τὴν σοφίαν τῶν σοφῶν, καὶ τὴν σύνεσιν τῶν συνετῶν ἀθετήσω . .. ἐπεὶ γὰρ ἐν τῇ σοφία τοῦ ϑεοῦ οὐκ ἔγνω ὁ κόσμος διὰ σοφίας τὸν ϑεὀν, εὐδόκησεν ὁ ϑεὸς διὰ τῆς μωρίας τοῦ κηρύγματος σῶσαι τοὺς πιστεύοντας), so fällt immer wieder die Übereinstimmung mit unserem Spruche im Gedanken und z. T. im Wortlaut auf, der freilich ins Paulinische übersetzt ist. Indessen der Eindruck kann tüuschen, und zu einem Beweise reicht es lange nicht. Pfleiderer, Das Urchristentum 12 S. 4856, meint, daß die Abhängigkeit von Paulus sehr wahrscheinlich ist, Aber νήπιοι ist nicht paulinisch (s. ο.), und „der spezifisch paulinische Gedanke, daß die wahre Christus- und Gotteserkenntnis dem natürlichen Menschen verborgen sei und nur durch den Geist Gottes dem menschlichen Sinn geoffenbart werde“, wird von Pfleiderer in unseren Text, der es mit einem ganz anderen Gegensatz zu tun hat, einfach eingetragen. 2) Man beachte auch, daß durch die Einschiebung die rhythmische Form des Spruchs verstärkt ist. Das ist für die Frage, ob und in welchem Maße die Rhythmen in den Sprüchen Jesu ursprünglich sind, nicht gleich- gültig. 3) Ganz konsequent hat man nun auch παρεδόθη in παραδέδοται zu verwandeln gesucht (bei Justin und Hippolyt, s. o.), doch ist diese Kor- rektur nicht mehr in die Manuskripte gedrungen. Zu Matth. 11, 25—29, Luk. 10, 21. 99. 211 sieren!, aber viel kann man davon nicht abdingen?, Hat Matth. schon so geschrieben, so kam an einem der wichtigsten Punkte — auch wenn man die Stelle zurückhaltender interpretiert — seine eigene Christologie der johanneischen sehr nahe, und es kann dann nur an seiner relativ treuen Wiedergabe seiner -Quellen liegen, daß das in seinem Evangelium nicht häufiger her- vortritt. IV. Den zweiten Spruch, den Matth. unmittelbar an den ersten anschließt, besitzen wir nur im Evangelium des Matth. In den 1) Man kann das Präsens ἐπιγινώσκει bei Matth. auch so interpre- tieren, daß es durch das voranstehende παρεδόϑη determiniert ist und daher nicht zeitlos, sondern als Folge eines geschichtlichen Aktes zu ver- stehen ist. 2) Zahn (Matth. S. 441) erklärt: „Der Sohn ist alen nicht nur der Offenbarungsmittler, welcher den Empfänglichen die Erkenntnis Gottes mitteilt, sondern er ist selbst ein dem Menschen zunächst verschlossenes Geheimnis, das der Enthüllung bedarf. Der Sohn gehört mit zu den Gegen- ständen (ταῦτα), auf deren Erkenntnis es jetzt ankommt. Die Erkenntnis des Sohnes als des einzigen Sohnes Gottes im vollen Sinn des Wortes gehört mit der Erkenntnis Gottes als des Vaters Jesu und des Vaters derer, die es durch ihre Zugehörigkeit zu Jesu werden, untrennbar zu- sammen. Es ist aber bezeichnend, daß die Erkenntnis des Sohnes an erster Stelle genannt ist. Das ist das Neue, die gegenwärtige Offenbarung von allem früheren Unterscheidende, daß ein Mensch da ist, welchen zu erkennen der Weg ist, um zur Erkenntnis Gottes zu gelangen. Ebenda- durch ist die jetzt zu gewinnende Gotteserkenntnis eine neue. Wir Mo- dernen würden sagen: mit der Person Jesu ist eine neue Religion, das Christentum, vorhanden. Während von der Erkenntnis des Vaters aus- drücklich gesagt wird, daß nur der Sohn sie mitteile, fehlt eine ent- sprechende Angabe in bezug auf die Erkenntnis des Sohnes. Es liegt aber auf der Hand, daß die Mitteilung auch dieser Erkenntnis nur von dem- jenigen ausgehen kann, von dem es heißt, daß er der einzige Inhaber derselben sei, von dem Vater. Der Vater offenbart den Sohn, wie der. Sohn den Vater [!. Da aber diese beiden Erkenntnisse nur zwei Seiten desselben, jetzt zur Offenbarung gelangenden Geheimnisses sind, so folgt, daß der Vater und der Sohn in Gemeinschaft miteinander so- wohl Subjekt als Objekt der Offenbarung sind“ [von mir ge- sperrt]. Das genügt wohl, um über die Historizität des von Matth. über- lieferten Spruchs ins Klare zu kommen. Merkwürdig, daß auch die Voranstellung des Satzes „den Sohn erkennen“ von Zahn sachlich gerecht- fertigt wird, während sie doch aus der Zwangslage stammt, daß man den Satz „und wem es der Sohn offenbart“ von dem Satz „den Vater er- kennen“ nicht trennen durfte. 14* 919 Exkurs I. Übersetzungen und Zitaten finden sich kaum Abweichungen: 1. fehlte bei Tatian in v. 28 πάντες; 2. war bei ihm nach καὶ πεφορτισμένοι wahrscheinlich eingeschaltet „et qui habetis graves afflictiones^ (bzw. „onera gravia“)!; 3. in v. 29 bietet Ephraem: ὅτι ἥσυχός εἰμι, πραῦς καὶ ἐπιεικὴς καὶ ταπεινὸς τῇ καρδίᾳ. Nur das Fehlen des πάντες ist erwügenswert; es findet sich aber in Syr. out. und Ser. sin. 71π᾽ ἐμοῦ in v. 29 fehlt, soviel ich sehe, in den Zitaten und Übersetzungen nirgends; es ist daher nicht gestattet, es allein auf die Autoritüt von N (pr. m.) zu streichen. Der Spruch — das Aramüische als Original ist unverkenn- bar — ist rhythmiseh noch besser durchgebildet als der erste und von den Begriffen φορτίον und ἀνάπαυσις beherrscht: Δεῦτε πρός µε (πάντες) οἱ κοπιῶντες καὶ πεφορτισμένοι, κἀγὼ ἀναπαύσω ὑμᾶς: Anere τὸν ζυγόν µου ἐφ᾽ ὑμᾶς καὶ μάϑετε ἀπ᾽ ἐμοῦ, ὅτι πραῦς εἰμι καὶ ταπεινὸς τῇ καρδίᾳ, καὶ εὑρήσετε ἀνάπαυσιν ταῖς ψυχαῖς ὑμῶν: O γὰρ ζυγός µου χρηστός, καὶ τὸ φορτίον μου ἐλαφρόν (ἐστιν). Gerichtet ist er nicht an den Jüngerkreis, sondern an Außen- stehende; aber nicht an die νήπιοι ist gedacht (noch weniger an Sünder), sondern an solche, die unter dem schweren Joch der Satzungen sich abmühen?, Also ist Matth. 23, 4 zu vergleichen. Formell ist die Fassung der des ersten Spruchs ühnlich. Wie dort zuerst für die Offenbarung als solehe gedankt und dann diese Offenbarung als durch den Sohn geschehend bezeiehnet wird, so wird hier zuerst die allgemeine Ankündigung der Ruhe gegeben 1)Die Abweichungen in der Pistis Sophia und bei Agathangelus kommen nicht in Betracht, da sie bloße Paraphrasen sind. Bei Pseudo- cyprian adv. Jud. 7 lautet der Spruch: „Venite ad me omnes qui sub onera laboratis, et ego vos reficiam . . . . . . est enim iugum meum placidum et onus [die afrikanische Übersetzung lautete „sarcina“, s. Ter- tullian und Cyprian] levissimum*. 2) Vielleicht ist diese Erklärung zu bestimmt: οἱ κοπιῶντες sind allgemein „die sich Abmühenden“; aber aus der Kombination von πεφορ- τισµένοι und μάθετε ἀπ’ ἐμοῦ läßt sich mit Wahrscheinlichkeit folgern, daß Jesus solche im Auge hat, die unter den Lasten pharisäischer Lehrer und pharisäischer Gesetzesbeobachtung stehen. bbs m o Να. Zu Matth. 11, 25—29, Luk. 10, 21. 22. 213 und sodann gesagt, daß sie durch die Aufnahme seines Jochs zustande kommt. Die ἀνάπαυσις erinnert an die Makarismen und an den Schluß des im Hebräer-Ev. überlieferten Spruchs: (βασι- λεύσας) ἐπαναπαύσεται!; der zweiten Hälfte liegt Jerem. 6, 16 zu- grunde?, Die Formgebung erinnert an den Spruch bei Mark. 6, 31: -Φεῦτε... ἀναπαύσεσθε, und die Situation an den dort gleich folgenden Spruch (v. 34): εἶδεν πολὺν ὄχλον, καὶ ἐσπλαγχνίσθη ἐπ᾽ αὐτούς, ὅτι ἦσαν ὡς πρόβατα μὴ ἔχοντα ποιμένα. Auch seine, Jesu, Gebote — um diese handelt es sich — sind ein Joch? wie alle Lehr- und Lebensgebote, aber gegenüber den Lasten, welche die Schriftgelehrten auferlegen, sind sie ein süßes4 Joch und eine leichte Last. Das „xal“ vor „uddere* kann konsekutiv und das ὅτι darf nicht begründend verstanden wer- den: „so werdet ihr von mir lernen®, daß ich sanftmütig und demütig? bin“. Durch diesen Satz gibt Jesus seiner Person eine Bedeutung wie für die Art seiner Gebote so auch indirekt für ihre Aneignung, und insofern besteht eine starke sachliche Ver- wandtschaft mit dem ersten Spruch. Eben diese sachliche und innere Verwandtschaft wird Matth. bestimmt haben, den Spruch jenem folgen zu lassen, aber ursprüng- lich haben sie schwerlich zusammengehórt; denn die Situation 1) S. Sitzungsber. 1904, S. 1751£.; ζητεῖν ἀνάπαυσιν Matth, 12, 43. 2) Der ganze Spruch ist voll alttestamentlicher Reminiszenzen, vgl. vor allem Jes. 55, 1 (auch 14, 3; 28, 12); Jerem. 91, 20; Jes. 42, 2. Zu beachten ist, daß Jerem. 0, 16 in selbständiger Übersetzung wiedergegeben ist; denn in der LXX findet sich ἀνάπαυσις nicht; es steht dort ἁγνισμός. Das ist für den Ursprung des Spruchs wichtig. 3) Didache 6 heißt die Lehre (die Gebote) Jesu „ó ζυγὸς τοῦ κυρίου“. Vgl. auch Act. 15, 10: νῦν οὖν vl πειράζετε τὸν Θεόν, ἐπιϑεῖναι ζυγὸν ἐπὶ τὸν τράχηλον τῶν μαθητῶν, ὃν οὔτε οἱ πατέρες ἡμῶν οὔτε ἡμεῖς ἰσχύσαμεν βαστάσαι. „Joch“ für Gebote ist bei den Rabbinen technisch. 4) Χρηστός findet sich in den Evangelien nur noch Luk. 5, 39; 6,35; an der letzteren Stelle wird es von Gott gebraucht und ebenso Róm. 2,4 und I Petr. 2, 3 (nach einer Psalmstelle). Xonorörng wird ebenfalls gern von Gott ausgesagt. Sowohl die Lateiner als Syr.sin. übersetzen an unserer Stelle χρηστός durch „suavis“, 5) Ἠλαφρός findet sich im N.T. nur noch II Kor. 4, 17. 6) Μανθάνειν ἀπό τινος auch Mark. 13, 28 (Matth. 24, 32); Gal. 5,2; Koloss. 1, 7; Hebr. 5, 8. 7) ταπεινός: nur hier bei Matth. 214 Exkurs I. ist in beiden Sprüchen eine verschiedene!: es handelt sich in dem ersten Spruch um die Gotteserkenntnis und ihre Offenbarung, in dem zweiten um die Gebote für das Leben; außerdem ist der erste Spruch ein Lobgebet, der zweite ein Missionsruf? Dann aber ist es nieht gewiß, daß der Spruch aus der Quelle Q stammt, da er bei Luk. fehlt. Will man sich für die Zugehörigkeit zu ihr auf die innere Verwandtschaft berufen, so darf man nicht vergessen, daß der erste Spruch in Q singulär ist und nicht einen Typus in dieser Quelle darstellt. Für die Zugehórigkeit zu Q könnte man sich darauf berufen, daß der Anfang des ersten Spruchs naeh Sirach 51, 1 gebildet zu sein scheint (ἐξομολογήσο- uai σοι, κύριε βασιλεῦ) und daß auch der zweite Spruch in Sirach 51 Parallelen hat (v. 23: ἐγγίσατε πρός με, τ. 36: τὸν τράχηλον ὑμῶν ὑπόθετε ὑπὸ ζυγόν, τ. 27: καὶ εὗρον ἐμαυτοῦ πολλὴν ἀνάπαυσιν). Allein diese Parallelen sind zu allgemein, um ins Gewicht zu fallen. Also muß die Frage offen bleiben, aus welcher Quelle Matth. den Spruch geschópft hat." Muß dieser Spruch aus sekundärer Überlieferung stammen? Ich sehe keine durchschlagenden Gründe dafür. Sie können nicht in der Form liegen; denn es ist Willkür zu behaupten,- die älteste Tradition habe Jesus nicht so sprechen lassen können bzw. Jesus habe so nicht gesprochen. Sie liegen auch nicht in dem allgemeinen Inhalte; denn daß Jesus die, welche sich mit den pharisüischen Satzungen abplagten, für Beladene gehalten und daß er solchen (man darf „Seelen“ nicht pressen) Ruhe ver- heißen hat, kann nicht bezweifelt werden. Sie liegen aber schließ- lich auch nicht in dem speziellen Inhalte, daß man nach Aufnahme seines Jochs von ihm lernen wird, daß er sanftmütig und demütig ist; denn diese Selbstbezeichnung ist zwar einzigartig, aber an Selbstbezeichnungen fehlt es in der guten Überlieferung auch 1) Viel wahrscheinlicher ist, daß die Fortsetzung des Spruchs bei Luk, (10, 23. 24) die ursprüngliche ist — Matth. hat diesen Spruch cap. 13, 16. 17 —, aber beweisen läßt sich auch das nicht. 2) 4εῦτε kommt öfters bei Matth. vor, ist ihm aber im N.T. nicht eigentümlich. 3) Worin die Ruhe besteht, brauchte nicht gesagt zu werden, und die Frage, ob im Diesseits oder im zukünftigen Reich, ist hier nicht an- gebracht. — Wenn es gewiß ist, daß er sich an die Kranken gewendet hat, so sind damit auch diese κοπιῶντες gedeckt. Zu Matth. 11, 25—29, Luk. 10, 21. 22. 215 sonst nieht. Sie ist wahrscheinlich messianisch! und findet dazu in II Kor. 10, 1 eine merkwürdige Bestätigung. Paulus schreibt dort: Παρακαλῶ ὑμᾶς διὰ τῆς πραὔτητος καὶ ἐπιεικείας τοῦ “Χριστοῦ. Es war also den Korinthern dureh die Verkündigung des Apostels die πραὔτης καὶ ἐπιείκεια Christi nicht nur etwas Bekanntes und Geläufiges, sondern auch etwas Formelhaftes. Die Annahme liegt nicht fern, daß Paulus unseren Spruch ge- kannt hat, wenn die πραὔτης καὶ ἐπιείχεια Χριστοῦ geradezu ein terminus technicus war. Die umgekehrte Annahme, daß II Kor. 10 eine Quelle des Spruchs ist, wäre abenteuerlich. In- dessen zum Beweise einer Abhängigkeit reicht auch hier der Tat- bestand nicht aus. Der erste der beiden Sprüche, der aus Q stammt, gehört der besten Quelle an, die wir über Jesus besitzen, und durch- schlagende Bedenken sind gegen seinen Inhalt nicht geltend zu machen, sobald nur seine ursprüngliche Form wiederhergestellt wird. Der zweite Spruch kann aus Q, aber er kann auch aus einer anderen Quelle stammen; er ist höchst wahrscheinlich nicht die Forsetzung des ersten Spruchs. Daß er einer sekundären Überlieferung angehört, läßt sich nicht beweisen. Die Wörtlichkeit der Überlieferung ist natürlich in keinem Falle garantiert; aber für die Anerkennung der relativen Echtheit der Sprüche ist es entscheidend, daß im ersten 'alles auf die Gotteserkenntnis und ihre Offenbarung, im zweiten alles auf das 1) Zugrunde liegen wohl Jes. 42, 2 und verwandte Stellen. — Sehr zu beachten ist, daß jeder Hinweis auf Kreuz und Tod hier fehlt. In einem christlichen Gedicht der Folgezeit würde er schwerlich gefehlt haben. Jesus sagt, daß man von ihm Sanftmut und Demut ablernen soll und daß die Sanftmütigen und Demütigen Ruhe finden werden — nichts anderes. Der Spruch, daß man sein Kreuz auf sich nehmen und ihm nach- folgen soll, ist jedenfalls jünger als unser Spruch. Auch ist der scheinbare Widerspruch zu den Geboten, in denen das Gesetz verschärft wird, und zu den Sprüchen, in denen es heißt, man müsse durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen, eher ein Zeichen der Echtheit als der Unecht- heit. Ich kenne keine Beweise dafür, daß die Urgemeinde das Joch Jesu als wohltuend und seine Last als leicht empfunden hätte — ausgenommen I Joh. 5, 3 (αἱ ἐντολαὶ αὐτοῦ βαρεῖαι οὐκ εἰσίν), welche Stelle vielleicht auf unseren Spruch zurückblickt. Die Auflösung des Widerspruchs liegt bei Jesus darin, daß durch sein Vorbild, an welchem man lernen soll, die Gebote leicht werden. 216 Exkurs 11. Joch Jesu im Sinne von Geboten gestellt ist; daß ferner im ersten Spruch als die Vorbedingung der Gotteserkenntnis die Ein- falt, im zweiten Spruch als die Vorbedingung der .ἀνάπαυσις" die Sanftmut und Demut bezeichnet wird; daß weiter in beiden Sprüchen die (pharisäischen) „Fertigen“ den Gegensatz bilden und der jüdische Horizont streng eingehalten ist, und daß sich endlich im ersten Spruch Jesus als Vermittler der Gotteserkennt- nis, im zweiten als Lehrer und Vorbild quietistischer Tugenden darstellt und Leiden und Kreuz nicht einmal gestreift werden!. , Versteht man unter „Evangelium“, was Paulus und Markus darunter verstanden haben, so sind unsere Sprüche nicht „evan- gelisch^ und haben überhaupt mit dem Spezifischen des Paulinis- mus niehts gemeinsam. Man hat nur die Wahl, sie einem nach- schaffenden Propheten der jüdisch-christlichen Urgemeinde, der — auffallend genug — den Kreuzestod Jesu unberücksichtigt ließ, zuzuschreiben oder Jesu selbst. Bei dieser Wahl scheint mir die Entscheidung nicht zweifelhaft. Exkurs II. Über die Himmelsstimme bei der Taufe (Luk. 3, 22). Schon für Matth. und Luk. bildete die Taufe Jesu durch Johannes eine gewisse Verlegenheit (s. J. Bornemann, Die Taufe Christi dureh Johannes, Leipzig 1896), und der vierte Evangelist hat sie durch die Art seiner Darstellung nahezu be- seitigt. Auch in der Folgezeit zeigt sich die fortwirkende Un- bequemlichkeit der Überlieferung darin, daß man 1. in das alte römische Symbol die Taufe nicht aufgenommen und sich 2. über- haupt seltener auf sie bezogen hat als man nach der Bedeutung des Vorgangs erwarten sollte. In dieser Beziehung ist z. B. das Verhalten der Afrikaner lehrreich: man kann trotz der Fülle der neutestamentlichen Zitate weder bei Tertullian noch bei Cyprian und den älteren Afrikanern den Wortlaut der Himmelsstimme 1) Eben durch dieses negative Element erweisen sich unsere Sprüche als zu Q gehörig bzw. ihm nahestehend, denn in Q.fehlt es auch. Zu Luk. 3, 22. 217 bei der Taufe feststellen, weil sie von ihnen nie (auch von No- vatian nicht) zitiert wird!. Am unbequemsten aber mußte die Überlieferung sein, welche die Himmelsstimme (nach Ps. 2) so wiedergab: υἱός µου εἶ σύ: σήμερον γεγέννηκά oe — denn sie schloß, wenn man sich nicht mit Sophismen helfen wollte, die wunderbare Zeugung aus. Diese Fassung der Himmelsstimme findet sich in den Mss. des Matth. nie; aber im Luk. ist sie durch D und die alten La- teiner Vercell., Veron., Colbert. Paris, Corbej. (ff?, Rhedig. Vra- tisl. bezeugt?. Zu diesen Zeugen treten im Abendland Justin (zweimal), Acta Petri et Pauli 29, Lactant., Iuvene., Hilarius (fünfmal), der Übersetzer des Orig. (Hom. in Ezech. 17, 3)?, der Verf. der pseudoaugust. Quaest. Vet. et Nov. Test., Tychon., Faustus bei Augustin, Augustin‘. Nach dem Anfang des 5. Jahrh. ver- sehwindet die LA fast ganz; die Vulgata hat sie ausgelóscht. Im Morgenland ist sie, abgesehen von Justin, der auch hierher zu rechnen ist, nicht durch Tatian® und Irenäus, aber durch Clemens Alex.5, die Didascalia apost. (daher auch die App. Const) und Metbodius bezeugt. 1) Auch von den apostolischen Vätern und den klementinischen Ho- milien nicht. 2) Nach Epiphan. standen in dem ebionitischen Evangelium beide Fassungen. 3) Ob auch Origenes selbst? Auf Comm. in Joh. p. 37 (ed. Preuschen) darf man sich nicht mit Sicherheit berufen. Auch Hom. 27 in Luc. spricht dagegen. . | 4) Augustin schreibt (de consensu evv. II, 14, 31): „illud vero quod nonnulli codices habent secundum Lucam, hoc illa voce sonuisse, quod in psalmo scriptum est: „Filius meus es tu; ego hodie genui te“, quan- quam in antiquioribus codicibus Graecis non inveniri perhi- beatur [die griechischen Codd. sind für Augustin an sich die antiquiores], tamen si aliquibus fide dignis exemplaribus confirmari possit, quid aliud quam utrumque intellegendum est quolibet verborum ordine de caelo sonuisse ?“ 5) Das beweist freilich nichts, da Tatian eine Evv.-Harmonie ist; aber auch in Syr.sin. steht im Luk. die Fassung nach Ps. 2 nicht, auch nicht in der Peschittho. 6) Er bietet Paed. I,6, 25 merkwürdigerweise beide Sprüche hinter- einander ganz wie das Ebioniten-Evangelium nach Epiphanius. — Daß der Brief an Diognet die LA in seinem 11. Cap. bezeugt, ist unsicher; unsicher ist auch Celsus bei Orig. I, 41. 918. Exkurs Π. Nach dem heutigen Stand der Textkritik darf man hiernach mit Sicherheit urteilen: in den ältesten Exemplaren des Luk.-Ev.s, die im Abendland gelesen wurden, hat die Stimme überein- stimmend in der Fassung von Ps. 2 gestanden, im Morgenland aber stand diese LA nur in wenigen Exemplaren. Fragt man nun weiter, was Luk. selbst geschrieben hat, so kann nach unseren jetzt gewonnenen Erkenntnissen auch diese Entscheidung nicht zweifelhaft sein: die Konformierung der Texte des (Mark. und) Luk. mit dem Text des Matth. hat — das wissen wir — nicht nur sehr früh begonnen, sondern sie ist auch in der Zeit, die vor unseren Handschriften, ja vor den Kirchenväter-Zitaten, liegt, am stärksten gewesen; die Vorlagen der ältesten abendländischen Handschriften sind aber von ihr nicht so stark betroffen worden wie die morgenländi- schen. Also ist bei Luk. die Himmelsstimme in der Fassung des 2. Psalms einzusetzen!. Hat aber Luk. so geschrieben, so kann man unmóglich an- nehmen, daß er die ihm bei Markus vorliegende Überlieferung (σὺ εἶ ὁ υἱός µου ὁ ἀγαπητός, ἐν σοὶ εὐδόκησα) selbständig und willkürlich geändert hat; denn bequem konnte ihm nach dem, was er Cap. 1 und 2 erzählt hatte, die Fassung nach Ps. 2 nicht sein. Er hat sie also aufgenommen und an die Stelle des Markus- berichtes gesetzt, weil sie von einer Überlieferung geboten wurde, die er für glaubwürdiger oder mindestens für ebenso glaubwürdig wie die bei Mark. vorliegende gehalten hat. Da Luk. aber unmittelbar vorher und unmittelbar nachher der Quelle Q folgt und es deshalb a priori sehr wahrscheinlich ist, daß ein Bericht über die Taufe Jesu in Q gestanden hat, so ist es nicht minder wahrscheinlich, daß die Fassung der Himmels- stimme bei Luk. (nach Ps. 2) aus Q stammt und Luk. diese 1) Der Rekurs auf ein apokryphes Evangelium oder auf das Ein- dringen einer abweichenden mündlichen Übersetzung empfiehlt sich hier nicht, da man bei der Lósung solcher kritischer Probleme mit den be- kannten Größen so lange auszukommen suchen muß, als es irgend geht. Hier aber reichen sie in der Tat vollständig aus. Die Annahme eines nachträglichen Eindringens der LA in den Lukastext ist aus sach- lichen Erwägungen unwahrscheinlich und hat — nach der Entstehung des Vierevangelienkanons — keine Analogie für sich. Zu Luk. 3, 22. 919 Fassung für die des Mark. eingesetzt hat, weil er sie für zuver- — lüssiger hielt!. Hieraus ergiebt sich 1. daß Luk. die Quelle Q höher bez. mindestens so hoch geschätzt hat wie den Mark., 2. daß die Taufgeschichte samt einer Himmelsstimme nicht eine Erfindung des Mark. ist, sondern auf eine Legende zurückgeht, die hinter ihm und Q liegt, 3. daß diese Legende ihre ursprünglichere Form in Q hatte; denn die Himmelsstimme in der Fassung des Mark. (der Matth. folgt) stellt sieh als eine Abschwüchung gegenüber der Fassung in Q (Luk.) dar?. 1) Möglich ist, daß auch die Erzählung von der Lichterscheinung ‘bei der Taufe, deren ältester Zeuge Tatian ist, ursprünglich im Luk. und somit auch in Q gestanden hat; aber der Beweis läßt sich hier nicht so sicher führen wie bei der Himmelsstimme, da Mark. und Matth. nichts Entsprechendes bieten und die Erzählung in D fehlt. 2) Das σήμερον ist entscheidend, mag auch der Bericht des Mark. es implicite enthalten. Demgegenüber scheint es mir kaum in Betracht zu kommen, daB in Q (wie in der Urgeschichte bei Matth. und Luk.; aber hier realistisch, in Q bildlich) der Sohn als ,,gezeugter* prädiziert ist, während Mark. diesen Begriff überhaupt nicht bietet, Ein altes Zeugnis hat vielleicht die Fassung der Himmelsstimme nach Ps. 2 (d. h. also der Text von Q) an Hebr. 1, 5£; denn diese Stelle bezieht sich vielleicht auf den Vorgang bei der Taufe; doch ist die Beziehung nicht sicher. Berichtigung: S. 108 Z. 18 und S. 111 Sp. 3 unten füge zu πονηρός die Zahl 28. Stellenregister für die Rekonstruktion. Seite Matthäus. Te cedes HU ορ 7—129 .., 6. 88 1—11. 33. 88 2—4.6.11.12 38. 89 13.15.18. 25.206. 32 . . 40.95.99. 101 39. 40. 42. 44— 48 . 44. 89| 9—13 . 47. 94 19. 20. D 6 21—33 ὃ. gei, 97. 98. 100 1—5. 7—12 . 10.90.94 πο. ια 49. 99 16—18 . . 50.90 21. 24—28 . 51. 91 DAT i SE 5—10. 13 D4. 91 11212 56. 99 19—22 12. 92 Ila 98» 13. 93 TA 57. 92 ak M 13. 93 122013. 57. 93 | ιδ. 14. 93 162. 14. 93 24. 25 57. 90 96 . 14. 97 27—33 59. 97 34—40 61. 94. 98. 102 2 Rv EE) 3—13 . 14. 91. 101 16—27 . 16. 92. 94 PEN 0 19. 95 27—30. 32 . 19.95. 97 SB a 50. 90 3893—42 20. 95 43—45 21. 95 16:217 22. 94 31—33 23. 99 As es 24. 90 20 65. 101 Druck von August Pries in CDD νι ο ο ο one RD ~ Coe E B Ee OONN NN NN ο DM oc B eR A ακοή 1221832 . 65. 100 15; οἱ προς οὐ. 101 29s 075102 22100 82 DEREN ο 283. 4. 13. 23. 25—36 68. 96 1805 . 95. 100 37—39 25. 99 26—28. 37—41 73. 101 43—51 26. 98 14—30 84 29 28. 102 Lukas. ie se BEN 3258 7. 8. 9.16.17 6.8 113 33. 88 20-23 38. 89 27—30 44. 89 Sl, £u EEN 32.33.35.36. 44. 89 37.38.41.42. 10. 90 39 24. 90 40 . 57. 90 43. 44. 50. 90 46—49 51. 91 1E 52. 91 1—10 54. 91 18. 19. 64. 91 20. 22—28 14. 91 29. 30 TES 31—35 16. 92 DR ME. . 57. 92 57—60 12. 92 2 13. 93 3 14. 93 4 93 5.6 57. 93 7.8 13. 93 9 SCH, 10. 11 92. 93 12 ἦ 14. 98 AXE ILE Leipzig. 13—15 21. 22 . Me s 23. 24. 2—4 . 3 Ser 16. 29—32 . 14. 17.19.20: 23 39, 41. 42. 44. 46—52 SE EE 39.40.42—46 0:1: 79 de tr 23. 24. 26. 27. Date Due Library Bureau Cat. No. 1137 BS2290 .H3 1906 vol.2 Harnack, Adolf von, 1851 -- 1930 Sprüche und Reden Jesu : die Zweite Quelle des Mattháus und 39967000686308 KEE EE V ind EE : De ee EE ri priora νόμο E EE ^ TE Pm P at e Ven ee pai ci quaque ges ege tim nieto E ge Pinar ο Orne tre? οσο D gp t m,